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Konzert: Deep Purple in der Olympiahalle München 2017

22. Mai 2017

Als zur Einstimmung auf das Konzert The Boys are back in Town lief, da wurde ich etwas melancholisch. Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass ich Deep Purple live sehen würde? Die britische Band befindet sich auf ihrer Long Goodbye Tour und machten in Münchner Olympiahalle Station. Wie oft hatte ich die britischen Hardrocker schon gesehen? Viele Male guten alten Hardrock. Damals noch mit Ritchie Blackmore als wilden geheimnisvollen Mann bei der Perfect Stranger-Vereinigung. Ich hatte Keyboard-Zauberer Jon Lord noch lebend gesehen. Und nun saß ich hier und wollte auf Wiedersehen sagen, schließlich sind die Herren im Seniorenalter. Infinite soll das letzte Studioalbum gewesen sein.


Die Spannung auf Deep Purple war bei mir enorm. Die Vorband Spacetruck machte einen guten Job und heizte den Fans ein. Und dann begann die rund zweistündige Show der Altrocker. Im Hintergrund schwebte das Konterfei der Herren in einem Eisberg, wie einst die US-Präsidenten in Mount Rushmore. Das Bild kannten wir bereits aus dem Booklet von Infinite.


Dann brach es los mit Time for Bedlam. Ian Gillan überraschte uns mit Sonnenbrille und Goldjacke. Ich dachte sofort an die Scheibe 50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong, die Elvis‘ Gold Records, Volume 2. Und irgendwie stimmte es ja: Deep Purple spielte eine Best of-Show mit ein paar neuen Songs. Die Herren müssen nicht mehr beweisen, was sie können. Das neue Songmaterial ist nett, aber das alte ist netter. Routiniert spielen sie ihre Show ab und zeigen, welchen Sound die Mark VIII-Besetzung hervorbringt. Ian Gillan, Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und Ian Paice machen mir immer noch eine Freude. Das Zusammenspiel der alten Herren ist tadellos aufeinander abgestimmt. Nachdem ich im Vorfeld immer wieder von den Problemen des Gitarristen gehört habe, achtete ich besonders darauf. Auf dem Konzert konnte ich von den Arthrose-Problemen von Steve Morse nichts feststellen – das ist gut so. Im Hintergrund stand ein Roadie mit Gitarre bereit, der aber mehr bemüht war, die Instrumente zu stimmen. Ob er als Ersatz fungieren sollte, weiß ich nicht. Ich mag diesen Steve Morse einfach. Er scheint ein freundlicher Kerl zu sein, anders als der Stinkstiefel Herr Blackmore. Morse hat seinen eigenen Stil in Deep Purple eingebracht und fungiert nicht als Blackmore-Ersatz. Das Zusammenspiel zwischen der immer noch tollen Stimme von Ian Gillan und der Gitarre von Steve Morse klappt hervorragend und beide scheinen nach all den Jahren sogar noch Spaß daran zu haben, trotz Hunderter Konzerte. Ein Made in Japan kommt freilich nicht mehr heraus, erwartet aber auch keiner im meist älteren Publikum.


Einziges Gründungsmitglied von Deep Purple ist Ian Paice, der Spaßvogel. Er sitzt hinter seiner Schießbude und drischt bekleidet mit seinem Werbe-T-Shirt von Pearl auf die Felle ein, dass es eine Freude ist. Ab und zu hängt die Zunge raus zwecks Konzentration. Pacie geht richtig ab, wenn er sich durch die Klassiker spielt. Und davon gab es viele auf der Long Goodbye Tour.
Die Setlist war in München:
Time for Bedlam, 
Fireball, 
Bloodsucker, 
Strange, Kind of Woman, 
Johnny’s Band, 
Uncommon Man , The Surprising, 
Lazy (with keyboard intro), 
Birds of Prey, 
Hell to Pay, 
Keyboard Solo, 
Perfect Strangers, 
Space Truckin‘, 
Smoke on the Water
Die Zugaben waren:
Highway Star, 
Hush, 
Bass Solo, 
Black Night
Da war es wieder, dass alte Hardrock-Feeling. Die Mischung zwischen alten und neuen Songs hat gepasst und freilich haben die Fans in der Olympiahalle bei Smoke on the Water mitgesungen, wie es sich gehört. Jeder Gitarrenanfänger kennt die Griffe, die die Rockmusik verändert haben.
Also die Herren, wenn es wirklich die letzte Tour war, dann sag ich artig vielen lieben Dank. Ihr habt mein Leben bereichert. Mir hat es gefallen und auf der Heimfahrt hörte ich freilich Highway Star.

Beim Aprilwetter zieh ich meine Roeckl wieder an

27. April 2017
Der Handschuhhersteller Roeckl muss einige Läden schließen. München bleibt.

Der Handschuhhersteller Roeckl muss einige Läden schließen. München bleibt.

Was ist das für ein sch … Wetter? Der April weiß nicht, was er will. Ich packe wieder meine Winterhandschuhe aus und halte meine Handschuhe von Roeckl in der Hand. Welche soll ich nehmen? Ich mag sie doch alle so gerne. Gleichzeitig bin ich entsetzt und es tut mir leid. Ich gelesen, dass Roeckl Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat. Für mich als Freund von Accessoires ist Roeckl der Handschuhhersteller schlechthin. Ich habe rund 30 verschiedene Paare von Roeckl und jede Saison werden es mehr. Ich habe schon darüber gebloggt.
Insolvenz in Eigenverwaltung heißt zunächst nicht, dass Roeckl komplett dicht macht. Aber das 1839 gegründete Traditionsunternehmen wird nach eigenen Angaben sieben Standorte schließen und 45 der derzeit 200 Mitarbeiter entlassen. Geschlossen werden beispielsweise Nürnberg, Aachen und Wiesbaden. Das finde ich sehr, sehr traurig, schließlich wird Roeckl in der sechsten Generation geführt.

Lagerverkauf beim Roeckl.

Lagerverkauf beim Roeckl.

