Archive for Oktober 2019

Schlachtruf Maria hilf gegen die Türken

31. Oktober 2019

Wer in Passau als Gast weilt, kommt um Maria Hilf nicht vorbei. So auch nicht der PresseClub bei seiner Herbstreise nach Ostbayern. Und weil das Bild von Lucas Cranach d. Ä., einem der bedeutendsten deutschen Maler, so wichtig ist, gibt es das Gemälde in der Stadt gleich zweimal.

Maria hilf über der Passauerer Bäckerei Riederer

Maria hilf über der Passauerer Bäckerei Riederer

Der Künstler schuf das Bild wohl um 1537. Es zeigt die Gottesmutter, die zärtlich ein Kind umarmt. 1627 wurde für das Bild eine Wallfahrtskirche errichtet. Es entstand eine weitreichende Verehrung für das Bild. „Mariahilf“ war wesentlicher Teil der in der Barockzeit besonders blühenden Verehrung der Gottesmutter. Hunderte von Tochterwallfahrten entstanden, vor allem in Amberg/Oberpfalz, Innsbruck (mit dem Originalgemälde des Lucas Cranach), Wien und München – und natürlich nach Passau.

In Passau gibt es neben dem Wallfahrtskloster noch ein Mariahilf-Bild über der Bäckerei Riederer in der Altstadt. Wer keine Lust hat, den Berg zum Kloster zu erklimmen, kann sich das Bild dort anschauen. Unsere Gästeführerin Annemarie Hertel zeigte uns das Bild.

Die Verehrung des Bildes nahm sogar noch zu, als 1683 die Türken vor Wien lagen. Der österreichische Kaiser floh mit seinem Hofstadt nach Passau für 62 Tage und sammelte seine Truppen. In der entscheidenden Schlacht am 12. September 1683 wurde der Schlachtruf „Maria hilf“ an die kaiserlichen Soldaten ausgegeben. Mit Rücksicht auf den protestantischen Kurfürsten von Sachsen wurde dann die Tagesdevise auf „Jesus und Maria hilf!“ erweitert. Und es geschah ein Wunder. Die kleine christliche Armee schlug die dreifach überlegenden türkischen Streitkräfte des osmanischen Reiches. Die türkische Bedrohung für Zentraleuropa war abgewendet.

Erinnerungen an das Hochwasser in Passau 2013

30. Oktober 2019

Über das dramatische Hochwasser in Niederbayern 2016 habe ich schon mal aus der Sicht von Simbach am Inn geschrieben. Bei meinem jüngsten Besuch in Passau mit dem PresseClub München wurde mir wieder bewusst, welche Naturgewalten hier aufgetreten und wieder auftreten werden. Ich hörte in Passau viele Geschichten vom Hochwasser des Jahres 2013.

12,89 Meter stand das Wasser hoch

12,89 Meter stand das Wasser hoch

Bereits 1954 hatte Passau mit einem so genannten Jahrhunderhochwasser zu kämpfen, aber es dauerte kein Jahrhundert bis die Flut brutal wieder nach Passau kam und die Stadt versank. Am 3. Juni 2013 erreichte das Wasser seinen Höchststand in der drei Flüsse Stadt. Aus dem bayerischen Venedig wurde ein Katastrophengebiet.
Als ich vor der Markierung am Rathausplatz stand, dem ehemaligen Fischmarkt, reichte mir die Wasserstandsmarkierung weit über meinen Kopf hinaus. Durch Passau wälzte sich damals eine Lawine von Wasser, Schlamm und Dreck. Hinzu kam Diesel und Heizöl aus den überfluteten Kellern. Auch am Ort, so heißt die Stelle, war die Markierung an einem Haus weit oben. Insgesamt reichte das Wasser an der höchsten Stelle 12,89 Meter hoch – es gilt als zweitschlimmste Hochwasserkatastrophe der Stadt. Nur das Wasser von 1501 war mit 13,20 Meter noch etwas höher.
Eine Schulfreundin von mir wohnte einstmals in der Höllgasse im Zentrum von Passau. Sie machte den Witz, dass sie Sachen, die sie nicht mehr braucht, einfach in den Keller stellen würde. Das Wasser würde schon kommen und die Sachen unbrauchbar machen, so dass es einem leichter fiel, sie wegzuwerfen. Sie hatte mit ihrem Spruch recht, aber 2013 war es nicht nur Müll, sich die Flut holte, sondern viel Hab und Gut von Passauer Bewohnern.

