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Im Westen nicht Neues – Ultimate Edition und Netflix

7. November 2022

Der Antikriegsfilm „Im Westen nicht Neues“ gehört zu den schockierendsten Filmbeiträgen des Genres. Soeben ist eine absolut empfehlenswerte Ultimate Edition mit der restaurierten Version des Klassikers von 1930 und unterschiedlichen Fassungen bei Capelight auf 6-Discs erschienen. Jeder Filminteressierte hat nun die Chance, die unterschiedlichen Schnittfassungen zu vergleichen und ich freue mich sehr auf einen cineastischen Marathon mit einem Meisterwerk der Filmgeschichte. Ich nehme mir dazu extra ein Wochenende Zeit.

Zwei Oscars bekam die 1930 erschienene Verfilmung von Lewis Milestone nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Das Buch sollte unbedingt Pflichtschullektüre in Deutschland werden.
Der Erste Weltkrieg hat begonnen, das Deutsche Reich befindet sich im Rausch. Angestachelt von ihrem nationalchauvinistischen Lehrer beschließen Paul Bäumer und seine Mitschüler, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Doch der Idealismus verfliegt schnell im Angesicht der harten Realität an der Westfront: ein zermürbender Stellungskrieg in den Schützengräben, permanentes Trommelfeuer und Maschinengewehrsalven. Statt Ruhm und Ehre wartet auf die jungen Kameraden ein dreckiges, sinnloses Sterben in einem mechanisierten Krieg.

Ein paar Tage zuvor veröffentlichte Netflix die deutsche Neuverfilmung des dramatischen Stoffes, der auch der deutsche Beitrag zu den Oscars sein wird. Technisch perfekt zeigt der Streifen das Schlachten und die Materialschlachten des Ersten Weltkriegs in beeindruckenden Bildern. Die Geschichte wurde vom Regisseur um historische Beiträge ergänzt, wie die Kapitulation der deutschen Gesandtschaft im Eisenbahnwagon von Compiègne stattfand. Das ist gut für die historische Einordnung der Filmzuschauer. Wir erinnern uns: Zur Unterzeichnung des Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich am 22. Juni 1940 ließ Hitler das Fahrzeug wieder auf die Waldlichtung bei Compiègne stellen. Außerdem erklärt Regisseur die Entwicklung der so genannten Dolchstoßlegende, nachdem das Deutsche Heer im Feld nach Meinung der Offiziere nicht besiegt wurde.

Der Netflix-Film von Edward Berger legt weniger Wert auf die Schulszene und die Vorgeschichte. Das wird nur am Rande erwähnt. So wird der Zuschauer schnell in das Geschehen des ersten Weltenbrandes hineingeworfen. Sehr schön erzählt ist die Maschinerie des Krieges am Beispiel einer getragenen Uniform. Ein Soldat fällt, er wird entkleidet und begraben, seine Uniform wird gewaschen und geflickt und dann dem nächsten Rekruten überreicht. Die Maschinerie des Krieges ist ein brutaler Kreislauf.

Die Kameraarbeit von James Friend ist spektakulär. James Friend verbeugt sich in seinen Schlachten vor Kubricks Wege zum Ruhm, die ebenso den Irrsinn des ersten Weltkrieges eingefangen haben. Während Kubrick auf schwarzweiß setzt, dreht James Friend in Farbe, entzieht aber durch geschicktes Colour-Grading die Farbsättigkeit und verändert so die Stimmung der Bilder. Ganz hervorragend diese Arbeit.

Die Bilder der Grabenkämpfe, der sinnlosen Angriffe und Gegenangriffe ist heftig. Sie erinnern an die ersten Minuten von Saving Private Ryan von Steven Spielberg. Hier wird geopfert, zerfetzt, erschossen, aufgespießt, vernichtet. Die Schlachtenszenen sind enorm eindrucksvoll. Vor allem der Einsatz der Panzerwaffe im Grabenkrieg und das Verbrennen des Gegners durch Flammenwerfer samt Luftunterstützung beeindrucken.

Interessant ist auch die Musik von Volker Bertelmann. Ich kenne seine Musik unter dem Künstlernamen Hauschka. Zu Beginn und am Ende wirkt das düstere, dreitönige Motiv brutal und brachial. Ich bin beim ersten Hören zusammengezuckt. Das Motiv prägt sich ein und schreibt Musikgeschichte. Entstanden ist der wuchtige Klang durch ein Harmonium von Bertelmanns Urgroßmutter, verfremdet durch einen Gitarrenverstärker. Mir als Zuschauer läuft es eiskalt den Rücken herunter und die Musik und Klangfetzen unterstreichen die brutalen Bilder, die das Auge sieht. In den friedlichen Zeiten des Films, in Zeiten der Kameradschaft wechselt die Musik zu Harmonie, ergänzt durch den Einsatz von Streichern, sehr gut gemacht. Wenn der Score jemals auf Vinyl erscheint, werde ich ihn mir sofort kaufen. Derzeit gibt es ihn ausschließlich digital bei den Streamingdiensten.

Aber leider …

Leider habe ich aber auch meine Probleme mit der Neuverfilmung. Es stört mich ausdrücklich nicht, dass Regisseur Edward Berger neue Storyelemente eingefügt hat und auch das Ende des Films im Vergleich zum Buch verändert, wobei der Titel „Im Westen nichts Neues“ so richtig nicht mehr passt. Es stört mich, dass mich die gezeigten Rollen kaum emotional berühren. Sie sind für mich als Zuschauer zu weit entfernt, so dass mich trotz der grausamen Bilder ihr Schicksal kalt lässt. Dabei ist an der Schauspielerei nichts auszusetzen, für mich passt die Charakterzeichnung einfach nicht. Ich sehe opulente Bilder, aber das Schicksal der Personen im Film berühren mich nur sehr wenig. Anders bei dem Schauspiel der Darsteller von 1930.

Auf jeden Fall drücke ich Regisseur Edward Berger die Daumen bei der Oscar-Vergabe. Im Westen nicht Neues lief ja zum Netflix-Start in ein paar ausgewählten Kinos, damit er an der Oscar-Auswahl teilnehmen kann. Gerne hätte ich den Film im Kino gesehen, aber mir blieb nur das Heimkino mit Beamer und Soundanlage.

