Archive for Oktober 2019

Granitzentrum Hauzenberg – Granit aus Niederbayern

22. Oktober 2019
Der Eingang zum Besucherzentrum.

Der Eingang zum Besucherzentrum.

Ich las mal eine Zeitschrift über die Studentenproteste der 60er Jahre des vergangenen Jahrhundert, als Demonstranten das Pflaster einer Straße aufrissen und mit den 10×10 Zentimeter großen Pflastersteinen die Polizei bewarfen. Die Steine wurden als 1,5 Kilogramm Meinungsfreiheit bezeichnet. Der Slogan war: Unter dem Pflaster der Strand, wie der Titel der anarchistische Kulturzeitschrift hieß, die von 1974 bis 1985 erschien. In Hauzenberg in Niederbayern besuchte ich ein Besucherzentrum, dass sich um die Meinungsfreiheit dreht: Das Granitzentrum Hauzenberg.

Auf den ersten Blick ein etwas ungewöhnlicher Besichtigungspunkt auf der Herbstreise des PresseClubs München nach Ostbayern. Doch beim zweiten Hinschauen eröffnete sich mir eine faszinierende Welt der Schönheit, der Technik und der Geschichte. Und: Was mich außerdem begeisterte, eine hervorragende Museumsdidaktik des 21. Jahrhunderts mit einer Erlebnisführung und Multimedia-Elementen – sehr eindrucksvoll.

Geführt wurden wir von einem Original: Ludwig Bauer, gelernter Steinmetzmeister und ein Experte in Sachen Granit. Sein Vater Max Bauer war Steinhauer und er schrieb ein interessantes Buch Kopfsteinpflaster, das später auch unter dem Titel Brotzeit erschien und die Geschichte des Niederbayern erzählte.
Bis das Granitzentrum Hauzenberg im Jahre 2005 eröffnet wurde, war es ein langer, steiniger (Wortwitz) Weg. Das Zentrum wird privatwirtschaftlich betrieben. Ludwig Bauer und seine Kollegen nutzen den Wahlkampf 1996 und nahmen einen Vorstoß beim damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmaier vor. Der willigte ein und dann ging es schnell. 3,6 Millionen Euro war das Volumen, wobei 60 Prozent Förderung durch die Europäische Union beigesteuert wurde.
Das Geniale an der Architektur war: Man konnte über die Inhalte ein Haus bauen. Oft ist es bei Museen anders herum. Doch in Hauzenberg hatte man eine klare Idee, eine klare Konzeption und Ausstellungsstücke, so dass die Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth ein eindrucksvolles Bauwerk um die Inhalte schaffen konnten. „Wir werden weltweit beneidet“, so Ludwig Bauer. „Wir bauen wie ein Fels aus dem Steinbruch heraus.“ Materialien sind Holz, Stahl und Stein.

Das Museum zeigt zahlreiche Exponate, zum Teil ungewöhnlich beleuchtet, sowie anschauliche Schaubilder. Beeindruckt hat mich vor allem eine Multimedia-Show in einem Steinforum. Das Video gibt nur einen kleinen Einblick, wer in dem Forum sitzt, kann die gesamte Show besser genießen.

Bewegend waren auch die Ausführungen von Ludwig Bauer zur Geschichte der Steinmetzarbeiten. Dabei berichtete er von den Erfahrungen der Kreuzritter, die im Heiligen Land auf bunte Gläser in Moscheen stießen. Die Folge war, dass in gotischen Kathedralen auch bunte Gläser mit christlichen Motiven verbaut wurden. Was muss es für eine Show für die Menschen des Mittelalters gewesen sein, wenn die Sonne durch die nach Osten gerichteten bunten Gläser scheint? „Eine perfekte Licht- und Farbinszenierung.“ Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, die den lateinischen Gottesdienst nicht verstanden, bekamen in der Kirche die perfekte Show geliefert. „Die Kirche macht Marketing mit Licht und Farbe“, so Ludwig Bauer. Hier war dann eine perfekte Steinmetzarbeit gefragt, die das Glas in den Fenster hielt.

