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Dressed to Kill (USA 1980) – Matinee am 3. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

1. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern verführt, irritiert und verfolgt. Schon die ersten Minuten ziehen das Publikum in eine Welt, in der Begehren und Angst, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Es ist ein Kino der Blicke, der Spiegelungen und der geheimen Wünsche. Menschen beobachten einander, werden selbst beobachtet und verlieren dabei immer mehr die Kontrolle über das, was sie zu sehen glauben. Genau darin liegt die große Faszination dieses Thrillers: „Dressed to Kill“ ist weniger ein klassischer Kriminalfilm als ein fiebriger Albtraum über Sehnsucht, Schuld und die dunklen Räume der menschlichen Psyche.

Im Mittelpunkt steht zunächst Kate Miller, eine Frau, die in ihrem bürgerlichen Leben gefangen scheint. Ihre Einsamkeit, ihre unausgesprochenen Wünsche und ihre Suche nach einem letzten Moment von Leidenschaft führen sie in eine der berühmtesten Sequenzen des Films: eine fast wortlose Begegnung im Museum, inszeniert wie ein erotisches Ballett aus Blicken, Bewegungen und verpassten Momenten. De Palma zeigt hier seine ganze Meisterschaft. Ohne viele Dialoge entsteht Spannung, weil jeder Blick, jede Geste und jede Kamerabewegung Bedeutung bekommt. Das Museum wird zu einem Labyrinth der Versuchung, in dem sich Kate selbst verliert. Doch der Traum von Freiheit kippt in Entsetzen. Aus Begehren wird Bedrohung, aus Eleganz wird Gewalt, aus einem Moment der Selbstbestimmung eine Katastrophe.

„Dressed to Kill“ steht deutlich in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. Doch De Palma kopiert nicht einfach, sondern steigert, überzeichnet und spiegelt die Motive seines Vorbilds. Die Duschszene, der abrupte Verlust einer scheinbaren Hauptfigur, der Psychiater, der am Ende eine Erklärung anbietet, die Unsicherheit über Identität und Schuld – all das verweist auf Hitchcock. Aber De Palma macht daraus ein eigenes, schillerndes, bewusst künstliches Kino. Seine Kamera gleitet, lauert, spaltet Bilder, zeigt Vorder- und Hintergrund zugleich und macht uns als Zuschauer zu Komplizen des Voyeurismus. Man schaut hin, obwohl man ahnt, dass man vielleicht lieber wegsehen sollte.

Gerade deshalb ist „Dressed to Kill“ bis heute ein Film, über den man sprechen muss. Er ist elegant, spannend und handwerklich brillant, aber auch problematisch, verstörend und moralisch ambivalent. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt fordert aus heutiger Sicht Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und stößt ab, oft im selben Moment. Das macht ihn zu einem idealen Werk für eine Matinee, die nicht nur zeigen, sondern auch einordnen will. Wie blicken wir heute auf einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute noch kontrovers diskutiert wird? Wo endet stilistische Brillanz, wo beginnt fragwürdige Projektion? Warum üben solche Bilder trotz aller Kritik weiterhin eine so starke Wirkung aus?

In der Matinee bietet sich die Gelegenheit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Filmklassiker zu erleben, sondern gemeinsam über seine Mechanismen nachzudenken. Über die Macht des Kinos, Angst lustvoll zu inszenieren. Über Frauenbilder im Thriller. Über die Verbindung von Erotik und Gewalt. Über das Spiel mit Identitäten, Masken und verdrängten Sehnsüchten. Und natürlich über Brian De Palma als Regisseur, der das Publikum nie in Sicherheit wiegt, sondern es gezielt verunsichert.

Wer „Dressed to Kill“ auf der großen Leinwand sieht, erlebt ein Kino, das körperlich wirkt: die Musik, die Farben, die langsamen Kamerafahrten, die plötzlichen Schocks. Dieser Film ist kein beiläufiger Streaming-Titel, sondern ein Werk, das im Kinosaal seine volle Kraft entfaltet. In der Dunkelheit, gemeinsam mit anderen, wird spürbar, wie sehr De Palma mit unseren Erwartungen spielt. Man glaubt, die Geschichte zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, dass man selbst Teil eines Spiels aus Täuschung, Begierde und Angst geworden ist.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum: Er zeigt nicht nur Monster, Täter und Opfer, sondern auch unsere eigene Lust am Schauen. Gerade deshalb lohnt sich diese Matinee. Sie lädt dazu ein, einen großen, umstrittenen, sinnlichen und verstörenden Thriller neu zu entdecken – als Meisterstück des Suspense-Kinos, als Zeitdokument und als Gesprächsanlass über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach vergeht, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Er bleibt. In den Bildern, in den Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

