Brüssel hat eine hohe Kneipendichte und eine noch größere Bierauswahl. Nicht jedes Bier ist für einen an das Reinheitsgebot gewöhnten Bayern genießbar, aber die Auswahl ist enorm. Ich will zwei Kniepern herausstellen, in denen ich in Brüssel zeitweise versumpft bin: Poechenellekelder und
Poechenellekelder Wer Brüssel wirklich spüren möchte, sollte irgendwann die Tür des Poechenellekelder öffnen. Nur wenige Schritte vom Manneken Pis entfernt liegt diese eindrucksvolle Kneipe in der Rue du Chêne – ein Ort, der weniger wie ein gewöhnliches Lokal und mehr wie ein begehbares Stück Brüsseler Seele wirkt. Seit 1991 gehört der Poechenellekelder hier zum Stadtbild und ist längst selbst Teil der Brüsseler Folklore geworden. Die Nähe zum Manneken Pis sorgt dafür, dass natürlich sehr viele Touristen hereinschauen, dessen sollte man sich gewiss sein.
Schon beim Betreten bleibt der Blick überall hängen. Alte Fotografien und Stiche bedecken die Wände, dazu kommen Puppen, Figuren, Plakate und unzählige Erinnerungsstücke rund um Brüssel und natürlich das berühmteste kleine Kerlchen der Stadt: Manneken Pis. Man hat beinahe das Gefühl, in eine über Jahrzehnte zusammengetragene Wunderkammer geraten zu sein. Nichts wirkt glatt oder durchgestylt. Gerade dieses scheinbare Durcheinander macht den Charme aus.
Dann sitzt man zwischen all diesen Geschichten, bestellt sich eines der zahlreichen belgischen Biere und lässt den Raum wirken. Stimmen vermischen sich mit dem Klirren der Gläser, Menschen aus aller Welt sitzen neben Brüsselern, und für einen Moment scheint die hektische Stadt draußen ziemlich weit entfernt zu sein. Der Poechenellekelder versteht sich ganz bewusst als traditionelles Brüsseler „Estaminet“ – als Kneipe, in der man zusammenkommt, erzählt, diskutiert und bei einer Gueuze die Zeit vergisst. Zum Bier habe ich Blauschimmelkäse gegessen.
Besonders schön ist die enge Verbindung zum Manneken Pis. Im März 2026 bekam das Brüsseler Wahrzeichen sogar ein eigenes Poechenellekelder-Kostüm – passend zum 35-jährigen Bestehen des Lokals. Das sagt eigentlich alles über den Stellenwert dieser Kneipe aus: Der Poechenellekelder ist nicht einfach nur ein Platz, an dem Bier ausgeschenkt wird. Er gehört inzwischen selbst zu jener eigentümlichen Mischung aus Humor, Selbstironie, Geschichte und Lebensfreude, die Brüssel so sympathisch macht.
Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Ort: Man kommt wegen eines Bieres hinein und bleibt wegen der Atmosphäre. Und wenn man später wieder hinaus auf die Straße tritt und wenige Meter weiter Manneken Pis begegnet, hat man das Gefühl, Brüssel ein kleines bisschen besser verstanden zu haben.
À La Mort Subite Es gibt Kneipen, in die man auf ein Bier geht. Und es gibt Kneipen, in denen man das Gefühl bekommt, durch eine Tür direkt in eine andere Zeit getreten zu sein. À La Mort Subite gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Nur wenige Schritte von den Galeries Royales Saint-Hubert entfernt liegt dieses legendäre Brüsseler Café in der Rue Montagne aux Herbes Potagères. Wer den großen Gastraum betritt, begegnet einem Brüssel, das sich erstaunlich erfolgreich gegen die Moderne gewehrt hat. Spiegel an den Wänden, lange Sitzbänke, dunkles Holz, alte Fotografien, hohe Decken und dieses warme Licht schaffen eine Atmosphäre, die nicht künstlich auf „historisch“ getrimmt werden musste. Sie ist einfach da. Das Lokal bewahrt bis heute weitgehend den Charakter eines alten Brüsseler Bistros.
Man möchte sich hinsetzen, eine Gueuze oder ein anderes belgisches Bier bestellen und erst einmal schauen. Auf die Kellner, die durch den Raum gehen. Auf die Gäste, die miteinander reden. Auf die Spiegel, in denen sich das Leben der Kneipe vervielfacht. Und irgendwann beginnt man sich vorzustellen, wer hier wohl schon alles gesessen hat. Selbst Jacques Brel gehörte zu den Stammgästen; Künstler, Schriftsteller und Schauspieler gingen hier ein und aus.
Auch der merkwürdige Name erzählt eine herrlich Brüsseler Geschichte. Um 1910 führte Théophile Vossen in der Nähe ein Lokal namens „La Cour Royale“. Gäste der Nationalbank vertrieben sich dort beim Würfelspiel Pitjesbak die Wartezeit. Musste eine Partie schnell beendet werden, entschied ein letzter Wurf über Sieg oder Niederlage – die „Mort Subite“, der plötzliche Tod. Der Ausdruck wurde schließlich zum Namen des Lokals und später auch der Gueuze. 1928 zog das Café an seinen heutigen Standort.
Vielleicht liegt genau darin die Magie von À La Mort Subite. Geschichte wird hier nicht hinter Glas ausgestellt. Man kann sich mitten hineinsetzen. Man bestellt ein Bier, hört das Stimmengewirr, betrachtet die alten Spiegel und lässt für eine Weile die Stadt draußen vorbeiziehen.
Und plötzlich versteht man, dass Brüssel nicht nur aus Grand-Place, Atomium, Manneken Pis und prächtigen Galerien besteht. Brüssel findet auch an einem alten Holztisch statt, vor einem Glas Gueuze, während rundherum geredet, gelacht und getrunken wird.
À La Mort Subite ist keine Kneipe, die man einfach besucht. Es ist ein Ort, den man ein wenig in Erinnerung mitnimmt. Gerne hätte ich hier mein MacBook aufgeschlagen und über die Atomsphäre gebloggt. Leider war das im Hotel eingeschlossen, so blieben nur Notizen.
Was mit Mut, Zweifeln und einem unterschriebenen Mietvertrag begann, ist heute aus Maisach kaum noch wegzudenken: Das Bistro SixtyFour feiert seinen dritten Geburtstag. Im BistroTalk sprechen Ruby und Uwe Flügel mit Matthias J. Lange über schwierige Anfänge, treue Stammgäste, norddeutsche Frikadellen und das besondere Gefühl, einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen zusammenkommen.
Noch stehen die Stühle ordentlich an den Tischen, der Gastraum wirkt ruhig und aufgeräumt. Doch in wenigen Stunden soll davon nicht mehr viel zu sehen sein. Dann wird das Bistro SixtyFour in der Maisacher Zentrumspassage seinen dritten Geburtstag feiern – mit zusätzlichen Tischen, besonderen Speisen, Musik und zahlreichen Gästen. Für Ruby und Uwe Flügel ist dieser Tag mehr als nur ein Betriebsjubiläum. Er ist der Beweis dafür, dass aus einer mutigen Idee ein lebendiger Treffpunkt für Maisach geworden ist. Hier der BistroTalk als Stream
Im live aus dem Bistro übertragenen BistroTalk blickten die beiden Inhaber gemeinsam mit Moderator Matthias J. Lange auf drei bewegte Jahre zurück. Unterstützt wurde die Jubiläumsausgabe vom Zentrum für Gesundheit Dombo. Selbst aus Florida hatte sich ein Zuschauer angekündigt. Der Maisacher BistroTalk war damit an diesem Nachmittag zumindest digital auch international.
Ruby Flügel beschreibt ihre Gefühle beim Blick durch den Gastraum als Mischung aus Stolz, Erleichterung und Erinnerung an schwierige Zeiten. „Wenn ich zurückdenke, als wir damals aufgemacht haben, und mir jemand gesagt hätte, dass wir nach drei Jahren zusätzliche Tische reinstellen müssen, hätte ich das für völlig verrückt gehalten“, sagte sie. Inzwischen haben sich die Flügels eine große Zahl an Stammgästen aufgebaut. Für das Jubiläum reichten die regulären Plätze nicht mehr aus.
Uwe Flügel hoffte vor Beginn des Festes vor allem auf eines: „Dass alle Tische gefüllt sind, dass es voll ist, Leben in die Bude kommt und wir ordentlich zusammen feiern können.“ Es ist ein Satz, der viel über das Selbstverständnis des SixtyFour verrät. Das Bistro will nicht nur Speisen und Getränke verkaufen. Es will ein Ort sein, an dem Menschen miteinander reden, lachen, diskutieren und sich willkommen fühlen.
Zwischen Glücksgefühl und Existenzangst Als die Flügels vor drei Jahren erstmals den Schlüssel für die Räume in den Händen hielten, überwog zunächst die Freude. Doch sie war von Respekt und Unsicherheit begleitet. „Man hatte auch ein bisschen Angst, ob der Laden jemals voll wird und ob wir als Zugereiste überhaupt anerkannt werden“, erinnerte sich Uwe Flügel.
Der endgültige Punkt ohne Rückkehr war die Unterzeichnung des Mietvertrags. Monatelang hatten Ruby und Uwe Flügel überlegt, geplant und verhandelt. Mit der Unterschrift war klar: Jetzt musste das Konzept funktionieren.
Der Wunsch nach einer eigenen Gastronomie war allerdings schon deutlich älter. Als das Paar 2010 aus Göttingen nach München zog, gab es bereits die Idee, irgendwann ein kleines Café zu eröffnen. Es dauerte noch mehr als ein Jahrzehnt, bis daraus Realität wurde. Dass die Eröffnung erst nach der Corona-Pandemie erfolgte, sehen die beiden rückblickend als glückliche Fügung. Die Menschen hatten wieder Lust, auszugehen, sich zu treffen und Gastronomie zu erleben. „Als Anfänger hätten wir die Pandemie wahrscheinlich nicht überlebt“, sagte Ruby Flügel offen.
Seit 2020 lebt das Paar in Maisach. Die Suche nach einem Standort in der eigenen Gemeinde war deshalb auch eine praktische Entscheidung. Kurze Wege waren ein wichtiger Vorteil. Über Bekannte erfuhren sie, dass die Räume des früheren Familiencafés in der Zentrumspassage frei werden sollten.
Beim ersten Besuch war die Begeisterung über die Größe der Räume ebenso groß wie die Sorge, ob sich das Projekt bewältigen lassen würde. Vieles entstand anschließend in Eigenleistung. Die Theke und zahlreiche weitere Einbauten fertigte Uwe Flügel selbst. Auch die vielen Pflanzen im Gastraum tragen seine Handschrift.
Unterstützung aus Maisach Die Erfahrungen mit den Behörden fielen unterschiedlich aus. Von der Gemeinde Maisach, dem Bürgermeister, den Vermietern und Unterstützern aus dem Ort hätten die Flügels viel Hilfe erfahren. Schwieriger seien manche Abstimmungen mit dem Landratsamt gewesen. Ursprünglich geplante längere Öffnungszeiten wurden nicht genehmigt, außerdem mussten verschiedene Auflagen erfüllt werden.
Besonders die Unterstützung der Vermieter und engagierter Maisacher sei in dieser Phase entscheidend gewesen. „Ohne diese Hilfe hätten wir vielleicht sehr früh gesagt, dass wir nicht weitermachen“, erklärte Ruby Flügel. Gerade als Neulinge in der Gemeinde sei es wichtig gewesen, Menschen an der Seite zu haben, die an das Vorhaben glaubten.
Denn nicht alle Reaktionen waren positiv. Zu Beginn hätten manche vorhergesagt, das Bistro werde sich nicht halten können. Drei Jahre später sind diese Zweifel weitgehend verstummt.
