Posts Tagged ‘Richard Wagner’

Homage an Wagnersängerinnen Birgit Nilsson und Astrid Varnay im Märktgräflichen Opernhaus

7. September 2018

Wenn ich als Wagner-Fan gefragt werde, welche Sängerinnen und Sänger ich sofort mit Richard Wagners Musik verbinden würde, dann muss ich neben vielen anderen vor allen an Birgit Nilsson denken. Meine erste Wagner-Oper auf Schallplatte als Jugendlicher war Tristan und Isolde aus Bayreuth von 1966 mit Karl Böhm und ich konnte mich an der Dame nicht satthören. Nach Birgit Nilsson feierte Astrid Varnay in Bayreuth ähnliche Erfolge, wobei ihre hinterbliebenen Tondokumente eher von schlechterer Qualität sind.

Micaela di Catalano vor dem Veranstaltungsplakat.

Micaela di Catalano vor dem Veranstaltungsplakat.

Beide großartigen Damen werden 100 Jahre und ihnen zu ehren gibt es am 22. September im Marktgräflichen Opernhaus eine Homageabend für die Diven vergangener Zeiten. Das Marktgräfliche Opernhaus wurde aufwendig renoviert und erstrahlt im neuen Glanz – der Besuch dieses Theaters alleine rechtfertig den vielversprechenden Abend. Auf Initiative von Micaela di Catalano kommt dieser Event zustande, nachdem in Bayreuth bisher keine Erinnerungsveranstaltung für die beiden großartigen Sängerinnen organisiert wurde. Also kann ich das Engagement von Micaela di Catalano nicht hoch genug würdigen. 

Frisch renoviert ist das Marktgräfliche Opernhaus einen Besuch wert.

Frisch renoviert ist das Marktgräfliche Opernhaus einen Besuch wert.

Also am 22. September um 19:30 Uhr gibt es 100 Jahre Birgit Nilsson und Astrid Varnay in 100 Minuten in Form von Wort und Gesang. Das Wort kommt vom ehemaligen Agenten der Nillson Dr. Germinal Hilbert, die Musik kommt von Micaela di Catalan, die von Christian Hornef am Klavier unterstützt wird. Die Moderation hat Dr. Frank Pinotek inne. Ich bin mir sicher, es gibt die eine oder andere schöne Anekdote für Richard Wagner-Fans zu genießen – und was mich ärgert: Ich kann nicht dabei sein, denn ich muss arbeiten. Vielleicht wird der Abend ja auf Video aufgezeichnet und für die Nachwelt erhalten. Karten für das Event gibt es übrigens hier.

Ich finde das Engagement von Micaela di Catalano bemerkenswert. Micaela di Catalano ist in Oberfranken geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium des klassischen Gesanges inzwischen mit dem Mariinsky-Theater St. Petersburg in Russland  ist sie Wagner verfallen. Ihr Schwerpunkt liegt im Wagnerfach. „Zu meinen großen Vorbildern gehören die Sängerinnen Birgit Nilsson und Astrid Varnay, die heuer ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten. Mir war aufgefallen, dass auf den Kulturkalendern in Bayreuth, wo beide Sängerinnen über viele Jahre hinweg, große Triumphe feierten, kein Erinnerungskonzert zu finden war“, erzählt sie. „So habe ich spontan beschlossen, eine Hommage zu veranstalten.“

Dank Youtube gibt es einige Auftritte der Sängerin mit Wagner-Material. Anschauen und vor allem Anhören und genießen und dann ab nach Bayreuth zum Homage-Abend.

 

 

Mit der Walküre hat das Grauen sein Ende

4. September 2018
Ausdrücklich danke ich meiner Frau, dass sie mich tapfer zu Wagner begleitet. Ausdrücklich danke ich meiner Frau, dass sie mich tapfer zu Wagner begleitet.

Haben wir das auch wieder hinter uns gebracht – leider kann ich den Spruch nicht in Fränkisch wiedergeben, aber das kam mir in den Sinn als ich aus dem Festspielhaus in Bayreuth nach mehreren Stunden Walküre schwitzend in die Abendluft trat. 

Es war schon heiß in dem ehrwürdigen Festspielhaus.

ref=“https://redaktion42.files.wordpress.com/2018/09/72d891a6-55c5-4b8f-a56c-141527192b67.jpeg“> Es war schon heiß in dem ehrwürdigen Festspielhaus.[/ca

Nein, nein, die Oper mit der göttlichen Musik des Meisters hat mir gefallen, mich zutiefst berührt. Auch das Dirigat des viel kritisierten Plácido Domingo fand ich nicht schlecht, aber ich habe endlich Frank Carstorf hinter mich gebracht. Alle Teile der Tetralogie habe ich gesehen und die Walküre war der letzte Teil meines Rings der Nibelungen. Natürlich weiß ich, dass die Walküre der erste Tag der Aufführung ist, aber bekommen Sie mal Karten in der richtigen Reihenfolge in Bayreuth. Ja, träumen Sie weiter. 

Ich habe also meinen Ring komplett Das Rheingold („Vorabend“), Die Walküre („Erster Tag“), Siegfried („Zweiter Tag“) und Götterdämmerung („Dritter Tag“) und ich habe damit den kompletten Ring in der Inszenierung von Frank Carstorf hinter mich gebracht – und es war eine Qual. Das sozialistische Bühnenbild mit störenden Filmeinspielungen haben mir nie gefallen. Bei 30 Grad Celsius im Festspielhaus kam wohl Carstdorfs Rache am Bayreuther Publikum, als es im dritten Aufzug zur Verstoßung kommt. Da wird dann zum Schluss ein Ring aus Feuer auf der Bühne entfacht, der die Temperaturen weiter nach oben treibt. „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“ Nie wieder Carstdorf, bitte. Im nächsten Jahr soll der Ring von jemand anders inszeniert werden. Wer das sein wird, hat Festspielleiterin Katharina Wagner noch nicht öffentlich verkündet. Ich bin gespannt, denn dann geht der Ring des Nibelungen für mich wieder von vorne los.

