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Podcast Seitensprung Extra: Beichte & Bestechung – Wenn 15 Autorinnen gemeinsam morden und ein Kloster zum Tatort wird

19. Oktober 2026

Was passiert, wenn 15 Krimiautorinnen gemeinsam eine Geschichte entwickeln, fünf Jahre daran arbeiten und ihre unterschiedlichen literarischen Handschriften miteinander verbinden? Das Ergebnis trägt den vielversprechenden Titel „Beichte & Bestechung“ und ist eine ebenso ungewöhnliche wie unterhaltsame Sammlung miteinander verflochtener Klosterkrimis. Ich habe drei Autorinnen Hannelore Koch, Bhavya Heubisch und Thea Lehmannn zusammen mit Büchereileiterin Beate Seyschab in einem 360 Grad Interview zu unserem Seitensprung Extra-Podcast eingeladen. Hier das VR 360 Grad Interview

Das Buch selbst erschien am März 2025 im myshow Verlag, umfasst 296 Seiten und kostet 16 Euro. Herausgegeben wurde es von Thea Lehmann. Die Idee und Konzeption entstanden unter Mitwirkung von Claudia Westhagen und dem Verlag. Beteiligt waren Autorinnen aus dem Umfeld des Vereins Mörderische Schwestern, der sich für die von Frauen geschriebene Kriminalliteratur engagiert.

Bereits die Ausgangssituation verspricht eine gehörige Portion schwarzen Humors. In einem bayerischen Kloster herrscht Krisenstimmung. Der Nachwuchs bleibt aus, die finanziellen Mittel werden knapp, und die Zukunft der geistlichen Einrichtung steht auf dem Spiel. Doch Äbtissin Fabiola denkt nicht daran, ihr Kloster kampflos aufzugeben. Sie entwickelt eine ebenso fromme wie gewagte Geschäftsidee: Eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit krimineller Vergangenheit soll nicht nur der Resozialisierung dienen, sondern zugleich neues Leben in die alten Klostermauern bringen.

Allerdings entwickelt sich die gut gemeinte Initiative anders als erwartet. Statt reuiger Sünder erscheinen zwielichtige Gestalten, ehemalige Mafiosi, Betrüger und andere Persönlichkeiten, deren Verhältnis zu Recht und Gesetz ausgesprochen flexibel ist. Bald wird das Kloster zum Treffpunkt der Unterwelt. Zwischen Gebeten, Beichten und kriminellen Machenschaften entstehen absurde Situationen, überraschende Wendungen und mörderische Verwicklungen. Besonders verdächtig erscheint der ehemalige Mafioso Salvatore, der sich als Gärtner betätigt und dessen Rosen auf geradezu unheimliche Weise gedeihen. Was steckt hinter dieser außergewöhnlichen Blütenpracht?

Fünfzehn Autorinnen und eine gemeinsame literarische Welt
Die eigentliche Besonderheit von „Beichte & Bestechung“ liegt jedoch weniger in seiner Handlung als in seiner Entstehung. Fünfzehn Autorinnen haben über einen Zeitraum von rund fünf Jahren an einem gemeinsamen literarischen Projekt gearbeitet. Dabei entstand kein klassischer Roman, bei dem eine einzige Erzählerin die Handlung bestimmt, sondern ein Geflecht aus vierzehn Geschichten, die durch einen gemeinsamen Schauplatz, wiederkehrende Figuren und eine übergeordnete Rahmenhandlung verbunden sind.

Ein solches Projekt verlangt erheblich mehr Abstimmung als eine gewöhnliche Anthologie. Schließlich muss jede Autorin ihre eigene Geschichte entwickeln können, ohne die Logik der gemeinsamen Erzählwelt zu beschädigen. Figuren müssen wiedererkennbar bleiben, Ereignisse aufeinander abgestimmt werden und die unterschiedlichen Erzählstränge miteinander harmonieren. Gerade bei Kriminalgeschichten, deren Wirkung häufig auf präzise konstruierten Überraschungen beruht, ist dies eine besondere Herausforderung.

