Posts Tagged ‘Rocklegende’

Der letzte große Blues: Eric Claptons leiser Abschied in München

22. Mai 2026

Ich war sehr gespannt, denn ich wollte Eric Slowhand Clapton endlich mal live erleben. Ich bin Clapton-Fan der Zeiten der Yardbirds, Cream, Blind Faith, Derek and the Dominos, aber auch einiger Solo-Blues-Scheiben. Also für großen Taler eine Eintrittskarte eine Karte für die Olympia-Halle gekauft und das letzte Konzert der Tour auf dem Festland angeschaut.

Vorband war ein ausgezeichneter Andy Fairweather Low, der schon lange mit Clapton und auch Roger Waters spielt. Tadelloser Mann.
Als Eric Clapton die Bühne der Münchner Olympiahalle betrat, lag sofort diese eigentümliche Spannung im Raum, die nur Musiker erzeugen können, die längst größer geworden sind als ihre Songs. Achtzig Jahre alt ist Clapton inzwischen, gezeichnet von Krankheiten, Rückenschmerzen und jener Müdigkeit, die man bei vielen seiner Generation nicht mehr übersehen kann – und doch steht da noch immer dieser Mann mit der Stratocaster, der für mehrere Generationen der Inbegriff des eleganten Bluesrocks geblieben ist. Schon der erste Ton machte klar: Hier geht es nicht mehr um Spektakel. Nicht um gigantische Bühnenbilder oder die verzweifelte Jagd nach Jugendlichkeit. Clapton spielte in München kein Konzert, er zelebrierte ein musikalisches Vermächtnis.

Und genau darin lag die Größe dieses Abends – aber auch seine Schwäche. Denn emotional war das Konzert stellenweise überwältigend. Wenn Clapton in „Tears in Heaven“ jede Note beinahe vorsichtig anschlug, schien die riesige Halle plötzlich still zu atmen. Da war keine pathetische Inszenierung, keine kalkulierte Sentimentalität. Nur diese fragile Stimme, die längst brüchig geworden ist und gerade deshalb glaubwürdig wirkt. Man hörte einem alten Mann zu, der nicht mehr versucht, gegen die Zeit anzusingen. Diese Ehrlichkeit hatte etwas Berührendes. Viele Künstler altern auf der Bühne peinlich. Clapton altert sichtbar – und gerade dadurch würdevoll.

Auch musikalisch blieb er in vielen Momenten unerreichbar. Seine Soli wirkten nie protzig, nie eitel. Während andere Gitarrenhelden ihres Formats jeden Song zur Technikdemonstration aufblasen, spielte Clapton reduziert, fast stoisch. Gerade bei Bluesstücken zeigte sich, warum sein Spitzname „Slowhand“ bis heute funktioniert: Er braucht keine Geschwindigkeit, um Intensität zu erzeugen. Jede Phrase saß. Jeder Bend erzählte mehr als ganze Alben jüngerer Virtuosen. Aber die Zeiten von Clapton is God sind vorbei.

Und dennoch blieb nach knapp zwei Stunden ein seltsamer Beigeschmack zurück. Denn so meisterhaft das Konzert klang, so wenig Risiko steckte darin. Die Setlist wirkte über weite Strecken wie ein routinierter Rückblick auf ein Lebenswerk, das man längst auswendig kennt. Natürlich jubelte die Halle bei „Layla“, natürlich funktionierten „Golden Ring“ oder „Cocaine“ noch immer. Aber genau darin lag das Problem: Vieles fühlte sich beinahe zu perfekt eingeübt an, zu kontrolliert, zu sicher. Man spürte selten echte Überraschung oder spontane Explosionen. Clapton spielte wie jemand, der nichts mehr beweisen muss – was menschlich verständlich ist, musikalisch aber manchmal etwas steril wirkte.

Besonders auffällig war dabei die Distanz zum Publikum. Clapton sprach kaum, lächelte selten, ließ Song auf Song folgen. Während andere Altmeister ihre Konzerte inzwischen fast wie autobiografische Erzählungen gestalten, blieb er kühl und zurückgenommen. Vielleicht hat Clapton dies von seinem alten Kumpel Dylan gelernt, der keine Silbe auf der Bühne äußert. Das kann man als britische Noblesse interpretieren. Man kann es aber auch als emotionale Barriere empfinden. Die Olympiahalle feierte ihn bedingungslos, doch zwischen Bühne und Publikum entstand nie ganz jene magische Nähe, die große Konzerte unvergesslich macht.

