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Einfach machen! Hans-Dieter Scherer über Musik, Mut und die Kultur in Maisach

1. November 2026

Er bringt internationale Gitarrenvirtuosen nach Maisach, organisiert Konzerte und Kabarettabende, begeistert sich für Veranstaltungstechnik und scheut auch vor großen Projekten nicht zurück. Hans-Dieter Scherer, den die meisten Menschen in Maisach einfach als „HD“ kennen, gehört seit Jahrzehnten zu den engagierten Kulturmachern der Gemeinde Maisach. Beim BistroTalk im Bistro SixtyFour sprach er mit Gastgeber Matthias J. Lange über seine ungewöhnliche Lebensgeschichte, musikalische Leidenschaften, spektakuläre Konzerterlebnisse, wirtschaftliche Risiken und die Schwierigkeiten, in einer Gemeinde kulturelle Angebote zu schaffen. Dabei wurde deutlich: Scherer ist ein Mann, der lieber handelt, als lange zu diskutieren.

„Einfach machen, riskieren, Mut haben, ausprobieren.“ Mit diesen Worten beschreibt Hans-Dieter Scherer seine Lebenseinstellung. Es ist ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch seine Biografie zieht. Der Sponsor der Veranstaltung war das Zentrum für Gesundheit Dombo. Hier die Aufzeichnung des Live-Streams.

Der gebürtige Maisacher hat im Laufe seines Lebens erstaunlich viele unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt. Er arbeitete als Kfz-Mechaniker, beschäftigte sich mit Mediengestaltung und Webdesign, sammelte Erfahrungen beim Fernsehen und entwickelte sich schließlich zu einem Konzertveranstalter, der weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist. Eine geradlinige Karriere war das nicht. Doch Scherer betrachtet seine beruflichen Wechsel keineswegs als Nachteil. „Ich mache eigentlich hauptsächlich Sachen, die mir Spaß machen“, erklärte er im Gespräch. Schon früh habe er gewusst, welche Tätigkeiten er nicht ausüben wollte. Stattdessen sei er seinen Interessen gefolgt und habe neue Herausforderungen angenommen. „Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gesagt habe: Nicht nur rumquatschen, sondern einfach auch mal machen.“ Geprägt wurde er durch seine Familie und das handwerkliche Umfeld. Sein Vater betrieb ein Baugeschäft in Maisach, in dem Scherer bereits als Jugendlicher mitarbeitete und praktische Erfahrungen sammelte. Auch seine Linkshändigkeit spielte nach eigener Einschätzung eine Rolle. Während sein Vater ihn ursprünglich zum Rechtshänder umerziehen wollte, setzte sich eine Grundschullehrerin dafür ein, dass er seine natürliche Veranlagung behalten durfte. Scherer entwickelte dadurch nach eigener Darstellung eine besondere Freude daran, unterschiedliche handwerkliche und technische Fähigkeiten auszuprobieren. Seiner Heimatgemeinde ist er bis heute verbunden. Familie, Freunde und das Elternhaus seien wichtige Gründe, weshalb er Maisach trotz zahlreicher Reisen und beruflicher Veränderungen nie dauerhaft verlassen wollte. Hinzu kommt ein weiterer Antrieb: der Wunsch, das kulturelle Leben vor Ort zu bereichern.

Dass Heimatverbundenheit nicht zwangsläufig Provinzialität bedeutet, zeigt Scherers Reisebiografie. Immer wieder zog es ihn in andere Länder, wo er ungewöhnliche Erfahrungen sammelte und sich auf neue Situationen einließ. Nach dem Ende einer Beziehung verbrachte er ein halbes Jahr auf einem biologisch bewirtschafteten Bauernhof in Spanien. Ohne Spanischkenntnisse angekommen, lernte er die Sprache im Alltag und gewann gleichzeitig wichtige Erkenntnisse über seine eigenen Lebensvorstellungen. Dort begegnete er zahlreichen deutschen Auswanderern und beobachtete, wie schwer es vielen fiel, sich dauerhaft in ihrer neuen Heimat einzuleben. „Da habe ich sofort gewusst: Das ist nicht meins“, erinnerte er sich. Für ihn stand fest, dass er immer wieder nach Maisach zurückkehren wollte. In Kanada half er einem Freund beim Bau eines Holzhauses und arbeitete dabei mit kanadischen Zimmerleuten zusammen. Neben der handwerklichen Erfahrung lernte er Land und Leute kennen, besuchte Country-Bars und die Niagarafälle. Auch diese Reise hinterließ bleibende Eindrücke, änderte jedoch nichts an seiner Heimatverbundenheit. Besonders ungewöhnlich waren seine Aufenthalte in Indien und Mexiko. Für einen Bekannten, der Naturprodukte vertrieb, suchte Scherer in Bombay nach traditionellen Kajalstiften und in Mexiko nach der sogenannten Rose von Jericho. Die Wüstenpflanze, die sich bei Kontakt mit Wasser entfaltet, wurde anschließend nach Deutschland gebracht. Auf diese Weise verband Scherer seine Reiselust mit praktischen Aufgaben. Dieses Prinzip verfolgt er bis heute. Seine Gitarrenworkshops in Österreich ermöglichen es ihm, Organisation, Musik und Reisen miteinander zu verbinden. „Ich kann organisieren, bin dort, höre Musik und habe super Leute um mich herum“, beschrieb er die Vorteile.

