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Podcast Seitensprung (9): Von Tonies, Maschenmachern und Weihnachtsdekoration

28. Oktober 2026

Die Gemeindebücherei Maisach ist längst mehr als ein Ort, an dem Bücher ausgeliehen werden. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem Treffpunkt für Menschen aller Generationen. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Seitensprung“ sprechen Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange über die Begeisterung für Tonies, den Ärger über Diebstähle, neue Veranstaltungsformate und die Herausforderungen knapper kommunaler Kassen. Auch die kommenden Veranstaltungen bis Weihnachten stehen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Schnell wenden sich die beiden einem Thema zu, das besonders bei jungen Büchereibesuchern hoch im Kurs steht: den Tonies. Die kleinen Hörspielfiguren haben sich zu einem beliebten Ausleihmedium entwickelt und füllen inzwischen ganze Regale in der Gemeindebücherei Maisach.

„Was früher die CD oder die Kassette war, ist heute der Tonie“, erklärt Seyschab. Die Figuren werden auf eine sogenannte Toniebox gestellt und spielen anschließend Geschichten, Hörspiele oder Musik ab. Das Konzept ist einfach und begeistert vor allem Kinder. Allerdings hat die Begeisterung ihren Preis. „So eine Figur kostet 16,99 Euro. Und auch wir zahlen den vollen Preis“, betont die Büchereileiterin. Entgegen einer verbreiteten Vorstellung erhalten öffentliche Büchereien keineswegs sämtliche Medien kostenlos.

Problematisch wird es, wenn die begehrten Figuren verschwinden. In mehreren Büchereien des Landkreises Fürstenfeldbruck kam es bereits zu größeren Diebstählen. Maisach blieb von solchen gezielten Aktionen bislang verschont, doch auch hier gibt es Verluste. Seyschab möchte dabei nicht grundsätzlich kriminelle Absichten unterstellen. Manchmal könne eine Figur versehentlich im Kinderwagen landen und werde anschließend nicht zurückgebracht. Dennoch stellt sie klar: „Wenn sich Einzelne bereichern auf Kosten der Allgemeinheit, ist das eine Straftat.“

Die Büchereileiterin verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung öffentlicher Bibliotheken. Gerade Menschen mit geringem Einkommen sollen unkompliziert Zugang zu Bildung, Literatur und Unterhaltung erhalten. Kinder können in Maisach sogar kostenlos ausleihen. Jeder verschwundene Tonie bedeutet deshalb einen Verlust für die gesamte Gemeinschaft. „Wir haben nicht das Geld, alle, die weg sind, neu zu kaufen“, erklärt Seyschab mit Blick auf die angespannte kommunale Haushaltslage. Bei nachgewiesenem vorsätzlichem Diebstahl würde sie die betreffende Person von der Büchereinutzung ausschließen und Anzeige erstatten.

Neben dem finanziellen Wert haben die Figuren inzwischen auch einen erheblichen Sammlerwert. Manche älteren oder limitierten Tonies werden auf Internetplattformen zu Preisen gehandelt, die über dem ursprünglichen Verkaufspreis liegen. Lange erinnert sich in diesem Zusammenhang an seine Kindheit mit Märchenschallplatten, Pumuckl und Hui Buh. Besonders die Hörspielproduktionen des Labels Europa sind ihm in Erinnerung geblieben. „Ich komme ja noch aus dem Zeitalter der Schallplatte“, erzählt er und schwärmt von den Geschichten, die ihn als Kind begleitet haben.

Viele dieser Klassiker erleben auf den neuen Tonträgern eine Renaissance. Auch Figuren aus den Büchern von Otfried Preußler sind vertreten. Für Lange ist das ein schönes Beispiel dafür, wie alte Geschichten durch neue Technik weitere Generationen erreichen können. Gleichzeitig interessiert ihn, ob künftig auch klassische Gruselliteratur von Edgar Allan Poe oder andere anspruchsvollere Stoffe ihren Weg auf die Toniebox finden könnten.

Eine weitere Möglichkeit bieten sogenannte Kreativ-Tonies, die sich mit eigenen Aufnahmen bespielen lassen. Eltern können damit beispielsweise Gute-Nacht-Geschichten für ihre Kinder aufnehmen. Daraus entwickelt sich während des Gesprächs spontan eine Idee für die Gemeindebücherei: ein Ferienprogramm, bei dem Kinder eigene Hörbücher produzieren. „Wir machen ein Hörbuch“, schlägt Lange vor. Seyschab zeigt sich aufgeschlossen: „Ja, also warum nicht?“

Die Bücherei als Wohnzimmer der Gemeinde

Ein besonderes Anliegen der Büchereileiterin ist es, die Einrichtung als sozialen Treffpunkt weiterzuentwickeln. Dazu gehört ein neues Angebot, das am Mittwoch, 4. November, erstmals stattfindet. Von 10 bis 11.30 Uhr treffen sich die „Maisacher Maschenmacher“ im Lesecafé. Willkommen sind alle, die gerne stricken oder häkeln, unabhängig von Alter oder Vorkenntnissen. Eigene Handarbeiten können mitgebracht werden, gleichzeitig bereitet eine Mitarbeiterin kleine gemeinsame Projekte vor.

„Wir möchten einfach so ein bisschen die Geselligkeit, das Miteinander fördern, vielleicht mal mit dem Nachbarn ins Gespräch kommen“, erläutert Seyschab. Kaffee und Tee gehören selbstverständlich dazu. Das neue Format ist zunächst ein Versuch, dessen Fortsetzung vom Interesse der Besucher abhängt.

Lange begrüßt die Initiative ausdrücklich. Für ihn muss eine moderne Bücherei mehr sein als ein stiller Raum voller Bücher. „Ich sage immer, die Bücherei ist das Wohnzimmer des Ortes“, formuliert er seinen Anspruch. Seyschab kann diesem Gedanken viel abgewinnen: „Das möchte ich auch erreichen, dass die Leute, wenn sie hier reinkommen, sich wohlfühlen.“

Gleichzeitig soll die Bücherei weiterhin Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Lesen, Lernen und Arbeiten bieten. Seyschab sieht darin keinen Widerspruch. Gerade am Mittwochvormittag sei der Publikumsverkehr überschaubar, sodass sich geselliges Beisammensein im Lesecafé und ruhiges Arbeiten gut miteinander vereinbaren ließen. Die positive Resonanz der Besucher bestätigt die Büchereileiterin in ihrem Konzept.

Krimilesung mit Weinprobe und Weihnachtsdekoration für einen guten Zweck

Auch der Veranstaltungskalender der kommenden Wochen zeigt, wie vielseitig die Gemeindebücherei aufgestellt ist. Am 29. Oktober findet von 15 bis 16 Uhr eine Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahren statt. Am 10. November folgt von 15 bis 15.30 Uhr die englischsprachige Vorlesestunde.

Ein besonderer literarischer Höhepunkt steht am 11. November auf dem Programm. Dann besucht die österreichische Autorin Fanny Svoboda die Gemeindebücherei und stellt ihre Kriminalromane „Marillenknödelmord“ und „Sonnenwendmord“ vor. Passend zum Schauplatz ihrer Geschichten bringt sie Wein aus der Wachau mit, den die Besucher probieren können. „Da freue ich mich sehr drauf. Das ist mal was ganz anderes“, sagt Seyschab über die Verbindung von Literatur und Weinverkostung.

Eine feste Größe im Veranstaltungskalender ist inzwischen die Weihnachtsdekotauschbörse. Sie beginnt am 17. November und läuft bis einschließlich 13. Dezember. Das Prinzip ist einfach: Wer Weihnachtsdekoration übrig hat, kann sie vorbeibringen. Andere Besucher dürfen sich kostenlos etwas aussuchen. Dabei geht es nicht nur um Nachhaltigkeit und die Wiederverwendung gut erhaltener Gegenstände, sondern auch um soziale Unterstützung.

„Was ich so schön finde, gerade an dieser Weihnachtsgeschichte, ist, dass wir dadurch auch die Altersheime beglücken können“, erklärt Seyschab. Ein Teil der gespendeten Dekoration wird an Senioreneinrichtungen weitergegeben. Besonders pflegebedürftige Bewohner, die ihre Zimmer nur selten verlassen können, freuen sich über weihnachtlichen Schmuck. Die Einrichtungen entscheiden selbst, welche Gegenstände sie benötigen.

Am 26. November steht eine weitere Vorlesestunde auf dem Programm. Für Donnerstag, 3. Dezember, ist von 15 bis 16.30 Uhr ein Weihnachtsbasteln für Kinder ab sechs Jahren geplant. Mitgebracht werden sollen Stifte, Schere und Kleber. Gerade bei solchen Angeboten zeigt sich allerdings erneut, wie wichtig ein sparsamer Umgang mit den vorhandenen Mitteln geworden ist.

Die Bücherei freut sich deshalb auch über Sachspenden, beispielsweise gut erhaltene Scheren oder anderes Bastelmaterial. „Bevor wir für viel Geld wieder irgendwelches Material kaufen, das dann vielleicht auch verschwindet, lieber, wenn es zu Hause rumliegt“, sagt Seyschab. Solche Spenden helfen, auch Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen, die ihre eigenen Bastelutensilien vergessen haben.

Neue Versäumnisgebühren sollen für mehr Verbindlichkeit sorgen

Zum Abschluss des Podcasts informiert Seyschab über eine Änderung der Büchereisatzung. Seit dem 23. Oktober gelten neue Gebühren für überfällige Medien. Wer die Leihfrist überschreitet, muss künftig 20 Cent pro Medium und Tag bezahlen. Die entsprechende Änderung wurde vom Gemeinderat beschlossen.

Seyschab hält die Anpassung für angemessen. „Wir sind von den Gebühren, die wir insgesamt im Haus haben, nicht besonders extrem“, betont sie. Viele Dienstleistungen bleiben weiterhin kostenlos. Dazu zählen beispielsweise Vormerkungen oder die Ausleihe aktueller Bestseller. Auch im Vergleich mit anderen Büchereien des Landkreises bewege sich Maisach mit der neuen Versäumnisgebühr weiterhin im unteren Bereich.

Lange unterstützt die Entscheidung. Angesichts der zahlreichen kostenlosen Leistungen sei die Gebühr vertretbar. Schließlich müsse eine öffentliche Einrichtung ihre Medien zuverlässig zurückerhalten, damit sie möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen.

Zum Ende der Folge bedanken sich beide Gesprächspartner ausdrücklich bei den Mitarbeiterinnen der Gemeindebücherei und der Pressestelle der Gemeinde Maisach. Deren Unterstützung sei für die Öffentlichkeitsarbeit und die Durchführung der Veranstaltungen von großer Bedeutung.

Die aktuelle Ausgabe von „Seitensprung“ macht deutlich, wie sehr sich das Selbstverständnis öffentlicher Büchereien verändert hat. Bücher und Hörmedien bleiben das Fundament, doch hinzu kommen Begegnung, Kreativität, gemeinsames Lernen und gesellschaftlicher Austausch. Zwischen Toniefiguren, Krimilesungen, Stricknadeln und Weihnachtsdekoration entsteht in Maisach ein Ort, der Menschen zusammenbringt.

Oder, wie Matthias J. Lange es auf den Punkt bringt: „Die Bücherei ist das Wohnzimmer des Ortes.“

Podcast Dombo bewegt (22): Praktikum mit Perspektive im Zentrum für Gesundheit Dombo

26. Oktober 2026

Wie findet der Nachwuchs seinen Weg in die Gesundheitsberufe – und wie wichtig sind Praktika, um junge Menschen für die Physiotherapie zu gewinnen? In einer 22. Folge des Podcasts „Dombo bewegt“ geben Norman Dombo und Matthias J. Lange gemeinsam mit Praktikant Lorenz einen Blick hinter die Kulissen des Zentrums für Gesundheit Dombo in Maisach. Dabei geht es nicht nur um den Alltag eines Praktikanten, sondern auch um Fachkräftemangel, persönliche Betreuung und die Frage, warum Physiotherapie trotz Digitalisierung ein Beruf mit Zukunft bleibt.

Diesmal ist die Runde bei „Dombo bewegt“ größer als gewohnt. Neben Norman Dombo und Journalist Matthias J. Lange sitzt Lorenz am Mikrofon. Der junge Mann absolviert derzeit ein Praktikum im Zentrum für Gesundheit Dombo in Maisach und interessiert sich ganz konkret für eine berufliche Zukunft in der Physiotherapie. Hier der Podcast:

Für Norman Dombo ist die Betreuung von Praktikanten längst ein fester Bestandteil der Arbeit. Seit vielen Jahren bietet das Zentrum jungen Menschen die Möglichkeit, Gesundheitsberufe aus nächster Nähe kennenzulernen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fachoberschule in Fürstenfeldbruck mit ihrem Ausbildungszweig Gesundheit. Regelmäßig kommen Schülerinnen und Schüler für ihre fachpraktische Ausbildung in die Einrichtung nach Maisach.

In diesem Jahr gibt es sogar eine Besonderheit: Gleich zwei Praktikanten sind zeitgleich im Zentrum für Gesundheit tätig. Für Dombo ist das kein lästiger Zusatzaufwand, sondern eine Investition in die Zukunft. Junge Menschen müssten schließlich die Gelegenheit bekommen, Berufe nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie im Alltag zu erleben.

