Der Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern widmet sich diesmal einem Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: der Zukunft der beruflichen Bildung. Im Mittelpunkt steht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbandes und des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. Im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42 spricht Hertlein offen über Schwächen des Bildungssystems, blockierte Reformansätze und die Frage, wie junge Menschen besser auf das Berufsleben vorbereitet werden können.
Hertleins Diagnose fällt deutlich aus. Das Bildungssystem stehe „auf ganz alten Füßen“ und brauche dringend Modernisierung. Zwar hätten die Verbände in der beruflichen Ausbildung Einfluss auf Rahmenbedingungen und Inhalte, doch gerade im theoretischen Unterricht der Berufsschulen und bei den allgemeinbildenden Fächern seien die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. Dort werde aus seiner Sicht vielfach noch nach überkommenen Methoden gearbeitet. Die Lehrerinnen und Lehrer allein sieht Hertlein dabei nicht als Problem. Auch sie seien Teil eines Systems mit festen Vorgaben. Veränderung müsse deshalb auf mehreren Ebenen ansetzen: bei Schulen, Ministerien, Politik, Betrieben und Handwerksorganisationen.
Besonders kritisch blickt Hertlein auf das allgemeinbildende Schulsystem. Bayern gehöre im innerdeutschen Vergleich zwar zu den besseren Bildungssystemen, international aber sei das deutsche Modell kaum Vorbild. Das humboldtsche Bildungsideal, auf das sich das System gerne berufe, sei im Grundsatz richtig: Es gehe um Reflexionsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstbestimmung. Doch genau diese Fähigkeiten sehe er bei vielen jungen Menschen, die in die Ausbildung kommen, nicht ausreichend entwickelt. Für die berufliche Bildung sei das ein großes Problem. Wer eine Aufgabe ausführen, das eigene Ergebnis überprüfen und bei Bedarf den Weg korrigieren müsse, brauche genau diese Kompetenzen.
Hertlein kritisiert dabei nicht Allgemeinbildung an sich. Ein Grundbestand an Wissen sei selbstverständlich notwendig. Zugleich stellt er aber die Frage, ob manche Inhalte und Strukturen noch zur heutigen Lebenswirklichkeit passten. Als Beispiel nennt er den verpflichtenden Religionsunterricht an Berufsschulen. In Klassen, die kulturell und religiös sehr unterschiedlich zusammengesetzt seien, müsse man überlegen, ob nicht stärker Sozialkompetenz, Wertebildung und gesellschaftliches Zusammenleben im Mittelpunkt stehen sollten. Viele Defizite, die eigentlich früher aufgefangen werden müssten, landeten am Ende bei Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben.
Ein konkreter Reformversuch im bayerischen Friseurhandwerk ist nach Hertleins Darstellung vorerst gescheitert. Geplant war ein Pilotprojekt für ein Berufsgrundschuljahr an einem Berufsschulstandort und in nur einer Klasse. Das erste Ausbildungsjahr sollte schulisch organisiert werden, um sprachliche Defizite, Sozialkompetenzen und berufliche Grundlagen gezielt zu stärken. Junge Menschen hätten dadurch besser vorbereitet in die Betriebe gehen können. Gleichzeitig sollten die Betriebe entlastet und Ausbildungsabbrüche in der schwierigen Anfangsphase reduziert werden. Der Standort sei vorbereitet gewesen, inklusive sozialpädagogischer Begleitung und Sprachförderung.
Trotzdem kam das Projekt nicht zustande. Hertlein sieht die Gründe weniger in fachlichen Einwänden als in handwerkspolitischen Widerständen. Innerhalb der Handwerksorganisation habe es die Sorge gegeben, ein solches Modell könne sich ausweiten und auch andere Gewerke erfassen. Man habe an der klassischen Vorstellung festhalten wollen, dass Ausbildung vor allem im Betrieb stattfindet. Hertlein betont, dass dieser Grundsatz des dualen Systems richtig sei. Angesichts veränderter Voraussetzungen bei vielen Jugendlichen hätte ein schulisch gestützter Einstieg aber helfen können, Lücken zu schließen und den Übergang in die Praxis erfolgreicher zu gestalten.
Die Verantwortung für Reformen sieht Hertlein vor allem bei der Politik. Solange dort signalisiert werde, das bestehende System solle im Wesentlichen bleiben, wie es ist, seien Veränderungen schwer durchzusetzen. Er fordert mehr Bereitschaft, über Landesgrenzen hinauszuschauen und von anderen Ländern zu lernen. Als Beispiel nennt er Skandinavien: Dort seien Erfahrungen mit Digitalisierung in Schulen bereits gemacht und teilweise korrigiert worden. Bayern stehe in diesem Bereich aus seiner Sicht an einem Punkt, an dem andere schon vor Jahren gewesen seien, nutze deren Erfahrungen aber zu wenig.
Auch in der Berufsschule gebe es Stellschrauben, die Wirkung entfalten könnten. Kleinere Klassen in den ersten Ausbildungsjahren wären nach Hertleins Einschätzung ein wichtiger Schritt. Doch dafür brauche es mehr Räume, mehr Lehrkräfte und damit mehr Geld. Ebenso müssten Lehrpläne und Unterrichtsstrukturen stärker auf die Bedürfnisse der Auszubildenden ausgerichtet werden. Fachtheoretischer Unterricht in Lernfeldern sei bereits ein Ansatz, weil dort verschiedene Aufgaben miteinander verzahnt würden. Was aber fehle, sei eine konsequente Entwicklung der Persönlichkeit, des Selbstbildes und der Fähigkeit, eigenständig und reflektiert zu handeln.
