Posts Tagged ‘Prag’

Werbung: Junggesellenabschied in Prag

7. November 2019

In meinem Umfeld heiraten Menschen wieder, oftmals zum zweiten Mal. Und am Tag der Tage soll es ne große Sause geben, ne richtig fette Party für den wichtigsten Tag des Lebens. Und wenn ich die Planungen mir so ansehe, dann fällt immer wieder die Begriffe Junggesellenabschied für den Herrn und Junggesellinnenabschied für die Damen.

Vor der Hochzeit steht der Junggesellenabend

Vor der Hochzeit steht der Junggesellenabend

Ich bin glücklich verheiratet, allerdings gab es bei mir solche Aktionen nicht. Unsere Hochzeit war eher klein intim. Ich bin nicht der Typ für solche Feierlichkeiten. Aber ich gehe gerne auf solche Veranstaltungen, also Einladungen gerne an mich.
Als Filmfreund kenne ich natürlich einige Filme rund um den Junggesellenabend. Ich habe bei der Facebook-Gruppe Filmtoast nachgefragt, welche Filme zum Thema die Community kennt und es kamen einige Sachen zusammen.
Mir fiel als erstes der Film Hangover ein, dem noch zwei Teile folgen sollten. Im humorvollen Film Hangover von 2009 geht es um einen Junggesellenabschied, der in Las Vegas stattfand. Die Herrschaften im Film schlugen über die Strenge. Die Übersetzung von Hangover lautet schließlich Kater. Und ein Spruch in dem Film lautet: „Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas.“
Und es kamen weitere Nennungen, zum Teil Filme, die ich bis dato gar nicht kannte. Danke an das Schwarmwissen. Hier eine Auswahl: Girls’ Night Out, Die Trauzeugen, Bachelor Party, Very Bad things, Las Vegas, Sausage party, American Pie, Mike and dave need weddingdates, Gelegenheit macht Liebe, Die Junggesellenparty (1957), Brautalarm, 8 erste Dates, The Bachelor Weekend und natürlich Elvis in Viva Las Vegas.
In vielen Filmen geht es darum, richtig die Sau rauszulassen. Und ich hab mal geschaut, was es für Riten gibt und ich bin fündig geworden. So machen sich manche Junggesellen richtig zum Deppen, ziehen sich verrückt an und ziehen durch die Straßen Münchens. Bei uns in Bayern ist ein Youtube-Video von Harry G. Durch die Decke gegangen, das optimal zum Thema passt.

Und da ist mir was aufgefallen. Es scheint, dass es in Ungarn und Tschechien spezielle Unternehmen gibt, die sich auf Junggesellenabschiede spezialisiert haben, so mit Strech-Limo, Tabel-Dance und mehr. Die Grenzen werden vom Geldbeutel und der Moral gesetzt. Die Anreise nach Prag ist relativ preiswert. Von München gibt es eine gute Zugverbindung zum Hotspot Prag.


Ich bin bei der Recherche auf ein Angebot ab 18 Jahre gestoßen, was zeigt, was für Geld alles möglich ist: Ein tschechischer Dienstleister, der vergnügungswilligen und zahlungswilligen Damen und Herren ziemlich viel ermöglichten einschläige Wünsche erfüllt. https://www.goldfingers.cz/de . Ich war erstaunt, was alles geht und scheinbar besteht nach so einem Angebot eine regelrechte Nachfrage. Marktwirtschaft pur und der Markt in Tschechien findet einen Weg. Es gibt verschiedene Shows im Angebot, die nach bestimmten Bedürfnissen des zahlenden Publikums ausgerichtet sind.
Vielleicht bin ich ein Langweiliger. Wie gesagt, meine Hochzeit sah anders aus, einen Junggesellenabend gab es nicht, auch keinen Polterabend. Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas galt für mich nicht. Und was in Prag passiert, bleibt in Prag – das gab es bei mir erst recht nicht.

Besuch in Hitlers Arbeitszimmer – der Ort des Münchner Abkommens

5. Mai 2015
Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Irgendwann wurde ich mir die Geschichte des Raums in dem ich saß schlagartig bewusst. Ich hörte auf einmal den Vortrag von Dr. Alexander Krause nicht mehr. Krause ist Kanzler der Hochschule für Musik in der Münchner Arcisstraße 12. In dem Gebäude befand sich der Führerbau, hier residierte Adolf Hitler. Mir wurde bewusst, wo ich hier war und was hier in diesem Raum geschehen ist.