MGP: Der Meister der Angst – Alfred Hitchcock und die Kunst, Gefühle zu lenken

4. März 2026

Alfred Hitchcock gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte und als Meister des Suspense. Ihm widmete ich meinen jüngsten Maisacher Gespräche zur Popkultur (MGP). Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Mit Filmen wie Psycho, Vertigo, Rear Window oder The Birds prägte Alfred Hitchcock über mehrere Jahrzehnte hinweg die Entwicklung des Thriller- und Suspense-Kinos. Sein Werk zeigt eindrucksvoll, wie gezielt filmische Mittel eingesetzt werden können, um beim Publikum starke Emotionen wie Angst, Spannung oder Beklemmung auszulösen. Hier mein kompletter Vortrags als Aufzeichnung:

Geboren wurde Alfred Hitchcock am 13. August 1899 in London. Seine Karriere begann er in der britischen Filmindustrie der 1920er-Jahre, zunächst als Grafiker und Titelgestalter für Stummfilme. Schon früh entwickelte er ein besonderes Interesse daran, wie Bilder, Kameraperspektiven und Schnittfolgen die Wahrnehmung der Zuschauer beeinflussen können. Mit Filmen wie The Lodger: A Story of the London Fog gelang ihm der Durchbruch im britischen Kino.

In den späten 1930er-Jahren zog Hitchcock in die Vereinigten Staaten, wo er in Hollywood eine internationale Karriere aufbaute. Dort entstanden viele seiner bekanntesten Werke. Charakteristisch für seine Filme ist die sorgfältige Inszenierung von Spannung. Hitchcock verstand es, alltägliche Situationen in bedrohliche Szenarien zu verwandeln. Häufig stehen scheinbar gewöhnliche Menschen im Mittelpunkt der Handlung, die plötzlich in außergewöhnliche und gefährliche Situationen geraten.

Ein zentrales Element seiner Filmkunst ist die gezielte Steuerung der Emotionen des Publikums. Hitchcock erklärte dies oft anhand des Unterschieds zwischen Überraschung und Suspense: Während eine plötzliche Explosion nur einen kurzen Schockmoment erzeugt, entsteht echte Spannung, wenn das Publikum weiß, dass eine Gefahr droht, die Figuren im Film jedoch nicht. Dieses Prinzip setzte er konsequent ein, etwa durch lange Spannungssequenzen, ungewöhnliche Kameraperspektiven oder den bewussten Einsatz von Musik.

Auch visuell entwickelte Hitchcock eine eigene Handschrift. Aufwendige Kamerafahrten, ungewöhnliche Bildkompositionen und symbolische Motive verstärken die emotionale Wirkung seiner Filme. Gleichzeitig arbeitete er häufig mit wiederkehrenden Themen wie Schuld, Identitätsverlust, Voyeurismus oder der Fragilität menschlicher Beziehungen.

Neben seiner Arbeit als Regisseur wurde Hitchcock auch selbst zu einer öffentlichen Figur. Seine kurzen Auftritte in vielen seiner Filme – sogenannte Cameos – sowie seine Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents machten ihn auch einem breiten Publikum bekannt.

Alfred Hitchcock starb am 29. April 1980 in Los Angeles. Sein Einfluss auf das Kino wirkt bis heute fort. Viele Regisseure orientieren sich noch immer an seinen Techniken, wenn es darum geht, Spannung aufzubauen und Emotionen beim Publikum gezielt zu steuern. Damit bleibt Hitchcock ein zentraler Bezugspunkt der Filmgeschichte – ein Regisseur, der den Nervenkitzel zum zentralen Element seiner Kunst gemacht hat.

Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Ein Leben für den Nervenkitzel – Alfred Hitchcock und die Macht der Emotionen Vortrag am Mittwoch, 3. Dezember

2. Dezember 2025

Ich freue mich auf mein anstehenden Vortrag im Rahmen der Maisacher Gespräche zur Popkultur (MGP) in der Gemeindebücherei Maisach. Am Mittwoch, 3. Dezember spreche ich um 18 Uhr zum Thema Ein Leben für den Nervenkitzel – Alfred Hitchcock und die Macht der Emotionen. Der Eintritt ist frei. im ganzen Gemeindegebiet wurde plakatiert.

Es gibt Filme, die man betrachtet – und es gibt Filme, die einen betrachten. Das Werk Alfred Hitchcocks gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Wer seine Filme sieht, wird nicht nur Zeuge einer Geschichte, sondern gerät unweigerlich in einen Sog, in eine psychologische Spirale, die sich unbemerkt um das eigene Bewusstsein legt. Hitchcock verstand das Kino nicht als Abfolge bewegter Bilder, sondern als gigantisches Nervensystem, das die Zuschauer direkt an ihre Gefühle anschloss. Er war Regisseur, Architekt und Psychologe zugleich, ein Meister, der nicht nur Geschichten erzählte, sondern die Seele seiner Betrachter sezierte. Seine Filme wirken wie Spiegel – sie zeigen uns weniger die Figuren auf der Leinwand als unsere eigenen Ängste, Begierden und Abgründe.

