Manche Filme berühren leise – und bleiben für immer. Harold and Maude ist so ein Film. Eine zarte, ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, der vom Tod besessen ist, und einer fast 80-jährigen Frau, die das Leben in jeder Sekunde feiert. Ich präsentierte den Film bei einer Sondermatinee zum Tode des Hauptdarstellers Bud Cort im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist wieder eine Komödie mit Unternehmen Petticoat am Sonntag, 10. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Was zunächst provoziert oder irritiert, entfaltet sich zu einer zutiefst menschlichen Erzählung über Freiheit, Mut und die Kraft, anders zu sein. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags:
Harold lebt in einer Welt aus schwarzem Humor und inszenierten Suiziden, gefangen in Gleichgültigkeit und innerer Leere. Dann trifft er Maude – unkonventionell, lebenshungrig, voller Wärme. Sie stiehlt Autos, pflanzt Bäume, tanzt, lacht und stellt Regeln infrage. Vor allem aber zeigt sie Harold, dass jeder Tag ein Geschenk ist und dass es Mut braucht, wirklich man selbst zu sein.
Begleitet von den poetischen Songs von Cat Stevens (heute Yusuf/Cat Stevens) entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich melancholisch und tröstlich ist. Der Film spricht von Vergänglichkeit, ohne traurig zu sein, und von Liebe, ohne kitschig zu werden. Er erinnert uns daran, dass das Leben nicht gemessen wird an Konventionen oder Erwartungen – sondern an Intensität, Echtheit und Herz.
Harold and Maude ist kein lauter Film. Er flüstert. Und genau deshalb trifft er so tief. Die nächste Matinee ist wieder eine Komödie mit Unternehmen Petticoat am Sonntag, 10. Mai um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Ich kaufe kaum noch CD, aber dafür mehr Vinyl für meine drei Braun-Player und der März hat wieder einiges auf Vinyl gebracht. Hier die Einkäufe.
The Rainbow Concert von Eric Clapton Ich habe Konzertkarten für dieses Jahr und höre mir die alten Scheiben an, „Eric Clapton’s Rainbow Concert“ ist weniger ein makellos gespieltes Livealbum als ein dokumentierter Wendepunkt – und genau darin liegt seine Faszination. Aufgenommen im Januar 1973 im Londoner Rainbow Theatre, markiert das Konzert Claptons Rückkehr aus einer jahrelangen, heroingeschuldeten Versenkung; sein Freund Pete Townshend stellte ihm dafür eine All-Star-Band zur Seite, von Steve Winwood bis Ronnie Wood. Man hört dem Material diese Ausnahmesituation deutlich an: Die Band klingt stellenweise ad hoc und überladen, der Groove ist nicht immer straff, manche Nummer wirkt eher schleppend als präzise – Kritiker sprechen zu Recht von „sloppy“ Momenten und einer gewissen Schwere durch „zu viele Köche“.
Gleichzeitig hat das Album eine emotionale Spannung, die vielen technisch besseren Clapton-Liveplatten fehlt: In Stücken wie „Layla“, „Little Wing“ oder „Presence of the Lord“ mischen sich Unsicherheit, Melancholie und eruptive Energie zu einem eigenwilligen, dunklen Rock-Tonfall, den der „Rolling Stone“ einmal als „gigantischen Schwermut“ beschrieben hat. „Rainbow Concert“ eignet sich daher weniger als Einstiegsalbum in Claptons Werk, ist aber als historisches Dokument und als Momentaufnahme eines Künstlers am Rand und auf dem Weg zurück höchst hörenswert – gerade weil die Brüche nicht geglättet werden, sondern im Sound offen zutage treten.