Die Leidenschaft für Musik begann bereits in seiner Jugend. Mit etwa 13 Jahren bekam Scherer von seinen beiden Schwestern zwei Musikkassetten geschenkt: eine mit Musik der Beatles und eine mit Liedern von Donovan. „Die habe ich rauf und runter gehört“, erinnerte er sich. Später nahm er Musik aus dem Radio auf und entwickelte ein immer breiteres Interesse an unterschiedlichen Stilrichtungen. Auch selbst musizierte Scherer. Als Jugendlicher spielte er Posaune und trat unter anderem gemeinsam mit einem späteren Mitglied der bekannten bayerischen Musikerfamilie Well auf. Sogar ein gemeinsames Konzert in der Jahnhalle Fürstenfeldbruck gehörte zu seinen frühen musikalischen Erfahrungen. Zur Gitarre entwickelte er eine besondere Beziehung, auch wenn er selbst nie zum Gitarrenvirtuosen wurde. Als Linkshänder habe er damals nicht gewusst, dass es spezielle Gitarren für Linkshänder gibt. Auf der Bühne stand er dennoch gelegentlich als Sänger, allerdings ohne daraus eine eigene Musikerkarriere zu machen. Der eigentliche Einstieg in die Konzertorganisation erfolgte über Veranstaltungen in Maisach. Rund 20 Jahre lang war Scherer an einem Hobbyfußballturnier beteiligt, bei dem auch regionale Bands auftraten. Zu den Musikern gehörte unter anderem Wally Warning. So entstanden erste Kontakte zur professionellen Musikszene. Entscheidend wurde später die Zusammenarbeit mit dem damaligen Maisacher Brauereichef Benno Wieser, der die Konzertreihe „Beer & Guitar“ ins Leben gerufen hatte. Gemeinsam besuchten sie die Musikmesse in Frankfurt. Dort begegneten sie internationalen Gitarristen wie Jacques Stotzem, Joscho Stephan und Tommy Emmanuel. Scherer setzte dabei auf persönliche Gespräche statt auf formelle Anfragen über Agenturen. Aus Begegnungen wurden Kontakte und aus Kontakten schließlich Konzerte. Als Wieser die Reihe nicht mehr weiterführen konnte, übernahm Scherer die Organisation.

