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PresseClub München: Slowenien setzt beim Gesundheitstourismus auf Natur, Individualität und Lebensqualität

2. Oktober 2026

Thermalwasser, medizinische Kompetenz, Bewegung, gesunde Ernährung und viel Natur: Bei einer Veranstaltung im PresseClub München präsentierte sich Slowenien als Gesundheits- und Wellnessdestination, die weit über den klassischen Kuraufenthalt hinausgehen will. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, wie Menschen ihre Gesundheit erhalten können, bevor Beschwerden entstehen.

Slowenien ist klein, doch gerade darin sehen die Tourismusverantwortlichen des Landes eine große Stärke. Zwischen Alpen und Adria, Wäldern, Weinregionen und Thermalquellen liegen oft nur kurze Wege. Diese Vielfalt soll künftig noch stärker für einen nachhaltigen Gesundheits- und Wellnesstourismus genutzt werden. Hier der komplette Vortrag als Video:

Bei einer Veranstaltung im PresseClub München unter dem Titel „Slowenien – Gesundheit und Wohlbefinden“ stellten Vertreter des slowenischen Tourismus und der Naturheilbäder ihre Konzepte vor. Rebeka Kumer Bizjak, Leiterin des Slowenischen Tourismusamtes in München, zeichnete zum Auftakt das Bild eines Landes, in dem Natur nicht nur Kulisse, sondern wesentlicher Bestandteil des touristischen Angebots ist.

„Slowenien ist ein Land faszinierender Kontraste“, erklärte Rebeka Kumer Bizjak. Alpenlandschaften, mediterrane Einflüsse, historische Städte, moderne Kultur, ausgezeichnete Gastronomie und eine ausgeprägte Thermaltradition lägen auf engem Raum beieinander. Gerade für Reisende, die Erholung mit Aktivität, Kulinarik und Kultur verbinden möchten, eröffne dies zahlreiche Möglichkeiten.

Eine besondere Rolle spielt dabei das Wasser. Slowenien verfügt über zahlreiche Thermal- und Mineralwasserquellen und eine lange Tradition der Naturheilbäder. Für Kumer Bizjak passt dies zu einem grundsätzlichen Wandel im Reiseverhalten. Gesundheit, Wohlbefinden und ein bewusster Umgang mit den eigenen Ressourcen würden für viele Gäste wichtiger. „Alles, was Sie hier erleben, kann Teil eines Weges zu mehr Wohlbefinden werden“, fasste sie den Anspruch zusammen.

Vom klassischen Kurort zum Gesundheitszentrum
Dass traditionelle Heilbäder keineswegs ein Auslaufmodell sind, machte Saša Požar, Leiterin des Verbandes der slowenischen Naturheilbäder, deutlich. Im Gegenteil: Der Boom von Gesundheitskliniken und sogenannten Longevity-Angeboten sei für die Thermen eher Chance als Konkurrenz.

„Kliniken bieten wichtige Diagnostik, moderne Technologien und personalisierte Programme. Heilbäder können aber etwas hinzufügen, das sich nicht einfach technisch herstellen lässt: Natur, natürliche Heilfaktoren, Ruhe und Wohlbefinden an einem Ort“, sagte Požar.

Entscheidend sei ein verändertes Gesundheitsbewusstsein. Menschen beschäftigten sich heute zunehmend mit ihrer Gesundheit, bevor sie krank würden. Sie wollten möglichst lange aktiv, leistungsfähig und selbstständig bleiben. Damit verändere sich auch die Funktion der Heilbäder. „Die Thermen entwickeln sich von Orten, die man besucht, wenn man krank ist, zu Orten, die man besucht, um gesund zu bleiben“, brachte Požar den Wandel auf den Punkt.

