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Corona-Virus: Tag 12 der Ausgangsbeschränkung – Großfamilie mit 5 Kindern im Zeichen der Krise

2. April 2020
Die Spielplätze der Gemeinde Maisach sind wie überall gesperrt. Die Spielplätze der Gemeinde Maisach sind wie überall gesperrt.

„Wir haben keinen Lagerkoller, so schlimm ist es nicht, aber die ganze Ausgangsbeschränkung geht unserer Familie gehörig an die Nieren.“ Petra H. aus Gernlinden in der Gemeinde Maisach imL Landkreis Fürstenfeldbruck schlägt sich mit ihrer Familie tapfer in der Corona-Krise. Zusammen mit ihrem Mann hat sie fünf Kinder, die sie zu Hause betreuen muss.
Da kommt die Familie erst nachts zur Ruhe, wenn Vater und Mutter die Kinder ins Bett gebracht haben. Sie haben einen 8jährigen Sohn, eine 6jährige Tochter, einen 3jährigen Sohn und zwei 18 Monate alte Zwillinge. Eigentlich ist sie Systemingenieurin für Datenübertragungstechnik von Beruf, aber im Moment ist sie zu Hause und kümmert sich um ihre Kinder. Sie wollte eigentlich selbstständig auf freiberuflicher Basis arbeiten, aber das ist im Moment unmöglich. Ihr Mann ist tagsüber auf der Arbeit und kann kein HomeOffice machen. Es bleibt also viel an Petra H. hängen, nachdem Kindergarten und Schule geschlossen sind. Das alte Netzwerk von Oma und Opa ist verständlicherweise weggebrochen. Problematisch ist die Beschulung des 8jährigen Sohnes. Während sie ihrem Sohn mit den Hausaufgaben durchgeht, sind die 6- und 3jährigen Kinder voll aktiv und wollen auch beschäftigt sein. Die Schule schickt neuen Stoff und erwartet, dass Eltern die schulische Betreuung der Kinder mit übernehmen. „Oft fehlt hier die Zeit und der Raum“, so Petra H.

Einkäufe besorgt Petra H. mit dem Lastenfahrrad. Einkäufe besorgt Petra H. mit dem Lastenfahrrad.

Hinzu kommen die täglichen Einkäufe für die Großfamilie. Der Mann fährt mit dem Familienauto in die Arbeit, um sich in der vollen S-Bahn nicht anzustecken. Also tritt Petra H. zusammen mit ihren Kindern in die Pedale. Sie packt die Kinder auf auf ein Elektro-Lastenfahrrad und fährt von Gernlinden nach Maisach zum Einkaufen. „In der Anfangsphase war es problematisch mit den Mengenbeschränkungen“, so Petra H. Eine siebenköpfige Familie braucht eben mehr als ein Single-Haushalt. „Ich wurde als Hamster beschimpft“, berichtet Petra H. Ohne besseres Wissen wurde die Mutter übel angeraunzt. Der soziale Umgang war bodenlos.
Beim Einkaufen muss sie die Kinder natürlich mitnehmen. Das verlangt von dem Familiennachwuchs eine ungeheure Disziplin. „Es ist meinen Kindern klar, dass sie nicht zu anderen Leuten hingehen dürfen, sondern sie sind bei mir“, so Petra H. Es gibt keine Notbetreuung für die Kinder.

Die Bestuhlung muss zu Hause stattfinden. Die Beschulung muss zu Hause stattfinden.

