Posts Tagged ‘PresseClub München’

Zwischen Linksrutsch und Rechtsruck: Wie viel politische Mitte bleibt?

24. September 2026

Die politischen Ränder gewinnen an Kraft, traditionelle Mehrheiten werden schwieriger und das Vertrauen in Parteien, Medien und Institutionen steht unter Druck. Im PresseClub München diskutierten Roman Deininger, Sigmund Gottlieb, Elisabeth Redler und Fred Langhammer über die Folgen der jüngsten Landtagswahlen, die Verantwortung der politischen Mitte und die Frage, wie sich eine demokratische Gesellschaft gegen Radikalisierung behaupten kann. Die Diskussion leitete Manfred Otzelberger vom PresseClub München.

„Die Mitte ist das Beste“ – mit diesem Wahlkampfslogan eröffnete Manfred Otzelberger eine Diskussion, die schnell deutlich machte, wie wenig selbstverständlich die politische Mitte inzwischen geworden ist. Wahlerfolge an den politischen Rändern, Frustration über Regierungspolitik, eine zunehmend polarisierte Öffentlichkeit und die Macht der sozialen Medien verändern die politische Landschaft. Hier die komplette Aufzeichnung der Diskussion.


Für Roman Deininger, stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, ist die Entwicklung auch eine Mahnung an die etablierten Parteien. „Die Mitte im Kampf gegen die Extreme, vor allem gegen die extreme Rechte, hat ein Stück weit versagt“, sagte er. Nicht aus bösem Willen, sondern aus „Trägheit“ und einer mangelnden Fähigkeit, flexibel auf die veränderten politischen Verhältnisse zu reagieren.


Bei seinen Reisen durch Wahlkampfgebiete habe er zugleich etwas anderes wahrgenommen: „Die Leute dürsten nach einer positiven Vision, die dürsten nach guter Laune.“ Genau hier sieht Deininger eine zentrale Aufgabe für die demokratischen Parteien. Politik müsse nicht nur Probleme beschreiben, sondern auch vermitteln, wofür sich Veränderungen lohnen.


Kompromisse sind kein Verrat
Ein Kernproblem sieht Deininger darin, dass politische Kompromisse zunehmend als Schwäche wahrgenommen würden. In einem Parteiensystem, in dem einfache Mehrheiten schwieriger werden, müssten jedoch unterschiedliche politische Lager miteinander arbeiten.

„Schmerzhafte Kompromisse sind nötig“, sagte Deininger. „Diese Kompromisse sind kein Verrat an Prinzipien, sondern politische Praxis, gelebte Demokratie.“

Gleichzeitig warnte er davor, auf schlechte Wahlergebnisse mit einem sofortigen Rückzug von Reformvorhaben zu reagieren. Eine Regierung müsse bereit sein, notwendige Entscheidungen auch dann durchzuhalten, wenn diese kurzfristig unpopulär seien.

Deininger schilderte zudem seine Erfahrungen als Reporter auf AfD-Veranstaltungen. Journalisten würden dort teilweise angepöbelt oder als „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ beschimpft. Die Bedingungen für Berichterstattung seien mitunter bewusst schwierig. Zugleich betonte er, dass es auch Gegenbeispiele gebe und einzelne AfD-Vertreter durchaus den Kontakt zu Medien suchten.

Problematisch sei vor allem eine Entwicklung, bei der parteinahe oder alternative Medienangebote gerade deshalb als glaubwürdig angesehen würden, weil sie sich offen auf die Seite einer politischen Kraft stellten. „Das Bewusstsein fehlt, dass ein mittlerer Grund, auf dem wir uns alle treffen, auf dem wir zivilisiert reden müssen, inzwischen am Erodieren ist.“

Sigmund Gottlieb: Die Mitte ist massiv geschrumpft
Deutlich besorgt zeigte sich auch Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens. Er erinnerte daran, wie breit die politische Mitte in früheren Jahrzehnten gewesen sei.

„Ich leide schon beträchtlich unter diesen Wahlergebnissen“, sagte Gottlieb. Die Mitte sei gegenüber den 1970er- und 1980er-Jahren „massiv geschrumpft“, wodurch Regierungsbildungen schwieriger würden.

Seine Kritik richtete Gottlieb sowohl gegen rechtsextreme als auch gegen linksextreme Entwicklungen, wobei er ausdrücklich zwischen den politischen Lagern und ihren jeweiligen demokratischen und extremistischen Strömungen unterschied. Besonders beunruhige ihn, dass radikale Positionen zunehmend als normal wahrgenommen würden.

Gleichzeitig warnte der frühere BR-Chefredakteur davor, Deutschland ausschließlich als Krisenfall zu beschreiben. Genau dagegen richte sich sein Buch „Cooles Land, trotz allem“.

Deutschland verfüge über eine starke Zivilgesellschaft, erfolgreiche Familienunternehmen, ein international anerkanntes duales Ausbildungssystem und eine lebendige Gründerszene. „27 Millionen Menschen sind hier in diesem Land im Ehrenamt tätig“, hob Gottlieb hervor. Deutschland sei eine „engagierte, starke Gesellschaft“.

Seine Kritik gilt deshalb auch der öffentlichen Wahrnehmung: „Wir haben über viele Jahre nur die eine Hälfte der Wahrheit, den Pessimismus, in den Vordergrund gestellt.“ Dauerndes Jammern und Schlechtreden könne politische Resignation verstärken.

Welche Verantwortung tragen die Medien?
Damit war die Diskussion bei einer unbequemen Frage für einen PresseClub angekommen: Tragen Medien selbst zur politischen Polarisierung bei?

Gottlieb sieht durchaus eine Mitverantwortung. Konflikt, Krise und Zuspitzung gehörten zwar seit jeher zum Nachrichtengeschäft. Inzwischen habe sich die negative Erzählung jedoch teilweise zu einem Geschäftsmodell entwickelt.

Deininger widersprach dem nicht grundsätzlich, setzte aber einen anderen Schwerpunkt. Journalismus müsse dort hinschauen, „wo es knirscht“. Kritische Berichterstattung sei keine Fehlentwicklung, sondern eine wesentliche Aufgabe der Presse.

Entscheidend sei die Art, wie Journalisten damit umgehen. „Wir müssen uns um Nüchternheit bemühen“, sagte Deininger. Medien dürften die Komplexität gesellschaftlicher Entwicklungen nicht auf einfache Parolen reduzieren.

Als journalistisches Leitbild nannte er die Suche nach der „best obtainable version of the truth“ – der bestmöglichen erreichbaren Version der Wahrheit. Gerade darin liege die Stärke professionellen Journalismus: Er müsse Zweifel zulassen, recherchieren, differenzieren und sich der Wirklichkeit möglichst genau annähern.

„Mehr Empathie, mehr Verständnis, mehr Einfühlen, mehr Differenzierung – das ist der Beitrag, den wir leisten können.“

„Omas gegen Rechts“: Engagement für die Demokratie
Eine andere Perspektive brachte Elisabeth Redler, Mitbegründerin der Münchner Ortsgruppe der „Omas gegen Rechts“, in die Runde. Sie schilderte, wie aus einer kleinen Gruppe von zunächst zwölf bis 15 Frauen eine deutlich größere Initiative entstand.

„Viele ältere Frauen wollen gar nicht alt genannt werden und auch nicht Omas“, sagte Redler mit einem Lächeln. „Wir sind fähig zur Selbstironie.“

Der Name sei inzwischen eine Marke. Dabei richte sich die Initiative nach Redlers Darstellung nicht gegen konservative oder bürgerliche Parteien. „Es geht uns um die Verteidigung der Demokratie, und das Grundgesetz gibt uns die Richtschnur.“

Mit „rechts“ meine die Initiative rechtsextreme, antidemokratische, menschenverachtende und autoritäre Positionen. Gleichzeitig positioniere man sich gegen Antisemitismus und politische Gewalt unabhängig davon, aus welchem politischen Lager sie kämen.

Besonders wichtig sei den Münchner „Omas gegen Rechts“ inzwischen die Arbeit mit jungen Menschen. „Die haben keine Zukunftserzählung, die irgendwie ermutigend ist“, sagte Redler. Junge Menschen hörten von Klimakrise, Wirtschaftskrise, Kriegen und politischen Konflikten – aber zu selten davon, was sie selbst gestalten könnten.

Deshalb suche die Gruppe verstärkt den Kontakt zu Schulen und Jugendzentren. „Wir fühlen uns als Lobby auch für die jungen Leute.“


Ein Parteiverbot als Mittel der wehrhaften Demokratie?
Kontrovers wurde die Frage diskutiert, ob ein Verbotsverfahren gegen die AfD angestrebt werden sollte. Redler machte deutlich, dass sich die „Omas gegen Rechts“ an Demonstrationen beteiligen, die eine entsprechende Prüfung fordern.

„Es ist eine Möglichkeit, die für die wehrhafte Demokratie im Grundgesetz vorgesehen ist“, erklärte sie. Gleichzeitig kenne ihre Initiative die Gegenargumente und das Risiko, dass ein gescheitertes Verfahren die AfD politisch stärken könnte.

Auch Deininger sprach sich dafür aus, die rechtlichen Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen, warnte aber vor einem Parteiverbotsverfahren als Ersatz für politische Auseinandersetzung.

„Was nicht passieren darf, ist, dass ein Verbotsverfahren von politischen Kräften als Ersatz für eigene Politik kommt.“

Gottlieb äußerte ähnliche Vorbehalte. Eine juristische Prüfung könne sinnvoll sein, dürfe die Politik aber nicht davon entbinden, selbst Antworten auf gesellschaftliche Probleme zu entwickeln.

Die Brandmauer allein reicht nicht
Fred Langhammer, Chairman Global Affairs von The Estée Lauder Companies und langjähriger Kenner der USA, brachte die internationale Perspektive ein. Er lebt seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten und sieht sowohl das amerikanische als auch das deutsche politische System kritisch.

Beim Umgang mit der AfD hält Langhammer die permanente Diskussion über eine „Brandmauer“ für unzureichend. Stattdessen müsse viel stärker erklärt werden, welche konkreten politischen und wirtschaftlichen Folgen die Umsetzung von AfD-Positionen hätte.

„Man muss erklären, was die AfD überhaupt vorhat und was die Konsequenzen sind“, forderte Langhammer.

Seine Kritik richtete sich dabei auch an Friedrich Merz, mit dem Langhammer nach eigener Aussage befreundet ist. Merz sei „ein sehr intelligenter Mann“, habe aber Schwierigkeiten, seine Politik so zu vermitteln, dass sie bei den Menschen ankomme.

Langhammer zog immer wieder Parallelen zu den USA und Donald Trump. Einige wirtschaftspolitische Entscheidungen Trumps bewertet er positiv, mit dessen politischem Stil geht er dagegen hart ins Gericht. Die Art seines Auftretens könne er „überhaupt nicht vertragen“. Seine abschließende Bewertung war unmissverständlich: „Aus meiner Sicht ist es eine Schande für Amerika.“

Radikalisierung im digitalen Raum
Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf jungen Wählerinnen und Wählern. Dass jüngere Menschen besonders offen für Parteien an den politischen Rändern sein können, erklärte Deininger unter anderem mit der veränderten Mediennutzung.

Dabei seien politische Präferenzen junger Generationen keineswegs dauerhaft festgelegt. Noch vor wenigen Jahren hätten andere Parteien bei Erstwählern stark abgeschnitten. Das zeige, wie volatil diese Gruppe sei.

Entscheidend sei deshalb der digitale Raum. Desinformation, verkürzte Botschaften und emotionalisierte Inhalte hätten dort eine enorme Reichweite. „Wenn es darum geht, warum die Jungen so offen für die AfD sind, dann hat das natürlich schon mit dieser Dauerberieselung durch Lügen oder zumindest verzerrte Wahrheiten zu tun“, sagte Deininger.

Medienkompetenz, politische Bildung und die Fähigkeit, Quellen kritisch zu beurteilen, würden damit zu zentralen Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie.

Die Mitte braucht mehr als Abgrenzung
Trotz unterschiedlicher politischer Ausgangspunkte zeigte sich in der Runde eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Abgrenzung allein wird die politische Mitte nicht stärken.

Gute Regierungsarbeit, nachvollziehbare Reformen, eine verständliche Kommunikation und ein ernsthafter Umgang mit den Sorgen der Bevölkerung wurden immer wieder als Voraussetzungen genannt. Deininger forderte dabei von den Parteien eine größere Bereitschaft zur Differenzierung. Bei der Migration etwa müsse die demokratische Mitte sowohl über die Notwendigkeit von Zuwanderung und Integration als auch über Steuerung und Begrenzung sprechen können.

Zugleich dürfe der demokratische Diskurs nicht immer enger werden. „Mitte rechts und Mitte links ist immer noch, wie es ist“, sagte Deininger. Unterschiedliche politische Überzeugungen gehörten zur Demokratie.

Redler setzt dagegen vor allem auf gesellschaftliches Engagement. Menschen müssten wieder erfahren, dass Demokratie nicht nur etwas sei, das Regierungen, Parlamente und Parteien organisierten. Jeder Einzelne trage Verantwortung.

