Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die einen über Jahrzehnte begleiten. Man kauft ihre Platten, hört ihre Musik in unterschiedlichen Phasen des eigenen Lebens und verbindet irgendwann ganz persönliche Erinnerungen mit bestimmten Songs. Und dann sitzt man plötzlich in einem Konzertsaal und weiß: Vielleicht ist das heute das letzte Mal. So ging es mir bei Emmylou Harris in Brüssel.
Ich habe meinen Jahresurlaub so gelegt, dass ich diese große Dame noch einmal live sehen konnte. Nachdem mir London einfach zu teuer wahr, wählte ich Brüssel als Veranstaltungsort. Sie gastierte im Kulturzentrum, BOZAR. Ihre Tournee trägt den unmissverständlichen Namen „European Farewell Tour“. Allein diese beiden Worte veränderten für mich den Abend. Es war eben nicht einfach ein weiteres Konzert einer Musikerin, die ich seit vielen Jahren schätze. Es war möglicherweise ein Abschied von Emmylou Harris auf einer europäischen Bühne.
Und Abschiede verändern die Wahrnehmung. Mit 79 Jahren muss Emmylou Harris niemandem mehr etwas beweisen. Vierzehn Grammys, unzählige Alben und Zusammenarbeiten mit einigen der bedeutendsten Musikerinnen und Musiker der amerikanischen Musikgeschichte sprechen für sich. Sie hat Country, Folk und das, was wir heute Americana nennen, über Jahrzehnte geprägt. Vor allem aber besitzt sie eine Gabe, die sich nicht in Auszeichnungen messen lässt: Emmylou Harris kann einen Song so singen, dass man glaubt, er sei ausschließlich für diesen einen Augenblick geschrieben worden.
Natürlich hat sich ihre Stimme verändert. Die kristallklare Höhe früherer Jahrzehnte ist zerbrechlicher geworden, manches klingt leiser und vorsichtiger. Aber genau das empfand ich nicht als Schwäche. Im Gegenteil. Diese Stimme trägt heute etwas in sich, das keine Gesangstechnik ersetzen kann: gelebtes Leben.
Man hört die Jahrzehnte. Man hört Abschiede, Freundschaften, Verluste und Erinnerungen. Und vielleicht hört man manchmal sogar ein wenig Müdigkeit. Aber dann genügt eine einzige Phrase, und plötzlich ist sie wieder da, diese unverwechselbare Emmylou-Harris-Magie. Ich liebe vor allem ihre Gram Parsons-Phase.
Unterstützt wurde sie von den Red Dirt Boys, einer zurückhaltenden Band. Hier wollte niemand zeigen, wie virtuos er spielen kann. Die Musiker dienten den Liedern. Besonders schön waren für mich die Momente mit Fiddle und Mandoline. Sie gaben der Musik diese warme, erdige Americana-Farbe, die perfekt zu Harris passte.
Und dann kamen die Erinnerungen. „Red Dirt Girl“, „Pancho & Lefty“, „Kern River“ oder „Orphan Girl“ – das waren für mich keine Nummern auf einer Setlist. Mit jedem Song öffnete sich eine andere Tür in die Vergangenheit. Namen wie Townes Van Zandt, Merle Haggard, Steve Earle, Neil Young oder Johnny Cash standen plötzlich mit im Raum.
Und natürlich Gram Parsons. Ohne ihn lässt sich die Geschichte von Emmylou Harris kaum erzählen. Ihre leider kurze musikalische Zusammenarbeit wurde zu einem entscheidenden Kapitel ihres Lebens. Parsons starb 1973 mit gerade einmal 26 Jahren, aber musikalisch hat er Harris nie wirklich verlassen. Als sie in Brüssel „The Road“ sang, war das für mich deshalb einer der intensivsten Momente des Konzerts. Keine große Inszenierung, kein Pathos. Nur eine Frau, ihre Stimme, ein Lied und die Erinnerung an einen Menschen, der vor mehr als einem halben Jahrhundert gestorben ist.
Plötzlich war es sehr still. Solche Augenblicke sind der Grund, weshalb ich noch immer Konzerte besuche. Ich schloss die Augen und genoss. Eine Aufnahme kann perfekt sein. Eine Schallplatte kann man hundertmal hören. Aber diesen einen Moment gibt es nur einmal. Danach ist er vorbei.
Auch „Goodbye“ bekam an diesem Abend eine andere Bedeutung. Steve Earles wunderbarer Song gehört für mich ohnehin zu den großen Aufnahmen aus Harris’ „Wrecking Ball“-Zeit. Doch auf einer Abschiedstournee lässt sich ein Lied mit diesem Titel kaum neutral hören. Das Wort Goodbye stand gewissermaßen über dem ganzen Abend.
Besonders berührt hat mich auch die Erinnerung an Dolly Parton. Mit „When We’re Gone, Long Gone“ führte Harris zurück zu „Trio II“ und damit zu jener wunderbaren musikalischen Verbindung zwischen Emmylou Harris, Dolly Parton und Linda Ronstadt. Drei Stimmen, drei außergewöhnliche Frauen und ein Stück amerikanischer Musikgeschichte.
Vielleicht war das überhaupt das große Thema dieses Konzerts: Erinnerung. Emmylou Harris hat nie nur ihre eigene Karriere verwaltet. Sie war immer auch eine Bewahrerin von Songs und Geschichten. Sie hat Lieder anderer Komponisten aufgenommen und ihnen ihre eigene Handschrift gegeben, ohne ihnen die Seele zu nehmen. Sie hat Musiker ins Rampenlicht geholt, Namen weitergetragen und musikalische Traditionen miteinander verbunden.
Deshalb passte Neil Youngs „Long May You Run“ für mich so wunderbar in diesen Abend. Long may you run. Mögest du noch lange weiterlaufen. Man konnte diese Worte an diesem Abend kaum hören, ohne sie auf Emmylou Harris selbst zu beziehen. Und schließlich „Save the Last Dance for Me“.
Eine Gamescom hört man, lange bevor man alles gesehen hat. Aus den Hallen dröhnen Trailer, an den Ständen laufen Soundtracks, irgendwo erklingen die typischen Geräusche alter Arcade-Automaten – und dazwischen wird live musiziert. Für mich gehört Musik deshalb genauso zur Gamescom wie Controller, Konsolen, Computer und Games.
Gerade die Gamescom 2026 in Köln zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert Videospielmusik inzwischen besitzt. Was in den frühen Tagen der Computerspiele aus wenigen elektronischen Stimmen und stark begrenzten Soundchips herausgeholt werden musste, ist heute eine eigenständige Musikkultur. Chiptunes stehen dabei ganz selbstverständlich neben orchestralen Soundtracks, elektronischer Musik und klassischen Instrumenten.
Ich habe lange mit dem legendären Chris Huelsbeck gesprochen, dessen Musik ich sehr verehre und gerade den Sound von Turrican gerne mag. Die ersten Generationen von Spielekomponisten mussten darum kämpfen, aus wenigen Kilobyte Speicher und einer Handvoll Soundkanälen etwas Musikalisches herauszuholen. Komponisten wie Chris Huelsbeck bewiesen schon damals, dass diese technischen Grenzen kein Hindernis für große Melodien sein mussten. Heute werden Game-Soundtracks von Orchestern gespielt, auf Vinyl veröffentlicht und in Konzertsälen gefeiert.
Aber es gab mehr, viel mehr auf der Gamescom zu hören. Besonders deutlich wurde das in der Retro & Family Area. Dort brachten Critical Bow bekannte Videospielmusik mit zwei Celli auf die Bühne. Plötzlich bekommen Melodien aus Games einen vollkommen anderen Charakter. Sie klingen emotional, melancholisch oder dramatisch und zeigen, dass gute Spielemusik auch dann funktioniert, wenn Bildschirm und Controller fehlen. Critical Bow waren während der Gamescom gleich mehrfach mit ihrem Programm „Spielemusik live“ vertreten.
Zwei Celli, große Gefühle: Critical Bow Dass großartige Videospielmusik keine riesigen Orchester braucht, bewies das Duo Critical Bow bei seinem Auftritt auf der Gamescom 2026 in Köln. Mit lediglich zwei Celli brachten die Musiker bekannte Melodien aus der Welt der Games auf die Bühne und sorgten damit für einen wunderbaren Kontrast zum lauten Messetrubel.
