Archive for the ‘Corona’ Category

Autokino in Fürstenfeldbruck

29. Mai 2020
Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Gleich vorweg: Ich liebe Kino. Ich mag diesen magischen Ort der Träume, der Sehnsüchte. Ich mag das Gefühl gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu fiebern oder erschreckt zu werden. Ich genieße die gesamte Atmosphäre, die Spannung auf den Film, wenn sich der Vorhang öffnet. Nun, durch Corona ist damit Schluss und wenn in Bayern die Kinos am 15. Juni wieder offiziell öffnen dürfen, wird es nicht dieselbe Atmosphäre sein – und es werden die Filme fehlen, weil Filme bundesweit bzw. weltweit starten und nicht auf Kinoöffnungen der einzelnen Bundesländer warten. Berlin öffnet seine Kinos am 2. Juni.
Ein Rettungsanker für die finanziell angeschlagene Branche sind Autokinos, die jetzt aus dem Boden gestampft werden. Ein gutgemeinter Akt der Verzweiflung in schlimmen Tagen. Das letzte Mal, dass ich mir im Autokino einen Film ansah, war die Deutschlandpremiere von Cars im September 2006. Regisseur John Lasseter und die Synchronsprecher wurden mit einem lauten Hupkonzert gefeiert. Das Konzept des Autokinos kommt aus den USA. 1933 lief der erste Film in einem Autokino in Camden, New Jersey. Die Hochphase des Autokinos war in den 50er und 60er Jahren.

Auch bei uns wird es wieder ein Autokino geben. In der Kreisstadt Fürstenfeldbruck wurde auf dem Volksfestplatz eine Leinwand aufgebaut und ab 29. Mai soll es losgehen. Das Autokino FFB läuft täglich bis 11. Juli. Karten gibt es aufgrund Corona nur online.


Der erste Teil des Programms bis 14. Juni wurde veröffentlicht. Das Problem ist: Der mangelnde Content.
Die gezeigten Filme sind bereits über die Leinwand geflimmert. Natürlich gibt es keine neuen Filme und so haben es die Programmmacher schwer, Filme zu finden, die publikumswirksam sind und den Volksfestplatz voll machen. 19 Euro pro Auto kostet der Eintritt für alten Content, den ich bereits gesehen habe. Eine echte Zwickmühle für alle Beteiligten. Ich hätte mich über Rennfilme wie LeMans, LeMan 66, Rush, Cars oder unbedingt American Graffiti gefreut – aber die sind bisher nicht vorgesehen.
Als Filmfan würde ich mir vielleicht the Big Lebowski von 1998 (!) ansehen, weil ich den Dude und den Film Noir gut finde. Aber nur, wenn ich mit meinem Auto weit vorne bin. Der Volksfestplatz in Fürstenfeldbruck ist keine Theresienwiese, aber wenn ich mit einem Auto hinten stehe, dann ist die imposante Leinwand doch gar klein. Dann kann ich mir den Film auch auf dem iPad ansehen. Immer wenn ich Papataxi bin und auf meine musikalischen Kinder warte, die beim Unterricht sind, habe ich meine spezielle Form von Autokino. Ich schau mir am iPad Pro einen Film an. Autokino mit klasse Bild und klasse Ton. Hab ich das wirklich beim realen Autokino auch, wenn ich den Sound über UKW empfange? Der Filmton wird direkt ins Radio des Autos übertragen. Die UKW-Frequenz lautet 90,4 MHz. Ich würde den Sound am Smartphone mit einer Radioapp empfangen und Blauzahn-Boxen mitnehmen, damit ich das Radio auslassen, Autobatterie sparen und guten Sound genießen kann. Laut Bundesnetzagentur gibt es derzeit so viele Anträge auf die Erteilung von Frequenzen für Autokinos wie noch nie. 39 allein für Bayern.
Interessant ist aber bei uns in Fürstenfeldbruck das Politikum, das sich bei der Vergabe für das Autokino abgespielt hat. Es gibt zwei Kinos am Ort, die sich beide für die Veranstaltung beworben haben. Ein Kino wird von München aus betrieben, ein zweites von einer lokalen Unternehmerin. Meiner Meinung nach wäre es die Aufgabe der Stadt gewesen, dem örtlichen Gewerbetreibenden und Gewerbesteuerzahler den Zuschlag zu erteilen. Am Kino hängen 40 Mitarbeiter dran, die in Kurzarbeit sind. Das ist nicht der Fall. Der Münchner Betreiber bekam den Zuschlag und der Verein, der dem Kino nahesteht, sucht jetzt freiwillige Helfer, die Platzanweiser machen oder plakatieren. Ich selbst bin bei diesem Verein Mitglied.

