Posts Tagged ‘Bob Dylan’

Gemälde von Bob Dylan in London zu kaufen

19. Juni 2018

175.000 britische Pfund für einen echten Dylan? Bei meinem Besuch des Luxuskaufhauses Harrods in London besuchte ich den dort ungebrauchten Ableger der Kunstgalerie Halcyon. Auf 5000 Quadratmeter gibt es wunderbare Kunst zu sehen und ich stieß auf Gemälde des US-amerikanischen Musikers Bob Dylan. Es handelt sich um einen Dounatladen, genannt Donut Shop, 2015–2016, Acryl auf Leinwand, und signiert für 175.000 GBR. Und dann gibt es Dads Restaurant für 175.000 GBR. Kunst als Wertanlage – das geht hier sicher, wenn man über das entsprechende Kleingeld verfügt. 

Es geht aber auch billiger, um einen Bob Dylan zu Hause an die Wand zu hängen. Rund 10.000 britische Pfund kosten Siebdrucke auf Baumwollpapier, das in den USA gefertigt wurde. 

Dabei handelt es sich die Bilder: New York Skyline Seen from Queen, Late in the Day, Houston, Brooklyn Heights und Nowhere and Anywhere. 

Vielen ist Bob Dylan nur als Musiker bekannt, der auch einen Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Dass Bob Dylan unter die Maler gegangen ist, ist vielen nicht bewusst. Aber der heute 77jährige malt seit langem, hat immer wieder die Covers seiner Schallplatten verziert. Wenn er auf seiner Never Ending Tour durch die Welt ist, dann entspannt sich der Musiker beim Malen. Inzwischen hat er auch mehrere Bücher mit seinen Werken veröffentlicht. Das erste Buch dieser Reihe hieß The Drawn Blank Series und ich habe es mir als Katalog zur Ausstellung in Chemnitz gekauft. Heute ist der Preis dieses Buches deutlich nach oben gegangen. 

Die Kunstgalerie Halcyon in Harrods hat ein paar Original-Dylan zum Verkauf.

Die Kunstgalerie Halcyon in Harrods hat ein paar Original-Dylan zum Verkauf.

In London gab es die Ausstellung The beaten Path in der renommierten Galerie Halcyon, die bis zum Dezember 2016 lief. Es gibt noch ein paar Restbestände des Katalogs für rund 65 britische Pfund. Das jüngste Buch heißt dann eben auch The beaten Path und ich hatte mir mein rund 360seitiges Buch aus London bestellt. UPS lieferte das schwere Ding innerhalb einer Woche. Ich werde darüber noch bloggen.

Ich konnte nur die Ausstellung bei Harrods besichtigen. Gerne hätte ich die große Ausstellung bei Halcyon gesehen. Dylan selbst hatte Ausführungen zur Ausstellungen verfasst. Wer diese Lesen will, kann dies hier tun. 

Harrods in London – Tempel des Konsums

18. Juni 2018
Luxus pur bei Harrods

Luxus pur bei Harrods

Es gibt es viele Mythen, so viele Geschichten um dieses Luxus-Kaufhaus, dass es einen eigenen Blog bräuchte, um alle die Storys zu erzählen, die sich um Harrods ranken. Bei meinen London-Besuch musste ich diesen Tempel des Konsums besuchen, um meinen Kinder zu zeigen, was hochwertige Warenpräsentation, niveauvoller Luxus und klassische Eleganz ist – und ich musste vorbeischauen, um mir eine neue Barbour-Jacke zu kaufen.
Es gibt die Mythos, das der Kunde bei Harrods in London alles kaufen kann, sogar einen Elefanten. Nun, das habe ich nicht ausprobiert, aber die Warenvielfalt ist enorm.
Wir haben in Deutschland das wunderbare KaDeWe in Berlin, das Kaufhaus des Westens, aber im Vergleich zu Harrods ist das KaDeWe ein Tante-Emma-Laden. Und wer nicht zum Einkaufen zu Harrods geht, der sollte wegen seiner ungewöhnlichen Innenarchitektur vorbeischauen und nicht vergessen, seinen Mund beim Staunen zuzumachen.

Innenarchitektur bei Harrods überwältigt
Es ist in den Verkaufsräumen ein Mix verschiedener Architekturstile aus verschiedenen Zeiten und Kulturkreisen. Dabei wirkt es nicht zusammengewürfelt, sondern sobald man eine Abteilung verlässt und eine neue Abteilung betritt ändert sich Licht, Stil und auch die Atmosphäre.

Beratung bei Harrods
Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind absolut professionell geschult. Als unsere Familie die Kofferabteilung betrat, zeigte ich meinen Kinder die Rimowa-Reihe. Ich mag diese Koffer mit Charakter und K2 hat vor unserer London-Reise den ersten Rimowa bekommen, den K2 wohl das ganze Leben haben wird.

Rimowa ist für mich die erste Wahl bei Koffer.

Rimowa ist für mich die erste Wahl bei Koffer.

Wahrend ich über die Rimowa-Koffer monologisierte, schaute sich meine Gattin die neuen Montblanc Laptoptaschen an. Wunderschöne Taschen, wunderbar verarbeitet – wunderbar teuer. Sie wurde ausgezeichnet beraten, auch wenn von Anfang an klar war, dass wir die Tasche nicht kaufen werden.

Die Laptoptasche von Montblanc in rot (liniks) hat es der Gattin angetan.

Die Laptoptasche von Montblanc in rot (liniks) hat es der Gattin angetan.