Die unterschiedlichen literarischen Stimmen sind zugleich eine Stärke des Buches. Wo eine Autorin auf Spannung setzt, bevorzugt eine andere möglicherweise groteske Situationen, psychologische Abgründe oder pointierte Dialoge. Dadurch entsteht Abwechslung, ohne dass die gemeinsame Grundidee verloren geht. Das Buch bewegt sich zwischen Kriminalkomödie, klassischer Kurzgeschichte und einer episodenhaft aufgebauten Romanhandlung.

Dass diese Konstruktion anspruchsvoll ist, bestätigt auch Herausgeberin Thea Lehmannn über die Arbeit an Gemeinschaftsprojekten. Sie beschreibt die Schwierigkeit, einzelne Autorinnen bei der Ausgestaltung einer übergeordneten Rahmenhandlung zu begrenzen, damit das Zusammenspiel der Geschichten funktioniert. Für „Beichte & Bestechung“ wurde deshalb besonderer Wert darauf gelegt, die Figuren über die einzelnen Erzählungen hinweg miteinander zu verbinden.

Zwischen schwarzem Humor und menschlichen Abgründen
Literarisch lebt „Beichte & Bestechung“ vom reizvollen Gegensatz zwischen dem vermeintlich heiligen Ort und den ausgesprochen unheiligen Absichten seiner Besucher. Ein Kloster steht traditionell für Besinnung, Vergebung und moralische Orientierung. Hier wird es zum Schauplatz von Täuschung, krimineller Energie und menschlichen Schwächen. Diese Umkehrung vertrauter Vorstellungen liefert reichlich Stoff für Situationskomik und satirische Zuspitzungen.

Interessant ist dabei die Frage nach Schuld und Sühne. Können Menschen mit krimineller Vergangenheit tatsächlich einen neuen Weg einschlagen? Ist Reue eine Frage des Glaubens oder der persönlichen Überzeugung? Und wie weit darf jemand gehen, um eine vermeintlich gute Sache zu retten? Hinter dem unterhaltsamen Kriminalgeschehen verbergen sich damit durchaus ernsthafte Fragen nach Moral, Verantwortung und menschlicher Veränderung.

Die Verbindung von Religion und Verbrechen hat in der Kriminalliteratur eine lange Tradition. Schon Umberto Ecos „Der Name der Rose“ nutzte das Kloster als abgeschlossene Welt, in der sich Macht, Geheimnisse und Mord begegnen. Allerdings verfolgt „Beichte & Bestechung“ einen wesentlich leichteren Ansatz. Statt philosophischer Schwere dominieren schwarzer Humor, skurrile Charaktere und die Lust an überraschenden Verwicklungen.

Die besondere Stärke des Konzepts liegt in der Vielfalt der Perspektiven. Jede Autorin bringt ihre eigene Vorstellung davon ein, was einen gelungenen Krimi ausmacht. Dadurch entsteht ein literarisches Mosaik, das seinen Reiz gerade aus den unterschiedlichen Erzählweisen bezieht.

Allerdings birgt diese Konstruktion auch Risiken. Nicht jede Geschichte kann dieselbe Spannung entwickeln, nicht jede Pointe wird bei allen Leserinnen und Lesern gleichermaßen funktionieren. Auch die wechselnden Schreibstile können den Lesefluss gelegentlich unterbrechen. Wer einen streng durchkomponierten Kriminalroman mit kontinuierlich steigender Spannung erwartet, dürfte deshalb mit einer anderen Erwartung an das Buch herangehen müssen.

Frauen schreiben Krimis – und bestimmen die Spielregeln
Auch der Hintergrund des Projekts verdient Aufmerksamkeit. Die beteiligten Schriftstellerinnen stehen teilweise dem Netzwerk der Mörderischen Schwestern nahe. Dieser Zusammenschluss engagiert sich für die Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur von Frauen und unterstützt Autorinnen bei ihrer literarischen Arbeit.

„Beichte & Bestechung“ zeigt, welches kreative Potenzial in einer solchen Zusammenarbeit steckt. Statt ausschließlich auf die individuelle Leistung einer einzelnen Schriftstellerin zu setzen, steht hier die gemeinsame Entwicklung einer Geschichte im Mittelpunkt. Die Autorinnen müssen Ideen teilen, Kompromisse eingehen und sich auf die Figuren und Handlungsentwicklungen ihrer Kolleginnen einlassen.