Und Gottlieb plädierte dafür, trotz aller Probleme nicht die Stärken des Landes aus dem Blick zu verlieren. Eine Gesellschaft, die sich permanent selbst ihren Niedergang erzähle, verliere irgendwann auch den Glauben daran, ihre Probleme lösen zu können.


Verantwortung endet nicht in der Wahlkabine
Zum Schluss stellte Otzelberger eine bewusst provokante Frage: Haben die Wähler eigentlich immer recht?

Deiningers Antwort fiel eindeutig aus: „Das Volk hat nicht immer Recht.“ Auch Bürgerinnen und Bürger müssten Verantwortung dafür übernehmen, wem sie ihre Stimme geben und welche politischen Konsequenzen damit verbunden seien.

Damit schloss sich der Kreis der Diskussion. Denn die Frage, ob die politische Mitte „noch zu retten“ sei, wurde an diesem Abend nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet. Die Runde beschrieb vielmehr eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Medien und Zivilgesellschaft – und nicht zuletzt der Wählerinnen und Wähler selbst.

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft des Abends im PresseClub München: Demokratie ist keine Dienstleistung, die man bei Parteien bestellt und bei Unzufriedenheit reklamiert. Sie lebt vom Streit, vom Kompromiss, von einer freien Presse, von politischer Bildung und vom Engagement der Bürger.

Oder, wie es Deininger formulierte: „Jeder an seinem Platz, jeder in seiner Rolle – dann kann es auch besser werden.“

Zwischen Bierfass und Wiesn-Geschichte – der PresseClub München zu Gast im Bier- und Oktoberfestmuseum

21. September 2026

Wer München verstehen will, kommt am Bier nicht vorbei. Und wer verstehen möchte, warum das Oktoberfest weit mehr ist als eine riesige Veranstaltung mit Festzelten, Maßkrügen und Fahrgeschäften, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. Genau das tat der PresseClub München bei einer Exkursion durch das Bier- und Oktoberfestmuseum. Mitten in der Münchner Altstadt führte die Reise durch Jahrhunderte bayerischer Bierkultur und mehr als zwei Jahrhunderte Wiesn-Geschichte.

Schon der Ort selbst ist ein Erlebnis. Das Museum befindet sich in einem historischen Bürgerhaus in der Sterneckerstraße 2, nur wenige Schritte vom Isartor entfernt. Wer das Gebäude betritt, merkt schnell, dass hier kein steriler Museumsneubau auf seine Besucher wartet. Enge Treppen, alte Balken, niedrige Räume und verwinkelte Gänge schaffen eine Atmosphäre, in der die Geschichte beinahe körperlich spürbar wird. Das Haus gehört zu den älteren erhaltenen Bürgerhäusern Münchens und bildet damit einen geradezu idealen Rahmen für die Geschichte des Münchner Bieres. Hier das Video von der Exkursion.

Für die Mitglieder des PresseClubs München war die Führung deshalb mehr als ein klassischer Museumsbesuch. Sie wurde zu einem Streifzug durch Münchner Stadt-, Alltags- und Wirtschaftsgeschichte. Denn Bier war über Jahrhunderte nicht einfach nur ein Getränk. Es war Lebensmittel, Handelsware, Steuerquelle, Wirtschaftsfaktor und nicht zuletzt ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Begegnung.

Bier erzählt Stadtgeschichte
Die Ausstellung macht deutlich, wie eng die Entwicklung Münchens mit seiner Braukultur verbunden ist. Brauereien prägten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt. Wirtshäuser waren Treffpunkte, Kommunikationsorte und bisweilen auch politische Räume. Hier wurde gegessen, getrunken, diskutiert und gestritten. Nachrichten wurden ausgetauscht, Geschäfte angebahnt und Meinungen gebildet.

Gerade für Journalistinnen und Journalisten besitzt diese Seite der Wirtshauskultur einen besonderen Reiz. Lange bevor Nachrichten über Smartphones, soziale Netzwerke und Nachrichtenticker verbreitet wurden, waren Gasthäuser wichtige Orte der mündlichen Kommunikation. Wer wissen wollte, was in der Stadt geschah, konnte dort einiges erfahren. Stammtische waren gewissermaßen soziale Netzwerke einer analogen Zeit – mit allen Vor- und Nachteilen.

Historische Objekte, Krüge, Flaschen, Werbemittel, Fotografien und Dokumente lassen im Museum die Welt der Münchner Brauereien wieder lebendig werden. Dabei wird auch sichtbar, wie sich das Erscheinungsbild des Bieres wandelte. Markenbildung und Werbung wurden zunehmend wichtiger. Aus lokalen Brauereien entstanden Unternehmen, deren Namen weit über München hinaus bekannt wurden.

Ein zentrales Thema ist natürlich das Bayerische Reinheitsgebot. Es steht bis heute wie kaum eine andere Vorschrift für die Wahrnehmung bayerischer Bierkultur. Die Ausstellung ordnet solche Traditionen in ihren historischen Zusammenhang ein und zeigt, dass hinter der Geschichte des Bieres immer auch Fragen nach Rohstoffen, Qualität, Herstellung, Handel und staatlicher Regulierung stehen.

Vom Hochzeitsfest zum größten Volksfest der Welt
Der zweite große Schwerpunkt des Museums widmet sich dem Oktoberfest. Seine Geschichte beginnt 1810 mit der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig, des späteren Königs Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Feierlichkeiten endeten mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens.

Der Ort trägt bis heute den Namen der Braut: Theresienwiese.
Aus einem einmaligen Fest entwickelte sich eine Tradition. Jahr für Jahr veränderte sich das Oktoberfest, wurde größer, professioneller und spektakulärer. Aus dem Pferderennen und Volksfest entstand schließlich jenes Ereignis, das heute weltweit mit München verbunden wird.

Das Museum zeigt anschaulich, dass die Wiesn niemals eine statische Veranstaltung war. Sie veränderte sich gemeinsam mit der Stadt und ihren Menschen. Neue technische Möglichkeiten beeinflussten die Fahrgeschäfte, elektrische Beleuchtung verwandelte das Festgelände, Schausteller entwickelten immer spektakulärere Attraktionen und die Bierzelte wuchsen zu gewaltigen Festhallen.

Historische Plakate, Fotografien, Krüge, Souvenirs und andere Erinnerungsstücke erzählen von dieser Entwicklung. Gerade diese scheinbar alltäglichen Gegenstände besitzen ihren besonderen Reiz. Ein alter Maßkrug oder ein vergilbtes Plakat ist eben nicht nur ein Objekt hinter Glas. Es ist ein Stück Erinnerung an Menschen, die vielleicht vor hundert Jahren über die Theresienwiese schlenderten, in einem Festzelt saßen oder sich von einer damals sensationellen Attraktion begeistern ließen.

Die Wiesn als Spiegel ihrer Zeit
Besonders interessant ist der Blick darauf, wie sehr das Oktoberfest gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt. Moden kamen und gingen, technische Innovationen hielten Einzug, politische und wirtschaftliche Entwicklungen hinterließen ihre Spuren. Kriege, Krisen und Epidemien führten immer wieder dazu, dass das Fest ausfallen musste. Und doch kehrte die Wiesn zurück.

Vielleicht liegt gerade darin ein Teil ihrer besonderen Bedeutung für München. Das Oktoberfest steht für Kontinuität und zugleich für ständige Veränderung. Jede Generation erlebt ihre eigene Wiesn und verbindet persönliche Erinnerungen mit ihr. Für die einen sind es bestimmte Fahrgeschäfte, für andere das erste Hendl, der Einzug der Wiesnwirte, eine besondere Begegnung im Festzelt oder schlicht der Moment, wenn man vom U-Bahnhof auf die Theresienwiese kommt und sich plötzlich mitten im Trubel befindet.

Das Museum bewahrt solche Erinnerungen, ohne die Wiesn lediglich nostalgisch zu verklären. Es dokumentiert, wie aus einem Münchner Fest ein internationales Ereignis wurde. Heute kommen Besucher aus aller Welt nach München, um ein Fest zu erleben, das längst zu einem globalen Symbol für Bayern geworden ist.

Ein Haus voller Geschichten
Der besondere Charme des Bier- und Oktoberfestmuseums entsteht dabei nicht allein durch seine Exponate. Das historische Gebäude selbst gehört zur Inszenierung. Es zwingt den Besucher geradezu, langsam zu gehen. Hinter der nächsten Tür wartet ein neuer Raum, nach einer schmalen Treppe eine weitere Perspektive auf die Geschichte.

Das passt wunderbar zum Thema. Schließlich entstand auch die Münchner Bier- und Oktoberfestkultur nicht nach einem großen Masterplan. Sie entwickelte sich über Jahrhunderte, wurde immer wieder verändert, erweitert und neu interpretiert.

Für die Mitglieder des PresseClubs München bot die Exkursion deshalb zahlreiche Geschichten hinter der großen Geschichte. Gerade Journalisten wissen, dass oftmals das kleine Detail den Zugang zu einem großen Thema eröffnet. Ein historisches Foto kann mehr über eine Epoche erzählen als lange Zahlenkolonnen. Ein alter Bierkrug kann zum Ausgangspunkt einer Geschichte über Handwerk und Konsum werden. Ein Wiesn-Plakat dokumentiert nicht nur ein Volksfest, sondern auch Grafikdesign, Zeitgeschmack und gesellschaftliche Vorstellungen.

München zwischen Tradition und Moderne
Am Ende führt der Rundgang zu einer Erkenntnis, die eigentlich für ganz München gilt: Tradition funktioniert nur, wenn sie nicht zum unbeweglichen Museumsstück erstarrt.

Die Münchner Bierkultur hat sich immer wieder verändert. Das Oktoberfest von heute ist nicht mehr das Oktoberfest von 1810 und auch nicht das der 1950er oder 1980er Jahre. Dennoch gibt es eine historische Linie, die all diese Epochen miteinander verbindet.

Genau diese Verbindung macht das Bier- und Oktoberfestmuseum sichtbar. Es erzählt von Brauern und Wirten, Schaustellern und Festbesuchern, von wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Ritualen, von technischen Neuerungen und liebgewonnenen Traditionen. Vor allem erzählt es von München und seinen Menschen.

Für den PresseClub München wurde die Exkursion damit zu einer kleinen Zeitreise mitten in der eigenen Stadt. Manchmal braucht es eben keinen weiten Weg, um Geschichte zu entdecken. Ein paar Schritte vom Isartor entfernt genügt eine alte Haustür – und schon geht es hinein in mehrere Jahrhunderte Münchner Lebensgefühl.

Und natürlich gehört zu diesem Lebensgefühl auch die Erkenntnis, dass Bier in München niemals nur Bier war. Es ist Handwerk und Wirtschaftsgeschichte, Geselligkeit und Tradition, gelegentlich Politik und immer wieder Anlass für Geschichten. Für einen PresseClub könnte es kaum ein passenderes Getränk geben.

Demokratie braucht Haltung – und eine Gesellschaft, die auf Krisen vorbereitet ist

19. September 2026

Wie widerstandsfähig ist unsere Gesellschaft, wenn Strom, Kommunikation oder andere Teile der kritischen Infrastruktur ausfallen? Wie gut sind Polizei, Hilfsorganisationen und Versorgungsunternehmen auf neue Bedrohungen vorbereitet? Und welche Verantwortung trägt dabei jeder Einzelne? Am Tag der Demokratie diskutierte der PresseClub München auf Einladung seines Fördervereins über eine Frage, die angesichts von Cyberangriffen, Sabotage, Extremwetterereignissen und hybriden Bedrohungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie resilient ist unsere Gesellschaft?

Christina Kahlert, die den Förderverein des PresseClubs München gegründet hat, machte bereits bei der Begrüßung deutlich, dass der Abend Auftakt für mehr sein soll. „Ich freue mich ganz besonders, dass wir heute hoffentlich eine Serie von Veranstaltungen starten unter dem Motto ‚Demokratie braucht Haltung‘“, sagte sie. Das könne man „in diesen Zeiten nicht genug diskutieren“. Hier die komplette Veranstaltung als Video:

Die Moderation übernahm der Vorsitzende des PresseClubs München, Dr. Uwe Brückner. Auf dem Podium saßen Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher Bereiche der Sicherheitsarchitektur und Daseinsvorsorge: Magdalena Strzedulla vom Technischen Hilfswerk, Polizeidirektorin Daniela Hand vom Polizeipräsidium München, Hannes Lindhuber von den Stadtwerken München sowie Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE).

Schnell wurde deutlich: Resilienz beginnt nicht erst in dem Augenblick, in dem eine Katastrophe eingetreten ist. Sie muss lange vorher aufgebaut werden.

Für Magdalena Strzedulla ist dabei das Ehrenamt eine tragende Säule. Allein der THW-Landesverband Bayern umfasst 111 Ortsverbände. Die Helferinnen und Helfer werden für unterschiedlichste Aufgaben ausgebildet – von Elektroversorgung bis zu hoch spezialisierten Einsatzbereichen. Und sie alle engagieren sich neben Beruf und Privatleben. „Das basiert alles bei uns auf Ehrenamt“, betonte Strzedulla.

