Posts Tagged ‘Bob Dylan’

45. Todestag von Elvis Presley und welche Biopics von Musikern gibt es?

16. August 2022

Der King war immer der König in unserer Familie. Heute vor 45 Jahren verstarb Elvis Presley. Meine Mutter, mein Onkel waren große Elvis-Fans, ein Kumpel aus Jugendzeiten ist ein wandelndes Elvis-Lexikon und auch meine Frau und ich verehren den Sänger. Unser Repertoire an Elvis-Aufnahmen kann sich sehen lassen, sowohl auf Vinyl als auch auf CD.

Vor kurzem habe ich mir zweimal die neue Elvis-Verfilmung von Baz Luhrmann im Kino angesehen, einmal mit fettem Sound in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck, einmal mit durchschnittlichen Sound im Kinosommer in Fürstenfeldbruck. Der Film hat mir außerordentlich gut gefallen, auch wenn er die Sichtweise von Colonel Tom Parker erzählt, genial von Tom Hanks verkörpert. Elvis wird hervorragend von Austin Butler gespielt. Optisch, musikalisch und schauspielerisch großes Kino. Ich mag auch die Biopic Elvis von John Carpenter mit Kurt Russell in der Hauptrolle. Es ist zwar nur eine TV-Produktion, die mir aber viel Spaß bereitet hatte. Die deutsche Version ist leider gekürzt.

Biopics über Musiker und Bands scheinen eine Geldquelle zu sein. Nach dem unglaublichen Erfolg der Freddie Mercury-Bio Bohemian Rhapsody, für die es zahlreiche Oscars gab, kam dann Rocket Man ins Kino Der Film zeigt den Aufstieg von Elton John.
Freddie Mercury und Elton John haben vieles gemeinsam. Beide haben ihre Namen geändert. Aus Farrokh Bulsara wurde Freddie Mercury, aus Reginald Kenneth Dwight wurde Elton John. Beide waren bzw. sind homosexuell, beide prägten maßgeblich die Musik ihrer Zeit. Queen eher mit lauten Tönen, Elton John eher mit Balladen. Und noch eine entscheidende Gemeinsamkeit haben die beiden Filmbiografien über die Musiker. Regie führte beide Male Dexter Fletcher. Das Drehbuch beim neuen Film schrieb Lee Hall, der das Buch zum Tanzfilm „Billy Elliot – I Will Dance“ verfasste.

Rocket Man
Der Film Rocket Man beleuchtet die wichtigsten Momente aus der Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Ich mag Elton John sehr. Bereits im Alter von elf Jahren studierte er an der Royal Academy of Music und konnte schon kurz darauf erste Erfolge mit seiner Band Bluesology vorweisen. Sein erstes Album Empty Sky floppte und die Karriere Elton Johns war beinahe vorbei, ehe sie überhaupt begann. Aufhalten ließ sich der Ausnahmekünstler davon nicht. Vor allem durch die langjährige musikalische Partnerschaft mit seinem kongenialen Liedtexter Bernie Taupin gelang Elton John der Durchbruch. Das hat sich gelohnt: Elton John war im Jahr 2012 mit umgerechnet 80 Millionen US-Dollar der Musiker mit dem dritthöchsten Jahreseinkommen gewesen.

Gespielt wird Elton John in Rocket Man von Taron Egerton. Laut Egerton soll sein Rocket Man kein reguläres Biopic werden, sondern ein Fantasy-Musical, bei dem die live vor der Kamera eingesungenen Songs einige der größten Momente in Elton Johns Leben widerspiegeln sollen. Naja, hört sich ein wenig stark nach PR an. Übrigens, der Titel Rocket Man ist ein Songtitel aus dem Jahre 1972. Die Produktion des Musiktitels Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time) übernahm der Brite Gus Dudgeon. 1969 arbeitete Dudgeon mit David Bowie zusammen, als dieser seinen Erfolgstitel Space Oddity einspielte. Da beide Lieder ähnliche Weltrauminhalte hatten, hielt sich lange das Gerücht, John und Taupin hätten von Bowie kopiert, was beide aber stets abstritten.

Sex & Drugs & Rock‘n Roll
Biopics von Musikern sind nicht neu. Es gab schon öfters solche Versuche, die Geschichte von Musikern und Bands auf Film zu bannen. Auf der Streaming-Plattform Netflix läuft die Bio The Dirt über Mötley Crüe, die ich nicht so sehr schätze. Der Film zeigt den Aufstieg der Glam-Metaller, bei der es hauptsächlich um das Posergehabe der Band geht. Sex & Drugs & Rock‘n Roll pur. Die Band wird gespielt von Douglas Booth, Colson Baker, Daniel Webber und Iwan Rheon. Großes Kino ist es allerdings nicht geworden, dafür viel nackte Haut und pubertäre Sprüche.

Deutsche Biopic Gundermann
Auch in Deutschland gab es eine musikalische Biopic. Es war Andreas Dresens Film Gundermann, der sechs Lolas Gewinner des Deutschen Filmpreises 2019 war. Der Liedermacher Gerhard Gundermann, dargestellt von Alexander Scheer, arbeitet tagsüber als Baggerfahrer im Braunkohletagebau in der Lausitz. Abends nach seiner Schicht steigt er als Sänger auf die Bühne und bewegt die Menschen mit seiner Musik. Die sehr persönlichen und authentisch wirkenden Texte machen Gundermann in den 1980ern zum Idol vieler Menschen in der DDR, was sogar den Mauerfall überdauert. Bis sich das Gerücht verbreitet: War er ein Stasi-Spitzel? Ich als Wessi habe Gundermann erst nach der Wende kennengelernt. Und für mich als Dylan-Fan interessant. Gundermann durfte ein paar Worte mit dem Meister wechseln.

