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Konzertkritik: Alice Cooper in der Olympiahalle München

3. Oktober 2019

Alice Cooper macht einfach Laune. Ich habe jetzt die vierte Show von Alice Cooper gesehen und ich hab die Horror-Show des passionierten Golfspielers wieder genossen. In der gut besuchten Olympiahalle in München trafen sich meist älteren Fans zu seiner Show. Mitsingen war angesagt – und auch ein bisschen Gruseln.
Ich erinnere mich, dass eine typische Alice-Show in Bayern vor Jahren verboten wurde. Geister, Frankenstein, Kampf mit der Schlange, Blut, Zwangsjacke, Köpfen per Guillotine waren dem Ordnungsamt zuviel und die Show wurde damals untersagt. Eine bessere Werbung konnte Alice Cooper bei uns Jugendlichen nicht haben. Alice war unser Held. Als dann noch Wayne‘s World im Kino lief, wussten wir, wer unser verehrungswürdiger Held war.

Nun, Alice Cooper ist sich treu geblieben und errichtete in der Show auf der Bühne eine Schlossrunie und zog seine perfekte Horrorshow ab. Inzwischen hat sich das Münchner Ordnungsamt wohl an die blutigen Zutaten einer Alice-Show gewöhnt. Es war für mich eine schöne Best-of-Show mit vielen bekannten Liedern zum Mitsingen und Wohlfühlen. Den Anfang machte Feed My Frankenstein – und natürlich kam Frankenstein als Puppe gleich noch mit auf die Bühne. Herrlich. Alice Cooper wie man ihn kennt: Rüschenhemd, Leder und mit Stock – lasst die Show beginnen.

Er spielt nicht den netten Kerl, singt dazu No More Mr. Nice Guy und spätestens jetzt ist der Ohrwurm gesetzt. Alice Cooper war im Grunde ja der Erfinder der großen Shows, wie sie heute üblich sind. Vor Alice gab es Musik auf der Bühne. Alice hat uns die fette Show gebracht, die für viele heute selbstverständlich ist: Licht, Aufbauten, Showelemente, Feuer, Puppen usw.
Später im Konzert kamen noch die Heuler He’s Back (The Man Behind the Mask) – samt Jason mit Machete auf der Bühne, wie er eine Teenagerin hinrichtet und dann I’m Eighteen.

Bei Billion Dollar Babies marschierte das Killerbaby über die Bühne und wir sangen alle mit. Die eher jüngeren Besucher kamen bei Poison in Fahrt. Das kannten sie und die weiblichen Fans standen von ihren Sitzen in den Tribünen auf und bewegten sich zu Alice-Pop.

Bemerkenswert ist das Zusammenspiel der Band. Es sind die alten Recken aus der Vergangenheit. Tommy Henriksen (seit 2011), Ryan Roxie (1996–2006, seit 2012), Chuck Garric (seit 2002), Glen Sobel (seit 2011). Bei den männlichen Fans kam die blonde Gitarristin Nita Strauss, die seit 2014 zum Ensemble gehört. Sie beherrscht ihr Instrument und sie beherrscht das Posen. Sie wetzte auf der Bühne herum, heizte die Stimmung auf und war eine hervorragende Showwoman. Aber im Mittelpunkt stand natürlich unser Schockrocker Alice Cooper.
Den Abschluss machte natürlich Teenage Frankenstein. Während „I’m a teenage Frankenstein – The local freak with the twisted mind“ marschierte Frankenstein über die Bühne auf der Jagd nach Alice.

Und als zweite Zugabe war mit School’s Out samt Pink Floyds Another Brick in the Wall nochmals Mitsingen angesagt.

Ursprünglich meinte ich, dass die Tour: Ol’ Black Eyes Is Back meine letzte Tour mit Alice Cooper ist, aber mir hat es doch so gut gefallen. Wenn Alice mal wieder kommt, dann bin ich wieder mit dabei.

Hier die Setlist von München
Feed My Frankenstein
No More Mr. Nice Guy
Bed of Nails
Raped and Freezin‘
Fallen in Love
Muscle of Love
He’s Back (The Man Behind the Mask)
I’m Eighteen
Billion Dollar Babies
Poison
Guitar Solo (Nita Strauss)
Roses on White Lace
My Stars
Devil’s Food
Black Widow Jam
Steven
Dead Babies
I Love the Dead
Escape
Teenage Frankenstein

Zugaben:
Under My Wheels
School’s Out

Gabriel Filmtheater: Das Ende des ältesten Kinos der Welt

22. September 2019
Eine Ära geht zu Ende.

Eine Ära geht zu Ende.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in diesen Räumen verbracht habe. Ich weiß aber, dass es nun vorbei ist. Das Gabriel Filmtheater, das älteste Kino in München und zugleich das älteste Kino der Welt, ist Geschichte. Mit einem Tag der offenen Tür konnte sich das Publikum vom Kino und seinen Betreibern verabschieden. Es war für mich ein sentimentales Ereignis und eine Selbstverständlichkeit dabei zu sein.

