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Verwandlungsspieltisch im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

19. Oktober 2018
Für die Blogger wurde ein Verwandlungstisch geöffnet.

Für die Blogger wurde ein Verwandlungstisch geöffnet.

Eine seltene Ehre wurde den Bloggerinnen und Bloggern beim jüngsten Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum zu Teil. Unter dem Hashtag #BarockerLuxus kamen wir an Orte, die dem gemeinen Besucher eher verschlossen sind. Ich bedanke mich für diese Möglichkeit. Und wir bekamen Vorführungen, die nur ein ausgewähltes Publikum genießen können.
Zum adeligen Leben des Barocks gehörten aufwendige Möbel dazu. Dazu gab es in der Möbelabteilung des fantastischen Museums in München eine Abteilung mit Luxusmöbel von Abraham und David Roentgen. Ich muss zugeben, dass ich die beiden Herrschaften vor meinem Besuch des Nationalmuseums nicht kannte. Zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass historische Möbel nicht unbedingt zu meinen Steckenpferden gehören. Das sollte sich jetzt ändern. Der Saal mit den Roengten-Möbeln wurde durch Harry Beyer, ein Münchner Antiquitäten-Geschäft, finanziert.

Toller Saal mit historischen Möbeln im Bayerischen Nationalmuseum.

Toller Saal mit historischen Möbeln im Bayerischen Nationalmuseum.

Die Kuratoren des Museums ließen uns Bloggern eine besondere Ehre zu Teil. Der Kurator der Möbelabteilung öffnete mit weißen Stoffhandschuhen einen der empfindlichen Tische, die mit einer besonderen Mechanik ausgestattet sind. Vielen Dank dafür. Mein Kopfkino begann sofort zu Arbeiten und ich sah Szenen von Barry Lyndon vor meinen geistigen Auge.

Der Verwandlungsspieltisch stammt zwischen 1774 und 1780. Die Grundidee des Tisches, eine dreimal wandelbare Platte und ein zuletzt hervorspringender Kasten, wurde schon von Abraham Roentgen entwickelt. Dieses Exemplar folgt klassizistischen Formen, wohingegen die an den Bändern aufgehängten Rosenblüten noch dem naturromantischen Rokoko angehören.

Ich saugte sehr viel historisches Wissen auf. Die Herstellung von Luxusmöbeln konzentrierte sich im 18. Jahrhundert auf Paris mit einer Vielzahl von berühmten Meister. Nur eine einzige Werkstatt war international ebenbürtig: die von Abraham (1711-1793) und David Roentgen (1743-1807) in Neuwied am Rhein. Die Familie Roentgen gehörte der sittenstrengen protestantischen Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter an, die 1750 Graf Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied in seiner Residenzstadt ansiedelte. Die Herrnhuter galten als gute Handwerker, waren aber sonst eher spaßbefreit. Sie lehnten jeglichen Luxus sowie spekulative Geschäftsmodelle oder Kreditaufnahme strikt ab. David Roengten war wohl aber ein Fuchs und das schwarze Schaf der Glaubensfamilie und ging zum Erreichen seiner Ziele auch geschäftliche Risiken ein und bekam immer wieder Ärger mit seiner Gemeinde. Sein geschäftlicher Höhepunkt war die Gründung einer Niederlassung in Paris 1780 und die Belieferung des Russischen Hofes in St. Petersburg zwischen 1783 und 1789. Die Möbel der Roengtenmanufaktur zeichneten sich durch ihre handwerklich perfekte Ausführung, aufwendige Materialien und besondere mechanische Raffinessen aus. Also den Raum im Bayerischen Nationalmuseum ansehen und vielleicht habt ihr ja Glück auf eine Demonstration. Wenn nicht, dann die Monitore im Raum anschauen, dort werden die Geheimnisse der Möbel am Display gezeigt.

Der aufgeklappte Verwandlungstisch.

Der aufgeklappte Verwandlungstisch.

Bloggerwalk und Storytelling im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

16. Oktober 2018
Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Eine wunderbare Form der Wissensvermittlung habe ich durch einen Bloggerwalk meiner Bloggerclub-Kollegin Tanja Praske kennengelernt. Unter dem Hashtag #BarockerLuxus schauten sich 20 Bloggerinnen und Blogger unterschiedlicher Richtung das Bayerische Nationalmuseum an. Ein Bloggerwalk ist eine Art moderierter Spaziergang mit vielen Film- und Fotomotiven für dieses Neuland Internet.

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Veranstaltung empfand ich als einen vollen Erfolg. Ich werde das Museum, in dem mich  der Prinzregent Luitpold im Foyer begrüßt, wieder mit meiner Frau besuchen. Die Exponate haben mich tief beeindruckt.