Critical Bow haben sich auf Musik aus Videospielen und Anime spezialisiert und arrangieren viele ihrer Stücke selbst. Dabei zeigten sie eindrucksvoll, wie viel Emotion in Game Music steckt. Melodien aus Spielewelten wie The Witcher, Skyrim, Baldur’s Gate oder Genshin Impact bekommen durch die beiden Celli einen ganz eigenen Charakter – mal kraftvoll und dramatisch, mal ruhig und melancholisch.
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Gerade auf der Gamescom passt das hervorragend. Denn Videospielmusik ist längst ein eigenständiger Teil unserer Musikkultur geworden. Critical Bow machten diese Musik nicht nur hörbar, sondern auf der Bühne unmittelbar erlebbar. Ein schöner Auftritt und für mich einer dieser kleinen Gamescom-Momente, bei denen man gerne stehen bleibt und einfach zuhört. Hier ein Stück als VR 360
8-Bit unter Strom: Vault Kid bringt den Game Boy auf die Gamescom-Bühne Was andere zum Spielen benutzen, macht Vault Kid zum Musikinstrument. Bei seinem Auftritt auf der Gamescom 2026 verwandelte der Chiptune-Musiker die Retro & Family Area in Halle 10.2 in einen kleinen elektronischen Club. Vault Kid verbindet die charakteristischen 8-Bit-Klänge alter Spielkonsolen mit moderner elektronischer Dance Music. Bekannt wurde er mit Musik, die er auf modifizierten Game Boys produziert – eine wunderbare Verbindung von Retro-Gaming und Clubkultur. Zu seinen Arbeiten gehört auch „Thousand Little Voices“, das für die virtuelle Miku Expo 2021 entstand. Für mich ist Vault Kid inzwischen fast schon ein alter Bekannter der Gamescom: Bereits 2019 hatte mich sein ungewöhnlicher Game-Boy-Sound begeistert. Auch 2026 zeigt sich wieder, was Chiptune so faszinierend macht: Aus den vermeintlich primitiven Klängen alter Gaming-Hardware entsteht energiegeladene elektronische Musik. Der Game Boy ist eben nicht nur eine Spielkonsole – in den richtigen Händen wird er zum Musikinstrument.
Und vielleicht ist Musik sogar eines der stärksten Bindeglieder zwischen den verschiedenen Generationen von Gamern. Grafik altert, Hardware verschwindet und aus technischen Sensationen werden irgendwann Museumsstücke. Eine gute Melodie dagegen kann Jahrzehnte überstehen. Manchmal reichen nur ein paar Töne und ich weiß sofort wieder, welches Spiel ich vor vielen Jahren gespielt habe. Hier ein Auftritt in Köln:
Genau diese Mischung machte für mich den musikalischen Reiz der Gamescom 2026 aus: Die Gamescom ist eben nicht nur eine Messe, die man spielt und sieht. Man kann sie auch hören.
Addison Johnson gehört zu jener Sorte von Country-Musikern, die daran erinnern, warum dieses Genre einmal so stark geworden ist: weil es Geschichten erzählt. Nicht Hochglanz, nicht kalkulierte Radioformeln und nicht das immer gleiche Spiel mit Trucks, Whiskey und großen Gesten stehen bei ihm im Mittelpunkt, sondern Menschen, Erfahrungen, Niederlagen, Sehnsüchte und die kleinen Wahrheiten des Alltags. Ich durfte diesen Sänger bei einem Privatkonzert in München erleben.
Johnson stammt aus North Carolina und lebt heute in Nashville. Seine musikalischen Wurzeln liegen tief im traditionellen Country, zugleich lässt er Americana, Bluegrass, Blues und Rock in seinen Sound einfließen. Gerade diese Mischung macht ihn interessant: Er passt nicht bequem in eine einzige Schublade. Seine eigene Beschreibung, er sei „zu Country für Americana und zu Americana für Country“, trifft seinen Platz zwischen den Welten ziemlich genau. Hier das Münchner Konzert:
Geprägt wurde Johnson früh von klassischer Country-Musik. Seine Großeltern hörten Künstler wie George Jones und Merle Haggard, später kamen Einflüsse von Waylon Jennings, Lefty Frizzell, Alan Jackson, Jerry Reed und auch Jim Croce hinzu. Entscheidend ist dabei weniger eine bestimmte musikalische Stilkopie als vielmehr eine Haltung: Ein guter Song braucht für Johnson Substanz. Country-Musik soll von wirklichem Leben handeln, von Druck, Scheitern, Hoffnung, Arbeit und von Entscheidungen, die nicht immer zu einem glücklichen Ende führen. Genau darin liegt seine Stärke. Johnson schreibt keine Songs, die eine künstliche Welt entwerfen, sondern kleine musikalische Kurzgeschichten, in denen Menschen mit ihren Widersprüchen sichtbar werden.
Sein Weg nach Nashville passt zu dieser Musik. Johnson zog aus North Carolina in die Hauptstadt der Country-Musik, ohne großes finanzielles Polster und ohne Garantie auf Erfolg. Auch davon erzählt er in seinem Privatkonzert. Er arbeitete unterschiedliche Jobs, schrieb Songs und versuchte, seinen Platz in einer Industrie zu finden, die häufig stärker an vermarktbaren Mustern als an Individualität interessiert ist. Rückblickend bezeichnete er diese Entscheidung als mit erheblichen persönlichen Opfern verbunden. Gerade deshalb entwickelte sich bei ihm der Anspruch, keine austauschbaren Songs lediglich für den schnellen kommerziellen Erfolg zu schreiben. Wichtiger sei es ihm, etwas zu schaffen, auf das er später stolz sein könne. Diese Unabhängigkeit ist nicht nur Teil seiner Außendarstellung, sondern prägt hörbar seine Musik.
Johnson ist vor allem ein Storyteller. Seine Songs funktionieren häufig wie kleine Filme. Figuren treten auf, Situationen werden skizziert, Beziehungen zerbrechen, Menschen suchen ihren Weg oder stehen vor den Folgen ihrer Entscheidungen. Dabei vermeidet er einfache moralische Lösungen. Das unterscheidet ihn von viel modernem Mainstream-Country, der Emotionen mitunter auf leicht konsumierbare Schlagworte reduziert. Bei Johnson dürfen Geschichten unbequem bleiben. Ein Lied muss nicht alles auflösen und schon gar nicht zwingend mit einem Happy End enden. In einem Interview über sein 2026 erschienenes Album The State I’m In erklärte er, dass ihn gerade jene Country-Songs interessieren, die nichts beschönigen und rohe menschliche Gefühle zulassen. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk.
Schon mit Dark Side of the Mountain machte Johnson deutlich, wo er musikalisch steht. Das Album verband traditionellen Country mit dunkleren Geschichten und einer deutlich erzählerischen Ausrichtung. Sein zweites großes Album Dangerous Men von 2024 führte dieses Konzept weiter. Dort entwarf Johnson in mehreren Songs unterschiedliche Porträts dessen, was einen Menschen „gefährlich“ machen kann. Gerade diese Fähigkeit, aus einem übergeordneten Thema einzelne Charakterstudien zu entwickeln, zeigt seine Qualitäten als Songwriter.
Mit The State I’m In, veröffentlicht am 26. Juni 2026, wirkt Johnson noch einmal breiter aufgestellt. Das zwölf Songs umfassende Album bleibt tief im Country verwurzelt, öffnet sich aber stärker Richtung Rock und Blues. Gleichzeitig spielt das Leben eines unabhängigen Musikers eine wichtige Rolle. Der Titelsong ist dabei nicht nur autobiografisch zu verstehen. Johnson beschreibt darin das Unterwegssein, nächtliche Highways, Entfernung von zu Hause und die Entscheidung, einem Traum zu folgen, obwohl dieser Weg anstrengend und unsicher ist. Genau dadurch wird der Song universeller: Er handelt letztlich von jedem Menschen, der Vertrautes verlässt, um etwas zu erreichen, an das er glaubt.