Hitchcock wusste, dass Angst nicht dort entsteht, wo das Monströse sichtbar wird, sondern dort, wo es sich im Schatten versteckt – im Erwarteten, im Unausgesprochenen, in der Stille vor dem Schrei. Die Spannung, die man heute „Hitchcock’s suspense“ nennt, ist kein technischer Trick, sondern eine existenzielle Erfahrung. Wenn in Psycho die Duschszene beginnt, wenn die Geige sticht wie ein Messer, dann lauscht der eigene Herzschlag plötzlich lauter als die Musik. Die Szene erschreckt uns nicht, weil sie brutal ist, sondern weil sie uralte Gefühle weckt: Verletzlichkeit, Einsamkeit, das Unbekannte, das uns in einem Moment der Intimität überfällt. Hitchcock zeigte, dass Horror nicht im Monster liegt, sondern in uns selbst. Der wahre Schock ist, dass wir uns in jedem Opfer, in jedem Täter wiedererkennen könnten.

In Vertigo führte er die Sehnsucht, die Obsession und das Scheitern an der eigenen Fantasie in neue Tiefen. Diese Liebesgeschichte, die sich als Alptraum tarnt, entfaltet eine beklemmende Wirkung: Man spürt die Verlorenheit des Protagonisten nicht intellektuell, sondern körperlich. Das Spiel mit Realität und Illusion, mit der Frage, wie weit wir für unsere Sehnsüchte gehen, trifft mitten ins Herz. Hitchcocks Filme sind nie nur Handlung – sie sind emotionale Zustände. Sie lassen uns taumeln, sie ziehen uns hinein in Räume, in denen logische Erklärungen verblassen. Kino, so scheint Hitchcock zu sagen, ist kein Fenster zur Welt. Es ist ein Fenster zu uns selbst.

Sein Einfluss geht weit über Genres und Jahrzehnte hinaus. Jeder Thriller, der mit dem Ungewissen spielt, jeder Film, der den Atem anhält, jeder Moment, in dem man im Kinosessel vergisst, wer man neben sich hat oder wie spät es ist – all das trägt Spuren von Hitchcock. Die Vögel, dieses verstörende Lehrstück über das Einbrechen des Unbegreiflichen in den Alltag, ist exemplarisch dafür: Die Angst entsteht nicht durch das Federn und Flattern, sondern durch das Ausbleiben einer Antwort. Warum greifen die Vögel an? Hitchcock verweigert die Erklärung. Er entreißt uns die schützende Ordnung und zwingt uns, mit unserer eigenen Hilflosigkeit zu leben. So entsteht ein Gefühl, das uns lange nach dem Film verfolgt – etwas, das man nicht abschütteln kann, weil es aus dem Inneren kommt.

Hitchcock gelang das Unglaubliche: Er machte aus Kino eine emotionale Versuchsanordnung. Er vertraute nicht auf spektakuläre Effekte, sondern auf die Macht des Blicks, die Spannung zwischen Wissen und Nichtwissen, den Puls des Zuschauers. Seine Kamera ist kein neutraler Beobachter, sondern ein neugieriges Wesen, das uns dorthin führt, wo wir eigentlich nicht hinsehen wollen. Manchmal zeigt sie zu viel, manchmal zu wenig – immer aber zwingt sie uns, die Geschichte aktiv mitzuerleben. Darin liegt Hitchcocks Zauber: Seine Filme passieren nicht vor uns, sondern mit uns.

Noch heute, Jahrzehnte nach seinem Tod, haben Hitchcocks Werke nichts von ihrer Kraft eingebüßt. Sie lassen uns erschauern, staunen, schwitzen. Sie machen uns zu Komplizen, zu Zeugen, zu Opfern unserer eigenen Ängste. Hitchcock hat das Kino nicht nur geprägt – er hat ihm eine neue Sprache gegeben: die Sprache der Ungewissheit, der Obsession, des psychologischen Vibrierns, das uns Grenzen vergessen lässt. Seine Filme wirken nach, wie ein Traum, dessen Bedeutung wir ahnen, aber nie ganz verstehen. Und vielleicht ist genau das die größte Wirkung Alfred Hitchcocks: Er hat uns gelehrt, dass das wahre Grauen, die wahre Faszination und die wahre Spannung nicht im Außen liegen, sondern in jenem tiefen, geheimen Raum, den wir Seele nennen.

Alfred Hitchcock fasziniert uns bis heute, weil er wie kein anderer Regisseur die Tiefen unserer Seele kannte – unsere Ängste, unsere Sehnsüchte, unsere Schuldgefühle. Seine Filme sind mehr als bloße Spannung: Sie sind ein Spiegel unserer inneren Abgründe. Hitchcock verstand es meisterhaft, das Alltägliche in Bedrohung zu verwandeln – ein harmloser Zug, ein Motel am Straßenrand, ein Vogelschwarm am Himmel. In seiner Welt lauert das Unheimliche immer dort, wo wir uns sicher wähnen.