DEHOGA-Petition beim Pinkeln

21. Oktober 2019

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband ist immer für publikumswirksame Aktionen zu haben. Er setzt sich öffentlichtkeitswirksam für seine Mitgliedsbetriebe ein und haut gerne auf die Pauke. Im Moment läuft die bundesweite Aktion „Gleiche Steuern für Essen“, bei denen nicht nur Mitgliedsbetriebe mitmachen, sondern sich auch Politiker vor den Karren spannen lassen. Chapeau an die DEHOGA.
Bei meinem Aufenthalt bei der Herbstreise des Münchner Presseclubs nach Ostbayern machten wir auch in Passau Station und nahmen unser Abendessen in der Heilig Geist Stiftschenke ein. 1969 wurde auf Initiative des Pächter-Ehepaars Leni und Fritz Mayer in zwei Kellergewölben des ehemaligen Franziskanerklosters ein Weinkeller ausgebaut. Dort nahmen wir Platz, genossen das Essen. Ich hatte Schnecken und Wiener Schnitzel – interessante Kombi, ich weiß.

Irgendwann nach ein paar Bier musste ich mal austreten. Wir wissen ja, das Bier ist nur gemietet nicht gekauft. Also besuchte ich die Herrentoilette auf. Dort begegnete ist der DEHOGA-Aktion in einer ungewöhnlichen Weise. Über den Urinalen fand sich eine ausgedruckte E-Mail, die zum Mitmachen der DEHOA-Aktion aufrief. Hier handelte es sich um den Aufruf zu einer Online-Petition an den Deutschen Bundestag. Es wurde die Aktion erklärt, Abreißzettel mit der URL angehängt. Zudem gab es einen QR-Code, den man mit dem Smartphone scannen kann. Das führte in meinen Fall allerdings zu Missverständnissen. Als ich mein Smartphone zücken und den QR-Code testen wollte, reagierten meine Nachbarn an ihren Urinalen etwas nervös. Sie dachten wohl, ich wollte ihr bestes Stück fotografieren. Nein liebe Kollegen, kein Interesse.

Als nach dem Abendessen die Heilig Geist Stiftschenke verließ, sah ich in der Lobby zahlreiche DEHOGA-Flyer, die für die Mehrwertsteueraktion warben. Zudem lang eine Unterschriftenliste für die Offline-Gäste der Gastwirtschaft aus. Datenschutz hin oder her – die Adressen waren offen einsehbar – aber das Engagement ist bemerkenswert.


Ich würde mich freuen, wenn andere Verbandsorganisationen auf ihre Interesse auch so intensiv aufmerksam machen und die Mitglieder so engagiert mitziehen. Nur schimpfen über Missstände reicht nicht, Aktion und (ehrenamtliches) Engagement ist gefragt.

Woher kommt der Begriff 08/15 ?

20. Oktober 2019

Kennen Sie den Ausdruck 08/15 ? Als Filmfan weiß ich natürlich, dass es eine Spielfilm-Serie 08/15 – Die komplette Filmtrilogie aus dem Jahr 1954 mit Joachim „Blacky“ Fuchsberger ist, zu dem Rolf Wilhelm die Musik schrieb. Aber im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg wurde mir aber bewusst, woher der Begriff stammen könnte.

Das Maschinengewehr 08/15

Das Maschinengewehr 08/15

Auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs nach Regensburg besuchte ich die Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte. Dort stieß ich auf ein Maschinengewehr aus dem Ersten Weltkrieg. Das Maschinengewehr 08/15
Die Waffe aus der MAN-Fabrik in Augsburg steht für die industrielle Kriegsführung des Ersten Weltkriegs. Es kann 400 bis 450 Schuss pro Minute abgeben. Die Leihgabe kommt aus dem Ingolstädter Armeemuseum. Seine Bedienung erfolgte durch standardisierte Abläufe. Und von den standardisierten Abläufen kommt der Ausdruck 08/15: Bis heute bezeichnet man gewöhnliche und normale Sachverhalte oder standardisierte Vorgänge mit dem Begriff 08/15.

Massensterben im Ersten Weltkrieg.

Massensterben im Ersten Weltkrieg.

Die Einführung des Maschinengewehrs als moderne Kriegswaffe führte zum Massensterben im Ersten Weltkrieg. Es war der erste industriell geführte Krieg, der Millionen Tote führte. Das 08/15-Maschinengewehr hatte bei den deutschen Soldaten allerdings keinen guten Ruf. Es klemmte und hatte zweitweise eine Ladehemmung.

Glifftschmier in der ältesten Apotheke Bayerns

19. Oktober 2019

Die älteste Apotheke Bayerns befindet sich in Passau – die Hofapotheke zum Schwarzen Adler. Seit 1384 steht sie am Residenzplatz und wurde 2010 zur schönsten Apotheke Deutschlands gekürt. Bei der Herbstfahrt des Internationalen PresseClub München besuchten die Journalisten das bayerische Venedig. Gästeführerin Annemarie Hertel zeigte die Highlights der Stadt und damit auch die Hofapotheke zum Schwarzen Adler.