Noch beeindruckender waren allerdings die großen und kleinen Geschichten, die die Kuratoren des Bayerischen Nationalmuseums zu erzählen wussten. Über Geschichten verkauft man Geschichten und Geschichten erzählen konnten die fabelhaften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums. Storytelling muss also bei einem Bloggerwalk oberstes Gebot sein. Wer langweilt, der fliegt raus.
Die Vorbereitung zum Bloggerwalk war professionell. Nachdem das Museum am Abend für die Öffentlichkeit geschlossen war, wurde es für die Blogger wieder eröffnet. Das ist aus zwei Dingen wichtig, zum einen kamen die Blogger richtig nah an die geschichtsträchtigen Exponate heran, zum anderen wurden keine Persönlichkeitsrechte der Besucher beim Fotografieren und Filmen verletzt. Wir Blogger durften alles filmen und fotografieren. Die Beleuchtung reichte aus, dass der Blitz und die LED-Leuchte in der Tasche bleiben konnten.
Die Führung durch die Ausstellung Barocker Luxus begann in der Elfenbein-Sammlung und ging über in die kostbare Porzellan-Ausstellung mit Exponaten aus China und Meißen.

Und immer tiefer in die Ausstellung. Und immer wieder Storytelling: Mal ist es die Geschichte über eine Porzellandame auf einem Sofa, der der Busen heraus gerutscht, mal ist es das ausdrucksstarke Werben eines Frauenheldens aus Porzellan, samt anlehnender Dame, die eigentlich nur geheiratet werden will. Schön auch die Episoden am Rande, dass die Aufklärung nur durch Porzellan möglich war. Nur in Pozrellantassen war es möglich, heiße Geträne wie Kaffee, Schokolade oder Tee zu genießen und über Gott und die Welt zu philosophieren.

Schön fand ich auch die Tischsitten des Barocks. Eine Tafel mit Silberbesteck und -Teller wurde gezeigt. Das Geschirr wurde nach französischem Vorbild, das heißt ohne Gläser oder Becher gedeckt. Diese brachte die Dienerschaft separat. Unverständlich, warum man aus Gründen des Wichtigseins mit Silberbesteck essen sollte, da Silber den Geschmack der Speisen verändert.

In den folgenden Tagen werde ich ein paar Geschichten um den Barocken Luxus aus dem Bayerischen Nationalmuseum veröffentlichen.
Besonderes Lob übrigens an den Leiter des Hauses, Generaldirektor Dr. Frank Matthias Kammel, der sich von Tanja Praske zum Bloggerwalk überzeugen ließ. Er begrüßte die Blogger auch mit launigen Worten.

Bei der Begrüßung dachte ich mir immer wieder: Den Mann mit seiner ausdrucksstarken Gestik kenne ich irgendwoher. Er hat schon eine lange Museumskarriere hinter sich wie beispielsweise das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Irgendwann kam es mir Kulturbanausen dann: Ich kenne Kammel aus dem Fernsehen meiner Eltern, wenn er in der Sendung Kunst und Krempel auftrat. Da musste ich dann doch in einem persönlichen Interview bei ihm nachfragen. Dabei verriet er mir auch, was sein Lieblingsstück im Bayerischen Nationalmuseum ist – lasst euch überraschen.

Manuela Merl: Lebkuchen ans Hirn

17. Dezember 2017
Danke an Manuela Merl für das nette Paket mit Lachsack und Buch „Lebkuchen ans Hirn“.

Danke an Manuela Merl für das nette Paket mit Lachsack und Buch „Lebkuchen ans Hirn“.

Es freut mich sehr, wenn Kolleginnen und Kollegen ihr Ding durchziehen. So erging es mir bei meiner Münchner Facebook-Bekanntschaft Manuela Merl, die vor kurzem ihr Buch Lebkuchen ans Hirn veröffentlicht hat.
Lebkuchen ans Hirn ist eine Sammlung von 21 Kurzgeschichten, die sie über die Jahre geschrieben hat. Nun packte sie sich ein Herz und verarbeitete diese Geschichten zu einem Buch, das sie mir freundlicherweise kostenlos zur Verfügung stellte. Ich habe dieses Buch nicht am Stück gelesen, sondern mal hier eine Geschichte, mal dort eine Geschichte. Bewundernswert wie sehr Manuela Merl die Marketingtrommel für ihr selbstverlegtes Buch rührt. Sie ist so erfolgreich, dass sie die zweite Auflage des Buches nachdrucken ließ, denn das Buch Lebkuchen ans Hirn fand einen rasenden Absatz. Sie nutzte dabei die zahlreichen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke und sie war live auf einer Lesung in Pasing ihres Buches anzutreffen. Ich finde es super, wie sehr sich Manuela Merl für ihr Buch Lebkuchen ans Hirn einsetzt. Dieses Engagement motiviert und motiviert auch mich, mal wieder etwas zu veröffentlichten. Mal sehen, über die Weihnachtszeit finde ich eine ruhige Minute zum Konzeptionieren.
Meine noch größere Hochachtung hat die Autorin, denn Manuela Merl ist Legasthenikerin. Und trotz dieser Schreibschwäche hat sie ein Buch mit ihren Geschichten herausgebracht. Sie greift auf ein gutes Lektorat zurück, die ihre Fehler ausbügeln, damit Manuela Merl ihre Sache durchziehen kann. Das finde ich bemerkenswert und großartig.
Die 21 Geschichten des Buches sind kleine Alltagsgeschichten, die Manuela Merl in Erinnerung geblieben sind und diese aufgeschrieben hat. Es sind, wie sie auf ihrer Website schreibt „humoristischen Geschichten aus dem Alltag ohne erhobenen Zeigefinger“. Das ist für mich der richtige Weg des Geschichtenerzählens. Sie hat zur Werbung ihres Buch eines Trailer produziert, der einen guten Überblick über den Inhalt ihres Buches gibt.