Vielleicht liegt genau darin mittlerweile die Tragik Eric Claptons. Er ist einer der letzten Giganten seiner Epoche, aber seine Musik wirkt heute oft wie aus einer anderen Zeit konserviert. Der Blues, den er spielt, besitzt Würde, Wärme und handwerkliche Vollkommenheit – aber manchmal fehlt ihm die Dringlichkeit. Der Schmerz ist noch da, die Wut nicht mehr. Selbst die stärkeren elektrischen Momente blieben kontrolliert, beinahe geschniegelt. Nichts geriet außer Kontrolle. Nichts brannte wirklich.

Und trotzdem: Als am Ende die letzten Akkorde verklungen waren, erhob sich die Olympiahalle beinahe geschlossen. Nicht nur aus Begeisterung, sondern auch aus Respekt. Man applaudierte nicht einfach einem Konzert, sondern einem Musiker, dessen Karriere seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil der Rockgeschichte ist. Vielleicht war dieser Abend deshalb weniger ein Triumph als ein melancholischer Abschied von einer Ära. Eric Clapton zeigte in München keinen jungen, wilden Bluesrocker mehr. Er zeigte einen alten Meister, der gelernt hat, mit leisen Tönen zu altern.

Und genau deshalb wird dieses Konzert vielen länger im Gedächtnis bleiben als manch lautere, spektakulärere Show. Ich war dankbar ihn nochmal gesehen zu haben und das war mir sehr wichtig.

Warten auf Pink Floyd: Live at Pompeii – MCMLXXII

21. April 2025

Am 2. Mai 2025 hat das Warten ein Ende. Die neue Version des Konzerts „Pink Floyd: Live at Pompeii MCMLXXII“ aus dem Jahr 1971 erscheint in aufgepäppelter Form als CD-Album, Vinyl und Film.

Das Konzert von 4. bis 7. Oktober 1971 ist ein Höhepunkt der Musik- und Filmgeschichte. Es war nicht nur ein Musikerlebnis, sondern auch ein innovatives audiovisuelles Experiment, das die Grenzen traditioneller Konzertfilme sprengte. Gerade das gefällt mir an dem Film und im Grunde ist es ein frühes MTV-Video. Die Erstveröffentlichung war am 2. September 1972.

Unter der Regie von Adrian Maben wurde das Konzert ohne Publikum in den Ruinen des antiken römischen Amphitheaters von Pompeji aufgezeichnet – ein Schauplatz, der sowohl visuell als auch symbolisch eine einzigartige Atmosphäre schuf.

Ein Konzert ohne Publikum
Eines der interessantesten Elemente des Konzerts war das Fehlen eines Publikums. Pink Floyd spielte allein in der monumentalen Kulisse von Pompeji, wodurch die Musik und die Umgebung in den Vordergrund rückten. Diese Entscheidung hob sich deutlich von anderen Live-Aufnahmen ab, die oft auf die Energie und Interaktion mit einem Publikum setzten. Stattdessen entstand ein intimes und fast meditatives Erlebnis, bei dem die Klänge der Band mit der zeitlosen Stille der antiken Ruinen verschmolzen.

Technologische Innovation
Die Produktion des Films war für die damalige Zeit technisch anspruchsvoll. Pink Floyd bestand darauf, ausschließlich live zu spielen, ohne Playback. Dies erforderte den Einsatz leistungsstarker Aufnahmegeräte und Technik, darunter lange Stromkabel, die quer durch Pompeji verlegt wurden, um das Equipment zu versorgen. Natürlich gab es mit der Stromversorgung Pannen, aber zum Glück gelang es schließlich doch. Die Aufnahmen fanden sowohl bei Tageslicht als auch nachts statt, was visuell beeindruckende Kontraste schuf. Besonders möchte ich ist das Stück „Echoes“ hervorheben, das mit seinen hypnotischen Klängen und dynamischen Kamerafahrten eine perfekte Symbiose aus Bild und Ton darstellt.

Symbolik und Atmosphäre
Die Wahl von Pompeji als Ort des Konzerts war nicht zufällig. Die Ruinenstadt, die durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. zerstört wurde, symbolisiert Vergänglichkeit und Ewigkeit zugleich. Diese Themen spiegeln sich auch in Pink Floyds Musik wider, die oft existenzielle Fragen und kosmische Dimensionen behandelt. Die leeren Tribünen des Amphitheaters und die monumentalen Steine verstärkten den Eindruck einer zeitlosen Performance, während die Band selbst wie eine Art musikalischer Chronist wirkte.

Musikalische Höhepunkte
Der Film enthält einige der bekanntesten Stücke der Band, darunter „Echoes“, „A Saucerful of Secrets“ und „Careful with That Axe, Eugene“. Diese Songs zeigen Pink Floyd auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Phase, bevor sie mit „The Dark Side of the Moon“ weltweiten Ruhm erlangten. Besonders „Echoes“ wird oft als Meisterwerk betrachtet: Mit seiner Länge von über 20 Minuten entfaltet es eine epische Struktur, die perfekt zur majestätischen Kulisse passt. Eigentlich ist es ja ein Film über die Band, aber die meiste Screenzeit hat wohl Drummer Nick Mason, der mit langem Haar seine Schießbude bearbeitet und dabei auch mal den Drumstick verliert und ihn professionell durch einen neuen ersetzt ohne aus dem Rhythmus zu kommen.

