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Die Sieben Zeilen – wo Nürnberg den Alltag seiner Weber bewahrt

24. Juli 2026

Wer heute durch die Nürnberger Altstadt geht und zwischen den alten Häusern, schmalen Straßen und stillen Winkeln die Sieben Zeilen entdeckt, begegnet einem Stück Stadtgeschichte, das leicht übersehen werden kann. Hier stehen keine mächtigen Patrizierhäuser, keine prunkvollen Paläste und keine weithin sichtbaren Türme. Die kleinen Häuser erzählen vielmehr vom Leben jener Menschen, deren Namen nur selten in Chroniken auftauchen: von Webern, Handwerkern und ihren Familien, die über viele Generationen hinweg mit ihrer Arbeit zum Wohlstand der alten Reichsstadt beitrugen. Bei einer Stadtführung eines Kollegen staunte ich nicht schlecht über diese Häuser.

Die Sieben Zeilen gelten als eine der frühesten planmäßig errichteten Arbeiterwohnsiedlungen Deutschlands. Ihre Entstehung geht auf das ausgehende 15. Jahrhundert zurück. Bereits im Jahr 1488 fasste der Nürnberger Rat den Beschluss, Weber aus dem schwäbischen Raum für die Stadt zu gewinnen. Nürnberg war damals eine bedeutende Handels- und Handwerksmetropole, wollte aber auch sein Textilgewerbe weiter ausbauen. Besonders gefragt waren Fachleute aus Augsburg und Ulm, die sich auf die Herstellung von Barchent verstanden – eines Stoffes, der aus Baumwolle oder einer Mischung aus Baumwolle und Leinen hergestellt wurde und häufig eine flanellartige Oberfläche besaß.

Ein Jahr später, 1489, ließ die Stadt auf dem verfüllten inneren Stadtgraben zunächst fünf parallel verlaufende Häuserzeilen errichten. Jede dieser Reihen bestand aus drei Weberhäusern. Der Bau dieser Siedlung war für die damalige Zeit bemerkenswert, doch er entstand nicht in erster Linie aus sozialer Fürsorge. Der Nürnberger Rat verfolgte vor allem wirtschaftliche Ziele: Die angeworbenen Weber sollten dauerhaft in der Stadt angesiedelt werden und dem Nürnberger Textilgewerbe neue Impulse geben. Die Sieben Zeilen waren somit zugleich Wohnort, Werkstattviertel und wirtschaftspolitisches Projekt der Reichsstadt.

Das neu erschlossene Gelände lag am sogenannten Treibberg. Weil dort nun zahlreiche aus Schwaben stammende Weber lebten, erhielt das Gebiet bald den Namen Schwabenberg. Zunächst sprach man von den Häusern „Zwischen den Zeilen“. Im Jahr 1524 wurden die fünf bestehenden Reihen um zwei weitere ergänzt. Aus den ursprünglich fünf Häuserzeilen wurden damit jene sieben Reihen, die dem Viertel schließlich seinen bis heute erhaltenen Namen gaben: die Sieben Zeilen.

Das Leben in diesen Häusern war bescheiden und eng mit der täglichen Arbeit verbunden. Die zweigeschossigen Gebäude waren so angelegt, dass sich die Webstühle und Lagerräume im Souterrain beziehungsweise im Keller befanden. Dort standen die schweren hölzernen Webstühle, dort wurden Garne aufbewahrt und fertige Stoffe gelagert. Man kann sich vorstellen, wie aus den niedrigen Arbeitsräumen das gleichmäßige Klappern der Webstühle nach draußen drang und sich mit den Stimmen der Nachbarn, dem Rufen der Händler und dem Lärm der nahen Stadt vermischte.

Über den Arbeitsräumen lagen jeweils zwei kleine Wohnungen mit einer Fläche von ungefähr 45 Quadratmetern. Jede Wohneinheit bestand lediglich aus einer kleinen Küche, einer Stube und einer Kammer. Küche und Wohnraum wurden durch einen gemeinsamen Ofen beheizt. Hier lebten Familien auf engem Raum, hier wurde gekocht, gegessen, geschlafen und gearbeitet. Privatleben und Broterwerb ließen sich kaum voneinander trennen. Erst im 19. Jahrhundert wurden auch die Dachgeschosse der Häuser ausgebaut und als zusätzlicher Wohnraum genutzt.

Die kleinen Wohnungen mögen aus heutiger Sicht beengt erscheinen. Doch sie boten den Weberfamilien ein festes Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, Arbeit und Wohnen an einem Ort zu verbinden. Zwischen den eng nebeneinanderstehenden Häusern entwickelte sich zwangsläufig eine besondere Nachbarschaft. Man wusste, wer krank war, wer Nachwuchs bekommen hatte, bei wem der Webstuhl stillstand und wer gerade einen großen Auftrag erhalten hatte. Türen und Fenster lagen dicht beieinander. Das Leben spielte sich nicht nur in den Stuben, sondern auch zwischen den Häuserzeilen ab.

Über Jahrhunderte blieben die Sieben Zeilen mit dem Weberhandwerk verbunden. Die Barchentweber lebten dort bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit. Diese Epoche endete zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Nürnberg seine politische Selbstständigkeit verlor und Teil des Königreichs Bayern wurde. Anschließend verkaufte die Stadt die Anwesen an private Eigentümer. Das Viertel wandelte sich, doch die kleinen Häuser und die Straßenstruktur erinnerten weiterhin an seine Ursprünge.

Auch die Namen der umliegenden Straßen bewahrten die Erinnerung an die Weber. Der untere Teil des ehemaligen Schwabenbergs wurde 1809 beziehungsweise 1810 in Weberplatz umbenannt. Der alte Name Treibberg blieb ebenfalls erhalten und findet sich bis heute in einem westlich der Sieben Zeilen gelegenen Straßenzug. So tragen selbst die Straßenschilder die Geschichte des Viertels weiter.