Auch live erklärt sich ein wesentlicher Teil seiner Wirkung. Johnson ist kein Künstler, dessen Karriere ausschließlich über Streamingzahlen oder Social-Media-Reichweite funktioniert. Er ist ein Musiker der Straße und der Bühne. Laut seiner offiziellen Biografie spielt er regelmäßig mehr als 200 nationale und internationale Termine pro Jahr und ist auch in Europa unterwegs. Er trat als Support für zahlreiche etablierte Künstler auf und war Teil der Grand Ole Opry Front Porch Series. Gerade seine akustischen Auftritte werden als besonders unmittelbar beschrieben. Dort zeigt sich, dass seine Songs nicht auf große Produktionen angewiesen sind. Stimme, Gitarre und Geschichte reichen oft vollkommen aus.
Diese Nähe zum Publikum ist wichtig, weil Johnson ein Verständnis von Country-Musik vertritt, das auf Kommunikation beruht. Seine Musik will nicht beeindrucken, sondern erreichen. Hinter vielen Liedern steht die Beobachtung anderer Menschen oder eine eigene Erfahrung. Dadurch entsteht eine Glaubwürdigkeit, die sich schwer künstlich herstellen lässt. Man hört einen Musiker, der sich mit seinem Material identifiziert. Dabei ist seine Stimme nicht unbedingt auf spektakuläre Virtuosität ausgerichtet. Ihre Stärke liegt vielmehr in Ausdruck, Charakter und dem Gefühl, dass der Sänger tatsächlich etwas zu erzählen hat.
Besonders bemerkenswert ist dabei Johnsons Beharrlichkeit. Als unabhängiger Künstler bewegt er sich außerhalb der großen Maschinerie des Nashville-Mainstreams und muss Aufnahme, Vermarktung und Tourleben wesentlich stärker selbst tragen. Dass seine Veröffentlichungen trotzdem mehrfach hohe Positionen in den iTunes-Country-Charts erreichten, zeigt, dass es ein Publikum für diese Art von Musik gibt. Sein erstes Album erreichte nach Angaben seiner offiziellen Seite 2021 Platz drei, Dangerous Men startete 2024 sogar auf Platz zwei der iTunes-Country-Charts. Gleichzeitig wurden Songs von ihm auch von anderen Künstlern aufgenommen.
Addison Johnson steht deshalb für eine Form von Country-Musik, die Tradition nicht mit Stillstand verwechselt. Er verehrt die großen Erzähler des Genres, kopiert sie aber nicht. Stattdessen nimmt er deren Grundidee ernst: Ein Country-Song muss etwas über Menschen erzählen. Er darf traurig sein, widersprüchlich, humorvoll, hart oder verletzlich. Er darf nach Honky-Tonk klingen, nach Americana, nach Blues oder gelegentlich nach Rock – solange die Geschichte glaubwürdig bleibt.
Gerade in einer Zeit, in der Country-Musik weltweit wieder enorme Popularität erlebt und dabei immer stärker mit Pop, Rock und elektronischer Produktion verschmilzt, ist ein Künstler wie Addison Johnson wichtig. Er erinnert daran, dass die eigentliche Kraft des Genres nicht in Cowboyhüten oder stilistischen Klischees liegt, sondern im Erzählen. In drei Minuten kann ein guter Country-Song ein ganzes Leben sichtbar machen. Johnson beherrscht genau diese Kunst.
Vielleicht liegt darin seine größte Qualität: Addison Johnson will nicht der lauteste oder modischste Künstler in Nashville sein. Er möchte Songs schreiben, die bleiben. Musik über Menschen, die arbeiten, lieben, verlieren, zweifeln, aufbrechen und trotzdem weitermachen. Das klingt zunächst unspektakulär. Doch genau daraus entstand einmal die große Tradition der Country-Musik. Addison Johnson trägt sie weiter – nicht als Museumsstück, sondern als lebendige, ehrliche und überraschend zeitlose Musik.
Was mit Mut, Zweifeln und einem unterschriebenen Mietvertrag begann, ist heute aus Maisach kaum noch wegzudenken: Das Bistro SixtyFour feiert seinen dritten Geburtstag. Im BistroTalk sprechen Ruby und Uwe Flügel mit Matthias J. Lange über schwierige Anfänge, treue Stammgäste, norddeutsche Frikadellen und das besondere Gefühl, einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen zusammenkommen.
Noch stehen die Stühle ordentlich an den Tischen, der Gastraum wirkt ruhig und aufgeräumt. Doch in wenigen Stunden soll davon nicht mehr viel zu sehen sein. Dann wird das Bistro SixtyFour in der Maisacher Zentrumspassage seinen dritten Geburtstag feiern – mit zusätzlichen Tischen, besonderen Speisen, Musik und zahlreichen Gästen. Für Ruby und Uwe Flügel ist dieser Tag mehr als nur ein Betriebsjubiläum. Er ist der Beweis dafür, dass aus einer mutigen Idee ein lebendiger Treffpunkt für Maisach geworden ist. Hier der BistroTalk als Stream
Im live aus dem Bistro übertragenen BistroTalk blickten die beiden Inhaber gemeinsam mit Moderator Matthias J. Lange auf drei bewegte Jahre zurück. Unterstützt wurde die Jubiläumsausgabe vom Zentrum für Gesundheit Dombo. Selbst aus Florida hatte sich ein Zuschauer angekündigt. Der Maisacher BistroTalk war damit an diesem Nachmittag zumindest digital auch international.
Ruby Flügel beschreibt ihre Gefühle beim Blick durch den Gastraum als Mischung aus Stolz, Erleichterung und Erinnerung an schwierige Zeiten. „Wenn ich zurückdenke, als wir damals aufgemacht haben, und mir jemand gesagt hätte, dass wir nach drei Jahren zusätzliche Tische reinstellen müssen, hätte ich das für völlig verrückt gehalten“, sagte sie. Inzwischen haben sich die Flügels eine große Zahl an Stammgästen aufgebaut. Für das Jubiläum reichten die regulären Plätze nicht mehr aus.
Uwe Flügel hoffte vor Beginn des Festes vor allem auf eines: „Dass alle Tische gefüllt sind, dass es voll ist, Leben in die Bude kommt und wir ordentlich zusammen feiern können.“ Es ist ein Satz, der viel über das Selbstverständnis des SixtyFour verrät. Das Bistro will nicht nur Speisen und Getränke verkaufen. Es will ein Ort sein, an dem Menschen miteinander reden, lachen, diskutieren und sich willkommen fühlen.
Zwischen Glücksgefühl und Existenzangst Als die Flügels vor drei Jahren erstmals den Schlüssel für die Räume in den Händen hielten, überwog zunächst die Freude. Doch sie war von Respekt und Unsicherheit begleitet. „Man hatte auch ein bisschen Angst, ob der Laden jemals voll wird und ob wir als Zugereiste überhaupt anerkannt werden“, erinnerte sich Uwe Flügel.
Der endgültige Punkt ohne Rückkehr war die Unterzeichnung des Mietvertrags. Monatelang hatten Ruby und Uwe Flügel überlegt, geplant und verhandelt. Mit der Unterschrift war klar: Jetzt musste das Konzept funktionieren.
Der Wunsch nach einer eigenen Gastronomie war allerdings schon deutlich älter. Als das Paar 2010 aus Göttingen nach München zog, gab es bereits die Idee, irgendwann ein kleines Café zu eröffnen. Es dauerte noch mehr als ein Jahrzehnt, bis daraus Realität wurde. Dass die Eröffnung erst nach der Corona-Pandemie erfolgte, sehen die beiden rückblickend als glückliche Fügung. Die Menschen hatten wieder Lust, auszugehen, sich zu treffen und Gastronomie zu erleben. „Als Anfänger hätten wir die Pandemie wahrscheinlich nicht überlebt“, sagte Ruby Flügel offen.
Seit 2020 lebt das Paar in Maisach. Die Suche nach einem Standort in der eigenen Gemeinde war deshalb auch eine praktische Entscheidung. Kurze Wege waren ein wichtiger Vorteil. Über Bekannte erfuhren sie, dass die Räume des früheren Familiencafés in der Zentrumspassage frei werden sollten.