Auf Bundesebene sieht Hertlein ähnliche Probleme, aber unterschiedliche Lösungsansätze. In der beruflichen Bildung gebe es zwar bundesweite Rahmenlehrpläne, deren Umsetzung liege jedoch bei den Ländern. Dadurch entstünden Unterschiede, etwa bei theoretischen Prüfungen, die von Multiple-Choice-Aufgaben bis zu offenen handlungsorientierten Aufgaben reichten. Hertlein spricht von einer breiten Spannweite und auch von einem gewissen Nord-Süd-Gefälle: Während im Süden manches sehr anspruchsvoll angesetzt werde, sei man im Norden teils lockerer.
Trotz der Rückschläge will Hertlein nicht aufgeben. Das Berufsgrundschuljahr sei zwar mittelfristig vom Tisch, bleibe aber als Idee im Hintergrund. Politische Konstellationen und handelnde Personen könnten sich ändern. Entscheidend sei, die Diskussion weiterzuführen und immer wieder deutlich zu machen, dass das Bildungssystem junge Menschen besser auf Ausbildung und Beruf vorbereiten müsse. Hertlein zeigt sich enttäuscht über das Scheitern des Pilotprojekts, bleibt aber kämpferisch. Man werde weiter nach Lösungen suchen, auch wenn es zunächst nur kleine Schritte seien. Sein Fazit: Wer die Probleme erkenne, dürfe sich von einem Rückschlag nicht entmutigen lassen.
Im Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbands Friseure und Kosmetiker Bayern spricht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbands und des Zentralverbands, über die Nachwuchsprobleme im Friseurhandwerk und über die Frage, ob tatsächlich „das System“ daran schuld sei. Seine Antwort fällt differenziert aus: Ja, das System trage eine Mitschuld – allerdings nicht das System der dualen Berufsausbildung selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie in vielen Betrieben ausgebildet und mit Nachwuchs umgegangen werde. Genau diese Unterscheidung sei entscheidend, werde in der öffentlichen Debatte aber oft nicht sauber getroffen.
Hertlein macht deutlich, dass das duale Ausbildungssystem mit seinem Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule den rechtlichen und fachlichen Rahmen vorgibt, während die konkrete Ausbildungsrealität in den Salons von den Betrieben gestaltet wird. Und genau dort liege häufig das Problem. Das Friseurhandwerk präsentiere sich nach außen als kreativ, modern, vielseitig und attraktiv – und das sei es grundsätzlich auch. Kaum ein anderes Handwerk biete eine solche Mischung aus Kreativität, handwerklicher Präzision, Kundennähe und persönlicher Entwicklung. Doch viele junge Menschen machten nach dem Einstieg in die Ausbildung sehr schnell die ernüchternde Erfahrung, dass der betriebliche Alltag mit diesen Versprechen nicht immer übereinstimme. Statt intensiver Begleitung, Förderung und individueller Entwicklung würden Auszubildende in manchen Betrieben eher nebenher im Tagesgeschäft mitlaufen. Viele erhielten nicht den Input, den sie erwarteten und brauchten, manche seien sogar unterfordert. Für Hertlein ist das ein zentraler Grund für die Nachwuchsprobleme und auch für die hohen Abbruchquoten.
Zugleich weist er darauf hin, dass gerade in der Branche oft pauschal „das System“ kritisiert werde, ohne zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen und betrieblicher Praxis zu unterscheiden. Diese Vereinfachung sei zwar populär, helfe aber in der Sache nicht weiter. Notwendig seien vielmehr vernünftige Lösungsansätze und ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe. Nach seiner Beobachtung melden sich in Diskussionen häufig gerade jene Betriebe besonders laut zu Wort, die selbst sehr gut ausbilden und mit berechtigter Kritik auf Schwachstellen hinweisen. An die Betriebe hingegen, in denen Ausbildung tatsächlich mangelhaft laufe und besonders viele Auszubildende abspringen, komme man oft nur schwer heran. Genau darin liege eine der großen Herausforderungen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Kommunikation. Häetlein betont, dass das Friseurhandwerk dringend eine bessere und klarere Kommunikation brauche. Viele Betriebe würden die Ausbildungsordnung und den Ausbildungsrahmenplan nicht richtig lesen oder missverstehen. Wenn dort etwa allgemein von „Haare schneiden“ oder „Haare farblich verändern“ die Rede sei, dann sei das keineswegs altmodisch oder unkonkret, sondern bewusst offen formuliert. Diese Begriffe umfassen sämtliche modernen Techniken und Methoden und geben den Betrieben größtmöglichen Gestaltungsspielraum. Die Ausbildungsordnung schränke also nicht ein, sondern ermögliche sehr viel mehr, als viele glaubten. Das Problem sei oft nicht der Rahmen, sondern dass seine Möglichkeiten zu wenig erkannt und genutzt würden.
Auch beim Thema Digitalisierung widerspricht Hertlein einfachen Heilsversprechen. Die Digitalisierung werde die Nachwuchsprobleme nicht allein lösen, könne aber eine wichtige Rolle spielen. Sie sei im Ausbildungsrahmenplan längst vorgesehen, nur werde sie vielerorts nicht konsequent umgesetzt. Digitale Tools könnten nicht nur im unternehmerischen Alltag eines Salons, etwa bei Kundenbindung, Mitarbeitergewinnung oder Kommunikation, eine wichtige Rolle spielen, sondern auch direkt in der Ausbildung. So könnten Auszubildende mit digitalen Werkzeugen arbeiten, sich mit KI Frisurenkonzepte erstellen lassen oder Schnittformen grafisch und dreidimensional darstellen. Solche Anwendungen seien kein Allheilmittel, gehörten aber selbstverständlich zu einer modernen Ausbildung.
