Posts Tagged ‘Alexandre Desplat’

Oscar-Musiktipp: The Shape of Water von Alexandre Desplat

5. März 2018
Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Die Musik fließt einfach so dahin und umschlingt den Zuhörer, hüllt ihn ein und trägt ihn davon – dies kam mir als erstes in den Sinn als ich den Soundtrack The Shape of Water von Alexandre Desplat hörte. Gestern nacht wurde der Score The Shape Of Water mit dem Oscar für beste Filmmusik ausgezeichnet und wer den Score hört, der weiß warum. Er ist wirklich wunderschön und eine Bereicherung.
Ich hatte mir das Album bei Erscheinen gekauft, weil ich die Karriere des Franzosen Alexandre Desplat seit Jahren verfolge. Ich hatte trotz des großen Umfangs seines Werks immer das Gefühl, dass Alexandre Desplat ein Geheimtipp war. Er hat viele, viele wirklich gute Soundtracks komponiert. Ich habe über Godzilla, Harry Potter und sein Ausscheiden bei Star Wars Rogue One bereits gebloggt. Nicht gefallen hat mir The Grand Budapest Hotel und dennoch hat seine Musik zu diesem Film gepasst.
Nun trifft also der der Filmverrückte Guillermo del Toro auf Alexandre Desplat – der frischgekürte Oscargewinner trifft auf den frischgekürten Oscargewinner und es passt einfach zusammen. Ich habe bisher nur die Trailer von The Shape of Water gesehen, aber bereits bei diesen kurzen Filmschnipsel war die Musik von Desplat eindrucksvoll und nachhaltig. Sie hat mich umschlungen und versetzt mich in den märchenhaften Zauber, den der Film wohl vermitteln will. Es ist die Liebe einer Putzfrau zu einem Fischwesen und Desplat vermittelt die Romantik und die daraus resultierenden Konflikte sehr gut mit seiner Musik. Auch die Einspielungen von Songs, ein Stilmittel das ich sonst nicht so mag, passen gut. Renée Fleming, Glenn Miller und die faszinierende Caterina Valente. Für mich ist der Soundtrack ein schönes Gesamtkunstwerk und einzelne Titel hervorzuheben, geht hier in dieser Kritik nicht. Die Musik hat den Oscar 2018 verdient und das sage ich mit allen Respekt gegenüber dem großen John Williams. Gebt der Musik eine Chance und auch wer den Film als moderne Version von Amélie nicht gesehen hat, wird an dem Soundtrack seine Freude haben.

Harry Potter wird 20 Jahre – und ich hab ihn bis dato nicht gelesen

26. Juni 2017

Heute vor 20 Jahren erschien in Großbritannien der erste Band von Harry Potter. 20 Jahre ist das nun her und Harry Potter löste eine Begeisterung fürs Lesen und Fantasy aus – und lässt mich auch nach 20 Jahren völlig kalt.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Ja, ich bin kein Fan von Harry Potter. Ich hab die Faszination um den Zauberlehrling einfach verpasst. Mich hat der Virus von Joanne K. Rowling nicht erfasst. Meine Familie ist dagegen voller Potter-Fans, ich bin irgendwie gegen diesen Zauber immun. Das soll nicht heißen, dass ich die Begeisterung um das Phänomen Harry Potter nicht teilen kann. Ich habe einfach nicht von der Droge Harry Potter gekostet, freue mich aber über den Erfolg der Figur. 500 Exemplare druckte der britischen Bloomsbury-Verlag vom Erstlingswerk Harry Potter und der Stein der Weisen. Und dann wirkt der Zauber. Harry Potter entwickelte sich zum Renner in den Buchläden und brachte Kinder (und Erwachsene) scharenweise zum Lesen. Es ist stark, dass so ein Buch so eine Faszination auslösen konnte.
Meine Frau und später meine Kinder waren, sind und bleiben Potter-Fans. Wir haben die Bücher, eBooks und ganz beliebt die animierten iBooks von Apple und Filme. Wir haben Umhänge, verschiedene Zauberstäbe, Bücher mit Zaubersprüchen, mehrere Quiz-Varianten und ich glaube sogar, dass meine Gattin einen Besen Feuerblitz Nimbus 2000 besitzt – zumindest blitzen ihre Augen, wenn sie einen bestimmten Besen aus der Garage in ihren Hand hält.
Wir besuchten Harry Potter-Lesepartys in Büchereien und Buchhandlungen. Ich genoss eine Ausstellung, ich fieberte mit der Familie der Auslieferung eines neuen Potter-Buches entgegen. Einmal organisierte Amazon eine Nachauslieferung und der Paketbote kam gegen 2 Uhr morgens und brachte das ersehnte Harry Potter-Buch. So etwas gefällt mir – fetter Hype und richtig Rock’n Roll. Die Ideen von Joanne K. Rowling sind wirklich wunderschön. Nachdem ich viele Verwaltungsschulungen durchführe mag ich natürlich das Zauberministerium, als Bahnfahrer liebe ich den Hogwarts-Express samt Gleis Neundreiviertel und als Journalist verehre ich den Tagespropheten als Vorbild für ePaper.
Ab und zu lese ich Sekundärliteratur über Harry Potter, um bei meinen Kindern zu punkten. Dabei ist es toll, wie die Autorin mit den verschiedenen literarischen Genren spielt: Krimi, Jugend, Fantasy, Internatsliteratur – das Wechseln der Erzählformen. So eine Besserwisserei von mir macht bei meinen Kindern Eindruck.

