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Stonehenge-Ausstellung: Ein Monument, das Menschen zusammenbrachte

27. September 2026

Die Stonehenge-Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München entführt die Besucher rund 5.000 Jahre zurück in die faszinierende Welt eines der berühmtesten Monumente der Menschheitsgeschichte. Archäologische Funde, Rekonstruktionen, digitale Vermittlung und Videoinstallationen zeigen Stonehenge nicht als isolierten Steinkreis, sondern als Teil einer weitläufigen prähistorischen Kulturlandschaft. Besonders spannend ist der europäische Blickwinkel: Funde aus Bayern verdeutlichen, dass die Menschen jener Zeit über große Entfernungen miteinander verbunden waren. Eine anschauliche Ausstellung für Archäologie-Fans ebenso wie für Familien und neugierige Entdecker.

Ich habe mir in Ruhe die Ausstellung in München angeschaut, viel gesehen, viel gelesen und viel nachgedacht. Hier ein Rundgang in VR 360.

Mehr als 50 Jahre arbeitet Prof. Mike Parker Pearson als Archäologe, geforscht hat er in zahlreichen Teilen der Welt. Ausgerechnet Stonehenge gehörte lange Zeit nicht zu den Orten, an denen der Professor für jüngere britische Vorgeschichte am Institute of Archaeology des University College London unbedingt arbeiten wollte. Mit einem Augenzwinkern erklärte er bei seinem Vortrag anlässlich der Stonehenge-Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München auch warum: Stonehenge ziehe schließlich „einige sehr seltsame Leute an – britische Exzentriker aller Art“.

Dass Parker Pearson schließlich doch zu einem der bedeutenden Stonehenge-Forscher wurde, verdankt sich ausgerechnet seiner Arbeit in Madagaskar. Dort untersuchte er gemeinsam mit seinem madagassischen Kollegen Ramiri Salina Megalithen. Anders als in Europa ist das Errichten großer Steine dort keine längst verschwundene Tradition. Noch heute werden solche Monumente geschaffen.

Als Parker Pearson seinem Kollegen bei einem Besuch in Großbritannien Stonehenge zeigte und eingestand, dass man nicht genau wisse, welchem Zweck die Anlage einst gedient habe, reagierte dieser erstaunt: „Was meinst du damit, ihr wisst nicht, wofür es da ist? Hast du bei unserer gemeinsamen Arbeit über Megalithen nichts gelernt?“

Sein Kollege verwies auf eine grundlegende Unterscheidung in Madagaskar: „Für die Ahnen bauen wir aus Stein. Denn Stein ist dauerhaft, ewig – wie die Ahnen. Für die Häuser und die Lebenswelt der Lebenden bauen wir aus Holz.“

Für Parker Pearson war dies ein Schlüsselmoment. Denn unweit von Stonehenge befinden sich mit Woodhenge und den Anlagen von Durrington Walls auch die Überreste großer Holzkreise. Daraus entstand die Frage, ob Stein und Holz auch dort unterschiedliche Welten symbolisierten: Stonehenge als Ort der Ahnen und Toten, die Holzanlagen dagegen als Orte der Lebenden.

Die Toten in Stonehenge, die Lebenden in Durrington Walls
Ab 2003 führte Parker Pearsons Team über sechs Jahre hinweg umfangreiche Ausgrabungen durch. Die Ergebnisse stützten die ursprüngliche Überlegung erstaunlich deutlich. In Stonehenge fanden die Archäologen Brandbestattungen. Im Umfeld der Holzkreise kamen dagegen Häuser, Tierknochen und zahlreiche Hinterlassenschaften großer gemeinschaftlicher Mahlzeiten zum Vorschein – Spuren des alltäglichen Lebens und offenbar großer Zusammenkünfte.

Neue naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden veränderten das Bild zusätzlich. Isotopenanalysen ermöglichten es, die Herkunft von Menschen und Tieren zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass Stonehenge kein Monument einer kleinen, isolierten Gemeinschaft gewesen sein dürfte. Menschen kamen aus weit entfernten Regionen Britanniens dorthin. „Wir entdeckten, dass Stonehenge ein gewaltiges Einzugsgebiet hatte. Die Menschen kamen aus ganz unterschiedlichen Teilen Britanniens“, erklärte Parker Pearson.

Parallel dazu eröffneten genetische Untersuchungen neue Einblicke in die Bevölkerungsgeschichte. Die Menschen, die Stonehenge errichteten, gehörten zu bäuerlichen Bevölkerungsgruppen, die frühere Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften weitgehend abgelöst hatten. Später kam es erneut zu tiefgreifenden Veränderungen durch Bevölkerungsgruppen, die sich über weite Teile Europas ausbreiteten und mit der Glockenbecherkultur verbunden werden.

Damit wird Stonehenge für Parker Pearson auch zu einem Teil einer europäischen Geschichte. Gerade deshalb sei es von besonderem Wert, dass die Münchner Ausstellung archäologische Funde aus der Region einbezieht und damit Verbindungen zur Glockenbecherzeit in Mitteleuropa sichtbar macht.

Steine aus Hunderten Kilometern Entfernung
Besonders spektakulär sind für Parker Pearson die jüngsten geologischen Erkenntnisse. Die Steine von Stonehenge stammen nicht einfach aus der unmittelbaren Umgebung. Selbst die großen Sarsensteine wurden über beträchtliche Entfernungen transportiert. Die sogenannten Blausteine kamen aus Wales und legten mehr als 200 Kilometer zurück.

Noch erstaunlicher ist die Herkunft des sogenannten Altarsteins im Zentrum der Anlage. Untersuchungen ergaben, dass sein Gestein aus dem Norden Schottlands stammt – rund 900 Kilometer von Stonehenge entfernt. „Keiner der Steine von Stonehenge stammt von dort“, fasste Parker Pearson die Erkenntnisse pointiert zusammen.

Damit verändert sich auch die Frage nach der Bedeutung des Monuments. Entscheidend ist nicht allein, wie Menschen vor rund 5.000 Jahren tonnenschwere Steine bewegten. Ebenso wichtig ist die Frage, warum sie Gestein aus weit entfernten Landschaften zusammentrugen.

Für Parker Pearson liegt genau darin möglicherweise eines der großen Geheimnisse von Stonehenge. Das Monument könnte Ausdruck eines außergewöhnlichen gesellschaftlichen Vorgangs gewesen sein, bei dem Menschen, Materialien und möglicherweise auch Traditionen aus verschiedenen Teilen Britanniens zusammengeführt wurden.

„Es geht darum, Menschen und Ressourcen – und ganz besonders Steine – aus allen Teilen der Insel Großbritannien zusammenzubringen, vielleicht in einem großen Akt der Vereinigung.“

Damit formuliert Parker Pearson eine Interpretation, die sich deutlich von der populären Vorstellung eines geheimnisvollen Tempels absetzt. Für ihn steht weniger ein einzelner religiöser Zweck im Mittelpunkt als die gesellschaftliche Dimension des Bauwerks.

Sein prägnantes Fazit lautet: „Es ist kein Tempel. Es ist vielmehr ein Monument für ein außergewöhnliches Ereignis und außergewöhnliche Menschen vor fünf- bis viereinhalbtausend Jahren.“

Stonehenge als europäische Geschichte
Die Ausstellung in München versucht diese neuen Erkenntnisse nicht nur wissenschaftlich zu vermitteln, sondern räumlich und anschaulich erfahrbar zu machen. Parker Pearson würdigte dabei ausdrücklich die gestalterische Umsetzung. Dem Ausstellungsgestalter sei es gelungen, „mein archäologisches Wissen in eine dreidimensionale Realität zu verwandeln“ – und zwar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Gerade die Verbindung mit Funden aus Bayern erweitert den Blick. Stonehenge erscheint dadurch nicht als isoliertes britisches Weltwunder, sondern als Teil einer Epoche, in der Menschen, Ideen, Materialien und kulturelle Traditionen über enorme Entfernungen hinweg miteinander verbunden waren.

Vielleicht liegt darin tatsächlich ein Schlüssel zum Verständnis dieses bis heute faszinierenden Ortes: Stonehenge erzählt nicht nur von gewaltigen Steinen. Es erzählt von Menschen, die enorme Anstrengungen auf sich nahmen, um etwas Gemeinsames zu schaffen – ein Monument aus verschiedenen Landschaften für eine Gemeinschaft, deren Verbindungen offenbar weit über den Horizont der Salisbury Plain hinausreichten.

Für ein ganzes Jahr rückt der geheimnisvolle Steinkreis im Süden Englands in den Mittelpunkt
Bei der Eröffnung unterstrich Prof. Dr. Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung, die besondere Bedeutung der Schau. Dass die Ausstellung ein Jahr lang zu sehen sein wird, bezeichnete er zugleich als „Zeichen der Nachhaltigkeit“, denn das Museum wolle Ausstellungen nicht mehr in allzu kurzen Abständen wechseln. Den Besucherinnen und Besuchern werde dadurch ausreichend Gelegenheit gegeben, sich intensiv mit Stonehenge und seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung führt dabei weit über das bekannte Bild der mächtigen Steine hinaus. Stonehenge wird in den Zusammenhang einer ganzen prähistorischen Landschaft gestellt. Über lange Zeit hatten unterschiedliche Theorien die Wahrnehmung des Monuments geprägt. Besonders populär war die Vorstellung eines vorgeschichtlichen Observatoriums. Die moderne Archäologie zeichnet heute ein wesentlich komplexeres Bild und betrachtet nicht nur den Steinkreis selbst, sondern die ihn umgebende Kulturlandschaft mit ihren Siedlungs- und Bestattungsplätzen.