Für Hertlein liegt die Aufgabe der Verbände deshalb vor allem darin, stärker aufzuklären, gute Beispiele sichtbar zu machen und erfolgreiche Ausbildungsbetriebe als Vorbilder herauszustellen. Best-Practice-Beispiele könnten zeigen, wie gute Ausbildung heute funktioniert. Zugleich müssten Betriebe, die Schwierigkeiten in der Ausbildung haben, ermutigt werden, sich Unterstützung zu suchen, Kooperationen einzugehen und ihre Ausbildungsstrukturen zu überdenken. Denn die Chancen, die das duale System und die bestehenden Regelungen bieten, seien groß – sie müssten nur konsequent genutzt werden.
Am Ende beschreibt Hertlein das Friseurhandwerk als eine sehr emotionale Branche, die dadurch besonders anfällig sei – sowohl für positive Hypes als auch für negative Stimmungen. Gerade in sozialen Medien würden einfache Schuldzuweisungen oft schneller verbreitet als differenzierte Erklärungen. Umso wichtiger sei es, sachlich zu bleiben, Potenziale sichtbar zu machen und den Blick stärker auf Lösungen statt auf Schuldfragen zu richten. Seine Botschaft ist klar: Nicht das duale Ausbildungssystem ist das eigentliche Problem, sondern die Art, wie Ausbildung in Teilen der Branche gelebt wird. Wer den Nachwuchs gewinnen und halten will, muss Ausbildung moderner, verbindlicher, intensiver und glaubwürdiger gestalten.
Ich durfte wieder einen Podcast Hertlein & Lange für den LIV Friseure und Kosmetiker Bayern aufnehmen. Bildungsexperte Christian Hertlein beschreibt das Friseurhandwerk als eine sehr vielfältige Branche, die derzeit von einem hohen Anteil an Solo-Selbstständigen und Kleinstbetrieben geprägt ist. Hier der Podcast:
Daneben gebe es einen mittleren Bereich mit kleinen Teams von ein bis vier Mitarbeitenden sowie größere Betriebe und Filialisten. Für die Zukunft sieht er jedoch deutliche Verschiebungen: Der klassische Familienbetrieb mit gewachsener Struktur verliere an Bedeutung, während kleinere Einheiten und Formen gemeinsamer Selbstständigkeit zunehmen dürften. Gleichzeitig stünden auch große Filialkonzepte unter Druck, weil sich Standorte und Kundenverhalten verändern.
Besonders kritisch bewertet Hertlein die Zunahme von Klein- und Kleinstbetrieben mit Blick auf die Ausbildung. Je kleiner ein Betrieb sei, desto schwieriger werde es, qualitativ hochwertige Ausbildung im Alltag zu leisten. Für eine gute Ausbildung brauche es aus seiner Sicht mindestens drei bis vier Mitarbeitende, damit Zeit, Anleitung und fachliche Begleitung überhaupt möglich seien. Wenn immer weniger Betriebe diese Voraussetzungen erfüllten, sinke automatisch auch die Zahl der Ausbildungsplätze, was den Fachkräftemangel weiter verschärfe. Gerade deshalb sieht Hertlein seine Aufgabe als Berufsbildungsexperte heute als besonders wichtig an: Es gehe darum, tragfähige Konzepte für Ausbildung, Weiterbildung und Kooperationen zu entwickeln, damit Betriebe trotz schwieriger Rahmenbedingungen Nachwuchs gewinnen und fördern können.
Für die kommenden zehn Jahre wünscht sich Hertlein vor allem eine starke, qualitativ hochwertige Branche mit gutem fachlichem Anspruch und angemessenen Preisen. Idealerweise sollten sich wieder mehr mittlere Betriebsgrößen mit etwa vier bis acht Mitarbeitenden entwickeln, auch wenn dies mit höherem unternehmerischem Risiko verbunden sei. Viele junge Friseurinnen und Friseure scheuten heute genau dieses Risiko, weil Personalführung, Ausfälle, Qualitätsmanagement und wirtschaftliche Verantwortung komplexer geworden seien. Deshalb hält er es oft für sinnvoll, nach der Meisterprüfung zunächst Berufserfahrung als angestellte Fach- oder Führungskraft zu sammeln, statt sofort den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Denn seit der Wegfall früherer Wartezeiten den direkten Anschluss von Ausbildung, Meisterprüfung und Selbstständigkeit erleichtert habe, fehle manchen jungen Meisterinnen und Meistern noch die nötige praktische Reife.
Auch in Quereinsteigern und Rückkehrern in den Beruf sieht Hertlein Potenzial, etwa bei Menschen, die nach einer Familienphase wieder in den Salonalltag einsteigen wollen. Allerdings sei auch hier Einarbeitung, Schulung und fachliche Weiterentwicklung nötig, was kleinere Betriebe oft weder zeitlich noch finanziell leisten könnten. Größere Teams hätten hier deutlich bessere Möglichkeiten. Als wichtigen Zukunftsweg nennt Hertlein daher Kooperationen: in Städten etwa das Teilen von Ladenlokalen, im ländlichen Raum eher die Zusammenarbeit zwischen Betrieben bei einzelnen Dienstleistungen, Spezialisierungen, Ausbildung oder Mitarbeiterschulungen. Insgesamt erwartet er, dass die Zahl der Spezialisten weiter zunimmt. Gerade in kleineren Strukturen sei es schwierig, das gesamte Leistungsspektrum dauerhaft auf hohem Niveau anzubieten. Deshalb werde sich aus seiner Sicht künftig mehr Spezialisierung durchsetzen als die breite Tätigkeit des Generalisten.
