Posts Tagged ‘Scala Kino Fürstenfeldbruck’

Heute ist Popcorn Tag

19. Januar 2019
Popcorn und Kino gehören für mich zusammen.

Popcorn und Kino gehören für mich zusammen.

Süß oder salzig? Das ist hier die Frage. Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden? 

Ok, es war ein doofer Einstieg. Den großen Willi Shakespeare mit banalen Popcorn zu vermischen. Aber sei es drum. Heute am 19. Januar ist Popcorn Tag in den Vereinigten Staaten. Zeit, ein wenig inne zu halten und dem Popcorn zu gedenken.

Popcorn assoziiere ich eindeutig mit Kino. Und ich mag die süße Variante des Puff- oder Knallmaises, wie Popcorn früher mal in unserer Familie hieß. Als Kind war ich fasziniert, als meine Mutter Mais in einen Topf mit Öl gab und das Ganze erhitze. Erst passiert nichts, dann ploppte es hier und da – und dann ging das ganze Geballere los, wenn der Mais sich in Popcorn verwandelte. Als ich den Topfdeckel abnahm, um neugierig zu schauen, wie der Transformationsprozess vor sich ging, sprang das Popcorn durch die ganze Küche. Damit war es erst einmal vorbei mit dem Knallmais.

Meine nächste Erinnerung an Popcorn stammte aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ich besuchte ein Journalismusseminar und in einem Zimmer unserer Bildungseinrichtung hatte ein lieber Kollege eine Popcornmaschine dabei. Er stellte sie auf eine Kommode und ließ das Popcorn in eine geöffnete Schublade ploppen. Plop, plop, plop. Wir quatschen, ratschten und irgendeiner fütterte die Popcornmaschine weiter und weiter. Das Resultat: Die Schublade war irgendwann voll, das Popcorn verteilte sich im ganzen Raum und es gab eine riesige Sauerei. Der Kollege musste es am nächsten Tag bei der Bildungseinrichtung ausbaden.

Jahre später als Chefredakteur eines 3D-Magazins mit Namen Creative Live mussten wir uns gegen einen starken Mitbewerber behaupten. Und wir machten dies mit Popcorn. Wenn wir auf Messen, Roadshows und Veranstaltungen der Community gingen, hatte ich immer eine eigene Popcornmaschine dabei. Bei uns gab es Popcorn mit Salz, Zucker, Zimt oder Pfeffer und siehe da: Die potentiellen Leser kamen zu uns an den Stand und wir schrieben das eine oder ander Abo. Ich hatte Input für Artikel und schön war die Welt. 

Popcorn Tüte zu Star Wars - der letze Jedi. Das Popcorn war das Beste an dem Film.

Popcorn Tüte zu Star Wars – der letze Jedi. Das Popcorn war das Beste an dem Film.

Die Popcorn Maschine liegt heute im Keller. Popcorn nehme ich nur noch im Kino zu mir und meistens ist die Tüte im ersten Drittel des Films bereits leer. Beim Popcorn-Kino gehört Popcorn einfach dazu. Ein einziges Mal hab ich mich über mich selbst geärgert. In meinem Kino Scala in Fürstenfeldbruck wird einmal im Jahr die Premiere von Richard Wagner-Opern aus Bayreuth übertragen. Wagner ist für mich heilige Musik. Nur einmal bin ich mit Popcorn und Cola in eine Wagner-Kinovorstellung gegangen und hab mich geschämt. Beim nächsten Mal natürlich Richard Wagner ohne Popcorn – ich gelobe es am Tag des Popcorns.

Popcornmaschine und Popcon-Single.

Popcornmaschine und Popcon-Single.

Zur Feier des Tages habe ich eine alte Single von Anarchic System ‎aus dem Jahre 1972 rausgeholt und spiele es. Der Text ging so:

Like a pop-corn in your hand

is your castle made of sand

life goes up and life goes down

and life goes round and round and round.

