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Konzertkritik: Yello in der Olympiahalle München

7. Dezember 2017

Wieder kann ich eine Band auf meiner privaten Konzertliste abstreichen. Bands, die ich unbedingt mal live sehen wollte. Abgestrichen habe ich das Schweizer Duo Yello, die auf ihrer Race Tour in der Münchner Olympiahalle gastierten.

Das Konzert begann mit einer Enttäuschung. Eigentlich waren es zwei Enttäuschungen. Zum einen war die Münchner Olympiahalle zu Hälfte mit schwarzem Tuch abgehängt und auch die restlichen Plätze waren nicht komplett ausverkauft. Die Plätze neben mir und vor mir waren leer. Das Münchner Publikum weiß anscheinend nicht, was hervorragende, coole Elektronikmusik bedeutet und war wohl beim Bayernspiel. Da macht sich Yellow nach gefühlten 100 Jahren auf zu einer Tour durch Deutschland und der Kartenvorverkauf in München lief schleppend. 3000 bis 4000 Fans waren in der 12000 Menschen fassenden Konzerthalle. Fußball schlägt Kultur, das war wohl schon immer so. Das ist schade und enttäuschte mich. Yello ist seit 1978 das erste Mal auf Tour und das in München vor leeren Stühlen – das ist peinlich.

Zum zweiten sind die Schweizer auch nicht mal das, was sie waren, nämlich pünktlich. Vergesst also die Schweizer Uhren. Mit 15 Minuten Verspätung startete das Konzert, vielleicht in der Hoffnung, dass sich die leeren Plätze noch füllen würden. Das taten sie nicht. Und Dieter Meier trat auf die Bühne und sagte dann auch noch, ob man überhaupt spielen sollte: die Band antwortete mit dem Opener just do it. Ob es einstudiert oder Zufall war, weiß ich nicht. Aber es passte genial.
Und dann rockte der Betonbunker durch die Mischung aus Elektronik, Bläser und Percussions. Beginnen wir mal mit dem Sound. Die Akustik in der Münchner Olympiahalle war noch nie die beste, aber Yello holte das Optimum heraus. Der elektronische Sound war glasklar, wirklich eindrucksvoll. Leider ging die coole Stimme von Dieter Meier etwas unter, die Stimmen von den beiden Gastsängerinnen Malia und die Asiatin Fifi Rong (top) kamen gut herüber. Perfektionist Boris Blank war der Herr über die Technik und der Effekte. Die Show war große Klasse, die Projektion perfekt. Allerdings hatte ich das Gefühl, bei den Stop-Motion-Filmen wieder in die Zeit der Videoclips der achtziger MTV-Jahre zurückversetzt worden sein. Da war die Idee, eine GoPro am drehenden Autoreifen zu befestigen, deutlich innovativer.
Es war kein herkömmliches Konzert, sondern die Olympiahalle verwandelte sich zu einem Kunsthappening. Nichts anderes hatte ich von Yello erwartet.
Bei der ausgezeichneten musikalischen Darbietungen war ich über die Mischung aus Blech, Percussions und Elektronik überrascht. Wer Yello auf eine reine Elektroband wie Kraftwerk reduziert, der wurde enttäuscht. Hier wird trotz Synthesizer Musik von Menschen gemacht – und was für starke Musik. Wem die Musik nicht gepackt hat und wer nicht zumindest mitwippen musste, der war im Grunde schon tot. Auf meinem Sitzplatz wackelte ich hin und her und hätte gerne einen Platz in der Arena gehabt zum Abtanzen.
Musikalisch ging es quer durch das Repertoire des Yello-Werks. Die Werkschau der Schweizer tat gut und brachte alte Erinnerungen hervor. Das erste Mal hörte ich Yello als Jugendlicher bei meinen Kumpel Christian. Er hatte 1983 eine Schallplatte mit einem Affen angeschleppt und das Ding hieß „you gotta say yes to another excess“. Der Spruch prägte sich mit in mein Unterbewusstsein ein. „you gotta say yes to another excess“ war schon cool. Und als ich damals hörte, dass zwei Schweizer diese coole Mucke machten, war ich sprachlos. Schweiz bedeutete mir als Jugendlicher nichts, vielleicht Krokus ein paar Jahre später. Yello war cool, absolut cool, aber Yello blieb ein Insidertipp. Zwar hatten die Schweizer ihre Erfolge, aber es war nie das ganz große Ding. Dafür waren Boris Blank und Dieter Meier nicht kommerziell genug – danke dafür.