Die Apotheke wird von Wolfgang Zormaier in der achten Generation geführt und wer in Passau ist, sollte unbedingt kurz in das Geschäft hinschauen. Es gibt dunkelbraune Apothekerschränke mit kunstvoll verzierten Schnitzereien zu stehen. Darüber ein großzügiges Gewölbe mit buntem Stuck an der Decke.

Und wer etwas erwerben will, der soll unbedingt nach dem Glifftschmier fragen. Glifftschmier ist eine Salbe und beruht auf ein über 140 Jahre altes Rezept für offene Wundstellen an Hand und Fuß. Preußen verstehen allerdings Giftschmiere, was zu netten Verwechslungen führt. Die Glifftschmier ist Inhalt eines alten Apothekerbuches, dass in Besitz der Familie Zormaier ist. Es ist ein Rezept aus Bienenwachs, Fette und Öle, das in einem so genannten Manuale gesammelt ist. Hier haben die Apothekenahnen von Zormaier ihre Rezepte notiert.

Ostbayern: Auf die Transformation vorbereiten

18. Oktober 2019
Noch gibt es in Ostbayern, wie hier in Landshut, blühende Landschaften. Noch gibt es in Ostbayern, wie hier in Landshut, blühende Landschaften.

Überall wo der PresseClub München im Oktober 2019 auf seiner Herbstreise durch Ostbayern Station machte, wurde stolz verkündet: Aus dem einstmals armen Ostbayern ist eine blühende Landschaft geworden. Die Zeiten der Arbeitslosigkeit im Winter ist der ganzjährigen Vollbeschäftigung gewichen. Dennoch ziehen dunkle Wolken auf und die Region wird sich auf andere Zeiten einstellen müssen.
Der fränkische Autozulieferer Brose will in den nächsten drei Jahren in Deutschland 2.000 Arbeitsplätze abbauen, so eine Meldung von gestern. Die Transformation und der Strukturwandel sind erkennbar. Die alten Industrien des 20. Jahrhunderts müssen sich verändern, sonst werden sie verändert. Die klassische Automobilindustrie und ihre Zulieferindustrie gerät ins Stracheln und alle Beteiligten fragen sich, ob BMW und Co richtig aufgestellt sind und den Wandeln meistern. Für mich gilt es als sicher, dass Entlassungen in irgendeiner Art folgen werden. Für Elektromobilität brauche ich nicht mehr so viel Ingenieure wie bei Verbrennungsmotoren.

Die Einschläge kommen näher. Die Einschläge kommen näher.

Für die Politik ist die Digitalisierung das Zauberwort. Ich bin zwar Fan der Digitalisierung, unterrichte auch das Thema in meinen Seminaren, doch ich sehe auch, dass bei vielen Leuten das Thema Digitalisierung als Problem und nicht als Chance gesehen wird. Und das nicht nur, wenn ein ranghoher Politiker den Beamer über Clickshare nicht zum Laufen bekommt und einen Techniker rufen muss.
Der Regierungspräsident von Niederbayern Rainer Haselbeck war sichtlich stolz, dass es in Niederbayern Vollbeschäftigung gibt. Die einzige Klage, die er von den Unternehmen höre, sei die Klage über den Fachkräftemangel. Das Personal sei der begrenzende Faktor.

Der Aufstieg Niederbayerns ist wesentlich geprägt durch die Automobilindustrie“, so Haselbeck weiter. In Dingolfing steht eines der größten Werke von BMW mit rund 20000 Mitarbeiter. Hinzu kommen mehrere Tausend Mitarbeiter in der Zulieferindustrie. Aber: „Wenn BMW hustet, dann hat Niederbayern die Grippe“, so beschrieb Haselbeck diese Abhängigkeit.