Ein ganzheitlicher Bevölkerungsschutz müsse deshalb früher einsetzen als bei der Alarmierung der Einsatzkräfte. „Wir können nicht erst mit entsprechender Vorbereitung starten, wenn eine Krise da ist beziehungsweise wenn wir in einen Einsatz gerufen werden“, sagte sie. Einsatzorganisationen müssten ihre Helfer vorbereiten, zugleich aber auch die Bevölkerung stärker einbeziehen.

Damit verändert sich ein lange vertrautes Bild des Katastrophenschutzes. Die Vorstellung, im Ernstfall würden professionelle und ehrenamtliche Einsatzkräfte kommen und sämtliche Probleme lösen, stößt gerade bei großen und lang anhaltenden Krisen an Grenzen. „Man muss sich ein Stück weit verabschieden von diesem Gedanken, dass nur Einsatzorganisationen entsprechend die Lage unterstützen und helfen“, sagte Strzedulla. Die vorhandenen Ressourcen seien begrenzt und müssten dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich gebraucht würden.

Polizeidirektorin Daniela Hand setzte an einem anderen Punkt an: bei Freiheit und Verantwortung. Eine demokratische Gesellschaft sei nichts Selbstverständliches und auch nichts, was unabhängig vom Verhalten ihrer Mitglieder existiere. „Jeder Einzelne von uns ist Bestandteil der Gesellschaft, und insofern prägen wir auch die Gesellschaft ganz extrem mit.“

Freiheit dürfe dabei nicht mit Rücksichtslosigkeit verwechselt werden. Hand sprach von einem teilweise „missverstandenen Freiheitsgedanken“. Wer Freiheit ausschließlich als Anspruch verstehe, selbst zuerst durch die Tür zu gehen, ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere zu berücksichtigen, verkenne ihren gesellschaftlichen Charakter.

Das zeigt sich aus Sicht der erfahrenen Polizeibeamtin auch im Alltag. Bei Polizeieinsätzen werde gefilmt und beobachtet, gleichzeitig fehlten anschließend nicht selten Zeugen. Hand formulierte es drastisch: Viele Menschen könnten ihr Smartphone auf ein Ereignis richten und Aufnahmen verbreiten – „aber der Polizei als Zeuge zur Verfügung stehen, damit dann mein Mitbürger, meine Mitbürgerin zu ihrem Recht kommen kann, das ist dann schon wieder eine ganz schwierige Nummer“.

Dabei sei die Schwelle zum Helfen denkbar niedrig. Niemand solle sich selbst in Gefahr bringen. „Aber das, was jeder von uns kann, ist, dass er Hilfe holt. Super einfach: 110.“

Für Hand beginnt Resilienz ohnehin im Kleinen. Wer nicht darüber nachdenke, welche persönlichen Daten er im Internet preisgibt, wie er nach einer Feier sicher nach Hause kommt oder welche alltäglichen Gefahren entstehen können, werde sich auch mit großen Krisen schwerer tun. „Wenn ich im Kleinen nicht in der Lage bin zu bedenken, was könnte sein, und keinen Plan B habe, dann bin ich es auch in großen Situationen eher nicht.“

Dass innere Sicherheit unmittelbar mit funktionierender Infrastruktur verbunden ist, machte Hannes Lindhuber deutlich. Die Stadtwerke München stehen für Strom, Wärme, Gas und Wasser, aber ebenso für Telekommunikation, öffentlichen Nahverkehr und Ladeinfrastruktur. Damit betreiben sie wesentliche Lebensadern der Stadt.

Ein wichtiges Prinzip sei Redundanz. Das sogenannte N-1-Prinzip soll dafür sorgen, dass eine zentrale Infrastrukturkomponente ausfallen kann, ohne dass dadurch das gesamte System zusammenbricht. Hinzu kommen kleinteilige Netzstrukturen und zahlreiche Querverbindungen.

Interessant war Lindhubers Hinweis auf die Energiewende. Eine stärker dezentrale und regionale Erzeugung erneuerbarer Energie könne auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen: Die Versorgung verteile sich auf mehr Erzeugungsanlagen und werde dadurch weniger abhängig von einzelnen großen Kraftwerken.

Gleichzeitig warnte Lindhuber davor, Sicherheit vor allem über zusätzliche Bürokratie herstellen zu wollen. Europäische und nationale Regelwerke zur Cyber- und Infrastruktursicherheit verfolgten zwar die richtigen Ziele, doch aus Sicht eines Betreibers fließe zu viel Kraft in Dokumentations- und Nachweispflichten. „Eigentlich wird versucht, Sicherheit durch Akten zu schaffen und nicht durch wirksame Maßnahmen.“

Hinzu kommt ein Dilemma zwischen Transparenz und Sicherheit. Wo genau befinden sich Anlagen? Wie funktionieren sie? Welche Kapazitäten haben sie? Solche Informationen können journalistisch oder gesellschaftlich von berechtigtem Interesse sein – zugleich können sie potenziellen Angreifern helfen. Auch Führungen durch technische Anlagen müssten deshalb heute anders bewertet werden als noch vor einigen Jahren.

„Es ist ein Angriff auf unsere Lebensgrundlagen“, sagte Lindhuber über gezielte Attacken auf kritische Infrastruktur. Er begrüßte, dass solche Angriffe inzwischen wesentlich ernster genommen würden als noch vor zehn oder zwölf Jahren, als Beschädigungen von Kabel- oder Netzinfrastruktur teilweise eher als gewöhnlicher Vandalismus wahrgenommen worden seien.

Resilienz kostet allerdings Geld. Redundante Netze, Schutzmaßnahmen und zusätzliche Infrastruktur müssen finanziert werden, obwohl sie im besten Fall niemals gebraucht werden. Lindhuber forderte deshalb langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Sein Fazit: „Es ist ein Marathon, es ist kein Sprint.“ Resilienz entstehe durch Vorsorge und nicht erst in der Krise.

Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen brachte die Perspektive des Krisenmanagements in die Diskussion ein. Das BayZBE trainiert Einsatzkräfte für Situationen, die über den normalen Rettungsdienst hinausgehen: Massenanfälle von Verletzten, Anschläge, aktive Täter, Naturkatastrophen oder länger andauernde Krisen.

Beinlich kritisierte eine gesellschaftliche und politische Neigung, erst auf Katastrophen zu reagieren, statt vorher konsequent vorzusorgen. „Wir sind immer noch reaktiv“, sagte er. Viele Sicherheitsstandards seien historisch erst eingeführt worden, nachdem Katastrophen ihre Notwendigkeit brutal bewiesen hätten.

Ein Problem sei dabei die von ihm so bezeichnete „Katastrophendemenz“. Nach einer Krise würden Konzepte entwickelt, Erfahrungen ausgewertet und Verbesserungen versprochen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand lasse die Aufmerksamkeit jedoch wieder nach. Dabei sei die nächste Krise keine theoretische Möglichkeit. „Es ist keine Frage, ob die Krise wieder eintreffen wird, sondern eher wann.“

Beinlich brachte seine Forderung nach mehr praktischem Handeln mit einem Satz auf den Punkt, der im PresseClub für Aufmerksamkeit sorgte: „Machen ist wie wollen, nur geiler.“

Mehr Investitionen in Bevölkerungsschutz seien aus seiner Sicht kein verlorenes Geld, selbst wenn die befürchtete Krise nicht eintrete. Würden Hilfsorganisationen, Ehrenamt, Polizei und Bevölkerungsschutz gestärkt und die erwartete extreme Lage bliebe aus, habe die Gesellschaft trotzdem gewonnen: Sie verfüge dann über besser ausgestattete Strukturen, die ebenso bei Hochwasser, Hitze, Sturm oder anderen Katastrophen eingesetzt werden könnten.

Wie wichtig dabei gesellschaftlicher Zusammenhalt ist, zeigte Beinlich am Beispiel von Hochwasserereignissen. Nicht allein Feuerwehr, THW oder Rettungsdienste seien entscheidend. Oft seien es Nachbarn, die Pumpen bereitstellten, Keller leer räumten oder älteren Menschen halfen. „Die Menschen helfen sich, und dieser Staat funktioniert auch ziemlich gut“, sagte Beinlich.

Genau dort trafen sich die unterschiedlichen Perspektiven des Podiums. Resilienz bedeutet nicht, aus jedem Bürger einen „Prepper“ mit Generator, Treibstoff und riesigen Lebensmittelvorräten zu machen. Vielmehr geht es um überschaubare Vorsorge, Information und Nachbarschaftshilfe.

Strzedulla verwies auf Angebote wie „Krisenscout“-Veranstaltungen, bei denen Bürger erfahren können, wie sie sich auf Ausfälle und Notlagen vorbereiten. Beinlich empfahl darüber hinaus die Informationen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Schon die Frage, wie ein Haushalt die ersten Tage einer Krise überstehen kann, könne viel bewirken. Und manchmal beginne Resilienz schlicht damit, beim älteren Nachbarn zu klingeln, wenn dort seit Tagen niemand gesehen wurde.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends waren neue technologische Bedrohungen. Daniela Hand schilderte, dass auch die Polizei ihre Kommunikation und den Umgang mit sensiblen Informationen ständig neu bewerten müsse. In Zeiten von Smartphones und digitaler Kommunikation reiche klassische Verschlusssachensicherheit nicht mehr aus. Selbst scheinbar belanglose Informationen könnten zusammengesetzt ein aussagekräftiges Bild ergeben.

Das gelte auch für die Beschäftigten kritischer Infrastruktur, ergänzte Lindhuber. In sozialen Netzwerken sei es selbstverständlich geworden, über den Arbeitsplatz, Veranstaltungen und berufliche Kontakte zu berichten. Was einzeln harmlos erscheine, könne in der Summe sicherheitsrelevant werden. Unternehmen müssten deshalb ihre Beschäftigten stärker für einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationen sensibilisieren.

Auch Drohnen waren Thema. Auf die Frage, ob München gegen mögliche Drohnenangriffe ausreichend geschützt sei, verwies Hand auf die entstehenden Strukturen zur Drohnenabwehr. Absolute Sicherheit könne es allerdings nicht geben. Technologische Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten entwickelten sich permanent weiter.

Beinlich wiederum machte deutlich, dass moderne Technik nicht ausschließlich als Bedrohung betrachtet werden dürfe. Gerade künstliche Intelligenz könne im Katastrophenschutz helfen, riesige Datenmengen aus Sensoren und unterschiedlichen Quellen zu einem Lagebild zusammenzuführen. Entscheidend sei, die chaotische Anfangsphase einer Krise möglichst schnell in eine „Strukturierungsphase“ zu überführen. Je besser Informationen zusammengeführt würden, desto eher könnten Einsatzleitungen „vor die Lage kommen“, statt ihr hinterherzulaufen.

Am Ende kehrte die Diskussion zu ihrem Ausgangspunkt zurück: Demokratie braucht Menschen, die sich beteiligen.

Gerade bei jungen Menschen sieht Strzedulla Anlass zu Optimismus. Die Bereitschaft, sich bei Feuerwehr, THW, Rettungsorganisationen oder Vereinen zu engagieren, sei vorhanden – zunehmend auch bei Mädchen und jungen Frauen. Es müsse gelingen, ihnen Strukturen anzubieten, in denen dieses Engagement wachsen könne.

„Jeder und jede kann sich da einbringen – mit ihren Strukturen, mit ihren Kapazitäten, mit ihrem Engagement, ihrer Motivation, egal ob groß oder klein“, sagte Strzedulla zum Abschluss.

So blieb nach der Diskussion im PresseClub München weniger das Bild einer hilflosen Gesellschaft als vielmehr das einer Gesellschaft mit erheblichen Ressourcen – wenn sie diese nutzt. Polizei, Hilfsorganisationen und Infrastrukturbetreiber können vorsorgen, trainieren und investieren. Doch Resilienz lässt sich nicht vollständig delegieren.

Sie beginnt auch beim Einzelnen: mit einem Notruf, mit einem Vorrat für einige Tage, mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Informationen, mit dem Blick auf den Nachbarn und nicht zuletzt mit der Bereitschaft, sich für andere zu engagieren. In diesem Sinne bekam das Motto des Abends eine zusätzliche Bedeutung: Demokratie braucht Haltung – und Widerstandsfähigkeit braucht Gemeinschaft.

Podcast Nah dran (3): Wo Journalismus wieder persönlich wird: Hildegard Tröger über Vertrauen, Austausch und den Blick hinter die Kulissen

16. August 2026

Journalismus entsteht nicht allein am Schreibtisch. Er lebt von Begegnungen, verlässlichen Netzwerken, kritischen Fragen und der Bereitschaft, die Welt aus immer neuen Perspektiven zu betrachten. Im Gespräch mit Matthias J. Lange erklärt Hildegard Tröger, stellvertretende Vorsitzende des PresseClubs München, warum ein traditionsreicher Medienclub gerade im digitalen Zeitalter gebraucht wird – und weshalb gute Geschichten häufig dort beginnen, wo sich eine Tür öffnet, die anderen verschlossen bleibt. Das ist der ehrenamtliche Podcast des PresseClub Münchens.