Das Gabriel Filmtheater war für mich als Filmfreund und Filmkritiker in erster Linie ein Ort der Arbeit, aber auch ein Ort der Inspiration. Nun, ich gehöre schon lange nicht mehr zum engen Pulk der eingeschworenen Münchner Filmkritiker, die Tag ein, Tag aus ins Kino zu den Pressevorführungen gehen. Ich bekomme nur noch ab und zu Einladungen zu den Vorführungen und schreibe meine Kritiken u.a. in meinem Blog. Und ein Ort dieser exklusiven Filmvorführungen war das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße 16 in München.

Im April diesen Jahres musste das Gabriel Filmtheater schließen. Nun gab es die Möglichkeit, sich von den Räumlichkeiten zu verabschieden und tief in die Geschichte eines der ältesten Kinos einzutauchen. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich musste mich persönlich verabschieden.
Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählten Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und das Filmpublikum konnte alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben – alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.
Das Gabriel Filmtheater galt als eines der ältesten Kinos der Welt. Am 21. April 1907 wurde es von Carl Gabriel unter dem Namen „The American Bio-Cie. – Carl Gabriels Theater lebender Bilder“ eröffnet. Seit 1936 war das Kino in der Hand von Alexandra Gmells Familie. Ihre Urgroßeltern Ludwig und Franziska Büche kauften das Haus, der Sohn Hans übernahm den Kinobetrieb, ihm folgte seine Frau Beatrix nach. Später übernahm ihr Sohn Hans Walter Büche, der das Gabriel bis zuletzt mit seiner Tochter betrieb.

Das Kino hatte ursprünglich einen großen Saal. Der Balkon wurde 1964 abgetrennt und es wurde das Kino 2 daraus. Hier liefen dann die Filme, die weniger Publikum anzogen. Ach ja Filme: Das Gabriel war einst auch ein Kino für Erwachsene. Das Aki im Hauptbahnhof und das Gabriel lieferten die Pornos der siebziger und achtziger Jahre. Im Keller vom Gabriel gab es noch viele Filmrollen und Plakate mit Sex-Filmchen: Die Nymphomanin Catrice, Event L’amour, Wild Lovers, Villa der Perversionen und viele mehr. Auch der sexy Historienschinken der Turm der verbotenen Liebe mit Uschi Glas war dabei.
Als Kino-Fan bin ich traurig, wenn ein Lichtspielhaus oder Filmtheater stirbt. Ich mag die Paläste der Träume. Hier bin ich ein verklärter Träumer. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck hat sich ein Verein gebildet, der das örtliche Lichtspielhaus als Kulturkino trägt. Ich bin hier Mitglied geworden und unterstützte das Programm mit meinem Eintritt und Mitgliedsbeiträgen. In München ist so eine Umwandlung bisher gescheitert, trotz Aufschrei der Politik.
Aber zurück zum Gabriel: Danke, dass wir in den Keller absteigen durften. Dort liegt noch allerhand Filmmaterial, Rollen, Plakate – ein Schatz für Trash-Filmfreunde. Ich hab Material zu B- und C-Movies gesehen. Viel nackte Haut, Sexfilmchen und ein bisschen Western mit Django und Franco Nero. Die Rollen stauben ein. Was mit den Schätzen passiert, wusste Alexandra Gmell noch nicht. Vielleicht gibt es eine Versteigerung. Ich habe mich auf jeden Fall auf eine Interessentenliste setzen lassen.
Die Projektoren sind schon lange abgebaut. Es gab einst noch 35 Millimeter Projektoren, die Mitte der 90er durch Beamer und Server ersetzt wurde. Zunächst gab es Festplatten, dann Download-Links für Filme – die Romantik war verschwunden.

In aller Form möchte ich mich bei den Betreibern des Gabriel für die vielen angenehmen Stunden in Ihrem Hause bedanken und wünsche alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. – Und wir Filmkritiker müssen uns eine neue Heimat suchen. Und hier noch die Demontage des Gabriel-Schriftzugs in voller Länge.

Konzertkritik: Neil Young in München, Olympiahalle 2019

7. Juli 2019

Ja, Neil Young war gut aufgelegt, trotz der persönlichen Rückschläge in jüngster Zeit. Der Kanadier zog in der Münchner Olympiahalle eine Show ab, die einfach gepasst hat: Laut, intensiv, melodiös – mal Punk, mal Folkie, mal Hardrock, genau wie ich es mir von dem musikalischen Chamäleon Neil Young gewünscht hatte. Ok, Jazz war nicht dabei, aber egal. Unterstützt wurde er dieses Mal nicht von Crazy Horse, aber die jungen Männer von Promise of the Real standen dem Meister perfekt zur Seite.

