Wieder ist May the Fourth und ich bin ins Archiv gegangen, um hab mich ein bisschen bei meinen Star Wars-Schätzen umgeschaut. Ich habe die englische Bluray Fassung von Force Awakens zu Tage gefördert. Die Aufnahme unterscheidet sich nicht von den bisherigen Veröffentlichungen, aber die Verpackung. Sie erschien im aufklappbaren LP-Format samt vier Aushangfotos. Enthalten waren Bluray, DVD und Bluray-Bonus und eben die vier Fotos im LP-Format. Das Ganze hieß 2016 Big Sleeve-Edition.

Das Set kam am 28. November 2016 in den Handel und kostete bei Zavvi zunächst rund £ 19,99. Die Blu‑ray ist region‑frei (DVD Region 2) und es gibt weder 3D‑Version noch Dolby‑Atmos‑Ton. Neben den Discs mit dem Hauptfilm liegt ein Bonus‑Disc bei, die unter anderem einen Audiokommentar von Regisseur J.J. Abrams enthält sowie Featurettes über Foley‑Geräusche, Kostüme („Dressing the Galaxy“), Waffen („Inside the Armory“), ein Gespräch mit Daisy Ridley und John Boyega („The Scavenger and the Stormtrooper“), mehrere entfallene Szenen und die Making‑of‑Dokumentation.
Disney bewarb die Big‑Sleeve‑Edition als Sammlerstück für Film‑ und Vinyl‑Fans. Sie sollte die hochwertigen Cover‑Illustrationen in den Vordergrund stellen und mit den exklusiven Art‑Prints eine Art Coffee‑Table‑Format bieten. Für „The Force Awakens“ zeigte das Cover etwa den Droiden BB‑8, und die 12‑inch‑Artprints zeigten Charaktere und Szenen aus dem Film . Das Konzept war auf eine kleine Zielgruppe zugeschnitten; heute ist die Edition vergriffen und nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden.
Ich mochte das Erwachen der Macht, habe hier ein paar Kritiken aus der damaligen Zeit zusammengetragen.
Der siebte „Star‑Wars“-Film markierte 2015 eine Wende für die Saga: Zum ersten Mal stand nicht George Lucas am Ruder, sondern J. J. Abrams. Schon vor dem Start gab es Zweifel, ob er die Reihe retten könne – besonders wegen seiner durchwachsenen Blockbuster‑Vita. Die deutsche Fachzeitschrift epd Film stellte jedoch fest, dass das Projekt „gut, sehr gut sogar“ funktioniert, was man vor allem dem Drehbuch von Lawrence Kasdan zuschreibe. Kasdan hatte schon an „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi‑Ritter“ mitgearbeitet und sorgt dafür, dass die Handlung nicht wie ein langes Teaser‑Video wirkt, sondern als Rahmen für eine neue Ära dient.
Die Stärken des Films liegen laut vielen Kritikern in seiner nostalgischen Inszenierung und in den neuen Figuren. Abrams bedient sich bewusst an Motiven des ersten „Star Wars“: ein schwarz maskierter Schurke mit verzerrter Stimme, trampelnde Sturmtruppen und ein riesiges Waffensystem, das an den Todesstern erinnert. Anders als bei anderen Franchise‑Reboots wirken diese Anleihen nicht plump, sondern zeigen eine cinephile Nostalgie; Abrams spielt mit vertrauten Motiven und entwickelt gleichzeitig frische Ideen, sodass Fortsetzung und Reboot ineinander aufgehen. Besonders gelobt wird der Mut, eine junge Schrottsammlerin namens Rey ins Zentrum zu rücken. Mit ihrem geheimnisvollen Hintergrund, der charismatischen Darstellung durch Daisy Ridley und der Freundschaft zum desertierten Sturmtruppler Finn führt der Film eine weibliche Heldin und einen schwarzen Protagonisten ein, was die üblichen Heldenbilder des Blockbuster‑Kinos aufbricht. Die schweizerische Website Watson hob zudem den Einsatz realer Sets statt reiner Greenscreen‑Kulissen, die lockeren Sprüche und John Williams’ altvertraute Musik hervor.