Gerade angesichts von Stress und hoher Belastung im Alltag gewinne dieser Ansatz an Bedeutung. Ein Aufenthalt solle nicht lediglich ein paar angenehme Tage ermöglichen. Ruhe, guter Schlaf, Bewegung, Naturerlebnisse und bewusste Ernährung könnten zusammenspielen. „Die Menschen brauchen Möglichkeiten, körperlich und mental wieder Kraft zu schöpfen, Zeit in der Natur zu verbringen und wieder zu sich selbst zu finden.“

Thermalwasser trifft medizinisches Wissen
Die besondere Stärke Sloweniens sieht Požar in der Verbindung natürlicher Ressourcen mit medizinischem Fachwissen. Auf einer Fläche von gut 20.000 Quadratkilometern finden sich Thermal- und Mineralwasser, Heilklima und weitere natürliche Heilfaktoren. „Natur allein reicht nicht aus“, betonte Požar. „Wenn wir sie aber mit dem Wissen unserer medizinischen Fachkräfte und mit unserer jahrhundertelangen Erfahrung verbinden, entsteht eine Kombination, die die slowenischen Heilbäder besonders macht.“

Zwölf slowenische Naturheilbäder gehören dem Verband an. Dabei gebe es bewusst kein einheitliches Konzept. Einige Einrichtungen konzentrierten sich stärker auf medizinische Anwendungen und Rehabilitation, andere auf Wellness, Prävention, Familien oder Aktivurlaub. Auch die jeweilige Landschaft präge das Angebot.

Ein Vorurteil möchte Požar dabei ausräumen: dass Thermal- und Heilbäder vor allem etwas für ältere Menschen seien. „Das ist ein überholtes Bild.“ Junge Gäste kämen inzwischen wegen Fitness, Gesundheitsvorsorge oder Digital Detox, Familien wegen gemeinsamer Erlebnisse und ältere Gäste, um ihre Mobilität und Gesundheit möglichst lange zu erhalten.

Gerade die Generation Z beschäftige sich teilweise früher mit Ernährung, Bewegung und Gesundheit als frühere Generationen. Wellness und Prävention seien damit längst keine Frage des Alters mehr. „Heilbäder sind nicht für alte Menschen. Sie sind für Menschen, die auf sich achten und möglichst gesund alt werden wollen.“

Drei Landschaften, drei Gesundheitswelten
Wie unterschiedlich solche Angebote aussehen können, erläuterte Jože Berus, Direktor der Terme Krka. Das Unternehmen verbindet mehrere Standorte, die auf einer gemeinsamen Gesundheitsphilosophie basieren, landschaftlich und inhaltlich jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Dolenjske Toplice gehört zu den traditionsreichen Thermalorten Sloweniens und liegt in einer waldreichen Umgebung. Ruhe, Erholung und medizinische Anwendungen stehen hier im Mittelpunkt. Šmarješke Toplice verbindet Gesundheitsangebote stärker mit Bewegung und verfügt unter anderem über einen Schwerpunkt im Herz-Kreislauf-Bereich. An der Adriaküste wiederum nutzt das Talaso Strunjan die natürlichen Bedingungen des Meeres für Thalassotherapie.

„Die Philosophie ist ähnlich, aber die Natur ist jeweils eine andere“, erklärte Berus. „Wir haben Wald, Hügellandschaft und Meer.“ Genau diese Umgebung werde gezielt in die Programme einbezogen.

Dabei spielen medizinische Fachkräfte weiterhin eine zentrale Rolle. Ärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sportexperten arbeiten gemeinsam an individuell abgestimmten Angeboten. Neben Behandlung und Rehabilitation gewinnt die Prävention an Bedeutung.

Auch das Sicherheitsgefühl sei insbesondere für ältere Gäste wichtig. Medizinische Teams vor Ort könnten ihnen ermöglichen, einen Urlaub zu genießen und gleichzeitig zu wissen, dass im Bedarfsfall professionelle Hilfe vorhanden ist.

Gesundheit geht auch durch den Magen
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist für Berus die Gastronomie. „Essen ist eine der wichtigsten Säulen der Gesundheit. Und wenn wir reisen, erinnern wir uns oft besonders an das, was wir gegessen haben.“

Deshalb setze Terme Krka möglichst auf regionale Rohstoffe und frisch zubereitete Speisen. Industriell vorgefertigte Lebensmittel seien weitgehend aus den Küchen verbannt worden. Je nach Gesundheitsprogramm könnten zudem individuelle Ernährungspläne entwickelt werden, beispielsweise für Menschen mit Diabetes, Zöliakie oder besonderen gesundheitlichen Zielen.