Das Bühnenset war wie bei den meisten Shows von Neil Young eher schlicht gehalten. Bei meinen letzten Konzert war es eher eine Country-Umgebung. Dieses Mal mal waren die Instrumente da und das wars. Neil Young – und ein Großteil seines gealterten Publikums  erinnert sich noch an die Zeiten des Röhrenfernsehers. Und so hingen die Monitorwände links und rechts von der Bühne in Verkleidung als Röhrenfernseher mit Neil Young-Testbild. Schöner Humor. 

Einziges Showelement am Ende des Konzerts war eine Art Engel, der sich in die Lüfte zu einem genialem Like a Hurrican schwebt. 

Schön ist, dass Neil Young auf ein umfangreiches Repertoire an Songs zurückgreifen kann, deren Hits er an einem Abend gar nicht alle spielen kann. So gibt es eine Auswahl aus vielen Perioden des grimmigen Herrn. Es begann mit Buffalo Springfield und ihrem Mr. Soul. Kein großes Geblubber wie „ich liebe dich München“ und so Zeug, sondern Licht aus, Musik an – los gehts. Und Neil Young kann es: Mit der „Old Black“, seiner legendären Les Paul, und der Gretsch „White Falcon“ zauberte er den typischen Neil Young Sound. Mit was er an dem Münchner Abend akustisch gespielt hatte, konnte  ich nicht erkennen. 

Die einen nennen es Krach, ich nenne es Musik, die Young und seinen Mannen da ihren Instrumenten entlocken. Und wenn schon beim zweiten Song Mansion on the Hill das gesamte Auditorium mitsingt und mitwippt, dann hat Neil Young etwas richtig gemacht. There’s a mansion on the hill – Psychedelic music fills the air – Peace and love live there still – In that mansion on the hill – und muss es sein und nicht anders. 

2014 wurde der nächste Song im Rolling Stone Sonderheft Neil Young als sein bester Song ausgezeichnet. Gemeint ist natürlich Powderfinger, 1979 auf Rust Never Sleeps zum ersten Mal öffentliche und immerfort ein extrem starker Song samt Text. Hätte Neil mal besser die Knarre nicht abgeschossen. 

Harvest Moon ist für mich persönlich eines der schönsten Lieder von Neil Young. Sehr schön interpretiert mit Mond und Love auf den Großbildmonitoren und der Bühne. Spätestens hier hat Neil Young sein Publikum in der Hand und sein Publikum weiß, dass sich der heftige Eintrittspreis gelohnt hat. Ein paar Songs spielte er Words (Between the Lines of Age), für mich einer der besten Songs von Harvest, der es aber nie richtig zur Berühmtheit gebracht hatte. 

Neil Young wurde als Papa des Grunge bezeichnet, was ich für Quatsch halte. Dennoch war Mirror Ball ein Album, dass der jungen Holzfällerhemd-Generation zeigte, wo der Hammer hängt. Throw Your Hatred Down interpretierte er einst mit Pearl Jam, heute mit seinen Mitmusikanten und es ist nachwievor ein intensiver Song. Hart und klar – so wollen wir das, danke Neil.

Fuckin‘ Up war immer mein Gassenhauer-Song von 1990 aus Ragged Glory neben Mansion on the Hill. Promise of the Real gingen ab wie ein Zäpfchen und schaukelten sich mit Neil Young in den Rock‘n Roll Himmel. Tolle, eindringliche Interpretation, wie ich meine. 

ok, dann ging es Schlag auf Schlag und Neil Young ließ uns keine Luft mehr. Cortez the Killer und später Cinnamon Girl. 

Und wer bei Rockin‘ in the Free World noch nicht weggedreht wahr, der ist bereits tot. Der Song kam aus einer Phase, in der Young nicht unbedingt wegweisend war, aber hier schuf er ein Meisterwerk. Die Halle sang mit und der Ohrwurm setzte sich für den Heimweg fest. Und schön, wie die Band mit dem Publikum spielte. 

Die Zugaben waren I’ve Been Waiting for You und Like a Hurricane mit dem Vocoder aus Trans von 1982, eines der unterschätzen Alben. Like a Hurricane ist der Live-Klassiker von Neil Young und ein wirklicher Abschluss eines eindrucksvollen Konzerts in München. In anderen deutschen Städten habe ich gemischte Kritiken von dortigen Kritiken gelesen, von München kann ich sagen. Obwohl Hey Hey, My My (Into the Black) nicht gespielt wurde, war es immer präsent: „it’s better to burn out than to fade away“

Hier nochmals die komplette Setlist:

Mr. Soul

Mansion on the Hill

Powderfinger

Harvest Moon

Winterlong

Walk On

Words (Between the Lines of Age)