Lorenz bringt bereits erste Erfahrungen mit. Schon im vergangenen Jahr absolvierte er ein Praktikum in einer Physiotherapie. Diese Erfahrung habe sein Interesse verstärkt. „Das hat mir dort ziemlich gefallen und mich interessiert einfach der Beruf“, erzählt er im Podcast. Besonders wichtig sei ihm der unmittelbare Kontakt zu anderen Menschen: „Ich mag es gerne, den Leuten zu helfen, und in so einem Bereich kann man das ziemlich gut tun.“

Sein Berufsziel steht deshalb bereits ziemlich deutlich fest: „Der Berufswunsch ist tatsächlich Physiotherapeut.“

Das freut Norman Dombo, denn Nachwuchs wird in der Branche dringend benötigt. Aus seiner Sicht stehen der Physiotherapie in den kommenden Jahren erhebliche personelle Herausforderungen bevor. Viele erfahrene Therapeuten werden altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden, während deutlich weniger junge Fachkräfte nachrücken. Gleichzeitig wächst der Bedarf an therapeutischen Angeboten.

Für Berufseinsteiger bedeutet das gute Perspektiven. Wer sich heute für eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Physiotherapie entscheidet, dürfte auf einen Arbeitsmarkt treffen, auf dem qualifizierte Fachkräfte stark gefragt sind. „Der Beruf der Physiotherapie, den wird es auch in etlichen Jahren noch geben“, ist Dombo überzeugt.

Allerdings sieht er auch Unsicherheiten im Gesundheitswesen. Kosten, Beiträge und Zuzahlungen könnten steigen, und damit werde zunehmend die Frage gestellt, was sich Patienten künftig noch leisten können. Der grundsätzliche Bedarf an Physiotherapie werde dadurch jedoch nicht verschwinden. Im Gegenteil: Eine älter werdende Gesellschaft und der Wunsch, Mobilität und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten, machen therapeutische Angebote weiterhin notwendig.

Gerade hier sieht Dombo auch eine Grenze der Digitalisierung. Apps, Videos und digitale Trainingsprogramme könnten zwar unterstützen und Übungen vermitteln. Sie ersetzten aber nicht den geschulten Blick eines Therapeuten. „Heute heißt es, alles ist digital und man kann mit einer App auch Übungen machen – aber es kontrolliert keiner“, sagt Dombo. Für ihn bleibt deshalb entscheidend: „Man muss am Menschen mit dem Menschen arbeiten.“

Damit beschreibt er einen Aspekt, den Lorenz während seines Praktikums unmittelbar erlebt. Er darf zwar nicht selbstständig therapeutisch am Patienten arbeiten, kann aber bei vielen unterschiedlichen Behandlungen zuschauen. „Vor allem schaue ich bei Behandlungen zu, bei sehr vielen verschiedenen Behandlungen mit Leuten mit unterschiedlichen Problemen“, erklärt er. Dadurch bekomme er einen Eindruck davon, wie vielfältig die Arbeit von Physiotherapeuten tatsächlich ist.

Dabei lernt er auch, dass Physiotherapie weit mehr bedeutet, als bestimmte Handgriffe oder Übungen zu beherrschen. Kommunikation gehört ebenso zum Beruf. Wer täglich mit Menschen arbeitet, die Schmerzen haben, nach Verletzungen wieder auf die Beine kommen wollen oder mit körperlichen Einschränkungen leben, braucht Einfühlungsvermögen und Geduld.

„Da spielt auch viel Psychologie und Kommunikation mit“, stellt Lorenz bereits nach seinen ersten Erfahrungen fest.

Genau dieser menschliche Faktor macht den Beruf nach Ansicht der Gesprächsrunde aus. Patienten kommen schließlich nicht nur mit einem medizinischen Befund in eine Praxis. Sie bringen Ängste, Erwartungen, Frustrationen und Hoffnungen mit. Physiotherapeuten müssen motivieren können, zuhören und zugleich vermitteln, dass nachhaltige Fortschritte häufig auch Eigeninitiative erfordern.

Matthias J. Lange nimmt das Thema im Podcast mit Humor auf und möchte von Lorenz wissen, ob Freunde bereits mit den ersten Beschwerden zu ihm kommen: Hier zwickt die Schulter, dort tut der Rücken weh – könne der angehende Physiotherapeut nicht einmal schnell helfen?

Noch sei das nicht der Fall, erzählt Lorenz lachend. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass solche Fragen häufiger kommen, wenn er sich intensiver mit dem Beruf beschäftigt.

Norman Dombo kennt dieses Phänomen aus langjähriger Erfahrung. Sobald Menschen erfahren, dass jemand aus der Physiotherapie kommt, seien die ersten Fragen nach Beschwerden meist nicht weit: „Dann heißt es immer: Da zwickt es, was kann das sein? Kann man da mal drücken, kann man da mal ziehen?“ Der Physiotherapeut werde auf einer Feier damit schnell zum gefragten Ansprechpartner – ähnlich wie der Arzt oder Rechtsanwalt, der plötzlich um eine kostenlose Einschätzung gebeten werde.

Dass Lorenz ausgerechnet beim Zentrum für Gesundheit Dombo gelandet ist, hatte zunächst ganz praktische Gründe. Er wollte erneut ein Praktikum im Bereich Physiotherapie absolvieren und suchte nach einer passenden Einrichtung. Die gute Erreichbarkeit in Maisach spielte dabei ebenfalls eine Rolle. „Ich habe gedacht, ich rufe hier halt mal an und frage nach“, erzählt Lorenz. Die Anfrage war erfolgreich.

Dass Praktikumsplätze keineswegs selbstverständlich sind, weiß Norman Dombo aus der Vergangenheit. Er erinnert sich an eine Praktikantin, deren bereits zugesagter zweiter Praktikumsplatz kurzfristig wegfiel. Die junge Frau stand plötzlich ohne Alternative da. Das Zentrum für Gesundheit sprang ein und ermöglichte ihr auch den zweiten Praktikumsabschnitt – allerdings in einem anderen Bereich der Einrichtung. So konnte sie zunächst die Physiotherapie und anschließend den Trainingsbereich kennenlernen.

Gerade darin sieht Dombo einen Vorteil seines Hauses. Das Zentrum versteht sich nicht ausschließlich als klassische Physiotherapiepraxis, sondern als Gesundheitseinrichtung mit einem breiteren Angebot. Für Praktikanten bedeutet dies, dass sie unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennenlernen und „überall reinschnuppern“ können.

Das ist für junge Menschen besonders wichtig. Ein Praktikum soll schließlich nicht nur einen bereits vorhandenen Berufswunsch bestätigen. Es darf auch zeigen, dass eine Vorstellung vom Berufsalltag vielleicht nicht der Realität entspricht. Wer einen Gesundheitsberuf wählt, entscheidet sich für die intensive Arbeit mit Menschen – mit allen schönen, aber auch anstrengenden Seiten.

Für Einrichtungen wie das Zentrum für Gesundheit hat die Betreuung von Praktikanten zugleich eine zweite Bedeutung: Sie ist Nachwuchsarbeit. Angesichts des Fachkräftemangels kann aus einem Praktikum irgendwann eine Ausbildung, ein Studium und vielleicht später sogar eine Beschäftigung werden.

Auf die Frage von Matthias J. Lange, ob er insgeheim darauf hoffe, dass Praktikanten wie Lorenz eines Tages als ausgebildete Fachkräfte zurückkehren, antwortet Dombo deshalb ohne Umschweife: „Ja, natürlich auch.“

Nicht jeder Praktikant werde später Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren habe man sehr unterschiedliche junge Menschen kennengelernt und von einigen sei das Team besonders begeistert gewesen. Welche Wege die aktuellen Praktikanten einschlagen werden, lasse sich noch nicht absehen. Sie seien schließlich erst seit wenigen Tagen dabei.

Die Tür bleibt jedoch offen. Wenn Lorenz seine Ausbildung abgeschlossen habe und Interesse an einer Tätigkeit in Maisach bestehe, könne man miteinander sprechen. Angesichts des Fachkräftemangels ist das mehr als eine freundliche Bemerkung. Es zeigt, wie wichtig der frühe Kontakt zwischen jungen Menschen und möglichen Arbeitgebern geworden ist.

Damit bekommt die Podcastfolge einen durchaus ernsten Hintergrund. Nachwuchsförderung beginnt nicht erst bei der Stellenausschreibung für fertig ausgebildete Fachkräfte. Sie beginnt wesentlich früher – möglicherweise mit einem Schüler, der neugierig durch die Tür einer Physiotherapiepraxis kommt und erst einmal zuschaut.

Für Lorenz bietet das Praktikum die Gelegenheit herauszufinden, ob sein bisheriger Berufswunsch auch dem tatsächlichen Berufsalltag standhält. Bislang scheint die Richtung zu stimmen. Er kann Behandlungen beobachten, erlebt den Umgang mit Patienten und bekommt einen Eindruck davon, wie viel Fachwissen, Kommunikation und Einfühlungsvermögen Physiotherapie verlangt.

Für Norman Dombo wiederum ist der Praktikant ein Beispiel dafür, warum Gesundheitseinrichtungen jungen Menschen solche Einblicke ermöglichen sollten. Wer Nachwuchs brauche, müsse Nachwuchs auch fördern und ihm Gelegenheit geben, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Matthias J. Lange bringt es zum Abschluss auf eine einfache Formel: „Hier kann man wirklich etwas lernen, wenn man etwas lernen will.“

Die neue Folge von „Dombo bewegt“ ist damit tatsächlich ein Blick hinter die Kulissen. Diesmal stehen nicht eine bestimmte Therapieform oder gesundheitliche Beschwerden im Mittelpunkt, sondern diejenigen, die in Zukunft dafür sorgen sollen, dass Patienten weiterhin persönlich betreut werden können.

Und vielleicht sitzt mit Lorenz diesmal nicht nur ein Praktikant am Podcast-Mikrofon, sondern bereits ein Physiotherapeut von morgen.

Podcast Seitensprung Extra: Beichte & Bestechung – Wenn 15 Autorinnen gemeinsam morden und ein Kloster zum Tatort wird

19. Oktober 2026

Was passiert, wenn 15 Krimiautorinnen gemeinsam eine Geschichte entwickeln, fünf Jahre daran arbeiten und ihre unterschiedlichen literarischen Handschriften miteinander verbinden? Das Ergebnis trägt den vielversprechenden Titel „Beichte & Bestechung“ und ist eine ebenso ungewöhnliche wie unterhaltsame Sammlung miteinander verflochtener Klosterkrimis. Ich habe drei Autorinnen Hannelore Koch, Bhavya Heubisch und Thea Lehmannn zusammen mit Büchereileiterin Beate Seyschab in einem 360 Grad Interview zu unserem Seitensprung Extra-Podcast eingeladen. Hier das VR 360 Grad Interview

Das Buch selbst erschien am März 2025 im myshow Verlag, umfasst 296 Seiten und kostet 16 Euro. Herausgegeben wurde es von Thea Lehmann. Die Idee und Konzeption entstanden unter Mitwirkung von Claudia Westhagen und dem Verlag. Beteiligt waren Autorinnen aus dem Umfeld des Vereins Mörderische Schwestern, der sich für die von Frauen geschriebene Kriminalliteratur engagiert.

Bereits die Ausgangssituation verspricht eine gehörige Portion schwarzen Humors. In einem bayerischen Kloster herrscht Krisenstimmung. Der Nachwuchs bleibt aus, die finanziellen Mittel werden knapp, und die Zukunft der geistlichen Einrichtung steht auf dem Spiel. Doch Äbtissin Fabiola denkt nicht daran, ihr Kloster kampflos aufzugeben. Sie entwickelt eine ebenso fromme wie gewagte Geschäftsidee: Eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit krimineller Vergangenheit soll nicht nur der Resozialisierung dienen, sondern zugleich neues Leben in die alten Klostermauern bringen.

Allerdings entwickelt sich die gut gemeinte Initiative anders als erwartet. Statt reuiger Sünder erscheinen zwielichtige Gestalten, ehemalige Mafiosi, Betrüger und andere Persönlichkeiten, deren Verhältnis zu Recht und Gesetz ausgesprochen flexibel ist. Bald wird das Kloster zum Treffpunkt der Unterwelt. Zwischen Gebeten, Beichten und kriminellen Machenschaften entstehen absurde Situationen, überraschende Wendungen und mörderische Verwicklungen. Besonders verdächtig erscheint der ehemalige Mafioso Salvatore, der sich als Gärtner betätigt und dessen Rosen auf geradezu unheimliche Weise gedeihen. Was steckt hinter dieser außergewöhnlichen Blütenpracht?

Fünfzehn Autorinnen und eine gemeinsame literarische Welt
Die eigentliche Besonderheit von „Beichte & Bestechung“ liegt jedoch weniger in seiner Handlung als in seiner Entstehung. Fünfzehn Autorinnen haben über einen Zeitraum von rund fünf Jahren an einem gemeinsamen literarischen Projekt gearbeitet. Dabei entstand kein klassischer Roman, bei dem eine einzige Erzählerin die Handlung bestimmt, sondern ein Geflecht aus vierzehn Geschichten, die durch einen gemeinsamen Schauplatz, wiederkehrende Figuren und eine übergeordnete Rahmenhandlung verbunden sind.

