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Podcast: Mehr sehen, schneller handeln, besser werden: Norman Dombo bringt modernes Training nach Maisach

13. April 2026

Im Podcast „Dombo bewegt“ spricht Norman Dombo über ein neues lokales Projekt: eine Trainer-Convention, die sich an Sportvereine richtet und das Thema Veko-Motorik beziehungsweise Wahrnehmung, Reaktion und Entscheidungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt. Ausgangspunkt für die Idee war die Überlegung, dass Methoden und Trainingsansätze, die im Spitzensport erfolgreich eingesetzt werden, auch für Amateur- und Breitensportler wertvoll sein können. Deshalb sollen nun Trainerinnen und Trainer sowie Verantwortliche aus örtlichen Sportvereinen in dieses Thema eingeführt werden.

Eingeladen sind zunächst vor allem Vereine aus dem Bereich der bewegungsintensiven Ballsportarten, etwa Fußball, Tischtennis, Tennis, Handball oder Basketball. In einem späteren Schritt könnten auch weitere Sportarten dazukommen, beispielsweise der Schießsport. Im Zentrum der Convention steht der Einsatz des SkillCourt, mit dem Wahrnehmung, Reaktionsgeschwindigkeit und Handlungsschnelligkeit trainiert werden können. Ziel ist es, den Teilnehmern zu zeigen, wie sich auf Basis aussagekräftiger Tests individuelle Stärken und Schwächen von Sportlerinnen und Sportlern erkennen und dokumentieren lassen. Daraus können dann Trainingsszenarien entwickelt werden, die gezielt die visuellen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten verbessern.

Durchgeführt wird die Trainer-Convention von Norman Dombo gemeinsam mit Florian Gais. Dieser bringt als erfahrener Ausbilder von Trainern viel Fachwissen mit und hat bereits praktische Erfahrungen mit dem SkillCourt gesammelt. Geplant ist, die Teilnehmer in Gruppen einzuteilen und sowohl spielerische als auch testbasierte Übungen durchzuführen. Dabei sollen je nach Sportart auch Bälle eingebunden werden, denn das System lässt sich auf unterschiedliche Anforderungen, etwa im Fußball, Handball oder Basketball, anpassen.

Norman Dombo betont, dass gerade in höheren Spielklassen längst mit solchen Methoden gearbeitet wird. Dort gehe es oft um Sekundenbruchteile. Im Fußball etwa vergingen zwischen Ballannahme und Ballabgabe häufig nur rund 1,2 Sekunden. In dieser kurzen Zeit müssten Spieler den Ball verarbeiten, ihre Umgebung wahrnehmen, Gegner und Mitspieler einordnen und die richtige Entscheidung treffen. Genau solche Abläufe könnten mit dem SkillCourt gezielt trainiert werden.

Besonders stolz ist Dombo darauf, dass ein solches System in Maisach zur Verfügung steht. Er spricht davon, dass man hier derzeit eine besondere Stellung habe, weil man dieses Angebot in der Region als einer der wenigen oder sogar als einziger Anbieter machen könne. Nach rund einem Vierteljahr im Einsatz sei zwar noch kein endgültiges Fazit möglich, doch die bisherigen Erfahrungen fielen sehr positiv aus. Schon bei den ersten Übungen zeige sich, wie unterschiedlich die Teilnehmer auf bestimmte Aufgaben reagieren und wo individuelle Stärken und Schwächen liegen. Nach etwa zwei Wochen Training steigerten viele von sich aus ihr Level, weil sie merkten, dass sie Fortschritte machen. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv, weil die Trainierenden das Gefühl hätten, in bestimmten Bereichen tatsächlich besser zu werden.