Filmkritik: Texas Chainsaw Massacre (2022)

28. Februar 2022

Texas Chainsaw Massacre auf Netflix ist eine direkte Fortsetzung von Tope Hoopers verstörenden Terrorfilm Texas Chainsaw Massacre von 1974. Tope Hooper brachte den Terror schlechthin auf die Leinwand (und ins Museum of Modern Art). Dabei zeigte der Film kaum blutige Szenen, deutete viel an und vieles spielte sich im Kopf des Zuschauers ab. Diese Art von Kopfkino war allerdings hammerhart. In vielen Ländern wurde der Film zensiert, geschnitten und wurde nur unter dem Ladentisch gehandelt. Auch in Deutschland war der Film lange Zeit verboten. Die Darstellung an Gewalt hatte sich bis dato keiner getraut zu zeigen.

Dagegen hält die Netflix-Neuverfilmung von David Blue Garcia voll drauf. Während der Terror 1974 im Kopf stattfand, so wird er 2022 gezeigt. So ist wohl der Lauf der Dinge. Hoopers Horror war bei seiner Radikalität subtiler, was vor allem an dem Zusammenspiel Bild und Ton lag. Die neue Version hat einen deutlich ausgereifteren Score von Colin Stetson, der aber eher traditionell eingesetzt wird und nur dann und wann der irre Sound von 1974 aufblitzt.

Grundsätzlich kann sich die Neuverfilmung sehen lassen. Die 2022-Version verbeugt sich in einigen Szenen vor der Version von 1974. Schönes Beispiel ist der Einsatz das Autos: War es 1974 eine Hippie-Karre, so ist es 2022 natürlich ein selbstfahrendes Elektroauto. Erinnerungen kommen auf beim Abschlachten von Dante und der Einsatz der schwingenden Tür, was an 1974 erinnert, als Leatherface hinter der Tür des Kühlraumes auftaucht und blitzartig zuschlägt.

Leatherface selbst bekommt 2022 kurzzeitig menschliche Züge, als er das Kleid seiner Pflegemutter aus dem Schrank nimmt und weinend um sie trauert. Aber um die Menschlichkeit ist es schnell geschehen, wenn er in Großaufnahme den Kopf eines Protagonisten mit dem Hammer zu Bei schlägt und die Kamera voll draufhält. Ja, das ist brutal, sehr sogar. Blut und Hirn spritzen und ich stell mir die Frage, ob ich denn als Zuschauer alles sehen muss? Handwerklich wird auf CGI wohl weitgehend verzichtet und die Maskenkunst der Maskenbildner sind wieder gefragt, was mich natürlich freut. Aber Hoopers Andeutungen der Gewalt von 1974 trafen bei mir eher ins Mark und ließen mich den Terror und Irrsinn spüren. Es soll nicht heißen, dass früher alles besser war.

Aber die Neuverfilmung hat auch einen besonderen Schrecken, wenn er auf Influenzer anspielt. Besonders als Leatherface im Bus mit der Kettensäge aufräumt und gleichzeitig das Schlachtfest per Smartphone live gestreamt wird. Zunächst musste ich kurz grinsen, dann blieb mir das Grinsen im Hals stecken. Ich musste an die Live-Streamings der Realität aus Paris Bataclan denken, an Cristchurch und andere mehr. Ob TSM hier auf einen schnellen Gag oder Medienkritik setzt, kann ich nicht beurteilen. Es war auf jeden Fall eine der interessantesten Szenen in der Neuverfilmung. Warum allerdings im tiefsten Texas ein Live-Streaming von zahlreichen Smartphone möglich ist, wissen die Drehbuchgötter.

Das Massaker im Bus ist eine schöne Verbeugung vor Braindead von Peter Jackson, aber die Rollen gut und böse sind hier vertauscht. Die Szene endet mit Humor. Leatherface wird mit dem Korkenzieher in Form der Kettensäge attackiert, nachdem Leatherface ein wenig Jack Nicholson aus Shining spielen durfte und die Tür zur Toilette zerlegte. 1974 lief TSM als Blutgericht in Texas, es wäre ein passender Titel für die Neuverfilmung 2022.

Leider ist die Überlebende Sally von 1974 in der neuen Rolle von der mir unbekannten Olwen Fouéré dargestellt, keine Laurie Strode, gespielt von Jamie Lee Curtis. Als Racheengel gegen Michael Myers ist Curtis eine bessere Schauspielerin und das Drehbuch gibt ihr in Halloween mehr Raum ihr Talent mit weißem Haar auszuspielen. So viel Glück wie Laurie hat Sally im Film dann am Ende auch nicht. Schade, wäre ein schöner Charakter für eine Fortsetzung gewesen. Der Showdown im Kino mit dem schönen Namen Wüsten-Beifuß (Sage Brush) bei dem einst der imaginäre Film Werewolves of the Alamo 2 lief, verläuft erwartungsgemäß samt dem obligatorischen Carrie-Ende, das uns Brian de Palma eingebrockt hat. Also Leatherface steht ja bereit für die Fortsetzung.

Streaming verschärft persönliches Medienbudget

18. März 2020
Wie wird Kino im Streamingzeitalter überleben? Wie wird Kino im Streamingzeitalter überleben?

Der Kampf um das persönliche Medienbudget jedes Einzelnen nimmt weiter zu, wenn der Streamingdienst Disney+ am 24. März mit voller Wucht online geht. Rund 60 Euro kostet der Dienst im reduzierten Jahresabo. Mit dabei sind Filme von Marvel, Pixar, Disney, National Geographic und die Star Wars-Familie – allen voran Star Wars: The Mandalorian.
Damit wird es immer enger auf einem stark umkämpften Markt auf dem sich unter anderen Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV+ und viele, viele andere tummeln. Und dann gibt es noch das klassische lineare Fernsehen mit einem zum Teil sehr starken Mediatheken-Angebot und dann wäre noch das Kino. Die Lichtspielhäuser haben im Hinblick auf Corona gerade ein Content-Problem. Zwar sind die Lichtspielhäuser aufgrund staatlicher Beschlüsse im Moment sowieso geschlossen, aber mit publikumsstarken Filmen sieht es eher mau aus. Der neue James Bond Stirb an einem anderen Tag No Time to die  wurde auf einen anderen Tag verschoben. Das war aber nur der Anfang: Disney verschob kurzerhand Mulan und kleinere Produktionen wie beispielsweise Berlin Alexanderplatz folgten.