Unsere Stadtführerin Anneliese Hertel erzählte uns viele Geschichten vom Kampf gegen das Wasser. Hauptamtliche und ehrenamtliche Hilfe standen zusammen im Kampf gegen das Wasser. Studenten organisieren sich und halfen mit ihre Studentenstadt zu retten. Es war eindrucksvoll, wie in der Not diese Stadt zusammenstand. Ich habe damals in den sozialen Netzwerken den Kampf der Bürger beobachtet. Was mich bei all der Not faszinierte, war der Zusammenhalt einer Gemeinschaft in einer Notsituation. Und es waren viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz, die von hauptamtlichen Helfern ergänzt wurden. „Helfer sind meine Helden“, meinte der damalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und er hat recht.

Wasserstandsmarkierungen am Passauer Fischmarkt.

Wasserstandsmarkierungen am Passauer Fischmarkt.

Um ein Gefühl für die Situation zu bekommen, habe ich mir einen Sonderband der Passauer Neuen Presse mit dem schichten Titel „2013 Hochwasser in Passau und Deggendorf“. Hier hat das Team der PNP mit ihren zahlreichen Lokalausgaben einzigartiges Bildmaterial zusammengetragen, um die Flut von 2013 zu dokumentieren. Ich habe den Bildband 2013 Hochwasser: in Passau und Deggendorf in unseren Hotel gesehen und mir spontan einen bei Amazon geordnert. Als ich von der Reise zurückkam, konnte ich gleich das Buch lesen.

Interessanter Bildband zum Passauer Hochwasser.

Interessanter Bildband zum Passauer Hochwasser.

Nun, die Stadt ist heute wieder aufgebaut. Doch ist das Hochwasser gebannt? Ich denke nicht. Sicherlich hat man den Hochwasserschutz optimiert, doch wenn es wieder so stark regnen sollte wie 2013, dann wird Passau oder andere Städte überflutet. Mich würde interessieren, wie die Passauer über den Hochwasserschutz in ihrer Stadt denken.

Otl Eicher: Vom Waldi über Dirndl bis hin zu Piktogrammen

29. Oktober 2019
Olympia 1972 im Haus der Bayerischen Geschichte

Olympia 1972 im Haus der Bayerischen Geschichte

Farbenfroh sollten die Olympischen Spiele von München im Jahre 1972 sein, doch sie endeten im Terror. Auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck starben israelische Sportler und arabische Terroristen. Meine Ausbildung als Redakteur absolvierte ich in Fürstenfeldbruck und die älteren Kollegen berichteten mir von dem Tod in Fürstenfeldbruck. Mein alter Tagblatt-Kollege Franz Schmotz machte damals Fotos von den ausgebrannten Hubschraubern.
Diese Erinnerungen kamen wieder hoch als ich auf der Herbstreise des PresseClubs München in der Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg auf Exponate von Olympia 1972 stieß. Aber es waren die schönen Seiten von Olympia, die ich sah. Ich stieß vor allem auf das Werk von Otl Aicher. Er war mit Sicherheit einer der wichtigsten Designer, die dieses Land hervorgebracht hat. In meinen Schülerzeitungsseminaren gehe ich auf den Stil des großen Otl Aichers ein. In Regensburg wurde Teile seiner Olympia-Arbeit ausgestellt und sein Grafikdesign fasziniert bis heute.

Waldi von Olympia 1972
Ich sah in einer Vitrine den berühmten Olympia-Waldi von 1972. Meine Eltern hatten ihn als Schlüsselanhänger, leider ist er im Laufe der Jahre verloren gegangen. In Regensburg war ein gut erhaltener Waldi zu betrachten. Er war das erste Maskottchen einer Olympiade und geht auf eine Idee von Willi Daume, dem Präsidenten des Organisationskomitees, zurück. Der Dackel soll neben Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit auch das beliebte Haustier der Münchner repräsentieren. Wer von euch hat einen solchen Dackel von Otl Aicher noch zu Hause?