Beim ersten Besuch war die Begeisterung über die Größe der Räume ebenso groß wie die Sorge, ob sich das Projekt bewältigen lassen würde. Vieles entstand anschließend in Eigenleistung. Die Theke und zahlreiche weitere Einbauten fertigte Uwe Flügel selbst. Auch die vielen Pflanzen im Gastraum tragen seine Handschrift.
Unterstützung aus Maisach Die Erfahrungen mit den Behörden fielen unterschiedlich aus. Von der Gemeinde Maisach, dem Bürgermeister, den Vermietern und Unterstützern aus dem Ort hätten die Flügels viel Hilfe erfahren. Schwieriger seien manche Abstimmungen mit dem Landratsamt gewesen. Ursprünglich geplante längere Öffnungszeiten wurden nicht genehmigt, außerdem mussten verschiedene Auflagen erfüllt werden.
Besonders die Unterstützung der Vermieter und engagierter Maisacher sei in dieser Phase entscheidend gewesen. „Ohne diese Hilfe hätten wir vielleicht sehr früh gesagt, dass wir nicht weitermachen“, erklärte Ruby Flügel. Gerade als Neulinge in der Gemeinde sei es wichtig gewesen, Menschen an der Seite zu haben, die an das Vorhaben glaubten.
Denn nicht alle Reaktionen waren positiv. Zu Beginn hätten manche vorhergesagt, das Bistro werde sich nicht halten können. Drei Jahre später sind diese Zweifel weitgehend verstummt.
Eine Theke als Mittelpunkt Ein zentrales Element des SixtyFour ist die große Theke. Für Uwe Flügel war sie von Beginn an unverzichtbar. In vielen Restaurants hatte ihm ein Platz gefehlt, an dem Gäste auch ohne Essen einfach ein Bier trinken und mit dem Barkeeper sprechen können. Heute ist die Theke besonders an Wochenenden oft dicht besetzt.
Dass sie inzwischen teilweise zweireihig umlagert ist, zeigt, wie gut die Idee funktioniert. Hier werden nicht nur Getränke ausgeschenkt. Hier entstehen Gespräche, Bekanntschaften und Diskussionen. Es geht um Fußball, Kommunalpolitik, Kunst, Musik und das Leben in Maisach.
Auch die Getränkekarte hat sich deutlich entwickelt. Gestartet wurde mit rund zehn Cocktails, inzwischen umfasst das Angebot etwa 20 bis 22 Varianten, ergänzt durch saisonale Cocktails und Spritzgetränke. Viele Gäste kommen gezielt wegen der Cocktails ins Bistro.
Das helle Bier gehört weiterhin zu den stärksten Umsatzbringern. Entgegen dem allgemeinen Rückgang des Bierkonsums kann das SixtyFour seine vereinbarten Absatzmengen regelmäßig übertreffen. Auch Weißbier wird inzwischen frisch vom Fass gezapft.
Ein dritter Zapfhahn soll künftig für wechselnde Saisonbiere genutzt werden. Denkbar sind Märzen, Sommer- oder Winterzwickel sowie Oktoberfestbier. Nach dem Erfolg von Guinness und Kilkenny bei einem irischen Abend können sich die Flügels außerdem vorstellen, solche Spezialitäten häufiger anzubieten.
Freundlichkeit als wichtigste Qualifikation Gastronomie bedeutet lange Arbeitszeiten, Kostendruck und körperliche Belastung. Das war Ruby und Uwe Flügel vor der Eröffnung bewusst. Trotzdem gab es einen Moment, in dem beide ernsthaft ans Aufgeben dachten. Vor etwa zwei Jahren sei die Belastung besonders hoch gewesen. Damals arbeiteten beide täglich im Bistro, während die Gästezahlen zeitweise zurückgingen.
Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Mehrere Servicekräfte unterstützen das Paar so zuverlässig, dass jeder von ihnen zumindest gelegentlich einen freien Tag einplanen kann. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden dennoch gesucht.
Die wichtigste Voraussetzung sei nicht gastronomische Erfahrung, sondern Freundlichkeit. „Alles andere kann man lernen“, betonte Ruby Flügel. Aufmerksamkeit, Respekt und ein zugewandter Umgang mit den Gästen seien entscheidend. Gerade in einer Gemeinde wie Maisach verbreiteten sich positive wie negative Erfahrungen schnell.
Wie wichtig Mundpropaganda ist, zeigte sich zuletzt beim Marktsonntag. Das Bistro hatte keine große Werbekampagne geschaltet und war dennoch voll. Viele Gäste kamen aufgrund persönlicher Empfehlungen.
Der Stammtisch als Zeichen der Wertschätzung Besonders stolz ist Uwe Flügel auf den Stammtisch. Das Schild auf dem Tisch sei als Dank an die Gäste gedacht, die nahezu täglich oder mehrmals pro Woche ins SixtyFour kommen. Auch bei vollem Haus sollen sie dort ihren Platz finden.
Für ihn gehört ein Stammtisch zu einer bayerischen Gastronomie. Dass der aus Norddeutschland stammende Wirt diese Tradition in seinem Bistro aufgreift, passt zur Entwicklung des SixtyFour: Norddeutsche Wurzeln und bayerische Wirtshauskultur treffen aufeinander, ohne sich gegenseitig auszuschließen.
Das Publikum reicht von jungen Erwachsenen bis zu Senioren. Sportgruppen, Gemeinderäte, Elternvertreter, Vereine und lose Freundeskreise sitzen an den Tischen. Das SixtyFour ist damit tatsächlich zu jenem „zweiten Wohnzimmer“ geworden, als das Matthias J. Lange das Bistro im Gespräch bezeichnete.
Von Flammkuchen bis Krustenbraten In der Küche hat sich in den vergangenen drei Jahren ebenfalls viel verändert. Ursprünglich war der Küchenraum so klein, dass zwei Personen kaum gleichzeitig darin arbeiten konnten. Mittlerweile wurde die Fläche mit Unterstützung der Vermieter deutlich erweitert. Zusätzliche Arbeits- und Abstellflächen sind entstanden, außerdem soll ein neuer Konvektomat die Möglichkeiten vergrößern.
Der Schwerpunkt bleibt die Bistroküche. Flammkuchen und Baguettes gehören seit der Eröffnung zu den Klassikern. Der Flammkuchen war eine bewusste Entscheidung, weil es in der näheren Umgebung kaum ein vergleichbares Angebot gab.
Auch Burger waren zunächst nur als Monatsaktion geplant. Wegen der großen Nachfrage wurden sie dauerhaft in die Speisekarte aufgenommen. Besonders überrascht war das Team vom Erfolg der Schnitzelaktionen. Trotz sommerlicher Hitze wurden die Schnitzel in verschiedenen Varianten zum Verkaufsschlager.
Mit dem neuen Küchengerät sollen künftig verstärkt wechselnde Gerichte angeboten werden. Uwe Flügel denkt an Schnitzel, Schweine- und Krustenbraten, Spare Ribs und möglicherweise auch an ein hochwertiges Rindersteak. Fisch kann er sich ebenfalls vorstellen, sieht bei Lagerung und Frische jedoch besondere Herausforderungen.
Regionalität spielt für ihn eine wichtige Rolle. Das Fleisch bezieht er bevorzugt von Metzgereien aus der Umgebung, unter anderem von der Metzgerei Fröhlich in Jesenwang. Uwe Flügel ist kein gelernter Koch, beschäftigt sich aber seit seiner Jugend intensiv mit dem Kochen. Zusätzliche Erfahrungen sammelte er bei Kursen und Praktika, unter anderem bei Sternekoch Alexander Herrmann.
Raum für Feiern, Politik und Musik Das Bistro hat sich inzwischen auch als Veranstaltungsort etabliert. Geburtstage, Hochzeiten und geschlossene Gesellschaften finden regelmäßig statt. Auch politische Veranstaltungen wurden bereits durchgeführt, teilweise sogar am eigentlichen Ruhetag.
Live-Musik gehört ebenfalls zum Konzept. Wegen der Lage in einem Wohngebiet müssen Lautstärke und technische Ausstattung allerdings zum Raum passen. Akustikmusik und kleinere Bands eignen sich besonders gut. Interessierte Musikerinnen und Musiker können sich bei den Flügels melden.
