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Kommentar: Chapeau Neil Young, aber du hast verloren

28. Januar 2022

Der Kerl war schon immer eigenwillig, hatte seine Kanten und ging auch so manchen Streit nicht aus den Weg. Jetzt zeigt der gebürtige Kanadier und heutige US-Bürger Neil Young wieder Flagge als er seine Songs von der schwedischen Streaming-Plattform Spotify zurückzog. Grund: Er möchte nicht seine Musik neben den Podcast von Comedian/Youtuber Joe Rogan stehen haben, der offensichtliche Falschaussagen gegen Corona verbreitet. Er will nicht dort sein, wo Falschinformationen zu COVID-19 verbreitet wird. Chapeau Neil Young!

Nun, der jüngere, klassischen Spotify-User wird eher den Schwurbler Rogan mit dem Podcast The Joe Rogan Experience kennen, als den 76jährigen Rockbarden Neil Young – und dennoch zeigt Neil Youngs Aktion Herz, Verstand, Rückgrat und Entschlossenheit. Und als langjähriger Fan von Neil Young unterstütze ich seinen Kampf gegen Lügen im Netz. Zur Transparenz: Ich Apple Music-Abonnent bin und habe kein Spotify-Abo.

In einem Brief von Young, der kurzzeitig auf der Website des Musiker zu sehen war, stand geschrieben: „Sie können Rogan oder Young haben. Nicht beide.“ Young zog nun seine Konsequenzen. Er hat dort laut seiner Spotify-Seite sechs Millionen Hörer pro Monat. Rogans Pod­cast wird durchschnittlich von mehr als 11 Millionen Hö­re­r gehört. Der Quacksalber hat dem Musiker gezeigt, wo der Hammer hängt. In seinem Podcast dürfen Figuren der Alt-Right-Szene auftreten, deren bei Facebook und Youtube wegen Hate Speech gesperrt sind.
Zurück bleibt Joe Rogan als Sieger. Er hat mit Spotify eine enorme Reichweite und darf seine Schwurblerideen, zum Teil rechtes Gedankengut und Lügen weiterverbreiten. Spotify ging es offensichtlich ums Geldverdienen. Der rechte Rogan bringt wohl mehr als der linke Young. Bei Spotify hieß es: „Wir bedauern Neils Entscheidung, seine Musik von Spotify zu entfernen, hoffen aber, ihn bald wieder begrüßen zu können.“ Damit ging der klare Sieg an Joe Rogan. Der moralische Sieger für mich heißt Neil Young.

Musiktipp: Electronica 1: the Time Machine von Jean Michel Jarre

19. Oktober 2015

Von mir lange erwartet: Das neue Album von Jean Michel Jarre: Electronica 1: the Time Machine

Von mir lange erwartet: Das neue Album von Jean Michel Jarre: Electronica 1: the Time Machine

Zum ersten Mal hörte ich Jean Michel Jarre als Schüler bei meinem Schulfreund Ingo. Eigentlich wollten wir für den Leistungskurs Chemie lernen, doch Ingo legte die Schallplatte Equinoxe auf und vorbei war es mit chemischen Formeln. Ich lernte an diesem Nachmittag elektronische Musik kennen und war seitdem ein Fan von Jean Michel Jarre, wobei ich seinen Vater Maurice Jarre als Filmfan ebenso schätzte.


Als ich nun hörte, dass Jean Michel Jarre mit knapp 75 67 Jahren ein neues Album herausbringen wollte, interessierte mich es sehr. Er hat die elektronische Musik massiv beeinflusst und vielleicht sollte es wieder so etwas Grandioses wie Zoolook werden. Ethnicolor auf Zoolook hatte mich damals wie heute begeistert. Die Doku auf Arte über Jarre machte mich noch neugieriger.

Im Booklet beschreibt Jarre sein Vorhaben.

Im Booklet beschreibt Jarre sein Vorhaben.