James Bond verschoben. James Bond verschoben.

Wenn in Zeiten von Corona Zwangspausen zu Hause verordnet sind, wird Streaming steigen, der Markt wird sich kanibalisieren und neu verteilen. Es stehen weitere Streamingsidenste wie von Warner Bros./HBO mit HBO Max und NBC/Universal mit Peacock in den Startlöchern. Ich frage mich als Kinofan: Wo bleibt in diesem Verteilungskampf das Kino?

Mulan auch noch verschoben. Mulan auch noch verschoben.

Gilt der alte Riepl noch?
Ich denke, das Rieplsche Gesetz könnte noch immer greifen. Das so genannte Rieplsche Gesetz der Medien besagt, dass kein gesellschaftlich etabliertes Instrument des Informations- und Gedankenaustauschs von anderen Instrumenten, die im Laufe der Zeit hinzutreten, vollkommen ersetzt oder verdrängt wird. Auf gut Deutsch: Das Theater wurde nicht vernichtet durch das Kino. Das Kino wurde nicht vernichtet durch das Fernsehen. Das Fernsehen wurde nicht vernichtet durch Streaming. Allerdings sind die Märkte deutlich kleiner geworden. Und ich frage mich, ob das Rieplsche Gesetz in der digitalen Welt noch so gilt?
Wolfgang Riepl war einst Chefredakteur der Nürnberger Zeitung und formulierte 1913 seine Ideen. Das war vor dem Ersten Weltkrieg. Hat sich diese analoge Zeit nicht durch die digitale Zeit geändert?
Ich könnte mir vorstellen, dass Disney sein Streamingportal nutzt, um gegen höhere Gebühren Filmpremieren durchzuziehen und vom Kino als Vertriebskanal wegzulocken. Zudem hat Disney bereits verkündet, dass man Marvel-Streaming und Marvel-Kinofilme miteinander verbinden wird. Wer also das schwer durchschaubare Marvel Cinematic Universe MCU verstehen will, muss ins Kino gehen und Streaming schauen.

Wie wird das Kino der Zukunft? Wie wird das Kino der Zukunft?

Universal hat angekündigt, Neuveröffentlichungen online zur Verfügung zu stellen und dafür die gängigen Plattformen zu nutzen. Ein weiterer Sargnagel für das klassische Kino. Kino muss sich verändern und darf nicht nur ein klassisches Abspielen von neuen Filmen sein. Kino als Gemeinschaftserlebnis mag ich zum Teil: Ich hasse es, wenn Menschen mit Popcorn mir die Atmosphäre beim Film zerstören oder wenn Menschen während des Films quatschen. Ich war neulich zu ersten Mal im Arri Astor und hab einen Traum von einem Filmpalast erlebt (und viel Geld dafür bezahlt). Aber was will ich eigentlich für ein Kino der Zukunft?

Ich selbst bin flexibel und bin auch ein Freund von Datenträgern, auch wenn meine Familie mit meiner Sammelleidenschaft die Krise bekommt. Ich hatte Super 8, später Video2000 und VHS (inzwischen alles verkauft oder entsorgt), dann DVD, Blu ray und 4K-Videos. Im Moment habe ich meine Laserdisc-Sammlung wieder entstaubt und genieße den Retro-Flair vergangener Zeiten. Ich schaue Streaming und ich gehe gerne ins Kino. Aber mein Zeit- und Finanzbudget für Medien ist auch nicht erweiterbar. Und Bücher will ich auch noch lesen, in Konzerte gehen und Musik hören. Vielleicht wird einfach alles zuviel.

Dracula im Film (7): Dracula (2020) – BBC/Netflix

13. März 2020

Dracula auf Netfflix.

Dracula auf Netfflix.

Als Fan von Dracula spitzte ich die Ohren als ich hörte, dass Netflix eine dreiteilige Miniserie über den Grafen aus den Karpaten anbot. Endlich hatte ich die Zeit, mir die drei Folgen der BBC auf dem Streamingdienstleister Netflix anzusehen. Ich war erfreut, dass es sich um eine Verfilmung des Bran Stoker-Stoffes drehen sollte, die zudem ins 21. Jahrhundert übertragen wurde.
Das erinnerte an die BBC-Serie Sherlock, die ich hervorragend fand. Es steckt auch das gleiche Team Steven Moffat und Mark Gatiss dahinter. Es gab immer wieder den Versuch Graf Dracula in die Neuzeit zu bringen. Dracula jagt Mini-Mädchen spielt 1972 im Swinging London und Die Herren Dracula beißt in Paris des Jahres 1976.
Der BBC-Netflix-Dreiteiler beginnt im viktorianischen Zeitalter, spielt allerdings in Ungarn und zeigt die bekannte Geschichte von Jonathan Harker. Der zweite Teil ist die Überfahrt Draculas nach England auf der Demeter und Teil drei spielt durch einen Clou in der Neuzeit.
Aus Professor Abraham van Helsing wurde Schwester Agatha van Helsing mit wunderbaren niederländischen Akzent. Die Schwester zweifelt aber an ihrem Glauben und ist auf der Suche nach Werten und konfrontiert Dracula mit ihrem Intellekt, scheitert aber an sich selbst. Ihrer Nachfolgerin Zoe Helsing geht es im dritten Teil nicht besser und geht mit unserem Lieblingsvampir in den Tod.
Der Graf selbst wird von Claes Bang gespielt. Er macht seine Rolle gut, kann auch dem Grafen durch eine Prise Humor und Feingeist einen neuen Dreh geben. Die Eindimensionalität eines eiskalten Draculas der Vergangenheit wird aufgebrochen. Und dennoch bleibt das Schauspiel blas. Zu keiner Zeit hat man bei dem Dreiteiler eine Spur von Horror oder zumindest ein wenig Gruselatmosphäre. Sein Dracula ist unterhaltend, hat unerwartete Wendungen, ist aber kein Horror.