Auch für andere Formate wie Comedy oder Lesungen ist das Paar grundsätzlich offen. Entscheidend seien ein tragfähiges Konzept, verbindliche Reservierungen und die Frage, ob die Gäste bereit sind, Eintritt zu zahlen.
Ohne Gastronomie verliert ein Ort sein Leben Im Gespräch wurde auch deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung das Bistro für Maisach hat. Wenn Gaststätten und Wirtshäuser verschwinden, fehlen nicht nur kulinarische Angebote. Es verschwinden Orte der Begegnung.
Uwe Flügel sieht deshalb die örtliche Gastronomie nicht als Konkurrenzkampf, sondern als gemeinsames Angebot für die Gemeinde. Er schätzt die Maisacher Brauerei und deren Biergarten und betont das Prinzip „Leben und leben lassen“. Unterschiedliche gastronomische Konzepte könnten nebeneinander bestehen und gemeinsam zur Lebensqualität des Ortes beitragen.
Der Standort in der Zentrumspassage ist allerdings auch nach drei Jahren noch nicht allen Maisachern bekannt. Immer wieder betreten Gäste das Bistro zum ersten Mal und zeigen sich überrascht. Viele von ihnen kommen später wieder.
Mittlerweile schätzt Ruby Flügel den Anteil der wiederkehrenden Gäste auf 70 bis 75 Prozent. Sie nennt sie liebevoll „Wiederholungstäter“. Diese Treue sei eine der größten Motivationen, trotz langer Arbeitstage weiterzumachen.
Ein Ehepaar wächst mit seinem Bistro Ruby und Uwe Flügel sind seit 25 Jahren ein Paar. Viele Menschen hatten ihnen prophezeit, dass die gemeinsame Selbstständigkeit ihre Beziehung belasten oder sogar zerstören könnte. Das Gegenteil sei eingetreten. „Wir sind als Team gewachsen“, sagte Ruby Flügel.
Die Aufgaben sind inzwischen klar verteilt. Uwe verantwortet Küche, Einkauf, Reparaturen und viele organisatorische Arbeiten. Ruby kümmert sich vor allem um Getränke, Cocktails, neue Trends und den Kontakt zu den Gästen. Meinungsverschiedenheiten gebe es dennoch. Beide seien Dickköpfe, räumte Ruby lachend ein. Inzwischen könnten sie jedoch diskutieren und gemeinsam Lösungen finden.
Uwe Flügel zeigte sich besonders stolz auf seine Frau. Ihre Freundlichkeit und ihre Art, mit den Gästen umzugehen, seien ein entscheidender Teil des Erfolgs. Ruby wiederum lobte den Ideenreichtum ihres Mannes, auch wenn sie manchen Vorschlägen zunächst skeptisch gegenüberstehe.
Eine norddeutsche Frikadelle zum Geburtstag Zum Jubiläum sollte es neben Rollbraten auch eine besondere Spezialität geben: eine norddeutsche Frikadelle mit Kartoffeln. Für Uwe Flügel unterscheidet sie sich deutlich vom typischen bayerischen Fleischpflanzerl. Sie sei kräftiger, weniger flach und handwerklich zubereitet – mit Fleisch, Zwiebeln und einer Form, die ihren norddeutschen Ursprung erkennen lasse.
Bei einem früheren Geburtstagsbuffet waren die Frikadellen als Erstes vergriffen. Entsprechend gespannt waren die Gäste auf die Neuauflage zum dritten Geburtstag.
Am Ende des BistroTalks überreichte Matthias J. Lange den Flügels gemeinsam mit seiner Familie ein persönliches Geschenk: einen Fotoband mit Aufnahmen aus drei Jahren SixtyFour. Da Ruby und Uwe während des Betriebs meist arbeiten und selbst nur selten fotografieren können, dokumentiert das Buch zahlreiche Momente, Veranstaltungen und Begegnungen aus der Geschichte des Bistros.
„Danke, dass es euch gibt“, sagte Lange. Der Satz fasst zusammen, was viele Stammgäste empfinden. Aus einem mutigen gastronomischen Experiment ist ein Treffpunkt geworden, der für Gemeinschaft, persönliche Nähe und gelebte Gastfreundschaft steht.
Das Bistro SixtyFour ist nach drei Jahren längst mehr als ein Lokal. Es ist ein Stück Maisach – und für viele tatsächlich ein zweites Wohnzimmer.
Während viele Bluegrass-Bands moderne Einflüsse mit traditionellen Elementen verbinden, verfolgen The Truffle Valley Boys einen anderen Ansatz: Sie widmen sich kompromisslos dem authentischen Klang der frühen Bluegrass-Ära und begeistern damit Fans in ganz Europa. Ich durfte die Band bei einem Privatkonzert in München erleben und war restlos begeistert.
Bluegrass gilt als eine der traditionsreichsten Musikrichtungen Nordamerikas. Entstanden in den 1940er Jahren und geprägt von Musikern wie Bill Monroe, entwickelte sich das Genre zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Folk- und Country-Musik. Dass ausgerechnet eine italienische Band heute zu den bekanntesten Vertretern dieses historischen Stils zählt, überrascht viele und auch ich war komplett baff. Genau das macht The Truffle Valley Boys zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der internationalen Bluegrass-Szene.
Die Band wurde 2014 in Norditalien gegründet und benannte sich nach den Trüffeln, die in den Tälern ihrer Heimatregion wachsen. Von Beginn an verfolgten die Musiker ein klares Ziel: den rauen, unverfälschten Sound des Bluegrass aus den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren möglichst originalgetreu wiederzugeben.
Im Mittelpunkt ihres Konzepts steht absolute Authentizität. Die Gruppe spielt mit historischen beziehungsweise stilgetreuen Instrumenten, tritt häufig um ein einzelnes Mikrofon auf und orientiert sich sowohl musikalisch als auch optisch an den frühen Bluegrass-Bands der Nachkriegszeit. Auch die mehrstimmigen Gesänge und die bewusst reduzierte Bühnentechnik sollen das Live-Erlebnis jener Zeit möglichst exakt nachbilden. Als Fan der Stanley Brothers und des großen Bill Monore war ich begeistert.
Anders als viele moderne Bluegrass-Formationen verzichten The Truffle Valley Boys weitgehend auf zeitgenössische Einflüsse. Stattdessen widmen sie sich selten gespielten oder nahezu vergessenen Stücken aus der Frühzeit des Genres. Gleichzeitig ergänzen sie ihr Repertoire gelegentlich durch eigene Kompositionen, die sich stilistisch eng an historischen Vorbildern orientieren. Dadurch gelingt es ihnen, das musikalische Erbe des klassischen Bluegrass lebendig zu halten, ohne lediglich bekannte Standards zu reproduzieren.
Auch bei ihren Studioaufnahmen verfolgen die Musiker konsequent ihren historischen Ansatz. Das Album Sing And Play Authentic Blue Grass wurde beispielsweise mit einem einzigen Mikrofon aus den 1950er Jahren live auf Band aufgenommen. Ziel war es nicht, eine technisch perfekte Produktion zu schaffen, sondern die Dynamik und Natürlichkeit einer damaligen Aufnahme möglichst originalgetreu einzufangen. Das Album enthält zwölf Titel, darunter zahlreiche seltene Klassiker sowie eine Eigenkomposition. Ich habe mir das Album Come Back To The Valley gekauft und es spielt den ganzen Tag rauf und runter.
Mit diesem Konzept haben sich The Truffle Valley Boys einen hervorragenden Ruf innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene erarbeitet. Sie treten regelmäßig auf renommierten Festivals in mehreren Ländern auf und absolvieren jedes Jahr zahlreiche Konzertreisen. Ich durfte sie bei einem Privatkonzert in München erleben, schweißgebadet mit einem Lächeln auf den Lippen bin ich nach dem Konzert nach Hause gefahren. Ihre Live-Auftritte zeichnen sich durch hohe musikalische Präzision, authentische Bühnenpräsenz und eine energiegeladene Performance aus, die sowohl eingefleischte Bluegrass-Fans als auch neugierige Erstbesucher anspricht.