Wichtig sei dabei, dass gesundes Essen nicht nach Verzicht schmecke. „Das Essen muss nicht nur gesund sein, sondern auch gut schmecken. Die Gäste sollen es genießen.“ Idealerweise endet ein Gesundheitsaufenthalt deshalb nicht mit der Heimreise. Die Gäste sollen Wissen über Ernährung, Bewegung und einen gesundheitsbewussteren Lebensstil mitnehmen und in ihren Alltag integrieren können.

Individuelle Programme statt Wellness von der Stange
Dieser Ansatz zieht sich durch viele Angebote. Ärzte, Ernährungsfachleute, Physiotherapeuten, Sporttrainer und Köche sollen nicht nebeneinander, sondern gemeinsam arbeiten. Wandern und Radfahren, Thermalwasser und Massagen, medizinische Untersuchungen, Entspannung und Ernährung werden miteinander verbunden.

„Es geht darum, alle Bereiche unseres Lebens zusammenzubringen“, erklärte Berus. Ziel seien zunehmend maßgeschneiderte Programme statt standardisierter Wellnesspakete. Genau darin sieht auch Požar die Zukunft der Branche. In fünf oder zehn Jahren werde Wohlbefinden weniger ausschließlich mit Verwöhnen und klassischer Wellness verbunden sein. „Der Schwerpunkt wird stärker auf langfristiger Gesundheit liegen – auf Angeboten für Menschen, die gesund bleiben wollen.“

Slowenien bringe dafür gute Voraussetzungen mit: natürliche Heilfaktoren, medizinische Kompetenz und eine Thermaltradition, die teilweise Jahrhunderte zurückreiche.

Kein Massentourismus als Zukunftsmodell
Für Berus ist klar, dass Slowenien im Gesundheitstourismus nicht über Masse wachsen sollte. „Wir sind ein kleines Land mit rund zwei Millionen Einwohnern. Unser Weg kann nicht der Massentourismus sein.“

Statt immer größere Anlagen zu errichten und möglichst viele Gäste aufzunehmen, gehe es darum, die Qualität bestehender Angebote weiterzuentwickeln. „Unsere Vision sind individuelle Programme und hochwertige Leistungen mit einem Mehrwert für den Gast.“

Požar sieht gerade in der überschaubaren Größe Sloweniens einen Vorteil. Die Entfernungen seien kurz, sodass sich ein Aufenthalt in einer Therme problemlos mit Kultur, Gastronomie, Natur oder einem Ausflug ans Meer verbinden lasse. Gesundheitstourismus müsse deshalb nicht bedeuten, eine Woche ausschließlich innerhalb einer Thermalanlage zu verbringen. „In Slowenien ist alles nah beieinander“, sagte Požar. „Wer in ein Heilbad kommt, kann gleichzeitig Städte kennenlernen, die Landschaft erleben oder ans Meer fahren. Es gibt weit mehr zu entdecken als nur das Spa-Programm.“

Damit formuliert Slowenien einen Anspruch, der über klassische Wellness hinausgeht. Der Aufenthalt soll Erholung bieten, zugleich aber Anregungen für den Alltag liefern. Gesundheit wird dabei als Zusammenspiel von medizinischer Kompetenz, Bewegung, Ernährung, Natur und mentaler Erholung verstanden.

Oder, wie es bei der Präsentation in München immer wieder anklingt: Der moderne Kurgast soll nicht erst kommen, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Er soll kommen, damit es möglichst lange gut funktioniert.

Podcast: Nah dran (4) „Verbessere dich“ – Dietmar Schmidt über Journalismus, Vertrauen in der Pressearbeit

1. Oktober 2026

Manche journalistischen Karrieren lassen sich anhand von Jahreszahlen erzählen. Andere erzählen zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Bei Dietmar Schmidt ist beides kaum voneinander zu trennen. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München spricht Vorstandsmitglied Matthias J. Lange mit seinem Vorstandskollegen über ein langes Berufsleben zwischen Universität, Pressearbeit, Wissenschaftsjournalismus und PresseClub – und über eine journalistische Tugend, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Vertrauen.