Aber was mich noch mehr beschäftigt: Die Stadt hat einen großen Etat für Volksfeste, Altstadtfeste usw., der aufgrund Corona nicht ausgeschöpft wird. Warum organisiert die Stadt nicht das Autokino als kulturelle Aufgabe für die Bevölkerung und beauftragt die beiden örtlichen Kinos mit der Durchführung? Das wäre Kulturförderung im wahrsten Sinne des Wortes. So muss in Corona-Zeiten bei leeren Kassen von privater Seite wieder investiert werden. Das ist aus meiner Sicht komplett verfehlte Kulturpolitik und ein Armutszeugnis für meine ehemalige Heimatstadt und die politisch Verantwortlichen.
Übrigens: Hupen im Autokino Fürstenfeldbruck verboten. Dennoch wünsche ich den Besuchern viel Spaß.

Zur Transparenz: Ich bin Mitglied in der IG Lichtspielhaus und habe bis Juli 2019 den Blog des Scala-Kinos betrieben. Und dieses nette Bild Vom WDR wollte ich nicht vorenthalten:

 

Buchtipp zu Corona: Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit von Tine Acke

21. Mai 2020
Moderne Konzertfotografie und Dokumentation von Udo Lindenberg.

Moderne Konzertfotografie und Dokumentation von Udo Lindenberg.

Verständlicherweise werden aufgrund Corona reihenweise Konzerte abgesagt oder verschoben. Dafür habe ich Verständnis. Um dieser Situation als Konzertgänger wenigstens etwas Positives abgewinnen zu können, ziehe ich mich mit Live-Aufnahmen aufs Sofa zurück und blättere Fotobücher von Konzertveranstaltungen durch.
Und ich habe in meinem Bücherschrank gegriffen und mir das imposante Buch Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit, Der Bildband zur großen Stadiontour herausgeholt. Ich bin ein Fan der alten Lindenberg-Platten und respektiere die neuen Aufnahmen. Konzerte des neuen Lindenbergs habe ich mir nie angeschaut. Aber ich freue, dass der alte Recke noch einmal großen Erfolg hat.

Wenn ich den Fotoband Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit mir so durchschaue, bin ich neidisch auf die Fotografin Tine Acke. Sie kommt nah ran, richtig nah ran. Das ist aber kein Wunder, denn Tine Acke ist die Lebensgefährtin von Udo Lindenberg und hat dadurch eine gewisse Sonderstellung unter den Konzertfotografen. Und sie nutzt diese Sonderstellung schamlos aus, was vollkommen okay ist. Aber Tine Acke ist auch ohne diese Position eine absolute Top-Fotografin. Technisch hoch professionell, aber vor allem voller Energie und Empathie. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich die Stadiontour nicht besucht habe, auch wenn ich die neue Musik von Lindenberg nicht so mag. Aber es wurden ja nicht nur neue Songs gespielt. Die Show muss einfach stark gewesen sein, wenn ich den Bildband so betrachte.
Anders als zu früheren Zeiten, in denen der wackere Musikant einfach die Bühne betrat, sind die modernen Shows perfekt durchchoregrafiert. Das wird in dem Buch wunderbar deutlich. Das Buch wurde im 16:9-Format gedruckt und entfaltet dadurch seine Wirkung um so mehr. Mitglieder des Panikorchesters kommen dort ebenso vor, wie der Chef selbst – mal in Starpose, mal privat in Unterhose (aber immer mit Hut). Dabei gibt es immer wieder die netten Zeichnungen von Lindenberg, die für mich zwar keine große Kunst sind, aber unheimlich Spaß machen und die er für gutes Geld unters Volk bringt. Hier hat er von seinem verstorbenen Bruder Erich Lindenberg gelernt. Während Erich als Künstler wenig Erfolg hatte, schaffte es Udo dafür um so mehr.
In seinen Konzerten und damit auch im Buch gibt es ausgefeilte Licht- und Stellproben. Mit kleinen Männchen wird auf einer Minibühne geprobt – ein Männchen hat sogar einen Hut auf. So gelingt Tine Acke ein schöner Blick hinter die Kulissen des modernen Showgeschäfts. Sex, Drugs und Rock‘n Roll sind der Professionalität gewichen und Udo hat nach seiner Suff-Phase die Kurve bekommen.
Aber nicht nur die Bilder sind klasse. Auch die Textbeiträge können sich sehen lassen. Benjamin von Stuckrad-Barre aber vor allem der von mir sehr verehrte Tim Pröse haben Gedanken zu Papier gebracht. Ich habe gleich darauf zum Buch Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre gegriffen, der sehr eng an Udo Lindenberg gebunden war und selbst abstürzte. Eindrucksvolles Buch und ich stelle nach der Lektüre fest: Ich führe ein langweiliges Leben. Journalistenkollege Tim Pröse schreibt Udo Lindenberg in seinem Buch Samstag Abend Helden sehr einfühlsam. Ich habe mal eine Lesung mit ihm erlebt und gefilmt.