Der PresseClub München ist mehr als ein Veranstaltungsort im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt. Für Hildegard Tröger ist er ein Resonanzraum: ein Ort, an dem Journalistinnen und Journalisten, Kommunikationsfachleute und andere Medienschaffende Erfahrungen austauschen, Themen diskutieren und neue Kontakte knüpfen können. Und hier ist der Podcast

Tröger gehört dem Club seit vielen Jahren an. Der genaue Zeitpunkt ihres Eintritts liegt nach ihrer Erinnerung etwa um das Jahr 2005. Ihr beruflicher Hintergrund führte sie unter anderem in die Unternehmenskommunikation. Dort beschäftigte sie sich mit interner und externer Kommunikation, mit der Formulierung von Botschaften und mit der Frage, über welche Kanäle diese Botschaften ihre Adressaten erreichen.

Schon damals faszinierte sie, wie sorgfältig Unternehmen ihre öffentliche Positionierung vorbereiten müssen. Zugleich war ihr die klare Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und bezahlter Kommunikation wichtig. Werbung müsse als solche erkennbar sein. Diese Verbindung aus Sprache, Kommunikation, Verantwortung und Transparenz bildete einen wesentlichen Ausgangspunkt für ihr Engagement im PresseClub.

Tradition, Aktualität und Offenheit

Drei Begriffe beschreiben für Tröger den Charakter des PresseClubs besonders treffend: Tradition, Aktualität und Offenheit.
Die Tradition ist unübersehbar. Der PresseClub München wurde am 16. März 1950 als „Verein für auswärtige Presse“ gegründet. Im Jahr 2025 feierte er sein 75-jähriges Bestehen. Aus einer Arbeitsstätte mit Schreibmaschinen, Ofen und Fernschreiber entwickelte sich eine etablierte Institution am Münchner Marienplatz. Heute versteht sich der Club als Forum für Journalismus, Dialog, Pressefreiheit und demokratische Verantwortung.

Tradition allein genügt Tröger jedoch nicht. Ebenso wichtig ist ihr die Aktualität. Im PresseClub werden gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen, aber auch Themen aus Wirtschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft, Medizin und Medien.

Gerade diese thematische Breite betrachtet sie als Stärke. Journalismus dürfe sich nicht auf Politik beschränken, weil Politik nur einen Teil des Lebens abbilde. Auch Architektur, Technik, Gesundheit, Kunst und die Entwicklung von Städten und Gemeinden gehörten zur journalistischen Wirklichkeit.

Die dritte Eigenschaft ist Offenheit: Offenheit gegenüber unterschiedlichen Themen, Perspektiven, Berufswegen und Generationen. Der Club kann nach Trögers Überzeugung einen Raum bieten, in dem sich verschiedene journalistische und kommunikative Strömungen begegnen, aneinander reiben und voneinander lernen.

Ein Resonanzraum für einen häufig einsamen Beruf
Journalistische Arbeit entsteht oft allein. Recherchieren, ordnen, formulieren und redigieren sind Tätigkeiten, bei denen Medienschaffende über längere Zeit auf sich selbst zurückgeworfen sein können. Umso wichtiger sei ein professioneller Resonanzboden, sagt Tröger.

Der Austausch im PresseClub ermöglicht Begegnungen mit Menschen, die ähnliche Aufgaben erfüllen, ohne unmittelbar in derselben Redaktion zu arbeiten. Dadurch können Gespräche offener verlaufen, weil nicht jede Begegnung von direkter Konkurrenz geprägt ist.

Ein solcher Club bietet damit nicht nur Kontakte, sondern auch Distanz zum eigenen Arbeitsalltag. Mitglieder können über den Tellerrand der eigenen Redaktion, des eigenen Mediums oder Fachgebiets hinausblicken und trotzdem innerhalb der Medienbranche bleiben.

Der PresseClub erfüllt diese Funktion heute unter veränderten Bedingungen. Als er gegründet wurde, waren beheizte Räume, Telefon, Fernschreiber und andere technische Arbeitsmöglichkeiten für Journalistinnen und Journalisten von existenzieller Bedeutung. Heute stehen WLAN, digitale Produktionstechnik und moderne Kommunikationsmittel nahezu überall zur Verfügung. Dennoch nutzt Lange die Räume des Clubs weiterhin als Arbeitsplatz zwischen Terminen – mit Ruhe, technischer Infrastruktur und einem Blick über den Marienplatz.

Persönliche Begegnung bleibt unersetzlich
Digitale Besprechungen gehören längst zum Alltag. Tröger schätzt Onlinekonferenzen, weil sie Wege verkürzen und Besprechungen effizienter machen können. Besonders bei Teams, die sich bereits gut kennen und deren Arbeitsabläufe eingespielt sind, können digitale Treffen hervorragend funktionieren.

Dennoch ersetzt der Bildschirm nicht jede persönliche Begegnung. Menschen seien physische Wesen, betont Tröger. Vertrauen, spontane Gespräche und neue Beziehungen entstünden häufig leichter, wenn Menschen gemeinsam in einem Raum sitzen. Die sinnvolle Lösung liegt für sie deshalb nicht in einem Entweder-oder, sondern in einer bewussten Mischung aus digitalen und analogen Formaten.

Hybride Veranstaltungen betrachtet sie dagegen differenziert. Wenn ein Teil des Publikums im Raum sitzt und andere Teilnehmer nur zugeschaltet sind, geraten die Menschen vor den Bildschirmen schnell ins Hintertreffen. Erfolgreiche hybride Formate benötigten deshalb eine besonders klare Moderation und eine zusätzliche Person, die Fragen, Reaktionen und technische Probleme der Onlinegäste im Blick behält.

Zugleich eröffnen digitale Formate internationale Möglichkeiten. Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern können sich einschalten, ohne nach München reisen zu müssen. Die Technik schafft damit Reichweite – die redaktionelle und organisatorische Gestaltung entscheidet jedoch darüber, ob aus einer Übertragung tatsächlich eine gemeinsame Veranstaltung wird.

Die Geschichten liegen auf der Straße
Ein besonderer Schwerpunkt von Trögers Arbeit sind die Exkursionen des PresseClubs. Nach dem Rückgang der früher üblichen größeren Clubreisen entwickelte sie ein Format, das sich auf München und das nähere Umland konzentriert. Die Idee dahinter ist pragmatisch: Ziele im Stadtgebiet oder im Bereich von U- und S-Bahn sind für Mitglieder leichter erreichbar. Gleichzeitig bietet die Region eine große Zahl journalistisch interessanter Orte.

Die Exkursionen führten unter anderem in das Werksviertel-Mitte, in das Bayerische Wirtschaftsarchiv, in die Anatomische Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität, zu Energie- und Kulturstandorten sowie in Museen und Gemeinden. Auch aktuelle Programme zeigen die thematische Bandbreite: 2026 organisierte Tröger unter anderem Besuche in der Pinakothek der Moderne und in Freising. Auf die Frage, woher ihre Ideen stammen, hat sie eine einfache Antwort: Die Themen lägen auf der Straße. Man müsse sie nur aufheben.

Damit ist keine Beliebigkeit gemeint. Tröger sucht Orte, die ungewöhnliche Einblicke ermöglichen und deren Verantwortliche bereit sind, mehr zu zeigen als eine übliche Besucherführung. Mitglieder sollen mit Kuratoren, Wissenschaftlern, Bürgermeistern, Museumsleitungen oder anderen Fachleuten sprechen können. Entscheidend sind Informationen aus erster Hand.

Hinter den Kulissen beginnt die eigentliche Recherche
Der journalistische Mehrwert einer Exkursion liegt häufig nicht allein im offiziellen Thema. Entscheidend sind die kleinen Entdeckungen am Rand: ein historisches Dokument, eine unerwartete Entstehungsgeschichte, ein Problem beim Transport eines Exponats oder ein Einblick in die alltäglichen Sorgen einer Institution.

Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv stieß die Gruppe beispielsweise auf Dokumente aus der Münchner Medien- und Wirtschaftsgeschichte. Solche Funde machen abstrakte Entwicklungen greifbar. Aus einem Archivbesuch wird plötzlich eine unmittelbare Begegnung mit Stadt- und Pressegeschichte. Auch Führungen durch anatomische Sammlungen oder einen Seziersaal eröffnen Perspektiven, die eine gewöhnliche Pressekonferenz kaum vermitteln kann. Medizinische Sachverhalte, über die sonst theoretisch gesprochen wird, werden sichtbar und verständlich. Besonders nachhaltig blieb Tröger und Lange der Besuch in der Anatomischen Anstalt der LMU in Erinnerung. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper führte sogar zu persönlichen Gesprächen über die Frage, ob man seinen Körper nach dem Tod der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen sollte. Hier zeigt sich, was gelungene journalistische Vermittlung leisten kann: Sie liefert nicht nur Fakten, sondern setzt Denkprozesse in Gang.

Bilder sind Teil moderner Berichterstattung
Für heutige journalistische Exkursionen ist auch die Möglichkeit zur Bebilderung entscheidend. Wer über ein außergewöhnliches Dokument, ein Kunstwerk oder eine technische Anlage berichtet, möchte es fotografieren oder filmen können.

Tröger erlebt bei vielen Institutionen eine große Offenheit. Der journalistische Hintergrund des PresseClubs erleichtert den Zugang. Gleichzeitig profitieren die besuchten Einrichtungen von der späteren Berichterstattung. So entsteht ein Austausch mit beiderseitigem Nutzen. Die Institutionen erhalten Aufmerksamkeit, während Medienschaffende Zugang zu Fachwissen, Ansprechpartnern und visuellen Eindrücken bekommen. Aus Sicht Trögers funktioniert dieses Modell besonders gut, wenn beide Seiten transparent mit ihren Interessen umgehen.

Journalismus muss die ganze Welt erklären
Für Tröger gehört die Beschäftigung mit Kultur, Medizin, Technik, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben selbstverständlich zum Journalismus. Dessen Aufgabe bestehe darin, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Umwelt besser zu verstehen. Dazu braucht es nicht nur lange Analysen. Tröger wünscht sich in seriösen Medien zusätzlich klarere und kompaktere Einordnungen. Viele Leser hätten weder die Zeit noch das Vorwissen, um sich durch umfangreiche Dossiers zu arbeiten. Prägnante Zusammenfassungen, historische Hintergründe und wichtige Eckdaten könnten helfen, neue Entwicklungen schneller einzuordnen.

Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, Texte zusammenzufassen und große Informationsmengen zu strukturieren. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung der Quellen. Entscheidend bleibt, ob Informationen aus einer seriösen und nachvollziehbaren Quelle stammen.

Vertrauen entsteht durch überprüfbare Arbeit
Fake News, Desinformation und gezielte Manipulation stellen den Journalismus vor erhebliche Herausforderungen. Tröger sieht deshalb auch den PresseClub in der Verantwortung, Themen wie Faktenprüfung, Quellenkritik und redaktionelle Qualität regelmäßig aufzugreifen.

Die Glaubwürdigkeit der Medien werde nicht nur von außen angegriffen. Die Branche müsse auch eigene Fehler kritisch betrachten. Erfundenes dürfe niemals deshalb veröffentlicht werden, weil es sich besonders gut liest. Eine eindrucksvolle Geschichte ist noch keine wahre Geschichte. Journalistische Institutionen müssen deshalb deutlich machen, wie seriöse Berichterstattung entsteht: durch Recherche, Gegenprüfung, transparente Quellenarbeit und die Bereitschaft, eine attraktive These zu verwerfen, wenn sie den Fakten nicht standhält. Der PresseClub beschreibt sich selbst als eine Gemeinschaft, die journalistischer Qualität, Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit verpflichtet ist. Auch Ausbildung, Austausch und die Auseinandersetzung mit Fake News gehören zu seinem Selbstverständnis.

Mehr Raum für konstruktive Nachrichten
Neben sorgfältiger Faktenprüfung wünscht sich Tröger einen stärkeren Blick auf positive Entwicklungen. Der bekannte Mechanismus, dass schlechte Nachrichten besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen, hat nachvollziehbare psychologische Ursachen. Bedrohungen ziehen den Blick des Menschen stärker an als Normalität.

In einer digital vernetzten Welt werden Nutzer jedoch über zahlreiche Kanäle nahezu ununterbrochen mit Krisen, Konflikten und Katastrophen konfrontiert. Dieses dauerhafte Nachrichtenbombardement kann belasten. Konstruktiver Journalismus bedeutet dabei nicht, Probleme schönzureden. Ebenso wenig wäre es sinnvoll, einen Flugzeugabsturz mit dem Hinweis zu relativieren, dass gleichzeitig Tausende Flugzeuge sicher gelandet sind. Gefragt sind vielmehr relevante Geschichten über Lösungen, Fortschritte und Menschen, die konkrete Verbesserungen erreichen.

Gute Nachrichten müssen journalistisch genauso sorgfältig recherchiert werden wie schlechte. Sie benötigen Konflikt, Relevanz und nachvollziehbare Fakten – nicht bloß Optimismus.