Dass daraus nach fünf Jahren tatsächlich ein veröffentlichtes Buch entstanden ist, kann bereits als bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung gelten. Denn kreatives Schreiben ist häufig ein einsamer Prozess. Hier wurde daraus ein langfristiges Gemeinschaftsprojekt, bei dem unterschiedliche Temperamente, Erfahrungen und literarische Vorlieben zusammenfinden mussten.

Autorenlesung in der Gemeindebücherei Maisach
Vor kurzem stellten Hannelore Koch, Bhavya Heubisch und Herausgeberin Thea Lehmann das Buch in der Gemeindebücherei Maisach vor. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, nicht nur ausgewählte Geschichten kennenzulernen, sondern auch mehr über die außergewöhnliche Entstehung des Werkes zu erfahren.

Im Anschluss waren die drei Autorinnen zu Gast in einer Extra-Ausgabe des Podcasts „Seitensprung“ der Gemeindebücherei Maisach. Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange sprachen mit ihnen über das gemeinsame Schreiben, die Herausforderungen eines Projekts mit 15 Beteiligten und die Frage, wie aus zahlreichen individuellen Ideen eine zusammenhängende literarische Welt entstehen kann.

Fazit: Ein Krimiprojekt, das aus der Reihe fällt

Podcast Seitensprung (7): Wenn Bücher baden gehen – „Seitensprung“ über Schäden, Verantwortung und Neues aus der Bücherei

22. September 2026

Bücher, CDs und DVDs gehen durch viele Hände. Sie werden gelesen, gehört, angeschaut, mit nach Hause genommen und anschließend wieder in die Gemeindebücherei Maisach zurückgebracht. Meist funktioniert das problemlos. Doch manchmal kommt ein Buch mit Wasserschaden zurück, eine CD ist zerkratzt oder in einem Bilderbuch wurde mit Buntstiften gemalt. Genau darum geht es in der neuen Folge des Podcasts „Seitensprung“ der Gemeindebücherei Maisach. Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange sprechen über beschädigte Medien, Verantwortung, die neue Büchereisatzung – und natürlich über die nächsten Veranstaltungen.

„Wir sind relativ streng“, erklärt Beate Seyschab mit Blick auf beschädigte Medien. Das habe einen einfachen Grund: „Wir möchten unseren Bestand möglichst lange gut erhalten. Das sind Steuergelder, die wir dafür verwenden.“ Gerade angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel könne eine Bücherei beschädigte Bücher oder andere Medien nicht einfach unbegrenzt ersetzen. Und hier der Podcast:

Dabei geht es keineswegs nur um spektakuläre Schäden. Manchmal sind es umgeknickte Ecken, Kaffeeflecken, Sand zwischen den Seiten oder kleine Kritzeleien. Bei Bilderbüchern fehlen gelegentlich sogar Seiten. Bei CDs und DVDs ist die Kontrolle schwieriger, weil das Team natürlich nicht jedes zurückgegebene Medium komplett abspielen kann. Deshalb ist die Bücherei auch auf die Mithilfe ihrer Nutzerinnen und Nutzer angewiesen.

Entscheidend ist für Seyschab vor allem ein offener Umgang mit Missgeschicken. Denn natürlich kann immer etwas passieren. Ein Buch fällt herunter, ein Getränk wird verschüttet oder ein Kind entdeckt eine Buchseite als Zeichenfläche. Problematisch wird es erst, wenn ein offensichtlicher Schaden abgestritten oder verschwiegen wird.

„Wir sind alle nur Menschen und es passiert etwas“, sagt Seyschab. „Es gehört auch dazu, dass man Fehler macht. Aber es gehört auch dazu, dass man zu seinen Fehlern steht.“

Eine ihrer Lieblingsgeschichten aus dem Büchereialltag handelt von einem Bilderbuch, das mit einem roten Buntstift ausgiebig bemalt worden war. Auf den Schaden angesprochen, habe die betreffende Nutzerin „Stein und Bein geschworen“, dass es in ihrem Haushalt überhaupt keine roten Buntstifte gebe. Geschichten wie diese gehören offenbar zum Alltag einer Bücherei – ebenso wie ein Reiseführer, der bei der Rückgabe noch deutlich von einem unfreiwilligen Kontakt mit Wasser gezeichnet war.