Aber zurück zum Bildband Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit. Das Buch hat bei mir nicht nur die Lust auf Musik geweckt, es hat bei mir auch wieder die Lust auf Fotografie geweckt. In der Vergangenheit durfte ich einige Konzerte fotografieren. Ich denke, ich werde mich wieder mehr mit Licht und Schatten und Bildkomposition beschäftigen. Danke Tine Acke für diese Inspiration.

Corona-Virus: Tag 45 der Ausgangsbeschränkung – Krise als Chance nutzen

5. Mai 2020
Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Kleine Läden setzen auf Online-Shops.

Am liebsten wollen einige die Corona-Krise vergessen und schnell hinter sich bringen. Am besten so weitermachen, wie vor dem Start von Corona und Ausgangsbeschränkung gelebt und gewirtschaftet wurde. Ich denke, ein weiter so wird es in vielen Bereichen nicht geben. Corona hat die Schwachpunkte der Digitalisierung in unserer Gemeinde Maisach eklatant aufgedeckt. Und in der Krise liegt jetzt eine Chance.
Viele Einzelhändler und Gaststätten hatten keine aktuelle Website nach dem Motto, so was brauchen wir nicht, denn unser Geschäft ist die Laufkundschaft. Doch wie soll der Kunde wissen, was man im Angebot hat? Ein paar Posts in Facebook und vor allem Facebook-Gruppen – das war es dann auch schon mit dem digitalen Kommunikationskonzept.

Mein Gefühl bei meinen Gesprächen war, dass Digitalisierung was unangenehmes ist. Die Zeit sollte zurückgedreht werden. Dabei sehen wir doch, was gerade möglich ist. Vereine machen ihr Vorstandssitzungen virtuell, die Chöre wie die Fridolinspatzen oder der Maisacher Kirchchor proben via Videokonferenzsoftware. Alles Sachen, die vor Corona völlig unmöglich gewesen werden. Homeschooling läuft je nach technischer Ausstattung und Engagement. Ergreifen wir die Chance bei uns im Dorf. Es geht nicht mehr um Schwarz oder Weiß. Wir werden diese unnötige Diskussion nicht mehr führen. „Wir werden das Digitale zu schätzen wissen und es bewusster nutzen, um unser analoges Leben besser zu machen.“

Damit beende ich nach 45 Teilen meine Serie zum Thema Corona und Ausgangsbeschränkung in Maisach. Ich hoffe, der Blog hat Spaß gemacht und Inspiration gebracht. Danke an alle, die mich unterstützt und mitgemacht haben.

 

Corona-Virus: Tag 44 der Ausgangsbeschränkung – Mein Kommentar: Masken achtlos in die Gegend geworfen

4. Mai 2020
Klarer Hinweis bei Alberto.

Klarer Hinweis bei Alberto.

Wer beim Bahnhof Maisach aufmerksam hinschaut, findet immer wieder wild abgelagerten Hausmüll, der dann auf unsere Kosten vom Bauhof entsorgt wird. Seit der Maskenpflicht durch Corona gibt es aber eine neue Art von Müll, die überall in der Gemeinde herumfliegt: Masken und Handschuhe.

Ich verstehe meine Mitmenschen nicht. Achtlos werden Maske oder Handschuhe in die Gegend geworfen. Mir doch egal, wer meinen Dreck aufräumt, lautet wohl das Motto. Da bekomm ich echt Puls. Noch heftiger wird es, wenn Dreckschweine ihre Maske in einem Einkaufswagen liegen lassen und man als nächster Kunde dann den Wagen mit der gebrauchten Maske nutzen soll. Das ist schlichtweg eine Unverschämtheit und eine riesengroße Sauerei.

Die gebrauchten Masken gehören in den Restmüll. Ich habe schon welche beim kleinen Wertstoffhof am Bahnhof gesehen, die im Papiercontainer lagen. Aber nein, gebrauchte Masken eignen sich nicht zum recyceln. Ebenso Taschentücher und Desinfektionstücher – nicht einfach in die Toilette, sondern besser in den Restmüll. Sollte jemand an Corona erkrankt sein, dann Masken und Tücher in einen Plastikbeutel und den gut verschlossen in den Restmüll. Die Müllabfuhr fasst den Müll nicht an und der Restmüll wird in der landkreiseigenen Verbrennungsanlage Geiselbullach automatisiert verbrannt. Jeder händische Kontakt mit dem Müll wird vermieden und dennoch gehören Corona-Masken in einen Beutel.
Was meint ihr? Mich regt es in der Krise maßlos auf, dass manche Mitmenschen sich ungehörig aufführen. Oder ist es der Lauf der Dinge bei Corona und Ausgangsbeschränkung in Maisach?