Ein solches Projekt verlangt erheblich mehr Abstimmung als eine gewöhnliche Anthologie. Schließlich muss jede Autorin ihre eigene Geschichte entwickeln können, ohne die Logik der gemeinsamen Erzählwelt zu beschädigen. Figuren müssen wiedererkennbar bleiben, Ereignisse aufeinander abgestimmt werden und die unterschiedlichen Erzählstränge miteinander harmonieren. Gerade bei Kriminalgeschichten, deren Wirkung häufig auf präzise konstruierten Überraschungen beruht, ist dies eine besondere Herausforderung.

Die unterschiedlichen literarischen Stimmen sind zugleich eine Stärke des Buches. Wo eine Autorin auf Spannung setzt, bevorzugt eine andere möglicherweise groteske Situationen, psychologische Abgründe oder pointierte Dialoge. Dadurch entsteht Abwechslung, ohne dass die gemeinsame Grundidee verloren geht. Das Buch bewegt sich zwischen Kriminalkomödie, klassischer Kurzgeschichte und einer episodenhaft aufgebauten Romanhandlung.

Dass diese Konstruktion anspruchsvoll ist, bestätigt auch Herausgeberin Thea Lehmannn über die Arbeit an Gemeinschaftsprojekten. Sie beschreibt die Schwierigkeit, einzelne Autorinnen bei der Ausgestaltung einer übergeordneten Rahmenhandlung zu begrenzen, damit das Zusammenspiel der Geschichten funktioniert. Für „Beichte & Bestechung“ wurde deshalb besonderer Wert darauf gelegt, die Figuren über die einzelnen Erzählungen hinweg miteinander zu verbinden.

Zwischen schwarzem Humor und menschlichen Abgründen
Literarisch lebt „Beichte & Bestechung“ vom reizvollen Gegensatz zwischen dem vermeintlich heiligen Ort und den ausgesprochen unheiligen Absichten seiner Besucher. Ein Kloster steht traditionell für Besinnung, Vergebung und moralische Orientierung. Hier wird es zum Schauplatz von Täuschung, krimineller Energie und menschlichen Schwächen. Diese Umkehrung vertrauter Vorstellungen liefert reichlich Stoff für Situationskomik und satirische Zuspitzungen.

Interessant ist dabei die Frage nach Schuld und Sühne. Können Menschen mit krimineller Vergangenheit tatsächlich einen neuen Weg einschlagen? Ist Reue eine Frage des Glaubens oder der persönlichen Überzeugung? Und wie weit darf jemand gehen, um eine vermeintlich gute Sache zu retten? Hinter dem unterhaltsamen Kriminalgeschehen verbergen sich damit durchaus ernsthafte Fragen nach Moral, Verantwortung und menschlicher Veränderung.

Die Verbindung von Religion und Verbrechen hat in der Kriminalliteratur eine lange Tradition. Schon Umberto Ecos „Der Name der Rose“ nutzte das Kloster als abgeschlossene Welt, in der sich Macht, Geheimnisse und Mord begegnen. Allerdings verfolgt „Beichte & Bestechung“ einen wesentlich leichteren Ansatz. Statt philosophischer Schwere dominieren schwarzer Humor, skurrile Charaktere und die Lust an überraschenden Verwicklungen.

Die besondere Stärke des Konzepts liegt in der Vielfalt der Perspektiven. Jede Autorin bringt ihre eigene Vorstellung davon ein, was einen gelungenen Krimi ausmacht. Dadurch entsteht ein literarisches Mosaik, das seinen Reiz gerade aus den unterschiedlichen Erzählweisen bezieht.

Allerdings birgt diese Konstruktion auch Risiken. Nicht jede Geschichte kann dieselbe Spannung entwickeln, nicht jede Pointe wird bei allen Leserinnen und Lesern gleichermaßen funktionieren. Auch die wechselnden Schreibstile können den Lesefluss gelegentlich unterbrechen. Wer einen streng durchkomponierten Kriminalroman mit kontinuierlich steigender Spannung erwartet, dürfte deshalb mit einer anderen Erwartung an das Buch herangehen müssen.

Frauen schreiben Krimis – und bestimmen die Spielregeln
Auch der Hintergrund des Projekts verdient Aufmerksamkeit. Die beteiligten Schriftstellerinnen stehen teilweise dem Netzwerk der Mörderischen Schwestern nahe. Dieser Zusammenschluss engagiert sich für die Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur von Frauen und unterstützt Autorinnen bei ihrer literarischen Arbeit.

„Beichte & Bestechung“ zeigt, welches kreative Potenzial in einer solchen Zusammenarbeit steckt. Statt ausschließlich auf die individuelle Leistung einer einzelnen Schriftstellerin zu setzen, steht hier die gemeinsame Entwicklung einer Geschichte im Mittelpunkt. Die Autorinnen müssen Ideen teilen, Kompromisse eingehen und sich auf die Figuren und Handlungsentwicklungen ihrer Kolleginnen einlassen.

Dass daraus nach fünf Jahren tatsächlich ein veröffentlichtes Buch entstanden ist, kann bereits als bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung gelten. Denn kreatives Schreiben ist häufig ein einsamer Prozess. Hier wurde daraus ein langfristiges Gemeinschaftsprojekt, bei dem unterschiedliche Temperamente, Erfahrungen und literarische Vorlieben zusammenfinden mussten.

Autorenlesung in der Gemeindebücherei Maisach
Vor kurzem stellten Hannelore Koch, Bhavya Heubisch und Herausgeberin Thea Lehmann das Buch in der Gemeindebücherei Maisach vor. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, nicht nur ausgewählte Geschichten kennenzulernen, sondern auch mehr über die außergewöhnliche Entstehung des Werkes zu erfahren.

Im Anschluss waren die drei Autorinnen zu Gast in einer Extra-Ausgabe des Podcasts „Seitensprung“ der Gemeindebücherei Maisach. Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange sprachen mit ihnen über das gemeinsame Schreiben, die Herausforderungen eines Projekts mit 15 Beteiligten und die Frage, wie aus zahlreichen individuellen Ideen eine zusammenhängende literarische Welt entstehen kann.

Fazit: Ein Krimiprojekt, das aus der Reihe fällt

Wärme, Moor und Wohlgefühl – warum das ZfG im Herbst auf Fango setzt

15. Oktober 2026

Mit dem Herbst kommt die Wärme: In der 21. Folge des Videopodcasts „Dombo bewegt“ sprechen Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit in Maisach und Matthias J. Lange über eine Behandlung, die seit vielen Jahren zum Angebot der Praxis gehört – Fango. Doch Fango ist nicht gleich Fango. Das ZfG setzt bewusst auf Naturmoor-Einmalpackungen und wiederverwendbare Wärmeträger.

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und damit beginnt im Zentrum für Gesundheit traditionell auch wieder die Zeit der Herbstaktionen. Wärme spielt dabei eine wichtige Rolle. Für Norman Dombo ist das eine gute Gelegenheit, einmal genauer zu erklären, was eigentlich auf der Behandlungsliege landet, wenn von einer Fangopackung die Rede ist.

Im ZfG kommt echtes Naturmoor zum Einsatz. Es handelt sich um ein Naturprodukt, das aus der Erde gewonnen, aufbereitet, gewässert und auf eine Folie aufgebracht wird. Chemische Zusätze sind nach Dombos Angaben nicht enthalten. Über das Moor kommt ein sogenanntes Pelliod, darüber ein Tuch und schließlich der eigentliche Wärmeträger. Dieser ist ebenfalls mit Moor gefüllt, jedoch vollständig verschlossen und mehrfach verwendbar. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, Wärme zu speichern und über längere Zeit gleichmäßig abzugeben.

Damit unterscheidet sich das Verfahren von einem klassischen Paraffin-Fango, wie es ebenfalls in therapeutischen Praxen eingesetzt wird. Dort wird das Material stark erhitzt, anschließend wieder auf Behandlungstemperatur heruntergekühlt und nach der Anwendung erneut aufbereitet. Norman Dombo sieht darin unter anderem einen vergleichsweise hohen Energieaufwand. Zudem bevorzugt er das Temperaturverhalten des im ZfG eingesetzten Systems.

Ein wichtiger Vorteil für ihn: Die Naturmoorpackung wird zunächst bei Zimmertemperatur aufgelegt. Die Wärme kommt anschließend vom darüberliegenden Wärmeträger und gelangt allmählich durch die Packung zum Körper. Die Behandlungstemperatur steigt also langsam an. Gerade für Menschen, die starke Hitze zu Beginn einer Behandlung als unangenehm empfinden, kann dies angenehmer sein. Die Wärmeträger werden im ZfG in einem Wasserbad auf knapp 60 Grad Celsius erwärmt und geben ihre gespeicherte Wärme nach und nach ab.

Eingesetzt werden solche Wärmeanwendungen vor allem dort, wo therapeutisch Wärme gewünscht ist – beispielsweise im Schulter- und Nackenbereich oder am unteren Rücken. Grundsätzlich können je nach ärztlicher Diagnose und Verordnung aber auch andere Körperregionen behandelt werden. Wärme kann dazu beitragen, die Muskulatur zu entspannen und auf weitere therapeutische Maßnahmen vorzubereiten.

Naturmoor bringt dabei seine eigenen Eigenschaften mit. Es ist mineralstoffreich, leicht sauer und kann je nach Charge aufgrund natürlicher Bestandteile auch einen charakteristischen Geruch entwickeln. „Manche Chargen riechen ein bisschen nach faulen Eiern“, erklärt Dombo mit einem Lachen. Das sei kein Qualitätsmangel, sondern schlicht Natur.

Bei aller Begeisterung für die wohltuende Wärme betont Dombo allerdings einen Punkt besonders: Eine intensive Wärmeanwendung ist nicht für jeden Menschen automatisch geeignet. Vor allem bei bekannten Herz-Kreislauf-Problemen ist Vorsicht angebracht. Deshalb klärt das Zentrum für Gesundheit auch bei Selbstzahlern im Zweifelsfall zunächst ab, ob aus medizinischer Sicht etwas gegen eine Fangobehandlung spricht. Sicherheit gehe vor schneller Behandlung, betont Dombo.

Interessant ist auch die Frage nach der Nachhaltigkeit. Während die Wärmeträger immer wieder verwendet werden können, handelt es sich beim eigentlichen Naturmoor um Einmalpackungen. Weil das Material weitgehend aus einem Naturprodukt besteht, hatte das ZfG in der Vergangenheit sogar eine ungewöhnliche Recyclingidee: Patienten konnten das verwendete Moor mitnehmen und im Garten weiterverwenden. Gerade Pflanzen, die einen eher sauren Boden bevorzugen, können davon profitieren. So fand manche Fangopackung nach ihrem Einsatz in der Praxis noch eine zweite Verwendung im heimischen Garten.

Für die kalte Jahreszeit hat sich das Zentrum für Gesundheit jedenfalls bereits vorbereitet: Kartonweise wurde Nachschub bestellt. Denn die Fangobehandlungen gehören seit Jahren zu den wiederkehrenden Herbstangeboten des ZfG.

Und Matthias J. Lange? Der zeigt sich am Ende des Gesprächs durchaus überzeugt von der Aussicht auf eine warme Behandlungsliege. Seine Idee für eine der nächsten Folgen steht jedenfalls schon: Er legt sich einfach auf die Liege, Norman Dombo übernimmt die Fangopackung – und der Podcast läuft währenddessen weiter.

Folge 21 von „Dombo bewegt“ zeigt damit einmal mehr, was das Format ausmacht: verständliche Informationen aus dem Praxisalltag, medizinische Hintergründe und ein Gespräch, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Podcast Seitensprung (8): Von der DVD zur Backform: Die Gemeindebücherei Maisach startet ihre „Bibliothek der Dinge“

7. Oktober 2026

Der Medienwandel macht auch vor der Gemeindebücherei Maisach nicht halt. In der neuen Folge des Podcasts „Seitensprung“ sprechen Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange über leere Regale, das Ende von DVDs und CDs, sinkende Ausleihzahlen – und vor allem über ein neues Angebot, mit dem die Bücherei im kommenden Jahr experimentieren will: die „Bibliothek der Dinge“.

Gleich zu Beginn fällt Lange auf, dass dort, wo früher DVDs standen, plötzlich gähnende Leere herrscht. Seine Frage „Wo sind die DVDs?“ beantwortet Seyschab überraschend direkt: „Ganz ehrlich, im Müll.“ Eine Aussage, die zunächst drastisch klingt, hinter der aber eine Entwicklung steht, die sich seit Jahren abzeichnet. Seit der Corona-Pandemie seien die Ausleihzahlen bei DVDs und CDs massiv eingebrochen. „Was vor Corona der Bringer an Zahlen war, genau diese zwei Gruppen ist mit Corona einfach in den Keller gegangen“, erklärt Seyschab. Hier der Podcast

Eine wesentliche Ursache sieht sie im veränderten Medienkonsum. Während der Pandemie hätten sich viele Haushalte Streamingdienste zugelegt. Filme, Serien und Musik stehen damit jederzeit digital zur Verfügung. Die klassische „Silberscheibe“, wie Lange CD und DVD zusammenfasst, verliert zunehmend an Bedeutung. Selbst ein Flohmarkt habe für die ausgesonderten Medien kaum noch Interessenten gefunden.