Frankenstein von Alexandre Desplat Alexandre Desplats Soundtrack zu Frankenstein ist keine laute Horrormusik, sondern ein erstaunlich elegisches, oft fast melancholisches Album. Desplat schrieb die Musik für Guillermo del Toros Netflix-Film, der am 7. November 2025 erschien; schon im Vorfeld hatte er angekündigt, eher auf Lyrik, Emotion und die Verletzlichkeit der Kreatur als auf bloße Schockeffekte zu setzen. Genau das hört man dieser Partitur an:
Statt billiger Dramatik entfaltet sie einen langen, düsteren Sog, der Trauer, Sehnsucht und Größe miteinander verbindet. Besonders stark ist, wie die Musik die tragische Seite der Geschichte betont und dem Monster mehr Menschlichkeit verleiht als viele Dialoge. Manchmal ist der Score in seiner Laufzeit sehr ausufernd, doch gerade in seinen besten Momenten wirkt er wie ein dunkles, romantisches Gegenstück zu Desplats feineren Arbeiten der vergangenen Jahre. Ein atmosphärisch dichter, kluger und emotional überraschender Soundtrack, der Frankenstein nicht als Schauerstück, sondern als Tragödie begreift.
King of the Delta Blues Singers von Robert Johnson
„King of the Delta Blues Singers“ ist mehr als nur ein Blues-Album – es ist ein musikalisches Gründungsdokument. Die 1961 veröffentlichte Zusammenstellung machte Robert Johnson, der zu Lebzeiten kaum über den Kreis von Blueskennern hinaus bekannt war, posthum zu einer Legende. Und obwohl die Aufnahmen aus den Jahren 1936 und 1937 stammen, besitzen sie bis heute eine verstörende Unmittelbarkeit.
Was dieses Album so besonders macht, ist zunächst Johnsons Fähigkeit, mit wenigen Mitteln eine ungeheure Intensität zu erzeugen. Seine Gitarre klingt nie bloß begleitend, sondern wie ein zweiter Erzähler: treibend, klagend, nervös, manchmal fast gespenstisch. Dazu kommt seine Stimme, die nicht geschniegelt oder schön sein will, sondern rau, drängend und voller innerer Spannung wirkt. Johnson singt nicht einfach den Blues – er verkörpert ihn. Stücke wie „Cross Road Blues“, „Hellhound on My Trail“ oder „Love in Vain“ bündeln alles, was den Mythos Robert Johnson ausmacht: die Erfahrung von Verlust, Rastlosigkeit, Begehren, Angst und Verlorenheit. Seine Songs wirken oft wie Momentaufnahmen eines Lebens am Rand, voll dunkler Vorahnung und existenzieller Unruhe. Gerade darin liegt ihre enorme Kraft. Hier wird nichts ausgestellt oder romantisiert; diese Musik klingt, als sei sie direkt aus einer inneren Not heraus entstanden. Natürlich muss man hören, dass es sich nicht um ein modernes Studioalbum handelt. Die Klangqualität ist spröde, teils kratzig, die Aufnahmen sind technisch begrenzt. Doch das ist kein Makel, sondern Teil der Wirkung. Die rohe Aufnahmeweise verstärkt die Direktheit dieser Musik sogar noch. Wer sich darauf einlässt, hört schnell nicht mehr die historische Distanz, sondern nur noch Ausdruck, Rhythmus und emotionale Wucht. Beeindruckend ist auch, wie stark dieses Album nachgewirkt hat. Ganze Generationen von Rock- und Bluesmusikern haben hier eine Art Urtext entdeckt. Trotzdem lebt „King of the Delta Blues Singers“ nicht nur von seinem Einfluss oder seinem Ruf, sondern vor allem von der Qualität der Songs selbst. Diese Lieder stehen nicht unter Denkmalschutz – sie leben.
„Neu!“ von Neu! Mit „Neu!“ veröffentlichte das Düsseldorfer Duo Michael Rother und Klaus Dinger 1972 ein Debütalbum, das bis heute wie ein Gegenentwurf zur herkömmlichen Rockmusik wirkt. Während viele Bands ihrer Zeit auf Virtuosität, Bombast oder psychedelische Überladung setzten, suchten Neu! nach Reduktion, Wiederholung und hypnotischer Wirkung. Genau daraus bezieht dieses Album seine eigentümliche Größe.