Biocpics zur Country-Musik
Zwei Beispiele von Biopics aus dem Country-Umfeld ließen Film- und Musikfans aufhorchen. Zum einen Walk the Line, der Erlebnisse aus dem Leben von Johnny Cash darstellte und I Saw the Light aus dem Jahre 2015, der den legendären Countrystar Hank Williams portraitierte.

Walk the Line ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2005 über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash. Regie führte James Mangold, der zusammen mit Gill Dennis auch das Drehbuch schrieb, das auf den Biografien Man in Black sowie Cash: The Autobiography basiert. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. Johnny Cash stimmte der Wahl von Joaquin Phoenix als Hauptdarsteller zu, er bewunderte ihn bereits für seine Darstellung im Film Gladiator. June Carter Cash stimmte ebenso der Wahl von Reese Witherspoon für ihre eigene Rolle zu. Leider konnten Johnny Cash und June Carter die Premiere des Films nicht erleben. Beide verstarben vor Beginn der Dreharbeiten. June Carter am 15. Mai 2003 und Johnny Cash am 12. September 2003. Der Film hatte einen großen finanziellen Erfolg: Die Produktionskosten werden auf rund 28 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos weltweit etwa 186 Millionen US-Dollar ein, davon etwa 119 Millionen US-Dollar in den USA und circa 12,9 Millionen US-Dollar in Deutschland.

Bei der Hank Williams Verfilmung I Saw the Light führte Marc Abraham Regie, der ebenfalls das Drehbuch schrieb. Es basierte auf der 1994 erschienenen Biografie Hank Williams: The Biography von Colin Escort. Die Hauptrollen im Film spielten Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen. Der Film erschien bei uns direkt auf DVD/Blu ray und kam erst gar nicht ins Kino, was wohl daran liegt, dass Hank Williams bei uns nicht so bekannt ist. Coal Miner’s daughter/Nashville Lady (1980) über Loretta Lynn, wofür Sissy Spacek einen Oscar bekam, ist eine hervorragende filmische Biografie geworden.

Die Türen aufstoßen
Meine erste Biopic, die ich bewusst im Kino gesehen hatte, war The Doors von 1991. Regie führte der Altmeister des Polarisierens, Oliver Stone. Den charismatischen Sänger Jim Morrison spielte Val Kilmer sehr eindrucksvoll. Ich mag die Musik der Doors und empfand den Musikfilm äußerst gelungen. Doors-Keyboarder Ray Manzarek kritisierte den Film. Ihm hat die Darstellung der Person Morrison nicht gefallen. Zu wenig authentisch war der Vorwurf. Ich war nicht dabei, fand das Schauspiel aber sehr gut, auch wenn sich der Doors-Film vor allem um Morrison drehte.

Nur für Fans
Schwer verdaulich war für Nichtfans der Film I‘m Not there, eine Interpretation über mein Genie Bob Dylan. 2007 von Todd Haynes in Szene gesetzt, zeigt er sechs verschiedene Episoden aus Dylans Leben, dargestellt von sechs verschiedenen Darstellern. Der Film war wie zu Zeiten der Novelle Vogue inszeniert und verwirrte das klassische Kinopublikum. Dylan wird dargestellt von Christian Bale, Cate Blanchett (absolut sehenswert), Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger und Ben Whishaw. Wer eine Chance hat, den Film einmal zu sehen, sollte diesen Streifen ansehen und genießen. Cate Blanchett wurde 2007 für ihre Interpretation von Bob Dylan mit der Coppa Volpi, dem Darstellerpreis der 64. Filmfestspiele von Venedig, preisgekrönt.

Soul und Chanson
Eher konventionell, aber dennoch eindrucksvoll ging es bei Ray zu. Der Film von 2004 geht um den großen Ray Charles, der von Jamie Foxx dargestellt wird. Regie führte Taylor Hackford. Die Dreharbeiten wurden von Ray Charles begleitet, doch der Soulmusiker konnte die Premiere aufgrund seines Todes nicht mehr erleben.

Großes Schauspielkino war die Biopic über die kleine große Édith Piaf in La Vie en Rose von 2007. Ich muss zugeben, nach Genuss dieses Films habe ich wieder die Musik des Spatzes von Paris gehört. Marion Cotillard spielte die Rolle von Piaf und erhielt dafür einen Oscar. Der Film war natürlich in Frankreich sehr erfolgreich.

Klassik im Kino
Vielleicht die beste, größte und unterhaltsamste Biopic über einen Musiker ist Amadeus von Miloš Forman aus dem Jahr 1984. Es geht um die musikalische Auseinandersetzung von Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) mit Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Das wichtigste Verdienst des oscarprämierten Films ist es sicherlich, die Musik des Genies Wolfgang Amadeus Mozarts einem breiteren Kinopublikum bekannter zu machen, das sich nicht so für klassische Musik interessierte. Der Film gewann übrigens acht Oscars im Jahr 1985 und zahlreiche andere Filmpreise. 2002 kam Amadeus nochmals als Director’s Cut in die Kinos und ich hatte mir die 13 Minuten längere Version damals wieder angesehen. Salieri wurde 2002 von Joachim Höppner gesprochen, weil der ursprüngliche Synchro-Sprecher Gottfried Kramer 1994 verstorben war.