Lächerlich ist eine Szene des ersten Teil, als sich ein nackter Dracula vor den Nonnen eines Kloster offenbart. Die Nonnen sind mit erhobenen Pflöcken bewaffnet, die nach oben gerichtet sind – das Phallus-Symbol lässt grüßen. Nette Idee, aber das ist B-Movie-Niveau, das die Mini-Serie nicht verdient hat.
Der Film und zwar der dritte Teil bricht mit der Tradition des Sonnenlichts und Kreuzen als Vernichter von Vampiren und Dracula kann die Sonne erleben, wird aber vom Krebs, einer zutiefst menschlichen Krankheit, getötet. Das ist ein absolut neuer Gedanken in die Welt von Dracula, ich bin mir aber nicht sicher, ob es mir als Traditionalist in Sachen Vampire gefällt. Interessant ist auch die Erklärung, warum Dracula zum Vampir geworden ist.
Nun, die Mini-Serie ist nicht schlecht, aber so richtig gefesselt hat mich die Sache auch nicht. Dafür fehlte mich etwas. Die Ausstattung ist viktorianisch und modern zugleich, das Drehbuch ist pointiert und hat Humor, der Sex ist kaum vorhanden und der Graf ist mir zu menschlich. Es gab neue Ideen, aber insgesamt warte ich auf eine wirklich gute Verfilmung des literarischen Stoffs.

Immer mehr Fernsehgeräte surfen im Netz

4. Oktober 2019

31 Prozent der deutschsprachigen Haushalte zwischen 14 und 69 Jahren haben bereits einen Fernseher an das Internet angeschlossen. Das ist das Ergebnis der CONVERGENCE MONITOR 2019, einer von Kantar durchgeführten Gemeinschaftsstudie von ARD-Werbung SALES & SERVICES, Discovery und Mediengruppe RTL Deutschland.

So war Fernsehen früher – wer erinnert sich noch?

Ich vergleich es mal mit unserem Haushalt. Bei uns ist die Glotze auch ans Netz angeschlossen, aber im Grunde nutzen wir Apple TV als Plattform für Netflix und Amazon Prime Video. Eine Anime-Streaming-Plattform wird vom Smartphone aufs Apple TV gestreamt und von dort auf die Mattscheibe übertragen.

Die CONVERGENCE MONITOR-Studie sagt aus: Internetfähige Geräte sind zu einem noch größeren Anteil in deutschen Haushalten vorhanden als im Jahr 2018. Die Gerätelandschaft wird durch die Variation an onlinefähigen Geräten diversifizierter, der Fernseher ist aber nach wie vor mit Abstand das wichtigste Gerät für Bewegtbild. Der „Big Screen“ wird dabei zunehmend nicht mehr nur für lineares Fernsehen verwendet, sondern geht online. Bei uns zu Hause gibt es kaum noch lineares Fernsehen.

Für das laufende Jahr 2019 zeigt sich, dass auch in diesem Jahr der Fernseher die Gerätelandschaft in deutschen Haushalten dominiert. 95 Prozent der Haushalte sind mit mindestens einem Fernsehgerät ausgestattet. An zweiter Stelle rangiert das Smartphone, das in 88 Prozent aller Haushalte vorhanden ist. Ferner besitzen 84 Prozent der Haushalte einen Computer, wobei ein Trend vom stationären PC zum Laptop erkennbar ist. Auch das Tablet ist auf Wachstumskurs und nun in 41 Prozent aller Haushalte vertreten.

Während der Anteil der Onliner im Jahresvergleich stabil bleibt, zeigt sich eine veränderte Verteilung der Internetnutzung auf die verschiedenen Gerätetypen: Das Smartphone ist inzwischen das beliebteste Endgerät zur Internetnutzung mit zunehmender Bedeutung und setzt sich deutlich von PC oder Laptop ab. Das TV-Gerät entwickelt sich ebenfalls zunehmend zu einem beliebten Screen für Internetnutzung. Mittlerweile verfügen laut eigener Aussage 44 Prozent der Haushalte über ein Fernsehgerät, mit dem sie ins Internet gehen können. 31 Prozent der Smart TV-Geräte sind auch tatsächlich an das Internet angeschlossen.

Dauer von TV-Geräte

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Internetnutzungsdauer wider: 14- bis 69-Jährige nutzen Smart TV-Geräte für Internetangebote im Durchschnitt fast eine halbe Stunde pro Tag. Das ist mir allerdings völlig unverständlich, denn bei 30 Minuten schaffe ich nicht mal eine klassische Netflix-Folge. Da Zweifel ich noch mit der Studie.

Aber auch mit dem Smartphone surfen die 14- bis 69-Jährigen deutlich länger als noch vor einem Jahr: 109 Minuten sind die 14- bis 69-Jährigen mit ihren Smartphones online, das entspricht einem Plus von 20 Minuten pro Tag.

Ultra HD wächst langsam

Neben der Konvergenz zwischen Fernsehen und Internet gibt es noch eine weitere maßgebliche Entwicklung im deutschen Fernsehmarkt: Die Verbreitung von Ultra HD. 21 Prozent der deutschsprachigen Haushalte verfügen inzwischen über mindestens ein solches Ultra HD fähiges Fernsehgerät. 2018 waren es erst 13 Prozent. Bei uns gibt es bereits einige Ultra HD-Schreiben, aber (noch) kein Fernseher, dafür einen Beamer.

Serienkritik: Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands

30. September 2019

Die bösen Skekse

Die bösen Skekse

Als Kind war ich von dem Film Der dunkle Kristall regelrecht verzaubert. Es war ein Fantasy Puppenfilm für ein eher erwachsenes Publikum aus der Schmiede von Muppets-Chef Jim Henson und Franz Oz. 1982 flashte mich der Film total, so dass ich mir im Laufe der Jahre die VHS, DVD-, Bluray und nun 4K-Version Der dunkle Kristall diesen beeindruckenden Werkes anschaffte.
Und nun legte Ende August Netflix nach und nahm einen Zehnteiler mit dem Titel Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands ins Streaming-Programm. Dabei handelt es sich um das Prequel des Klassikers. Es gab schon mal einen Versuch einer Fortsetzung, die aber 2012 zu Grabe getragen wurde.
Ich hatte Angst, dass meine Erinnerungen an eine schöne Jugend durch diese neue Serie zerstört werden würde. Aber ich habe mich geirrt. Für mich war Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands bisher die beste Netflix-Serie des Jahres 2019. Nachdem ich von der dritten Staffel von Stranger Things komplett enttäuscht war (Staffel 1 und 2 fand ich großartig), hatte ich gehörig Bammel vor dem Prequel vom Dunklen Kristall.