Doch was uns wirklich gefangen nimmt, ist die psychologische Präzision, mit der Hitchcock seine Figuren – und damit uns – seziert. Er zwang uns, hinzusehen, auch wenn wir uns abwenden wollten. Er ließ uns mitschuldig werden, ließ uns zittern, hoffen, atmen und zweifeln. Seine Filme sind Lektionen in Emotion, Spannung und Moral – und zugleich zeitlose Studien über das Menschsein selbst.

Dass wir uns seiner Faszination nicht entziehen können, liegt vielleicht daran, dass Hitchcock nie einfach Angst zeigen wollte. Er wollte sie fühlbar machen. Und das gelingt ihm bis heute – jedes Mal, wenn sich der Vorhang hebt und wir uns unweigerlich fragen: Was, wenn das Böse längst in uns wohnt?

Filmkritik: The Substance von Coralie Fargeat – Body-Horror auf den Spuren von Cronenberg

19. September 2024

Wenn Sie den drastischen Body Horror von David Cronenberg, ein wenig Kubrick, etwas Lynch, eine Prise Carpenter mögen, dann werden Sie The Substance feiern. Wenn Sie keine Satire verstehen oder sogar etwa einen empfindlichen Magen haben, dann sollten Sie um The Substance einen Bogen machen, einen ganz großen Bogen. Der Streamingdienst Mubi sicherte sich die Vertriebsrechte noch bevor der Film in Hauptwettbewerb des 77. Filmfestivals von Cannes lief. Bei uns läuft der Film ab 19. September 2024 in den Kinos.

Der Streifen ist ein Film über Frauenkörper, wie die Regisseurin Coralie Fargeat verlautbaren ließ. Es ist ein Statement darüber, wie der Körper einer Frau im öffentlichen Raum unter die Lupe genommen wird, zum Fantasiebild gemacht und bewertet wird.

Das Genre ist mir nach dem Film nicht ganz so klar, Vielleicht so: The Substance ist ein satirischer, feministischen Body-Horrorfilm mit harten Gore-Effekten, einer nachdenklichen und wichtigen Botschaft, die mit faszinierenden Kamerabildern in Szene gesetzt, zum Nachdenken und Kotzen anregt, etwa vorhersehbar ist und von großartigen Schauspielern wie Demi Moore, Margaret Qualley und Dennis Quaid, der dich 2 Std. 20 Min fesselt, unterhält, anwidert, fasziniert und anekelt.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Der Ruhm des einstmals großen TV-Stars Elisabeth Sparkle (Demi Moore) bröckelt, weil das Fernsehpublikum neue, jungen Nachwuchs sehen will. Daher wird sie von ihrem schmierigen Network-Produzenten Harvey Dennis Quaid an die Luft gesetzt. Durch einen Zufall gehört sie an das Wundermittel The Substance. Das Produkt The Substance verspricht, eine jüngere, schönere und vollkommenere Version ihrer selbst zu erzeugen. Bedingung ist, dass man mit diesem zweiten „Ich“ die verfügbare Zeit teilt – eine Woche für sich selbst, eine Woche für die neue Version. Hält man diese 7-Tage-Regel nicht ein, droht ein Verlust der „perfekten Balance“. Das jüngere, attraktive Ich Sue, gespielt von Margaret Qualley, hält sich natürlich nicht an diese Regel und der Verfall der Körper beginnt bis zum Ende in schönster Braindead-Manier von Peter Jackson oder de Palmas Carrie.

Und der Film liebt es zu zitieren. Der Filmfreund wird sein Gefallen an diesem Kabinettstück haben. In zahlreichen Einstellungen erweist Coralie Fargeat Kameramann Benjamin Kracun erweist das Team dem Regiegott Stanley Kubrick die Ehre, sei es in Mustern, Badezimmer, Blut aus Türen oder fauligen Damen. Eindeutig wird es dann mit dem Zarathustra-Thema und dem großen Auftritt. Wir sehen immer wieder Alfred Hitchcocks Psycho mit 1:1 Einstellungen der Duschsezenen, wir genießen Effekte wie einstmals von Rob Bottin bei Carpenters The Thing, wir reisen in die Zeit zurück zu den schrecklichen Achtziger als wir uns MTV und Werbeclips von Tony Scott ansahen und überlegten, ob Jane Fondas Fitness-Welle eine Eintagsfliege bleiben wird, Meine Kinder sehen in Sue (Margaret Qualley) vielleicht eher das Fitness-Talent Pamela Reiff und ich sehe in der Geschichte eine Interpretation von Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Leider ist manches in diesem Film vorhersehbar, trotz hervorragender Inszenierung. Eine halbe Stunde weniger hätten aus meiner Sicht dem Film gut getan. Bis es zur Steigerung in die Unkenntlichkeit und die Eruption von Innereien, Blut und Haut kommt, ist es ein langer Weg. Immer wieder wird Freak gerufen und Erinnerungen an den 1932 traurigen Film Freaks – Missgestaltete) kommen hoch. Tod Browning schuf hier ein Werk an dem sich Coralie Fargeat orientiert. Und die Moral von der Geschichte: Schöne Mädchen sollten immer lächeln. Nochmals Coralie Fargeat zum Schluss: „Ich kenne keine einzige Frau, die kein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper hat, die nicht irgendwann in ihrem Leben eine Essstörung hatte und ihren Körper und sich selbst nicht abgrundtief gehasst hat, weil sie nicht so aussah, wie die Gesellschaft es ihr vorschrieb.“

