Gasthof Heinzinger: Wo die Liebe zum Kochen ein Zuhause hat

Es gibt Häuser, deren Geschichte sich in Speisekarten und Jahreszahlen nur unvollständig erzählen lässt. Man muss auch von den Menschen sprechen, die geblieben sind, von Freundschaften, die über Jahrzehnte tragen, und von der Liebe zu einem Beruf, der anderen Menschen glückliche Stunden schenken kann. Der Gasthof Heinzinger in Rottbach ist so ein Haus. Am 7. Oktober 2026 feierte Denis Michael Kleinknecht hier sein zehnjähriges Wirken. Unter dem Namen „Denis & Friends“ kamen langjährige Weggefährten zusammen, um für 44 Gäste zu kochen. Ein Geburtstag, dessen schönste Zutat die gemeinsame Geschichte war.

Wer sich diesem Wirtshaus nähert, begegnet einem Stück gewachsenem Bayern. Die hauseigene Chronik führt seine Geschichte bis zu einer 1389 erwähnten Taferne zurück. Reisende fanden hier einst Unterkunft und Verpflegung; später entdeckten auch Maler die Landschaft und ihre Wirtshäuser. Seit 1929 gehört das Anwesen der Familie Heinzinger. Man kann sich kaum einen passenderen Ort vorstellen, um Menschen an einen Tisch zu bringen: ein Haus, das seit Jahrhunderten davon lebt, seine Türen zu öffnen.

Als Kleinknecht 2016 die Verantwortung übernahm, brachte er Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Küchen mit. Sein Weg hatte ihn zu Otto Koch ins Münchner „Le Gourmet“, nach Oxford, ins „Acquarello“ und bis nach Santa Monica geführt. In Rottbach fanden diese Stationen einen neuen Mittelpunkt. Hier konnte aus gesammeltem Können eine eigene Handschrift werden – getragen von der Vertrautheit eines bayerischen Gasthofs und der Neugier auf das, was kulinarisch noch möglich ist. Sehr emotional ist die Begegnung mit Rainer Radach, dem Lehrmeisters Kleinknechts,

Die Menükarte des Geburtstagsabends las sich dabei wie eine kleine Reise durch Freundschaft und Fantasie. Auf Amuse-Bouche, Brot und Butter folgte Lena Lamys Tasting mit viererlei Sturia-Kaviar. Ich habe mit dieser lebenslustigen Dame ein kleines Interview über Kaviar geführt. Der Gruß aus der Küche wurde übrigens mit Äpfeln aus unserem Garten gezaubert.

Schon dieser Auftakt lud dazu ein, aufmerksam zu werden, Unterschiede zu entdecken und sich Zeit zu lassen. Karlheinz Drews setzte mit „Beef Tamtam“ den nächsten Akzent, bevor der Gastgeber selbst einem scheinbar bescheidenen Gemüse die Bühne überließ.

Fünfmal Kohlrabi stand auf der Karte. In dieser beharrlichen Wiederholung lag ein reizvolles Versprechen: Wie viel lässt sich entdecken, wenn man einer einzigen Zutat seine ganze Aufmerksamkeit schenkt? Gerade ein vertrautes Gemüse kann Erinnerungen wecken – an Gärten, an Familienküchen, an Gerichte aus der Kindheit. In einem Festmenü bekommt es die Gelegenheit, noch einmal ganz neu kennengelernt zu werden.

Auch die „Falsche Prinzregenten-Torte“ trug eine persönliche Geschichte in sich. Der auf der Karte genannte Otto Koch war verhindert; Kleinknecht und Rainer Radach übernahmen seinen Beitrag. Radach hatte Kleinknecht einst ausgebildet. Dass Lehrmeister und ehemaliger Schüler nun gemeinsam diesen Gang zubereiteten, gab ihm eine Bedeutung, die über jede Rezeptur hinausreichte. Manche Verbindungen bleiben bestehen, auch wenn längst jeder seinen eigenen Weg gegangen ist.

Mit Radachs „Oktopussy“ ging die Reise weiter, gefolgt von Peter Greppmayrs „King Fish“ mit grüner Tomate. Christoph Altmann brachte mit seinem „Zwiebelrostbraten 2.0“ einen vertrauten Wirtshausnamen ins festliche Menü, ehe Jürgen Beyers „D’Nachspeis“ den süßen Schlusspunkt setzte. Dazu standen Weine des Weinguts Wageck auf der Karte: Chardonnay und Weißburgunder, eine Rosé-Cuvée und die rote Cuvée Luise. Namen, Gänge und Gläser fügten sich zu einer Einladung, den Alltag für eine Weile vor der Tür zu lassen.

So lässt sich dieser zehnte Geburtstag auch als Liebeserklärung lesen: an das Kochen, an alte Weggefährten und an einen Ort, dem jemand seine Kraft und seine Ideen anvertraut hat. Ein Wirtshaus lebt von solchen Bindungen. Von Menschen in Küche und Service, von Gästen, die wiederkommen, und von einem Gastgeber, der den nächsten gedeckten Tisch bereits vor Augen hat.

Die Zukunft hat beim Heinzinger schon einen Namen: „1389 – Fine Dining“, auf der Website als kommendes Angebot angekündigt. Die alte Jahreszahl darf damit einen neuen Anfang begleiten.

Vielleicht liegt darin die leise Romantik dieses Jubiläums: Ein Haus bleibt lebendig, weil Menschen immer wieder etwas von sich hineingeben. Zehn Jahre lang hat Denis Michael Kleinknecht das in Rottbach getan. Zum Geburtstag kamen Freunde und Wegbegleiter zusammen und schenkten dieser Geschichte einen gemeinsamen Abend – Gang für Gang, mit Zeit füreinander und mit der Liebe zum Kochen, die sie verbindet.

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