Testen eines Harrods-Verkäufers
Da wir bei Montblanc sind: In der Füllerabteilung schaute ich mir die neuen Kollektionen von Montblanc an und ein Verkäufer näherte sich mir, ob er mir helfen könne. Ich glaube, er checkte mich ab, ob ich mir überhaupt so ein Schreibwerkzeug leisten könne. Und ich glaube, er hatte entschieden, dass ich es mir nicht leisten kann und er mich trotzdem freundlich fragt. An seinen Augen war aber zu erkennen, dass mit mir als Banause kein Geschäft zu machen sei. Ich dankte ihm, sagte dass ich keinen Montblanc benötigte und er wollte sich schon abwenden und sich zurückziehen. Und da ergriff ich meine Chance: Ich frage nach einer speziellen roten Montblanc Tinte, die zu der Alfred Hitchcok-Edition herausgekommen war: Blutrote Tinte. Das riss den Verkäufer, denn der Füller ist nicht billig und er musste sichtlich eingestehen, dass er mich falsch eingeschätzt hatte. Und noch peinlicher: Er hatte die Tinte nicht im Programm. Ich wusste das, denn die Hitchcock-Tinte war seit Jahren ausverkauft, aber ich wollte den Herren aufs Glatteis führen. Das tat gut.

Viele der heutigen Harrods-Kunden kommen aus Asien oder Arabien. Hier wird das große Geld gemacht und die Herrschaften wollen Luxus konsumieren und zeigen. Als ich mir den Catier-Schmuck ansah, beobachtete ich zwei vollverschleiterte Damen, die mit einem Herren Platz nahmen und sich teuere Kolliers zeigen ließen. Die Verkäuferin wollte den Schmuck den Damen umhängen, aber die Vollverschleierung hinderte sie daran. Leider habe ich nicht mitbekommen, wie das Problem gelöst wurde, denn meine Familie wollte weiterziehen.

Galerie Halcyon bei Harrods
Die renommierte Galerie Halcyon hat in Harrods eine eigene Abteilung. Ich wollte Halcyon selbst besuchen, aber dafür reichte die Zeit nicht. Dennoch lohnte sich der kurze Besuch bei Halcyon in Harrods, wo die Galerie einen eigenen Ausstellungsraum hat. Total fasziniert hat mich eine Skulptur von Lorenzo Quinn „The Face of Nature“ für 52500 britische Pfund – nun, wir haben keinen Platz, aber schön war das Werk schon.

Und dann entdeckte ich noch Originalgemälde von Bob Dylan. Diesem Part der Ausstellung widme ich einen eigenen Blogbeitrag in den nächsten Tagen. Auf jeden Fall war ich gerührt, einen echten Dylan ganz nah bewundern zu können. Das hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck. Sofort kaufte ich mir den Ausstellungskatalog der Dylan-Ausstellung, die bei Halcyon zu sehen war. Nun, das ist nun mal eine Weltstadt und dort ist für mich starke Kunst zu sehen.

 

Modeabteilungen bei Harrods

London ist nicht mehr unbedingt der Nabel der Welt, wenn es um Mode geht. Das war in den Swinging Sixties mit der Carnaby Street anders, aber die Straße ist heute zu einer austauschbaren Shoppingbereich in Soho geworden. Die besten Herrenausstatter gibt es nach wie vor in der Savile Row und in der Jermyn Street, aber dafür fehlte die Zeit. Also schaute ich in die Modeabteilung von Harrods, um mich auf den neuesten Stand zu bringen. Leider ist Alexander McQueen schon 2010 gestorben und dennoch inspiriert er die Modeszene noch immer. Natürlich schaute ich bei Hackett vorbei und ließ aber die Aston Martin Kappe schweren Herzens liegen. Die rote Mütze gefällt mir, aber im Grunde stehen mir keine Kappen.

Hackett finde ich sehr schön.

Hackett finde ich sehr schön.

Dafür schlug ich bei Barbour wieder einmal zu, denn ich mag die klassische Eleganz der Landhausmode. Ein Kleid von Stella McCartney gefiel mir sehr gut.

Sehr viel Humor: Stella McCartney

Sehr viel Humor: Stella McCartney

K2 schaute sich noch die Sportabteilungen von Nike, Puma und Adidas an, die mich weniger interessierten. Dennoch: Ich fand dort große Statuen von Bearbrick – wenn ich nur den Platz hätte.

Rolltreppen bei Harrods
Wer nichts kaufen will, der sollte auf jeden Fall die Rolltreppen fahren. Sie sind zwar nicht so berühmt, wie die Rolltreppen von Macs in New York, aber sie machen optisch unbedingt was her. Ich hab mir den Spaß gemacht von Stockwerk zu Stockwerk zu fahren und mir die Architektur anzusehen. Ich hatte den Eindruck in der Ägypten-Abteilung des britischen Museums zu sein. Mir machte der Abstecher einen gehörigen Spaß. Und ab und zu bin ich auch die alten Stufentreppen hinaufgegangen und habe mir vorgestellt, welchen Eindruck Harrods früher auf die Leute gemacht hat.

Lebensmittel bei Harrods
Wer Harrods besucht, der muss bei den Lebensmittel-Abteilungen des Hauses vorbeischauen: Kaffee, Gewürze, Fleisch, Fisch, Früchte, Käse, Backwaren – und natürlich Tee. Ich konnte mich an den kulinarischen Genüssen nicht sattsehen. Zudem gibt es kleinere Stände an denen das Essen frisch zubereitet wird. Leider war der Stand mit den Austern voll besetzt und ich hätte länger warten müssen, was ich aber aufgrund des Zeitdrucks nicht wollte. Aber Austern-Schlürfen bei Harrods, das wäre es gewesen. Stattdessen haben wir Tee gekauft und ich habe mich in der Gewürzabteilung verloren. Die Gewürze waren unter großen Glaubkuben. Einfach anheben und Nase in den Glaskubus und die Gewürze auf sich wirken lassen – das war für mich als Hobbykoch eine Reise der Sinne durch die Welt der Gewürze.

Besuch bei Harrods lohnt sich allemal
Fazit: Ich brauche keinen Elefanten bei Harrods kaufen, aber das nächste Mal nehme ich mir mehr Zeit und streife noch intensiver durch das Luxuskaufhaus. Auch wenn man nichts kaufen will oder kann, der Besuch lohnt sich allemal.

Whiskey und Whisky – zwei Neuerungen für meinem Gaumen

1. Mai 2018

Der Mai wird für mich als Liebhaber des Wasser des Lebens ein interessanter Monat. Es gibt einen neuen Whiskey und einen neuen Whisky. 