Eine Theke als Mittelpunkt Ein zentrales Element des SixtyFour ist die große Theke. Für Uwe Flügel war sie von Beginn an unverzichtbar. In vielen Restaurants hatte ihm ein Platz gefehlt, an dem Gäste auch ohne Essen einfach ein Bier trinken und mit dem Barkeeper sprechen können. Heute ist die Theke besonders an Wochenenden oft dicht besetzt.
Dass sie inzwischen teilweise zweireihig umlagert ist, zeigt, wie gut die Idee funktioniert. Hier werden nicht nur Getränke ausgeschenkt. Hier entstehen Gespräche, Bekanntschaften und Diskussionen. Es geht um Fußball, Kommunalpolitik, Kunst, Musik und das Leben in Maisach.
Auch die Getränkekarte hat sich deutlich entwickelt. Gestartet wurde mit rund zehn Cocktails, inzwischen umfasst das Angebot etwa 20 bis 22 Varianten, ergänzt durch saisonale Cocktails und Spritzgetränke. Viele Gäste kommen gezielt wegen der Cocktails ins Bistro.
Das helle Bier gehört weiterhin zu den stärksten Umsatzbringern. Entgegen dem allgemeinen Rückgang des Bierkonsums kann das SixtyFour seine vereinbarten Absatzmengen regelmäßig übertreffen. Auch Weißbier wird inzwischen frisch vom Fass gezapft.
Ein dritter Zapfhahn soll künftig für wechselnde Saisonbiere genutzt werden. Denkbar sind Märzen, Sommer- oder Winterzwickel sowie Oktoberfestbier. Nach dem Erfolg von Guinness und Kilkenny bei einem irischen Abend können sich die Flügels außerdem vorstellen, solche Spezialitäten häufiger anzubieten.
Freundlichkeit als wichtigste Qualifikation Gastronomie bedeutet lange Arbeitszeiten, Kostendruck und körperliche Belastung. Das war Ruby und Uwe Flügel vor der Eröffnung bewusst. Trotzdem gab es einen Moment, in dem beide ernsthaft ans Aufgeben dachten. Vor etwa zwei Jahren sei die Belastung besonders hoch gewesen. Damals arbeiteten beide täglich im Bistro, während die Gästezahlen zeitweise zurückgingen.
Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Mehrere Servicekräfte unterstützen das Paar so zuverlässig, dass jeder von ihnen zumindest gelegentlich einen freien Tag einplanen kann. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden dennoch gesucht.
Die wichtigste Voraussetzung sei nicht gastronomische Erfahrung, sondern Freundlichkeit. „Alles andere kann man lernen“, betonte Ruby Flügel. Aufmerksamkeit, Respekt und ein zugewandter Umgang mit den Gästen seien entscheidend. Gerade in einer Gemeinde wie Maisach verbreiteten sich positive wie negative Erfahrungen schnell.
Wie wichtig Mundpropaganda ist, zeigte sich zuletzt beim Marktsonntag. Das Bistro hatte keine große Werbekampagne geschaltet und war dennoch voll. Viele Gäste kamen aufgrund persönlicher Empfehlungen.
Der Stammtisch als Zeichen der Wertschätzung Besonders stolz ist Uwe Flügel auf den Stammtisch. Das Schild auf dem Tisch sei als Dank an die Gäste gedacht, die nahezu täglich oder mehrmals pro Woche ins SixtyFour kommen. Auch bei vollem Haus sollen sie dort ihren Platz finden.
Für ihn gehört ein Stammtisch zu einer bayerischen Gastronomie. Dass der aus Norddeutschland stammende Wirt diese Tradition in seinem Bistro aufgreift, passt zur Entwicklung des SixtyFour: Norddeutsche Wurzeln und bayerische Wirtshauskultur treffen aufeinander, ohne sich gegenseitig auszuschließen.
Das Publikum reicht von jungen Erwachsenen bis zu Senioren. Sportgruppen, Gemeinderäte, Elternvertreter, Vereine und lose Freundeskreise sitzen an den Tischen. Das SixtyFour ist damit tatsächlich zu jenem „zweiten Wohnzimmer“ geworden, als das Matthias J. Lange das Bistro im Gespräch bezeichnete.
Von Flammkuchen bis Krustenbraten In der Küche hat sich in den vergangenen drei Jahren ebenfalls viel verändert. Ursprünglich war der Küchenraum so klein, dass zwei Personen kaum gleichzeitig darin arbeiten konnten. Mittlerweile wurde die Fläche mit Unterstützung der Vermieter deutlich erweitert. Zusätzliche Arbeits- und Abstellflächen sind entstanden, außerdem soll ein neuer Konvektomat die Möglichkeiten vergrößern.
Der Schwerpunkt bleibt die Bistroküche. Flammkuchen und Baguettes gehören seit der Eröffnung zu den Klassikern. Der Flammkuchen war eine bewusste Entscheidung, weil es in der näheren Umgebung kaum ein vergleichbares Angebot gab.
Auch Burger waren zunächst nur als Monatsaktion geplant. Wegen der großen Nachfrage wurden sie dauerhaft in die Speisekarte aufgenommen. Besonders überrascht war das Team vom Erfolg der Schnitzelaktionen. Trotz sommerlicher Hitze wurden die Schnitzel in verschiedenen Varianten zum Verkaufsschlager.
Mit dem neuen Küchengerät sollen künftig verstärkt wechselnde Gerichte angeboten werden. Uwe Flügel denkt an Schnitzel, Schweine- und Krustenbraten, Spare Ribs und möglicherweise auch an ein hochwertiges Rindersteak. Fisch kann er sich ebenfalls vorstellen, sieht bei Lagerung und Frische jedoch besondere Herausforderungen.
Regionalität spielt für ihn eine wichtige Rolle. Das Fleisch bezieht er bevorzugt von Metzgereien aus der Umgebung, unter anderem von der Metzgerei Fröhlich in Jesenwang. Uwe Flügel ist kein gelernter Koch, beschäftigt sich aber seit seiner Jugend intensiv mit dem Kochen. Zusätzliche Erfahrungen sammelte er bei Kursen und Praktika, unter anderem bei Sternekoch Alexander Herrmann.
Raum für Feiern, Politik und Musik Das Bistro hat sich inzwischen auch als Veranstaltungsort etabliert. Geburtstage, Hochzeiten und geschlossene Gesellschaften finden regelmäßig statt. Auch politische Veranstaltungen wurden bereits durchgeführt, teilweise sogar am eigentlichen Ruhetag.
Live-Musik gehört ebenfalls zum Konzept. Wegen der Lage in einem Wohngebiet müssen Lautstärke und technische Ausstattung allerdings zum Raum passen. Akustikmusik und kleinere Bands eignen sich besonders gut. Interessierte Musikerinnen und Musiker können sich bei den Flügels melden.
Auch für andere Formate wie Comedy oder Lesungen ist das Paar grundsätzlich offen. Entscheidend seien ein tragfähiges Konzept, verbindliche Reservierungen und die Frage, ob die Gäste bereit sind, Eintritt zu zahlen.
Ohne Gastronomie verliert ein Ort sein Leben Im Gespräch wurde auch deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung das Bistro für Maisach hat. Wenn Gaststätten und Wirtshäuser verschwinden, fehlen nicht nur kulinarische Angebote. Es verschwinden Orte der Begegnung.
Uwe Flügel sieht deshalb die örtliche Gastronomie nicht als Konkurrenzkampf, sondern als gemeinsames Angebot für die Gemeinde. Er schätzt die Maisacher Brauerei und deren Biergarten und betont das Prinzip „Leben und leben lassen“. Unterschiedliche gastronomische Konzepte könnten nebeneinander bestehen und gemeinsam zur Lebensqualität des Ortes beitragen.
Der Standort in der Zentrumspassage ist allerdings auch nach drei Jahren noch nicht allen Maisachern bekannt. Immer wieder betreten Gäste das Bistro zum ersten Mal und zeigen sich überrascht. Viele von ihnen kommen später wieder.
Mittlerweile schätzt Ruby Flügel den Anteil der wiederkehrenden Gäste auf 70 bis 75 Prozent. Sie nennt sie liebevoll „Wiederholungstäter“. Diese Treue sei eine der größten Motivationen, trotz langer Arbeitstage weiterzumachen.
Ein Ehepaar wächst mit seinem Bistro Ruby und Uwe Flügel sind seit 25 Jahren ein Paar. Viele Menschen hatten ihnen prophezeit, dass die gemeinsame Selbstständigkeit ihre Beziehung belasten oder sogar zerstören könnte. Das Gegenteil sei eingetreten. „Wir sind als Team gewachsen“, sagte Ruby Flügel.
Die Aufgaben sind inzwischen klar verteilt. Uwe verantwortet Küche, Einkauf, Reparaturen und viele organisatorische Arbeiten. Ruby kümmert sich vor allem um Getränke, Cocktails, neue Trends und den Kontakt zu den Gästen. Meinungsverschiedenheiten gebe es dennoch. Beide seien Dickköpfe, räumte Ruby lachend ein. Inzwischen könnten sie jedoch diskutieren und gemeinsam Lösungen finden.
Uwe Flügel zeigte sich besonders stolz auf seine Frau. Ihre Freundlichkeit und ihre Art, mit den Gästen umzugehen, seien ein entscheidender Teil des Erfolgs. Ruby wiederum lobte den Ideenreichtum ihres Mannes, auch wenn sie manchen Vorschlägen zunächst skeptisch gegenüberstehe.
Eine norddeutsche Frikadelle zum Geburtstag Zum Jubiläum sollte es neben Rollbraten auch eine besondere Spezialität geben: eine norddeutsche Frikadelle mit Kartoffeln. Für Uwe Flügel unterscheidet sie sich deutlich vom typischen bayerischen Fleischpflanzerl. Sie sei kräftiger, weniger flach und handwerklich zubereitet – mit Fleisch, Zwiebeln und einer Form, die ihren norddeutschen Ursprung erkennen lasse.
Bei einem früheren Geburtstagsbuffet waren die Frikadellen als Erstes vergriffen. Entsprechend gespannt waren die Gäste auf die Neuauflage zum dritten Geburtstag.
Am Ende des BistroTalks überreichte Matthias J. Lange den Flügels gemeinsam mit seiner Familie ein persönliches Geschenk: einen Fotoband mit Aufnahmen aus drei Jahren SixtyFour. Da Ruby und Uwe während des Betriebs meist arbeiten und selbst nur selten fotografieren können, dokumentiert das Buch zahlreiche Momente, Veranstaltungen und Begegnungen aus der Geschichte des Bistros.
„Danke, dass es euch gibt“, sagte Lange. Der Satz fasst zusammen, was viele Stammgäste empfinden. Aus einem mutigen gastronomischen Experiment ist ein Treffpunkt geworden, der für Gemeinschaft, persönliche Nähe und gelebte Gastfreundschaft steht.
Das Bistro SixtyFour ist nach drei Jahren längst mehr als ein Lokal. Es ist ein Stück Maisach – und für viele tatsächlich ein zweites Wohnzimmer.
Gutes Brot ist mehr als eine Beilage. Es ist Handwerk, Geduld, Erfahrung – und für viele Kundinnen und Kunden längst wieder ein bewusst gewähltes Genussmittel. Darüber sprach Matthias Lange im Podcast der Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer mit Bäckermeister Martin Reicherzer in der Backstube in Fürstenfeldbruck.
Für Reicherzer ist klar: Gutes Brot war eigentlich nie wirklich aus der Mode. Verändert habe sich vor allem die Haltung der Verbraucher. „Man merkt ganz einfach, dass Brot bewusster gegessen wird heutzutage“, sagt der Bäckermeister. Viele Menschen kauften heute nicht mehr Brot in Masse, sondern achteten stärker auf Qualität. Brot sei für viele nicht mehr bloß ein Grundnahrungsmittel, „sondern eigentlich ein Genussmittel“. Und wer Genuss wolle, so Reicherzer selbstbewusst, „der kann den kaufen bei uns“. Hier der Podcast.