Wenn der Kleinsten den Mittagsschlaf halten, dann kann die Beschulung des 8jährigen gedacht werden. Die beiden jüngeren Kinder beschäftigen sich dann mit Ausmalen. Der Tagesablauf wird irgendwie strukturiert: Malen, Schulstoff, es läuft die Sendung mit der Maus, teilweise macht die Familie die täglichen Albas Sportstunde mit. Das Training findet dann im Wohnzimmer der Doppelhaushälfte statt. „Es ist schon witzig anzusehen, wenn unsere Familie auf einem Bein durchs Zimmer hüpft“, lacht Petra H. „So bekommen wir den Tag schon rum.“
Der Gang zum Spielplatz entfällt, weil die Spielplätze der Gemeinde geschlossen sind. Ab und zu nimmt eine Nachbarin den Kinderwagen mit den Zwillingen in Empfang und schiebt sie an der frischen Luft umher. „Die Zwillinge werden von mir in den Kinderwagen gepackt und vor die Tür der Nachbarin geschoben, die dann den Wagen übernimmt. Direkter Kontakt kommt nicht zustande, denn es gilt ja Kontaktsperre“, berichtet die Mutter.
Die Hilfsangebote, die im Dorf vorhanden sind, will sich Petra H. näher anschauen. Durch den Wegfall eines Gehalts und durch Weiterlaufen der Kita-Kosten ohne Kita-Betrieb sei die finanzielle Situation natürlich ernst. „Da müssen Familie schon genau hinschauen“, so Petra H.

Corona-Virus: Tag 11 der Ausgangsbeschränkung – Meine Helden der Logistik

1. April 2020
Bewundernswerte Leistung, die meinen Respekt verdient.

Bewundernswerte Leistung, die meinen Respekt verdient.

Es klingt immer so schön, wenn von den Helden des Alltags gesprochen wird. Menschen, die das System am Laufen halten: Medizinisches Personal, Kassierer, Verkäufer, Lokführer, Lieferdienste, Paketboten. Und immer wieder lese ich, dass diese Berufsgruppen Applaus von uns gespendet bekommen sollen. Ich denke mir: Applaus ist prima, mehr Geld wäre es auch. Wenn es denn so einfach wäre.
Als grundsätzlich freundlicher Mensch schenke ich meinen Gegenüber immer ein Lächeln. Und das Lächeln kommt in der Regel immer zurück. Davon können wir zwar unsere Familien nicht ernähren, aber es gehört zum guten Anstand. So bin ich erzogen mit dem Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. So manches Mal, wenn ich den Einzelhandel im Dorf besucht habe, weiß ich, warum „Dienstleistungswüste“ ein deutsches Wort ist.
Die Welt ändert sich. Da viele Geschäfte geschlossen haben, bestelle ich einige Waren. Nachdem ich ja aufgrund Corona verdammt bin, zu Hause zu bleiben und mein weggebrochenes Business von hier aus zu koordinieren, stelle ich eine Veränderung bei meinen Paketboten fest. Post, DHL, UPS, DPD, GLS, Hermes und wie sie alle heißen. Früher hielt ich mit meinen DHL- und UPS-Fahrern ein Schwätzchen an der Gartentür. Man kannte sich, respektierte sich und tauschte Freundlichkeiten aus. Das hat sich durch Corona verändert. Die Logistiker und Kurierfahrer haben Handschuhe an, manche haben Masken, sie wirken gehetzt. Kurzes Nicken, ein freundliches Hallo und der UPS-Bote wirft ganz vorsichtig mir die Sendung zu.

Persönliche Übergabe in Zeiten von Corona wird kleingeschrieben – die Fahrer haben Angst und sind vorsichtig. Abstand oder Social Distancing ist das oberste Gebot. Meine DHL- und UPS-Fahrer haben mir erklärt, dass sie sich die Unterschriften der Kunden sparen, um den notwendigen Abstand zu wahren. So verzichten die Logistik-Unternehmen auf eine Quittierung und rufen uns Kunden auf, eine Erlaubnis zu erteilen, die Pakete am Wunschort ablegen zu dürfen. Das ist bei mir der Fall, leider schafft es der Götterbote nicht immer, die Pakete dort abzulegen, wohin sie gehören, von DPD will ich ganz schweigen.

Fehlanzeige in Maisach.

Fehlanzeige in Maisach.

