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Apple Music, der richtige Schritt, den ich nicht brauche

9. Juni 2015
Zu lange war das One mir Thing für meinen Geschmack.

Zu lange war das One mir Thing für meinen Geschmack.

Ich hab Apple Music in der dargereichten Form nicht verstanden. Jetzt bin ich wirklich ein Fanboy von Apple, aber das One more Thing auf der gestrigen WWDC war für mich zu lang und zudem für mich völlig unnötig. Ich brauchte (bisher) kein Streaming und ich höre kein Radio bis auf einen Nachrichtensender und Deutschlandfunk. Und ich will auch nicht, dass mir irgendwelche Künstler mit Mixes und Ankündigungen meine Zeit stehlen. Ich stelle für mich fest: Ich brauche wohl Apple Music nicht.
Die Keynote von Tim Cook & Kollegen war bis zum Ende vielversprechend. Die WWDC ist ja eine Software-Konferenz und interessante Software hat Apple gebracht: neue Ankündigungen von OS X El Capitan, einen anderen Ausblick auf iOS 9 und watchOS 2. Die Programmierumgebung Swift 2 gibt es zudem als OpenSource. ApplePay wird weiter ausgerollt und wir Deutschen spielen noch nicht mit. Das wäre für meinen Geschmack an Neuerungen genug gewesen.
Doch dann kam das One more Thing. Die Verhandlungen um Filmrechte dauern noch, also wurde Apple TV verschoben. Aber der Sony-Musik-Chef Doug Morris riss im Vorfeld den Mund auf und verriet die Ankündigung von Apple.

Jimmy Iovine konnte mich nicht überzeugen.

Jimmy Iovine konnte mich nicht überzeugen.

Musikmanager Jimmy Iovine mag zwar ein Musikcrack sein, ein Bühnenmensch auf der Keynote war er nicht. Dafür kann er nichts, aber seine Show war einfach öde. Eddy Cue, Senior Vice President Internet Software und Services von Apple, kasperte anschließend auf der Bühne herum und spielte Musik vor. Schön, wenn der Mann lateinamerikanisch Musik hört, ich tue es nicht, Cue lauthals: „Apple Music ist ein revolutionärer Streaming-Dienst für Musik, ein zukunftsweisender, weltweiter Live-Radiosender von Apple, der täglich 24 Stunden sendet und zugleich ein großartiger neuer Weg für Musikfans mit ihren Lieblingskünstlern in Verbindung zu treten.“
Ich habe Spotify bisher nicht gebraucht und ich brauche wohl Apple Music auch nicht. Ich höre keine Playlists, sondern ganze Alben von Musikern. Ich mag Musik besitzen. Ich bin ein Jäger und Sammler. Für mich ist Apple Music nichts.

Aber Apple hat alles richtig gemacht - auch mit der Präsentation von Joan Jett.

Aber Apple hat alles richtig gemacht – auch mit der Präsentation von Joan Jett.

Aber genug meiner subjektiven Emotionen. Es ist genau der richtige Schritt, den Apple hier mit Apple Music gemacht hat. Wäre ich Spotify und Co, dann würde ich echt Angst haben, dass mein Geschäftsmodell baden geht. Die rund 10 Euro kosten alle Dienste, aber Apple hat einen ganz, ganz klaren Vorteil. Sie sind in Besitz der Kreditkarten von iTunes, mindestens 800.000.000 Stück. Sie alle sind nur einen Klick von Apple Music entfernt und dieser Klick ist verlockend. Apple wird eine Werbekampagne lostreten, von denen andere Streamingdienste nur träumen können. Zudem bietet Apple ein interessantes Familienangebot – sechs Familienmitglieder bekommen Apple Music für rund 15 Euro. Das ist günstig. Und Apple öffnet Apple Music für Android und erschließt sich hier einen neuen Markt.

Siri als Geheimwaffe bei Apple Music.

Siri als Geheimwaffe bei Apple Music.

Außerdem hat Apple Siri als Geheimwaffe. Siri wird mich unterstütze mit Apple Music meinen Spaß zu haben. Beispielsweise kann man Siri fragen „Spiele mir die besten Songs des Jahres 1994 vor“, „Spiele den besten Song von FKA twigs ab“ oder „Was war der Nummer 1-Hit im Februar 2011?“. Als Statistikfan gefällt mir so ein Service.
Für 3 Milliarden US-Dollar hat Apple das Unternehmen Beat gekauft, jetzt wird sich die Investition auszahlen, wobei Apple wohl seine höchsten Umsätze mit der Hardware-Seite macht. Streaming ist bisher bei allen Anbietern noch kein großes Geschäftsmodell.
Eddy Cue meint: „Apple Music kombiniert die größte und abwechslungsreichste Musiksammlung des Planeten mit der Expertise von Musikfachleuten von Weltrang, die Wiedergabelisten für Nutzer von iPhone, iPad, iPod touch, Mac, PC, Apple TV und Android Phones zusammengestellt haben.“ Bei uns zu Hause hört Kind 2 bisher nur Spotify. K2 denkt einen Tag nach der Keynote über einen Wechsel nach, zumal Apple Music drei Monate kostenlos sein soll.

Weltweites Radio mit Beats 1 - hier taucht der Name Beat wieder auf.

Weltweites Radio mit Beats 1 – hier taucht der Name Beat wieder auf.

