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Persönliche Gedanken zum 80. Geburtstag von Bob Dylan

24. Mai 2021

His Bobness, der Meister feiert heute seinen 80. Geburtstag. Alles Gute Bob Dylan. Genieße deinen Ehrentag trotz Corona und bleib gesund. May you Star forever Young!

Was wurde nicht alles über ihn geschrieben, analysiert, zerlegt, diskutiert, philosophiert, verflucht, verdammt und Hosianna gerufen. Kein anderer Musiker wurde so sehr zerpflückt und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, dabei ist er doch nur ein einfacher „Song and Dance-Man“, wie auf der berühmten SF-Pressekonferenz verlauten ließ. Eine Aufnahme davon als Picture Disc hängt in meiner Küche.

Hey Zimmy, alles Gute zum Geburtstag dem Song and Dance-Man.

Und was soll ich noch schreiben, was ich noch nicht geschrieben habe? Seine Musik ist tadellos und je nach Gemütslage höre ich meinen Dylan. Im Moment sind es die Bootleg-Aufnahmen von 16. und 17. November 1993 im New Yorker Supper Club. Im Grunde waren es die besseren MTV Unplugged-Aufnahmen: Starke Shows vor kleinem Publikum – Dylan perfekt bei Stimme.

Da wir noch immer auf die offizielle Veröffentlichung der Supper Club-Aufnahmen warten müssen, kam mir meine Idee für diesen Geburtstagspost. Es wäre schön, wenn wir Dylan nicht etwas schenken würden, sondern wenn er uns endlich diese Aufnahmen offiziell freigeben würde.
Das erste Mal hörte ich von den vier Konzerten im kleinen Raum (zwei Shows an je zwei Tagen) im Jahre 1995. Damals lange vor dem Internet war es schwer an Infos über den Star heranzukommen. Ich sammelte Schnipsel aus Zeitungen und Zeitschriften und hortete sie in dicken Ordnern. Informationen bekam man auf diese Weise erst im zeitlichen Verzug mit. Die Gatekeeper der Massenmedien hatten ihren Daumen darauf und die Nachrichtenhürde bei Dylan war zu dieser Zeit relativ hoch.

So hörte ich von den Supper Club-Aufnahmen erst relativ spät. Und das kam so: Das Computergeschäft meines Vertrauens war zu dieser Zeit 1995 der Gravis in München. Das war mein Mac-Dealer. Und ich kaufe eine CD-ROM mit dem Beatles Film A Hard Days Night als QuickTime Movie. Ich war ja stolzer Besitzer eines CD-ROM-Laufwerks und das wollte Multimedia-Futter. Und dann zog der Verkäufer unter der Ladentheke eine CD-ROM meines Helden hervor: Bob Dylan.. Highway 61 Interactive

Wow, auf dem Cover ein Bild des elektrischen Dylan u’nd der Meister ging 1995 neue Wege. CD-ROM, Multimedia – das war ja cool. Weniger cool war, dass die ganze Sache mir rund 130 Mark gekostet hatte, also rund 75 Euro. Was soll es, ich griff zu. Das Cover und der Begleittext versprachen viel:

„Erkunden Sie das legendäre Greenwich Village und entdecken Sie die Menschen, Orte und Ereignisse, die Bob Dylans Musik beeinflusst haben.
Schleichen Sie sich hinter die Kulissen von Bob Dylans 30-jährigem Jubiläumskonzert und treffen Sie sich mit den vielen Prominenten, die gekommen sind, um seine Musik zu feiern. Tausende von Fans und eine unvergleichliche Reihe von Stars kommen zusammen, um Bob Dylans mehr als 30 Jahre Musik zu feiern, und Sie haben Plätze in der ersten Reihe und einen Backstage-Pass! Blättern Sie durch ein interaktives Sammelalbum mit seltenen Fotos, Bildern und Erinnerungsstücken, die Bob Dylans Jugend und künstlerische Karriere nachzeichnen. Erleben Sie die Revolution, die in den Kaffeehäusern von Greenwich Village stattfand, mit alten Bob Dylan-Songs, Beat-Poesie und weiteren Video- und Audio-Leckerbissen. Entdecken Sie Ihre speziellen Freikarten für Bob Dylans berühmten Auftritt im Supper Cub von 1993. Schlendern Sie hinein, finden Sie Ihren reservierten Tisch und genießen Sie zwei exklusive Video-Performances. Seien Sie bei der Aufnahmesession von „Like a Rolling Stone“ dabei, vom ersten Take bis zum endgültigen Schnitt in einer virtuellen Nachbildung des Columbia-Aufnahmestudios von 1965.
Und so leckte ich Blut vom Supper Club-Konzert. Auf der Multimedia-CD-ROM waren die Songs One Too Many Mornings und Queen Jane Approximately. Und es war nicht nur Musik zu hören, sondern Dylan im Film mit der damaligen Begleitband Bucky Baxter (pedal steel guitar & electric slide guitar), John Jackson (guitar, banjo), Tony Garnier (bass) und Winston Watson (drums & percussion). Letzter amüsierte mich aufgrund seiner wippenden Frisur.

Die Aufnahmen gefielen mir und ich machte mich auf die Suche nach dem gesamten Konzert. Auf einer Schallplattenbörse wurde ich fündig. Die kompletten vier Auftritte auf einer Doppel-CD – für teuer Geld. YouTube mit der Gesamtfassung für umsonst war noch Tech-Fantasie.

