Konzertkritik: G-Dragon in Berlin

G-Dragon in Berlin.

G-Dragon in Berlin.

Kennen Sie KPop? Nein, macht nichts, kannte ich auch nicht. Aber es ist eine Bildungslücke, wie ich zugeben muss. KPop ist (süd-)koreanische Popmusik und zudem extrem populär. Zum Beispiel bei K2 bei uns zuhause. K2 beschallt die Hütte mit Musik von Bands, die ich noch nie zuvor gehört habe. Allen voran BTS. Und weil diese KPop-Bands wohl nicht so gerne Asien verlassen, ist es eine Rarität, dass sich G-Dragon  herablässt und auf seiner Act III: M.O.T.T.E World Tour auch in Berlin Station gemacht hat. Für alle, die es genau wissen wollen: Act III: M.O.T.T.E bedeutet Act III: M.O.T.T.E ‚Moment of Truth The End‘ World Tour. Hätten wir das auch geklärt. Berlin war das einzige Konzert des Millionen-Sellers in Deutschland, der über 20 Millionen Alben verkauft hat. Hier meine Fotoeindrücke als Film.

Nun G-Dragon lud in die Mercedes Benz Arena in Berlin und die Karten waren wie im Nuh ausverkauft. Als guter Papa eines KPop-Fans setzte ich Himmel und Hölle in Bewegung und bekam auch zwei Sitzplätze für K2 und mich. Über den Preis will ich den Mantel des Schweigens ausbreiten – nur so: Die Rolling Stones sind gegen G-Dragon eine Schnäppchen-Band. Also per Zug in die Hauptstadt, Hotelzimmer in Berlin bezogen und ab zum Ort des Geschehens. Schlagartig kam ich mir alt vor, richtig alt. Die Mehrzahl des Publikums waren Mädchen und junge Frauen, viele Asiatinnen darunter und viele in einem bestimmten Asia-Look gekleidet, den ich von Manga- und Anime-Conventions kenne. Die Stimmung in der Mercedes Benz Arena war gut. Die älteren Herrschaften in den Reihen waren ebenso wie ich Papas, die ihre Töchter begleiteten, die allerlei Schildchen mit asiatischen Schriftzeichen dabei hatten. Übersetzt hießen die Worte Middle Fingers Up – so sagte man es mir wenigstens. Nun ja.

Der Merch-Stand war ausverkauft.

Der Merch-Stand war ausverkauft.

Nach Sicherheitskontrollen, die heute unvermeidbar aber absolut notwendig sind, wollten wir Merch erwerben. Merch oder wie ich sagen würde Merchandising ist teuerer Plunder der Band, der an Konzerten verkauft werden. Ich brauch nichts sagen, bei King Crimson in Stuttgart hab ich zugeschlagen also muss K2 bei G-Dragon zuschlagen. Aber es gab lange Gesichter bei K2 und anderen: Der Merch-Stand war fast komplett ausverkauft. Wir konnten nur noch ein Lichtchen in Form einer Krone erwerben – 20 Euro für Plastik. Die gewünschten T-Shirts für 45 Euro waren schon weg und das Gedränge dennoch groß. Auf dem Weg zu unseren Sitzplätzen bestellte ich bei eBay in China das T-Shirt für 7 Euro inklusive Versand – das nenne ich mal eine Gewinnspanne.
Platz genommen und Atomsphäre genossen. Um uns herum hatten viele G-Dragon Fans ihre Lichter zum Schwenken dabei. Sie hatten alle das Aussehen einer Krone. Ich hatte im Vorfeld zwei Leuchtstäbe mitgenommen und kam mir eher vor, wie ein Fluglotse auf dem Rollfeld – aber ich habe die blinkenden Dinger trotzdem angemacht. Meine Entschuldigung: Ich bin alt und weiß es nicht besser. K2 ist auch etwas von mir abgerückt. Der Vater kann schon manches Mal peinlich sein. In ganze Konzerthalle tauchte in ein Lichtermeer und es sah wirklich eindrucksvoll aus. Ich muss zugeben, KPopper machen Stimmung.