Noch viel mehr gibt es zu sehen. Sid und Nancy (1986) über den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious, Amy (2015) über Amy Winehouse, Control (2007) über den Joy Division-Sänger Ian Curtis und ganz stark Love & Mercy (2014) über das musikalische Mastermind der Beach Boys Brian Wilson.
Aber zurück zum King. Ich mag den frühen Elvis und ich mag den späten Elvis. Der Konzertfilm Elvis – That’s the Way It Is von 1970 unter der Regie von Denis Sanders ist ein Paradebeispiel für die enorme musikalische Wirkung von Elvis in Las Vegas. Wer diesen Konzertfilm ansieht und ihn mit der Elvis-Verfilmung von 2022 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten erkennen.

Rückschau: Online-Seminar zum 81. Geburtstag von Bob Dylan

2. Juni 2022

Jedes Jahr feiere ich den Geburtstag eines meiner musikalischen Helden Bob Dylan. Dieses Jahr hatte ich an seinem 81. Geburtstag am 24. Mai eine besondere Ehre. Ich durfte zusammen mit meinem Kollegen Stefan Preis ein Online-Seminar zu Bob Dylan halten.

Bereit für Dylans Geburtstag – neben mir ein Stapel CDs.

Ich habe meinen Vortrag mit einer externen Kamera aufgezeichnet, damit es zu keinen Problemen wegen Persönlichkeitsrechte-Verletzungen kommen konnte. Auch neu war dieses Mal, dass ich keine Keynote-Präsentation erstellt habe, sondern nur mit ein paar Notizen bewaffnet meinen Vortrag hielt. Freies Reden war angesagt. Ich wollte mal schauen, ob ich das genauso kann und bei einem Thema wie Bob Dylan fühlte ich mich sicher (obwohl sich der eine oder andere kleine Fehler eingeschlichen hat).

Nach einer allgemeinen Einführung zum Thema Dylan mit entsprechender Würdigung und persönlicher Herangehensweise stellte ich das Werk des Meisters anhand seiner veröffentlichen Alben vor. Ich habe die meisten offiziellen Bob Dylan-Alben auf CD dabei und zeigte sie mit einer Dokumentenkamera dem Publikum. Das Switchen zwischen den Hauptkameras und der Dokumentenkamera erfolgte über das ATEM von Blackmagic.

Ich bewertete und bezog Stellung in dem Vortrag, ließ zumeist die Bootlegs aber weg. Zwar vorbereitet, aber aus Zeitgründen weggelassen habe ich Literatur wie die Autobiografie oder die Zeichnungen sowie die Sammelbände mit Songtexten. Eigentlich wollte ich als Schlussgag noch eine Flasche Whisky von Dylan öffnen und auf den Geburtstag vor laufender Kamera anstoßen, entschied mich aber am Ende doch dagegen.

Für einen Kunden darf ich immer wieder verschiedene Online-Seminare zur Populärkultur halten. Wer darüber informiert sein möchte, dem bitte ich, meinen kostenlosen E-Mail-Newsletter zu abonnieren.

Dylans Drummer Sammy Lay verstorben

1. Februar 2022

Wie ich gerade lese, ist der Blues-Schlagzeuger Sammy Lay im Alter von 86 Jahren verstorben. Ich kannte den Musiker von zwei Ereignissen: Einmal als Drummer auf dem Muddy Waters Album „Fathers and Son“ von 1969 und – für mich viel wichtiger – als Drummer für meinen Helden Bob Dylan.

Sammy Lay sorgte 1965 für den Rhythmus, als Bob Dylan die Rockwelt veränderte. Der Folkie Dylan spielte aufs dm Newport Festival elektrisch und gab das Zeichen für eine ganze Genration, die Wandergitarre in die Ecke zu stellen und die E-Gitarre anzuschließen. Dylan Begleitband an diesem Tag war die Paul Butterfields Blues Band, die den Ton angab. Sammy Lay war Mitglied der Band. Die Fans waren schockiert, aber Dylan ging seinen Weg konsequent weiter – und Sammy Lay begleitete ihn.

So saß Sammy Lay auch bei den Aufnahmen zu einem der wichtigsten Dylan-Aufnahme hinter den Drums: Highway 61 Revisited vom Album Highway 61 Revisited.

Später hörte ich Lay noch auf dem Doppelalbum Fathers & Sons von Muddy Waters. Lay spielte für die Blue-Größe Howlin’ Wolf und durfte bei dem Vater- und Söhne-Projekt im Studio und live mitspielen.

Musiktipp: Springtime In New York: The Bootleg Series, Vol.16 (1980-1985) von Bob Dylan

24. September 2021

Meine erste Bob Dylan Schallplatte war 1985 das Album Empire Burlesque und ich war gelinde gesagt überrascht über das überproduzierte Album von Remixer Arthur Baker. Das sollte der Dylan sein, der die Musikgeschichte auf den Kopf gestellt hatte? Die veröffentlichten Alben der achtziger Jahre waren zugegeben gewöhnungsbedürftig. Böse Zungen sagen, die Platten waren grottenschlecht.