Junge Medienschaffende brauchen passende Angebote
Der PresseClub ist kein reiner Seniorenverein, auch wenn ältere und erfahrene Mitglieder einen bedeutenden Teil seiner Gemeinschaft bilden. Der generationsübergreifende Austausch gehört nach Ansicht Trögers ausdrücklich zu seinen Stärken. Gleichzeitig müsse der Club noch mehr jüngere Medienschaffende gewinnen. Nachwuchsförderung, Mentoring und Vernetzungsabende seien wichtige Grundlagen. Das Mentoring-Programm des PresseClubs wurde 2004 gegründet und begleitet seitdem junge Journalistinnen und Journalisten beim Einstieg in den Beruf.

Allerdings stehen Berufseinsteiger heute unter hohem Zeit- und Produktionsdruck. Viele arbeiten unter unsicheren Bedingungen, für mehrere Auftraggeber oder in schnell getakteten digitalen Redaktionen. Ein Berufsclub muss deshalb Formate entwickeln, die zu diesem Alltag passen und für junge Menschen einen unmittelbar erkennbaren Nutzen bieten. Dabei sollten jüngere Mitglieder nicht nur als Zielgruppe betrachtet werden. Sie müssen an der Entwicklung neuer Formate beteiligt sein.

Wenn der Beruf krank macht
Ein weiteres Thema, das Tröger persönlich beschäftigt, ist die Burnoutprävention. Neben ihrem Engagement im PresseClub ist sie auch im Deutschen Bundesverband für Burnoutprävention aktiv. Journalistische Berufe können besonders belastend sein: ständiger Zeitdruck, die Jagd nach der neuesten Meldung, unregelmäßige Arbeitszeiten, Konkurrenz und die fortwährende Beschäftigung mit Krisen. Was heute aktuell ist, kann morgen bereits überholt sein.

Früher wurden Überlastung und psychische Probleme in manchen Redaktionen mit Alkohol, Zigaretten oder Durchhalteparolen verdrängt. Inzwischen ist die Offenheit größer geworden. Dennoch existiert weiterhin die Vorstellung, Medienschaffende müssten belastbar sein und dürften keine Schwäche zeigen. Tröger hält dieses Denken für gefährlich. Mentale Gesundheit müsse ernst genommen werden. Burnout ist nicht automatisch mit einer Depression gleichzusetzen, kann jedoch in schwere psychische Erkrankungen münden. Prävention, frühe Unterstützung und eine offenere Gesprächskultur sind deshalb zentrale Aufgaben – nicht nur im Journalismus.

Eine Exkursion des PresseClubs nach Dießen am Ammersee führte die Mitglieder auch in eine auf mentale Gesundheit ausgerichtete Klinik. Der offizielle Clubbericht hält fest, dass der Bedarf an Unterstützung bei der Wiederherstellung psychischer Stabilität voraussichtlich bestehen bleiben oder sogar wachsen wird.

Ein Knotenpunkt für die Zukunft des Journalismus
In den kommenden Jahren wird sich der PresseClub mit grundlegenden Veränderungen beschäftigen müssen. Künstliche Intelligenz ist dabei eines der zentralen Themen. Sie wird redaktionelle Abläufe, Recherche, Produktion und Distribution weiter verändern.

Hinzu kommen internationale Krisen, politische Polarisierung, wirtschaftlicher Druck und eine immer schnellere Zirkulation von Informationen und Falschinformationen. Gerade deshalb hält Tröger einen unabhängigen Ort des persönlichen und fachlichen Austauschs für unverzichtbar. Der PresseClub der Zukunft wird nicht allein durch seine Räume definiert. Seine Bedeutung entsteht durch die Menschen, die sich dort begegnen, widersprechen, gegenseitig informieren und gemeinsam über Qualitätsmaßstäbe nachdenken.

Für Tröger ist entscheidend, was Mitglieder und Gäste nach einer Veranstaltung mitnehmen. Fachlich sollten sie das Gefühl haben, etwas Relevantes gelernt und ihr Weltbild um ein weiteres Mosaikstück ergänzt zu haben. Menschlich sollten sie Menschen begegnet sein, neue Gedanken kennengelernt und Hinweise erhalten haben, die ihnen sonst entgangen wären. Damit beschreibt sie zugleich den Kern jedes gelungenen journalistischen Formats: Es erweitert nicht nur das Wissen. Es verändert den Blick.

Vom Kartoffelwerk zum Zukunftsviertel – Warum das Werksviertel Mitte Münchens Herzstück des Wandels ist

29. Juli 2026

Das Werksviertel Mitte am Münchner Ostbahnhof gehört zu den spannendsten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands. Kaum ein anderes Quartier verbindet Industriegeschichte, Kultur, Architektur, Nachhaltigkeit und urbanes Leben so konsequent miteinander. Grund für den PresseClub München das Gelände zu besichtigen. Die Führung hatte Isabell Zacharias inne.

Wo einst über Jahrzehnte Kartoffelprodukte der Firma Pfanni produziert wurden, ist heute ein lebendiges Stadtviertel entstanden, das Arbeiten, Wohnen, Freizeit, Kunst, Gastronomie und Innovation auf einzigartige Weise miteinander verknüpft. Die Vergangenheit bleibt dabei bewusst sichtbar: Zahlreiche historische Gebäude wurden nicht abgerissen, sondern behutsam saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Aus ehemaligen Lagerhallen wurden Theater, Kletterhallen, Büros, Restaurants und Veranstaltungsorte. Diese Mischung aus industriellem Erbe und moderner Architektur verleiht dem Werksviertel seinen unverwechselbaren Charakter. Hier ein Video vom Rundgang:

Zur besonderen Atmosphäre trägt auch die bewegte Geschichte des Geländes bei. Nachdem die Pfanni-Produktion Mitte der 1990er Jahre endete, entwickelte sich das Areal zunächst als Kunstpark Ost und später als Kultfabrik zu einem der bekanntesten Ausgehviertel Europas. Clubs, Ateliers, Künstler und Kreative prägten über viele Jahre das Bild des Viertels. Statt diesen Geist mit einer klassischen Neubebauung zu verdrängen, griffen die Planer viele Elemente dieser Zeit bewusst auf. Das heutige Werksviertel Mitte versteht sich deshalb nicht als sterile Neubausiedlung, sondern als urbanes Quartier mit Geschichte, kultureller Vielfalt und einer bewusst gewollten Offenheit für neue Ideen.

Besucher erleben heute eine außergewöhnliche Mischung aus Kunst im öffentlichen Raum, modernen Bürogebäuden, Hotels, Restaurants, Konzert- und Veranstaltungsflächen sowie Freizeitangeboten wie dem weithin sichtbaren Umadum-Riesenrad. Gleichzeitig setzt das Quartier auf nachhaltige Mobilität, innovative Energiekonzepte und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Das Leitbild lautet dabei nicht kurzfristige Rendite, sondern ein Stadtviertel zu schaffen, das auch für kommende Generationen lebenswert bleibt. Die Betreiber sprechen in diesem Zusammenhang von einem „urenkeltauglichen“ Quartier – einem Ort, der wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Werksviertel-Mitte Stiftung. Sie geht auf die 1996 von Otto Eckart gegründete Stiftung Otto Eckart zurück, die nach dem Verkauf des Familienunternehmens Pfanni ins Leben gerufen wurde. Seit rund drei Jahrzehnten begleitet sie die Entwicklung des Quartiers und fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Kunst, Kultur, Umweltschutz und internationale Verständigung. Im Jahr 2026 wurde die Stiftung zur Werksviertel-Mitte Stiftung weiterentwickelt, um ihre Rolle als ideelle Trägerin und Impulsgeberin des Quartiers noch stärker auszubauen.

Die Stiftung versteht sich dabei nicht nur als Förderinstitution, sondern als Mitgestalterin des gesamten Quartiers. Sie organisiert Veranstaltungen wie den Nachhaltigkeitstag „Day of Hope“, das Kinder- und Jugendfestival „JuKi“, unterstützt inklusive Kulturprojekte und betreibt mit dem Kartoffelmuseum sowie dem Pfanni-Museum Einrichtungen, die die Geschichte des Geländes lebendig halten. Gleichzeitig betreut sie weitere gemeinnützige Stiftungen und setzt sich dafür ein, dass wirtschaftliche Entwicklung stets mit gesellschaftlichem Nutzen verbunden bleibt.

Gerade diese Verbindung aus Geschichte, Kreativität, wirtschaftlicher Dynamik und sozialem Engagement macht die Faszination des Werksviertel Mitte aus. Es ist weit mehr als ein modernes Stadtquartier. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen, an dem kulturelle Vielfalt ausdrücklich gewünscht ist und an dem Nachhaltigkeit nicht als Schlagwort verstanden wird, sondern als Leitidee für Architektur, Stadtentwicklung und das tägliche Leben. Das Werksviertel Mitte zeigt eindrucksvoll, wie aus einem ehemaligen Industrieareal ein lebendiger Stadtraum entstehen kann, der Menschen zusammenbringt und gleichzeitig neue Maßstäbe für eine nachhaltige Quartiersentwicklung setzt.

Zwischen Weltstars und Festgeldkonto: Wie Jan-Christian Dreesen den FC Bayern in die Zukunft führen will

28. Juli 2026

Der FC Bayern soll sportlich nach den größten Titeln greifen, wirtschaftlich unabhängig bleiben und zugleich wieder stärker auf Talente aus dem eigenen Nachwuchs setzen. Beim PresseClub München erklärte Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen, wie der Rekordmeister diese Ziele miteinander verbinden will – und warum Berechenbarkeit für ihn zu den wichtigsten Eigenschaften guter Führung gehört.

Beim PresseClub München war Jan-Christian Dreesen am 28. Juli 2026 erstmals zu Gast. Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG sprach mit den Moderatoren Manfred Otzelberger und David Brill über internationale Transfers, Spielergehälter, Nachwuchsförderung, wirtschaftliche Solidität und das Verhältnis des Vereins zu Fans, Medien und Politik. Auch seine persönliche Geschichte spielte eine Rolle: Dreesen stammt aus Aurich in Ostfriesland, wurde aber bereits als Schüler Anhänger des FC Bayern. Seit Mai 2023 führt er die Aktiengesellschaft des deutschen Rekordmeisters. Hier die Aufzeichnung des Gesprächs:

Dass ausgerechnet ein Ostfriese einmal an der Spitze des FC Bayern stehen würde, war in Dreesens Jugend kaum absehbar. Zum Münchner Klub fand er nach eigener Darstellung durch einen Schulfreund. Während sein Vater dem Hamburger SV verbunden gewesen sei, begeisterte sich Dreesen für Bayern-Spieler wie Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Selbst spielte er lange Fußball, allerdings nach eigener Einschätzung mit großer Leidenschaft und nur durchschnittlichem Talent. Und hier als VR 360 Video

Sein Weg in den Profifußball führte deshalb nicht über den Rasen, sondern über Banken und Finanzen. Beim FC Bayern galt Dreesen zunächst vor allem als „Mann der Zahlen“. Heute verkörpert er einen Führungsstil, der stärker auf Dialog, Verlässlichkeit und persönliche Nähe setzt. Sein Grundsatz sei einfach: Er sage, was er meine, tue, was er ankündige, und verspreche nichts, was er nicht halten könne. Gerade im Verhältnis zu Fans und Beschäftigten sei Berechenbarkeit ein entscheidendes Gut.

Der Kane-Transfer als Gemeinschaftsleistung
Ausführlich schilderte Dreesen die Verpflichtung von Harry Kane im Sommer 2023. Den Transfer wollte er ausdrücklich nicht als persönliches Meisterstück verstanden wissen. An den Verhandlungen seien zahlreiche Verantwortliche beteiligt gewesen, darunter der damalige Technische Direktor Marco Neppe sowie Vertreter der Vereinsführung und der damalige Trainer Thomas Tuchel.

Bei einem Spieler dieser Größenordnung müsse der Trainer in die Entscheidung einbezogen sein, betonte Dreesen. Ein teurer Spitzentransfer gegen den Willen des Coaches könne kaum funktionieren. Die Gespräche mit Tottenham und dessen Chairman Daniel Levy hätten sich lange hingezogen. Zusätzliche Schwierigkeiten seien durch Zeitverschiebungen entstanden, als Levy sich in den USA aufhielt.

Dreesen beschrieb auch den öffentlichen Druck, der mit einem solchen Geschäft verbunden ist: Kommt der Transfer zustande, gilt der Spieler schnell als zu teuer. Scheitert er, werden die Verhandlungsführer verantwortlich gemacht. Entscheidend sei deshalb gewesen, intern Gelassenheit auszustrahlen und den Verhandlungen ausreichend Zeit zu geben. Tottenham hätten nach Dreesens Angaben auch finanziell attraktivere Angebote vorgelegen. Kane habe sich jedoch bewusst für München entschieden.