Zum einen erstmals eine Bob Dylan-Edition eines amerikanischen Whiskeys namens Heaven‘s Door. Nicht, dass Bob Dylan unter die Getränkeproduzenten gegangen ist, vielmehr hat er seinen Namen spendiert und wahrscheinlich dafür kräftig kassiert. Bob, was machst du eigentlich mit deiner Kohle? In der Werbung zu den Whiskeys gab es ein Dlyan-Zitat: „Wir wollten eine Kollektion von amerikanischen Whiskeys kreieren, die auf ihre eigene Art eine Story erzählen.“ Die New York Times hat die drei Getränke bereits probiert und ist voll des Lobes. Es gibt einen Tennessee Straight Bourbon Whiskey, einen Double Barrel Whiskey und einen Straight Rye Whiskey. Bestellungen hier.

Die Schmiedearbeiten um die Flaschen herum, stammt aus den Händen von Bob Dylan – irgendwas muss der Meister außer seinen Namen auch beisteuern. Nun, die Verzierungen sehen optisch ganz nett aus, aber Dylan sollte lieber bei der Musik blieben.

Ich bin skeptisch, ob mir das Ganze schmeckt, aber als Dylan-Fan muss ich mir je zwei Flaschen kaufen. Eine zum Genießen, eine zum Sammeln. US-Whiskey ist bisher nicht so mein Fall gewesen. Ich bin mir auch unsicher, was ich von der ganzen Aktion halten soll. Klar, als Dylan-Fan liebe ich den Musiker, aber Dylan hat sicherlich Whiskey-Erfahrung als Trinker und Konsument aber als Produzent? Ist dies nicht eher Geldschneiderei lieber Bob Dylan, um deine Fan-Base zu melken? Ich hatte kein Problem, als du unter die Maler gegangen bist, aber ich habe wohl ein Problem mit dem Getränkehändler Dylan. Aber ich lass mich als Fan überraschen und warte auf Ende Mai, wenn Heaven‘s Door an meine Tür klopft.

Glenmorangie Grand Vintage Malt 1989 

Zum anderen gibt es einen Whisky aus dem Hause Glenmorangie: Wer rund 600 Euro übrig hat, sollte diesen Whisky im Auge haben: Glenmorangie bringt den Grand Vintage Malt 1989 – der zweite Release der Bond House Kollektion No. 1. 

Komponiert aus erlesenen Fässern feinsten Single Malts ist Glenmorangie Grand Vintage Malt 1989 der zweite Release der exklusiven Bond House No. 1 Kollektion. Dieser reiche und komplexe Whisky vereint einige der letzten Batches, die im ehemaligen Brennhaus destilliert wurden, für wahre Fans ein Höhepunkt. Das alte Brennhaus war über ein Jahrhundert die Heimat der höchsten Brennblasen Schottlands. 27 Jahre reifte dieser Jahrgangs-Whisky teilweise in ehemaligen Côte-Rôtie Weinfässern.

Die Geschichte des Glenmorangie Grand Vintage 1989 beginnt im ehemaligen Brennhaus der Destillerie, so berichtet die Pressemitteilung: Zum Ende der 1980er Jahre stieg die Nachfrage nach dem prämierten Single Malt stark an, sodass dieses ehrwürdige Gebäude zu klein wurde. Im Jahr 1990 wurde deshalb das Warehouse No. 1, das ehemalige Zollfreilager aus dem 19. Jahrhundert, in das heutige Brennhaus umgebaut, um eine weitere Anzahl an Brennblasen zu beherbergen. Dieses Vermächtnis zelebriert Glenmorangie mit der Bond House No. 1 Kollektion, eine Reihe bedeutender Abfüllungen aus jener Zeit. Heutzutage zählt das Brennhaus von 1990, häufig auch als Glenmorangies „Hochland-Kathedrale“ benannt, zu den Schönsten in ganz Schottland. Doch die Ära des Vorgängers wird immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Destillerie haben. Mit der kraftvollen Komplexität des zweiten Releases der Bondhouse No. 1 Kollektion ist der Glenmorangie Grand Vintage Malt 1989 ein Zeitzeugnis und letztes Erbe des früheren Brennhauses. Bestellungen hier.

Und wie schmeckt der Whisky? Es gibt eine interessante Verkostungsnotiz, die ich gerne hier veröffentlich: 

Glenmorangie Grand Vintage Malt 1989 ist mit 43,0 Volumenprozent Alkohol abgefüllt.

Farbe: Rehbraun

An der Nase: Äußerst vielschichtig mit Aromen getoasteter Marshmallows, Mandeln und einer duftenden Kopfnote von Vanille mit Weichtoffee. Noten von Bratäpfeln springen hervor mit roten Früchten, schwarzen Johannisbeeren und tropischen Früchten, gefolgt von frisch gebackenem Brot, Bienenwachs und einem Hauch Holzrauch.

Am Gaumen: Siruphaft, einem pfefferigen Gaumengefühl folgen reichhaltige, komplexe Noten von Bratapfel, butterweichem Toffee mit sanften Zitrus-Noten. Mit etwas Wasser weitere tropische Früchte, intensivere Zitrus-Noten wie von einer trockenen Clementinen-Zeste.

Im Nachhall: Noten von Orangenblüten verbinden sich mit Honig, einem Hauch Eukalyptusöl, süßem Anis und Leder in einem langen, kräftigen Nachhall mit klassischen Aromen von Holz und Eichenspänen.

Nun, 600 Euro kostet der Spaß und ich muss zugeben: Ich bin neugierig, hab aber noch nicht bestellt. 

Kritik: Bob Dylan in der Frankenhalle Nürnberg 2018

23. April 2018

Ich weiß selbst nicht mehr, das wievielte Konzert von Bob Dylan ich nun gesehen habe. Es waren viele. Ich habe gute und schlechte gesehen, das Konzert in der Nürnberger Frankenhalle am 22. April 2018 war auf jeden Fall eines der guten, der sehr guten sogar. 