Aber ich kann es nachvollziehen. Das Thema Handschuhe ist nicht unbedingt der Renner unter Jugendlichen. Das war mal anders. Als Roeckl den Roeckl Intelligence, einen Touch-Handschuh für das iPhone herausgebracht hat, empfand ich einen Boom in den Geschäften. Techfreaks, die bisher noch nie in einem Roeckl-Laden waren, schauten rein. Der hohe Preis schreckte sie nicht ab, schließlich waren es klassische Apple-Kunden gewohnt, für Qualität etwas hinzulegen. Dann kamen aber die Billigheimer aus Asien und der Touch-Markt wurde überschwemmt. Heute finde ich im Sortiment noch immer ein paar Touch-Handschuhe, um die Oberfläche des iPhones zu bedienen, aber modisch gefallen mir die Sachen nicht. Zudem bediene ich mein iPhone mehr und mehr über Siri.
Die Geschäftssparte, die den Sporthandschuh verwaltet, hat wohl Glück gehabt, aber der modische Handschuh hat mehr und mehr Probleme. Der Handschuh als Modeaccessoire ist nicht überall der Renner und zudem noch extrem saison- und wetterabhängig. Nun, ich trage Handschuhe noch als Modeaccessoire eigentlich das ganze Jahr. Im Winter gegen die Kälte, im Sommer habe ich manches Mal leichte Handschuhe beim Autofahren. Ich habe auch oft Handschuhe an, wenn ich die S-Bahn benutze. Ich will nicht krank werden bei den ganzen Bakterien, wenn ich Geländer oder Stangen anfasse.

Vorbereitung auf Magic City München

26. April 2017

Für mich hat Graffiti eine Wandlung durchlaufen – von der Schmiererei bis zur Kunstform. Nicht jedes Graffiti ist Kunst, aber Reaktion der Betrachter auf Graffiti im urbanen Raum kann interessant aussehen. Gleich vorweg zur Klarstellung: Ich kein Graffiti auf der Gartenmauer, denn meine Reaktion würde einfach nur Wut sein.
Am Wochenende werde ich mir in München die Ausstellung Magic City – die Kunst der Straße ansehen und bin voller Erwartung über das Event in der kleinen Olympiahalle in München. Magic City präsentiert eine „lebendige und fantasievolle Kunstform der Gegenwart“, so die Veranstalter. Ich bin sehr gespannt. Graffiti hat eine lange, lange Geschichte, die bis ins alte Ägypten zurückreicht. In München gibt es verschiedene Variationen von Graffiti, die mehr in Richtung Streetart gehen. Streetart finde ich sehr interessant. In New York sah ich ein Werk von Banksy und konnte niederknien. Ich habe darüber ausführlich gebloggt.


Streetart begegnet mir auf Schritt und Tritt. Einfach nur Augen offen halten und wir sehen Kunst im öffentlichen Raum: Style-Writing, Scratching, Etching, Ganggraffiti, Pixação, Ultras-Graffiti, Streetart, Stencil/Pochoir, Politische Graffiti, Zinken, Reverse Graffiti und und und. Ob es Kunst ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich will von zwei Graffiti-Begegnungen berichten, die ich sehr interessant finde.


Als ich in Bayreuth einen Vortragstermin hatte, ging ich entlang des Rotmain-Centers. An der Mauer zur Traditionsbrauerei Meisl gibt es seit Jahren unterschiedliche Graffitis von unterschiedlicher Qualität. Ich hatte ein bisschen Zeit und konnte sie betrachten. Wer sie angebracht hat und wann, das weiß ich nicht. Es gibt sie aber schon einige Jahre. Gleich vorweg: Ich mochte das Känguru aus Yps am liebsten. Es hat mich schlagartig an meine Jugend erinnert und obwohl die Zeitschrift Yps wieder auf dem Markt ist, begeistert sie wohl nur die ältere Generation. Es stand auch nett da „mit Gimmick Nr 1968“ – mein Geburtsjahr. Ein Gimmick 1968 gab es nicht, mein Yps endete damals mit Gimmick 1257 Finger-Fußball. Die Motive machen Spaß, provozieren und laden zum Verweilen ein.


München hatte in den siebziger Jahren eine aktive politische Graffiti-Szene. In der düsteren Menzinger Unterführung in München bei der Fußgängerunterführung an der Kreuzung Menzinger Straße, Wintrichring und Maria-Ward-Straße gibt es interessantes Graffiti. Coole Motive in einer versieften Umgebung. Interessantes Streetart in München. Hier fand 2016 auch das zweite Münchner Festival für unangepasste Kunst statt. „Gesellschaftskritische Kunst an ungewöhnlichen Orten sichtbar zu machen“, war ein Lob über die Malereien in der Unterführung. Künstlerisch gefällt mir die Unterführung, allerdings verliert man als ortsunkundiger Fußgänger ein wenig die Orientierung. Enge verwinkelte Gänge für Fußgänger in einer autogerechten Stadtatmosphäre.


Im Netz habe ich einen Antrag im Baureferat gefunden. Am 03.03.2009 wurde von Stadtrat Josef Schmid und Stadtrat Hans Podiuk der Antrag Nr. 08-14 / A 00621 gestellt mit dem Ziel “Unterführungen sicherer und schöner machen!“ Darin wird ein öffentlicher Kunstwettbewerb für “stark frequentierte Münchner Unterführungen“ gefordert. Dadurch soll eine optisch ansprechende Gestaltung der Unterführungen erreicht werden. Sicherheitsaspekte und die Berücksichtigung von Rad- und Fußgängerverkehr sollen ebenfalls eine Rolle spielen. Der Kunstwettbewerb soll für Nachwuchskünstler, Anwohner und anliegende Kindergärten, Schulen und Jugendzentren ausgelobt werden.


Aber jetzt erst mal bereitmachen für Magic City in München. Ich werde in diesem Blog berichten, wie es mir gefallen hat.

Pressekonferenz mit Modefotograf Peter Lindbergh

22. April 2017

 

Peter Lindbergh hält Hof in München zur Ausstellungseröffnung.

Peter Lindbergh hält Hof in München zur Ausstellungseröffnung.

Als Klatschreporter wäre ich wohl eine Niete, aber natürlich interessiert mich Prominenz. Durch meine journalistische Tätigkeit bin ich immer wieder Kreativen begegnet, die für mich persönlich wichtig und dadurch prominent waren – für die Masse eher weniger. Ich habe viel Gespräche geführt mit Kameraleuten, 3D-Artists oder Regisseuren, die mich beeindruckt haben. Jedes Jahr versuche ich ein solches persönliches Promi-Gespräch zu treffen. In der Vergangenheit war dies sicherlich Gespräche mit Christiane Kubrick und Jan Harlan, es war sicherlich ein nettes Interview mit Ken Adam und es war vor kurzem eine Pressekonferenz mit dem legendären Fotografen Peter Lindbergh.
In der Hypo Kunsthalle gibt es die absolut sehenswerte Ausstellung From Fashion to Reality mit grandiosen Fotos von Peter Lindbergh zu sehen. Ich werde separat über die Ausstellung und das dazu erschienen Buch bloggen. Im Vorfeld der Ausstellung gab es eine Pressekonferenz, auf die mich mein Bloggerclub-Kollege Sascha Walk am Rande einer Vorstandssitzung des Bloggerclubs hinwies. Ich war Feuer und Flamme und meldete mich nachträglich zur PK an. Danke an das Presseteam der Kunsthalle für die Kulanz trotz meiner Verspätung.