Daher achte er sorgfältig auf die Debatten über die Zukunft der Automobilindustrie. „Da kann man, da muss man sich viele Sorgen machen, aber froh bin ich darüber“, dass BMW die Grundsatzentscheidung getroffen habe, dass das Auto als Mobilität der Zukunft in Niederbayern gebaut werde. Dem Regierungspräsidenten war auch klar, dass Elektromobilität zu weniger Beschäftigten führt.
Auf Nachfrage sieht Haselbeck einen Ausweg aus der drohenden Krise durch Bildung und Forschung. „Wir haben inzwischen eine starke Hochschullandschaft in Niederbayern.“ Neben der Universität in Passau hat der Regierungsbezirk Hochschulen Landshut und Deggendorf mit jeweiligen Außenstandorten wie Pfarrkirchen. Es sei wichtig, sich in diesem Bereich gut aufzustellen.
Zudem werde man die Wirtschaftsförderung mit Geldern vom Freistaat Bayern gezielt einsetzen, versprach der Regierungspräsident. Auch im Bereich Digitalisierung gibt es eine ganze Reihe staatlicher Förderprogramme. Haselbeck sieht aber auch, dass sich in Zeiten der Vollauslastung so mancher Betrieb schwer tut, sich neu auszurichten und an die Zukunft zu denken.

Kommentar
Meiner Meinung ist das der richtige Weg. Die Wirtschaft und die Gesellschaft muss sich auf die neue Zeit einstellen. Dabei spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle. Dennoch darf das Thema Handwerk und kleiner Mittelstand nicht vergessen werden. BMW und die Industrie haben in der Vergangenheit Mitarbeiter im Handwerk abgezogen und nun gibt es Gegenden, in denen kein handwerklicher Bäcker oder Metzger mehr vorhanden sind. Wenn das Handwerk stirbt, gab es keinen Aufschrei. Wenn jetzt die Industrie den Wandel nicht packt, wird der Aufschrei groß sein. In Zeiten der Regionalisierung und der Klimadebatte wäre es meiner Meinung nach wünschenswert sich auf die regionale Wirtschaft wieder zu konzentrieren – auf ein Handwerk mit seinen familiären Strukturen.

Das Nibelungenlied – einer der 100 Schätze

17. Oktober 2019
Das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied

Bis zum 8. März 2020 läuft im Haus der bayerischen Geschichte die Landesausstellung „100 SCHÄTZE AUS 1000 JAHREN“. Ich habe mir sie auf Einladung des Presseclubs München auf dessen Herbstreise in Regensburg angesehen und werde Zug um Zug ein paar Exponate vorstellen, die mich beeindruckt haben.
Die Idee der Landesausstellung gefällt mir: Einhundert spannende und hochrangige Exponate von Museen aus Bayern, Deutschland und Europa beleuchten in der Bayerischen Landesausstellung über ein Jahrtausend bayerische Geschichte zwischen dem 6. Jahrhundert und 1800. Bei 100 Exemplaren ist natürlich Streit vorprogrammiert, was in die Ausstellung kommt und was nicht.


Aufgenommen wurde ein Buch, das ich sehr gerne lese und mit dem ich mich lange Zeit damit beschäftigt habe: Das Nibelungenlied, das wohl um 1200 in Passau entstanden ist. Ich mag den Stoff in seiner vielfältigen Form: Ich verehre den Filmzweiteiler von Fritz Lang Die Nibelungen und Kriemhilds Rache, ich mag die Musik von Rolf Wilhelm zur Nachkriegsverfilmung und natürlich mag ich das Buch selbst. Im Haus der Bayerischen Geschichte habe ich endlich eine Originalausgabe dieses Klassikers vor mir. Hinter Glas kann ich Ausschnitte aus der Geschichte von Siegfried, Hagen, Kriemhild und dem Drachen lesen. Ein Moment, der mich wirklich elektrisiert hat. Das Nibelungenlied ist in elf vollständigen Handschriften überliefert. Vor mir liegt der „Prunner Codex“, der im 16. Jahrhundert in Schloss Prunn an der Altmühl entdeckt wurde. Die Handschrift ist mit farbigen Initialen gestaltet – ein absoluter optischer Schatz.

Klassiker Nibelungenlied
Das Nibelungenlied ist für mich ein Klassiker schlechthin. Der Verfasser ist unbekannt. Es entstand wohl um das Jahr 1200 aus dem Umfeld des Passauer Bischofs Wolfger von Erla. Der Text ist ein wahres Heldenepos und ich las es als Jugendlicher zum ersten Mal. Wahrscheinlich hat sich der Autor auf mündlichen Überlieferungen gestützt und die Ereignisse der Zeit aufgearbeitet. Dazu gehört in erster Linie die Völkerwanderung oder die Niederlage von Burgund durch die Römer mithilfe hunnischer Truppen um das Jahr 456.
Der Inhalt des Nibelungenliedes ist hinlänglich bekannt. Der Held Siegfried und Sein König Gunther, der böse Hagen, die rachsüchtige Kriemhild, die mithilfe der Hunnen von Etzel das Nibelungengeschlecht auslöscht. Bei der Reise der Nibelungen zur Hochzeit von Etzel und Kriemhild kommt die Reisegesellschaft durch das heutige Ostbayern entlang der Donau und die Gegend von Passau wird genau beschrieben. Vielleicht wäre eine Nibelungenreise mal ein interessantes Literaturreiseprogramm. Auf jeden Fall war das Buch mein erstes Highlight in der diesjährigen bayerischen Landesausstellung in Regensburg.