Zudem gibt es ein Video über ihre Erstlesung des Buches in Pasing. Ich finde dieses Engagement wirklich bemerkenswert.

Konzertkritik: Yello in der Olympiahalle München

7. Dezember 2017

Wieder kann ich eine Band auf meiner privaten Konzertliste abstreichen. Bands, die ich unbedingt mal live sehen wollte. Abgestrichen habe ich das Schweizer Duo Yello, die auf ihrer Race Tour in der Münchner Olympiahalle gastierten.

Das Konzert begann mit einer Enttäuschung. Eigentlich waren es zwei Enttäuschungen. Zum einen war die Münchner Olympiahalle zu Hälfte mit schwarzem Tuch abgehängt und auch die restlichen Plätze waren nicht komplett ausverkauft. Die Plätze neben mir und vor mir waren leer. Das Münchner Publikum weiß anscheinend nicht, was hervorragende, coole Elektronikmusik bedeutet und war wohl beim Bayernspiel. Da macht sich Yellow nach gefühlten 100 Jahren auf zu einer Tour durch Deutschland und der Kartenvorverkauf in München lief schleppend. 3000 bis 4000 Fans waren in der 12000 Menschen fassenden Konzerthalle. Fußball schlägt Kultur, das war wohl schon immer so. Das ist schade und enttäuschte mich. Yello ist seit 1978 das erste Mal auf Tour und das in München vor leeren Stühlen – das ist peinlich.

Zum zweiten sind die Schweizer auch nicht mal das, was sie waren, nämlich pünktlich. Vergesst also die Schweizer Uhren. Mit 15 Minuten Verspätung startete das Konzert, vielleicht in der Hoffnung, dass sich die leeren Plätze noch füllen würden. Das taten sie nicht. Und Dieter Meier trat auf die Bühne und sagte dann auch noch, ob man überhaupt spielen sollte: die Band antwortete mit dem Opener just do it. Ob es einstudiert oder Zufall war, weiß ich nicht. Aber es passte genial.
Und dann rockte der Betonbunker durch die Mischung aus Elektronik, Bläser und Percussions. Beginnen wir mal mit dem Sound. Die Akustik in der Münchner Olympiahalle war noch nie die beste, aber Yello holte das Optimum heraus. Der elektronische Sound war glasklar, wirklich eindrucksvoll. Leider ging die coole Stimme von Dieter Meier etwas unter, die Stimmen von den beiden Gastsängerinnen Malia und die Asiatin Fifi Rong (top) kamen gut herüber. Perfektionist Boris Blank war der Herr über die Technik und der Effekte. Die Show war große Klasse, die Projektion perfekt. Allerdings hatte ich das Gefühl, bei den Stop-Motion-Filmen wieder in die Zeit der Videoclips der achtziger MTV-Jahre zurückversetzt worden sein. Da war die Idee, eine GoPro am drehenden Autoreifen zu befestigen, deutlich innovativer.
Es war kein herkömmliches Konzert, sondern die Olympiahalle verwandelte sich zu einem Kunsthappening. Nichts anderes hatte ich von Yello erwartet.
Bei der ausgezeichneten musikalischen Darbietungen war ich über die Mischung aus Blech, Percussions und Elektronik überrascht. Wer Yello auf eine reine Elektroband wie Kraftwerk reduziert, der wurde enttäuscht. Hier wird trotz Synthesizer Musik von Menschen gemacht – und was für starke Musik. Wem die Musik nicht gepackt hat und wer nicht zumindest mitwippen musste, der war im Grunde schon tot. Auf meinem Sitzplatz wackelte ich hin und her und hätte gerne einen Platz in der Arena gehabt zum Abtanzen.
Musikalisch ging es quer durch das Repertoire des Yello-Werks. Die Werkschau der Schweizer tat gut und brachte alte Erinnerungen hervor. Das erste Mal hörte ich Yello als Jugendlicher bei meinen Kumpel Christian. Er hatte 1983 eine Schallplatte mit einem Affen angeschleppt und das Ding hieß „you gotta say yes to another excess“. Der Spruch prägte sich mit in mein Unterbewusstsein ein. „you gotta say yes to another excess“ war schon cool. Und als ich damals hörte, dass zwei Schweizer diese coole Mucke machten, war ich sprachlos. Schweiz bedeutete mir als Jugendlicher nichts, vielleicht Krokus ein paar Jahre später. Yello war cool, absolut cool, aber Yello blieb ein Insidertipp. Zwar hatten die Schweizer ihre Erfolge, aber es war nie das ganz große Ding. Dafür waren Boris Blank und Dieter Meier nicht kommerziell genug – danke dafür.

