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Journalismus zwischen Nähe, Haltung und Verantwortung – Dr. Uwe Brückner im PresseClub München

29. Oktober 2026

Was zeichnet guten Journalismus aus, welche Verantwortung tragen Medien für die Demokratie und wie verändert die digitale Kommunikation das Verhältnis zwischen Journalisten und ihrem Publikum? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Dr. Uwe Brückner, Vorsitzender des PresseClubs München, bei einer Veranstaltung des Fördervereins des PresseClubs vor Lehrerinnen und Lehrern. In seinem ebenso persönlichen wie medienkritischen Vortrag plädierte er für einen Journalismus, der unterschiedliche Positionen sichtbar macht, sorgfältig recherchiert und die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Zugleich warnte er vor einer zunehmenden Skandalisierung und Zuspitzung in der medialen Berichterstattung. Hier die Aufzeichnung:

„Ein guter Journalist ist ein Grenzgänger“, erklärte Brückner zu Beginn seines Referats. Damit meine er keineswegs die Missachtung gesellschaftlicher oder ethischer Grenzen. Vielmehr müsse Journalismus bereit sein, unterschiedliche Perspektiven zu erkunden, Positionen zu hinterfragen und sich auch mit unbequemen Themen auseinanderzusetzen. Jedes Thema besitze mehrere Grenzen, an denen verschiedene Interessen, Erfahrungen und Überzeugungen aufeinandertreffen. Diese sichtbar zu machen, gehöre zu den wesentlichen Aufgaben journalistischer Arbeit.

Wie sehr diese Haltung seine eigene Biografie geprägt hat, verdeutlichte Brückner anhand seiner Kindheit im oberfränkischen Bad Rodach, nur wenige Hundert Meter von der damaligen innerdeutschen Grenze entfernt. Dort wuchs er mit westdeutschen und ostdeutschen Medien auf. Während er im DDR-Fernsehen unter anderem die Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ verfolgte, lernte er durch Gespräche mit seiner Mutter, politische Aussagen kritisch einzuordnen. Die unterschiedlichen Darstellungen derselben Wirklichkeit hätten früh sein Interesse an Medien, politischen Zusammenhängen und der Bedeutung unabhängiger Informationen geweckt.

Brückner stammt aus einer Lehrerfamilie und besuchte ein musisches Gymnasium. Seine journalistischen Anfänge reichen bis in die Schulzeit zurück. Ein Schülerpressetag weckte sein Interesse an der Zeitungsproduktion und an der Fotografie. Bereits als Jugendlicher berichtete er über kulturelle Veranstaltungen und sammelte erste Erfahrungen als freier Mitarbeiter. Diese frühen praktischen Begegnungen mit dem Journalismus seien für seine weitere Entwicklung entscheidend gewesen.

Sein beruflicher Weg verlief allerdings keineswegs geradlinig. Nach erfolglosen Bewerbungen an der Deutschen Journalistenschule gelang ihm die Aufnahme an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Dort entwickelte er ein besonderes Interesse am Dokumentarfilm und an gesellschaftlichen Themen, die in der Öffentlichkeit häufig verdrängt wurden.

Als Beispiel schilderte er einen frühen Dokumentarfilm über sterbende Menschen. Für das Projekt arbeitete er zuvor mehrere Monate als Hilfspfleger in einem Krankenhaus, um die Lebenssituation der Betroffenen kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Vor der Kamera sprachen schwer kranke Menschen über ihre Ängste, Hoffnungen und ihre letzten Lebenswochen. Dabei wurden auch familiäre Sprachlosigkeit und der gesellschaftliche Umgang mit dem Sterben sichtbar. Für Brückner war diese Arbeit eine grundlegende journalistische Erfahrung: Entscheidend sei nicht allein die technische Qualität einer Produktion, sondern vor allem die Fähigkeit, Menschen zuzuhören und ihnen Raum für ihre persönliche Geschichte zu geben.