Die Ausstellung From Fashion to Reality ist absolut sehenswert.

Die Ausstellung From Fashion to Reality ist absolut sehenswert.

So durfte ich in der ersten Reihe der Pressekonferenz den Worten des großen Fotografen lauschen. Und nachdem mir einige Fragen der Kolleginnen und Kollegen zu doof waren, stellte ich zwei eigene.
Aber alles der Reihe nach: Nachdem ich zeitig dran war, sah ich, dass die erste Reihe der Pressekonferenz in der Kunsthalle nicht besetzt war. Links und rechts hatten sich zahlreiche Kamerateams postiert und einige Bildjournalisten hatten schon vorne Plätze besetzt. Ein Stuhl war noch frei, also mein Stuhl. Als Blogger packte ich ein leichtes Tamrac Zip Shot Stativ aus und schraubte meine Bloggerkamera Canon LEGRIA mini X darauf. Diese zeichnete die ganze PK für YouTube auf. Die Fotos während der Veranstaltung machte ich mit meinem iPhone und der Fujifilm X100s.

Die PK schnitt ich für YouTube mit.

Die PK schnitt ich für YouTube mit.

Photoshop reduziert den Menschen auf Null
Nach ein paar privaten Ausführungen zum Deutschlernen in der Familie und ein Lob über München ging es los. „Modefotografen haben eine Art von Verantwortung. Wenn man Frauen fotografiert, muss man sich überlegen, wie man sie fotografiert und warum und wie sie dann aussehen auf den Fotos. Das ist heute so auf den Hund gekommen, wie Frauen in den Magazinen aussehen. Man hat eine Technik entwickelt, die heißt Photoshop. Damit kann man Frauen die Regungen des Lebens wegretuschierten. Und damit den Menschen auf Null reduzieren und dann behaupten, das ist schön.“ Dies sei der Stand der heutigen Idee von Schönheit. Lindbergh forderte die Courage zu haben, selbst zu sein. „Dann ist man schön“, so der Fotograf. Sein Frauenbild habe sich über die Jahrzehnte durch nicht geändert. „Man kennt das natürlich oder echt.“

Hurra, Peter Lindbergh macht ein Foto von mir.

Hurra, Peter Lindbergh macht ein Foto von mir.

Von Smartphone-Fotografie lässt sich viel lernen und entdecken
Als Blogger, der von Lindbergh mit dem iPhone fotografiert wurde, wollte ich es genauer wissen und fragte nach. Was hält ein Meisterfotograf wie Peter Lindbergh von der Smartphone-Fotografie? „Die großen Fotografen behaupten ja immer, dass dies alles Blödsinn sei. Jeder will heute Fotograf sein. Ich sehe so viele tolle Sachen, dagegen kann man als Fotograf gar nicht anstinken. Professionelle Fotografen können sich nur noch dadurch auszeichnen, dass sie einen Standpunkt haben und den 20, 30 oder 40 Jahre vertreten.“ Bei den Smartphone Fotos seien so tolle Sachen dabei. „Da kann man nichts dagegen machen. Da kann man dagegen viel davon lernen, diese Leichtigkeit.“

Er ist kein Freund von Selfies und so wurde ein Selfie gemacht.

Er ist kein Freund von Selfies und so wurde ein Selfie gemacht.

Über das Ende der Fotografie
Viele kleine und große Geschichten erzählte Peter Lindbergh in der Pressekonferenz. Probleme mit der digitalen Technik sehe er keine, vielmehr Probleme mit all den Leuten, die bei einem Shooting mitreden. In analogen Zeiten hatte er die Bilder im Kopf, in digitalen Zeiten in denen die Kamera an einem Monitor angeschlossen wird, reden zu viele Leute mit. „Dies läutet das Ende der Fotografie ein.“ Jeder könne durch den den externen Monitor sehen, was der Fotograf macht und reinreden. „Da beginnt das Ende der Fotografie. Der arme Typ hinter der Kamera darf nur noch den Kopf drücken.“


Schaut euch die ganze Pressekonferenz in Ruhe an. Von Peter Lindbergh kann jeder Fotograf etwas lernen und sei es auch nur die Leichtigkeit, wie so ein Star die Fragen beantwortet. Und schaut euch die Ausstellung in der Hypo Kunsthalle an, es lohnt sich.

Teil 1 der PK

Teil 2 der PK

Die Einführung zur PK

 

Gut behütet in der Münchner Fußgängerzone – Zunftzeichen bei Hut Breiter

19. April 2017
Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Irgendwas ist neu beim Breiter in München.

Auch wenn es heute nicht mehr so angesagt ist außer in Hipster Kreisen, trage ich gerne Hüte. Ich finde der Hut ist ein wunderbares Kleidungsstück. Er hält den Kopf warm und kleidet mich. Ich kaufe meine Hüte u.a. beim Hutkönig am Dom in Regensburg, in Hamburg bei Falkenhagen und in meiner Geburtsstadt München bei Breiter am Dom.
Bei meinem jüngsten Einkauf bei Breiter in der Münchner Fußgängerzone bemerkte ich einen Unterschied. Etwas an der Ladenfassade an der Kaufinger Straße ist anders. Neues Logo? Nein! Neue Farbe? Nein! Es ist das Zunftzeichen des Zylinderhuts. Der ist neu. Da musste ich bei Geschäftsinhaber Alexander Breiter nachfragen.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

Das historische Zunftzeichen ist wieder da.

„Schön ist ein Zylinderhut, wenn man ihn besitzen tut, doch von ganz besonderer Güte sind die Breiter Hüte …“ so dichtete Adalbert Breiter kurz nach dem ersten Weltkrieg einen seiner Werbereime. Reim dich oder ich fress dich. Einen klassischen Zylinder besitze ich zwar nicht, dafür einen Klappzylinder oder Chapeau Claque, den ich bei Breiter erworben habe.
Frisch aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt übernahm Adalbert Breiter den 1863 gegründeten Familienbetrieb und eröffnete 1918 das Huthaus in der Kaufinger Straße in München. Statt der heute üblichen Neonwerbung wurden damals kunstvolle Zunftzeichen an den Läden und Werkstätten angebracht. Als ehemaliger Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern mag ich das sehr. Je prunkvoller um so besser, im Falle von Hut-Breiter ein riesiger Metergroßer vergoldeter Zylinderhut.

Schön ist der Zylinder geworden.