Aber in der Olympiahalle konnte ich vieles von alten LPs und spätere CDs wieder hören. Oh Yeah gehört einfach dazu und natürlich The Race. Das war die Musik, die die Jugendsendung Formel eins im bayerischen Fernsehen einläutete.
Die Setlist, wie ich sie mir notierte, war folgende:
Magma
Do It
The Evening’s Young
Limbo
Bostich
The Rhythm Divine mit Malia
30’000 Days
Tool of Love
The Time Tunnel (Boris Blank solo)
Kiss the Cloud mit Fifi Rong
Lost in Motion mit Fifi Rong
Tied Up
Liquid Lies
Starlight Scene mit Malia
Oh Yeah

Blue Biscuit
Si Senor The Hairy Grill
Zugaben: Bostich – dabei wurde auch die App Yellofier eingesetzt, die ich mir sofort zu Hause gekauft habe
Vicious Games mit Malia
The Race

Mein Fazit zu Yello in München: Es war gut, Yello gesehen zu haben und ich möchte mich für das fehlende Publikum bei Boris Blank und Dieter Meier entschuldigen. Das hat yello nicht verdient.

Will ich einen Sportschuh als Sarg begraben werden?

28. November 2017
Ein ungewöhnlicher Sarg.

Ein ungewöhnlicher Sarg.

Bei einem Besuch des Museums Fünf Kontinente in München, dem ehemaligen Völkerkundemuseum, wanderte ich durch die Ausstellungen aus aller Herren Länder. Obwohl ich nie groß an Ethnologie interessiert war, gefielen mich die Exponate sehr: Masken, Krüge, Grabbeigaben. Waffen, Kleidung und vieles mehr. Am meisten allerdings faszinierte mich ein Sarg in Form eines Sportschuhs von Nike. Ich fragte mich: Was soll das? Und will ich einen Sportschuh als Sarg begraben werden?

Die Antwort auf die zweite Frage ist einfach: Es ist mir egal, weil ich es nicht mitbekomme. Wenn es ein eben Sportschuh sein soll, dann soll es eben so sein. Mich wird es nur indirekt betreffen. Vielleicht passt bei mir besser eine Filmrolle oder ein iPad als Sarg.

Die erste Antwort auf die Frage nach dem Sinn ist schon komplexer. Der Nike-Sarg stammt aus Ghana und wurde 2014 von Paa Joe geschaffen. Warum aber? „Wie das Leben, so der Sarg,“ heißt es bei den Bewohnern noch Ghana, die um der Hauptstadt Accra leben. Die Verstorbenen werden nicht in klassischen Holzsärgen wie bei uns begraben, sondern in bemalten figürlichen Särgen. Die Gestaltung ist von Beruf, Vorlieben und Leidenschaften der Verstorbenen abhängig“, so eine Erklärungstafel des Museums der fünf Kontinente. „So sollen die Toten im Jenseits ihre irdischen Tätigkeiten weiterführen können und dadurch den Lebenden gewogen bleiben.“ Hier eben ein Nike-Sportschuh in der Size 42 von Paa Joe, der speziell für Sportler angefertigt wurde. Um die Size 42 ein Zufall ist, weiß ich nicht. Ich interpretiere es als Humor und Antwort auf alle Fragen – schließlich heißt dieser Blog auch redaktion42.

Paa Joe wurde 1947 in Ghana geboren und absolvierte eine Lehre als Sargschreiner bei Kane Kwei (1922-1992).
Mich hat das Exponat Nike Trainer Size 42 im zweiten Obergeschoss des Museums gefallen. Und wenn ich mir das Gedränge um den Sarg ansehen, dann geht es mir nicht allein so. Kleiner Tipp die die Ausstellungsmacher: Überall im Museum sind kleine Staffeleien mit Bänken aufgestellt. Hier können kleine und große Besucher Platz nehmen und die Ausstellungsstücke skizzieren. Diese Bänke stehen vor Masken und Krüge. Wie wäre es denn mal vor dem Sarg? Dieser Publikumsmagnet kommt hier zu kurz.

No Filters: The Rolling Stones in München

14. September 2017
Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

It’s only Rock’n’Roll but I like it – Die Rolling Stones in München und ich war mitten drin. Zum wiederholten Male habe ich die britischen Rocker gehört und zum wiederholten Male habe ich ein Vermögen für die Karten ausgegeben – und zum wiederholten Male hat es mir sehr gut gefallen. No Filters heißt ihre Tour und wenn man das Alter der Stones anschaut, dürfte es sich um ihre letzte Tour handeln. Und dennoch sind sie fit: Mick Jagger springt mit seinen 74 Jahren besser herum als ich es je konnte. Keith Richards bringt es auf 73 Jahren – hier hat der Lebenswandel seine Spuren hinterlassen, aber seine Riffs kann er noch. Charlie Watts sah schon immer alt aus und mit seinen gesegneten 76 Jahren ist er es auch. Ron Wood, ist dem Krebs entkommen, kommt als Jungspund auf 70 Jahre und hält die Stones am Laufen.