Leider läuft die CD-ROM auf den heutigen System nicht mehr. Ich muss irgendwann einen musealen Rechner aus dem Archiv holen und die Multimedia-Eindrücke der 90er Jahre genießen. „Zu den Highlights gehören: Sieben vollständig navigierbare Umgebungen; eine interaktive Zeitleiste von Bob Dylans Karriere; eine vollständige Datenbank aller Bob Dylan-Alben, Songs, Texte und Liner Notes; eine bisher unveröffentlichte ‚elektronische‘ Version von ‚House of the Rising Sun‘; und Promi-Interviews mit den Stars des Konzerts zum 30-jährigen Jubiläum von Bob Dylan.“

Ich sage Danke Bob Dylan für deine Musik und deine Inspiration. Lass dich feiern und wir sehen uns bald wieder auf deine Never Ending Tour. Ich bin bereit Zimmy.

Musiktipp: 1970 von Bob Dylan

27. Februar 2021

Natürlich war gestern Feiertag – das neueste Album meines Helden Bob Dylan ist erschienen. Es heißt 1970 und befasst sich auf drei CDs mit Outtakes aus eben diesen Jahr 1970. Und nun auch offiziell veröffentlicht sind die kompletten Aufnahmen mit Ex-Beatles George Harrison aus dieser Zeit.

1970 war eine kreative Zeit des Meisters – so auch der Titel des neuen Bin Dylan Albums.

Der eifrige Bootleg-Sammler hatte schon einige der Songs, aber nicht in einer überarbeiteten Tonqualität. Besonders die Harrison-Aufnahmen sind in 1970 klarer, leben aber in erster Linie vom historischen Bezug. Leider kamen die beiden damals nicht über die Aufnahme dieser paar Songs hinaus. Wir haben das später stattfindende geniale Concert for Banglesh im Ohr. Erst Jahrzehnte später vertieften sie ihre Kooperation bei den Travelling Wilburys und zeigten, welche Kreativität in den Musikanten stecke. 1970 war es eine nette Zusammenkunft und ein bisschen Gespiele. Alte Klassiker „I Met Him On A Sunday (Ronde-Ronde)“ von den Shirelles, „All I Have To Do Is Dream“ von den Everly Brothers oder „Matchbox“ von Carl Perkins wurden aufgenommen und natürlich „Yesterday“.

Das Album erschien als hochtrabend als 50th Anniversary Collection, was wunderbar klingt, aber im Grunde nur ein Rechteschutz darstellt. Nach 50 Jahres läuft der Copyrightschutz in der EU aus und bevor die Aufnahmen für den bald 80jährigen Dylan an finanziellen Wert verlieren, wird mit uns Fans nochmals Kasse gemacht. Und wir legen gerne unsere Euros für altes Material hin und freuen uns auf mehr alten Content in den nächsten Jahren.

Eigentlich kamen die 1970 Aufnahmen schon im Dezember 2020 in homöopathischen Kleinstauflagen auf den Markt und werden in entsprechenden Foren extrem teuer gehandelt. Der Bedarf bei uns Fans nach diesem Futter war so enorm, dass Sony jetzt beschloss 1970 in großer Auflage zu veröffentlichen.

Nun, es ist klar, dass 1970 nur etwas für Hardcore-Fans von His Bobness ist. Es sind Alterntivversionen von bekannten Aufnahmen – aber zum Teil sind es starke Versionen und Futter für Dylanfreaks. Ich habe mich beispielsweise in die seltsame Version von Lily of the West verliebt, die auf dem geschmähten Album Dylan erschienen ist. Zudem hören wir viermal „Sign On The Window“, fünfmal „Went To See The Gipsy“ und „If Not For You“ gleich achtmal. Diese kreative Zeit des Meisters wurde bereits in den Alben „Self Portrait“, „New Morning“, „Dylan“ sowie die Bootleg Series-Ausgaben „Another Self Portrait“ und „Travellin‘ Thru’“ dokumentiert und 1970 legt noch eines auf die Schippe – bitte mehr.

Hier die genaue Trackliste mit Aufnahmedatum:

Tackliste: (CD 1)

  1. März 1970
  2. I Can’t Help but Wonder Where I’m Bound
  3. Universal Soldier – Take 1
  4. Spanish Is the Loving Tongue – Take 1
  5. Went to See the Gypsy – Take 2
  6. Went to See the Gypsy – Take 3
  7. Woogie Boogie
  8. März 1970
  9. Went to See the Gypsy – Take 4
  10. Thirsty Boots – Take 1
  11. März 1970
  12. Little Moses – Take 1
  13. Alberta – Take 2
  14. Come All You Fair and Tender Ladies – Take 1
  15. Things About Comin’ My Way – Takes 2 & 3
  16. Went to See the Gypsy – Take 6
  17. Untitled 1970 Instrumental #1
  18. Come a Little Bit Closer – Take 2
  19. Alberta – Take 5
  20. Mai 1970 (Session mit George Harrison)
  21. Sign on the Window – Take 2
  22. Sign on the Window – Takes 3-5
  23. If Not for You – Take 1
  24. Time Passes Slowly – Rehearsal
  25. If Not for You – Take 2
  26. If Not for You – Take 3
  27. Song to Woody – Take 1
  28. Mama, You Been on My Mind – Take 1
  29. Yesterday – Take 1

Trackliste: (CD 2)

  1. Just Like Tom Thumb’s Blues – Take 1
  2. Medley: I Met Him on a Sunday (Ronde-Ronde)/Da Doo Ron Ron – Take 1
  3. One Too Many Mornings – Take 1
  4. Ghost Riders in the Sky – Take 1
  5. Cupid – Take 1
  6. All I Have to Do Is Dream – Take 1
  7. Gates of Eden – Take 1
  8. I Threw It All Away – Take 1
  9. I Don’t Believe You (She Acts Like We Never Have Met) – Take 1
  10. Matchbox – Take 1
  11. Your True Love – Take 1
  12. Telephone Wire – Take 1
  13. Fishing Blues – Take 1
  14. Honey, Just Allow Me One More Chance – Take 1
  15. Rainy Day Women #12 & 35 – Take 1
  16. It Ain’t Me Babe
  17. If Not for You
  18. Sign on the Window – Take 1
  19. Sign on the Window – Take 2
  20. Sign on the Window – Take 3
  21. Juni 1970
  22. Alligator Man
  23. Alligator Man [rock version]
  24. Alligator Man [country version]
  25. Sarah Jane 1
  26. Sign on the Window
  27. Sarah Jane 2

