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No Filters: The Rolling Stones in München

14. September 2017
Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

It’s only Rock’n’Roll but I like it – Die Rolling Stones in München und ich war mitten drin. Zum wiederholten Male habe ich die britischen Rocker gehört und zum wiederholten Male habe ich ein Vermögen für die Karten ausgegeben – und zum wiederholten Male hat es mir sehr gut gefallen. No Filters heißt ihre Tour und wenn man das Alter der Stones anschaut, dürfte es sich um ihre letzte Tour handeln. Und dennoch sind sie fit: Mick Jagger springt mit seinen 74 Jahren besser herum als ich es je konnte. Keith Richards bringt es auf 73 Jahren – hier hat der Lebenswandel seine Spuren hinterlassen, aber seine Riffs kann er noch. Charlie Watts sah schon immer alt aus und mit seinen gesegneten 76 Jahren ist er es auch. Ron Wood, ist dem Krebs entkommen, kommt als Jungspund auf 70 Jahre und hält die Stones am Laufen.

Von 9. September bis 25. Oktober läuft in Europa die No Filters Tour und die Konzerte sind fast ausverkauft. Hamburg war ein grandioser Auftakt und München wurde von den Stones hinweggerockt. Zum neunten Mal waren die Stones in München und Mich Jagger postete am Nachmittag ein Foto eines Spaziergangs im Englischen Garten. So etwas gefällt den Münchner natürlich.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Die Show im Olympiastadion war großartig, wie man es von den Herren gewohnt war und doch war es dieses Mal anders als die Jahre zuvor. Die Band spielte ruppiger als früher. Die Songs klangen nicht so einstudiert, wie in den früheren Jahren. Es rumpelte mehr, die Musik hatte mehr Ecken und Kanten als in früheren Shows, die mir fast zu perfekt und zu glatt waren. Natürlich sind die Abläufe bei einer Band dieser Größe geplant, aber es kam mir vor, als ob nicht alles gescript war wie in den früheren Jahren. Und ich habe den Verdacht, dass Keith Richards gar nicht Gitarre spielen kann und das meine ich mit dem höchsten Respekt. Gebeugt steht der Darsteller aus Flucht der Karibik auf der Bühne und schlägt ein Riff nach dem anderen an. Das klassische Gtarrenspiel überlässt Herr Richards den jüngeren Kollegen Ronnie Wood, der die Arbeit machen muss. Es ist ein Genuss dieses Zusammenspiel anzuschauen.
Sorgen mache ich mir immer wieder um Charlie Watts hinter der Schießbude. Der Mann zieht sein Ding durch, obwohl ich ab und zu denke, schafft er es noch, ein zweieinhalb ständiges Konzert durchzuspielen. Er schafft es und es ist prima – aber ein Showman wird Charlie Watts in seinem Alter nicht werden.
Showman pur dagegen ist natürlich Mick Jagger. Er springt, zappelt, hüpft, rockt die meiste Zeit auf der Bühne umher – es ist eine Wohltat ihm zuzusehen. Was allerdings der dauernde Klamottenwechsel soll, weiß ich nicht. Humor bewies der Sänger mit seinem letzten Outfit. Dort stand auf dem Shirt ganz groß Stones – damit auch jeder weiß, wo er ist. Jagger ist nicht Laga Gaga und muss keine Teenager mit seinem Outfit begeistern. Apropos Outfit: Die silbernen Glitzerturnschuhe von Ronnie Wood waren der Hammer.
Die Setlist von München unterschied sich nur wenig von der in Hamburg. Positiv finde ich bei den Stones, dass sie immernoch den Blues huldigen, auch wenn er nicht hitparadentauglich ist. Ein bisschen mehr Mut würde ich mir von den Herren wünschen – also nicht nur die Hits spielen, sondern mehr Experimente bitte. Aber die Stones geben das, was die meisten Fans hören wollen: Hits am laufenden Band. Dabei startete es nicht ideal: Sympathy for the Devil war der etwas wacklige Einstand, der sofort wieder wett gemacht wurde durch ein fabelhaftes It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It). Das Publikum wählte Beast of Burben und wenn man ehrlich ist, war es eine eher unglückliche Wahl, ebenso Dancing with Mr. D.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

So richtig fand die Band hier nicht den Zugang. Wenn dann auch noch Keith Richards zum Mikro greift, ist es in der Regel für mich die Zeit Biernachschub zu holen. Und meiner Meinung nach ging Happy gerade noch, während Slipping Away einfach daneben war. Anschließend übernahm Jagger wieder das Mikrofon und die Band trumpfte im letzten Teil der Show nochmals auf und alle durften mitsingen. Ein Feuerwerk musikalisch und optisch noch am Ende und fein war es. Sehr nett fand ich am Konzertende den Hinweis „Bis bald“. Sollte es doch nicht die letzte Tour der Rolling Stones gewesen sein?

Bis bald - doch nicht die letzte Tour?

Bis bald – doch nicht die letzte Tour?

Ein Wort noch zur Sicherheit: Der Zugang zum Olympiastadion war mit hohen Sicherheitsauflagen versehen. Das finde ich gut, sehr gut. Keine Rucksäcke und Taschen oder Regenschirme (es regnete allerdings zeitweise heftig) waren erlaubt. In meiner Reihe wurde scharf kontrolliert, Abtasten und Metalldetektor. Einige Besucher in der Schlange fanden das nervig, aber ich halte es für zeitgemäß. Lob also an die Sicherheitsleute und die Polizei, die zudem noch ein Spiel des FC Bayern bewachen musste.