Für eine öffentliche Bücherei ist diese Entwicklung auch eine Frage des sinnvollen Umgangs mit Platz und Geld. Medien, die über Jahre nicht ausgeliehen werden, blockieren Regalfläche und verschlechtern zugleich die Ausleihstatistik. Dabei habe die Bücherei durchaus großzügige Maßstäbe angelegt. „Alles, was in den letzten fünf Jahren nicht ein einziges Mal aus dem Haus gegangen ist, kommt raus“, beschreibt Seyschab die Vorgehensweise. Auch bei Hörbüchern wurde der Bestand bereits deutlich reduziert.

Ganz verschwunden sind physische Medien allerdings noch nicht. Vor allem bei Kinder-CDs habe es zuletzt wieder einen kleinen Anstieg gegeben. Deshalb wurden sogar einige neue Titel angeschafft. Ob daraus ein dauerhafter Trend wird, bleibt abzuwarten. Eine grundsätzliche Renaissance von DVD und CD erwartet Seyschab jedoch nicht.

Auch bei gedruckten Zeitschriften steht ein Einschnitt bevor. Die wenigen noch vorhandenen Abonnements sollen voraussichtlich im kommenden Jahr weiter reduziert beziehungsweise eingestellt werden. Der Grund ist auch hier die Wirtschaftlichkeit. Wenn eine Zeitschrift im Jahr nur wenige Male ausgeliehen werde, gleichzeitig aber rund 100 Euro koste, müsse eine kommunale Bücherei abwägen. „Für den Hunderter, den ich mir da spare, kann ich Minimum drei Bücher kaufen“, rechnet Seyschab vor. Digitale Angebote und Plattformen hätten auch in diesem Bereich die Mediennutzung grundlegend verändert.

Doch die frei werdenden Regale sollen keineswegs leer bleiben. Die Gemeindebücherei plant mit der „Bibliothek der Dinge“ ein völlig neues Angebot. Dahinter steckt die Idee, nicht nur Bücher und andere klassische Medien auszuleihen, sondern auch Gegenstände, die im Alltag nur gelegentlich benötigt werden.

„Es gibt ja Sachen, die braucht man im Haushalt vielleicht einmal im Jahr“, erklärt Seyschab. Warum also einen Gegenstand kaufen, der anschließend jahrelang im Schrank liegt? Denkbar sind beispielsweise besondere Backformen, Stanzer zum Basteln, Spiele für den Garten oder später auch technische Geräte. Zum Start konzentriert sich die Bücherei zunächst auf Gegenstände ohne Stromkabel, weil Fragen rund um notwendige Elektroprüfungen noch geklärt werden müssen.

Ein erster Grundbestand ist bereits angeschafft. Dazu gehören unter anderem Großspiele für draußen, Leitergolf, Bastelutensilien und verschiedene Backformen. Organisatorisch werden die Gegenstände ähnlich behandelt wie Bücher: Sie erhalten eine Mediennummer, werden in das EDV-System aufgenommen und bei der Ausleihe regulär verbucht. Verpackungen beziehungsweise Kisten sollen dafür sorgen, dass Gegenstände und Zubehör vollständig zusammenbleiben.

Ganz neu ist das Konzept nicht. Andere Bibliotheken im Landkreis haben bereits Erfahrungen damit gesammelt. Besonders die Bücherei in Gröbenzell diente dem Maisacher Team als Orientierung. „Bei denen läuft es super“, berichtet Seyschab. Entsprechend gespannt ist man nun, wie das Angebot in Maisach angenommen wird.

Der Start ist für Anfang 2027 vorgesehen. Die neue Büchereisatzung schafft inzwischen die notwendige Grundlage, nun müssen die Gegenstände erfasst, Regale umgebaut und die Abläufe an der Ausleihtheke entwickelt werden. Bewusst will das Team nicht mit nur einigen wenigen Gegenständen starten. Die Besucherinnen und Besucher sollen von Beginn an eine gewisse Auswahl vorfinden.

Dabei versteht die Bücherei das Projekt zunächst als Experiment. Welche Gegenstände besonders gefragt sein werden, lässt sich kaum vorhersagen. Auch das Team muss Erfahrungen sammeln, denn eine Backform oder ein Gartenspiel zurückzunehmen und auf Vollständigkeit zu kontrollieren ist etwas anderes als die Rückgabe eines Buches. Seyschab rechnet deshalb mit einer „Einlaufzeit“ sowohl für die Nutzer als auch für die Mitarbeiterinnen.

Sollte sich das Konzept bewähren, könnten künftig auch Sachspenden interessant werden. Wer beispielsweise eine hochwertige Backform oder einen selten benötigten Haushaltsgegenstand besitzt, den er selbst kaum nutzt, könnte damit möglicherweise den Bestand ergänzen. Zunächst möchte die Bücherei jedoch Erfahrungen mit dem selbst angeschafften Grundsortiment sammeln.

Neben dem Medienwandel bleibt die Gemeindebücherei ein Veranstaltungsort. Im Oktober stehen gleich mehrere Termine auf dem Programm. Am 8. Oktober wird von 15 bis 16.30 Uhr für den Herbst gebastelt, am 13. Oktober folgt um 15 Uhr die englische Vorlesestunde. Am 14. Oktober um 20 Uhr steht mit „Beichte und Bestechung“ ein ungewöhnliches Krimiprojekt auf dem Programm. An dem Buch haben mehrere Autorinnen gemeinsam gearbeitet; drei von ihnen werden in Maisach zu Gast sein. Für Lange ist gerade die Frage spannend, wie ein Roman gemeinschaftlich entstehen kann. Deshalb ist zu der Veranstaltung auch eine Sonderfolge von „Seitensprung“ mit den Autorinnen angedacht.

Am 28. Oktober kommt Stefanie Schuster mit ihrem neuen Werk „Happy Bavaria – Abgemurkst“ nach Maisach. Einen Tag später, am 29. Oktober, findet von 15 bis 16 Uhr die nächste deutschsprachige Vorlesestunde statt.

Die neue „Seitensprung“-Folge zeigt damit exemplarisch, wie stark sich die Rolle öffentlicher Bibliotheken verändert. Wo früher Regalmeter mit CDs, DVDs und Zeitschriften selbstverständlich waren, entstehen heute neue Angebote. Die Bücherei wird zunehmend zu einem Ort, an dem nicht allein Medien, sondern Wissen, Gegenstände, Veranstaltungen und gemeinschaftliche Erfahrungen geteilt werden.

Matthias J. Lange bringt diesen Wandel im Gespräch auf einen einfachen Nenner: „Nur wenn die Gemeindebücherei was macht, wird sie auch wahrgenommen.“ Beate Seyschab und ihr Team setzen deshalb nicht darauf, verschwundenen Medienangeboten nachzutrauern, sondern wollen ausprobieren, was eine moderne Gemeindebücherei zusätzlich sein kann. Die „Bibliothek der Dinge“ ist dafür ein bemerkenswert konkreter Schritt: weg vom Besitz, hin zum gemeinsamen Nutzen.

Und trotz aller Veränderungen bleibt wenigstens eine mediale Konstante erhalten. Auf die Frage, ob es denn noch Asterix gebe, kann Seyschab beruhigen: „Wir haben Asterix, ja.“ Sogar einige Asterix-Filme haben das große Aussortieren überstanden.

Podcast: Nah dran (4) „Verbessere dich“ – Dietmar Schmidt über Journalismus, Vertrauen in der Pressearbeit

1. Oktober 2026

Manche journalistischen Karrieren lassen sich anhand von Jahreszahlen erzählen. Andere erzählen zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Bei Dietmar Schmidt ist beides kaum voneinander zu trennen. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München spricht Vorstandsmitglied Matthias J. Lange mit seinem Vorstandskollegen über ein langes Berufsleben zwischen Universität, Pressearbeit, Wissenschaftsjournalismus und PresseClub – und über eine journalistische Tugend, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Vertrauen.

Dietmar Schmidt wurde am 9. November 1939 in Mähren geboren. Seine ersten Erinnerungen sind geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. 1945 geriet die Familie in tschechische Gefangenschaft, seine Eltern mussten Zwangsarbeit leisten. 1946 kam die Familie nach Deutschland. Schmidt erinnert sich noch an die Grenze und an die weißen Armbinden, die dort abgelegt werden durften. Es sind Erinnerungen eines Kindes an eine Zeit, die sich tief eingeprägt hat. Hier der Podcast des PresseClubs.

Nach Stationen in Franken und im Rheinland kam Schmidt 1959 zum Studium nach München. Zunächst begann er mit Chemie, wechselte jedoch bald zu Geschichte, Politischer Wissenschaft und der damaligen Zeitungswissenschaft. Der Weg in die Kommunikation zeichnete sich ab – auch wenn er zunächst anders geplant war.

1968 begann schließlich ein Berufsleben, das eng mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden werden sollte. Sein Doktorvater empfahl ihm, sich auf die neu geschaffene Stelle eines Pressereferenten zu bewerben. Schmidt bekam den Job. Aus dem jungen Akademiker wurde einer jener Männer, die Hochschulkommunikation in Deutschland überhaupt erst als professionelles Arbeitsfeld etablierten.

Der Zeitpunkt hätte kaum spannender sein können. Die Studentenbewegung erreichte die Universität, Hörsäle wurden besetzt, Senatssitzungen gesprengt, politische Auseinandersetzungen bestimmten den Alltag. „Es waren wilde Jahre“, erinnert sich Schmidt. Und er stand mittendrin.

Damals war er gerade 28 Jahre alt. Bei studentischen Veranstaltungen geriet er sogar unter Verdacht, ein „Polizeispion“ zu sein, und wurde von Studenten eingekesselt. Gleichzeitig musste er versuchen, die Position der Universität gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu vermitteln.

„Es war zu Beginn ganz klar Pressearbeit“, sagt Schmidt. Dabei ging es ihm nicht nur darum, den Standpunkt der Universität zu verbreiten. Entscheidend war für ihn, Informationen einzuordnen und Sachverhalte richtigzustellen: „Da musste man natürlich schon schauen, dass man sozusagen das, was stimmt, versucht unter die Leute zu bringen.“

Die Bedingungen dieser frühen Hochschulkommunikation erscheinen aus heutiger Sicht beinahe abenteuerlich. Schmidt begann „mit einer halben Sekretärin in einem kleinen Kämmerchen“. Selbst eine elektrische Schreibmaschine war keine Selbstverständlichkeit.

Im Frühjahr 1969 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises der Hochschulpressestellen in Deutschland. Gerade einmal sieben hauptberufliche Pressereferenten deutscher Universitäten kamen damals zusammen. Für Schmidt zeigt diese Zahl eindrucksvoll, welchen Stellenwert Hochschulkommunikation zu jener Zeit besaß – und wie grundlegend sich das später verändern sollte.

Aus der klassischen Pressestelle entwickelte sich über Jahrzehnte eine professionelle Hochschulkommunikation. Interne Medien kamen hinzu, Wissenschaftskommunikation gewann an Bedeutung, neue Kanäle entstanden. Kommunikation wurde schließlich zur strategischen Aufgabe der Hochschulleitungen.

Doch Technik und Organisationsstrukturen waren für Schmidt nie das Entscheidende. Pressearbeit lebte für ihn vor allem von persönlichen Beziehungen.

Zu den Journalistinnen und Journalisten der Münchner Medienlandschaft pflegte er einen engen Kontakt. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, Rundfunk – man kannte sich. Und man wusste, was man voneinander erwarten konnte.

„Die wussten, dass ich sie nicht belüge“, beschreibt Schmidt dieses Verhältnis mit einem bemerkenswert einfachen Satz. Ebenso wichtig sei gewesen, den Journalisten Hilfestellung zu geben und manchmal einen Hinweis auf eine interessante Geschichte.

Vertrauen war die eigentliche Währung.
Dabei konnte es durchaus turbulent werden. Die Universitätskliniken gehörten zeitweise ebenfalls zu seinem Verantwortungsbereich. Erste Herztransplantationen, Herz-Lungen-Transplantationen, prominente Patienten oder Mehrlingsgeburten sorgten für enormes Medieninteresse. Schmidt erzählt von Pressekonferenzen auf Parkplätzen, von Reportern, die sich mit Blumensträußen Zugang zu Patientenzimmern verschaffen wollten, und von Fotografen, die gegenüberliegende Dächer erklommen, um einen Blick durch Klinikfenster zu erhaschen.

Geschichten aus einer Medienwelt, die technisch weit von der heutigen entfernt scheint – und in manchen Mechanismen doch erstaunlich vertraut wirkt.

Eine zentrale Herausforderung war schon damals die Vermittlung komplizierter Wissenschaft. Wie erklärt man Forschung so, dass Journalisten und Öffentlichkeit sie verstehen können, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen?