Dann kam der Zweite Weltkrieg und mit ihm die nahezu vollständige Zerstörung der Nürnberger Altstadt. Bei den Luftangriffen der Jahre 1943 bis 1945 wurden 19 der insgesamt 21 Weberhäuser der Sieben Zeilen zerstört. Von der jahrhundertealten Siedlung blieben nur zwei Gebäude im Original erhalten. Die vertrauten Hausreihen, in denen Generationen gelebt und gearbeitet hatten, verwandelten sich in Trümmer.

Nach dem Krieg entschied man sich jedoch, die besondere Struktur der Siedlung wieder sichtbar zu machen. Die zerstörten Häuser wurden bis 1966 maßstabsgetreu wieder aufgebaut. Dadurch kehrte das vertraute Bild der parallelen Häuserzeilen in die Nürnberger Altstadt zurück. Der Wiederaufbau war Ausdruck des Wunsches, nicht nur einzelne bedeutende Bauwerke, sondern auch die Spuren des alltäglichen Lebens vergangener Jahrhunderte zu bewahren.

Umso tragischer ist das Schicksal der beiden letzten originalen Weberhäuser. Sie hatten den Krieg überstanden und waren bereits restauriert worden. Später erwarb der Berliner Architekt Walter Hötzel die unterste Häuserzeile mit den Hausnummern 2 bis 6. In den Jahren 1972 und 1973 ließ er die beiden noch aus dem 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert stammenden Originalgebäude abreißen. Gegen den Verlust regte sich massiver Protest der Nürnberger Altstadtfreunde, doch der Abriss konnte nicht verhindert werden. Damit verschwanden die letzten authentischen baulichen Zeugen dieser frühen Arbeiterwohnsiedlung unwiederbringlich.

Was heute in den Sieben Zeilen zu sehen ist, ist deshalb größtenteils eine Rekonstruktion. Doch die historische Anordnung der Häuser, ihre bescheidenen Dimensionen und die bis heute bestehende Straßenbezeichnung lassen noch immer erahnen, wie dieses Viertel einst ausgesehen haben muss. Die Häuser erinnern an eine Zeit, in der wirtschaftliche Produktion noch nicht in großen Fabrikhallen stattfand, sondern unmittelbar unter den Wohnräumen der Menschen.

Wer heute zwischen den Zeilen hindurchgeht, hört längst kein Klappern der Webstühle mehr. Kein Weber trägt Stoffballen aus dem Keller, kein Kind bringt Garn in die Werkstatt, und aus den kleinen Kaminen steigt kein Rauch mehr von den gemeinsam genutzten Öfen. Dennoch scheint sich zwischen den Fassaden ein Hauch der Vergangenheit erhalten zu haben. Die engen Wege, die schlichten Häuser und die alten Straßennamen erzählen von Arbeit, Entbehrung, Nachbarschaft und dem Wunsch nach einem sicheren Leben.

Die Sieben Zeilen erinnern daran, dass die Geschichte Nürnbergs nicht allein von Kaisern, Kaufleuten, Künstlern und mächtigen Patrizierfamilien geprägt wurde. Sie wurde ebenso von den vielen namenlosen Handwerkern geschrieben, die Tag für Tag an ihren Webstühlen saßen. Ihre Stoffe wurden verkauft, getragen und in alle Welt gehandelt. Ihr eigenes Leben aber spielte sich auf wenigen Quadratmetern zwischen Küche, Stube, Kammer und Werkstatt ab.

So sind die Sieben Zeilen bis heute ein stilles Denkmal des arbeitenden Nürnberg. Sie erzählen von einer Stadt, die früh erkannte, wie wichtig qualifizierte Handwerker für ihren wirtschaftlichen Erfolg waren. Zugleich berichten sie von der Zerbrechlichkeit historischer Erinnerung: vom Verlust durch den Krieg, vom sorgfältigen Wiederaufbau und schließlich vom vermeidbaren Abriss der letzten Originalhäuser.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Melancholie dieses Ortes. Die heutigen Häuser sind nicht mehr jene Mauern, in denen die Weber vor Jahrhunderten lebten. Doch ihr Grundriss, ihre Anordnung und ihr Name bewahren eine Erinnerung, die stärker sein kann als Stein. Wer langsam durch die Sieben Zeilen geht und der Fantasie ein wenig Raum lässt, kann das alte Nürnberg beinahe noch hören: das Knarren der Holzbalken, das Schlagen der Webstühle und die gedämpften Gespräche der Familien, die hier aus einzelnen Fäden nicht nur Stoffe, sondern auch ein Stück Nürnberger Geschichte webten.

Kleine Welten in Streichholzschachteln

1. März 2023

Kleine Welten in Streichholzschachteln

Bei meinem jüngsten Besuch in Hersbruck traf ich auf allerlei Kunst. Beim Spaziergang durch die pittoreske fränkische Stadt entdeckte ich in einem ehemaligen Schaufenster eines Fotogeschäfts kleine Welten in Streichholzschachtel.

diese entzückenden Welten gebastelt hat, weiß ich nicht. Sie standen in der Auslage und sprachen mich sofort an. Kleine Welten mit kleinen Details, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Es war eine Tafel zur Erklärung aufgestellt. Darauf stand: „Die Welt ist klein in diesen Tagen … klein und überschaubar. Doch mit ein bisschen Fantasie werden selbst deine vier Wände zu deinem eigenen kleinen Wunderland.“ Wahrscheinlich entstammten die kleinen Kunstwerke noch aus der Corona-Zeit als man beim Lockdown zu Hause bleiben musste. Es waren die entsprechenden Hashtags dahammbleim stayhome angefügt.

Ich möchte dem Künstler oder Künstlerin danke sagen. Mir haben Dino, Hello Kitty, Love und viele Welten mehr sehr , gefallen. Es ist halt manches Mal die kleine Dinge, die einen Freude machen können. Danke.