Die Setlist von München, soweit ich es mitbekommen habe:
Sympathy for the Devil
It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
Out of Control
Just Your Fool
Ride ’Em on Down
Dancing with Mr. D
You Can’t Always Get What You Want
Beast of Burben
Paint It Black
Honky Tonk Women
Vorstellung
Happy keith mit Zigarette
Slipping Away Keith
Midnight Rambler
Miss You
Street Fighting Man
Start Me Up
Brown Sugar
(I Can’t Get No) Satisfaction
Gimme Shelter
Jumpin’ Jack Flash

Aufs gehts zur Peter Lindbergh Ausstellung

21. August 2017

Endspurt bei der Peter Lindbergh Ausstellung in der Münchner Kunsthalle. Bis zum 31. August wurde diese wichtige Ausstellung verlängert und alle Fotobegeisterten MÜSSEN sich die Ausstellung From Fashion to Reality ansehen, unbedingt. Es gibt keine Ausrede.
Ich habe über die Pressekonferenz zur Ausstellung mit Peter Lindbergh bereits ausführlich gebloggt in Text, Bild und Video. Lindbergh ist einer der einflussreichsten Fotografen der Gegenwart und es war mir eine Ehre, so jemanden persönlich zu treffen.

Seine Bilder begleiten mich mein ganzes fotografisches Leben und es ein Erlebnis diese Fotos in einer Ausstellung zu bewundern. Das Wort Ikone ist hier nicht fehl am Platze. Als modeinteressierter Mensch ist es eine absolute Freude die Bilder zu sehen, die damals die Epoche der Supermodels begründeten. Und das Coole: Peter Lindbergh ist völlig normal geblieben.

In der Ausstellung ist ein Ausschnitt aus dem Gesamtwerk von Peter Lindbergh zu sehen: Allen voran die großen, wichtigen Bilder, aber auch die Notizen, Storyboards, Requisiten, Polaroids, Kontakt-Abzüge und Kameras. Es lässt sich Stunde um Stunde in der Hypo Kunsthalle verbringen und die Details betrachten. Der Taschen-Verlag hat den umfangreichen Katalog auf den Markt gebracht. Musste ich mir gleich kaufen, um die Fotos auch noch zu Hause zu genießen.

Peter Lindbergh – Meister des Geschichtenerzählens
Wo soll ich beginnen, um Lindbergh einzuordnen? Vielleicht so: Ich habe in meiner Ausbildung als Redakteur gelernt, dass ein gutes Pressefoto eine Geschichte erzählen soll. Einfach knipsen hat nichts mit Pressefotografie zu tun. Und hier setzt Peter Lindbergh an. Er ist genau wie ich ein Geschichtenerzähler – wobei ich mich nicht anmaßen will, die Klasse von Lindbergh je erreicht zu haben. Lindbergh hat das Storytelling in die Modefotografie gebracht. „Oftmals gleichen seine Fotografien Film-Stills, die mit ihrer Momenthaftigleit den Betrachter dazu anregen, sich eine Story vorzustellen“, heißt es in den Informationen der Kunsthalle.

Seine Fotos gelten als Vorläufer narrativer Bilderfolgen in Modemagazinen. Wer sich wirklich die Zeit nimmt und die Lindberg-Fotos in Ruhe betrachtet, wird mit einer Geschichte zu jedem Foto belohnt. Probieren Sie es einmal aus und betrachten Sie die Lindbergh-Fotos genau und Sie werden perfekt unterhalten. Und das Besondere: Jeder Betrachter bekommt eine andere Geschichte erzählt, seine ganz persönliche Geschichte. Und hier unterscheidet sich Lindbergh von meiner Pressefotografie: Der Pressefotograf erzählt eine einzige Geschichte, der Modefotograf Lindbergh erzählt viele Geschichten. Als ich später die gleichen Bilder von ihm nochmals betrachtete, kamen mir andere Geschichten in den Sinn. Danke für diese Inspiration, Herr Lindbergh.

Heimat des Netzwerkens – der Bloggerclub hat eine neue Heimat

5. August 2017
Der PresseClub ist neu eröffnet - und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Der PresseClub ist neu eröffnet – und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Die Resonanz war enorm und das freut mich sehr. In klassischen Massenmedien und den sozialen Netzen wurde über den Wiedereinzug des PresseClubs zurück an den Marienplatz groß berichtet. Damit hat auch der Bloggerclub nun die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Wie selten zuvor bekam ich Gratulationsmails, -posts oder -Tweets. Der Hammer war wohl ein halbseitiges Foto in der Abendzeitung Print (und online auch). Danke Tobias für den Hinweis und danke Manuela für die Zusendung des Papierbelegs.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Ich habe die Ehre, für den Bloggerclub als Vorsitzender zu arbeiten und mache dies meist im Hintergrund. Meine Vorstandskollegen führen in der Regel die Veranstaltungen durch. Meine Hauptaufgaben sind Lobbyismus und Netzwerken – und dem konnte ich beim Wiedereinzug des PresseClubs ausgezeichnet nachkommen.