Ich geb zu, die Instrumentalversion fand ich aber immer besser:

Filmtipp: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon

2. September 2018
Grüner wird’s nicht - samt Filmgespräch mit Regisseur Florian Gallenberger und Darstellerin Monika Baumgartner (r) sowie Marketingsdame Andrea Hailer (l.)

Grüner wird’s nicht – samt Filmgespräch mit Regisseur Florian Gallenberger und Darstellerin Monika Baumgartner (r) sowie Marketingsdame Andrea Hailer (l.)

Oscar-Prominenz bei uns in der Region. Zu einem Kinogespräch zum neuen Film von Florian Gallenberger kam es in meinem Lieblingskino Scala in bayerischen Fürstenfeldbruck. Ich habe über ein Facebook-Gewinnspiel zwei Eintrittskarten gewonnen. So besuchten meine Frau und ich die Vorstellung des Films mit anschließendem Kinogespräch mit Regisseur Florian Gallenberger und Hauptdarstellerin Monika Baumgartner, die beide aus der Region stammen. 

Vielen Dank für die Autogramme - Danke Florian Gallenberger und Monika Baumgartner.

Vielen Dank für die Autogramme – Danke Florian Gallenberger und Monika Baumgartner.

Schön zu sehen, dass der große Saal des Scala Kinos fast komplett gefüllt war. Das Interesse an dem Film und dem anschließenden Gespräch samt Autogramm und/oder Selfie war groß. Und es war auch eine ältere Generation, die nach langer Zeit mal wieder ins Kino ging, wie eine Zuschauerin berichtete. Und diesen Zuspruch braucht Grüner wird’s nicht auch, denn er kann es nicht mit dem Marketing der Blockbuster aufnehmen. Hier haben es die Betreiber das Scala Kino richtig gemacht und setzen auf Mundpropaganda und soziale Netzwerke. „Sagt es weiter, dass euch der Film gefallen hat“, beschwor auch Andrea Hailer von der Marketingagentur Soulkino die Zuschauerinnen und Zuschauer. 

Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon ist für mich eine Art fliegendes Roadmovie, der die Geschichte des mürrischen Gärtners Schorsch (Elmar Wepper) schön erzählt. Er steht an einem Scheideweg im Beruf und Ehe und macht sich rücksichtslos auf den Weg, sich selbst zu finden. Also eine klassische Geschichte eines Roadmovies, wie es Regisseur Florian Gallenberger mir gegenüber im Gespräch bestätigte. Wunderschöne Luftaufnahmen mit einem roten Doppeldecker – nicht wie beim Roten Baron von Pixomondo als VFX entstanden, sondern als Realfilm, zum Teil natürlich auf einer Studiobühne. Der kauzige Elmar Wepper saß selbst in der Maschine, flog freilich nicht. Mit allerlei Studiotricks sah es in dem Greenscreen-Studio so aus, als ob sich das Flugzeug bewegt und sich der Sonnenstand ändert. 

Apropos Elmar Wepper: Er heute in Planegg lebende 74jährige TV-Star spielt sich in die Herzen seiner bayerischen Zuschauer. Ich muss zugeben, dass ich Elmar Wepper als erstes immer mit Pabel Chekov identifiziere, dessen Synchronrolle er in Star Trek sprach. Im gesetzten Alter löste sich Wepper von den TV-Rollen und kann ernsthafte Schauspieler zur Schau stellen: Kirschblüten von Doris Dörries war für mich der Beweis, ebenso Grüner wird’s nicht. Der Film ist auf Wepper aufgebaut und er macht seine Rolle hervorragend. Nicht so perfekt klappte übrigens das Baggerfahren, wie der Regisseur in dem Filmgespräch verriet. Schöne Geschichte, die im Video erzählt wird. 