Der jährliche Bob Dylan  für mich - dieses Mal in der Nürnberger Frankenhalle.

Der jährliche Bob Dylan für mich – dieses Mal in der Nürnberger Frankenhalle.

Bob Dylan war befand sich mal wieder auf seiner Never Ending Tour, machte in Nürnberg Station und ich war mal wieder dabei. Gerade Nürnberg und zwei Tage nach dem Geburtstag von Hitler. Hatte ich erwartet, dass er Statements zu den Zuständen in Deutschland abgibt? Natürlich nicht, Dylan sagte wie immer kein Word. 1978 wurde ihm auf der Bühne auf dem Zeppelinfeld bewusst, an welchem historischem Platz er sich befand. Ich sah ihn 1987 schlecht gelaunt mit Tom Petty und Kollegen in der Frankenhalle und nun wieder in der Frankenhalle. Und es war ein wundervoller Abend mit dem Song and Danceman. 

Tolle Bühne, tolle Atmosphäre und Bob Dylan in weißen Cowboystiefeln.

Tolle Bühne, tolle Atmosphäre und Bob Dylan in weißen Cowboystiefeln.

Und ich traf sie wieder die Dylanologen, die jede Interpretation von His Bobness kritisch würdigen. Und ja, ich bin auch so einer – und ich bin genervt von dem fränkischen Ehepaar neben mir, die eine Best of-Show hören wollten und ein typisches Dylan-Konzert bekam. Sie verstanden die Welt nicht mehr, obwohl sich die Übelkrähe Dylan alle Mühe gab. Er sang sich in unsere Herzen. 

Fans auf dem Weg zur Frankenhalle, in der Bob Dylan gastiert.

Fans auf dem Weg zur Frankenhalle, in der Bob Dylan gastiert.

Bob Dylan öffnete sein American Songbook, wobei er unendliche viele Songs in dieses Songbook eingetragen hatte. Dylan spielte einige seiner Klassiker, aber grundsätzlich in einer neuen Interpretation. Ich genoss die großen Meilensteine, die von seiner exzellenten Band interpretiert wurden. Oh Mann, war diese Begleitmannschaft gut. Jeder hatte seinen Platz und achtete auf die Weisungen des Meisters. Und wehe wenn sie losgelassen wird – dann rockt die biedere Frankenhalle. Kommandos an die Band kamen über kurze Handzeichen, oftmals reichte ein Blick, ein Nicken aus und die Band wusste, was der Meister will. Dylan selbst war in Bewegung. Der fast 77järhige wechselte zwischen Klavier und Standmikrophon hin und her. Keine Gitarre, kein Gepruste mit der Mundharmonika. Und er sah so cool aus, wenn er das Mikrophon in seinen Arm wiegte, fast zärtlich und den anderen Arm in die Hüfte gestemmt. Bob Dylan, du bist einfach eine coole Sau und wenn du die Songs aus dem American Songbook anstimmst, dann liegt dir das Publikum in der Frankenhalle zu Füßen. Hier wird vom Dylan-Publikum nicht mitgesungen wie bei den Klassikern, sondern hier wird ehrfürchtig gelauscht. Nobody sings Dylan like Dylan hieß es früher einmal. Jetzt muss es heißen: Nobody sings Sinatra like Dylan. 

Die Bühne selbst war spartanisch. Vorhang und Schweinwerfer, die mal reduziert, mal aufgeblendet für gute Atmosphäre sorgen. Keine Lightshow, kein Columbia Recording Artists – nein Bob Dylan legt auf Reduktion Wert. Die Show wird immer minimaler. Die Musiker sind in schwarze Anzüge gekleidet, nur Dylan setzt einen seltsamen Farbtupfer mit seinen weißen (!) Cowboystiefeln. Aber alles war in sich rund, in sich perfekt – und so wurde aus dem Abend Bob Dylan and his Band in der Frankenhalle Nürnberg ein perfekter Abend. Bis zum nächsten Mal Mr. Dylan.

Musiktipp: Versatile von Van Morrison

9. Januar 2018

Er hat es wieder getan. Van the Man – Van Morrison hat im Jahr 2017 einfach mal so zwei Alben veröffentlicht. Zuerst kam am 22. September Roll with the Punches und nun folgte am 5. Dezember Versatile. Da frag ich mich: Musikalischer Ausverkauf oder kreative Schaffensphase?
Nun, ich habe beide Alben ausführlich gehört. Roll With the Punches hatte ich bereits besprochen und den Blues für gut befunden und nun kommt mit Versatile ein Album ganz anderer Art. Van Morrsion ist hier in den Jazz eingetaucht, ganz, ganz tief und verdammt, der Mann kann es einfach. Van Morrison hält Rückschau auf seine Geschichte des Jazz und steuert selbst sechs neue Songs bei. Er zelebriert, es lässt sich nicht anders ausdrücken – also er zelebriert die Klassiker von Nat King Cole („Makin‘ Whoopee“), von den Righteous Brothers („Unchained Melody“), von Frank Sinatra („A Foggy Day“) oder von Tony Bennett („I Left My Heart In San Francisco“). Wenn euch mal richtig Gänsehaut spüren wollt, dann hört euch die Unchained Melody an. Es ist wirklich ein Wahnsinn, was Van Morrsion aus diesem Song herausholt. Ich dachte, die Originalversion von den Righteous Brothers ist genial. Denkste, Van Morrison hängt die hohe Latte noch etwas höher.
Das Album startet laut mit Broken Record. Ich hab den Song laut, ganz laut aufgedreht und bin durch die Hütte geswingt (hoffentlich hat mich keiner gesehen, aber es tat wirklich gut). Der alte Mann weiß noch, wie es geht mit der Musik.
Beim Anhören von Versatile habe ich mich an Morrisons Kollegen Dylan erinnert gefühlt. Er hatte in seinen jüngsten offiziellen Veröffentlichungen das American Songbook durchgearbeitet und Van Morrison folgt seinem Freund Dylan und interpretiert Sinatra auf seine Weise. Vielseitig ist der Mann und seine Musik, daher auch der Albumtitel Versatile. Morrison ist ein Sturschädel und wer eine schöne Jazz-Stimme erwartet, der wird enttäuscht. Morrison passt sich keinem Geschmack an, sondern zieht wie immer sein Ding durch. Vielleicht ist nicht alles schön, was der großartige Eigenbrödler macht, aber es ist auf jeden Fall authentisch. Er macht, was ihm gefällt – und wenn ich ehrlich bin, das gefällt mir auch. Versatile ist kein Album zum Stillsitzen, sondern mir geht dieser Jazz in die Beine und ich will mich bewegen. Und das geht sogar auch ohne die prägende Stimme des Meisters. Das Lied „Skye Boat Song“, ist eigentlich ein schottisches Volkslied und dann kommt Van the Man daher und macht Swingjazz daraus – das ist Können.