Diese Überzeugung prägte auch seine spätere Tätigkeit im Fernsehen. Brückner gehörte zu den frühen Akteuren des deutschen Privatfernsehens und war nach eigenen Angaben am Aufbau zahlreicher Fernsehprogramme beteiligt, darunter regionale Sender und Formate sowie Produktionen für RTL. Seine beruflichen Stationen führten ihn unter anderem zum Münchner Kabelpilotprojekt, zu RTL Plus und in den Bereich des Lokalfernsehens.

Ausführlich beschäftigte er sich mit der Entwicklung der journalistischen Bildsprache. Geprägt habe ihn dabei insbesondere sein Kameradozent an der Münchner Filmhochschule, der ihm die Bedeutung unterschiedlicher Einstellungsgrößen und räumlicher Distanzen vermittelte. Eine Kamera dürfe nicht lediglich aus sicherer Entfernung beobachten. Wer Menschen verstehen und authentische Aussagen erhalten wolle, müsse sich ihnen auch räumlich und emotional nähern.

Brückner kritisierte in diesem Zusammenhang die traditionelle Produktionsweise vieler Fernsehinterviews. Umfangreiche Technik, große Aufnahmeteams und mehrfach wiederholte Aussagen könnten dazu führen, dass Gesprächspartner zunehmend distanziert und formelhaft antworteten. Eine kleinere Kamera, unmittelbarer Blickkontakt und eine persönliche Gesprächssituation ermöglichten dagegen häufig offenere und glaubwürdigere Begegnungen.

Diesen Ansatz verfolgte er auch bei der Entwicklung und Etablierung des Videojournalismus. Die Verbindung von Recherche, Kameraarbeit und Schnitt in einer Person eröffne neue Möglichkeiten einer unmittelbaren Berichterstattung. Nicht die technische Perfektion allein entscheide über die journalistische Wirkung, sondern die Nähe zum Geschehen und die Fähigkeit, Vertrauen herzustellen.

Ein weiteres Beispiel für seinen Anspruch, journalistische Grenzen zu verschieben, war die Fernsehsendung „Der heiße Stuhl für Kinder“. Das Format entstand als Gegenentwurf zu einer konfrontativen Erwachsenensendung. Kinder im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren diskutierten darin mit Erwachsenen über gesellschaftspolitische Fragen. Themen waren unter anderem der Umgang mit ausländischen Mitbürgern, persönliche Freiheit und Tierversuche.

Brückner berichtete, dass die Sendung zunächst auf erhebliche Vorbehalte gestoßen sei. Kritiker hätten bezweifelt, dass Kinder in der Lage seien, komplexe politische und gesellschaftliche Themen öffentlich zu diskutieren. Die Erfahrungen hätten jedoch das Gegenteil gezeigt. Kinder argumentierten direkt, stellten unbequeme Fragen und ließen sich von der gesellschaftlichen Stellung ihrer erwachsenen Gesprächspartner kaum beeindrucken. Nach Brückners Angaben erreichte das Format zeitweise einen Marktanteil von 52 Prozent.

Für den Referenten war dies ein Beleg dafür, dass politische Kommunikation nicht ausschließlich Erwachsenen vorbehalten bleiben dürfe. Junge Menschen hätten eigene Erfahrungen, Interessen und Positionen, die in der öffentlichen Diskussion berücksichtigt werden müssten. Gerade vor einem Publikum aus Lehrerinnen und Lehrern unterstrich diese Erfahrung die Bedeutung einer frühen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen und demokratischer Streitkultur.

Einen Schwerpunkt seines Vortrags bildete der tiefgreifende Wandel der Medien durch das Internet und die sozialen Netzwerke. Über Jahrzehnte habe die klassische Medienwelt nach einem weitgehend einseitigen Sender-Empfänger-Modell funktioniert. Zeitungen, Radio und Fernsehen verbreiteten Informationen, während Leser, Hörer und Zuschauer überwiegend die Rolle passiver Empfänger einnahmen.

Mit der Digitalisierung habe sich dieses Verhältnis grundlegend verändert. Heute könne jeder Mensch selbst Inhalte produzieren, veröffentlichen und verbreiten. Die Bürger seien nicht länger ausschließlich Publikum, sondern zunehmend selbst Akteure öffentlicher Kommunikation.