Den Carstorf-Ring hab ich Gott sei Dank jetzt durch.

ps://redaktion42.files.wordpress.com/2018/09/0b7549b6-81fd-4415-b75e-22e5266aee1d.jpeg“> Den Carstorf-Ring hab ich Gott sei Dank jetzt durch.

[/caption]Ungewöhnlich für Wagnerianer war der Aufführungstag der Walküre. Es war der Mittwoch, 29. August 2018. Da muss der traditionelle Wagnerianer ganz feste schlucken und stark sein, denn die Festspiele haben einen klar umrissenen Zeitraum und sonst ist am 28. August Schluss und die Wagner-Fans können in die Ferien fahren. Ich hab beim Social Media-Team in Bayreuth gleich mal nachgefragt und bekam folgende Antwort: „Auf Grund der hohen Nachfrage und wegen zwei Vorstellungen mehr als in den letzten Jahren, sind die Festspiele um einen Tag verlängert worden. Viele Grüße aus Bayreuth.“ Mir war es egal, aber so mancher Fan auf dem Grünen Hügel war sichtlich irritiert. Für den Rest der Welt ist es wohl der berühmte Sack Reis, der umfällt. 

Wie gesagt, wie Musik von Richard Wagner steht für mich außer Frage. Und im Vorfeld gab es Gemaule über das Dirigat von Plácido Domingo. Ein bisschen mehr Pepp hätte es der ganzen Sache gut getan, aber der Weltuntergang verzeih Götterdämmerung ist es nicht gewesen. Der Schlussapplaus war ganz ordentlich, ein paar Buhs in Bayreuth gehören dazu.

Ich mag ja die Stimmung bei den Festspielen, doch bemerke ich in den vergangenen Jahren ein Rückgang der Service-Qualität durch die Gastronomie Steigenberger bei gleichzeitigem Ansteigen der Preise. Zwei Beispiele: Die Türe einer Herrentoilette war defekt und konnte nicht verschlossen werden. Und so traten immer wieder Herren in die besetzte Kabine, was nicht zur Heiterkeit aller Beteiligten führte. Das Schloss war schon vor der Aufführung der Walküre kaputt. Den Kaffee konnte man sich für teuer Geld aus einer Kaffeemaschine herauslassen, während das Servicepersonal ein kleines Schwätzchen in der Pause hielt. Servicewüste ist eben ein deutsches Wort. 

Großes #mimi in Bayreuth - Wagner Festspiele dauerten einen Tag länger.

on42.files.wordpress.com/2018/09/991efc44-39d8-4f7d-a832-c7a563c660aa.jpeg“> Großes #mimi in Bayreuth – Wagner Festspiele dauerten einen Tag länger.

Und natürlich

[/caption]Und natürlich werde ich mich redlich bemühen, für 2019 wieder Karten für den Grünen Hügel zu bekommen. Ich danke meiner Gattin, die kein ausgesprochener Wagner-Fan ist, dass sie mich begleitet. Und für euch da draußen: Ich bin für Karten immer empfänglich. 

Wagner im Kino: Lohengrin

27. Juli 2018

Blau, das war die Farbe des Abends: Blau in verschiedenen Schattierungen. Als ich aus dem Kino ging, in dem Lohengrin aus Bayreuth übertragen wurde, war ich fast betrunken. Nicht wegen des Blaus der Inszenierung, sondern trunken von der Musik Richard Wagners. Wobei ich auch zugeben muss, Lohengrin gehört textlich und musikalisch eher zu den schwächeren Opern des Meisters. 

Meine Gattin und ich im Scala in Fürstenfeldbruck und lauschen Wagner.

Meine Gattin und ich im Scala in Fürstenfeldbruck und lauschen Wagner.

Bei meiner Gattin und mir ist es ein Ritual in Sachen Wagner. In Ermangelung von Premierekarten schauen wir uns die Neuinszenierung von Wagners Oper via Live-Übertragung bei uns im örtlichen Kino Scala Fürstenfeldbruck an und im August besuchen wir die Festspiele am Grünen Hügel dann live. Dieses Jahr wird es die gewöhnungsbedürftige Frank Castorfs Ring-Interpretation die Wallküre sein. Beim Bühnenbild mach ich einfach die Augen zu, darf aber Plácido Domingo als Dirigent hören.

Tinker Bell, Biene Maja oder dire drei von der Tankstelle - Dieser Lohengrin war so etwas eigen.

Tinker Bell, Biene Maja oder dire drei von der Tankstelle – Dieser Lohengrin war so etwas eigen.

Gerne wäre ich bei einer Premiere in Bayreuth dabei. Ich sehe Prominenz, die in Bayreuth erscheint, angeführt von Urlauberin Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer. Die Kanzlerin mag Wagner, versteht ihn auch. Doch so mancher Hanswurst in Bayreuth ist wohl weniger wegen der Musik als vielmehr wegen des Glamours da. Aber so war es wohl auch zu Richard Wagners Zeiten und so ist es auch zu Katharina Wagners Zeiten. Und dennoch: Ich stehe bereit für Premierenkarten – ich seht: Ich bin neidisch. 

Mit einem Glas Sekt wurden wir im Scala begrüßt. Vielen Dank.

Mit einem Glas Sekt wurden wir im Scala begrüßt. Vielen Dank.

Also nahm ich im klimatisierten Saal 4 im Scala Kino Platz, grinste ein wenig über die Temperaturen im Festspielhaus. Die Übertragung aus Bayreuth beginnt, doch es fehlt der Ton. Entweder gibt es beim Streaming Tonprobleme oder ein Profi im Kino hat den Ton abgedreht. Nach Protest der zumeist älteren Zuschauer war dann der Ton nach ein paar Minuten da – von der Musik haben wir nichts verpasst, allerdings vom Gerede von Katharina Wagner. Macht’s nichts, ich mag die Damen sowieso nicht, aber der Höflichkeit halber hätte ich gerne gehört, was sie sagt. 

Auf dem grünen Hügel gab es vereinzelt Buhs für ihn. Auch das gehört zu Bayreuth.

