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Ein Schülerzeitungsseminar für Schüler mit geistiger Behinderung

17. Dezember 2015
Die ComPost-Redaktion im Kaisersaal in Kloster Banz.

Die ComPost-Redaktion im Kaisersaal in Kloster Banz.

Eine Leidenschaft von mir ist das Thema Schülerzeitung. Es macht mir seit Jahren absoluten Spaß, die Nachwuchsredakteure und -layouter zu schulen. Jetzt durfte ich im Auftrag der Hanns Seidel Stiftung eine besondere Schulung durchführen: Ein Schülerzeitungsseminar für Schüler mit geistiger Behinderung.
Es war eine Premiere und es wurde ein Schülerzeitungsseminar der ganz besonderen Art. Im oberfränkischen Kloster Banz hatten sich acht Schülerinnen und Schüler der Comenius-Schule Aschaffenburg getroffen. Die Comenius-Schule Aschaffenburg ist ein staatliches Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Sie wird von 180 Schülerinnen und Schülern mit den differenziertesten Förderbedürfnissen besucht. Die Schüler haben unterschiedliche geistige Behinderungen – das hält sie aber keineswegs davon ab, mit voller Begeisterung ihre Schülerzeitung ComPost zu produzieren. Auch wenn manches natürlich anders geht als an anderen Schulen.
“Manches geht bei uns halt ein bisschen langsamer: Ein Interview mit 20 Fragen üben wir tagelang”, sagt Betreuungslehrerin Andrea Greiner. Aber am Ende hat jeder Schüler “seine” Frage auswendig parat und ist am Ende mächtig stolz, wenn dann das Interview “im Kasten” ist. Auch Fotografieren und das Tippen am Computer macht den Schülern einen riesigen Spaß. Mit Feuereifer wird jeder Winkel des Klosters Banz abfotografiert – besonders interessant sind der barock-prächtige Kaisersaal, das Videostudio und natürlich das Schwimmbad.


Pädagogisch behutsam gehe ich als Referent vor. Kurze, klare Sätze helfen den Schülerinnen und Schülern bei ihrer Arbeit. Grundlagen der Fotografie werden in Theorie und Praxis durchgenommen. Themen für die kommende Ausgabe der ComPost werden geplant und besprochen. Zudem werden In- und Out-Listen gesammelt und am Computer eingegeben – für die behinderten Schüler ein großer Erfolg und eine Bestätigung ihrer Arbeit. Fotos und Texte wurden auf USB-Sticks überspielt und werden jetzt in Aschaffenburg in die ComPost-Ausgabe eingearbeitet.


“Für uns ist das Seminar ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Inklusion in der Praxis funktionieren kann”, so Referentin Stefanie von Winning vom Institut für politische Bildung der Hanns Seidel Stiftung. Für die Zukunft sind weitere ähnliche Seminare geplant.

Sponsoren für weitere Seminare gesucht
Der Besuch des Schülerzeitungsseminars für die Schülerinnen und Schüler war nur möglich, da Eltern einer Schülerin der Schülerzeitung eine großzügige Spende zukommen ließen. Für künftige Seminare in Kooperation mit der Hanns Seidel Stiftung sind die Schüler auf weitere Sponsoren angewiesen. Nachdem ja viele nach Inklusion in der Gesellschaft rufen, bin ich mal gespannt, ob sich jetzt jemand meldet. Ich würde mich auf jeden Fall sehr freuen und den Kontakt zur Schülerzeitungsredaktion ComPost vermitteln.