Schmidt entwickelte dafür einen bemerkenswert pragmatischen Ansatz. Eine freie Mitarbeiterin wählte er einmal ganz bewusst aus, weil sie zuvor nichts mit Wissenschaft zu tun gehabt hatte und aus der Modebranche kam. Seine Überlegung: Wenn man ihr ein wissenschaftliches Thema verständlich erklären konnte, konnte sie es anschließend auch anderen verständlich machen.

Bei aller Kommunikation blieb Schmidt die Trennung zwischen Pressearbeit und PR wichtig. Er bestand darauf, dass seine Abteilung „Pressereferat“ hieß. Der Weg über unabhängige und durchaus kritische journalistische Multiplikatoren war für ihn entscheidend. PR beschreibt er zugespitzt mit den Worten: „Wir sind schön, wir sind gut und wir sind besonders toll.“

Sein Verständnis von Pressearbeit war ein anderes: informieren, erklären, vermitteln – und dabei aushalten, dass Journalisten ihre eigenen Fragen stellen.

Diese Haltung führte Schmidt auch zur TELI, der Technisch-Literarischen Gesellschaft. Die traditionsreiche Organisation für Wissenschafts- und Technikjournalismus entstand in einer Zeit, als Pressestellen noch „literarische Büros“ genannt wurden. Schmidt war lange Vorsitzender der Münchner Gruppe. Die TELI hatte einst mehrere hundert Mitglieder, organisierte regelmäßige Veranstaltungen und brachte Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus miteinander ins Gespräch.

Heute blickt Schmidt mit einer gewissen Wehmut auf diese Entwicklung. Viele Funktionen solcher Vereinigungen haben sich durch digitale Medien verändert. Vorträge und Fachinformationen sind jederzeit online verfügbar, Kommunikationswege haben sich vervielfacht. Dennoch hält er seriöse Wissenschaftskommunikation keineswegs für überholt. Im Gegenteil.

„Es kommt immer auf den Weg an, den eine Nachricht nimmt“, sagt Schmidt. Wissenschaft brauche weiterhin ausführliche Formen, aber ebenso kurze Formate für Menschen, die keine langen Fachtexte lesen. Print, Fernsehen, Blogs und soziale Medien können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Auch der PresseClub München ist für Schmidt seit Jahrzehnten ein solcher Ort der Kommunikation. Seit den frühen 1970er Jahren gehört er dem Club an, seit vielen Jahren engagiert er sich im Vorstand beziehungsweise Beirat.

Ursprünglich sei er in den PresseClub gegangen, um Menschen kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und sich beruflich auszutauschen. Der Netzwerkgedanke stand im Mittelpunkt.

Der PresseClub selbst hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war er nicht nur Veranstaltungsort, sondern Arbeitsstätte für Journalisten. Hier konnte man Texte schreiben und Nachrichten übermitteln. Bar und Sitzecken machten ihn zugleich zum Treffpunkt einer Branche.

Heute sitzt der PresseClub direkt am Marienplatz, gegenüber dem Münchner Rathaus. Die technische Funktion des Clubs ist weitgehend verschwunden – ein Smartphone reicht längst für viele Arbeiten aus. Umso wichtiger bleibt seine andere Funktion: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein Thema liegt Dietmar Schmidt dabei besonders am Herzen: der Herwig-Weber-Preis.
Herwig Weber war Münchner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender des PresseClubs. Schmidt beschreibt ihn als Journalisten, der „sehr liebevoll, sehr sachkundig“ über München schrieb. Nach Webers frühem Tod entstand Anfang der 1970er Jahre die Idee, mit einem Journalistenpreis an ihn zu erinnern.

Bis heute soll der Preis journalistische Arbeiten würdigen, die München nicht nur als touristische Kulisse betrachten, sondern sich mit dem tatsächlichen Leben der Stadt beschäftigen – mit seinen schönen und schwierigen Seiten, seinen Menschen, Konflikten und Besonderheiten.

Das Spektrum ist bewusst weit. Reportage, Bericht, Audio, Video oder Online-Beitrag können berücksichtigt werden. Entscheidend ist etwas anderes.

„Wir achten vor allen Dingen auf Qualität“, sagt Schmidt. „Es muss journalistisch gut geschrieben sein, es muss eine saubere Recherche sein. Und man muss es mit Freuden lesen können.“

Und vor allem muss München wirklich eine Rolle spielen. Eine Geschichte, die genauso gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte, reicht nicht. „Es muss spezifisch München sein.“

Schmidt gehört seit vielen Jahren der Jury an. Das Verfahren ist gründlich: Beiträge werden auf mehrere Jurymitglieder verteilt, diskutiert, erneut gelesen und schrittweise ausgewählt. Gerade Nachwuchsjournalisten sollen dabei eine Chance erhalten. Volontäre und Journalistenschüler wurden in der Vergangenheit bewusst berücksichtigt.

Für Schmidt kann eine solche Auszeichnung gerade am Beginn einer Karriere wichtig sein. Ein Journalistenpreis im Lebenslauf kann Türen öffnen und Mut machen.

Doch die Zukunft des Herwig-Weber-Preises ist nicht selbstverständlich. Die Finanzierung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Für die kommende Preisvergabe konnte erstmals die FAZ-Stiftung als Unterstützer gewonnen werden. Schmidt macht zugleich deutlich, dass eine dauerhaftere finanzielle Basis notwendig ist, wenn der traditionsreiche Preis langfristig bestehen soll. 2027 soll er auf jeden Fall wieder verliehen werden.

Vielleicht liegt gerade darin eine Parallele zwischen dem Preis, dem PresseClub und dem Journalismus selbst. Alle drei müssen sich verändern, ohne ihren Kern aufzugeben.

Denn die Werkzeuge haben sich längst gewandelt. Auf Schreibmaschine und Fernschreiber folgten Computer, Smartphone, soziale Netzwerke und inzwischen Künstliche Intelligenz. Nachrichten verbreiten sich heute in Sekunden. Wissenschaftler können ihre Öffentlichkeit selbst erreichen. Journalisten konkurrieren mit Blogs, Plattformen, Influencern und Algorithmen.

Was aber bleibt?
Am Ende des Gesprächs stellt Matthias J. Lange seinem Gast eine persönliche Frage. Dietmar Schmidt hat Herwig Weber selbst nie kennengelernt. Doch welchen Rat, so die hypothetische Frage, würde dieser erfahrene Journalist heute wohl einem jungen Kollegen geben?

Schmidt muss nicht lange über journalistische Werkzeuge, Plattformen oder Reichweiten sprechen. Seine Antwort besteht aus zwei Worten: „Verbessere dich.“

Es ist ein bemerkenswert schlichtes Schlusswort nach einem Berufsleben, das von Schreibmaschinen über Fernschreiber und Pressekonferenzen bis zur digitalen Kommunikation reicht.

Vielleicht steckt darin tatsächlich vieles von dem, was guten Journalismus ausmacht: neugierig bleiben, genau hinschauen, sauber recherchieren, verständlich schreiben, Kritik aushalten und niemals glauben, dass man schon alles kann. Die Technik verändert sich. Diese Haltung nicht.

Podcast Seitensprung (7): Wenn Bücher baden gehen – „Seitensprung“ über Schäden, Verantwortung und Neues aus der Bücherei

22. September 2026

Bücher, CDs und DVDs gehen durch viele Hände. Sie werden gelesen, gehört, angeschaut, mit nach Hause genommen und anschließend wieder in die Gemeindebücherei Maisach zurückgebracht. Meist funktioniert das problemlos. Doch manchmal kommt ein Buch mit Wasserschaden zurück, eine CD ist zerkratzt oder in einem Bilderbuch wurde mit Buntstiften gemalt. Genau darum geht es in der neuen Folge des Podcasts „Seitensprung“ der Gemeindebücherei Maisach. Büchereileiterin Beate Seyschab und Journalist Matthias J. Lange sprechen über beschädigte Medien, Verantwortung, die neue Büchereisatzung – und natürlich über die nächsten Veranstaltungen.

„Wir sind relativ streng“, erklärt Beate Seyschab mit Blick auf beschädigte Medien. Das habe einen einfachen Grund: „Wir möchten unseren Bestand möglichst lange gut erhalten. Das sind Steuergelder, die wir dafür verwenden.“ Gerade angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel könne eine Bücherei beschädigte Bücher oder andere Medien nicht einfach unbegrenzt ersetzen. Und hier der Podcast:

Dabei geht es keineswegs nur um spektakuläre Schäden. Manchmal sind es umgeknickte Ecken, Kaffeeflecken, Sand zwischen den Seiten oder kleine Kritzeleien. Bei Bilderbüchern fehlen gelegentlich sogar Seiten. Bei CDs und DVDs ist die Kontrolle schwieriger, weil das Team natürlich nicht jedes zurückgegebene Medium komplett abspielen kann. Deshalb ist die Bücherei auch auf die Mithilfe ihrer Nutzerinnen und Nutzer angewiesen.

Entscheidend ist für Seyschab vor allem ein offener Umgang mit Missgeschicken. Denn natürlich kann immer etwas passieren. Ein Buch fällt herunter, ein Getränk wird verschüttet oder ein Kind entdeckt eine Buchseite als Zeichenfläche. Problematisch wird es erst, wenn ein offensichtlicher Schaden abgestritten oder verschwiegen wird.

„Wir sind alle nur Menschen und es passiert etwas“, sagt Seyschab. „Es gehört auch dazu, dass man Fehler macht. Aber es gehört auch dazu, dass man zu seinen Fehlern steht.“

Eine ihrer Lieblingsgeschichten aus dem Büchereialltag handelt von einem Bilderbuch, das mit einem roten Buntstift ausgiebig bemalt worden war. Auf den Schaden angesprochen, habe die betreffende Nutzerin „Stein und Bein geschworen“, dass es in ihrem Haushalt überhaupt keine roten Buntstifte gebe. Geschichten wie diese gehören offenbar zum Alltag einer Bücherei – ebenso wie ein Reiseführer, der bei der Rückgabe noch deutlich von einem unfreiwilligen Kontakt mit Wasser gezeichnet war.

Nicht erwischt bedeutet nicht nicht bemerkt
Dass bei der Rückgabe zunächst niemand etwas sagt, bedeutet übrigens nicht, dass ein Schaden unentdeckt bleibt. Bei der Menge der täglich zurückgegebenen Medien kann das Team nicht jedes Buch sofort Seite für Seite untersuchen. Manche Schäden fallen deshalb erst bei einer späteren Prüfung auf.

„Wir rufen dann an“, erklärt Seyschab. Bei regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern werde das Problem auch beim nächsten persönlichen Kontakt angesprochen. Dabei gehe es keineswegs darum, aus einem beschädigten Buch ein Drama zu machen. Viele Betroffene reagierten vernünftig und erklärten schlicht: „Geben Sie mir die ISBN-Nummer, ich kauf’s.“

Bei erheblichen Schäden ist das Prinzip einfach: Das Medium wird ersetzt. Ein durch Wasser stark beschädigtes Buch beispielsweise scheidet in der Regel aus dem Bestand aus. Wasser hinterlässt nicht nur unschöne Flecken. Es kann auch die Bindung und den Klebstoff beschädigen, sodass sich später einzelne Seiten lösen.

Wird ein Buch ersetzt, erhält die betreffende Person das beschädigte Exemplar. „Wir tauschen quasi aus, wir bereichern uns nicht“, betont Seyschab. Bei älteren Medien wird dagegen individuell entschieden. Ein Buch, das bereits zahlreiche Ausleihen hinter sich hat, wird anders bewertet als ein fast neues Exemplar.

Besondere Schwierigkeiten entstehen, wenn ein beschädigtes Buch gar nicht mehr lieferbar ist. Gerade bei regionalgeschichtlichen Veröffentlichungen kann das zum Problem werden. Lange verweist auf Bücher zur Geschichte Maisachs und des Landkreises: Solche Titel mögen keinen hohen materiellen Marktwert besitzen, können aber nicht ohne Weiteres nachgekauft werden. Geht ein solches Buch dauerhaft verloren, „dann fehlt Kultur in der Gemeinde“, bringt Lange die Bedeutung dieser Bestände auf den Punkt.

Eine neue Satzung für die Bücherei
Neben dem Umgang mit beschädigten Medien gibt es in der neuen „Seitensprung“-Folge ein zweites Verwaltungsthema: Die Gemeindebücherei bekommt eine aktualisierte Satzung.

Spektakuläre Veränderungen müssen die Nutzer allerdings nicht befürchten. Vielmehr wurden Regelungen angepasst, die im Laufe der Jahre schlicht überholt waren. So gab es in den früheren Räumen beispielsweise einen Taschenschrank, in dem Besucher ihre Taschen einschließen sollten. Dieser verschwand mit dem Umzug. Auch ein früher vorhandener öffentlicher Internetarbeitsplatz existiert heute nicht mehr.

Zugleich haben sich Angebot und Medienbestand der Bücherei verändert. Neue Medienformen kamen hinzu, andere verloren an Bedeutung. Auch die Regelungen zur Ersatzbeschaffung beschädigter Medien wurden ausführlicher gefasst.