Von 9. September bis 25. Oktober läuft in Europa die No Filters Tour und die Konzerte sind fast ausverkauft. Hamburg war ein grandioser Auftakt und München wurde von den Stones hinweggerockt. Zum neunten Mal waren die Stones in München und Mich Jagger postete am Nachmittag ein Foto eines Spaziergangs im Englischen Garten. So etwas gefällt den Münchner natürlich.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Die Show im Olympiastadion war großartig, wie man es von den Herren gewohnt war und doch war es dieses Mal anders als die Jahre zuvor. Die Band spielte ruppiger als früher. Die Songs klangen nicht so einstudiert, wie in den früheren Jahren. Es rumpelte mehr, die Musik hatte mehr Ecken und Kanten als in früheren Shows, die mir fast zu perfekt und zu glatt waren. Natürlich sind die Abläufe bei einer Band dieser Größe geplant, aber es kam mir vor, als ob nicht alles gescript war wie in den früheren Jahren. Und ich habe den Verdacht, dass Keith Richards gar nicht Gitarre spielen kann und das meine ich mit dem höchsten Respekt. Gebeugt steht der Darsteller aus Flucht der Karibik auf der Bühne und schlägt ein Riff nach dem anderen an. Das klassische Gtarrenspiel überlässt Herr Richards den jüngeren Kollegen Ronnie Wood, der die Arbeit machen muss. Es ist ein Genuss dieses Zusammenspiel anzuschauen.
Sorgen mache ich mir immer wieder um Charlie Watts hinter der Schießbude. Der Mann zieht sein Ding durch, obwohl ich ab und zu denke, schafft er es noch, ein zweieinhalb ständiges Konzert durchzuspielen. Er schafft es und es ist prima – aber ein Showman wird Charlie Watts in seinem Alter nicht werden.
Showman pur dagegen ist natürlich Mick Jagger. Er springt, zappelt, hüpft, rockt die meiste Zeit auf der Bühne umher – es ist eine Wohltat ihm zuzusehen. Was allerdings der dauernde Klamottenwechsel soll, weiß ich nicht. Humor bewies der Sänger mit seinem letzten Outfit. Dort stand auf dem Shirt ganz groß Stones – damit auch jeder weiß, wo er ist. Jagger ist nicht Laga Gaga und muss keine Teenager mit seinem Outfit begeistern. Apropos Outfit: Die silbernen Glitzerturnschuhe von Ronnie Wood waren der Hammer.
Die Setlist von München unterschied sich nur wenig von der in Hamburg. Positiv finde ich bei den Stones, dass sie immernoch den Blues huldigen, auch wenn er nicht hitparadentauglich ist. Ein bisschen mehr Mut würde ich mir von den Herren wünschen – also nicht nur die Hits spielen, sondern mehr Experimente bitte. Aber die Stones geben das, was die meisten Fans hören wollen: Hits am laufenden Band. Dabei startete es nicht ideal: Sympathy for the Devil war der etwas wacklige Einstand, der sofort wieder wett gemacht wurde durch ein fabelhaftes It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It). Das Publikum wählte Beast of Burben und wenn man ehrlich ist, war es eine eher unglückliche Wahl, ebenso Dancing with Mr. D.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

So richtig fand die Band hier nicht den Zugang. Wenn dann auch noch Keith Richards zum Mikro greift, ist es in der Regel für mich die Zeit Biernachschub zu holen. Und meiner Meinung nach ging Happy gerade noch, während Slipping Away einfach daneben war. Anschließend übernahm Jagger wieder das Mikrofon und die Band trumpfte im letzten Teil der Show nochmals auf und alle durften mitsingen. Ein Feuerwerk musikalisch und optisch noch am Ende und fein war es. Sehr nett fand ich am Konzertende den Hinweis „Bis bald“. Sollte es doch nicht die letzte Tour der Rolling Stones gewesen sein?

Bis bald - doch nicht die letzte Tour?

Bis bald – doch nicht die letzte Tour?

Ein Wort noch zur Sicherheit: Der Zugang zum Olympiastadion war mit hohen Sicherheitsauflagen versehen. Das finde ich gut, sehr gut. Keine Rucksäcke und Taschen oder Regenschirme (es regnete allerdings zeitweise heftig) waren erlaubt. In meiner Reihe wurde scharf kontrolliert, Abtasten und Metalldetektor. Einige Besucher in der Schlange fanden das nervig, aber ich halte es für zeitgemäß. Lob also an die Sicherheitsleute und die Polizei, die zudem noch ein Spiel des FC Bayern bewachen musste.

Die Setlist von München, soweit ich es mitbekommen habe:
Sympathy for the Devil
It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
Out of Control
Just Your Fool
Ride ’Em on Down
Dancing with Mr. D
You Can’t Always Get What You Want
Beast of Burben
Paint It Black
Honky Tonk Women
Vorstellung
Happy keith mit Zigarette
Slipping Away Keith
Midnight Rambler
Miss You
Street Fighting Man
Start Me Up
Brown Sugar
(I Can’t Get No) Satisfaction
Gimme Shelter
Jumpin’ Jack Flash

Aufs gehts zur Peter Lindbergh Ausstellung

21. August 2017

Endspurt bei der Peter Lindbergh Ausstellung in der Münchner Kunsthalle. Bis zum 31. August wurde diese wichtige Ausstellung verlängert und alle Fotobegeisterten MÜSSEN sich die Ausstellung From Fashion to Reality ansehen, unbedingt. Es gibt keine Ausrede.
Ich habe über die Pressekonferenz zur Ausstellung mit Peter Lindbergh bereits ausführlich gebloggt in Text, Bild und Video. Lindbergh ist einer der einflussreichsten Fotografen der Gegenwart und es war mir eine Ehre, so jemanden persönlich zu treffen.