Aber in der Olympiahalle konnte ich vieles von alten LPs und spätere CDs wieder hören. Oh Yeah gehört einfach dazu und natürlich The Race. Das war die Musik, die die Jugendsendung Formel eins im bayerischen Fernsehen einläutete.
Die Setlist, wie ich sie mir notierte, war folgende:
Magma
Do It
The Evening’s Young
Limbo
Bostich
The Rhythm Divine mit Malia
30’000 Days
Tool of Love
The Time Tunnel (Boris Blank solo)
Kiss the Cloud mit Fifi Rong
Lost in Motion mit Fifi Rong
Tied Up
Liquid Lies
Starlight Scene mit Malia
Oh Yeah

Blue Biscuit
Si Senor The Hairy Grill
Zugaben: Bostich – dabei wurde auch die App Yellofier eingesetzt, die ich mir sofort zu Hause gekauft habe
Vicious Games mit Malia
The Race

Mein Fazit zu Yello in München: Es war gut, Yello gesehen zu haben und ich möchte mich für das fehlende Publikum bei Boris Blank und Dieter Meier entschuldigen. Das hat yello nicht verdient.

Wieder verstarb ein Musikpionier: Isao Tomita

25. Juni 2016

Das Jahr 2016 ist weiterhin ein trauriges Jahr für die Musik. Wie ich jetzt erst mitbekommen habe, ist Isao Tomita, ein Pionier der elektronischen Musik am 5. Mai in Tokio an den Folgen einer Herzinsuffizienz verstorben. Isao Tomita wurde 84. Jahre alt.
Ich muss zugeben, Isao Tomita stand nie im Mittelpunkt meines musikalischen Interesses, aber er war eigentlich immer da, wenn es um elektronische Musik ging. Zu meiner Schulzeit hatte ich einen Narren an den Bildern einer Ausstellung gefressen. Ich hörte die verschiedenen Klassik-Einspielung von Modest Mussorgskis Werk im Musikunterricht der Schule, mal die Klavier- dann die Orchesterversion. Dann machte mit den Pictures at An Exhibition von Emerson, Lake & Palmer Bekanntschaft – eine Liebe, die mich bis heute nicht her losließ. Und stieß auch irgendwann auch auf Isao Tomita und seine Einspielung der Ausstellung.

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Was ich hörte, verwirrte mich und interessierte mich zugleich. Es war irgendwie Space-Musik. Klang so Musik in der Zukunft? Es bubberte, es zischte Ich hörte die Langspielplatte mehrmals durch und fand mehr Interesse an der klassischen Synthi-Musik von Walter Carlos, der später Wendy Carlos hieß. Isao Tomita lief immer so mit.
Aufmerksam wurde ich wieder auf ihn als er eine Variation des Star Wars Themas veröffentlichte. Was war jetzt das? Die wunderschöne Musik von John Williams so zu interpretieren? Macht man so was? Als Purist lehnte ich die Interpretation ab, aber sie blieb mir in Erinnerung.

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Absolut eindrucksvoll und wirklich wegweisend war für die mich das Album Snowflakes Are Dancing aus dem Jahr 1974. Hier interpretierte der japanische Meister mit den Synthesizern von MOOG und ARP die Kompositionen von Debusssy. Im Freundeskreis diskutierten wir damals, ob man so etwas aus der Musik von Debusssy machen durfte. Ich erinnere mich an eine Bekannte, die mit Klassik aufwuchs. Sie ergriff bei den Tönen von Isao Tomita die Flucht. Wendy Carlos interpretierte Bach, Tomita interpretierte Debusssy.
Dann begegnete mir Tomita in einer musikalischen Ecke, in der ich ihn nie vermutet hatte. Als Kind mochte ich die japanische TV-Serie „Kimba, der weiße Löwe“ sehr gerne. Im Erwachsenen Alter schaute ich mir Kimba im japanischen Original an. Die Musik der Serie komponierte Isao Tomita, auch den Vorspanntitel Jungle-Taitei und das Abspannlied Leo no Uta.

Die US-amerikanische Version des Vorspanns stammt von Bill Giant. Ich wuchs ja mit der deutschen Version auf: Wer erinnert sich?

Je mehr ich mich mit Isao Tomita beschäftigte, desto mehr mochte ich seine Musik. Immer wieder legte ich mir zum Nachdenken ein Album auf, erst auf Vinyl, dann auf CD. Als Jean-Michel Jarre seine Kooperationen mit bekannten Musikern der Elektronik-Szene veröffentlichte, hoffte ich auf eine Zusammenarbeit zwischen Jarre und Tomita. Dazu wird es wohl leider nicht mehr kommen.