Brückner erinnerte an die Erkenntnis eines früheren Kollegen aus dem Privatfernsehen, der bereits vor vielen Jahren auf die entscheidende Veränderung hingewiesen habe: Künftig würden die Zuschauer selbst zurücksenden. Diese Entwicklung habe die traditionellen Medien zunächst vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Während Fernsehsender vergleichsweise schnell mit Mediatheken und digitalen Angeboten reagierten, hätten viele Zeitungsverlage die Bedeutung der neuen Kommunikationsmöglichkeiten erst spät erkannt.

Besonders aufmerksam beobachtet Brückner inzwischen die Plattform TikTok. Dort interessiere ihn weniger die reine Unterhaltung als vielmehr die Frage, welche Themen Menschen eigenständig aufgreifen und öffentlich verhandeln. Gesundheit, persönliche Krisen, Beziehungen, gesellschaftliche Konflikte und individuelle Lebensgeschichten spielten dabei eine große Rolle.

Die sozialen Netzwerke machten sichtbar, welche Bedürfnisse nach Austausch, Information und öffentlicher Aufmerksamkeit von den klassischen Medien möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt würden. Gleichzeitig entstünden neue Formen unmittelbarer und emotionaler Kommunikation. Für den Journalismus ergebe sich daraus die Aufgabe, diese Entwicklungen ernst zu nehmen, ohne die eigenen professionellen Maßstäbe aufzugeben.

Deutliche Kritik übte der Vorsitzende des PresseClubs München an der zunehmenden Skandalisierung journalistischer Berichterstattung. Insbesondere im digitalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit würden politische Auseinandersetzungen häufig mit Begriffen aus dem Bereich von Krieg, Terror und Katastrophen beschrieben. Differenzierte Debatten gerieten dadurch in den Hintergrund.

Brückner verwies auf die Berichterstattung über politische Koalitionen und gesellschaftliche Konflikte. Demokratische Politik bestehe wesentlich darin, unterschiedliche Interessen auszuhandeln, Kompromisse zu finden und gegensätzliche Positionen auszuhalten. Wenn Medien diese Prozesse überwiegend als Kampf oder Zerwürfnis darstellten, werde ein verzerrtes Bild parlamentarischer Demokratie vermittelt.

Die Zuspitzung diene häufig der digitalen Reichweite und dem sogenannten Clickbaiting. Emotional aufgeladene Schlagzeilen sollten Aufmerksamkeit erzeugen und Nutzer zum Anklicken bewegen. Diese Entwicklung betrachtete Brückner kritisch, weil sie das Vertrauen in die Medien und das Verständnis demokratischer Entscheidungsprozesse beeinträchtigen könne.

„Weg von Skandalisierung, hin zu einem demokratischen Gegeneinander, Miteinander, Ringen um Gemeinsamkeiten“, formulierte er seinen journalistischen Anspruch.

Der PresseClub München verstehe sich deshalb auch als Ort der kritischen Auseinandersetzung mit journalistischen Arbeitsweisen. In Veranstaltungen und Diskussionen würden Entscheidungen von Redaktionen hinterfragt, medienethische Fragen aufgegriffen und aktuelle Entwicklungen der Branche diskutiert. Journalismus müsse bereit sein, nicht nur andere gesellschaftliche Akteure zu kontrollieren, sondern auch das eigene Handeln kritisch zu überprüfen.

Ein zentrales Anliegen Brückners war die Bedeutung verlässlicher Quellen. In einer digitalen Öffentlichkeit, in der Informationen innerhalb kürzester Zeit verbreitet werden können, müsse sorgfältige Recherche weiterhin das Fundament professioneller journalistischer Arbeit bilden.

Das Internet selbst sei keine hinreichende Quelle. Entscheidend sei vielmehr, wer eine Information ursprünglich verbreitet habe, welche Interessen dahinterstünden und ob sich die Aussage unabhängig überprüfen lasse. Journalisten müssten deshalb unterschiedliche Informationsquellen erschließen, Kontakte aufbauen und über lange Zeit pflegen.