Aber was hätte die Achtziger für eine starke musikalische Zeit für den Meister werden können? Dylan löste sich von seiner religiösen Phase und musste sich im MTV-Zeitalter neu orientieren. Diese Orientierungsphase ging aber vollkommen in die Hose. Viele der Veröffentlichungen waren schauderhaft.
Aber jetzt legt Bob Dylan die 16. Ausgabe seiner Bootleg Series mit dem Titel Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 vor. Noch mehr Müll aus der grausamen Zeit? Weit gefehlt – was für geniales Material hatte Dylan 1980–1985 geschrieben und aufgenommen, aber nicht veröffentlicht? Die Musik ist schlichtweg der Hammer: Unveröffentliches Material, das so frisch, so spielfreudig, so engagiert, so frech daherkommt. Musiker wie Tom Petty, Mark Knopfler, Mick Taylor, Sky & Robbie und viele mehr.

Dylan, was hast du für Schätze damals aufgenommen und dann ins Archiv gestellt und einen Mist stattdessen auf Vinyl gebrannt? Ich habe mir Sprintime In New York 1980–1985 als Box-Set mit 5 CDs angeschafft und bereue die finanzielle Ausgabe nicht einen Moment. Das Deluxe Boxset enthält auf fünf CDs ingesamt 57 Tracks, bis auf drei Tracks alle bislang unveröffentlicht, und zusätzlich in gewohnt opulenter Ausstattung ein 100-seitiges Hardcover-Buch u.a. mit Fotos von seltenen Dylan-Memorabilien dieser Zeit. Das Album gibt es auch als preisgünstigere Doppel-CD/LP.

Wir haben Aufnahmen aus der Ära Shot of Love, Infidels und Empire zu entdecken, also die letzten Ausläufer des religiösen Dylan und seine Hinwendung zum Rock.
Unter den Goldstücken gibt es einige Perlen zu entdecken. Blind Willie McTell kannten wir schon aus der Bootleg Series 1 – nun gibt es den Take 5 der Infidels Outtake zudem Fool of Pride. Mir persönlich gefallen Don’t Fall Apart on Me Tonight (Version 2) (Infidels Alternate Take), Too Late (Band Version) (Infidels Outtake), New Danville Girl (Empire Burlesque Outtake – das später Brownsville Girl werden sollte) und Sweet Caroline. Letzteres kommt wohl aus der Bekanntschaft mit Neil Diamond durch den Last Walz Auftritt von The Band.

Nachdem Empire mein erstes Dylan-Album war, war ich neugierig auf die Versionen von Tight Connection to My Heart (Has Anyone Seen My Love) (Empire Burlesque Alternate Mix), Emotionally Yours (Empire Burlesque Alternate Take) und vor allem Dark Eyes.
Wenn Dylan in den achtziger Jahren das richtige Gespür gehabt hätte, dann hätte er diese Zeit musikalisch bestimmen können. Gut, dass er die Sachen nicht weggeworfen hat und nun nach 40 Jahren veröffentlichte. Ich empfehle Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 jedem, der gute Musik zu schätzen weiß. Dylan-Fans werden die Bootleg Series 16 sowieso kaufen und genießen.

Persönliche Gedanken zum 80. Geburtstag von Bob Dylan

24. Mai 2021

His Bobness, der Meister feiert heute seinen 80. Geburtstag. Alles Gute Bob Dylan. Genieße deinen Ehrentag trotz Corona und bleib gesund. May you Star forever Young!

Was wurde nicht alles über ihn geschrieben, analysiert, zerlegt, diskutiert, philosophiert, verflucht, verdammt und Hosianna gerufen. Kein anderer Musiker wurde so sehr zerpflückt und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, dabei ist er doch nur ein einfacher „Song and Dance-Man“, wie auf der berühmten SF-Pressekonferenz verlauten ließ. Eine Aufnahme davon als Picture Disc hängt in meiner Küche.

Hey Zimmy, alles Gute zum Geburtstag dem Song and Dance-Man.

Und was soll ich noch schreiben, was ich noch nicht geschrieben habe? Seine Musik ist tadellos und je nach Gemütslage höre ich meinen Dylan. Im Moment sind es die Bootleg-Aufnahmen von 16. und 17. November 1993 im New Yorker Supper Club. Im Grunde waren es die besseren MTV Unplugged-Aufnahmen: Starke Shows vor kleinem Publikum – Dylan perfekt bei Stimme.

Da wir noch immer auf die offizielle Veröffentlichung der Supper Club-Aufnahmen warten müssen, kam mir meine Idee für diesen Geburtstagspost. Es wäre schön, wenn wir Dylan nicht etwas schenken würden, sondern wenn er uns endlich diese Aufnahmen offiziell freigeben würde.
Das erste Mal hörte ich von den vier Konzerten im kleinen Raum (zwei Shows an je zwei Tagen) im Jahre 1995. Damals lange vor dem Internet war es schwer an Infos über den Star heranzukommen. Ich sammelte Schnipsel aus Zeitungen und Zeitschriften und hortete sie in dicken Ordnern. Informationen bekam man auf diese Weise erst im zeitlichen Verzug mit. Die Gatekeeper der Massenmedien hatten ihren Daumen darauf und die Nachrichtenhürde bei Dylan war zu dieser Zeit relativ hoch.