Auch Fachmedien haben die Band mehrfach positiv bewertet. Insbesondere ihre konsequente Orientierung am ursprünglichen Klangbild der frühen Bluegrass-Musik wird regelmäßig hervorgehoben. Darüber hinaus fanden ihre Aufnahmen internationale Beachtung und wurden unter anderem in der Bluegrass Music Hall of Fame & Museum in Owensboro (Kentucky) im Rahmen einer Ausstellung zur internationalen Entwicklung des Genres berücksichtigt.
Heute gelten The Truffle Valley Boys als eine der wichtigsten europäischen Bands für traditionellen Bluegrass. Ihr Erfolg zeigt, dass musikalische Authentizität und historische Detailtreue auch Jahrzehnte nach der Entstehung des Genres ein begeistertes Publikum finden können. Gerade weil sie nicht versuchen, Bluegrass neu zu erfinden, sondern dessen ursprünglichen Charakter möglichst unverfälscht zu bewahren, nehmen sie innerhalb der internationalen Folk- und Country-Szene eine besondere Stellung ein.
Gesichert ist, dass die Band seit 2014 aktiv ist, sich konsequent dem authentischen Bluegrass der frühen 1950er Jahre verschrieben hat und europaweit auf Festivals und Tourneen auftritt. Die Einschätzung ihrer Bedeutung innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene beruht auf ihrer regelmäßigen Festivalpräsenz, positiven Resonanz in Fachmedien und ihrer internationalen Wahrnehmung.
Im August feiert das Bistro SixtyFour in Maisach sein dreijähriges Bestehen. Seit der Eröffnung hat sich das Lokal zu einem beliebten Treffpunkt in der Gemeinde Maisach entwickelt, an dem Genuss, Geselligkeit und entspannte Atmosphäre zusammenkommen. Das dreijährige Jubiläum ist ein schöner Anlass, auf drei erfolgreiche Jahre zurückzublicken und zugleich all jenen zu danken, die das SixtyFour mit Leben füllen – den Gästen ebenso wie dem Team hinter dem Bistro. So steht der August ganz im Zeichen eines kleinen, aber besonderen Maisacher Erfolgskapitels. Termin ist am Samstag, 1. August von 16-17 Uhr nur online. Der Talk dauert etwa eine Stunde und wird ab 16 Uhr live auf YouTube gestreamt. Die Adresse ist: https://www.youtube.com/@redaktion42/streams
Anschließend öffnet das Bistro ab 17:30Uhr die Türen für das große Jubiläumsfest. Die komplette Bierauswahl vom Fass gibt es reduziert zudem frischer Rollbraten & ausgewählte Speisen wie norddeutsche Frikadelle (der Gastronom beharrt auf diesen Ausdruck). Live um 19:30Uhr tritt CRIZ auf und sorgt für Stimmung pur – Rock, Pop, Blues, Soul & Country.
Es gibt Konzerte, bei denen man Musik hört. Und es gibt Konzerte, bei denen man sich danach fühlt, als hätte einem jemand das Herz einmal kräftig durchgeschüttelt, abgestaubt und wieder an den richtigen Platz gesetzt. Der Auftritt der Dropkick Murphys am 30. Juni 2026 in der Musik-Arena des Tollwood Sommerfestivals in München gehörte eindeutig zur zweiten Sorte. Schon vor dem ersten Ton lag dieses besondere Knistern in der Luft: ein Gemisch aus Vorfreude, Bierbecher, Bandshirts, Sommerabend und der stillen Gewissheit, dass hier gleich keine bloße Show beginnen würde, sondern ein kollektiver Ausbruch.
Die Dropkick Murphys sind keine Band, die höflich anklopft. Sie treten die Tür ein, nehmen dich am Kragen und ziehen dich mitten hinein in ihren wilden Kosmos aus Punkrock, irischem Folk, Arbeiterstolz, Trotz, Melancholie und unbändiger Lebensfreude. Genau das passierte auch auf dem Tollwood. Die Musik-Arena wurde nicht einfach bespielt, sie wurde übernommen. Vom ersten Moment an war da dieser Druck, dieses Rollen, dieses Stampfen: Gitarren wie offene Stromleitungen, Schlagzeug wie Maschinenraum, Dudelsack und Folk-Melodien wie der Ruf einer alten, widerspenstigen Seele. Und der Auftritt war ein massives Statement gegen Trump, denn die Band stammt nicht aus Irland oder Schottland, sondern aus den USA. Punkrock-Band kommt aus Boston, die seit den 1990er Jahren irische Folk-Tradition mit harter Punk-Energie verbindet. Dudelsack, Mandoline, treibende Gitarren und raue Chöre prägen ihren unverwechselbaren Sound. Ihre Musik klingt nach Kneipe, Arbeiterstolz, Rebellion und Gemeinschaft.
München bekam an diesem Abend keine weichgespülte Festivalunterhaltung, sondern eine Band, die immer noch weiß, woher sie kommt. Ihre Songs tragen Narben, aber sie verstecken sie nicht. Sie feiern sie. Und genau deshalb funktioniert diese Musik live so überwältigend. Wenn Tausende Stimmen gemeinsam brüllen, singen, lachen und schwitzen, wird aus einem Konzert plötzlich eine Gemeinschaft auf Zeit. Für ein paar Stunden sind Alter, Beruf, Alltag und Sorgen egal. Da stehen Menschen nebeneinander, die sich nicht kennen, und singen, als hätten sie ihr Leben lang auf diesen Moment gewartet.
Besonders stark war dieser Wechsel zwischen brachialer Energie und sentimentaler Wucht. Die Dropkick Murphys können prügeln, ohne stumpf zu werden. Sie können Pathos, ohne peinlich zu wirken. Sie können Melodie, ohne ihre Kanten abzuschleifen. In solchen Momenten verwandelte sich das Tollwood-Zelt in eine einzige bebende Bewegung.
Gerade in München passte dieser Auftritt erstaunlich gut. Das Tollwood ist ohnehin ein Ort, an dem Kultur, Haltung und Lebensfreude zusammenkommen. Die Dropkick Murphys brachten dazu den Soundtrack der Aufrechten mit: laut, kämpferisch, emotional und doch voller Wärme. Man spürte: Diese Band spielt nicht von oben herab. Sie spielt auf Augenhöhe. Sie spielt für die Leute, nicht nur vor den Leuten. Das aktuelle Motto „For the People“ war deshalb mehr als ein Albumtitel oder Konzertversprechen. Es war der Kern dieses Abends.
Natürlich ist diese Musik nicht fein ziseliert, nicht elegant, nicht zurückhaltend. Sie will es auch gar nicht sein. Sie ist ein Faustschlag auf den Tresen, eine Umarmung im Gedränge, ein Chor aus heiseren Kehlen. Wer hier Perfektion im klinischen Sinn suchte, war am falschen Ort. Wer aber erleben wollte, wie lebendig Rockmusik sein kann, wenn sie nicht glattgebügelt wird, bekam einen Abend, der lange nachhallt.
Am Ende blieb dieses seltene Gefühl zurück, das gute Konzerte auslösen können: Man geht hinaus in die Nacht und ist ein bisschen erschöpft, ein bisschen taub, aber innerlich heller als vorher. Und man hat Lust auf ein kaltes Bier. Die Dropkick Murphys haben München nicht einfach besucht. Sie haben das Tollwood für einen Abend in eine irisch-amerikanische Punkrock-Kathedrale verwandelt. Laut, ehrlich, sentimental, kämpferisch — und voller Herz. Mir hat es gefallen.
Ein Starter Start in eine neue Form eines Kulturangebots im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Im Vorfeld der Kulturnacht verwandelte sich das Kino im Rahmen des Projekts „Klassik im Kino“ in eine Konzertbühne für das musikalische Märchen „Peer Gynt“.
Präsentiert wurde das Programm vom Duo Klaviolino mit Oleksandra Zabolotna (Geige) und Kateryna Byelousowa (Klavier). Grundlage des Abends ist die berühmte Schauspielmusik von Edvard Grieg nach Motiven des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Hier die Aufzeichnung der Veranstaltung.