Einfluss auf spätere Werke
„Live at Pompeii“ war nicht nur ein künstlerisches Experiment, sondern auch ein Vorbote für zukünftige audiovisuelle Produktionen. Der Film beeinflusste zahlreiche Künstler und setzte neue Maßstäbe für Konzertfilme. Jahrzehnte später kehrte David Gilmour, Gitarrist von Pink Floyd, nach Pompeji zurück und spielte dort allerdings vor Publikum – eine Hommage an das ursprüngliche Projekt.

Verschiedene Versionen
Meine erste Version des Konzerts hatte ich auf Laserdisc von 1982. Die PAL-Bildplatte hatte 58 Minuten und lief im Player früher rauf und runter.

Im Jahre 2003 kaufte ich mir den Directors Cut auf DVD, wobei das Konzert auch 58 Minuten Dauerte und mit einem Interview mit Regisseur Adrian Maben von 20 Minuten ergänzt wurde, der sich auch zu Dark Side äußerte.

Richtig überarbeitet wurde das Konzert dann für die Pink Floyd Box The early years 1965-1972. Hier gab es 2016 den Film mit fünf Songs überarbeitet und der Ton war ein 5.1 Audio Mix.

Auf die neue Version bin ich sehr gespannt, denn eigentlich war ich mit dem Klang der Version von 2016 sehr zufrieden. Die 5.1 Surround Sound Mischung für den Konzertfilm „Pink Floyd: Live at Pompeii“ wurde mit modernsten Techniken erstellt, um die ursprüngliche Atmosphäre des Films zu bewahren und gleichzeitig die Klangqualität erheblich zu verbessern. Ursprünglich wurde der Ton des Films mit einem 8-Kanal-Mischpult aufgenommen, was für die damalige Zeit eine fortschrittliche Methode darstellte. Die Mehrspurmischung wurde später im Studio de Boulogne in Paris überarbeitet, wobei zusätzliche Spuren hinzugefügt wurden, um die Klangtiefe zu erhöhen. Toningenieure wie Charles B. Raucher arbeiteten daran, die Musik und Soundeffekte auf der Original-Tonspur zu optimieren. Für die jüngste Restaurierung des Films wurde Steven Wilson beauftragt, den Soundtrack in 5.1 Surround Sound und Dolby Atmos neu zu mischen. Sein Ziel war es, den Klang so authentisch wie möglich zu gestalten und dabei die Tiefe und Klarheit der Aufnahme zu maximieren. Wilson nutzte fortschrittliche Technologien, um die räumliche Dimension der Musik hervorzuheben und eine immersive Hörerfahrung zu schaffen, die den Eindruck vermittelt, direkt bei der Aufnahme in Pompeji dabei zu sein. Der neue Mix kombiniert präzise direktionale Effekte mit einem kräftigen Bassfundament, wodurch die Musik lebendig und dynamisch wirkt.

Die restaurierte Version des Films „Pink Floyd: Live at Pompeii“ in 4K wurde durch eine hochpräzise Abtastung der originalen analogen Filmrollen erstellt. Dieser Prozess beginnt mit der Digitalisierung des Original-Kameranegativs, das die höchstmögliche Bildqualität und feine Details enthält. Mithilfe 4K-Scanner wird das Filmmaterial Bild für Bild mit extrem hoher Auflösung erfasst, wodurch die ursprünglichen Farben, Kontraste und Texturen erhalten bleiben und gleichzeitig digitale Artefakte vermieden werden. Im Netz gibt es bereits Farbvergleiche beispielsweise beim Keyboardspiel von Richard Wright.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass analoge Filmnegative oft mehr Details bieten, als frühere digitale Formate wie SD oder HD darstellen konnten. Durch die Abtastung in 4K wird die Qualität des Originalmaterials optimal genutzt, was zu einer deutlich verbesserten Bildschärfe und Farbgenauigkeit führt. Nach der Digitalisierung wird das Material sorgfältig restauriert, um Schäden wie Kratzer oder Verfärbungen zu beheben. Anschließend erfolgt die Farbkorrektur und das Mastering für moderne Wiedergabeformate wie Blu-ray oder Streaming-Plattformen.

Dieser Prozess stellt sicher, dass selbst ältere Filme wie „Live at Pompeii“ in einer Qualität präsentiert werden können, die den aktuellen Standards entspricht und die ursprüngliche visuelle Ästhetik bewahrt.