Nach drei Tagen intensiven Hören von Electronica 1: the Time Machine stelle ich fest: Jean Michel Jarre hat eine große Chance vertan, ich bin enttäuscht. Zwar ist das Album absolut sauber produziert und technisch brillant, aber musikalisch gefällt es mir nur bedingt. Jean Michel Jarre wollte mit Electronica 1: the Time Machine eine Kooperationen mit aktuellen Elektronik-Musikern herstellen – er wollte Brücken zwischen seinem Werk und den Werken dieser Musiker schlagen. Das ist ihm gelungen, aber einige dieser Musiker interessieren mich überhaupt nicht. Wenn ich eine Compilation über elektronische Musik will, dann klick ich mir eine Playlist bei Spotify oder Apple Music zusammen. Aber wenn ich Jean Michel Jarre hören will, dann will ich eben Jean Michel Jarre hören. Zugegeben, in jedem der Stücke seines Albums höre ich Jean Michel Jarre heraus – das wäre noch schöner. Aber ich finde, die anderen Musiker dominieren und Jean Michel Jarre tritt zu oft in den Hintergrund.
Es gibt einige Kooperationen, die mir durchaus gefallen. Dabei handelt es sich beispielsweise um das Stück Zero Gravity mit Tangerine Dream. Die Krautrocker habe ich ebenso gerne gehört wie Jarre. Leider gibt es auf Electronica 1: the Time Machine keine Kooperation zwischen Klaus Schulze oder gar Kraftwerk. Aber Electronica 1 deutet ja an, dass eine Electronica 2, 3, … folgen und vielleicht kommt es hier zu einer Kooperation. Gerne, ja sehr gerne hätte ich auch ein Zusammenspiel mit den Art-Rockern Keith Emerson und Rick Wakeman. Oder wie wäre es mal richtig experimentell mit Autechre?

Irgendwie bekam ich eine Fehlpressung des Covers.

Irgendwie bekam ich eine Fehlpressung des Covers.

Sehr ergriffen lauschte ich auf Electronica 1 dem Beitrag von Laurie Anderson. Ich habe die Grand Dame der Kunst lange nicht gehört und war nach den ersten Tönen wieder fasziniert von ihrer Kunst. Ich zog mir gleich Home of the Brave wieder auf das iPhone.
Neugierig war ich auch auf die Kooperation mit Regisseur und Musiker John Carpenter. Hier schließt sich der Kreis für meine Vorliebe von Soundtracks. Carpenter ist ein Minimalist und seine Soundtracks für seine Filme sind frühe Synths-Erfahrungen.
Die Sache mit Air geht noch ganz gut, Lang Lang ist interessant, aber dann gibt es auch nur schlimmes Pop-Gedudel. Moby finde ich grenzwertig, Vince Clarke ist schrecklich, Fuck Buttons bitte nicht, Little Boots ist einfach nur schrecklich. Und was hat bitte der von mir hoch verehrte Pete Townshend in einem Elektronik-Album verloren? Der Who-Chef ist für mich Aushängeschild des harten britischen Arbeiterrocks und passt für mich absolut nicht auf das Albums eines Synthesizer-Pioneers.
Ich geb es zu, im Großen und Ganzen bin ich enttäuscht. Der große Wurf ist Electronica 1: the Time Machine für mich nicht geworden. Ich werde dem Album noch ein paar Wochen Zeit geben und dann wieder zu Zoolook und dem Frühwerk des Meisters greifen.

Musikstreaming – Brauch ich? Brauch ich nicht?

14. Oktober 2015

Ich kann mich noch immer nicht mit Musikstreaming-Diensten anfreuen. Vielleicht liegt es an meinem Alter. Noch will ich die Aufnahmen besitzen und weiß natürlich, dass es ein Blödsinn im digitalen Zeitalter ist. Der Streaming-Markt kommt und noch bin ich nicht dabei. Vielleicht muss ich nicht jeden Trend mitmachen (sagte der Mann, der noch auf Tonbänder eine Zeitlang setzte).
Meine Kinder spielen derweil mit Spotify und Apple Music herum und gehen mit großen Schritten in die Zukunft.

Apple Music wirbt um Abonnenten.

Apple Music wirbt um Abonnenten.

Im Filmsektor habe ich mich vom Streaming-Fieber anstecken lassen. Amazon Instan Video läuft bei uns und ich finde es prima. Nur noch ein paar ausgewählte Filme kaufe ich mir auf Blu ray – Filme, die sich für mich persönlich lohnen. Aber bei Musik hänge ich noch der Zeit hinterher, kaufe sporadisch Vinyl (als Wertanlage) und CDs (vor allem Klassik und Soundtracks) und viele Downloads. Aber Streaming, ich weiß nicht.