Die Ausstellung „HAAR – MACHT – LUST“ in der Kunsthalle München ist ein herausragendes kulturelles Highlight, das die tiefgreifende gesellschaftliche und politische Bedeutung von Haaren beleuchtet. Bis zum 4. Oktober 2026 lädt die Schau zu einem fesselnden Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte ein. Als Pressebeauftragter des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern besuchte ich die Ausstellung und war schwer begeistert.
Eine universelle Sprache Haare sind weit mehr als ein bloßes modisches Accessoire oder eine Frage des persönlichen Stils. Sie fungieren seit Jahrtausenden als kraftvolles Ausdrucksmittel, um Zugehörigkeit zu demonstrieren, soziale Rollen zu definieren oder Rebellion und Widerstand zu artikulieren. Die Ausstellung zeigt auf faszinierende Weise, wie das scheinbar Alltägliche von Schönheit und Begehren, aber auch von spürbaren Machtgefällen und Ohnmacht erzählt.
Meisterhafte Kuration Unter der Leitung von Kuratorin Juliane Au und Direktor Roger Diederen wurden rund 200 hochkarätige Exponate von der Antike bis zur Gegenwart raffiniert und tiefgründig in Szene gesetzt. Die beeindruckende Bandbreite reicht von klassischen Gemälden und Skulpturen über Videoarbeiten bis hin zu skurrilen Alltagsgegenständen wie historischen Barttassen aus dem 19. Jahrhundert. Leihgaben aus weltberühmten Häusern wie dem Louvre, dem Prado und dem Rijksmuseum unterstreichen den internationalen und kulturübergreifenden Anspruch dieser hervorragend gegliederten Schau.
Historie und moderner Protest Jeder Ausstellungsraum widmet sich einem spezifischen Aspekt und verwebt historische Kontexte nahtlos mit hochaktuellen Themen. So wird dokumentiert, wie im Militär vergangener Epochen die Länge des Bartes den sozialen Rang spiegelte, oder wie historische Herrscher ihre Macht über Frauen durch deren Haartracht inszenierten. Im direkten Kontrast dazu stehen moderne Werke, welche die iranischen „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste von 2024 aufgreifen und eindrucksvoll zeigen, wie das Abschneiden der Haare zum ultimativen Symbol der Selbstbestimmung wird.
Die Ausstellung überzeugt nicht nur durch ihre schiere Vielfalt, sondern setzt mit ausgewählten Exponaten wie filmischen Arbeiten, popkulturellen Ikonen und mythologischen Figuren brillante Akzente.
Multimediale Videoarbeiten Die Schau besticht durch einen integrativen Ansatz, der klassische Kunstwerke fließend mit modernen Videoarbeiten verknüpft. Diese filmischen Darstellungen machen das Motiv greifbar, indem sie die Dynamik, Sinnlichkeit und Wandelbarkeit von Kopf- und Körperhaar auf eine Weise einfangen, die statische Medien kaum leisten können. Durch die bewegten Bilder wird das faszinierende Zusammenspiel von Identität, Schönheit und Körperlichkeit für die Besucher auf einer sehr direkten, modernen Ebene erlebbar gemacht. Besonders habe ich mich über Charlie Chaplins-Film der große Diktator gefreut, eine Satire über Hitler, bei dem Chaplin einen jüdischen Friseur spielt.
Friedensprotest von John Lennon Ein absolutes Highlight für mich als Popkultur-Fan ist die ikonische Fotografie „Hair Peace, Bed Peace“ von Nico Koster aus dem Jahr 1969. Das Bild zeigt John Lennon und Yoko Ono bei ihrem weltberühmten „Bed-in“-Protest und demonstriert eindrucksvoll, wie Haare als bewusstes politisches Statement eingesetzt wurden. In diesem historischen Kontext wird die wachsende Haarpracht zum ultimativen Symbol für Rebellion, Gewaltlosigkeit und den gesellschaftlichen Aufbruch einer ganzen Generation.
Die Schlangen der Medusa Auch die fesselnde Kraft der Mythologie findet ihren verdienten Platz in der Ausstellung, was besonders an den Darstellungen der Medusa deutlich wird. Ihre legendären, furchteinflößenden Schlangenhaare dienen in der Kunstgeschichte als eindringliches Symbol für unbändige Stärke, Gefahr und weibliche Urgewalt. Diese klassischen Interpretationen belegen auf faszinierende Weise, dass den Haaren schon in der Antike eine mystische und zutiefst Respekt einflößende Macht zugeschrieben wurde.
Die Ausstellung beweist enorme kuratorische Stärke, indem sie die untrennbare Verbindung von Haaren und menschlicher Würde auch in ihren dunkelsten, schmerzhaftesten historischen Dimensionen schonungslos beleuchtet. Im Spannungsfeld von Macht und Ohnmacht wird das Haar hier vom ästhetischen Objekt zum Zeugen tiefster menschlicher Abgründe und systematischer Unterwerfung.