PresseClub und Bloggerclub in bester Lage
Die neu gestalteten Räume des Clubs mit Blick auf den Marienplatz und den Alten Peter sind eindeutig die beste Lage in München. Für uns steht fest: Wir sind wieder in die Heimat des Netzwerkes eingezogen. Für mich ist der Club-Gedanke hier wichtig. In der Vergangenheit habe ich am Marienplatz für mich wichtige Hintergrundgespräche geführt. Das waren zum einen mit den illustren Gästen des PresseClubs. Das waren aber zum anderen mit den Mitgliedern des PresseClubs. Ich habe viel von dem Know-how, von der Erfahrung und der Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen profitiert. Das ist für mich Netzwerken pur. Leider waren Eli Treppner und Norbert Matern nicht da, denen ich gerne persönlich gedankt hätte.

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Wir als Bloggerclub sind dankbar, dass wir in dieser großartigen Location zu Gast sein dürfen und unsere Veranstaltungen durchführen dürfen. Bisher waren wir als Bloggerclub im Ausweichquartier des Clubs im Tal 12 untergebracht. Hier fand auch unsere Gründungsveranstaltung statt – wir sind jetzt ein Jahr alt. Der PresseClub residiert jetzt wieder am Marienplatz, wo er seit 1958 zu Hause ist und wir Blogger dürfen erstmals auch die neuen Clubräume nutzen. Damit ändert sich auch die Geschäftsadresse des BloggerClubs in die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Und das leistungsstarke kostenfreie WLAN passt auch – ich weiß, wo ich ab und zu als digitaler Nomade arbeite, wenn ich in München bin.

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung - ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung – ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

PK zur Wiedereröffnung
Zum Wiedereinzug lud der Internationale PresseClub München in seine neu gestalteten Räume am Marienplatz 22 ein. Mit rund 800 Mitgliedern und mehr als 250 Pressekonferenzen pro Jahr ist der PresseClub München e.V. der größte seiner Art in Deutschland. Nach dem Umbau bietet der Club nicht nur den Blick auf das Rathaus, sondern auch auf den Alten Peter. Wenn ich Gäste aus dem In- und Ausland habe, führe ich sie in den PresseClub und zeige ihnen den Ausblick. Besser geht es wirklich nicht.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Einen Überblick über die Aktivitäten und Angebote des PresseClubs gaben auf der Pressekonferenz: Peter Schmalz, Vorsitzender PresseClub München e.V., Helmut Gierke, Vorstandsmitglied PresseClub München e.V., Angelica Fuss (coole Brille), Geschäftsführerin PresseClub München e.V., Matthias J. Lange, Vorsitzender Bloggerclub e.V., Leonie Sanke, Vorsitzende Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V. (NJB), was mich besonders gefreut hat, denn dem NJB stand ich lange als Vorsitzender vor. Auch unser stellvertretender Vorsitzender Franz Neumeier war im Publikum mit dabei und beantworte im Nachhinein die Fragen der Journalisten. Für einen Imagefilm des PresseClubs wurden Franz Neumeier und ich vor der Kamera interviewt. Wir spielten uns wunderbar die Bälle zu und machen Werbung für den Bloggerclub – also Lobbyismus pur.

Die Sicht vom Podium.

Die Sicht vom Podium.

Die komplette Pressekonferenz gibt es hier zu sehen. Die Ausführungen von mir gibt es ab Minute 35:38 im ersten Video und das komplette zweite Video.

 

Buchtipp Star Wars Identities – Schlussstrich unter dem Amoklauf München

22. Juli 2017
Nach einem Jahr endlich ausgepackt: Katalog zu Star Wars Identities

Nach einem Jahr endlich ausgepackt: Katalog zu Star Wars Identities

Am 22. Juli jährt sich der Münchner Amoklaufs. Heute vor einem Jahr ermordete ein Schüler am Münchner Olympia Einkaufszentrum OEZ zahlreiche Menschen. Ich war damals mit meinem Sohn in München in der Star Wars Identities Ausstellung und wir waren von den Ereignissen betroffen. Meine Eindrücke vom Amoklauf habe ich gebloggt. Mein Sohn und ich verbrachten damals einen schönen Tag in der kleinen Olympiahalle und genossen die Wanderausstellung. Zum Abschluss kauften wir die Luxus-Ausgabe des Ausstellungskatalogs und die Sammlung der gerollten Ausstellungsplakate. Dann kam der Amoklauf und der weitere Tag verlief anders geplant. Der Tag machte uns Angst und Vater und Sohn hatten ein prägendes Erlebnis,
Ein Jahr stand die Tüte mit dem Ausstellungskatalog zu Hause bei uns herum. Immer wieder warf ich einen Blick auf die weiße Tüte. Ich hatte keinen Bedarf mich mit dem Katalog zu beschäftigen. Auch die Plakate waren noch originalverpackt und versiegelt. Wir nahmen durch den Amoklauf zwar keinerlei Schaden, aber es war eine intensive Erfahrung. Mir wurde damals bewusst, wie schnell sich mein geordnetes Leben verändern kann.
Die Tüte mit den Ausstellungskatalog stand also bei uns herum. Ich hatte keine Lust, mir die Erfahrung nochmals in Erinnerung zu rufen. Aber nach einem Jahren ist für mich Zeit gekommen und einen Schlussstrich zu ziehen. So doof es klingt: Ich packe jetzt diesen Ausstellungskatalog aus und erinnere mich wieder an eine wunderbare Star Wars-Ausstellung. Hier meine Eindrücke von der Ausstellung.

In dieser Tüte lag der Katalog ein Jahr herum.

In dieser Tüte lag der Katalog ein Jahr herum.