Über genaue Zahlen von Apple Music schweigt sich Apple wie gewohnt aus. Beobachter rechnen mit bis zu vier Millionen zahlenden Abonnenten – ich gehöre noch nicht dazu. Allerdings haben wir auch nur eine kostenlose Version von Spotify laufen, die 20 Millionen zahlende Kunden haben. Ein Hauptargument für meine Kinder für Spotify ist, dass das Datenvolumen nicht auf ihren Telekom-Account angerechnet wird. Hier muss Apple nachbessern, dann steigt die Familie um und ich mach auch mit, vielleicht.

Aldi kommt mit einem eigenen Streaming Dienst und tritt gegen die internationale Herausforderung an.

Aldi kommt mit einem eigenen Streaming Dienst und tritt gegen die internationale Herausforderung an.

Interessant ist der Markt aber auch für andere. Für schlappe 7,99 Euro bietet Aldi jetzt in Kooperation mit Napster einen Streaming-Dienst Aldi Life Musik an. 34 Millionen Songs sind schon im Napster-Archiv. Damit ist Aldi billiger als Apple und Spotify. Ich sehe für das Projekt durchaus Chancen. Billig kommt gut und wer ein aktuelle Musik und Hörbücher hören möchte, der ist sicher gut bedient. Aldi hat in Deutschland eine unglaubliche Marktmacht und nicht nur Niedrigverdiener kaufen bei Aldi ein. Hier muss Apple und Platzhirsch Spotify gehörig aufpassen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von Jimmy Iovine – einstmals Beats und jetzt bei Apple. Er sieht durch die kostenlosen Streaming Angebote eine Gefahr für die Kultur. Ich finde, er hat recht, aber ggf ist die Aussage nur strategisch zu werten. Apple hat kein kostenloses Streaming und muss trommeln, um auf seine Userzahlen zu kommen. Auf der anderen Seite gibt es durch YouTube und Co schöne legale Möglichkeiten, sich mit Filme und Musik zu versorgen. Ich in jetzt mal gespannt, wie sich das Streaming weiterentwickelt. Im Moment sammele ich dazu Material für ein Seminar.

Apple Music, der richtige Schritt, den ich nicht brauche

9. Juni 2015

Zu lange war das One mir Thing für meinen Geschmack.

Zu lange war das One mir Thing für meinen Geschmack.

Ich hab Apple Music in der dargereichten Form nicht verstanden. Jetzt bin ich wirklich ein Fanboy von Apple, aber das One more Thing auf der gestrigen WWDC war für mich zu lang und zudem für mich völlig unnötig. Ich brauchte (bisher) kein Streaming und ich höre kein Radio bis auf einen Nachrichtensender und Deutschlandfunk. Und ich will auch nicht, dass mir irgendwelche Künstler mit Mixes und Ankündigungen meine Zeit stehlen. Ich stelle für mich fest: Ich brauche wohl Apple Music nicht.
Die Keynote von Tim Cook & Kollegen war bis zum Ende vielversprechend. Die WWDC ist ja eine Software-Konferenz und interessante Software hat Apple gebracht: neue Ankündigungen von OS X El Capitan, einen anderen Ausblick auf iOS 9 und watchOS 2. Die Programmierumgebung Swift 2 gibt es zudem als OpenSource. ApplePay wird weiter ausgerollt und wir Deutschen spielen noch nicht mit. Das wäre für meinen Geschmack an Neuerungen genug gewesen.
Doch dann kam das One more Thing. Die Verhandlungen um Filmrechte dauern noch, also wurde Apple TV verschoben. Aber der Sony-Musik-Chef Doug Morris riss im Vorfeld den Mund auf und verriet die Ankündigung von Apple.

Jimmy Iovine konnte mich nicht überzeugen.

Jimmy Iovine konnte mich nicht überzeugen.

Musikmanager Jimmy Iovine mag zwar ein Musikcrack sein, ein Bühnenmensch auf der Keynote war er nicht. Dafür kann er nichts, aber seine Show war einfach öde. Eddy Cue, Senior Vice President Internet Software und Services von Apple, kasperte anschließend auf der Bühne herum und spielte Musik vor. Schön, wenn der Mann lateinamerikanisch Musik hört, ich tue es nicht, Cue lauthals: „Apple Music ist ein revolutionärer Streaming-Dienst für Musik, ein zukunftsweisender, weltweiter Live-Radiosender von Apple, der täglich 24 Stunden sendet und zugleich ein großartiger neuer Weg für Musikfans mit ihren Lieblingskünstlern in Verbindung zu treten.“
Ich habe Spotify bisher nicht gebraucht und ich brauche wohl Apple Music auch nicht. Ich höre keine Playlists, sondern ganze Alben von Musikern. Ich mag Musik besitzen. Ich bin ein Jäger und Sammler. Für mich ist Apple Music nichts.