The Texas Chain Saw Massacre Matinee – Rückblick auf meine Matinee

28. August 2023

Der Kopf erzeugt Bilder, die das Auge gar nicht sieht. Vor dem geistigen Auge entsteht der Terror der übersteigenden Familiendramas, das in die Filmgeschichte eingegangen ist und jahrelang die Gerichte beschäftigte. Gemeint ist natürlich The Texas Chain Saw Massacre von 1974, den ich vor kurzem in einer Matinee im Scala Kino Fürstenfeld zeigen und besprechen durfte.

Zum ersten Mal hatte ich den Film auf einer umgeschnittenen US-Laserdisc gesehen und die Wucht des Films haute mich mich. Die NTSC-Disc hatte ich unter der Theke auf einem Filmsammlermarkt für teuer Geld erstanden. Nach dem ersten Ansehen war ich regelrecht erschlagen und interessierte mich für die Umstände des Films, der sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York befindet und in Deutschland einige Jahre verboten war. Wow, ich hatte als Jugendlicher einen verbotenen Film der Filmgeschichte schrieb zu Hause, was auch irgendwie reizvoll war. Ich erinnere mich, dass die Laserdisc nicht im Schrank mit den anderen Laserdisc stand, sondern im Schrank mit den Langspielplatten – ein gutes Versteck, wie ich damals glaubte.

Zur Matinee arbeitete ich die Zeitumstände des Films heraus. Der Sommer der Liebe war vorbei. Gewalt war in den USA an der Tagesordnung. Das tödliche Attentat auf Martin Luther King ereignete sich am 4. April 1968, am 6. Juni 1968 wurde in Los Angeles Bobby Kennedy erschossen. 1968 gab es Bürgerkriegsähnliche Zustände beim Nominierungskongress der Demokraten in Chicago und Rassenunruhen. Es kam zu dem Mord an 9. August 1969 an Sharon Marie Tate durch Charles Manson. Aus Woodstock wurde Altamont am 6. Dezember 1969. Vor den Augen der Rolling Stones wurde ein Mensch erstochen. Im Fernsehen lief der reale Horror von Vietnam.

Das Kino als Spiegel der Gesellschaft änderte sich. 1969 lief Easy Rider mit Dennis Hopper und Peter Fonda. Es war die Abkehr vom alten Hollywood. Neue Kreative kamen für ein neues Hollywood von Hochschulen, George Lucas, Steven Spielberg, Michael Camino oder Francis Ford Coppiola. Und auch ein Tope Hooper stand bereit für die Zeitwende im Film. Der Gothic Horror von Dracula und Frankenstein wurde zu Grabe getragen. Er galt als alt und verstaubt. Der Schrecken und die Gewalt war auf der Straße und nicht mehr in in der fernen Welten. Der Horrofilm veränderte sich Die Nacht der lebenden Toten von Romero leitete 1968 die Wende ein. Der schwarze Held überlebt und wird am Schluss von der Polizei erschossen. Wegbereiter war Hitchcock mit Psycho von 1960.

1972 war der Terrorfilm pur in den Kinos. Last house of the Left von Wes Craven (Nightmare) und Sean S. Cunningham (Freitag der 13). Und Tope Hooper erkannte die Zeichen der Zeit. Wie Hitchcock und der Buchator Robert Bloch war er vom Serienmörder Ed Gein fasziniert. Tatsächlich geschehen sind die Morde, die Ed Gein in den 50er-Jahren in Plainfield, Wisconsin, an durchreisenden Frauen verübte. Deren Häute zog er sich ab und trug sie als Kleidungs- und Schmuckstücke. Der wahnsinnige Mörder, Leichendieb, Grab- und Leichenschänder Ed Gein war Vorbild für Psycho und dann auch für The Texas Chain Saw Massacre.

Was diesen Film so bemerkenswert macht, ist die Art und Weise, wie er eine düstere, beklemmende Atmosphäre erzeugt und den Zuschauer in die Tiefen des menschlichen Schreckens mitnimmt. Dabei nutzt er geschickt die Aspekte von Gewalt, Sadismus und Isolation, um eine verstörende Wirkung zu erzielen. Viel Spaß mit meinem Vortrag.