Lotta Love

Throw Your Hatred Down

Milky Way

Fuckin‘ Up

Cortez the Killer

Cinnamon Girl

Change Your Mind

Rockin‘ in the Free World

Zugaben:

I’ve Been Waiting for You

Like a Hurricane

Konzertkritik: Rainbow in München Juni 2019

14. Juni 2019
Rainbow in München - ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Rainbow in München – ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Memories of Rock – so war die Tour betitelt und wenn ich mich an Rainbow erinnere, dann kommt mir als erstes der legendäre Auftritt der Jungs um Ritchie Blackmore von 1977 in der Münchner Olympiahalle in den Sinn. Gleich vorweg: So ein Auftritt ist es im Juni 2019 am gleichen Ort nicht geworden.
Ich war kein Freund von Blackmores Mittelalter Gedöns und so freute ich mich, dass der ehemalige Guitar Hero wieder mit seiner Hardrock Combo Rainbow auf Tour ging. Und er kam für ein einziges Konzert nach Deutschland und sogar in meine Heimatstadt München. Die bayerische Landeshauptstadt bedeutet für Blackmore viel und er strengte sich an.
Nachdem Ronnie James Dio und Cozy Powell von 1977 ja nicht mehr unter uns weilen, musste Blackmore seine Band neu aufbauen und es ist ihm gelungen. Die Spielfreude der Band ist ihnen hoch anzurechnen.
Aber was ist aus unserem Helden Blackmore geworden? Einst ein Berserker auf der Bühne, der musikalisch provozierte, der den meisten der heutigen Gitarristen „den Arsch“ abspielen konnte (Zitat Blackmore) – ja was ist aus ihm geworden? Der launische Mann an der weißen Stratocaster ist ruhig geworden. Keine emotionalen Ego-Ausbrüche mehr wie zu alten Zeiten. Er steht ruhig da und konzentriert sich auf sein Gitarrenspiel. Sein Instrument beherrscht er noch, ohne Zweifel. Aber lieber Ritchie – schau mal zu Steve Morse rüber und da sieht man wie man heute Gitarre in einer Hardrock-Band spielt.

Aber nachdem ich mit Fans gesprochen habe, die sich die letzten Konzerte von ihm angetan haben, ist München wohl dagegen ein Hochgenuss gewesen. Blackmore hat sich bemüht, aber mit Arthritis spielt sich halt nicht mehr meisterhaft Gitarre. Mit den Hochgeschwindigkeitssolos ist es vorbei, aber für eine Memories in Rock-Tour reicht es dann noch. Experimente ließen sich nicht erwarten, dennoch hatte ich den Eindruck, dass viele Songs spontan angestimmt wurden. Sänger Ronnie Romero ist nicht Dio, aber er machte seine Sache sehr, sehr gut. Manches wirkte für mich uninspiriert, wie die Solos in Mistreated – ich habe immer David Coverdale im Ohr.

Schön war, dass ein Brite Freude schöner Götterfunken in Difficult to Cure zitierte. Ein Synthesizer mag in den Siebzigern und Achtzigern noch eine Innovation gewesen sein, aber das Thema ist durch, egal welche Improvisation da Jens Johansson abgibt.

Die Setlist variierte im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour. Und natürlich bei Memories in Rock durften die Gassenhauer nicht fehlen. Das meist ältere Publikum feierte ihren Helden, wippte mit und nachdem die Plattencover auf der Videowand eingespielt wurden, konnte man sich erinnern, was so die Klassiker sind, die man haben musste. Emotional wurde es dann noch zum Schluss – eine Verbeugung an den alten Kumpel Jon Lord und als Abschluss noch Smoke on the Water. Was will man mehr?

Bei der Heimfahrt mit dem Auto legte ich erst einmal Live in Munich 1977 ein. Das war eben noch ein richtig gutes Konzert, eben Rock Memories von 1977 und nicht ein gutes Konzert von 2019.

Star Wars Imperium schlägt zurück live in Concert im Gasteig München 2019

5. Januar 2019
Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig - was will der Fan mehr?

Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig – was will der Fan mehr?

Leider wird es mir wohl nicht mehr vergönnt sein, den großen John Williams live am Dirigentenpult zu erleben. Der große Filmkomponist ist inzwischen 86 Jahren alt und wird wohl nicht mehr in seinem hohen Alter auf Tournee gehen. Daher will ich wenigstens die Musik von John Williams genießen und war natürlich dabei als der Film Star Wars V Das Imperium schlägt zurück mit Livemusik im Münchner Gasteig aufgeführt wurde. Die Musik kam vom Pilsen Philharmonic Orchestra unter dem Dirigat von Christian Schumann. 