Schön ist der Zylinder geworden.

Der Zylinder wurde zusammen mit dem Laden bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1944 zerstört. Hitler du bist ein Arschloch. Nach dem Krieg fehlte das Geld zum Wiederaufbau. Als Ende der 80er Jahre ein erneuter Anlauf gemacht wurde, das Zunftzeichen wieder anzubringen, machten die städtischen Behörden von München einen Strich durch die Rechnung. München sei eine Weltstadt und kein Museum, hieß es damals als Begründung.
Jetzt nach über 70 Jahren wurde das Zunftzeichen wieder genehmigt. Eine absolut richtige Entscheidung, wie ich finde. Nach alten schwarzweiß Bildern wurde der Zylinderhut vom Münchner Kunstschmied Nüssel in Handarbeit originalgetreu nachgebildet und anschließend mit Blattgold überzogen. Das Bayerische Fernsehen begleitete die Schmiedearbeit im Rahmen der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“. Lineares Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr, doch war der Film in YouTube vorhanden.


Ich finde das Zunftzeichen prima. Eines der letzten Familienbetriebe in der Münchner Fußgängerzone zeigt mit diesem vergoldeten Zylinder Flagge. Das ist gut so und meine Gratulation an die Familie Breiter.

Kritik: Video Games Music in Concert

9. Februar 2017

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Was hatte ich mich gefreut auf einen interessanten Abend. Seit Wochen fiebere ich dem Auftritt des Münchner Rundfunkorchesters entgegen und habe meine Familie, meine Freunde und Bekannte im Internet ganz wepsig gemacht: Alle sollten die Aufführung von Video Games Music in Concert im Münchner Prinzregententheater erleben. Und am Ende konnte ich aus familiären Gründen nicht. Ich habe mich ziemlich geärgert.
Aber ich wurde ein wenig entschädigt. Der Bayerische Rundfunk übertrug das Konzert live als Video- und Audiostream. Und so konnte ich die Musik von Videospielen zumindest am digitalen Endgerät verfolgen. Am iPad Pro verfolgte ich den Videostream und ließ den Sound über die Anlage laufen. Und der Sound hatte es in sich. Großes Lob an die Technik vom BR. Der Stream war tadellos, selbst bei meinem Landei-Internet ging es ohne Ruckeln und Aussetzer – selbst bei HD. Dafür zahle ich gerne meine Rundfunkgebühren.


Als die Kamera mal vom Eckehard Stier weg und ins Publikum schwenkte, hatte ich ein wenig meine Zweifel. Der Großteil der Zuhörer war brav konservativ gekleidet. Hey, wo sind die Gamer im Publikum geblieben? Ich sah kaum T-Shirts, Hoodies oder Caps – also die klassische Gamer-Bekleidung. Da fragte ich mich: Für wen wurde dieses Konzert eigentlich aufgeführt?
In erster Line dachte ich an die Zocker, an die Gamer, an die Konsolenfreaks. Als Retrogamer lehnte ich mich in meinen Wohnzimmersessel zurück als die fabelhafte Musik von Chris Huelsbeck ertönte. Natürlich war es Turrican II, das Spiel hatte ich ewig gezockt und die verschiedenen Audio-Fassungen hab ich auf meinem Server. In Kürze kommt die Klassik-Version von Turrican II heraus, die in Bochum aufgenommen wurde. Ich genoss die Klänge und verfolgte gleichzeitig die Facebook-Posts der Huelsbeck-Fans, die mit dem Meister live diskutierten. Chris Huelsbeck machte mit der Great Giana Sisters – Suite auch den Abschluss des Konzerts.
Großes Lob an das Orchester und Eckehard Stier. Die Qualität der Musik war einzigartig. Meine Frau, keine große Gamerin aber Klassik-Fan, hörte zu und genoss es, als sich die musikalischen Spannungsbögen aufbauten. Und das sollte wohl auch ein Ziel des Konzerts sein: Klassik-Fans für Video Game Musik zu interessieren. Und dieses Ziel ist voll und ganz gelungen.


Video Spiele sind ein Kulturgut und Video Game Music ist ebenso ein Kulturgut und es gilt, breitere Kreise für diese Musik zu begeistern. Bei mir war es zunächst die klassische 8-Musik und im Laufe der Jahre wurde es mehr, mehr. Als Fan von Filmscores und -soundtracks habe ich großes Interesse an Game Music. Viele Filmkomponisten schreiben nun Musik für Spiele und anders herum. Hier wachsen Welten zusammen und Kultur verbindet. Das ist genial.
Der BR Klassik hat online ein ganzes Webspecial zusammengestellt. Für den Gamer sind keine großen Überraschungen dabei, für den Klassik-Hörer des BR allemal. Sehr verdienstvoll ist die Präsentation des legendären Nobuo Uematsu. Nobuo Uematsu schuf die musikalische Welt von Final Fantasy. In Japan ist Nobuo Uematsu eine absolute Berühmtheit und das Konzert des Münchner Rundfunkorchesters leistete einen Beitrag dazu, den Meister einem neuen Publikum bekannt zu machen. Bei uns hatte es zu Folge, dass ich mir die Musik von Final Fantasy vom Server holte und laufen lief. Gerne hätte ich das Konzert vom BR als Audio-Aufnahme.
Insgesamt brachte das Münchner Rundfunkorchester folgende Werke zur Aufführung:
Jonne Valtonen – Fanfare for the Common 8-bit Hero
Chris Huelsbeck – Turrican II: Concerto for Laser and Enemies
Nobuo Uematsu – Blue Dragon: Waterside
Ari Pulkkinen – Angry Birds – Medley
Nobuo Uematsu – Final Fantasy VI – Symphonic Poem
Jonne Valtonen – Albion Online – Medley
Ari Pulkkinen – Super Stardust – Medley
Martin Schiøler – Clash of Clans
Chris Huelsbeck – Great Giana Sisters – Suite
Die Moderation hatte Nino Kerl inne. Er ist den Anime-Fans u.a. von seinem YouTube-Kanal bekannt. Ich hätte mir für das anwesende Klassik-Publikum mehr Show und Emotion gewünscht. Nino Kerl, den ich sehr schätze, war mir ein wenig zu zahm, zu wenig frech. Ich kenne aus YouTube einen provokanteren Nino Kerl. Aber wahrscheinlich war das BR-Klassik-Publikum zufrieden mit der Performance.

Alles in allen eine super Sache und ich ärgere mich, dass ich nicht live dabei sein konnte. Danke an den BR für die Übertragung.