Schon der eröffnende Longtrack „Hallogallo“ ist legendär: ein stoischer, fließender Beat, dazu schimmernde Gitarren und eine Atmosphäre, die zugleich kühl, frei und fast schwerelos wirkt. Der berühmte „Motorik“-Rhythmus, für den Neu! später berühmt wurde, treibt den Song nicht einfach nur voran – er erzeugt einen Sog. Man hört kein klassisches Rockstück, sondern eher eine Bewegung, ein endloses Fahren, ein Schweben nach vorn. Das ist Musik, die weniger erzählt als einen Zustand erzeugt. Überhaupt ist „Neu!“ kein Album, das mit traditionellen Songstrukturen beeindrucken will. Viele Stücke wirken wie Skizzen, Versuche oder Klangideen, doch genau das macht seinen Reiz aus. „Sonderangebot“, „Weissensee“ oder „Im Glück“ zeigen, wie stark Neu! mit Stimmung arbeiten: mal verspielt und entrückt, mal spröde und fast mechanisch, dann wieder überraschend zart. Besonders faszinierend ist dabei die Spannung zwischen Mensch und Maschine – einerseits wirkt vieles kontrolliert, repetitiv und fast industriell, andererseits steckt in diesen Aufnahmen etwas Improvisiertes, Rohes und sehr Körperliches. Nicht jedes Stück entfaltet dieselbe Kraft. Manche Passagen klingen fragmentarisch oder bewusst unfertig, was Hörerinnen und Hörer, die klare Melodien oder klassische Dramaturgie erwarten, auf Distanz halten kann. Doch gerade diese Offenheit gehört zum Konzept. Neu! wollten keine gefällige Platte machen, sondern einen neuen musikalischen Raum öffnen. Das gelingt ihnen eindrucksvoll. Der größte Verdienst von „Neu!“ liegt vielleicht darin, wie modern dieses Album noch immer klingt. Zahlreiche spätere Strömungen – von Post-Punk über Ambient bis Indie und Elektronik – haben hier hörbar Anleihen genommen. Dennoch wirkt die Platte nicht wie ein bloßes historisches Dokument, sondern lebendig, frisch und eigensinnig.
The B-52s – die Kollektion Die B-52s sind weit mehr als nur eine schrille Popband der späten 70er- und 80er-Jahre. Sie stehen für einen ganz eigenen Sound, für Mut zur Exzentrik und für die Kunst, aus Spaß, Stil und Anderssein etwas Dauerhaftes zu machen. Während viele Gruppen ihrer Zeit klar einem Genre zuzuordnen waren, schufen die B-52s eine unverwechselbare Mischung aus New Wave, Surf, Punk, Dance und Pop. Ihre Musik klang verspielt, futuristisch und zugleich herrlich schräg — und gerade darin lag ihre Stärke. Mit Songs wie „Rock Lobster“, „Private Idaho“, „Love Shack“ oder „Roam“ bewies die Band, dass Pop nicht geschniegelt und glatt sein muss, um erfolgreich zu sein. Die B-52s machten das Abseitige tanzbar und das Skurrile massentauglich. Ihr Markenzeichen waren nicht nur eingängige Melodien, sondern auch die theatralischen Stimmen, der trockene Humor und eine Ästhetik, die mit Camp, Retro-Charme und bewusstem Übermaß spielte. Zugleich waren die B-52s kulturell bedeutend, weil sie früh einen Raum eröffneten für Individualität, queere Ausdrucksformen und künstlerische Freiheit, ohne daraus je ein starres Programm zu machen. Sie wirkten leichtfüßig, aber nie belanglos. Hinter der bunten Oberfläche steckte eine Haltung: Man darf anders sein, laut sein, verspielt sein — und genau darin liegt oft die größte kreative Kraft. Dass die Band trotz persönlicher Verluste, insbesondere nach dem Tod von Gitarrist Ricky Wilson, weiter Bestand hatte, verleiht ihrer Geschichte zusätzliche Tiefe. Die B-52s blieben nicht bloß eine stilvolle Kuriosität, sondern wurden zu einer der prägenden Popformationen ihrer Zeit. Ihr Werk erinnert daran, dass Musik nicht nur Gefühle ausdrücken, sondern auch Räume öffnen kann — für Freude, Freiheit und Fantasie.