Der Unterschied zwischen handwerklich gebackenem Brot und industriell hergestellter Ware beginnt für ihn bereits beim Teig. Industriebrot sei natürlich günstiger, räumt Reicherzer ein. Doch der Preis sage nicht alles. In der industriellen Produktion müsse der Teig vor allem „maschinengängig“ sein. Das bedeute: „Da wird der Teig an die Maschine angepasst.“ Im Handwerk sei es genau umgekehrt. Dort gehe es darum, mit dem Teig zu arbeiten, ihn zu verstehen und ihm die Zeit zu geben, die er brauche. Besonders hochwertige, weiche Teige könnten oft nur noch mit der Hand bearbeitet werden. Genau darin liege ein wesentlicher Unterschied.
Stolz ist Martin Reicherzer auf seine gesamte Brotauswahl. „Ich bin eigentlich auf alles Brot, was ich mache, stolz“, sagt er. Besonders hebt er saisonale Brote hervor, etwa leichte Weizenbrote mit langer Teigführung, die im Sommer auch als Grillbrote beliebt seien. Langzeitführung bedeutet, dass der Teig über Nacht im Kühlhaus ruht und reifen kann. „Da arbeiten die Enzyme“, erklärt Reicherzer. Dabei würden unerwünschte Bestandteile abgebaut und der Geschmack intensiviert. „Das Gute wird hervorgehoben“, fasst er zusammen.
Ein besonderer Klassiker der Bäckerei ist das Urkorn-36-Stunden-Brot. Die lange Reifezeit ist dabei nur ein Teil des Prozesses. Reicherzer beschreibt, wie aus Dinkelmehl zunächst ein Kochstück hergestellt wird – „wie ein Pudding machen sozusagen“. Dazu kommen ganze Körner, die mit Honig, Sauerteig, Salz und Wasser quellen dürfen. Über Nacht ruhen sie im ausgeschalteten Ofen. Das erinnere fast an Pumpernickel: Die Stärke werde abgebaut, das Korn entwickle eine leichte Süße, werde dunkel, groß und aromatisch. „Das bringt einfach Geschmack“, sagt Reicherzer. Diese Vorstufen seien zusätzliche Geschmacksgeber für das Brot.
Doch gutes Brot endet für den Bäckermeister nicht beim Backen. Es muss auch erklärt werden. Deshalb spielt die Beratung in den Filialen in Fürstenfeldbruck und Aubing eine wichtige Rolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf müssten wissen, was in den Broten steckt und worin sie sich unterscheiden. „Das macht vielleicht auch noch ein bisschen den Unterschied aus zwischen einem Industriebäcker und einem Fachhandwerker“, sagt Reicherzer. Wer Fragen zu Inhaltsstoffen, Dinkel, Weizen oder Unverträglichkeiten habe, solle eine qualifizierte Antwort bekommen.
Nicht selten wird der Chef selbst gerufen. „Das passiert bei uns häufig“, erzählt Reicherzer. Dann stehen er oder sein Sohn den Kundinnen und Kunden mit Fachwissen zur Seite. Manche Fragen seien so tiefgehend, dass sie nur aus der Backstube heraus beantwortet werden könnten. Den direkten Kontakt zum Kunden sieht Reicherzer nicht als Belastung, sondern als wichtigen Teil seines Berufs. „Mir ist es wichtig, dass ich den direkten Kontakt zum Kunden habe“, sagt er. Das gelte nicht nur für Lob, sondern gerade auch für Kritik: „Wenn es Kritik gibt, ist es für mich das beste Mittel, etwas zu ändern.“ Genau darin liege die Stärke des Handwerks: „Wir können ja was ändern, das kann die Industrie nicht.“
Auch neue Ideen entstehen laufend. Reicherzer experimentiert, beobachtet Entwicklungen und bringt Eindrücke aus Reisen und Urlauben mit in die Backstube. Konkretes verraten möchte er noch nicht, nur so viel: Es gehe derzeit eher in Richtung Dauergebäck. „Lass dich überraschen“, sagt er schmunzelnd. Ideen habe er „noch für 30 Jahre“. Gleichzeitig sei es wichtig, seinem Sohn einen guten Start zu geben und ihm zu zeigen, „wie funktioniert sowas“.
Dass handwerkliches Backen auch bei scheinbar einfachen Produkten einen Unterschied macht, zeigt Reicherzer am Beispiel Toastbrot. Viele Verbraucher hielten Toastbrot für ein austauschbares Industrieprodukt. Der Bäckermeister widerspricht entschieden: „Nein, ist es nicht.“ In der Bäckerei Reicherzer kämen keine Zusatzstoffe, Weichmacher oder Haltbarkeitsstoffe ins Brot. Beim Toastbrot brauche es lediglich eine leichte Anreicherung mit Fett für die feine Porung und etwas Zucker, damit es beim Toasten schön röste. „Das ist der ganze Trick eigentlich bei einem Toastbrot“, erklärt er.
Dass ein handwerkliches Toastbrot nach einigen Tagen schimmeln könne, sei völlig normal. Gerade wenn es in Plastik verpackt werde, dürfe das nach drei bis vier Tagen passieren. Skeptisch blickt Reicherzer dagegen auf Fabriktoast, der nach Wochen noch aussehe wie am ersten Tag. „Dass das nicht normal ist, das ist wohl jedem klar“, sagt er. Ein Brot, das ohne sichtbare Veränderung über lange Zeit haltbar bleibe, werfe Fragen auf.
In der Backstube selbst setzt Reicherzer auf breite Ausbildung und vielseitiges Können. Jeder im Team solle möglichst alles beherrschen – vom Mischen bis zum Ofen. Auch Auszubildende sollen am Ende die Grundlagen aller Stationen können. Das sorge für Abwechslung und helfe zugleich, besondere Talente zu entdecken. Der eine arbeite später vielleicht lieber in der Mischerei, der andere am Ofen. Entscheidend sei, dass alle das Handwerk von Grund auf verstehen.
Am Ende bleibt die Botschaft des Gesprächs einfach und klar: Gutes Brot braucht gute Rohstoffe, Zeit, Wissen, handwerkliche Erfahrung und Menschen, die erklären können, was sie tun. Für Martin Reicherzer ist Brot kein anonymes Massenprodukt, sondern ein Stück gelebtes Bäckerhandwerk – mit Geschmack, Haltung und direktem Kontakt zu den Menschen, die es kaufen.
Würzburg hat viele kleine und große Geschichte, aber die Geschichte der gehobene fränkische Gastwirtschaft Backöfe mag ich besonders gerne. Natürlich ist es ein Touristenhotspot, aber ich war gerne dort zu Gast.
Die gastronomische Geschichte der Familie Ehehalt geht auf das Jahr 1580 zurück, als Fürstbischof Julius Echter das Stammhaus im nahen Leinach stiftete und dort eine Dorfschänke und einen Zehntkeller betrieb. Übernommen wurde im Jahr 1977 es durch den Gastronomen Gerd Ehehalt. Der Name leitet sich schlicht von dem charakteristischen, großen Backofen ab, der im Schankraum des Restaurants steht und bis heute das gemütliche, urfränkische Ambiente prägt. Die historischen Räume mit ihren Holzvertäfelungen, alten Balken und verwinkelten Stuben lieferten die ideale Kulisse für ein Konzept, das auf fränkische Tradition und Gemütlichkeit setzte.
Backöfele gehört zu den bekanntesten fränkischen Wirtshäusern in der Würzburger Altstadt. In der Ursulinergasse, nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt, verbindet das Haus traditionelle fränkische Küche mit einem Ambiente, das bewusst an historische Gasthäuser erinnert. Typische Gerichte sind Schäufele, fränkischer Sauerbraten, Bratwürste, „Blaue Zipfel“ sowie eine umfangreiche Auswahl fränkischer Weine. Das Restaurant gilt bei Einheimischen wie Touristen als eine der ersten Adressen für authentische fränkische Küche.
Hinter dem Erfolg steht die Gastronomenfamilie Ehehalt. Deren Wirtshaustradition reicht laut WürzburgWiki bis ins Jahr 1580 zurück, als Vorfahren der Familie eine Dorfschänke in Oberleinach betrieben. Diese lange Verbundenheit mit fränkischer Gastlichkeit prägt bis heute die Philosophie des Hauses. 1999 wurde das Backöfele von der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) als „Konzept des Jahres“ ausgezeichnet. Zudem wird es regelmäßig in Reiseführern und Restaurantempfehlungen für Würzburg genannt.
Das Backöfele heute Heute blickt das Restaurant auf nahezu fünf Jahrzehnte Geschichte zurück und versteht sich als Botschafter fränkischer Ess- und Weinkultur. Der Name „Backöfele“ leitet sich vom fränkischen Wort für einen kleinen Backofen ab – ein Symbol für Wärme, Gastfreundschaft und häusliche Gemütlichkeit. Diese Idee prägt bis heute das Selbstverständnis des Hauses. Wer das Backöfele besucht, erlebt nicht nur ein Restaurant, sondern ein Stück moderner Würzburger Gastronomiegeschichte: ein Lokal, das Tradition bewusst inszeniert und damit seit fast 50 Jahren erfolgreich ist.
Ich habe mich sehr gefreut, mal wieder ein Klassiker für unter 100 Euro und ich hab gleich zugeschlagen und mit Freunden den neuen Ardbeg Dolce genossen. Der Ardbeg Day ist für Fans der Islay-Destillerie längst mehr als ein Termin im Kalender. Er ist ein weltweites Ritual für alle, die kraftvollen Torfrauch, maritime Aromen und die eigenwillige Experimentierfreude von Ardbeg schätzen. Und ich habe diesen wichtigen Tag dieses Jahr aus Termingründen verpasst. Am Ardbeg Day am 30. Mai 2026 stand die Feier unter einem besonders genussvollen Motto: „La Dolce Islay“. Der Glamour des italienischen Kinos der 1960er Jahre traf auf den rauen Charakter der schottischen Insel Islay – und im Mittelpunkt stand die neue limitierte Sonderabfüllung Ardbeg Dolce.
Ardbeg Dolce ist die Limited Edition zum Ardbeg Day 2026. Der Whisky verbindet zwei sehr unterschiedliche Genusswelten: die süße, mediterrane Fülle sizilianischer Marsala-Dolce-Fässer und den unverkennbaren Rauch eines Islay Single Malts. Marsala Dolce ist die süßeste Variante des berühmten sizilianischen Likörweins. Genau diese Fassreifung gibt dem Whisky seine warme, fruchtige und schokoladige Seite. Ergänzt wird sie durch klassischen Ardbeg aus ehemaligen Bourbonfässern, der Struktur, Vanille, Rauch und die typische salzige Kraft der Brennerei einbringt. In dem Bistro Sixtyfour in Maisach machten wir zu später Stunde eine kleine Verkostung.
Das Ergebnis ist ein Whisky, der das bekannte Ardbeg-Prinzip des „torfigen Paradoxons“ neu interpretiert. Ardbeg ist berühmt dafür, intensive Rauchigkeit nicht nur brachial, sondern erstaunlich süß, ölig und vielschichtig wirken zu lassen. Bei Ardbeg Dolce wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich. In der Aromatik zeigen sich reife Aprikosen, Orangenmarmelade, dunkle Schokolade und geröstete Nüsse. Dazu kommen salzige, rauchige Noten, die an Islay, Meerluft und glimmendes Holz erinnern. Der Whisky bleibt damit klar als Ardbeg erkennbar, wirkt aber zugleich wärmer, runder und mediterraner als viele klassische Abfüllungen der Destillerie.
Gerade diese Verbindung macht Ardbeg Dolce interessant. Der Whisky will kein bloßer Effekt sein, sondern eine stilistische Brücke schlagen: Sizilien und Islay, Dolce Vita und Torfrauch, sonnige Frucht und salzige Küste. Die Idee passt zum diesjährigen Ardbeg-Day-Motto, das sich an der Ästhetik des italienischen Kinos der 1960er Jahre orientiert. Man denkt an große Sonnenbrillen, Vespas, Plätze in der Abendsonne, rot-weiß karierte Tischdecken – und dann kommt dieser typische Ardbeg-Twist hinzu: Rauch, Seetang, Würze und eine gewisse wilde Unberechenbarkeit.