Trackliste: (CD 3)

  1. Juni 1970
  2. If Not for You – Take 1
  3. If Not for You – Take 2
  4. Juni 1970
  5. Jamaica Farewell
  6. Can’t Help Falling in Love
  7. Long Black Veil
  8. One More Weekend
  9. Juni 1970
  10. Bring Me Little Water, Sylvie – Take 1
  11. Three Angels
  12. Tomorrow Is a Long Time – Take 1
  13. Tomorrow Is a Long Time – Take 2
  14. New Morning
  15. Untitled 1970 Instrumental #2
  16. Juni 1970
  17. Went to See the Gypsy
  18. Sign on the Window – stereo mix
  19. Winterlude
  20. I Forgot to Remember to Forget 1
  21. I Forgot to Remember to Forget 2
  22. Lily of the West – Take 2
  23. Father of Night – rehearsal
  24. Lily of the West
  25. August 1970
  26. If Not for You – Take 1
  27. If Not for You – Take 2
  28. Day of the Locusts – Take 2

Filmtipp: The Band – the last Waltz als Mediabook

22. Oktober 2020

Immer wieder stelle ich mir als Musikfan die Frage: Bei welchem Konzert hättest du dabei sein wollen? Es fallen einen spontan viele große Rockkonzerte ein: Elvis TV Special von 1968, Cream in der Royal Albert Hall vom 26. November 1968, California Jam am 6. April 1974 mit Deep Purple und ELP oder ganz gerne Bob Dylan in Newport am 25. Juli 1965, als der Meister die elektrische Gitarre anschloss. Aber bei einem Konzert wäre ich wirklich gerne dabei gewesen: The Last Waltz.

Das war das Abschiedskonzert von The Band. Das fünfstündige Konzert fand am 25. November 1976 (Thanksgiving) im Winterland in San Francisco statt und die Musikgrößen der damaligen Zeit verbeugten sich vor der kanadischen Band, die soviel zur US-amerikanische Musikgeschichte beigetragen hat.
Jetzt erschien The last Waltz als limitierte Mediabook-Version mit Bluray, DVD und 28-seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach, den ich vor allem aus dem Horror-Genre kenne. Das Mediabook hat einen netten Goldeffekt, der an die CD-Auflage zum 40. Jubiläum des Konzerts erinnert. Die Bluray kommt in FullHD1080 daher und der Ton liegt als DTS-HD Master 5.1 vor – passend für ein Konzert von 1978. Danke an den Verleih, der mir das Mediabook The Last Waltz zur Verfügung stellte.

Das Konzert ist für mich ein Musst-have. Die erste Garde spielte auf, allen voran mein Meister Bob Dylan, der The Band 1974 als Begleitband buchte und hier mit dem Besuch der alten Dame Respekt zollt. Aus der Geschichte wissen wir, dass in der Postproduktion viel geschraubt wurde. Robbie Robertsons Soli verblassen gegen den großen Eric Clapton und Neil Young hat bei Helpless immer noch Kokain an der Nase hängen. Die Mitglieder von The Band empfanden die Show als Ego-Show für Robbie Robertson und sahen wenig Kohle. Was soll es: Für mich war es ein großartiges Konzert.

Ich war von dem Konzert so begeistert, dass ich mir als Jugendlicher das 3-fach LP-Album einfach holen musste. Das Cover war edel und ich liebte es. Gerne hätte ich damals ein Booklet gehabt, aber die LPs waren nur in sandfarbigen Hüllen. Späte erwarb ich dann die CDs, wobei ich am liebsten die Schuberbox mit Booklet hatte, weil sie das meiste Material enthielt. Das Ding The Last Waltz gibt es auch ohne Schuber aus dem Jahre 2013.

The Band war einfach eine wichtige Band und so entschloss ich mich einen Original Abzug samt Autogramm vom Fotografen Elliott Landy zu erwerben, der gerahmt im Gang zu meinen Arbeitszimmer hängt. Es zeigt die Mitglieder der Band zu Woodstock-Zeiten als man an Big Pig gearbeitet hat. Irgendwie sehen die Typen aus, als ob sie aus einem anderen Jahrhundert stammen.

Über die jüngst veröffentlichte Bluray freue ich mich sehr, obwohl es eigentlich kein neuer Content ist, dafür aber schärfer. Ich sah den Film von Martin Scorsese im Kino und war fasziniert. Kein hektisches Herumschneiden, sondern die Kamera von Michael Chapman hielt einfach drauf und fing die Aura der Musikanten ein. Ich musste mir einfach die Lobbycards gönnen, die auch mal bei mir gerahmt in meinem Jugendzimmer hingen. Das Kinoplakat liegt noch irgendwo in meinem Archiv.

Die VHS-Kassette besaß ich nicht, wohl aber die deutlich schärfere Laserdisk-Version. Später kam noch die DVD The Last Waltz mit schrägen Cover aber achtseitigem Booklet von Robbie Robertson hinzu – und eine Postkarte lag auch bei. Aber jetzt genieße ich erst einmal das Mediabook The Last Waltz.