Dass international bekannte Musiker in einer vergleichsweise kleinen Gemeinde auftreten, ist für Scherer vor allem eine Frage des persönlichen Netzwerks. Viele Künstler kennt er inzwischen seit Jahren. Andere werden ihm von Konzertbesuchern empfohlen oder melden sich selbst bei ihm. „Ich habe so viele Kontakte, dass ich das hauptsächlich direkt mache, ohne Agenturen“, erklärte er. Gerade bei Gitarristen funktioniere diese persönliche Ansprache häufig sehr gut. Dabei nutzt Scherer geschickt bestehende Tourneepläne. Wenn ein Musiker aus Australien oder Kanada ohnehin durch Europa reist, kann Maisach zu einer zusätzlichen Station werden. So lassen sich hohe Reisekosten vermeiden. Als Beispiel nannte er den australischen Gitarristen Michael Fix, der für Herbst 2027 wieder eine Europatournee plant. Entscheidend ist für Scherer jedoch nicht allein der Bekanntheitsgrad eines Künstlers. Die Musik muss ihm selbst gefallen und zum Publikum passen. Neue Namen entdeckt er über Empfehlungen, persönliche Kontakte und Videos im Internet. Dabei hört er genau hin, bevor er sich für eine Verpflichtung entscheidet. Sein Publikum ist über die Jahre gewachsen und anspruchsvoller geworden. Viele Besucher spielen selbst Gitarre und wissen die technischen Fähigkeiten der auftretenden Musiker zu schätzen. „Für die ist das ein Wahnsinn, dass solche Leute überhaupt kommen“, sagte Scherer. Die Nähe zur Großstadt München empfindet er nicht als Konkurrenz. Im Gegenteil: Gerade die überschaubare Atmosphäre seiner Konzerte sei ein entscheidender Vorteil. Während in manchen Münchner Musiklokalen während eines Auftritts weitergeredet werde, herrsche in Maisach eine besondere Aufmerksamkeit. „Zu mir in den Keller kommen die Leute und hören zu. Das ist wirklich ein interessiertes Publikum.“ Dass sich dieses Konzept durchsetzen würde, war keineswegs selbstverständlich. „Es hat schon vier, fünf Jahre gedauert, bis das hier angekommen ist“, erinnerte sich Scherer. Heute reisen Konzertbesucher aus Starnberg und teilweise sogar aus Österreich an.

Zu den Höhepunkten seiner Veranstalterlaufbahn zählt Scherer das Konzert von LaBrassBanda beim Maisacher Volksfest 2017. Rund 2000 Menschen feierten damals im Festzelt die bayerische Band. „Das war genial. Diese ganze Menge hat getanzt, das war wunderschön“, schwärmte Scherer noch Jahre später. Möglich wurde die Veranstaltung durch persönliche Kontakte. Sein Tontechniker Flo Leitwieser arbeitete auch für LaBrassBanda und konnte den Kontakt zur Band herstellen. Anschließend mussten die Verhandlungen mit dem Management geführt und die Veranstaltung gemeinsam mit der Gemeinde und dem Festwirt geplant werden. Ein Konzert dieser Größenordnung ist allerdings mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Scherer erläuterte, dass allein für eine bekannte Band eine Gage in der Größenordnung von 35.000 Euro anfallen könne. Hinzu kommen Kosten für Technik, Werbung, Personal und Unterbringung. Bei rund 2000 erwarteten Besuchern müsse deshalb sorgfältig kalkuliert werden, welcher Eintrittspreis erforderlich sei, um sämtliche Ausgaben zu decken. „Da kannst du runterrechnen, wie viel die Eintrittskarte kosten muss, dass zumindest noch ein kleiner Gewinn herauskommt.“ Auch die logistischen Anforderungen sind erheblich. Eine größere Band reist mit Technikern und weiteren Mitarbeitern an. Bis zu 20 Personen müssen untergebracht, versorgt und betreut werden. Hinzu kommen Bühnenaufbau, Stromversorgung, Sicherheitsfragen und die Abstimmung mit zahlreichen Beteiligten. Wenn schließlich alles vorbereitet ist und das Konzert beginnt, kann Scherer die Musik genießen. „Dann halte ich mich raus, dann genieße ich“, sagte er lachend.

Nicht jede Veranstaltung wird allerdings zum Erfolg. Scherer berichtete auch von Konzerten, bei denen organisatorisch oder wirtschaftlich einiges schiefging. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Auftritt eines tschechischen Gitarristen im Jahr 2008. Während seine Konzerte normalerweise gut besucht waren, erschienen an diesem Abend lediglich vier Zuschauer. Der Grund war nach Scherers Einschätzung ein parallel stattfindendes Fußballspiel zwischen Bayern München und der damals besonders erfolgreichen TSG Hoffenheim. Der Musiker spielte trotzdem sein Konzert. Für Scherer war das eine wichtige Erfahrung. Gerade in Bayern müsse man bei der Terminplanung auch den Fußballkalender berücksichtigen. Das sei allerdings schwierig, weil konkrete Spielansetzungen häufig erst vergleichsweise kurzfristig feststehen. Auch technische Pannen gehören zum Veranstalteralltag. Bei einem Konzert des Bluesmusikers Abi Wallenstein kam es wiederholt zu unangenehmen Rückkopplungen. Mehrfach wurde das Mikrofon ausgetauscht, bevor sich herausstellte, dass die Ursache in der Position eines Lautsprechers auf der Bühne lag. Solche Erfahrungen zeigen, dass selbst kleine Konzerte erhebliche technische Anforderungen stellen.