Harry Potter im Kino und Blu ray
Weil ich zu faul war, die Bücher zu lesen, habe ich mir die Filme angesehen. Die meisten davon im Kino, alle immer wieder auf Blu ray. Ich überlege, ob ich das Potter-Schloss als Blu ray-Box kaufen soll. Meine Kinder K1/2 entwickelten sich zu Potter-Experten und schauen sich die Filme immer wieder gerne an. Sie sprechen die Dialoge mit, fachsimpeln, klatschen und freuen sich. Ich erkenne mich in meinen Kindern. Was Harry Potter für sie ist, ist die klassische Trilogie von Star Wars für mich: Einfach nur Kult. Nicht verraten: Die Potter-Filme fand ich ganz okay, aber auch nicht mehr. Aber das geht vielen Leuten mit Star Wars und Star Trek ebenso – also will ich nicht darüber urteilen.

Harry Potter Soundtracks
Allerdings mag ich den Score der Harry Potter-Filme. Ich besitze alle Soundtracks, einige davon in Extendet Version. Die Preise für diese Teile sind explodiert, ich hatte sie damals als Komplettierung meiner Soundtrack-Sammlung gekauft.
Die ersten drei Teile Harry Potter und der Stein der Weisen, Harry Potter und die Kammer des Schreckens und Harry Potter und der Gefangene von Askaban wurden komponiert von Altmeister John Williams und sind über jeden Zweifel erhaben. Teil 4 Harry Potter und der Feuerkelch wurde von Patrick Doyle beigesteuert und dann folgten zwei Soundtracks von Nicholas Hooper Harry Potter und der Orden des Phönix und Harry Potter And The Half-Blood Prince. Den Score für die letzten beiden Potter-Filme steuerte der Franzose Alexandre Desplat bei. Diese Musik ist wirklich großartig.

Harry Potter als Videospiel
Ab und zu spielen wir Videospiele rund um Harry Potter. Die beiden Lego-Spiele finde ich – wie die meisten Lego-Spiele – großartig umgesetzt. Interessant ist, dass meine beiden jugendlichen Potter-Fans K1/2 diese Spieleumsetzung Lego Harry Potter Collection eher langweilig finden. Sie greifen dann doch lieber zu Star Wars, Batman und Indiana Jones. Und auch das Lego-Spielzeug von Harry Potter kommt nicht so gut an, wie ich gedacht habe. Die Figur des Rubeus Hagrid habe ich mal geschenkt bekommen als ich über ein Lego-Fußballstadium berichtete. Rubeus Hagrid war damals Brasilienfan – zumindest hatte die Figur Rubeus Hagrid eine brasilianische Fahne in der Hand. Die Figur steht heute auf meinem Schreibtisch, aber die restlichen Harry Potter-Bausätze lockten meine Kinder nicht. Wir bleiben in der Lego Star Wars-Welt – ohne Harry Potter.
Ich plane als nächstes mit K1/2 den Besuch der Harry Potter-Filmstudios in London. Das geht sicherlich ins Geld, aber den Spaß gönne ich mir. Mal sehen, ob die Gattin uns begleitet. Und wenn es wirklich klappt, dann verspreche ich nach 20 Jahren des Erscheinens des ersten Harry Potter-Buches die Buchreihe durchzulesen. Es gehört doch irgendwie zur Populärkultur dazu.

Filmkritik Star Wars Rogue One

14. Dezember 2016

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„Als das Lucas-Logo auftauchte, da kribbelte es so schön im Bauch und mein Herz pochte“ – So nett drückte es mein Filmkritiker Kollege Julian Reischl aus. Und recht hatte er. Rogue One versetzte mich seit Wochen in einen Erregungszustand, den ich als Kind hatte, wenn ich einen großen Film im Kino ansehen durfte. Heute bin ich eher abgebrüht, aber dieses Gefühl habe ich mir bei Star Wars- und Star Trek-Filmen bewahrt. So auch bei der Premiere von Rogue One. Ich trat aus dem Kino und fühlte mich wie ein Held auf seinem Klassentreffen. Rogue One war ein Treffen der alten Bekannten. Ich sah meine Lieblinge wieder: C3PO, R2D2, Darth Vader, Prinzessin Leia und einfach wunderbar Gouverneur Großmoff Tarkin. Sie waren die Konstante, die den Film erträglich machten, was nicht heißen soll, dass Rogue One ein schlechter Film ist. Nur das Feuer sprang bei mir erst im Laufe des Films über.
Der Film ist ein Spin Off aus dem Star Wars-Universum und eine separate Geschichte, die sehr gut vor Episode IV eingebettet ist. Von der Handlung will ich nicht viel verraten: Es geht um die Pläne des Todessterns, die von den guten Rebellen von dem bösen Imperium gemopst werden. Fans wissen Bescheid.
Der Beginn des Films schleppte sich hin, die neuen Charaktere wurden eingeführt, doch emotional rissen sie mich nicht mit. Einzig der umgedrehte imperiale Droide K-2S0 zeigt die notwendigen Emotionen und sorgte für ein gewisses Maß an Unterhaltung. Was ist passiert? Bin ich etwa zu alt für Star Wars? Nein, ich bin nicht zu alt für gute Unterhaltung, aber der Anfang kam schon sehr klischeebehaftet daher.
Regisseur Gareth Edwards, der mit Godzilla ein emotionales Meisterwerk ablieferte, versteht eigentlich sein Handwerk. Er weiß eigentlich, was mir als Fan der ersten Stunde gefällt. Er zitierte die alten Filme und das freut mich. Beispiele gefällig?