Die guten Gelflinge

Die guten Gelflinge

Und ich muss sagen, es begann ziemlich zäh, was die Story angeht. Die Bilder von Ära des Widerstands waren eindrucksvoll, aber die Geschichte ging nur schleppend voran. Die neuen Figuren waren nett, aber es herrschte in den ersten zwei, drei Folgen zuviel philosophischer und historischer Ballast. Der dunkle Kristall versucht sich an der Mythologie von Herr der Ringe oder Wüstenplanet ohne deren Tiefe zu erreichen. Ich war schon nahe daran, die Serie enttäuscht abzubrechen, hielt aber durch.

Der Film von 1982 als 4K und der komplette Soundtrack

Der Film von 1982 als 4K und der komplette Soundtrack

Und dieses Durchhalten wurde belohnt. Die Geschichte wurde klarer, die Figuren und deren Charakter wurden deutlicher gezeichnet so dass man als Zuschauer vergaß einen Puppenfilm zu sehen. Es machte einfach Spaß, der Story zu folgen und ich entdeckte die Liebe zu Hup, dem Podling mit dem großen Herzen, der mit seinem Löffel zum Held wird. Ich schaute die Serie zunächst auf Deutsch und dann auf Englisch, um die Stimmen von Sigourney Weaver oder Mark Hamill zu hören.
Die Figuren sind klassisches Puppenspiel, während so mancher Hintergrund der Fantasywelt modernes CGI ist. Aber beides passt ideal zusammen und stört nicht. Es war schön, wieder handgemachte Puppen zu sehen. Zunächst irritierend, weil sie sich anders als CGI-Figuren bewegen, aber hervorragend gemacht mit viel Liebe zum Detail. Kreativer Kopf hinter der Serie ist Louis Leterrier, den ich zu meiner Schande nicht kannte. Der gebürtige Franzose hatte bereits mit Luc Besson zusammengearbeitet und führte Regie bei den Actionfilmen The Transporter und Unleashed, aber auch bei Hollywood-Blockbustern wie Der unglaubliche Hulk und Die Unfassbaren – Now You See Me. Louis Leterrier war treibende Kraft und ich bin ihm dankbar, dass er alle zehn Teile selbst gedreht hat und es keinen Wechsel bei der Regiearbeit gab. Ein Bruch war bei diesem Fantasy-Märchen um guten Gelflinge und die bösen Skekse wurde vermieden.
Und obwohl es sich um eine Puppenserie handelt, ist es keinesfalls eine Serie für Kinder. Besonders die Welt der Skekse ist brutal und rücksichtslos. Intrige um Intrige, Gefangene werden brutal gefoltert und Rücksichtslosigkeit gegenüber Schwächeren kennzeichnen die Skekse – wahrlich kein Vorbild für Kinder.

Kritik hab ich ein wenig an dem Score. Ich habe die seltene Auflage des Gesamtscores von 1982 von Trevor Jones und ich höre den Score sehr gerne. Die Musik für die Serie schrieb dagegen Daniel Pemberton. Zunächst wurde die Musik als Download veröffentlicht und nun kündigte Varese Sarabande die beiden Alben auf CD herauszubringen. Ich werde sie mir bestellen, obwohl ich den Soundtrack weniger wuchtig und einfühlsam halte als die Musik von Trevor Jones. Aber vielleicht muss ich mich noch ein wenig hineinhören, der erste Eindruck war allerdings eher schwach.

Konzertkritik: Bob Dylan in Augsburg 2019

26. April 2019

Bob Dylan in Augsburg - einfach großartig.

Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.Bob Dylan in Augsburg – einfach großartig.

Ich habe viele Konzerte von Bob Dylan erlebt, gute und weniger gute. Das Konzert in der Augsburger Schwabenhalle war eines der besten, die ich von his Bobness erleben durfte. Selten habe ich Dylan und seine großartige Combo so spielfreudig erlebt, selten war die Musik von ihm so kompakt und selten habe ich Bob Dylan so oft grinsen gesehen. Es war ein schlichtweg großartiger Abend.

Dabei hätte es anders zugehen können. In Wien rastete der Meister aus, als ein Foto von ihm auf der Bühne gemacht wurde. Spielen oder posen war seine Antwort und er stolperte über eine Box. Dylan war richtig sauer. Aber seine Wut war in Augsburg komplett verflogen. Die Sicherheit vor dem Konzert wurde nochmals verschärft. Durchsagen vor dem Konzert machten eindeutig klar: Wer fotografiert, der fliegt raus. Das hat auch etwas Gutes: Ich kann mich auf die Musik konzentrieren und werde nicht durch grelle Handybildschirme abgelenkt. Bob weiß, was gut für mich ist. 

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Strenge Sicherheitmaßnahmen bei Bob Dylan.

Das Bühnenset war wie immer. Dezente Scheinwerferbeleuchtung, reduziertes Licht, wie in einer Clubatmosphäre, keine Videowand. Die Musiker hochkonzentriert, verharren auf ihren Plätzen. Dylan selbst nur am Klavier, Gitarre spielt er schon lange nicht mehr auf Konzerten. Nur einmal verlässt er das Klavier und ergreift den Mikrophonständer und singt ein phänomenales „Scarlet Town“. Und er versucht sich im Posen, was bei Dylan immer ein wenig linkisch aussieht und dennoch: Der Mann hat eine Aura. Mit wenigen Fingerbewegungen steuert er seine Band. Bassist Tony Garnier achtet auf jede Geste des Chefs und die eingespielte Band mit Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron ist stets präsent. Wenn Dylan seine Band von der Leine lässt, dann hebt das Dach ab und die schreckliche Schwabenhalle wird zum intimen Club. Dylan selbst hackt auf dem Klavier herum und – oh Wunder – entlockt dem Instrument immer wieder zarte Töne. Er startete als Rock‘n Roller und er ist ein Rock‘n Roller mit wahnsinniger Spielfreude. 