Dietmar Schmidt wurde am 9. November 1939 in Mähren geboren. Seine ersten Erinnerungen sind geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. 1945 geriet die Familie in tschechische Gefangenschaft, seine Eltern mussten Zwangsarbeit leisten. 1946 kam die Familie nach Deutschland. Schmidt erinnert sich noch an die Grenze und an die weißen Armbinden, die dort abgelegt werden durften. Es sind Erinnerungen eines Kindes an eine Zeit, die sich tief eingeprägt hat. Hier der Podcast des PresseClubs.

Nach Stationen in Franken und im Rheinland kam Schmidt 1959 zum Studium nach München. Zunächst begann er mit Chemie, wechselte jedoch bald zu Geschichte, Politischer Wissenschaft und der damaligen Zeitungswissenschaft. Der Weg in die Kommunikation zeichnete sich ab – auch wenn er zunächst anders geplant war.

1968 begann schließlich ein Berufsleben, das eng mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden werden sollte. Sein Doktorvater empfahl ihm, sich auf die neu geschaffene Stelle eines Pressereferenten zu bewerben. Schmidt bekam den Job. Aus dem jungen Akademiker wurde einer jener Männer, die Hochschulkommunikation in Deutschland überhaupt erst als professionelles Arbeitsfeld etablierten.

Der Zeitpunkt hätte kaum spannender sein können. Die Studentenbewegung erreichte die Universität, Hörsäle wurden besetzt, Senatssitzungen gesprengt, politische Auseinandersetzungen bestimmten den Alltag. „Es waren wilde Jahre“, erinnert sich Schmidt. Und er stand mittendrin.

Damals war er gerade 28 Jahre alt. Bei studentischen Veranstaltungen geriet er sogar unter Verdacht, ein „Polizeispion“ zu sein, und wurde von Studenten eingekesselt. Gleichzeitig musste er versuchen, die Position der Universität gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu vermitteln.

„Es war zu Beginn ganz klar Pressearbeit“, sagt Schmidt. Dabei ging es ihm nicht nur darum, den Standpunkt der Universität zu verbreiten. Entscheidend war für ihn, Informationen einzuordnen und Sachverhalte richtigzustellen: „Da musste man natürlich schon schauen, dass man sozusagen das, was stimmt, versucht unter die Leute zu bringen.“

Die Bedingungen dieser frühen Hochschulkommunikation erscheinen aus heutiger Sicht beinahe abenteuerlich. Schmidt begann „mit einer halben Sekretärin in einem kleinen Kämmerchen“. Selbst eine elektrische Schreibmaschine war keine Selbstverständlichkeit.

Im Frühjahr 1969 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises der Hochschulpressestellen in Deutschland. Gerade einmal sieben hauptberufliche Pressereferenten deutscher Universitäten kamen damals zusammen. Für Schmidt zeigt diese Zahl eindrucksvoll, welchen Stellenwert Hochschulkommunikation zu jener Zeit besaß – und wie grundlegend sich das später verändern sollte.

Aus der klassischen Pressestelle entwickelte sich über Jahrzehnte eine professionelle Hochschulkommunikation. Interne Medien kamen hinzu, Wissenschaftskommunikation gewann an Bedeutung, neue Kanäle entstanden. Kommunikation wurde schließlich zur strategischen Aufgabe der Hochschulleitungen.

Doch Technik und Organisationsstrukturen waren für Schmidt nie das Entscheidende. Pressearbeit lebte für ihn vor allem von persönlichen Beziehungen.

Zu den Journalistinnen und Journalisten der Münchner Medienlandschaft pflegte er einen engen Kontakt. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, Rundfunk – man kannte sich. Und man wusste, was man voneinander erwarten konnte.

„Die wussten, dass ich sie nicht belüge“, beschreibt Schmidt dieses Verhältnis mit einem bemerkenswert einfachen Satz. Ebenso wichtig sei gewesen, den Journalisten Hilfestellung zu geben und manchmal einen Hinweis auf eine interessante Geschichte.