Eine kleine Überraschung kündigt Seyschab ebenfalls an: Ein neues Medium soll künftig Einzug in die Gemeindebücherei halten. Welches das sein wird, möchte die Büchereileiterin allerdings noch nicht verraten. Langes scherzhafter Vorschlag, künftig endlich Super-8-Filme auszuleihen, dürfte es eher nicht sein.

Eine konkrete Änderung betrifft dagegen die Versäumnisgebühren. Sie steigen von bisher zehn auf künftig 20 Cent pro Tag und Medium. Seyschab verweist darauf, dass die Gemeindebücherei damit weiterhin vergleichsweise moderat bleibe. Andere Bibliotheken verlangten teilweise zusätzliche Gebühren etwa für Vorbestellungen oder bestimmte Neuerscheinungen. Solche Leistungen bleiben in Maisach kostenfrei.

„Ich bin seit 15 Jahren hier und da sind immer diese zehn Cent gewesen“, sagt Seyschab. Nach dieser langen Zeit sei eine Anpassung vertretbar.

Vorlesen, Harry Potter, Basteln und Krimis
Neben Satzungen, Gebühren und beschädigten Büchern soll natürlich das eigentliche Leben in der Bücherei nicht zu kurz kommen. Und deshalb gibt es wieder zahlreiche Veranstaltungen.

Am 24. September steht von 15 bis 16 Uhr die nächste Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahren auf dem Programm. Am 30. September folgen die „Maisacher Gespräche zur Popkultur“. Dieses Mal dreht sich unter dem Motto „Zwischen Zauberstab und Magie – Warum uns Harry Potter bis heute verzaubert“ alles um das weltweite Phänomen rund um Hogwarts, Harry, Hermine und Ron.

Auch der Oktober startet mit einem abwechslungsreichen Programm. Am 8. Oktober wird von 15 bis 16.30 Uhr Herbstdekoration gebastelt. Eingeladen sind Kinder ab sechs Jahren, die Schere, Stift und Kleber mitbringen sollen. Am 13. Oktober folgt von 15 bis 15.30 Uhr die englische Vorlesestunde.

Kriminell wird es schließlich am 14. Oktober um 20 Uhr. Bei der Krimilesung „Beichte und Bestechung“ wird ein Gemeinschaftswerk mehrerer Autorinnen vorgestellt. Voraussichtlich werden mehrere der beteiligten Schriftstellerinnen in der Gemeindebücherei zu Gast sein. Der Eintritt ist frei.

Gerade die Entstehung eines gemeinsam geschriebenen Romans macht Matthias J. Lange neugierig. Als Autor kenne er das Schreiben vor allem als eher einsame Tätigkeit. Bei Fachbüchern lasse sich die Arbeit noch relativ einfach auf einzelne Kapitel verteilen. Bei einem Krimi stelle sich dagegen die spannende Frage, wie unterschiedliche Schreibstile zu einer gemeinsamen Erzählung zusammenfinden.

Auch Seyschab freut sich auf den Abend. Zu den beteiligten Autorinnen gehört Thea Lehmann, die bereits mehrfach in Maisach zu Gast war. „Ich bin wirklich sehr gespannt“, sagt die Büchereileiterin.

So führt die neue „Seitensprung“-Folge einmal mehr mitten hinein in den Alltag der Gemeindebücherei Maisach. Und dieser Alltag besteht eben nicht nur daraus, Bücher ins Regal zu stellen und wieder herauszugeben. Eine Bücherei verwaltet öffentlich finanziertes Kulturgut, bewahrt regionale Literatur, organisiert Veranstaltungen und schafft einen Ort der Begegnung.

Und die vielleicht wichtigste Botschaft dieser Folge ist erstaunlich einfach: Wenn einem ein ausgeliehenes Buch tatsächlich einmal in die Badewanne fällt, ist das ärgerlich – aber kein Weltuntergang. Nur sollte man anschließend so ehrlich sein und es der Bücherei sagen.

Podcast Dombo bewegt (20): Warum Muskeln nicht nur stark, sondern auch lang sein sollten

14. September 2026

Krafttraining, Ausdauer und Beweglichkeit gehören zusammen – doch gerade die Beweglichkeit kommt im Trainingsalltag häufig zu kurz. In einer neuen Folge des Podcasts „Dombo bewegt“ geht es deshalb nicht nur um Theorie. Barbara und Norman Dombo demonstrieren im Zentrum für Gesundheit in Maisach, wie sogenanntes Muskellängentraining funktioniert und warum es eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Krafttraining im Zentrum für Gesundheit Maisach sein kann.

Diesmal steht Norman Dombo nicht allein vor dem Mikrofon. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara zeigt er direkt an den Trainingsgeräten, wie sich unterschiedliche Muskelketten gezielt ansprechen lassen. Schauplatz ist der Five-Bereich des Zentrums für Gesundheit. Die dort eingesetzten Geräte sind darauf ausgelegt, Beweglichkeit zu fördern und Muskeln beziehungsweise Muskelketten kontrolliert in die Länge zu bringen. Hier der Videopodcast.

„Ich nenne es immer Muskellängentraining“, erklärt Norman Dombo. Der Begriff sei ihm wichtig, weil es um mehr gehe als um das klassische Dehnen, das viele noch aus dem Sportunterricht kennen. Die Übungen werden gezielt ausgeführt, Positionen gehalten und Bewegungsabläufe durch die Geräte unterstützt.

Die Hüfte wieder beweglicher machen
Barbara Dombo übernimmt in der Podcastfolge den praktischen Teil. An der Station „Hip“ demonstriert sie eine Übung für den Hüftbereich. Dabei wird die Muskulatur durch eine kontrollierte Bewegung in eine verlängerte Position gebracht.

„Wir wollen die Muskulatur in der Hüfte etwas dehnen. Das Gerät unterstützt dabei hervorragend“, erläutert Norman Dombo, während seine Frau die Bewegung vormacht. Wichtig seien dabei nicht möglichst große oder schnelle Bewegungen, sondern eine kontrollierte Ausführung und die richtige Körperhaltung.

Gerade die Hüfte ist für die alltägliche Beweglichkeit von großer Bedeutung. Viel Sitzen und einseitige Belastungen können dazu führen, dass Bewegungsabläufe zunehmend eingeschränkt werden. Das Training soll deshalb nicht allein auf Muskelkraft abzielen, sondern den Körper möglichst beweglich halten. Barbara Dombo zeigt dabei, dass die Übungen keineswegs spektakulär aussehen müssen, um anspruchsvoll zu sein. Norman Dombo ist mit der Demonstration jedenfalls zufrieden: „Das war gerade perfekt.“

Muskelketten statt einzelner Muskeln
Anschließend wechselt Norman Dombo selbst an ein Gerät. An der „Chest“-Station zeigt er, wie sich größere Muskelketten ansprechen lassen. Dabei wird der Körper kontrolliert nach hinten geführt und über eine bewegliche Rolle abgerollt.

„Für mich ist das wahnsinnig gut, um alles lang zu machen – die gesamte Muskelkette“, erklärt Dombo. Die Geräte lassen sich dabei individuell an Körpergröße und Beweglichkeit anpassen. Entscheidend ist für ihn auch die Dauer der Übungen. „15 bis 20 Sekunden einfach eine Stellung halten“, empfiehlt Dombo. Dabei müsse niemand versuchen, mit Gewalt eine möglichst große Dehnung zu erreichen. Vielmehr gehe es darum, dem Körper Zeit zu geben und die jeweilige Position bewusst einzunehmen.

Das Konzept zieht sich durch den gesamten Trainingsbereich. Verschiedene Stationen widmen sich unterschiedlichen Regionen und Muskelketten. Das Ziel bleibt jedoch gleich: Beweglichkeit erhalten beziehungsweise zurückgewinnen und damit einen Gegenpol zu einseitigem Krafttraining und einem bewegungsarmen Alltag schaffen.

Wenn die Füße mit dem Gehirn kommunizieren
Eine Besonderheit im Trainingsbereich ist ein Gerät, das Norman Dombo augenzwinkernd als seinen „Feet-Zauber“ bezeichnet. Über unterschiedliche Kontaktpunkte an den Fußsohlen sollen Reize gesetzt werden. Dombo beschreibt das Prinzip so: „Es ist eine Kombination aus Triggerpunkten und Reflexzonen in den Füßen in Verbindung mit dem Hirn.“ Die gesetzten Reize sollen dazu beitragen, dass der Körper anschließend Bewegungen leichter beziehungsweise mit einem größeren Bewegungsumfang ausführen kann.

Dabei werden nacheinander unterschiedliche Flächen genutzt, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen, laut Dombo jedoch verschiedene Punkte an den Fußsohlen ansprechen. Schon wenige Sekunden reichen für die jeweilige Anwendung. Danach wird überprüft, ob sich die Beweglichkeit verändert hat.

Eine Bordsteinkante für die Waden
Dass wirkungsvolle Übungen nicht immer komplizierte Maschinen benötigen, zeigt die nächste Station. Ein massiver Granitblock erinnert optisch ein wenig an eine Bordsteinkante. Norman Dombo stellt sich mit dem Vorderfuß auf die Kante und senkt die Fersen kontrolliert ab. „Damit mache ich automatisch die Wadenmuskulatur lang“, erklärt er. Wird zusätzlich der Oberkörper nach vorne gebeugt, erweitert sich die Dehnung. „Dann mache ich gerade die gesamte Muskulatur im Bein lang. Das geht bis in den Rücken hinein.“

Das Beispiel macht deutlich, was Dombo unter Muskellängentraining versteht. Nicht einzelne Muskeln sollen isoliert betrachtet werden. Vielmehr geht es um zusammenhängende Muskelketten und darum, Bewegungen des gesamten Körpers zu verbessern Weitere Stationen widmen sich unter anderem den Faszien. Auch der große Gesäßmuskel, der Gluteus maximus, wird gezielt angesprochen. Barbara Dombo demonstriert die entsprechende Übung: Ein Bein wird erhöht aufgesetzt, anschließend bewegt sich der Oberkörper langsam nach vorne.

Norman Dombo kommentiert die Demonstration mit einem Augenzwinkern: „Sie macht gleich die Königsdisziplin und hält sich gar nicht mehr fest – hervorragend, als ob sie es schon öfter gemacht hätte.“

Kraft allein reicht nicht
Hinter der lockeren Atmosphäre der Podcastfolge steckt eine klare Botschaft. Norman Dombo möchte dafür sensibilisieren, Training nicht ausschließlich mit Muskelaufbau und möglichst hohen Gewichten gleichzusetzen. Kraft sei wichtig, Beweglichkeit aber ebenso.

Gerade Menschen, die regelmäßig Krafttraining betreiben, sollten nach seiner Auffassung darauf achten, die Beweglichkeit nicht zu vernachlässigen. Umgekehrt kann Muskellängentraining auch für Menschen interessant sein, die im Alltag viel sitzen oder sich insgesamt zu wenig bewegen. Seine Empfehlung fällt entsprechend eindeutig aus: „Trainiert eure Muskeln nicht nur auf Kraft, sondern dehnt sie regelmäßig, denn das hält euch lange gesund.“

Wer das Konzept kennenlernen möchte, kann den Five-Bereich im Zentrum für Gesundheit in Maisach auch im Rahmen eines Probetrainings ausprobieren. Für Norman Dombo ist ohnehin die praktische Erfahrung entscheidend. Seine abschließende Einladung ist deshalb denkbar unkompliziert: „Einfach ausprobieren, vorbeikommen und machen.“

Damit wird die neue Ausgabe von „Dombo bewegt“ ihrem Namen besonders gerecht. Statt ausschließlich über Bewegung zu sprechen, zeigen Barbara und Norman Dombo diesmal unmittelbar, was damit gemeint ist: bewegen, ausprobieren und erleben, wie unterschiedlich sich Kraft, Beweglichkeit und Muskellänge trainieren lassen.

Wenn Pixel zu Musik werden: Chris Huelsbeck und der Soundtrack einer ganzen Gamer-Generation

3. September 2026

Manchmal reichen wenige Takte, und eine ganze Jugend ist wieder da. Der Commodore 64 vor dem Röhrenmonitor, der Amiga 500 auf dem Schreibtisch, Diskettenboxen daneben – und aus den Lautsprechern erklingt eine Melodie, die sich tiefer ins Gedächtnis eingebrannt hat als so mancher Popsong jener Zeit. Für viele Spieler tragen diese Erinnerungen einen Namen: Chris Huelsbeck.

Auf der Gamescom 2026 in Köln traf ich den legendären deutschen Spielekomponisten wieder einmal zu einem kurzen Gespräch. Für mich ist der Mann eine Legende. Und während sich wenige Hallen weiter die internationale Gamesbranche mit gigantischen LED-Wänden, neuen Blockbustern und aufwendigen Messeständen präsentiert, sitzt Huelsbeck dort, wo er sich sichtbar wohlfühlt: in der Retro-Area am Stand von Faktor 5. Hier geht es um C64 und Amiga, um Module und Disketten – und um die Menschen, die mit dieser Technik groß geworden sind.