Wer kennt den Waldi noch?

Wer kennt den Waldi noch?

Aicher und das Olympia-Dirndl
Otl Aicher war so sicherlich kein großer Spaßvogel. Die Videoaufnahmen, die ich über ihn gefunden habe, zeigen ihn als ernsten, zielstrebigen aber humorlosen Mann. So stellt man sich einen deutschen Grafikdesigner vor – nicht so dagegen amerikanische Ikonen wie David Carson mit seinem The End of Print, die locker, flockig durch die Welt gehen.
Aber das Werk von Aicher war humorvoll. Beispielsweise die Olympia-Mode von 1972. Die Hostessen der Olympischen Spiele wurden in einem weiß-blauen Dirndl-Look eingekleidet. Darunter war auch „unsere Silvia“, wie meine Mutter sie nannte. Silvia Sommerlath war eine der 1500 Hostessen, die internationale Gäste betreuten. Darunter war auch der spätere schwedische König Carl XVI. Gustav und es funkte zwischen den beiden. So wurde „unsere Silvia“ bald Königin von Schweden – ein Herzensgeschichte von 1972. Welche Rolle das Dirndl von Otl Aicher dabei gespielt hat, ist nicht überliefert.
Die Basis für das Dirndl war Bayern. Als Grundfarbe wählte Aicher Hellblau für den Münchner Himmel, die Alpensilhouette, Oberbayern mit seinen Seen.

"Unser Silvia" trug so eins.

„Unser Silvia“ trug so eins.

Piktogramme für die Olympische Spiele
Waldi und Dirndl sind prima, aber wirklich stilprägend waren die Piktogramme von Otl Aicher. Sie waren der Hinweis auf die verschiedenen Sportstätten und Sportarten. Für diese Idee wurde Aicher in den Olymp des Grafikdesigns gehoben und es hatte Auswirkungen weltweit – keine Haltestelle, kein Flughafen, kein Stadion ohne Otl Aicher.


Wer sich für Otl Aicher interessiert und nicht unbedingt Grafikdesign in der Theorie studierte, sollte sich sich das Buch Otl Aicher von Markus Rathgeb besorgen. Es gibt einen Überblick über das geniale Werk des Designers mit zahlreichen großartigen Abbildungen und Erklärungen. Das Buch zeigt neben den Olympia-Arbeiten auch die Designs Aichers vom ZDF, ERCO Leuchten, Flughafen Frankfurt, Dresdner Bank, Westdeutsche Landesbank, Sparkasse, Raiffeisenbank, Bulthaup Küchen, Bayerische Rück, FSB, Durst Phototechnik, Schulz Bürozentrum sowie vom Verlag Severin & Siedler.

Landshuter Hochzeit in Bildern im Prunksaal

28. Oktober 2019
Sehr eindrucksvoll, der Landshuter Prunksaal mit der Geschichte der Landshuter Hochzeit.

Sehr eindrucksvoll, der Landshuter Prunksaal mit der Geschichte der Landshuter Hochzeit.

Es muss schon eine fette Party gewesen sein, die Landshuter Hochzeit. Alle vier Jahre wird das Historienschauspiel in der niederbayerischen Stadt aufgeführt – das nächste Mal wird es 2021 sein.
Auf der Herbstreise des PresseClub Münchens besuchten die Journalisten das Landshuter Rathaus und im Prunksaal des Gebäudes wird diese Hochzeit anhand von Wandbildern erklärt. Im Jahre 1475 erfolgte Heirat des bayerischen Herzogs Georg der Reiche mit Hedwig Jagiellonica, der Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. Andreas, in Landshut. Das Fest dauerte mehrere Tage und es kamen mehrere zehntausend Gäste. Das ist heute nicht anders. Das Fest wird seit 1903 wieder in Landshut gefeiert und wächst von Mal zu Mal. In historischen Gewändern ziehen die Landshuter durch die Stadt und für die Bürgerinnen und Bürger ist es eine Ehre in authentischen historischen Gewändern dabei zu sein. Organisiert wird das Spektakel vom Verein die Förderer e. V..
Nachdem die Landshuter Hochzeit erst nächstes Jahr wieder stattfindet, musste ich mich mit den Bildern im Prunksaal des Rathauses begnügen. Hier ist ein 360 Grad VR Video vom Saal.