Die Welt ändert sich – auch in Passau bei der PNP

16. Oktober 2019
Sehr sympathisch und offen: Verlegerin Angelika Diekmann.

Sehr sympathisch und offen: Verlegerin Angelika Diekmann.

Selten habe ich so offen eine Einschätzung über die Verlagsbranche gehört wie ein Statement der Verlegerin der Passauer Neuen Presse (PNP) Angelika Diekmann. Bei einem Besuch des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 beschied die Dame dem Print-Medium keine glorreiche Zukunft und schlug gegenüber den Münchner Journalisten interessante Überlegungen an.

Engagement in Osteuropa
Diekmann spielt mit dem Gedanken, dass Engagement der PNP in Osteuropa weiter zurückzuschrauben. Die PNP schaue in den gekauften Verlagen auf die Zahlen, die Redaktionen in Osteuropa blieben dagegen immer eigenständig. In Tschechien habe sich der Verlag aufgrund von politischen Druck der dort Herrschenden aber bereits schon zurückgezogen. Dies könne aufgrund der politischen Situation in Polen ebenso geschehen. Kaczyńskis nationalkonservativer politischer Kurs führt dazu, dass die Luft für ein deutsches Engagement dünner wird.

Die PNP ist in der Region eine Größe.

Die PNP ist in der Region eine Größe.

Zudem vollziehe sich die Digitalisierung in Polen schneller – die gedruckte Zeitung verliere immer mehr an Leser. „Die Polen sind sehr viel früher ins Internet gegangen und haben die Zeitungen online gelesen“, so Angelika Diekmann. „Und online wird das Geld nicht mehr verdient. Man hat einen großen Apparat, der muss ja bezahlt werden. Das passt dann ja nicht mehr.“ Zur Plänen einer Bezahlschranke Paywall wollte sich die Verlegerin nicht äußern. Hohe Kosten entstehen durch die Regionalzeitungen, weil Journalisten in der Fläche vorhanden sind und bezahlt werden wollen. Großverlage wie Springer mit nationalen Blättern haben es im Ausland einfacher als die PNP mit einer lokalen, personalintensiven Struktur.

Angelika Diekmann mit dem Vorsitzenden des Münchner PresseClubs Peter Schmalz.

Angelika Diekmann mit dem Vorsitzenden des Münchner PresseClubs Peter Schmalz.

Schlüssel umdrehen
Verlagshäuser befinden sich in der Krise. Der Wandel vom Verlags- zum Medienhaus sieht der Besucher der PNP eindrucksvoll. Viele Medienunternehmungen unter einem Dach um Synergieeffekte zu nutzen. Doch: „Jeder Verlag, auch der kleinste Regionalverlag, ist aktiv. Nur das Geld wird nicht mehr verdient wie mit dem gedruckten Wort.“
Auch das moderne Druckhaus der PNP mit modernsten Druckmaschinen von MAN leidet durch den Rückgang der Zeitungsauflage und der Werbung. Die Frage stellt sich wirklich, in wie vielen Jahren man bei diesen Druckzentren „den Schlüssel umdrehen wird“

Synergieeffekte beim Donaukurier
Der Kauf des Donaukuriers war für die Branche eine Überraschung. „Man kauft nur eine Zeitung, wenn es Synergieeffekte gibt“, so die Verlegerin. Synergieeffekt heißt zum Beispiel den Mantel zentral zu produzieren. „Das ist alles noch nicht gemacht, aber in den Köpfen“, stellte Angelika Diekmann klar. „Es ist für Journalisten nicht schön.“
Zum Postdienst der PNP konnte die Verlegerin nichts sagen. Sie verwies auf ihre Tochter, die das Unternehmen führt. „Wenn etwas nicht läuft, dann stellt sie es ein. Den Postdienst gibt es noch“, so Angelika Diekmann.