Das Bühnenset in Augsburg.

Das Bühnenset in Augsburg.

Neben der Bühne steht wie seit langem der Oscar, den Dylan für Things Have Changed erhalten hat, davor die Büste vom Temnpest-Cover. Es handelt sich um eine Figur aus dem Pallas-Athene-Brunnen, der sich vor dem österreichischen Parlamentsgebäude befindet. Die Frau symbolisiert die Moldau, geschaffen von Carl Kundmann.

Die Setlist in Augsburg war bekannt. Vorbei die Zeiten als Dylan sein Werk spontan erstellte. Things Have Changed; It Ain’t Me, Babe; Highway 61 Revisited; Simple Twist Of Fate; Cry A While; When I Paint My Masterpiece; Honest With Me; Tryin’ To Get To Heaven; Scarlet Town; Make You Feel My Love; Pay In Blood; Like A Rolling Stone; Early Roman Kings; Don’t Think Twice, It’s All Right; Love Sick; Thunder On The Mountain; Soon After Midnight; Gotta Serve Somebody; Zugabe: Blowin’ In The Wind; It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry. Am Ende gemeinsame Verbeugung und Abgang – natürlich wieder kein Wort zu uns schnöden Publikum. 

Nach der Show dann große Diskussionen unter uns Fans. Vor der Halle trat dann noch TheBoband auf, ein Dylan-Imitator, der für ein wenig Stimmung auf dem Nachhauseweg sorgte. Die Leute klatschten mit, freuten sich. Einige waren dankbar, endlich wieder ihr Smartphone zücken zu dürfen und filmten mit – ich einschließlich. 

 

Übrigens: Am 7. Juni 2019 erscheint die 14 CD-Box zur Rolling Thunder Tour und ein paar Tage später der Martin Scorsese-Film zur Tour auf Netflix. Wir dürfen gespannt sein. Beide Termine sind bereits im Kalender eingetragen. 

Stranger Things – zwei Staffeln an zwei Tagen und nun?

7. Januar 2019

Stranger Things hat der Familie Spaß bereitet. Jetzt warten auf die dritte Staffel.

Stranger Things hat der Familie Spaß bereitet. Jetzt warten auf die dritte Staffel.

Zwei Staffel, zwei Tage – und jetzt sind wir durch. Die Netflix-Serie Stranger Things hat die Familie vor die Sendegeräte gelockt und wir haben uns die Mystery-Serie angeschaut. Für meine Frau und mich war es eine Zeitreise in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 

Ich empfand diese Zeit damals als gräßliche Zeit, was mir durch Stranger Things wieder bewusst wurde, schließlich spielt die Netflix-Serie in der ersten Hälfte der achtziger Jahre. Meine Frau und ich sind in dieser Zeit sozialisiert worden, gingen zur Schule, machten unser Abi – wir sind quasi lebende Experten für diese Zeit. Und so sahen wir uns auch Stranger Things an: Wir suchten nach Anspielungen, Andeutungen, Andenken an diese Zeit unserer Jugend – und bei Stranger Things gibt es da sehr viel zu entdecken. Für meine Kinder war es einfach nur eine Unterhaltungsserie.

Staffel 1 top, Staffel 2 ok und bald Staffel 3

Inhaltlich werde ich nichts verraten. Für Juli 2009 wird die dritte Staffel angekündigt, die 1984/85 spielen soll. Wir sind gespannt. Staffel 1 fand ich prima, die zweite war durch verschiedene Handlungsstränge etwas verfahren und hier machten die Duffer Brüder, die als Regisseure fungierten, den gleichen Fehler wie bei Alien und seinem Nachfolger Aliens. Gab es in Teil 1 von Alien nur ein Xenomorph, so waren es in Teil 2 bei Aliens ganz viele Monster. So auch bei Stranger Things. Für Teil 1 reichte ein laufender vierbeiniger Sandwurm als Monster über acht Folgen, für Teil 2 mussten viele Monster über neun Folgen herhalten – da verliert das Böse seine Wirkung. 

Details der Achtziger Jahre 

Kommen wir nochmals zurück auf die Anspielungen in der Serie. Während die Gattin ein Auge auf die Frisuren, die Klamotte, das Make-up sowie die Musik der Serie legte, schaute ich mir die Zitate aus Kinofilmen an und achtete auf Videogames und andere Details, wie den damaligen Wahlkampf Reagan/Bush gegen Mondale/Ferraro. Geraldine Ferraro Kennt heute bei uns keiner mehr. Und in den Details haben sich die Macher wirklich Mühe gegeben. Sogar das Periodensystem im Chemie-Unterricht der Highschool zeigt die chemischen Elemente, die in der der damaligen Zeit entdeckt wurden. Es macht also richtig Spaß sich auch unter diesem Aspekt Stranger Things anzusehen. Es gibt genügend Blogs, die zeigen, welche Filme in der Serie zitiert werden, die muss ich nicht erst aufzählen.

Erinnerungen an PSI-Filme

Mich erinnerte Stranger Things an einen Zweig des Horrorfilms, von dem ich eigentlich immer mehr sehen wollte. Es handelt sich um den Bereich von PSI, Telekinese und Telepathie. Ich fand diese Ideen, eine Mischung aus Wissenschaft und Paranormalen, immer reizvoll. Viele meiner Lieblingsfilme stammen aus diesem Genre und Elf als Stranger Things nimmt diese Ideen wieder auf: Experimente, Labor, PSI und dann das Freisetzen der Kräfte.

Es gibt zahlreiche Filme um die Fähigkeiten, mit dem Geist Materie zu verändern. Der schlimmste Beitrag in der Filmgeschichte war wohl der Streifen „Der Typ mit dem irren Blick“ von 1982, „Zapped“ hieß das filmische Verbrechen im Original. Es ist eine typische Highschool-Komödie, bei denen Mädchen per Telekinse ausgezogen, Basketballspiele und Glücksspiele in Las Vegas gewonnen werden. Vergessen wir lieber diesen Film. 