Besonders schwierig war für Scherer die Corona-Pandemie. Als Konzerte in geschlossenen Räumen kaum möglich waren, entwickelte er gemeinsam mit Verantwortlichen der Maisacher Brauerei alternative Veranstaltungskonzepte. Die Idee war, mit kleinen Bühnen ins Freie auszuweichen. Unter anderem wurden Veranstaltungen beim Schützenheim in Maisach und in Gernlinden organisiert. Dort trat auch die Kabarettistin Franziska Wanninger auf. Der erhoffte Erfolg blieb allerdings aus. Nur wenige Besucher kamen zu den Veranstaltungen. „Es kamen ganz, ganz wenige Leute“, erinnerte sich Scherer. Finanziell konnten die Verluste teilweise durch die Unterstützung der Brauerei aufgefangen werden. Dennoch bereut er diese Versuche nicht. Sie entsprachen seiner grundsätzlichen Einstellung, auch unter schwierigen Bedingungen nach Lösungen zu suchen. Nach dem Ende der Pandemie dauerte es nach seiner Beobachtung etwa ein weiteres Jahr, bis sich das Publikum wieder an regelmäßige Konzertbesuche gewöhnt hatte. Inzwischen funktioniere das Geschäft wieder gut. Reine Streamingveranstaltungen sind für Scherer dagegen keine Alternative. Ihm geht es um die unmittelbare Begegnung zwischen Künstlern und Publikum.

Im Gespräch mit Matthias J. Lange berichtete Scherer auch von Veranstaltungsprojekten, die nie verwirklicht wurden. Besonders spektakulär war die Idee, die australische Rockband AC/DC auf das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck zu holen. Der frühere Brauereichef Benno Wieser verfügte nach Scherers Angaben über persönliche Kontakte zur Familie der Band in Schottland. Gemeinsam überlegten sie, ob sich ein großes Konzert auf dem weitläufigen Gelände organisieren ließe. Die Idee scheiterte letztlich an den unklaren Nutzungsmöglichkeiten und den fehlenden organisatorischen Voraussetzungen. Auch mögliche Großkonzerte auf einem geplanten Trabrennbahnareal blieben Gedankenspiele. Ein weiteres Projekt entstand gemeinsam mit Markus Libal. Auf dem ehemaligen Volksfestplatz in Maisach sollte eine dauerhafte Infrastruktur für Kulturveranstaltungen geschaffen werden. Vorgesehen waren unter anderem feste Toilettenanlagen, Stromanschlüsse und Möglichkeiten für Open-Air-Konzerte. Doch auch dieses Vorhaben wurde nicht umgesetzt. Nach Scherers Darstellung veränderten sich die Voraussetzungen durch die Verpachtung des Geländes. Inzwischen konzentriert sich Scherer bewusst wieder stärker auf kleinere Veranstaltungen und seine Gitarrenworkshops. Diese finden unter anderem in Österreich statt und sollen möglicherweise weiter ausgebaut werden.

Neben der Musik begeistert sich Scherer seit seiner Kindheit für Technik. Schon früh beschäftigte er sich mit Fischertechnik, Lego, Elektromotoren und selbst gebauten Radios. Später kamen Erfahrungen aus der Fernseh- und Medienbranche hinzu. Heute besitzt er eigene Tonanlagen und kümmert sich bei vielen Veranstaltungen selbst um technische Fragen. Dabei ist er keineswegs ein bedingungsloser Anhänger moderner Digitaltechnik. „Ich bin noch analog unterwegs“, erklärte er. Er arbeitet weiterhin gerne mit klassischen Mischpulten und setzt auf bewährte Mikrofone und Lautsprecher. Entscheidend sei nicht die teuerste Technik, sondern die Fähigkeit, richtig zuzuhören. Scherer kritisierte, dass bei manchen Konzerten Gesang und Instrumente schlecht aufeinander abgestimmt seien. „Ein guter Tontechniker muss das hören. Der muss auch mal nach vorne gehen, in die Ecke gehen und nach hinten gehen, um einen akustischen Eindruck zu bekommen.“ Besonders wichtig ist für ihn die Raumakustik. Kahle Wände erzeugen unangenehmen Nachhall, während Vorhänge, Holzverkleidungen und andere Oberflächen den Klang verbessern können. Auch das Publikum verändert die akustischen Bedingungen. Ein voller Saal absorbiert Schall und macht es notwendig, während des Konzerts nachzuregeln. Mit modernen Möglichkeiten wie Autotune und künstlicher Intelligenz beschäftigt sich Scherer durchaus interessiert. Dennoch bevorzugt er handgemachte Musik. „Ich stehe eher auf ehrliche Musik, wo ehrlich Gitarre gespielt und ehrlich gesungen wird“, betonte er. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem privaten Musikgeschmack wider. Er hört Rockmusik, Klassiker der 1960er- und 1970er-Jahre sowie akustische Gitarrenmusik. Zu den Künstlern, die er selbst live erlebt hat, gehören David Bowie, Iggy Pop und die Stranglers. Dass musikalische Klassiker auch bei jüngeren Generationen funktionieren, erlebt er in seiner eigenen Familie. Schmunzelnd erzählte er, wie ihm seine Kinder einmal begeistert eine vermeintlich neue musikalische Entdeckung vorspielten: „Smoke on the Water“ von Deep Purple.