Für Huelsbeck ist die Gamescom allerdings auch körperliche Arbeit. „Das schlaucht schon ganz schön, so diese fünf Tage“, gibt er zu. Gerade die Publikumstage seien lang und anstrengend. Trotzdem ist er da, spricht mit seinen Fans, signiert Platten, CDs und Spiele und lässt sich fotografieren. Ein wenig erinnert das tatsächlich an Hofhalten – nur ohne jede Starallüren.

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Fans noch kommen und sich an die guten alten Zeiten erinnern“, sagt Huelsbeck. Und 2026 gibt es für ihn einen besonderen Grund zum Feiern: „Ich feiere dieses Jahr mein 40-jähriges Jubiläum.“

Vier Jahrzehnte Chris Huelsbeck bedeuten zugleich vier Jahrzehnte Geschichte der Computerspielmusik. Seine Karriere begann Mitte der achtziger Jahre mit dem Commodore 64. Mit seinem Stück „Shades“ gewann er einen Musikwettbewerb der Computerzeitschrift 64’er – und aus dem talentierten Jugendlichen wurde ein professioneller Spielekomponist. Es folgten Soundtracks, die heute zum kulturellen Gedächtnis der C64- und Amiga-Generation gehören: „The Great Giana Sisters“, „Katakis“, „R-Type“, „Apidya“ und vor allem die „Turrican“-Reihe. Später arbeitete Huelsbeck auch an internationalen Produktionen wie der „Star Wars: Rogue Squadron“-Serie. Seine eigene Biografie nennt mehr als 80 Projekte; Datenbanken führen inzwischen mehr als 100 Spiele mit entsprechenden Credits.

Seine Bedeutung liegt jedoch nicht allein in der Zahl seiner Arbeiten. Huelsbeck gehört zu jener Generation von Komponisten, die bewiesen hat, dass Computerspielmusik mehr sein kann als akustische Begleitung für springende Figuren und explodierende Raumschiffe. Seine Melodien funktionierten innerhalb der technischen Grenzen von SID-Chip und Amiga-Soundhardware – und zugleich außerhalb der Spiele. Man konnte sie hören, ohne dabei einen Controller oder Joystick in der Hand zu halten.

Gerade „Turrican“ wurde dafür zum Paradebeispiel. Die Musik trug entscheidend zur Atmosphäre der Serie bei und entwickelte über Jahrzehnte ein bemerkenswertes Eigenleben. Huelsbecks später über Crowdfunding finanzierte „Turrican Soundtrack Anthology“-Projekt zeigte, wie stark die Bindung seiner Fans geblieben ist. Natürlich war ich auch mit dabei.

Wie groß seine Bedeutung für die Musikszene über Computerspiele hinaus geworden ist, zeigte sich spätestens 2008 in Köln. Bei „Symphonic Shades – Hülsbeck in Concert“ wurden seine Kompositionen vom WDR Rundfunkorchester und Chor aufgeführt. Das Konzert war vollständig seinem Werk gewidmet und wurde als erstes Computerspielmusikkonzert weltweit live im Radio übertragen. Beide Aufführungen waren ausverkauft. Der damalige Orchestermanager Winfried Fechner erklärte später sogar, der Erfolg von „Symphonic Shades“ habe den WDR darin bestärkt, weitere große Konzerte mit Computerspielmusik zu veranstalten. Damit steht Huelsbeck auch für einen entscheidenden Moment der Emanzipation von Game Music: Musik aus Computerspielen hatte endgültig den Weg vom Soundchip in den Konzertsaal gefunden.

Doch Huelsbeck lebt nicht ausschließlich von seiner Vergangenheit. Auf der Gamescom spricht er begeistert über „Kaboomania“ von Fancy Factory, ein neues Spiel, für das er wieder einen Soundtrack geschrieben hat. Das Retro-Spiel ist unter anderem für klassische Amiga-Systeme erschienen; Huelsbecks Musik wurde für die Amiga-Version von seinem langjährigen Weggefährten Fabian Del Priore ins ProTracker-MOD-Format übertragen. APC&TCP veröffentlichte im August 2026 sowohl die Box-Version als auch eine Soundtrack-CD.

Für Huelsbeck bedeutet das eine Rückkehr zu den Wurzeln. „Ich freue mich ja, dass ich eher wieder so bei Spielen mitmachen kann, wie sie damals gemacht wurden. Eher kleinere Produktionen“, erzählt er. Bei großen modernen Games sei die Arbeit inzwischen durchaus mit einer Filmproduktion vergleichbar. Musik werde professionell im Studio produziert, teilweise mit kompletten Orchestern aufgenommen. Früher dagegen habe man „wirklich gewerkelt mit den Soundchips“.

Und genau dieses Werkeln scheint ihm bis heute Freude zu bereiten. Bei einem Amiga-Projekt gehe es wieder darum, Instrumente und Samples in einen extrem begrenzten Speicher zu bekommen: „Das macht dann auch wieder Spaß.“

Dieser Satz erklärt vielleicht einen Teil von Huelsbecks anhaltender Bedeutung. Die technischen Einschränkungen der achtziger und frühen neunziger Jahre waren für ihn nicht nur Hindernisse. Sie wurden zum kreativen Werkzeug. Wenn Speicherplatz, Stimmenzahl und Rechenleistung knapp waren, musste eine Melodie umso stärker sein. Vielleicht haben gerade deshalb so viele seiner Themen Jahrzehnte überlebt.

Dabei verbindet Huelsbeck die alten und neuen Welten inzwischen ganz selbstverständlich. Für die Amiga-Produktion arbeitete er auch mit einem Emulator. Gleichzeitig reizt ihn weiterhin echte Retro-Hardware: „Es macht schon Spaß, da wieder auch rumzutüfteln auf den Dingern.“

Bemerkenswert ist auch die Renaissance physischer Musikmedien in seiner Fangemeinde. Während Streaming längst den Massenmarkt beherrscht, beobachtet Huelsbeck eine Gegenbewegung. „Ich produziere jetzt seit ein paar Jahren auch wieder CDs“, erzählt er. Eine Zeit lang habe er gedacht, dass sich CDs kaum noch lohnten. Inzwischen sei das anders: „Die Leute [sind] doch jetzt ein bisschen müde, da nur irgendwie zu streamen oder einen MP3 oder so. Die wollen dann auch wieder CDs in den Händen halten.“ Und nicht nur CDs. Auf meine Frage nach Vinyl kommt die Antwort ohne Zögern: „Mach ich auch, ja.“

Das passt perfekt zu seiner Fangemeinde. Wer mit C64, Amiga und Disketten aufgewachsen ist, hat häufig eine besondere Beziehung zum physischen Objekt behalten. Musik ist dann eben nicht nur eine Datei auf einem Server, sondern ein Album mit Cover, Booklet und Platte oder CD – etwas, das man sammeln, signieren lassen und ins Regal stellen kann.

Für sein 40-jähriges Jubiläum plant Huelsbeck deshalb erneut ein Kickstarter-Projekt. „Da wird es dann auch wieder CDs und Vinyl und alle möglichen Goodies geben“, kündigt er auf der Gamescom an. Crowdfunding ist für ihn längst kein Experiment mehr: Mehrere seiner Musikprojekte wurden erfolgreich auf diese Weise finanziert, darunter die „Turrican Soundtrack Anthology“ und orchestrale Projekte.

Dass diese Modelle funktionieren, zeigt auch, welchen Stellenwert Huelsbeck innerhalb der Gamer- und Game-Music-Szene besitzt. Er ist nicht einfach ein Komponist, dessen alte Stücke nostalgisch verklärt werden. Seine Fans finanzieren neue Einspielungen, kaufen physische Veröffentlichungen, besuchen Konzerte und stehen Jahrzehnte später auf der Gamescom für ein Autogramm an. Gleichzeitig veröffentlicht er weiterhin neue Musik und arbeitet an aktuellen Spielen. Noch 2025 war er beispielsweise an „Boulder Dash: 40th Anniversary“, „X-Out: Resurfaced“ und einer neuen Fassung von „R-Type Delta“ beteiligt.

Und wie erlebt er selbst den Starstatus auf der Gamescom? Erkennt man ihn auf den Gängen? „Ein bisschen“, sagt Huelsbeck beinahe bescheiden. „Aber ich bin auf jeden Fall immer zugänglich hier und gebe dann Autogramme und es macht Spaß, mit den Fans sich zu treffen.“

Von den gigantischen Präsentationen der großen Publisher hält er sich dagegen eher fern. Morgens habe er einen kurzen Abstecher in die großen Hallen gemacht, erzählt er. Doch wenn die Gamescom richtig voll wird, zieht es ihn zurück in die Retro-Area. „Das ist nicht so meine Welt“, sagt er über den großen Messetrubel.

Vielleicht ist genau das ein schönes Bild für Chris Huelsbeck im Jahr 2026. Draußen rast die Gamesindustrie mit Milliardenbudgets, fotorealistischer Grafik, riesigen Open Worlds und immer neuen Geschäftsmodellen in die Zukunft. Ein paar Hallen weiter sitzt ein Mann, der einst aus wenigen Kilobyte Speicher Musik herausholte, die Menschen vierzig Jahre später noch mitsummen können.

Chris Huelsbeck hat Computerspiele nicht nur vertont. Er hat einer Epoche ihren Klang gegeben. Und solange auf der Gamescom Menschen mit leuchtenden Augen vor ihm stehen, ihre alten Erinnerungen hervorholen und um eine Unterschrift bitten, wird deutlich: Manche Soundtracks enden eben nicht mit dem Game Over.

Drei Jahre voller Herzblut: Wie das Bistro SixtyFour zu Maisachs zweitem Wohnzimmer wurde

17. August 2026

Was mit Mut, Zweifeln und einem unterschriebenen Mietvertrag begann, ist heute aus Maisach kaum noch wegzudenken: Das Bistro SixtyFour feiert seinen dritten Geburtstag. Im BistroTalk sprechen Ruby und Uwe Flügel mit Matthias J. Lange über schwierige Anfänge, treue Stammgäste, norddeutsche Frikadellen und das besondere Gefühl, einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen zusammenkommen.

Noch stehen die Stühle ordentlich an den Tischen, der Gastraum wirkt ruhig und aufgeräumt. Doch in wenigen Stunden soll davon nicht mehr viel zu sehen sein. Dann wird das Bistro SixtyFour in der Maisacher Zentrumspassage seinen dritten Geburtstag feiern – mit zusätzlichen Tischen, besonderen Speisen, Musik und zahlreichen Gästen. Für Ruby und Uwe Flügel ist dieser Tag mehr als nur ein Betriebsjubiläum. Er ist der Beweis dafür, dass aus einer mutigen Idee ein lebendiger Treffpunkt für Maisach geworden ist. Hier der BistroTalk als Stream

Im live aus dem Bistro übertragenen BistroTalk blickten die beiden Inhaber gemeinsam mit Moderator Matthias J. Lange auf drei bewegte Jahre zurück. Unterstützt wurde die Jubiläumsausgabe vom Zentrum für Gesundheit Dombo. Selbst aus Florida hatte sich ein Zuschauer angekündigt. Der Maisacher BistroTalk war damit an diesem Nachmittag zumindest digital auch international.

Ruby Flügel beschreibt ihre Gefühle beim Blick durch den Gastraum als Mischung aus Stolz, Erleichterung und Erinnerung an schwierige Zeiten. „Wenn ich zurückdenke, als wir damals aufgemacht haben, und mir jemand gesagt hätte, dass wir nach drei Jahren zusätzliche Tische reinstellen müssen, hätte ich das für völlig verrückt gehalten“, sagte sie. Inzwischen haben sich die Flügels eine große Zahl an Stammgästen aufgebaut. Für das Jubiläum reichten die regulären Plätze nicht mehr aus.

Uwe Flügel hoffte vor Beginn des Festes vor allem auf eines: „Dass alle Tische gefüllt sind, dass es voll ist, Leben in die Bude kommt und wir ordentlich zusammen feiern können.“ Es ist ein Satz, der viel über das Selbstverständnis des SixtyFour verrät. Das Bistro will nicht nur Speisen und Getränke verkaufen. Es will ein Ort sein, an dem Menschen miteinander reden, lachen, diskutieren und sich willkommen fühlen.

Zwischen Glücksgefühl und Existenzangst
Als die Flügels vor drei Jahren erstmals den Schlüssel für die Räume in den Händen hielten, überwog zunächst die Freude. Doch sie war von Respekt und Unsicherheit begleitet. „Man hatte auch ein bisschen Angst, ob der Laden jemals voll wird und ob wir als Zugereiste überhaupt anerkannt werden“, erinnerte sich Uwe Flügel.

Der endgültige Punkt ohne Rückkehr war die Unterzeichnung des Mietvertrags. Monatelang hatten Ruby und Uwe Flügel überlegt, geplant und verhandelt. Mit der Unterschrift war klar: Jetzt musste das Konzept funktionieren.