Brückner verwies auf seine eigenen Erfahrungen als Reporter, unter anderem bei der Berichterstattung über internationale Konflikte. Verlässliche Informanten seien häufig über Jahrzehnte gewachsene Kontakte. Gerade bei schwierigen politischen und gesellschaftlichen Themen komme es darauf an, Aussagen einordnen, Widersprüche erkennen und unterschiedliche Perspektiven miteinander vergleichen zu können.

Daraus leitete er eine grundsätzliche journalistische Haltung ab: „Parteifrei, staatsfern, bürgernah.“ Diese drei Begriffe beschreiben nach seiner Auffassung die notwendige Unabhängigkeit des Journalismus gegenüber politischen Parteien und staatlichen Institutionen sowie seine Verpflichtung gegenüber den Menschen.

Journalisten dürften sich nicht mit einer politischen Position identifizieren, sondern müssten unterschiedliche Standpunkte sichtbar machen. Dabei gehe es nicht um Beliebigkeit, sondern um die nachvollziehbare Darstellung von Interessen, Argumenten und überprüfbaren Tatsachen.

Auch die Rolle des Journalisten selbst müsse kritisch reflektiert werden. Brückner sprach sich dafür aus, bei Recherchen möglichst unaufdringlich aufzutreten. Bereits die erkennbare Anwesenheit eines Journalisten könne das Verhalten von Menschen verändern. Gesprächspartner formulierten dann möglicherweise nicht mehr ihre tatsächlichen Gedanken, sondern Aussagen, von denen sie annähmen, dass diese öffentlich erwünscht seien. Beobachtung, Zurückhaltung und die Fähigkeit zuzuhören seien deshalb wichtige Voraussetzungen authentischer Berichterstattung.

Für die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer bot der Vortrag zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Medienbildung. Die zunehmende Verbreitung digitaler Inhalte macht es erforderlich, junge Menschen frühzeitig für journalistische Qualitätskriterien, die Überprüfung von Quellen und den Unterschied zwischen Information, Meinung und gezielter Emotionalisierung zu sensibilisieren.

Dabei wurde deutlich, dass Medienkompetenz weit über die technische Bedienung digitaler Plattformen hinausgeht. Sie umfasst die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven zu erkennen und die Mechanismen öffentlicher Kommunikation zu verstehen.

Brückners Referat verband persönliche Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten Fernsehjournalismus mit einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die gesellschaftliche Verantwortung der Medien. Trotz aller technischen Veränderungen, neuer Plattformen und veränderter Nutzungsgewohnheiten bleibt für ihn der Kern journalistischer Arbeit unverändert: sorgfältige Recherche, glaubwürdige Quellen, Unabhängigkeit und die unmittelbare Nähe zu den Menschen.

Der Journalist als Grenzgänger müsse bereit sein, unbequeme Fragen zu stellen, neue Wege zu gehen und vertraute Sichtweisen zu hinterfragen. Gerade in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit sei es Aufgabe des Journalismus, nicht zusätzliche Gräben aufzureißen, sondern durch Information, Einordnung und kritische Diskussion zum demokratischen Verständnis beizutragen.

75 Jahre PresseClub München

5. April 2025

Seit 30 Jahren oder mehr bin ich Mitglied in dieser Institution in München. Ich hab mein Eintrittsdatum vergessen. Nun feierte der Internationale PresseClub München seinen 75. Geburtstag mit einem Festakt in der bayerischen Residenz zu der Bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien, Florian Herrmann geladen hatte. Bei allen vielen schönen Worten gab es eine besondere Überraschung: Charlotte Knobloch wurde zum Ehrenmitglied des Clubs ernannt. Charlotte Knobloch ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und eine streitbare Mahnerin.