Da wäre der Held, der zuerst schießt. Wie der alte Han Solo einstmals. Und ich bleibe dabei: Han hat zuerst geschossen, auch wenn Lucas später eine Geschichtsfälschung betrieb.

Dann wären da die Wachmänner auf den Rebellentürmen, die in den Sonne blicken, während die X-Wings in den Krieg ziehen. Warum braucht man eigentlich in der Zukunft noch einen Ausguck?

Und da ist auch der Mausroboter, der den Sturmtruppen hinterher rollt. Wie sehr habe ich damals im Kino gelacht und wollte unbedingt so einen Maus-Droiden haben.

Schöne Erinnerung waren auch die hohen Schächte in denen unsere Helden herumturnen und gegen die Sturmtruppen kämpfen. Der alte Luke hing auch in solchen Schächten, die damals noch Matte-Zeichnungen waren, und musste den Traktorstrahl ausschalten. Leia retten.

Sehr schön auch der Crash der Sternenzerstörer – wie einst bei Rückkehr der Jedi, als es Rums auf Endor machte und die Jedi wieder die Macht übernahmen.

Aber es kamen in Rogue One beim ersten Mal Ansehen keine neuen markanten Augenblicke vor, die sich in mein Filmbewusstsein einbrennen werden. Schade. Vielleicht passiert dies beim zweiten und dritten Mal, denn ich werde mir den Film mehrmals ansehen (müssen).
Technisch ist Rogue One allererste Sahne und die Weltraumkämpfe machen Spaß. Da gibt es nix zu meckern, wenn Gold eins und Rot eins zum Angriff über gehen. Es macht Freude, wenn die Jäger gegen das Imperium antreten, wenn die Tie-Fighter daher sausen und sich im Kampf stellen. Ich liebe die ATAT, die Rebellen auslöschen. Das ist das Star Wars Universum, wie ich es mag. Warum allerdings die Daten vom Todesstern allerdings auf Festplatten gelagert werden, erschließt sich mir nicht. Cloud Computing hat sich in der Zukunft wohl doch nicht durchgesetzt. Es muss ja nicht gerade die Drop Box sein.
Klar ist auch: Der Rogue One ist härter geworden als die bisherigen Filme der Reihe. Der Hinterhalt, in dem die Sturmtruppen mit ihrem Panzer geraten, zeigt keine glorreichen Kämpfe mit Helden und Siegern. Das ist Krieg und mir kam Ridley Scotts Black Hawk Down in Erinnerung. Und ich täuschte mich nicht. Für das lebensnahe, realistische Feeling von Rogue One verpflichtete Edwards Greig Fraser (Zero Dark Thirty, Foxcatcher) als Chefkameramann und Neil Corbould (Black Hawk Down, Gladiator, Der Soldat James Ryan) als Special Effects Supervisor. Einzig, die Heldin zeigt Herz und rettet ein weinendes Kind. Bilder vom Krieg in Syrien kamen auf. Familienunterhaltung ist das nur bedingt. Der Film selbst ist eher in dunklen Bilder gehalten, was der ganze Atmosphäre sehr gut tut.
Die grundsätzliche Frage stellte sich mir im Film immer wieder: Warum tragen die Sturmtruppen eigentlich eine Panzerung. Laserstrahlen fegen sie hinweg. Und sogar jeder Stockhieb erledigt sie. Schutz stelle ich mir anders vor. Richtig nervig war für mich Kung Fu Panda Chirrut Îmwe (Donnie Yen) und sein Rambo-Verschnitt mit der großen Karre. Hier wurde versucht ein dynamisches Duo aufzubauen, das meines Erachtens misslang. Die Charaktere nerven nur. Ich bin auch keine 8 Jahre mehr. Was bei Lucas noch eine Verbeugung vor dem großen Akira Kurosawa war, ging mir jetzt gehörig auf den Geist. Es war eher Kung Fu David Carradine mit John Rambo Stallone.
Gefallen hat mir dagegen das Böse im weißen Mantel. Der imperiale Militärdirektor Krennic (schön gespielt von Ben Mendelsohn) will den Todesstern unterdessen so schnell es geht einsatzbereit bekommen. Er bekommt aber von seinen Vorgesetzten, buchstäblich die Luft abgeschnürt und wird zurückgepfiffen. Insider wissen, wer der Chef mit schwarzen Mantel und Maske ist. Das macht Spaß und bei dieser Szene klatschte ich innerlich. Gut gemacht.
Ein Wort noch zur Musik. Den Score werde ich noch extra besprechen, wenn ich das Album durchgehört habe. Jeder Komponist muss verlieren, wenn er das Erbe von John Williams antritt. An den Olymp kommt keiner heran. Regisseur Gareth Edwards beauftragte Komponist Alexandre Desplat mit dem er schon bei Godzilla arbeitete. Weil aber Disney umfangreiche Nachdrehs anordnete, stieg Alexandre Desplat aus dem Projekt aus – mich würde jetzt um so mehr seine Interpretation interessieren. Ausputzen musste es Michael Giacchino, der in vier Wochen den Score komponierte und aufnahm. Eigentlich viel zu wenig Zeit für so einen wichtigen Film. Michael Giacchino machte seine Sache gut, aber das endgültige Urteil folgt in einer separaten Kritik.
Lohnt sich Rogue One? So lautet die Frage. Ja ist meine Antwort. Ist er besser als Erwachen der Macht? Nein, ich habe mich damals eher heimisch gefühlt. Werde ich mir Rogue One nochmals ansehen: Ja, auf jeden Fall, denn es gibt viel zu entdecken und außerdem ist es noch ein Jahr hin, bis Star Wars VIII am 15. Dezember 2017 ins Kino kommt.