Kunstautomat in Hersbruck

27. Februar 2023

Zigaretten sind tödlich, Kunst dagegen nicht. Zigaretten benebeln den Kopf, Kunst befreit den Kopf. Was liegt es da näher als Zigarettenautomaten in Kunstautomaten umzuwandeln? Dies haben sich Ehrenamtliche im fränkischen Hersbruck gefragt und kurzerhand einen Kunstautomaten gegenüber dem Rathaus bei Post/Bürgerbüro zu schaffen. Der Automat selbst ist auch ein Kunstwerk und ist interessant zu betrachten.

Statt Zigaretten gibt es nun Kunst aus den Fächern, geschaffen von regionalen Künstlern. Mit 5 Euro in Münzen ist man dabei und kann sich Kunst ziehen. Nachdem der Automat über drei Jahrzehnte als Zigarettenautomat sein Dasein fristete, tut sich die Mechanik mit der Kunst manches Mal ein wenig schwer. Die Münzen fallen durch und es klemmt mal hier und dort. Aber beim wiederholten Geldeinwurf kommen kleine Kunstwerke heraus.

Wenn eine Schublade blockiert, dann ist das Kunstwerk ausverkauft – das war bei den Zigaretten so und ist bei der Kunst genauso. So gibt es im Moment zum Beispiel niedlichen Ohrhänger von Emsomatic. Der Kunstautomat gefällt mir gut und hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Wer auf dem Laufenden sein will, der kann bei Facebook und Instagram schauen, welche neuen Kunstwerke es gibt

Golfreise mit dem 9 Euro Ticket

2. August 2022

Als begeisterter Bahnfahrer und begeisterter Golfamateur will ich beide Passionen miteinander verbinden. Kann ich mit dem Golfbag und Caddy das 9 Euro Ticket nutzen?

Eine kleine Einschränkung: Ich will nicht direkt zum Golfplatz mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren – das würde bei meinem Heimatclub zwar ohne Probleme funktionieren – ich werde am Bahnhof Nürnberg von einem Kumpel abgeholt und mit dem Auto zum Golfclub Abenberg gebracht.

Zunächst stelle ich fest: Ich habe kein Reisebag. Das bedeutet: Im Grunde muss die gesamte Ausrüstung mit. Aussortieren war mir zu mühsam, nur der Schirm blieb zu Hause in der Box. Es war kein Regen angesagt, doch so richtig leicht ist das Bag dadurch nicht.

Fahrt mit der S-Bahn nach München

Ich wohne außerhalb von München. Die Route sieht vor: S-Bahn München, Umstieg in München Hauptbahnhof und dann Regionalexpress nach Nürnberg – und alles zu Beginn der bayerischen Sommerferien. Es beginnt schon mal damit, dass die S-Bahn-München Verspätung haben sollte. 25 Minuten sagt die Stimme im Lautsprecher, die MVV-App meldet nichts, der Zug rollt ein wie er kommen sollte. Dennoch schon Puls, ob ich überhaupt den Anschluss bekomme, obwohl ich schon eine Bahn früher genommen habe. Ich rolle mit meinen Caddy in den noch leeren Zug – in den Familienbereich. Ich muss gleich den richtigen Einstieg erwischen. Der Radstand des Caddys ist so breit, dass ich im Zug nicht von Tür zu Tür wandern kann. Also aufpassen beim Einsteigen und die richtige Tür nicht verpassen.


Ich sitze, wir fahren Richtung Hauptbahnhof München. Von Station zu Station füllt sich die Bahn mit Menschen, die zur Arbeit müssen. Skeptische Blicke, musternde Blicke der Mitreisenden. Wir kennen Reisende mit Kinderwägen, Reisende mit Surfbrett für den Eisbach am englischen Garten, Reisende mit Gepäck, aber ein Reisender mit Golfbag ist doch eher exotisch in einer oberbayerischen S-Bahn. Warum eigentlich?
Vielleicht erregt mein Aussehen auch für eine gewisse Aufmerksamkeit. Halblange Harris Tweed Hose, Kniestrümpfe von Burlington, Golfhemd (wichtig, mit Kragen) und großer Hut gegen die Sonne Frankens.

München Hauptbahnhof

Nach einer halben Stunde Fahrt kommt der Ausstieg. Mit mir wollen doch einige Menschen aussteigen. Auch zwei Damen mit Kinderwägen sind dabei. Einfädeln zum Aussteigen. Das erste Stück der Reise hat geklappt. Nun die Rolltreppe hoch in das Untergeschoss des Hauptbahnhofs, um zu den Gleisen zu gelangen. Ich blockiere mit meinem Caddy die gesamte Rolltreppe, es kommt keiner an mir vorbei. Eigentlich hätte ich Gemaule erwartet, aber der Münchner ist heute geduldig. Kein Grantler ist unterwegs und Fön haben wir auch nicht, alles gut.
Die Abfahrtshalle des Hauptbahnhofs München war voll. Berufspendler und Reisende zum Ferienstart. Und viele Menschen, die ihr 9 Euro Ticket ausnutzen wollen und das Auto stehen lassen. Die Verkehrswende funktioniert, wenn die Politik jetzt noch nachzieht und das 9 Euro Ticket standardmäßig einführt und nicht alles zerredet.

Ich muss zum Gleis 20 und es ist gar nicht so einfach. Ich komme mir vor, wie ein schwerfälliger Wal. Ohne Caddy hätte ich mich wie ein schlanker Fisch im Wasser verhalten und wäre schnell vorangekommen. Jetzt heißt es: Lücke abwarten, langsam Richtung Gleis entlang tasten und Zeit mitbringen. Und ich muss aufpassen, dass ich keinen Mitmenschen über die Füße fahre.
Der Regionalexpress nach Nürnberg steht schon am Gleis. Jetzt heißt es schnell sein. Leider ist der Wagon mit den Fahrradabstellplätzen schon besetzt. Also rein in einen normalen Wagen und Candy abstellen. Und ganz schnell einen Sitzlatz besetzen, wo ich den Candy im Auge habe. Mit dem 9 Euro Ticket gehört der Sitzplatz im RE zum raren, begehrten Gut. Und als Bahnprofi weiß ich: Der erste Platz ist der richtige Platz.

Fahrt nach Nürnberg im RE

Ich sitze, der Zug ist gut gefüllt. Nicht so stark, wie zu Beginn des 9 Euro Tickets als alle nach Sylt wollten. Alle Sitzplätze sind belegt und auch die Einstiegsbereiche füllen sich von Station zu Station. Ein Geschäftsmann im Anzug neben mir, mustert mich und meinen Caddy. Er fragt nach meinen Handicap. Wir unterhalten uns ein wenig und er lacht über meine Aktion mit den Worten „das ist ja mal was neues“. Er wünscht mir ein gutes Spiel und widmet sich seinen Unterlagen. Ich höre ein Hörbuch. Als zwei Mütter mit einer Schar von kleinen Kindern und einem Kinderwagen den Wagon entern, wird es laut und eng. Die Kinder sind sehr an meinem Caddy interessiert, schieben ihn hin und her und lassen trotz Ermahnung einer der Mütter die Finger nicht von meinem Bag. Gut, dass sie die Bälle nicht sehen. Ich will nicht sagen, dass die zwei Stunden Fahrt wie im Fluge vergehen, aber das Hörbuch half mir dabei, eine Kontrolle gab es keine, Bahn-Sicherheit schaute auch nicht vorbei – und leider gab es zahlreiche Trottel, die ohne Maske unterwegs sind. Ärgerlich solche Egoisten.

Ankunft Nürnberg Hauptbahnhof auf Gleis 9, Endstation – alles aussteigen. Aussteigen, na klar, aber zuvor muss ich zu meinem Caddy kommen. Der Mensch wird zum Tier, wenn er aus einem Zug oder einen Flugzeug aussteigen will. Ich, ich, ich – lautet oftmals die Devise. Wenn der Kinderwagen und mein überbreiter Caddy draußen sind, dann haben wir mehr Luft, doch es drängeln schon die Neueinsteiger in den Zug, der wieder nach München aufbrechen wird.

Interessant ist auch die Spezies Mensch, die den Wagon verlässt, aber dann sofort am Bahnsteig ruckartig und plötzlich stehen bleibt, um zu rauchen oder einfach so alles aufzuhalten. Einmal mit Profis reisen. Ich bewege mich mit dem Strom ins Untergeschoss und trage meine Caddy und Bag die Treppen herunter. Den Aufzug überlasse ich den Kinderwägen.
Mein Golfkollege ist pünktlich, wir verstauen die Golfausrüstung, steigen in sein Auto und ab geht es zum Golfclub Abenberg. Teil eins der Mission erfüllt.

Golfen in Abenberg

Einst im Jahr 1988 wurde der Golfclub Franken Abenberg e.V. durch eine kleine, golfbesessene Gruppe gegründet und mit dem Bau der ursprünglichen 18-Loch Golfanlage begonnen. Später wurde auf 27-Loch und einen 6-Loch-Akademieplatz erweitert. Heute zählt der Golfclub Abenberg e.V. zu den bekannten und geschätzten Golfadressen in der Metropolregion Nürnberg. Wir spielten den Kurs C. Leider hat die Sonne Frankens das Gras ziemlich verbrannt und der Sand der Bunker sind ziemlich hart. Franken braucht Regen. Aber der Platz macht Spaß und ich komme gerne wieder.

Rückfahrt nach Hause

Um 15:30 Uhr stand die Rückfahrt an. Ich wählte die längere Reisezeit von drei Stunden, weil der schnellere Regionalexpress mit zwei Stunden schon mehr als voll war und keiner Platz machen wollte für einen erschöpften Golfer, der einfach nur sitzen und dösen wollte. In meinem Zug bekam ich im Fahrradabteil einen guten Platz für Caddy und Golfer. Radler grinsen über mich, ich grinse zurück. Sie in ihren bunten Klamotten, ich in meinen Harris Tweed – eben Sportler unterwegs. Dann stellt noch ein altes Männlein seinen Rollator ab und setzt sich. Alles gut. Die drei Stunden Rückfahrt döse ich, leere drei Wasserflaschen und denke darüber nach, wie ich mein Handicap verbessern könnte. Golf ist eine Sucht.


München Hauptbahnhof – wieder das Gedränge und die Massen, aber ich habe schon Übung mit meinen Caddy und ich bringe Gelassenheit mit. Natürlich fällt meine S-Bahn aufs Land mal wieder aus. Signalstörung, Reparatur am Zug, Atomkrieg – irgendwas ist mit dieser S-Bahn immer. Der Zug ist voll, richtig voll und ich mitten drin, aber mit Sitzplatz. Der Tag ist mein Freund.

Zu Hause angekommen, das Bag erst mal in die Garage, raus aus den Klamotten und den Kerl frisch gemacht. Fazit: Mein Experiment hat geklappt. Golfen und 9 Euro Ticket funktionieren, wenn man die entsprechende Gelassenheit mitbringt. Und ich habe mir gleich ein Reisebag für 8 Schläger online bestellt, weil nochmal will ich mir eine solche Reise mit meinem Caddy und Bag nicht antun.

Bayreuth: Beste Bratwurst in der Stadt im Bratwursthäuschen

25. März 2018

Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Wenn ich in Bayreuth bin, muss ich zum Bratwursthäuschen.

Franken ist für mich auch gleichbedeutend mit deftiger Kost und als ich jetzt eine halbe Woche aufgrund von zahlreichen Seminaren in Bayreuth weilte, probierte ich sie wieder: Die fränkische Bratwurst. Lecker kann ich euch sagen.
Im Moment warte ich auf den Internet-Metzger Claus Böbel, der in Rittersbach in Mittelfranken eine eigene Bratwursterlebniswelt neben seinen Bratwurstseminaren auf die Beine stellt mit Bratwursthotel (Schlafen unter dem Bratwursthimmel), Im September 2018 soll das die Genusswelt eröffnet werden. Derweil habe ich im oberfränkischen Bayreuth ein paar Bratwürste verköstigt.

Auf den Weg zu Haus Wahnfried überkam mich der Bratwursthunger. Ich ging an zahlreichen roten Buden vorbei, aber ich bliebt wie immer beim roten Bratwursthäuschen stehen. Es befindet sich in der Richard Wagner Straße 8. Die Semmeln oder Brötchen (wie auch immer) waren frisch und die Wurst hat super geschmeckt. Ich probierte erst eine Wurst im Brötchen, dann nahm ich als Nachschlag zwei Würste im Brötchen. Vor dem Bratwursthäuschen bildete sich immer eine Schlange. Diese Schlange bestand nicht nur aus Touristen wie mir, sondern es waren viele Bayreuther darunter, die die Qualität des Bratwursthäuschens schätzen.

Während ich meine erste Wurst genoss, betrachtete ich die Plakate, die aufgehängt waren. Darunter waren die Bratwurst-Schildkröte, die Sensation in der Tierwelt: Die Bratwurst-Schnecke und immer wieder „Guten Appetit“ und „Mund auf“. Und immer wieder fränkisch: „Unsa Bratworscht löscht kann Dorscht! Dess iss worscht. Sie zergeht auf der Zunga und beseitigt jeden Hunga!“ – Impressionen nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“
Und was ich feststellen könnte: Die Bratwürste im Bayreuther Raum sind individuell. Jeder bereitet sie auf seine Art zu. Ich war in Leupoldsgrün im Gasthaus Löhner, dort genoss ich sie auf ausgezeichnetem Kraut.

In Leupoldgrün wurden sie so serviert ...

In Leupoldgrün wurden sie so serviert …

Richtig gut hat sie auch in Creußen im Landgasthof „Im Gärtlein“ geschmeckt, hier war sie ein wenig dunkler und ein Kraut – zum Reinlegen.

... und in Creußen so.

… und in Creußen so.

Also Franken, ich komm wieder.

Buchtipp: Resturlaub von Tommy Jaud

28. April 2017

Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Nette Unterhaltung und mein Buchtipp für heute: Resturlaub

Keine große Literatur, aber für einen Tag nette Unterhalterung mit Lokalkolorit – so sehe ich das Buch Resturlaub: Das Zweitbuch von Tommy Jaud. Eigentlich lese ich solche Art von Romanen gar nicht, aber ich war neugierig.
Bei einem Abendessen mit dem Allgäuer Herrenausstatter Klaus Felbinger auf Einladung von Sabine und Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad kamen wir auf die Franken zu sprechen. Ich arbeite sehr oft in Franken und mein bester Kumpel kommt auch aus Nürnberg. Die Allgäuer stellten fest, dass die Franken so ihre Marotten haben und ich konnte dem nur zustimmen. Da fiel Klaus Felbinger ein Buchtipp ein: Resturlaub von Tommy Jaud. Eine netter, harmloser Unterhaltungsroman, der zum Teil in Bamberg spielt. Nun, Bamberg ist mir gut bekannt, Franken sowieso und auf dem Nachhauseweg von der Esseneinladung bestellte ich mir auf gut Glück das Buch.
Innerhalb eines Tages hatte ich den Roman durch und musste – ich geb es gar nicht gerne zu – zeitweise richtig laut loslachen. Tommy Jaud, der eigentlich aus Schweinfurt kommt, spiegelte die fränkische Mentalität in diesem Buch sehr, sehr gut wider. Hinzu kommen noch Dialekteinflüsse aus Stuttgart und der Spaß ist komplett. Das ganze ist eine Art moderner Männerroman geworden. Ein Mann auf der Flucht vor sich selbst. Er will vor Freundin, Job und drohendem Einfamilienaus aussteigen, flieht nach Argentinien und kommt reumütig nach Bamberg in sein langweiliges Leben zurück. Trotz starker Humoreinlagen eigentlich ein tottrauriges Buch über ein fränkisches Spießerleben.
Wer also in seiner Midlife-Crisis ist, wer aus Franken kommt oder wer mal ein wenig laut loslachen will, der sollte sich dieses Buch für ein paar Stunden reinziehen. Wie gesagt, Resturlaub: Das Zweitbuch ist keine große Literatur, aber harmlose Unterhaltung mit einem – für mich – deprimierendem Ende. Mir hat es ganz gut gefallen.

Wursterlebnisseminar als Weihnachtsgeschenk

15. Dezember 2016

Ein Wurstseminar ist ein tolles Geschenk.

Ein Wurstseminar ist ein tolles Geschenk.

Völlig überraschend kommt am 24. Dezember der Heilige Abend auf uns zu. Und völlig überraschend stellt man sich mal wieder die Frage: Was soll ich schenken? Wir haben doch schon alles.
Ich habe einen kleinen Tipp, der meiner Familie und mir richtig Spaß gemacht hat: Ein Wursterlebnis-Seminar von Claus Böbel. Ich habe ein Seminar bei ihm über seine Website umdiewurst.de gebucht und einen wunderbaren Nachmittag im fränkischen Rittersbach verbracht.


Auf dem Programm stand die Produktion der fränkischen Bratwurst. Nach einer kleinen Betriebsbesichtigung des mittelständischen Betriebes ging es los. Claus Böbel hat sich bundesweit einen Namen als führender Internet-Metzger gemacht. Ich habe ihn schon öfters getroffen und bei ihm Fleisch- und Wurst über das Internet bestellt. eFood ist für den Mittelständler Claus Böbel zu einem zweiten Standbein geworden. In meinem Blog habe ich des öfteren darüber berichtet.


Dann gibt es los: Grüne Mütze im CI von Claus Böbel auf den Kopf, wegen der zahlreichen Fotos für Facebook und Instagram und ab in das Kühlhaus, um das richtige Fleisch auszusuchen. Zug um Zug lernten wir die einzelnen Schritte der Produktion der fränkischen Bratwurst kennen. Aber nicht nur zuschauen war angesagt, sondern vor allem selbst anpacken. Unter den kritischen Augen des Metzgermeisters Claus Böbel wurde das Fleisch geschnitten. Der Umgang mit den extrem scharfen Messern will gelernt sein. Dazu trugen wir Schutzhandschuhe und Schutzwesten aus Metall. Es sah irgendwie nach den alten Rittersleut aus, aber Schutz muss sein. Auch das wussten die Ritter.


Die Ratschläge und Tipps von Claus Böbel zeugen von jahrelanger Erfahrung. Die Mischung von Fachwissen und Geschichten aus der Metzgerei passen perfekt zusammen, bilden und unterhalten zugleich.

Kein Wunder, dass Interessierte aus der ganzen Welt seine Wursterlebnisseminare buchen. Vor kurzem war eine Gruppe Japaner in Rittersbach zu Gast, um die fränkische Wurst zu produzieren.


Das Fleisch wurde in handliche Würfel geschnitten, gewürzt und dann durch einem Fleischwolf gelassen. Nicht so ein Haushaltsding, sondern ein richter Kaventsmann. Und nun kam der erste Gang. Es gab schmackhaftes Rindfleisch – mit gehackten Zwiebel eine Delikatesse. In Franken heißt es Bratwurstgehäck und ist mit frischem Brot eine echte Wucht.


Dann kam schon die nächste Attraktion. Claus Böbel brachte eine grüne Kiste mit allerlei Gewürzen hervor. Hier konnten wir unsere eigene Wurstkreation erstellen. K1/2 versuchten es mit Schokolade und Bratwurst, andere setzten auf eine mediterrane Variante und ich würzte kräftig mit Chilli. Ich sollte diese Tat später bereuen, aber ich mag es nunmal scharf. Die Idee ist genial – die eigene Bratwurstkreation.

Heraus kommt ein kulinarisches Experiement mit einem sehr kommunikativen Teil. Das Ganze wird dann die lauwarme Vorspeise zum Bratwurstmenü. Diese kulanarischen Events kann Claus Böbel in ganz Deutschland durchführen, er braucht dazu nur eine haushaltsübliche Küche.

Ablaufplan auf Fränkisch.

Ablaufplan auf Fränkisch.

Anschließend stand das Befüllen des Bratwurstdarms auf dem Programm. Wir Seminarteilnehmer konnten selbst die Bratwurstmaschine bedienen und unsere Würste selbst herstellen. Die einen waren etwas kürzer, die anderen etwas dicker, aber nach der Zeit kommt die Erfahrung.


In der Küche ging es dann ans Essen. Wir saßen in der Küche um die Herdplatte herum, tranken und hatten unseren Spaß. Starter war eine Bratwurstsulz. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zunächst eine Spezialität: Saure Zipfel mit viel Zwiebel und dann die klassische fränkische Bratwurst. Ich hatte ein paar fränkische Bier zum Runterspülen und zum Abschluss gab es einen Bratwurstlikör.

Bratwurstlikör - freilich in den CI-Farben von Claus Böbel.

Bratwurstlikör – freilich in den CI-Farben von Claus Böbel.

Und als Erinnerung verschickten wir noch eine Wurstpostkarte. Ich formte aus meiner Wurst eine 42 und der Empfänger war mein Lieblingshotel, das Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang. Ich hoffe, Sabine und Armin Groß haben sich gefreut. K1 hatte die Karte an sich selbst geschickt und dann aufgegessen.

Meine 42 ging ins Allgäu.

Meine 42 ging ins Allgäu.

Kugelrund und vollgefressen ging es wieder nach Hause. Neben einem vernüglichen und schmackhaften Nachmittag in Franken wurde mir wieder einmal bewusst, welche handwerkliche Arbeit hinter dem Metzgerhandwerk steckt. Kleine und mittelständische Betriebe müssen erhalten bleiben. Für uns stand fest, dass wir diese handwerkliche Qualität bewahren und unterstützen wollen. Auch wenn es seinen Preis hat. Dafür muss eben nicht jeden Tag Fleisch und Wurst auf den Teller kommen. Auch dieses Seminar hat wieder dazu beigetragen, sich seines Verhaltens bewusst zu machen.
Ich kann das Wursterlebnis-Seminar bei Claus Böbel absolut empfehlen und wer noch ein Weihnachtsgeschenk benötigt, sollte sich auf der Website umschauen und einen Termin buchen. Es lohnt sich.

Und hier verrät Claus Böbel das Geheimnis der fränkischen Bratwurst:

Wie cool ist das denn? Kassenautomat in einer Metzgerei

16. August 2016

Ein Kassenautomat in der Metzgerei Böbel in Rittersbach.

Ein Kassenautomat in der Metzgerei Böbel in Rittersbach.

Nutzen Sie einen Parkautomaten? Oder einen Geldautomaten? Eigentlich selbstverständlich, sollte man meinen. Jetzt begegnete ich in der Metzgerei Böbel im fränkischen Rittersbach einen Kassenautomaten. Da muss ich in die fränkische Provinz fahren und so etwas anzutreffen.
Wozu braucht eine Metzgerei oder Fleischerei eigentlich einen Kassenautomaten? Ich denke, zwei Dinge sind da besonders wichtig: Hygiene und Abrechnung. Die Metzgereifachverkäuferin musste bisher bedienen, die Fleisch- und Wurstwaren anfassen, abwiegen, abschneiden, einpacken und sie musste dann noch kassieren. Geldscheine sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie sauber sind, denn sie gehen durch viele, viele Hände. Natürlich gibt es im Metzgerhandwerk Vorkehrungen beim Kassieren wie Handschuhe – und dennoch. Jetzt überreicht die Metzgereifachverkäuferin den Kassenbon an den Kunden, der dann am Automat bezahlt. Jetzt wird sofort wieder einer aufschreien: Es sei so unpersönlich und der menschliche Kontakt bleibe auf der Strecke. Blödsinn! In der Metzgerei wird genau soviel gequatscht und Smalltalk gehalten, wie zuvor. Habt doch nicht immer Angst vor Veränderung.
Der zweite Grund ist die interne Abrechnung in der Metzgerei selbst. Am Abend wird nur ein Knopf gedrückt und die Kassenabrechnung ist gemacht. Das spart Zeit und viele Nerven des Unternehmers. Die Buchführung wird dadurch vereinfacht, das lästige Zählen von Bargeld entfällt. Und: Das Thema schwarze Kassen kann es bei einem Kassenautomaten nicht geben – wobei ich ausdrücklich betonen will, dass ich Claus Böbel nicht mit schwarzen Kassen in Verbindung bringen will. Kassenautomaten sind einfach nicht bestechlich.


Und wie läuft nun der Bezahlvorgang? Zusammen mit meiner Frau habe ich es ausprobiert. Wir haben für etwas über 50 Euro Fleisch und Wurst bei der Metzgerei Böbel eingekauft. Sonst kaufe ich über die Website umdiewurst.de, aber da ich nun schon mal live im Laden war, nehme ich die Waren natürlich in Rittersbach mit. Monika Böbel überreicht mir am Ende meiner Einkaufstour einen Bon mit einem Barcode. Während ich bezahle, verpackt sie meinen Einkauf.
Der Bon wird an einen Scanner beim Kassenautomaten gehalten, der den Betrag sofort einliest und anzeigt. Jetzt kann ich den Automaten mit Banknoten und Münzen füttern. Auch wenn ich zuviel einwerfe, wird mir das Restgeld ausgeworfen. Die Quittung wird ausgedruckt, die ich der Metzgereifachverkäuferin überreiche und dafür meine Ware bekomme.


Das System ist einfach und auch ältere Mitbürger haben keine Schwierigkeiten. Natürlich steht auch menschliche Hilfe zur Seite, falls es doch einmal zu Unsicherheiten kommen sollte. Ich habe mit einigen älteren Herrschaften gesprochen. Sie finden es prima, dass Claus Böbel so etwas in Rittersbach anbietet. „Oder haben Sie schon so was in München gesehen?“ fragte mich eine Dame.
Der Automat nimmt kein Plastikgeld. Dafür gibt es einen Kartenterminal zum Bezahlen. Was mich besonders freut, Claus Böbel nimmt nicht nur die Maestro-Karten, sondern auch Kreditkarten wie Master oder Visa. Diesen Service vermisse ich bei vielen Metzgereien.

Das nenne ich einmal Innovation.

Das nenne ich einmal Innovation.

Bahn vs SEV: Vollsperrung zwischen Bamberg und Lichtenfels

29. Februar 2016

Mit erhöhtem Puls lese ich einen Artikel, indem die Bahn ankündigt, Umsteigern mehr Zeit zu geben. Ich lese: Bahnfahrer sollen Anschlusszüge künftig nicht mehr so oft verpassen. Wie der Verkehrsvorstand der Deutschen Bahn sagte, will das Unternehmen im Fernverkehr künftig länger als bisher auf verspätete Züge warten, um Fahrgästen mehr Zeit zum Umsteigen zu geben. Bis Mitte des kommenden Jahres werde diese Praxis bei den ersten Anschlüssen verwirklicht.
Im Moment ist der Zustand eine Frechheit. Beruflich pendle ich sehr viel von München nach Lichtenfels (Franken). Aufgrund von umfangreichen Baumaßnahmen ist die Bahnstrecke ab Bamberg bis nach Lichtenfels gesperrt. Seit 11. Januar 2016 ist die Bahnstrecke zwischen Bamberg und Lichtenfels 34 Wochen lang komplett gesperrt. Betroffen ist auch die ICE-Verbindung nach Berlin. Grund für die Sperrung: das größte Schienenbauprojekt Deutschlands. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet.


Das bringt Verzögerungen mit sich, aber als Bahnreisender bin ich ja Kummer gewohnt. Die Idee vom SEV ist: Es gibt drei unterschiedliche Buslinien, die zwischen Bamberg und Lichtenfels pendeln. Eine rote Linie, die Bamberg bzw. Lichtenfels direkt anfährt. Eine blaue Linie, die zwei, drei Zwischenstopps einhält und eine gelbe Linie, die an jeder Milchkanne hält. Leider wird gleichzeitig die Autobahn auf eine Spur reduziert, so steht der Bus im Stau.


Beim ersten Ausprobieren fuhr ich wie immer mit dem ICE von München nach Nürnberg und stieg in den Regionalexpress nach Bamberg um. Der Zug war komplett überfüllt und als wir in der Bischofsstadt Bamberg ankamen, war die rote Buslinie gerade abgefahren. Was soll das?

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Wozu ist denn ein SEV da, wenn er die Bahnreisenden des einzigen Zugs nicht mitnimmt. Ich maule via Twitter die Bahn an, doch ohne Ergebnis. Freundlich war das Twitter-Team der Bahn allerdings.


Es regnete, es regnete sehr und so stieg ich in die gelbe Linie. Der Bus brachte mich nach Bad Staffelstein an die Therme. Leider wollte ich nicht hierhin zum Entspannen, sondern ins etwas weiter entfernte Kloster Banz. Leider gab es an der Therme in Bad Staffelstein keinen Taxistand. Der ist am Bahnhof und die Gemeinde hat zu meinem damaligen Zeitpunkt einer Verlegung des Taxistandes an die Therme nicht zugestimmt. Bürokratie pur. Leider gab es auch kein Hinweisschild, wie denn die Taxi-Telefonnummer der Gegend heißt. Da ich die Gegend kenne, hatte ich die Nummer in meinen iPhone-Kontakten.

An der Therme Bad Staffelstein gibt es keine Taxi-Nummer.