Musiktipp: Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 von Bob Dylan

24. Dezember 2017

Was passt musikalisch besser zu Weihnachten als christliche Musik? Nun, seit November liegt die Sammlung Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 von Meister Bob Dylan vor und ich hatte nun zwei Monate Zeit, diese ungewöhnliche Phase Dylans zu lauschen.

Gleich vorweg: Mit den fundamentalistischen christlichen Inhalten der Aufnahmen von 1979 bis 1981 hab ich zeitweise meine Schwierigkeiten. Ich akzeptiere seine Hinwendung zum Christentm, bin ihm aber nicht gefolgt, getreu seinem Motto „Don’t follow Leaders“. Und dennoch sind wahnsinnig intensive Aufnahmen herausgekommen und es war richtig, diese uns endlich offiziell zur Verfügung zu stellen. Der Gospel-Dylan ist eine weitere Maske des Musikers und zeigte wohl Ende der siebziger Jahre zeitweise sein wahres Gesicht. Voller Inbrunnst sind seine Lieder, seine Interpretationen und seine Suche nach dem Heiland. Immer wieder rutscht er in den christlichen Fundamentalismus ab, das alte Testament ist allgegenwärtig, nach dem Motto „wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“. Aus dieser Haltung heraus, schreibt man nicht einfach ein lockeres Liebeslied. Seine Liedeslieder dieser Phase sind eine Verehrung an Gott, dem Heiland und die Erlösung, die er bringt. Von Lockerheit und Selbstironie ist in dieser Phase bei Dylan nichts zu spüren. Verehrung und Ehrfurcht dagegen um so mehr. Es tauchen immer wieder textliche und musikalische Perlen auf, die klar machen, welcher Meister hier schreibt und singt. „Every Grain of Sand“ sei nur genannt und allein bei diesem Song ist klar, weshalb dieser Mann einen Nobelpreis für Literatur bekam: „In the time of my confession, in the hour of my deepest need, When the pool of tears beneath my feet floods every newborn seed, There’s a dying voice within me reaching out somewhere, Toiling in the danger and the morals of despair.“
Die Sammlung von Aufnahmen grenzt die Zeit der offiziellen Dylan-Alben „Slow Train Coming“ (1979), „Saved“ (1980) und „Shot Of Love“ (1981) ein und bringt zahlreiche Demos. Aber vor allem die Live-Aufnahmen sind interessant. Ich habe mir gleich die DeLuxe-Version von Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 gekauft und ein Unboxing gedreht.

Das Deluxe-Box-Set mit 8 CD und einer DVD. enthält ein schön gemachtes Hardcover-Buch mit einer Einführung von Dylan-Forscher Ben Rollins sowie Liner-Notes von Amanda Petrusich, Rob Bowman und Penn Jillette. Für Dylanologen ist es interessant, bei einem Glas Wein das Buch zu lesen, um Dylans christliche Phase vielleicht besser verstehen zu können.
Ich habe nur einen Bootleg und das war das Toronto-Konzert, das auch nun offiziell erhältlich ist. Interessanter ist da schon da für mich der Mitschnitt von „Shot Of Love“ vom Konzert in Avignon 1981.
Etwas nervös, war ich als ich mir den Konzertfilm „Trouble No More: A Musical Film“ ansah, der als NTSC-DVD der Box beilegt. Die Musik ist grandios und Dylan habe selten zuvor so ernsthaft erlebt. Wer will, kann sich das Konzert mit Spoken-Word-Passagen des Schauspielers Michael Shannon („Take Shelter“) aus der Feder des Schriftstellers Luc Sante ansehen. Das hätte ich besser nicht gemacht. Das ist schrecklicher christlicher Fundamentalismus pur und tut nur weh. Beim zweiten Ansehen, habe ich dies ausgeblendet und nur die hervorragenden Konzertmitschnitte angehört. Das reicht dann auch mit Christentum und Erlösung durch Gott.

Buchtipp: Jimi Hendrix von Hannes Fricke

19. Dezember 2017
Jimi Hendrix - ein neues Buch über ihn und eine alte Platte von ihm.

Jimi Hendrix – ein neues Buch über ihn und eine alte Platte von ihm.