PNP und die Kirche
Die PNP ist in der Region Monopolzeitung. Hier versuchte der neue Bischof von Passau gegen das Monopol anzugehen indem er auf soziale Netzwerke setze. Stefan Oster, Jahrgang 1965, ist sicherlich kein liberaler Geist. Er kennt die Spielregeln der Medienbranche. Nach dem Abitur am Gymnasium Neutraubling absolvierte er eine Ausbildung zum Zeitungsredakteur; anschließend auch zum Hörfunkredakteur und -moderator. Er arbeitete nach der Ausbildung einige Jahre für diverse Medien im Print- und Hörfunkbereich, teilweise fest angestellt, teilweise als freier Journalist.
„Da gab es mal Ärger“, so Angelika Diekmann. Er sei ein „Dogmatiker hoch zehn“. Er habe sich bei der Amtsübernahme in Passau durch die PNP angegriffen gefühlt. „Wir sind das Spiegelbild seines Tuns gewesen“, so Diekmann. Oster hat via soziale Netzwerke reagiert. „Was ich gehört habe, muss es sich beruhigt haben.“
Zu den einstmals aggressiven Scharfrichtern in Passau meinte die Verlegerin: „Sie sind nicht mehr scharf und wir sind eine andere Generation.“ Die Kabarettisten der Scharfrichter wie Bruno Jonas und Siegfried Zimmerschied machten der konervativen Passauer Gesellschaft das Leben schwer. So verhängte der einstige Chefredakteur der PNP eine Nachrichtensperre über die Kabarett-Veranstaltungen, der Generalvikar des Bistums erstattete Anzeige wegen Gotteslästerung und die Stadt Passau verhängte Aufführungsverbote. „Die Journalisten gibt es heute nicht mehr, die damals Ursache des Problems waren.“

Menschen in Europa
Angelika Diekmann war einstmals Kulturredakteur. Als Verlegerin ist sie der Kultur weiterhin verbunden. Sie schuf die Reihe Menschen in Europa und es ist ihr sichtlich eine Herzensangelegenheit prominente nach Passau zu holen und auszuzeichnen. Damit schaut die Kulturwelt nach Passau. „Was eignet sich besser als Kunst, die Menschen im vereinten Europa einander näher zu bringen?“ so Diekmann. Aus dieser Überlegung wuchs 1996 die Idee, europäische Künstler und ihre Heimatländer am Stammsitz der Verlagsgruppe vorzustellen. Mit ihnen treffen sich heute europäische Spitzenpolitiker alljährlich in Passau zum Austausch jenseits des Protokolls. In diesem Jahr ging der MiE-Kunst Award an den Künstler Ai Weiwei.

Wenn es einfach zuviel wird: Schiffkreuzfahrten in Passau

15. Oktober 2019

Passau ist eine Tourismusstadt – doch mehr und mehr leidet die Drei-Flüsse-Stadt unter dem modernen Massentourismus. Als Problem kristallisiert sich das Thema Schiffkreuzfahrten heraus. Waren es im Jahr 1992 16 Schiffe, die in Passau anlegten, sind es 2019 schon 189 Kreuzfahrtschiffe, die 3500 Mal an den Uferbauwerken von Passau festmachen. Aus den Schiffen, die die Donau Richtung Wien bereisen, steigen 350-400.000 Passagiere ein und aus.

Auf der Herbstfahrt des Internationalen PresseClubs München im Oktober 2019 machten die Mitglieder im Venedig Bayerns Station und informierten sich aus erster Hand bei Gästeführerin Anneliese Hertel und Tourismusdirektorin Pia Olligschläger.

Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen bringen nur bedingt Geld in die Stadt. Natürlich übernachten die Gäste auf den Schiffen und nicht in den zahlreichen Hotels der Stadt. Zudem werden die Passagiere mit Lunch-Paketen ausgestattet, wenn sie Passau besichtigen. So gehen viele Passauer Gaststätten leer aus. Tourismusexperten sprechen von 15 bis 20 Euro, die pro Passagier in Passau gelassen werden. Das ist nicht viel für die Tourismusmetropole an Donau, Ilz und Inn. Morgens gehen die Passiere von Bord und Schlusspunkt der Tour ist oftmals das Orgelkonzert im Passauer Dom um 12 Uhr. Dann heißt es wieder einschiffen und weiter geht es zum nächsten Haltepunkt an der Donau.