Ich legte damals 40 Euro für den Ausstellungskatalog auf den Tisch. Wir wählten als Star Wars-Fans die Luxus-Ausgabe mit einem Druck von Darth Vader. Der gebundene Katalog kommt in einem Karton daher.
Die Star Wars Identities lieferte für Fans enorm viele Details und es war tolle Sache viele Modelle, Sketches, Zeichnungen und Kostüme im Original zu sehen. Ich habe die Ausstellung damals Stück für Stück dokumentiert mit Fotos und Videos.
Nach einem Jahr kommen die Erinnerungen an diese wunderbaren Ausstellungsstücke wieder hoch. In einem Unboxing-Video stelle ich den Ausstellungskatalog vor. Ich kann jedem Star Wars-Fan diesen Ausstellungskatalog von Star Wars Identities absolut empfehlen.

 

Konzert: Deep Purple in der Olympiahalle München 2017

22. Mai 2017

Als zur Einstimmung auf das Konzert The Boys are back in Town lief, da wurde ich etwas melancholisch. Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass ich Deep Purple live sehen würde? Die britische Band befindet sich auf ihrer Long Goodbye Tour und machten in Münchner Olympiahalle Station. Wie oft hatte ich die britischen Hardrocker schon gesehen? Viele Male guten alten Hardrock. Damals noch mit Ritchie Blackmore als wilden geheimnisvollen Mann bei der Perfect Stranger-Vereinigung. Ich hatte Keyboard-Zauberer Jon Lord noch lebend gesehen. Und nun saß ich hier und wollte auf Wiedersehen sagen, schließlich sind die Herren im Seniorenalter. Infinite soll das letzte Studioalbum gewesen sein.


Die Spannung auf Deep Purple war bei mir enorm. Die Vorband Spacetruck machte einen guten Job und heizte den Fans ein. Und dann begann die rund zweistündige Show der Altrocker. Im Hintergrund schwebte das Konterfei der Herren in einem Eisberg, wie einst die US-Präsidenten in Mount Rushmore. Das Bild kannten wir bereits aus dem Booklet von Infinite.


Dann brach es los mit Time for Bedlam. Ian Gillan überraschte uns mit Sonnenbrille und Goldjacke. Ich dachte sofort an die Scheibe 50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong, die Elvis‘ Gold Records, Volume 2. Und irgendwie stimmte es ja: Deep Purple spielte eine Best of-Show mit ein paar neuen Songs. Die Herren müssen nicht mehr beweisen, was sie können. Das neue Songmaterial ist nett, aber das alte ist netter. Routiniert spielen sie ihre Show ab und zeigen, welchen Sound die Mark VIII-Besetzung hervorbringt. Ian Gillan, Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und Ian Paice machen mir immer noch eine Freude. Das Zusammenspiel der alten Herren ist tadellos aufeinander abgestimmt. Nachdem ich im Vorfeld immer wieder von den Problemen des Gitarristen gehört habe, achtete ich besonders darauf. Auf dem Konzert konnte ich von den Arthrose-Problemen von Steve Morse nichts feststellen – das ist gut so. Im Hintergrund stand ein Roadie mit Gitarre bereit, der aber mehr bemüht war, die Instrumente zu stimmen. Ob er als Ersatz fungieren sollte, weiß ich nicht. Ich mag diesen Steve Morse einfach. Er scheint ein freundlicher Kerl zu sein, anders als der Stinkstiefel Herr Blackmore. Morse hat seinen eigenen Stil in Deep Purple eingebracht und fungiert nicht als Blackmore-Ersatz. Das Zusammenspiel zwischen der immer noch tollen Stimme von Ian Gillan und der Gitarre von Steve Morse klappt hervorragend und beide scheinen nach all den Jahren sogar noch Spaß daran zu haben, trotz Hunderter Konzerte. Ein Made in Japan kommt freilich nicht mehr heraus, erwartet aber auch keiner im meist älteren Publikum.


Einziges Gründungsmitglied von Deep Purple ist Ian Paice, der Spaßvogel. Er sitzt hinter seiner Schießbude und drischt bekleidet mit seinem Werbe-T-Shirt von Pearl auf die Felle ein, dass es eine Freude ist. Ab und zu hängt die Zunge raus zwecks Konzentration. Pacie geht richtig ab, wenn er sich durch die Klassiker spielt. Und davon gab es viele auf der Long Goodbye Tour.
Die Setlist war in München:
Time for Bedlam, 
Fireball, 
Bloodsucker, 
Strange, Kind of Woman, 
Johnny’s Band, 
Uncommon Man , The Surprising, 
Lazy (with keyboard intro), 
Birds of Prey, 
Hell to Pay, 
Keyboard Solo, 
Perfect Strangers, 
Space Truckin‘, 
Smoke on the Water
Die Zugaben waren:
Highway Star, 
Hush, 
Bass Solo, 
Black Night
Da war es wieder, dass alte Hardrock-Feeling. Die Mischung zwischen alten und neuen Songs hat gepasst und freilich haben die Fans in der Olympiahalle bei Smoke on the Water mitgesungen, wie es sich gehört. Jeder Gitarrenanfänger kennt die Griffe, die die Rockmusik verändert haben.
Also die Herren, wenn es wirklich die letzte Tour war, dann sag ich artig vielen lieben Dank. Ihr habt mein Leben bereichert. Mir hat es gefallen und auf der Heimfahrt hörte ich freilich Highway Star.