Ich frage bei DHL nach: So kündigte DHL im Netz an, dass bei der Annahme von Paketen keine Unterschrift mehr nötig ist. Das Risiko, das Virus über den Stift oder den Scanner zu verteilen, will man nicht mehr eingehen. Dies bestätigen mir auch meine DHL-Paketboten. Stattdessen unterschreiben die Paketzusteller selbst auf ihrem Scanner-Gerät, sobald das Paket an mich ausgeliefert wurde, um den nachvollziehbaren Versandweg beizubehalten. Wäre ich als Empfänger mit dieser Methode nicht einverstanden, kann das Paket an eine Station geliefert werden oder an dem Ursprung zurückgeschickt werden. Naja, soviel Paketstationen im Dorf gibt es nicht. Natürlich bin ich einverstanden und danke meinen Helden der Logistik für ihre Arbeit für uns alle. Und ein Lächeln muss sein, oder?

Corona-Virus: Tag 10 der Ausgangsbeschränkung – Wenn ein Foodtruck im Dorf Station macht – Und der Supergau passierte

31. März 2020

Eigentlich wollte ich am Samstag richtig maulen, aber ich hatte den Mund mit einem Burger voll. Zunächst dachte ich, es ist völlig unvernünftig einen Foodtruck mitten in Maisach, Landkreis Fürstenfeldbruck, während der Corona-Krise aufzustellen und Burger anzubieten. Muss ich wirklich einen Hotspot schaffen? – Aber ich hatte mich komplett geirrt.
In der Ladezone am Parkplatz vom Edeka Leich stand El Cheffes Bayern Truck und Betreiber Lars Mrasek aus Maisach brutzelte seine Burger. Der Platz der Ladezone vom Edeka war optimal gewählt, weil Samstag kommen keine Lieferungen und es ist Starkstrom vorhandne. Das Angebot war verständlich und attraktiv, schließlich ist der Edeka kein Foodtruck-Festival: Es gab den Bayern Burger (mit Bio Leberkäse), den Hamburger und Cheeseburger, den El Cheffe Burger mit Bio Bacon, den Veggie/Vegan Burger und Pommes Frittes. Beim Bayern Burger und dem El Cheffe Burger ist noch Karotten/Kraut Cole Slaw mit drauf. Den Grillgeruch hatte ich schon bei der Eisdiele Alberto in der Nase.

Wie gesagt, eigentlich wollte ich motzen. Aber unnötig aufgepumpt: Lars Mrasek hatte die Sache voll im Griff. Auf dem Boden vor seinen Foodtruck hatte er Abstandsbänder aufgeklebt. „Wir haben uns viel Mühe gegeben und hatten alles im Griff,“ so Mrasek, der seit Juli 2019 mit seinem Bayerntruck unterwegs ist und das Siegel des Landwirtschaftsministeriums trägt.
Und was soll ich sagen? Seine Gäste hielten sich daran. Sie stellten sich beim Bestellen in einer Reihe mit deutlichem Abstand zueinander an. Wer an der Reihe war, stieg auf einen Tritt vor dem Truck und gab seine Bestellung auf. Es wurde der Name notiert und dann ging es ans Warten, denn der Burger wurde frisch aus heimischen Zutaten zubereitet. Beim Warten verteilten sich die Gäste und wenn jemand zu nah auf die Pelle rückte, dann gab es eine freundliche, aber entschiedene Ansage. Bei uns im Dorf funktioniert es, kein Gedränge, keine Pulkbildung. Gerade im Vorfeld der Aktion wurde diskutiert, ob ein Foodtruck nicht ein falsches Signal an die Bevölkerung sei. Eigentlich stimme ich diesen Bedenken zu, sehe aber auch, wie professionell es gehandhabt wurde.
Spontan entschloss ich mich, für die Familie Burger zu besorgen. Burger to go, wie es sein muss. Vor allem meine Eltern, die seit über einer Woche die Behausung nicht verlassen, waren über die kulinarische Abwechslung froh. Mrasek war bis 19.30 Uhr vor dem Edeka Leich und musste sogar einmal Nachschub holen. Einen Teil seiner frischen Waren bezieht er überigens vom Edeka und so kam auch die Idee zur Zusammenarbeit