Nicht erwischt bedeutet nicht nicht bemerkt
Dass bei der Rückgabe zunächst niemand etwas sagt, bedeutet übrigens nicht, dass ein Schaden unentdeckt bleibt. Bei der Menge der täglich zurückgegebenen Medien kann das Team nicht jedes Buch sofort Seite für Seite untersuchen. Manche Schäden fallen deshalb erst bei einer späteren Prüfung auf.

„Wir rufen dann an“, erklärt Seyschab. Bei regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern werde das Problem auch beim nächsten persönlichen Kontakt angesprochen. Dabei gehe es keineswegs darum, aus einem beschädigten Buch ein Drama zu machen. Viele Betroffene reagierten vernünftig und erklärten schlicht: „Geben Sie mir die ISBN-Nummer, ich kauf’s.“

Bei erheblichen Schäden ist das Prinzip einfach: Das Medium wird ersetzt. Ein durch Wasser stark beschädigtes Buch beispielsweise scheidet in der Regel aus dem Bestand aus. Wasser hinterlässt nicht nur unschöne Flecken. Es kann auch die Bindung und den Klebstoff beschädigen, sodass sich später einzelne Seiten lösen.

Wird ein Buch ersetzt, erhält die betreffende Person das beschädigte Exemplar. „Wir tauschen quasi aus, wir bereichern uns nicht“, betont Seyschab. Bei älteren Medien wird dagegen individuell entschieden. Ein Buch, das bereits zahlreiche Ausleihen hinter sich hat, wird anders bewertet als ein fast neues Exemplar.

Besondere Schwierigkeiten entstehen, wenn ein beschädigtes Buch gar nicht mehr lieferbar ist. Gerade bei regionalgeschichtlichen Veröffentlichungen kann das zum Problem werden. Lange verweist auf Bücher zur Geschichte Maisachs und des Landkreises: Solche Titel mögen keinen hohen materiellen Marktwert besitzen, können aber nicht ohne Weiteres nachgekauft werden. Geht ein solches Buch dauerhaft verloren, „dann fehlt Kultur in der Gemeinde“, bringt Lange die Bedeutung dieser Bestände auf den Punkt.

Eine neue Satzung für die Bücherei
Neben dem Umgang mit beschädigten Medien gibt es in der neuen „Seitensprung“-Folge ein zweites Verwaltungsthema: Die Gemeindebücherei bekommt eine aktualisierte Satzung.

Spektakuläre Veränderungen müssen die Nutzer allerdings nicht befürchten. Vielmehr wurden Regelungen angepasst, die im Laufe der Jahre schlicht überholt waren. So gab es in den früheren Räumen beispielsweise einen Taschenschrank, in dem Besucher ihre Taschen einschließen sollten. Dieser verschwand mit dem Umzug. Auch ein früher vorhandener öffentlicher Internetarbeitsplatz existiert heute nicht mehr.

Zugleich haben sich Angebot und Medienbestand der Bücherei verändert. Neue Medienformen kamen hinzu, andere verloren an Bedeutung. Auch die Regelungen zur Ersatzbeschaffung beschädigter Medien wurden ausführlicher gefasst.

Eine kleine Überraschung kündigt Seyschab ebenfalls an: Ein neues Medium soll künftig Einzug in die Gemeindebücherei halten. Welches das sein wird, möchte die Büchereileiterin allerdings noch nicht verraten. Langes scherzhafter Vorschlag, künftig endlich Super-8-Filme auszuleihen, dürfte es eher nicht sein.

Eine konkrete Änderung betrifft dagegen die Versäumnisgebühren. Sie steigen von bisher zehn auf künftig 20 Cent pro Tag und Medium. Seyschab verweist darauf, dass die Gemeindebücherei damit weiterhin vergleichsweise moderat bleibe. Andere Bibliotheken verlangten teilweise zusätzliche Gebühren etwa für Vorbestellungen oder bestimmte Neuerscheinungen. Solche Leistungen bleiben in Maisach kostenfrei.