Nina Simone at Town Hall von Nina Simone Mit Nina Simone at Town Hall (1959) festigt Nina Simone ihren Ruf als außergewöhnliche Grenzgängerin zwischen Jazz, Klassik, Folk und Blues. Das Live-Album, aufgenommen in der Town Hall in New York, zeigt sie auf dem frühen Höhepunkt ihrer Karriere – selbstbewusst, technisch brillant und emotional kompromisslos.
Besonders eindrucksvoll ist „Black Is the Color of My True Love’s Hair“: Simone verwandelt das schlichte Traditional in ein dramatisches Kunstlied, getragen von ihrem klassisch geschulten Klavierspiel. Auch „The Other Woman“ besticht durch kühle Intensität und erzählerische Tiefe. Ihre Stimme wirkt nie gefällig, sondern stets wahrhaftig – rau, dunkel, kontrolliert.
Die Live-Atmosphäre bleibt dabei erstaunlich intim. Man hört keine effekthascherische Show, sondern eine Künstlerin, die ganz in ihren Interpretationen aufgeht. Nina Simone at Town Hall ist weniger ein Konzertmitschnitt als ein künstlerisches Statement: konzentriert, ernsthaft und von zeitloser Eleganz.
Søren Bebe Trio – Gratitude Das neunte Studioalbum des Søren Bebe Trios, Gratitude, erschienen im Januar 2026, ist eine meisterhafte Hommage an die nordische Jazztradition – lyrisch, atmosphärisch und von tiefer Dankbarkeit gegenüber Musik und Stille geprägt. Das Trio aus Pianist Søren Bebe, Bassist Kasper Tagel und Drummer Knut Finsrud, seit 2007 ein eingespieltes Gespann, destilliert hier seine Essenz in neun Tracks mit einer Gesamtlänge von rund 39 Minuten.
Gratitude atmet die klare, unhurried Nordic-Jazz-Ästhetik, die an ECM-Klassiker und Ensembles wie das Tord Gustavsen Trio erinnert: besonnene Melodien, viel Raum für Atempausen und eine Balance aus Intimität und Tiefe. Die Musik ist kitschfrei, spirituell ohne Religiöses, geprägt von fein ziselierten Klangforschungen, bei denen Anschwellen und Verklingen ebenso zählen wie der Ton selbst – ein warmer Impetus gegen winterliche Kälte. Kritiker loben die telepathische Empathie der Musiker und die pristine Produktion von August Wanngren.
Leave Home von The Ramones Leave Home (1977) zeigt die Band auf dem Höhepunkt ihrer frühen Explosivität: schneller, schärfer und noch kompromissloser als das Debüt. Die Songs sind kurz, laut und direkt, getragen von knochentrockenen Gitarrenriffs, simplen Schlagzeugbeats und der unverwechselbaren Stimme von Joey Ramone. Klassiker wie Pinhead oder „Gimme Gimme Shock Treatment“ verbinden eingängige Hooks mit rotziger Attitüde und machen das Album zu einem Paradebeispiel für die rohe Essenz des frühen Punk. Trotz minimaler musikalischer Mittel besitzt die Platte eine mitreißende Energie, die bis heute frisch und rebellisch klingt.
Wir sind wieder mit unserer blauen Knutschkugel auf Reisen gegangen. Ziel war Türkheim in Bayern – zum zweiten schwäbischen Microlino-Stammtisch. 65 Kilometer bei bestem Reisewetter nahmen wir mit unserem Elektrogefährt auf uns, um mit gleichgesinnten Microlino-Pilotinnen und -Piloten einen angenehmen Nachmittag in der Schlossgaststätte zu verbringen. Microlino-Fahren heißt nicht: schnell ankommen. Microlino-Fahren heißt: gesehen werden, winken, positive Emotionen empfangen.