Bei aller Begeisterung bleibt die Organisation von Konzerten eine wirtschaftliche Herausforderung. Scherer übernimmt viele Aufgaben selbst: Künstlerkontakte, Vertragsverhandlungen, Werbung, Internetauftritt, Plakatierung, Technik, Hotelbuchungen und die Abrechnung mit Verwertungsgesellschaften. Hinzu kommen gesetzliche Verpflichtungen und Kosten etwa für GEMA und Künstlersozialabgabe. Rechnet man die aufgewendete Arbeitszeit vollständig ein, bleibt häufig nur ein geringer finanzieller Ertrag. „Das darf man gar nicht nachrechnen, die Zeit, die man da aufwendet“, sagte Scherer. Er betonte allerdings, dass er seine Veranstaltungen nicht ausschließlich ehrenamtlich organisiere. Ein kleiner Überschuss solle möglichst entstehen. Davon leben könne er jedoch nicht. „Das Ganze ist natürlich eine Leidenschaftsgeschichte. Das macht mir Spaß.“ Sein Ziel sei es, kulturell interessante Veranstaltungen anzubieten und gleichzeitig das finanzielle Risiko überschaubar zu halten. Bei kleineren Konzerten sei er bereits zufrieden, wenn Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen seien. Gerade diese Verbindung aus persönlichem Engagement und unternehmerischem Risiko macht die Situation privater Kulturveranstalter deutlich. Sie schaffen Angebote, die das kulturelle Leben einer Gemeinde bereichern, tragen aber einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Risikos selbst.

Deutlich wurde Scherer, als das Gespräch auf die Kulturpolitik der Gemeinde Maisach kam. Zwar würdigte er ausdrücklich bestehende Angebote wie den Winterzauber, den Künstlermarkt und die Leistungen örtlicher Musikgruppen. Insgesamt sieht er jedoch erheblichen Verbesserungsbedarf. Besonders kritisch beurteilt er die geplante Abschaffung der öffentlichen Anschlagtafeln in Maisach. Diese seien für Veranstalter eine wichtige Werbemöglichkeit und würden insbesondere von älteren Menschen genutzt, die sich nicht ausschließlich digital informieren. „Die Entscheidung finde ich absolut falsch“, sagte Scherer. Er berichtete von einem Gespräch mit Bürgermeister Hans Seidl, bei dem die Bedeutung der Plakatwerbung unterschiedlich eingeschätzt worden sei. Nach Scherers Darstellung verwies der Bürgermeister auf digitale Informationsmöglichkeiten. Scherer hielt dagegen, dass bei Wahlkämpfen schließlich ebenfalls weiterhin Plakate eingesetzt würden. Auch die Regelung, nach der kommerzielle Veranstaltungen nicht im gemeindlichen Mitteilungsblatt angekündigt werden können, kritisierte er. Gerade kleinere private Kulturveranstalter seien auf solche Informationsmöglichkeiten angewiesen. „Das wäre echt interessant, dann würde es auch jeder in der Gemeinde Maisach mitkriegen“, erklärte er. Scherer sieht darin eine grundsätzliche Frage: Welche Unterstützung erhalten Menschen, die außerhalb klassischer Vereinsstrukturen kulturelle Angebote organisieren? Er selbst sei kein Verein, leiste aber seit Jahrzehnten Kulturarbeit für die Gemeinde. Deshalb wünsche er sich mehr Offenheit gegenüber privaten Initiativen. Auch die fehlenden Veranstaltungsräume seien ein Problem. Durch die Schließung des Bürgerzentrums Gernlinden habe sich die Situation weiter verschärft. Zwar habe er dort früher bereits Veranstaltungen organisiert, doch grundsätzlich wünsche er sich Räume mit einer angenehmen Atmosphäre, die auch für kleinere Konzerte geeignet seien. Moderne Gemeindebauten empfindet er teilweise als zu kühl und steril. Gerade bei Musikveranstaltungen sei die Atmosphäre jedoch entscheidend.