Master Blender Dr. Gillian Macdonald beschreibt Ardbeg Dolce als Verbindung von Marsala-Dolce-Fässern und klassischem Ardbeg aus Bourbon Casks. Die süßen Noten von Zitrusfrüchten, Orangenmarmelade und dunkler Schokolade treffen dabei auf salzig-rauchige Nüsse. Damit ist Ardbeg Dolce nicht nur eine Sonderedition für Sammler, sondern auch ein Whisky für Genießer, die Ardbeg einmal von einer anderen Seite erleben möchten.
Auch für die Destillerie selbst ist die Abfüllung ein typischer Ardbeg-Day-Whisky: limitiert, erzählerisch stark aufgeladen und geschmacklich bewusst anders angelegt als die Standardrange. Wer Ardbeg Ten, Uigeadail oder Corryvreckan kennt, bekommt hier keine Wiederholung, sondern eine verspieltere, süßere und zugleich immer noch deutlich rauchige Interpretation des Hausstils.
Ardbeg Dolce erscheint mit 47,8 Prozent Alkohol und wird als limitierte Abfüllung zum Ardbeg Day 2026 angeboten. Für Mitglieder des Ardbeg Committee soll er ab dem 26. Mai 2026 über Ardbeg.com erhältlich sein. Ab dem 30. Mai kommt die Sonderedition auch in den Fachhandel und zu ausgewählten Ardbeg Embassies. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 99 Euro.
Ardbeg Dolce ist damit mehr als nur eine weitere Festivalabfüllung. Er ist ein kleines Genusskino im Glas: sizilianische Süße, dunkle Schokolade, Aprikose und Marmelade auf der einen Seite; Torfrauch, Salz, Nüsse und Islay-Wucht auf der anderen. Ein Whisky für alle, die Ardbeg lieben – und neugierig darauf sind, wie „La Dolce Vita“ schmeckt, wenn sie durch den Rauch von Islay zieht.
An der Nase: Kräftig und komplex. Der Rauch wird begleitet von Aprikosennoten, saftigen Rosinen, klebrigen Datteln und herben Apfelkompott. Orangenmarmelade verleiht dem Ganzen eine zitrusartige Frische. Ein Spritzer Wasser bringt tiefere, erdige Schichten zum Vorschein: Geröstete Pilze, Kiefernnadeln, Salzfisch, Kapern und Oliven. Die Speisekammer Islays trifft auf einen sizilianischen Garten.
Am Gaumen: Gewürze geben den Ton an mit Zimtaromen, Sternanis und etwas Lakritz-Schärfe. Süße entfaltet sich mit ahornrauchigem Holz, gebackenen Datteln mit Walnüssen, Honigwaben und dunkler Schokolade. Trockenfruchtnoten folgen dicht danach, umhüllt von Zitronenzeste und mit ausgewogenen, herzhaften Noten gesalzener Nüsse und Trockenkräuter.
Nachhall: Lang und vielschichtig im Nachhall, mit Noten von geräuchertem Apfelholz, Tabak der trocknet, Lagerfeuerglut und kräftig-zähes Torföl. Ardbeg Dolce ist mit 47,8 Vol. % Alkohol abgefüllt, nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt.
In meinem Lieblingshotel Prinz-Luitpold-Bad in Bad Hindelang trifft Tradition auf moderne Technik. Das Haus, das sich als ruhig gelegenes Wellnesshotel im Allgäu mit historischem Ambiente, Panoramablick auf die Allgäuer Alpen und einem ganzjährig beheizten Infinity-Außenpool präsentiert, steht für Erholung, Gastlichkeit und persönliche Atmosphäre. Gerade deshalb ist der Einsatz von Service-Robotern dort mehr als nur ein technisches Experiment: Er zeigt, wie Digitalisierung im Hotelalltag sinnvoll eingesetzt werden kann, ohne den menschlichen Charakter eines Hauses zu verdrängen.
Service-Roboter können in einem Hotelbetrieb vor allem dort unterstützen, wo Wege lang, Abläufe wiederkehrend und Mitarbeitende stark eingebunden sind. Sie transportieren beispielsweise Geschirr entlasten damit den Service in den Speisesälen. Im Prinz-Luitpold-Bad passt ein solcher Einsatz besonders gut, weil das Hotel kein nüchterner Zweckbau ist, sondern ein gewachsenes Haus mit vielen Bereichen, Wegen und Angeboten. Wenn ein Roboter einfache Transportaufgaben übernimmt, bleibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Zeit für das, was Gäste in einem Wellness- und Urlaubshotel besonders schätzen: persönliche Ansprache, Beratung, Aufmerksamkeit und echte Gastfreundschaft.
Wichtig ist dabei die richtige Haltung zur Technik. Der Roboter ersetzt nicht den Menschen, sondern unterstützt ihn. Gerade in der Hotellerie lebt guter Service von Blickkontakt, Empathie, Erfahrung und dem Gespür für Situationen. All das kann ein Roboter nicht leisten. Er kann aber helfen, Routinearbeiten zu erleichtern. Damit wird Technik nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Werkzeug, das den Alltag für das Team angenehmer macht und zugleich den Service stabilisiert. In Zeiten, in denen viele Hotels mit Fachkräftemangel, hohen Belastungen und steigenden Erwartungen der Gäste umgehen müssen, kann ein solcher Baustein sinnvoll sein.
Für die Gäste hat der Einsatz eines Service-Roboters zudem einen besonderen Reiz. Er erzeugt Neugier, Gesprächsanlässe und oft auch ein Lächeln. Gerade in einem traditionsreichen Haus wie dem Prinz-Luitpold-Bad entsteht ein spannender Kontrast: Auf der einen Seite stehen Alpenpanorama, historische Architektur, Wellness, Ruhe und gewachsene Gastlichkeit; auf der anderen Seite bewegt sich moderne Servicetechnik durch den Hotelalltag. Diese Verbindung kann zeigen, dass Digitalisierung nicht kalt oder unpersönlich sein muss. Richtig eingebettet, kann sie sogar die Atmosphäre bereichern.
Eingesetzt werden Roboter von HolaBot. Der HolaBot ist ein Service- und Transportroboter des Herstellers Pudu Robotics, der vor allem in Gastronomie, Hotellerie und Gesundheitswesen eingesetzt wird. Er unterstützt Mitarbeiter bei körperlich belastenden Routineaufgaben, etwa beim Abräumen von Geschirr, beim Transport von Speisen, Getränken oder anderen Gegenständen. Mit einer Tragkraft von bis zu 60 Kilogramm, einem Volumen von 120 Litern und vier großen Ablageflächen ist er besonders für Bereiche geeignet, in denen viele Wege zurückgelegt werden müssen.
Im Hotelalltag kann der HolaBot das Serviceteam spürbar entlasten. Er ersetzt nicht die persönliche Gastfreundschaft, sondern übernimmt einfache Transportaufgaben, damit Mitarbeiter mehr Zeit für die Gäste haben. Per Pager-Funktion, App, Sprachsteuerung oder Gesten kann der Roboter gerufen und mit Aufgaben betraut werden. Seine berührungslose Bedienung und der spritzwassergeschützte Innenraum sind vor allem dort hilfreich, wo Hygiene und reibungslose Abläufe wichtig sind. So wird der HolaBot zu einem stillen Helfer im Hintergrund: Er trägt, fährt und unterstützt – während der Mensch weiterhin für Herzlichkeit, Aufmerksamkeit und echten Service sorgt.
Pädagogisch und gesellschaftlich betrachtet ist der Einsatz solcher Roboter ebenfalls interessant. Viele Menschen begegnen Servicerobotik noch mit Skepsis oder Unsicherheit. In einem Hotel können sie die Technik niedrigschwellig erleben: nicht in einer abstrakten Zukunftsdebatte, sondern im Alltag, beim Frühstück, im Restaurant oder auf dem Weg durchs Haus. Dadurch wird sichtbar, was Roboter heute tatsächlich können – und was eben nicht. Sie sind keine künstlichen Gastgeber, sondern praktische Helfer mit klar begrenzten Aufgaben.
Für das Hotel Prinz-Luitpold-Bad liegt die Chance darin, seinen Anspruch an Gastlichkeit mit modernen Arbeitsmitteln zu verbinden. Das Haus steht für Erholung in ruhiger Lage oberhalb von Bad Hindelang und für ein Wellnessangebot, das Natur, Tradition und Entspannung miteinander verknüpft. Ein Service-Roboter kann dieses Profil ergänzen, wenn er behutsam eingesetzt wird: unaufdringlich, nützlich und immer mit dem Ziel, den menschlichen Service zu stärken.
So wird der Roboter nicht zum Symbol für Entfremdung, sondern für eine moderne Form der Entlastung. Er übernimmt Wege, trägt Lasten und sorgt für Aufmerksamkeit – aber die Herzlichkeit bleibt beim Team. Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Im Prinz-Luitpold-Bad kann moderne Technik dann überzeugen, wenn sie den Menschen nicht ersetzt, sondern ihm mehr Raum für das gibt, was kein Roboter kann – Gastfreundschaft mit Gefühl.
Ein Hauch Hollywood weht durch die schottischen Highlands: Harrison Ford, Whisky-Liebhaber, Schauspiellegende und längst selbst Teil der Glenmorangie-Geschichte, hat gemeinsam mit der traditionsreichen Destillerie seinen eigenen Highland Single Malt Scotch Whisky geschaffen. Die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition ist ganz nach seinem Geschmack entstanden – persönlich, elegant, charaktervoll und mit jener trockenen Direktheit beurteilt, für die Ford bekannt ist: „It’s nice. It’s very nice.“ Oder anders gesagt: Er ist gut. Sehr gut. Und als Glenmorangie muss ich natürlich probieren.
Die Verbindung zwischen Harrison Ford und Glenmorangie begann mit der humorvollen Miniserie „Once Upon a Time in Scotland“, in der sich der Schauspieler selbst spielte und dabei mit feinem Understatement seine Begeisterung für Glenmorangie zeigte. Ich hatte darüber berichtet. Nun bekommt diese Geschichte ein neues Kapitel. Gemeinsam mit Dr. Bill Lumsden MBE, Glenmorangies Director of Whisky Creation, entstand eine Limited Edition, die nicht einfach nur den Namen eines Hollywoodstars trägt, sondern tatsächlich seinen persönlichen Geschmack widerspiegelt. Am Rande der Dreharbeiten stellte Dr. Bill dem Schauspieler verschiedene Fässer vor, um herauszufinden, welche Aromen ihn berühren. In den folgenden Monaten reisten weitere Proben über den Atlantik, bis die finale Rezeptur gefunden war.
Das Ergebnis ist ein Whisky, der den eleganten Stil Glenmorangies mit einer überraschenden, pikanten Würze verbindet. Klassischer Glenmorangie, gereift in Bourbonfässern, wurde mit einer Partie Whisky aus raren, getoasteten portugiesischen Rotweinfässern vermählt. So entsteht ein Single Malt, der sanft und zugleich vielschichtig wirkt. Frische Zitrusnoten eröffnen den Genuss, begleitet von braunem Rohrzucker, Aprikose und weichem Toffee. Im langen Nachhall zeigen sich Orangenöl, Leder und feine Eichentannine – Aromen, die Wärme, Tiefe und Charakter verleihen. Also ein wunderbares Storytelling, wie ich es bei Whisky mag.