Gebhard erinnerte zugleich daran, dass die Faszination für Stonehenge keineswegs eine moderne Erscheinung ist. Bereits im Mittelalter versuchten Menschen, sich die Herkunft der gewaltigen Steine zu erklären. Im 13. Jahrhundert wurden Geschichten um den Zauberer Merlin und sogar um Riesen mit Stonehenge verbunden. Für Gebhard reicht die Beschäftigung mit dem Monument damit von einer Art früher, fantasievoller „Urarchäologie Stonehenge“ bis zur modernen Forschung.

Heute haben naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden viele dieser Spekulationen abgelöst. Moderne Archäologie versucht, Herkunft, Alter und Bedeutung der Funde mit wissenschaftlichen Methoden zu rekonstruieren. Die Ausstellung macht damit auch deutlich, wie sich archäologische Forschung im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

Gebhard zeigte sich bei der Eröffnung besonders zufrieden damit, wie sich die Schau in die neuen Räumlichkeiten der Archäologischen Staatssammlung einfügt: „Die Ausstellung ist wirklich toll“, sagte der Direktor und versprach den Gästen: „Sie werden fasziniert sein, wie man in unserem tollen neuen Ausstellungssaal diese Ausstellung einbetten konnte.“

Blume ist sehr stolz und glücklich
Auch Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, MdL, stellte die internationale Bedeutung der Ausstellung heraus. Dass die Schau nach Bayern gekommen sei und hier erstmals in Mitteleuropa gezeigt werde, mache ihn „sehr stolz und glücklich“. Besonders freue ihn, dass eine Ausstellung dieser Größenordnung in der renovierten Archäologischen Staatssammlung präsentiert werden könne.

Mit einem augenzwinkernden Satz brachte Blume seine Begeisterung auf den Punkt: „Ich hätte es auch nicht erwartet, dass ich mal hier als bayerischer Kunstminister stehen kann und sagen darf: Stonehenge wird bayerisch.“

Hinter diesem humorvollen Ausspruch steht jedoch ein ernsthafter wissenschaftlicher Gedanke. Stonehenge dürfe nicht ausschließlich als britisches Phänomen betrachtet werden. Neuere Forschungen zeigen vielmehr, wie weitreichend die Verbindungen der damaligen Gesellschaften waren. „Die Geschichte von Stonehenge ist eine sehr, sehr frühe europäische Geschichte“, betonte Blume. Unterschiedliche Kulturen hätten miteinander in Verbindung gestanden, es habe Austausch und weitreichende Kontakte gegeben.

Damit schlägt die Münchner Ausstellung bewusst eine Brücke nach Mitteleuropa und Bayern. Archäologische Funde aus dem Freistaat zeigen, dass auch hier vor Jahrtausenden Gesellschaften existierten, die zu bemerkenswerten kulturellen und technischen Leistungen fähig waren. Stonehenge wird dadurch nicht als isoliertes Monument auf einer fernen britischen Insel präsentiert, sondern in einen größeren europäischen Zusammenhang eingeordnet.

Blume griff dieses Zusammenspiel mit einem weiteren Wortspiel auf: „Zumindest mit dieser Ausstellung wird Stonehenge bayerisch.“ Umgekehrt zeige die Schau aber auch, „dass Bayern auch Stonehenge kann – jedenfalls ausstellungsmäßig“.

Für den Minister unterstreicht die Sonderausstellung zugleich die internationale Bedeutung der Archäologischen Staatssammlung. Sie sei ein attraktiver Partner für anspruchsvolle Ausstellungsprojekte und verfüge nach ihrer Wiedereröffnung über hervorragende Möglichkeiten zeitgemäßer Präsentation und Vermittlung. Blume zeigte sich überzeugt, dass Stonehenge das Potenzial zu einem „absoluten Publikumsrenner“ habe. Schließlich liege eine besondere Faszination in der Frage, wozu Menschen bereits vor rund 4.000 bis 5.000 Jahren in der Lage waren.

Dabei bleibt es nicht bei klassischen Vitrinen und archäologischen Exponaten. Videoinstallationen, digitale Vermittlungsformen und ein umfangreiches Begleitprogramm sollen unterschiedliche Zielgruppen erreichen. „Vom Anfänger bis zum Kenner“ sei etwas dabei, betonte Blume. Insbesondere Kinder und Familien sollen spielerisch Zugang zur Vorgeschichte erhalten – bis hin zur Möglichkeit, selbst einen Steinkreis nachzubauen.

Mit viel Humor stellte sich Blume bereits vor, wie Archäologen in ferner Zukunft über solche Hinterlassenschaften rätseln könnten. Vielleicht müsse man vorsichtshalber eine Plakette anbringen, damit spätere Generationen wissen, „dass es nur ein Mitmachprojekt der Archäologischen Staatssammlung war“.

Die Eröffnung machte damit deutlich, welchen Anspruch die Ausstellung verfolgt: Stonehenge soll nicht allein als ikonische Ansammlung monumentaler Steine präsentiert werden. Die Schau möchte eine längst vergangene Welt wieder sichtbar machen und zugleich zeigen, wie moderne Archäologie unser Bild dieser Welt immer wieder verändert. Vor allem aber rückt sie Stonehenge aus der vermeintlichen Isolation heraus und stellt das Monument in einen europäischen Zusammenhang. Oder, um es mit Markus Blume zu sagen: „Stonehenge wird bayerisch.“

Zwischen Bierfass und Wiesn-Geschichte – der PresseClub München zu Gast im Bier- und Oktoberfestmuseum

21. September 2026

Wer München verstehen will, kommt am Bier nicht vorbei. Und wer verstehen möchte, warum das Oktoberfest weit mehr ist als eine riesige Veranstaltung mit Festzelten, Maßkrügen und Fahrgeschäften, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. Genau das tat der PresseClub München bei einer Exkursion durch das Bier- und Oktoberfestmuseum. Mitten in der Münchner Altstadt führte die Reise durch Jahrhunderte bayerischer Bierkultur und mehr als zwei Jahrhunderte Wiesn-Geschichte.

Schon der Ort selbst ist ein Erlebnis. Das Museum befindet sich in einem historischen Bürgerhaus in der Sterneckerstraße 2, nur wenige Schritte vom Isartor entfernt. Wer das Gebäude betritt, merkt schnell, dass hier kein steriler Museumsneubau auf seine Besucher wartet. Enge Treppen, alte Balken, niedrige Räume und verwinkelte Gänge schaffen eine Atmosphäre, in der die Geschichte beinahe körperlich spürbar wird. Das Haus gehört zu den älteren erhaltenen Bürgerhäusern Münchens und bildet damit einen geradezu idealen Rahmen für die Geschichte des Münchner Bieres. Hier das Video von der Exkursion.

Für die Mitglieder des PresseClubs München war die Führung deshalb mehr als ein klassischer Museumsbesuch. Sie wurde zu einem Streifzug durch Münchner Stadt-, Alltags- und Wirtschaftsgeschichte. Denn Bier war über Jahrhunderte nicht einfach nur ein Getränk. Es war Lebensmittel, Handelsware, Steuerquelle, Wirtschaftsfaktor und nicht zuletzt ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Begegnung.

Bier erzählt Stadtgeschichte
Die Ausstellung macht deutlich, wie eng die Entwicklung Münchens mit seiner Braukultur verbunden ist. Brauereien prägten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt. Wirtshäuser waren Treffpunkte, Kommunikationsorte und bisweilen auch politische Räume. Hier wurde gegessen, getrunken, diskutiert und gestritten. Nachrichten wurden ausgetauscht, Geschäfte angebahnt und Meinungen gebildet.

Gerade für Journalistinnen und Journalisten besitzt diese Seite der Wirtshauskultur einen besonderen Reiz. Lange bevor Nachrichten über Smartphones, soziale Netzwerke und Nachrichtenticker verbreitet wurden, waren Gasthäuser wichtige Orte der mündlichen Kommunikation. Wer wissen wollte, was in der Stadt geschah, konnte dort einiges erfahren. Stammtische waren gewissermaßen soziale Netzwerke einer analogen Zeit – mit allen Vor- und Nachteilen.

Historische Objekte, Krüge, Flaschen, Werbemittel, Fotografien und Dokumente lassen im Museum die Welt der Münchner Brauereien wieder lebendig werden. Dabei wird auch sichtbar, wie sich das Erscheinungsbild des Bieres wandelte. Markenbildung und Werbung wurden zunehmend wichtiger. Aus lokalen Brauereien entstanden Unternehmen, deren Namen weit über München hinaus bekannt wurden.