Aber Apple hat alles richtig gemacht - auch mit der Präsentation von Joan Jett.

Aber Apple hat alles richtig gemacht – auch mit der Präsentation von Joan Jett.

Aber genug meiner subjektiven Emotionen. Es ist genau der richtige Schritt, den Apple hier mit Apple Music gemacht hat. Wäre ich Spotify und Co, dann würde ich echt Angst haben, dass mein Geschäftsmodell baden geht. Die rund 10 Euro kosten alle Dienste, aber Apple hat einen ganz, ganz klaren Vorteil. Sie sind in Besitz der Kreditkarten von iTunes, mindestens 800.000.000 Stück. Sie alle sind nur einen Klick von Apple Music entfernt und dieser Klick ist verlockend. Apple wird eine Werbekampagne lostreten, von denen andere Streamingdienste nur träumen können. Zudem bietet Apple ein interessantes Familienangebot – sechs Familienmitglieder bekommen Apple Music für rund 15 Euro. Das ist günstig. Und Apple öffnet Apple Music für Android und erschließt sich hier einen neuen Markt.

Siri als Geheimwaffe bei Apple Music.

Siri als Geheimwaffe bei Apple Music.

Außerdem hat Apple Siri als Geheimwaffe. Siri wird mich unterstütze mit Apple Music meinen Spaß zu haben. Beispielsweise kann man Siri fragen „Spiele mir die besten Songs des Jahres 1994 vor“, „Spiele den besten Song von FKA twigs ab“ oder „Was war der Nummer 1-Hit im Februar 2011?“. Als Statistikfan gefällt mir so ein Service.
Für 3 Milliarden US-Dollar hat Apple das Unternehmen Beat gekauft, jetzt wird sich die Investition auszahlen, wobei Apple wohl seine höchsten Umsätze mit der Hardware-Seite macht. Streaming ist bisher bei allen Anbietern noch kein großes Geschäftsmodell.
Eddy Cue meint: „Apple Music kombiniert die größte und abwechslungsreichste Musiksammlung des Planeten mit der Expertise von Musikfachleuten von Weltrang, die Wiedergabelisten für Nutzer von iPhone, iPad, iPod touch, Mac, PC, Apple TV und Android Phones zusammengestellt haben.“ Bei uns zu Hause hört Kind 2 bisher nur Spotify. K2 denkt einen Tag nach der Keynote über einen Wechsel nach, zumal Apple Music drei Monate kostenlos sein soll.

Weltweites Radio mit Beats 1 - hier taucht der Name Beat wieder auf.

Weltweites Radio mit Beats 1 – hier taucht der Name Beat wieder auf.

Außerdem kommt Beats 1, der bisher erste Live-Radiosender von Apple der sich vollständig der Musik und Musikkultur widmet. Er wird live in über 100 Länder senden. Beats 1 ist eine 24-stündige Hörerfahrung unter der Federführung von DJs wie Zane Lowe in Los Angeles, Ebro Darden in New York und Julie Adenuga in London, die ich als alter Mann freilich nicht kenne. Hörer auf der ganzen Welt werden die Programmgestaltung zum selben Zeitpunkt hören – globales Radio, ein interessanter Gedanke.
Und ich finde, Apple Music Connect ist im Grunde MySpace. Künstler können sich mit ihren Fans vernetzen. Über Connect können Künstler Liedtexte, Backstage-Fotos und Videos teilen oder sogar ihren neuesten Song unmittelbar an Fans direkt von ihrem iPhone aus veröffentlichen. Fans können sämtliche Posts eines Künstlers kommentieren oder liken und über Messages, Facebook, Twitter und E-Mail teilen. Und auf Kommentare kann der Künstler direkt dem Nutzer antworten. Also im Grunde MySpace von Apple.
Also, nüchtern gesehen hat Apple wohl alles richtig gemacht und wenn ein großer Player wie Apple am 30. Juni in den Streaming-Markt eintritt, dann bewegt sich dieser Markt. Apple wird Musikstreaming zum Mainstream machen. Die interessante Kombi Streaming, Radio und Connect wird am Markt wohl überzeugen, die Präsentation von One more Thing tat es nicht.