Auf die Frage nach seinem größten Wunsch an die Maisacher Kommunalpolitik musste Scherer nicht lange überlegen. „Einen schönen, tollen Veranstaltungsraum, einen Konzertsaal. Das wäre schon mal sehr interessant.“ Darüber hinaus wünscht er sich mehr Austausch zwischen Kulturveranstaltern und politischen Entscheidungsträgern. Nach seiner Darstellung habe es bislang kaum Möglichkeiten gegeben, gemeinsam über kulturelle Projekte und neue Veranstaltungsformate zu sprechen. Seine Erfahrungen mit einzelnen kommunalpolitischen Ansprechpartnern schilderte er kritisch. Mehrere Ideen seien nicht weiterverfolgt worden, und er habe sich mit seinen Vorschlägen nicht ausreichend wahrgenommen gefühlt. Dabei machte Scherer deutlich, dass er sich keineswegs nur als Vertreter einer bestimmten Musikrichtung versteht, sondern ein breites kulturelles Angebot im Blick hat. Trotz dieser Enttäuschungen will er weitermachen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte haben ihm gezeigt, dass sich Beharrlichkeit auszahlen kann. Zu Beginn seiner Konzertreihe kamen nur wenige Besucher aus Maisach. Viele reisten aus anderen Gemeinden an. Inzwischen hat sich das verändert. Immer mehr Maisacher entdecken die Veranstaltungen vor ihrer Haustür. Für Scherer ist das eine wichtige Bestätigung seiner Arbeit. Er hat sich ein Publikum aufgebaut, internationale Künstler in die Gemeinde gebracht und bewiesen, dass anspruchsvolle Musik auch außerhalb großer Städte erfolgreich sein kann.

Das Gespräch im Bistro SixtyFour zeigte einen Menschen, dessen Lebensgeschichte von Neugier, Tatendrang und einer bemerkenswerten Vielseitigkeit geprägt ist. Hans-Dieter Scherer ist Handwerker, Techniker, Organisator und Musikliebhaber zugleich. Vor allem aber ist er jemand, der Menschen zusammenbringen möchte. „Ich hasse Streit, ich hasse schlechte Stimmung“, sagte er über seine persönliche Einstellung. Harmonie, gegenseitiger Respekt und gemeinsame Freude seien ihm wichtig. Vielleicht erklärt gerade diese Haltung einen Teil seines Erfolgs. Denn Konzerte entstehen nicht allein durch Verträge, Technik und Eintrittskarten. Sie leben von persönlichen Beziehungen, Vertrauen und der Bereitschaft, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Scherer hat in Maisach über Jahrzehnte ein kulturelles Netzwerk aufgebaut, das weit über die Gemeindegrenzen hinausreicht. Seine Erfahrungen zeigen aber auch, wie viel persönlicher Einsatz notwendig ist, damit kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum entstehen kann. Zum Abschluss bedankte sich Gastgeber Matthias J. Lange bei seinem Gast für das offene Gespräch. Sein Fazit: Scherer sei eine faszinierende Persönlichkeit, die noch viele weitere Geschichten erzählen könnte. Der Konzertveranstalter nahm das Kompliment mit einem Lächeln entgegen. „Ich könnte auch viel mehr erzählen.“ Die vielleicht wichtigste Botschaft des Abends blieb jedoch sein Lebensmotto: „Einfach machen.“

Der BistroTalk wurde im Bistro SixtyFour in Maisach aufgezeichnet. Matthias J. Lange dankte den Gastgebern Uwe und Ruby Flügel für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit Maisach für die Unterstützung der Gesprächsreihe. Der nächste BistroTalk ist für den 11. November vorgesehen. Dann wird Friseurmeisterin Monika Huber über die Herausforderungen des Friseurhandwerks in einer kleineren Gemeinde sprechen.