Auf dem grünen Hügel gab es vereinzelt Buhs für ihn. Auch das gehört zu Bayreuth.

Die Oper beginnt – mein erster Eindruck war Blau. Das Bühnenbild des Künstlerpaars Neo Rauch und Rosa Loy der neuen Leipziger Schule war blau und es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Inszeniert wurde das Ganze von Yuval Sharon. Nach der blauen Phase kam ich mir vor, in einem Universal-Horror-Film zu sein. Blitze und Transformatorenstationen als ob man das Labor von Victor Frankenstein betritt und die blaue Frisuren erinnerten an Frankensteins Braut. Die Darsteller haben Flügel umgeschnallt, stehen in ihren Rembrandt-Kostümen in einer Welt von Motten und Fliegen. Muss das Volk von Brabant einen Stromstoß bekommen? Ungewöhnlich, wahrlich ungewöhnlich – gefällt mir diese Biene Maja-Blaumann-Version von Lohengrin? Ich bin mir nicht sicher, ob ich Tinker Bell bei Wagner sehen will. 

Ich mag die Interpretation von Christian Thielemann, der jetzt Die Geschichte um Betrug und Fanatismus, von Hingabe und Idealismus vor dem Hintergrund der Macht des Gral lässt viele Interpretationen auf Wagners Zustand zu. 

Ich hab mich geärgert, dass ich mich nicht richtig auf diesen Abend vorbereitet habe. Dann hätte ich auch mitbekommen, dass Piotr Beczala die Titelpartie kurzfristig von Roberto Alagna übernommen hat, der abgesagt hat. Aber Lohengrin mit seinem Frage-Verbot nach seinem Namen und Herkunft, steht bei der Oper nicht im Vordergrund. Es ist Elsa und sie ist die interessante Person des Stücks mit seinen drei Aufzügen. Elsa von Brabant wird gesungen von Anja Harteros. Und die beste Szene für mich ist die Bindung von Elsa an Lohengrin, der zudem seine Herzensdame mit einem Seil an sich fesselt. Die Frage nach der Herkunft zerstört die Liebe. Beczala und Harteros sind hier einfach wunderbar und wenn Lohengrin dann in Trauer seinen Namen und Gralherkunft verrät ist es zum Dahinschmelzen. 

Ich habe noch Hans Neuenfels Lohengrin in Erinnerung. Damals saß ich bei den Ratten in der zweiten Reihe im Festspielhaus, bei Sharon saß ich im Kinosessel. So sehr ich mich Neuenfels empört habe, so sehr habe ich mich bei Sharon zeitweise gelangweilt. Das kam schon alles glatt daher. 

Sie kam zurück nach Bayreuth: Waltraut Meier.

Sie kam zurück nach Bayreuth: Waltraut Meier.

Ich freute mich auf Waltraud Meier, die nach der Isolde wieder nach 18 Jahren nach Bayreuth kam und für mich eine starke Interpretation der Ortrud ablieferte. Der verdiente Applaus in Bayreuth war sicherlich nicht nur wegen der Leistung in Lohengrin, sondern ein Dank für ihr Gesamtwerk.

Ein Dank zudem den Betreibern des Scala-Kinos in Fürstenfeldbruck. Ich finde es toll, dass ihr Wagner im Kino anbietet und so lange ich keine Premierenkarten bekomme, besuche ich euch bei Richard Wagner, auch wenn das Publikum eher übersichtlich blieb. Vielleicht sollten wir 2019 bei Tannhäuser mal zu einer PR-Aktion ansetzen. 

Buchtipp: Wagners Villa Wahnfried

25. Juli 2018

Heute beginnt eine für mich interessante Zeit: Es beginnen die Festspiele am Grünen Hügel in Bayreuth. Lohengrin steht auf dem Programm – ich schau mir die Inszenierung im Kino an. In den nächsten Wochen werde ich daher verstärkt über den großartigen Richard Wagner bloggen. Gleich vorweg zur Klarstellung: Politisch lehne ich Wagner ab, musikalisch verehre ich ihn.
Im Grunde bedeutet Wagner für mich ein Ritual. Bei meinen Besuchen in Bayreuth gehört der Abstecher an das Grab des großen Komponisten einfach dazu. Ein kurzes Gedenken, ein Blick in die Runde, vielleicht nehme ich auf einer Bank im Garten seiner Villa Platz und höre mir die eine oder andere Ouvertüre an.

 

Der Besuch von Wahnfried, dem Wohnhaus von Richard Wagner, ist ab und zu für mich ein Bedürfnis. Ich habe ein paar Videos und VR 360 Videos in den Räumen gedreht und möchte alle Interessierten an Richard Wagner zum Besuch von Wahnfried einladen. Nur wer die Luft von Wahnfried schnuppert, kann Wagner ganz begreifen. Mich fasziniert das Gebäude und die Aura, die es umgibt. Und zum Einstieg daher ein Buchtipp zu Wahnfried – Das Haus von Richard Wagner: The Home of Richard Wagner, der die wechselvolle Geschichte des Hauses darstellt. Das Buch Wahnfried von Markus Kiesel und Joachim Mildner geht historisch an das Gebäude heran.


Mit historischem und aktuellem Bildmaterial reich illustriert, zeichnet das Buch die Geschichte des Hauses bis hin zur 2015 fertiggestellten Grundsanierung und Errichtung von Erweiterungsbauten nach. Wagnerexperten wie Verena Naegele, Nike Wagner Dietmar Schuth und Peter Cachola Schmal kommen zur Wort. Den wichtigsten Teil des Buches nehmen die historischen Ausführungen von Verena Naegele ein von den Anfängen, über den Erfolg, den Missbrauch und die Zerstörung bis zum Wiederaufbau und Eröffnung als Museum. Wahnfried ist mehr als nur ein Wohnort eines berühmten Komponisten. Für mich geht von diesem Ort eine ungeheure Faszination aus, die zum Mythos Richard Wagner ihren Beitrag leistet. Wagner ist ein Gesamtkunstwerk mit den wunderbaren und teuflischen Begegnungen. Als ich das Buch durchblätterte kommen mir meine Gedanken in den Sinn als ich durch Wahnfried und den Garten streifte. Es sind interessante Details und Zitate in dem Buch zusammengeführt, die Wahnfried für mich zu einem Erlebnis machen. Gerne nehme ich das Buch Wahnfried – Das Haus von Richard Wagner: The Home of Richard Wagner zur Hand, lese und erinnere mich – und es ist ein hervorragender Einstieg in die Welt Wagners, daher meine Kaufempfehlung.