Aber das Erlebnis begann schon im Vorfeld. Wie schon ein Jahr zuvor liefen im Foyer kostümierte Star Wars Fans einher. Ich habe nur die böse Seite gesehen, also Imperium und Neue Ordnung. Das liegt nah, dass es sich um Mitglieder der 501st Legion handelte, obwohl ich kein Logo gesehen habe. Die 501st Legion „Vader’s Fist“ ist eine internationale Star-Wars-Fanvereinigung mit über 10000 Mitgliedern aus mehr als 40 Ländern und irgendwann möchte ich dem Verein beitreten. 

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Also konnte man im Vorfeld mit Sturmtruppen, Darth Vader oder Kylo Ren für ein Foto posieren, was ich als Fan ausgiebig gemacht habe. Irgendwie hatte das Konzert einen Convention-Charakter und so was gefällt mir. Und das Thema Film plus Livemusik scheint ein finanzieller Renner zu sein, denn es wurde gleich Werbung für Abende mit James Bond, Ratatouille, Harry Potter gemacht und ich hab gleich Karten für Star Wars 2020 die Rückkehr der Jedi-Ritter online gekauft. 

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Platz genommen in der Philharmonie und zu Beginn zogen die kostümierten Fans vor die Bühne zum nächsten Fototermin. Später nahmen sie auf den Seitenrängen Platz und verfolgten das Konzert. Natürlich hatten auch Sturmtruppen ihr Smartphone dabei und schossen Erinnerungsfotos von dem Auftritt nach dem Motto: Auch eine Sturmtruppen braucht eine Erinnerung – aber waren das nicht Klone? 

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Dann der Auftritt des Pilsen Philharmonic Orchestra und der Auftritt von Christian Schumann. Er ist in der Musikszene wahrlich kein Unbekannter. Christian Schumann, geboren in Freiburg i. Br., studierte Dirigieren sowie Komposition in Weimar und Zürich und assistierte bei Peter Eötvös, Esa-Pekka Salonen, David Stern und Frank Strobel und ist auch als Filmmusiker bekannt. Gerne würde ich mal mit mit ihm ein Interview mit ihm über John Williams führen.

Über den Film brauche ich nicht viel zu schreiben. Es ist für mich der beste Film der Reihe. Gezeigt wurde die digital überarbeitete Fassung, die ich als Purist nicht so gerne mag. Klar, Krieg der Sterne hat den Mythos erschaffen, aber Imperium ging für mich tiefer und machte Lust auf mehr. „Ich bin dein Vater“ und all die anderen Klassiker „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“, „Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl.“ Die Dialoge in dem Film konnte ich auswendig, musste ich auch, denn die Musik in der Aufführung war so laut, dass sie die meisten Dialoge übertönte. Das ist vielleicht die einzige Kritik an dem Abend: Nicht die Musik war zu laut, sondern der Ton war zu leise – und die Akustik des Gasteigs ist, naja, für solche Aufführungen wohl eher nicht geeignet. 

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Danke Christian Schumann und seinen tschechischem Musikern für den schönen Abend. Zum Abschluss gab es noch den Imperial March als Zugabe – was will ich mehr?

Holzinstallationen von Iris von Huene im Münchner Künstlerhaus

9. Dezember 2018
Holzinstallationen im Innenhof des Künstlerhauses München.

Holzinstallationen im Innenhof des Künstlerhauses München.

Kunst muss nicht sofort zugänglich sein. Diese Erfahrung bestätigte sich mit, als ich dem Münchner Künstlerhaus einen Besuch abstattete. Ich war auf einem Empfang eingeladen und durchquerte dazu eine Ausstellung von Iris von Huene. Bis 6. Januar 2019 sind ihre Installationen im Innenhof des Künstlerhauses zu besichtigen. Die Ausstellung heißt „Now and everywhere“.


Iris von Huene ist Holzbildhauerin vom Ammersee und sie beschäftigt sich mit Holz. Seit 1996 ist die freischaffende Holzbildhauerin und ihr Werkmaterial ist das Holz alter Bäume. Sie lässt sich von eigenen Erfahrungen leiten, orientiert sich an sozialen, politischen und umweltrelevanten Themen. Diese Vorgabe fand ich interessant und als ich dem Empfang im Künstlerhaus verließ, ließ ich mich eine Zeitlang auf die Ausstellung ein. Sie achtet darauf, die Haptik des Ausgangsmaterials zu erhalten und trotzdem etwas neues zu schaffen. Ich nahm mir eine halbe Stunde Zeit, stand im Innenhof des Künstlerhauses und ließ die Skulpturen auf mich wirken. Sie hatten Namen wie „Leib und Seele“ verwittertes Eichenholz 0,85 x 0,4 Meter , „Wrong System“ Holz verkohlt mit Stahl in einer Größe von 4 x 0,3 x 4,5 Meter, „Violence“ Stahl/Eichenholz/Polyester/Farbe 2 x 2 4 Meter oder „Restart please“ verkohltes Eichenholz/Kalk 4,2 x 0,5 Meter.