Vertrauen war die eigentliche Währung.
Dabei konnte es durchaus turbulent werden. Die Universitätskliniken gehörten zeitweise ebenfalls zu seinem Verantwortungsbereich. Erste Herztransplantationen, Herz-Lungen-Transplantationen, prominente Patienten oder Mehrlingsgeburten sorgten für enormes Medieninteresse. Schmidt erzählt von Pressekonferenzen auf Parkplätzen, von Reportern, die sich mit Blumensträußen Zugang zu Patientenzimmern verschaffen wollten, und von Fotografen, die gegenüberliegende Dächer erklommen, um einen Blick durch Klinikfenster zu erhaschen.

Geschichten aus einer Medienwelt, die technisch weit von der heutigen entfernt scheint – und in manchen Mechanismen doch erstaunlich vertraut wirkt.

Eine zentrale Herausforderung war schon damals die Vermittlung komplizierter Wissenschaft. Wie erklärt man Forschung so, dass Journalisten und Öffentlichkeit sie verstehen können, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen?

Schmidt entwickelte dafür einen bemerkenswert pragmatischen Ansatz. Eine freie Mitarbeiterin wählte er einmal ganz bewusst aus, weil sie zuvor nichts mit Wissenschaft zu tun gehabt hatte und aus der Modebranche kam. Seine Überlegung: Wenn man ihr ein wissenschaftliches Thema verständlich erklären konnte, konnte sie es anschließend auch anderen verständlich machen.

Bei aller Kommunikation blieb Schmidt die Trennung zwischen Pressearbeit und PR wichtig. Er bestand darauf, dass seine Abteilung „Pressereferat“ hieß. Der Weg über unabhängige und durchaus kritische journalistische Multiplikatoren war für ihn entscheidend. PR beschreibt er zugespitzt mit den Worten: „Wir sind schön, wir sind gut und wir sind besonders toll.“

Sein Verständnis von Pressearbeit war ein anderes: informieren, erklären, vermitteln – und dabei aushalten, dass Journalisten ihre eigenen Fragen stellen.

Diese Haltung führte Schmidt auch zur TELI, der Technisch-Literarischen Gesellschaft. Die traditionsreiche Organisation für Wissenschafts- und Technikjournalismus entstand in einer Zeit, als Pressestellen noch „literarische Büros“ genannt wurden. Schmidt war lange Vorsitzender der Münchner Gruppe. Die TELI hatte einst mehrere hundert Mitglieder, organisierte regelmäßige Veranstaltungen und brachte Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus miteinander ins Gespräch.

Heute blickt Schmidt mit einer gewissen Wehmut auf diese Entwicklung. Viele Funktionen solcher Vereinigungen haben sich durch digitale Medien verändert. Vorträge und Fachinformationen sind jederzeit online verfügbar, Kommunikationswege haben sich vervielfacht. Dennoch hält er seriöse Wissenschaftskommunikation keineswegs für überholt. Im Gegenteil.

„Es kommt immer auf den Weg an, den eine Nachricht nimmt“, sagt Schmidt. Wissenschaft brauche weiterhin ausführliche Formen, aber ebenso kurze Formate für Menschen, die keine langen Fachtexte lesen. Print, Fernsehen, Blogs und soziale Medien können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Auch der PresseClub München ist für Schmidt seit Jahrzehnten ein solcher Ort der Kommunikation. Seit den frühen 1970er Jahren gehört er dem Club an, seit vielen Jahren engagiert er sich im Vorstand beziehungsweise Beirat.

Ursprünglich sei er in den PresseClub gegangen, um Menschen kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und sich beruflich auszutauschen. Der Netzwerkgedanke stand im Mittelpunkt.

Der PresseClub selbst hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war er nicht nur Veranstaltungsort, sondern Arbeitsstätte für Journalisten. Hier konnte man Texte schreiben und Nachrichten übermitteln. Bar und Sitzecken machten ihn zugleich zum Treffpunkt einer Branche.