Heim+Handwerk: KhoiSan Salz hat mich überzeugt

25. November 2016

Für mich unterscheidet sich die Heim+Handwerk und die Internationale Handwerksmesse in München kaum noch inhaltlich. Beide Veranstaltungen bieten im Grunde ein ähnliches Angebot, die Unterschiede sind für den Besucher nur noch im Detail sichtbar. Aus alter Verbundenheit besuche ich aber beide Veranstaltungen auf dem Münchner Messegelände, schließlich war ich mal Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern und fühle mich dem Handwerk verbunden.
Von der Ausstellerseite hat es mich gefreut, eine ehemalige Seminarteilnehmerin wieder getroffen zu haben: Annemarie Zimmermann. Sie hat neben zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen auch den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht. Sie betreibt mit ihrem Partner den europäischen Alleinvertrieb von Khoisan Salz. Das ist naturbelassenes handgeerntetes Meersalz aus Südafrika. Vor Jahren hatte sie bei einem Seminar hier die Idee dazu und inzwischen ist aus der Idee ein ansehnliches Unternehmen geworden, das zudem viel für die Menschen in Afrika tut.

KhoiSan aus Südafrika
KhoiSans Gourmet-Meersalz wird in Velddrift an der St. Helena Bucht an der Westküste Südafrika geerntet, rund 140 Kilometer von Kapstadt. Traditionell leben die Menschen an der Westküste noch als Farmer oder Fischer und verdienen in ihrem Beruf wenig Geld. Der Tourismus ist eine Einnahme für wenige Wochen bevor wieder die Hitze kommt. Sobald im Frühjahr die Pflanzen verwelken ist es Zeit Salz zu machen. Direkt neben dem Ozean wird die Sole aus dem unterirdischen See in Becken hochgepumpt. Das Meerwasser versickerte vor vielen Jahren durch 100 Meter dicke Ton- und Kalkschichten, wurde dadurch angereichert mit lebenswichtigen Mineralien und Spurenelementen und ist dreimal konzentrierter als normales Meerwasser. Wochenlang lassen Wind und Sonne das Wasser verdunsten, dann wird salzreiche Sole in immer kleinere und flacherer Pfannen gepumpt und schließlich das Salz abgebaut.

Annemarie Zimmermann von KhoiSan auf der Heim+Handwerk.

Annemarie Zimmermann von KhoiSan auf der Heim+Handwerk.

KhoiSan als Arbeitergeber
KhoiSan beschäftigt in Südafrika acht Frauen und sieben Männer in Vollzeit sowie zwei Saisonarbeiter. In der Haupterntezeit steigt die Beschäftigtenzahl auf 25. Annemarie Zimmermann und ihr Team importieren das kostbare Meersalz und verkaufen es unter anderem in Eine Welt Läden. Zudem ist das Salz über einen Online-Store Salz-Stadl24 erhältlich. Ich selbst habe mich vom Geschmack des Salzes überzeugt und kann es empfehlen. Zudem betreibt KhoiSan einen fairen Handel und die Südafrikaner profitieren vom Verkauf des Salzes in Deutschland. Ich habe einige Pakete Salz als Weihnachtsgeschenk gekauft.

Unterschiede zu herkömmlichen Speisesalz
Es gibt große Unterschiede zum maschinell gewonnenen Speisesalz, das ich in der Regel kenne. Maschinell gewonnenes Speisesalz wird einmal im Jahr geerntet. Die Salzbecken werden im Frühjahr gefüllt, das Wasser verdunstet, das Salz wird zusammengeschoben. Dieses Salz wird dann mit Meerwasser gespült und maschinell getrocknet. Durch dieses Vorgehen verliert das Salz einen großen Teil seiner natürlichen Mineralien und Spurenelemente. Dann wird es gemahlen und mit Rieselhilfen oder anderen künstlichen Zusätzen versehen. Das Salz ist billig und hinterlässt in den Speisen einen leicht bitteren, chemischen Geschmack.
Ich habe es im direkten Vergleich ausprobiert und meine Wahl geht eindeutig auf das KhoiSan-Salz . Ich habe das Gefühl, das KhoiSan schmeckt reiner, natürlicher.
Also wer auf die Heim+Handwerk schaut, sollte bei dem Stand von KhoiSan Salz vorbeischauen und sich selbst überzeugen. Mir hat es geschmeckt.

Was würde ich an München vermissen?

4. November 2016

„Was würde ich an München vermissen?“ – diese Frage stellte mir meine Bloggerkollegin Alexandra Lattek. Meine Antwort ist klar: „Aber am Schlimmsten ist das Münchner Opernpublikum – hat überhaupt keine Ahnung, aber jubelt kritiklos jeden Schmarren zu einem einmaligen Erlebnis hoch.“ – die Insider haben es sicher erkannt. Ich würde an München die Dialoge von Helmut Dietl vermissen.
Seine Dialoge haben mein Bild von München geprägt. Wenn ich in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen bin – und ich liebe Wagner abgöttisch – dann denke ich an Dietl, dann denke ich an mein München. Mir liegt auf den Lippen: “Der Dirigent uninspiriert bis lahm, Brunnhilde indisponiert bis schlecht, Wotan farblos bis nicht vorhanden, die ganze Inszenierung altmodisch bis provinziell.“

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Wenn ich in Berlin bin, dann genieße ich die Berliner Schnauze, in Wien den Wiener Schäm und in München den Münchner Charme, den von Dietl.  Zwei Serien schaue ich einmal im Jahr an, hab sie gerippt auf meinem iPad dabei: Monaco Franze und Kir Royal. Beide Serien stammen von dem genialen Regisseur Helmut Dietl, der mein mediales München geschaffen hat. Dialoge, die so tief aus dem Münchner Leben kommen und die zu einer Art Volksgut, Gemeindgut in München gehören. Kaum eine Party vergeht, bei dem ich nicht höre: „Haben Sie Alkohol getrunken? – Was sonst!“
Und wenn ich in der Münchner Medienszene unterwegs bin, dann sorgt der Ausruf „Edda schreib. Wer reinkommt, das bestimm ich!“ immer für Aufmerksamkeit. Im Grunde war es auch Kir Royal, die meinen Berufswunsch Journalist geprägt haben. 1986 lief er im Fernsehen und ich schrieb fürdie Schülerzeitung. Ich lernte die echten Charaktere kennen: Josef von Ferenczy, Michael Graeter, Mein Onkel hat mir die Bücher von Michael Graeter geschenkt, voller Kolumnen für die Münchner Abendzeitung. Michael „Baby“ Graeter gehört für mich also auch zu München dazu.

Eines der letzten Dietl-Autogramme.

Eines der letzten Dietl-Autogramme.