Filmtipp Zero Dark Thirty zum 15. Jahrestag vom 11. September 2001

11. September 2016
Zero Dark Thirty zeigt die Jagd auf Bin Laden, der für den 11. September verantwortlich ist.

Zero Dark Thirtyzeigt die Jagd auf Bin Laden, der für den 11. September verantwortlich ist.

Heute jährt sich der 11. September 2001 zum 15. Mal. Es war ein schreckliches Erlebnis – ein Erlebnis, das meine Generation nicht vergessen wird. Ich habe öfters an diesem Jahrestag zu dem Themenkomplex gebloggt und so auch heute wieder.
Als Erinnerung an diesem tragischen Tag habe ich mir den US-Spielfilm Zero Dark Thirty angesehen. Es ist ein Spielfilm über die Jagd auf den Al-Qaida-Chef Bin Laden. Ich muss zugeben, dass ich über die Soundtrack von Alexandre Desplat zu diesem Film gekommen bin. Beim ersten Ansehen war ich über die Kühle dieses Films fasziniert. Es wird die Geschichte der jungen CIA-Agentin Maya und ihrer Jagd auf Al-Qaida-Führer Osama bin Laden erzählt. Der Film zeigt die Rückschläge und die Ausdauer der Agentin, die schließlich zum Aufspüren des Kopfes hinter dem 11. September steckte. Mich hat der Film fasziniert und abgeschreckt. Abgeschreckt, weil er die Foltermethoden der USA drastisch darstellt. Der Einsatz von Waterboarding, um Informationen aus den Gefangenen herauszupressen – wie wird das gesehen?. Und wie Reaktion der US-Folterer nachdem US-Präsident Obama die Folter einstellen ließ. Der Film spricht das Dilemma der CIA an. Darf der Mensch foltern, um wichtige Informationen aus Terroristen oder Verdächtigen herauszupressen?
Was mir an Zero Dark Thirty auch gefallen hat, dass diese US-Produktion ohne den üblichen Pathos daherkommt. Der Showdown ist spannend, aber nüchtern. Natürlich ist es eine Hollywood-Unterhaltungsproduktion, aber Regisseurin Kathryn Bigelow geht vorsichtig mit dem Thema in den 151 minütigen Film Zero Dark Thirty um. Die Themen 11. September und die Folgen werden aus meiner Sichtweise hervorragend umgesetzt. Die Darsteller, allen voran Jessica Chastain als Agentin Maya, passen und agieren umsichtig. Der Film fällt kein Urteil und überlässt dies den Zuschauer. Und das ist ungewöhnlich. Normalerweise wird bei diesem Thema der Zuseher gelenkt und bekommt eine Meinung aufgedrückt. Das ist bei Zero Dark Thirty kaum der Fall, von Kleinigkeiten abgesehen.

Bin Laden wird nur angedeutet.

Bin Laden wird nur angedeutet.

Der Film ist dramaturgisch hervorragend inszeniert, baut leise Spannung auf und obwohl man das Ende des Films eigentlich kennt, habe ich als Zuschauer mitgefiebert. Sehr gut fand ich auch die Tatsache, dass der Körper von Bin Laden nur angedeutet wird. Die Kamera hält nicht drauf, sondern spielt mit Licht und Schatten. Und immer wieder muss ich an den Schrecken des 11. Septembers 2001 denken. Unsere Welt hat sich geändert.

Queen Elisabeth II. wird 90. Jahre alt

21. April 2016
Die Dame auf den Geldscheinen wird heute 90. Jahre alt.

Die Dame auf den Geldscheinen wird heute 90. Jahre alt.

Die Queen wird 90. Jahre alt und ich will ganz artig gratulieren. Ich habe neulich meine britischen Pfund in einen Reisegeldbeutel verstaut und mir das Konterfei von Queen Elisabeth II. auf den Geldnoten angeschaut. Obwohl ich kein Brite bin und weder dem Commonwealth noch der anglikanischen Church of England angehöre, mag ich die alte Dame (und vor allem auch Prinz Philip).
Ich hatte mal eine Freundin, die mir damals als Helmut Kohl Bundeskanzler war, einmal überraschend sagte: Ich kenne keinen anderen Kanzler als Kohl. Nun, das ist bei mir nicht der Fall, aber ich kenne keine andere Königin als Queen Elisabeth II. Seitdem ich lebe, übt Elizabeth Alexandra Mary als Queen Elisabeth II. ihr Amt aus. Sie war immer da, lange vor meiner Geburt. Und ich finde, sie macht es ausgezeichnet. Von ihr kann man viel, sehr viel lernen.
Als am 2. Juni 1953 ihre Krönung in der Westminster Abbey stattfand, kam es einer TV-Live-Übertragung der BBC. Die Zahl der Geräte in Großbritannien sprang von wenigen Hunderttausend auf vier Millionen in die Höhe, insgesamt verfolgten etwa 300 Millionen Zuschauer die Zeremonie – so sagt es Wikipedia. Unter diesen TV-Zuschauern war auch meine Großmutter dabei, die mir zu ihren Lebzeiten davon berichtete. Sie erinnerte sich, dass sie vor der Krönung zum Friseur ging, denn mit zerzaustem Haar wollte meine Oma der neuen Queen vor dem Fernseher nicht unter die Augen treten. Naja, die Zeiten ändern sich. Ich habe mir die Feierlichkeiten zum Thronjubiläum in der Jogginghose und T-Shirt angeschaut.