Warten auf Wagners Wahnfried – irgendwann klappt es

27. März 2018
Es war eiskalt an Wagners Grab im Garten von Wahnfried.

Es war eiskalt an Wagners Grab im Garten von Wahnfried.

Immer wieder bin ich in Bayreuth für Vorträge und wenn ich Zeit habe, schaue ich auch bei Haus Wahnfried vorbei. Das Heim von Richard Wagner fasziniert mich. Und wenn ich mal Luft habe, besichtige ich auch das Richard Wagner Museum.

Beim jüngsten Besuch des Geländes schloss das Museum gerade und ich hatte wieder das Nachsehen. Ich wärmte mich ein paar Minuten im Foyer auf, bevor mich die freundlichen Aufseher baten zu gehen. Bei Eiseskälte wanderte ich durch den Garten und hielt auch beim Grab des Meisters ein paar Minuten inne. Es war nichts los, keine Touristen oder Wagnerianer, keine Spinner. Eigentlich wollte ich mich hinsetzen und meinen Gedanken über den Meister nachhängen.

Ich hatte meine Lieblingsoper von ihm Parsifal via AirPods im Ohr. Aber es war zu kalt. Es pfiff ein eiskalter Wind durch den Garten und die Grabstätte hinter der Villa Wahnfried. Ich zitterte vor Kälte. Auf der Marmorplatte unter der Richard Wagner ruht standen zwei Kerzen und eine kleine Laterne. Das Feuer war erloschen, bei dem Wind auch kein Wunder. Der Schnee war fast überall geschmolzen und es herrschten sibirische Temperaturen. Es fing leicht an zu schneien. Um die Marmorplatte herum wuchs Efeu.

Immer wieder umrundete ich die Villa Wahnfried, betrachtete die Statue Ludwig II. vor dem Haupteingang. In der jüngsten Aufführung von den Meistersingern im vergangenen Jahr bekamen wir Zuschauer ja einen kleinen Einblick in das Wohn- und Musikzimmer Richard Wagners. Wagners Musik fasziniert mich, den politischen Wagner lehne ich komplett ab und verabscheue ihn. Beim nächsten Mal betrete ich das Haus Wahnfried und das Richard Wagner-Museum – und ich freue mich darauf.

Der lange Weg zu Karten für die Bayreuther Festspiele

19. März 2018

Es war schon eine Geduldsprobe, die ich mir da zugemutet habe. Gestern stand der Online-Verkauf für die Bayreuther Festspiele auf meinem Nachmittagsprogramm. Und es hat auch wirklich den ganzen Nachmittag gedauert, bis ich zwei Karten für die beste Ehefrau und mich erstanden habe. Zufrieden bin ich aber dennoch nicht.
Um 14 Uhr war der Ticket-Shop am Grünen Hügel in Bayreuth geöffnet. Um 13:58 Uhr stand ich auf der Matte. Das iPad war online. Kundennummer und Kreditkarte sowie Kalender lagen bereit – also die magischen 3 K. Dieses Jahr steht eine Neuinszenierung von Lohengrin auf dem Programm und ich würde gerne die Inszenierung sehen. Anja Harteros soll die Elsa singen. Ich sag es gleich: Ich habe keine Karten für Lohengrin bekommen und bin deswegen enttäuscht. So muss ich mir wohl die Neuinszenierung wieder im Kino ansehen, wenn es übertragen werden sollte. So habe ich es in der Vergangenheit immer gemacht. Und Lohengrin war die erste Oper, die ich in Bayreuth jemals gesehen habe.

Der Ticket-Shop öffnet
Nun um 14 Uhr öffnete der Shop seine Pforten und ich reihte mich ein. Vergangenes Jahr habe ich so auch Karten für die wunderbaren Meistersinger erstanden und hoffte wieder auf mein Glück. Aber ich war wohl zu spät. Es waren einige Wagnerianer vor mir und das bedeutet dann stundenlanges Warten.
Nach 20 Minuten viel mir auf, dass die Veranstalter die Website geändert hatten. Im vergangenen Jahr waren es animierte Figuren, die sich Platz um Platz nach vorne schoben. Dieses Jahr gab es einen klassischen Ladebalken und der stand bei mir ganz weit links. Wie öde!

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Das Neuladen der Seite ist strengstens verboten und auch die Seite im Hintergrund laufen lassen, dass will die Familie Wagner nicht. Ob das stimmt, habe ich nicht ausprobiert, denn ich wollte meinen wertvollen Platz in der Ticketschlange nicht aufgeben. Links oben auf der Website gab es ein Ampelsystem, ob Karten für die jeweilige Oper noch verfügbar sind. Dieses Jahr gab es online Karten für Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Parsifal, Tristan und Wallküre. Nach 20 Minuten waren noch alle Ampeln auf Grün.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Ich hoffte also auf Lohengrin. Doch dann wechselte Lohengrin auf Gelb, die Karten wurden knapp und ich war noch ganz hinten in der Warteschlange.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Ich wurde nervös und nervte die Twittergemeinde mit meinen Bedanken. Das viele Jammern nutzte nichts. Nach einer Stunde war Lohengrin immer noch auf Gelb und ich hatte gerade mal ein Drittel des Ladebalkens geschafft. Und dann, um 15:06 Uhr sprang Lohengrin auf Rot um – alle Karten weg und mein Ärger war da. Über eine Stunde gewartet und keine Karten.

Und weg war Lohengrin.

Und weg war Lohengrin.