Hohe Gehälter ja – aber nicht für den gesamten Kader
Grundsätzlich hält Dreesen hohe Bezüge für echte Spitzenspieler für gerechtfertigt. Stars sorgten für attraktiven Fußball, volle Stadien und internationale Aufmerksamkeit. Problematisch werde es jedoch, wenn sich zu viele Spieler selbst als Topverdiener verstünden oder der finanzielle Mittelbau eines Kaders zu breit werde.

Ein Verein könne sich einige herausragend bezahlte Akteure leisten, brauche daneben aber ein ausgewogenes Gehaltsgefüge. Nach Dreesens Einschätzung differenzieren englische Klubs stärker zwischen absoluten Stars und Ergänzungsspielern. Zwar sorgten dort hohe Transfersummen regelmäßig für Schlagzeilen, doch diese Gelder blieben zumindest im Wirtschaftskreislauf der Vereine. Gehälter und Beraterprovisionen flössen dagegen dauerhaft aus dem Fußball ab.

Dreesen sprach sich deshalb für wirksame Begrenzungen bei Beraterhonoraren und Kaderkosten aus. Pauschal kritisierte er Spielerberater allerdings nicht. Es gebe viele seriöse Vertreter, die ihre Leistung realistisch bewerteten. Problematisch seien überhöhte Provisionen, durch die erhebliche Summen aus dem Sport herausgezogen würden.

Als wirksame Sanktionen gegen finanzielle Regelverstöße nannte Dreesen nicht nur Geldstrafen. Diese könnten bei Klubs, deren Defizite regelmäßig von Eigentümern ausgeglichen werden, ihre abschreckende Wirkung verlieren. Punktabzüge oder der Ausschluss aus Wettbewerben seien möglicherweise effektivere Instrumente.

Unabhängigkeit als wirtschaftliches Leitmotiv
Das berühmte „Festgeldkonto“ des FC Bayern versteht Dreesen weniger als konkretes Bankkonto denn als Metapher für Unabhängigkeit. Der Klub wolle weder von einem einzelnen Eigentümer noch vollständig von kurzfristigen sportlichen Erfolgen abhängig sein. Deshalb gelte weiterhin der Grundsatz, auf Dauer nicht mehr auszugeben, als eingenommen werde.

Das klinge einfach, sei im Profifußball jedoch schwer umzusetzen. Langfristige Spielerverträge, Verletzungen und notwendige Ersatzverpflichtungen könnten Planungen erheblich verändern. Zudem sei das Umfeld investitionsfreudiger geworden. Gleichzeitig müsse Bayern jedes Jahr eine Mannschaft finanzieren, die um die Champions League mitspielen könne.

Maximaler Gewinn sei dennoch nicht das vorrangige Ziel. Der FC Bayern wolle vor allem maximalen sportlichen Erfolg, ohne dafür seine Selbstbestimmung aufzugeben. Genau darin liege das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Disziplin, sportlichem Anspruch und der Verpflichtung gegenüber Mitgliedern, Fans und Vereinstradition.

Als positives Beispiel nannte Dreesen Paris Saint-Germain. Der französische Klub habe sich von einer bloßen Ansammlung hoch bezahlter Einzelstars zu einer besser funktionierenden Mannschaft entwickelt. Geld allein garantiere keinen Erfolg. Entscheidend seien eine klare sportliche Idee, ein passender Trainer und die Bereitschaft, auch schwierige Entwicklungsphasen auszuhalten.

Weltklassespieler und Talente aus dem Campus
Für die kommenden Jahre setzt der FC Bayern nach Dreesens Darstellung auf eine Mischung aus internationalen Spitzenspielern und Nachwuchskräften. Der Klub werde auch künftig herausragende Spieler verpflichten müssen, wolle aber gleichzeitig mehr Talente aus dem eigenen Campus in die Profimannschaft führen.

Dreesen verwies auf die hohe Zahl an Nachwuchsspielern, die aus der Münchner Ausbildung den Sprung in den Profifußball geschafft hätten – wenn auch nicht immer beim FC Bayern selbst. Spieler wie Aleksandar Pavlović oder Lennart Karl zeigten, welchen Weg Talente nehmen könnten. Ziel sei es, dass Eigengewächse nicht nur kurze Einsätze erhielten, sondern zu Stamm- und im besten Fall zu Weltklassespielern heranwüchsen.

Eine entscheidende Rolle schreibt Dreesen Trainer Vincent Kompany zu. Er lobte dessen offensiven Fußball, Disziplin und persönliche Zurückhaltung. Kompany habe als Spieler auf höchstem Niveau bewiesen, dass er Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Führungsstärke besitze. Gleichzeitig stelle er nicht sich selbst, sondern die Mannschaft in den Mittelpunkt. Gerade diese Kombination komme bei Spielern und Anhängern gut an.

Der FC Bayern wolle einen Fußball zeigen, der Menschen begeistert. Die Mannschaft solle auch bei einer deutlichen Führung weiter angreifen und zusätzliche Tore erzielen. Dieser offensive Anspruch sei ein wesentlicher Grund dafür, dass der Verein derzeit auch außerhalb der eigenen Anhängerschaft mehr Anerkennung erfahre.

Eine Nachfrage, die alle Dimensionen sprengt
Wie groß der Enthusiasmus rund um den Klub ist, verdeutlichte Dreesen anhand der Ticketnachfrage. Für besonders attraktive Heimspiele gingen nach seinen Angaben mehrere Hunderttausend Anfragen ein. Selbst weniger stark nachgefragte Begegnungen könnten die Kapazität der Allianz Arena deutlich übersteigen.

Diese Popularität sei einerseits ein Privileg, andererseits eine Belastung. Der Verein könne längst nicht allen Interessierten Karten anbieten. Beschwerden ließen sich deshalb kaum vermeiden. Dennoch sei eine übergroße Nachfrage ein Problem, das Dreesen lieber habe als leere Plätze.

Die gewachsene internationale Anhängerschaft ist zugleich Teil der wirtschaftlichen Strategie. Der FC Bayern versteht sich als tief in München und Bayern verwurzelter Verein, möchte aber auf den internationalen Märkten weiter wachsen. Auslandsreisen nach Asien oder in andere Regionen sollen die Bindung zu Fans, Partnern und Sponsoren stärken.

Dabei warnte Dreesen vor kurzfristigen Erwartungen. In einem neuen Markt Fuß zu fassen, lokale Partnerschaften aufzubauen und wirtschaftliche Erträge zu erzielen, sei kein Sprint, sondern ein langer Prozess. Spieler allein nach ihrer Herkunft zu verpflichten, um einen bestimmten Markt zu erschließen, lehnt er ab. Entscheidend müssten sportliche Qualität und die Eignung für die Mannschaft bleiben.

Keine Schadenfreude gegenüber 1860 München
Auch das Verhältnis zum Stadtrivalen TSV 1860 München wurde thematisiert. Dreesen wies Schadenfreude über sportliche oder finanzielle Probleme der Löwen zurück. Wenn ein traditionsreicher Fußballverein in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerate, sei das weder für den Sport noch für den Standort München gut.

Er wünsche den Löwen eine nachhaltige Erholung und verwies auf die außergewöhnliche Treue ihrer Anhänger. Eine direkte finanzielle Unterstützung aus den Kassen des FC Bayern betrachtete er allerdings skeptisch. Der Vorstand sei zunächst den eigenen Mitgliedern und dem eigenen Verein verpflichtet. Zudem bestünden zwischen Teilen beider Fanlager weiterhin erhebliche Antipathien.

Tradition, Politik und gesellschaftliche Verantwortung
Der FC Bayern sei kein parteipolitischer Verein, erklärte Dreesen. In seinen Gremien arbeiteten Persönlichkeiten unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Herkunft mit. Entscheidend seien fachliche Kompetenz, die Verbundenheit mit dem Klub und die Fähigkeit, konstruktiv zur Entwicklung des Vereins beizutragen.

Gleichzeitig könne sich der Fußball nicht vollständig aus gesellschaftlichen und politischen Fragen heraushalten. Als weltweit bedeutendste Sportart vermittle er Werte, bringe Menschen zusammen und könne kulturelle Grenzen überwinden. Er dürfe jedoch nicht mit der Erwartung überladen werden, jedes politische oder gesellschaftliche Problem lösen zu müssen.

Dreesen unterstützte zudem die Idee einer deutschen Bewerbung um Olympische Spiele und eine künftige Fußball-Weltmeisterschaft. Sportgroßveranstaltungen könnten weit über den eigentlichen Wettbewerb hinauswirken und Investitionen in Infrastruktur sowie Stadtentwicklung anstoßen. Sollte München bei einer nationalen Olympia-Auswahl nicht den Zuschlag erhalten, werde der FC Bayern nach seiner Aussage auch einen anderen deutschen Bewerber unterstützen.

Kritische Medien als Teil des Geschäfts
Zum Abschluss würdigte Dreesen die Rolle des Journalismus. Medien sorgten dafür, dass der Fußball und der FC Bayern weit über das Stadion hinaus wahrgenommen würden. Berichterstattung könne Verantwortliche ärgern, doch ohne Journalisten wäre die Reichweite des Vereins erheblich geringer.

Das Verhältnis zwischen Spitzenfußball und Medien beschrieb Dreesen als wechselseitige Abhängigkeit. Der Verein produziere ständig neue Geschichten, die Medien griffen sie auf und trügen sie in die Öffentlichkeit. Aus Sicht der Bayern-Führung sei es zwar angenehm, möglichst wenige negative Schlagzeilen zu erzeugen. Vollständig kontrollieren lasse sich die öffentliche Debatte jedoch nicht.

Dreesens Auftritt im PresseClub zeigte damit vor allem, wie er den FC Bayern führen möchte: ambitioniert, aber nicht vermessen; wirtschaftlich diszipliniert, aber nicht ausschließlich gewinnorientiert; international ausgerichtet, aber fest in München verwurzelt. Sein Ziel ist ein Verein, der Weltstars verpflichtet und Eigengewächse entwickelt, der jeden Titel gewinnen will und dennoch nicht seine Unabhängigkeit aufs Spiel setzt.

„Fakten, Fakten, Fakten“ – Hubertus Klingsbögl über Journalismus, Vertrauen und politische Kommunikation

18. Juli 2026

Im Podcast „Nah dran“ des PresseClub München geht es nicht um fertige Schlagzeilen, sondern um die Frage, wie sie entstehen. In der aktuellen Folge spricht Matthias J. Lange mit Hubertus Klingsbögl, stellvertretender Pressesprecher der Hanns-Seidel-Stiftung. Beide gehören dem Vorstand des PresseClub München an. Das Gespräch führt mitten hinein in ein Berufsleben an der Schnittstelle von Journalismus, politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – und zugleich in die Frage, was gute Pressearbeit heute leisten muss.

Klingsbögls Weg in die Medien begann früh. Schon als Schüler interessierte er sich für Hörfunk und Journalismus. In der Unterstufe des Gymnasiums galt er nach eigener Erinnerung als jemand mit „den besten Connections zum Bayerischen Rundfunk“, weil er für den Medienunterricht Material der Rundfunkwerbung organisiert hatte. Später führte dieser frühe Enthusiasmus tatsächlich ins Radio. Anfang der 1990er Jahre gründete er mit Freunden einen Lokalsender mit, der zunächst Studio 1 FM hieß und später als Radio Alpenwelle bekannt wurde. Möglich wurde dies durch die neuen Strukturen des privaten Rundfunks in Bayern. „Das war irgendwie so die Goldgräberzeit“, erinnert sich Klingsbögl. Der private Lokalfunk habe damals eine ähnliche Aufbruchsstimmung erzeugt wie später die digitalen Plattformen – nur eben regional verwurzelt. Hier der Podcast:

Bei Radio Alpenwelle stieg Klingsbögl in die Redaktion ein und wurde Redaktionsleiter. Es war klassischer Lokaljournalismus im Radio, aber mit besonderer Nähe zur Landespolitik: Edmund Stoiber wurde gerade Ministerpräsident, Manfred Fleischer war Oppositionsführer der Grünen im Landtag. „Das war ja die Landespolitik im Lokalen eigentlich“, sagt Klingsbögl. Lokalradio bedeutete damals vor allem Live-Arbeit. Was gesagt war, war draußen. Vorproduktionen, wie sie heute üblich sind, gab es kaum. Diese Spontanität habe ihn geprägt, aber auch die Verantwortung für das gesprochene Wort. Später arbeitete er unter anderem beim Liechtensteinischen Rundfunk in der Nachrichtenredaktion – „Journalismus in einer Monarchie“, wie er es beschreibt. In einem Land mit rund 40.000 Einwohnern habe man am Staatsfeiertag auch direkt mit dem Fürsten über Politik, Demokratie und das Rechtssystem sprechen können.

Bemerkenswert ist, dass Klingsbögl keinen klassischen journalistischen Ausbildungsweg ging. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Für ihn ist das kein Widerspruch: Der Zugang zu Medien müsse auch abseits einer Fachausbildung möglich sein. „Quereinstiege sind vom Grundgesetz gewollt und durchaus möglich“, sagt er. Entscheidend seien Neugier, Einordnungskraft und Glaubwürdigkeit.