Musiktipp: Rough and Rowdy Ways von Bob Dylan

20. Juni 2020

Acht lange Jahre mussten wir warten, bis Meister Bob Dylan neues, eigenes Material seit seinem 2012 erschienen Werk Tempest vorlegte. Nun ist sein 39. Studioalbum Rough and Rowdy Ways erschienen und ich bin wie vom Donner gerührt. Das Album wurde nachts sofort bei Apple Music geladen, am Tag kann dann die CD von Amazon. Mitte Juli folgt dann die Vinyl-Ausgabe von Rough and Rowdy Ways.
Es ist ein Doppelalbum geworden, ein Album mit dem ich mich mit dem Kopfhörer zurückziehe und es alleine genieße. Und es ist ein geschichtlicher Abriss geworden, der die volle Aufmerksamkeit erfordert. So locker nebenbei geht das Album nicht ins Ohr. Hier das Unboxing-Video:

Die Veröffentlichungspolitik von Rough and Rowdy Ways war für Dylan schon bemerkenswert. Drei Songs wurden vorab veröffentlich, quasi verschenkt. Darunter das 17minütige Hauptwerk „Murder Most Foul“ mit Gedanken über Kennedy und die Folgen für die USA.
Das Album ist dunkel, es ist die Arbeit eines Sehers, eines Geschichtenerzählers und eines Betrachters, der die Veränderung der Welt sieht und seine Schlüsse zieht. Es wird Wochen, Monate und vielleicht Jahre dauern, bis die Chiffren des Albums entschlüsselt sind. Der Sprechgesang führt uns durch eine sich wandelnde Welt voller Symbole. Persönliches gibt es von his Bobness auf den ersten Blick kaum. Bis auf eine Zeile: Vielleicht leidet Dylan noch immer darunter von seinen Fans vereinnahmt zu werden. „I opened my heart to the world and the world came in“ klingt nicht gerade euphorisch. Der 79jährige Song and Dance-Man geht weiter seinen Weg und wir dürfen ihn (hoffentlich) noch lange begleiten. Rough and Rowdy Ways ist wieder eine hervorragende Wegzehrung für diesen Weg. Klare Kaufempfehlung.

Alles Gute zum 79. Geburtstag Bob Dylan

24. Mai 2020

Heute feiert die lebende Legende Bob Dylan seinen 79. Geburtstag. Aufgrund Corona wurde die US-Tour des Sängers abgesagt, aber für uns Fans kommt am 19. Juni das neue Album Rough and Rowdy Ways. Darauf enthalten ist neues Material und kein American Songbook. Seit dem 2012 erschienen Album Tempest gab es kein selbstgeschriebenes Material des Meisters. Bisher sind drei Songs aus dem neuen Doppelalbum veröffentlicht, wobei der Song Murder Most Foul besonders bemerkenswert ist. Dylan befasst sich (einmal wieder) mit Kennedy und den Auswirkungen und dies fast 17 Minuten lang – genial.Aber zum 79. Geburtstag von Bob Dylan will ich nicht auf den Musiker, den Autoren, den Radiosprecher oder den Filmemacher eingehen. Ich möchte über den Maler Bob Dylan sprechen. Zur Jahreswende 2016/2017 besuchte ich zufällig die Kunst-Ausstellung A beaten Path in London und war schlichtweg hin und weg. Die Bilder von Dylan in London beschrieben den amerikanischen Traum. Zuvor hatte ich mal in Chemnitz eine erste Kunstausstellung The Drawn Blank Series von Dylan besucht und war schon damals fasziniert. In London sah ich bei a beaten Path eine Ausstellung mit Zeichnungen, Acryl- und Wasserfarbenmalereien sowie Schmiedearbeiten. Die Schmiedearbeiten wirkten sich später bei der Veröffentlichung des Whiskey Heavens Door aus.

Donut Shop für 175.000 GBR

Die Arbeiten von a beaten Path zeigen ein Amerika fernab von Hightech und Industrie. Wenn Dylan aus seinen Tourbus blickt, sieht er in Kleinstädten Tankstellen, Hotels, Diners, Donutshops und Kinos. „Für die Ausstellung wollte ich Bilder schaffen, die weder von mir selbst noch jemand anderem falsch interpretiert oder missverstanden werden können“, erklärt Dylan in dem Essay zur Ausstellung. Ich hab mir den Katalog gekauft und in diesem Video vorgestellt. Ein Originalbild von Dylan war mir allerdings zu teuer, leider. 175.000 Britische Pfund ist einfach nicht möglich.

Kritik: Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

12. November 2019

Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

Bootleg Serie Vol. 15 Travelin‘ Thru von Bob Dylan

His Bobness ist ein wandlungsfähiges Phänomen. Und das zeigt der Meister immer wieder auf eindrucksvolle Art. Jetzt kam aus seiner Bootleg Serie die 15. Ausgabe heraus und sie dokumentiert die interessante musikalische Zeit Dylans zwischen 1967 bis 1969.
Während die Beatles mit The Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band, die Stone mit Their Satanic Majesties Request zum technischen Overkill antraten, Pink Floyd auf Psychodelic-Music setzen, The Cream den Blues frönten, da gab Bob Dylan eine komplett andere Richtung vor. Nach seinen drei elektrischen Alben und einem Motorradunfall war die Öffentlichkeit gespannt, was der Meister abliefern würde. Dylan meldete sich aus Woodstock und Nashville und setzte auf ruhige, nahezu biblische Texte und Töne. Und dann spielte er Country.