Gleichzeitig stützen sich viele Vorwürfe auf eben diese Nostalgie. Der Vox-Autor David Roberts monierte, das Drehbuch „hebe“ fast alle wichtigen Plotpunkte aus „Eine neue Hoffnung“ und dem Originaltrilogie‑Finale auf und reihe sie nur leicht variiert aneinander . Der Angriff auf die Starkiller‑Basis sei eine nahezu identische Wiederholung des Todesstern‑Plans: Eine Hologramm‑Besprechung, ein Energiefeld, ein verwundbarer Kern – und am Ende sprengt ein Pilot mit dem berühmten X‑Wing das Mega‑Waffensystem . Für Roberts ist diese „Mimese“ nicht nur eine Verbeugung, sondern „lazy storytelling“; sie diene als Krücke, um emotionale Momente aus der Vorlage auszubeuten statt neue Spannung zu erzeugen . Zugleich kritisiert er, dass die politische Lage – was die First Order eigentlich ist und wie sie zum Widerstand steht – fast völlig unerklärt bleibt .
Dieser Eindruck eines übervorsichtigen Films zeigt sich auch in späteren Rückblicken. Das Blog Films and Fiction urteilte 2024, der Film führe zwar die Figuren Rey, Finn und Poe ein, doch blieben sie „ernsthaft unterentwickelt“. Der Wettstreit zwischen den bekannten Helden Han und Leia und den neuen Charakteren um Screentime lasse das Trio blass wirken, Rey wirke „dull“, weil sie kaum Schwächen habe, und Finns Defektion werde vor allem als Comedy‑Nummer behandelt. Auch die Schurken erhielten wenig Profil; Kylo Ren erscheine als „brattish“ und ineffektiver Vader‑Abklatsch . Der britische Text erinnert daran, dass diese Kritikpunkte stärker auffallen, wenn man weiß, wie wenig konsequent die späteren Fortsetzungen diese Figuren weiterentwickeln .
In einem Medium‑Essay von 2026 weist Jonah King darauf hin, dass sich „Das Erwachen der Macht“ eng an klassische Genreroutinen hält: Gut bleibt gut, Böse bleibt böse, Helden durchlaufen die gewohnte Reise. Diese Formelhaftigkeit sei zwar effektiv, offenbare aber auch die Grenzen des Films . King lobt eine Szene, in der Poe Dameron mit X‑Wings zur Rettung eilt – hier zeige der Film seine inszenatorische Kraft und das Potenzial der neuen Figuren . Gleichzeitig bleiben Reys Suche nach ihrer Identität und Kylos innerer Konflikt eher „stock“ als originell .

Weitere Kritikpunkte betreffen die technische Umsetzung. Watson hebt hervor, dass die 3D‑Fassung nur nachträglich erzeugt wurde und die Raumwirkung darunter leide; die Kamera sei teilweise unruhig und das Ergebnis weniger beeindruckend als bei echten 3D‑Produktionen . Zudem fühlten sich manche Zuschauer von der Fan‑Nostalgie erschlagen: In den Worten des Artikels „Es gibt nichts Neues“ – viele Szenen kenne man schon aus der Originaltrilogie, nur alles „zehnmal grösser“. Die überdeutliche Orientierung an eingefleischten Fans geht laut Roberts zulasten der universellen Erzählbarkeit; ohne Vorkenntnisse bleibe die Handlung „ein Muddle“ .
Unter dem Strich ist „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ weder ein episches Desaster noch ein künstlerischer Befreiungsschlag. Seine Verdienste liegen im sicheren handwerklichen Niveau, in der Rückkehr der alten Helden, dem Charme der Nachwuchsbesetzung und der gekonnten Mischung aus praktischen Effekten und moderner Optik. Kritische Stimmen werfen ihm vor, zu sehr auf Bewährtes zu setzen, die Figuren nicht ausreichend zu entwickeln und narrative Risiken zu vermeiden. Ob man den Film als gelungene Rückkehr oder als verpasste Chance empfindet, hängt letztlich davon ab, ob man Nostalgie als Stärke oder als Schwäche bewertet.
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