Streaming: Musik direkt auf die Ohren

29. Juli 2014

Ich bin ein-, zweimal pro Woche an bayerischen Schulen aller Schularten unterwegs und darf Vorträge zum Thema Medienkompetenz vor Schülern, Lehrern und Eltern halten. Zu Beginn frage ich in der Regel nach der Verbreitung von Handys und Smartphones sowie dem Nutzungsverhalten. Und siehe da, Smartphones sind bei der Schülergruppe absolut führend. Es gibt kaum noch klassische Mobiltelefone und kaum ein Schüler ab der fünften Klasse besitzt kein Mobiltelefon.
Und ich komme auch auf die Nutzung von Musik zu sprechen. Es freut mich, dass es bei den Schülern noch ein paar Verfechter des klassischen Vinyls gibt. Zumeist sind dies Schüler, die entweder die Schallplattensammlung von den Eltern samt Schallplattenspieler geerbt haben, oder die jungen Menschen sind finanziell potent, um sich dieses Hobby leisten zu können.

spotify
In der Regel wird Musik heute aber digital konsumiert. Und dabei fällt mir bei meinen Vorträgen weiter auf, dass die CDs auf absteigendem Ast sind. Downloadportale wie Amazon und iTunes sind führend, wenn Musik legal gekauft wird. Und es kommen mehr und mehr Streaming-Dienste bei den Jugendlichen an. Sie treffen ihren Geschmack. Der Typus Jäger und Sammler (wie ich ganz klar einer bin), wird weniger. Ich will Musik besitzen, doch damit gehöre ich zu einem Auslaufmodell in der Medienwelt.
Musik wird nicht mehr besessen, sondern gemietet. Und dieses Mieten von Inhalten lässt sich überall feststellen. Es beginnt bei Cloud-Software (Software as a Service SaaS) wie Adobe oder Microsoft. Die Online-Videotheken mit ihren Streaming-Angeboten sind an der Tagesordnung: Die Mediatheken der TV-Sender, Amazon Instant Video, iTunes, Watchever und ab Herbst Netfix verdrängen klassische Datenträger. Amazon setzt in den USA zudem auf eine Bücherflatrate.
Und bei uns in Deutschland sind inzwischen die Musikflatrates voll angekommen und gewinnen Marktanteil um Marktanteil. Bei den Schülern oft nicht mehr via Rechner, sondern via Smartphone. Seit rund zwei Jahren bietet die Deutsche Telekom als einziger Mobilfunk-Provider in Deutschland eine Kooperation mit dem Musikstreamingdienst Spotify an. Was die Jugendlichen besonders freuen wird, wenn sie den Dienst mit ihrem Smartphone nutzen: Die Telekom will künftig das gesamte durch Spotify anfallende Datenvolumen auf null setzen. Das bedeutet, die Datennutzung durch Spotify wird nicht auf das Datenvolumen des Smartphone-Nutzers angerechnet.

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Wie wichtig diese Dienste sind, zeigt ein 3-Milliarden-US-Dollar-Kauf von Apple. Cupertino reagierte auf den Trend und kaufte mit Beat nicht nur einen Kopfhörerhersteller, sondern auch ein Streaming-Portal für Musik. Streaming ist im Moment die Zukunft. Einen idealen Überblick über die verschiedenen Anbieter wie Spotify und Co gibt diese Webseite.
Streaming ist natürlich abhängig von der Gegend, in der man wohnt. Im ländlichen Raum ohne schnelles oder ausreichendes Internet ist die Streaming-Nutzung nur theoretisch möglich. Es macht ohne vernünftige Anbindung einfach keinen Spaß. Aber sobald ausreichende Bandbreite verfügbar ist, fahren die Jugendlichen voll auf die Streamingdienste ab. Die Dienste setzen derzeit noch auf Masse, dann und wann fehlt die musikalische Qualität. Und auch an der audiophilen Qualität lässt sich noch einiges verbessern. Hier wird sicher der Pono-Player von Neil Young und seine Musikplattform Pono Music Ende des Jahres noch mehr Druck ausüben. Aber wir stehen vor interessanten Zeiten.