Die Gästeführer von Passau haben das Nachsehen, weil die Kreuzfahrtschiffe einige Guides an Bord haben und die Passiere mit Audioguides ausgestattet sind. Per Funk werden die Touristen von Guides in der Landessprache über die Geschichte der Stadt unterrichtet.
Was bleibt für die Passauer Wirtschaft? Zum einen sind es die Reinigungskräfte, die vom Land angefordert werden. Aber auf Müllentsorgung kann man keine Stadt finanzieren. Zum anderen kommen frische Waren von ausgewählten Einzelhändlern an Bord.

Bei unserem Besuch in Passau fiel mir auf, dass die Schiffsmotoren der Schiffe oft im Leerlauf laufen. Es waren hauptsächlich Dieselmotoren. Ob das in Zeiten der Klimadiskussion noch opportun ist? Elektromotoren sind mir nicht aufgefallen, soll es aber auch bei den Kreuzfahrtschiffen geben. Berichtet wurde mir, dass es auch vorkommt, dass mancher Passagier seinen Abfall in die Donau illegal kippt, gesehen hab ich es aber nicht. In Passau sind die Liegeplätze für die Kreuzfahrtschiffe begrenzt, so dass bis zu drei Schiffe nebeneinander liegen. Die Schiffe werden auch immer größer. Passten früher vier Schiffe in eine Schleuse, so ist heute ein Schiff pro Schiff.

So kommt es vor, dass Schiffe beispielsweise in Österreich anlegen und die Passagiere per Bus nach Passau kommen. Doch die Parkplätze für Busse in Passau sind begrenzt und die Busse dürfen am Ufer nur 20 Minuten stehen.
Ich bin gespannt, wie die Stadt das Problem lösen will. Das Thema soll bei der Kommunalwahl 2020 eine Rolle spielen.

Keine rechtsextremistischen Anfeindungen an die Regierungspräsidenten von Niederbayern und der Oberpfalz

14. Oktober 2019

Das feige rechtsextremistische Attentat von Halle war erst ein paar Tage her, als der Presseclub München zu seiner Herbstreise nach Ostbayern startete. Hier trafen die Journalisten auf die Regierungsdirektoren von Niederbayern und der Oberpfalz Rainer Haselbeck und Axel Bartelt.Vor wenigen Wochen, am 2. Juni 2019, wurde ein Kollege Haselbecks und Bartelts ermordet: Walter Lübcke. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde vor seinem Wohnhaus mit einem Pistolenschuss aus nächster Nähe in den Kopf getötet. Als dringend tatverdächtig wurde am 15. Juni 2019 der hessische Rechtsextremist Stephan Ernst festgenommen, der gestand und später widerrief. Als Tatmotiv nannte Ernst darin Äußerungen Lübckes während der Flüchtlingskrise 2015.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Auf die Frage, ob sich auch Rainer Haselbeck bedroht fühlt, antwortete der Regierungspräsident aus Niederbayern: „Ich habe vergleichbares bisher nicht erlebt.“ Die größten verbalen Auseinandersetzungen waren bisher, ob an einem gewissen Ort eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll oder nicht. „Es gab intensive Kontakte mit der Bevölkerung, aber Anfeindungen dieser Art haben wir nicht erlebt.“

Auf die Nachfrage von PresseClub-Vorsitzender Peter Schmalz nach einer Verrohung der Gesellschaft meinte Haselbeck: Er bemerke, dass sie Bereitschaft behördliche Entscheidungen des Staates zu akzeptieren, auch wenn sie einem nicht passen, deutlich zurück geht.

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Ein tiefergehende Problem mit dem Rechtsextremismus stellte der Regierungspräsident der Oberpfalz Axel Bartelt bei einem Empfang im Spiegelsaal der Regierung fest. Er appellierte an die Mitglieder der Presseclubs München und Regensburg als „Gewissen der Nation“ Bewusstseinsbildung zu betreiben. „Wir sind an einem Wendepunkt angekommen.“

Axel Bartels will jetzt einen gemeinsamen Empfang von „bayerischen und jüdischen Mitbürgern“ durchführen, was für mich unverständlich ist, denn Bayern sind Juden und Juden sind Bayern. Hier hat sich der Regierungspräsident meines Erachtens unglücklich ausgedrückt, bei dem richtigen Zeichen, das er setzen möchte. Zum Gedenken an die Opfer von Halle bat der Regierungspräsident die anwesenden Pressevertreter sich von ihren Plätzen für eine Gedenkminute zu erheben.