Beim Aprilwetter zieh ich meine Roeckl wieder an

27. April 2017
Der Handschuhhersteller Roeckl muss einige Läden schließen. München bleibt.

Der Handschuhhersteller Roeckl muss einige Läden schließen. München bleibt.

Was ist das für ein sch … Wetter? Der April weiß nicht, was er will. Ich packe wieder meine Winterhandschuhe aus und halte meine Handschuhe von Roeckl in der Hand. Welche soll ich nehmen? Ich mag sie doch alle so gerne. Gleichzeitig bin ich entsetzt und es tut mir leid. Ich gelesen, dass Roeckl Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat. Für mich als Freund von Accessoires ist Roeckl der Handschuhhersteller schlechthin. Ich habe rund 30 verschiedene Paare von Roeckl und jede Saison werden es mehr. Ich habe schon darüber gebloggt.
Insolvenz in Eigenverwaltung heißt zunächst nicht, dass Roeckl komplett dicht macht. Aber das 1839 gegründete Traditionsunternehmen wird nach eigenen Angaben sieben Standorte schließen und 45 der derzeit 200 Mitarbeiter entlassen. Geschlossen werden beispielsweise Nürnberg, Aachen und Wiesbaden. Das finde ich sehr, sehr traurig, schließlich wird Roeckl in der sechsten Generation geführt.

Lagerverkauf beim Roeckl.

Lagerverkauf beim Roeckl.

Aber ich kann es nachvollziehen. Das Thema Handschuhe ist nicht unbedingt der Renner unter Jugendlichen. Das war mal anders. Als Roeckl den Roeckl Intelligence, einen Touch-Handschuh für das iPhone herausgebracht hat, empfand ich einen Boom in den Geschäften. Techfreaks, die bisher noch nie in einem Roeckl-Laden waren, schauten rein. Der hohe Preis schreckte sie nicht ab, schließlich waren es klassische Apple-Kunden gewohnt, für Qualität etwas hinzulegen. Dann kamen aber die Billigheimer aus Asien und der Touch-Markt wurde überschwemmt. Heute finde ich im Sortiment noch immer ein paar Touch-Handschuhe, um die Oberfläche des iPhones zu bedienen, aber modisch gefallen mir die Sachen nicht. Zudem bediene ich mein iPhone mehr und mehr über Siri.
Die Geschäftssparte, die den Sporthandschuh verwaltet, hat wohl Glück gehabt, aber der modische Handschuh hat mehr und mehr Probleme. Der Handschuh als Modeaccessoire ist nicht überall der Renner und zudem noch extrem saison- und wetterabhängig. Nun, ich trage Handschuhe noch als Modeaccessoire eigentlich das ganze Jahr. Im Winter gegen die Kälte, im Sommer habe ich manches Mal leichte Handschuhe beim Autofahren. Ich habe auch oft Handschuhe an, wenn ich die S-Bahn benutze. Ich will nicht krank werden bei den ganzen Bakterien, wenn ich Geländer oder Stangen anfasse.

Vorbereitung auf Magic City München

26. April 2017

Für mich hat Graffiti eine Wandlung durchlaufen – von der Schmiererei bis zur Kunstform. Nicht jedes Graffiti ist Kunst, aber Reaktion der Betrachter auf Graffiti im urbanen Raum kann interessant aussehen. Gleich vorweg zur Klarstellung: Ich kein Graffiti auf der Gartenmauer, denn meine Reaktion würde einfach nur Wut sein.
Am Wochenende werde ich mir in München die Ausstellung Magic City – die Kunst der Straße ansehen und bin voller Erwartung über das Event in der kleinen Olympiahalle in München. Magic City präsentiert eine „lebendige und fantasievolle Kunstform der Gegenwart“, so die Veranstalter. Ich bin sehr gespannt. Graffiti hat eine lange, lange Geschichte, die bis ins alte Ägypten zurückreicht. In München gibt es verschiedene Variationen von Graffiti, die mehr in Richtung Streetart gehen. Streetart finde ich sehr interessant. In New York sah ich ein Werk von Banksy und konnte niederknien. Ich habe darüber ausführlich gebloggt.


Streetart begegnet mir auf Schritt und Tritt. Einfach nur Augen offen halten und wir sehen Kunst im öffentlichen Raum: Style-Writing, Scratching, Etching, Ganggraffiti, Pixação, Ultras-Graffiti, Streetart, Stencil/Pochoir, Politische Graffiti, Zinken, Reverse Graffiti und und und. Ob es Kunst ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich will von zwei Graffiti-Begegnungen berichten, die ich sehr interessant finde.


Als ich in Bayreuth einen Vortragstermin hatte, ging ich entlang des Rotmain-Centers. An der Mauer zur Traditionsbrauerei Meisl gibt es seit Jahren unterschiedliche Graffitis von unterschiedlicher Qualität. Ich hatte ein bisschen Zeit und konnte sie betrachten. Wer sie angebracht hat und wann, das weiß ich nicht. Es gibt sie aber schon einige Jahre. Gleich vorweg: Ich mochte das Känguru aus Yps am liebsten. Es hat mich schlagartig an meine Jugend erinnert und obwohl die Zeitschrift Yps wieder auf dem Markt ist, begeistert sie wohl nur die ältere Generation. Es stand auch nett da „mit Gimmick Nr 1968“ – mein Geburtsjahr. Ein Gimmick 1968 gab es nicht, mein Yps endete damals mit Gimmick 1257 Finger-Fußball. Die Motive machen Spaß, provozieren und laden zum Verweilen ein.