Ein zentrales Thema ist natürlich das Bayerische Reinheitsgebot. Es steht bis heute wie kaum eine andere Vorschrift für die Wahrnehmung bayerischer Bierkultur. Die Ausstellung ordnet solche Traditionen in ihren historischen Zusammenhang ein und zeigt, dass hinter der Geschichte des Bieres immer auch Fragen nach Rohstoffen, Qualität, Herstellung, Handel und staatlicher Regulierung stehen.

Vom Hochzeitsfest zum größten Volksfest der Welt
Der zweite große Schwerpunkt des Museums widmet sich dem Oktoberfest. Seine Geschichte beginnt 1810 mit der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig, des späteren Königs Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Feierlichkeiten endeten mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens.

Der Ort trägt bis heute den Namen der Braut: Theresienwiese.
Aus einem einmaligen Fest entwickelte sich eine Tradition. Jahr für Jahr veränderte sich das Oktoberfest, wurde größer, professioneller und spektakulärer. Aus dem Pferderennen und Volksfest entstand schließlich jenes Ereignis, das heute weltweit mit München verbunden wird.

Das Museum zeigt anschaulich, dass die Wiesn niemals eine statische Veranstaltung war. Sie veränderte sich gemeinsam mit der Stadt und ihren Menschen. Neue technische Möglichkeiten beeinflussten die Fahrgeschäfte, elektrische Beleuchtung verwandelte das Festgelände, Schausteller entwickelten immer spektakulärere Attraktionen und die Bierzelte wuchsen zu gewaltigen Festhallen.

Historische Plakate, Fotografien, Krüge, Souvenirs und andere Erinnerungsstücke erzählen von dieser Entwicklung. Gerade diese scheinbar alltäglichen Gegenstände besitzen ihren besonderen Reiz. Ein alter Maßkrug oder ein vergilbtes Plakat ist eben nicht nur ein Objekt hinter Glas. Es ist ein Stück Erinnerung an Menschen, die vielleicht vor hundert Jahren über die Theresienwiese schlenderten, in einem Festzelt saßen oder sich von einer damals sensationellen Attraktion begeistern ließen.

Die Wiesn als Spiegel ihrer Zeit
Besonders interessant ist der Blick darauf, wie sehr das Oktoberfest gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt. Moden kamen und gingen, technische Innovationen hielten Einzug, politische und wirtschaftliche Entwicklungen hinterließen ihre Spuren. Kriege, Krisen und Epidemien führten immer wieder dazu, dass das Fest ausfallen musste. Und doch kehrte die Wiesn zurück.

Vielleicht liegt gerade darin ein Teil ihrer besonderen Bedeutung für München. Das Oktoberfest steht für Kontinuität und zugleich für ständige Veränderung. Jede Generation erlebt ihre eigene Wiesn und verbindet persönliche Erinnerungen mit ihr. Für die einen sind es bestimmte Fahrgeschäfte, für andere das erste Hendl, der Einzug der Wiesnwirte, eine besondere Begegnung im Festzelt oder schlicht der Moment, wenn man vom U-Bahnhof auf die Theresienwiese kommt und sich plötzlich mitten im Trubel befindet.

Das Museum bewahrt solche Erinnerungen, ohne die Wiesn lediglich nostalgisch zu verklären. Es dokumentiert, wie aus einem Münchner Fest ein internationales Ereignis wurde. Heute kommen Besucher aus aller Welt nach München, um ein Fest zu erleben, das längst zu einem globalen Symbol für Bayern geworden ist.

Ein Haus voller Geschichten
Der besondere Charme des Bier- und Oktoberfestmuseums entsteht dabei nicht allein durch seine Exponate. Das historische Gebäude selbst gehört zur Inszenierung. Es zwingt den Besucher geradezu, langsam zu gehen. Hinter der nächsten Tür wartet ein neuer Raum, nach einer schmalen Treppe eine weitere Perspektive auf die Geschichte.

Das passt wunderbar zum Thema. Schließlich entstand auch die Münchner Bier- und Oktoberfestkultur nicht nach einem großen Masterplan. Sie entwickelte sich über Jahrhunderte, wurde immer wieder verändert, erweitert und neu interpretiert.

Für die Mitglieder des PresseClubs München bot die Exkursion deshalb zahlreiche Geschichten hinter der großen Geschichte. Gerade Journalisten wissen, dass oftmals das kleine Detail den Zugang zu einem großen Thema eröffnet. Ein historisches Foto kann mehr über eine Epoche erzählen als lange Zahlenkolonnen. Ein alter Bierkrug kann zum Ausgangspunkt einer Geschichte über Handwerk und Konsum werden. Ein Wiesn-Plakat dokumentiert nicht nur ein Volksfest, sondern auch Grafikdesign, Zeitgeschmack und gesellschaftliche Vorstellungen.

München zwischen Tradition und Moderne
Am Ende führt der Rundgang zu einer Erkenntnis, die eigentlich für ganz München gilt: Tradition funktioniert nur, wenn sie nicht zum unbeweglichen Museumsstück erstarrt.

Die Münchner Bierkultur hat sich immer wieder verändert. Das Oktoberfest von heute ist nicht mehr das Oktoberfest von 1810 und auch nicht das der 1950er oder 1980er Jahre. Dennoch gibt es eine historische Linie, die all diese Epochen miteinander verbindet.

Genau diese Verbindung macht das Bier- und Oktoberfestmuseum sichtbar. Es erzählt von Brauern und Wirten, Schaustellern und Festbesuchern, von wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Ritualen, von technischen Neuerungen und liebgewonnenen Traditionen. Vor allem erzählt es von München und seinen Menschen.

Für den PresseClub München wurde die Exkursion damit zu einer kleinen Zeitreise mitten in der eigenen Stadt. Manchmal braucht es eben keinen weiten Weg, um Geschichte zu entdecken. Ein paar Schritte vom Isartor entfernt genügt eine alte Haustür – und schon geht es hinein in mehrere Jahrhunderte Münchner Lebensgefühl.

Und natürlich gehört zu diesem Lebensgefühl auch die Erkenntnis, dass Bier in München niemals nur Bier war. Es ist Handwerk und Wirtschaftsgeschichte, Geselligkeit und Tradition, gelegentlich Politik und immer wieder Anlass für Geschichten. Für einen PresseClub könnte es kaum ein passenderes Getränk geben.

Demokratie braucht Haltung – und eine Gesellschaft, die auf Krisen vorbereitet ist

19. September 2026

Wie widerstandsfähig ist unsere Gesellschaft, wenn Strom, Kommunikation oder andere Teile der kritischen Infrastruktur ausfallen? Wie gut sind Polizei, Hilfsorganisationen und Versorgungsunternehmen auf neue Bedrohungen vorbereitet? Und welche Verantwortung trägt dabei jeder Einzelne? Am Tag der Demokratie diskutierte der PresseClub München auf Einladung seines Fördervereins über eine Frage, die angesichts von Cyberangriffen, Sabotage, Extremwetterereignissen und hybriden Bedrohungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie resilient ist unsere Gesellschaft?

Christina Kahlert, die den Förderverein des PresseClubs München gegründet hat, machte bereits bei der Begrüßung deutlich, dass der Abend Auftakt für mehr sein soll. „Ich freue mich ganz besonders, dass wir heute hoffentlich eine Serie von Veranstaltungen starten unter dem Motto ‚Demokratie braucht Haltung‘“, sagte sie. Das könne man „in diesen Zeiten nicht genug diskutieren“. Hier die komplette Veranstaltung als Video:

Die Moderation übernahm der Vorsitzende des PresseClubs München, Dr. Uwe Brückner. Auf dem Podium saßen Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher Bereiche der Sicherheitsarchitektur und Daseinsvorsorge: Magdalena Strzedulla vom Technischen Hilfswerk, Polizeidirektorin Daniela Hand vom Polizeipräsidium München, Hannes Lindhuber von den Stadtwerken München sowie Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE).

Schnell wurde deutlich: Resilienz beginnt nicht erst in dem Augenblick, in dem eine Katastrophe eingetreten ist. Sie muss lange vorher aufgebaut werden.

Für Magdalena Strzedulla ist dabei das Ehrenamt eine tragende Säule. Allein der THW-Landesverband Bayern umfasst 111 Ortsverbände. Die Helferinnen und Helfer werden für unterschiedlichste Aufgaben ausgebildet – von Elektroversorgung bis zu hoch spezialisierten Einsatzbereichen. Und sie alle engagieren sich neben Beruf und Privatleben. „Das basiert alles bei uns auf Ehrenamt“, betonte Strzedulla.

Ein ganzheitlicher Bevölkerungsschutz müsse deshalb früher einsetzen als bei der Alarmierung der Einsatzkräfte. „Wir können nicht erst mit entsprechender Vorbereitung starten, wenn eine Krise da ist beziehungsweise wenn wir in einen Einsatz gerufen werden“, sagte sie. Einsatzorganisationen müssten ihre Helfer vorbereiten, zugleich aber auch die Bevölkerung stärker einbeziehen.

Damit verändert sich ein lange vertrautes Bild des Katastrophenschutzes. Die Vorstellung, im Ernstfall würden professionelle und ehrenamtliche Einsatzkräfte kommen und sämtliche Probleme lösen, stößt gerade bei großen und lang anhaltenden Krisen an Grenzen. „Man muss sich ein Stück weit verabschieden von diesem Gedanken, dass nur Einsatzorganisationen entsprechend die Lage unterstützen und helfen“, sagte Strzedulla. Die vorhandenen Ressourcen seien begrenzt und müssten dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich gebraucht würden.