IMG_8474
Dr. Alexander Krause dozierte in einem Hörsaal im ersten Stock des Gebäudes vor Mitgliedern des Münchner PresseClubs. Im Laufe des Vortrags wurde es mir schlagartig bewusst, wo ich mich befand. Es war nicht mehr ein einfacher Hörsaal mit Stühlen, Tischen und Klavier. Es war ein Raum, der Geschichte atmet. Es war das ehemalige Arbeitszimmer von Adolf Hitler.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

In diesem Raum, im so genannten Führerbau an der Arcisstraße 12 in München, unterzeichnete der britische Premier Neville Chamberlain, der französische Premierminister Edouard Daladier, der italienische Diktator und Ministerpräsident Benito Mussolini und der deutsche Diktator Adolf Hitler am 30. September 1938 das so genannte Münchner Abkommen über die unverzügliche Abtretung des Sudentengebietes an das Deutsche Reich. Die westlichen Staatsmänner glaubten, durch diese Konzession einen Krieg abgewendet zu haben. Doch schon im März 1939 brach der Gröfaz diese Vereinbarung, ließ deutsche Truppen in Prag einmarschieren und proklamierte das Protektorat Böhmen und Mähren. Dieser Gewaltakt erwies sich im Rückblick als entscheidender Schritt zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.


Nachdem die Vorlesung von Dr. Krause vorbei war, streifte ich durch diesen historischen Raum. Ich berührte Gegenstände, den Kamin und ich ging auf den Balkon des Gebäudes. Den Blick auf die Arcisstraße nahm ich nicht wahr, sondern ich sog die Atmosphäre des Raumes auf. Ich schauderte. Auf dem Balkon hatte ich die Straße im Rücken und schaute mir den Bau im Dunkel an. Der Reichsadler samt Hakenkreuz ist freilich nicht mehr da, vor meinem geistigen Auge sah ich das Symbol des Nationalsozialismus auftauchen.

Dr. Alexander Krause hatte einige historische Fotos aus seinem hervorragenden Buch Arcisstraße 12 dabei, die die historische Situation von damals zeigten. Für mich ein Lehrbeispiel von historischer Vermittlung für die ich dankbar bin. In wenigen Metern Entfernung eröffnete das NS-Dokuzentrum am Königsplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Führerbau. Das werde ich mir nun ansehen.

20 Jahre Deutsche Einheit

30. September 2010

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Zum 20. Mal jährt sich am 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit. Und wieder wird viel geschrieben und viel diskutiert. Ich habe zum Jahrestag ein Video im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung aufgezeichnet. Hier gibt der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair professionell ein Statement ab, dem ich zustimmen kann. Gut gesprochen. Wir sollten uns freuen, freuen über unseren Tag der Deutschen Einheit.

Ich erinnere mich noch an die bewegten Szenen in Prag, als der Träger des gelben Pullunders Hans-Dietrich Genscher den Flüchtlingen in der Botschaft ihre Freiheit verkündete. Die kurze Ansprache von Genscher geht im Jubel der Massen unter. Noch heute läuft es mir kalt den Rücken herunter. Hier wurde Geschichte gemacht. Ich erinnere mich gerne daran und auch wenn mit der Deutschen Einheit nicht alles optimal verlaufen ist, die Entscheidung war richtig.

Ich hatte damals in Ungarn mit Schulfreunden Urlaub gemacht und habe die Vorläufer des Zusammenbruchs live miterlebt. Wir hatten ein Haus am Plattensee gemietet und der Nachbar ein war DDR-Offizieller. Ich glaub, er war bei der Armee und wir unterhielten uns abends über den Zaun über das geteilte Land. Wir luden ihn ein, ein Bier auf unserer Seite des Gartenzauns zu trinken. Er lehnte ab. Die Geschichte hat gezeigt, dass seine Mitbürger nicht ablehnten und den Zaun niederrissen. Das war gut so. Am 9. November vergangenen Jahres habe ich mir meine Gedanken zum Mauerfall gemacht.