Mein Gott, Jimi Hendrix wäre vor kurzem 75 Jahre alt geworden und anlässlich seines Geburtstages höre ich verstärkt wieder Songs dieses Ausnahmegitarristen und lese eine neue Biografie von Hannes Fricke.
Es gibt viele großartige Gitarristen, aber es gibt nur einen Jimi Hendrix, der viel zu früh verstorben ist. Ich verehre Clapton, Vaughan, Blackmore, Page und viele mehr, aber ich liebe Jimi Hendrix. Er hat gezeigt, was möglich ist. Schade, dass er dem Club 27 angehört, sonst wäre noch so viel interessantes auf uns zugekommen.
Meine erste Begegnung mit Jimi Hendrix war eine Picture Disc, die ich in einem Einkaufszentrum in Fürstenfeldbruck erstand. Dort gab es eine Wühlkiste mit Vinylplatten und ich hatte mir bereits eine Elvis-Scheibe auf Seite gelegt. Ich mochte den King und blätterte weiter die bedruckten Vinylscheiben durch. Dann sah ich das Album Second Time Around mit einem wilden Hendrix-Bild auf die Platte gepresst. Ich kannte von der Plattensammlung meiner Eltern die Hendrix-Aufnahme Hey Joe und dachte, diese Musik sei ähnlich. Zu Hause angekommen, war ich zunächst enttäuscht. Es war einer von vielen vielen Hendrix-Bootlegs mit fünf Songs und stammt aus der Zeit mit Curtis Knight. Die Aufnahmequalität war eher bescheiden. Sie blieb erst einmal im Plattenschrank als Fehlkauf. Erst später hörte ich sie, nahm sie auf eine Audio-Cassette C60 für den Walkman auf (um das Bild zu schonen). Die Platte war genau 29:26 Minuten lang und passte wunderbar auf eine Cassettenseite. Jahre später überspielte sie mir mein Kumpel Franz Neumeier auf CD, der konnte so etwas damals.
Inzwischen war ich zu einem Hendrix-Fan geworden. Zahlreiche Aufnahmen besaß ich, doch was war mir die liebste? Ich habe drei Alben, die ich sehr gerne höre: Der Klassiker: Are you experienced? Und die beiden Live-Alben Monterey und Band of Gypsys (in allen Ausgaben). Electric Ladyland faszinierte mich aufgrund des Covers als Teenager, Insider wissen, was Sache ist. Und die besten Lieder? Nun, der erste Hendrix-Song für meine Ohren war Hey Joe, er gefällt mir bis heute. Und natürlich das absolute Überding: All along the Watchtower. Das Original stammt von Bob Dylan, doch die Version von Hendrix hatte alles auf den Kopf gestellt und keinen Stein mehr auf den anderen gelassen.
Und hier kommt die neue Biografie Jimi Hendrix von Hannes Fricke genau richtig. Das Buch ist zum 75. Geburtstag von Jimi Hendrix bei Reclam erschienen und der Verlag stellte mir ein Exemplar dankenswerterweise zur Verfügung. Es ist eine weitere Biografie mit Zahlen, Daten und Fakten, die ich im Grunde schon alle kenne. Für mich liegt der absolute Mehrwert des 100seitigen Buches auf den Ausführungen zu meinem Lieblingssong All along the Watchtower. Hannes Fricke analysiert Stück für Stück das Lied und weißt ausführlich auf die Komplexität und die Detailverliebtheit von Hendrix hin. Da ich selbst kein Musiker bin, wird mir der Aufbau des Songs und die Spielweise von Hendrix genau erklärt. Als Dylan- und Hendrix-Fan habe ich es verschlungen und empfehle daher dieses Buch.
Und als ELP-Fan habe ich das Buch mit neuen Infos erwartet. Leider war nichts neues zu lesen. Ich würde so gerne mehr wissen über eine die mögliche Supergroup HELP – Hendrix, Emerson, Lake und Palmer. Ich werde wohl ewig darauf warten müssen. Aber jetzt den Kopfhörer auf und volle Pulle All along the Watchtower hören.

Persönlicher Nachruf auf Tom Petty

3. Oktober 2017
Meine einzige Picture Disc von Tom Petty.

Meine einzige Picture Disc von Tom Petty.

Das erste Mal, dass ich auf Tom Petty stieß war genau am 30. September 1987. Ich besuchte ein Bob Dylan Konzert im Rahmen seiner Temples in Flame-Tour in München und seine Begleitband war ein gewisser Tom Petty and the Heartbreakers. Trotz meiner Begeisterung für Dylan empfand ich diesen Typen mit seinem breiten Südstaatenaktzent für den besseren Stimmungsmacher. Dylan und Petty spielten abwechselnd und zusammen. Ich wurde zum Fan von Tom Petty und meine erste Schallplatte von ihm war Let Me Up (I’ve Had Enough).
Ich mochte seine Alben, besonders die frühen Alben wie
Southern Accents, Long After Dark, Pack Up The Plantation und vor allem Damn the Torpedos. Sein American Girl summte ich bei meinem ersten USA-Besuch. Tom Petty war für mich der geborene Rock‘n Roller in der Tradition der sechziger Jahre Bands. Und jetzt hörte ich, dass Charlie T. Jnr. und der spätere Muddy Wilbury verstarb. Beide Namen waren sein Pseudonym in den legendären Traveling Wilburys. Die Supergroup bestand aus George Harrison, Jeff Lynne, Roy Orbison, Tom Petty und Bob Dylan. Heute leben nur noch Lynne und Dylan von dieser Band. Die beiden Alben der imaginären Wilbury-Brüder sind absolute Klassiker und laufen bei mir immer wieder.
Die späteren Alben von Tom Petty waren finanziell erfolgreicher, aber mir persönlich von Jeff Lynne überproduziert: Full Moon Fever und Into the Great Wide Open. Ich kaufte noch ein paar Solo-Alben von Tom Petty, aber langsam verlor sich mein Interesse an dem Musiker. Mein musikalischer Geschmack hatte sich verändert, aber die alten Scheiben legte ich dann und wann noch auf.
Dann horchte ich wieder auf. Tom Petty kam schlagartig in mein musikalisches Bewusstsein zurück als er zusammen mit Teilen der Heartbreakers Aufnahmen mit Johnny Cash machten. Cash hat für mich einen ähnlichen Stellenwert wie Bob Dylan und die American Recordings-Aufnahmen gehören für mich zum musikalischen Erbe von America. Nach dem Tod von Cash wurde die fantastische Sammlung Unearthed auf den Markt gebracht, bei den Tom Petty und seine Kumpels mitgemischt haben. Cash singt sogar einige der Petty Songs.
Und was bleibt nach dem Tod von Tom Petty? Zum einen die Erkenntnis, dass 66 Jahre kein Alter ist, zum anderen, dass die Welt um einen grandiosen Musiker ärmer geworden ist.