Instrument der öffentlichen Demütigung Ein historisch erschütterndes Beispiel für die gewaltvolle Instrumentalisierung von Haaren ist die Behandlung französischer Kollaborateurinnen nach der Befreiung am Ende des Zweiten Weltkriegs. Frauen, denen eine sogenannte „horizontale Kollaboration“ mit deutschen Besatzern vorgeworfen wurde, wurden auf den Straßen öffentlich und systematisch kahlgeschoren, um sie gesellschaftlich zu brandmarken und vor der Masse maximal zu demütigen. Die Thematik der Ausstellung verdeutlicht hier auf schmerzhafte Weise, wie der erzwungene Verlust der Haare als direktes Instrument der politischen Machtausübung, der Rache und der gezielten Identitätsberaubung fungiert.
Die absolute Dehumanisierung im KZ Auschwitz Den unfassbaren Tiefpunkt der historischen Ohnmacht markiert die beispiellose Entwürdigung von Menschen durch die Nationalsozialisten in Vernichtungslagern wie dem KZ Auschwitz. Das dortige systematische Scheren der Opfer unmittelbar nach ihrer Ankunft besiegelte den ultimativen Akt der Entmenschlichung und den endgültigen Raub jeglicher persönlicher Identität. Die verabscheuungswürdige, geradezu industrielle Verwertung dieses menschlichen Haares als bloßes Rohmaterial für die Kriegsindustrie offenbart eine absolute Grausamkeit, die dem Ausstellungsaspekt der „Ohnmacht“ eine zutiefst bedrückende und historisch notwendige Dimension verleiht. Auch das gehört zu dieser Ausstellung dazu.
Im Podcast des Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit Christian Hertlein, Bildungsexperte des Landesinnungsverband Friseure und Kosmetiker, über ein Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: Migration und Zuwanderung. Der Podcast markiert zugleich den Auftakt einer neuen Podcast-Staffel für das Jahr 2026 – nach erfolgreichen ersten Folgen ein bewusst gesetztes Signal zur Fortsetzung des Formats.
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, welche Rolle Migration für das Friseurhandwerk heute spielt – und in Zukunft spielen muss. Hertlein macht deutlich: Zuwanderung ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten Teil der Branche. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren prägten Anwerbeabkommen und die sogenannte Gastarbeitergeneration den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Friseurhandwerk profitierte später von deren Kindern, die in Deutschland aufwuchsen, die Sprache beherrschten und sich selbstverständlich integrierten.
Die heutige Situation sei jedoch nur bedingt vergleichbar. Während frühere Zuwanderung gezielt arbeitsmarktpolitisch gesteuert war, kommen heute viele Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Diese brächten oft traumatische Erfahrungen mit und benötigten deutlich mehr Unterstützung. Gerade im Friseurhandwerk, das Hertlein treffend als „Mundwerk“ beschreibt, stellen Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede eine besondere Herausforderung dar – sowohl im Kundenkontakt als auch im Teamalltag.
Ein zentrales Problem sieht Hertlein in der mangelnden Bündelung von Unterstützungsangeboten. Zwar existierten Sprachkurse, sozialpädagogische Begleitung und Förderprogramme, doch vielen Betrieben fehle der Überblick. Eine klare zentrale Anlaufstelle, etwa über Handwerkskammern oder Berufsschulen, könnte hier Abhilfe schaffen. Gleichzeitig kritisiert er, dass vorhandene Angebote von Betrieben nicht immer ausreichend genutzt werden – oft aus Zeit- und Organisationsgründen.
Ein weiteres großes Thema des Podcasts ist die kontrovers geführte Debatte um Barbershops. Hertlein warnt eindringlich vor Pauschalurteilen. Nicht jeder Betrieb mit migrantischem Hintergrund sei automatisch illegal oder problematisch. Vielmehr müsse klar unterschieden werden zwischen regulär geführten Betrieben mit Meisterqualifikation und solchen, bei denen tatsächlich rechtliche Defizite bestehen. Populistische Verkürzungen schadeten nicht nur dem Handwerk, sondern der gesamten gesellschaftlichen Debatte.
Gleichzeitig plädiert Hertlein für mehr Geduld. Integration sei kein kurzfristiger Prozess, sondern brauche Zeit – oft eine ganze Generation. Positive Beispiele gebe es jedoch viele: junge Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung absolvieren, die Meisterprüfung ablegen und sich erfolgreich selbstständig machen. Solche Entwicklungen zeigten, dass das System grundsätzlich funktioniere, wenn Unterstützung, Eigeninitiative und klare Regeln zusammenkämen.
Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick nach vorn. Migration biete nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen – etwa durch neue Dienstleistungen, zusätzliche Kompetenzen und eine stärkere Vielfalt im Handwerk. Entscheidend sei, differenziert zu diskutieren, Ruhe in die Debatte zu bringen und sich nicht von populistischen Stimmen treiben zu lassen.
Der Podcast macht deutlich: Das Friseurhandwerk steht exemplarisch für viele gesellschaftliche Fragen rund um Migration, Integration und Fachkräftesicherung. Lösungen sind komplex – einfache Antworten gibt es nicht. Genau darin liegt die Stärke des Gesprächs: Es setzt auf Einordnung, Erfahrung und Dialog statt auf Schlagworte.
Ich habe im Rahmen meines wöchentlichen Newsletters gefragt, ob ich stärker ins Podcasten einsteigen soll. Die Mehrheit der Abonnenten sagte Ja. Also taste ich mich weiter vor.
Im Rahmen eines Podcasts des Landesinnungsverbandes Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit dem stellvertretenden Landesinnungsmeister und Berufsbildungsexperte Christian Hertlein über die Chancen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) für die Friseur-Branche. Dabei wurde deutlich: Digitale Technologien gewinnen auch im Friseurwesen zunehmend an Bedeutung – sie ersetzen jedoch nicht die zentralen Kompetenzen des Handwerks.