Queen Elisabeth II. bewahrt Haltung
Queen Elisabeth II. hat vor allem Haltung bewiesen, Stärke über all die Jahre – und das finde ich bewundernswert. Sicher, die alte Dame hat einen sturren Kopf, aber sie macht ihre Sache ausgezeichnet. Sie hat so viel erlebt und schwere Zeiten hinter sich gebracht. Sie hat ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und für die Monarchie und die Pflichterfüllung gelebt. Ich hätte das nie gekonnt. Respekt. Aber beim Geburtstag will ich nicht auf die schlimmen Zeiten zurückblicken, sondern erinnere mich lieber daran, dass sie zu den Olympischen Spielen 2012 das „unvergesslichstes Bond-Girl aller Zeiten“ war und im Kurzfilm Happy and Glorious eine humorvolle Leistung abgab. So was gefällt mir.

Mein Lieblings-Queen Moderator Rolf Seelmann-Eggebert
Es laufen so viele Dokumentationen über die Queen und natürlich ist mein Lieblingskorrespondent Rolf Seelmann-Eggebert auch von der Partie. Wenn es um den Adel geht, dann ist Rolf Seelmann-Eggebert mein Favorit. Er war Chefkorrespondent des Norddeutschen Rundfunks (NDR/ARD) und hat dort eine lange Karriere als Reporter, Auslandskorrespondent und Programmdirektor Fernsehen hinter sich. Für mich ist er der Kenner, wenn es um das Thema Queen geht. Gerne würde ich mal ein Interview mit ihm über die Produktionsweise seiner zahlreiche Filme machen. Vielleicht klappt es einmal.


Wie kann ich der Queen zum Geburtstag gratulieren? Vielleicht so: Ich schaue mir wieder das Buch Her Majesty an, das im Taschen Verlag erschienen ist. Ich habe ausführlich darüber gebloggt. Und zum 90. Geburtstag der Queen werde ich es mir wieder ansehen. Und ich höre mir den Soundtrack zum Film The Queen an. Alexandre Desplat hat die Musik komponiert und ich entdeckte Alexandre Desplat immer mehr für mich. Er ist über die Jahre sehr gereift. Der Soundtrack ist ein harmonischer Score und ich werde ihn zum Geburtstag der Queen abspielen. Und ich höre mir den wunderbaren The King’s Speech von ihm an, der thematisch ja auch zur Queen passt.

Musiktipp: Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens von Williams

20. Dezember 2015
John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

Nur ein Takt von ihm und Hans Zimmer und Konsorten können einpacken. Der Meister des Soundtracks hat wieder zugeschlagen und dies mit 83 Jahren. Gemeint ist der legendäre John Williams und sein neuer Wurf ist der Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens.
Meine Erwartungshaltung war gigantisch und natürlich muss auch ein John Williams daran scheitern. Der Soundtrack zu Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht ist hervorragend, reicht aber nicht an frühere Werke heran, die aus der Feder von Williams stammen. Das bedeutet nicht, dass der Score zu Star Wars The Force Awakens irgendwie schlecht ist. Er ist nur nicht so perfekt wie andere Kompositionen von ihm und bei weitem besser als was sonst so auf dem Markt ist.
John Williams ist sich in vielen Sachen treu geblieben. Er setzt wie bisher auf die bekannten Leitmotive, die er sich vom genialen Richard Wagner abgeschaut hat. Studiokopfhörer aufgesetzt, Augen geschlossen und schon erzeugt das orchestrale Werk Bilder in meinem Kopf. Ich erkenne die alten Leitmotive, die Fanfaren, die Klänge, die mich durch die vergangenen Jahre immer begleitet haben. Motive, die zum Kulturgut der Menschheit geworden sind. Sie sind so unheimlich schön.
Und die neuen Motive? Rey’s Theme ist sehr gut geworden, aber es ist kein Imperial March. Es ist leicht, beschwingt und geht schön ins Ohr. Generell habe ich mehr Leitmotive erwartet, die ich den handelnden Personen zuordnen kann. Das war ein absoluter Pluspunkt bei den Star Wars-Soundtracks von John Williams. Hier hat sich der Meister dieses Mal zurückgehalten und einen soliden Soundtrack abgeliefert. Als Pedant stört es mich übrigens, dass John Williams die Musik nicht wie sonst mit dem London Symphony Orchestra eingespielt hat, sondern die Musik wurde in LA von Musikern aus Williams Umfeld aufgenommen. Auf dem Cover der CD wird kein Orchester vermerkt, nur über die Star Wars Website wurde darüber berichtet.
Williams stand beim Komponieren vor einem Dilemma. Im YouTube-Channel von Star Wars sagte er sinngemäß: „Ich kann mir das ohne Bezüge zu den Filmen, die wir schon kennen, gar nicht vorstellen, und da ist es angemessen, ja notwendig, einige der früheren Themen zu verarbeiten. Und das war ja das, was mir immer so Spaß gemacht an der Arbeit, an jedem einzelnen dieser Filme, denn jedes Mal konnte ich auf altes Material zurückgreifen und neues entwickeln, so dass beide Seite an Seite funktionieren und sich dann anfühlen wie ein Teil des ganzen Film-Gefüges.“ Und so erfreue ich mich an verschiedenen Anklängen aus der Vergangenheit. So wie Jeffrey Jacob Abrams mich mit Star Wars VII in meine Jugend zurückversetzt hat, so hat mich auch John Williams an die Hand genommen und mich mit der Zeitmaschine gesetzt. Ich weiß noch, wie ich die Doppel-LP zu Krieg der Sterne in meinem Kinderzimmer wieder und wieder abgespielt habe.
So viel symphonische Soundtracks mit Klasse gibt es nicht mehr. Im Olymp sind Williams, gefolgt von Jerry Goldsmith. Dann gibt es viele gute Leute – die Maschinerie von Hans Zimmer gehört nicht dazu. Leider habe ich es nicht geschafft, John Williams zu treffen, bzw ihn live zu hören. Der Mann ist 83 Jahre, ich muss mich also beeilen.
Es wird wohl der letzte Star Wars Soundtrack von John Williams sein. Den Teil VIII Rogue One komponiert Alexandre Desplat. Ihm traue ich sehr viel zu, spätestens mit Godzilla hat er einen starken Score geliefert.
Zur Veröffentlichung selbst: Ich erwarte übrigens, dass es in den nächsten Monaten noch eine Fassung mit dem kompletten Score gibt. Die Musik aus dem ersten Trailer ist bisher nicht erschienen. Universal hat zum Start des Films zwei Fassungen des Werks herausgebracht – eine Standard-Version und eine Deluxe-Version. Als Sammler habe ich freilich beide gekauft. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Verpackung. Bei der Deluxe-Version Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht gibt es ein Cover aus Pappe mit Bildchen, während die Standard-Version von Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht in der Plastikhülle daher kommt. Mehr Musik ist auf der Deluxe-Version nicht enthalten. Also klassische Geldmacherei des Disney-Konzerns.