Genau diese Glaubwürdigkeit ist für Klingsbögl bis heute der zentrale Begriff – inzwischen nicht mehr als Journalist, sondern als Kommunikator einer politischen Stiftung. Gute Pressearbeit müsse schnell, verlässlich und faktenbasiert sein. „Ohne Glaubwürdigkeit auf Dauer ist es schwierig zu bestehen“, betont er. Als Pressesprecher sei man Dienstleister für Journalistinnen und Journalisten, müsse aber zugleich die eigene Institution schützen, Sachverhalte erklären und manchmal auch verhindern, dass unzutreffende oder einseitige Informationen in die Öffentlichkeit gelangen. Das habe nichts mit „Nebelkerzen“ zu tun, sondern mit verantwortlicher Einordnung.

Zwischen Journalismus und Pressearbeit sieht Klingsbögl vor allem einen Perspektivwechsel. Journalistinnen und Journalisten suchten die gute Geschichte, Pressestellen müssten Fakten liefern, abwägen und reflektieren. Während Tageszeitungen unter hohem Zeitdruck arbeiten, könne eine Pressestelle Themen oft länger vorbereiten und in ein Agenda-Setting einordnen. Trotzdem bleibe die Anforderung hoch: „Die Fakten müssen immer stimmen und zwar nachprüfbar.“ Lügen oder Schummeln gehe nicht. Die Kunst der Darstellung dürfe sein, aber sie müsse erklärbar bleiben.

Eine wichtige Rolle spielt für ihn das Vertrauen zwischen Pressestellen und Redaktionen. Klingsbögl erzählt dazu eine Erfahrung aus seiner Lokalradiozeit: Ein Kripo-Chef habe ihm anvertraut, dass am nächsten Morgen eine Hausdurchsuchung stattfinde, aber noch keine Details genannt. Der Journalist wusste also mehr, als er senden durfte. Erst am nächsten Morgen nach der Durchsuchung gab es die Informationen für die Berichterstattung. „Diese zwölf, fünfzehn Stunden, das ist die Vertrauensspanne“, sagt Klingsbögl. Wer dieses Vertrauen missbrauche, bekomme solche Informationen nur einmal.

Das Verhältnis zu Journalistinnen und Journalisten habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Früher hätten Redaktionen nach einer Pressemitteilung häufiger angerufen, nachgefragt, Hintergründe recherchiert und eigene Zusatzinformationen gesucht. Heute werde eine Mitteilung oft nur noch gekürzt und übernommen. „Dieses Feedback und dass man nochmal darüber spricht, das ist eher der Einzelfall mittlerweile“, beobachtet Klingsbögl. Das sei keine gute Entwicklung, aber Realität.

Auch die Instrumente der Pressearbeit haben sich verändert. Die klassische Pressemitteilung ist für Klingsbögl weiterhin wichtig, weil sie fundiert und verlässlich ist. Doch Social Media habe sie in der Geschwindigkeit überholt. Kurze Sätze, schnelle Reaktionen und direkte Ansprache prägen heute die Kommunikation. Institutionen wie die Hanns-Seidel-Stiftung sind längst nicht mehr nur Zulieferer für Medien, sondern selbst Sender. Mit digitalen Formaten kann die Stiftung etwa Auslandsmitarbeiter aus Asien, Lateinamerika oder Afrika zusammenschalten und politische Bildung international vermitteln. „Wir können das selbst in die Hand nehmen“, sagt Klingsbögl.

Gleichzeitig warnt er vor Oberflächlichkeit. Die Verkürzung in sozialen Medien bringe die Gefahr mit sich, dass Komplexität verloren geht. Gerade in Zeiten von Desinformation, hybrider Kriegsführung und Angriffen auf die Demokratie sei Faktenorientierung entscheidend. Klingsbögl erinnert an den bekannten Slogan von Helmut Markwort: „Fakten, Fakten, Fakten“. Dieser Satz habe an Aktualität nichts verloren. „Das zählt genauso für soziale Medien, wie das für den klassischen Journalismus immer gegolten hat“, sagt er.

Als Vertreter einer politischen Stiftung betont Klingsbögl zugleich die Rolle von Werten. Die Hanns-Seidel-Stiftung stehe auf christlicher Grundlage und im christlich-sozialen Wertefeld. Wer dort anrufe, wisse, dass er es mit einem Tendenzbetrieb zu tun habe. Journalistinnen und Journalisten erwarteten von einer solchen Stiftung keine beliebige Position, sondern eine konservative Einordnung.

Der PresseClub München spielt für Klingsbögl eine wichtige Rolle als Ort des Austauschs. Er beschreibt ihn als Plattform zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, als Raum, in dem man abseits des Tagesdrucks miteinander sprechen kann. Besonders wichtig sei dabei der Nachwuchs. Junge Journalistinnen, Journalisten und Kommunikatoren seien zwar digital hervorragend vernetzt, müssten aber auch persönliche Begegnung lernen. Klingsbögl nennt dafür einen passenden Begriff: „Networking in natura“. Man müsse sich begegnen, von Angesicht zu Angesicht. Digitale Netzwerke seien wichtig, aber sie könnten persönliche Kontakte nicht ersetzen.

Für junge Journalistinnen und Journalisten nennt Klingsbögl vor allem zwei Eigenschaften: Neugier und Geduld. Nicht alles lasse sich sofort recherchieren, nicht jede Information liege fertig auf dem Tisch. Für angehende Pressesprecherinnen und Pressesprecher sei dagegen vor allem Krisenkommunikation die Nagelprobe. Wer in die Pressearbeit wolle, müsse „den Überblick und die Nerven behalten“. Gerade wenn eine Lage unübersichtlich werde, brauche es Menschen, die ruhig bleiben.

Am Ende des Gesprächs steht noch einmal der Lokaljournalismus im Mittelpunkt. Für Klingsbögl ist er unverzichtbar, weil Menschen wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Die große offene Frage sei allerdings die Finanzierung. Wenn Bürgerinnen und Bürger lokale Berichterstattung wollten, müssten sie möglicherweise auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Ohne tragfähige Modelle werde unabhängiger Lokaljournalismus schwer zu halten sein.

Eine lehrreiche Erfahrung aus seiner Reporterzeit fasst Klingsbögl mit dem Satz zusammen: „Man trifft sich zweimal.“ Als Journalist berichtete er einst über die bevorstehende Schließung einer Tochtergesellschaft, nachdem ihm der Vorstand einer Holding diese Information gegeben hatte. Die Meldung stimmte, doch der Betriebsratsvorsitzende war verärgert. Zwei Wochen später brannte es in derselben Firma – und ausgerechnet dieser Betriebsratsvorsitzende war als Feuerwehrchef vor Ort. Informationen bekam Klingsbögl diesmal keine. Für ihn blieb das eine prägende Lektion über Vertrauen, Verantwortung und die Folgen journalistischer Entscheidungen.

So zeigt das Gespräch im Podcast „Nah dran“, wie eng Journalismus und Pressearbeit miteinander verbunden sind – und wie sehr beide Seiten auf Verlässlichkeit angewiesen bleiben. Schlagzeilen entstehen nicht nur durch schnelle Informationen, sondern durch Vertrauen, Erfahrung, Einordnung und Fakten. Genau darin liegt für Hubertus Klingsbögl bis heute der Kern professioneller Kommunikation

PresseClub Räume – Tagen, begegnen, begeistern am Marienplatz

12. Mai 2026

Der PresseClub München ist weit mehr als nur ein Veranstaltungsort – er ist eine Bühne für Begegnungen, für starke Worte, für Ideen mit Wirkung. Mitten im Herzen der Stadt, direkt am Marienplatz, eröffnet sich hier eine Eventlocation für Firmen und Verbände, wie sie München kaum ein zweites Mal zu bieten hat: zentral, elegant, repräsentativ und voller urbaner Strahlkraft. Die Räume sind u.a. geeignet für Pressekonferenzen, Podiumsdiskussionen, Seminare und Workshops, Buchvorstellungen, Preisverleihungen, Netzwerktreffen, Führungsmeetings auch hybrider, Netzwerktreffen, Produktpräsentationen und vieles mehr.

Wer seine Gäste an einem Ort empfangen möchte, der sofort Eindruck hinterlässt, findet im PresseClub München die vielleicht attraktivste Location der Stadt – mitten im pulsierenden Zentrum und doch mit der besonderen Atmosphäre eines Hauses, das für Austausch, Relevanz und Qualität steht.
Der Konferenzraum verbindet anspruchsvolles Ambiente mit moderner Technik und bietet Platz für bis zu 100 Personen. Ergänzt wird das Raumangebot durch einen stilvollen Loungebereich, der Interviews, Gesprächen oder einem hochwertigen Buffet den passenden Rahmen gibt. Mehr Infos, Fotos und Raumplanungen gibt es hier.

Dazu kommt ein erfahrenes, eingespieltes Team, das jede Veranstaltung professionell begleitet und von der Technik über die Bestuhlung bis hin zu Getränken für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Besonders wertvoll ist dabei nicht nur der Raum selbst, sondern auch das Umfeld: Der PresseClub ist ein Ort mit Ausstrahlung, mit Netzwerk, mit Nähe zu Medien, Öffentlichkeit und Stadtgesellschaft. Genau das macht Veranstaltungen hier besonders – sie finden nicht irgendwo statt, sondern an einer Adresse, die Bedeutung hat. Wer in München nach einem exklusiven, zentralen und atmosphärisch herausragenden Ort für Events sucht, findet im PresseClub München eine Location, die Lage, Stil und Professionalität auf einzigartige Weise vereint.

Der PresseClub München ist weit mehr als nur ein Veranstaltungsort: Er ist eine Institution mit Geschichte. Seit seiner Gründung am 16. März 1950 steht der Club für journalistischen Austausch, gesellschaftliche Relevanz und den Dialog mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Ursprünglich unter dem Namen „Verein Auswärtige Presse“ gegründet, war er zunächst am Lenbachplatz beheimatet, zog später ins Regina-Palast-Hotel und fand 1958 schließlich seinen festen Platz am Marienplatz – mit direktem Blick auf das Münchner Rathaus. Über Jahrzehnte hinweg gingen hier bedeutende Gäste ein und aus, darunter Hildegard Knef, Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher, Olof Palme, August Everding, Mario Adorf, Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Diese lange Tradition macht den PresseClub München bis heute zu einem besonderen Ort: einem Haus mit Geschichte, Haltung und einer unverwechselbaren Adresse im Herzen der Stadt. Mehr Infos, Fotos und Raumplanungen gibt es hier.

Die ARTMUC und das große Versprechen der Kunst

9. Mai 2026

Es gibt Momente in einer Stadt, in denen man plötzlich spürt, dass sie mehr ist als Pflaster, Fassaden und Verkehrslärm. Dass unter der Oberfläche des Alltäglichen etwas pulsiert, das sich nicht in Nützlichkeit übersetzen lässt. München erlebt solche Momente zweimal im Jahr, wenn die ARTMUC ihre Tore öffnet und das MTC an der Ingolstädter Straße im Norden der Stadt für ein Wochenende zu einem Ort wird, an dem die Zeit sich anders anfühlt als sonst. Auf Einladung des PresseClubs München bekamen die Mitglieder eine Führung von der Kunsthistorikerin Mirjam Gaschler.

Die ARTMUC ist Bayerns größte hybride Kunstmesse und wurde im Jahr 2014 gegründet. Ein vergleichsweise junges Kind also im großen Konzert der europäischen Kunstmessen — und doch ist sie in dieser kurzen Zeit zu etwas geworden, das weit über eine bloße Verkaufsveranstaltung hinausragt. Hier ein Video mit meinen Eindrücken.

Sie ist ein Versprechen. Das Versprechen, dass Kunst nicht nur in den weißen, klimatisierten Sälen der großen Museen existiert, nicht nur für jene, die ihre Ausbildung in Kunstgeschichte hinter sich haben oder die Sprache der Hochkultur fließend sprechen. Sondern dass sie mitten unter uns lebt — greifbar, käuflich, menschlich. Ich habe mehrere Stunden verbracht und interessante Gespräche geführt – und auch Kunst erworben. Sehr fein ein kurzer Austausch mit Wiener Kunstprofessor Felix Haspel.

Die ARTMUC fokussiert eine deutliche Steigerung der Sichtbarkeit von Künstlerinnen und Künstlern und deren Förderung sowie der Außenwahrnehmung Münchens als Kunst- und Kulturstadt. Das klingt nach einem Leitbild aus dem Marketingprospekt, und doch steckt dahinter eine echte Haltung, die man spürt, sobald man durch die Hallen geht. Raiko Schwalbe, der Gründer und Veranstalter der Messe, ist nicht der Typ, der mit glänzenden Schuhen und kühlem Lächeln durch die Gänge flaniert. Er ist morgens schon mit dem Team unterwegs, um zu putzen oder den Müll wegzuräumen. Das ist keine Anekdote am Rande. Das ist eine Aussage über die Seele dieser Veranstaltung. Amort Anton hat mich fasziniert mit seinem Schleifbild auf Edelstahl.