Die nächste Matinee findet am Sonntag, 10. September um 10:45 Uhr zum Film Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt von 1979 statt. Im Weltraum hört dich niemand schreien. Alien verband die Genre Horror- und Science-Fiction-Film kongenial. Übrigens, es ist Kinotag an diesem Tag und der Eintritt kostet nur 5 Euro. Also Zeit für eine Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Filmmusiktipp: Psycho von Bernard Herrmann

30. Juli 2023

Bernard Herrmanns Aufnahme von “Psycho” ist ein Meisterwerk der Filmmusik. Die Musik ist so ikonisch wie der Film selbst und hat die Art und Weise, wie wir Filmmusik hören und verstehen, für immer verändert. Herrmanns Verwendung von Streichern und Perkussion ist besonders bemerkenswert. Die berühmte Duschszene wird durch das Schreien der Streicher untermalt, was eine unheimliche Atmosphäre schafft. Die Musik ist so effektiv, dass sie den Film ohne Dialog tragen könnte.
Bernard Herrmann war ein US-amerikanischer Komponist und Dirigent, der durch seine Arbeit an Filmmusik bekannt wurde. Hier eine schöne Vinyl-Ausgabe.

Er wurde am 29. Juni 1911 geboren und starb am 24. Dezember 1975. Herrmann arbeitete mit vielen berühmten Regisseuren zusammen, darunter Alfred Hitchcock, François Truffaut und Martin Scorsese. Er komponierte die Musik für viele Filme, darunter “Citizen Kane”, “Vertigo” und “Psycho”. Sein letztes Werk war Taxi Driver. Nachdem der letzte Takt eingespielt war, verstarb Herrmann.

Bernard Herrmanns Musik für Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ wird weithin als bahnbrechende Leistung in der Filmmusik angesehen und hat selbst einen ikonischen Status erlangt. Mehrere Aspekte tragen zur Einzigartigkeit und Wirkung von Herrmanns Musik in „Psycho“ bei.

Zunächst einmal war Herrmanns innovativer Einsatz von Klang und Instrumentierung entscheidend für die Gestaltung der Atmosphäre des Films und die Verstärkung seiner spannenden und psychologischen Elemente. Er setzte hauptsächlich auf Streichorchester, insbesondere Violinen, um einen durchdringenden, schrillen Effekt zu erzeugen, der die Spannung und Unruhe steigerte. Die schrillen und dissonanten Streicher, besonders in der berüchtigten „Duschszene“, sind sofort erkennbar und untrennbar mit dem Horrorfilmgenre verbunden.

Darüber hinaus brach Herrmann mit dem damaligen traditionellen Stil der Filmmusik. Anstelle eines großen Orchesters entschied er sich für ein kleineres Ensemble, das die Streicher betonte und dadurch eine intime und klaustrophobische Qualität der Musik erzeugte. Diese Wahl spiegelte die Erzählung des Films wider, der sich größtenteils in engen Räumen abspielt und die gestörte Psyche seiner Charaktere erkundet. Hier eine schöne Kombi-CD von Psycho und Vertigo.
Herrmanns Partitur für „Psycho“ war auch bemerkenswert für den Einsatz von Leitmotiven, wiederkehrenden musikalischen Themen, die mit bestimmten Charakteren oder Konzepten verbunden sind. Das bekannteste Motiv ist das treibende und repetitive Thema, das die Figur des Norman Bates begleitet, der zentrale Charakter des Films. Dieses Motiv erfasst die Dualität von Bates‘ Persönlichkeit, mit einem Wechsel zwischen Verletzlichkeit und Bedrohlichkeit. Die thematische Herangehensweise verleiht der Musik eine zusätzliche Tiefe.

Matinee Alfred Hitchcocks Film „Die Vögel“ am Sonntag, 12. Februar im Scala

8. Februar 2023

Ich freue mich, dass ich am Sonntag, 12. Februar in einer Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck einen Vortrag zu Alfred Hitchcocks Film „Die Vögel“ sprechen darf. Die Veranstaltung beginnt um 10:45 Uhr – ich erläuterte die Bedeutung des Films und zeige dann den Klassiker von 1963. Karten gibt es hier.

Alfred Hitchcocks Film „Die Vögel“ hat sowohl im Kontext des Kinos als auch in der Populärkultur eine große Bedeutung. Der Film gilt als Meisterwerk des Suspense-Genres und zeigt Hitchcocks unverwechselbaren Stil und seine Fähigkeit, Spannung aufzubauen und die Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Hier ein kleiner Trailer, den ich speziell für dieses Event geschnitten habe.

Mit dem Film wurde ein Subgenre des Horrorfilms etabliert: Der Öko- oder Tierhorror. Er kam am 28. März 1963 in die US-amerikanischen, am 20. September 1963 in die deutschen Kinos und feiert seinen 60. Geburtstag. Der Film markiert nach Der unsichtbare Dritte (1959) und Psycho (1960) einen weiteren Höhepunkt in Hitchcocks Spätwerk.

Die Vögel handelt von einer Gruppe von Vögeln, die plötzlich und unerklärlich auf die Bewohner einer kalifornischen Stadt angreifen. Der Film nutzt die Symbolik der Vögel als Metapher für Bedrohung und Unsicherheit und lässt die Zuschauer raten, was hinter dem Verhalten der Tiere steckt.