Bedingter Soundtracktipp: Harry Potter Soundtrack

4. März 2015
Völlig unnötig.

Völlig unnötig.

Nachdem meine Kinder derzeit auf dem Harry Potter-Filmtripp sind, schaue ich die Filme wieder mit an. Ich bin kein großer Fan der Filmserie und so döste ich in meinem Sessel vor mich hin. Dabei achtete ich vor allem auf den Soundtrack der Filme und da gibt es gewaltige Unterschiede.


Die ersten drei Teile Harry Potter und der Stein der Weisen, Harry Potter und die Kammer des Schreckens und Harry Potter und der Gefangene von Askaban wurden komponiert von Altmeister John Williams und sind über jeden Zweifel erhaben. Teil 4 Harry Potter und der Feuerkelch wurde von Patrick Doyle beigesteuert und dann folgten zwei Soundtracks von Nicholas Hooper Harry Potter und der Orden des Phönix und Harry Potter And The Half-Blood Prince , die ich allesamt nicht berauschend finde.
Richtig wach wurde ich, als ich den beiden letzten Potter-Filme lauschte und die Musik des Franzosen Alexandre Desplat genoss. Die fand ich prima. Daher erwarb ich ein Exemplar einer auf 10.000 Exemplaren limitierten Sonderausgabe des Soundtracks von Harry Potter And The Deathly Hallows I.

Harry_Potter2Alexandre Despat lernte ich das erste Mal 2006 musikalisch kennen, als er die Musik zum wunderbaren Film The Queen komponierte. Musik und Film hatten mir damals im Kino und bei einem spätere USA-Flug gefallen. Nach einem interessanten Soundtrack (aber schrecklichem Film) Goldenen Kompass folgte der wieder hörenswerte seltsame Fall des Benjamin Button und auch Kings Speech. Mit Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I und II gelang Alexandre Desplat der internationale und kommerzielle Durchbruch. Vor kurzem habe ich über seinen Soundtrack zu Godzilla gebloggt.
Jetzt entschied ich mich für die exklusive Potter Box und bin sehr gespalten über das Ergebnis. Die Box enthält vier Datenträger, den Originalsoundtrack, eine zweite CD mit weiteren Stücken. Dann gibt es eine DVD mit einer kleinen (nichtssagenden) Doku über Desplat samt Originalsoundtrack in 5.1 (großartig). Auch die 7 Zoll Picture-Disc-Single ist nett anzusehen. Völlig unnötig ist dagegen ein gefaltetes Mini-Filmplakat und ein 5 mm Dia aus dem Film. Eine Frechheit ist ein billiger Druck einer Partitur von Desplat samt aufgedruckten Autogramm des Komponisten – das ist wirklich lächerlich bei dem Preis der Box. Also die Box ist kein wirkliches Must-have. Die Potter-Fans werden dies natürlich anders sehen. Die Musik ist prima, aber den reinen Soundtrack bekomme ich anders auch billiger. Die Box Harry Potter And The Deathly Hallows I. hat es nicht gebraucht.

Soundtracktipp: Godzilla von David Arnold

24. Oktober 2014
die ultimative Soundtracksammlung

die ultimative Soundtracksammlung

Roland Emmerichs Blockbuster Godzilla muss man nicht mögen, aber ich irgendwie schaue ich den Monsterfilm des deutschen Filmemachers immer wieder gerne an. Es ist zwar nicht Godzilla, wie ich ihn kennengelernt habe, aber es macht nichts. Es ist viel Monster und viel Rums in dem Film.