Flüchtlingssituation 2015 im Landkreis Passau
Der Landrat von Passau, Franz Meyer, erinnerte an einem Empfang in Hauzenberg in Niederbayern an die Flüchtlingsbewegung von 2015. 8000 Flüchtlinge pro Tag kamen damals über die grüne Grenze von Österreich nach Bayern. „Wir haben in dieser Phase mehr Flüchtlinge im Landkreis gehabt als acht europäische Staaten“, so Meyer. Die Österreicher haben die Flüchtlinge aktiv an Deutschland weitergeleitet. „Die größten Schleuser sind die Österreicher“, so Meyer auch damals in einem Interview mit den Tagesthemen.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Ein große Herausforderung damals war eine hohe Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen. Rund 4000 Jugendliche mussten vom Passauer Kreisjugendring betreut werden. Die Anstöße zur Verteilung dieser Jugendliche nach Bayern und ins ganze Bundesgebiet kamen von Passau und wurden von den Behörden schnell umgesetzt. „Wenn es pressiert, gehts schnell“, so Meyer. „Danke an die vielen Hunderte von Leuten bei uns, die ehrenamtlich rund um die Uhr gearbeitet haben.“ Meyer weiter: „Wir haben das mit großer Humanität geschafft.“ Bei aller deutlichen Worten in dieser Phase sei es wichtig, was man sagt. Nicht anheizen, sondern die Dinge klar formuliert.

Landrat Meyer bedankte sich ausdrücklich beim Freistaat und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. „Auf Horst Seehofer war Verlass in all diesen Fragen.“
Heute kommen an der Grenze zwischen 50 und 100 Flüchtlinge pro Tag an. Meyer unterstützt die Grenzkontrollen, aber nicht an der jetzigen Form. Die Grenzkontrollen finden an einer ungeeigneten Stelle mitten auf der Autobahn statt und behindern die Berufspendler nach Passau.

Digitalgipfel: KI muss die Menschen abholen #codebavaria

9. Oktober 2019

„Vielfalt ist per se ein starker Wert und wer das nicht verstanden hat, hat Wissenschaft nicht verstanden!“ Das war für mich der wichtigste Satz des bayerischen Digitalgipfels codebavaria in München. Der Satz stammt von TU-Professor für Robotik Prof. Dr. Sami Haddadin, der eine Keynote im Kohlebunker hielt.
Bayerns erste Digitalministerin Judith Gerlach sieht die Digitalisierung als Chance und nicht als Risiko. Wirtschaft, Forschung und Politik müssen an einem Strang ziehen. KI verändere die Welt. „Wir müssen uns nur trauen, alles mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. KI als Chance für Mensch und Natur.“

„Wir müssen uns mehr trauen und endlich mit KI anfangen. Wir müssen die Probleme lösen, die wir die letzten 100 Jahre geschaffen haben. Das geht nur mit KI. Es ist eine gesellschaftliche Verpflichtung diese Instrumente einzusetzen“, so einer der Referenten des Digitalgipfels. „In der Medizin brauchen wir einen hybriden Ansatz. Digitale Technik und menschlicher Faktor müssen sich ergänzen“, so Prof. Dr. Erwin Böttinger.
Prof. Dr. Sami Haddadin betonte in seinem Vortrag: „Man darf nicht wieder den Fehler bei der Einführung neuer Technologien machen, die Menschen nicht abzuholen und sie mit ihren Ängsten alleine zu lassen.“ Und weiter: „Wir haben gute Innovationen in Bayern, müssen aber die Leute hier behalten.“ Prof. Dr. Sami Haddadin sehr eindringlich: Bayern sei die Wiege von KI, aber wir haben Nachholbedarf an Unternehmertum.

Um die Konferenz herum war eine kleine Ausstellung organisiert. Dort zeigten Startups und etablierte Unternehmen ihre Forschungen und Angebote.

Ich probierte viel aus und kam auch am Stand von Klaus Haas vorbei. Faszinierend fand ich QuantenRausch des Künstlers Klaus Haas. Er ist ein Künstler, der Kunst und Leben in ganz eigener Weise verbindet. Nach dem Studium in Nürnberg hat sich Haas rasch von der klassischen Malerei und Objektkunst verabschiedet und in Richtung neue Medien bewegt. Seither ist er ein Pionier auf dem Gebiet digitaler Kunst in Nürnberg. Sein VideoWorkCase setzt sich für die Verbreitung der Videokunst ein und das von ihm mitbegründete Institut für forschende Kunst im virtuellen Raum versteht sich als interdisziplinäre Plattform. Mit einer HTC-VR-Brille konnte ich mich in seinen Kunstwerken bewegen. Auch Ministerin Gerlach ließ sich QuantenRausch erklären.