Alle Redner betonten die Wichtigkeit einer demokratischen Presse, wiesen aber auch darauf hin, dass die Medienbranche in einem Umbruch ist. Gastgeber und Mutmacher Florian Herrmann meinte zwar, dass die besten Zeiten des Journalismus noch vor uns liegen würde. Zurückgeschaut hat Medienunternehmer und Journalist Helmut Markwort, der an eine der vielen Club-Reisen erinnerte. Damals ging es nach China, das noch unter Mao die Kulturrevolution verkraften musste. In Erinnerung blieb mir, dass der großartige Gerd Runge seinen Hund nachts Gassi führen musste, weil die Chinesen Geschmack an Hund gefunden hatte. Ich hinterfragte die Story des Geschichtenerzählers nicht.

Der amtierende Vorsitzende Uwe Brückner stellte die Leistungsfähigkeit der Münchner Institution am Marienplatz heraus, die sich weiterentwickeln würde. In den PresseClub ging beispielsweise der Bloggerclub hervor und der Verband der Nachwuchsjournalisten in Bayern geht in den PresseClub auf. In beiden Vereinen war ich aktiv tätig.

Gelungen war die Überraschung der Ehrenmitgliedschaft von Charlotte Knobloch. Ich habe die 92jährige Dame immer wieder im Club getroffen und finde es ein richtiges Zeichen vom Vorstand, sie als Ehrenmitglied aufzunehmen. Hier hier Ansprache und sorry für den schlechten Ton in den Hallen der Residenz.

Ich habe mich an diesen Abend prächtig unterhalten mit vielen Weggefährten. Meine tiefe Verbeugung vor dem ehemaligen Club-Vorsitzenden Norbert Matern und auch vor meinen guten Freund Gero Himmelsbach. Ich unterhielt mich mit u.a. Markus Kaiser, Christopher Nordhoff, Tobias Russ, Susanne Himmelsbach, Michael Schmatz, Rudolf Reisbeck, Petra Schmieder-Runschke und Eva Moser. Klatsch und Tratsch

Es gibt ein schönes Sonderheft zur Clubgeschichte, in der ich sogar abgebildet bin und ein Foto beisteuern konnte.

Schreibmaschinen, Fernschreibern und Telefonen
Der PresseClub München e.V. feierte also im Jahr 2025 sein 75-jähriges Bestehen und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung des Journalismus in Deutschland verbunden ist. Gegründet wurde der Club am 16. März 1950 unter dem Namen „Verein Auswärtige Presse“ von 41 Journalisten, die sich bereits am 2. August 1948 zur Arbeitsgemeinschaft Auswärtige Presse im Verband der Berufsjournalisten in Bayern zusammengeschlossen hatten. In den ersten Jahren nach seiner Gründung diente der Club vor allem als Arbeitsstätte für Journalisten, ausgestattet mit Schreibmaschinen, Fernschreibern und Telefonen.Seit seiner Gründung haben zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport den PresseClub besucht, darunter Hildegard Knef, Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher, Olof Palme, August Everding, Mario Adorf, Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Diese Besuche unterstreichen die Bedeutung des Clubs als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Medienschaffenden und Entscheidungsträgern.

Heute zählt der PresseClub München rund 800 Mitglieder, darunter Journalistinnen und Journalisten, Pressesprecher und Medienverantwortliche aus verschiedenen Bereichen. Der Club versteht sich als unabhängige und überparteiliche Institution, die Themen zur Diskussion stellt und journalistische sowie gesellschaftspolitische Entwicklungen begleitet. Mit jährlich bis zu 300 Veranstaltungen, darunter Pressekonferenzen, Diskussionsrunden und Workshops, bietet der Club ein vielfältiges Programm.

Ein besonderes Anliegen des PresseClubs ist die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Seit 2004 bietet der Club ein Mentoring-Programm an, bei dem erfahrene Journalistinnen und Journalisten junge Kolleginnen und Kollegen auf ihrem beruflichen Weg begleiten und beraten. Dieses Engagement unterstreicht die Verpflichtung des Clubs zum Qualitätsjournalismus und zur Unterstützung der nächsten Generation von Medienschaffenden.