So hörte ich von den Supper Club-Aufnahmen erst relativ spät. Und das kam so: Das Computergeschäft meines Vertrauens war zu dieser Zeit 1995 der Gravis in München. Das war mein Mac-Dealer. Und ich kaufe eine CD-ROM mit dem Beatles Film A Hard Days Night als QuickTime Movie. Ich war ja stolzer Besitzer eines CD-ROM-Laufwerks und das wollte Multimedia-Futter. Und dann zog der Verkäufer unter der Ladentheke eine CD-ROM meines Helden hervor: Bob Dylan.. Highway 61 Interactive

Wow, auf dem Cover ein Bild des elektrischen Dylan u’nd der Meister ging 1995 neue Wege. CD-ROM, Multimedia – das war ja cool. Weniger cool war, dass die ganze Sache mir rund 130 Mark gekostet hatte, also rund 75 Euro. Was soll es, ich griff zu. Das Cover und der Begleittext versprachen viel:

„Erkunden Sie das legendäre Greenwich Village und entdecken Sie die Menschen, Orte und Ereignisse, die Bob Dylans Musik beeinflusst haben.
Schleichen Sie sich hinter die Kulissen von Bob Dylans 30-jährigem Jubiläumskonzert und treffen Sie sich mit den vielen Prominenten, die gekommen sind, um seine Musik zu feiern. Tausende von Fans und eine unvergleichliche Reihe von Stars kommen zusammen, um Bob Dylans mehr als 30 Jahre Musik zu feiern, und Sie haben Plätze in der ersten Reihe und einen Backstage-Pass! Blättern Sie durch ein interaktives Sammelalbum mit seltenen Fotos, Bildern und Erinnerungsstücken, die Bob Dylans Jugend und künstlerische Karriere nachzeichnen. Erleben Sie die Revolution, die in den Kaffeehäusern von Greenwich Village stattfand, mit alten Bob Dylan-Songs, Beat-Poesie und weiteren Video- und Audio-Leckerbissen. Entdecken Sie Ihre speziellen Freikarten für Bob Dylans berühmten Auftritt im Supper Cub von 1993. Schlendern Sie hinein, finden Sie Ihren reservierten Tisch und genießen Sie zwei exklusive Video-Performances. Seien Sie bei der Aufnahmesession von „Like a Rolling Stone“ dabei, vom ersten Take bis zum endgültigen Schnitt in einer virtuellen Nachbildung des Columbia-Aufnahmestudios von 1965.
Und so leckte ich Blut vom Supper Club-Konzert. Auf der Multimedia-CD-ROM waren die Songs One Too Many Mornings und Queen Jane Approximately. Und es war nicht nur Musik zu hören, sondern Dylan im Film mit der damaligen Begleitband Bucky Baxter (pedal steel guitar & electric slide guitar), John Jackson (guitar, banjo), Tony Garnier (bass) und Winston Watson (drums & percussion). Letzter amüsierte mich aufgrund seiner wippenden Frisur.

Die Aufnahmen gefielen mir und ich machte mich auf die Suche nach dem gesamten Konzert. Auf einer Schallplattenbörse wurde ich fündig. Die kompletten vier Auftritte auf einer Doppel-CD – für teuer Geld. YouTube mit der Gesamtfassung für umsonst war noch Tech-Fantasie.

Leider läuft die CD-ROM auf den heutigen System nicht mehr. Ich muss irgendwann einen musealen Rechner aus dem Archiv holen und die Multimedia-Eindrücke der 90er Jahre genießen. „Zu den Highlights gehören: Sieben vollständig navigierbare Umgebungen; eine interaktive Zeitleiste von Bob Dylans Karriere; eine vollständige Datenbank aller Bob Dylan-Alben, Songs, Texte und Liner Notes; eine bisher unveröffentlichte ‚elektronische‘ Version von ‚House of the Rising Sun‘; und Promi-Interviews mit den Stars des Konzerts zum 30-jährigen Jubiläum von Bob Dylan.“

Ich sage Danke Bob Dylan für deine Musik und deine Inspiration. Lass dich feiern und wir sehen uns bald wieder auf deine Never Ending Tour. Ich bin bereit Zimmy.

Musiktipp: 1970 von Bob Dylan

27. Februar 2021

Natürlich war gestern Feiertag – das neueste Album meines Helden Bob Dylan ist erschienen. Es heißt 1970 und befasst sich auf drei CDs mit Outtakes aus eben diesen Jahr 1970. Und nun auch offiziell veröffentlicht sind die kompletten Aufnahmen mit Ex-Beatles George Harrison aus dieser Zeit.

1970 war eine kreative Zeit des Meisters – so auch der Titel des neuen Bin Dylan Albums.

Der eifrige Bootleg-Sammler hatte schon einige der Songs, aber nicht in einer überarbeiteten Tonqualität. Besonders die Harrison-Aufnahmen sind in 1970 klarer, leben aber in erster Linie vom historischen Bezug. Leider kamen die beiden damals nicht über die Aufnahme dieser paar Songs hinaus. Wir haben das später stattfindende geniale Concert for Banglesh im Ohr. Erst Jahrzehnte später vertieften sie ihre Kooperation bei den Travelling Wilburys und zeigten, welche Kreativität in den Musikanten stecke. 1970 war es eine nette Zusammenkunft und ein bisschen Gespiele. Alte Klassiker „I Met Him On A Sunday (Ronde-Ronde)“ von den Shirelles, „All I Have To Do Is Dream“ von den Everly Brothers oder „Matchbox“ von Carl Perkins wurden aufgenommen und natürlich „Yesterday“.

Das Album erschien als hochtrabend als 50th Anniversary Collection, was wunderbar klingt, aber im Grunde nur ein Rechteschutz darstellt. Nach 50 Jahres läuft der Copyrightschutz in der EU aus und bevor die Aufnahmen für den bald 80jährigen Dylan an finanziellen Wert verlieren, wird mit uns Fans nochmals Kasse gemacht. Und wir legen gerne unsere Euros für altes Material hin und freuen uns auf mehr alten Content in den nächsten Jahren.