Die Filme Schtonk! und Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief und auch ein bisschen Late Show sind Meisterwerke von Dietl. Rossini hatte zauberhaft das Wichtigsein in München dargestellt und den Film habe ich so oft gesehen, dass ich K2 sogar den Namen einer Rolle mit ph gegeben habe – Dietls Kind heißt ebenso allerdings mit f.
„Was würde ich an München vermissen?“ – ich vermisse mein München, das der Dietl geprägt hat. Der Vorteil: Wenn ich einmal wegziehe oder lang von München weg bleibe, dann kann ich meinen Dietl als Film überall mit hin nehmen. Nur doof, dass es die Vermarktungsgesellschaft der Dietl-Filme bisher es nicht geschafft hat, die Filme ins 21. Jahrhundert zu Amazon oder iTunes als Stream zu bringen. Das ist leider auch München, das provinzielle München.
Ich nehme mit diesem Beitrag an der Blogparade der Landeshauptstadt München teil und freue mich auf die anderen Ansichten zu München.

Schnell noch zu Star Wars Identities

16. Oktober 2016

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Wer sie noch nicht gesehen hat, für den ist jetzt allerhöchste Eisenbahn. Bis zum 17. Oktober ist die Star Wars Ausstellung Identities in der kleinen Olympiahalle noch zu sehen. Es ist ein Pflichttermin für alle Star Wars-Fans jeden Alters.
Zusammen mit K1 hatte ich bei Star Wars Identities einen entspannten und inspirierenden Fannachmittag unter Gleichgesinnten. Sicherlich hat der aktuelle Trailer von Rouge One nochmal sein Übrigens getan und uns heiß gemacht. Grundsätzlich macht es nur Sinn als echter Star Wars-Fan diese Ausstellung zu besuchen, aber dies dürfte natürlich klar sein. Trekkies werden ebenso enttäuscht sein wie Unwissende des Star Wars Universums. Das Zeug ist wirklich nur etwas für Fans, denn gerade die Details machen es aus. Es gibt für jede Altersstufe etwas zu entdecken. Die Marke Star Wars schafft es, über Generationen hinweg zu faszinieren. Ich konnte es kaum fassen, dass ich neulich in einem Gespräch die Aussage gehört habe: „Ich habe noch nie einen dieser Krieg der Sterne-Filme gesehen!“ Ab in die Sarlaccs Grube mit so einem Ignoranten der Pop Kultur.


Die Ausstellungsmacher von Star Wars Identities gingen geschickt bei der Planung des Events in der kleinen Olympiahalle vor: Sie sprechen zwei Zielgruppen unterschiedlich an: Kinder und Geeks. Und beide Zielgruppen gewinnen etwas vom Besuch der Veranstatung. Die einen Spaß und Unterhaltung, die andere eine Fülle von Details zum Fachsimpeln herausfordern.
Die Ausstellung ist gut gegliedert und mit neuer Technik ausgestattet. Der Besucher hat eine Art Audio-Guide im Ohr und sobald er sich einem Ausstellungsstück nähert, bekommt er die entsprechenden Informationen. Zudem bekam man ein Armband mit der Besucher im Star Wars-Universum mitspielen konnte – wenn er will. Besonders die jüngeren Besucher fuhren darauf ab und schufen sich ihren eigenen Star Wars Charakter, den man sich am Ende der Ausstellung per eMail zusenden konnte.
Als Fan war ich von den Details fasziniert und musste mir am Ende der Ausstellung im angehängten Shop auch die Luxusausgabe des Ausstellungsführers kaufen. Über den werde ich separat mal einen Blogpost schreiben. Nur soviel: Das Ding lohnt sich.
Mein erster Blick fiel auf die zahlreichen Roboter der Serie – im Mittelpunkt freilich R2D2 und C3PO sowie BB-8. Darum gruppierten sich Kampfdroiden, Med-Robots, Sturmtruppen und Boba Fett. Wichtiger für mich waren die zahlreichen Skribbles, Konzeptzeichnungen und Sketches. Es lässt sich wunderbar die Entwicklung der Figuren daran erkennen. Es zeigt sich, wie der Charakter einer Figur durch Änderungen in den Zeichnungen verstärkt oder abgeschwächt wird. Einige der Zeichnungen habe ich noch nie gesehen und war total fasziniert.


Die Luft blieb mir weg als ich vor einen Original Pod Racer stand. Im Film musste ich mich an die Racer gewöhnen, in der Ausstellung war ich gleich Feuer und Flamme. Durch geschickte Beleuchtung bekam der Besucher beim Betrachen des Modells den Eindruck von Geschwindigkeit. Super gemacht und eine Attraktion für groß und klein.
Für mich ein weiterer Höhepunkt war der Bikini von Prinzession Leia aus Rückkehr der Jedi. Generationen von Teenagern waren fasziniert von dem goldenen Bikini, den Leia in der Gefangenschaft von Jabba tragen musste. Endlich hatte man das Ding vor seinen Augen und es begann das übliche Kopfkino wie zu Zeiten als man Teenager war. Beeindruckend auch die Skulptur von Han Solo in Carbonit. Es war schon ein fieser Cliffhanger unseren coolen Helden am Ende vom Imperium einzufrieren. Wir mussten Jahre warten, um das Schicksal von Solo weiter verflogen zu können.
Die Modelle von Yoda und Jabba waren toll, der Jar Jar Binks als ein männlicher Gungan von dem Planeten Naboo zog mal wieder meinen Hass zu. Diesen Dreck werde ich George Lucas nicht verzeihen. Da nutzt es auch nichts, dass es verschiedene Versionen von dem Deppen gab. Ich mag Jar Jar Binks nicht.


Details um Details gab es zu entdecken. Natürlich staute es sich bei den Raumschiffen und beim Rasenden Falken. Aber ich will nicht zu viel verraten. Aber achtet auf die Kostüme: Der Helm von Darth Vader ist der Hammer, Darth Vader sowieso und auch die Kostüme von Senatorin Amidala. So viele Kleinigkeiten, so viel zu entdecken. Nehmt euch für die Räume Zeit mit.
Lasst euch überraschen von Star Wars Identities. Schaut euch die Ausstellung unbedingt noch an. Und dann freuen wir uns auf Rouge One.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine subjektiven Eindrücke vom Amoklauf in München

23. Juli 2016

Der Mittlere Ring war voller Polizei, die Richtung OEZ fuhr.

Der Mittlere Ring war voller Polizei, die Richtung OEZ fuhr.