Seine beiden Alben John Wesley Harding und dann vor allem Nashville Skyline waren das genaue Gegenteil, was sich Fans erwartet hatten. Und mit der Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 kommen nun die Outtakes dieser Zeit auf den Markt. Zudem erscheinen endlich offiziell die Aufnahmen mit seinem Kumpel Johnny Cash.
Dylan schaffte es im Alleingang, den liberalen Rock mit dem konservativen Country zu versöhnen.
Es kam damals nicht zum gemeinsamen Album Cash/Dylan, aber jetzt liegen die Aufnahmen vor. Ich verehre beide Musiker und die Aufnahmen zeigen, welche Basis die beiden Menschen hatten. Ich hatte bereits einige davon durch illegale Pressungen. Und es gibt die Aufnahmen der Johnny Cash-Show endlich offiziell, die wir freilich schon längst aus YouTube kannten.
Anders als bei so manchen Aufnahmen der anderen Bootleg Serie sind dieses Mal nicht die kompletten Aufnahmesessions veröffentlicht worden, sondern nur Teile daraus. Also darf der Fan nicht zig verschiedene Versionen anhören, sondern der Meister hat eine Vorauswahl getroffen, mit der wir Fans uns begnügen müssen. Ich selbst hab mir die 3-CD-Box gekauft und es nicht bereut. Das beiliegende Booklet bringt sogar ein paar neue Fotos. Es wurde verfasst von Musik-Historiker Colin Escott sowie von Johnny-Cash-Tochter und Musikerin Rosanne Cash.
Was sind die Highlights? Zum einen sicherlich der neue Song „Western Road“ aus der John Wesley Harding Zeit. Zum anderen höre ich dass erste Mal Wanted Man von Dylan selbst. Ich kannte den Song bisher nur von Cash von seinen Gefängnisauftritten. Ich war eigentlich davon überzeugt, dass Dylan diesen Song nur geschrieben, aber nie aufgenommen hat.Travelin‘ Thru,1967-1969:the Bootleg Series V.15 zeigt das Gegenteil und die Box ist es nur für diese Aufnahme wert gekauft zu werden.

50 Jahre Woodstock – mein Experiment

20. August 2019

Drei Tage Love, Peace und Happyness sind vorüber. Vor 50 Jahren endete Woodstock und der Mythos begann. Ich überlegte mir, wie ich dieses Festival in meinem Blog berücksichtigen könnte. Über die musikalische und gesellschaftliche Bedeutung haben viele andere bereits geschrieben, das braucht es weiteren Input von mir eher weniger.
Also entschloss ich mich zu einem Experiment. Ich wollte Woodstock nachleben. Zunächst dachte ich ans Zelten im Garten, doch bei dem Regen verließ mich der Mut. Die Hippies von damals waren standhafter als ich. Nun, so zog ich mich in mein Arbeitszimmer zurück und spielte ein kulturelles Woodstock nach. Drogen gab es nicht bis auf eine schöne Flasche Ardbeg Whisky. Und so machte ich es mir bequem und verbrachte drei Tage mit Musik und Lesen.

Der Woodstock-Film
Das erste Mal sah ich den Woodstock-Film in den Achtziger Jahren im Cinema-Kino in München. Ich hatte von den Musikfilm gehört und bin mit Schulfreunden in eine Vorstellung gegangen. Interessant war das sehr alternative Publikum um uns herum. Barfuß, langes Haar, Batikklamotte und Jutetasche – jedes Klischee wurde erfüllt. Ich saß brav da mit meinem Pullunder und Jeans und schaute interessiert den Film. Rückblickend war es wohl einer meiner ersten Konzertfilmen im Kino. Der Klang war prima und es war ziemlich laut. Ich denke, der Filmvorführer drehte voll auf. Das erlebte ich später an gleicher Stelle wieder bei dem Led Zeppelin Konzertfilmen „The Song remains the same“.

Woodstock als Film Woodstock als Film

Jahre später kaufte ich mir dann die DVD-Fassung des Woodstock-Films als Directors Cut von einer Krabbelkiste. Dann gab es immer neue obskures Zeug auf Video: Tagebücher, Mitschnitte, Langfassungen – ein paar Sachen hab ich noch im Archiv liegen. Dieser Tage lief viel Woodstock im Fernsehen. Jeder Sender hatte was beizutragen zum Fest der 400000.

Foto an der Wand
Das Filmplakat hing eine zeitlang an der Tür meines Jugendzimmers – unter dem Plakat des Tope Hooper-Films The Texas Chain Saw Massacre. Schöner Gegensatz, wenn ich heute so zurückdenke.
Auf einer Filmsammlerbörse kaufte ich mir ein paar Aushangfotos zum Film. Den ganzen Satz konnte ich mir als Schüler nicht leisten. Sie waren aus dicken Karton und machten was her. Ich habe aus dem Archiv ein Foto herausgesucht, was wohl eines der berühmtesten ist. Ein Paar steht eng ineinanderverschlungen in Decken auf einem Hügel, umringt von Zuschauern auf dem Boden. Links kommt ein Schmetterlingsdrachen ins Bild. Mir hat das Bild immer sehr gut gefallen. Auf dem Aushangfoto steht zu lesen: „woodstock 3 tage des friedens, der musik … und der liebe“. Das Bild wurde übrigens auch als Plattencover verwendet – wahrscheinlich hab ich es damals deswegen gekauft.

Die Musik von Woodstock
Wichtig ist bei Woodstock natürlich die Musik. Meine Vorlieben haben sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Mit Melanie konnte sich sogar mal über ihren Auftritt sprechen als sie in Deutschland auf Tour war. Auch mit Avin Lee durfte ich ein Interview machen und sein Ausspruch „Going Home by Helicopter“ ist in meinen Sprachgebrauch übergegangen.