Polizeidirektorin Daniela Hand setzte an einem anderen Punkt an: bei Freiheit und Verantwortung. Eine demokratische Gesellschaft sei nichts Selbstverständliches und auch nichts, was unabhängig vom Verhalten ihrer Mitglieder existiere. „Jeder Einzelne von uns ist Bestandteil der Gesellschaft, und insofern prägen wir auch die Gesellschaft ganz extrem mit.“

Freiheit dürfe dabei nicht mit Rücksichtslosigkeit verwechselt werden. Hand sprach von einem teilweise „missverstandenen Freiheitsgedanken“. Wer Freiheit ausschließlich als Anspruch verstehe, selbst zuerst durch die Tür zu gehen, ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere zu berücksichtigen, verkenne ihren gesellschaftlichen Charakter.

Das zeigt sich aus Sicht der erfahrenen Polizeibeamtin auch im Alltag. Bei Polizeieinsätzen werde gefilmt und beobachtet, gleichzeitig fehlten anschließend nicht selten Zeugen. Hand formulierte es drastisch: Viele Menschen könnten ihr Smartphone auf ein Ereignis richten und Aufnahmen verbreiten – „aber der Polizei als Zeuge zur Verfügung stehen, damit dann mein Mitbürger, meine Mitbürgerin zu ihrem Recht kommen kann, das ist dann schon wieder eine ganz schwierige Nummer“.

Dabei sei die Schwelle zum Helfen denkbar niedrig. Niemand solle sich selbst in Gefahr bringen. „Aber das, was jeder von uns kann, ist, dass er Hilfe holt. Super einfach: 110.“

Für Hand beginnt Resilienz ohnehin im Kleinen. Wer nicht darüber nachdenke, welche persönlichen Daten er im Internet preisgibt, wie er nach einer Feier sicher nach Hause kommt oder welche alltäglichen Gefahren entstehen können, werde sich auch mit großen Krisen schwerer tun. „Wenn ich im Kleinen nicht in der Lage bin zu bedenken, was könnte sein, und keinen Plan B habe, dann bin ich es auch in großen Situationen eher nicht.“

Dass innere Sicherheit unmittelbar mit funktionierender Infrastruktur verbunden ist, machte Hannes Lindhuber deutlich. Die Stadtwerke München stehen für Strom, Wärme, Gas und Wasser, aber ebenso für Telekommunikation, öffentlichen Nahverkehr und Ladeinfrastruktur. Damit betreiben sie wesentliche Lebensadern der Stadt.

Ein wichtiges Prinzip sei Redundanz. Das sogenannte N-1-Prinzip soll dafür sorgen, dass eine zentrale Infrastrukturkomponente ausfallen kann, ohne dass dadurch das gesamte System zusammenbricht. Hinzu kommen kleinteilige Netzstrukturen und zahlreiche Querverbindungen.

Interessant war Lindhubers Hinweis auf die Energiewende. Eine stärker dezentrale und regionale Erzeugung erneuerbarer Energie könne auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen: Die Versorgung verteile sich auf mehr Erzeugungsanlagen und werde dadurch weniger abhängig von einzelnen großen Kraftwerken.

Gleichzeitig warnte Lindhuber davor, Sicherheit vor allem über zusätzliche Bürokratie herstellen zu wollen. Europäische und nationale Regelwerke zur Cyber- und Infrastruktursicherheit verfolgten zwar die richtigen Ziele, doch aus Sicht eines Betreibers fließe zu viel Kraft in Dokumentations- und Nachweispflichten. „Eigentlich wird versucht, Sicherheit durch Akten zu schaffen und nicht durch wirksame Maßnahmen.“

Hinzu kommt ein Dilemma zwischen Transparenz und Sicherheit. Wo genau befinden sich Anlagen? Wie funktionieren sie? Welche Kapazitäten haben sie? Solche Informationen können journalistisch oder gesellschaftlich von berechtigtem Interesse sein – zugleich können sie potenziellen Angreifern helfen. Auch Führungen durch technische Anlagen müssten deshalb heute anders bewertet werden als noch vor einigen Jahren.

„Es ist ein Angriff auf unsere Lebensgrundlagen“, sagte Lindhuber über gezielte Attacken auf kritische Infrastruktur. Er begrüßte, dass solche Angriffe inzwischen wesentlich ernster genommen würden als noch vor zehn oder zwölf Jahren, als Beschädigungen von Kabel- oder Netzinfrastruktur teilweise eher als gewöhnlicher Vandalismus wahrgenommen worden seien.

Resilienz kostet allerdings Geld. Redundante Netze, Schutzmaßnahmen und zusätzliche Infrastruktur müssen finanziert werden, obwohl sie im besten Fall niemals gebraucht werden. Lindhuber forderte deshalb langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Sein Fazit: „Es ist ein Marathon, es ist kein Sprint.“ Resilienz entstehe durch Vorsorge und nicht erst in der Krise.

Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen brachte die Perspektive des Krisenmanagements in die Diskussion ein. Das BayZBE trainiert Einsatzkräfte für Situationen, die über den normalen Rettungsdienst hinausgehen: Massenanfälle von Verletzten, Anschläge, aktive Täter, Naturkatastrophen oder länger andauernde Krisen.

Beinlich kritisierte eine gesellschaftliche und politische Neigung, erst auf Katastrophen zu reagieren, statt vorher konsequent vorzusorgen. „Wir sind immer noch reaktiv“, sagte er. Viele Sicherheitsstandards seien historisch erst eingeführt worden, nachdem Katastrophen ihre Notwendigkeit brutal bewiesen hätten.

Ein Problem sei dabei die von ihm so bezeichnete „Katastrophendemenz“. Nach einer Krise würden Konzepte entwickelt, Erfahrungen ausgewertet und Verbesserungen versprochen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand lasse die Aufmerksamkeit jedoch wieder nach. Dabei sei die nächste Krise keine theoretische Möglichkeit. „Es ist keine Frage, ob die Krise wieder eintreffen wird, sondern eher wann.“

Beinlich brachte seine Forderung nach mehr praktischem Handeln mit einem Satz auf den Punkt, der im PresseClub für Aufmerksamkeit sorgte: „Machen ist wie wollen, nur geiler.“

Mehr Investitionen in Bevölkerungsschutz seien aus seiner Sicht kein verlorenes Geld, selbst wenn die befürchtete Krise nicht eintrete. Würden Hilfsorganisationen, Ehrenamt, Polizei und Bevölkerungsschutz gestärkt und die erwartete extreme Lage bliebe aus, habe die Gesellschaft trotzdem gewonnen: Sie verfüge dann über besser ausgestattete Strukturen, die ebenso bei Hochwasser, Hitze, Sturm oder anderen Katastrophen eingesetzt werden könnten.

Wie wichtig dabei gesellschaftlicher Zusammenhalt ist, zeigte Beinlich am Beispiel von Hochwasserereignissen. Nicht allein Feuerwehr, THW oder Rettungsdienste seien entscheidend. Oft seien es Nachbarn, die Pumpen bereitstellten, Keller leer räumten oder älteren Menschen halfen. „Die Menschen helfen sich, und dieser Staat funktioniert auch ziemlich gut“, sagte Beinlich.

Genau dort trafen sich die unterschiedlichen Perspektiven des Podiums. Resilienz bedeutet nicht, aus jedem Bürger einen „Prepper“ mit Generator, Treibstoff und riesigen Lebensmittelvorräten zu machen. Vielmehr geht es um überschaubare Vorsorge, Information und Nachbarschaftshilfe.

Strzedulla verwies auf Angebote wie „Krisenscout“-Veranstaltungen, bei denen Bürger erfahren können, wie sie sich auf Ausfälle und Notlagen vorbereiten. Beinlich empfahl darüber hinaus die Informationen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Schon die Frage, wie ein Haushalt die ersten Tage einer Krise überstehen kann, könne viel bewirken. Und manchmal beginne Resilienz schlicht damit, beim älteren Nachbarn zu klingeln, wenn dort seit Tagen niemand gesehen wurde.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends waren neue technologische Bedrohungen. Daniela Hand schilderte, dass auch die Polizei ihre Kommunikation und den Umgang mit sensiblen Informationen ständig neu bewerten müsse. In Zeiten von Smartphones und digitaler Kommunikation reiche klassische Verschlusssachensicherheit nicht mehr aus. Selbst scheinbar belanglose Informationen könnten zusammengesetzt ein aussagekräftiges Bild ergeben.

Das gelte auch für die Beschäftigten kritischer Infrastruktur, ergänzte Lindhuber. In sozialen Netzwerken sei es selbstverständlich geworden, über den Arbeitsplatz, Veranstaltungen und berufliche Kontakte zu berichten. Was einzeln harmlos erscheine, könne in der Summe sicherheitsrelevant werden. Unternehmen müssten deshalb ihre Beschäftigten stärker für einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationen sensibilisieren.