München hatte in den siebziger Jahren eine aktive politische Graffiti-Szene. In der düsteren Menzinger Unterführung in München bei der Fußgängerunterführung an der Kreuzung Menzinger Straße, Wintrichring und Maria-Ward-Straße gibt es interessantes Graffiti. Coole Motive in einer versieften Umgebung. Interessantes Streetart in München. Hier fand 2016 auch das zweite Münchner Festival für unangepasste Kunst statt. „Gesellschaftskritische Kunst an ungewöhnlichen Orten sichtbar zu machen“, war ein Lob über die Malereien in der Unterführung. Künstlerisch gefällt mir die Unterführung, allerdings verliert man als ortsunkundiger Fußgänger ein wenig die Orientierung. Enge verwinkelte Gänge für Fußgänger in einer autogerechten Stadtatmosphäre.


Im Netz habe ich einen Antrag im Baureferat gefunden. Am 03.03.2009 wurde von Stadtrat Josef Schmid und Stadtrat Hans Podiuk der Antrag Nr. 08-14 / A 00621 gestellt mit dem Ziel “Unterführungen sicherer und schöner machen!“ Darin wird ein öffentlicher Kunstwettbewerb für “stark frequentierte Münchner Unterführungen“ gefordert. Dadurch soll eine optisch ansprechende Gestaltung der Unterführungen erreicht werden. Sicherheitsaspekte und die Berücksichtigung von Rad- und Fußgängerverkehr sollen ebenfalls eine Rolle spielen. Der Kunstwettbewerb soll für Nachwuchskünstler, Anwohner und anliegende Kindergärten, Schulen und Jugendzentren ausgelobt werden.


Aber jetzt erst mal bereitmachen für Magic City in München. Ich werde in diesem Blog berichten, wie es mir gefallen hat.

Pressekonferenz mit Modefotograf Peter Lindbergh

22. April 2017

 

Peter Lindbergh hält Hof in München zur Ausstellungseröffnung.

Peter Lindbergh hält Hof in München zur Ausstellungseröffnung.

Als Klatschreporter wäre ich wohl eine Niete, aber natürlich interessiert mich Prominenz. Durch meine journalistische Tätigkeit bin ich immer wieder Kreativen begegnet, die für mich persönlich wichtig und dadurch prominent waren – für die Masse eher weniger. Ich habe viel Gespräche geführt mit Kameraleuten, 3D-Artists oder Regisseuren, die mich beeindruckt haben. Jedes Jahr versuche ich ein solches persönliches Promi-Gespräch zu treffen. In der Vergangenheit war dies sicherlich Gespräche mit Christiane Kubrick und Jan Harlan, es war sicherlich ein nettes Interview mit Ken Adam und es war vor kurzem eine Pressekonferenz mit dem legendären Fotografen Peter Lindbergh.
In der Hypo Kunsthalle gibt es die absolut sehenswerte Ausstellung From Fashion to Reality mit grandiosen Fotos von Peter Lindbergh zu sehen. Ich werde separat über die Ausstellung und das dazu erschienen Buch bloggen. Im Vorfeld der Ausstellung gab es eine Pressekonferenz, auf die mich mein Bloggerclub-Kollege Sascha Walk am Rande einer Vorstandssitzung des Bloggerclubs hinwies. Ich war Feuer und Flamme und meldete mich nachträglich zur PK an. Danke an das Presseteam der Kunsthalle für die Kulanz trotz meiner Verspätung.

Die Ausstellung From Fashion to Reality ist absolut sehenswert.

Die Ausstellung From Fashion to Reality ist absolut sehenswert.

So durfte ich in der ersten Reihe der Pressekonferenz den Worten des großen Fotografen lauschen. Und nachdem mir einige Fragen der Kolleginnen und Kollegen zu doof waren, stellte ich zwei eigene.
Aber alles der Reihe nach: Nachdem ich zeitig dran war, sah ich, dass die erste Reihe der Pressekonferenz in der Kunsthalle nicht besetzt war. Links und rechts hatten sich zahlreiche Kamerateams postiert und einige Bildjournalisten hatten schon vorne Plätze besetzt. Ein Stuhl war noch frei, also mein Stuhl. Als Blogger packte ich ein leichtes Tamrac Zip Shot Stativ aus und schraubte meine Bloggerkamera Canon LEGRIA mini X darauf. Diese zeichnete die ganze PK für YouTube auf. Die Fotos während der Veranstaltung machte ich mit meinem iPhone und der Fujifilm X100s.

Die PK schnitt ich für YouTube mit.

Die PK schnitt ich für YouTube mit.

Photoshop reduziert den Menschen auf Null
Nach ein paar privaten Ausführungen zum Deutschlernen in der Familie und ein Lob über München ging es los. „Modefotografen haben eine Art von Verantwortung. Wenn man Frauen fotografiert, muss man sich überlegen, wie man sie fotografiert und warum und wie sie dann aussehen auf den Fotos. Das ist heute so auf den Hund gekommen, wie Frauen in den Magazinen aussehen. Man hat eine Technik entwickelt, die heißt Photoshop. Damit kann man Frauen die Regungen des Lebens wegretuschierten. Und damit den Menschen auf Null reduzieren und dann behaupten, das ist schön.“ Dies sei der Stand der heutigen Idee von Schönheit. Lindbergh forderte die Courage zu haben, selbst zu sein. „Dann ist man schön“, so der Fotograf. Sein Frauenbild habe sich über die Jahrzehnte durch nicht geändert. „Man kennt das natürlich oder echt.“

Hurra, Peter Lindbergh macht ein Foto von mir.