Meine Woodstock-Musik Meine Woodstock-Musik

Als Jugendlicher hatte ich mir die 3fach LP vom Festival gekauft und eine Zeitlang auf meinen Plattenspieler gehört. Dann wurde mir bewusst, dass es eine Fortsetzung als Doppel-LP gab, die ich freilich auch noch kaufte.
Im digitalen Zeitalter erwarb ich mir zum 40. Jubiläum die Box Woodstock-40 Years on: Back to Yasgur’S Farm. Die sechs CDs enthielten eigentlich alles, was ich vom Festival hören wollte – allerdings durften aus rechtlichen Gründen die Aufnahmen von Ten Years After, The Band und Keef Hartley Band nicht verwendet werden. Hauptgrund des Kaufes war damals, dass es nun die Auftritte von u.a. Grateful Dead, Creedence Clearwater Revival und Blood Sweat And Tears zu hören gab, wobei ich von meinen Dead komplett enttäuscht bin. Sie selbst haben später zugegeben, dass sie nicht bei der Sache gewesen waren.
Ich habe mir die Box jetzt drei Tage durchgehört und viele alte Bekannte im Ohr gehabt. Richtig cool waren Sly & The Family Stone und The Who, die die Hippies von damals aufgeschreckt haben. Soul, Funk und vor allem britischer Arbeiterrock passten nicht unbedingt zu den Hippies, aber machten dennoch gehörig Stimmung.
Im Archiv hatte ich noch die Einzelaufnahmen von Künstlern, die Jahre später ihr komplettes Set veröffentlichten. CCR, Janis Joplin (schwer betrunken), Jimi Hendrix, Jefferson Airplane (Volonteers mochte ich immer gerne), Johnny Winter, natürlich meine Rüpel von The Who und ganz besonders wieder Sly & The Family Stone. Warum dauerte es so lange, dass erst zum 40. Geburtstag des Festivals viele Künstler ihre Auftritte veröffentlichten? Ich hätte die Sachen gerne viel, viel früher gehört.
Die Aufnahmen von Joan Baez, Tim Harding und auch von Melanie habe ich mir nicht mehr gekauft.
Beim Durchhören der drei Tage habe ich gemerkt, dass der musikalische Zauber von Woodstock mich nicht mehr so stark infiziert hat. Die Sammlung Woodstock-Back to the Gardenmit zehn CDs werde ich mir nicht mehr antun. Sie sieht schön gemacht aus, aber der Mythos ist zu sehr gemolken worden. Ich lege mir nur noch irgendwann die Komplettaufnahme von The Band zu, die 2019 auf dem Markt kam. Als Dylan-Fan und Anhänger von The Band musste ich 50 Jahre warten, bis die Aufnahmen im April 2019 veröffentlicht wurden.
Die Woodstock-Organisatoren wollten einst Dylan auf ihre Bühne holen, doch HisBobness verweigerte sich, obwohl er in der Nachbarschaft wohnte. Er spielte zwei Wochen später in Großbritannien auf dem Isle of Wight Festival und mehrte seinen Ruhm. Dylan in Woodstock gab es erst 1994 und der Auftritt war laut Bootlegs richtig gut.

Literatur über Woodstock
Weil ich ja drei Tage Zeit hatte, hab ich allerhand über das Festival gelesen. Das Netz war ja voll mit den Geschichten. Ich selbst habe im Archiv gekramt und eine Life-Ausgabe von 1989 entdeckt, die ich schon vergessen hatte. Ein Schulfreund hatte sie mir damals aus den USA zum 20. Geburtstag von Woodstock mitgebracht. Die Berichterstattung war damals die gleiche wie heute. Die Reporter haben sich historische Fotos angeschaut und die Geschichten geschrieben, was aus den Typen heute geworden ist. Mein Woodstock-Paar hieß übrigens Nick und Bobbi Ercoline.
Sehr schön geschrieben war das Buch des Woodstock-Veranstalters Michael Lang mit dem Titel Woodstock: Die wahre Geschichte. Vom Macher des legendären Festivals.. Es ist keine große Literatur, gibt aber Einblicke in den Verlauf des chaotischen Festivals. Die Macher hatten das Glück, dass die Finanzen des Festivals durch Film, Schallplatte und Merch gerettet wurde. Aus dem Desaster wurde ein gutes Geschäft – Kapitalismus pur und der Grundstein für eine Legende gelegt. Michael Lang berichtet, was und wie es damals passierte, vielleicht ein wenig mit Hippie-Romantik, aber durchaus lesenswert. Die Geschichte aus erster Hand schreibt Michael Lang mit viel Humor.

Viel Literatur zu Woodstock Viel Literatur zu Woodstock

Das zweite Buch, was ich in den drei Tagen gelesen habe, war Woodstock: Chronik eines legendären Festivals. Dabei handelt es sich um einen Bildband mit einigen unveröffentlichten Fotos. Hinter und vor der Kulissen werden Fotos veröffentlicht und kleine Geschichten erzählt. Mir gefällt das Storytelling und die Chronologie des Ereignisses Woodstock. Das Buch erschien in den USA zum 40. Jubiläum von Woodstock, in Deutschland zum 50. Geburtstag.

Fazit: Der Geist von Woodstock fasziniert mich weiterhin, hat aber an Kraft verloren. Viele der Musiker von damals sind verstorben und die Mythen leben weiter. Wie hieß es doch so schön im Filmklassiker von John Ford „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“: “When the legend becomes fact, print the legend!” (Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druck die Legende!) – in der deutschen Synchro hieß es: „Unsere Legenden wollen wir bewahren. Sie sind für uns wahr geworden.“

Konzertkritik: Bob Dylan in Stuttgart 2019 – Jazz Open

12. Juli 2019

Bereits zum zweiten Mal habe ich Bob Dylan live in diesem Jahr gesehen. Nach Augsburg jetzt vor kurzem in Stuttgart beim Jazz Open. Bereits zum zweiten Mal war es ein herausragendes Konzert. Mit 78 Jahren rockt er zusammen mit seiner bewährten und famosen Combo die Hütte.

Routiniert begann der Bühnenaufbau. Auf der linken Seite (von der Bühne aus gesehen) stand die Statue aus Tempest und dahinter der Oscar für Things have Changed. Die Clubscheinwerfer waren zunächst während der Abendsonne über Stuttgart ausgeschaltet. Dylan sprach wie immer kein Wort in Richtung Publikum.