„Ich bin seit 15 Jahren hier und da sind immer diese zehn Cent gewesen“, sagt Seyschab. Nach dieser langen Zeit sei eine Anpassung vertretbar.

Vorlesen, Harry Potter, Basteln und Krimis
Neben Satzungen, Gebühren und beschädigten Büchern soll natürlich das eigentliche Leben in der Bücherei nicht zu kurz kommen. Und deshalb gibt es wieder zahlreiche Veranstaltungen.

Am 24. September steht von 15 bis 16 Uhr die nächste Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahren auf dem Programm. Am 30. September folgen die „Maisacher Gespräche zur Popkultur“. Dieses Mal dreht sich unter dem Motto „Zwischen Zauberstab und Magie – Warum uns Harry Potter bis heute verzaubert“ alles um das weltweite Phänomen rund um Hogwarts, Harry, Hermine und Ron.

Auch der Oktober startet mit einem abwechslungsreichen Programm. Am 8. Oktober wird von 15 bis 16.30 Uhr Herbstdekoration gebastelt. Eingeladen sind Kinder ab sechs Jahren, die Schere, Stift und Kleber mitbringen sollen. Am 13. Oktober folgt von 15 bis 15.30 Uhr die englische Vorlesestunde.

Kriminell wird es schließlich am 14. Oktober um 20 Uhr. Bei der Krimilesung „Beichte und Bestechung“ wird ein Gemeinschaftswerk mehrerer Autorinnen vorgestellt. Voraussichtlich werden mehrere der beteiligten Schriftstellerinnen in der Gemeindebücherei zu Gast sein. Der Eintritt ist frei.

Gerade die Entstehung eines gemeinsam geschriebenen Romans macht Matthias J. Lange neugierig. Als Autor kenne er das Schreiben vor allem als eher einsame Tätigkeit. Bei Fachbüchern lasse sich die Arbeit noch relativ einfach auf einzelne Kapitel verteilen. Bei einem Krimi stelle sich dagegen die spannende Frage, wie unterschiedliche Schreibstile zu einer gemeinsamen Erzählung zusammenfinden.

Auch Seyschab freut sich auf den Abend. Zu den beteiligten Autorinnen gehört Thea Lehmann, die bereits mehrfach in Maisach zu Gast war. „Ich bin wirklich sehr gespannt“, sagt die Büchereileiterin.

So führt die neue „Seitensprung“-Folge einmal mehr mitten hinein in den Alltag der Gemeindebücherei Maisach. Und dieser Alltag besteht eben nicht nur daraus, Bücher ins Regal zu stellen und wieder herauszugeben. Eine Bücherei verwaltet öffentlich finanziertes Kulturgut, bewahrt regionale Literatur, organisiert Veranstaltungen und schafft einen Ort der Begegnung.

Und die vielleicht wichtigste Botschaft dieser Folge ist erstaunlich einfach: Wenn einem ein ausgeliehenes Buch tatsächlich einmal in die Badewanne fällt, ist das ärgerlich – aber kein Weltuntergang. Nur sollte man anschließend so ehrlich sein und es der Bücherei sagen.

Podcast Seitensprung: Lesen in der Gegenwartsgesellschaft – Besuch in der Gemeindebücherei Maisach

11. Mai 2026

Auf kleinen Kinderstühlen, die Knie fast auf Ohrhöhe, sprach Büchereileiterin Beate Seyschab mit mir in der dritten Folge des Videopodcasts Seitensprung der Gemeindebücherei Maisach über eine Frage, die simpel klingt und es doch nicht ist: Wie bekommt man Kinder heute noch zum Lesen?

Beate Seyschab, die die Gemeindebücherei Maisach leitet, ist in dieser Sache tatsächlich auf einer Mission – auch wenn sie das Wort selbst mit einem Lächeln relativiert. Regelmäßig besucht sie Kindergärten, Kinderkrippen und Horte in der Umgebung, liest vor, zeigt Bücher, macht neugierig. Die Resonanz ist, nach eigener Aussage, erstaunlich herzlich. „Kannst du nicht jeden Tag kommen?“, fragen die Kinder. Was die Büchereifachfrau dabei immer wieder erlebt: Es gibt Kinder, die zu Hause schlicht keine Bücher haben. Kein Bilderbuch, keine Gutenachtgeschichte. Das sei keine Ausrede der Kinder, betont Seyschab – die Verantwortung liege bei den Erwachsenen, die sich irgendwann vom Buch verabschiedet hätten.