Hier eine Auswahl meiner Tom Petty-Singles:

Musiktipp: Triplicate von Bob Dylan

31. März 2017
Das erste Dreifach-Album von Bob Dylan mit Namen Triplicate.

Das erste Dreifach-Album von Bob Dylan mit Namen Triplicate.

Um genau 1:07 Uhr erreichte mich die Mail von Amazon, dass das neue Bob Dylan Album Triplicate zum Download bereit steht. Was heißt da neues Album? Es handelt sich um ein Dreifach-Album von His Bobness mit 30 Aufnahmen klassischer amerikanischer Songs. Hier führt Bob Dylan die Serie fort, die er mit seinen beiden Vorgängeralben „Shadows in the Night“ (2015) und „Fallen Angels“ (2016) begonnen hat.
Der heute 77jährige Bob Dylan macht alles richtig. Erst bekommt er den Literaturnobelpreis zugesprochen und ist in den Medien. Dann schickt er seine alte Freundin, die wunderbare Patti Smith, um seinen Dank auszusprechen und ist in den Medien. Dann gibt er bekannt, dass er am 1. oder 2. April im Rahmen seiner Never Ending Tour in Schweden ist, den Preis in Empfang nehmen wird und er ist in den Medien. Und er wird im Juni seine vorgeschriebene Dankesvorlesung halten und er wird in den Medien sein. Und heute veröffentlicht er auf wundersame Weise sein Album Triplicate und ist wieder in den Medien. Bob Dylan weiß, wie PR in eigener Sache geht. Chapeau.
Zurück zum neuen Album Triplicate. Wenn ich nachdenke: So richtig viele Dreifach-Alben besitze ich gar nicht: Spontan fallen mir die Yessongs von Yes und Welcome back my friends … von ELP ein – beides Meisterwerke. Von Dylan besitze ich noch ein altes Dreifach-Album auf Vinyl – Masterpieces, eines der vielen Best-of Alben mit einem Foto aus Rolling Thunder-Zeiten auf dem Cover. Das ist aber ein Album, dass seine Plattenfirma veröffentlichte. Jetzt legt der Meister sein erstes richtiges Dreifach-Album vor, zehn Songs pro Album – insgesamt 90 Minuten. Und was für Klassiker sind zu finden! Dylan hat im Moment die Maske der großen amerikanischen Musiker auf. Er öffnet das große amerikanische Songbook und singt Standards. Ja, die alte Übelkrähe Bob Dylan mit einer Stimme aus käme sie über die Mauern eines Tuberkulose-Zentrums, wie es das Time Magazin einst schrieb, singt ewige Standards. Er krächzt nicht, er dehnt keine Wörter, er nuschelt nicht einmal – er singt für seine Verhältnisse lumpenrein und verbeugt sich vor der großen amerikanischen Kultur. September of My Years, As Time Goes By, Day In, Day Out, Stardust – diese Liga von Klassiker.
Und was machen die Medien? Großes Geheule – der Meister habe seine Kreativität verloren. Blabla, erinnert euch doch an die vergangenen Zeiten: Come writers and critics
Who prophesize with your pen
And keep your eyes wide
The chance won’t come again
And don’t speak too soon
Natürlich werden die alten Fans mal wieder herumjammern. Die alten Folkies, die alten Rocker, die alten Cowboy-Hüte-Träger, die Religionsjünger usw. – seit drei Veröffentlichungen liefert Bob Dylan nur seine Art von Easy Listening-Songs ab. Seine Interpretationen von den goldenen Zeiten als Frank Sinatra noch die Massen an Backfischen begeisterte. Und ja, ich mag Frank Sinatra sehr und damit mag ich auch das neue Dylan Album Triplicate sehr.
Und für mich kam es genau zur richtigen Zeit als Download. Nachts, ich kam von einer Geschäftsreise – ich reduzierte die Beleuchtung im Wohnzimmer, verkostete ein Glas wunderbaren Ardbeg Whisky und lauschte den neuen, alten Songs. Bob Dylan, das hast du wieder gut gemacht. Und beim nächsten Mal bitte wieder mehr Rock’n Roll.

New York, wir kommen – Meine Reiseimpressionen Teil 1

5. Januar 2017

Es lag an meiner großen Klappe. Ich hatte sie im September 2016 weit aufgerissen, als ich mit K2 über die US-Präsidentschaftswahl sprach. Großspurig hatte ich K2 versprochen, dass wir Weihnachten oder Silvester nach New York reisen würden, wenn Donald Trump gewinnt. Damals lag Hillary Clinton weit vorne – uneinholbar, wie ich dachte. Aber ich hatte mich verschätzt. Der Donald hatte gewonnen und K2 hatte nichts besseres zu tun, als mir mein Versprechen aufs Brot zu schmieren. „Papa, wir fahren nach New York“, lautete die Botschaft.
Nun ja, um etwas Medienkompetenz einzuüben, suchte K2 Flüge und Hotel aus, wir überzeugten meine Frau und K1, und damit war klar: Wir verbringen Silvester im Big Apple. New York, wir kommen!

Klar zum Abflug am Flughafen München.

Klar zum Abflug am Flughafen München.

Als Fluggesellschaft wählten wir aus Preisgründen United. Als Social Media-Fuzzi natürlich nicht ohne Hintergrund, denn wir wissen ja alle „United breaks guitars“. Bitte entsprechenden Blogpost in meinem Blog verfolgen, um den Hintergrund zu verstehen.