Der Rathausprunksaal im ersten Obergeschoss des Landshuter Rathauses ist der repräsentative Konzertsaal in Landshut. Bekannt ist der Saal wegen seines Umlaufgemäldes, das die „Landshuter Hochzeit“ zeigt und wegen der reich geschnitzten Holzdecke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Prunksaal kann für Konzerte und ähnliche festliche Veranstaltungen angemietet werden.

Der Saal ist 442 Quadratmeter groß, hat eine Bühne und bietet knapp 550 Sitzplätze (506 Stühle in 21 Sitzreihen sowie 45 Plätze an den Raumseiten auf Bänken). Die Landshuter Gästeführerin Helga Nachtmann beschrieb uns Journalisten sehr authentisch die Geschichte der Landshuter Hochzeit im Prunksaal.

Landshut: Eine Kirche unter einer Kirche – die Unterkirche

27. Oktober 2019

Die Kirche St. Martin in Landshut ist weltbekannt. Sie besitzt mit 130 Meter den höchsten Turm der Welt aus Backsteinen und sie hat wohl als einzige Kirche der Welt ein Bild von Hitler, Göring und Goebbels als Kirchenbild. Darüber hatte ich bereits gebloggt.

Was ist nicht wusste, dass die ursprüngliche Kirche vier Meter tiefer lag.
Auf der Herbstreise des PresseClub Münchens bekamen wir die seltene Ehre diese Unterkirche zu besichtigen. Unsere Stadtführerin Helga Nachtmann ließ ihre guten Kontakte spielen und so stiegen wir in den Untergrund unter der St. Martin Kirche.

Der Vorgängerbau von St. Martin, die sogenannte Unterkirche, lag vier Meter unter dem heutigen Straßenniveau, in der damaligen Stadtmitte. Es handelte sich um einen dreischiffigen Kirchenbau und, in deutlichem Abstand nach Westen, einem Turm, der Kirch- oder Stadtturm gewesen sein könnte. Es war eine romanische Kirche. Reste davon hat man im Anschluss an die Sanierung der Fundamente in einem Raum unter dem Boden der Martinskirche zugänglich erhalten. Erst 1980 wurde diese Unterkirche entdeckt. Die damalige Kirche stand auf Tannen- und Fichtenhölzer. Diese wurden bei der Entdeckung entfernt und durch Beton ersetzt, damit die Kirche St. Martin einen sicheren Stand hat.
Heute finden sich im Untergeschoss neben einer kleinen Ausstellung verschiedene Grabdenkmäler und Originalfiguren – die Kopien hängen in St. Martin.

Warum Amerikaner Bayern in Lederhosen sehen wollen

26. Oktober 2019

Bei meiner jüngsten Einreise in die USA wurde ich von einem Vertreter der spaßbefreiten Homeland-Security gefragte, wo ich denn geboren sei. Pflichtgemäß antwortete ich München, Bayern und die kritisch blickende Beamte lachte und antwortete mir „Oktoberfest and Lederhosn.“ Ja, wir Bayern haben ein Klischee in der Welt hinterlassen. Dabei reiste ich nicht mit Trachtenjanker, sondern mit Tweed-Jacket in die USA ein.


Bei einem Besuch der Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg mit dem PresseClub München wurde mir klar, woher das Klischee der Bayern in der Welt stammt. In der vorzüglichen Ausstellung traf ich auf zwei Exponate, die den Ruf von uns Bayern in den USA begründeten. Zum einen war es der weltgrößte Schuckert-Strahler von 1893, der auf der Weltausstellung in Chicago ausgestellt wurde. Der Nürnberger Elektropionier Sigmund Schuckert baute diesen Scheinwerfer, der auf der Ausstellungshalle in Chicago aufgebaut war. Sein Licht war noch in 135 Kilometer Entfernung zu sehen. Made in Bavaria war in aller Munde.