Peer Gynt ist eine Geschichte voller Sehnsucht, Traum und Verlorenheit. Zwischen norwegischen Bergen, dunklen Wäldern und geheimnisvollen Gestalten sucht Peer nach dem großen Leben, nach Ruhm, Freiheit und sich selbst. Doch je weiter ihn seine Abenteuer tragen, desto deutlicher wird, dass der eigentliche Zauber nicht in der Ferne liegt, sondern in der Treue eines Herzens, das auf ihn wartet. Solveig wird dabei zur stillen, leuchtenden Kraft dieser Erzählung: Sie liebt nicht laut, nicht fordernd, sondern mit einer Geduld, die stärker ist als Zeit und Irrtum. In ihrer Liebe findet Peer am Ende das, was er sein Leben lang gesucht hat – Geborgenheit, Vergebung und die zarte Gewissheit, dass ein Mensch erst dort wirklich ankommt, wo er geliebt wird. Griegs Musik verleiht dieser romantischen Reise eine unvergleichliche Schönheit: mal hell wie ein Sonnenaufgang über den Fjorden, mal geheimnisvoll wie ein Märchen aus der Tiefe der Nacht, mal innig wie ein letzter Blick zurück auf ein versäumtes Glück. Durch die Verbindung von Live-Musik und erzählter Handlung entstand ein atmosphärisches Konzerterlebnis, das klassische Musik auch für Menschen zugänglich machte, die bisher wenig Berührung mit diesem Genre hatten.
Peer Gynt passt ideal in die Populäre Musik. Hier mal ein paar Beispiele, die mir eingefallen sind: Gerade „In der Halle des Bergkönigs“ so beliebt: Das Stück funktioniert wie ein perfektes Rockprinzip: ein einfaches Riff, ständige Wiederholung, wachsender Druck, steigendes Tempo, immer mehr Lautstärke. Genau das macht auch viele Rocksongs stark. Man kann es als musikalische Verfolgungsjagd hören – Peer gerät immer tiefer in die Welt der Trolle, und die Musik verliert Schritt für Schritt die Kontrolle.
Electric Light Orchestra – „In the Hall of the Mountain King“ ELO nahm Griegs Thema auf dem Album On the Third Day auf und machte daraus eine typische Siebziger-Jahre-Mischung aus Rockband, Streichern und klassischem Pathos. Besonders reizvoll: Das Stück wirkt bei ELO weniger wie reine Klassik, sondern wie ein düsterer Progressive-Rock-Ritt mit Orchesterdramaturgie.
Savatage – „Prelude to Madness“ / „Hall of the Mountain King“ Die US-Metal-Band Savatage veröffentlichte 1987 das Album Hall of the Mountain King. Das Instrumental „Prelude to Madness“ greift Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ direkt auf und führt in den Titelsong über. Hier wird Peer Gynt endgültig heavy: bedrohlich, theatralisch, mit Metal-Gitarren und dunkler Fantasy-Atmosphäre.
The Who – „Hall of the Mountain King“ Auch The Who spielten mit dem Grieg-Motiv. Ihre Version zeigt, wie gut das Thema in den Rock der Sechziger passt: ein klassisches Motiv, das durch Gitarren, Schlagzeug und Bandenergie plötzlich frecher und roher wirkt.
Rainbow / Ritchie Blackmore – klassische Anklänge Ritchie Blackmore war immer stark von klassischer Musik beeinflusst. Auch wenn nicht jedes Zitat direkt Peer Gynt ist, passt die Ästhetik: dramatische Läufe, barocke Gesten, dunkle Märchenstimmung. Gerade im Hardrock und frühen Metal ist Griegs Bergkönig fast ein Urbild für das bedrohlich-phantastische Riff.
Trent Reznor & Atticus Ross – „In the Hall of the Mountain King“ Nicht Rock im klassischen Sinne, aber wichtig für die moderne Rock- und Industrial-Ästhetik: Für The Social Network gestalteten Trent Reznor und Atticus Ross das Stück als kalte, elektronische, bedrohliche Version. Das zeigt, wie wandelbar Griegs Motiv ist – vom Trollreich bis in die digitale Gegenwart.
Erasure – „In the Hall of the Mountain King“ Auch im Synthpop wurde das Thema aufgegriffen. Erasure zeigt eine andere Lesart: weniger Gitarrenwucht, mehr elektronische Verspieltheit. Trotzdem bleibt die Grundidee dieselbe: ein Motiv, das sich steigert, antreibt und fast zwanghaft nach vorne drängt.
Ich war neugierig auf Bob Sumners als ich die Einladung zu einem Privatkonzert nach München bekam. Bob Sumner ist ein kanadischer Sänger, Gitarrist und Songschreiber aus dem Umfeld von Americana, Folk, Country und Alt-Country. Er stammt aus dem Raum Vancouver und war lange gemeinsam mit seinem Bruder Brian als Teil der Sumner Brothers unterwegs, ehe er sich als Solokünstler ein eigenes Profil erarbeitete. Diese Herkunft hört man seiner Musik an: Sie ist verwurzelt in der Tradition nordamerikanischer Erzähllieder, aber sie klingt nicht museal oder nostalgisch. In München spielte er zusammen mit seinem Kumpel Etienne Tremblay, der ein exzellenter Gitarrist ist.
Sumner schreibt Songs, die von Beziehungen, Einsamkeit, Alkohol, Freundschaft, Sehnsucht, Verlust und der Suche nach einem Ort handeln, an dem man für einen Moment zur Ruhe kommen kann. Es ist Musik für kleine Bühnen, für aufmerksame Zuhörer und für Menschen, die in einem Lied mehr suchen als nur eine eingängige Melodie.
Sein aktuelles Album „Some Place to Rest Easy“, erschienen im September 2024, zeigt besonders deutlich, wohin Sumners musikalische Reise geht. Die Platte bewegt sich zwischen klassischem Country, Folkballade, Americana und moderner, atmosphärischer Produktion. Auf der Bandcamp-Seite zum Album wird beschrieben, dass Sumner traditionelle Elemente wie Steel Guitar, Dobro und Countrypolitan-Streicher mit ambienten Klangflächen und sogar dezenten Synthesizer-Spuren verbindet. Das ist ein wichtiger Punkt, denn Sumner klingt zwar nach einem Künstler, der George Jones, Willie Nelson oder Waylon Jennings kennt, aber er bleibt nicht einfach bei der Vergangenheit stehen. Seine Songs sind warm, erdig und oft melancholisch, aber sie besitzen zugleich eine klangliche Offenheit, die sie zeitgemäß macht.
Musikalisch lebt Sumners Werk stark von seiner Stimme. Sie ist nicht glatt, sondern trägt eine gewisse Rauheit und Lebenserfahrung in sich. Er singt mit einer Mischung aus Zärtlichkeit, Zurückhaltung und innerer Dringlichkeit. Gerade darin liegt seine Stärke: Er muss nichts übertreiben, um glaubwürdig zu sein. In Songs wie „Bridges“, „Motel Room“, „Don’t We Though“ oder „Forty Years On The Floor“ entwickelt er kleine Geschichten, die wie Momentaufnahmen aus einem Leben wirken. Da geht es um verbrannte Brücken, Nächte in Motelzimmern, brüchige Liebe, Alkohol, Reue und Erinnerungen. Americana Highways beschreibt „Bridges“ als atmosphärische Ballade mit erzählerischem Charakter und hebt Sumners Fähigkeit hervor, Geschichten nicht nur mit Texten, sondern auch mit Stimme, Gitarre und Komposition zu erzählen. 
Bemerkenswert ist, dass Sumner seine Musik nicht auf bloße Traurigkeit reduziert. Viele seiner Lieder kreisen zwar um gebrochene Herzen und schwierige Lebensphasen, doch sie haben auch Trost, Wärme und manchmal einen fast kameradschaftlichen Ton. Der Hörer sitzt nicht vor einem Künstler, der sich selbst ausstellt, sondern vor einem Erzähler, der das Scheitern kennt und trotzdem weiter singt. Genau daraus entsteht die emotionale Kraft seiner Musik. Sie erinnert an klassische Country-Songwriter, an Folk-Erzähler und an jene Americana-Künstler, die nicht auf große Gesten setzen, sondern auf Genauigkeit, Atmosphäre und Wahrhaftigkeit. Lonesome Highway ordnet seine Themen entsprechend als verletzlich und oft dunkel ein, betont aber, dass Sumner diese Stoffe feinfühlig behandelt.