Ich merke an, was viele Eltern im Speckgürtel Münchens kennen: Beide Partner arbeiten, die Mieten sind hoch, abends ist man schlicht erschöpft. Bleibt da noch Kraft für eine Vorlesestunde? Seyschab lässt diese Erklärung nicht gelten – zumindest nicht als Entschuldigung. Sie selbst sei alleinerziehend gewesen, habe bis 19 Uhr in der Bücherei gearbeitet und sei trotzdem jeden Abend mit ihren Kindern zum Buch gekommen. „Man kommt dabei selbst runter“, sagt sie. Und es brauche keine epischen Lesestunden: Ein Bilderbuch, eine kurze Geschichte – eine Viertelstunde reiche völlig. Ihr erwachsener Sohn, inzwischen 23, verlangt bei jedem Weihnachtsfest noch immer, dass seine Mutter die Briefe vom Weihnachtsmann von Tolkien vorliest. Manches hält eben.

Ein weiteres Thema, das die beiden beschäftigt, ist die Integration. Die Mittelschule Maisach schickt regelmäßig ihre Deutschklasse in die Bücherei – eine Lehrerin, die seit zwei Jahren hartnäckig daran arbeitet, dass Kinder mit Migrationshintergrund über das gemeinsame Lesen die neue Sprache besser erschließen. Fremdsprachige Literatur bietet die Bücherei kaum an, Englisch ist die Ausnahme. Der Zugang sei schwierig, gibt Seyschab zu, aber gelegentlich finde ein Kind privat den Weg in die Bücherei – und das sei dann jedes Mal ein kleiner Erfolg.

Dass Bücher teuer geworden sind, ist ein weiterer Gesprächsfaden. Das einstige Taschenbuch als erschwingliches Volksbuch existiert praktisch nicht mehr – 20 Euro und aufwärts sind heute üblich. Seyschaб sieht die Bücherei hier als demokratisches Korrektiv: kostenlos ausleihen, ausprobieren, zurückgeben wenn’s nicht gefällt. Rund zwei Neuanmeldungen täglich sprechen dafür, dass das Modell ankommt – auch bei Erwachsenen, die jahrelang nicht mehr gelesen haben und nun durch die Onleihe wieder den Weg zurück finden.

Besonders lebendig wurde unser Gespräch beim Thema Leseberatung. Seit der stationäre Buchhandel im Landkreis weitgehend verschwunden ist – in Maisach gibt es keinen klassischen Buchladen mehr, auch Fürstenfeldbruck bietet wenig –, übernimmt die Bücherei zunehmend die Beratungsfunktion. Seyschab schildert, wie das in der Praxis aussieht: nachfragen, herantasten, mehrere Vorschläge mitgeben. Und manchmal rettet ein rechtzeitig gestelltes Nachfragen vor einer Fehlberatung – wie im Fall der Dame, die einen „richtig blutigen Krimi“ wollte und dabei an Volker Klöpfels vergleichsweise harmlosen Kommissar Kluftinger dachte. Ein Griff zu Karen Rose oder ähnlichen Autoren hätte sie, so Seyschab trocken, „wahrscheinlich nicht schlafen lassen“.

Zum Abschluss gibt Seyschab noch einen Ausblick auf das Programm: Am 12. Mai steht eine englische Vorlesestunde an, am 20. Mai liest die Autorin Thea Lehmann aus ihrem neuesten Sachsen-Krimi – einem Roman, in dem der Hauptkommissar aus Mammendorf stammt und in die sächsische Schweiz versetzt wird, was dem Gespräch noch einen lokalpatriotischen Schmunzler beschert. Wer sich für die Pfingstferien (25. Mai bis 8. Juni, Bücherei geschlossen) mit Lesestoff eindecken möchte, sollte vorher vorbeikommen.