Seine Bilder begleiten mich mein ganzes fotografisches Leben und es ein Erlebnis diese Fotos in einer Ausstellung zu bewundern. Das Wort Ikone ist hier nicht fehl am Platze. Als modeinteressierter Mensch ist es eine absolute Freude die Bilder zu sehen, die damals die Epoche der Supermodels begründeten. Und das Coole: Peter Lindbergh ist völlig normal geblieben.

In der Ausstellung ist ein Ausschnitt aus dem Gesamtwerk von Peter Lindbergh zu sehen: Allen voran die großen, wichtigen Bilder, aber auch die Notizen, Storyboards, Requisiten, Polaroids, Kontakt-Abzüge und Kameras. Es lässt sich Stunde um Stunde in der Hypo Kunsthalle verbringen und die Details betrachten. Der Taschen-Verlag hat den umfangreichen Katalog auf den Markt gebracht. Musste ich mir gleich kaufen, um die Fotos auch noch zu Hause zu genießen.

Peter Lindbergh – Meister des Geschichtenerzählens
Wo soll ich beginnen, um Lindbergh einzuordnen? Vielleicht so: Ich habe in meiner Ausbildung als Redakteur gelernt, dass ein gutes Pressefoto eine Geschichte erzählen soll. Einfach knipsen hat nichts mit Pressefotografie zu tun. Und hier setzt Peter Lindbergh an. Er ist genau wie ich ein Geschichtenerzähler – wobei ich mich nicht anmaßen will, die Klasse von Lindbergh je erreicht zu haben. Lindbergh hat das Storytelling in die Modefotografie gebracht. „Oftmals gleichen seine Fotografien Film-Stills, die mit ihrer Momenthaftigleit den Betrachter dazu anregen, sich eine Story vorzustellen“, heißt es in den Informationen der Kunsthalle.

Seine Fotos gelten als Vorläufer narrativer Bilderfolgen in Modemagazinen. Wer sich wirklich die Zeit nimmt und die Lindberg-Fotos in Ruhe betrachtet, wird mit einer Geschichte zu jedem Foto belohnt. Probieren Sie es einmal aus und betrachten Sie die Lindbergh-Fotos genau und Sie werden perfekt unterhalten. Und das Besondere: Jeder Betrachter bekommt eine andere Geschichte erzählt, seine ganz persönliche Geschichte. Und hier unterscheidet sich Lindbergh von meiner Pressefotografie: Der Pressefotograf erzählt eine einzige Geschichte, der Modefotograf Lindbergh erzählt viele Geschichten. Als ich später die gleichen Bilder von ihm nochmals betrachtete, kamen mir andere Geschichten in den Sinn. Danke für diese Inspiration, Herr Lindbergh.

Heimat des Netzwerkens – der Bloggerclub hat eine neue Heimat

5. August 2017
Der PresseClub ist neu eröffnet - und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Der PresseClub ist neu eröffnet – und damit der Bloggerclub auch. Foto: Schwepfinger

Die Resonanz war enorm und das freut mich sehr. In klassischen Massenmedien und den sozialen Netzen wurde über den Wiedereinzug des PresseClubs zurück an den Marienplatz groß berichtet. Damit hat auch der Bloggerclub nun die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Wie selten zuvor bekam ich Gratulationsmails, -posts oder -Tweets. Der Hammer war wohl ein halbseitiges Foto in der Abendzeitung Print (und online auch). Danke Tobias für den Hinweis und danke Manuela für die Zusendung des Papierbelegs.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Wow in der Abendzeitung print und online.

Ich habe die Ehre, für den Bloggerclub als Vorsitzender zu arbeiten und mache dies meist im Hintergrund. Meine Vorstandskollegen führen in der Regel die Veranstaltungen durch. Meine Hauptaufgaben sind Lobbyismus und Netzwerken – und dem konnte ich beim Wiedereinzug des PresseClubs ausgezeichnet nachkommen.

PresseClub und Bloggerclub in bester Lage
Die neu gestalteten Räume des Clubs mit Blick auf den Marienplatz und den Alten Peter sind eindeutig die beste Lage in München. Für uns steht fest: Wir sind wieder in die Heimat des Netzwerkes eingezogen. Für mich ist der Club-Gedanke hier wichtig. In der Vergangenheit habe ich am Marienplatz für mich wichtige Hintergrundgespräche geführt. Das waren zum einen mit den illustren Gästen des PresseClubs. Das waren aber zum anderen mit den Mitgliedern des PresseClubs. Ich habe viel von dem Know-how, von der Erfahrung und der Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen profitiert. Das ist für mich Netzwerken pur. Leider waren Eli Treppner und Norbert Matern nicht da, denen ich gerne persönlich gedankt hätte.

