Posts Tagged ‘Gerhard Polt’

Alles Gute Gerhard Polt zum 75. Geburtstag

7. Mai 2017

Für mich gibt es zwei Superstars der deutschen Humorszene – doofes Wort. Es sind Loriot und Gerhard Polt. Polt feiert heute seinen 75. Geburtstag und ich wünsche ihm alles, alles Gute.
Über Loriot habe ich in diesem Blog ab und zu etwas geschrieben. Ich genieße diese Art von Humor, weil die Personen ganz fein gezeichnet sind und ich meine Familie wieder erkenne. Und genauso verhält es sich mit Gerhard Polt. Ich weiß gar nicht, ob er außerhalb Bayerns bekannt ist? Als Bayer verehre ich ihn, weil er ebenso wie Loriot die Personen so fein zeichnet. Polt schaut dem bayerischen Volk aufs Maul und wenn ich mir ihn im Kino, im Fernsehen und am besten auf der Bühne ansehe, dann bin ich hin und her gerissen. Ich bin begeistert. Und: Immer wieder schäme ich mich. Es ist so eine Art fremdschämen, weil Polt genau ins Schwarze trifft. Polt beobachtet seine Umwelt und bringt es auf den Punkt. Viele seiner gespielten Figuren habe ich im realen Leben, pardon, wie im richtigen Leben getroffen. Ich brauch nur bei uns ins Dorf zu gehen, da sehe ich sie – aber vielleicht bin ich auch so eine Person.
Ein paar Dörfer weiter von mir in Günzlhofen lebt die Well-Familie. Mit den Biermösln ist Polt auf der Bühne. Oberhaupt der Well-Familie, zu der auch die Wellküren gehören, war die legendäre Traudl Well, die 2015 im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Sie hat sich enorm für die wirkliche bayerische Volksmusik verdient gemacht. Polt ist ein enger Freund der Familie und tauchte so dann und wann bei uns in der Gegend auf. Als ich damals für die örtliche Lokalzeitung gearbeitet hatte, bekamen wir immer wieder Anrufe, dass der Polt wieder da sei. Aber unser Kulturchef ließ ihn in Ruhe, achtete seine Privatsphäre und der Polt kam trotz seiner Prominenz nicht in die Zeitung. Dies musste ich als junger Volontär lernen. Der Polt wollte seine Ruhe und wir als Zeitung ließen ihn in Ruhe. Einmal hab ich ihn mit den Well-Brüdern in einem Wirtshaus getroffen – aber ihn auch in Ruhe gelassen. Vielleicht war er gerade wieder am Recherchieren für seine Geschichten. Vielleicht wollte er einfach nur ein Bier trinken. Letzteres ist wohl realistischer.
Lieber Gerhard Polt, ich wünsche alles Gute zu Ihrem Geburtstag. Ich freu mich auf ein Wiedersehen. Ich schaue mir ein paar Auftritte in YouTube an und vielleicht habe ich das Glück, Sie wieder einmal live zu sehen. Und wenn Sie mal Zeit und Lust haben, setzten wir uns in den Garten, trinken eine Halbe und haben unsere Ruhe.

Peter Ramsauer – der Mann spricht deutsh

30. Dezember 2010

Man spricht deutsh – dieser Polt-Film von 1988 kam mir in den Sinn als ich von der jüngsten Aktion unseres Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer hörte. Anstatt um sich um die massiven Probleme der Deutschen Bahn zu kümmern, die bundesdeutschen Straßen auszubessern, Maut einzutreiben oder Straßen einzuweihen kümmert sich der einst schönste Mann des Deutschen Bundestages um die deutsche Sprache. Das ist lobenswert, bedient aber wieder mal nur eine gewisse Wählerklientel. Ramsauer will durchsetzen, dass in seinem Ministerium und bei der Bahn die deutschen statt den englischen Ausdrücken verwendet werden, also Fahrschein statt Ticket oder Klappcomputer statt Laptop.

Damit greif er eine Initiative des SPD-Bundestagspräsidenten Wolfgang „Zottel“ Thierse auf, der den Verfall der deutschen Sprache bereits im November 2005 beklagte. Grundsätzlich haben Thierse und sein Anhänger Ramsauer recht: Wir müssen uns um den Erhalt unserer Sprache kümmern. Das hat nichts mit Deutschtümelei zu tun.

Jetzt kommt sicher einer auf die Idee, auch andere Wörter zu streichen: Durch die Napoleonische Zeit haben wir in Bayern viele Wörter der Franzosen, für die es schöne deutsche Wörter gibt: So legt sich Peter Ramsauer aufs Canapé statt aufs Sofa, öffnet sein Portemonnaie statt seinen Geldbeutel oder läuft auf dem Trottoir statt auf dem Gehweg. Leute, ich kann das ganze Gerede nicht mehr hören. Ich bin nicht Politikmüde – gewiss nicht, aber ich bin Politkermüde.

Gleichzeitig müssen wir in einer globalisierten Welt – und das haben uns diese Politiker auch eingebrockt – auch globalisiert denken. Dies ist derzeit nun mal Englisch. Zwar spricht unser Außenminister kein Englisch, aber mein Sohn wird in der dritten Klasse laut Lehrplan gezwungen Englisch zu lernen. Dabei sollte der kleine Mann vielmehr den Umgang mit seiner Heimatsprache lernen.

Für viele bei uns auf dem Land ist Deutsch die erste Fremdsprache nach ihrem Dialekt.

Interessant wird es, ob Ramsauer wirklich statt SMS jetzt Kurznachrichtendienst oder für den CD-Player nun Kompaktschallplattenspieler sagt. Wie wäre es mit Lichtabtaster statt Scanner und wie wäre es, wenn man einfach mal seine Aufgaben als Politiker macht und nicht so einen Quatsch verzapft?

 

Nikolausi statt Weihnachtsmann

1. Dezember 2009

Am 24. Dezember ist Weihnachten. Das verwundert niemanden. Schon seit Ende Oktober sind in den Supermärkten die entsprechenden Schokoderivate anzutreffen. Aber ich kann eine Formulierung nicht mehr hören: Weihnachtsmann.

Sagt mal, wo sind wir denn? Der Typ heißt Nikolaus und nicht Weihnachtsmann. Erinnert ihr euch noch an den Gerhard Polt mit seinem Nikolausi. Recht hat der Polt. Nix Osterhasi, Nikolausi.

Da kommt mir eine gemeinsame Pressemitteilung des Bonifatiuswerks und der katholischen Jugend gerade recht. Sie fordern eine weihnachtsfreie Zone und das mit Recht.

Der Weihnachtsmann sei eine Kunstfigur und eine Erfindung der Werbung. Sie soll Handel ankurbeln und Umsatz steigern. Der Nikolaus dagegen ist ein Heiliger, Nothelfer und Schutzpatron der Kinder. Dazu gibt es auch eine nette Website weihnachtsmannfreie-zone.

Ich will hier keine weltanschauliche Diskussion vom Zaun brechen, aber hiermit stelle ich klar: Der Weihnachtsmann ist ein dummes Zeug. Auch wer sich nicht zur Amtskirche bekennt, sollte zumindest vor der christlichen Tradition Respekt haben. Und da gibt es schließlich nur den Nikolaus.