„Empathie, Kreativität und handwerkliches Geschick sind die drei Eigenschaften, die den Friseurberuf auch in Zukunft unverzichtbar machen“, betonte Hertlein. KI könne den Beruf nicht ersetzen, sondern biete vielmehr zusätzliche Werkzeuge, um Salons moderner, effizienter und kundenorientierter zu gestalten. Schon heute ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von automatisierten Kundeninformationen über KI-generierte Bilder für Marketingmaterialien bis hin zu digitalen Tools, die Auszubildende bei der kreativen Gestaltung von Frisuren unterstützen. Hertlein sieht darin auch Chancen für die berufliche Bildung: „Wenn junge Menschen lernen, präzise mit KI zu arbeiten, stärkt das sowohl ihre Sprachkompetenz als auch ihre Kreativität.“
Damit diese Potenziale ausgeschöpft werden können, sei es notwendig, Berufsschulen und Betriebe gezielt zu schulen und Lehrpläne an die neuen Anforderungen anzupassen. Auch die Verbände stünden in der Verantwortung, die Digitalisierung aktiv zu begleiten und praxisnahe Schulungsangebote bereitzustellen.
Das Gespräch macht deutlich: Die Digitalisierung ist auch im Friseurhandwerk längst Realität. Für die Betriebe bedeutet das, rechtzeitig den Anschluss zu finden, um Wettbewerbsfähigkeit, Kundenbindung und Ausbildungsqualität langfristig zu sichern.
Ich hab ja versprochen, dass ich dieses Jahr mehr im Bereich Podcast machen werde. Ich nähere mich in der Regel von der filmischen Seite dieses Thema als Videopodcast, aber Zug um Zug spiele ich auch Audio-Podcasts aus.
Ich traf ihn in der Kreishandwerkerschaft Fürth zu einem Gespräch über Berufsnachwuchs. Wie ticken eigentlich Jugendliche und wie müssen sich Friseursalons darauf einstellen. Die Aussagen gelten aber nicht nur für Friseurbetriebe, sondern im Grunde für jede Art von Ausbildungsbetrieben der neuen Generation Z. Wer Lust hat, bitte gerne mal hineinhören.
Als gelernter Zeitungsjournalist gehört die Telefonrecherche eigentlich zum täglichen Brot auf der Jagd nach News und Stories. Hörer abnehmen, Nummer wählen, fertig. So war es damals. Doch im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass jüngere Mitarbeiter mehr und mehr die Scheu haben zu telefonieren und besser zur E-Mail als Kommunikationsmittel greifen.
Und siehe da: Mir geht es ebenso. Meine Kommunikation hat sich gewandelt. Ich will auch nicht einfach so angerufen werden, weil dies meinen Tag stört.
Die Bitkom liefert die aktuelle Daten. Rund ein Drittel (36 Prozent) der Deutschen hat schon einmal aus Angst vor dem Telefonieren notwendige Anrufe aufgeschoben. Besonders ausgeprägt ist dies unter den Jüngeren: Unter den 16- bis 29-Jährigen haben dies schon 44 Prozent getan. Insgesamt 33 Prozent der Deutschen geben explizit an, sich oft unwohl dabei zu fühlen, mit fremden Leuten zu telefonieren. Ebenfalls ein Drittel (32 Prozent) vereinbart Termine bei Dienstleistern wie Friseursalons oder Arztpraxen generell lieber per Mail oder Buchungsplattform, statt anzurufen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.
Klingt gut, aber leider hat weder mein Hausarzt noch mein Friseur ein Online-Buchungssystem. Beim Friseur schicke ich einfach eine Mail mit Terminvorschlägen, aber beim Arzt hänge ich in der Warteschlange.
Einer meiner Kunden geht hier einen besonderen Weg: Der Landesinnungsverband der bayerischen Friseure und Kosmetiker hat ein innovatives Onlinebuchungssystem für Telefontermine eingeführt, das seinen Mitgliedern zahlreiche Vorteile bietet und die Kommunikation effizienter gestaltet. Dieses neue System steht seit dem vergangenen Jahr bereit und ermöglicht es den Mitgliedern, flexibel und einfach ihre Gesprächstermine mit der LIV-Geschäftsstelle zu vereinbaren.
Mit dem neuen Onlinebuchungssystem entfällt die Notwendigkeit für zeitaufwendige Telefonate, bei denen der gewünschte Gesprächspartner nicht erreichbar ist. Stattdessen können die Mitglieder ihre Termine bequem online buchen und so sicherstellen, dass ihr Anliegen zur gewünschten Zeit besprochen wird. Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern spart auch wertvolle Zeit.
Aufgrund der Online-Terminvereinbarung kann sich der Ansprechpartner optimal auf das Telefonat vorbereiten. Relevante Informationen und Unterlagen können vorab per E-Mail übermittelt werden, wodurch das Gespräch zielgerichtet und effizient ablaufen kann. Zudem entfällt jeglicher Zeitdruck, da das für das Telefonat reservierte Zeitfenster exklusiv für den Anrufer vorgesehen ist. Dieses System habe ich gerne für mein Geschäft übernommen. Die meisten Anfragen erreichen mich per Mail und das freut mich.