In seinem Prospekt schreibt Lars Mrasek: „Und warum heißt unser Foodtruck Bayerntruck? Richtig: Weil die Zutaten, die in unserer Küche verarbeitet werden, überwiegend direkt aus Bayern stammen. Neben der nachweisbaren Regionalist legen wir außerdem großen Wert auf Nachhaltigkeit und verwenden, wo immer es uns möglich ist, Bioprodukte.“ Geschmacklich als Kunde war ich begeistert. Nur eine Kritik habe ich wirklich: Die bayerische volkstümliche Schlagermusik vom Truck-Player konnte ich nicht ertragen. Ich kam zur falschen Zeit, denn sonst legt Mrasek Lounge-Mucke auf.
Wahrscheinlich darf Lars Mrasek am Samstag wiederkommen – ggf. an einem anderen Standort. Entsprechende Gespräche laufen zwischen Marktleiter Toni Leich und Lars Mrasek.

Internet im Dorf war weg
Um 15 Uhr am gestrigen Montag kam es übrigens zum Supergau. In Teilen des Dorfes fiel das leitungsgebundene Internet aus. Ich hatte Glück, aber in meiner Nachbarschaft war Funkstille. Den Ministerpräsidenten konnte ich mit seiner Pressekonferenz komplett sehen und auch am Blog arbeiten, die Kinder konnten theoretisch in Mebis ihre Hausaufgaben machen, aber in der Facebook-Ortsgruppe gingen die Alarmsignale hoch.

Ich konnte mir die PK vom Söder ansehen, andere mangels Internet nicht. Ich konnte mir die PK vom Söder ansehen, andere mangels Internet nicht.

Ich arbeitete gerade an einer Meldung über Internet-Geschwindigkeiten. In einem internationalen Vergleich wurden die Länder mit den schnellsten Internet-Geschwindigkeiten weltweit enthüllt. Taiwan besetzt den ersten Platz, während Deutschland am unteren Rand der Top 25 platziert wurde. Als essentieller Faktor für eine stabile Wirtschaftsleistung und effizientes Arbeiten, auch von zu Hause aus, ist eine schnelle Internetverbindung in vielen Ländern unerlässlich – besonders in Zeiten von Covid-19, wo die heimischen Leitungen einer stärkeren Belastung ausgesetzt sind. Und der Ausfall in Maisach zeigte wieder einmal schmerzhaft, wo wir stehen.
Es sei eine Flächenstörung bei der Telekom, hieß es. Auch 1&1 und O2 sollen weg gewesen sein. Bei mir läuft Vodafone als Provider und der schien nicht gestört zu sein.

Denkste - hier soll das schnelle Internet drinnen sein. Denkste – hier soll das schnelle Internet drinnen sein.

Bürgermeister Hans Seidl lieferte die Info der Telekom: „Wir haben Infos von Telekom, es besteht ein Schaden am Netz. Die Dauer der Reparatur wurde mit bis zu 5 Stunden angegeben. Wir haben leider keinen Einfluss darauf.“ Nun, um 17.30 Uhr ging wieder alles. Maisach war wieder online, genau rechtzeitig zum virtuellen Feierabend
In Zeiten von HomeOffice ist der Zusammenbruch des Internets das Desaster schlechthin. Das ist absolut kritische Infrastruktur, ebenso wie Wasser und Strom. Die Aufreger im Dorf waren groß, aber viele begegneten ihrem Schicksal mit Humor.

Internet für die Tonne. Internet für die Tonne.

Corona-Virus: Tag 9 der Ausgangsbeschränkung – Maisach wird zum Geisterdorf

30. März 2020

An diesem Wochenende haben in Bayern hunderte Menschen gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen. Nach Angaben der Polizei haben sich besonders in München viele nicht an die Vorgaben gehalten. Es hat Anzeigen gehagelt. Mein Gefühl in Maisach blieb es ruhig: Die Menschen gingen am Samstag spazieren, am Sonntag glich Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck einem regelrechten Geisterdorf.

Laut Polizei war an den Seen im Landkreis mehr los: Am Mammendorfer See, am Emmeringer See und am Pucher Meer musste die Polizei kleinere Gruppen auflösen. Von Maisach war nichts zu hören.

Pfarrer Terance im Zoom-Gottesdienst.

Pfarrer Terance im Zoom-Gottesdienst.