Der Film hat auch eine starke kulturelle Bedeutung, da er oft als eines der besten Beispiele für Hitchcocks Fähigkeit gesehen wird, komplexe Themen und Emotionen durch subtile Andeutungen und symbolische Darstellungen zu vermitteln. „Die Vögel“ inspirierte viele andere Filmemacher und bleibt bis heute ein Klassiker des Kinos.

Ich würde mich freuen, wenn diese Matinee ein Erfolg wird. Später werde ich ein Online-Seminar zu die Vögel anbieten, aber mit einem anderen Schwerpunkt. Wer die Infos braucht, bitte in einem Newsletter anmelden.

Filmtipp: The City of the Dead – Stadt der Toten

31. August 2021

Eigentlich ist der Film purer Trash, aber irgendwie sind mir viele Szenen in Erinnerung geblieben und diese steigen dann und wann aus dem kollektiven Film Gedächtnis auf. Gemeint ist der alte Hexenfilm: The City of the Dead – Stadt der Toten.

Der Film The City of the Dead – Stadt der Toten aus Großbritannien entstand im Jahre 1960 und lief dort auch unter Horror Hotel in den Kinos. Ich hatte den Film als Jugendlicher auf Super 8 gesehen und er faszinierte mich wegen des Themas. Hexenfilme waren damals eher ungewöhnlich in meinem Repertoire, dass vor allem von den klassischen Monstern wie Dracula, Frankenstein oder dem Werwolf geprägt war. Ich erinnere mich, wie mich die Atmosphäre des Schwarzweißfilms gepackt hatte, vor allem die späte Opferungsszene auf den Friedhof.

Jahre vergingen, doch der Film blieb mir irgendwie in Erinnerung. Vor kurzem gab es die Gelegenheit, diesen Trash wieder auf Super 8 zu erstehen. Ich hab natürlich zugeschlagen und mir den 70 Meter langen Streifen angeschaut und mich in meine Zeit als Teenager zurückversetzt. „Nur für starke Nerven“ warnte mich das Cover von Piccolo Film. Der Titel lautete „Hexen – Quälen, Schänden, Töten“. Und die Dachzeile „Eines der grausamsten Kapitel des Mittelalters“.

70 Meter bedeuten 8 Minuten Laufzeit. Interessant, wie mich diese 8 Minuten damals geprägt haben. Natürlich war der Film inhaltlich enttäuschend, aber auf die Emotionen kommt es an. Von wegen Mittelalter, von wegen Quälen, Schänden, Töten.

Und so sah ich, dass es von The City of the Dead – Stadt der Toten ein Mediabook mit Bluray und DVD sowie Booklet gab. Klar, das Ding musste her. Den Kauf der Super 8-Kopie hätte ich mir sparen können, denn die Version war auf den Extras der Discs restauriert auch abgelegt. Aber natürlich entfiel damit der Aufbau des Projektor und das Ritual des Knatterns.

Der Film ist sehenswert durch die Schauspielkunst von Christopher Lee als Prof. Allan Driscoll. Und es gibt Parallelen zu Hitchcocks Psycho, der im gleichen Jahr entstanden ist. Die Hauptdarstellerin segnet im ersten Drittel des Films das Zeitliche. Und das war es auch dann schon: Bei Hitchcock war der Star Janet Leigh, in Stadt der Toten war es die eher unbekannte Venetia Stevenson, die acht Jahre mit dem Sänger Don Everly von den Everly Brothers verheiratet war.

60 Jahre Psycho – Einladung zu Online-Seminar zu Hitchcock

24. Juni 2020

Vor 60 Jahren kam Psycho in die US-Kinos und veränderte den Thriller für immer. Alfred Hitchcock schuf den ultimativen psychologischen und physischen Horror, der dann Jahre später von Tope Hooper, John Carpenter und anderen aufgegriffen und bis ins Exzess weitergeführt wurde. Psycho war die Mutter aller Slasher-Filme.

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Nach seiner großen Hollywood-Phase finanzierte Hitchcock den Film aus eigener Tasche und arbeitete mit Kameraleuten vom Fernsehen, die es gewohnt waren kostengünstig und schnell zu produzieren. Er veränderte mit dem Duschmord die Filmgeschichte. Auch ich habe mir Szene um Szene, Bild für Bild des Mordes angeschaut wie Tausende Filmstudenten vor und nach mir. Hitchcock als Meister der Montage, der sein Handwerk verstand. In Kombination mit der legendären Musik von Bernard Herrmann ist diese Szene ein geniales Zusammenspiel von Bild und Ton. Dieses Zusammenspiel hat so gut gewirkt, dass so mancher Zuschauer noch wochenlang Probleme hatte, unter die Dusche zu gehen.