Corona-Virus: Tag 43 der Ausgangsbeschränkung – Virtuelle Kirchenchorprobe übt via Videokonferenz

3. Mai 2020

„Es tat so gut, die Chormitglieder wieder einmal zu sehen“, gesteht Susanne Grünfelder, die Leiterin des Maisacher Kirchenchors, ein. Durch die Ausgangsbeschränkung in der Corona-Krise konnte sich der Kirchenchor nicht mehr zum gemeinsamen Singen im Pfarrheim treffen. Jetzt geht der Kirchenchor neue Wege im Internet. Via Zoom gab es die erste virtuelle Chorprobe.
„Ich habe mir Online-Seminare des Bayerischen Sängerbundes angeschaut und beschlossen, das ist auch etwas für unseren Kirchenchor“, erzählt Susanne Grünfelder, die seit 2003 den Chor in Maisach leitet. Natürlich unterscheidet sich eine virtuelle Chorprobe von einer Chorprobe im Pfarrheim. Es können nicht alle gleichzeitig singen. „Ich habe alle auf stumm geschaltet und alle hörten meine Stimme und das Klavier. Dann konnte jeder mitmachen und einsteigen“, so Grünfelder über den ersten Chorabend. Gesungen wurde Signum – Singt mit Liebe das Wunder eurer Freude! von Tielman Susato. „Es ist eine andere Art von Chorprobe, aber wichtig war allen die Gemeinschaft. Es hat mich persönlich enorm motiviert“, so Grünfelder.

Der Maisacher Kirchenchor übt via Zoom.

Der Maisacher Kirchenchor übt via Zoom.

Natürlich konnten nicht alle Mitglieder des Kirchenchors daran teilnehmen, weil nicht alle die technische Ausstattung haben oder im Umgang mit der Technik nicht so versiert sind. „Manche ganz alte Mitglieder haben keinen Computer samt Webcam, aber wer will, den binden wir künftig per Telefon zu Zoom künftig ein.“ Das bedeutet, Susanne Grünfelder und der Chor wollen weitermachen. Nächste Probe ist wohl am Mittwoch.

Der Kirchenchor im Dorf geht digitale Wege.

Der Kirchenchor im Dorf geht digitale Wege.

Der Anfang war von technischen Fragen geprägt. Es dauerte eine Zeit bis alle mit der Videokonferenz-Software Zoom klarkamen, aber schließlich klappten alle Kameras und Mikros.“ Es machte den Teilnehmern einen enormen Spaß und dabei kam auch das menschliche nicht zu kurz. Irgendwann kamen die Kinder von Susanne Grünfelder mal ins Bild und wollten „gute Nacht“ sagen – „wahrscheinlich sind sie so neugierig gewesen, was die Mama da macht“, berichtet Susanne Grünfelder. Gestört hat diese Unterbrechung aber keinen der Teilnehmer. Kinder gehören einfach dazu und natürlich habe man geschaut, was im Hintergrund abläuft, wie die anderen Chormitglieder so wohnen.
Unterschätzen darf man diese Chorproben allerdings nicht. Videokonferenzen kosten Kraft und Aufmerksamkeit. Die Abläufe müssen klar sein, alle müssen sich an Regeln halten. „Wenn alle Mikros an sind und alle durcheinander reden, dann ist schnell Chaos da.“
Aber es sei schon interessant, was durch Corona alles möglich ist. Virtuelle Chorproben hätte es früher nicht gegeben, durch die Krise werden alte Ängste über Bord geworfen und neue Wege beschritten. Die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperre für Gottesdienste sind ja jetzt durch die Staatsregierung gelockert worden. Dennoch ist der Auftritt des Kirchenchors im Gottesdienst noch untersagt.
„Wir freuen uns auf unser nächstes Treffen in Zoom und irgendwann auch wieder mittwochs im Pfarrheim Maisach von 20 bis 21:30 Uhr“, so Susanne Grünfelder.