Nach vielen TV-Wiederholungen und Blu ray-Abenden mit Godzilla beschäftigte ich mich ein wenig mehr mit dem Soundtrack und entdeckte eine wahre Perle. Und dass wir uns richtig verstehen: Ich spreche nicht von der schrecklichen Hit-Compilation, die uns als Soundtrack verkauft wurde. Ich spreche von dem Original-Score von David Arnold.

Und damit begann die Suche. Es gibt von dem Score eine Doppel-CD Godzilla(gut) und eine so genannte Ultimate Edition von Godzillamit drei CDs (sehr gut). Letztere Ultimate Edition ist auf 3000 Exemplaren limiert und wer Glück hat, sollte sie sofort erwerben. Es lohnt sich.

Die Liebe zu David Arnolds Musik war eine schwere Geburt. Mit der Musik von David Arnold hatte ich über die Jahre so meine Probleme. Er ist im Grunde der Haus- und Hofkomponist von Roland Emmerich. Seine Soundtracks zu Stargate oder Independence Day fand ich eher durchschnittlich. Sie haben mich nicht vom Hocker gehauen. Und wenn ich seine Musik zu den James Bond-Filmen höre, sehne ich mich an die Zeit zurück, als John Barry die Musik für James Bond schrieb. Das waren noch Scores. Aber als David Arnold die Musik zur BBC-Verfilmung Sherlock ablieferte, hörte ich etwas genauer hin. Die bisher drei Sherlock-Soundtracks haben mir trotz ihrer Kürze gefallen. Ich beschloss, den Komponisten wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

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Zu den Soundhäppchen von Sherlock ist der Score von Godzilla nahezu episch. Die drei CDs sind 56:14 Minuten, 64:17 Minuten und 49:10 Minuten lang. Die Musik der dritten CD ist bisher unveröffentlicht. Und das ist absolut nicht zu verstehen, warum man solche Schätze nicht geborgen hatte.

Der Brite Arnold begann 1997 in Los Angeles mit seiner Arbeit an Godzilla. Weil die Special Effects noch nicht fertig waren, musste Arnold quasi ohne Monster ins Blaue hinein komponieren. Also verlegte sich der Komponist eher auf das menschliche Moment des Films, was kein Schaden war. Er machte aus der Not eine Tugend und es ist ihm gelungen. Aber natürlich brechen immer wieder bei dem Blockbuster die lauten Töne durch.

Leider, leider nahm Arnold das berühmte Godzilla-Thema von Akira Ifukube nicht auf. Wirklich schade. Selbst die musikalische Version von Alexandre Desplat aus dem Jahr 2014 greift darauf zurück. Ich finde dieses Ignorieren einen Fehler, denn zu Godzilla gehört für mich einfach das Ifukube-Thema. Naja, dafür gibt es die Marseillaise mit dem Stampfen von Godzilla, weil Jean Reno den französischen Agenten Philippe Roche spielt.

 

Godzilla: Mein Lieblingsmonster ist wieder da

25. September 2014

Zur Sozialisierung meiner filmischen Erziehung gehörte auch Godzilla. Seit meiner Kindheit begleitet mich das japanische Monster und auch als Erwachsener gefällt mir die Filmfigur. Als Kind schaute ich am Samstag um 14 Uhr die Jugendvorstellungen der Godzilla-Filme im örtlichen Lichtspielhaus an, Eintritt 2,50 Mark. Später kaufte ich mir die Filme auf DVD und wenn ich schlechte Laune habe, genieße ich die Klopperei der Herren in Monstergummianzügen. Und als ich hörte, dass Steiff einen Sammler-Godzilla auf den Markt bringt, schlug ich sofort zu. Godzilla ist natürlich mehr als nur Unterhaltung, denn es ist auch ein Ausdruck des Protestes gegen Atomkraft. Der Science Fiction Film als Spiegel seiner Zeit.

Auch im neuen Godzilla gibt es Verwüstungen.

Auch im neuen Godzilla gibt es Verwüstungen.

Als die erste US-Produktion von Godzilla von Roland Emmerich auf den Markt erschien, war ich skeptisch. Den Film fand ich gar nicht so schlecht – es war kein japanische Monsterkino von Toho mehr, sondern eine fette US-Blockbuster-Produktion. Doch, Emmerichs Version mochte ich und sehe es als klassisches Popcorn-Kino. Lange musste ich nach dem Score des Film suchen, denn er ist wirklich hervorragend.

Der Film ist sehr dunkel.

Der Film ist sehr dunkel.

Als Godzilla von Gareth Edwards in die Kinos kam, spitze ich die Ohren. Der Mann hatte mit Monster 2010 einen Überraschungshit gelandet und er hat das Potenzial für Godzilla. Und ich hatte recht. Mir hat seine Version gefallen und vor allem deswegen, weil es kein Transformers, Pacific Rim und Co geworden ist. Fans dieser Art von Materialschlacht waren beim ersten Sehen von Godzilla wohl enttäuscht. Ich hatte auch viele Bekannte, die mich vor der Filmversion von Edwards gewarnt habe. Verschwendete Zeit und verschwendetes Geld. Godzilla tritt erst nach einer Stunde auf und bleibt viel im Dunkeln. Es gibt zwar eine Zerstörungsorgie, aber die Inszenierung war deutlich anders als bei klassischen Hollywood-Blockbustern. Daher viel der Film bei einigen Freunden komplett durch. Er widersprach dem gängigen Klischee von Monsterkino und es gab auch keine jungen, kurzgeröckten Damen, coole Jungs oder dumme Sprüche.
Godzilla ist von der ersten Minute des Films präsent, aber nicht sichtbar. Gareth Edwards schafft es, mit den Gefühlen zu spielen, anzudeuten und Spannung zu erzeugen. Wie er es mit Monsters geschafft hat, schafft er es hier – mit deutlich mehr Budget. Der Soundtrack von Alexandre Desplat tut sein übrigens. Den Soundtrack habe ich hier ausführlich besprochen.