Gärtners Schorsch, eben gespielt von Elmar Wepper, ist ein autoritärer Patriarch, der an seinen Träumen vorbeilebt. Ehe kaputt, entfremdet von Tochter und Frau, Betrieb ruiniert – und er lässt seine Frau mit den Schulden sitzen und macht sich auf der Suche nach seinen Träumen. Zurückgelassen vom egoistischen Ehemann steht Monika, wunderbar gespielt von Monika Baumgartner, ihre Frau und ordnet die Verhältnisse zu Hause, während Schorsch sein Leben sucht. Naja, aber Monika hat es auch faustdick hinter den Ohren. Kind vom fremden Mann und eine Affäre mit dem Golfplatzbetreiber, der den Familienbetrieb ruiniert hat. Nach Herzschmerz und vielen skurrilen Personen, die zu einem Roadmovie dazugehören, findet jeder seinen Weg. Die Familie bricht auseinander und jeder verwirklicht sich selbst. Schorsch allerdings, so hatte ich den Eindruck, zockt seine Familie gegen Ende nocheinmal ab und bleibt ein Egoist. 

Handwerklich ist der Film sehr schön gemacht. Und die Zielgruppe ist auch ein älteres Publikum, das vielleicht selbst in die Midlife-Crisis geraten war und sich durch Kalendersprüche wie Lebe deinen Traum identifizieren kann. Dazu passt die Machart des Film: Lange Einstellungen, langsamer Schnittrhythmus, großes Schauspielkino – mal dachte ich an das Bayerische Fernsehen. Drei Bundesländer haben den Film übrigens durch ihre Filmförderung finanziert. Und es ist ein unterhaltsamer Film geworden, der zu gefallen weiß. Oscarpreisträger Florian Gallenberger versteht sein Geschäft. Der Planegger ist Professor an der HFF und kann in jungen Jahren schon auf allerhand Kinoerfahrung zurückblicken. Bisher hat mich immer John Rabe von 2009 von ihm fasziniert. Ich freue mich, dass es Leute wie Florian Gallenberger auf dem Regiestuhl gibt. Bitte weiter so – und Scala bitte weiter solche Abende.

Fotoreporter Günter Reger von der örtlichen SZ war auch da und bringt den Abend in die klassischen Massenmedien.

Fotoreporter Günter Reger von der örtlichen SZ war auch da und bringt den Abend in die klassischen Massenmedien.

Wagner im Kino – Parsifal mit Popcorn und Bier #KultTrip

27. Juli 2016

Das erste Mal, dass ich mit der Musik von Parsifal konfrontiert war, muss Anfang/Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein. Eine kulturbeflissene Freundin aus Bildungsbürgerkreisen schleifte mich in die Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg in ein Münchner Kino mit. So etwas hatte ich bis dato nicht gesehen. 255 Minuten eröffnete sich mir eine komplett neue Welt. Das war bewusst mein erster Kontakt zu Richard Wagner und Parsifal ist bis heute meine prägendste Oper des Meisters.

Parsifal neben Star Trek.

Parsifal neben Star Trek.

So hab ich mich gefreut, als ich hörte, dass es in Bayreuth eine Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels geben sollte. Ich hätte sogar eine Karte für die Premiere in Bayreuth bekommen können, aber eben nur eine. Meine Frau hätte zuhause bleiben müssen, was ich nicht wollte. Daher entschieden wir uns für einen anderen Weg des Kulturgenusses, der mich an meine ersten Erlebnisse mit Parsifal erinnerte. Wir schauten uns die Übertragung von Parsifal live im Kino an. Das ist dann auch gleichzeitig mein Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.
Übertragungsort von Wagner im Kino war wie die vergangenen Jahre zuvor das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Neben Fans von Independence Day 2 und Star Trek Beyond trafen sich rund 30 lokale Wagner-Fans zumeist älteres Semesters in der Lobby des Kinos. Ich muss den Betreibern des Scala Kinos mein Lob und meine Anerkennung aussprechen, dass sie eine Übertragung aus Bayreuth zeigen und nicht auf einen US-Blockbuster setzen, der garantiert mehr Umsatz bringt. Vielen Dank liebes Scala-Team, dass ihr uns wie die Jahre zuvor dieses Kulturereignis ermöglicht. Chapeau.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Wagner im Kino ist dann doch etwas anders als Wagner im Bayreuth. Im August bin ich wieder beim Holländer vor Ort und quetsche mich in die engen Stühle. Im Kino geht es lockerer zu. Es begann damit, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnahm. In Bayreuth wäre ich dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft worden. Klamottentechnisch hatte ich Anzug, Fliege und besondere Schuhe im Kino an – FashionShow muss eben auch im Kino sein.