Heute sitzt der PresseClub direkt am Marienplatz, gegenüber dem Münchner Rathaus. Die technische Funktion des Clubs ist weitgehend verschwunden – ein Smartphone reicht längst für viele Arbeiten aus. Umso wichtiger bleibt seine andere Funktion: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein Thema liegt Dietmar Schmidt dabei besonders am Herzen: der Herwig-Weber-Preis.
Herwig Weber war Münchner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender des PresseClubs. Schmidt beschreibt ihn als Journalisten, der „sehr liebevoll, sehr sachkundig“ über München schrieb. Nach Webers frühem Tod entstand Anfang der 1970er Jahre die Idee, mit einem Journalistenpreis an ihn zu erinnern.

Bis heute soll der Preis journalistische Arbeiten würdigen, die München nicht nur als touristische Kulisse betrachten, sondern sich mit dem tatsächlichen Leben der Stadt beschäftigen – mit seinen schönen und schwierigen Seiten, seinen Menschen, Konflikten und Besonderheiten.

Das Spektrum ist bewusst weit. Reportage, Bericht, Audio, Video oder Online-Beitrag können berücksichtigt werden. Entscheidend ist etwas anderes.

„Wir achten vor allen Dingen auf Qualität“, sagt Schmidt. „Es muss journalistisch gut geschrieben sein, es muss eine saubere Recherche sein. Und man muss es mit Freuden lesen können.“

Und vor allem muss München wirklich eine Rolle spielen. Eine Geschichte, die genauso gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte, reicht nicht. „Es muss spezifisch München sein.“

Schmidt gehört seit vielen Jahren der Jury an. Das Verfahren ist gründlich: Beiträge werden auf mehrere Jurymitglieder verteilt, diskutiert, erneut gelesen und schrittweise ausgewählt. Gerade Nachwuchsjournalisten sollen dabei eine Chance erhalten. Volontäre und Journalistenschüler wurden in der Vergangenheit bewusst berücksichtigt.

Für Schmidt kann eine solche Auszeichnung gerade am Beginn einer Karriere wichtig sein. Ein Journalistenpreis im Lebenslauf kann Türen öffnen und Mut machen.

Doch die Zukunft des Herwig-Weber-Preises ist nicht selbstverständlich. Die Finanzierung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Für die kommende Preisvergabe konnte erstmals die FAZ-Stiftung als Unterstützer gewonnen werden. Schmidt macht zugleich deutlich, dass eine dauerhaftere finanzielle Basis notwendig ist, wenn der traditionsreiche Preis langfristig bestehen soll. 2027 soll er auf jeden Fall wieder verliehen werden.

Vielleicht liegt gerade darin eine Parallele zwischen dem Preis, dem PresseClub und dem Journalismus selbst. Alle drei müssen sich verändern, ohne ihren Kern aufzugeben.

Denn die Werkzeuge haben sich längst gewandelt. Auf Schreibmaschine und Fernschreiber folgten Computer, Smartphone, soziale Netzwerke und inzwischen Künstliche Intelligenz. Nachrichten verbreiten sich heute in Sekunden. Wissenschaftler können ihre Öffentlichkeit selbst erreichen. Journalisten konkurrieren mit Blogs, Plattformen, Influencern und Algorithmen.

Was aber bleibt?
Am Ende des Gesprächs stellt Matthias J. Lange seinem Gast eine persönliche Frage. Dietmar Schmidt hat Herwig Weber selbst nie kennengelernt. Doch welchen Rat, so die hypothetische Frage, würde dieser erfahrene Journalist heute wohl einem jungen Kollegen geben?

Schmidt muss nicht lange über journalistische Werkzeuge, Plattformen oder Reichweiten sprechen. Seine Antwort besteht aus zwei Worten: „Verbessere dich.“

Es ist ein bemerkenswert schlichtes Schlusswort nach einem Berufsleben, das von Schreibmaschinen über Fernschreiber und Pressekonferenzen bis zur digitalen Kommunikation reicht.

Vielleicht steckt darin tatsächlich vieles von dem, was guten Journalismus ausmacht: neugierig bleiben, genau hinschauen, sauber recherchieren, verständlich schreiben, Kritik aushalten und niemals glauben, dass man schon alles kann. Die Technik verändert sich. Diese Haltung nicht.