Die exklusive Kunstmesse wurde 2014 in München gegründet und beschreibt sich selbst als Bayerns größte hybride Kunstmesse. Im Zentrum steht weiterhin die Idee, Künstlerinnen und Künstlern, Galerien, Verbänden und Projekten eine bezahlbare Plattform für den direkten Kontakt mit einem breiten Publikum zu bieten. Bezahlbar — dieses Wort verdient es, kurz innezuhalten. Die Kunstwelt hat ein Demokratieproblem. Wer einmal durch die Art Basel geschlendert ist, weiß, wie schnell Kunst zu einem Statussymbol gerinnt, zu einem Vehikel für Reichtum, zu einer Währung in Kreisen, in denen über Millionen mit derselben Lässigkeit gesprochen wird wie über den Wochenmarkt. Die ARTMUC setzt dagegen. Die Preise beginnen zum Teil schon bei 100 Euro und gehen hinauf in den mittleren fünfstelligen Bereich. Das ist kein Hobby-Basar, aber es ist auch kein exklusiver Klub. Es ist ein Raum, in dem jemand, der noch nie ein Kunstwerk besessen hat, das erste Mal den merkwürdigen Schwindel erleben darf, vor einem Bild zu stehen und zu denken: Das könnte bei mir zu Hause hängen. Das könnte meines sein. Andrea Wich aus Olching wohnt quasi um die Ecke. Leider war die Künstlerin nicht am Stand, so dass ich nur die Bilder ansehen konnte.

Dieser Gedanke ist emotional aufgeladener, als er auf den ersten Blick wirkt. Denn Kunst zu kaufen bedeutet nicht, Kunst zu konsumieren. Es bedeutet, in eine Beziehung einzutreten. Mit dem Werk, mit dem Menschen dahinter, mit einem Stück Gegenwart, das man festhalten möchte. Mika van Dot aus Greifenberg hat mich mit deinem Schnittstelle zwischen Ponitilismus und digitaler Kunst fasziniert.

Und damit sind wir beim großen, unbequemen Thema: Kunst als Markt. Es gibt kaum einen Widerspruch, der so tief in das kollektive Unbehagen schneidet wie dieser: Kunst und Geld. Wir wollen Kunst rein, erhaben, frei von Kalkulation. Wir wollen den Künstler als Getriebenen, als Seismographen des Menschlichen, der schafft, weil er nicht anders kann. Und gleichzeitig wissen wir, dass ohne Markt keine Kunst überlebt — nicht auf Dauer, nicht in einer Form, die über das Private hinausgeht. Corinna Mikeler aus Rammingen hat mich fasziniert und ich habe mir einen Druck gekauft.

Die Geschichte ist da eindeutig. Die Medici haben Michelangelo nicht aus reiner Menschenliebe finanziert. Die großen Auftraggeber des Barock haben nicht selbstlos für die Verbreitung des Schönen gesorgt. Der Kunstmarkt ist so alt wie die Kunst selbst. Was sich verändert hat, ist seine Sichtbarkeit — und seine Ehrlichkeit darüber. Eine Kunstmesse wie die ARTMUC macht diesen Zusammenhang sichtbar, anstatt ihn zu verschleiern. Die Preisschilder hängen offen. Die Gespräche zwischen Künstlerinnen und Besuchern finden statt, nicht hinter den Kulissen von Galeriegesprächen, sondern direkt, Auge in Auge, Mensch zu Mensch. Das ist, bei allem romantischen Unbehagen, eine Form von Ehrlichkeit.

Das Angebotsspektrum der Kunstmesse umfasst Malerei, Illustration, Radierung, Fotografie, Skulptur sowie auch Performance, Objekt- und Digitalkunst. Diese Breite ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern von Lebendigkeit. Ein Markt — und damit auch ein Kunstmarkt — ist ein Ort des Austauschs, des Dialogs, des Aushandelns von Bedeutung. Was wert ist, was bleibt, was weitergetragen wird: Das entscheidet sich nicht allein in den Redaktionen der Kunstmagazine oder den Jurys der Biennalen. Es entscheidet sich auch dort, wo jemand vor einem Gemälde stehen bleibt, nicht weitergeht und schließlich fragt: Was kostet das?

Ich habe einen Tag voller kreativer Impulse, spannender Entdeckungen und inspirierender Begegnungen erlebt — abseits des Mainstreams. Abseits des Mainstreams: Das klingt nach einem Marketing-Versprechen, ist aber, wer durch die Hallen der ARTMUC geht, ein zutreffendes Gefühl. Hier hängt keine institutionell abgesicherte Kunst. Hier zeigen Menschen, die noch ringen, die noch suchen, die noch nicht wissen, ob ihr Weg sie tragen wird.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 verzeichnet die ARTMUC ein stetiges Wachstum. Lediglich Corona hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber die Messe hat sich erholt — und mehr noch, sie hat sich geöffnet. Nach den ersten Schritten der ARTMUC auf dem internationalen Kunstmarkt zwischen 2023 und 2025 in Dubai, der Türkei und Indien verstärkt das Team um Veranstalter Raiko Schwalbe den Gang nach Asien und legt einen ersten Fokus auf China. Die ARTMUC verweist auf ihre Aktivitäten der vergangenen Jahre und will 2026 den Fokus stärker nach Asien ausbauen. Das ist kein eitles Streben nach Größe. Es ist die Erkenntnis, dass Kunst kein nationales Projekt ist. Dass das Gespräch, das ein Bild beginnt, keine Sprachgrenze kennt.

Yan Sun, internationale Kunstsammlerin aus München, geboren in Yantai in China, engagiert sich leidenschaftlich für Kunst und kulturellen Austausch. Ihr Anliegen ist es, dass die Welt in Frieden zusammenwächst — denn: Kunst verbindet, Wirtschaft belebt. Dieser Satz, so einfach er klingt, trägt eine große Wahrheit in sich. Kunst verbindet, weil sie das Inkommensurable kommunizierbar macht — das Gefühl, das keine Worte hat, die Erfahrung, die kein Bericht erfassen kann. Und ja: Wirtschaft belebt, weil ohne die materielle Grundlage, ohne den Markt, ohne den Preis, der sagt „das hat Wert“, die meisten Künstlerinnen und Künstler früh scheitern würden, nicht an ihrem Talent, sondern an der schieren Unmöglichkeit, vom Schaffen zu leben.

Wenn ich so einen Maitag durch die großen Hallen des MTC geht, wenn das Licht durch die Hallenfenster fällt und auf hunderte von Werken trifft, wenn das Murmeln der Besucher sich mit dem leisen Kratzen von Pinseln an der Live-Malstation mischt, dann spürt man etwas, das schwer zu benennen ist. Es ist nicht Ehrfurcht — dafür ist die ARTMUC zu ungekünstelt, zu warm, zu menschennah. Es ist eher so etwas wie Erleichterung. Die Erleichterung, dass es das noch gibt. Orte, an denen Schönheit verhandelt wird, ohne dass man einen Anzug braucht. Orte, an denen ein junger Künstler aus der Ukraine neben einer Galerie aus der Schweiz ausstellen kann, wo eine chinesische Sammlerin Terrakotta-Figuren mitbringt, die an die älteste und kostbarste Tradition ihres Landes erinnern, und wo ein irischer Streetart-Künstler namens FinDAC live vor den Augen der Besucher ein Bild entstehen lässt. Hier ein kurzer Austausch mit FinDAC.

Fast 450 Bewerbungen sind beim Messeteam eingegangen — und das MTC bietet famose Ausstellungsmöglichkeiten. 450 Menschen, die gesagt haben: Ich will gesehen werden. 450 Stimmen, die einen Platz im Gespräch beanspruchen. Nicht alle können kommen. Aber dass sie fragen, dass sie anklopfen, dass sie an eine Messe glauben, die in einer Industrie-Location im Münchner Norden stattfindet und nicht in den Tempeln der Hochkultur — das sagt alles über die Wirkung der ARTMUC.

München ist eine reiche Stadt. Sie hat exzellente Museen, hochkarätige Galerien, eine traditionsreiche Kunstszene. Aber Reichtum kann auch lähmen. Er kann Kunst in sichere, institutionell abgesicherte Bahnen drängen, in der alles schön und teuer und weit weg vom Leben der meisten Menschen ist. Die ARTMUC stört diese Ordnung ein bisschen. Nicht laut, nicht aggressiv, aber beharrlich. Sie sagt: Kunst gehört nicht nur denen, die sie sich leisten können. Sie gehört denen, die sie fühlen wollen.

Und das, am Ende, ist das eigentliche Versprechen dieser Messe. Nicht die Preisliste. Nicht die internationale Vernetzung. Nicht die Zahlen. Sondern das Gefühl, das entsteht, wenn jemand vor einem Bild stehen bleibt — und plötzlich weiß, dass er oder sie nicht mehr ganz dasselbe ist wie vorher.

Podcast: Warum guter Journalismus mehr ist als eine Schlagzeile

3. Mai 2026

Zum heutigen Tag der Pressefreiheit starte ich ein neues Podcast-Projekt als Beiratsmitglied des PresseClubs München. Der PresseClub München startet mit „Ganz nah“ einen neuen Videopodcast, der hinter die Kulissen des Journalismus blicken will. Das Leitmotiv des Formats lautet: „Wir reden nicht über Schlagzeilen, sondern darüber, wie sie entstehen.“


In der ersten Folge spreche ich mit Dr. Uwe Brückner, dem Vorsitzenden des PresseClubs München. Im Mittelpunkt stehen der PresseClub als Ort des journalistischen Austauschs, Brückners persönlicher Weg in den Journalismus und die Frage, wie sich Medienarbeit in Zeiten von Digitalisierung, wirtschaftlichem Druck und Künstlicher Intelligenz verändert. Hier der Podcast zum Anschauen.

Brückner beschreibt den PresseClub München als einen besonderen Ort: als Netzwerk, Denkraum und Treffpunkt für Journalistinnen und Journalisten, Medienschaffende und Menschen aus dem öffentlichen Leben. Die Lage am Münchner Marienplatz, mit Blick auf das Rathaus, sei dabei mehr als nur ein Standortvorteil. Sie stehe sinnbildlich für Nähe zu Öffentlichkeit, Politik und Stadtgesellschaft. Der Club verstehe sich als Plattform für Austausch, Medienkompetenz und journalistische Qualität.

Im Gespräch blickt Brückner auch auf seine eigenen Anfänge zurück. Schon als Schüler kam er über ein Schüler-Presse-Seminar mit dem Journalismus in Berührung. Ursprünglich wollte er Pianist werden, doch schließlich führte ihn sein Weg in die Kulturberichterstattung, zum Fernsehen und später in leitende Funktionen bei verschiedenen Sendern. Journalismus sei für ihn mehr als ein Beruf, sagt Brückner: Er sei eine Haltung und vor allem eine Dienstleistung an der Gemeinschaft. Geprägt habe ihn dabei auch seine fränkische Herkunft und das Engagement seiner Eltern in Vereinen. Gemeinwohl, Zuhören und das genaue Hinsehen seien bis heute zentrale Motive seiner Arbeit.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die journalistische Arbeit hinter den Kulissen. Brückner betont die Bedeutung von Quellen, Netzwerken und persönlichem Vertrauen. Entscheidend sei nicht nur, was gesagt werde, sondern auch, wer etwas sage, in welchem Zusammenhang und mit welcher Haltung. Gerade in einer Zeit, in der Informationen immer schneller verbreitet werden, brauche es journalistische Sorgfalt, Distanz und Einordnung.

Auch über den Wandel der Medien spreche ich mit Brückner ausführlich. Themen wie wirtschaftlicher Druck, Lokaljournalismus, Online-Nutzung, Podcasts und Künstliche Intelligenz spielen dabei eine zentrale Rolle. Brückner sieht die Krise des Journalismus weniger als inhaltliche Krise, sondern vor allem als wirtschaftliche und strukturelle Veränderung. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien weiterhin die wichtigste Währung journalistischer Arbeit – besonders im Lokalen. Zugleich eröffneten neue Formate wie Podcasts Chancen, Themen vertiefend und nah an den Menschen zu erzählen.

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz zeigt sich Brückner offen, aber kritisch. KI könne journalistische Arbeit unterstützen, dürfe aber nicht dazu führen, dass Menschen nur noch in ihrer eigenen Informationsblase bestätigt würden. Entscheidend bleibe, dass Quellen überprüfbar, Informationen faktenbasiert und journalistische Standards gewahrt bleiben.

Zum Abschluss richtet Brückner den Blick auf die Zukunft des PresseClubs München. Der Club wolle junge Journalistinnen und Journalisten stärker einbinden, Mentoring fördern und zugleich vom Erfahrungsschatz langjähriger Mitglieder profitieren. Themen wie Demokratiebildung, Medienkompetenz, Qualitätsjournalismus und der Austausch zwischen Generationen sollen künftig eine noch größere Rolle spielen. Damit setzt die erste Folge von „Ganz nah“ den Ton für ein Format, das nicht nur über Medien spricht, sondern den Entstehungsprozess von Journalismus sichtbar machen will.
Geplant ist eine monatliche Fortsetzung der Reihe „Ganz nah“.