Enthüllt wurde die Edition in Harrisons Heimat Wyoming in einer weiteren Episode von „Once Upon a Time in Scotland“. Unter der Regie von Joel Edgerton blickt Ford auf seine Zeit in den schottischen Highlands zurück und probiert seinen eigenen Whisky erstmals vor laufender Kamera – standesgemäß im Kilt. Die Szene lebt von genau jener Mischung aus Humor, Würde und Lakonie, die Harrison Ford auszeichnet. Kein großes Pathos, keine übertriebene Geste, sondern ein Blick, ein Schluck und ein Satz, der alles sagt: „It’s nice. It’s very nice.“
Harrison Ford selbst beschreibt seinen Aufenthalt bei Glenmorangie als großartige Erfahrung. Er habe großen Respekt vor dem Destillerie-Team, das aus wahren Fachleuten bestehe. Die Zusammenarbeit mit Dr. Bill sei für ihn ein Privileg gewesen – auch, weil er miterleben konnte, wie Kunst und Wissenschaft zusammenfinden, um einzigartige Single Malt Scotch Whiskys zu erschaffen. Viele Fässer habe man gemeinsam probiert, vieles habe ihm gefallen. Doch die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition sei genau das, was er sich von einem Whisky wünsche. Auf diese gemeinsame Kreation sei er sehr stolz.
Auch Dr. Bill Lumsden zeigt sich begeistert von der Zusammenarbeit. Weil Harrison Ford ein großer Whisky-Liebhaber sei, habe er ihn kurzerhand zum Ehrenmitglied des Whisky Creation Teams ernannt. Das Ergebnis beschreibe er als elegant, harmonisch und zugleich würzig – ein Whisky, der zeitlos sei und dennoch überrasche. Ganz wie Harrison Ford selbst.
Die Glenmorangie Harrison Ford Limited Edition mit 46,5 Volumenprozent Alkohol ist bundesweit im Fachhandel, in ausgewählten Bars und in der Gastronomie erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 90 Euro.
Verkostungsnotiz Farbe: Das Orange eines Sonnenuntergangs An der Nase: Noten von spritzig-würzigen Zitrusfrüchten, die an Orangenmarmelade erinnern, erscheinen gemeinsam mit markant-floralen Noten von Geißblatt und Jasmin. Eine interessante Note erinnert zusätzlich an Bienenwachs oder Duftkerzen. Mit einigen Tropfen Wasser erscheinen weitere duftende Noten von Pfirsichblüten und Vanille. Am Gaumen: Ein kräftiger Biss lebhafter Zitrusnoten erreicht den Gaumen. Noten von Bitterorange, Zitrone und Grapefruit tanzen auf der Zunge, zusammen mit milden Noten gebackenem Brots, Aprikosen, braunem Rohrzuckers und Karamellbonbons. Eine betäubende, mentholhaltige Note ist im Hintergrund. Nachhall: Lang, mit Aromen von Orangenöl, Leder und Eichenholz-Tanninen
Der Gasthof Heinzinger in Rottbach wurde nach langer Wartezeit in den Slow Food Genussführer aufgenommen und erhält damit eine besondere Anerkennung für seine konsequente Ausrichtung auf regionale, nachhaltige und handwerklich erzeugte Lebensmittel. Die offizielle Urkundenverleihung fand am 1. Mai im Gasthof in Rottbach statt.
Überreicht wurde die Auszeichnung durch das Slow Food Convivium München, vertreten durch Sonja Wirtz und Jörg Kersten, an Küchenchef und Gastgeber Denis Michael Kleinknecht. Der Slow Food Genussführer stellt seit 2013 Gasthäuser und Restaurants vor, die nicht auf teure Spitzengastronomie setzen, sondern die Slow-Food-Grundsätze „gut, sauber, fair“ im Alltag umsetzen. Im Mittelpunkt stehen unverfälschtes Kochhandwerk, transparente Bezugsquellen, regionale Verankerung, der Verzicht auf Geschmacksverstärker und Convenience-Produkte sowie eine Küche, die Genuss und Verantwortung miteinander verbindet. Jeder der im Gasthof Heinzinger zu Gast sein darf, weiß diese Qualität zu schätzen. Hier die Verleihung:
Für den Gasthof Heinzinger ist die Aufnahme in den Genussführer eine Bestätigung seiner kulinarischen Linie. Denis Michael Kleinknecht ist seit sieben Jahren Mitglied der Slow Food Chef Alliance, einem Netzwerk von Köchinnen und Köchen, die sich den Werten von Slow Food verpflichtet fühlen. Die Mitglieder arbeiten mit lokalen und saisonalen Zutaten, pflegen eine enge Beziehung zu ihrer Region, geben kulinarisches Wissen weiter und setzen sich für den Erhalt des Lebensmittelhandwerks ein. Genau diese Haltung prägt auch die Küche in Rottbach: Regionalität wird hier nicht als Schlagwort verstanden, sondern konkret gelebt – über kurze Wege, persönliche Beziehungen zu Erzeugern und eine bewusste Auswahl der Produkte.
Im Rahmen der Verleihung wurden kleine kulinarische Kostproben gereicht, die diese Philosophie anschaulich machen. Dazu gehören Spezialitäten vom Waldschaf, einem sogenannten Archepassagier. Das Fleisch stammt direkt aus Rottbach aus der Zucht von Ruth Strähuber und steht damit beispielhaft für eine Küche, die Herkunft, Handwerk und Geschmack miteinander verbindet. Ergänzt werden die Waldschaf-Spezialitäten durch Hanfprodukte aus der Region, die von Elisabeth und Franz Rottenkolber aus Purk stammen. In dieser Kombination zeigt sich Kleinknechts Anspruch, traditionelle regionale Produkte mit neuen kulinarischen Ansätzen zu verbinden. In der Fachpresse wurde der Küchenchef bereits als „der Hanfmann“ bezeichnet. Seine Haltung bringt er mit dem Satz auf den Punkt: „Hanf ist der Gamechanger – die Antwort auf komplexe Herausforderungen.“
Die Auszeichnung durch Slow Food würdigt damit nicht nur einen einzelnen Gasthof, sondern auch ein gastronomisches Konzept, das auf Zukunftsfähigkeit setzt. Der Gasthof Heinzinger zeigt, wie regionale Küche heute aussehen kann: bodenständig, handwerklich, transparent und zugleich offen für neue Ideen. Die Aufnahme in den Genussführer macht sichtbar, dass Qualität nicht allein über Luxus oder Inszenierung entsteht, sondern über Haltung, Herkunft und die Bereitschaft, Verantwortung für Lebensmittel, Erzeuger und Gäste zu übernehmen.
Vor kurzem lud der Historische Arbeitskreis der Gemeinde Maisach wieder zu einer Lesung in die Gemeindebücherei Maisach ein. Im Mittelpunkt standen ausgewählte Texte aus den Heften zur Gemeindegeschichte „Meisaha“, die seit Jahren wichtige Episoden, Entwicklungen und Erinnerungen aus Maisach und seinen Ortsteilen dokumentieren. Die Lesung versteht sich dabei nicht nur als Rückblick auf Vergangenes, sondern auch als lebendige Begegnung mit der eigenen Heimatgeschichte. Hier die einzelnen Lesungen aus den Meisaha-Heften. Die Hefte gibt u.a. es bei der Gemeinde Maisach zu kaufen.
Stefan Schader: Die Dampfmaschine der Brauerei Maisach Die Lesung von Stefan Schader zeichnet die Geschichte der Brauerei Maisach und ihrer Dampfmaschinen als bedeutendes Kapitel der Orts- und Technikgeschichte nach. Die Brauerei, eines der Wahrzeichen Maisachs, wurde bereits 1556 erstmals erwähnt und erlebte im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Besitzerwechsel. Eine wichtige Zäsur war das Jahr 1907, als Josef Sedlmeier den Betrieb übernahm. Nach dem Brand des Sudhauses in der Nacht zum Pfingstsonntag 1909 wurde die Brauerei neu aufgebaut und zugleich in moderne Technik investiert. Dazu gehörte auch der Erwerb von Geräten aus der stillgelegten Schlossbrauerei Hof Hegnenberg, darunter eine Dampfmaschine.
Schader erklärt, warum Dampfmaschinen für Brauereien damals so wichtig waren. Mit der Umstellung vom obergärigen auf das untergärige Brauverfahren im 19. Jahrhundert entstand ein wachsender Bedarf an verlässlicher Kühlung. Untergäriges Bier benötigte über Wochen hinweg niedrige und gleichbleibende Temperaturen, was zunächst nur mit Natureis möglich war. Dieses wurde im Winter gewonnen und in Kellern gelagert, weshalb traditionell nur in der kalten Jahreszeit gebraut werden konnte. In milden Wintern geriet dieses System jedoch an seine Grenzen. Erst die Entwicklung von Kältemaschinen, angestoßen durch Karl Linde in den 1870er Jahren, schuf Abhilfe. Angetrieben wurden diese frühen Kühlanlagen in der Regel von Dampfmaschinen, da die Elektrizitätsversorgung damals noch zu schwach ausgebaut war.
In der Brauerei Maisach kamen zwei solcher Maschinen zum Einsatz. Die ältere, kleinere Maschine stammte ursprünglich aus Hof Hegnenberg, war bereits 1892 gebaut worden und wurde 1909 nach Maisach gebracht. Sie war direkt mit einem Kompressor verbunden, der ebenfalls aus Augsburg stammte. Schader schildert dazu anschaulich auch Details aus den damaligen Bedien- und Wartungsanleitungen, die von den Maschinenführern Aufmerksamkeit, Ordnung, Reinlichkeit, Ruhe und Nüchternheit verlangten. Die zweite Dampfmaschine war eine deutlich stärkere Flottmann-Maschine aus dem Jahr 1928, die direkt nach Maisach geliefert wurde. Auch sie trieb einen Kompressor an, allerdings über ein Riemensystem. Beide Maschinen dienten jedoch nicht nur der Kälteerzeugung, sondern auch der Stromversorgung der Brauerei: Sie setzten Generatoren in Gang, die wiederum Pumpen, Rührwerke und Beleuchtung betrieben. Für Notfälle stand zusätzlich ein Dieselmotor bereit, der noch bis in die 1980er Jahre als Reserve genutzt wurde.
Der Betrieb der Dampfmaschinen endete 1974. Heute stehen die Maschinenräume mit den Dampfmaschinen ebenso wie das Sudhaus mit seinem Kamin unter Denkmalschutz. Damit sind in Maisach seltene technische Zeugnisse erhalten geblieben, die von der Entwicklung des Brauwesens und der Industrialisierung im ländlichen Raum erzählen. Auch wenn die Anlage noch immer so wirkt, als könne sie jederzeit wieder in Gang gesetzt werden, wird eine Wiederinbetriebnahme wohl Wunschdenken bleiben, da eine Restaurierung nach jahrzehntelangem Stillstand mit enormem finanziellem Aufwand verbunden wäre.
Charly Muth über die Schmidhammer-Chronik Die Lesung von Charly Muth über die Schmidhammer-Chronik gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Stimmung in Maisach während des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Schmidhammer, der in diesen Jahren in Maisach wirkte und die Kriegsereignisse von 1915 bis 1917 chronologisch festhielt. Seine Aufzeichnungen spiegeln nicht nur die großen politischen und militärischen Entwicklungen wider, sondern auch die Sicht eines oberbayerischen Landpfarrers, geprägt von deutschnationalem Denken, religiöser Überzeugung und der allgemeinen Stimmung seiner Zeit. Zugleich erinnert Muth daran, dass die Chronik nur deshalb heute lesbar ist, weil der inzwischen verstorbene Jörg Pluta sie mit großem Aufwand aus der schwer entzifferbaren Handschrift Schmidhammers übertragen hat.
Aus den zitierten Passagen wird deutlich, wie eng sich in Schmidhammers Wahrnehmung Weltpolitik, Kriegsgeschehen, Religion und dörflicher Alltag miteinander verbanden. Er kommentierte Frontverläufe, Siege und Niederlagen ebenso wie die Unterbringung russischer Kriegsgefangener in Maisach, die Beteiligung der Bevölkerung an Kriegsanleihen oder die wachsenden Versorgungsschwierigkeiten. Seine Einträge zeigen Hoffnung auf einen schnellen Sieg, großes Mitgefühl mit den eigenen Soldaten und zugleich eine scharfe, oft polemische Ablehnung der Kriegsgegner. Immer wieder deutet er die Ereignisse moralisch und religiös, beklagt den Verlust von Vernunft und Glauben und sieht im Krieg auch eine Folge von Materialismus, Pressehetze und fehlender sittlicher Orientierung.