Eine wichtige Rolle spielt dabei Etienne Tremblay, mit dem Sumner derzeit unterwegs ist. Tremblay ist nicht nur Begleitmusiker, sondern ein enger musikalischer Partner. Auf „Some Place to Rest Easy“ ist er unter anderem an der Leadgitarre zu hören; zudem war er an mehreren Songs beteiligt, darunter „Bridges“, „Forty Years“, „Baby I Know“ und „Familiar Feeling“. Das Zusammenspiel der beiden macht auch live den besonderen Reiz aus: Sumner bringt die Songs, die Stimme und die erzählerische Mitte mit, Tremblay öffnet den Raum mit Gitarrenlinien, die mal sparsam, mal melodisch, mal fast schwebend wirken.
Gerade in der Duo-Besetzung entfaltet diese Musik ihre Stärke. Ohne großes Bühnengetöse rücken Stimme, Text und Gitarre in den Vordergrund. Sumners Lieder brauchen keine überladene Produktion, um zu wirken; sie leben von Nuancen, vom Klang einer angeschlagenen Saite, vom Nachhall einer Zeile, vom Atem zwischen zwei Versen. Tremblays Gitarrenspiel ergänzt diese Zurückhaltung, weil es die Songs nicht überdeckt, sondern ihnen zusätzliche Farbe gibt. In dieser Form entsteht eine intime Konzertatmosphäre, die gut zu Sumners Musik passt: Man hört keine Show im üblichen Sinn, sondern Geschichten, die langsam ihre Wirkung entfalten.
Bob Sumner ist damit ein Künstler, der die Tradition des Country und Folk ernst nimmt, ohne sich von ihr einsperren zu lassen. Seine Musik hat den Staub der Straße, den Geruch von Bars und Motelzimmern, aber auch die Weite moderner Americana-Produktionen. Sie erzählt von Menschen, die etwas verloren haben, die weiterziehen müssen oder bleiben wollen, obwohl sie nicht genau wissen, wo sie hingehören. Das macht seine Songs so zugänglich und zugleich so eigenständig. Wer Bob Sumner und Etienne Tremblay live erlebt, begegnet keiner lauten Pose, sondern einem konzentrierten, fein gearbeiteten Zusammenspiel zweier Musiker, die wissen, dass ein guter Song oft mehr sagt, wenn man ihm Raum lässt. Ich war von dem Privatkonzert begeistert und kann auch das Album absolut empfehlen.
Ich war sehr gespannt, denn ich wollte Eric Slowhand Clapton endlich mal live erleben. Ich bin Clapton-Fan der Zeiten der Yardbirds, Cream, Blind Faith, Derek and the Dominos, aber auch einiger Solo-Blues-Scheiben. Also für großen Taler eine Eintrittskarte eine Karte für die Olympia-Halle gekauft und das letzte Konzert der Tour auf dem Festland angeschaut.
Vorband war ein ausgezeichneter Andy Fairweather Low, der schon lange mit Clapton und auch Roger Waters spielt. Tadelloser Mann. Als Eric Clapton die Bühne der Münchner Olympiahalle betrat, lag sofort diese eigentümliche Spannung im Raum, die nur Musiker erzeugen können, die längst größer geworden sind als ihre Songs. Achtzig Jahre alt ist Clapton inzwischen, gezeichnet von Krankheiten, Rückenschmerzen und jener Müdigkeit, die man bei vielen seiner Generation nicht mehr übersehen kann – und doch steht da noch immer dieser Mann mit der Stratocaster, der für mehrere Generationen der Inbegriff des eleganten Bluesrocks geblieben ist. Schon der erste Ton machte klar: Hier geht es nicht mehr um Spektakel. Nicht um gigantische Bühnenbilder oder die verzweifelte Jagd nach Jugendlichkeit. Clapton spielte in München kein Konzert, er zelebrierte ein musikalisches Vermächtnis.
Und genau darin lag die Größe dieses Abends – aber auch seine Schwäche. Denn emotional war das Konzert stellenweise überwältigend. Wenn Clapton in „Tears in Heaven“ jede Note beinahe vorsichtig anschlug, schien die riesige Halle plötzlich still zu atmen. Da war keine pathetische Inszenierung, keine kalkulierte Sentimentalität. Nur diese fragile Stimme, die längst brüchig geworden ist und gerade deshalb glaubwürdig wirkt. Man hörte einem alten Mann zu, der nicht mehr versucht, gegen die Zeit anzusingen. Diese Ehrlichkeit hatte etwas Berührendes. Viele Künstler altern auf der Bühne peinlich. Clapton altert sichtbar – und gerade dadurch würdevoll.
Auch musikalisch blieb er in vielen Momenten unerreichbar. Seine Soli wirkten nie protzig, nie eitel. Während andere Gitarrenhelden ihres Formats jeden Song zur Technikdemonstration aufblasen, spielte Clapton reduziert, fast stoisch. Gerade bei Bluesstücken zeigte sich, warum sein Spitzname „Slowhand“ bis heute funktioniert: Er braucht keine Geschwindigkeit, um Intensität zu erzeugen. Jede Phrase saß. Jeder Bend erzählte mehr als ganze Alben jüngerer Virtuosen. Aber die Zeiten von Clapton is God sind vorbei.
Und dennoch blieb nach knapp zwei Stunden ein seltsamer Beigeschmack zurück. Denn so meisterhaft das Konzert klang, so wenig Risiko steckte darin. Die Setlist wirkte über weite Strecken wie ein routinierter Rückblick auf ein Lebenswerk, das man längst auswendig kennt. Natürlich jubelte die Halle bei „Layla“, natürlich funktionierten „Golden Ring“ oder „Cocaine“ noch immer. Aber genau darin lag das Problem: Vieles fühlte sich beinahe zu perfekt eingeübt an, zu kontrolliert, zu sicher. Man spürte selten echte Überraschung oder spontane Explosionen. Clapton spielte wie jemand, der nichts mehr beweisen muss – was menschlich verständlich ist, musikalisch aber manchmal etwas steril wirkte.
Besonders auffällig war dabei die Distanz zum Publikum. Clapton sprach kaum, lächelte selten, ließ Song auf Song folgen. Während andere Altmeister ihre Konzerte inzwischen fast wie autobiografische Erzählungen gestalten, blieb er kühl und zurückgenommen. Vielleicht hat Clapton dies von seinem alten Kumpel Dylan gelernt, der keine Silbe auf der Bühne äußert. Das kann man als britische Noblesse interpretieren. Man kann es aber auch als emotionale Barriere empfinden. Die Olympiahalle feierte ihn bedingungslos, doch zwischen Bühne und Publikum entstand nie ganz jene magische Nähe, die große Konzerte unvergesslich macht.
Vielleicht liegt genau darin mittlerweile die Tragik Eric Claptons. Er ist einer der letzten Giganten seiner Epoche, aber seine Musik wirkt heute oft wie aus einer anderen Zeit konserviert. Der Blues, den er spielt, besitzt Würde, Wärme und handwerkliche Vollkommenheit – aber manchmal fehlt ihm die Dringlichkeit. Der Schmerz ist noch da, die Wut nicht mehr. Selbst die stärkeren elektrischen Momente blieben kontrolliert, beinahe geschniegelt. Nichts geriet außer Kontrolle. Nichts brannte wirklich.
Und trotzdem: Als am Ende die letzten Akkorde verklungen waren, erhob sich die Olympiahalle beinahe geschlossen. Nicht nur aus Begeisterung, sondern auch aus Respekt. Man applaudierte nicht einfach einem Konzert, sondern einem Musiker, dessen Karriere seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil der Rockgeschichte ist. Vielleicht war dieser Abend deshalb weniger ein Triumph als ein melancholischer Abschied von einer Ära. Eric Clapton zeigte in München keinen jungen, wilden Bluesrocker mehr. Er zeigte einen alten Meister, der gelernt hat, mit leisen Tönen zu altern.
Und genau deshalb wird dieses Konzert vielen länger im Gedächtnis bleiben als manch lautere, spektakulärere Show. Ich war dankbar ihn nochmal gesehen zu haben und das war mir sehr wichtig.