Oscar links, Tempest rechts

Oscar links, Tempest rechts

Und dennoch war es anders als sonst: Ich habe viele Dylan-Konzerte in aller Herren Länder gesehen, doch dieses war anders: Es gab links und rechts neben der Bühne zwei große Display-Wände, die Dylan den rund 7000 Zuschauern auf dem Stuttgarter Schlossplatz näher brachten. Ich hatte Dylan noch nie zuvor auf einer Monitorwand gesehen. So nah war ich optisch den Meister noch nie begegnet.

Zwar hatte ich in Stuttgart Front of Stage Karten, aber der Bühnenaufbau in Stuttgart war katastrophal. Wer vorne stand, sah Dylan aufgrund der hohen Bühne kaum, der die meiste Zeit hinter seinem Klavier stand oder saß. Ab und zu kam bis Bobness hervor und sang posend hinter dem Standmirko – wunderbar seine Gesten. Daher genoss ich es, Dylan auf den Großbildleinwänden zu sehen. Und wenn der Kameramann bei Charlie Sexton vielleicht die Sache mit der Schärfe hinbekommen hätte, wäre es perfekt gewesen. 

Und was anderes war neu: Der erste Song des Abends war Ballad of a Thin Man. Damit wich Dylan von der klassischen Setlist seiner Tour ab und machte Stuttgart zu einem Highlight unter uns Dylan-Fans.

Ich hatte den Eindruck, dass es Dylan auch gut gefallen hat. Er hatte Spiellaune. Ab und zu sah es fast so aus, als ob er zu uns Fans was sagen wollte, was er freilich nicht tat. Er grinste, zog Grimassen und genoss scheinbar den Abend. Als er im letzten Drittel des Konzerts seinen Hut abnahm und die wilde Lockenpracht des 78jährigen hervorkam, wurde heftig applaudiert. Offiziell gibt es keine Fotos, denn der Meister hat wie immer ein Fotoverbot ausgesprochen. Das wird von den Ordnern auch durchgesetzt – und von den Fans. Als eine Reihe vor mir ein Mann sein Smartphone zücken will, raunzt ihn ein Fan an. Wir wissen ja, was vor kurzem in Wien passiert ist. Und ich will mir den Abend wegen eines solchen Deppen nicht versauen lassen. Fans überwachen Fans – so beginnt es. 

Keine Fotos bei Bob Dylan.

Keine Fotos bei Bob Dylan.

Musikalisch war Bob Dylan top. Neue Arrangements seiner alten Lieder, wunderbar verändert, dass man sie zunächst nur am Text erkannte. Er gab uns ein Best-of, ohne uns ein Best-of der alten Sachen zu geben. Genau so etwas erwartet der Fan von Dylan. Alte Songs in neuen Kleidern – damit mögen ein paar neue Fans in Stuttgart nicht gerechnet haben. Hinter mir maulte eine Mitfünfzigerin in breitesten Württembergschwäbisch, dass es anders sei als auf CD. Ja gute Frau und deshalb gehen wir zu einem Dylan-Konzert. A daube Nuss und halt dei Gosch.

Die Band war wieder grandios. Tony Garnier am Bass hat den Chef im Auge und gibt die Kommandos weiter. Die Combo ist so perfekt eingespielt, wie selten eine Tourband. Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron sind eine Einheit. Dylan dirigiert sie mit Blicken, Handzeichen – alles ist aufeinander abgestimmt und sie rocken, was das Zeug hält. 

Nach einer Zugabe ist alles vorbei. Exakt 1 Stunde 45 Minuten war vereinbar und bezahlt, exakt 1 Stunde 45 Minuten wurde gespielt. Am Ende verbeugt sich die Band und Abgang. Vielleicht sagt Dylan in London im Hyde Park etwas, wenn er mit seinem Kumpel Neil Young auftritt. Karten hab ich keine, aber das Netz wird uns Fans versorgen. 

Hier die Setlist vom Stuttgarter Konzert: 

Ballad of a Thin Man

It Ain’t Me, Babe

Highway 61 Revisited

Simple Twist of Fate

Can’t Wait

When I Paint My Masterpiece

Honest With Me

Tryin‘ to Get to Heaven

Scarlet Town

Make You Feel My Love

Pay in Blood

Like a Rolling Stone

Early Roman Kings

Girl From the North Country

Love Sick

Thunder on the Mountain

Soon After Midnight

Gotta Serve Somebody

Zugabe:

Blowin‘ in the Wind

 

Konzertkritik: Bob Dylan in Augsburg 2019

26. April 2019

Bob Dylan in Augsburg - einfach großartig.

Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.

Ich habe viele Konzerte von Bob Dylan erlebt, gute und weniger gute. Das Konzert in der Augsburger Schwabenhalle war eines der besten, die ich von his Bobness erleben durfte. Selten habe ich Dylan und seine großartige Combo so spielfreudig erlebt, selten war die Musik von ihm so kompakt und selten habe ich Bob Dylan so oft grinsen gesehen. Es war ein schlichtweg großartiger Abend.

Dabei hätte es anders zugehen können. In Wien rastete der Meister aus, als ein Foto von ihm auf der Bühne gemacht wurde. Spielen oder posen war seine Antwort und er stolperte über eine Box. Dylan war richtig sauer. Aber seine Wut war in Augsburg komplett verflogen. Die Sicherheit vor dem Konzert wurde nochmals verschärft. Durchsagen vor dem Konzert machten eindeutig klar: Wer fotografiert, der fliegt raus. Das hat auch etwas Gutes: Ich kann mich auf die Musik konzentrieren und werde nicht durch grelle Handybildschirme abgelenkt. Bob weiß, was gut für mich ist. 