Zugleich wird in der Chronik der Alltag an der Heimatfront greifbar. Fleischkarten, Lebensmittelknappheit, Sparappelle und die Ermahnung zu Verzicht prägen das Leben ebenso wie Eingriffe in das kirchliche und dörfliche Leben. So berichtet Schmidhammer etwa von der Abnahme von Orgelpfeifen und Kirchenglocken für Kriegszwecke. Die Chronik nennt außerdem die vielen Gefallenen aus Maisach und macht damit deutlich, wie tief der Krieg in das Dorf hineingriff. Zwischen patriotischer Deutung, Frömmigkeit und Entbehrung zeigt sich eine Gesellschaft, die den Krieg nicht nur an den Fronten, sondern auch im Alltag, in der Kirche und im Denken der Menschen erlebte.
Am Ende lockert Muth die Lesung mit einem satirischen „Kochrezept“ aus der Kriegszeit auf, in dem Lebensmittel- und Bezugskarten symbolisch zu einem Gericht verarbeitet werden. Gerade dieser humorvolle Schluss macht noch einmal deutlich, wie sehr Mangel, Bürokratie und Improvisation den Alltag bestimmten. So wird die Schmidhammer-Chronik in der Lesung nicht nur als historisches Dokument vorgestellt, sondern als eindrückliches Zeugnis dafür, wie der Erste Weltkrieg in einem oberbayerischen Dorf wahrgenommen, gedeutet und durchlitten wurde.
Stefan Pfannes erzählt die lange und beinahe kuriose Geschichte des Bierausschanks in Oberlappach Die Lesung von Stefan Pfannes erzählt die lange und beinahe kuriose Geschichte des Bierausschanks in Oberlappach. Ausgangspunkt ist die Frage, warum ein so kleiner Ort mit nur rund 100 bis 120 Einwohnern überhaupt ein Wirtshaus brauchte. Die Recherchen im Archiv zeigen jedoch, dass der Wunsch nach einer eigenen Gastwirtschaft in Oberlappach über Jahrzehnte hinweg erstaunlich groß war. Insgesamt wurde nach den Akten zehnmal versucht, eine Konzession für ein Wirtshaus zu erhalten. Allein 1913 und 1914 lagen sogar fünf gleichzeitige Gesuche vor. Der sogenannte „Bierdurst“ der Oberlappacher war also durchaus ausgeprägt.
Der erste Versuch geht auf das Jahr 1863 zurück, blieb aber zunächst erfolglos. Erst dem Schmiedmeister Anton Klotz gelang es, in seinem neu erbauten Haus in Oberlappach eine Gastwirtschaft einzurichten. Er durfte Bier, aber keinen Brandwein ausschenken, obwohl die Gemeinde Rottbach eigens argumentiert hatte, dass auch dafür ein gewisses Bedürfnis bestehe. Die Wirtschaft entwickelte sich zunächst offenbar ordentlich, doch 1878 kam es dort zu einer schweren Schlägerei, an der auch Klotz beteiligt war. In der Folge wurde ihm die Konzession entzogen. Trotz Fürsprache aus dem Ort erhielt er sie nicht zurück, und die Gaststätte musste schließen.
Damit war die Geschichte jedoch keineswegs beendet. Schon kurz darauf versuchten die Bewohner selbst, eine Konzession für die Gemeinde zu erhalten, was rechtlich nicht möglich war. Weitere Gesuche von Klotz, Josef Blum und Gregor Strixner scheiterten ebenfalls. Die Behörden vertraten die Auffassung, dass die umliegenden Wirtschaften in Rottbach, Maisach, Frauenberg oder Stephansberg den Bedarf ausreichend deckten. Zudem wollte man verhindern, dass in kleinen Orten ohne ausreichende wirtschaftliche Grundlage zahlreiche unbedeutende Gaststätten entstehen. Dennoch blieb der Wunsch nach einer Wirtschaft in Oberlappach bestehen, auch weil viele Einwohner als Kleinbegüterte kaum die Möglichkeit hatten, Bier auf Vorrat zu lagern oder weite Wege für den Einkauf in Kauf zu nehmen.
Im frühen 20. Jahrhundert verlagerte sich der Ausschank zunehmend auf den Flaschenbierhandel. Seit 1902 bestand in Oberlappach ein Flaschenbierhandel der Familie Heckmayer, dessen Bier bei Kontrollen sogar als sehr gut bewertet wurde. Offenbar war dies für manche dennoch kein Ersatz für ein richtiges Wirtshaus, denn zwischen 1913 und 1914 gab es erneut mehrere Bewerber für eine Gaststättenkonzession, darunter sogar der Maisacher Bräu Josef Sedlmayr. Doch auch diese Vorstöße scheiterten. 1925 unternahm Lorenz Puchner einen letzten Versuch. Er argumentierte, die Bewohner würden sich über billigeres Bier freuen, da Flaschenbier zu teuer sei. Sein Gesuch führte noch einmal zu Auseinandersetzungen bis hinauf in die Ministerien, blieb aber ebenfalls erfolglos. Die einzige Wirtin der Gemeinde, Sofie Treffler aus Rottbach, machte in ihrer Stellungnahme deutlich, dass sich schon ihre eigene Gastwirtschaft kaum rentiere und eine weitere Wirtschaft in Oberlappach wirtschaftlich kaum tragfähig wäre.
So blieb es letztlich beim Flaschenbierhandel. 1926 übernahm die Familie Heckmayer erneut die entsprechende Konzession, und erst 1958 wurde daraus noch eine sogenannte „Stopselwirtschaft“, in der Bier und kleine Brotzeiten in bäuerlicher Stube angeboten wurden. Damit fand der fast hundertjährige Kampf um eine eigene Gaststätte in Oberlappach doch noch einen kleinen Abschluss, wenn auch nicht in der Form eines klassischen Wirtshauses. Mitte der 1960er Jahre endete auch diese letzte Form des Bierausschanks, und seither mussten die Oberlappacher ihren Bierdurst anderswo stillen.
Torfbahn im Fußbergmoos von Hartwig Meis Die Lesung von Hartwig Meis über die Torfbahn im Fußbergmoos erzählt die Geschichte eines heute fast vergessenen Infrastrukturprojekts, das nur wenige Jahre Bestand hatte. Ausgangspunkt war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Ernährungslage schwierig war und in Bayern verschiedene Maßnahmen zur wirtschaftlichen Nutzung von Moorflächen angestoßen wurden. 1919 gründeten Bauern aus Kirchheim und Aschheim bei München die „Torfverwertungsgesellschaft Fußberg mbH“, die im Fußbergmoos Torf abbauen wollte. Zu diesem Zweck pachtete sie 1920 von Bauern in Thal größere Waldflächen, unter denen sich Torfvorkommen befanden. Um den Torf abtransportieren zu können, wurde gleichzeitig mit Unterstützung des neu geschaffenen Kulturbauamts München eine fast drei Kilometer lange Kleinbahn gebaut, die den gestochenen Torf aus dem Moor zum Bahnhof Gernlinden bringen sollte.
Wie Meis zeigt, war diese Bahn technisch durchaus bemerkenswert, organisatorisch aber erstaunlich schlecht abgesichert. Obwohl bereits eine Dampflokomotive eingesetzt wurde und die Bahn eigentlich genehmigt und abgenommen werden musste, stellte das Bezirksamt Fürstenfeldbruck erst 1921 fest, dass dort bereits ein Bahnbetrieb lief. In den folgenden Jahren schoben sich verschiedene Behörden gegenseitig die Zuständigkeit zu: Das Kulturbauamt fühlte sich nicht mehr verantwortlich, die Eisenbahndirektion verwies auf die fehlende direkte Verbindung zur Staatsbahn, und das Bezirksamt musste schließlich selbst tätig werden, obwohl ihm dafür die fachliche Kompetenz fehlte. Eine eigentliche Betriebsgenehmigung wurde jedoch nie erteilt. So blieb die Torfbahn letztlich ein ungenehmigtes Unternehmen, ein Schwarzbau, wie man heute sagen würde.
1925 kam das abrupte Ende. Der Betriebsleiter meldete der Gendarmerie, dass das Torffeld dauerhaft geschlossen werde. Für die Behörden war nun vor allem wichtig, was aus den Beschäftigten werden sollte. Als ein Jahr später erneut nachgesehen wurde, war die Bahn bereits vollständig abgebaut: Schienen und Anlagen waren entfernt, die Firma war praktisch verschwunden. Am 2. November 1926 meldete das Bezirksamt schließlich der Regierung von Oberbayern, dass das Unternehmen endgültig erloschen sei. Damit war das Projekt nach nur kurzer Zeit beendet, ohne je vollständig genehmigt oder technisch überprüft worden zu sein. Geprüft worden war lediglich der Lokführer, denn für das Führen einer Dampflokomotive galten damals strenge Vorschriften.
Besonders anschaulich wird die Lesung durch die von Meis ausgewerteten Akten und Pläne. Ein großformatiger, in Wasserfarbe und Tusche gezeichneter Bahnplan, den er mit erheblichem Aufwand restauriert und rekonstruiert hat, enthält nahezu alle technischen Einzelheiten der Strecke. Daraus geht hervor, dass es sich um eine Schmalspurbahn mit einer für Bayern ungewöhnlichen Spurweite von 75 Zentimetern handelte. Auch die Lokomotive ließ sich genauer identifizieren: Sie stammte nicht aus Bayern, sondern aus Schlesien von der Firma Linke-Hoffmann in Breslau. Meis konnte sogar ein Bild dieses Loktyps und ein historisches Foto der Bahn im Moor mit Lok, beladenen Torfwagen und der Bedienungsmannschaft finden. Auf diesem Foto sind drei Brüder namens Ott zu sehen, darunter der Lokführer Michael Ott, der als besonders wichtiger Mann des Betriebs galt.
Heute sind von der Torfbahn nur noch wenige Spuren erhalten. Die Moosalm war einst Wohnhaus des Betriebsleiters und zugleich eine Art Geschäftsstelle. Außerdem ist ein Teil der früheren Trasse noch im Verlauf einer heutigen Straße erkennbar. Andere Bereiche, vor allem am Bahnhof Gernlinden, sind durch spätere Baumaßnahmen vollständig überprägt worden. So bleibt die Torfbahn im Fußbergmoos ein Beispiel für ein mit großem Elan begonnenes, aber nur kurzlebiges Projekt, das rasch wieder verschwand und heute vor allem durch Akten, Pläne und wenige Fotografien nachvollziehbar ist.
Helga Rueskäfer über den Bau der Bahnunterführung in Maisach Die Lesung von Helga Rueskäfer schildert den Bau der Bahnunterführung in Maisach als eines der schwierigsten und nervenaufreibendsten Projekte in der Amtszeit von Bürgermeister Moser. Ausgangspunkt war die unhaltbare Verkehrssituation am Bahnhof Maisach, wo sich an den Bahnschranken immer wieder lange Rückstaus bildeten. Zudem gab es im Gemeindegebiet damals nur niveaugleiche Bahnübergänge. Schon Ende der 1950er Jahre wurde deshalb über eine Lösung diskutiert. Während die Bundesbahn zunächst nur einen eigenen Fußgängerübergang mit Drehkreuz und später eine Fußgängerunterführung vorschlug, bestand der Gemeinderat von Anfang an auf einer Unterführung für den Straßenverkehr.