Corona-Virus: Tag 42 der Ausgangsbeschränkung – Homeschooling belastet das Familienleben

2. Mai 2020

Corona bedeutet nicht nur für Schüler und Lehrer den Ausnahmezustand. Nein, auch die Eltern sind im Homeschooling gefordert. Neben dem Beruf, den sie im HomeOffice ausüben, fallen eine Betreuung der Kinder sowie andere Haushaltsabläufe an. „Das geht ganz schön an die Substanz“, wie die Maisacherin Dr. Larissa Tetsch zugibt.
Zusammen mit ihrem Mann hat sie drei Kinder im Grundschulalter: Flora (6), Elsa (8) und Timo (9). Sie besuchen die erste, zweite und dritte Klasse der Grundschule Maisach und müssen nun zu Hause betreut werden. Homeschooling nennt sich das Verfahren neudeutsch. Früher hieß es Fernunterricht.

Larissa Tetsch mit ihren Kindern Von links nach rechts: Flora (6), Timo (9) und Elsa (8).

Larissa Tetsch mit ihren Kindern Von links nach rechts: Flora (6), Timo (9) und Elsa (8).

„Die Lehrer geben sich alle Mühe und nach den Osterferien hat sich die Versorgung mit Aufgaben für die Schulkinder verbessert“, erklärt Larissa Tetsch. Sie ist Doktor der Biologie und als Chefredakteurin eines Biologiemagazins quasi eine Kollegin von mir aus dem B2B-Umfeld. Sie hat ihr Redaktionsbüro in Maisach und steht unter dem klassischen Termindruck einer Heftproduktion, die trotz Corona weitergeht. Ihr Mann ist Gymnasiallehrer, der seine Schüler betreut.
„Die Kinder brauchen eine enge Betreuung. Einfach die Aufgaben in die Hand drücken, geht natürlich nicht. Es muss vieles vorgelesen und erläutert werden. Zudem muss immer wieder motiviert werden, das kostet Zeit und Kraft“, erzählt Larissa Tetsch. Ein Teil der Lehrer schickt klassische Arbeitsblätter per Mail, andere bieten Aufgaben per App an. „Homeschooling ist uneinheitlich und wirkt improvisiert. Aber das ist kein Fehler der Lehrer, die sich wirklich alle Mühe geben. Aber es gibt kein Konzept einer digitalen Schule.“
Das Schulgebäude in Maisach darf von Eltern und Kindern nicht betreten werden, also besteht der Kontakt zu den Lehrern rein virtuell. Und bei drei Kindern und zwei arbeitenden Erwachsenen kommt es auch zum Engpass an Endgeräten wie Computer, Smartphone oder Tablets. Und es kommt auch zu Tonerproblemen, wenn Arbeitsblätter reihenweise und in Farbe ausgedruckt werden müssen. Korrekturen werden dann von den Eltern durchgeführt. Manche Lösung wird per Foto-Mail an die Lehrer geschickt.
Zusätzlich stehen Zoom-Konferenzen mit den Lehrern auf dem Programm. Diese überschneiden sich auch, so dass nicht alle Kinder daran teilnehmen können – von der Bandbreite ganz zu schweigen, denn die Arbeit im HomeOffice muss ja weitergeben. „Ich kann die Kinder ja nicht einfach in eine Zoom-Konferenz mit ihrem Lehrer setzen und erwarten, dass sie wie Erwachsene funktionieren. Also muss Mama oder Papa dabei sein. Solche Konferenzen über das Internet motivieren die Kinder enorm, kosten aber Zeit der ganzen Familie.“ Das bedeutet ein neues Familienmanagement, da ja der Hort wie auch die Schule geschlossen ist. „Unser Leben hat sich durch Corona komplett geändert“, sagt Larissa Tetsch. Die Kinder wünschten sich Oma und Opa zu sehen, was aber durch die Kontaktsperre natürlich nicht geht.

Die Situation ist nicht nur in der Familie Tetsch so. Auch anderen geht es ähnlich – sicher auch uns. Gut, meine Aufträge sind alle weggebrochen, so dass ich mehr Zeit für die Betreuung der Kinder und Eltern habe. Aber jetzt zeigen erste Ergebnisse einer Studie, dass viele Eltern die Beziehung zu ihren Kindern durch das Homeschooling belastet sehen. Der Unterricht zuhause wird zudem vor allem von den Müttern gestemmt.
Die Ergebnisse einer Studie der Uni Koblenz-Landau sind ernüchternd: Ein Viertel der Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder während der Corona-Krise zuhause betreuen, sehen durch das Homeschooling eine Belastung der Beziehung zu ihren Kindern. Die Mehrheit der deutschen Familien (63 Prozent) betreibt täglich rund drei Stunden mit Homeschooling – und das alles neben dem Beruf.
Während die Abschlussklassen seit Montag wieder in die Schule müssen – trotz Corona und Ausgangsbeschränkung. Ich halte das für einen Fehler und hab auch darüber gebloggt. Das hat für mich auch kein Konzept. Insgesamt zeigt sich, dass Digitalisierung in Deutschland konzeptionslos ist – leider.