Der Microlino weckt eine Vielzahl an Gefühlen, die ihn weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel erscheinen lassen. Sein retro-inspiriertes Design erinnert an die legendäre BMW Isetta und ruft dadurch Sympathie und Nostalgie hervor – viele Menschen empfinden ihn als charmant, beinahe verspielt oder gar „süß“. Hier unser Tag als Film.
Gleichzeitig vermittelt der Microlino ein starkes Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit: In der Stadt lässt sich mit ihm nahezu jeder Parkplatz erobern, er gleitet leise durch den Verkehr und schenkt seinem Fahrer das gute Gefühl, flexibel und souverän unterwegs zu sein. Dabei steht er auch für ein umweltbewusstes Lebensgefühl – als elektrisch betriebenes Leichtfahrzeug verkörpert er moderne Mobilität und Verantwortungsbewusstsein ohne Verzicht. Wer mit dem Microlino unterwegs ist, spürt eine gewisse Leichtigkeit und Lebensfreude. Die Fahrt wirkt oft wie ein kleines Abenteuer, begleitet von neugierigen Blicken und freundlichen Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer. Nicht zuletzt ist der Microlino Ausdruck von Individualität: Er fällt auf, hebt sich vom automobilen Mainstream ab und macht ein klares Statement – nämlich, dass Nachhaltigkeit, Stil und Persönlichkeit auch im Kleinformat Platz finden.
Schon im vergangenen Jahr gab es einen großartigen Stammtisch in Schwabmünchen. Jetzt sollte es tiefer nach Bayerisch-Schwaben gehen. Die Voraussetzungen: Die Batterie ist voll geladen, die Fahrtzeit beträgt etwas über eine Stunde, Autobahnen sind unbedingt zu vermeiden. Als App verwenden wir ABRP in der Free-Version. Fenster und Schiebedach auf, Hut auf – und los geht’s. Und wir haben einen Geschwindigkeitsrekord von 92 km/h aufgestellt.
Auf der Fahrt machten wir einen Zwischenstopp an der Autobahnkirche Windach Maria am Wege. Die Gespräche mit anderen Autofahrern und ihren PS-Boliden waren interessant. Unser Microlino wird von den Verbrennerfahrern nicht als Konkurrenz betrachtet – vielleicht werden wir ein wenig belächelt, aber die Sympathien sind auf unserer Seite.
In Türkheim angekommen, biegen wir durch den Torbogen ein – und da stehen sie schon: die anderen Stammtisch-Brüder und -Schwestern mit ihren Fahrzeugen, schön aufgereiht. Zwei rote, zwei mintfarbene und – mit uns – zwei blaue E-Autos waren erschienen. Eine wahre Augenweide!
Die Microlinos waren Blickfang, Fotomotiv und sofortiger Gesprächsanlass mit Passanten. Eine Dame erzählte uns von ihrem grünen VW-Käfer aus dem Jahr 1977, andere von der Isetta ihrer Jugend. Positive Vibrationen – mit wem wir auch sprachen. Zwei unserer Fahrer hatten zum Spaß einen riesigen Aufziehschlüssel auf das Dach gestellt – natürlich nur zur Show, aber ein großartiger Aufhänger, um das Eis mit Passanten zu brechen.
Nach 65 Kilometern Reiseweg mussten wir erst einmal Strom tanken – sonst wären wir nicht mehr heimgekommen. Kurzerhand schlossen wir uns an eine Ladesäule an, bevor der eigentliche Stammtisch und Meinungsaustausch begann.
Skurriles Gesprächsthema: Wie kann man in einem Microlino übernachten? Ein Paar hatte es ausprobiert und berichtete von unbequemen Erfahrungen auf der Fahrt zum Stammtisch nach Bamberg. Meine Gattin hatte die Idee, eine angepasste Luftmatratze für den Fahrerraum zu entwerfen – vielleicht sorgt sie so künftig für mehr Bequemlichkeit. Microlino-Fahrer sind eben erfinderisch.
Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, gab es eigens angefertigte Poloshirts mit dem Aufdruck „Microlino Team Schwaben“ – und Kekse in Microlino-Form. Wir sind eben Spinner – im positiven Sinne!
Einhellig war man der Meinung, dass die neue App für das Fahrzeug per Software-Update allen Microlinos zur Verfügung gestellt werden sollte. Natürlich wurde auch über das neue Cabrio-Modell diskutiert, über die Leistung der neuen Batterie und den möglichen Einsatz von CarPlay im Cockpit. Die Idee kam auf, mit den Microlinos an einem Isetta-Treffen teilzunehmen. Das nächste findet im August in Fürstenfeldbruck statt – wir strecken schon mal die Fühler aus.
Meine Frau erklärte, dass sie 2026 gerne einen Stammtisch bei uns im Landkreis veranstalten würde – im Rahmen von „Kunst im Stadl“ in Anzhofen. Dort sind wir seit Jahren mit der Aktion PiT Togohilfe vertreten, und unsere Microlinos würden wunderbar in dieses kreative Umfeld passen. Sie will es für 2026 einmal probieren – dann würde sich der Schwaben-Stammtisch nach Oberbayern ausdehnen. Auch kein Problem.
Nach einer Stärkung und den ersten Diskussionen fuhren wir mit unseren Autos in Kolonne durch Türkheim. Unsere sechs Fahrzeuge machten Eindruck, fielen auf und wurden bestaunt. Bei der örtlichen Eisdiele gab es eine Abkühlung, während unsere Fahrzeuge – in Reih und Glied geparkt – erneut für Aufmerksamkeit und Gespräche sorgten.
Zurück im Schlossgarten wurde nochmals Strom für die Heimreise getankt. Und zur Überraschung präsentierte meine Frau noch einen Microlino-Song, der mit KI generiert wurde. Nur ein Spaß – noch nicht perfekt –, aber ein wunderbarer Abschluss für einen rundum gelungenen Tag. Bis zum nächsten Stammtisch!
So eine Anreise musste schon geplant werden. Auf dem Programm stand das erste schwäbische Microlino-Treffen in Schwabmünchen. Eigentlich sind es nur 45 Kilometer, aber mit unserem Gefährt ist es gefühlt eine kleine Weltreise. Wir sind im Besitz eines Microlinos. Dies ist eine dieser sympathischen, elektrisch betriebenen Knutschkugeln und wir wollten Gleichgesinnte treffen und uns austauschen – Community ist heute das A und O.
Im Grunde ist der Microlino eine Art Isetta, aber eben nur elektrisch. Bisher verwenden wir unser zweisitziges E-Mobil nur für Fahrten im Landkreis, zum Bäcker, zum Arzt, zum Kino, zur Arbeitsstelle – also für übersichtliche Strecken. Wir haben noch einen Hybrid-Lexus, aber dank eigener PV-Anlage fahren wir mit dem Microlino elektrisch ohne weitere Kosten, und wir genießen es. Wir haben eben die Sonne im Tank.
Über die Facebook-Gruppe „Microlino Gruppe – D/A/CH“ hat meine Frau von dem Stammtisch erfahren, und nachdem sie vor ein paar Jahren (oder besser Jahrzehnten) in Schwabmünchen die höhere Schule besucht hatte, ging es also nach Bayerisch-Schwaben mit unserem blauen Pioneer. Ich postete in dem Insta-Account unseres Fahrzeugs. Geplante Fahrzeit waren rund 50 Minuten.