Blogger im RL: Heike Stiegler von Heikes Stadtgeflüster

28. April 2015

Wir Blogger sind schon ein interessantes Völkchen. Ich selbst bin Mitglied der IronBlogger München, einer Vereinigung von Bloggern. Es geht uns um Vernetzung, Ideen und Feiern. Als Mitglied muss man mindestens einmal die Woche bloggen, sonst zahlt man in die Vereinskasse, deren Inhalt dann regelmäßig versoffen wird.
Dann gibt es verschiedene Twittertreffen, Barcamps, Stammtische, Konferenzen. Und es gibt es wieder spontane Begegnungen mit Leuten, deren Blogs ich seit langem verfolge, aber es irgendwie noch nicht geschafft habe, sich im RL (Real Life) mal zu treffen. So ein Blog ist Heikes Stadtgeflüster und die Bloggerin dahinter ist Heike Stiegler. Ich folge ihr in Facebook und in Twitter seit einer gefühlten Ewigkeit, aber ein Treffen Face to Face haben wir nie geschafft. Bis jetzt: Die Nürnberger Heike Stiegler organisierte einen Event in Franken und ich nahm daran teil.
Der Blog Heikes Stadtgeflüster dreht sich um Menschen und das finde ich prima. Geschichten über Menschen sind das Salz in Suppe der Blogosphäre. Anders wie meine Blogs, setzt Heike Stiegler massiv auf Audio, speziell auf Audiopodcasts. Als gelernte Radio-Frau versteht sie hervorragend den Umgang mit Ton. Sie selbst schreibt: „Dennoch war ich am Anfang nicht recht überzeugt von „podcast“. Meiner Meinung nach würden „podcast“ nicht genutzt werden und schon gar keine Zukunft haben. Ich komme aus der visuellen Welt und war/bin der Meinung, eine Geschichte kann nur durch gute Bilder und Videos richtig ansprechend wirken. Lange Zeit gab es für mich nur zwei Alternativen – entweder ein gut gemachter, aber relativ kurz gefasster Text mit vielen schönen ansprechenden Bildern, oder ein drei- bis maximal fünfminütiges Video, das gerne aber auch noch kürzer sein darf.“
Da der Blog Stadtgeflüster hauptsächlich um Franken geht, speziell um Nürnberg, ist es natürlich ideal, dass ich so den fränkischen Dialekt so hören kann. Ihr Motto: „Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jeder Mensch seine persönliche Geschichte hat, nur wissen die meisten das meist selbst nicht. Mein zweiter Spruch ist immer: Geschichten liegen auf der Straße, man muss sie nur aufgreifen.“ Dies finde ich eine hervorragende Idee. Heike Stiegler interviewt große und kleine, wichtige und unwichtige, schillernde und blasse Persönlichkeiten aus dem fränkischen Raum. Immer wieder schafft sie es, eine Geschichte aus ihren Interviewpartner herauszukitzeln. Eine Geschichte, die es wert ist, sich anzuhören. Sie selbst schreibt: „Nachdem ich mich im Studium nun eingehender mit dem Thema „podcast“ beschäftigen musste stellte ich schnell fest, dass hier ein ganz anderer Vorteil versteckt liegt, den weder geschriebener Text, noch Video jemals erfüllen können.  Ein Audio-Beitrag kann sehr gut angehört werden, während man eine andere Aufgabe erfüllt.“
Zudem hat sich Heike Stiegler auf dem Bereich Mojo spezialisiert. Dahinter verbirgt sich der Begriff Mobile Journalism. Dies ist ein aktueller Trend im Journalismus, den Heike Stiegler schon seit langem verfolgt und sie sich so zu einer Expertin im deutschsprachigen Raum herausgemausert hat. Berühmt geworden ist ihre gelbe Tasche. Dort ist das Equipment für Mojo verstaut. Diese gelbe Tasche ist inzwischen zu einem Markenzeichen von Heike Stiegler geworden.
Während einer Autofahrt durch Franken erzählte sie mir das Geheimnis von Heikes Stadtgeflüster und ihre Arbeitsweise. Dieses Gespräch drehte ich in meinem iPhone mit.

Anforderungen an den Journalisten von heute – Dietmar Gaiser im Interview

8. Dezember 2014
Dietmar Gaiser (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Dietmar Gaiser (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange von redaktion42.

Wie muss der Journalist der Gegenwart und Zukunft aussehen? Diese Frage stellte ich einen alten Hasen der Zunft: Dietmar Gaiser.
Gaiser ist gelernter Tageszeitungsjournalist, arbeitete im Lokalen im Allgäu, berichtete ein Jahr als Korrespondent aus Vietnam und schrieb später für die tz München. Später wechselte er zum Bayerischen Fernsehen und wurde richtig bekannt als Moderator verschiedener Sendungen wie Kunst und Krempel oder Bürgersendungen wie Jetzt red i. Hier zeigte sich vor allem seine Schlagfertigkeit. Noch heute arbeitet Dietmar Gaiser als Coach und Trainer.
Gaiser gibt dem Journalisten eine Chance, aber das Berufsbild hat sich dramatisch verändert. Ein Journalist müsse alle Kanäle ausnützen und seine Geschichten in den verschiedenen Formen erzählen. Jemand, der für eine Tageszeitung nur die schönen Geschichten schreiben will, der werde keine Chance am Arbeitsmarkt haben. Der Journalist von heute müsse in der Flut von Meldungen und Nachrichten Orientierung geben. Das werde mehr denn je benötigt.
Ich führte mit Dietmar Gaiser dieses Interview:

Soundtracktipp: Frost/Nixon von Hans Zimmer

12. September 2014
Guter Soundtrack: Frost vs Nixon von Hans Zimmer.

Guter Soundtrack: Frost vs Nixon von Hans Zimmer.