Nun, dann begann das Alternativprogramm. Ich hatte die Inszenierungen von Holländer, Meistersinger, Parsifal und Tristan in Bayreuth bereits genossen, also blieb nur noch die Wallküre übrig. Ich konzentrierte mich also auf die Wallküre. Sie ist die erste Oper des Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend, der aus dem Rheingold besteht. Es handelt sich um den Castorf-Ring, der 2017 auslief, aber 2018 noch in Einzelvorstellungen zu sehen ist. Ich habe Teile des Castorf-Rings gesehen und er hat mir nur teilweise gefallen. Aber Bayreuth ist eben Bayreuth und ich will auch 2018 wieder dabei sein und blöde daherreden.

Um 15:20 Uhr wurden auch die Karten für die Meistersinger knapp. Die Ampel schaltete auf Gelb. Karten für die Wallküre scheint es noch zu geben und ich wartete bereite 1:20 Uhr vor dem iPad mit der Ticketseite online. Und nun der Schock: Um 15:29 Uhr schaltete auch die Wallküre auf Gelb. Sollte ich eineinhalb Stunden umsonst gewartet haben? Ich wurde nervös. In dem Ladebalken hatte ich das Opernhaus noch nicht mal erreicht und die Karten wurden eng. Minute um Minute schob ich mich vor. Ich war sogar soweit, dass ich den lächerlichen Figuren auf dem Display Namen gab und meinen Kindern immer verkündete, wenn ich Herrn Maier, Frau Müller und Frau Schmidt überholt habe. An der Spitze der Schlange stand übrigens Herr Theobald, so hab ich den Typen genannt, der hinter einer Straßenlaterne versteckt war. Es galt diesen Theobald zu überrunden, der vor mir stand. Ich entwickelte einen regelrechten Zorn auf diesen virtuellen Pixeltypen, der so unscheinbar da stand.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Ich näherte mich Herrn Theobald Meter für Meter. Um 15:46 Uhr war ich schon ganz nah dran. Um 15:49 Uhr war der Eintritt ins Opernhaus zum Greifen nahe und ich freute mich schon. Um 15:55 Uhr hatte ich Herrn Theobald überholt. So Theo jetzt hab ich dich und zeig dir, was eine Harke ist. Doch ich wurde abermals von Bayreuth enttäuscht. Obwohl ich der erste in der Reihe der Personen war und noch vor diesem Herrn Theobald, galt dies wohl nicht für den Ladebalken. Der Balken musste bis ganz rechts laufen um vollständig geladen zu sein. Was soll das? Bayreuth, ich fühle mich von dieser GUI betrogen.
Nun standen Lohengrin und Meistersinger auf Rot und Wallküre auf Gelb und es war 16:02 Uhr. Zwei Stunden in der Schlange gewartet und ich drohte zu scheitern.

16:02 Uhr - es wird verdammt eng.

16:02 Uhr – es wird verdammt eng.

Um 16:16 Uhr hatte ich Herrn Theobald und die ganze Schlange weit hinter mich gelassen und näherte mich dem Eingang des Festspielhauses. Im Original gehe ich dort immer wieder rein und finde eine Säule mit einer Inschrift von der damaligen Premiere des Rings wieder. Langsam bekam ich Schnappatmung. Meine Gattin meinte nur lakonisch „Ja mei“ und meinte wohl: Dann eben Bayreuth nicht. Für sie ist es kein großer Verzicht, denn sie kommt zum Grünen Hügel nur mir zuliebe mit. Sie selbst ist nicht eine Wagnerverehrerin und kommt aus Liebe mit mir mit – ein schöner Liebesbeweis sich vier Stunden den Hintern auf unbequemen Klappstühlen wund zu sitzen.

16:16 Uhr - ich fühle mich von der GUI betrogen.

16:16 Uhr – ich fühle mich von der GUI betrogen.

Aber ich wollte nicht klein beigeben. Um 16:35 Uhr – zwei Stunden und 35 Minuten nach Öffnung des Ticketshops durfte ich für 10 Minuten den Store betreten und meine Karten auswählen. Oh wie gnädig. Ich bekam noch Restkarten für Wallküre – leider nicht wie gewohnt vorne, sondern ziemlich weit hinten. Und wir bekamen auch keine zusammenhängenden Plätze. Das bedeutet, meine Frau und ich müssen die Oper getrennt verfolgen. 3:45 Stunden dauert die Wallküre mit zwei Pausen, die wir zum Spazieren gehen nutzen können. Ich werde in den Pausen quatschen und meine Frau die Umgebung des Festspielhauses genießen.
Karten wurden mit der Kreditkarte bezahlt. Über die Preise schweige ich mich aus. Dann machte ich mich auf die Hotel-Suche. Da machte ich es mir leicht. Wir sind immer in Heinersreuth im Hotel Opel. Ich mag dieses fränkische Landgasthaus mit der lustigen Besitzerin. Das Essen ist bodenständig und ich freue mich auf den Pressack und das Bier. Online ein Zimmer gebucht, es war Gott sei Dank noch etwas frei. Dann zurückgelehnt und dann vom Musikserver die Wallküre geladen. Im Keller habe ich noch eine DVD vom Jahrhundertring des Jahres 1976 von Pierre Boulez, damit werde ich meine Umgebung beglücken. Bis zur Festspielsaison habe ich noch ein wenig Zeit das Libretto zu studieren und mir schlaue Sprüche auszudenken. Ach Richard Wagner, ich mag einfach deine Musik.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Richard Wagners Hund Russ

18. März 2018
Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Wagners Hund Russ am Eingang des Hotels Lindenmühle in Bad Berneck.

Ich bin auf den Hund gekommen, auf Wagners Hund Russ. Ich bin ihn in jüngster Zeit gleich zweimal begegnet. Einmal in Bayreuth, als ich das Grab von Richard Wagner besuchte. Dort steht neben der Marmorplatte unter der Wagner liegt ein Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht und wacht Wagners Hund Russ“.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Das Grabschild für Russ im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth.