Corona-Virus: Tag 41 der Ausgangsbeschränkung – Maisacher Maskenball

1. Mai 2020

Die Woche neigt sich dem Ende zu und die ersten Erfahrungen in Sachen Maskenpflicht liegen hinter uns. Mein subjektiver Eindruck: Die Maisacher machen mit.
Wenn ich bei der Ausgangsbeschränkung durch Corona das Haus zum Einkaufen verlasse, ist mein Ritual um einen Handgriff erweitert. Neben Smartphone, Geldbörse und Schlüssel gehört auch der Griff zur Maske dazu. Sie liegt in einem Plastikbeutel griffbereit. Ich habe mehrere Masken in meinem Besitz und Abends erfolgt das familiäre Ritual des Auskochen der ganzen Maske im Topf auf dem Herd. 5 Minuten Maskenauskochen und dann zum Trocknen aufhängen und anschließend bügeln. Als ob man noch nie etwas anderes gemacht hat.

Für mich als Brillenträge war das Atmen unter der Maske gewöhnungsbedürftig. Nicht weil ich nach Luft schnappe, sondern weil meine Brille beschlägt. Inzwischen habe ich aber die Technik raus und es funktioniert. Hier meine aktuelle Maskenauswahl:

Der Maisacher Einzelhandel hat entsprechende Hinweisschilder zur Maskenpflicht aufgehängt und ich habe von keinen Problemen gehört. Das Gemaule und Granteln gehören wohl dazu. Anfangs war der Blickkontakt in den Geschäften vielleicht noch etwas scheu, nach ein paar Tagen ist die Normalität des Maskentragens eingekehrt. Ein ungewöhnlicher Maskenball in Maisach.

Und es entwickelt sich ein Kennerblick. Welche Maske hat mein Gegenüber? Hat er/sie die Maske selbst gemacht oder gekauft? Ich habe eine Maske mit Beatles-Motiv gesehen und war schlagartig neidisch. Und natürlich gab es auch Masken mit blauweißer Raute, damit jedem klar ist, aus welchem Bundesland der Maskenträger ist.

Spende an die Maisacher Tafel
Auch die Maskenproduktion im Dorf schreitet voran. In meinem Blog habe ich ja Carmen Convent vorgestellt. Sie versprach mir, dass sie bei 500 Euro Einnahmen diese Summe der Maisacher Tafel spenden würde. Carmen Convent hat ihr Wort gehalten. Am Dienstag trafen wir uns – mit ausreichendem Abstand – bei der Maisacher Tafel vor dem Maisacher Rathaus zur symbolischen Scheckübergabe. Carmen Convent überreichte den Scheck an Normann Wenke von der Tafel sowie sein Stellvertreter Michael Fiedler. Es werden rund 250 Personen insgesamt durch die Tafel betreut, nicht nur aus Maisach, sondern auch aus dem Hinterland.

Corona-Virus: Tag 40 der Ausgangsbeschränkung – Bücherei ohne Online-Leihe, schade

30. April 2020

Am Montag 4. Mai fährt Maisach langsam wieder hoch. Trotz Ausgangsbeschränkung und Corona wird der Parteienverkehr im Rathaus wieder aufgenommen, natürlich mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstand und Zugangsbeschränkung. Bürgermeister Hans Seidl hat sich dazu ausführlich in einem Facebook-Post und auf der Website der Gemeinde geäußert.


Auch die Gemeindebücherei soll dann wieder geöffnet haben. Ich mag die Lesungen in unserer Bücherei und die Leiterin Beate Seyschab und ihr Team machen einen guten Job in mitten ihrer 20.000 Medien. Aber durch Corona ist das Manko der fehlenden Digitalisierung in Maisach aufgetreten. Es gibt in der Gemeindebücherei keine Online-Ausleihe von digitalen Büchern, Zeitschriften oder Hörspielen. Es ist alles analog, ganz wie zu alten Zeiten.

Die Fristen für entliehene analoge Medien verlängerten sich durch Corona automatisch, aber die Digitalisierung ist Fehlanzeige. Anders als in anderen Städten und Gemeinden kann ich keine EPUBs ausleihen und auf meinem digitalen Endgerät lesen. Das wäre aber in Zeiten von Corona ein hygienischer, eleganter, moderner und zukunftsweisender Weg, der im Moment bei uns nicht gegangen wird.