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Vorsitzende beim Netzwerken: Matthias . Lange (Bloggerclub) und Peter Schmalz (PresseClub)

Wir als Bloggerclub sind dankbar, dass wir in dieser großartigen Location zu Gast sein dürfen und unsere Veranstaltungen durchführen dürfen. Bisher waren wir als Bloggerclub im Ausweichquartier des Clubs im Tal 12 untergebracht. Hier fand auch unsere Gründungsveranstaltung statt – wir sind jetzt ein Jahr alt. Der PresseClub residiert jetzt wieder am Marienplatz, wo er seit 1958 zu Hause ist und wir Blogger dürfen erstmals auch die neuen Clubräume nutzen. Damit ändert sich auch die Geschäftsadresse des BloggerClubs in die renommierte Adresse Marienplatz 22/IV. Und das leistungsstarke kostenfreie WLAN passt auch – ich weiß, wo ich ab und zu als digitaler Nomade arbeite, wenn ich in München bin.

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung - ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

Podiumsdiskussion zur Wiedereröffnung – ich bin auch dabei. Foto: Schwepfinger

PK zur Wiedereröffnung
Zum Wiedereinzug lud der Internationale PresseClub München in seine neu gestalteten Räume am Marienplatz 22 ein. Mit rund 800 Mitgliedern und mehr als 250 Pressekonferenzen pro Jahr ist der PresseClub München e.V. der größte seiner Art in Deutschland. Nach dem Umbau bietet der Club nicht nur den Blick auf das Rathaus, sondern auch auf den Alten Peter. Wenn ich Gäste aus dem In- und Ausland habe, führe ich sie in den PresseClub und zeige ihnen den Ausblick. Besser geht es wirklich nicht.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Wo der Hut liegt, ist mein Platz.

Einen Überblick über die Aktivitäten und Angebote des PresseClubs gaben auf der Pressekonferenz: Peter Schmalz, Vorsitzender PresseClub München e.V., Helmut Gierke, Vorstandsmitglied PresseClub München e.V., Angelica Fuss (coole Brille), Geschäftsführerin PresseClub München e.V., Matthias J. Lange, Vorsitzender Bloggerclub e.V., Leonie Sanke, Vorsitzende Nachwuchsjournalisten in Bayern e.V. (NJB), was mich besonders gefreut hat, denn dem NJB stand ich lange als Vorsitzender vor. Auch unser stellvertretender Vorsitzender Franz Neumeier war im Publikum mit dabei und beantworte im Nachhinein die Fragen der Journalisten. Für einen Imagefilm des PresseClubs wurden Franz Neumeier und ich vor der Kamera interviewt. Wir spielten uns wunderbar die Bälle zu und machen Werbung für den Bloggerclub – also Lobbyismus pur.

Die Sicht vom Podium.

Die Sicht vom Podium.

Die komplette Pressekonferenz gibt es hier zu sehen. Die Ausführungen von mir gibt es ab Minute 35:38 im ersten Video und das komplette zweite Video.

 

Buchtipp Star Wars Identities – Schlussstrich unter dem Amoklauf München

22. Juli 2017
Nach einem Jahr endlich ausgepackt: Katalog zu Star Wars Identities

Nach einem Jahr endlich ausgepackt: Katalog zu Star Wars Identities

Am 22. Juli jährt sich der Münchner Amoklaufs. Heute vor einem Jahr ermordete ein Schüler am Münchner Olympia Einkaufszentrum OEZ zahlreiche Menschen. Ich war damals mit meinem Sohn in München in der Star Wars Identities Ausstellung und wir waren von den Ereignissen betroffen. Meine Eindrücke vom Amoklauf habe ich gebloggt. Mein Sohn und ich verbrachten damals einen schönen Tag in der kleinen Olympiahalle und genossen die Wanderausstellung. Zum Abschluss kauften wir die Luxus-Ausgabe des Ausstellungskatalogs und die Sammlung der gerollten Ausstellungsplakate. Dann kam der Amoklauf und der weitere Tag verlief anders geplant. Der Tag machte uns Angst und Vater und Sohn hatten ein prägendes Erlebnis,
Ein Jahr stand die Tüte mit dem Ausstellungskatalog zu Hause bei uns herum. Immer wieder warf ich einen Blick auf die weiße Tüte. Ich hatte keinen Bedarf mich mit dem Katalog zu beschäftigen. Auch die Plakate waren noch originalverpackt und versiegelt. Wir nahmen durch den Amoklauf zwar keinerlei Schaden, aber es war eine intensive Erfahrung. Mir wurde damals bewusst, wie schnell sich mein geordnetes Leben verändern kann.
Die Tüte mit den Ausstellungskatalog stand also bei uns herum. Ich hatte keine Lust, mir die Erfahrung nochmals in Erinnerung zu rufen. Aber nach einem Jahren ist für mich Zeit gekommen und einen Schlussstrich zu ziehen. So doof es klingt: Ich packe jetzt diesen Ausstellungskatalog aus und erinnere mich wieder an eine wunderbare Star Wars-Ausstellung. Hier meine Eindrücke von der Ausstellung.

In dieser Tüte lag der Katalog ein Jahr herum.

In dieser Tüte lag der Katalog ein Jahr herum.