Auch Drohnen waren Thema. Auf die Frage, ob München gegen mögliche Drohnenangriffe ausreichend geschützt sei, verwies Hand auf die entstehenden Strukturen zur Drohnenabwehr. Absolute Sicherheit könne es allerdings nicht geben. Technologische Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten entwickelten sich permanent weiter.

Beinlich wiederum machte deutlich, dass moderne Technik nicht ausschließlich als Bedrohung betrachtet werden dürfe. Gerade künstliche Intelligenz könne im Katastrophenschutz helfen, riesige Datenmengen aus Sensoren und unterschiedlichen Quellen zu einem Lagebild zusammenzuführen. Entscheidend sei, die chaotische Anfangsphase einer Krise möglichst schnell in eine „Strukturierungsphase“ zu überführen. Je besser Informationen zusammengeführt würden, desto eher könnten Einsatzleitungen „vor die Lage kommen“, statt ihr hinterherzulaufen.

Am Ende kehrte die Diskussion zu ihrem Ausgangspunkt zurück: Demokratie braucht Menschen, die sich beteiligen.

Gerade bei jungen Menschen sieht Strzedulla Anlass zu Optimismus. Die Bereitschaft, sich bei Feuerwehr, THW, Rettungsorganisationen oder Vereinen zu engagieren, sei vorhanden – zunehmend auch bei Mädchen und jungen Frauen. Es müsse gelingen, ihnen Strukturen anzubieten, in denen dieses Engagement wachsen könne.

„Jeder und jede kann sich da einbringen – mit ihren Strukturen, mit ihren Kapazitäten, mit ihrem Engagement, ihrer Motivation, egal ob groß oder klein“, sagte Strzedulla zum Abschluss.

So blieb nach der Diskussion im PresseClub München weniger das Bild einer hilflosen Gesellschaft als vielmehr das einer Gesellschaft mit erheblichen Ressourcen – wenn sie diese nutzt. Polizei, Hilfsorganisationen und Infrastrukturbetreiber können vorsorgen, trainieren und investieren. Doch Resilienz lässt sich nicht vollständig delegieren.

Sie beginnt auch beim Einzelnen: mit einem Notruf, mit einem Vorrat für einige Tage, mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Informationen, mit dem Blick auf den Nachbarn und nicht zuletzt mit der Bereitschaft, sich für andere zu engagieren. In diesem Sinne bekam das Motto des Abends eine zusätzliche Bedeutung: Demokratie braucht Haltung – und Widerstandsfähigkeit braucht Gemeinschaft.

750 Jahre Münchner Geschichte – und niemand weiß, was daraus werden soll: Rettet das Zerwirkgewölbe!

28. August 2026

Wer München abseits von Marienplatz, Viktualienmarkt und Hofbräuhaus entdecken möchte, sollte einen Blick in die Ledererstraße werfen. Dort steht mit dem Zerwirkgewölbe eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt – und zugleich ein Stück Münchner Geschichte, das viele Einheimische kaum kennen. Das Gebäude stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und gilt als das zweitälteste Bauwerk Münchens. Damit ist es rund 750 Jahre alt und älter als viele der bekannten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Ich bin enttäuscht, dass dieses Gebäude verfällt. Es ist doch für mich ein historisches Juwel.

Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt das Zerwirkgewölbe seiner früheren Nutzung. Hier wurde einst das bei herzoglichen Jagden erlegte Wild zerlegt und verarbeitet. „Zerwirken“ ist ein alter Begriff aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie fachgerechtes Zerlegen von Wildbret. Im Laufe der Jahrhunderte diente das Gebäude unter anderem als herzogliches Falkenhaus, gehörte zeitweise zum Hofbräuhaus und beherbergte später eine Wildmetzgerei. Meine Eltern haben wir noch von der Metzgerei erzählt.

Besonders sehenswert sind die historischen Fresken an der Fassade. Sie zeigen Jagdszenen und erinnern an die ursprüngliche Nutzung des Hauses. Wer aufmerksam durch die schmale Gasse schlendert, entdeckt hier ein mittelalterliches München, das sich zwischen den touristischen Hotspots beinahe versteckt.

Das Zerwirkgewölbe war über die Jahrzehnte nicht nur Metzgerei und Gastronomiebetrieb, sondern auch Kultur- und Ausgehort. In den 1990er- und 2000er-Jahren waren dort unter anderem Studiobühnen des Gärtnerplatztheaters und der Theaterakademie untergebracht. Später zog der Hip-Hop-Club Crux ein, in dem bis in die 2010er-Jahre getanzt und gefeiert wurde. Das war nie meine Musik und daher war mir der Club unbekannt. Anschließend befanden sich dort verschiedene Gastronomiebetriebe wie die Spezlwirtschaft und das Restaurant Fedora.

Heute steht das denkmalgeschützte Gebäude vor einer ungewissen Zukunft. Nach sieben Jahren des Leerstands wird über Sanierung und neue Nutzungskonzepte diskutiert. Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch: Das Zerwirkgewölbe ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der Stadtgeschichte, sondern auch ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft Münchens auf besondere Weise begegnen.

Bedarf mehr besteht. Eine Machbarkeitsstudie kam allerdings zu dem Ergebnis, dass nach einer umfangreichen Sanierung verschiedene Nutzungen denkbar wären: Wohnen, Büros, Gewerbe oder Kultur. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter hatte dabei betont, dass nicht die maximale Gewinnerzielung im Vordergrund stehen solle. Ziel sei vielmehr, diesen historischen Ort wieder öffentlich zugänglich zu machen und mit einer angemessenen Nutzung zu beleben.

Das Problem: Bislang gibt es noch kein konkretes Nachnutzungskonzept. Noch im Juli 2026 teilte die Immobilien Freistaat Bayern mit, dass Sondierungen und Gespräche mit potenziellen Interessenten liefen. Zugleich hängt der Umfang der notwendigen Sanierung stark davon ab, was später in dem Gebäude stattfinden soll. Substanzerhaltende Arbeiten werden nach Angaben des Freistaats bereits vorgenommen.

Politisch ist ein Verkauf durchaus umstritten. In München gibt es Forderungen, das Zerwirkgewölbe in öffentlicher Hand zu behalten und beispielsweise für kulturelle, soziale oder gemeinwohlorientierte Zwecke zu nutzen. Auch ein Erwerb durch die Stadt wurde ins Gespräch gebracht.

Interessant ist deshalb vor allem, was nicht feststeht: Es gibt derzeit weder einen beschlossenen neuen Gastronomiebetrieb noch ein Museum, Kulturzentrum oder Wohnprojekt. Die früher einmal diskutierte Idee eines „Mini-Hofbräuhauses“ ist ebenfalls nicht die aktuelle Planung.

Privatkonzert in München: Addison Johnson – Wenn Country noch nach Leben, Sehnsucht und Wahrheit klingt

24. August 2026

Addison Johnson gehört zu jener Sorte von Country-Musikern, die daran erinnern, warum dieses Genre einmal so stark geworden ist: weil es Geschichten erzählt. Nicht Hochglanz, nicht kalkulierte Radioformeln und nicht das immer gleiche Spiel mit Trucks, Whiskey und großen Gesten stehen bei ihm im Mittelpunkt, sondern Menschen, Erfahrungen, Niederlagen, Sehnsüchte und die kleinen Wahrheiten des Alltags. Ich durfte diesen Sänger bei einem Privatkonzert in München erleben.

Johnson stammt aus North Carolina und lebt heute in Nashville. Seine musikalischen Wurzeln liegen tief im traditionellen Country, zugleich lässt er Americana, Bluegrass, Blues und Rock in seinen Sound einfließen. Gerade diese Mischung macht ihn interessant: Er passt nicht bequem in eine einzige Schublade. Seine eigene Beschreibung, er sei „zu Country für Americana und zu Americana für Country“, trifft seinen Platz zwischen den Welten ziemlich genau. Hier das Münchner Konzert:

Geprägt wurde Johnson früh von klassischer Country-Musik. Seine Großeltern hörten Künstler wie George Jones und Merle Haggard, später kamen Einflüsse von Waylon Jennings, Lefty Frizzell, Alan Jackson, Jerry Reed und auch Jim Croce hinzu. Entscheidend ist dabei weniger eine bestimmte musikalische Stilkopie als vielmehr eine Haltung: Ein guter Song braucht für Johnson Substanz. Country-Musik soll von wirklichem Leben handeln, von Druck, Scheitern, Hoffnung, Arbeit und von Entscheidungen, die nicht immer zu einem glücklichen Ende führen. Genau darin liegt seine Stärke. Johnson schreibt keine Songs, die eine künstliche Welt entwerfen, sondern kleine musikalische Kurzgeschichten, in denen Menschen mit ihren Widersprüchen sichtbar werden.