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Das Bühnenset war wie immer. Dezente Scheinwerferbeleuchtung, reduziertes Licht, wie in einer Clubatmosphäre, keine Videowand. Die Musiker hochkonzentriert, verharren auf ihren Plätzen. Dylan selbst nur am Klavier, Gitarre spielt er schon lange nicht mehr auf Konzerten. Nur einmal verlässt er das Klavier und ergreift den Mikrophonständer und singt ein phänomenales „Scarlet Town“. Und er versucht sich im Posen, was bei Dylan immer ein wenig linkisch aussieht und dennoch: Der Mann hat eine Aura. Mit wenigen Fingerbewegungen steuert er seine Band. Bassist Tony Garnier achtet auf jede Geste des Chefs und die eingespielte Band mit Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron ist stets präsent. Wenn Dylan seine Band von der Leine lässt, dann hebt das Dach ab und die schreckliche Schwabenhalle wird zum intimen Club. Dylan selbst hackt auf dem Klavier herum und – oh Wunder – entlockt dem Instrument immer wieder zarte Töne. Er startete als Rock‘n Roller und er ist ein Rock‘n Roller mit wahnsinniger Spielfreude. 

Das Bühnenset in Augsburg.

Das Bühnenset in Augsburg.

Neben der Bühne steht wie seit langem der Oscar, den Dylan für Things Have Changed erhalten hat, davor die Büste vom Temnpest-Cover. Es handelt sich um eine Figur aus dem Pallas-Athene-Brunnen, der sich vor dem österreichischen Parlamentsgebäude befindet. Die Frau symbolisiert die Moldau, geschaffen von Carl Kundmann.

Die Setlist in Augsburg war bekannt. Vorbei die Zeiten als Dylan sein Werk spontan erstellte. Things Have Changed; It Ain’t Me, Babe; Highway 61 Revisited; Simple Twist Of Fate; Cry A While; When I Paint My Masterpiece; Honest With Me; Tryin’ To Get To Heaven; Scarlet Town; Make You Feel My Love; Pay In Blood; Like A Rolling Stone; Early Roman Kings; Don’t Think Twice, It’s All Right; Love Sick; Thunder On The Mountain; Soon After Midnight; Gotta Serve Somebody; Zugabe: Blowin’ In The Wind; It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry. Am Ende gemeinsame Verbeugung und Abgang – natürlich wieder kein Wort zu uns schnöden Publikum. 

Nach der Show dann große Diskussionen unter uns Fans. Vor der Halle trat dann noch TheBoband auf, ein Dylan-Imitator, der für ein wenig Stimmung auf dem Nachhauseweg sorgte. Die Leute klatschten mit, freuten sich. Einige waren dankbar, endlich wieder ihr Smartphone zücken zu dürfen und filmten mit – ich einschließlich. 

 

Übrigens: Am 7. Juni 2019 erscheint die 14 CD-Box zur Rolling Thunder Tour und ein paar Tage später der Martin Scorsese-Film zur Tour auf Netflix. Wir dürfen gespannt sein. Beide Termine sind bereits im Kalender eingetragen. 

Gemälde von Bob Dylan in London zu kaufen

19. Juni 2018

175.000 britische Pfund für einen echten Dylan? Bei meinem Besuch des Luxuskaufhauses Harrods in London besuchte ich den dort ungebrauchten Ableger der Kunstgalerie Halcyon. Auf 5000 Quadratmeter gibt es wunderbare Kunst zu sehen und ich stieß auf Gemälde des US-amerikanischen Musikers Bob Dylan. Es handelt sich um einen Dounatladen, genannt Donut Shop, 2015–2016, Acryl auf Leinwand, und signiert für 175.000 GBR. Und dann gibt es Dads Restaurant für 175.000 GBR. Kunst als Wertanlage – das geht hier sicher, wenn man über das entsprechende Kleingeld verfügt. 

Es geht aber auch billiger, um einen Bob Dylan zu Hause an die Wand zu hängen. Rund 10.000 britische Pfund kosten Siebdrucke auf Baumwollpapier, das in den USA gefertigt wurde. 

Dabei handelt es sich die Bilder: New York Skyline Seen from Queen, Late in the Day, Houston, Brooklyn Heights und Nowhere and Anywhere. 

Vielen ist Bob Dylan nur als Musiker bekannt, der auch einen Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Dass Bob Dylan unter die Maler gegangen ist, ist vielen nicht bewusst. Aber der heute 77jährige malt seit langem, hat immer wieder die Covers seiner Schallplatten verziert. Wenn er auf seiner Never Ending Tour durch die Welt ist, dann entspannt sich der Musiker beim Malen. Inzwischen hat er auch mehrere Bücher mit seinen Werken veröffentlicht. Das erste Buch dieser Reihe hieß The Drawn Blank Series und ich habe es mir als Katalog zur Ausstellung in Chemnitz gekauft. Heute ist der Preis dieses Buches deutlich nach oben gegangen. 

Die Kunstgalerie Halcyon in Harrods hat ein paar Original-Dylan zum Verkauf.

Die Kunstgalerie Halcyon in Harrods hat ein paar Original-Dylan zum Verkauf.

In London gab es die Ausstellung The beaten Path in der renommierten Galerie Halcyon, die bis zum Dezember 2016 lief. Es gibt noch ein paar Restbestände des Katalogs für rund 65 britische Pfund. Das jüngste Buch heißt dann eben auch The beaten Path und ich hatte mir mein rund 360seitiges Buch aus London bestellt. UPS lieferte das schwere Ding innerhalb einer Woche. Ich werde darüber noch bloggen.

Ich konnte nur die Ausstellung bei Harrods besichtigen. Gerne hätte ich die große Ausstellung bei Halcyon gesehen. Dylan selbst hatte Ausführungen zur Ausstellungen verfasst. Wer diese Lesen will, kann dies hier tun.