Eigentlich kamen die 1970 Aufnahmen schon im Dezember 2020 in homöopathischen Kleinstauflagen auf den Markt und werden in entsprechenden Foren extrem teuer gehandelt. Der Bedarf bei uns Fans nach diesem Futter war so enorm, dass Sony jetzt beschloss 1970 in großer Auflage zu veröffentlichen.

Nun, es ist klar, dass 1970 nur etwas für Hardcore-Fans von His Bobness ist. Es sind Alterntivversionen von bekannten Aufnahmen – aber zum Teil sind es starke Versionen und Futter für Dylanfreaks. Ich habe mich beispielsweise in die seltsame Version von Lily of the West verliebt, die auf dem geschmähten Album Dylan erschienen ist. Zudem hören wir viermal „Sign On The Window“, fünfmal „Went To See The Gipsy“ und „If Not For You“ gleich achtmal. Diese kreative Zeit des Meisters wurde bereits in den Alben „Self Portrait“, „New Morning“, „Dylan“ sowie die Bootleg Series-Ausgaben „Another Self Portrait“ und „Travellin‘ Thru’“ dokumentiert und 1970 legt noch eines auf die Schippe – bitte mehr.

Hier die genaue Trackliste mit Aufnahmedatum:

Tackliste: (CD 1)

  1. März 1970
  2. I Can’t Help but Wonder Where I’m Bound
  3. Universal Soldier – Take 1
  4. Spanish Is the Loving Tongue – Take 1
  5. Went to See the Gypsy – Take 2
  6. Went to See the Gypsy – Take 3
  7. Woogie Boogie
  8. März 1970
  9. Went to See the Gypsy – Take 4
  10. Thirsty Boots – Take 1
  11. März 1970
  12. Little Moses – Take 1
  13. Alberta – Take 2
  14. Come All You Fair and Tender Ladies – Take 1
  15. Things About Comin’ My Way – Takes 2 & 3
  16. Went to See the Gypsy – Take 6
  17. Untitled 1970 Instrumental #1
  18. Come a Little Bit Closer – Take 2
  19. Alberta – Take 5
  20. Mai 1970 (Session mit George Harrison)
  21. Sign on the Window – Take 2
  22. Sign on the Window – Takes 3-5
  23. If Not for You – Take 1
  24. Time Passes Slowly – Rehearsal
  25. If Not for You – Take 2
  26. If Not for You – Take 3
  27. Song to Woody – Take 1
  28. Mama, You Been on My Mind – Take 1
  29. Yesterday – Take 1

Trackliste: (CD 2)

  1. Just Like Tom Thumb’s Blues – Take 1
  2. Medley: I Met Him on a Sunday (Ronde-Ronde)/Da Doo Ron Ron – Take 1
  3. One Too Many Mornings – Take 1
  4. Ghost Riders in the Sky – Take 1
  5. Cupid – Take 1
  6. All I Have to Do Is Dream – Take 1
  7. Gates of Eden – Take 1
  8. I Threw It All Away – Take 1
  9. I Don’t Believe You (She Acts Like We Never Have Met) – Take 1
  10. Matchbox – Take 1
  11. Your True Love – Take 1
  12. Telephone Wire – Take 1
  13. Fishing Blues – Take 1
  14. Honey, Just Allow Me One More Chance – Take 1
  15. Rainy Day Women #12 & 35 – Take 1
  16. It Ain’t Me Babe
  17. If Not for You
  18. Sign on the Window – Take 1
  19. Sign on the Window – Take 2
  20. Sign on the Window – Take 3
  21. Juni 1970
  22. Alligator Man
  23. Alligator Man [rock version]
  24. Alligator Man [country version]
  25. Sarah Jane 1
  26. Sign on the Window
  27. Sarah Jane 2

Trackliste: (CD 3)

  1. Juni 1970
  2. If Not for You – Take 1
  3. If Not for You – Take 2
  4. Juni 1970
  5. Jamaica Farewell
  6. Can’t Help Falling in Love
  7. Long Black Veil
  8. One More Weekend
  9. Juni 1970
  10. Bring Me Little Water, Sylvie – Take 1
  11. Three Angels
  12. Tomorrow Is a Long Time – Take 1
  13. Tomorrow Is a Long Time – Take 2
  14. New Morning
  15. Untitled 1970 Instrumental #2
  16. Juni 1970
  17. Went to See the Gypsy
  18. Sign on the Window – stereo mix
  19. Winterlude
  20. I Forgot to Remember to Forget 1
  21. I Forgot to Remember to Forget 2
  22. Lily of the West – Take 2
  23. Father of Night – rehearsal
  24. Lily of the West
  25. August 1970
  26. If Not for You – Take 1
  27. If Not for You – Take 2
  28. Day of the Locusts – Take 2

Filmtipp: The Band – the last Waltz als Mediabook

22. Oktober 2020

Immer wieder stelle ich mir als Musikfan die Frage: Bei welchem Konzert hättest du dabei sein wollen? Es fallen einen spontan viele große Rockkonzerte ein: Elvis TV Special von 1968, Cream in der Royal Albert Hall vom 26. November 1968, California Jam am 6. April 1974 mit Deep Purple und ELP oder ganz gerne Bob Dylan in Newport am 25. Juli 1965, als der Meister die elektrische Gitarre anschloss. Aber bei einem Konzert wäre ich wirklich gerne dabei gewesen: The Last Waltz.