Die Trainer-Convention soll zunächst in Maisach starten, kann aber perspektivisch auch für Vereine aus dem gesamten Landkreis geöffnet werden. Darüber hinaus denkt Dombo bereits weiter und kann sich vorstellen, das Angebot auch Unternehmen zugänglich zu machen. Der SkillCourt ließe sich grundsätzlich mobil einsetzen, auch wenn das organisatorisch aufwendig sei. Für Firmen könnte ein solches Training ein attraktives Gesundheits- und Präventionsangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Dombo verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Unterstützung durch Krankenkassen, die Präventionskurse fördern, weil sich damit unter anderem Sturzprävention, selbstständige Lebensführung im Alter und langfristig sogar Pflegebedürftigkeit positiv beeinflussen lassen.

Am Ende des Gesprächs hofft Norman Dombo auf viele Rückmeldungen aus den Vereinen. Die ersten Anschreiben an die Vereinsvorsitzenden wurden bereits verschickt, verbunden mit der Bitte, die Informationen an die jeweiligen Abteilungen weiterzugeben. Interessierte können sich direkt anmelden. Für Dombo ist klar: Die Trainer-Convention soll zeigen, wie moderne Trainingsmethoden auch im Amateurbereich sinnvoll eingesetzt werden können — ganz nach dem Motto „Dombo bewegt“.

MGP: Der Meister der Angst – Alfred Hitchcock und die Kunst, Gefühle zu lenken

4. März 2026

Alfred Hitchcock gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte und als Meister des Suspense. Ihm widmete ich meinen jüngsten Maisacher Gespräche zur Popkultur (MGP). Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Mit Filmen wie Psycho, Vertigo, Rear Window oder The Birds prägte Alfred Hitchcock über mehrere Jahrzehnte hinweg die Entwicklung des Thriller- und Suspense-Kinos. Sein Werk zeigt eindrucksvoll, wie gezielt filmische Mittel eingesetzt werden können, um beim Publikum starke Emotionen wie Angst, Spannung oder Beklemmung auszulösen. Hier mein kompletter Vortrags als Aufzeichnung:

Geboren wurde Alfred Hitchcock am 13. August 1899 in London. Seine Karriere begann er in der britischen Filmindustrie der 1920er-Jahre, zunächst als Grafiker und Titelgestalter für Stummfilme. Schon früh entwickelte er ein besonderes Interesse daran, wie Bilder, Kameraperspektiven und Schnittfolgen die Wahrnehmung der Zuschauer beeinflussen können. Mit Filmen wie The Lodger: A Story of the London Fog gelang ihm der Durchbruch im britischen Kino.

In den späten 1930er-Jahren zog Hitchcock in die Vereinigten Staaten, wo er in Hollywood eine internationale Karriere aufbaute. Dort entstanden viele seiner bekanntesten Werke. Charakteristisch für seine Filme ist die sorgfältige Inszenierung von Spannung. Hitchcock verstand es, alltägliche Situationen in bedrohliche Szenarien zu verwandeln. Häufig stehen scheinbar gewöhnliche Menschen im Mittelpunkt der Handlung, die plötzlich in außergewöhnliche und gefährliche Situationen geraten.

Ein zentrales Element seiner Filmkunst ist die gezielte Steuerung der Emotionen des Publikums. Hitchcock erklärte dies oft anhand des Unterschieds zwischen Überraschung und Suspense: Während eine plötzliche Explosion nur einen kurzen Schockmoment erzeugt, entsteht echte Spannung, wenn das Publikum weiß, dass eine Gefahr droht, die Figuren im Film jedoch nicht. Dieses Prinzip setzte er konsequent ein, etwa durch lange Spannungssequenzen, ungewöhnliche Kameraperspektiven oder den bewussten Einsatz von Musik.

Auch visuell entwickelte Hitchcock eine eigene Handschrift. Aufwendige Kamerafahrten, ungewöhnliche Bildkompositionen und symbolische Motive verstärken die emotionale Wirkung seiner Filme. Gleichzeitig arbeitete er häufig mit wiederkehrenden Themen wie Schuld, Identitätsverlust, Voyeurismus oder der Fragilität menschlicher Beziehungen.