In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus ein zäher Konflikt zwischen Gemeinde und Bahn. Immer wieder legte die Bahn neue Pläne vor, die aus Sicht der Maisacher nicht ausreichten. So wurde Mitte der 1960er Jahre eine Überführung bei der Gärtnerei Zick ins Gespräch gebracht, während am Bahnhof selbst nur an eine Lösung für Fußgänger und Radfahrer gedacht war. Der Gemeinderat lehnte diese Varianten jedoch ab, weil die Gemeinde die Unterführung direkt am Bahnhof wollte. Unterstützt wurde diese Haltung von der neu gegründeten Interessengemeinschaft Maisach-Süd, die als frühe Bürgerinitiative ebenfalls Druck machte. Die Zeit drängte zusätzlich, weil bis zur Einführung der S-Bahn 1972 eine tragfähige Lösung gefunden werden musste.
Erst 1970 gelang der Durchbruch. Die Bahn gab ihre Pläne für eine Überführung bei der Gärtnerei Zick schließlich auf, und die Gemeinde setzte sich mit ihrer Forderung nach einer Unterführung am Bahnhof durch. Der Gemeinderat beschloss den Bau einer Unterführung mit einer Höhe von 3,80 Metern. Parallel dazu wurden auch weitere Verkehrsprojekte vorangetrieben, darunter eine Bahnüberführung zwischen Maisach und Gernlinden sowie der Ausbau der Frauenstraße in Richtung Malching. Im März 1971 konnte schließlich der Finanzierungsplan beschlossen werden. Die Gesamtkosten für die Bahnhofsunterführung wurden mit 5,4 Millionen D-Mark veranschlagt, dazu kamen weitere Ausgaben für den Ausbau der angrenzenden Straßen. Die Gemeinde hoffte dabei auf erhebliche Zuschüsse von Bund und Land.
Rueskäfer macht in ihrer Lesung deutlich, dass dieses Projekt nur ein Beispiel für die Vielzahl an Aufgaben war, die Bürgermeister Moser in seiner Amtszeit zu bewältigen hatte. Als letzter ehrenamtlicher Bürgermeister Maisachs habe er die Modernisierung der Gemeinde entscheidend vorangetrieben, etwa mit Schulbauten, sozialem Wohnungsbau, zentraler Wasserversorgung und weiteren Infrastrukturmaßnahmen. Der Kampf um die Bahnunterführung gehört dabei zu seinen größten kommunalpolitischen Kraftakten. Die Einweihung der Unterführung, für die er so lange gestritten hatte, erlebte Moser schließlich nur noch als Ehrengast, denn zu diesem Zeitpunkt war bereits sein Nachfolger im Amt. Die Geschichte zeigt damit anschaulich, wie langwierig kommunale Großprojekte schon damals sein konnten und wie eng sie mit dem Engagement einzelner Persönlichkeiten verbunden waren.
Annemarie Karg über die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden Die Lesung von Annemarie Karg über die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden erzählt von der Entstehung eines besonderen Wohngebiets in der frühen Nachkriegszeit. Die Häuser in der Ringstraße wurden Anfang der 1960er Jahre nahezu gleichzeitig gebaut, einheitlich geplant und waren vor allem für Menschen bestimmt, die sozial wohnungsberechtigt waren. Dazu gehörten Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsbeschädigte und Familien, die nach den Entbehrungen des Krieges dringend Wohnraum suchten. Auch Kargs eigene Familie gehörte dazu: Ihr Vater war schwer kriegsbeschädigt und bei der Bundesbahn beschäftigt. Voraussetzung für den Erhalt eines Grundstücks war unter anderem, dass Kinder oder weitere Familienmitglieder vorhanden waren. Die Häuser waren größtenteils ähnlich groß und ähnlich gebaut, und zugleich war vorgesehen, dass in ihnen auch weiterer Wohnraum für bedürftige Mieter geschaffen wurde.
Exemplarisch schildert Karg die Geschichte der Familie Ruderer, die eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Christa Ruderer, geborene Lux, kam aus Oberschlesien und erlebte als Kind die Flucht im Winter 1944/45. Wie viele andere musste ihre Familie in großer Unsicherheit die Heimat verlassen, mit der Hoffnung auf eine Rückkehr, die sich jedoch nie erfüllte. Nach Stationen in Waldenfels und weiteren schweren Einschnitten, darunter der Tod ihres Bruders im Krieg, ging Christa als junge Frau nach München, um Arbeit zu finden. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Josef Ruderer kennen, der aus dem Bayerischen Wald stammte und ebenfalls auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen nach München gekommen war. Nach der Heirat lebte das Paar zunächst sehr beengt als Untermieter in Gernlinden. Erst als Josef Ruderer eine Stelle bei der Deutschen Bundesbahn erhielt, ergab sich für die Familie die Möglichkeit, in der Ringstraße ein eigenes Haus zu bauen.
Die Lesung macht deutlich, dass die Ringstraße nicht nur ein Bauprojekt war, sondern ein Ort des Neuanfangs für Menschen mit oft schwierigen Lebensgeschichten. Viele Bewohner kamen aus unterschiedlichen Regionen und hatten Krieg, Flucht, Verlust und Wohnungsnot erlebt. In Gernlinden fanden sie die Chance, sich mit viel Eigenleistung und unter oft bescheidenen Bedingungen ein eigenes Zuhause aufzubauen. Damit wird die Ringstraße zu einem Beispiel für den sozialen Wohnungsbau und den Wiederaufbau der Nachkriegszeit, aber auch für die Lebensleistung einer Generation, die sich nach den Zerstörungen des Krieges Schritt für Schritt eine neue Heimat schuf. Annemarie Karg versteht ihre Arbeit zugleich als Erinnerung an diese Menschen und kündigt an, das Thema weiterzuverfolgen, solange noch persönliche Erinnerungen, Fotos und Berichte der Nachkommen erhalten sind.
Die Pizzaria Salerno von Conny Schader Die Lesung von Conny Schader über die Pizzeria Salerno erzählt die Geschichte eines Lokals, das seit 1979 italienische Esskultur nach Gernlinden bringt und zugleich eng mit der Lebensgeschichte der Familie Morena verbunden ist. Gründer Ferdinand Morena stammt aus der Provinz Salerno in Süditalien. Nach einer Ausbildung als Kellner und ersten Berufserfahrungen in der Tourismusregion um Sorrent führte ihn die Cholera-Epidemie von 1973, die dem Tourismus im Süden Italiens schwer schadete, nach Bayern. Dort fand er über seine in Fürstenfeldbruck lebende Schwester Arbeit, zunächst in München und später in Fürstenfeldbruck. Nach dem Militärdienst in Italien kehrte er zurück und erfuhr, dass in Gernlinden ein Lokal zu mieten war. Trotz hoher Ablösesumme und großer finanzieller Risiken gelang es ihm gemeinsam mit einem Verwandten, das ehemalige Lokal zu übernehmen und am 20. August 1979 die Pizzeria Salerno zu eröffnen.
Die Anfangszeit war keineswegs einfach. Zwar war das Lokal bei der Eröffnung gut besucht, doch zeigte sich schnell, dass nicht nur gutes Essen, sondern auch viel organisatorisches Geschick nötig war, um sich zu etablieren. Besonders schwierig war es, die Pizzeria als gepflegtes Speiselokal zu positionieren, weil ein Teil der bisherigen Stammgäste weiterhin eher eine traditionelle Gaststätte mit Bier und Kartenspiel erwartete. Ferdinand Morena musste sich deshalb in den ersten Jahren mit Konflikten auseinandersetzen und sogar Lokalverbote aussprechen. Zugleich entwickelte sich die Speisekarte weiter, blieb aber in vielen Bereichen ihrer Linie treu. Einige Gerichte aus der Anfangszeit sind bis heute geblieben, andere verschwanden. Auch die eigene Eisherstellung wurde irgendwann aufgegeben, weil der Betrieb mit dem kleinen Team im Sommer nicht mehr zu bewältigen war. Nachdem ein geschätzter Koch 1986 nach Italien zurückkehrte, übernahm Morena selbst die Küche und setzte damit seine Erfahrung und sein über Jahre erworbenes Wissen noch stärker ein.
Eine wichtige Rolle spielte später auch seine Frau Virginia Morena, die 1984 nach Gernlinden kam. Für sie waren die ersten Jahre besonders schwer, weil sie kaum Deutsch sprach und sich dadurch weitgehend isoliert fühlte. Erst nach der Geburt der Kinder und durch Kontakte im Kindergarten fand sie allmählich Anschluss und begann, Gernlinden als Heimat zu empfinden. Im Restaurant übernahm sie Aufgaben im Service und im Hintergrund, oft zusätzlich zur Familienarbeit. Gemeinsam entschloss sich das Ehepaar schließlich, das Lokal ganz zu übernehmen, was erneut ein großes finanzielles Risiko bedeutete, zugleich aber den Grundstein für die weitere Entwicklung legte. So wurde das Salerno nicht nur zu einem gastronomischen Betrieb, sondern zum Mittelpunkt des gesamten Familienlebens.
Die Lesung macht deutlich, dass die Geschichte der Pizzeria Salerno weit über die eines Restaurants hinausgeht. Sie erzählt von Migration, Neuanfang, harter Arbeit, Integration und davon, wie aus einem italienischen Familienbetrieb ein fester Bestandteil des Lebens in Gernlinden wurde. Symbolisch dafür steht auch, dass die Familie Morena zum 40-jährigen Bestehen des Lokals den Gernlindnern den Maibaum spendete. Damit wurde sichtbar, wie sehr sich italienische Herkunft und bayerische Heimat in diesem Ort miteinander verbunden haben.
Corona in Maisach von Matthias J. Lange Die Lesung von Matthias J. Lange zeichnet ein eindringliches Bild von Maisach in den ersten Wochen der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Grundlage ist ein Blog, den Lange ab dem 22. März 2020 über 45 Tage hinweg täglich führte und in dem er den Ausnahmezustand in der Gemeinde dokumentierte. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht große politische Entscheidungen, sondern der veränderte Alltag vor Ort: die ungewohnte Ruhe auf den Straßen, leere Parkplätze, geschlossene Cafés, abgesagte Veranstaltungen und die spürbare Verunsicherung der Menschen. Zugleich beschreibt Lange, wie sich die Bewohner rasch auf die neuen Regeln einstellten, Abstand hielten und ihren Alltag mit Vorsicht, aber auch mit Disziplin und gegenseitiger Rücksicht neu organisierten.
Besonders deutlich wird in seiner Schilderung, wie wichtig in dieser Zeit die Versorgung und die gegenseitige Hilfe im Ort waren. Supermärkte, Bäckereien und andere Lebensmittelgeschäfte blieben geöffnet, entwickelten schnell neue Routinen und sorgten trotz einzelner Engpässe dafür, dass die Grundversorgung gesichert war. Zugleich entstanden in sozialen Netzwerken lokale Hilfsangebote, über die Einkaufsdienste, Besorgungen oder Fahrdienste organisiert wurden. Auch in Maisach zeigte sich damit, dass die Krise nicht nur Unsicherheit auslöste, sondern auch neues bürgerschaftliches Engagement. Die sozialen Medien wurden zu einem zentralen Informations- und Austauschraum, weil viele Menschen zu Hause blieben und das Bedürfnis nach Orientierung und Kommunikation stark zunahm.
Ein weiterer Schwerpunkt der Lesung ist der Umgang von Kirche, Feuerwehr und Gastronomie mit der Ausnahmesituation. Gottesdienste fielen zunächst aus oder wurden digital übertragen, gleichzeitig suchten viele Menschen in der Krise nach Halt und religiöser Gemeinschaft. Die Feuerwehr blieb einsatzbereit, musste ihren Betrieb aber ebenfalls anpassen und den direkten Kontakt mit der Öffentlichkeit stark einschränken. Besonders hart trafen die Corona-Maßnahmen die Gastronomie, die von einem Tag auf den anderen ihr Geschäftsmodell umstellen musste. Während manche Betriebe vorübergehend schlossen, versuchten andere mit Abhol- und Lieferangeboten zu überleben. Hinter diesen Anpassungen standen oft große Existenzsorgen und die Angst um die wirtschaftliche Zukunft.