Das war das Abschiedskonzert von The Band. Das fünfstündige Konzert fand am 25. November 1976 (Thanksgiving) im Winterland in San Francisco statt und die Musikgrößen der damaligen Zeit verbeugten sich vor der kanadischen Band, die soviel zur US-amerikanische Musikgeschichte beigetragen hat.
Jetzt erschien The last Waltz als limitierte Mediabook-Version mit Bluray, DVD und 28-seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach, den ich vor allem aus dem Horror-Genre kenne. Das Mediabook hat einen netten Goldeffekt, der an die CD-Auflage zum 40. Jubiläum des Konzerts erinnert. Die Bluray kommt in FullHD1080 daher und der Ton liegt als DTS-HD Master 5.1 vor – passend für ein Konzert von 1978. Danke an den Verleih, der mir das Mediabook The Last Waltz zur Verfügung stellte.

Das Konzert ist für mich ein Musst-have. Die erste Garde spielte auf, allen voran mein Meister Bob Dylan, der The Band 1974 als Begleitband buchte und hier mit dem Besuch der alten Dame Respekt zollt. Aus der Geschichte wissen wir, dass in der Postproduktion viel geschraubt wurde. Robbie Robertsons Soli verblassen gegen den großen Eric Clapton und Neil Young hat bei Helpless immer noch Kokain an der Nase hängen. Die Mitglieder von The Band empfanden die Show als Ego-Show für Robbie Robertson und sahen wenig Kohle. Was soll es: Für mich war es ein großartiges Konzert.

Ich war von dem Konzert so begeistert, dass ich mir als Jugendlicher das 3-fach LP-Album einfach holen musste. Das Cover war edel und ich liebte es. Gerne hätte ich damals ein Booklet gehabt, aber die LPs waren nur in sandfarbigen Hüllen. Späte erwarb ich dann die CDs, wobei ich am liebsten die Schuberbox mit Booklet hatte, weil sie das meiste Material enthielt. Das Ding The Last Waltz gibt es auch ohne Schuber aus dem Jahre 2013.

The Band war einfach eine wichtige Band und so entschloss ich mich einen Original Abzug samt Autogramm vom Fotografen Elliott Landy zu erwerben, der gerahmt im Gang zu meinen Arbeitszimmer hängt. Es zeigt die Mitglieder der Band zu Woodstock-Zeiten als man an Big Pig gearbeitet hat. Irgendwie sehen die Typen aus, als ob sie aus einem anderen Jahrhundert stammen.

Über die jüngst veröffentlichte Bluray freue ich mich sehr, obwohl es eigentlich kein neuer Content ist, dafür aber schärfer. Ich sah den Film von Martin Scorsese im Kino und war fasziniert. Kein hektisches Herumschneiden, sondern die Kamera von Michael Chapman hielt einfach drauf und fing die Aura der Musikanten ein. Ich musste mir einfach die Lobbycards gönnen, die auch mal bei mir gerahmt in meinem Jugendzimmer hingen. Das Kinoplakat liegt noch irgendwo in meinem Archiv.

Die VHS-Kassette besaß ich nicht, wohl aber die deutlich schärfere Laserdisk-Version. Später kam noch die DVD The Last Waltz mit schrägen Cover aber achtseitigem Booklet von Robbie Robertson hinzu – und eine Postkarte lag auch bei. Aber jetzt genieße ich erst einmal das Mediabook The Last Waltz.

Musiktipp: Rough and Rowdy Ways von Bob Dylan

20. Juni 2020

Acht lange Jahre mussten wir warten, bis Meister Bob Dylan neues, eigenes Material seit seinem 2012 erschienen Werk Tempest vorlegte. Nun ist sein 39. Studioalbum Rough and Rowdy Ways erschienen und ich bin wie vom Donner gerührt. Das Album wurde nachts sofort bei Apple Music geladen, am Tag kann dann die CD von Amazon. Mitte Juli folgt dann die Vinyl-Ausgabe von Rough and Rowdy Ways.
Es ist ein Doppelalbum geworden, ein Album mit dem ich mich mit dem Kopfhörer zurückziehe und es alleine genieße. Und es ist ein geschichtlicher Abriss geworden, der die volle Aufmerksamkeit erfordert. So locker nebenbei geht das Album nicht ins Ohr. Hier das Unboxing-Video:

Die Veröffentlichungspolitik von Rough and Rowdy Ways war für Dylan schon bemerkenswert. Drei Songs wurden vorab veröffentlich, quasi verschenkt. Darunter das 17minütige Hauptwerk „Murder Most Foul“ mit Gedanken über Kennedy und die Folgen für die USA.
Das Album ist dunkel, es ist die Arbeit eines Sehers, eines Geschichtenerzählers und eines Betrachters, der die Veränderung der Welt sieht und seine Schlüsse zieht. Es wird Wochen, Monate und vielleicht Jahre dauern, bis die Chiffren des Albums entschlüsselt sind. Der Sprechgesang führt uns durch eine sich wandelnde Welt voller Symbole. Persönliches gibt es von his Bobness auf den ersten Blick kaum. Bis auf eine Zeile: Vielleicht leidet Dylan noch immer darunter von seinen Fans vereinnahmt zu werden. „I opened my heart to the world and the world came in“ klingt nicht gerade euphorisch. Der 79jährige Song and Dance-Man geht weiter seinen Weg und wir dürfen ihn (hoffentlich) noch lange begleiten. Rough and Rowdy Ways ist wieder eine hervorragende Wegzehrung für diesen Weg. Klare Kaufempfehlung.