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Leider hat das Drehbuch einige Schwächen, aber die Effekte sind erste Sahne. Daher habe ich mir das Filmbuch Godzilla: The Art of Destruction gekauft. Schöne Entwürfe, Concept Art Illustrationen, Storyboards und Zeichnungen, wenige Filmfotos – ganz wie es sein soll, die hier Mark Cotta Vaz zusammengetragen hat. Zudem gibt es einige Hinter den Kulissen-Bilder, die einen Eindruck von der Produktion geben. Das Vorwort schrieb übrigens der Regisseur Edwards selbst. Die Texte selbst sind nicht allzu lang und große Geheimnisse werden in diesen Filmbüchern sowieso nicht ausgeplaudert. Es macht Spaß nach dem Genuss der Blu ray das Buch durchzublättern und dazu den Soundtrack zu gehören. Und Godzilla war so ein Erfolg, dass zwei Fortsetzungen gedreht werden sollen, die erste kommt 2018 ins Kino.

Musiktipps: Godzilla-Soundtracks von Alexandre Desplat und Akira Ifukube

30. Mai 2014
Zweimal Godzilla aufs Ohr. Der Soundtrack von 1954 und von 2014.

Zweimal Godzilla aufs Ohr. Der Soundtrack von 1954 und von 2014.

Als Godzilla-Fan seit Jugend an, musste ich mir gleich den Soundtrack Godzilla zum neuen Monster-Film kaufen. Ich staunte nicht schlecht, als ich als Komponisten des Scores den Franzosen Alexandre Desplat entdeckte.

Desplat hatte mit den Soundtracks zu letzten beiden Harry Potter-Filmen sehr düstere Musik abgeliefert. Für mich stand Alexandre Desplat bisher eher für heitere Filmmusik wie The Queen oder Girl with a Pearl Earing und vor allem für kleinere, intelektuellere Filme. Aber durch die beiden Potter-Soundtracks wurde Alexandre Desplat wohl in die vordere Reihe der Komponisten katapultiert. Golden Globe- und Grammy-Gewinner Alexandre Desplat war bereits viermal für den Oscar nominiert, bekommen hat er den goldenen Kamerad noch nicht.

Mit Godzilla wagt sich Desplat in ein für ihn neues Genre vor und er löst es gekonnt, aber nicht mit Bravour. Natürlich gibt es ein wenig donnernden Tonzauber, aber wunderbar sind seine leisen Töne auf dem Godzilla-Soundtrack. Es ist ein klassischer Score und nicht so ein Rock-Gepolter wie bei Roland Emmerichs Godzilla-Version. Emmerichs Hofkomponist David Arnold lieferte damals Musikkost in bewährter Manier, wobei ich zugeben muss, dass ich die eigentlichen Score-Aufnahmen zum Emmerich-Film noch immer suche. Die bisherigen Ausgaben sind mir schlichtweg zu teuer. Die Hitmusik war schrecklich.

Der Godzilla-Score von Desplat nimmt sich in weiten Teilen sehr zurück, kommt meist leise daher ohne Effekthascherei und setzt sogar ein Piano ein. Und der Score bleibt düster und sorgt für eine dichte Atmosphäre. Dabei verfällt nicht in schwulstige Dramatik, wie es bei dem Thema Godzilla zu erwarten wäre. Desplat versteht sein Handwerk, soviel steht fest. Aber so richtig will bei mir der Funken nicht überspringen. Es ist en sehr solides Werk, aber für mich nicht die musikalische Offenbarung, die einem Godzilla-Film würdig wäre. Ich kenne die Hintergründe der Produktion nicht, aber manches Mal hört es sich an, dass Desplat zu wenig Zeit hatte.

Aber – und das ist ihm hoch anzurechnen – macht  Alexandre Desplat nicht den Fehler, den großartigen Godzilla-Soundtrack von 1954 von  Akira Ifukube zu kopieren oder interpretieren zu wollen. Akira Ifukube hat schlichtweg DEN Godzilla-Soundtrack geschaffen und alle Vergleiche mit diesem Meisterwerk müssen hinken. Die elektronischen Effekte, die das Schreien von Godzilla simulieren sollen, hatten mich damals in den Bann gezogen. Es kommen verschiedene Leitmotive und große Orchestrierung, Chor und Pathos zum Einsatz.

In Japan heißt Godzilla ja eigentlich Gojira (eine japanische Wortmischung aus Gorilla und Wal) und der Soundtrack erschien in verschiedenen Fassungen. Einmal als Mischung bei EMI zwischen Music und Effekte. Zum 50. Geburtstag erschien der Soundtrack restauriert und erweitert. Ich habe mir die Fassung von 2014 – also die 60. Geburtstag Edition – gekauft und lieb gewonnen. Jeder Godzilla-Fan sollte dieses wirklich gute Soundtrackwerk besitzen. Akira Ifukube Version von Godzilla ist und bleibt die beste.