Sein Weg nach Nashville passt zu dieser Musik. Johnson zog aus North Carolina in die Hauptstadt der Country-Musik, ohne großes finanzielles Polster und ohne Garantie auf Erfolg. Auch davon erzählt er in seinem Privatkonzert. Er arbeitete unterschiedliche Jobs, schrieb Songs und versuchte, seinen Platz in einer Industrie zu finden, die häufig stärker an vermarktbaren Mustern als an Individualität interessiert ist. Rückblickend bezeichnete er diese Entscheidung als mit erheblichen persönlichen Opfern verbunden. Gerade deshalb entwickelte sich bei ihm der Anspruch, keine austauschbaren Songs lediglich für den schnellen kommerziellen Erfolg zu schreiben. Wichtiger sei es ihm, etwas zu schaffen, auf das er später stolz sein könne. Diese Unabhängigkeit ist nicht nur Teil seiner Außendarstellung, sondern prägt hörbar seine Musik.

Johnson ist vor allem ein Storyteller. Seine Songs funktionieren häufig wie kleine Filme. Figuren treten auf, Situationen werden skizziert, Beziehungen zerbrechen, Menschen suchen ihren Weg oder stehen vor den Folgen ihrer Entscheidungen. Dabei vermeidet er einfache moralische Lösungen. Das unterscheidet ihn von viel modernem Mainstream-Country, der Emotionen mitunter auf leicht konsumierbare Schlagworte reduziert. Bei Johnson dürfen Geschichten unbequem bleiben. Ein Lied muss nicht alles auflösen und schon gar nicht zwingend mit einem Happy End enden. In einem Interview über sein 2026 erschienenes Album The State I’m In erklärte er, dass ihn gerade jene Country-Songs interessieren, die nichts beschönigen und rohe menschliche Gefühle zulassen. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk.

Schon mit Dark Side of the Mountain machte Johnson deutlich, wo er musikalisch steht. Das Album verband traditionellen Country mit dunkleren Geschichten und einer deutlich erzählerischen Ausrichtung. Sein zweites großes Album Dangerous Men von 2024 führte dieses Konzept weiter. Dort entwarf Johnson in mehreren Songs unterschiedliche Porträts dessen, was einen Menschen „gefährlich“ machen kann. Gerade diese Fähigkeit, aus einem übergeordneten Thema einzelne Charakterstudien zu entwickeln, zeigt seine Qualitäten als Songwriter.

Mit The State I’m In, veröffentlicht am 26. Juni 2026, wirkt Johnson noch einmal breiter aufgestellt. Das zwölf Songs umfassende Album bleibt tief im Country verwurzelt, öffnet sich aber stärker Richtung Rock und Blues. Gleichzeitig spielt das Leben eines unabhängigen Musikers eine wichtige Rolle. Der Titelsong ist dabei nicht nur autobiografisch zu verstehen. Johnson beschreibt darin das Unterwegssein, nächtliche Highways, Entfernung von zu Hause und die Entscheidung, einem Traum zu folgen, obwohl dieser Weg anstrengend und unsicher ist. Genau dadurch wird der Song universeller: Er handelt letztlich von jedem Menschen, der Vertrautes verlässt, um etwas zu erreichen, an das er glaubt.

Auch live erklärt sich ein wesentlicher Teil seiner Wirkung. Johnson ist kein Künstler, dessen Karriere ausschließlich über Streamingzahlen oder Social-Media-Reichweite funktioniert. Er ist ein Musiker der Straße und der Bühne. Laut seiner offiziellen Biografie spielt er regelmäßig mehr als 200 nationale und internationale Termine pro Jahr und ist auch in Europa unterwegs. Er trat als Support für zahlreiche etablierte Künstler auf und war Teil der Grand Ole Opry Front Porch Series. Gerade seine akustischen Auftritte werden als besonders unmittelbar beschrieben. Dort zeigt sich, dass seine Songs nicht auf große Produktionen angewiesen sind. Stimme, Gitarre und Geschichte reichen oft vollkommen aus.

Diese Nähe zum Publikum ist wichtig, weil Johnson ein Verständnis von Country-Musik vertritt, das auf Kommunikation beruht. Seine Musik will nicht beeindrucken, sondern erreichen. Hinter vielen Liedern steht die Beobachtung anderer Menschen oder eine eigene Erfahrung. Dadurch entsteht eine Glaubwürdigkeit, die sich schwer künstlich herstellen lässt. Man hört einen Musiker, der sich mit seinem Material identifiziert. Dabei ist seine Stimme nicht unbedingt auf spektakuläre Virtuosität ausgerichtet. Ihre Stärke liegt vielmehr in Ausdruck, Charakter und dem Gefühl, dass der Sänger tatsächlich etwas zu erzählen hat.

Besonders bemerkenswert ist dabei Johnsons Beharrlichkeit. Als unabhängiger Künstler bewegt er sich außerhalb der großen Maschinerie des Nashville-Mainstreams und muss Aufnahme, Vermarktung und Tourleben wesentlich stärker selbst tragen. Dass seine Veröffentlichungen trotzdem mehrfach hohe Positionen in den iTunes-Country-Charts erreichten, zeigt, dass es ein Publikum für diese Art von Musik gibt. Sein erstes Album erreichte nach Angaben seiner offiziellen Seite 2021 Platz drei, Dangerous Men startete 2024 sogar auf Platz zwei der iTunes-Country-Charts. Gleichzeitig wurden Songs von ihm auch von anderen Künstlern aufgenommen.

Addison Johnson steht deshalb für eine Form von Country-Musik, die Tradition nicht mit Stillstand verwechselt. Er verehrt die großen Erzähler des Genres, kopiert sie aber nicht. Stattdessen nimmt er deren Grundidee ernst: Ein Country-Song muss etwas über Menschen erzählen. Er darf traurig sein, widersprüchlich, humorvoll, hart oder verletzlich. Er darf nach Honky-Tonk klingen, nach Americana, nach Blues oder gelegentlich nach Rock – solange die Geschichte glaubwürdig bleibt.

Gerade in einer Zeit, in der Country-Musik weltweit wieder enorme Popularität erlebt und dabei immer stärker mit Pop, Rock und elektronischer Produktion verschmilzt, ist ein Künstler wie Addison Johnson wichtig. Er erinnert daran, dass die eigentliche Kraft des Genres nicht in Cowboyhüten oder stilistischen Klischees liegt, sondern im Erzählen. In drei Minuten kann ein guter Country-Song ein ganzes Leben sichtbar machen. Johnson beherrscht genau diese Kunst.

Vielleicht liegt darin seine größte Qualität: Addison Johnson will nicht der lauteste oder modischste Künstler in Nashville sein. Er möchte Songs schreiben, die bleiben. Musik über Menschen, die arbeiten, lieben, verlieren, zweifeln, aufbrechen und trotzdem weitermachen. Das klingt zunächst unspektakulär. Doch genau daraus entstand einmal die große Tradition der Country-Musik. Addison Johnson trägt sie weiter – nicht als Museumsstück, sondern als lebendige, ehrliche und überraschend zeitlose Musik.

Privatkonzert: The Truffle Valley Boys – Wie eine italienische Band den ursprünglichen Bluegrass der 1950er Jahre wieder zum Leben erweckt

14. August 2026

Während viele Bluegrass-Bands moderne Einflüsse mit traditionellen Elementen verbinden, verfolgen The Truffle Valley Boys einen anderen Ansatz: Sie widmen sich kompromisslos dem authentischen Klang der frühen Bluegrass-Ära und begeistern damit Fans in ganz Europa. Ich durfte die Band bei einem Privatkonzert in München erleben und war restlos begeistert.

Bluegrass gilt als eine der traditionsreichsten Musikrichtungen Nordamerikas. Entstanden in den 1940er Jahren und geprägt von Musikern wie Bill Monroe, entwickelte sich das Genre zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Folk- und Country-Musik. Dass ausgerechnet eine italienische Band heute zu den bekanntesten Vertretern dieses historischen Stils zählt, überrascht viele und auch ich war komplett baff. Genau das macht The Truffle Valley Boys zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der internationalen Bluegrass-Szene.

Die Band wurde 2014 in Norditalien gegründet und benannte sich nach den Trüffeln, die in den Tälern ihrer Heimatregion wachsen. Von Beginn an verfolgten die Musiker ein klares Ziel: den rauen, unverfälschten Sound des Bluegrass aus den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren möglichst originalgetreu wiederzugeben.

Im Mittelpunkt ihres Konzepts steht absolute Authentizität. Die Gruppe spielt mit historischen beziehungsweise stilgetreuen Instrumenten, tritt häufig um ein einzelnes Mikrofon auf und orientiert sich sowohl musikalisch als auch optisch an den frühen Bluegrass-Bands der Nachkriegszeit. Auch die mehrstimmigen Gesänge und die bewusst reduzierte Bühnentechnik sollen das Live-Erlebnis jener Zeit möglichst exakt nachbilden. Als Fan der Stanley Brothers und des großen Bill Monore war ich begeistert.

Anders als viele moderne Bluegrass-Formationen verzichten The Truffle Valley Boys weitgehend auf zeitgenössische Einflüsse. Stattdessen widmen sie sich selten gespielten oder nahezu vergessenen Stücken aus der Frühzeit des Genres. Gleichzeitig ergänzen sie ihr Repertoire gelegentlich durch eigene Kompositionen, die sich stilistisch eng an historischen Vorbildern orientieren. Dadurch gelingt es ihnen, das musikalische Erbe des klassischen Bluegrass lebendig zu halten, ohne lediglich bekannte Standards zu reproduzieren.