Nun galt es im Groschengrab New York zu dieser Zeit ein bezahlbares Hotel zu finden. K2 wählte das Hotel Marrakesch, 2688 Brodway 103rd Street aus. Also kurz vor Harlem – ich beruhigte mich, dass Harlem nicht mehr das gewalttätige Harlem der Siebziger und Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sei. Außerdem waren wir in einem harmlosen Teil der Stadt. Harlem beginnt bei der 125 Straße. Bei der Buchung hatte ich allerdings übersehen, dass wir ein Zimmer mit nur einem Doppelbett haben – und das für vier Personen. Mir fiel dieser Fehler bei Booking.com erst ein paar Tage vor Abflug auf. Ein weiteres Zimmer zu Silvester in New York in dem Hotel zu bekommen, war illusorisch und auch zu kostspielig. Also mussten wir wohl improvisieren.
Beim Packen gilt: Wenig Gepäck und drei Koffer. New York hat so viel, die verkaufen uns gerne etwas. Die Damen der Familie suchen Klamotten, ich Schuhe und K1 wollte eigentlich erst gar nicht mit. Nur der Direktflug München – New York überzeugte K1.
8,5 Stunden reine Flugzeit lagen also vor uns. Tags zuvor spielte ich frische Filme auf die iPads, lud Bücher auf die Kindles, frischte die Powerbanks auf. Als musikalische Begleitung auf meinen iPhone wählte ich die großen Songs über New York.
Der Flieger war eine 22 Jahre alte Boing. Wir saßen verstreut in der Maschine, weil die Online-Sitzplatzbuchung über die Website OneTrip nicht geklappt hat. Aber mit ein wenig freundlichen Worten gelang ein Sitzplatztausch, so dass K1/2 und meine Frau und ich zusammensitzen konnten.

Tolles Entertainment-System an Bord, aber nicht, wenn man ein Lightning-Kabel hat.

Tolles Entertainment-System an Bord, aber nicht, wenn man ein Lightning-Kabel hat.

Erste Begeisterung kam auf, als ich das Entertainment-System an Bord betrachtete. Zahlreiche Filme wie Finding Dory, Snowden, Ghostbusters und mehr, die ich noch nicht gesehen hatte. Aber es scheiterte am Kopfhörer. Als iPhone 7plus-Besitzer hatte ich keinen Klinke-Kopfhörer mehr dabei. Das Lightning-Kabel passte nicht und die Bluetooth-Kopfhörer von Bose gingen natürlich auch nicht. K1/2 wollten mir ihre Kopfhörer nicht leihen, weil sie selbst schauen wollten. Zudem hatte K1 sich vorgenommen die beiden Pokémon-Spiele Sonne und Mond während des Flugs durchzuspielen. Das Nintendo 3DS wurde während des Fluges von einer USB-Steckdose am Entertainment-Center geladen. Naja und ich hatte vergessen, die freundlichen Stewardessen von United zu fragen – beim Rückflug habe ich es dann gemacht und einen kostenlosen Kopfhörer bekommen. Hätte ich nur beim Hinflug den Mund aufgemacht, wie sonst auch immer.

WLAN über den Wolken - eine Welt haben wir.

WLAN über den Wolken – eine Welt haben wir.

So hörte ich Musik: George Gershwin, Lou Reed, Bob Dylan, Velvet Underground, The Ramones, Frank Sinatra und freilich Leonard Cohens Chelsea Hotel – New Yorks Songs halt.


Als Filmunterhaltung wollte ich mir als erstes eine Arte-Dokumentation über den Abschuss des Lockerbie-Fluges ansehen, erntete aber stutzig Blicke meiner Nachbarn. Als setzte ich auf die vierte Staffel von House of Cards. Wir fliegen zwar nicht nach Washington, aber Wallstreet und die Klassiker Nie wieder New York und Frühstück bei Tiffany hatte ich schon im Vorfeld der Reise gesehen.

Über den Wolken glotzen alle Filme.

Über den Wolken glotzen alle Filme.

Ohne Verspätung gelandet und ab zur Homeland Security. Ich hatte schon lange Wartezeiten in der Vergangenheit, aber dieses Mal ging zügig voran. Eine kurze Runde noch beim Landwirtschaftsministerium, weil der Grenzer uns ein F wie Fruits auf das Einreisedokument gemalt hatte und schon waren wir im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Eigentlich darf man dieses Bild nicht machen. Ich hab es aber trotzdem gemacht.

Eigentlich darf man dieses Bild nicht machen. Ich hab es aber trotzdem gemacht.

Gelandet waren wir in Newark Liberty International Airport im US-Bundesstaat New Jersey. Das war auch für mich Premiere. Um in die Stadt zu unserem Hotel zu gelangen, wählte wir ein gelbes Taxi. Die Reise mit dem Zug nahmen wir dann beim Rückflug auf uns. Jetzt hieß es nur: Ankommen im Hotel und ab nach New York.

Der gelbe Taxi-Berechtigungsschein.

Der gelbe Taxi-Berechtigungsschein.

Am Flughafen wurden Taxibestellungen auf einen gelben EWR-Wisch ausgegeben – ohne diesen Wisch kein Taxi. Ab in die Reihe, denn Amerikaner lieben die Schlange stehen und sind darin noch besser als die Briten. Taxis kamen und fuhren, aber leider kein Minivan, wie uns die beschäftigte Dame mit Trillerpfeife am Taxistand erklärte. Daher wählte sie ein ganz normales Cab aus, sehr zum Missfallen des Taxifahrers. Bei vier Personen sollte ich mich auf den Beifahrersitz setzen, was in New York absolut unüblich ist. Passagiere kommen hinten rein, denn auf dem Beifahrersitz hat der Taxifahrer seine persönlichen Gegenstände samt Pausenbrot. Mit Bleifuß ging es dann ab zum Hotel – inzwischen war es schon dunkel geworden und New York breitete sein Lichtermeer vor uns aus. Beeindruckend dieses Stadt, beeindruckend aber auch der Verkehr. Bisher war ich es gewohnt, dass ist die Mautgebühren an den Tunnels direkt zu bezahlen hatte. Unser Taxi war mit einem E-ZPass ausgestattet, eine Art elektronische Mautkarte. E-ZPass ist ein elektronisches Maut-System auf Basis von RFID-Chips, das in weiten Teilen der nord-östlichen Vereinigten Staaten von Amerika etabliert ist. Es klappte einwandfrei und so hatten wir freie Fahrt für freie Bürger. New York, wir sind da.

Taxifahren mit E-ZPass - eine Form von Mautkarte.

Taxifahren mit E-ZPass – eine Form von Mautkarte.