Aber das Klischee des Bayern mit Tracht stammt vom Schlierseer Bauerntheater. Das Theater wurde 1892 von Konrad Dreher und Xaver Terofal gegründet und ging auf Tournee. Die Stücke feierten 1895/96 bei einer USA-Tournee enorme Erfolge und begründeten das Klischee von Bayern in den USA. Die Darstellung der heilen bayerischen Bergidylle begeistert die Amerikaner bis heute. Noch immer treffe ich auf US-Touristen, die fragen, wo ich denn meine Lederhosn habe.

Richtig vorbereiten auf die Kommunalwahl 2020

25. Oktober 2019
Der Wahlkampf ums Rathaus, wie hier Landshut, ist voll entbrannt.

Der Wahlkampf ums Rathaus, wie hier Landshut, ist voll entbrannt.

Im Moment schule ich parteiübergreifend angehende und amtierende Kommunalpolitiker im Umgang mit Social Media. Im kommenden Jahr ist im März in Bayern Kommunalwahl und ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich ehrenamtlich für ihre Gemeinde, Stadt, Kommune oder Kreis zur Verfügung stellen und Demokratie leben.
Der Dialog mit den Bürgern vor Ort darf aber nicht nur Face to Face ablaufen, sondern muss auch auf den digitalen Plattformen geschehen. Das ist anders als in der klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Web 2.0 gibt es klare Spielregeln. Wer nur sendet, der wird nicht gehört. Kommunikation und Dialog sind angesagt – das kostet Zeit und Mühe.

Landshut ist eine eindrucksvolle Stadt, leidet aber unter dem Verkehrskollaps.

Landshut ist eine eindrucksvolle Stadt, leidet aber unter dem Verkehrskollaps.

Dies wurde mir auch wieder von Kommunalpolitikern bei der Herbstreise des Münchner Presseclubs bestätigt. In Landshut trafen wir auf den zweiten Bürgermeister der Stadt Landshut Thomas Keyßner (die Grünen) und in Passau stießen wir spontan am Marktplatz auf den CSU-Bürgermeisterkandidaten Georg Steiner, der hauptamtlich Tourismusdirektor in Linz ist.
Hier die Videos mit den Gesprächen mit den Politikern.

 

Interessant ist, dass parteipolitische Diskussionen bei der Kommunalwahl weniger eine Rolle spielen als vielmehr das persönliche Auftreten. Kommunalwahl ist für mich eine Personenwahl, weniger eine Parteienwahl. Natürlich hat jede Kommune seine individuellen Herausforderungen. Allerdings stelle ich fest, dass gerade in den Zentren wie Landshut oder Passau die Verkehrsdiskussion eine große Rolle spielt. Die historischen Städte können den anfallenden Pkw-Verkehr nicht mehr bewältigen und die Infrastruktur ist nicht mitgemachten. Es kommt oftmals zum Kollaps. Zudem ist am Horizont die Transformation der Wirtschaft zu sehen und damit der Verlust oder die Umwandlung von Arbeitsplätzen.
Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, den Dialog mit den Wählerinnen und Wählern in allen Formen zu suchen und sich wirklich mit ihm auszutauschen. Es gilt auch neue Wege des Dialogs zu suchen und auszuprobieren. Hier können soziale Medien eine große Rolle spielen. Twitter, Facebook, Instagram und YouTube dürfen nicht den Extremisten überlassen werden, sondern Volksparteien müssen sich endlich auch für diese Plattformen fit machen.
Ach ja, ich stehe gerne für Schulungen zur Verfügung (Werbeblock Ende)

Der Vorsitzende des Münchner PresseClubs Peter Schmalz /r.) fragt nach.

Der Vorsitzende des Münchner PresseClubs Peter Schmalz /r.) fragt nach.