Zeit zum Formulieren „Die Angst vor dem Telefonieren entsteht heute oft, weil wir uns an Nachrichten gewöhnt haben, bei denen wir Zeit zum Formulieren haben – während ein Anruf schnelle Reaktion erfordert, ohne die Möglichkeit, nonverbale Signale oder Emojis zur Unterstützung zu nutzen“, erklärt Dr. Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Bitkom. „Besonders jüngere Menschen, die mit Kurznachrichten aufgewachsen sind, empfinden spontane Telefonate daher häufig als aufdringlich oder unangenehm.“ Insgesamt 35 Prozent der Deutschen kündigen ihren Anruf bei Freunden und Familie in der Regel vorab per Nachricht an. Selbst würden gerne 32 Prozent eine Nachricht bekommen, bevor sie angerufen werden.
Aber auch im Freundeskreis und innerhalb Familien schreiben laut Bitkom 40 Prozent der Deutschen lieber eine Nachricht als anzurufen – unter den Jüngeren zwischen 16 und 29 Jahren bevorzugt mit 52 Prozent sogar knapp mehr als die Hälfte Text gegenüber einem Anruf.
Die „Woche der Ausbildung“ im Handwerk, die vom 24. bis 28. März 2025 stattfindet, ist eine bundesweite Initiative, um Jugendliche für eine duale Ausbildung im Handwerk zu begeistern und Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen. Sie wird von Organisationen wie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), den Innungen und auch den Handwerkskammern getragen.
Ich engagiere mich hier und habe für diese Woche zwei Podcasts für Kunden produziert, die sich dem Thema Ausbildung im Handwerk widmen. Zum einen mit dem Berufsbildungsexperten des Friseurhandwerks Christian Hertlein, zum anderen mit Bäckermeister Martin Reicherzer. Eine duale Ausbildung im Handwerk ist Startpunkt für eine Bildungskarriere mit Sinn, Sicherheit und Zukunft.
Fokus auf das Friseurhandwerk Das Friseurhandwerk verbindet Kreativität, handwerkliches Geschick und Kundenorientierung. Die dreijährige Ausbildung umfasst sowohl praktische Tätigkeiten im Betrieb als auch theoretische Inhalte in der Berufsschule. Lernfelder reichen von der Pflege von Haaren und Kopfhaut über das Schneiden und Stylen.
Mein Gesprächspartner Christian Hertlein ist selbst Friseurmeister in Franken und gilt in Deutschland als der Experte für Berufsbildung im Friseurhandwerk, sowohl auf bayerischer als auch auf deutscher Ebene. Ich traf ihn in Fürth zu einem sachlichen, aber unterhaltsamen Gespräch ohne Geschwätz. Ein typischer Arbeitstag eines Friseurs beginnt mit der Vorbereitung des Salons, gefolgt von Kundengesprächen, Haarpflege, Schneidetechniken und Beratung zu Frisuren. Der Beruf erfordert ein hohes Maß an Präzision und die Fähigkeit, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.
Fokus auf das Bäckerhandwerk Das Bäckerhandwerk bietet eine ebenso vielfältige Ausbildung. Diese umfasst die Herstellung von Teigen, Kenntnisse über Backverfahren sowie Hygiene- und betriebswirtschaftliche Aspekte. Die Ausbildung erfolgt dual in Betrieb und Berufsschule und legt großen Wert auf die Vermittlung praktischer Fertigkeiten.
Das Bäckerhandwerk ist geprägt von Tradition und Innovation: Neben klassischen Rezepturen wird zunehmend auf Nachhaltigkeit und hochwertige Rohstoffe geachtet. Initiativen wie „Back dir deine Zukunft“ fördern den Nachwuchs durch moderne Lernangebote wie Videos und Tutorials, die theoretische Grundlagen und praktische Techniken vermitteln. Ich sprach mit Bäckermeister Martin Reicherzer, der Bäckereien in Fürstenfeldbruck und Aubing betreibt. Sein Unternehmen bildet erfolgreich Lehrlinge in den Berufen Bäcker, Konditor und Bäckereifachverkäufer aus.
Woche der Ausbildung Die „Woche der Ausbildung“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Einblicke in Berufe wie Friseur oder Bäcker zu gewinnen. Praktika oder Schnuppertage helfen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln und eine fundierte Berufswahl zu treffen. Gleichzeitig können Betriebe potenzielle Auszubildende kennenlernen und für sich gewinnen.
Beide Berufe zeigen für mich exemplarisch, dass das Handwerk nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch zukunftsorientiert agiert – sei es durch innovative Ausbildungsansätze oder den Einsatz moderner Technologien.
Wie wichtig eine gute Vorbereitung und Planung für PR und ÖA ist, zeigte sich unlängst bei einer Aktion für den Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern. Meine Gattin ist Geschäftsführerin dieses Arbeitgeberverbandes und sie bekam über ein Vorstandsmitglied eine Einladung nach Berlin. Dort findet vor der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages ein Wirtschaftsgipfel unter dem Motto „Wir hören zu“ statt.
Wir diskutierten die Möglichkeit und kamen überein, dass das Friseurhandwerk noch mehr in der politischen Öffentlichkeit gehört werden sollte. Ich arbeite nebenbei für den Verband und ich bin davon überzeugt, dass wir in gutem Kontakt mit der Politik stehen, aber so eine Chance sollte sich das bayerische Friseurhandwerk nicht entgehen lassen. CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sowie viele konservative Bundestagsabgeordnete sind auf der Veranstaltung, so dass hier die bayerischen Friseure mit ihren Forderungen Flagge zeigen sollten. Wir setzten alle Hebel in Bewegung, damit wir nicht nur nach Berlin reisen, sondern auch sprechen könnten. Viele Mails und Telefonate mit den Büros der MdB waren notwendig, viele Kontakte wurden aktiviert.