Und Hitchcock war auch ein Fuchs, weil er den Star des Filmes: Janet Leigh im ersten Drittel des Films ermorden ließ. Das hatte kein Zuschauer erwartet, denn der Held eines Films muss überleben, so sieht es das Gesetz Hollywoods vor. Denkste. Irgendwie wird die Heldin schon aus der Situation herauskommen und zack, zack da liegt sie nun ermordet unter der Dusche. Was für ein Schock, denn dann kommen die wirklich handelnden Akteure. Allen voran natürlich Norman Mutter Bates.
Ich darf zum Thema Sir Alfred Hitchcock und die Politik einen kostenlosen Online-Vortrag am Donnerstag, 25. Juni 2020 um 18 Uhr halten. Wer Lust hat dabei zu sein, melde sich bitte hier an. Ich würde mich freuen.

Und hier die ultimative Box zu Psycho Legacy Collection als Deluxe-Version:

Filmkritik: Halloween 2018

14. November 2018

Als Fan des fantastischen Films musste ich mir die Neuauflage des Halloween-Streifens unbedingt ansehen. Das Franchise hat ja gute und schlechte Teile der Geschichte um Michael Myers herausgebracht und um es vorweg zu sagen, Halloween 2018 ist einer von den besseren Versionen.

Besuch bei Michael Myers.

Besuch bei Michael Myers.

In der fast ausverkauften Spätvorstellung meines Lieblingskinos, dem Scala in Fürstenfeldbruck, Platz genommen, bereitete ich mich auf einen klassischen Slasher vor. Und den bekam ich auch serviert. Michael mit der Maske mordet sich durch den Film, ganz wie es zu erwarten war. Allerdings waren alle die Morde zwar ausgefallen, aber nicht überraschend. Die Momente des Schocks blieben aus. Blut floss reichlich und die Arten einen Menschen zu Tode zu bringen, wurden von Herrn Myers ausgekostet, aber ein Angstgefühl stellte sich mir bei diesem Horrorfilm nicht ein. Das heißt nicht, dass es ein schlechter Film geworden ist. Der Film macht Spaß, wenn ein Horrorstreifen überhaupt Spaß machen kann.
Es war im Grunde ein Treffen mit einem alten Bekannten. Michael Myers mordet seit Jahren, nein seit Jahrzehnten über die Kinoleinwand. Er begründete die Tradition des schwarzen Manns, wie später auch Freddy oder sein Kollege Jason. Teil um Teil müssen sie auferstehen und auf der Leinwand ihr vorhersehbares Unwesen treiben.
Was macht Halloween 2018 aber so besonders? Nun, es ist das vierte Mal, dass Jamie Lee Curtis, die Tochter von Tony Curtis und Janeth Leigh (das Duschopfer aus Hitchcocks Psycho) gegen Michael Myers antritt. Und Jamie Lee Curtis ist einfach wunderbar. Dieses Mal ist sie nicht die Screaming Queen alter Tage, sondern im Grunde eine Art Sarah Conner aus Terminator, die auf den Ausbruch von Michael Myers aus der Anstalt wartet. Laurie hat sich vorbereitet und stellt Michael eine Falle – mehr wird aber nicht verraten. Ich mag die gealterte Jamie Lee Curtis einfach gerne. Ich mochte sie im Original Halloween von John Carpenter, in der brutaleren Fortsetzung von 1981, in Halloween H20 (1998 – also vor 20 Jahren und 20 Jahre nach dem Original) und ich mag sie jetzt. Der Halloween von 2018 knüpft im übrigen an den ersten Teil der Serie von 1978 Halloween – Die Nacht des Grauens an. Das ist für Fans der Serie kein Problem, für den unbedarften Horrorfan schafft es vielleicht etwas Verwirrung.
Dieses Mal erfahren wir eigentlich wieder nichts über Michael Myers. Der Charakter bleibt im Dunkeln. Es ist einfach das Böse. Wenn ich ehrlich bin, dann haben mich die Terror-Filme Rob Zombie’s Halloween oder Halloween 2007 von Rob Zombie weiter gebracht. Diese beiden Filme sind brutalster Trash und ich hatte hier wirklich mal Angst, nicht wegen der Handlung, sondern wegen dem White Trash, dem Zombie auf den Leinwand brachte.
Was mich als Fan aber wirklich wieder erschauern ließ, war der Score. Endlich, endlich griff John Carpenter selbst mal wieder in die Tasten und steuerte den Soundtrack zu Halloween 2018 bei. Der letzte Soundtrack der Halloween-Reihe stammt von unterschätzten 1982 Film Halloween III: Season of the Witch.
Jetzt Carpenter ist Executive Producer, Creative Consultant und Soundtrack-Komponist in einem. Letzteres zusammen mit Cody Carpenter und Daniel Davies, seinen Mitstreitern auf seinen Soloalben. Der neue Soundtrack Halloween 2018 ist eine Hommage an die klassische Halloween-Partitur, die Carpenter 1978 komponierte und aufnahm, als er mit seinem Low-Budget-Film das Horrorkino veränderte. Der Score wurde dem Zeitgeist etwas angepasst, aber Fans werden zugreifen. Zwar hat die CD einen Pappschuber, aber das Booklet selbst ist bis auf ein Bildchen mehr als dünn. Und danke, dass es sich um den Score handelt und nicht um den Soundtrack mit den unnötigen Popsongs.