Außerdem kommt Beats 1, der bisher erste Live-Radiosender von Apple der sich vollständig der Musik und Musikkultur widmet. Er wird live in über 100 Länder senden. Beats 1 ist eine 24-stündige Hörerfahrung unter der Federführung von DJs wie Zane Lowe in Los Angeles, Ebro Darden in New York und Julie Adenuga in London, die ich als alter Mann freilich nicht kenne. Hörer auf der ganzen Welt werden die Programmgestaltung zum selben Zeitpunkt hören – globales Radio, ein interessanter Gedanke.
Und ich finde, Apple Music Connect ist im Grunde MySpace. Künstler können sich mit ihren Fans vernetzen. Über Connect können Künstler Liedtexte, Backstage-Fotos und Videos teilen oder sogar ihren neuesten Song unmittelbar an Fans direkt von ihrem iPhone aus veröffentlichen. Fans können sämtliche Posts eines Künstlers kommentieren oder liken und über Messages, Facebook, Twitter und E-Mail teilen. Und auf Kommentare kann der Künstler direkt dem Nutzer antworten. Also im Grunde MySpace von Apple.
Also, nüchtern gesehen hat Apple wohl alles richtig gemacht und wenn ein großer Player wie Apple am 30. Juni in den Streaming-Markt eintritt, dann bewegt sich dieser Markt. Apple wird Musikstreaming zum Mainstream machen. Die interessante Kombi Streaming, Radio und Connect wird am Markt wohl überzeugen, die Präsentation von One more Thing tat es nicht.

Bob Dylan: Hard Rain als DVD

21. Februar 2011

Irgendwann in meiner Jugend habe ich im Bayerischen Fernsehen ein seltenes Dylan-Konzert von 1976 gesehen, dass mir auf seine ungewöhnliche Art in Erinnerung geblieben ist: Hard Rain von der Rolling Thunder Tour. Jetzt habe ich bei Amazon zufällig das Konzert Rolling Thunder Revue auf DVD wiederentdeckt, veröffentlicht von einer Firma mit dem ominösen Namen Woodstock Tapes. Also so richtig legal dürfte es bei den Aufnahmen nicht zugehen, aber als Dylan-Fan muss ich die Aufnahme haben. Selbstverständlich.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Zu sehen ist eine Art Punk-Dylan mit seiner legendären Rolling Thunder-Besetzung sowie natürlich die unvermeidliche Joan Baez an seiner Seite. Mit dabei auch Ramblin´ Jack Elliot und Roger McGuinn. Ort des Geschehens Fort Collins und wie der LP-/CD-Titel Hard Rain sagte, bei fettem Regen.

Die Band stolziert umher wie die Mannschaft eines Piratenschiffs um ihren wahnsinnigen Kapitän. Fast alle Bandmitglieder haben sich Kopftücher oder sonstige Fetzen über den Kopf gezogen. Von einem geordneten Konzert mit einstudierter Bühnenshow kann keine Rede sein. Es ist Punk pur. Selten habe ich Dylan so aggressiv, aber dennoch engagiert singen gehört. Rolling Thunder war einer der kreativen Höhepunkte des Meisters. Aber Warnung: die Aufnahmen sind nur für Dylan Hartgesottene ein Genuss. Der Freund des Mainstreams, der ene Best of-Show erwartet, wird irritiert den ruppigen Songs lauschen und sich über die Figuren auf der Bühne seine Gedanken machen. Sonnenbrille und Cowboyhüte bei Regen, was haben die Musikanten denn alles eingeworfen? Aber wenigstens tragen sie keine Masken, wie in einem Teil des Rolling Thunder-Zirkuses. Auch der Griff in den Farbeimer ist reduziert, nur Frau Baez hat ein wenig Rouge aufgetragen. An alle Musiker unter den Lesern: Schaut euch den Bassisten Rob Stoner und dann entscheidet, ob ihr Bass spielen könnt oder nicht – genial.

Als das Konzert damals auf Langspielplatte herauskam, blieb es in den Schallplattenläden wie Blei liegen. Von der Elegant der Studioalben Desire oder Blood on the Tracks war nicht viel zu hören. Hard Rain provozierte, eckte an, war auf keinen Fall gefällig. Die hat sich mit der später veröffentlichten CD und jetzt mit der DVD Gott sei Dank nicht geändert. Es ist Rock´n Roll und Punk pur, selbst wenn Dylan und Baez an einem Mikro Klassiker der Folk-Szene herunterschrappeln. Schön sind dabei die Szenen, wenn Goldkelchen Baez in die Ferne beim Singen schaut. während Ex-Lover Dylan sie von der Seite beobachtet. In dem leider noch nicht veröffentlichten Dylan-Film Renaldo & Clara kommt die Heiratsdiskussion zwischen ihnen nochmals auf – Fans erinnern sich.

Nun die schlechte Nachricht. Die technische Qualität der DVD ist grottenschlecht. Die Aufnahmen sind in NTSC vom US-Fernsehen gemacht und NTSC bedeutet auch Never The Same Color. Alle Kritikpunkte am NTSC-Format treten hier in voller Form zu Tage. Und zudem haben die (Schwarz-)Kopierer von Woodstock Tapes die Aufnahmen der Asia-TV-Ausstrahlung vervielfältigt. Das bedeutet, es gibt störende Untertitel und Bauchbinden mit asiatischen Übersetzungen. Leider verdecken diese zeitweise das gesamte Bild. Das nervt erheblich. Aber das Cover der DVD brauche ich kein Wort zu verlieren. Es ist sch…

Aber wer den Meister in einer seiner Hochphasen erleben will, sollte die paar Euro für Rolling Thunder Revue riskieren. Wann und ob Sony Music irgendwann die Originalshows auf den Markt bringt, ist zweifelhaft. Daher zugreifen, über die Fehler hinwegsehen, und genießen.