Sekt vor der Übertragung.

Sekt vor der Übertragung.

Es gab ein Glas Sekt zum Einstand für mich, den ich alleine genoss. Meine Gattin verspätete sich aufgrund eines ärgerlichen S-Bahn-Schadens des MVV. In Bayreuth zu spät zu kommen, kommt einer Todsünde gleich. Wer zu spät kommt oder während der Vorstellung den Saal verlässt, der bleibt vor der Tür bis der Akt/Aufzug beendet ist. Strenge Gesetze sind dies in Bayreuth. Im Kino konnte meine Frau nach Vorstellungsbeginn einfach in den Kinosaal huschen und neben mir Platz nehmen.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Zudem gab es im Kino ein Erläuterungsprogramm. Locker wie immer spricht Musikjournalist Axel Brüggemann mit den Verantwortlichen am grünen Hügel, wobei Katharina Wagner mal wieder komplett unsympathisch herüber kommt. Die Dame des Hauses schaut während des Interviews nach oben und ihre Antworten sind nicht gerade das, was ich unter Begeisterung verstehe. Da hätte ich gerne den musikalischen Direktor Christian Thielemann im Gespräch gehabt. Der hätte sich auch gleich zum Abgang des Dirigenten Andris Nelsons äußern können, an dem Thielemann seiner Meinung nicht Schuld gewesen sein soll. Nein, da lieber die Decke des Schweigens über den Eklat legen und Blabla machen.
Schön war daher das Interview mit dem eingesprungenen Dirigenten Hartmut Haenchen. Ich bin begeistert, von seiner Interpretation von Parsifal. Nach seinen Worten gibt er den Parsifal, wie ihn Wagner sich vorgestellt hat. Das bedeutet, Haenchen hat massiv an Tempo und Ausdruck gearbeitet und einen vergleichsweise kurzen Parsifal dargeboten. Andere Dirigenten brauchen für die gleiche Oper fast eine Stunde länger. Ich war bisher auf die Version von Knappertsbusch eingeschworen. Mir hat die neue musikalische Interpretation des Werkes durch Haenchen gefallen – und dies nach einer vergleichsweise kurzen Probephase, nachdem Nelsons das Handtuch geschmissen hat. Ich erinnere mich gerne an die schnelle Bayreuth-Aufnahme Parsifalvon Pierre Boulez. Haenchen durfte 1971 hospitieren und hat nun seine Interpretation geschaffen. Auch das Problem mit dem Bayreuther Graben hat Hartmut Haenchen wunderbar gelöst. Orchester und Sänger spielen zeitversetzt.

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Für mich die beste Sängerleistung war Georg Zeppenfeld als Gurnemanz sowie Elena Pankratova als Kundry. Und auch die Inszenierung hat mir zugesagt. Die Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg passte für mich ideal in die heutige Zeit. Parsifal ist ein sakrales Werk voller Leid. Und wenn am Ende die Sänger die religiösen Symbole aller Religionen in einen Sarg packten, hatte das für mich starke Symbolkraft. Diese religionskritische Interpretation angesiedelt an einem Ort zwischen Nordirak und Syrien fand ich prima. Gralsritter und das Mysterium des Grals und der heiligen Lanze im neuen Gewand. Die Verwandlungsmusik wird optisch durch das Herumstreifen im Weltall dargestellt. Es regnet Kreuze, die Kirche als Schutzplatz für andere Religionen – viel Stoff für Interpretationen. Über allen schwebte die göttliche Musik von Richard Wagner. Der Schluss mit dem Höchsten Heiles Wunder! demonstriere mir wieder, warum ich die Musik von Richard Wagner so mag. Politisch lehne ich Wagner ab, musikalisch verehre ich ihn.

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen