Ich ertappte mich beim Ansehen des Films, dass ich mich immer wieder selbst erkannt habe. Alte Liebe ist wunderbares Schauspielkino mit ein wenig Längen, aber sehr unterhaltsam. Ein Film, der zum Nachdenken anregt, wenn man sich mit Beziehungen und dem Älterwerden beschäftigen will.
Im Mittelpunkt stehen Lore und Harry, gespielt von Dagmar Manzel und Joachim Król. Die beiden sind seit rund 40 Jahren verheiratet. Harry ist inzwischen pensioniert, kümmert sich um seinen Garten, trinkt sein Bier und scheint mit einem eher ruhigen Leben durchaus zufrieden zu sein. Lore dagegen arbeitet weiterhin als Bibliothekarin. Sie spürt immer stärker, dass ihr etwas fehlt: Sie möchte reisen, etwas erleben und fragt sich, welche Möglichkeiten sie in ihrem Leben verpasst hat.
Das Interessante daran: „Alte Liebe“ ist weniger eine klassische Liebesgeschichte als eine Bestandsaufnahme einer jahrzehntelangen Ehe. Lore und Harry reden viel miteinander, verstehen sich aber trotzdem nicht immer. Alte Eifersüchteleien, Enttäuschungen und unterschiedliche Vorstellungen vom Ruhestand kommen wieder hoch. Als ihre erwachsene Tochter zum dritten Mal heiraten möchte, verschärfen sich die Konflikte. Hinter den alltäglichen Streitereien steckt schließlich die große Frage: Kann man sich nach 40 gemeinsamen Jahren noch einmal verändern – und kann man sich vielleicht sogar neu ineinander verlieben?
Die Kombination aus Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler funktioniert einwandfrei. Die beiden haben bereits bei „Gundermann“, „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ und „In Liebe, Eure Hilde“ zusammengearbeitet. „Alte Liebe“ ist ihre neunte gemeinsame Arbeit. Vorlage ist der gleichnamige Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.
Dresen kommt dabei genau das zugute, was viele seiner besten Filme auszeichnet: Er interessiert sich für gewöhnliche Menschen, ihre kleinen Verletzungen, ihre Schwächen und ihren oftmals ziemlich trockenen Humor. Dadurch wird Alte Liebe bissig, ironisch, sentimental, heiter und zart. Gerade Joachim Król und Dagmar Manzel sind für diese Mischung sehr passend.
Alte Liebe ist einer dieser angenehm unspektakulären, aber ehrlichen Dresen-Filme, die gerade deshalb lange nachwirken. Keine künstlich konstruierte Romanze, sondern Liebe nach vier Jahrzehnten – mit Gewohnheiten, Verletzungen, Langeweile, Zärtlichkeit und der Frage, ob ein Neuanfang auch mit über 60 noch möglich ist.
„Alte Liebe“ – vom pointierten Dialogroman zum Kinofilm Die Vorlage zu „Alte Liebe“ stammt von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder und erschien 2009. Die besondere Stärke des Buches liegt in seinen Dialogen und verbalen Schlagabtauschen. Heidenreich und Schroeder erzählen weniger eine klassische Handlung als vielmehr „Szenen einer Ehe“: mal komisch, mal böse, dann wieder überraschend zärtlich. Hinter den alltäglichen Streitereien stehen große Fragen: Was ist aus unseren Träumen geworden? Haben wir richtig gelebt? Und was bleibt von der Liebe, wenn man fast ein ganzes Leben miteinander verbracht hat?
Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler übertragen diesen Ton ins Kino und verdichten die literarische Vorlage stärker zu einer filmischen Geschichte. Mit Dagmar Manzel als Lore und Joachim Król als Harry bekommen die Wortgefechte Gesichter, Gesten und vor allem jene stillen Momente, die ein Roman nur beschreiben kann. Der Film bewahrt dabei die Mischung aus Ironie, Melancholie und Zärtlichkeit der Vorlage, rückt aber das emotionale Wiederannähern des Ehepaares stärker in den Vordergrund.
So ergänzen sich Buch und Film hervorragend: Der Roman lebt vor allem vom Wortwitz und der genauen Beobachtung einer jahrzehntelangen Beziehung, Dresens Film von seinen Schauspielern und den Zwischentönen. Beide erzählen letztlich dieselbe schöne und ein wenig schmerzhafte Wahrheit: Auch eine alte Liebe ist niemals fertig – solange zwei Menschen noch bereit sind, einander neu zu entdecken.
Zehn Teile Niederkaltenkirchen: Wenn das Erfolgsrezept schal schmeckt, dann ist es auch mal gut. Variation des ewig Gleichen legen ein baldiges Ende der Krimireihe nahe. Mit Steckerlfischfiasko schlägt der bayerische Kult-Dorfpolizist Franz Eberhofer bereits zum zehnten Mal auf der Kinoleinwand auf. Nach den heftigen kreativen Querelen und öffentlichen Dissonanzen rund um den Vorgänger war man gespannt, ob die Jubiläums-Adaption nach den Romanen von Rita Falk zu alter Stärke findet oder endgültig im Leerlauf versauert. Das Ergebnis ist eine zweischneidige Angelegenheit: Der Film funktioniert als verlässliche Wohlfühl-Komödie für eingefleischte Fans – enttäuscht jedoch cineastisch auf ganzer Linie durch kreative Ermüdungserscheinungen.
Der Krimi als lästiges Pflichtprogramm Inhaltlich dreht sich im beschaulichen Niederkaltenkirchen diesmal alles um den gewaltsamen Tod des lokalen „Steckerlfischkönigs“, dessen Leiche im exklusiven Wellness-Bereich eines neu errichteten Golfclubs gefunden wird. Zusammen mit seinem dauerleidenden Kumpel Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) stürzt sich Franz in die Ermittlungen, die sie tief in eine verfahrene Familienfehde verfeindeter Volksfest-Clans führen. Wer hier jedoch einen packenden Whodunit-Krimi erwartet, wird bitter enttäuscht. Wie so oft in der Reihe dient der Mordfall lediglich als fadenscheiniges Konstrukt, um die Figuren von einer skurrilen Situation zur nächsten zu scheuchen. Das Miträseln wird dem Publikum durch mangelnde Indizien und erzählerische Beliebigkeit nahezu unmöglich gemacht. Stattdessen dominieren die altbekannten Nebenbaustellen: Susi (Lisa Maria Potthoff) treibt ihre politischen Ambitionen als Bürgermeisterkandidatin voran, während der private Alltag auf dem Eberhofer-Hof im gewohnten Chaos versinkt.
Das Ensemble-Dilemma: Wenn Kult zur Pflichtübung wird Das größte Problem von Steckerlfischfiasko ist sein mittlerweile gewaltiges Figurenarsenal. Regisseur Ed Herzog steht vor der unlösbaren Aufgabe, jeder noch so kleinen Kult-Nebenfigur (von der Oma bis zum Flötzinger) ihre obligatorische Leinwand-Präsenz und den dazugehörigen Schenkelklopfer-Gag einzuräumen. Da folgt leider der Autopilot-Effekt: Die Gags wirken dadurch oft erzwungen und wie im Autopiloten abgespult. Fehlende Ecken und Kanten: Die Figuren haben sich im Laufe der Jahre zu reinen Karikaturen ihrer selbst entwickelt, deren Macken allzu berechenbar geworden sind. Für mich ist der Film kein völliges Fiasko, aber das bewährte Erfolgsrezept stößt ohne neue Ideen spürbar an seine Grenzen.
Steckerlfischfiasko krankt vor allem daran, dass sich das Franchise im Kreis dreht. Die filmische Umsetzung verlässt sich zu stark darauf, dass die bloße Anwesenheit der vertrauten Gesichter und die malerische bayerische Provinzidylle ausreichen, um ein abendfüllendes Kinoerlebnis zu rechtfertigen. Es mangelt an inszenatorischem Mut, an bissigem Humor, der über platten Lokalkolorit hinausgeht, und an echten erzählerischen Risiken.
Getreu dem Motto „Ein neuer Eberhofer ist wie ein Essen bei der Oma – man weiß genau, was man kriegt“ werden Fans des Franchise vermutlich auch diesmal bestens unterhalten. Wer jedoch anspruchsvolles deutsches Kino oder einen auch nur halbwegs ernstzunehmenden Kriminalfilm sucht, wird hier vor eine schwere Geduldsprobe gestellt. Es ist an der Zeit, dass Niederkaltenkirchen bald in den wohlverdienten Ruhestand geht, bevor der Kult endgültig zur Karikatur verkommt.
Olivia Wildes The Invite ist ein Film, der sich jeder einfachen Genrezuordnung entzieht. Für mich ist die Frau sympathische, lebensbejahende Version von Ingmar Bergman und des ernsten Woody Allein, Was zunächst wie eine Beziehungskomödie beginnt, entwickelt sich zu einer klugen, pointierten und zunehmend unangenehmen Studie über Liebe, Sehnsucht, Monogamie und die kleinen Lügen, mit denen Menschen ihre Beziehungen zusammenhalten. Basierend auf dem spanischen Film Sentimental von Cesc Gay verlegt Wilde die Handlung in ein elegantes New Yorker Apartmenthaus und inszeniert daraus ein ebenso intimes wie hochunterhaltsames Kammerspiel.
Im Mittelpunkt stehen Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde), deren Ehe längst von Frust und Sprachlosigkeit geprägt ist. Als sie ihre schillernden Nachbarn Hawk (Edward Norton) und Piña (Penélope Cruz) zu einem Abendessen einladen, wird aus einem harmlosen Dinner ein emotionales Minenfeld. Flirt, Provokation und schonungslose Ehrlichkeit vermischen sich, während jede Figur gezwungen wird, ihre eigenen Vorstellungen von Liebe und Begehren zu hinterfragen.
Olivia Wilde beweist dabei ein feines Gespür für Timing und Dialoge. Der Film lebt fast ausschließlich von seinen Figuren und ihren Gesprächen. Die Kamera bleibt häufig dicht an den Gesichtern, beobachtet kleinste Gesten und lässt die Spannung weniger aus spektakulären Ereignissen als aus Blicken, Pausen und unausgesprochenen Wahrheiten entstehen. Dass der Film fast ausschließlich an einem Ort spielt, wird dabei nie zur Einschränkung, sondern verstärkt die klaustrophobische Atmosphäre.
Seth Rogen überrascht mit einer der differenziertesten Leistungen seiner Karriere. Hinter seiner gewohnt sympathischen Ausstrahlung verbirgt sich ein Mann, der zwischen Unsicherheit, Eifersucht und Selbstzweifeln schwankt. Olivia Wilde spielt ihre Angela mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und unterdrückter Wut. Die eigentlichen Glanzlichter setzen jedoch Edward Norton und Penélope Cruz. Norton verleiht Hawk eine faszinierende Mischung aus Intellekt, Charme und unterschwelliger Provokation, während Cruz als Piña jede Szene mit einer spielerischen Leichtigkeit dominiert. Sie wirkt gleichzeitig verführerisch, geheimnisvoll und überraschend verletzlich. Das Zusammenspiel aller vier Darsteller gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken des Films, ein wunderbares Kammerspiel und starkes Schauspielkino.
Besonders gelungen ist, dass The Invite seine Themen nie moralisch bewertet. Der Film stellt Fragen nach Treue, sexueller Freiheit und emotionaler Ehrlichkeit, ohne einfache Antworten zu liefern. Stattdessen entsteht eine intelligente Beziehungskomödie, die ihre Figuren ernst nimmt und dem Publikum Raum für eigene Interpretationen lässt. Das ist auch mal unbequem für das Publikum. Dabei wechseln sich pointierter Humor und schmerzhafte Wahrheiten in schneller Folge ab, sodass Lachen und Beklemmung oft unmittelbar nebeneinanderstehen.
Nicht jede Wendung wirkt vollkommen überzeugend, und einige Dialoge sind bewusst so geschliffen formuliert, dass sie eher an Theater als an Alltag erinnern. Gerade diese Künstlichkeit passt jedoch erstaunlich gut zum Konzept des Films. Wilde inszeniert kein realistisches Beziehungsdrama, sondern ein modernes Kammerspiel, in dem jede Bemerkung wie ein Zug in einem psychologischen Schachspiel wirkt.
The Invite ist damit weit mehr als eine romantische Komödie. Es ist ein intelligenter, hervorragend gespielter Film über die Fragilität moderner Beziehungen, über Sehnsüchte, die man sich selbst kaum eingesteht, und über den Mut, eingefahrene Lebensmodelle zu hinterfragen. Olivia Wilde gelingt ein ebenso eleganter wie bissiger Ensemblefilm, der von vier hervorragend aufgelegten Hauptdarstellern getragen wird und noch lange nach dem Abspann zum Nachdenken anregt. Einer der überraschendsten und reifsten Beziehungsfilme des Kinojahres 2026.
Ich kaufe kaum noch CD, aber dafür mehr Vinyl für meine drei Braun-Player und der März hat wieder einiges auf Vinyl gebracht. Hier die Einkäufe.
The Rainbow Concert von Eric Clapton Ich habe Konzertkarten für dieses Jahr und höre mir die alten Scheiben an, „Eric Clapton’s Rainbow Concert“ ist weniger ein makellos gespieltes Livealbum als ein dokumentierter Wendepunkt – und genau darin liegt seine Faszination. Aufgenommen im Januar 1973 im Londoner Rainbow Theatre, markiert das Konzert Claptons Rückkehr aus einer jahrelangen, heroingeschuldeten Versenkung; sein Freund Pete Townshend stellte ihm dafür eine All-Star-Band zur Seite, von Steve Winwood bis Ronnie Wood. Man hört dem Material diese Ausnahmesituation deutlich an: Die Band klingt stellenweise ad hoc und überladen, der Groove ist nicht immer straff, manche Nummer wirkt eher schleppend als präzise – Kritiker sprechen zu Recht von „sloppy“ Momenten und einer gewissen Schwere durch „zu viele Köche“.
Gleichzeitig hat das Album eine emotionale Spannung, die vielen technisch besseren Clapton-Liveplatten fehlt: In Stücken wie „Layla“, „Little Wing“ oder „Presence of the Lord“ mischen sich Unsicherheit, Melancholie und eruptive Energie zu einem eigenwilligen, dunklen Rock-Tonfall, den der „Rolling Stone“ einmal als „gigantischen Schwermut“ beschrieben hat. „Rainbow Concert“ eignet sich daher weniger als Einstiegsalbum in Claptons Werk, ist aber als historisches Dokument und als Momentaufnahme eines Künstlers am Rand und auf dem Weg zurück höchst hörenswert – gerade weil die Brüche nicht geglättet werden, sondern im Sound offen zutage treten.
Frankenstein von Alexandre Desplat Alexandre Desplats Soundtrack zu Frankenstein ist keine laute Horrormusik, sondern ein erstaunlich elegisches, oft fast melancholisches Album. Desplat schrieb die Musik für Guillermo del Toros Netflix-Film, der am 7. November 2025 erschien; schon im Vorfeld hatte er angekündigt, eher auf Lyrik, Emotion und die Verletzlichkeit der Kreatur als auf bloße Schockeffekte zu setzen. Genau das hört man dieser Partitur an:
Statt billiger Dramatik entfaltet sie einen langen, düsteren Sog, der Trauer, Sehnsucht und Größe miteinander verbindet. Besonders stark ist, wie die Musik die tragische Seite der Geschichte betont und dem Monster mehr Menschlichkeit verleiht als viele Dialoge. Manchmal ist der Score in seiner Laufzeit sehr ausufernd, doch gerade in seinen besten Momenten wirkt er wie ein dunkles, romantisches Gegenstück zu Desplats feineren Arbeiten der vergangenen Jahre. Ein atmosphärisch dichter, kluger und emotional überraschender Soundtrack, der Frankenstein nicht als Schauerstück, sondern als Tragödie begreift.
King of the Delta Blues Singers von Robert Johnson
„King of the Delta Blues Singers“ ist mehr als nur ein Blues-Album – es ist ein musikalisches Gründungsdokument. Die 1961 veröffentlichte Zusammenstellung machte Robert Johnson, der zu Lebzeiten kaum über den Kreis von Blueskennern hinaus bekannt war, posthum zu einer Legende. Und obwohl die Aufnahmen aus den Jahren 1936 und 1937 stammen, besitzen sie bis heute eine verstörende Unmittelbarkeit.
Was dieses Album so besonders macht, ist zunächst Johnsons Fähigkeit, mit wenigen Mitteln eine ungeheure Intensität zu erzeugen. Seine Gitarre klingt nie bloß begleitend, sondern wie ein zweiter Erzähler: treibend, klagend, nervös, manchmal fast gespenstisch. Dazu kommt seine Stimme, die nicht geschniegelt oder schön sein will, sondern rau, drängend und voller innerer Spannung wirkt. Johnson singt nicht einfach den Blues – er verkörpert ihn. Stücke wie „Cross Road Blues“, „Hellhound on My Trail“ oder „Love in Vain“ bündeln alles, was den Mythos Robert Johnson ausmacht: die Erfahrung von Verlust, Rastlosigkeit, Begehren, Angst und Verlorenheit. Seine Songs wirken oft wie Momentaufnahmen eines Lebens am Rand, voll dunkler Vorahnung und existenzieller Unruhe. Gerade darin liegt ihre enorme Kraft. Hier wird nichts ausgestellt oder romantisiert; diese Musik klingt, als sei sie direkt aus einer inneren Not heraus entstanden. Natürlich muss man hören, dass es sich nicht um ein modernes Studioalbum handelt. Die Klangqualität ist spröde, teils kratzig, die Aufnahmen sind technisch begrenzt. Doch das ist kein Makel, sondern Teil der Wirkung. Die rohe Aufnahmeweise verstärkt die Direktheit dieser Musik sogar noch. Wer sich darauf einlässt, hört schnell nicht mehr die historische Distanz, sondern nur noch Ausdruck, Rhythmus und emotionale Wucht. Beeindruckend ist auch, wie stark dieses Album nachgewirkt hat. Ganze Generationen von Rock- und Bluesmusikern haben hier eine Art Urtext entdeckt. Trotzdem lebt „King of the Delta Blues Singers“ nicht nur von seinem Einfluss oder seinem Ruf, sondern vor allem von der Qualität der Songs selbst. Diese Lieder stehen nicht unter Denkmalschutz – sie leben.
„Neu!“ von Neu! Mit „Neu!“ veröffentlichte das Düsseldorfer Duo Michael Rother und Klaus Dinger 1972 ein Debütalbum, das bis heute wie ein Gegenentwurf zur herkömmlichen Rockmusik wirkt. Während viele Bands ihrer Zeit auf Virtuosität, Bombast oder psychedelische Überladung setzten, suchten Neu! nach Reduktion, Wiederholung und hypnotischer Wirkung. Genau daraus bezieht dieses Album seine eigentümliche Größe.
Schon der eröffnende Longtrack „Hallogallo“ ist legendär: ein stoischer, fließender Beat, dazu schimmernde Gitarren und eine Atmosphäre, die zugleich kühl, frei und fast schwerelos wirkt. Der berühmte „Motorik“-Rhythmus, für den Neu! später berühmt wurde, treibt den Song nicht einfach nur voran – er erzeugt einen Sog. Man hört kein klassisches Rockstück, sondern eher eine Bewegung, ein endloses Fahren, ein Schweben nach vorn. Das ist Musik, die weniger erzählt als einen Zustand erzeugt. Überhaupt ist „Neu!“ kein Album, das mit traditionellen Songstrukturen beeindrucken will. Viele Stücke wirken wie Skizzen, Versuche oder Klangideen, doch genau das macht seinen Reiz aus. „Sonderangebot“, „Weissensee“ oder „Im Glück“ zeigen, wie stark Neu! mit Stimmung arbeiten: mal verspielt und entrückt, mal spröde und fast mechanisch, dann wieder überraschend zart. Besonders faszinierend ist dabei die Spannung zwischen Mensch und Maschine – einerseits wirkt vieles kontrolliert, repetitiv und fast industriell, andererseits steckt in diesen Aufnahmen etwas Improvisiertes, Rohes und sehr Körperliches. Nicht jedes Stück entfaltet dieselbe Kraft. Manche Passagen klingen fragmentarisch oder bewusst unfertig, was Hörerinnen und Hörer, die klare Melodien oder klassische Dramaturgie erwarten, auf Distanz halten kann. Doch gerade diese Offenheit gehört zum Konzept. Neu! wollten keine gefällige Platte machen, sondern einen neuen musikalischen Raum öffnen. Das gelingt ihnen eindrucksvoll. Der größte Verdienst von „Neu!“ liegt vielleicht darin, wie modern dieses Album noch immer klingt. Zahlreiche spätere Strömungen – von Post-Punk über Ambient bis Indie und Elektronik – haben hier hörbar Anleihen genommen. Dennoch wirkt die Platte nicht wie ein bloßes historisches Dokument, sondern lebendig, frisch und eigensinnig.
The B-52s – die Kollektion Die B-52s sind weit mehr als nur eine schrille Popband der späten 70er- und 80er-Jahre. Sie stehen für einen ganz eigenen Sound, für Mut zur Exzentrik und für die Kunst, aus Spaß, Stil und Anderssein etwas Dauerhaftes zu machen. Während viele Gruppen ihrer Zeit klar einem Genre zuzuordnen waren, schufen die B-52s eine unverwechselbare Mischung aus New Wave, Surf, Punk, Dance und Pop. Ihre Musik klang verspielt, futuristisch und zugleich herrlich schräg — und gerade darin lag ihre Stärke. Mit Songs wie „Rock Lobster“, „Private Idaho“, „Love Shack“ oder „Roam“ bewies die Band, dass Pop nicht geschniegelt und glatt sein muss, um erfolgreich zu sein. Die B-52s machten das Abseitige tanzbar und das Skurrile massentauglich. Ihr Markenzeichen waren nicht nur eingängige Melodien, sondern auch die theatralischen Stimmen, der trockene Humor und eine Ästhetik, die mit Camp, Retro-Charme und bewusstem Übermaß spielte. Zugleich waren die B-52s kulturell bedeutend, weil sie früh einen Raum eröffneten für Individualität, queere Ausdrucksformen und künstlerische Freiheit, ohne daraus je ein starres Programm zu machen. Sie wirkten leichtfüßig, aber nie belanglos. Hinter der bunten Oberfläche steckte eine Haltung: Man darf anders sein, laut sein, verspielt sein — und genau darin liegt oft die größte kreative Kraft. Dass die Band trotz persönlicher Verluste, insbesondere nach dem Tod von Gitarrist Ricky Wilson, weiter Bestand hatte, verleiht ihrer Geschichte zusätzliche Tiefe. Die B-52s blieben nicht bloß eine stilvolle Kuriosität, sondern wurden zu einer der prägenden Popformationen ihrer Zeit. Ihr Werk erinnert daran, dass Musik nicht nur Gefühle ausdrücken, sondern auch Räume öffnen kann — für Freude, Freiheit und Fantasie.
Nina Simone at Town Hall von Nina Simone Mit Nina Simone at Town Hall (1959) festigt Nina Simone ihren Ruf als außergewöhnliche Grenzgängerin zwischen Jazz, Klassik, Folk und Blues. Das Live-Album, aufgenommen in der Town Hall in New York, zeigt sie auf dem frühen Höhepunkt ihrer Karriere – selbstbewusst, technisch brillant und emotional kompromisslos.
Besonders eindrucksvoll ist „Black Is the Color of My True Love’s Hair“: Simone verwandelt das schlichte Traditional in ein dramatisches Kunstlied, getragen von ihrem klassisch geschulten Klavierspiel. Auch „The Other Woman“ besticht durch kühle Intensität und erzählerische Tiefe. Ihre Stimme wirkt nie gefällig, sondern stets wahrhaftig – rau, dunkel, kontrolliert.
Die Live-Atmosphäre bleibt dabei erstaunlich intim. Man hört keine effekthascherische Show, sondern eine Künstlerin, die ganz in ihren Interpretationen aufgeht. Nina Simone at Town Hall ist weniger ein Konzertmitschnitt als ein künstlerisches Statement: konzentriert, ernsthaft und von zeitloser Eleganz.
Søren Bebe Trio – Gratitude Das neunte Studioalbum des Søren Bebe Trios, Gratitude, erschienen im Januar 2026, ist eine meisterhafte Hommage an die nordische Jazztradition – lyrisch, atmosphärisch und von tiefer Dankbarkeit gegenüber Musik und Stille geprägt. Das Trio aus Pianist Søren Bebe, Bassist Kasper Tagel und Drummer Knut Finsrud, seit 2007 ein eingespieltes Gespann, destilliert hier seine Essenz in neun Tracks mit einer Gesamtlänge von rund 39 Minuten.
Gratitude atmet die klare, unhurried Nordic-Jazz-Ästhetik, die an ECM-Klassiker und Ensembles wie das Tord Gustavsen Trio erinnert: besonnene Melodien, viel Raum für Atempausen und eine Balance aus Intimität und Tiefe. Die Musik ist kitschfrei, spirituell ohne Religiöses, geprägt von fein ziselierten Klangforschungen, bei denen Anschwellen und Verklingen ebenso zählen wie der Ton selbst – ein warmer Impetus gegen winterliche Kälte. Kritiker loben die telepathische Empathie der Musiker und die pristine Produktion von August Wanngren.
Leave Home von The Ramones Leave Home (1977) zeigt die Band auf dem Höhepunkt ihrer frühen Explosivität: schneller, schärfer und noch kompromissloser als das Debüt. Die Songs sind kurz, laut und direkt, getragen von knochentrockenen Gitarrenriffs, simplen Schlagzeugbeats und der unverwechselbaren Stimme von Joey Ramone. Klassiker wie Pinhead oder „Gimme Gimme Shock Treatment“ verbinden eingängige Hooks mit rotziger Attitüde und machen das Album zu einem Paradebeispiel für die rohe Essenz des frühen Punk. Trotz minimaler musikalischer Mittel besitzt die Platte eine mitreißende Energie, die bis heute frisch und rebellisch klingt.
Der Film Harold & Maude ist kein gewöhnliches Kinoerlebnis – er ist ein poetischer Befreiungsschlag für Herz und Geist. Zum Tode von Bud Cort veranstaltete ich im Scala-Fürstenfeldbruck eine Sondermatinee am Samstag, 21. Februar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Regisseur Hal Ashby erschafft hier eine Welt, in der Morbidität und Lebenslust ein unwahrscheinliches, aber vollkommen harmonisches Paar bilden. Was zunächst wie eine schräge schwarze Komödie beginnt – die Geschichte eines todesfaszinierten jungen Mannes und einer lebenshungrigen 79-jährigen Frau – entfaltet sich schnell zu einer tief berührenden Feier des Daseins selbst.
HaroldMaude_StilI_002
Die Magie des Films liegt in seiner scheinbaren Leichtigkeit. Mit trockenem Humor, surrealen Einfällen und einer zärtlichen Menschenliebe erzählt er von Freiheit, Individualität und dem Mut, gegen gesellschaftliche Erwartungen zu leben. Ruth Gordon spielt Maude mit einer warmen, unbändigen Lebensenergie, die jede Szene zum Leuchten bringt, während Bud Cort als Harold eine wunderbar skurrile Mischung aus Melancholie und Staunen verkörpert. Ihre gemeinsame Chemie wirkt nicht konstruiert, sondern wie ein kleines Wunder – als hätte das Kino selbst beschlossen, zwei Seelen füreinander zu erfinden.
HaroldMaude_StilI_002
Besonders bezaubernd ist die Atmosphäre: getragen von der Musik von Cat Stevens, durchzogen von leisen philosophischen Gedanken und gespickt mit Bildern, die zugleich absurd und zutiefst menschlich sind. Harold & Maude ist ein Film, der nicht nur unterhält, sondern verwandelt. Wer ihn sieht, verlässt ihn selten unverändert – meist mit einem Lächeln, einem Kloß im Hals und dem leisen Wunsch, das Leben ein bisschen mutiger, freier und liebevoller zu leben. Hier ein Nachruf von mir zum Tode von Burt Cox. Karten gibt es hier. Powered by filmreport.
„Schöne Bescherung“ ist nicht einfach nur eine Weihnachtskomödie, sondern ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was dieses Fest so magisch – und so nervenaufreibend – macht. Ich besprach und zeigte den Film bei meiner Weihnachtsmatinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Clark Griswolds verzweifelt optimistischer Versuch in „Schöne Bescherung“, das ultimative Weihnachtsfest zu erzwingen, trägt einen Traum in sich, den fast alle kennen: einmal alles richtig machen, Harmonie herstellen, Glück planbar machen – koste es, was es wolle. Hier mein Vortrag
Gerade deshalb trifft sein grandioses Scheitern mitten ins Herz. Wenn Lichterketten explodieren, der Baum zur Gefahr wird und die Familie am Rand des Nervenzusammenbruchs steht, wirkt das zwar urkomisch, aber immer auch schmerzhaft vertraut. Clark ist keine plumpe Witzfigur, sondern ein Getriebener: einer, der zu viel will, weil ihm seine Familie unendlich viel bedeutet, der sich verausgabt, weil er dieses eine perfekte Bild von Weihnachten im Kopf hat. Sein legendärer Ausraster ist weniger Slapstick als ein emotionaler Kurzschluss – der Moment, in dem all der Druck, die Enttäuschungen und die stummen Erwartungen mit einem Mal aus ihm herausbrechen.
Der Film erinnert daran, dass Weihnachten fast nie so läuft, wie wir es planen. Verwandte sind anstrengend, Pläne kippen, Gesten gehen schief – und doch schimmert inmitten des Durcheinanders etwas Kostbares auf. In den kleinen Momenten liegt die eigentliche Magie: im Leuchten in Clarks Augen, wenn das Haus endlich im Licht erstrahlt; im gemeinsamen Lachen nach dem größten Desaster; in diesem leisen Gefühl, trotz allem auf der richtigen Seite des Chaos zu stehen – nämlich beieinander. „Schöne Bescherung“ macht sich nicht über Familie lustig, er nimmt sie ernst, mitsamt all ihrer Macken, Verletzungen und wunderbar absurden Seiten.
Vielleicht ist der Film deshalb so zeitlos. Er erlaubt es, herzhaft über die eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen – und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass man damit nicht allein ist. Am Ende bleibt die stille Erkenntnis: Liebe zeigt sich selten in perfekten Momenten, sondern in gemeinsamen Fehltritten, in Streit, Versöhnung und der Entscheidung, trotz allem zusammenzubleiben. Und wenn draußen die Lichter glitzern, drinnen das Chaos tobt und trotzdem alle irgendwie an einem Tisch landen, fühlt sich genau dieses unperfekte Weihnachten plötzlich erstaunlich richtig an. Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
„Schöne Bescherung“ ist mehr als nur eine Weihnachtskomödie – der Film ist ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was das Fest der Familie so wunderbar und zugleich so anstrengend macht. Wenn Clark Griswold mit unbeirrbarem Optimismus versucht, das perfekte Weihnachtsfest zu erschaffen, dann steckt darin ein Wunsch, den fast jeder kennt: einmal alles richtig machen, Harmonie erzwingen, Glück planbar machen. Und genau daran scheitert er auf die denkbar komischste, aber auch menschlichste Weise. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 21. Dezember um 10:45 in unserer Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier. Wir haben extra einen großen Raum gebucht.
Der Film lebt von der schmerzhaft vertrauten Erkenntnis, dass Weihnachten selten so verläuft, wie wir es uns vorstellen. Lichterketten explodieren, Familienkonflikte brechen auf, Erwartungen kollidieren mit der Realität – und doch liegt in all dem Chaos eine große Wärme. Clark ist keine Karikatur, sondern ein Getriebener: jemand, der liebt, der sich aufreibt, der sich verzettelt, weil ihm Familie und Zusammenhalt alles bedeuten. Sein berühmter Wutausbruch ist weniger ein Gag als ein Befreiungsschlag, ein Moment, in dem all die aufgestaute Anspannung herausbricht, die viele nur zu gut kennen.
„Schöne Bescherung“ erzählt davon, dass Weihnachten nicht perfekt sein muss, um echt zu sein. Zwischen schrägen Verwandten, peinlichen Momenten und völliger Überforderung blitzen immer wieder Augenblicke auf, die berühren: das Leuchten im Blick, wenn das Haus endlich strahlt, das gemeinsame Lachen nach dem größten Desaster, das stille Gefühl, trotz allem zusammenzugehören. Der Film macht sich nicht über Familie lustig – er nimmt sie ernst, mit all ihren Macken, Verletzungen und liebenswerten Absurditäten.
Gerade deshalb ist „Schöne Bescherung“ so zeitlos. Er erlaubt uns, über unsere eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass wir damit nicht allein sind. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Liebe oft im Durcheinander steckt, dass Nähe nicht aus Perfektion entsteht, sondern aus gemeinsamen Fehltritten. Und wenn draußen Schnee fällt, drinnen das Chaos regiert und trotzdem alle am Tisch sitzen, dann fühlt sich das plötzlich genau richtig an. Karten gibt es hier.
Seit Corona haben wir zwei Kater als Haustiere: Parsifal und Atari. Wir lieben die beiden Katzen über alles. Und natürlich macht die ganze Familie Fotos und Videos von unseren beiden Rackern, die Smartphones sind voll. Und wir veröffentlichen diese Werke. Also sind wir kleine Petfluencer, also Influencer in Sachen Haustiere.
Und es gibt nichts was es nicht gibt. Ich bin auf eine Meldung gestoßen, dass bei der PETFLUENCER NIGHT in Duisburg erstmals die 10 führenden Catfluencer und Dogfluencer Deutschlands gemeinsam geehrt. Wahnsinn, was es alles gibt.
Und Haustiere sind eine Macht in Deutschland. Das Zauberwort heißt Catcontent. Sobald bei uns Atari und Parsifal bei unseren Post auftauchen, dann geht der Post ab wie ein Zäpfchen. Auch entsprechende Facebookgruppen werden heiß geklickt.
Vor rund 600 Gästen mit zusammen über 20 Millionen Followern fanden die Verleihungen der GERMAN PETFLUENCER AWARDS 2025 statt – präsentiert von den Hauptsponsoren animonda und Agria Tierversicherung. Im großen „Cats vs. Dogs“-Duell setzte sich #TeamCats denkbar knapp durch.
Die PETFLUENCER NIGHT 2025 schrieb Social-Media-Geschichte: Erstmals wurden Hunde- und Katzen-Accounts gemeinsam auf einer Bühne ausgezeichnet – begleitet vom ewigen Showdown „Cats vs. Dogs – Wer regiert das Internet?“. Das Ergebnis fiel knapp aus: #TeamCats fuhr die Krallen aus und holte sich den Titel der Netz-Hoheit mit einem Punkt Vorsprung.
Die besondere Gala vereinte das Who’s Who der deutschsprachigen Petfluencer-Welt: 150 Catfluencer in Weiß und 150 Dogfluencer in Schwarz sorgten mit ihren Begleitungen für einen Abend voller Pet-Content, stilvollen Red-Carpet-Momenten, erlebnisreichen Markenflächen und einer hochkarätigen Award-Show.
Die GERMAN PETFLUENCER AWARDS 2025 soll unterstreichen, wie professionell, individuell und kreativ Pet-Content heute produziert wird. In fünf Kategorien wurden die herausragendsten Hunde- und Katzen-Accounts im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet.
Simon Hoecker, Leitung Marketing bei animonda petcare, ist begeistert von der Arbeit der Gewinner: „Petfluencer verbinden Kreativität, Herz und Humor. Sie erzählen unterhaltsame Geschichten, nehmen uns aber auch mit in ihren Alltag. Deshalb freuen wir uns darauf, die GERMAN PETFLUENCER AWARDS mit animonda auch im kommenden Jahr zu unterstützen.“
Das sind die Gewinner der 10 Awards: Newcomer des Jahres CATS: Andrej und Tierschutzkater Pommes aus Hamburg machen auf TikTok und Instagram das Alltägliche liebevoll groß und sichern sich den Preis für besten neuen Katzen-Account. Video Creator des Jahres CATS: Mit zwei fantastischen Cat-Charakteren, bestem Storytelling und ganz viel Humor räumen Tatjana, Apollo und Cosmo den Preis für den besten Bewegtbild-Content ab. Purpose Award des Jahres CATS: Ihr wahrhaft heldenhaftes Engagement und ihr große Liebe für Handicap-Katzen sichert Ayden und Daniela von @dieheldenkatzen den Purpose Award des Jahres. Mit diesem Preis werden die Petfluencer ausgezeichnet, die ihre Kanäle und Reichweite für sinnstiftende Inhalte rund um Vierbeiner nutzen. Petfluencer des Jahres CATS: Liebevoll gemachte Cat Comedy mit Herz und ein überzeugendes Gesamtpaket in Bild, Text und Video – das zeichnet den diesjährigen Gewinner der Königsklasse aus. Der Award für den Catfluencer des Jahres geht nach Wien, an Lukas von @lilly_lotti_cats Publikumspreis des Jahres CATS: Doppelte Freude bei Tatjana und ihrem Katzen-Duo: @apollo_und_cosmo nehmen auch diesen Preis mit nach Niedersachsen. In dieser Kategorie konnten Fans und Follower online für ihren Lieblings-Catfluencer abstimmen – ein Award direkt aus der Community. Newcomer des Jahres DOGS: Hier räumt man gleich zu acht den Preis für den besten neuen Dogfluencer-Account ab, denn Hannah und Ludo von @some.more.dogs dokumentieren ihr Leben und ihre Reisen mit sechs wunderbaren Hunden. Was kann es Schöneres geben? Video Creator des Jahres DOGS: Der @kampfpudelmann mit seinen Pudeln Barbara und Nano lässt uns dabei sein, wenn er etwas Neues über sich und seine Hunde lernt, über das Leben an sich und über das Videomachen. Und weil das nicht nur als Hundehalter*in ganz oft sehr witzig und sehr „relatable“ ist, erhält Saša dafür den Titel als Video Creator des Jahres. Purpose Award des Jahres DOGS: Lea-Valine aus der Nähe von Pforzheim macht mit ihrem Kanal @happy.abby.grey unermüdlich auf das Schicksal der spanischen Galgos aufmerksam. Für ihren Mut, ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit würdigt sie die Jury mit dem Purpose Award des Jahres. Petfluencer des Jahres DOGS: Dass der Award in der Königsklasse an Vivi und ihren Königspudel Holly geht, kommt nicht von ungefähr: Das Mensch-Hund-Duo begeistert auf Instagram und TikTok hunderttausende Follower und zaubert mit einer Riesenportion Humor, grandiosem Storytelling und richtig gut gemachtem Content immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Publikumspreis des Jahres DOGS: Der Publikumspreis aus der Dog Community geht an @tierschutz.familie! Svenja aus Duisburg setzt sich mit ihrer ganzen Familie on- und offline für den Tierschutz ein, insbesondere für Hunde in Not.
Auf einen Blick: die Preisträger der GERMAN PETFLUENCER AWARDS 2025
Mit großem Werbeaufwand startete der Verkauf des neuen Asterix-Bandes. Die sozialen Medien waren voll mit Postings von lesenden Fans. Auch ich habe mitgemacht und mich als Fan der ersten Stunde auf die Abendteuer der Gallier gefreut. Mit „Asterix in Lusitanien“ legen Autor Fabcaro und Zeichner Didier Conrad den mittlerweile 41. Band der Kultserie vor – ein neues Kapitel in einem der langlebigsten Erfolgsmodelle der europäischen Comicgeschichte.
Diesmal verschlägt es unsere gallischen Helden erstmals auf die Iberische Halbinsel, ins antike Lusitanien, das heutige Portugal. Damit greifen die Macher ein bewährtes Konzept wieder auf: das Reiseabenteuer mit exotischer Kulisse und reichlich Raum für sprachliche sowie kulturelle Spielereien.
Die Handlung folgt der klassischen Asterix-Struktur. Asterix und Obelix werden in die Ferne entsandt, um einem befreundeten Stamm beizustehen, der sich gegen die römische Besatzung zur Wehr setzt. Der dramaturgische Aufbau – Auftrag, Konflikte, lokale Verbündete, römische Widersacher und das unvermeidliche Happy End – erinnert an viele Vorgängerbände. Alles schon einmal gelesen. Fabcaro erzählt routiniert, ohne das Erfolgsrezept grundlegend neu zu mischen. Sein Text ist solide gearbeitet, bleibt aber inhaltlich konventionell; Überraschungen sind rar, erzählerische Tiefe ebenfalls. Das ist schade.
Humoristisch orientiert sich der Band stark am Originalgeist der Reihe. Wortspiele, Anachronismen und subtile Anspielungen auf zeitgenössische Themen bestimmen das Tempo, wobei Fabcaro mehr auf Fülle statt Schärfe setzt. Die vertrauten Running Gags – Obelix’ Appetit auf Wildschwein, die Hinkelstein-Liebe, die schlagkräftigen Römerprügel – sind selbstverständlich wieder dabei. Auch wenn der Humor stellenweise vorhersehbar erscheint, sorgen Tempo und Sprachwitz für anhaltende Lesefreude beim Fan, der vieles verzeiht.
Zeichnerisch beweist Didier Conrad einmal mehr seine Nähe zum Stil Uderzos, ohne diesen lediglich zu imitieren. Die Figuren wirken vertraut, die Szenerien lebendig und ausdrucksstark. Besonders die portugiesische Kulisse überzeugt: sonnengetränkte Städte, typische Pflastermuster und maritime Motive verleihen dem Album einen frischen Ton innerhalb der Serie. Farblich und atmosphärisch zählt „Asterix in Lusitanien“ zu den ansprechendsten neueren Bänden – detailreich, handwerklich sauber und mit spürbarer Freude an der Umgebungsgestaltung.
Doch leider: Inhaltlich schöpft das Album nicht das volle Potenzial seines Schauplatzes aus. Zwar werden regionale Eigenheiten und kulturelle Klischees humorvoll eingebaut, doch bleibt die Umsetzung oft an der Oberfläche. Der römische Gegenspieler ist kaum mehr als eine Karikatur, und die Konflikte verlaufen nach bekanntem Muster. Angedeutete gesellschaftliche oder historische Bezüge – etwa zur portugiesischen Identität oder kolonialen Vergangenheit – bleiben unausgeführt.
Unterm Strich liefert der 41. Band genau das, was wir langjährige Leser erwarten: solide Unterhaltung mit viel Nostalgie und dem vertrauten Rhythmus aus Aktion, Witz und Wortspiel. Die Serie beweist damit ihre erstaunliche Langlebigkeit, auch wenn sie künstlerisch vorsichtiger denn je wirkt. „Asterix in Lusitanien“ ist kein Meilenstein, aber einer der stärkeren Bände der Nach-Uderzo-Ära – farbenfroh, charmant und mit sicherer Hand erzählt. Für Fans ein Vergnügen, für Neueinsteiger ein zugänglicher, gut gelaunter Einstieg in die Welt der unbeugsamen Gallier.
In nur drei bis vier Bildern brachten sie tiefe Lebensweisheiten aus Kindermund ins Bewusstsein von Millionen erwachsener Leser. Vor 75 Jahren erblickten die „Peanuts“ das Licht der Welt – eine Comicserie, die nie laut und effekthascherisch daherkommt, sondern leise, mit feinem Humor, viel Melancholie und einer tiefen Menschlichkeit, die Generationen übergreifend berührt. Ich liebe die Serie. Als mein Kind klein war, haben wir einen Snoopy-Druck am Eingang seines Zimmers aufgehängt. Heute nach über 20 Jahren hängt der Druck noch immer.
Es war der 2. Oktober 1950, als Charles M. Schulz erstmals die kleine Truppe von Kindern in die Zeitung brachte. Was zunächst wie harmlose Strips über einen unscheinbaren Jungen mit rundem Kopf aussah, entwickelte sich zu einem der größten kulturellen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Die „Peanuts“ sind mehr als nur witzige Alltagsgeschichten – sie sind ein Spiegel der menschlichen Seele, verdichtet in einfachen Strichen und kurzen Dialogen. In insgesamt 17.897 Zeichnungen erschuf Charles M. Schulz eine eigene Welt.
Es gibt viele Gelegenheiten für die Peanuts, um glücklich zu sein: Schulschluss, ein voller Fressnapf – oder dass sie seit 1950 die Herzen von Millionen von Menschen erobern. Der Reclam-Verlag hat dazu eine schöne Sammlung auf den Markt gebracht: Feiern mit den Peanuts. Diese Sammlung lädt alle Fans von Snoopy, Linus und Co. zu einer Reise durch die Geschichte der Peanuts ein. Von den ersten Comics bis zu den zeitlosen Klassikern aus dem Jahr 2000, also auch für den Comic-Historiker in mir ein schönes Büchlein.
Schulz selbst war geprägt von einer Kindheit voller Unsicherheiten, von stiller Beobachtung der Welt und einem tiefen Gespür für das Komische im Tragischen. Vielleicht machte genau dies seine Figuren so universell: Die „Peanuts“ zeigen uns das Leben wie es ist, voller kleiner Niederlagen und gelegentlicher Siege, voller Hoffnung, Zweifel und der Suche nach Sinn. Während andere Comics auf Abenteuer, Heldenmut und bunte Welten setzten, erzählte Schulz von der Poesie des Alltäglichen – ein Spielplatz, ein Fußball, ein Kürbisfeld, ein Snoopy auf seiner Hundehütte. Gerade diese Bescheidenheit und Klarheit machten den Reiz aus: Jeder konnte sich wiederfinden.
Die Kinder, die er zeichnete, waren nie reine Karikaturen. Hinter jedem kleinen Gesicht steht eine Welt von Gefühlen und Gedanken:
Charlie Brown, der ewige Verlierer, dessen Missgeschicke so schmerzhaft vertraut wirken. Er ist sensibel, tapfer in seiner ständigen Niederlage und berührend menschlich in seiner unermüdlichen Hoffnung, dass es vielleicht beim nächsten Mal besser wird – sei es beim Baseballspiel oder bei der Liebe. Lucy van Pelt, rechthaberisch, laut und voller Selbstbewusstsein, das oft mehr Fassade als Wahrheit ist. Ihre kleine „Psychiater-Praxis“ für fünf Cent ist bis heute ein Symbol für die Ironie kindlicher Lebenshilfe. Linus, Lucys Bruder, sanftmütig, nachdenklich und philosophisch, sein blaues Kuscheltuch immer fest im Griff. In seinen kindlichen Weisheiten steckt oft eine überraschende Tiefe. Schröder, der stille Pianist, in dessen Leidenschaft für Beethoven sich ein ganzes Universum verschließt, während er die Annäherungen Lucys meist kühl ignoriert. Peppermint Patty, die burschikose Anführerin mit großem Herz, und Marcie, ihre kluge, leise Begleiterin, die in ihrer Freundschaft ein bewegendes Duo bilden.
Und mitten unter ihnen – derjenige, der die Serie zu einem unsterblichen Kult erhob: Snoopy, Charlies Beagle. Snoopy ist Hund und Mensch zugleich, Träumer, Dichter, Pilot, Tänzer. Er lebt zwischen Hundehütte und Fantasie, zwischen Futternapf und Weltliteratur. Er zeigt uns, dass die größte Kraft die Vorstellung ist – dass wir alle, selbst im kleinsten Alltag, zu Helden werden können, wenn wir nur den Mut haben, uns selbst als etwas Größeres zu begreifen. Der Erfolg der „Peanuts“ liegt darin, dass sie nie oberflächlich waren. Sie sprachen Kinder an, weil sie einfach gezeichnet und lustig waren, aber Erwachsene fanden sich in ihnen wieder, weil sie über tiefe Lebensfragen schmunzeln ließen. Charles M. Schulz verstand es, Tragik mit Humor zu verweben, ohne je zynisch zu werden. Seine Figuren stolpern und fallen, doch sie stehen immer wieder auf, voller Hoffnung, als sei das Leben trotz allem schön.
Heute, 75 Jahre später, wirken die „Peanuts“ kein bisschen veraltet. Die Welt mag sich verändert haben, doch die Fragen nach Freundschaft, Liebe, Angst und Mut bleiben zeitlos. Charlie Browns verzweifeltes „Warum immer ich?“, Lucys ungebrochener Eigensinn und Snoopys Traumflüge sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Sie erinnern daran, dass Schwäche ebenso zum Menschsein gehört wie Stärke, dass Fantasie ein Rettungsanker ist und dass manchmal schon ein kleiner Hund mit einer riesigen Vorstellungskraft genügt, um die Welt heller zu machen.
Die „Peanuts“ sind ein Geschenk – zart, wehmütig, beglückend. Ein Stück Kindheit, das längst über das Kinderzimmer hinausgewachsen ist, und ein Werk, das heute wie damals lehrt: Selbst wenn das Leben uns Stolpersteine in den Weg wirft, gibt es immer jemanden, der mit uns lacht, uns tröstet – oder einfach neben uns die Drachen steigen lässt.