Alles Gute zum 79. Geburtstag Bob Dylan

24. Mai 2020

Heute feiert die lebende Legende Bob Dylan seinen 79. Geburtstag. Aufgrund Corona wurde die US-Tour des Sängers abgesagt, aber für uns Fans kommt am 19. Juni das neue Album Rough and Rowdy Ways. Darauf enthalten ist neues Material und kein American Songbook. Seit dem 2012 erschienen Album Tempest gab es kein selbstgeschriebenes Material des Meisters. Bisher sind drei Songs aus dem neuen Doppelalbum veröffentlicht, wobei der Song Murder Most Foul besonders bemerkenswert ist. Dylan befasst sich (einmal wieder) mit Kennedy und den Auswirkungen und dies fast 17 Minuten lang – genial.Aber zum 79. Geburtstag von Bob Dylan will ich nicht auf den Musiker, den Autoren, den Radiosprecher oder den Filmemacher eingehen. Ich möchte über den Maler Bob Dylan sprechen. Zur Jahreswende 2016/2017 besuchte ich zufällig die Kunst-Ausstellung A beaten Path in London und war schlichtweg hin und weg. Die Bilder von Dylan in London beschrieben den amerikanischen Traum. Zuvor hatte ich mal in Chemnitz eine erste Kunstausstellung The Drawn Blank Series von Dylan besucht und war schon damals fasziniert. In London sah ich bei a beaten Path eine Ausstellung mit Zeichnungen, Acryl- und Wasserfarbenmalereien sowie Schmiedearbeiten. Die Schmiedearbeiten wirkten sich später bei der Veröffentlichung des Whiskey Heavens Door aus.

Donut Shop für 175.000 GBR

Die Arbeiten von a beaten Path zeigen ein Amerika fernab von Hightech und Industrie. Wenn Dylan aus seinen Tourbus blickt, sieht er in Kleinstädten Tankstellen, Hotels, Diners, Donutshops und Kinos. „Für die Ausstellung wollte ich Bilder schaffen, die weder von mir selbst noch jemand anderem falsch interpretiert oder missverstanden werden können“, erklärt Dylan in dem Essay zur Ausstellung. Ich hab mir den Katalog gekauft und in diesem Video vorgestellt. Ein Originalbild von Dylan war mir allerdings zu teuer, leider. 175.000 Britische Pfund ist einfach nicht möglich.

Kritik: Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

12. November 2019

Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

His Bobness ist ein wandlungsfähiges Phänomen. Und das zeigt der Meister immer wieder auf eindrucksvolle Art. Jetzt kam aus seiner Bootleg Serie die 15. Ausgabe heraus und sie dokumentiert die interessante musikalische Zeit Dylans zwischen 1967 bis 1969.
Während die Beatles mit The Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band, die Stone mit Their Satanic Majesties Request zum technischen Overkill antraten, Pink Floyd auf Psychodelic-Music setzen, The Cream den Blues frönten, da gab Bob Dylan eine komplett andere Richtung vor. Nach seinen drei elektrischen Alben und einem Motorradunfall war die Öffentlichkeit gespannt, was der Meister abliefern würde. Dylan meldete sich aus Woodstock und Nashville und setzte auf ruhige, nahezu biblische Texte und Töne. Und dann spielte er Country.

Seine beiden Alben John Wesley Harding und dann vor allem Nashville Skyline waren das genaue Gegenteil, was sich Fans erwartet hatten. Und mit der Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 kommen nun die Outtakes dieser Zeit auf den Markt. Zudem erscheinen endlich offiziell die Aufnahmen mit seinem Kumpel Johnny Cash.
Dylan schaffte es im Alleingang, den liberalen Rock mit dem konservativen Country zu versöhnen.
Es kam damals nicht zum gemeinsamen Album Cash/Dylan, aber jetzt liegen die Aufnahmen vor. Ich verehre beide Musiker und die Aufnahmen zeigen, welche Basis die beiden Menschen hatten. Ich hatte bereits einige davon durch illegale Pressungen. Und es gibt die Aufnahmen der Johnny Cash-Show endlich offiziell, die wir freilich schon längst aus YouTube kannten.
Anders als bei so manchen Aufnahmen der anderen Bootleg Serie sind dieses Mal nicht die kompletten Aufnahmesessions veröffentlicht worden, sondern nur Teile daraus. Also darf der Fan nicht zig verschiedene Versionen anhören, sondern der Meister hat eine Vorauswahl getroffen, mit der wir Fans uns begnügen müssen. Ich selbst hab mir die 3-CD-Box gekauft und es nicht bereut. Das beiliegende Booklet bringt sogar ein paar neue Fotos. Es wurde verfasst von Musik-Historiker Colin Escott sowie von Johnny-Cash-Tochter und Musikerin Rosanne Cash.
Was sind die Highlights? Zum einen sicherlich der neue Song „Western Road“ aus der John Wesley Harding Zeit. Zum anderen höre ich dass erste Mal Wanted Man von Dylan selbst. Ich kannte den Song bisher nur von Cash von seinen Gefängnisauftritten. Ich war eigentlich davon überzeugt, dass Dylan diesen Song nur geschrieben, aber nie aufgenommen hat.Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 zeigt das Gegenteil und die Box ist es nur für diese Aufnahme wert gekauft zu werden.