Neben seiner Arbeit als Regisseur wurde Hitchcock auch selbst zu einer öffentlichen Figur. Seine kurzen Auftritte in vielen seiner Filme – sogenannte Cameos – sowie seine Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents machten ihn auch einem breiten Publikum bekannt.

Alfred Hitchcock starb am 29. April 1980 in Los Angeles. Sein Einfluss auf das Kino wirkt bis heute fort. Viele Regisseure orientieren sich noch immer an seinen Techniken, wenn es darum geht, Spannung aufzubauen und Emotionen beim Publikum gezielt zu steuern. Damit bleibt Hitchcock ein zentraler Bezugspunkt der Filmgeschichte – ein Regisseur, der den Nervenkitzel zum zentralen Element seiner Kunst gemacht hat.

Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Ein Leben für den Nervenkitzel – Alfred Hitchcock und die Macht der Emotionen Vortrag am Mittwoch, 3. Dezember

2. Dezember 2025

Ich freue mich auf mein anstehenden Vortrag im Rahmen der Maisacher Gespräche zur Popkultur (MGP) in der Gemeindebücherei Maisach. Am Mittwoch, 3. Dezember spreche ich um 18 Uhr zum Thema Ein Leben für den Nervenkitzel – Alfred Hitchcock und die Macht der Emotionen. Der Eintritt ist frei. im ganzen Gemeindegebiet wurde plakatiert.

Es gibt Filme, die man betrachtet – und es gibt Filme, die einen betrachten. Das Werk Alfred Hitchcocks gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Wer seine Filme sieht, wird nicht nur Zeuge einer Geschichte, sondern gerät unweigerlich in einen Sog, in eine psychologische Spirale, die sich unbemerkt um das eigene Bewusstsein legt. Hitchcock verstand das Kino nicht als Abfolge bewegter Bilder, sondern als gigantisches Nervensystem, das die Zuschauer direkt an ihre Gefühle anschloss. Er war Regisseur, Architekt und Psychologe zugleich, ein Meister, der nicht nur Geschichten erzählte, sondern die Seele seiner Betrachter sezierte. Seine Filme wirken wie Spiegel – sie zeigen uns weniger die Figuren auf der Leinwand als unsere eigenen Ängste, Begierden und Abgründe.

Hitchcock wusste, dass Angst nicht dort entsteht, wo das Monströse sichtbar wird, sondern dort, wo es sich im Schatten versteckt – im Erwarteten, im Unausgesprochenen, in der Stille vor dem Schrei. Die Spannung, die man heute „Hitchcock’s suspense“ nennt, ist kein technischer Trick, sondern eine existenzielle Erfahrung. Wenn in Psycho die Duschszene beginnt, wenn die Geige sticht wie ein Messer, dann lauscht der eigene Herzschlag plötzlich lauter als die Musik. Die Szene erschreckt uns nicht, weil sie brutal ist, sondern weil sie uralte Gefühle weckt: Verletzlichkeit, Einsamkeit, das Unbekannte, das uns in einem Moment der Intimität überfällt. Hitchcock zeigte, dass Horror nicht im Monster liegt, sondern in uns selbst. Der wahre Schock ist, dass wir uns in jedem Opfer, in jedem Täter wiedererkennen könnten.

In Vertigo führte er die Sehnsucht, die Obsession und das Scheitern an der eigenen Fantasie in neue Tiefen. Diese Liebesgeschichte, die sich als Alptraum tarnt, entfaltet eine beklemmende Wirkung: Man spürt die Verlorenheit des Protagonisten nicht intellektuell, sondern körperlich. Das Spiel mit Realität und Illusion, mit der Frage, wie weit wir für unsere Sehnsüchte gehen, trifft mitten ins Herz. Hitchcocks Filme sind nie nur Handlung – sie sind emotionale Zustände. Sie lassen uns taumeln, sie ziehen uns hinein in Räume, in denen logische Erklärungen verblassen. Kino, so scheint Hitchcock zu sagen, ist kein Fenster zur Welt. Es ist ein Fenster zu uns selbst.