Hurra, Peter Lindbergh macht ein Foto von mir.

Von Smartphone-Fotografie lässt sich viel lernen und entdecken
Als Blogger, der von Lindbergh mit dem iPhone fotografiert wurde, wollte ich es genauer wissen und fragte nach. Was hält ein Meisterfotograf wie Peter Lindbergh von der Smartphone-Fotografie? „Die großen Fotografen behaupten ja immer, dass dies alles Blödsinn sei. Jeder will heute Fotograf sein. Ich sehe so viele tolle Sachen, dagegen kann man als Fotograf gar nicht anstinken. Professionelle Fotografen können sich nur noch dadurch auszeichnen, dass sie einen Standpunkt haben und den 20, 30 oder 40 Jahre vertreten.“ Bei den Smartphone Fotos seien so tolle Sachen dabei. „Da kann man nichts dagegen machen. Da kann man dagegen viel davon lernen, diese Leichtigkeit.“

Er ist kein Freund von Selfies und so wurde ein Selfie gemacht.

Er ist kein Freund von Selfies und so wurde ein Selfie gemacht.

Über das Ende der Fotografie
Viele kleine und große Geschichten erzählte Peter Lindbergh in der Pressekonferenz. Probleme mit der digitalen Technik sehe er keine, vielmehr Probleme mit all den Leuten, die bei einem Shooting mitreden. In analogen Zeiten hatte er die Bilder im Kopf, in digitalen Zeiten in denen die Kamera an einem Monitor angeschlossen wird, reden zu viele Leute mit. „Dies läutet das Ende der Fotografie ein.“ Jeder könne durch den den externen Monitor sehen, was der Fotograf macht und reinreden. „Da beginnt das Ende der Fotografie. Der arme Typ hinter der Kamera darf nur noch den Kopf drücken.“


Schaut euch die ganze Pressekonferenz in Ruhe an. Von Peter Lindbergh kann jeder Fotograf etwas lernen und sei es auch nur die Leichtigkeit, wie so ein Star die Fragen beantwortet. Und schaut euch die Ausstellung in der Hypo Kunsthalle an, es lohnt sich.

Teil 1 der PK

Teil 2 der PK

Die Einführung zur PK

 

Gut behütet in der Münchner Fußgängerzone – Zunftzeichen bei Hut Breiter

19. April 2017
Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Auch wenn es heute nicht mehr so angesagt ist außer in Hipster Kreisen, trage ich gerne Hüte. Ich finde der Hut ist ein wunderbares Kleidungsstück. Er hält den Kopf warm und kleidet mich. Ich kaufe meine Hüte u.a. beim Hutkönig am Dom in Regensburg, in Hamburg bei Falkenhagen und in meiner Geburtsstadt München bei Breiter am Dom.
Bei meinem jüngsten Einkauf bei Breiter in der Münchner Fußgängerzone bemerkte ich einen Unterschied. Etwas an der Ladenfassade an der Kaufinger Straße ist anders. Neues Logo? Nein! Neue Farbe? Nein! Es ist das Zunftzeichen des Zylinderhuts. Der ist neu. Da musste ich bei Geschäftsinhaber Alexander Breiter nachfragen.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

„Schön ist ein Zylinderhut, wenn man ihn besitzen tut, doch von ganz besonderer Güte sind die Breiter Hüte …“ so dichtete Adalbert Breiter kurz nach dem ersten Weltkrieg einen seiner Werbereime. Reim dich oder ich fress dich. Einen klassischen Zylinder besitze ich zwar nicht, dafür einen Klappzylinder oder Chapeau Claque, den ich bei Breiter erworben habe.
Frisch aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt übernahm Adalbert Breiter den 1863 gegründeten Familienbetrieb und eröffnete 1918 das Huthaus in der Kaufinger Straße in München. Statt der heute üblichen Neonwerbung wurden damals kunstvolle Zunftzeichen an den Läden und Werkstätten angebracht. Als ehemaliger Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern mag ich das sehr. Je prunkvoller um so besser, im Falle von Hut-Breiter ein riesiger Metergroßer vergoldeter Zylinderhut.

Schön ist der Zylinder geworden.

Schön ist der Zylinder geworden.

Der Zylinder wurde zusammen mit dem Laden bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1944 zerstört. Hitler du bist ein Arschloch. Nach dem Krieg fehlte das Geld zum Wiederaufbau. Als Ende der 80er Jahre ein erneuter Anlauf gemacht wurde, das Zunftzeichen wieder anzubringen, machten die städtischen Behörden von München einen Strich durch die Rechnung. München sei eine Weltstadt und kein Museum, hieß es damals als Begründung.
Jetzt nach über 70 Jahren wurde das Zunftzeichen wieder genehmigt. Eine absolut richtige Entscheidung, wie ich finde. Nach alten schwarzweiß Bildern wurde der Zylinderhut vom Münchner Kunstschmied Nüssel in Handarbeit originalgetreu nachgebildet und anschließend mit Blattgold überzogen. Das Bayerische Fernsehen begleitete die Schmiedearbeit im Rahmen der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“. Lineares Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr, doch war der Film in YouTube vorhanden.