Dann mit einem Bang ging das Konzert los. Es startete mit einem fulminanten Videoclip mit Licht und Feuer. Der Song „Heartbreaker“ schlug bei den Fans ein. Die Arena verwandelte sich in ein Meer von Lichtern. Fans freuten sich, laute Freundenschreie gab es zu hören. Die Stimmung war perfekt von der ersten Minute an. Ich muss zugeben, KPop-Fans verstehen zu feiern. Das ging Song um Song so weiter.

Bei den etwas leiseren Liedern wurde lautstark mitgesungen.
Kwon Ji-yong, so heißt G-Dragon als Originalname, ist in seiner Heimat eine Nummer. Er gibt den Stil in Korea an und das verdient Respekt. Der junge Mann ist Popmusiker, Songwriter, Produzent, Model und Modedesigner und er ist Leader und Rapper der Boyband Big Bang. Für seine Fans scheint er eine Art modernes Multitalent zu sein. Und er beherrscht sein Metier. Seine zumeist weiblichen Fans folgen ihm. Sie reagieren auf jeden Blick, auf jede Geste, auf jedes Wort. Er prägt seinen Style, wie sein blonder Haarschnitt, der ihn auf die Vogue brachte. Im Konzert sah ich auch viele dreieckige Tücher, die der Musiker oft trug. K2 erklärte mir, dass es sich um ein Big Bang Halstuch handle. Ich beobachte die Fans genauer. Viele trugen die Modemarke Peaceminusone, die dem Künstler gehört.

G-Dragon heizte seine Show weiter an. Interessant für mich waren die Videoeinspielungen seiner Bandkollegen, seiner Familie, seines Managements. Es wird gelobt und gehuldigt, welche cooler Typ dieser Kwon Ji-yong ist. Die Fans bejubeln die Aussagen, klatschen und freuen sich – das ist wahrer Fankult.

Endlich kommen auch die Schilder mit dem Aufdruck Middle Fingers Up zum Einsatz. Der dazugehörige Song heißt natürlich Middle Fingers Up. Vor dem Konzert wurden diese Schilder kostenlos verteilt – K2 und ich haben keines abgekommen, was K2 sichtlich ärgerte. Um des Familienfriedens hab ich nach dem Konzert ein Schild besorgt, das jetzt stolz im Zimmer von K2 an der Wand hängt. Ja, der Papa wird es schon richten, so damals ein Peter Alexander-Song.
Sehr, sehr emotional wurde es, als G-Dragon eine Rede an seine Fans richtete. Mir persönlich war es zuviel Selbstmitleid, zuviel Show, zuviel Gehabe. Aber den Fans hat es gefallen und sie lauschten jedem Wort des Künstlers.

 

Noch schlimmer für mich wurde es dann bei einer fast zehnminütigen Ansprache an seine Fans, eine Art Seelenstrip. Im zweiten Teil des Konzerts gab es weniger Musik, als viel mehr weise und erhabene Worte. Das ist mir zuviel der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung, aber es gehört wohl zum Ritual des Künstlers. Mir ging es auf den Keks, die Probleme und Selbstzweifel des Herrn anzuhören. Aber wie gesagt, den Fans hat es gefallen.

Nachdem der Meister von der Bühne gegangen ist, baten die Fans um Zugaben. Und die gab es auch wieder mit Lightshow, Feuer, MotionDesign und den ganzen Zauber. Den Abschluss machten die Songs Crooked und Untitled, 2014. Dazu bewegte sich G-Dragon von der Bühne und begab sich ins Publikum für Körperkontakt. Das VIP-Ticket vor der Bühne muss sich schließlich bezahlt machen. Es gab Händeschütteln, Abklatschen und Lächeln für das Smartphone.

Die Kamera war immer dabei, um die Fanreaktionen auf die großen Konzertleinwände zu bringen.
Zu einem wahren KPop-Fan werde ich wohl nicht, aber die Show hat bis auf das Selbstmitleid absolut Spaß gemacht. K2 war rundum begeistert und hält schon nach den nächsten KPop-Konzerten Ausschau. Der größte Wunsch wäre es wohl, wenn BTS nach Europa kommen würde und Papa wieder in die Tasche greift. Hier die kompletten Fotos des Abends als Film.

Hier noch eine Auswahl an Konzertfotos:

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