Klassiker des Genres

Für mich als Horrorfan war dagegen der Film „Der Schrecken der Medusa“ einschneidend. Im leisen Film von 1978 spielen Richard Burton und Lino Ventura göttlich nebeneinander. Nach einem Mordanschlag liegt der Schriftsteller Jack Morlar im Koma, doch die Ärzte entdecken, dass sein Gehirn immer noch auf Hochtouren arbeitet und Katastrophen ausführt. der Schrecken der Medusa Ist absolut sehenswert.

Wenn es um Telekinese geht, dann darf der Horrorautor Stephen King natürlich nicht fehlen. Er schuf mit Carrie, Feuerkind und Dead Zone Klassiker der Horrorliteratur. Bei deren Verfilmungen gibt es Licht und Schatten. Carrie, 1976 von Brian de Palma, ist ein echter Schocker, die Neuverfilmung von 2013 ist weniger gut. Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving und John Travolta in Carrie – Des Satans jüngste Tochter spielen famos und die übernatürlichen Kräfte von Carrie White können heute immer noch faszinieren. 

Feuerteufel – Wenn Gedanken zündeln

Kings Roman Feuerkind wurde als Feuerteufel von Mark L. Lester 1984 verfilmt – eine Produktion von Dino De Laurentiis und das sagt schon alles. Lester drehte einst „die Klasse von 1984“ und hatte damit seinen Ruf weg. Tolles Thema, aber langweilig als B-Ware umgesetzt. Die Darsteller David Keith, die ganz junge Drew Barrymore, mein Serienschwarm Heather Locklear,Martin Sheen, George C. Scott und die schlimmste Krankenpflegerin der Filmgeschichte Louise Fletcher können mehr. Die Bluray-Fassung Der Feuerteufel ist übrigens umgeschnitten, während die DVD schlecht abgetastet und verstümmelt ist. Es geht um ein Mädchen, dass mit Gedanken Feuer entzünden kann. 

Dead Zone mit dem zweiten Gesicht 

Ein absolut leiser Horrorfilm, der gewaltig nachhängt, ist für mich Dead Zone aus dem Jahre 1983. Regie führte der göttliche David Cronenberg mit einem noch göttlicherem Christopher Walken als Hauptdarsteller. Johnny hat das zweite Gesicht und sieht den Atomkrieg bei einem Präsidentschaftsbewerber voraus. Er beschließt ihn zu töten. Das Zusammenspiel von Christopher Walken, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom und Martin Sheen ist wunderbar. Es gibt von dem Film eine neuere Bluray-Fassung The Dead Zone . Ich werde später über Dead Zone noch ausführlicher bloggen, denn der Film ist wirklich bemerkenswert. 

Teufelskreis Alpha und Scanners 

Da wir vorhin bei Brian de Palma waren, muss ich natürlich seinen PSI-Klassiker Teufelskreis Alpha von 1978 erinnern. Hier wird, bei einer göttlichen Musik von John Williams, das erste Mal mit der Idee gespielt mit Gedanken zu töten. Teufelskreis Alpha beeindruckt mit seiner leisen Erzählart. Diese Idee wird dann in dem Telekinse-Klassiker Scanners von David Cronenberg von 1981 wieder aufgegriffen und perfektioniert. Scanners ist ein absoluter Klassiker der Filmgeschichte – die folgenden Teile sind natürlich wieder Schrott. Es war der kommerzielle Durchbruch von Cronenberg und das Zerbresten von Köpfen gleich in den ersten Minuten des Films hat eindeutig Filmgeschichte geschrieben. All diese Filme und Ideen haben Eingang in Stranger Things genommen. Und jetzt gilt es die Zeit bis Juli 2019 zu überbrücken, wenn die dritte Staffel von Stranger Things läuft. Habt ihr Ideen, was ich ansehen soll?

Musikritik: Bruce Springsteen on Broadway

16. Dezember 2018

Der Boss hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich bin ein Bruce Springsteen Fan der ersten Garde und mein absolutes Lieblingsalbum ist Nebraska. Aber ich muss zugeben, dass ich die Karriere meiner Musikstars nicht mehr so im Auge habe – einzige Ausnahme ist Bob Dylan. Und als ich las, dass Springsteen mit Springsteen on Broadway ein neues Live-Album veröffentlichte, griff ich blind zu. Was der Boss macht, das hat Qualität. Ich habe ihn live erlebt und weiß, welche Power der Kerl hat. Über den Hintergrund von On Broadway hatte ich nichts gelesen, kaufte blind und bin nun enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Die Songs, die Bruce Springsteen auf diesem Doppelalbum Springsteen on Broadway darbringt, sind außergewöhnlich gut. Solo, mal mit Gitarre, mal mit Klavier und eine super Stimme – alles so, wie ich den Boss kenne und ich ihn mag. Aber dann kommt dieses Gequatsche. Was ist jetzt das? Das Album on Broadway enthält Storytelling allererster Güte, aber darauf war ich nicht vorbereitet. Ich wollte Musik hören und nicht die Monologe vom Boss anhören.
Ich war enttäuscht und bin ich es beim dritten, vierten, fünften Anhören noch immer. Ich geb ja zu, der Fehler liegt bei mir. Hätte ich vorher bei Apple Musik hineingehört, dann hätte ich mir dieses Album nicht gekauft. Und hätte ich mich vorher erkundigt, was Springsteen da macht, wäre ich anders an den Kauf herangegangen.
Der Hintergrund des On Broadway-Albums ist gewaltig. In den vergangenen 14 Monate hat Springsteen viele Abende im Walter Kerr-Theater am New Yorker Broadway verbracht. Seit Oktober 2017 hat er dienstags bis samstags vor je 1000 Leuten seine Show dargeboten- ein gewaltiges Pensum für den fast 70jährigen Bruce Springsteen. Und er hat keine Rock‘n Roll-Show abgeliefert, sondern er er lieferte eine Broadway-Performance. Er erzählte aus seinem Leben, spielte wichtige Songs, erzählte wieder und lieferte eine interessante Performance. Gestern Abend spielte er seine letzte Show im Walter Kerr-Theater. Übrigens: Alle Shows waren komplett ausverkauft – die Ticketpreise stiegen auf 1400 US-Dollar pro Karte. Ich geb zu, ich hätte gerne so eine Performance gesehen. Nun, das kann ich noch: Netflix hat die Show mitgedreht und zeigt sie ab heute in seinem Streamingdienst.
Ich werde mir jetzt die Show ansehen und gebe dann dem Album eine neue Chance. Der Trailer bei Netflix ist vielversprechend und ich freue mich, wenn der Stream heute online ist. On Broadway ist kein typisches Konzertalbum, was ich eigentlich erwartet habe. Springsteen erzählt viel von seinem Elternhaus, von seiner Mutter, vom seinem Vater. Obwohl Springsteen nie Fabrikarbeiter war, kann er sich hervorragend in die Rolle des kleinen Mannes hineinversetzen. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Ich will seine Geschichten, aber in musikalischer Form und nicht in Erzählform. Ich will im Moment kein Hörbuch, ich wollte musikalisches Storytelling.
Nun, ich werde mir das Konzert auf Netflix in Ruhe ansehen und werde von der Bühnenpräsens eines Bruce Springsteen sicher gefesselt sein. Dann werde ich das Doppelalbum On Broadway nochmal anhören und nachdem ich darüber geschlafen habe, werde ich wohl davon schwärmen. Im Moment bin ich enttäuscht, aber gebt mir ein wenig Zeit.