Der Sonntag morgen begann um 10 Uhr mit einer Premiere. Der Gottesdienst der katholischen Kirche St. Vitus wurde via Zoom live ins Netz übertragen. Rund 30 Gläubige verfolgten den Gottesdienst von Pfarrer Terance. Sie hatten den Zugang per Mail erhalten und konnten gemeinsam im Netz feiern, beten und singen.

Es gab ein paar technische Unebenheiten, aber was soll’s: Der Pfarrverband Maisach ist absolut vorne mit dabei und zeigt der Maisacher Vereinswelt, was im 21. Jahrhundert eigentlich Standard sein sollte. Mal sehen, ob nächsten Sonntag wieder ein Gottesdienst angeboten wird. Ich sag auf jeden Fall Chapeau dem Pfarrverband. Und ich hoffe, die Aktion macht in Maisach Schule und andere Vereine, Verbände und Künstler beteiligen sich. Gerne stehe ich mit Knowhow zur Verfügung.

Am Sonntag glicht das Dorf einem Geisterdorf. Es war fast ausgestorben. Nun, die Temperaturen waren im Vergleich zum Samstag deutlich gesunken, was sicherlich auch Leute abhielt, auf die Straße zu gehen. Ein paar Autos fuhren durch die Ortschaft. Ziel war meist der Bäcker. Der sonst heiß umkämpfte Parkplatz vor der Bäckerei Dafner blieb meist leer.

Romina vom Eiscafé Alberto  immer freundlich.

Romina vom Eiscafé Alberto immer freundlich.

Einige schauten bei Alberto auf ein Eis to go herein. Romina war freundlich hinter der Theke. Alberto hielt sich eher im Hintergrund auf, begrüßte aber jeden Gast mit seiner wunderbaren italienischen Freundlichkeit.

Wir auf dem Land haben anders als die Stadtmenschen den Vorteil: Wir haben Platz, wir haben Raum. Menschen begegnen sich, halten Abstand, grüßen freundlich und ziehen ihrer Wege. Und als Sonntagsspaziergänger begegnet man allerlei Typen: Senioren, Sportler, Familien mit und ohne Jogginghose, einsame Spaziergänger und ab und zu ein Liebespaar.

Um den Kopf freizubekommen, schlug ich den Weg zum Weinberg ein. Für mich ist dies ein sorgsam gepflegter Platz und ein herrlicher Ort in der Natur. Ich begegnete kaum jemanden – einmal ritt eine Reiterin an mir vorbei. Sie grüßte freundlich – der Ausritt tat ihr sichtlich gut. Jeder sucht auf seine Art Entschleunigung.
Aus der Ferne sah ich ein paar Spaziergänger, Jogger und Radfahrer sowie Hundebesitzer, die ihre Runde mit ihrem Vierbeiner drehten. Auch am Weinberg drehen sich meine Gedanken um Corona. Wir alle verändern uns, die Gesellschaft verändert sich, die Welt, wie wir sie bisher kannten, verändert sich.

Corona-Virus: Tag 8 der Ausgangsbeschränkung – Gottesdienst via Zoom – Beerdigungen eingeschränkt

29. März 2020
Wie sieht es in Zeiten von Corona mit dem Glauben aus?

Wie sieht es in Zeiten von Corona mit dem Glauben aus?

In der Krise suchen Menschen nach Halt und Führung. Das ist in der derzeitigen Corona-Krise ebenso. Seit zwei Jahrtausenden gibt die katholische Kirche ihren Gläubigen Halt und ich wollte mal wissen, wie sich der Pfarrverband Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck positioniert.
Zudem ist ein Freund unserer Familie überraschend verstorben. Ich konnte aufgrund von Corona nicht an der Beerdigung dieses großartigen Mannes teilnehmen und meinen Respekt bezeugen. Er wurde im engsten Familienkreis bestattet. Ein Gedenkgottesdienst soll nachgeholt werden.