Ob der Hund wirklich dort liegt, weiß ich nicht, aber ich finde die Geste schön, den besten Freund des Menschen in der Nähe seines Herrchens zu begraben. Ich war früher schon mal da und habe darüber geschrieben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Neben Wagner liegt auch Russ begraben.

Dann traf ich Russ wieder – auf einer Veranstaltung des Ministerialbeauftragten für Oberfranken in Bad Berneck. Dort hielt ich in dem Hotel Lindenmühle einen Vortrag und im Foyer traf ich Russ wieder. Hier tauchte der Hund auf in Form einer Skulptur von Ottmar Hörl. Ich mag den Nürnberger Künstler sehr und habe ich auch einige seiner Kunstwerke, viele davon vom Künstler signiert.
Die Skulptur von Richard Wagners Hund Russ war im Jahre 2004 als Kunstobjekt ausgestellt. Die rund 80 Zentimeter große Figur des Neufundländers ist wesentlicher Bestandteil des Kunstobjekt Wagners Hund. Während des Festspielsommers wurden 800 Hunde neben Parkbänken in Bayreuths Innenstadt installiert. „Der Hund soll die menschliche Seite Wagners darstellen und zugleich ein Versuch sein, den Komponisten von seinem musikalischen Olymp zu holen“, erläuterte Künstler Ottmar Hörl bei der Vorstellung seines Hundes. Ich hab mir schon überlegt, ob so ein Hund nicht zu uns an den Eingangstür passen würde, aber meine Gattin zeigte mir die rote Karte. Wir haben genügend Hörls hier herumstehen. Klare Worte.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ - ich finde in sehr schön.

Ottmar Hörl schuf diesen Russ – ich finde in sehr schön.

Doppelpack Die Meistersinger von Nürnberg

13. August 2017
Einmal im Jahr versuche ich nach Bayreuth zu kommen.

Einmal im Jahr versuche ich nach Bayreuth zu kommen.

Für mich ist der August auch immer mit einem Besuch an einen heiligen Ort verbunden: Dem grünen Hügel von Bayreuth. Wenn ich irgendwie Karten für die Richard Wagner Festspiele ergattere, dann reise ich zu einer Aufführung an diesem Hort der Kultur. In der Regel startet mein Wagner-Erlebnis mit der Kino-Übertragung und einem späteren Live-Besuch vor Ort. Dieses Jahr habe ich mir ein Doppelpack Meistersinger gegönnt.

Die Meistersinger von Nürnberg in der Inszenierung von Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, war für mich ein Erlebnis. Die 4,5 stündige Oper, es ist die längste Wagner-Oper überhaupt, kam fast wie eine flotte Operette daher – fast. Den Ring zähle ich hier mal nicht als einzelne Oper, sondern als Mehrteiler. Verzeihung wenn ich Operette mit der heiligen Musik von Wagner assoziiere.

Ich hatte die Meistersinger zuvor noch nie live gesehen und war von der Neuinszenierung sehr positiv überrascht. Ich schmunzelte über die beiden tierischen Stars zu Beginn und den Humor der Inszenierung im Hause Wahnfried im Allgemeinen. Die Neufundländer Möhre und Bingo, alias Marke und Molly waren vor der Oper ein wahrer Publikumsmagnet. Festspielleiterin Wagner weiß einfach, die Hunde ziehen und nachdem auch Barrie Kosky ein Hundebesitzer ist, waren entsprechende Storys in der Presse vorprogrammiert. So sieht moderne PR-Arbeit aus.

Barrie Kosky ist der erste Jude, der eine Wagner-Oper in Bayreuth inszeniert. Was so locker und flockig begann, wurde dann ernst. Es blieb mir das Schmunzeln im Halse stecken, spätestens am Ende des zweiten Aufzugs als ich mit Wagner schrecklichen Antisemitismus konfrontiert wurde. Wagner als Musiker ist genial, Wagner als Politiker ist verabscheuungswürdig. Der Jude als Witzfigur. Hermann Levi, der erste „Parsifal“-Dirigent, wurde von Wagner immer wieder verspottet. Das sah man bereits im Vorspiel der Meistersinger, als sich der Jude dem Christentum beugen musste. Und auch das Bühnenbild änderte sich von Wohnzimmer zu Gerichtssaal. Die Ouvertüre von Wahnfried endet im dritten Aufzug im Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse.

Das Selfie vor dem Festspielhaus mit Doris Ortlieb. Danke, dass sie mich begleitet, obwohl Wagner nicht so ihr Ding ist.

Das Selfie vor dem Festspielhaus mit Doris Ortlieb. Danke, dass sie mich begleitet, obwohl Wagner nicht so ihr Ding ist.

Ich hab Rücken bei den Meistersingern
4,5 Stunden Wagner kann ein Genuss sein, muss es aber nicht. Ich hatte im zweiten Aufzug, der nur eine Stunde dauerte, Rückenprobleme aufgrund der Holzstühlen. Das Sitzen auf meinem Klappstuhl tat mir dieses Jahr weh. Das Holz drückte unangenehm in den Rücken, schlimmer als in den vergangenen Jahren. Sollte ich gar jetzt so alt sein, dass ich ein lächerliches Sitzkissen mit nach Bayreuth nehmen sollte?

In der zweiten Pause schaute ich sogar am Merch-Stand bei der Post gegenüber des Festspielhauses die Kissen an. Aber nein, ich blieb hart. Ich kauf kein Kissen und nahm in 2,5 stündigen dritten Aufzug wieder auf dem harten Holzstuhl Platz. Insgesamt gibt es 1974 Plätze im Zuschauerraum mit gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Der Blick vom Publikum aus ist genial, die Akustik auch.