Über den Tathergang, Motive und Hintergründe des Amoklaufs in München will ich nicht spekulieren. Ich bin in Gedanken bei den Opfern dieser Nacht. Ich danke allen Einsatzkräften und ich danke allen Münchnern, die solidarisch ihre Wohnungen und Häuser für Gestrandete geöffnet haben. Von dieser Menschlichkeit habe ich auch erfahren und ich bin dankbar dafür. Hier kommen also meine subjektiven Eindrücke vom Geschehen des Amoklaufs in München. So habe ich den Abend und die Nacht erlebt:
Als verspätetes Geburtstagsgeschenk besuchten K1 und ich die Star Wars-Ausstellung am Nachmittag in der kleinen Olympiahalle. Mit guter Laune und Posterrollen untern Arm zogen wir gegen 18:15 Uhr Richtung Olympiapark zur U-Bahnhaltestelle Olympiazentrum. Wir nahmen uns vor, noch ein bisschen zu feiern, vielleicht in Kino zu gehen. Meine Frau war auswärts und K2 übernachtete bei Freunden – K1 und ich hatten also sturmfrei. Auf der Fußgängerbrücke über den Georg-Brauchle-Ring, einer der Hauptverkehrsadern der Landeshauptstadt, wollte ich ein Hyperlapse-Video vom Verkehrsfluss drehen. Hyperlapse-Vidoes sind Filme, die schneller ablaufen und dadurch einen interessanten visuellen Effekt durch Zeitraffer erzeugen.

Beim Drehen des Videos wunderten wir uns, warum auf einmal so viel Polizei und Krankenwägen unterwegs waren. Wir wechselten die Blickrichtung und sahen, dass der Verkehr zusammenbrach, die Münchner nur schwer eine Rettungsgasse bilden können. Polizei, Feuerwehr, Notarzt, Krankenwägen sowie zivile Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Sirene bahnten sich ihren Weg auf dem Mittleren Ring/Georg-Brauchle-Ring Richtung Olympiaeinkaufszentrum OEZ.

Twitter als Nachrichtenmedium
Via Twitter fragte ich meine Follower, ob und was denn passiert sei. Amoklauf im OEZ war die Antwort. Ich habe lange in der Gegend gearbeitet, kannte also die Weitläufigkeit der Shopping Mall. Das OEZ ist immer gut besucht. Wir blieben erst einmal auf der Brücke über den Ring, um abzuarten und die Lage zu klären. Die Meldungen in den sozialen Medien überschlugen sich. Von Toten und Verletzten war in sozialen Netzwerken die Rede. Videos wurden gepostet. Auch ich postete Videos, wusste aber genau, dass ich die Taktik der Polizei in meinen Videos nicht verraten darf. Für wie blöd halten mich eigentlich einige Twitterer in Oberlehrermanier?
Als gelernter Journalist versuchte ich die vorliegende Nachrichtenlage zu sondieren, um die Gefahr für mein Kind und mich einzuschätzen. Was sind seriöse Quellen, was ist Müll? Mit K1 sprach ich immer wieder über die Situation und wir entschieden uns, den Geburtstagsabend abzubrechen und heim aufs Land zu fahren. Mit unseren Star Wars-Plakaten untern Arm machten wir uns auf durch den Olympiapark in Richtung U-Bahn. Über dem OEZ kreiste ein Polizeihubschrauber.

ÖPNV eingestellt
An der U-Bahnstation Olympiazentrum angekommen, fuhr auch gleich eine U-Bahn ein. Wir hatten Hoffnung, von der Situation schnell wegzukommen. Doch der komplette öffentliche Personennahverkehr in München wurde aufgrund polizeilicher Anordnung eingestellt. U- und S-Bahnen sowie Straßenbahnen und Busse fuhren nicht. Taxifahrern war es untersagt, Passagiere aufzunehmen.

Nachdem es nun auch anfing zu regnen, entschlossen wir uns, den Schauer unter dem schützenden Vordach der U-Bahnstation direkt bei der BMW-Welt abzuwarten. Via Twitter bekam ich mit, dass der oder die Täter auf der Flucht waren. Zu diesem Zeitpunkt wurde von bis zu drei Tätern mit Langwaffen spekuliert. Ich schaute auf meine zusammengerollten Star Wars-Poster und hatte ein mulmiges Gefühl – hoffentlich verwechselt uns bei der Dunkelheit keiner. Die Polizei fuhr verstärkt im Gelände auf.


Um 19:31 Uhr bremsten bei unserer U-Bahnstation mehrere Polizeiwägen. Polizisten mit Westen mit der Aufschrift Polizei und mit gezogener Waffen sicherten die U-Bahnstation. Ihre Bewaffnung war Pistolen und Maschinenpistolen. Mit K1 ging ich ans Ende der Überdachung. Ich ermahnte mein Kind ruhig zu bleiben, erkläre ihm die Situation und falls es ernst würde, den Anweisungen der Polizei strikt Folge zu leisten. K1 hat gemerkt, dass es kein Spiel ist.


Gegen 19:41 Uhr verschärfte sich die Situation. Ein Polizeihubschrauber kreiste knapp über der BMW-Welt und kam immer tiefer über das Vordach der U-Bahnstation. Die Rotorblätter wirbelten den Dreck der Straße auf. Weitere Polizeiwägen fuhren vor. Es entstiegen schwere Einheiten, mit gepanzerten Westen, Schildern, schweren Helmen. Unruhe breitete sich unter uns aus. Die Einsatztruppen begannen den Bahnhof zu räumen und forderten uns auf, das Gelände zu verlassen. Gerüchte gingen herum, dass es am Stachus zu einem weiteren Schusswechsel gekommen sei. Ich entschied mich mit K1 den Ort des Geschehens zügig zu räumen. Es war uns mittlerweile egal, ob es regnete. Richtung Studenten- und Pressestadt des Olympischen Dorfes gingen wir besser nicht. Als ich in der Nähe des OEZ gearbeitet hatte, habe ich meine Mittagsspaziergänge immer dort gemacht, weil mich die Architektur der siebziger Jahre faszinierte. Und falls der oder die Täter auf der Flucht waren, dann könnten sie in diese Richtung unterwegs sein.

Unterkunft in einer griechischen Kneipe
Also gingen K1 und ich in die entgegengesetzte Richtung, an der BMW vorbei, querten den Georg-Brauchle-Ring, auf dem immer noch Einsatzwagen fuhren. Wir bewegten uns Richtung Lerchenauer Straße Richtung Innenstadt. Via Twitter erfuhr ich, dass inzwischen der Marienplatz evakuiert und der Hauptbahnhof geschlossen sei. Es sah ganz so aus, dass wir die Nacht in München verbringen müssten. Nachdem berichtet wurde, dass Restaurants in der Innenstadt geschlossen werden, suchten wir uns hier draußen eine kleine Kneipe. Wir entschieden uns für die Gastfreundschaft einer griechischen Kneipe namens Korfu.