Berufsbild König der Nacht und woher kommt der Ausdruck „Die Sau durchs Dorf treiben“?

24. Oktober 2019
In Passau gab es das Berufsbild „König der Nacht.“

In Passau gab es das Berufsbild „König der Nacht.“

Im Mittelalter und später gab es schon eigenartige Berufe, die nicht sehr hoch im gesellschaftlichen Ansehen waren. Dazu gehörten zum Beispiel Henker, Scharfrichter, Rattenfänger, Totengräber, Geldwechsler aber auch der König der Nacht.

 

Der Müll wurde in Passau auf die Straße geworfen.

Der Müll wurde in Passau auf die Straße geworfen.

Dieser König der Nacht war nicht ein Zuhälter, wie man vielleicht annehmen würde, sondern es war vielmehr der Müllmann, wie Gästeführerin Anneliese Hertel von Dreiflüsse Tours bei einer Stadtführung durch Passau erklärte. Bei der Herbstreise des PresseClubs München lernten die Journalisten vor der fürstlichenischöflichen Pagerie einige Gepflogenheiten der Vergangenheit kennen. Damals warfen die Passauer ihren Dreck und Müll einfach auf die Straße. Spät nachts kam dann der König der Nacht hervor, sammelte den Müll auf und trieb die Schweine der armen Leute durch die Gassen der Stadt. Vor den Häusern der reichen Bewohner gab es immer was zu fressen.
Daher stammen die Begrifflichkeiten, „die Sau herauslassen“ und „die Sau durchs Dorf treiben“. Und jetzt frage ich mich als digitaler Nomade, was es heißt, die digitale Sau durchs Dorf zu treiben?

Wenn die Gotzinger Trommel an die Mordnacht von Sendling erinnert

23. Oktober 2019

Das erste Mal hörte ich von der Mordnacht von Sendling durch Gerhard Polt. Er imitiere einen Gebirgsschützen, der krakeelend an den Freiheitskampf der Bayern gegen die österreichische Besatzer erinnerte. Ich fand das witzig und Polt weckte Damit mein Interesse an der bayerischen Geschichte.

Damals im Jahre 1705 erhoben sich bayerische Bauern am Weihnachtsabend gegen die österreichischen Besatzer und wurden massakriert. Über 1100 Bauern fanden in der Mordweihnacht von Sendling, einem Stadtteil von München, grausam den Tod. In meinem Heimat- und Sachkundeunterricht in der Schule wurde an diese Tat erinnert und es wurde Teil der bayerischen Identitätsgeschichte.
Bei der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg, die ich auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs besuchte, sah ich zum ersten Mal die legendäre „Gotzinger Trommel“, die eine große Rolle bei der Mordnacht von Sendling spielte. Sie ruft, so sagt es die bayerische Legende, in der Heiligen Nacht im Jahr 1705 zum Sturm auf München. Auf der legendären Trommel ist geschrieben „Lieber baierisch sterben als wie kaiserlich verderbn.“

Nun der Bauernaufstand wurde brutal von den Österreichern zusammengeschossen. Diese Aktion schuf aber ein bayerisches Nationalbewusstsein. Die Trommel wurde von dem überlebenden Jakob Mayr, Linnererbauer von Goetzing, in sein Heimatdorf gebracht. Und seitdem wurde die Trommel wie eine Reliquie im Freistaat verehrt. Es ist im Grunde eine typische Landtrommel ihrer Zeit mit hörzerner Zarge mit oben und unten Felldruckreifen sowie gespannten Stricken. Der bekannte Spruch ist ergänzt durch die Aufschrift „Zur Erinnerung an die Christnacht im Jahre 1705, also diese Trommel zum Kampfe rief.“


Interessant ist, dass die Zarge mit dem bayerischen Wappen zwischen zwei Löwen verziert ist. Immer wieder hieß es, dass die Trommel nicht echt sei, denn das Wappen wird erst ab 1729 verwendet. Es kann sein, dass die Originaltrommel übermalt wurde. Aber eigentlich ist es egal, denn das Symbol der bayerischen Identität ist wichtig. Die Trommel steht sonst im Heimatmuseum von Miesbach.