Der göttliche Klang im Festspielhaus
Der komplette Innenraum besteht aus Holz, unter dem Zuschauerraum ist ein Hohlraum, der einen wunderbaren Resonanzboden für die Musik liefert. Am Ende merkt es auch der Zuschauer, wenn er mit den Füßen vor Begeisterung stampft. Und natürlich gibt es in Bayreuth den mystischen Abgrund. Der Orchestergraben ist mit einem Schalldeckel vom Publikum abgeschirmt. Die Musik des Orchesters fließt vom Graben auf die Bühne und vermischt sich mit den Stimmen zu dem Bayreuther Mischklang bevor er zum Publikum strömt. Das hat man ausgezeichnet gemerkt, wenn man die Meistersinger im Kino und dann live genoss. Der Klang im Kino war gut, der Klang im Festspielhaus war genial und lässt sich durch nicht toppen. Klangfetischisten werden von Klang in Bayreuth absolut begeistert sein. Für Wagnerianer ist es der Himmel.

Während ich bei der Premiere im Kino noch ein paar Buh-Rufe gehört habe, war von einem Buh im Festspielhaus nichts mehr zu hören. Fast 15 Minuten dauerte der Schlussapplaus an, wie mein Video zeigt.

Charme der siebziger Jahre am Grünen Hügel
Und noch zahlreichen Besuchen der Wagner Festspiele habe ich auch die Umgebung gewöhnt und rege mich schon gar nicht mehr über das siebziger Jahre Ambiente um das Konzert auf. Das Festspielhaus wird Zug um Zug saniert, vielleicht fällt auch endlich etwas für die Restaurants auf dem Gelände ab. Zum einen Mensa-Atmosphäre, zum anderen runtergerocktes Ambiente vergangenen Zeiten. Das ist eines Richard Wagner nicht würdig und habe auf den Besuch der Restaurants verzichtet.

Wagner goes Social Media
Allerdings habe ich unbedingt Hannes Richter auf dem Gelände besuchen wollen. Er ist der Social-Media-Beauftragter der Bayreuther Festspiele und macht einen verdammt guten Job mit seinem Team. Ich habe ihn im Büro besucht und mich als Vorsitzender des Bloggerclubs vorgestellt.

Hannes Richter ist der Social-Media-Beauftragte der Bayreuther Festspiele

Hannes Richter ist der Social-Media-Beauftragte der Bayreuther Festspiele

Wenn die Festspielzeit vorbei ist, nehme ich nochmals mit ihm Kontakt auf. Vielleicht können wir 2018 die Bayreuther Festspiele und der Bloggerclub etwas auf die Beine stellen. Im Moment folge ich den Bayreuther Festspielen auf Twitter (sehr gut) und YouTube (nett gemacht). Facebook beachte ich, finde aber die Geschwindigkeit von Twitter deutlich besser.

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg im Kino

2. August 2017
Verachtet mir die Meister nicht!

Verachtet mir die Meister nicht!

Jahr für Jahr genieße ich Richard Wagner im Kino und live in Bayreuth. Da ich bisher nie in den Genuss von Premierenkarten gekommen bin, aber den göttlichen Richard Wagner zum Auftakt von Bayreuth nicht verpassen will, gehe ich zu Richard Wagner for the rest of us. Ich bin in mein Stammkino Scala Fürstenfeldbruck gepilgert und haben einen wunderbaren Abend erlebt, aber es wird wohl das letzte Mal gewesen sein. Warum? Ich habe gesehen, dass die Premiere der Meistersinger von Nürnberg dieses Jahr live ins Internet vom Bayerischen Rundfunk gestreamt wurde. Warum zahle ich 40 Euro pro Karte fürs Kino, wenn ich Wagner kostenlos im Netz schauen kann?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Ich hab es auch bequem zu hause per HD-Beamer und die Soundanlage rockt auch. Ich schaue mir die Meistersänger nächste Woche live am Grünen Hügel in Bayreuth an und werde es auch genießen. Aber Wagner im Kino hat sich für mich erledigt, wenn der Stream weiter ins Netz geht. Nächstes Jahr wird es zur Premiere eine Neuinszenierung des Lohengrins geben. Regie wird Yuval Sharon führen, die musikalische Leitung hat Christian Thielemans.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Aber ich will ein großes Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Scala Fürstenfeldbruck aussprechen. Sie haben sich alle Mühe mit den Wagnerianern gegeben. In der Regel ist es bei uns im Kino ein älteres Publikum, die nicht so stark in Blockbuster gehen. Der Service im Kino war super. Zur Einstimmung gab es erst einmal ein Glas Sekt. Irgendwie erkannte die freundliche Mitarbeiterin, wer zu Wagner und wer zu den Minions geht, die parallel liefen. Gut, ein Blick auf die Klamotte hat in der Regel ausgereicht. Für Wagner putzte ich mich raus, für die Minions hätte ich eine Banane ins Kino mitgenommen.

Hier nochmal das Programm.

Hier nochmal das Programm.

Dann verteilte ein Mitarbeiter ein Programm, um was es in den Meistersinger überhaupt geht. Ich hatte die Handlung zuvor schon gelesen und besitze zahlreiche Aufnahmen der Meistersinger. Live hatte ich diese bedeutende Oper noch nie gesehen. Ich tu mir schwer mit den politischen Aussagen von Wagner, aber darauf wurde in dem Programm keine Aussagen gemacht. Die Inszenierung war locker, schon fast operettenhaft und am Ende des zweiten Aufzugs erstarrte ich. Da war wieder diese Judenfeindlichkeit und Anitsemitismus von Wagner, den ich so verabscheue.


Vor dem dritten Aufzug gab es eine lecker Häppchen-Platte im Kino. Das war genau die richtige Stärkung vor dem langen dritten Akt mit seinem Höhepunkt „Verachtet mir die Meister nicht!“ Die Kunstdebatte war bei mir wieder entbrannt und da ich da auch für das Handwerk mit seinen Innungen arbeite, saß der Stoß von Richard Wagner genau richtig. Was kümmern mich Regeln?

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

 

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug - ich bin so ein Banause.

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug – ich bin so ein Banause.