Parallel liefen die Vorbereitungen für das Statement meiner Gattin. Wir diskutierten, verwarfen, rangen um Positionen. Was ist zuviel, was ist zuwenig? Ist es zu lang? Kann sie die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich und damit auf die Forderungen der Friseure lenken? Und sollten wir uns einen Aufmerksamkeitsgag erlauben?
Nachdem in den vergangenen Wochen im ganzen Land Proteste der Landwirtschaft zu verspüren waren, setzten wir auf diese Karte. Meine Frau beschloss mit einem Traktor auf die Situation der mittelständischen Friseure aufmerksam zu machen. Natürlich nicht mit einem echten Traktor, Bulldog, Trecker oder Schlepper, sondern wir entscheiden uns, einen Traktor als Luftballon in den Versammlungsort, das Paul Löbe Haus nach Berlin mitzubringen. Zur Info: Der Sozialdemokrat Paul Löbe wirkte als Mitglied der verfassungsgebenden Nationalversammlung an der Weimarer Verfassung mit. Löbe war überzeugter Europäer mit hohem Engagement für die Einigung Westeuropas und die Wiedervereinigung Deutschlands.
Meine Frau kaufte im örtlichen Ballonladen einen Traktorballon und übers Netz eine Ballonpumpe. Während wir auf grünes Licht aus Berlin warteten, arbeiteten wir an dem möglichen Statement. „Bei den (Corona-)Auflagen die Ersten, bei den Hilfen die Letzten, brauchen Friseure Traktoren, um gehört zu werden?“ Wir organisierten die Reise in die Hauptstadt mit dem ICE. Der Bahnstreik war erst wenige Tage vorüber. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Ursprünglich war gedacht, die Stichpunkte des Statements am iPad vorzutragen, wenn meine Frau zu Wort kommen sollte. Auf der Fahrt nach Berlin mit dem Sprinter diskutierten wir das Vorgehen nochmals und sahen die Gefahr, dass es ein Standmikro sein könnte und damit kein Platz für das iPad vorhanden ist. Also schrieb sich meine Frau Stichworte auf nummerierte Stichwortkarten und ging die Rede immer wieder durch.
In Berlin schnell das Hotel bezogen, frisch gemacht und umgezogen. Die Gattin entschied sich für einen grünen Blazer in der Hoffnung, dass die Masse der (männlichen) Besucher der CDU/CSU-Veranstaltung im grauen Zweireiher erscheinen würde. Da sticht die Farbe wunderbar heraus und fällt richtig auf. Zudem rechneten wir damit, dass die Masse der Besucher männlich sein würde und damit stiegen die Chancen auf einen Redebeitrag als Frau.
Ich begleitete die Gattin zum Paul Löbe Haus neben dem Reichstag. Es war schon eine lange, graue Schlange der üblichen Lobbyisten und Interessensverteter anwesend. 700 Vertreter waren angemeldet, die sich alle für wichtig empfanden und zumeist auch etwas sagen wollten. Die Gattin reihte sich in die Schlange ein und ich kehrte ins Hotel zurück, weil ich zur gleichen Zeit ein Online-Seminar halten musste. Ich drückte ihr noch eine Weitwinkelkamera in die Hand, eine Insta360, um den möglichen Redebeitrag irgendwie mitzufilmen. Wir brauchten ja einen Tätigkeitsnachweis und mögliches Material für die Öffentlichkeitsarbeit des Landesinnungsverbandes.
Nach der Sicherheitskontrolle, bei der der Gattin allerdings der Luftballon abgenommen wurde und damit der Einstiegsgag geplatzt war, gab sie ihre Redemeldung ab und wartete. Sie ergatterte einen Platz in der zweiten Reihe zwischen zumeist grauen Männern. Ein paar Fotos hier, ein paar Selfies da und die Nervosität stieg. Und hurra, die Entscheidung ist gefallen: Sie sollte die zweite Rednerin sein. Damit hatte sie und das Friseurhandwerk die geballte Aufmerksamkeit der politischen Vertreter auf ihrer Seite. Sie gab ihr Statement ab und filmte es etwas unglücklich von unten, aber besser als gar nicht. Die örtliche Stimmkreisabgeordnete Katrin Staffler machte ein Foto von meiner Frau in ihrer grünen Jacke, wie sie von einer Kamera gefilmt wurde. Starkes Foto und danke für das Überlassen des Bildes. Nach zwei Stunden und zahlreichen Reden war die Veranstaltung zu Ende. Die Wortbeiträge gingen wohl in das Mittelstandsprogramm der CDU/CSU ein, das einige Tage später veröffentlicht wurde. Nachts stellten wir unseren Film auf den YouTube-Kanal des Verbandes. Leider die Perspektive von unten und auch der Ton war nicht übermäßig gut. Aber die Verantworten bei der CDU/CSU hatten die Rede in perfekter Qualität mitgefilmt und wir capturten noch nachts das Material und setzten es in der Kommunikation ein. Das WLAN im Hotel arbeitete hervorragend.
Per Newsletter ging die Meldung an die Mitglieder der bayerischen Friseurinnungen, der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks nahm es in seinen Newsletter auf und die Fachmedien im Friseurhandwerk verbreiteten die Botschaft. Es kam Lob von vielen Seiten und die Aktion war dank einer guten Vorbereitung ein Erfolg. Nun muss sich eigentlich nur noch die Politik für das Friseurhandwerk ändern. Die Hoffnung stirbt zuletzt.