Der Wunsch nach einer eigenen Gastronomie war allerdings schon deutlich älter. Als das Paar 2010 aus Göttingen nach München zog, gab es bereits die Idee, irgendwann ein kleines Café zu eröffnen. Es dauerte noch mehr als ein Jahrzehnt, bis daraus Realität wurde. Dass die Eröffnung erst nach der Corona-Pandemie erfolgte, sehen die beiden rückblickend als glückliche Fügung. Die Menschen hatten wieder Lust, auszugehen, sich zu treffen und Gastronomie zu erleben. „Als Anfänger hätten wir die Pandemie wahrscheinlich nicht überlebt“, sagte Ruby Flügel offen.

Seit 2020 lebt das Paar in Maisach. Die Suche nach einem Standort in der eigenen Gemeinde war deshalb auch eine praktische Entscheidung. Kurze Wege waren ein wichtiger Vorteil. Über Bekannte erfuhren sie, dass die Räume des früheren Familiencafés in der Zentrumspassage frei werden sollten.

Beim ersten Besuch war die Begeisterung über die Größe der Räume ebenso groß wie die Sorge, ob sich das Projekt bewältigen lassen würde. Vieles entstand anschließend in Eigenleistung. Die Theke und zahlreiche weitere Einbauten fertigte Uwe Flügel selbst. Auch die vielen Pflanzen im Gastraum tragen seine Handschrift.

Unterstützung aus Maisach
Die Erfahrungen mit den Behörden fielen unterschiedlich aus. Von der Gemeinde Maisach, dem Bürgermeister, den Vermietern und Unterstützern aus dem Ort hätten die Flügels viel Hilfe erfahren. Schwieriger seien manche Abstimmungen mit dem Landratsamt gewesen. Ursprünglich geplante längere Öffnungszeiten wurden nicht genehmigt, außerdem mussten verschiedene Auflagen erfüllt werden.

Besonders die Unterstützung der Vermieter und engagierter Maisacher sei in dieser Phase entscheidend gewesen. „Ohne diese Hilfe hätten wir vielleicht sehr früh gesagt, dass wir nicht weitermachen“, erklärte Ruby Flügel. Gerade als Neulinge in der Gemeinde sei es wichtig gewesen, Menschen an der Seite zu haben, die an das Vorhaben glaubten.

Denn nicht alle Reaktionen waren positiv. Zu Beginn hätten manche vorhergesagt, das Bistro werde sich nicht halten können. Drei Jahre später sind diese Zweifel weitgehend verstummt.

Eine Theke als Mittelpunkt
Ein zentrales Element des SixtyFour ist die große Theke. Für Uwe Flügel war sie von Beginn an unverzichtbar. In vielen Restaurants hatte ihm ein Platz gefehlt, an dem Gäste auch ohne Essen einfach ein Bier trinken und mit dem Barkeeper sprechen können. Heute ist die Theke besonders an Wochenenden oft dicht besetzt.

Dass sie inzwischen teilweise zweireihig umlagert ist, zeigt, wie gut die Idee funktioniert. Hier werden nicht nur Getränke ausgeschenkt. Hier entstehen Gespräche, Bekanntschaften und Diskussionen. Es geht um Fußball, Kommunalpolitik, Kunst, Musik und das Leben in Maisach.

Auch die Getränkekarte hat sich deutlich entwickelt. Gestartet wurde mit rund zehn Cocktails, inzwischen umfasst das Angebot etwa 20 bis 22 Varianten, ergänzt durch saisonale Cocktails und Spritzgetränke. Viele Gäste kommen gezielt wegen der Cocktails ins Bistro.

Das helle Bier gehört weiterhin zu den stärksten Umsatzbringern. Entgegen dem allgemeinen Rückgang des Bierkonsums kann das SixtyFour seine vereinbarten Absatzmengen regelmäßig übertreffen. Auch Weißbier wird inzwischen frisch vom Fass gezapft.

Ein dritter Zapfhahn soll künftig für wechselnde Saisonbiere genutzt werden. Denkbar sind Märzen, Sommer- oder Winterzwickel sowie Oktoberfestbier. Nach dem Erfolg von Guinness und Kilkenny bei einem irischen Abend können sich die Flügels außerdem vorstellen, solche Spezialitäten häufiger anzubieten.

Freundlichkeit als wichtigste Qualifikation
Gastronomie bedeutet lange Arbeitszeiten, Kostendruck und körperliche Belastung. Das war Ruby und Uwe Flügel vor der Eröffnung bewusst. Trotzdem gab es einen Moment, in dem beide ernsthaft ans Aufgeben dachten. Vor etwa zwei Jahren sei die Belastung besonders hoch gewesen. Damals arbeiteten beide täglich im Bistro, während die Gästezahlen zeitweise zurückgingen.

Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Mehrere Servicekräfte unterstützen das Paar so zuverlässig, dass jeder von ihnen zumindest gelegentlich einen freien Tag einplanen kann. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden dennoch gesucht.

Die wichtigste Voraussetzung sei nicht gastronomische Erfahrung, sondern Freundlichkeit. „Alles andere kann man lernen“, betonte Ruby Flügel. Aufmerksamkeit, Respekt und ein zugewandter Umgang mit den Gästen seien entscheidend. Gerade in einer Gemeinde wie Maisach verbreiteten sich positive wie negative Erfahrungen schnell.

Wie wichtig Mundpropaganda ist, zeigte sich zuletzt beim Marktsonntag. Das Bistro hatte keine große Werbekampagne geschaltet und war dennoch voll. Viele Gäste kamen aufgrund persönlicher Empfehlungen.

Der Stammtisch als Zeichen der Wertschätzung
Besonders stolz ist Uwe Flügel auf den Stammtisch. Das Schild auf dem Tisch sei als Dank an die Gäste gedacht, die nahezu täglich oder mehrmals pro Woche ins SixtyFour kommen. Auch bei vollem Haus sollen sie dort ihren Platz finden.

Für ihn gehört ein Stammtisch zu einer bayerischen Gastronomie. Dass der aus Norddeutschland stammende Wirt diese Tradition in seinem Bistro aufgreift, passt zur Entwicklung des SixtyFour: Norddeutsche Wurzeln und bayerische Wirtshauskultur treffen aufeinander, ohne sich gegenseitig auszuschließen.

Das Publikum reicht von jungen Erwachsenen bis zu Senioren. Sportgruppen, Gemeinderäte, Elternvertreter, Vereine und lose Freundeskreise sitzen an den Tischen. Das SixtyFour ist damit tatsächlich zu jenem „zweiten Wohnzimmer“ geworden, als das Matthias J. Lange das Bistro im Gespräch bezeichnete.

Von Flammkuchen bis Krustenbraten
In der Küche hat sich in den vergangenen drei Jahren ebenfalls viel verändert. Ursprünglich war der Küchenraum so klein, dass zwei Personen kaum gleichzeitig darin arbeiten konnten. Mittlerweile wurde die Fläche mit Unterstützung der Vermieter deutlich erweitert. Zusätzliche Arbeits- und Abstellflächen sind entstanden, außerdem soll ein neuer Konvektomat die Möglichkeiten vergrößern.

Der Schwerpunkt bleibt die Bistroküche. Flammkuchen und Baguettes gehören seit der Eröffnung zu den Klassikern. Der Flammkuchen war eine bewusste Entscheidung, weil es in der näheren Umgebung kaum ein vergleichbares Angebot gab.

Auch Burger waren zunächst nur als Monatsaktion geplant. Wegen der großen Nachfrage wurden sie dauerhaft in die Speisekarte aufgenommen. Besonders überrascht war das Team vom Erfolg der Schnitzelaktionen. Trotz sommerlicher Hitze wurden die Schnitzel in verschiedenen Varianten zum Verkaufsschlager.

Mit dem neuen Küchengerät sollen künftig verstärkt wechselnde Gerichte angeboten werden. Uwe Flügel denkt an Schnitzel, Schweine- und Krustenbraten, Spare Ribs und möglicherweise auch an ein hochwertiges Rindersteak. Fisch kann er sich ebenfalls vorstellen, sieht bei Lagerung und Frische jedoch besondere Herausforderungen.

Regionalität spielt für ihn eine wichtige Rolle. Das Fleisch bezieht er bevorzugt von Metzgereien aus der Umgebung, unter anderem von der Metzgerei Fröhlich in Jesenwang. Uwe Flügel ist kein gelernter Koch, beschäftigt sich aber seit seiner Jugend intensiv mit dem Kochen. Zusätzliche Erfahrungen sammelte er bei Kursen und Praktika, unter anderem bei Sternekoch Alexander Herrmann.

Raum für Feiern, Politik und Musik
Das Bistro hat sich inzwischen auch als Veranstaltungsort etabliert. Geburtstage, Hochzeiten und geschlossene Gesellschaften finden regelmäßig statt. Auch politische Veranstaltungen wurden bereits durchgeführt, teilweise sogar am eigentlichen Ruhetag.

Live-Musik gehört ebenfalls zum Konzept. Wegen der Lage in einem Wohngebiet müssen Lautstärke und technische Ausstattung allerdings zum Raum passen. Akustikmusik und kleinere Bands eignen sich besonders gut. Interessierte Musikerinnen und Musiker können sich bei den Flügels melden.

Auch für andere Formate wie Comedy oder Lesungen ist das Paar grundsätzlich offen. Entscheidend seien ein tragfähiges Konzept, verbindliche Reservierungen und die Frage, ob die Gäste bereit sind, Eintritt zu zahlen.

Ohne Gastronomie verliert ein Ort sein Leben
Im Gespräch wurde auch deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung das Bistro für Maisach hat. Wenn Gaststätten und Wirtshäuser verschwinden, fehlen nicht nur kulinarische Angebote. Es verschwinden Orte der Begegnung.

Uwe Flügel sieht deshalb die örtliche Gastronomie nicht als Konkurrenzkampf, sondern als gemeinsames Angebot für die Gemeinde. Er schätzt die Maisacher Brauerei und deren Biergarten und betont das Prinzip „Leben und leben lassen“. Unterschiedliche gastronomische Konzepte könnten nebeneinander bestehen und gemeinsam zur Lebensqualität des Ortes beitragen.

Der Standort in der Zentrumspassage ist allerdings auch nach drei Jahren noch nicht allen Maisachern bekannt. Immer wieder betreten Gäste das Bistro zum ersten Mal und zeigen sich überrascht. Viele von ihnen kommen später wieder.

Mittlerweile schätzt Ruby Flügel den Anteil der wiederkehrenden Gäste auf 70 bis 75 Prozent. Sie nennt sie liebevoll „Wiederholungstäter“. Diese Treue sei eine der größten Motivationen, trotz langer Arbeitstage weiterzumachen.

Ein Ehepaar wächst mit seinem Bistro
Ruby und Uwe Flügel sind seit 25 Jahren ein Paar. Viele Menschen hatten ihnen prophezeit, dass die gemeinsame Selbstständigkeit ihre Beziehung belasten oder sogar zerstören könnte. Das Gegenteil sei eingetreten. „Wir sind als Team gewachsen“, sagte Ruby Flügel.

Die Aufgaben sind inzwischen klar verteilt. Uwe verantwortet Küche, Einkauf, Reparaturen und viele organisatorische Arbeiten. Ruby kümmert sich vor allem um Getränke, Cocktails, neue Trends und den Kontakt zu den Gästen. Meinungsverschiedenheiten gebe es dennoch. Beide seien Dickköpfe, räumte Ruby lachend ein. Inzwischen könnten sie jedoch diskutieren und gemeinsam Lösungen finden.

Uwe Flügel zeigte sich besonders stolz auf seine Frau. Ihre Freundlichkeit und ihre Art, mit den Gästen umzugehen, seien ein entscheidender Teil des Erfolgs. Ruby wiederum lobte den Ideenreichtum ihres Mannes, auch wenn sie manchen Vorschlägen zunächst skeptisch gegenüberstehe.

Eine norddeutsche Frikadelle zum Geburtstag
Zum Jubiläum sollte es neben Rollbraten auch eine besondere Spezialität geben: eine norddeutsche Frikadelle mit Kartoffeln. Für Uwe Flügel unterscheidet sie sich deutlich vom typischen bayerischen Fleischpflanzerl. Sie sei kräftiger, weniger flach und handwerklich zubereitet – mit Fleisch, Zwiebeln und einer Form, die ihren norddeutschen Ursprung erkennen lasse.

Bei einem früheren Geburtstagsbuffet waren die Frikadellen als Erstes vergriffen. Entsprechend gespannt waren die Gäste auf die Neuauflage zum dritten Geburtstag.

Am Ende des BistroTalks überreichte Matthias J. Lange den Flügels gemeinsam mit seiner Familie ein persönliches Geschenk: einen Fotoband mit Aufnahmen aus drei Jahren SixtyFour. Da Ruby und Uwe während des Betriebs meist arbeiten und selbst nur selten fotografieren können, dokumentiert das Buch zahlreiche Momente, Veranstaltungen und Begegnungen aus der Geschichte des Bistros.

„Danke, dass es euch gibt“, sagte Lange. Der Satz fasst zusammen, was viele Stammgäste empfinden. Aus einem mutigen gastronomischen Experiment ist ein Treffpunkt geworden, der für Gemeinschaft, persönliche Nähe und gelebte Gastfreundschaft steht.

Das Bistro SixtyFour ist nach drei Jahren längst mehr als ein Lokal. Es ist ein Stück Maisach – und für viele tatsächlich ein zweites Wohnzimmer.