Insgesamt zeigt die Lesung Maisach als eine Gemeinde, die in der Pandemie zwar stiller und leerer wurde, aber nicht handlungsunfähig. Vielmehr entsteht das Bild eines Dorfes im Ausnahmezustand, das mit Ruhe, Improvisation und Zusammenhalt auf die Krise reagierte. Die leeren Straßen, die geschlossenen Kirchenbänke, die improvisierten Hilfsangebote und die neuen digitalen Formen des Kontakts stehen dabei sinnbildlich für einen tiefen Einschnitt in das Alltagsleben. Matthias J. Lange hält damit nicht nur eine lokale Chronik der ersten Corona-Wochen fest, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte, das zeigt, wie tief die Pandemie selbst in einer einzelnen Gemeinde das öffentliche und private Leben verändert hat.
Wenn Denis Michael Kleinknecht vom Gasthof Heinzinger in Rottbach zu Wine & Dine einlädt, dann muss man schnell sein. Und wenn sich ein Weingut wie das Weinhaus Künstler in Hochheim am Main angesagt hat, gilt es um so mehr. Das Weinhaus beziehungsweise genauer das Weingut Künstler in Hochheim am Main gehört zu den profiliertesten Erzeugern des Rheingaus und verbindet auf bemerkenswerte Weise eine bewegte Familiengeschichte mit einem sehr klaren Qualitätsanspruch.
Gregor Breuer vom Weingut berichtet charmant und kompetent über das Weingut, die lange Geschichte und die berühmten Weine des Hauses, die es dann zum Verkosten gab. Dazu ein hervorragendes Menü von Denis Michael Kleinknecht und seinem Team. Die Wurzeln des Weingutes reichen weit über Hochheim hinaus zurück: Die Familie Künstler betreibt nach eigenen Angaben seit 1648 Weinbau, ursprünglich in Untertannowitz in Südmähren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie enteignet und aus ihrer Heimat vertrieben; Franz Künstler gründete das Gut dann 1965 in Hochheim am Main neu. Aus dieser Zäsur erklärt sich ein Teil der besonderen Aura des Hauses: Künstler ist nicht einfach nur ein traditionsreiches Weingut, sondern ein Betrieb, dessen heutige Identität aus Verlust, Neuanfang und dem entschlossenen Wiederaufbau einer über Jahrhunderte gewachsenen Weinbautradition entstanden ist.
Spitzenlagen Heute steht das Weingut für eine stilistisch sehr präzise, herkunftsbetonte Interpretation des Rheingaus. Es ist Mitglied im VDP und gehört diesem Verband seit 1994 an; laut VDP sind über 70 Prozent der Flächen als VDP.GROSSE LAGE klassifiziert. Das ist ein deutliches Signal dafür, wie stark das Haus über seine Spitzenlagen definiert ist. Sitz des Guts ist am Geheimrat-Hummel-Platz in Hochheim, also mitten in jenem Ort, der historisch zu den berühmtesten Weinbauadressen Deutschlands zählt. Künstler profitiert dabei von der besonderen Stellung Hochheims zwischen Main und Rhein, von den warmen, gut exponierten Hängen und von Böden, die den Weinen gleichermaßen Kraft, Reife und Struktur verleihen.
Riesling im Mittelpunkt Im Mittelpunkt des Sortiments steht ganz klar der Riesling, die große Leitsorte des Rheingaus und auch bei Künstler der entscheidende Maßstab des Könnens. Daneben spielt Spätburgunder eine wichtige Rolle, vor allem dort, wo das Gut in Assmannshausen über Rotweinparzellen verfügt. Die hauseigene Klassifikation folgt der VDP-Logik aus Gutswein, Ortswein, Erster Lage und Großer Lage. Schon auf der offiziellen Weineseite macht Künstler deutlich, dass bei den VDP.Ortsweinen vor allem Riesling und Spätburgunder als regionstypische Rebsorten im Zentrum stehen; in den höchsten Herkunftsstufen, den Großen Lagen, sind im Rheingau ebenfalls nur diese beiden Sorten zugelassen. Damit zeigt sich sehr schön, wie konsequent das Gut nicht auf modische Vielfalt, sondern auf die pointierte Ausarbeitung weniger, dafür umso aussagekräftigerer Rebsorten setzt.
Besonders berühmt ist Künstler für seine Hochheimer Rieslinge. Die Lage Hochheimer Hölle zählt zu den bekanntesten Weinbergen des Hauses. Der Name hat, wie das Weingut eigens erläutert, nichts mit dem Fegefeuer zu tun, sondern leitet sich von einem alten Wort für Hang oder Halde ab. Die südlich ausgerichteten Rebhänge ziehen auf den Main zu; auf schwerem Tonboden entstehen dort nach Beschreibung des Guts „kraftstrotzende, monumentale, fast zeitlose Weine“. Das ist eine ziemlich treffende Kurzcharakteristik für den Stil vieler Künstler-Rieslinge überhaupt: Sie sind oft nicht primär filigran oder spielerisch gedacht, sondern verbinden Substanz, Dichte und Reifepotenzial mit einer klaren, tragenden Säure. Der Hölle Riesling GG 2022 wird etwa als trockener Wein aus VDP.GROSSE LAGE geführt; ein jüngerer Wein aus derselben Lage, der Hochheimer Hölle „Im Neuenberg“ Riesling trocken 2024, wird mit Aromen von gelbem Apfel, Birne und Zitronenschale sowie einer dichten, konzentrierten Art beschrieben. Das unterstreicht, dass Künstler auch in den trockenen Weinen gerne Kraft und Präzision zusammenführt. 
Eine weitere Schlüsselrolle spielt der Hochheimer Stielweg, eine Lage, die zu hundert Prozent mit Riesling bestockt ist und in der Künstler laut eigener Darstellung allein 4,7 Hektar besitzt. Die dortigen, teils über 50 Jahre alten Reben bringen Weine hervor, die von schwerem lehmig-tonigem Boden geprägt sind und zugleich eine bemerkenswerte Kombination aus Fruchtfülle und feinnerviger Eleganz zeigen sollen. Diese Beschreibung ist charakteristisch für den Reiz des Hauses: Künstler-Weine wollen nicht nur druckvoll und langlebig sein, sie sollen trotz ihrer Dichte auch Noblesse und Differenzierung besitzen. Gerade darin liegt ein Grund, warum das Gut sowohl bei klassischen Riesling-Liebhabern als auch bei Sammlern einen so guten Ruf genießt. 
Hinzu kommen weitere Hochheimer Lagen wie Kirchenstück und Stein, die jeweils andere Nuancen hervorbringen. Im Kirchenstück beschreibt das Weingut einen eher leichteren, säurebetonten Riesling mit mineralischer Aromatik sowie Noten von Honigmelone, Aprikose und Pfirsich. Der Stein wiederum steht für feingliedrige, zarte Weine mit moderater Säure und delikater Frucht. Schon diese Gegenüberstellung zeigt, dass Künstler den Begriff Herkunft sehr ernst nimmt: Nicht ein einheitlicher „Hausstil“ überdeckt die Unterschiede der Parzellen, sondern die jeweiligen Böden und Expositionen sollen erkennbar bleiben. Das macht die Kollektion für Weintrinker besonders spannend, die innerhalb eines einzigen Ortes unterschiedliche Terroir-Ausprägungen vergleichen möchten. 
So wichtig der Riesling für Hochheim ist, so interessant ist bei Künstler auch die rotweinbezogene Seite des Sortiments. Das Gut besitzt Flächen im Assmannshäuser Höllenberg, einer der berühmtesten deutschen Rotweinlagen überhaupt. Dort gedeiht fast ausschließlich Spätburgunder; das Weingut selbst spricht von einer „Rotweininsel“ und betont die besondere Bedeutung des Höllenbergs für den Rheingauer Rotweinbau. Der Höllenberg Spätburgunder GG 2020 wird als mineralisch, feingliedrig und von kühler Eleganz getragen beschrieben, mit Aromen von Kirsche, Brombeere, Wacholder und getrockneten Kräutern sowie markanten Tanninen. Der Ausbau erfolgt zumindest bei diesem Wein teilweise im Barrique, was erkennen lässt, dass Künstler beim Spätburgunder nicht bloß ein Nebenprogramm betreibt, sondern sehr ernsthaft versucht, auch im Rotweinbereich Herkunft und Struktur herauszuarbeiten. 
Charakteristisch für das Weingut ist außerdem die Bandbreite über die Prädikatsstufen hinweg. Künstler steht nicht nur für trockene Spitzenrieslinge, sondern auch für restsüße und edelsüße Weine. Das zeigt etwa die im Sortiment nachweisbare Hochheimer Hölle Trockenbeerenauslese 2015. Damit bleibt das Gut einer Rheingauer Tradition treu, nach der große Rieslinghäuser ihr Können gerade nicht auf nur einen Geschmackstyp reduzieren, sondern trockene, feinherbe, fruchtige und edelsüße Weine als Ausdruck derselben Herkunft verstehen. Diese stilistische Breite gehört zum klassischen Selbstverständnis großer deutscher Rieslingbetriebe und ist bei Künstler deutlich erkennbar. 
Der Ruf des Hauses gründet sich längst nicht mehr nur auf Tradition, sondern auch auf internationale Anerkennung. So verweist das Weingut selbst darauf, dass der 2023er Hölle Riesling Großes Gewächs Anfang 2025 von James Suckling mit 100 Punkten bewertet wurde. Solche Bewertungen sind natürlich nicht der einzige Maßstab für Qualität, zeigen aber, wie stark Künstler heute auch außerhalb Deutschlands wahrgenommen wird. Ebenfalls publizierte das Weingut eine Falstaff-Bewertung von 94 Punkten für den 2022er Höllenberg Spätburgunder GG. Diese Auszeichnungen passen zu dem Bild eines Hauses, das sowohl im Weißwein- als auch im Rotweinsegment hohe Ansprüche erfüllt und den Namen Hochheim weit über die Region hinaus sichtbar macht. 
Gerade im historischen Zusammenhang ist das besonders bemerkenswert. Hochheim war im 19. Jahrhundert ein geradezu legendärer Weinort; der Name „Hock“ wurde im englischsprachigen Raum zeitweise fast zum Synonym für Rheinwein. Das Weingut Künstler knüpft an diese große Vergangenheit an, ohne in bloßer Nostalgie zu verharren. Vielmehr verbindet es eine klassisch geprägte Vorstellung von Herkunft und Lagerfähigkeit mit moderner Präzision im Ausbau. Auf der Website beschreibt das Gut seine Weine als „Geschmacksbilder“ und als hochwertige Unikate. Hinter dieser Formulierung steht der Anspruch, den Charakter eines Jahrgangs und einer Lage nicht zu glätten, sondern möglichst genau herauszuarbeiten. 
So lässt sich das Weingut Künstler insgesamt als ein Haus verstehen, das im Rheingau tief verwurzelt ist und zugleich eine außergewöhnliche Familienbiografie mitbringt. Die Geschichte von der südmährischen Herkunft über Flucht und Neugründung in Hochheim bis zur heutigen internationalen Spitzenstellung verleiht dem Betrieb ein besonderes Profil. In den Weinen spiegelt sich das in einer Verbindung aus Ernsthaftigkeit, Herkunftstreue und Qualitätsbewusstsein: Die Hochheimer Rieslinge stehen oft für Kraft, Tiefe und Reifepotenzial, während die Assmannshäuser Spätburgunder die kühlere, mineralischere Seite des Rheingaus zeigen. Gerade diese Mischung aus historischer Tiefe, klarer Stilistik und großem Respekt vor den Lagen macht Künstler zu einem der interessantesten Weingüter am Main und im gesamten Rheingau. 
Das Menü des Abends mit den entsprechenden Weinen:
Amuse Bouche 2018 Hochheimer Stein Riesling Sekt extra brut