An der Therme Bad Staffelstein gibt es keine Taxi-Nummer.

Nummer gewählt, im Regen aufs Taxi gewartet, das alte Lied von DÖF gesummt (Ich steh in der Költn und wort auf a Taxi, aber es kummt net, kummt net, kummt net. Ich wort auf des Brummen von ein Mercedes-Diesel, aber es brummt net, brummt net, brummt net. Die Dame vom Funk, die sagt zu mir „Der Wagen 734 ist in vier Minuten hier“) und dann zum Arbeitsort abgeholt worden. Meine Laune war gewaltig im Keller.
Die zweite Reise an einem anderen Wochenende führte mich von Lichtenfels nach Bamberg. Ich wählte die rote Buslinie, um schneller nach Bamberg zu kommen. Um 19 Uhr sollte der Bus losfahren, doch wir kamen erst um 19:05 Uhr los. Und damit kamen wir bei Verkehr verspätet in Bamberg an. Zwei Minuten nach dem Eintreffen vor dem Bahnhofsgebäude fuhr der Regionalexpress von Bamberg nach Nürnberg ab. Der Zug, der die SEV-Fahrgäste aufnehmen sollte, fuhr einfach ab. Da ich die Chaostruppe langsam kenne, bin ich gerannt wie ein junger Hund und habe den Anschluss mit hängender Zunge und komplett durchgeschwitzt erreicht. Das Herz schlug bis zum Halse.


Meine Mitreisenden des SEV kamen mit ihren Koffern und Taschen so schnell nicht hinterher und durften eine Stunde am Bahnhof Bamberg warten. Ich empfehle den örtlichen MacDoof, der hat wenigstens WLAN. Meine Beschwerde bei der Bahn via Twitter hat nichts gebracht. Freundlich haben die Bahnkollegen zugehört, geändert hat sich aber nichts.

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Bis September 2016 soll die Bahnstrecke gesperrt bleiben. Die Vollsperrung muss ich hinnehmen, doch die SEV-Lösung ist eine Beleidigung. Und dann lese ich, dass die Bahn ab nächstem Jahr besser auf die Anschlussreisenden Rücksicht nehmen will. Sagt mal, gehts noch?

Probiertipp: Spezialität Coburger Schmätzchen

3. Mai 2015

Coburger Schätzchen muss man probieren.

Coburger Schätzchen muss man probieren.

Zu einem Besuch in der fränkischer Stadt Coburg gehört für mich der Genuss der Bratwurst einfach dazu. Als Kind habe ich die Diskussionen meiner Großmutter und meiner Mutter miterlebt, von welchem Metzger/Fleischer man die Bratwurst wählen sollte. Nun, die Traditionsmetzger wie Egon Schlick gibt es schon lange nicht mehr. Geblieben sind die wunderbaren Coburger Bratwürste, die über offenem Feuer von Tannenzapfen gegrillt werden. Die EU war dagegen, aber die Tradition hat sich durchgesetzt.

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Eine zweite Spezialität von Coburg sind die Coburger Schmätzchen. Für mich ist die Quelle für Schmätzchen eindeutig die Konfiserie Wilhelm Feyler. Das Traditionsgeschäft am Marktplatz exisitiert seit 1892 und ich über die Grenzen Coburgs weltberühmt. Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind ordentlich anziehen musste, wenn ich mit der Großmutter dort für einen Kaffee in das Cafe im Biedermeier-Stil einkehrte. Ich bekam freilich nur eine heiße Schokolade, wenn wir zu den „besseren Leuten“ zum Kaffeekränzchen gingen. Und beim Gehen kaufte mir meine Großmutter Coburger Schmätzchen.
Die Schmätzchen werden aus Honigteig nach überliefertem Familienrezept der Familie Feyler mit feinen Gewürzen, Haselnüssen, Mandeln und Zitrusfrüchten gebacken. Goldschmätzchen erhalten nach dem Backen einen feinen Schokoladenüberzug und werden von Hand mit einem Tupfen „echtem Blattgold“ gekrönt. Diese Gebäcke schmecken zu Tee, Kaffee und Wein, sagt die Website. Ich muss zugeben, ich habe sie auch gerne pur gegessen.


Übrigens, die Konfiserie war ein Hoflieferant und macht damit heute noch Werbung. Das herzogliche Wappen ist heute noch an der Geschäftsfassade zu sehen. Die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha vergaben seit 1835 Hoflieferantentitel. Das war eine ziemliche Ehre und bedeutete natürlich auch wunderbare Werbung für ein Geschäft. Unternehmen, die den Titel Hoflieferant führten hatten eine sehr gute Reputation.

Das herzogliche Wappen ist heute noch an der Geschäftsfassade zu sehen.

Das herzogliche Wappen ist heute noch an der Geschäftsfassade zu sehen.

Am 1. Oktober 1892 eröffnete Bäckermeister Wilhelm Feyler in der Rosengasse 6 eine Spezial- und Feinbäckerei. Fünf Jahre später überzeugte er das Coburger Herzoghaus mit seinen Backwaren und wurde von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (dem zweitältesten Sohn von Königin Victoria) zum „Hofbäcker“ ernannt. Durch Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit Herzogin Marie von Sachsen-Coburg und Gotha (Tochter des russischen Zaren) wurde Wilhelm Feyler 1907 mit dem Titel „Hoflieferant“ ausgezeichnet. Die Feyler Spezialitäten „Coburger Schmätzchen“ und Meisterlebkuchen waren bald über die Grenzen von Coburg bekannt, und auf Weltausstellungen in Paris, Brüssel und Berlin wurden Feyler Produkte mit Goldmedaillen ausgezeichnet.
Also, wer in Coburg ist, sollte zum einen eine Bratwurst essen und dann unbedingt die Coburger Schmätzchen probieren.

Der Hund hat vor dem Haus einen Parkplatz.

Der Hund hat vor dem Haus einen Parkplatz.