Ich gebe es ja zu, ich mag Hans Zimmer nicht. Ich mag seine Musik überhaupt nicht. Ich finde sie schrecklich, ich finde sie vulgär, ich finde sie zu bombastisch und einfallslos. Und ich gebe zu, ich habe mich geirrt.
Bei der Recherche für einen Lehrauftrag schaute ich mir einmal wieder die Verfilmung Frost gegen Nixon an. Ich mag den Film, ich mag das Thema und ich liebe die Umsetzung wie sie uns hier präsentiert wird. Beim Betrachten des Films achtete ich immer wieder auf die Musik. Sie unterstrich den Film, sie ging mir gut ins Ohr. Und ich muss zugeben, sie berührte mich. Am Ende musste ich doch nachschauen, wer die Musik zu diesem Film komponiert hatte. Und ich fiel fast vom Stuhl, als ich die Zeilen las: Hans Zimmer
Ich konnte es nicht fassen. Der gleiche Hans Zimmer, der uns diese schrecklichen Machwerke wie Piraten der Karibik und anderen Soundtrack-Fast Food serviert hat? Hat er den Score womöglich sogar selbst geschrieben? Oder entstammte dieser Soundtrack aus der typischen Hans Zimmer-Maschinerie? Auf jeden Fall habe ich mir den Soundtrack Frost/Nixon gekauft und den immer wieder gehört. Ruhig, emotional, extrem gefühlvoll, ganz, ganz große Kunst. Der Soundtrack ist anders, wie die anderen Werke von Hans Zimmer, die ich kenne. Und wahrscheinlich wird der Soundtrack auch von den typischen Zimmer-Fans nicht gemocht. Ich zumindest musste meine Meinung revidieren: ich mag Zimmer zwar immer noch nicht, aber der Soundtrack Frost/Nixon ist hervorragend und eine klare Hörempfehlung von mir. Leider hätte das Booklet informativer ausfallen können. Mehr als ein paar Bilder waren darin nicht zu finden, aber ich hör schon auf zu meckern.

ARD was soll das? Edward Snowden ins Nachtprogramm abschieben

28. Januar 2014
Snowden im NDR-Interview.  Screenshot aus YouTube/NDR

Snowden im NDR-Interview.
Screenshot aus YouTube/NDR

Ich bin ja kein Freund von Medienschelte und vielleicht trotzdem muss ich gerade heute mal richtig schimpfen. Grund ist die späte Sendezeit des Snowden-Interviews am Sonntagnacht in der ARD. Leute bei der ARD, so geht es einfach nicht!

Weltexklusiv war den Trailern zur Sendung zu vernehmen. Schreierisch wurde für dieses Interview am Sonntag geworben. Und ich ziehe meinen Hut, dass es dem NDR-Journalisten Hubert Seipel, gelang, den Whistleblower Edward Snowden vor die Kamera zu holen – zum ersten Mal ein Interview und das noch weltexklsuiv. Da ist euch ein journalistischer Coup gelungen – wirklich Respekt. Gratulation an den Kollegen Hubert Seipel.

Warum liebe Programmmacher in den Öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten strahlt ihr dann dieses weltexklsuive Material spät nachts aus? Habt ihr einen Vogel? Geht es euch noch gut? Ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber jeder TV-Volontär weiß, um welche Sendezeit so ein heißer Braten serviert werden muss – zur Primetime. Das ist die Sendezeit, bei dem die Zuschauer wach sind und ihrer Aufgabe nachkommen – nämlich zuschauen. Braucht ihr wirklich eine Schulung über Journalismus? Der Ex-NSA-Mitarbeiter äußerte sich im Exklusiv-Gespräch über seine Enthüllungen, Wirtschaftsspionage und Todesdrohungen.

Wenn in Deutschland das Hochwasser steigt, dann kommt ein Brennpunkt. Wenn der Schnee fällt, dann kommt ein Brennpunkt. Wenn ein Promi verunglückt, dann kommt ein Brennpunkt. Wenn ihr von dem wichtigsten Whistleblower ein weltexklsuives Interview habt, dann kommt kein Brennpunkt. Dann muss ich einen Tatort über mich ergehen lassen, soll dem Günter Jauch zum Thema Snowden lauschen und soll mir dann zu nachtschlafender Zeit das weltexklsuive Material ansehen. Eine Zeit, zu der die normal arbeitende Bevölkerung müde ins Bett wankt.

Als Gebührenzahler frag ich mich da schon, welche journalistische Gewichtung ihr dem Thema Snowden beimisst? Ich habe mal gelernt: Wenn es die Leute betrifft, dann ist es ein wichtiges Thema. Datenspionage und Überwachung betrifft alle, alle Zuschauer und ihr schiebt dieses Thema auf einen Sendeplatz, auf dem sonst nur die Schachweltmeisterschaft oder Kulturzeugs laufen. Klar, ich kann mir das Interview in der Mediathek ansehen oder noch besser bei YouTube – da bleibt es wenigstens erhalten. Aber das ist noch nicht der Sinn eines weltexklusiven Materials.

Oder sollte gar Druck auf die Programmmacher ausgeübt worden sein? Oder hatten die ARD-Programmverantwortlichen die Schere im Kopf? Nicht auszudenken. Ich bin auf jeden Fall enttäuscht und empört.