Le Mans Klassiker: Porsche 917 am Nürburgring

23. August 2018

Am Ende meines letzten Tages am Nürburgring am 46. Oldtimer Grand Prix sah ich ihn nun: Den Klassikers des Rennwagens schlechthin: Den Porsche 917.

Der Porsche 917 - der Klassiker schlechthin.

Der Porsche 917 – der Klassiker schlechthin.

Mit dem 917 erreichte Porsche 1970 erstmals den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Am Nürburgring traf ich auf das Fahrzeug in der Gulf-Racing-Lackierung und es ist für mich der schönste Rennwagen überhaupt. Das liegt natürlich an einem Klassiker des Motorsportfilms Le Mans von 1971 mit dem King of Cool in der menschlichen Hauptrolle Steve McQueen. Der heimliche Hauptdarsteller war der Porsche 917. 

Als ich das erste Mal Le Mans im Kino im Rahmen einer Steve McQueen-Gedächtnisreihe anschaute, war ich verwirrt. Das war nicht das gewohnte Szenario eines Action-Films, wie bei den anderen McQueen-Filmen. Ich verstand den Film zunächst nicht, er war damals langweilig. Ich war klassische Hollywood-Kost gewohnt, suchte nach einer Action-Handlung und bekam nur Autos, die im Kreis fuhren. Nach einer halben Stunden gab es den ersten Dialog. Kopfschüttelnd verließ ich als Jugendlicher das Kino, doch Le Mans blieb in meinen Kopf. Immer wieder kamen mir die faszinierenden Bilder in den Kopf.

Später schaute ich mir den Film auf VHS, dann auf DVD und nun Blu ray an. Der Film ist für mich heute der Motorsportfilm schlechthin und Steve McQueen, der sich für den Film eingesetzt hatte, hat eine großartige Verbeugung gegenüber dem Rennsport geschaffen. Der Film ist ein Rausch: Menschen und Maschinen bis an die Grenze.

Obwohl eine zugegeben recht dünne Story vorhanden ist, zeigt der Film Le Mans etwas anderes: Er zeigt den Rennsport in seiner Anfangszeit als Rennboliden noch von Männern und nicht von Computern gefahren wurden. Der mir unbekannte US-Regisseur Lee H. Katzin, der nach den chaotischen Dreharbeiten eingesetzt wurde, brachte ein wenig Ordnung in den Film, der von Steve McQueen finanziert wurde. 

Der Film drückt dich in den Kinosessel. So dramatische Bilder, spektakuläre Szenen, drastische Schnitte in einem Motorsportfilm hatte man noch nie gesehen und wird man nie wieder sehen. Heute käme CGI zum Einsatz – nicht zuletzt aus Versicherungsgründen. Damals sind die Männer in den Rennmaschinen selbst gefahren und schufen auf Steve McQueens Betreiben ein eindrucksvolles Epos. Ich kann mich heute nicht mehr an den Bilder sattsehen, an dem Klang der Motoren satthören und im Grunde ist es eine atemberaubende Dokumentation geworden. Nach meinen Besuch am Nürburgring musste ich mir den Film einfach wieder ansehen, noch dazu als ich einen Porsche 917 live gesehen hatte. Ich bin gewiss kein klassischer Rennfan, aber der Faszination Le Mans bin ich erlegen. Wenn ist Luft habe, schaue ich mir die Übertragungen aus den Fahrzeugen heute live an – der Le Mans-Film war Auslöser dafür. Das Zitat von Steve McQueen passt: „Rennen ist Leben. Der Rest ist Warten“. Und wenn ich Lust habe, höre ich mir den Soundtrack zum Film von Michel Legrand an, den ich allerdings nicht zu seinen besten Werken zähle.

Beeindruckt vom Film konsumiere ich mir auch die Dokumentation Steve McQueen The Man – Le Mans von 2015 an, der in Netflix zur Verfügung steht. Diese Doku liefert über den Film gute Hintergrundinfos. Noch besser hat mir das Buch Unser Le Mans gefallen. Hier wird über die Freundschaft von Siegfried Rauch und Steve McQueen berichtet und zahlreiche Techniker kommen zu Wort. Ich ärgere mich, dass ich das Buch erst nach dem Tode von Siegfried Rauch gelesen habe. Meine Frau und ich haben einst in der Nähe von Rauch gewohnt und ihn öfters bei unserem Stammitaliener in Penzberg gesehen. Guiseppe hat uns immer einen Platz in der Nähe von Siegfried Rauch gegeben. Wir hatten freundlich genickt, er hat freundlich genickt und wir haben ihn aber in Ruhe seine Pizza essen lassen. Hätte ich das Le Mans-Buch zu seinen Lebzeiten gehabt, hätte ich ihn gestört und um ein Autogramm gebeten. Als Traumschiff-Kapitän oder Bergdoktor konnte ich nichts mit ihm anfangen, als Rennfahrer Erich Stahler fand ich ihn phänomenal.