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Wenn die Gotzinger Trommel an die Mordnacht von Sendling erinnert

23. Oktober 2019

Das erste Mal hörte ich von der Mordnacht von Sendling durch Gerhard Polt. Er imitiere einen Gebirgsschützen, der krakeelend an den Freiheitskampf der Bayern gegen die österreichische Besatzer erinnerte. Ich fand das witzig und Polt weckte Damit mein Interesse an der bayerischen Geschichte.

Damals im Jahre 1705 erhoben sich bayerische Bauern am Weihnachtsabend gegen die österreichischen Besatzer und wurden massakriert. Über 1100 Bauern fanden in der Mordweihnacht von Sendling, einem Stadtteil von München, grausam den Tod. In meinem Heimat- und Sachkundeunterricht in der Schule wurde an diese Tat erinnert und es wurde Teil der bayerischen Identitätsgeschichte.
Bei der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg, die ich auf der Herbstreise des Münchner Presseclubs besuchte, sah ich zum ersten Mal die legendäre „Gotzinger Trommel“, die eine große Rolle bei der Mordnacht von Sendling spielte. Sie ruft, so sagt es die bayerische Legende, in der Heiligen Nacht im Jahr 1705 zum Sturm auf München. Auf der legendären Trommel ist geschrieben „Lieber baierisch sterben als wie kaiserlich verderbn.“

Nun der Bauernaufstand wurde brutal von den Österreichern zusammengeschossen. Diese Aktion schuf aber ein bayerisches Nationalbewusstsein. Die Trommel wurde von dem überlebenden Jakob Mayr, Linnererbauer von Goetzing, in sein Heimatdorf gebracht. Und seitdem wurde die Trommel wie eine Reliquie im Freistaat verehrt. Es ist im Grunde eine typische Landtrommel ihrer Zeit mit hörzerner Zarge mit oben und unten Felldruckreifen sowie gespannten Stricken. Der bekannte Spruch ist ergänzt durch die Aufschrift „Zur Erinnerung an die Christnacht im Jahre 1705, also diese Trommel zum Kampfe rief.“


Interessant ist, dass die Zarge mit dem bayerischen Wappen zwischen zwei Löwen verziert ist. Immer wieder hieß es, dass die Trommel nicht echt sei, denn das Wappen wird erst ab 1729 verwendet. Es kann sein, dass die Originaltrommel übermalt wurde. Aber eigentlich ist es egal, denn das Symbol der bayerischen Identität ist wichtig. Die Trommel steht sonst im Heimatmuseum von Miesbach.

Das Nibelungenlied – einer der 100 Schätze

17. Oktober 2019
Das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied

Bis zum 8. März 2020 läuft im Haus der bayerischen Geschichte die Landesausstellung „100 SCHÄTZE AUS 1000 JAHREN“. Ich habe mir sie auf Einladung des Presseclubs München auf dessen Herbstreise in Regensburg angesehen und werde Zug um Zug ein paar Exponate vorstellen, die mich beeindruckt haben.
Die Idee der Landesausstellung gefällt mir: Einhundert spannende und hochrangige Exponate von Museen aus Bayern, Deutschland und Europa beleuchten in der Bayerischen Landesausstellung über ein Jahrtausend bayerische Geschichte zwischen dem 6. Jahrhundert und 1800. Bei 100 Exemplaren ist natürlich Streit vorprogrammiert, was in die Ausstellung kommt und was nicht.


Aufgenommen wurde ein Buch, das ich sehr gerne lese und mit dem ich mich lange Zeit damit beschäftigt habe: Das Nibelungenlied, das wohl um 1200 in Passau entstanden ist. Ich mag den Stoff in seiner vielfältigen Form: Ich verehre den Filmzweiteiler von Fritz Lang Die Nibelungen und Kriemhilds Rache, ich mag die Musik von Rolf Wilhelm zur Nachkriegsverfilmung und natürlich mag ich das Buch selbst. Im Haus der Bayerischen Geschichte habe ich endlich eine Originalausgabe dieses Klassikers vor mir. Hinter Glas kann ich Ausschnitte aus der Geschichte von Siegfried, Hagen, Kriemhild und dem Drachen lesen. Ein Moment, der mich wirklich elektrisiert hat. Das Nibelungenlied ist in elf vollständigen Handschriften überliefert. Vor mir liegt der „Prunner Codex“, der im 16. Jahrhundert in Schloss Prunn an der Altmühl entdeckt wurde. Die Handschrift ist mit farbigen Initialen gestaltet – ein absoluter optischer Schatz.

Klassiker Nibelungenlied
Das Nibelungenlied ist für mich ein Klassiker schlechthin. Der Verfasser ist unbekannt. Es entstand wohl um das Jahr 1200 aus dem Umfeld des Passauer Bischofs Wolfger von Erla. Der Text ist ein wahres Heldenepos und ich las es als Jugendlicher zum ersten Mal. Wahrscheinlich hat sich der Autor auf mündlichen Überlieferungen gestützt und die Ereignisse der Zeit aufgearbeitet. Dazu gehört in erster Linie die Völkerwanderung oder die Niederlage von Burgund durch die Römer mithilfe hunnischer Truppen um das Jahr 456.
Der Inhalt des Nibelungenliedes ist hinlänglich bekannt. Der Held Siegfried und Sein König Gunther, der böse Hagen, die rachsüchtige Kriemhild, die mithilfe der Hunnen von Etzel das Nibelungengeschlecht auslöscht. Bei der Reise der Nibelungen zur Hochzeit von Etzel und Kriemhild kommt die Reisegesellschaft durch das heutige Ostbayern entlang der Donau und die Gegend von Passau wird genau beschrieben. Vielleicht wäre eine Nibelungenreise mal ein interessantes Literaturreiseprogramm. Auf jeden Fall war das Buch mein erstes Highlight in der diesjährigen bayerischen Landesausstellung in Regensburg.