Warum allerdings der Stream im Kino um 18 Uhr startete, während die Premiere in Bayreuth um 16 Uhr losging, konnte mir im Kino keiner beantworten. Ich hatte zumindest zu Beginn die dritten Aufzugs die Möglichkeit gehabt, erste Kritiken und Blogposts im Netz zu lesen.
Ach ja: Wunderbar frech war wieder einmal Axel Brüggemann, manches Mal für meinen Geschmack sogar zu frech. Am besten fand ich sein Interview mit Katharina Wagner vor dem Klo in Festspielhaus. Über Hochkultur reden vor dem WC-Eingang – das hat was. Da habe ich lauthals im Kino losgelacht – so einen Humor (hoffentlich beabsichtigt) hätte ich der Wagner-Truppe nicht zugetraut.

Interview vor dem Klo - gut gelacht bei Wagner.

Interview vor dem Klo – gut gelacht bei Wagner.

Filmtipp: Alien Convenant

18. Mai 2017
Mir hat Alien Convenant sehr viel Spaß gemacht.

Mir hat Alien Convenant sehr viel Spaß gemacht.

Ridley Scott, der alte Recke, kann es noch immer. Mit Alien Convenant legte er einen neuen eindrucksvollen Teil seiner Alien-Reihe vor und knüpfte damit direkt an Prometheus an. Gleich vorweg: Mir hat Alien Convenant sehr gut gefallen, aber das war nicht bei allen Zuschauern bei meinem Kinobesuch im Scala Fürstenfeldbruck der Fall. Da hatten sich einige der männlichen Kinobesucher mehr Action erwartet. Nun Action war in Alien Convenant vorhanden, aber es war auch Tiefe vorhanden. Eine Vielzahl von Kinozuschauern war von den literarischen Zitaten von Lord Byron und Mary Shelly schlichtweg überfordert und konnten Ridley Scott auf seiner Suche nicht folgen. Für diese Zuschauer war Alien Convenant eher anstrengend. Wie sagte mein Nachbar im Kino: „Zuviel Gequatsche!“

Aussteller im Kino Scala FFB

Aussteller im Kino Scala FFB

Wer aber Fan der Alien-Filme ist und sich auf eine Weiterführung von Prometheus einlassen will, der freut sich über die Handlung und die Begegnung mit dem Außerirdischen. Der Xenomorph hat sich inzwischen zur Biowaffe verändert und die Diskussion um Menschlichkeit, wie sie bereits in Ghost in the Shell geführt wurde, wird in Alien Convenant weitergeführt. Natürlich ist der flinke und höchst aggressive Neomorph der eigentliche Held, sei es als Maske oder CGI. Ich freute mich, als das Alien erstmals in voller Größe erschien. Es war wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Aus dem Xenomorph wurde ein weiterentwickelter Neomorph. Scott hat so viele Erinnerungen an sein Erstlingswerks eingebaut: Die geheimnisvollen Eier, das Herausbrechen aus dem Magen, das Signal von einem fernen Planeten und, und, und. Und es gibt eine Hommage an den großartigen H.R. Giger, dem Schöpfer des Aliens. Seine Kunst der Biomechanik wurde von Ridley Scott aufgegriffen. Als Beispiel sei die Duschszene genannt – Sexualität kombiniert mit Obsessionen über das Eindringen von etwas absolut Fremden wurde hier genial in Szene gesetzt. Es gab auch ein Wiedersehen und einen Erklärungsansatz über mein Lieblingsraumschiff schlechthin. Das hufeisenförmige fremde Raumschiff taucht wieder im Film, wobei ich hier mich nicht 100prozentig identifizieren konnte. In meiner Fantasie war dieses Raumschiff ein biomechanisches, organisches Fluggerät. In Alien Convenant klingt es, als ob es aus Metall wäre. Die Raumfahrer stapfen durch das Raumschiff und das Echo klingt nach Metall. Das hat mich wirklich gestört, weil es nicht mit meiner Fantasie deckungsgleich ist. Dennoch: Das Setdesign ist schichtweg genial. Es passt einfach zusammen und Ridley Scott kann es einfach.
Zu Alien gehört auch ein Android, in unserem vorliegenden Film heißen sie Walter und David. Michael Fassbender ist hier in einer Doppelrolle zu sehen und es macht absolut Spaß, seinem Spiel beizuwohnen. Sicherlich die eindrucksvollste Szene ist das Flötenspiel, sehr intim und großartig gespielt. Diese Intimität wird nochmals aufgegriffen als es zum Kuss zwischen David und Walter kommt. Der Gotteskomplex wird immer wieder thematisiert.
Der Name Walter setzt sich aus den Wortstämmen walt- (althochdeutsch: waltan ‚herrschen‘) und Heer (althochdeutsch: heri ‚Kampfverband‘) zusammen. Das gibt schon einen Hinweis. Und die Anspielung zu Michelangelos David ist natürlich voll beabsichtigt, obwohl Ridley Scott in der Einführungsszene bewusst den Kopf der ersten Monumentalstatue der Hochrenaissance und bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte verbirgt. David nimmt den Kampf gegen den Riesen Goliath auf – vielleicht eine Analogie, dass der Android sich gegen seinen Schöpfer Mensch wendet. Und immer wieder kommt dazu der göttliche Richard Wagner. Zweimal kommt das Rheingold vor, der Einzug der Götter in Walhall, zu Beginn des Films als Klavierauszug und zum Ende der Films als Symbol der Zeitenwende. Sie prophezeit die Götterdämmerung, das Ende der Götter – das Ende des Gottes Mensch. Wer wie mein Sitznachbar im Kino Action erwartetet, bekam zum Ende Richard Wagner und reagierte verwirrt.
Ach ja, die Musik im Film. Der Score von Alien hatte Maßstäbe gesetzt: Soundtrack-Götter wie Jerry Goldsmith gaben in der Vergangenheit den Takt an. In Alien Convenant sollte es ursprünglich Harry Gregson-Williams sein. Es wäre interessant gewesen, wie er sein Thema von Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian) weiterentwickelt hätte. Er schied allerdings aus Termingründen aus und überließ die Musik Jed Kurzel, dem ich bisher nicht viel zutraute. Sein Assassin’s Creed war mir zu heftig. Im Film Alien Convenant passte sein Score allerdings sehr gut und in den nächsten Wochen wird der Score auf CD veröffentlich. Ich werde ihn dann ausführlich besprechen.