Wenn ihr in München seid, dann schaut doch einfach beim Künstlerhaus vorbei und betrachtet die Skulpturen von Iris von Huene. Ich bin an eurer Meinung in den Kommentaren interessiert.

Meine Gedanken zu 100 Jahre Freistaat Bayern und Kurt Eisner

8. November 2018

100 Jahre Freistaat Bayern – was bedeutet dies für mich mich?  Ich könnte viel von der schönen Landschaft erzählen, von Baudenkmälern und Architektur, von Kunst, Kultur und Kirchen. Aber 100 Jahre Freistaat Bayern bedeuten für mich vor allem Liberalitas Bavarica. Es ist unsere bayerische Freizügigkeit. Es ist das Leben und Leben lassen. Dieses Denken hat mich geprägt und wurde mir immer wieder im Freistaat Bayern vermittelt.
Im Moment wünsche ich mir aber wieder mehr von dieser Liberalitas Bavarica in meinem Freistaat Bayern und ich muss damit auch an Kurt Eisner denken.

Kurt Eisner, Begründer des Freistaats Bayern.  Foto: Bundesarchiv

Kurt Eisner, Begründer des Freistaats Bayern. Foto: Bundesarchiv

Ich erinnere mich, als ich im Geschichtsunterricht vor über 30 Jahren ein Bild von Kurt Eisner gesehen habe. Das Schwarzweiß-Bild zeigte einen Zausel mit Bart und Brille. Eisner war als Journalist quasi ein Kollege von mir. Er war Mitglied der linken USPD, also linker als die Sozialdemokraten seiner Zeit, und er war Revolutionsführer in der Novemberrevolution 1918. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg regierten in Deutschland die Arbeiter- und Soldatenräte. München war rot. Eisner schafft den Umsturz, Ludwig III flieht und Kurt Eisner ruft am 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus. Das feiern wir heute: 100 Jahre Freistaat Bayern.
Er wird erster bayerischer Ministerpräsident. Der Umsturz war nahezu unblutig, anders wie die andere Revolutionen. Eisner und seine Leute waren Künstler, Freidenker und hörten zu. Sie lebten die Liberalitas Bavarica.
Mir ist aus dem Geschichtsunterricht meiner Schulzeit der Satz von Eisner in Erinnerung geblieben: „Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“ Später wird er von dem Rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley erschossen, der von einer späteren Bayerischen Regierung freigesprochen wurde. Auch das ist Bayern.

In meiner Heimatstadt München gibt es ein paar Erinnerungen an Kurt Eisner. Zum einen eine Bodenplatte in der Kardinal-Faulhaber-Straße beim Hotel Bayerischer Hof. Sie zeigt den Umriss des ermordeten Eisners an Ort seiner Ermordung. Das Denkmal wurde 1989 eingeweiht. Zum anderen gibt es am Oberanger eine Glasinstallation aus dem Jahr 2011, geschaffen von Rotraut Fischer. Es ist ein Kunstwerk aus Grünglaselementen. Durch die Anordnung und Spiegelung assoziiert die Installation Bewegung. Das Werk trägt die Inschrift „Jedes Menschenleben soll heilig sein.“ Die Schrift ist nachts beleuchtet. Mit diesem Ausspruch proklamierte Kurt Eisner den Freistaat Bayern.
„Jedes Menschenleben soll heilig sein“ – ein Spruch, den wir uns zu den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Freistaat Bayern wieder in Erinnerung rufen müssen.

Blick in eine Augenweide – Kabinett im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

22. Oktober 2018

Das Bayerische Nationalmuseum in München machte für Bloggerinnen und Blogger eine absolute Ausnahme: Beim jüngsten Bloggerwalk unter dem Hastag BarockerLuxus durften wir einen Ort betreten, zu dem das normale Besucherpublikum keinen Schritt hinein machen darf: Es ist ein Kabinett mit Decken und Wandverkleidung aus bemalter Seide. Der normale Besucher des Bayerischen Nationalmuseum muss hinter eine Absperrung stehen bleiben, wir Blogger durften hinter die Absperrung in den Raum eintreten – meinen Dank dafür.
Was ist hier sehen durfte, das haute mich optisch um. Das Kabinett stammt aus dem Stadtpalais der gräflichen Familie Tattenbach in der Münchner Theatinerstraße, eine der Nobelstraßen der bayerischen Landeshauptstadt. Joseph-Ferdinand von Rheinstein-Tattenbach (1723-1802), der unter anderem ein hohes Tier am Kurfürstlichen Hof war (Obersthofmarschall, Oberstkämmerer und Minister) beauftragte 1767 Francois Cuvilliés d.J. mit dem Bau. Dieser plante wohl auch das Kabinett im ersten Obergeschoss, das vor dem Abbruch des Hauses 1909 ausgebaut wurde.
Ich hatte die Garmin 360 Grad Kamera dabei und filmte den Raum in 360 Grad samt den interessanten Ausführungen des Kurators.