Bitte kommt mir nicht mit den Argumenten, dass eine Bücherei mit Papierbüchern doch so schön ist. Ja, das ist es, aber es ist eben nicht alles.
Also habe ich meine eBooks über Amazon gekauft oder geliehen. Das klappt reibungslos und unkompliziert. In der Zeit der Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperre habe ich ja Zeit zu lesen und mich geistig zu beschäftigen. Der Lockdown hat nicht nur die Nachfrage auf dem E-Book-Kaufmarkt belebt, auch der Bibliotheksverleih hat in dieser Zeit kräftig angezogen. Das zeigen die aktuellen Zahlen der vom Bibliotheksdienstleister EKZ/Divibib organisierten Onleihe, über die Nutzer elektronische Medien wie E-Books, Hörbücher und E-Paper ausleihen können. Aber wir in Maisach spielen dabei nicht mit. Ein stationärer Buchhandel ist in Maisach zudem nicht vorhanden und würde sich auch nicht lohnen. Wenn ich einen Buchladen auf einem Dorf eröffne, kann ich mein Geld als Unternehmer gleich verbrennen.

Wer genau hingesehen hat, konnte in den vergangenen Wochen am Straßenrand in der Gemeinde ab und zu Bücherkisten entdecken. Da haben wohl Familien in der Corona-Zeit den Keller oder Bücherschrank ausgeräumt und Bücher auf die Gartenmauer gestellt – zum kostenlosen Mitnehmen. Finde ich eine tolle Idee.


Und der öffentliche Bücherschrank bei Edeka Leich versorgt Lesehungrige mit analogen Bücherfutter. Bei meinen Einkäufen schaue ich immer in den Schrank hinein, lege Bücher ab und suche nach neuem Lesefutter. So dann und wann habe ich etwas interessantes für mich gefunden. So ein Bücherschrank funktioniert, wenn alle mitmache. Also Bücher hineinstellen und Bücher herausnehmen – also ein Kreislauf. Hier ein Film von 2017 als der Bücherschrank eingeführt wurde.

Corona-Virus: Tag 39 der Ausgangsbeschränkung – Freibad bleibt erst einmal geschlossen

29. April 2020

Das Maisacher Freibad ist eines der absoluten Pluspunkte an meinem Wohnort. Dieses Bad ist für mich Luxus pur und viele Freunde beneiden uns für dieses geniale Bad. Durch die Ausgangsbeschränkung und Corona bleibt das Bad in Maisach erst einmal geschlossen, aber die Gemeinde bereitet sich hinter den Kulissen auf eine mögliche Öffnung vor.
Fällt die Badesaison wegen Corona aus? – diese Frage stellen sich die Maisacher. Im Mai beginnt offiziell die Freibadsaison, doch in diesem Jahr wird der Start im Freibad Maisach (zunächst) ausfallen. Wer keinen Pool im Garten hat, muss darauf erst mal verzichten. Wegen der Corona-Pandemie bleibt vorerst alles noch zu.

Aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Auf der Website der Gemeinde werden Bademeister und Rettungsschwimmer für das Freibad gesucht. Das ist ein klares Zeichen, dass die Gemeinde sofort öffnen will, wenn es von staatlicher Seite erlaubt ist. Sicherlich gelten Abstandsregeln in dem weitläufigen Areal weiterhin. Die Bad- und Liegewiesen haben großzügige 17.300 Quadratmeter. In Abstimmung mit den Experten aus den medizinischen und infektiologischen Fachbereichen werde über eine Öffnung der bayerischen Bäder entschieden, teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit. Die Probleme sind wohl der Beckenrand oder die Duschgriffe. Ach ja – es gilt ja weiterhin die Ausgangsbeschränkung, obwohl sich immer weniger Leute daran halten.
Bürgermeister Hans Seidl kommentierte in Facebook die Situation mit den Worten: „Unabhängig von der derzeit bestehenden Nutzungsuntersagung von Badeanstalten bereiten wir unser Freibad weiterhin auf den Betrieb vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Badeanstalt, wo sich mehrere hundert Menschen auf engem Raum begegnen geöffnet werden dürfen, halte ich derzeit für gering. Aber sollte es eine Möglichkeit geben, wollen wir auch ohne zeitliche Verzögerung gerüstet sein.“ Freilassings Freibad dagegen bleibt für die Saison komplett geschlossen – das haben die Verantwortlichen beschlossen.
Persönliches Highlight im Freibad waren die Frühbadetage. Dienstags und donnerstags wurden in der Vergangenheit Frühbadetage von 06.00 Uhr bis 08.00 Uhr angeboten. Hier war Schwimmen für mich wunderbar möglich.