Granitzentrum Hauzenberg – Granit aus Niederbayern

22. Oktober 2019
Der Eingang zum Besucherzentrum.

Der Eingang zum Besucherzentrum.

Ich las mal eine Zeitschrift über die Studentenproteste der 60er Jahre des vergangenen Jahrhundert, als Demonstranten das Pflaster einer Straße aufrissen und mit den 10×10 Zentimeter großen Pflastersteinen die Polizei bewarfen. Die Steine wurden als 1,5 Kilogramm Meinungsfreiheit bezeichnet. Der Slogan war: Unter dem Pflaster der Strand, wie der Titel der anarchistische Kulturzeitschrift hieß, die von 1974 bis 1985 erschien. In Hauzenberg in Niederbayern besuchte ich ein Besucherzentrum, dass sich um die Meinungsfreiheit dreht: Das Granitzentrum Hauzenberg.

Auf den ersten Blick ein etwas ungewöhnlicher Besichtigungspunkt auf der Herbstreise des PresseClubs München nach Ostbayern. Doch beim zweiten Hinschauen eröffnete sich mir eine faszinierende Welt der Schönheit, der Technik und der Geschichte. Und: Was mich außerdem begeisterte, eine hervorragende Museumsdidaktik des 21. Jahrhunderts mit einer Erlebnisführung und Multimedia-Elementen – sehr eindrucksvoll.

Geführt wurden wir von einem Original: Ludwig Bauer, gelernter Steinmetzmeister und ein Experte in Sachen Granit. Sein Vater Max Bauer war Steinhauer und er schrieb ein interessantes Buch Kopfsteinpflaster, das später auch unter dem Titel Brotzeit erschien und die Geschichte des Niederbayern erzählte.
Bis das Granitzentrum Hauzenberg im Jahre 2005 eröffnet wurde, war es ein langer, steiniger (Wortwitz) Weg. Das Zentrum wird privatwirtschaftlich betrieben. Ludwig Bauer und seine Kollegen nutzen den Wahlkampf 1996 und nahmen einen Vorstoß beim damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmaier vor. Der willigte ein und dann ging es schnell. 3,6 Millionen Euro war das Volumen, wobei 60 Prozent Förderung durch die Europäische Union beigesteuert wurde.
Das Geniale an der Architektur war: Man konnte über die Inhalte ein Haus bauen. Oft ist es bei Museen anders herum. Doch in Hauzenberg hatte man eine klare Idee, eine klare Konzeption und Ausstellungsstücke, so dass die Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth ein eindrucksvolles Bauwerk um die Inhalte schaffen konnten. „Wir werden weltweit beneidet“, so Ludwig Bauer. „Wir bauen wie ein Fels aus dem Steinbruch heraus.“ Materialien sind Holz, Stahl und Stein.

Das Museum zeigt zahlreiche Exponate, zum Teil ungewöhnlich beleuchtet, sowie anschauliche Schaubilder. Beeindruckt hat mich vor allem eine Multimedia-Show in einem Steinforum. Das Video gibt nur einen kleinen Einblick, wer in dem Forum sitzt, kann die gesamte Show besser genießen.

Bewegend waren auch die Ausführungen von Ludwig Bauer zur Geschichte der Steinmetzarbeiten. Dabei berichtete er von den Erfahrungen der Kreuzritter, die im Heiligen Land auf bunte Gläser in Moscheen stießen. Die Folge war, dass in gotischen Kathedralen auch bunte Gläser mit christlichen Motiven verbaut wurden. Was muss es für eine Show für die Menschen des Mittelalters gewesen sein, wenn die Sonne durch die nach Osten gerichteten bunten Gläser scheint? „Eine perfekte Licht- und Farbinszenierung.“ Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, die den lateinischen Gottesdienst nicht verstanden, bekamen in der Kirche die perfekte Show geliefert. „Die Kirche macht Marketing mit Licht und Farbe“, so Ludwig Bauer. Hier war dann eine perfekte Steinmetzarbeit gefragt, die das Glas in den Fenster hielt.