Für mich steht fest: Mit seiner reichen Geschichte und seinem kontinuierlichen Engagement bleibt der PresseClub München eine zentrale Institution für den Journalismus und die Medienlandschaft in Deutschland. Und ich bin stolz darauf, ein wenig zu der Geschichte beigetragen zu haben.

Ich bin stolz auf meinen Club: Der PresseClub München wendet sich gegen AfD-Methoden

6. März 2024

Ich bin stolz, dass ich als Journalist und Blogger dem PresseClub München angehöre, der sich klar positioniert hat zum den AfD-Angriff auf kritische Berichterstattung. Als Demokrat trete ich für Meinungsfreiheit und für die unabhängige Arbeit des vierten Standes ein. Was die AfD mit ihrer zum Teil rechtsextremen Mitgliedern treibt, geht über mein demokratisches Verständnis hinaus.

In einer Erklärung kritisiert PresseClub München scharf die Maßnahme der AfD in Bayern, in ihren Augen missliebige Journalisten des Bayerischen Rundfunks von der Berichterstattung auszuschließen. Es ist mit der Pressefreiheit nicht vereinbar, dass sich politische Parteien quasi aussuchen können, wer über sie berichtet und wer nicht. Das ist ausschließlich Sache der Medien, die ihre Reporter beauftragen.

Ich gehöre dem erweiterten Vorstand des PresseClubs an, kann aber seit einem halben Jahr aus familiären Gründen nicht an den Vorstandssitzungen teilnehmen. Ich habe die Pressemitteilung meines Vorsitzenden Dr. Uwe Brückner und des Vorstands aber mit Freunde gelesen und unterstütze ihn in allen Punkten.
„Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“ So lautet die Ziffer 1, Pressekodex des Presserats, zu dem sich alle verantwortungsvollen Journalisten verpflichtet haben. Die Betonung liegt aber auch auf verantwortungsvollen Journalisten, nicht auf Gesinnungsjournalisten, die es zweifellos auch gibt.
Meinungs- und Informationsfreiheit sind die Pfeiler einer unabhängigen Pressearbeit: Unverzichtbar für einen demokratischen Staat und im Grundgesetz verankert. Attacken gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und gegen eine freie, kritische Presse sind zu verurteilen! Ich habe selbst auf Veranstaltungen erlebt, wie misstrauisch einige der Presse gegenüberstehen und sich auch vor den Karren der AfD spannen lassen.

In der Erklärung meines Clubs heißt es: „Der Münchner Presseclub steht fest an der Seite der weit über 100.000 Demonstranten, die sich in München und anderswo gegen rechtsradikale Umtriebe, Ausländerfeindlichkeit und Remigrationsphantasien wenden.“ Ich war auf einigen Demos gegen Rechtsextremismus, weil mir diese Demokratie zu wertvoll, um sie braunen Spinnern zu überlassen. Sonst vermeide ich meinem Blog politische Äußerungen, aber dies musste heute einfach sein.

BAF: Medienbranche klagt über Fachkräftemangel

10. Oktober 2022

Als ich vor gefühlten hundert Jahren mich für den Beruf des Journalisten entschied, war dies für mich eine Berufung, eine Passion. „Irgendwas mit Medien“ lautete damals der Wunsch vieler junger Leute. Was bei vielen unklar war, war für mich konkret: Klassischer Print-Journalismus mit Fotografie. Und bei der jüngsten Festveranstaltung der BAF Bayerische Akademie für Fernsehen und Digitale Medien in Unterföhrung musste ich hören, dass genau diese Medienbranche auch an einem Fachkräftemangel leiden – unglaublich.

Die demographische Entwicklung holt auch die Medien ein. Viele Stellen werden in den nächsten Jahren frei. Medienunternehmen suchen nach Fachkräfte und seien auch bereit auf neue gesellschaftliche Entwicklungen Rücksicht zu nehmen: HomeOffice, remote Arbeiten, Vier-Tagewoche. Und dennoch, da kann ich Thomas Hinrichs vom BR nur beipflichten: Es geht ums harte Arbeiten und um solides Handwerkszeug, das anzuwenden ist. Technik kommt und geht, aber der Journalismus als Handwerkszeug bleibt.