Ich finde das Zunftzeichen prima. Eines der letzten Familienbetriebe in der Münchner Fußgängerzone zeigt mit diesem vergoldeten Zylinder Flagge. Das ist gut so und meine Gratulation an die Familie Breiter.

Kritik: Video Games Music in Concert

9. Februar 2017

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Was hatte ich mich gefreut auf einen interessanten Abend. Seit Wochen fiebere ich dem Auftritt des Münchner Rundfunkorchesters entgegen und habe meine Familie, meine Freunde und Bekannte im Internet ganz wepsig gemacht: Alle sollten die Aufführung von Video Games Music in Concert im Münchner Prinzregententheater erleben. Und am Ende konnte ich aus familiären Gründen nicht. Ich habe mich ziemlich geärgert.
Aber ich wurde ein wenig entschädigt. Der Bayerische Rundfunk übertrug das Konzert live als Video- und Audiostream. Und so konnte ich die Musik von Videospielen zumindest am digitalen Endgerät verfolgen. Am iPad Pro verfolgte ich den Videostream und ließ den Sound über die Anlage laufen. Und der Sound hatte es in sich. Großes Lob an die Technik vom BR. Der Stream war tadellos, selbst bei meinem Landei-Internet ging es ohne Ruckeln und Aussetzer – selbst bei HD. Dafür zahle ich gerne meine Rundfunkgebühren.


Als die Kamera mal vom Eckehard Stier weg und ins Publikum schwenkte, hatte ich ein wenig meine Zweifel. Der Großteil der Zuhörer war brav konservativ gekleidet. Hey, wo sind die Gamer im Publikum geblieben? Ich sah kaum T-Shirts, Hoodies oder Caps – also die klassische Gamer-Bekleidung. Da fragte ich mich: Für wen wurde dieses Konzert eigentlich aufgeführt?
In erster Line dachte ich an die Zocker, an die Gamer, an die Konsolenfreaks. Als Retrogamer lehnte ich mich in meinen Wohnzimmersessel zurück als die fabelhafte Musik von Chris Huelsbeck ertönte. Natürlich war es Turrican II, das Spiel hatte ich ewig gezockt und die verschiedenen Audio-Fassungen hab ich auf meinem Server. In Kürze kommt die Klassik-Version von Turrican II heraus, die in Bochum aufgenommen wurde. Ich genoss die Klänge und verfolgte gleichzeitig die Facebook-Posts der Huelsbeck-Fans, die mit dem Meister live diskutierten. Chris Huelsbeck machte mit der Great Giana Sisters – Suite auch den Abschluss des Konzerts.
Großes Lob an das Orchester und Eckehard Stier. Die Qualität der Musik war einzigartig. Meine Frau, keine große Gamerin aber Klassik-Fan, hörte zu und genoss es, als sich die musikalischen Spannungsbögen aufbauten. Und das sollte wohl auch ein Ziel des Konzerts sein: Klassik-Fans für Video Game Musik zu interessieren. Und dieses Ziel ist voll und ganz gelungen.


Video Spiele sind ein Kulturgut und Video Game Music ist ebenso ein Kulturgut und es gilt, breitere Kreise für diese Musik zu begeistern. Bei mir war es zunächst die klassische 8-Musik und im Laufe der Jahre wurde es mehr, mehr. Als Fan von Filmscores und -soundtracks habe ich großes Interesse an Game Music. Viele Filmkomponisten schreiben nun Musik für Spiele und anders herum. Hier wachsen Welten zusammen und Kultur verbindet. Das ist genial.
Der BR Klassik hat online ein ganzes Webspecial zusammengestellt. Für den Gamer sind keine großen Überraschungen dabei, für den Klassik-Hörer des BR allemal. Sehr verdienstvoll ist die Präsentation des legendären Nobuo Uematsu. Nobuo Uematsu schuf die musikalische Welt von Final Fantasy. In Japan ist Nobuo Uematsu eine absolute Berühmtheit und das Konzert des Münchner Rundfunkorchesters leistete einen Beitrag dazu, den Meister einem neuen Publikum bekannt zu machen. Bei uns hatte es zu Folge, dass ich mir die Musik von Final Fantasy vom Server holte und laufen lief. Gerne hätte ich das Konzert vom BR als Audio-Aufnahme.
Insgesamt brachte das Münchner Rundfunkorchester folgende Werke zur Aufführung:
Jonne Valtonen – Fanfare for the Common 8-bit Hero
Chris Huelsbeck – Turrican II: Concerto for Laser and Enemies
Nobuo Uematsu – Blue Dragon: Waterside
Ari Pulkkinen – Angry Birds – Medley
Nobuo Uematsu – Final Fantasy VI – Symphonic Poem
Jonne Valtonen – Albion Online – Medley
Ari Pulkkinen – Super Stardust – Medley
Martin Schiøler – Clash of Clans
Chris Huelsbeck – Great Giana Sisters – Suite
Die Moderation hatte Nino Kerl inne. Er ist den Anime-Fans u.a. von seinem YouTube-Kanal bekannt. Ich hätte mir für das anwesende Klassik-Publikum mehr Show und Emotion gewünscht. Nino Kerl, den ich sehr schätze, war mir ein wenig zu zahm, zu wenig frech. Ich kenne aus YouTube einen provokanteren Nino Kerl. Aber wahrscheinlich war das BR-Klassik-Publikum zufrieden mit der Performance.

Alles in allen eine super Sache und ich ärgere mich, dass ich nicht live dabei sein konnte. Danke an den BR für die Übertragung.