Sein Einfluss geht weit über Genres und Jahrzehnte hinaus. Jeder Thriller, der mit dem Ungewissen spielt, jeder Film, der den Atem anhält, jeder Moment, in dem man im Kinosessel vergisst, wer man neben sich hat oder wie spät es ist – all das trägt Spuren von Hitchcock. Die Vögel, dieses verstörende Lehrstück über das Einbrechen des Unbegreiflichen in den Alltag, ist exemplarisch dafür: Die Angst entsteht nicht durch das Federn und Flattern, sondern durch das Ausbleiben einer Antwort. Warum greifen die Vögel an? Hitchcock verweigert die Erklärung. Er entreißt uns die schützende Ordnung und zwingt uns, mit unserer eigenen Hilflosigkeit zu leben. So entsteht ein Gefühl, das uns lange nach dem Film verfolgt – etwas, das man nicht abschütteln kann, weil es aus dem Inneren kommt.

Hitchcock gelang das Unglaubliche: Er machte aus Kino eine emotionale Versuchsanordnung. Er vertraute nicht auf spektakuläre Effekte, sondern auf die Macht des Blicks, die Spannung zwischen Wissen und Nichtwissen, den Puls des Zuschauers. Seine Kamera ist kein neutraler Beobachter, sondern ein neugieriges Wesen, das uns dorthin führt, wo wir eigentlich nicht hinsehen wollen. Manchmal zeigt sie zu viel, manchmal zu wenig – immer aber zwingt sie uns, die Geschichte aktiv mitzuerleben. Darin liegt Hitchcocks Zauber: Seine Filme passieren nicht vor uns, sondern mit uns.

Noch heute, Jahrzehnte nach seinem Tod, haben Hitchcocks Werke nichts von ihrer Kraft eingebüßt. Sie lassen uns erschauern, staunen, schwitzen. Sie machen uns zu Komplizen, zu Zeugen, zu Opfern unserer eigenen Ängste. Hitchcock hat das Kino nicht nur geprägt – er hat ihm eine neue Sprache gegeben: die Sprache der Ungewissheit, der Obsession, des psychologischen Vibrierns, das uns Grenzen vergessen lässt. Seine Filme wirken nach, wie ein Traum, dessen Bedeutung wir ahnen, aber nie ganz verstehen. Und vielleicht ist genau das die größte Wirkung Alfred Hitchcocks: Er hat uns gelehrt, dass das wahre Grauen, die wahre Faszination und die wahre Spannung nicht im Außen liegen, sondern in jenem tiefen, geheimen Raum, den wir Seele nennen.

Alfred Hitchcock fasziniert uns bis heute, weil er wie kein anderer Regisseur die Tiefen unserer Seele kannte – unsere Ängste, unsere Sehnsüchte, unsere Schuldgefühle. Seine Filme sind mehr als bloße Spannung: Sie sind ein Spiegel unserer inneren Abgründe. Hitchcock verstand es meisterhaft, das Alltägliche in Bedrohung zu verwandeln – ein harmloser Zug, ein Motel am Straßenrand, ein Vogelschwarm am Himmel. In seiner Welt lauert das Unheimliche immer dort, wo wir uns sicher wähnen.

Doch was uns wirklich gefangen nimmt, ist die psychologische Präzision, mit der Hitchcock seine Figuren – und damit uns – seziert. Er zwang uns, hinzusehen, auch wenn wir uns abwenden wollten. Er ließ uns mitschuldig werden, ließ uns zittern, hoffen, atmen und zweifeln. Seine Filme sind Lektionen in Emotion, Spannung und Moral – und zugleich zeitlose Studien über das Menschsein selbst.

Dass wir uns seiner Faszination nicht entziehen können, liegt vielleicht daran, dass Hitchcock nie einfach Angst zeigen wollte. Er wollte sie fühlbar machen. Und das gelingt ihm bis heute – jedes Mal, wenn sich der Vorhang hebt und wir uns unweigerlich fragen: Was, wenn das Böse längst in uns wohnt?