Corona-Virus: Tag 38 der Ausgangsbeschränkung – Friseure öffnen unter strengen Auflagen

28. April 2020
Ich muss dringend zum Friseur. Hier vor dem Küchenwagen von Mörz am Volksfestplatz FFB.

Ich muss dringend zum Friseur. Hier vor dem Küchenwagen von Mörz am Volksfestplatz FFB.

Am Montag, 4. Mai, ist es so weit. Die Friseure in Bayern dürfen wieder öffnen. Eine ganze Branche bereitet sich auf haarige Kundinnen und Kunden vor. In Maisach stehen die Innungsfriseure in den Startlöchern, darunter Karolins Frisierstudio, Maisacher Friseurladen und Haarmanufaktur – Haarstudio Wieser .

Bis aber wieder geschnitten, frisiert und gefärbt  werden darf, müssen Friseure ein genaues Hygienekonzept erfüllen. Nur dann dürfen sie wieder Kunden in den Salons bedienen. Das Konzept wurde von der Berufsgenossenschaft BGW mit dem Zentralverband der Friseure erarbeitet. Auch der bayerische Landesinnungsverband, der in Fürstenfeldbruck sein Büro hat, arbeitete gehörig mit und wurde dafür von Ministerpräsident Söder mehrmals öffentlich gelobt.

Es wurde in der vergangenen Woche viel in den Salons vorbereitet. So müssen nun Plätzen eingerichtet werden, an denen sich die Kunden die Hände waschen/desinfizieren können. Die Wartezonen wurden gesperrt und Bodenmarkierungen für den notwendigen Abstand angebracht. Bevorzugt wird bargeldlose Zahlung. Wichtig für den Kunden in Maisach: Termine dürfen nur nach vorheriger telefonischer/digitaler Vereinbarung stattfinden – wer ein Online-Buchungssystem hat und rechtzeitig auf Digitalisierung gesetzt hat, der gehört klar zu den Gewinnern. Das ist überall im Mittelstand so – es mussten viele Mittelständler die mangelnde Innovationsbereitschaft büßen. Es gibt auch keine Bewirtung oder Getränkeservice sowie keine Zeitschriften beim Friseur mehr. Wer sich interessiert, welche Auflagen die Friseure haben, kann sich hier informieren. Das Dokument regelt in 17 Punkten unter anderem die Organisation der Tätigkeiten im Salon, besondere Infektionsschutzmaßnahmen, den Zutritt der Kunden zum Salon, persönliche Schutzausrüstung, Schutzabstände sowie Reinigung und Desinfektion. Auch wichtig: Es werden künftig keine trockenen Haare mehr geschnitten. Die Haare der Kunden werden im Salon gewaschen und es gibt keine Ausnahmen.
Der Schock saß tief, als Friseursalons schließen mussten. Ich sprach vor kurzem mit Josef Wieser, Friseurmeister und Chef der Haarmanufaktur – Haarstudio Wieser in der Maisacher Schillerstraße. „Das Ausmaß war für keinen absehbar“, so Wieser. „Es war im ersten Moment eine Katastrophe und man bekommt Panik und Existenzängste.
Als die Geschäfte geschlossen hatten, war es wichtig, das Team zusammen zu halten und den Spirit aufrecht zu erhalten. „Ständige Kommunikation mit dem Team“ war an der Tagesordnung, erzählt Wieser. „Natürlich war Verunsicherung da“, gibt Wieser zu. „Man wusste nicht, wie geht man damit um.“ Wieser und sein Team haben die Zwischenzeit genutzt und mit Videokonferenzen gearbeitet, um alle auf dem gleichen Stand zu halten. Ich habe mit Josef Wieser ein ausführliches Videointerview geführt.

Jetzt gilt es bis 4. Mai auf einen Friseurbesuch zu warten. Auch wenn der Kunde noch so drängt: Bis 4. Mai sind in Bayern Friseurdienstleistungen untersagt. Immer wieder hört man, dass Kunden auf die Friseure Druck ausüben und um einen Friseurhausbesuch nachfragen. „Das ist eindeutig verboten“, stellt Josef Wieser klar. „Wer Haare schneidet, der wird gekündigt.“ Der geforderte Mindestabstand von 1,5 Metern ist auch zu Hause bei der Friseurdienstleistung nicht einzuhalten. Zudem sind beim Friseurhausbesuch die Hygienestandards weniger kontrollierbar als in einem Salon.

Wer gegen die Allgemeinverfügung der Staatsregierung verstößt, kann mit einer Geldbuße in Höhe bis zu 25.000 Euro belegt werden. Oder es drohen bis zu fünf Jahre Haft, wenn jemand infiziert wird. Im Interesse der Gesundheit aller sollten Verstöße nicht geduldet, sondern zur Anzeige gebracht werden. Und es wurden schon einige erwischt.