Die Dekoration greift das im Rokoko beliebte Schema eines Spalierzimmers auf, dessen Gitterwerk im oberen Bereich mit Wein bewachsen zu sein scheint. Die Gliederung der Wandfelder verkörpert den frühklassizistischen Zopfstil, greift aber auch mit Blumengirlanden und -körben, Schmetterlingen und Vögeln die heitere Stimmung des Rokoko auf. Trophäen führen Themen aus Kunst, Bildung und gehobenen Vergnügungen vor Augen. Der Schöpfer der Malereien Johann Zächenberger war als Porzellanmaler an der Nymphenburger Manufaktur Spezialist für Blumendekore. Die Restaurierung des Kabinetts wurde unterstützt von der Bauer´schen Barockstiftung in München.
Der Künstler selbst verewigte sich mit Selbstbildung an einer Wand.

An einer anderen findet sich eine Eule wieder, das Zeichen der Illuminaten, eines Geheimbundes, der in Ingoldstadt gegründet wurde und bei dem Joseph-Ferdinand von Rheinstein-Tattenbach wohl Mitglied war.

Fazit: Das Bayerische Nationalmuseum birgt Schätze. Mein Dank gilt meiner Bloggerclub-Vorstandskollegin Tanja Praske, die diesen Bloggerwalk organisierte – und natürlich dem ganzen Team des Bayerischen Nationalmuseums in München.

Verwandlungsspieltisch im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

19. Oktober 2018
Für die Blogger wurde ein Verwandlungstisch geöffnet.

Für die Blogger wurde ein Verwandlungstisch geöffnet.

Eine seltene Ehre wurde den Bloggerinnen und Bloggern beim jüngsten Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum zu Teil. Unter dem Hashtag #BarockerLuxus kamen wir an Orte, die dem gemeinen Besucher eher verschlossen sind. Ich bedanke mich für diese Möglichkeit. Und wir bekamen Vorführungen, die nur ein ausgewähltes Publikum genießen können.
Zum adeligen Leben des Barocks gehörten aufwendige Möbel dazu. Dazu gab es in der Möbelabteilung des fantastischen Museums in München eine Abteilung mit Luxusmöbel von Abraham und David Roentgen. Ich muss zugeben, dass ich die beiden Herrschaften vor meinem Besuch des Nationalmuseums nicht kannte. Zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass historische Möbel nicht unbedingt zu meinen Steckenpferden gehören. Das sollte sich jetzt ändern. Der Saal mit den Roengten-Möbeln wurde durch Harry Beyer, ein Münchner Antiquitäten-Geschäft, finanziert.

Toller Saal mit historischen Möbeln im Bayerischen Nationalmuseum.

Toller Saal mit historischen Möbeln im Bayerischen Nationalmuseum.

Die Kuratoren des Museums ließen uns Bloggern eine besondere Ehre zu Teil. Der Kurator der Möbelabteilung öffnete mit weißen Stoffhandschuhen einen der empfindlichen Tische, die mit einer besonderen Mechanik ausgestattet sind. Vielen Dank dafür. Mein Kopfkino begann sofort zu Arbeiten und ich sah Szenen von Barry Lyndon vor meinen geistigen Auge.

Der Verwandlungsspieltisch stammt zwischen 1774 und 1780. Die Grundidee des Tisches, eine dreimal wandelbare Platte und ein zuletzt hervorspringender Kasten, wurde schon von Abraham Roentgen entwickelt. Dieses Exemplar folgt klassizistischen Formen, wohingegen die an den Bändern aufgehängten Rosenblüten noch dem naturromantischen Rokoko angehören.

Ich saugte sehr viel historisches Wissen auf. Die Herstellung von Luxusmöbeln konzentrierte sich im 18. Jahrhundert auf Paris mit einer Vielzahl von berühmten Meister. Nur eine einzige Werkstatt war international ebenbürtig: die von Abraham (1711-1793) und David Roentgen (1743-1807) in Neuwied am Rhein. Die Familie Roentgen gehörte der sittenstrengen protestantischen Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter an, die 1750 Graf Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied in seiner Residenzstadt ansiedelte. Die Herrnhuter galten als gute Handwerker, waren aber sonst eher spaßbefreit. Sie lehnten jeglichen Luxus sowie spekulative Geschäftsmodelle oder Kreditaufnahme strikt ab. David Roengten war wohl aber ein Fuchs und das schwarze Schaf der Glaubensfamilie und ging zum Erreichen seiner Ziele auch geschäftliche Risiken ein und bekam immer wieder Ärger mit seiner Gemeinde. Sein geschäftlicher Höhepunkt war die Gründung einer Niederlassung in Paris 1780 und die Belieferung des Russischen Hofes in St. Petersburg zwischen 1783 und 1789. Die Möbel der Roengtenmanufaktur zeichneten sich durch ihre handwerklich perfekte Ausführung, aufwendige Materialien und besondere mechanische Raffinessen aus. Also den Raum im Bayerischen Nationalmuseum ansehen und vielleicht habt ihr ja Glück auf eine Demonstration. Wenn nicht, dann die Monitore im Raum anschauen, dort werden die Geheimnisse der Möbel am Display gezeigt.