Auch bei ihren Studioaufnahmen verfolgen die Musiker konsequent ihren historischen Ansatz. Das Album Sing And Play Authentic Blue Grass wurde beispielsweise mit einem einzigen Mikrofon aus den 1950er Jahren live auf Band aufgenommen. Ziel war es nicht, eine technisch perfekte Produktion zu schaffen, sondern die Dynamik und Natürlichkeit einer damaligen Aufnahme möglichst originalgetreu einzufangen. Das Album enthält zwölf Titel, darunter zahlreiche seltene Klassiker sowie eine Eigenkomposition. Ich habe mir das Album Come Back To The Valley gekauft und es spielt den ganzen Tag rauf und runter.

Mit diesem Konzept haben sich The Truffle Valley Boys einen hervorragenden Ruf innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene erarbeitet. Sie treten regelmäßig auf renommierten Festivals in mehreren Ländern auf und absolvieren jedes Jahr zahlreiche Konzertreisen. Ich durfte sie bei einem Privatkonzert in München erleben, schweißgebadet mit einem Lächeln auf den Lippen bin ich nach dem Konzert nach Hause gefahren. Ihre Live-Auftritte zeichnen sich durch hohe musikalische Präzision, authentische Bühnenpräsenz und eine energiegeladene Performance aus, die sowohl eingefleischte Bluegrass-Fans als auch neugierige Erstbesucher anspricht.

Auch Fachmedien haben die Band mehrfach positiv bewertet. Insbesondere ihre konsequente Orientierung am ursprünglichen Klangbild der frühen Bluegrass-Musik wird regelmäßig hervorgehoben. Darüber hinaus fanden ihre Aufnahmen internationale Beachtung und wurden unter anderem in der Bluegrass Music Hall of Fame & Museum in Owensboro (Kentucky) im Rahmen einer Ausstellung zur internationalen Entwicklung des Genres berücksichtigt.

Heute gelten The Truffle Valley Boys als eine der wichtigsten europäischen Bands für traditionellen Bluegrass. Ihr Erfolg zeigt, dass musikalische Authentizität und historische Detailtreue auch Jahrzehnte nach der Entstehung des Genres ein begeistertes Publikum finden können. Gerade weil sie nicht versuchen, Bluegrass neu zu erfinden, sondern dessen ursprünglichen Charakter möglichst unverfälscht zu bewahren, nehmen sie innerhalb der internationalen Folk- und Country-Szene eine besondere Stellung ein.

Gesichert ist, dass die Band seit 2014 aktiv ist, sich konsequent dem authentischen Bluegrass der frühen 1950er Jahre verschrieben hat und europaweit auf Festivals und Tourneen auftritt. Die Einschätzung ihrer Bedeutung innerhalb der europäischen Bluegrass-Szene beruht auf ihrer regelmäßigen Festivalpräsenz, positiven Resonanz in Fachmedien und ihrer internationalen Wahrnehmung.

Die romantische Geschichte vom Affenturm im Alten Hof in München

8. August 2026

Zwischen den alten Mauern des Alten Hofes verbirgt sich eine der bekanntesten Münchner Legenden – eine Geschichte über Mut, Vertrauen und ein kleines Äffchen, das ausgerechnet das Leben eines späteren Kaisers beeinflusst haben soll. Als ich neulich eine kleine Stadtführung für einen Kollegen gemacht habe, ist mir die Geschichte wieder eingefallen.

Der Alte Hof war im 13. und 14. Jahrhundert die erste Residenz der Wittelsbacher in München. Dort soll sich einer Sage nach eine außergewöhnliche Begebenheit ereignet haben. Herzog Ludwig II. hielt angeblich einen zahmen Affen, der sich frei in der Burg bewegen durfte. Eines Tages nahm das Tier den kleinen Prinzen Ludwig – den späteren Kaiser Ludwig den Bayern – aus seiner Wiege und kletterte mit ihm auf den hölzernen Erker des Burgstocks, der heute als Affenturm oder Affentürmchen bekannt ist.

Unten gerieten Amme, Bedienstete und Hofstaat in große Aufregung. Niemand wagte es, den Affen zu erschrecken, aus Angst, er könnte das Kind fallen lassen. Stattdessen sprach man ruhig auf das Tier ein und lockte es geduldig zurück. Schließlich kletterte der Affe vorsichtig hinab und legte den kleinen Ludwig unversehrt wieder in seine Wiege. Seitdem trägt der Erker der Überlieferung nach den Namen „Affenturm“.

Die Geschichte wird oft als Sinnbild dafür erzählt, dass Geduld und Vertrauen mehr bewirken können als Gewalt oder Hektik. Gerade deshalb hat sie bis heute einen fast märchenhaften, romantischen Charakter und gehört zu den beliebtesten Sagen Münchens.

Historisch gesichert ist die Erzählung allerdings nicht. Forschungen zeigen, dass der heutige gotische Erker vermutlich erst im 15. Jahrhundert entstand – also lange nach der Kindheit Ludwigs des Bayern. Daher gilt die Geschichte als Legende und nicht als belegtes historisches Ereignis.

Wenn der Frieden hörbar wird – Die Friedensglocke im Werksviertel-Mitte setzt ein starkes Zeichen der Hoffnung

3. August 2026

Die Friedensglocke im Werksviertel-Mitte in München ist ein öffentliches Symbol für Frieden, Freiheit, Toleranz und das Einstehen für eine demokratische Werteordnung. Sie befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Pfanni-Industrieareals am Münchner Ostbahnhof, das sich heute als lebendiges Stadtquartier zwischen Kultur, Arbeit und Wohnen präsentiert. Bei einer Exkursion des Münchner Presseclubs war die Friedensglocke das Ende Veranstaltung.

Entstehung und Einweihung
Eingeweiht wurde die Friedensglocke am 2. Oktober 2021 anlässlich der bayerischen Langen Nacht der Demokratie. Die Initiative zur Anschaffung und Aufstellung ging aus einer Kooperation mehrerer Stiftungen und Institutionen hervor: Stiftung Otto Eckart, Wertebündnis Bayern, Bell Amani Friedensstiftung und St. Korbinian Stiftung
Gegossen wurde die Bronzeglocke von der traditionsreichen Glockengießerei Anton Gugg im niederbayerischen Straubing, deren Familienhandwerk auf eine über 500-jährige Geschichte zurückgeht.

Gestaltung und Integration im Quartier
Die Glocke ist freihängend im Werksviertel-Mitte installiert. Um ihre Visibilität auch in den Abend- und Nachtstunden zu unterstreichen, wurde sie mit einem speziellen Lichtkonzept versehen: Ein kreisrunder, leuchtender Ring sowie dezent ausgerichtete Mikrospots heben die Bronzeoberfläche hervor und verleihen dem Objekt eine prägnante optische Präsenz im öffentlichen Raum.

Symbolik und Nutzung im Zeitverlauf
Obwohl die Glocke primär als dauerhaftes Denkmal für ein friedliches Miteinander konzipiert wurde, erhielt sie durch weltpolitische Ereignisse rasch eine aktive Rolle im Münchner Stadtleben.

Tägliches Läuten für den Frieden
Nach dem Beginn des verbrecherischen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 riefen die Initiatoren zu einer täglichen Läute-Aktion auf. Seit März 2022 erklingt die Glocke jeden Tag um 12:00 Uhr als unüberhörbares Zeichen der Solidarität und des Wunsches nach Frieden.

Mitmach-Aktionen
Um die Glocke herum finden regelmäßig gesellschaftliche Aktionen statt, wie etwa das Aufstellen gebastelter Papier-Mohnblumen als Mahnmal gegen Krieg und Unterdrückung.
Das Werksviertel-Mitte führt damit seine Tradition fort, Kunst-, Kultur- und Partizipationsprojekte im öffentlichen Raum zu verankern und gesellschaftlich relevante Themen mitten in den Alltag von Anwohnern und Besuchern zu tragen.

Die Friedensglocke im Werksviertel-Mitte ist weit mehr als ein Kunstobjekt – sie ist ein sichtbares Zeichen für Verständigung, Dialog und ein friedliches Miteinander. In dem ehemaligen Industrieareal am Münchner Ostbahnhof, das sich in den vergangenen Jahren zu einem lebendigen Quartier für Kultur, Kreativität und Innovation entwickelt hat, setzt die Glocke einen bewusst ruhigen Gegenpol zum geschäftigen Treiben. Das Werksviertel-Mitte versteht sich als Ort der Begegnung, an dem Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen. Die Friedensglocke fügt sich deshalb auf besondere Weise in die Philosophie des Quartiers ein.

Die Glocke entstand im Rahmen eines interkulturellen Kinder- und Jugendprojekts der Bell Amani Stiftung. Dabei beschäftigten sich junge Menschen mit den Themen Frieden, Konfliktlösung und gegenseitiger Respekt. Die Friedensglocke steht sinnbildlich für die Hoffnung, dass Verständigung nicht erst auf politischer Ebene beginnt, sondern bereits im täglichen Miteinander – in Schulen, Familien, Nachbarschaften und Stadtvierteln. Erstmals wurde sie im Werksviertel-Mitte im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie“ aufgestellt und machte dort auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie Kunst und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden werden können.