In der griechischen Kneipe lief der Fernseher mit den aktuellen Ereignissen.

In der griechischen Kneipe lief der Fernseher mit den aktuellen Ereignissen.

Die Wirtsleute blickten streng auf meine Posterrolle, erkannten aber das Star Wars-Motiv und wir nahmen Platz. Zunächst setzten wir uns vor dem Fernseher und verfolgten die Berichterstattung am Flachbildschirm. Sehr gut dabei die Pressearbeit der Münchner Polizei mit ihrem Pressesprecher Marcus da Gloria Martins. Kluge, sachliche Antworten – so muss Pressearbeit sein. Also ich merkte, dass K1 bei den Wiederholungen der Videos unruhiger wurde, zogen wir uns in den hinteren Teil der Gaststätte zurück und verspeisten erst einmal Pommes. Via Facebook berichteten mir Freunde, dass auch meine Videos in den Tagesthemen und RTL gezeigt wurden – freilich ohne Quellenangaben. Am Nebentisch saß ein US-Bürger mit seinem 13jährigen Sohn. Er erkannte das Star Wars Logo und wir lieferten uns eine Diskussion über Star Wars. Welcher der Filme sei jetzt nun der beste? Der Amerikaner und ich wussten, dass unseren Kinder die Ablenkung gut tun würde. Die Spannung bei K1 fiel ab. Ich übersetzte dem Amerikaner, der aus New York kam, das Geschehen vom Fernseher. Seine Frau sei im Hotel und er wartet auf eine Möglichkeit zu ihr zu kommen. Taxis fuhren ja nicht und er hielt sich an den Rat der Polizei, erst einmal in geschlossenen Räumen zu bleiben.

Immer wieder meldete KAT Alarm.

Immer wieder meldete KAT Alarm.

Gegen 20 Uhr kam es zu wiederholten KAT-Warn-Meldungen auf der Apple Watch und dem Smartphone. Der Nachrichtendienst hat uns früher schon vor Unwetter gewarnt, jetzt kam es zu einer Sondermeldung über den Amoklauf. Der oder die Täter seien noch immer nicht gefasst.

#Opendoor und #offeneTuer
K1 und ich berieten unser weiteres Vorgehen. Die griechische Kneipe hatte bis 2 Uhr morgens geöffnet, aber bis dahin hat sich die Lage sicher nicht entspannt. Via Twitter fragte ich, ob zufällig jemand in München mit dem Auto unterwegs sei und uns Richtung Heimatdorf mitnehmen könnte. Der Tweet wurde zig Mal retweetet, aber leider meldete sich niemand. Allerdings mehrere Münchner Freunde boten uns an, bei ihnen zu übernachten, danke an Franziska, Sonya, Carmen, Sabine und Tobias – doch alle ihre Unterkünfte lagen in anderen Stadtteilen deutlich weg von unserer griechischen Kneipe. Einen Fußmarsch wollten wir mit unseren Star Wars-Postern nicht riskieren – vielleicht sieht eine Langwaffe auch so aus und der/die Täter waren ja noch auf der Flucht.

Meine Rettung

Meine Rettung

Via Twitter begann ich unter dem Hashtag #Opendoor und #OffeneTuer zu suchen. Ich finde es gewaltig, welche Solidarität in München entstand. Leute öffnen ihre Wohnungen für Fremde, die gestrandet sind. So kenne ich mein München und ich bin stolz auf diese Stadt – weltoffen und tolerant.
Ich war in Kontakt mit vielen Leuten, die wissen wollten, ob es uns gut geht. Danke für die Nachfrage. Mittlerweile hatte Facebook für München zudem seinen Safty-Check geöffnet – eine sehr gute Sache. Leute können sich melden und sagen, dass sie in Sicherheit sind.
Beim Surfen durch soziale Netzwerke stieß ich auch auf eine Twitterbekannte, die wunderbare @Emillota, die auch ihr Heim an Gestrandete öffnete. Ich meldete mich und Gott sei Dank war ihr Mann @Devteros mit dem Auto in unserer Gegend unterwegs. Wir dankten den freundlichen Griechen und stiegen ins Auto ein. Ich erklärte K1 die Situation und wir fuhren zum Heim von @Emillota und @Devteros. Das Paar hatte Freunde zu Gast und wir erzählten unsere Geschichten. Sie nahmen uns eine Nacht auf. Erleichtert und glücklich über so viel Menschlichkeit und Solidarität sprachen wir noch ein, zwei Stunden. Wir bekamen Bier (K1 Apfelschorle), WLAN und Strom für unsere iPhones. @Emillota und @Devteros arbeiten für den Verein Heimatstern. Dieser Verein arbeitet auf ehrenamtlicher Basis und unterstützt Menschen auf der Flucht und beim Ankommen – eine tolle Sache.

Nachts verfolgten wir die Nachrichtenlage.

Nachts verfolgten wir die Nachrichtenlage.

Alle verfolgten via Smartphone und Rechner die aktuellen Geschehnisse in München. Immer wieder klingelten die Handys und man versicherte sich die gegenseitige Anteilnahme und Hilfe. Toll, so etwas zu erleben. Gegen 0 Uhr zogen K1 und ich mich auf eine Matratze zurück. Ich schickte meiner Frau noch Gute-Nacht-Grüße. Sie hielt sich in Regensburg auf einem Konzert auf und wir standen den ganzen Abend über in Kontakt. Auch sie machte sich Sorgen.
Am nächsten Morgen bekamen wir ein tolles Frühstück. Der Espresso weckte meine Lebensgeister. Vielen, vielen Dank. Meine Nacht war schlecht, aber Hauptsache K1 konnte durchschlafen. Ich hatte einen unruhigen Schlaf, wachte immer wieder auf. Am Vormittag brachen wir wieder Richtung Heimatdorf auf. Der öffentliche Personennahverkehr in und um München war wieder angelaufen. In einer nächtlichen Pressekonferenz wurden erste Details der Bluttat bekannt: Neun Opfer wurden vom dem 18jährigen erschossen, bevor er sich selbst richtete. 27 Verletzte gab es, zehn von ihnen schwer. 300 Schuss Munition hatte der Mörder in seinem Rucksack. Weitere Fakten werden in den nächsten Tagen von der Polizei veröffentlicht.
Nochmals danke an die Sicherheitskräfte, die sofort gehandelt haben. Und ein ganz besonderer Dank an mein München, das geholfen hat.

Boulevardmedien am nächsten Tag.

Boulevardmedien am nächsten Tag.