Ich legte damals 40 Euro für den Ausstellungskatalog auf den Tisch. Wir wählten als Star Wars-Fans die Luxus-Ausgabe mit einem Druck von Darth Vader. Der gebundene Katalog kommt in einem Karton daher.
Die Star Wars Identities lieferte für Fans enorm viele Details und es war tolle Sache viele Modelle, Sketches, Zeichnungen und Kostüme im Original zu sehen. Ich habe die Ausstellung damals Stück für Stück dokumentiert mit Fotos und Videos.
Nach einem Jahr kommen die Erinnerungen an diese wunderbaren Ausstellungsstücke wieder hoch. In einem Unboxing-Video stelle ich den Ausstellungskatalog vor. Ich kann jedem Star Wars-Fan diesen Ausstellungskatalog von Star Wars Identities absolut empfehlen.

 

Konzert: Deep Purple in der Olympiahalle München 2017

22. Mai 2017

Als zur Einstimmung auf das Konzert The Boys are back in Town lief, da wurde ich etwas melancholisch. Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass ich Deep Purple live sehen würde? Die britische Band befindet sich auf ihrer Long Goodbye Tour und machten in Münchner Olympiahalle Station. Wie oft hatte ich die britischen Hardrocker schon gesehen? Viele Male guten alten Hardrock. Damals noch mit Ritchie Blackmore als wilden geheimnisvollen Mann bei der Perfect Stranger-Vereinigung. Ich hatte Keyboard-Zauberer Jon Lord noch lebend gesehen. Und nun saß ich hier und wollte auf Wiedersehen sagen, schließlich sind die Herren im Seniorenalter. Infinite soll das letzte Studioalbum gewesen sein.


Die Spannung auf Deep Purple war bei mir enorm. Die Vorband Spacetruck machte einen guten Job und heizte den Fans ein. Und dann begann die rund zweistündige Show der Altrocker. Im Hintergrund schwebte das Konterfei der Herren in einem Eisberg, wie einst die US-Präsidenten in Mount Rushmore. Das Bild kannten wir bereits aus dem Booklet von Infinite.


Dann brach es los mit Time for Bedlam. Ian Gillan überraschte uns mit Sonnenbrille und Goldjacke. Ich dachte sofort an die Scheibe 50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong, die Elvis‘ Gold Records, Volume 2. Und irgendwie stimmte es ja: Deep Purple spielte eine Best of-Show mit ein paar neuen Songs. Die Herren müssen nicht mehr beweisen, was sie können. Das neue Songmaterial ist nett, aber das alte ist netter. Routiniert spielen sie ihre Show ab und zeigen, welchen Sound die Mark VIII-Besetzung hervorbringt. Ian Gillan, Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und Ian Paice machen mir immer noch eine Freude. Das Zusammenspiel der alten Herren ist tadellos aufeinander abgestimmt. Nachdem ich im Vorfeld immer wieder von den Problemen des Gitarristen gehört habe, achtete ich besonders darauf. Auf dem Konzert konnte ich von den Arthrose-Problemen von Steve Morse nichts feststellen – das ist gut so. Im Hintergrund stand ein Roadie mit Gitarre bereit, der aber mehr bemüht war, die Instrumente zu stimmen. Ob er als Ersatz fungieren sollte, weiß ich nicht. Ich mag diesen Steve Morse einfach. Er scheint ein freundlicher Kerl zu sein, anders als der Stinkstiefel Herr Blackmore. Morse hat seinen eigenen Stil in Deep Purple eingebracht und fungiert nicht als Blackmore-Ersatz. Das Zusammenspiel zwischen der immer noch tollen Stimme von Ian Gillan und der Gitarre von Steve Morse klappt hervorragend und beide scheinen nach all den Jahren sogar noch Spaß daran zu haben, trotz Hunderter Konzerte. Ein Made in Japan kommt freilich nicht mehr heraus, erwartet aber auch keiner im meist älteren Publikum.


Einziges Gründungsmitglied von Deep Purple ist Ian Paice, der Spaßvogel. Er sitzt hinter seiner Schießbude und drischt bekleidet mit seinem Werbe-T-Shirt von Pearl auf die Felle ein, dass es eine Freude ist. Ab und zu hängt die Zunge raus zwecks Konzentration. Pacie geht richtig ab, wenn er sich durch die Klassiker spielt. Und davon gab es viele auf der Long Goodbye Tour.
Die Setlist war in München:
Time for Bedlam, 
Fireball, 
Bloodsucker, 
Strange, Kind of Woman, 
Johnny’s Band, 
Uncommon Man , The Surprising, 
Lazy (with keyboard intro), 
Birds of Prey, 
Hell to Pay, 
Keyboard Solo, 
Perfect Strangers, 
Space Truckin‘, 
Smoke on the Water
Die Zugaben waren:
Highway Star, 
Hush, 
Bass Solo, 
Black Night
Da war es wieder, dass alte Hardrock-Feeling. Die Mischung zwischen alten und neuen Songs hat gepasst und freilich haben die Fans in der Olympiahalle bei Smoke on the Water mitgesungen, wie es sich gehört. Jeder Gitarrenanfänger kennt die Griffe, die die Rockmusik verändert haben.
Also die Herren, wenn es wirklich die letzte Tour war, dann sag ich artig vielen lieben Dank. Ihr habt mein Leben bereichert. Mir hat es gefallen und auf der Heimfahrt hörte ich freilich Highway Star.