Gerade das Werksviertel-Mitte bietet für dieses Symbol den passenden Rahmen. Wo früher Kartoffelprodukte hergestellt wurden und später das legendäre Nachtleben des Kunstparks Ost und der Kultfabrik pulsierte, entstand ein modernes Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit miteinander verbindet. Zwischen moderner Architektur, Street Art, Musik, Gastronomie und innovativen Unternehmen erinnert die Friedensglocke daran, dass eine lebenswerte Stadt nicht allein durch Gebäude entsteht, sondern vor allem durch die Werte ihrer Menschen.

Die Friedensglocke lädt Besucher dazu ein, für einen Moment innezuhalten. Ihr Klang steht symbolisch für Versöhnung, Hoffnung und den Wunsch nach einer Welt, in der Konflikte durch Gespräche statt durch Gewalt gelöst werden. Damit ist sie nicht nur ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, sondern auch ein Ort des Nachdenkens – über Frieden, Demokratie und die Verantwortung jedes Einzelnen für ein respektvolles Zusammenleben. In einem Quartier, das Wandel und Zukunft wie kaum ein anderer Ort in München verkörpert, erinnert die Friedensglocke daran, dass echter Fortschritt immer auch von Menschlichkeit begleitet sein sollte.

Vom Kartoffelwerk zum Zukunftsviertel – Warum das Werksviertel Mitte Münchens Herzstück des Wandels ist

29. Juli 2026

Das Werksviertel Mitte am Münchner Ostbahnhof gehört zu den spannendsten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands. Kaum ein anderes Quartier verbindet Industriegeschichte, Kultur, Architektur, Nachhaltigkeit und urbanes Leben so konsequent miteinander. Grund für den PresseClub München das Gelände zu besichtigen. Die Führung hatte Isabell Zacharias inne.

Wo einst über Jahrzehnte Kartoffelprodukte der Firma Pfanni produziert wurden, ist heute ein lebendiges Stadtviertel entstanden, das Arbeiten, Wohnen, Freizeit, Kunst, Gastronomie und Innovation auf einzigartige Weise miteinander verknüpft. Die Vergangenheit bleibt dabei bewusst sichtbar: Zahlreiche historische Gebäude wurden nicht abgerissen, sondern behutsam saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Aus ehemaligen Lagerhallen wurden Theater, Kletterhallen, Büros, Restaurants und Veranstaltungsorte. Diese Mischung aus industriellem Erbe und moderner Architektur verleiht dem Werksviertel seinen unverwechselbaren Charakter. Hier ein Video vom Rundgang:

Zur besonderen Atmosphäre trägt auch die bewegte Geschichte des Geländes bei. Nachdem die Pfanni-Produktion Mitte der 1990er Jahre endete, entwickelte sich das Areal zunächst als Kunstpark Ost und später als Kultfabrik zu einem der bekanntesten Ausgehviertel Europas. Clubs, Ateliers, Künstler und Kreative prägten über viele Jahre das Bild des Viertels. Statt diesen Geist mit einer klassischen Neubebauung zu verdrängen, griffen die Planer viele Elemente dieser Zeit bewusst auf. Das heutige Werksviertel Mitte versteht sich deshalb nicht als sterile Neubausiedlung, sondern als urbanes Quartier mit Geschichte, kultureller Vielfalt und einer bewusst gewollten Offenheit für neue Ideen.

Besucher erleben heute eine außergewöhnliche Mischung aus Kunst im öffentlichen Raum, modernen Bürogebäuden, Hotels, Restaurants, Konzert- und Veranstaltungsflächen sowie Freizeitangeboten wie dem weithin sichtbaren Umadum-Riesenrad. Gleichzeitig setzt das Quartier auf nachhaltige Mobilität, innovative Energiekonzepte und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Das Leitbild lautet dabei nicht kurzfristige Rendite, sondern ein Stadtviertel zu schaffen, das auch für kommende Generationen lebenswert bleibt. Die Betreiber sprechen in diesem Zusammenhang von einem „urenkeltauglichen“ Quartier – einem Ort, der wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Werksviertel-Mitte Stiftung. Sie geht auf die 1996 von Otto Eckart gegründete Stiftung Otto Eckart zurück, die nach dem Verkauf des Familienunternehmens Pfanni ins Leben gerufen wurde. Seit rund drei Jahrzehnten begleitet sie die Entwicklung des Quartiers und fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Kunst, Kultur, Umweltschutz und internationale Verständigung. Im Jahr 2026 wurde die Stiftung zur Werksviertel-Mitte Stiftung weiterentwickelt, um ihre Rolle als ideelle Trägerin und Impulsgeberin des Quartiers noch stärker auszubauen.

Die Stiftung versteht sich dabei nicht nur als Förderinstitution, sondern als Mitgestalterin des gesamten Quartiers. Sie organisiert Veranstaltungen wie den Nachhaltigkeitstag „Day of Hope“, das Kinder- und Jugendfestival „JuKi“, unterstützt inklusive Kulturprojekte und betreibt mit dem Kartoffelmuseum sowie dem Pfanni-Museum Einrichtungen, die die Geschichte des Geländes lebendig halten. Gleichzeitig betreut sie weitere gemeinnützige Stiftungen und setzt sich dafür ein, dass wirtschaftliche Entwicklung stets mit gesellschaftlichem Nutzen verbunden bleibt.

Gerade diese Verbindung aus Geschichte, Kreativität, wirtschaftlicher Dynamik und sozialem Engagement macht die Faszination des Werksviertel Mitte aus. Es ist weit mehr als ein modernes Stadtquartier. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen, an dem kulturelle Vielfalt ausdrücklich gewünscht ist und an dem Nachhaltigkeit nicht als Schlagwort verstanden wird, sondern als Leitidee für Architektur, Stadtentwicklung und das tägliche Leben. Das Werksviertel Mitte zeigt eindrucksvoll, wie aus einem ehemaligen Industrieareal ein lebendiger Stadtraum entstehen kann, der Menschen zusammenbringt und gleichzeitig neue Maßstäbe für eine nachhaltige Quartiersentwicklung setzt.

Als der Krieg in den Gottesdienst platzte – die bewegende Geschichte der Kanonenkugel im Alten Peter

21. Juli 2026

Wer heute durch die Münchner Altstadt schlendert, den Blick zum Alten Peter erhebt und einmal um den Chor der ehrwürdigen Peterskirche geht, entdeckt hoch oben in der Mauer ein unscheinbares Relikt vergangener Zeiten: eine eiserne Kanonenkugel. Tausende Menschen laufen täglich daran vorbei, ohne ihre Geschichte zu kennen. Dabei erzählt sie von einem Tag, an dem der Krieg plötzlich mitten in den Frieden einer Kirche eindrang.

Es war das Jahr 1796. Europa befand sich in den Wirren der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich. München war in die militärischen Auseinandersetzungen hineingezogen worden. Österreichische Truppen beschossen die von französischen Soldaten besetzte Stadt vom Gasteig aus. Eine der abgefeuerten Kanonenkugeln verfehlte ihr eigentliches Ziel und durchschlug während eines Gottesdienstes ein Fenster der Peterskirche. Sie landete im Altarraum. Die Gläubigen gerieten in Panik und flohen aus der Kirche. Nur der Stadtpfarrer und seine Ministranten sollen unbeirrt geblieben sein und die Messe ruhig bis zum Ende gefeiert haben. Erstaunlicherweise wurde niemand verletzt.

Anstatt die Kugel einzuschmelzen oder zu entsorgen, entschied man sich später für eine ungewöhnliche Form des Erinnerns. Die eiserne Kugel wurde in das Fenstersims der Chorapsis eingemauert. Dort steckt sie bis heute – nicht als Kriegsdenkmal im klassischen Sinn, sondern als stummer Zeuge dafür, wie zerbrechlich Frieden sein kann und wie eng Hoffnung und Gefahr manchmal beieinanderliegen.

Der Alte Peter selbst ist weit älter als diese Geschichte. Als älteste Pfarrkirche Münchens begleitet er die Stadt seit mehr als acht Jahrhunderten. Generationen von Münchnerinnen und Münchnern wurden hier getauft, heirateten oder nahmen Abschied von ihren Angehörigen. Kriege, Brände und Zerstörungen hat die Kirche überstanden – zuletzt auch die schweren Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs, nach denen sie liebevoll wieder aufgebaut wurde. Die kleine Kanonenkugel fügt sich in diese lange Geschichte ein wie eine Narbe, die zwar geblieben ist, aber nicht mehr schmerzt.

Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Wirkung. Sie erinnert nicht an einen großen Sieg oder eine berühmte Schlacht. Sie erzählt von einem ganz gewöhnlichen Gottesdienst, der jäh unterbrochen wurde, von Menschen, die erschraken, und von einem Pfarrer, der Ruhe bewahrte. Wer heute unter ihr steht, hört keine Kanonen mehr, sondern das Glockengeläut des Alten Peters und das Stimmengewirr der Münchner Altstadt. Die kleine eiserne Kugel ist damit weit mehr als ein kurioses Detail – sie ist ein stilles Stück Stadtgeschichte, das seit über 230 Jahren davon erzählt, wie kostbar Frieden ist.