Die BAF ist eine private Ausbildungseinrichtung nach dem Motto „Sowenig Theorie wie möglich, soviel Praxis wie möglich.“ Ich darf einmal im Jahr als Dozent für die BAF tätig sein. Leider bin ich gar nicht auf der Website als Dozent gelistet, wie ich bei dem Festakt in Unterföhring feststelle – schade. Mein Unterricht, der in den vergangenen zwei Jahren online stattfand, macht mir Spaß und hilft hoffentlich auch den jungen Studierenden. Das neue Vollzeitstudium hat gerade erst begonnen und ich wünsche den jungen Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg in der schönen neuen Medienwelt, die scheinbar nur auf sie wartet.

Natürlich befinden sich Medien in der Krise. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage leiden unter dem ausbleibenden Anzeigengeschäft, die Öffentlich-Rechtlichen haben Finanzprobleme und machen sich durch Intendanten-Aktionen selbst das Leben schwer. Der Rubel rollt nicht mehr so wie früher und Plattformen wie Apple, Facebook und Google machen die große Kasse. Also sind neue Content-Modelle bei den Medien gefragt. Wer eine Idee hat, der ist Sieger.

Interessant ist, dass viele Festgäste beim BAF-Festakt immer noch von Fernsehen, im Sinne von klassischen Broadcast reden. Ich würde eher von Bewegtbildmedien sprechen, denn Geschichten in Form von bewegten Bildern ist längst das Kriterium im Internet. Die TikToks, Instas, YouTubes und wie sie alle heißen gieren nach bewegten Bildern – und die BAF hat diese Zielgruppe für die kostenpflichtige Ausbildung wohl richtig erkannt und ihre Lehrinhalte angepasst. Im Moment entwickle man sogar einen Studiengang GameDesign, den mein Kind K2 bei einer anderen privaten Hochschule gerade aufgenommen hat.

Es werden Zahlen präsentiert, dass Fernsehen noch riesige Zuschauerzahlen haben. Das mag sicher sein. Doch meine Familie gehört nicht dazu. Für uns ist lineares TV tot, mausetot. Aber jeder soll nach seiner Art glücklich werden und sein gutes Geld verdienen. Allerdings frage ich, warum ich die Rundfunkgebühren für Soaps und Fußball bezahlen soll. Mehr Information, weniger Entertainment für nicht bitte. Und bevor die Diskussion aufkommt: Ich bin ein Fan der Öffentlich-rechtlichen Medien, aber mit mehr Information und weniger Blabla.

Ich habe nun selbst zwei Revolutionen erlebt, die mein Berufsfeld auf den Kopf gestellt haben: DTP und Internet – bei beiden habe ich mich gut geschlagen und war bei den Innovativen mit dabei. Gleich war aber immer meine Rolle des Geschichtenerzählers. Und ich habe für mich entschieden, weiterhin Geschichten zu erzählen – heute heißt es wohl Storytelling. Ich vermute, dass die nächste technische Revolution AR und VR sein wird. Auch da brauchen wir neue Geschichtenerzähler, die das Medium kennen und die Story sehen und erzählen können.

Es tat gut, bei diesem BAF-Festakt in Unterföhring viele Kolleginnen und Kollegen aus vergangenen und aktuellen Zeiten zu sehen und auch zu sprechen: Hans-Peter Niedermeier (ehemals HSS), Uwe Brückner (PresseClub), der erste Akademieleiter Ulrich Berls (er saß damals im PresseClub-Vorstand neben mir oder besser ich neben ihm), Thomas Hinrichs (BR), BAF-Präsident Erwin Huber, Renate Hermann (Hochschule Ansbach), Christopher Tusch (BAF), Wolf-Dieter Ring (ehemals BLM) und viele viele mehr.

Es gab Ehrungen, die ich im verwackelten Video festgehalten habe – ich sollte einen Videokurs bei der BAF besuchen.