Am Vormittag wurde bei bestem Sonnenschein die Batterie auf 100 Prozent betankt und dann ging es los. Die Fahrt über Landstraßen und durch Dörfer ist immer ein Genuss. Das Schiebedach war natürlich meist geöffnet. Wenn wir Menschen begegneten, begegnete uns immer ein Lächeln. Der Microlino weckt gerade bei Älteren Erinnerungen an ihre Jugend, an die Zeit des Wirtschaftswunders, als die BMW Isetta für die kleine, neugewonnene Freiheit stand. Für die später Geborenen ist das Auto eine nette Erscheinung im Straßenbild. Auch Verbrenner-Freaks sehen in dem Microlino keine Bedrohung ihrer Potenz. Das Auto hat eine übersichtliche Reichweite und die Höchstgeschwindigkeit ist 90 Stundenkilometer – bergab.
Eine Fahrt von München nach Hamburg ist zwar theoretisch möglich, aber wer so ein Auto fährt, der braucht Zeit. Wie Karl Friedrich Wilhelm Wander im 19. Jahrhundert erklärte: Der Weg ist das Ziel. Für Langstrecken nehme ich sowieso den Zug.
Auf dem Weg nach Schwabmünchen bemerken wir die Schattenseiten des Autofahrens auf deutschen Straßen. Es wird dicht aufgefahren, es wird gedrängelt, es wird verbotenerweise überholt. Aber wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Der Weg ist das Ziel und die bayerische Landschaft ist schön. In Schwabmünchen angekommen, mussten wir erst einmal an eine Ladesäule. Wir tankten zum ersten Mal an einer öffentlichen Ladesäule, dieses Mal von den Lechwerken. Sie hat zwei Steckdosen. Die erste Dose war von einem VW blockiert, der aber bereits vollständig geladen war. Wir luden über die Website, gezahlt wurde per PayPal. Während unser Microlino Strom tankte, gingen wir ein Eis essen. Meine Gattin zeigte mir das Café, in dem sie als Pänälerin ihre Zeit vertrieb. Interessant war, dass nur Barzahlung möglich war – auch ein Unding im 21. Jahrhundert.
Nach 45 Minuten koppelten wir unser Auto von der Ladesäule ab und fuhren zum Veranstaltungsort. Der VW an der anderen Säule stand noch immer da und blockierte die Säule. Das sehe ich als Problem an, wenn vollgeladene Fahrzeuge die Ladesäulen blockieren. Einen Verbrenner lasse ich ja auch nicht nach dem Tanken an der Tanksäule der Tankstelle stehen.
Am Veranstaltungsort angekommen, warteten schon andere Microlinos in einer Reihe. Was für ein netter Anblick, was für nette Farben, was für ein netter Humor. Zwei Autos hatten auf ihren Dächern zum Spaß Aufziehschlüssel wie bei Spielzeugen. Microlino-Fahrer haben eben Humor.
Robert, der Organisator des ersten schwäbischen Stammtisches, hatte sich viel Mühe gegeben. Er hatte extra ein Metalllogo für den Stammtisch angefertigt, und jeder Teilnehmer bekam eine Metallplakette und ein Süßgebäck in Form eines Microlinos. Vielen Dank, Robert, für deine Mühe. Die Teilnehmer kamen aus Schwaben und sogar zwei Teilnehmer nahmen die lange Reise aus der Schweiz auf sich – tolle Leistung. Die Gespräche drehten sich um Emotionen, weniger um Technik. Es gab natürlich immer wieder interessante Details. Scheinbar werden jetzt stärkere Akkus verbaut, der Wunsch nach Schlüsselanhängern aus der Schweiz kam auf, die Montage von Kofferhaltern am Heck wurde diskutiert. Auch das Händlernetz kam zur Sprache. Wir hatten unseren Microlino aus der Motorworld in München, aber Auto Weiss in Aichach ist der Händler unserer Wahl.
Auf dem Parkplatz blieben immer wieder Spaziergänger stehen und interessierten sich für unsere Autos. Sympathische Gespräche mit sympathischen Leuten, kein Präsentieren von PS-Boliden wie bei manch anderem Automobilstammtisch. Spätnachmittags ging es dann wieder zurück. Der Stammtisch hat sich gelohnt.