Der aufgeklappte Verwandlungstisch.

Der aufgeklappte Verwandlungstisch.

Bloggerwalk und Storytelling im Bayerischen Nationalmuseum #BarockerLuxus

16. Oktober 2018
Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Bloggerwalk im Bayerischen Nationalmuseum München.

Eine wunderbare Form der Wissensvermittlung habe ich durch einen Bloggerwalk meiner Bloggerclub-Kollegin Tanja Praske kennengelernt. Unter dem Hashtag #BarockerLuxus schauten sich 20 Bloggerinnen und Blogger unterschiedlicher Richtung das Bayerische Nationalmuseum an. Ein Bloggerwalk ist eine Art moderierter Spaziergang mit vielen Film- und Fotomotiven für dieses Neuland Internet.

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Veranstaltung empfand ich als einen vollen Erfolg. Ich werde das Museum, in dem mich  der Prinzregent Luitpold im Foyer begrüßt, wieder mit meiner Frau besuchen. Die Exponate haben mich tief beeindruckt.

Noch beeindruckender waren allerdings die großen und kleinen Geschichten, die die Kuratoren des Bayerischen Nationalmuseums zu erzählen wussten. Über Geschichten verkauft man Geschichten und Geschichten erzählen konnten die fabelhaften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums. Storytelling muss also bei einem Bloggerwalk oberstes Gebot sein. Wer langweilt, der fliegt raus.
Die Vorbereitung zum Bloggerwalk war professionell. Nachdem das Museum am Abend für die Öffentlichkeit geschlossen war, wurde es für die Blogger wieder eröffnet. Das ist aus zwei Dingen wichtig, zum einen kamen die Blogger richtig nah an die geschichtsträchtigen Exponate heran, zum anderen wurden keine Persönlichkeitsrechte der Besucher beim Fotografieren und Filmen verletzt. Wir Blogger durften alles filmen und fotografieren. Die Beleuchtung reichte aus, dass der Blitz und die LED-Leuchte in der Tasche bleiben konnten.
Die Führung durch die Ausstellung Barocker Luxus begann in der Elfenbein-Sammlung und ging über in die kostbare Porzellan-Ausstellung mit Exponaten aus China und Meißen.

Und immer tiefer in die Ausstellung. Und immer wieder Storytelling: Mal ist es die Geschichte über eine Porzellandame auf einem Sofa, der der Busen heraus gerutscht, mal ist es das ausdrucksstarke Werben eines Frauenheldens aus Porzellan, samt anlehnender Dame, die eigentlich nur geheiratet werden will. Schön auch die Episoden am Rande, dass die Aufklärung nur durch Porzellan möglich war. Nur in Pozrellantassen war es möglich, heiße Geträne wie Kaffee, Schokolade oder Tee zu genießen und über Gott und die Welt zu philosophieren.

Schön fand ich auch die Tischsitten des Barocks. Eine Tafel mit Silberbesteck und -Teller wurde gezeigt. Das Geschirr wurde nach französischem Vorbild, das heißt ohne Gläser oder Becher gedeckt. Diese brachte die Dienerschaft separat. Unverständlich, warum man aus Gründen des Wichtigseins mit Silberbesteck essen sollte, da Silber den Geschmack der Speisen verändert.

In den folgenden Tagen werde ich ein paar Geschichten um den Barocken Luxus aus dem Bayerischen Nationalmuseum veröffentlichen.
Besonderes Lob übrigens an den Leiter des Hauses, Generaldirektor Dr. Frank Matthias Kammel, der sich von Tanja Praske zum Bloggerwalk überzeugen ließ. Er begrüßte die Blogger auch mit launigen Worten.

Bei der Begrüßung dachte ich mir immer wieder: Den Mann mit seiner ausdrucksstarken Gestik kenne ich irgendwoher. Er hat schon eine lange Museumskarriere hinter sich wie beispielsweise das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Irgendwann kam es mir Kulturbanausen dann: Ich kenne Kammel aus dem Fernsehen meiner Eltern, wenn er in der Sendung Kunst und Krempel auftrat. Da musste ich dann doch in einem persönlichen Interview bei ihm nachfragen. Dabei verriet er mir auch, was sein Lieblingsstück im Bayerischen Nationalmuseum ist – lasst euch überraschen.