Papst Franziskus hat am Freitagabend den Segen „Urbi et Orbi“ auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom gesprochen – ein historisches Ereignis. Der höchste katholische Segen wird sonst nur zu Weihnachten, Ostern und nach der Wahl eines neuen Papstes gesprochen. Historisch ist auch, dass der Pfarrverband Maisach für heute Sonntag um 10 Uhr einen Videogottesdienst mit Pfarrer Terance via Zoom anbietet. Achtung: Es gilt seit heute Sommerzeit. Wer Interesse am Video-Gottesdienst hat, möge sich bitte mit einer Email bei pia.heininger@gmail.com anmelden. Hier bekommen Gläubige dann die Zoom-Adresse mitgeteilt. Bitte entsprechende Zoom-App laden.
Der Aufruf des Pfarrverbandes: „Für den Videogottesdienst schalten Sie bitte Ihre Ton- und Videoübertragung aus. Wenn Sie ein Gotteslob zuhause haben, dann legen Sie das bereit. Zum vereinbarten Termin öffnen Sie dann den Link. Bitte pünktlich und nicht lange vorher. Die Gottesdienstzeit ist auf 40 min begrenzt, da es eine kostenlose Version ist.“

Ich fragte bei Thomas Bartl nach, der im Pfarrverband Maisach für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

St. Vitus ist geöffnet und Gläubige kommen zum Beten und Singen.

St. Vitus ist geöffnet und Gläubige kommen zum Beten und Singen.

Gottesdienste finden im Gemeindegebiet von Maisach nicht statt. Die Kirchen sind teilweise aber für Gläubige geöffnet. Wird die Geste angenommen? Können Sie einen Überblick geben, welche Kirchen geöffnet sind.
Thomas Bartl: Einzelne kommen in die Kirche zum persönlichen Gebet. Die Kirche in Maisach ist wie gewohnt täglich (außer Montag) offen. Malching, Germerswang, Rottbach und Überacker sind wie immer an den Sonn- und Feiertagen geöffnet. Gernlinden kann voraussichtlich ab der Karwoche wieder offen sein.

Ist die seelsorgerische Tätigkeit dennoch gewährleistet?
Thomas Bartl: Sie ist natürlich wegen der Kontakteinschränkungen ganz anders. Wir Seelsorger dürfen nur Weniges tun, wie z. B. telefonieren oder per Email kommunizieren. Die Seelsorge im Notfall ist gewährleistet und muss es auch sein. Wir Seelsorger sind grundsätzlich per Telefon oder Email erreichbar. Und bei Notfällen kann man immer die 01523-8596476 anrufen.

Seelsorge ist mehr als Gottesdienst. Wie werden andere seelsorgerische Aufgaben wahrgenommen?
Thomas Bartl: Im Moment müssen wir viel kommunizieren, informieren und koordinieren. Das ist unter den Einschränkungen deutlich mühsamer, aber doch gut möglich. Wir verweisen auf Online-Angebote, stellen Hausgottesdienste zum Herunterladen zur Verfügung und führen Bestattungen im kleinsten Kreis durch.

Wenden sich in dieser Krisenzeit mehr Menschen an die Seelsorger?
Thomas Bartl: Im Moment nur ein bisschen mehr, die Hemmschwelle ist meiner Wahrnehmung nach für viele doch hoch, bei einem Seelsorger anzurufen. Es wäre leichter, wenn wir in der Öffentlichkeit sichtbar sein könnten und die Leute uns auf der Straße treffen würden, aber das geht zurzeit ja leider nicht. Der Druck der Krise kann aber auch noch höher werden, und dann trauen sich die Menschen auch bei uns anzurufen.

Pfarrer Terance zelebriert jeden Tag um 19:00 Uhr einen privaten Gottesdienst und schließt die Intentionen und Sorgen der Menschen im Pfarrverband ein. Wäre ein Streaming nicht jetzt angebracht?
Thomas Bartl: Ein Streaming mit Pfarrer Terance bieten wir sonntags um 10:00 Uhr an. Für ein tägliches Angebot sind wir nicht professionell genug, da findet man im Internet bessere Formate, z. B. die täglichen Gottesdienste des Erzbistums.

Das Hochfest Ostern findet statt. Wie können Gläubige in der Gemeinde Maisach jetzt Ostern feiern?
Thomas Bartl: Persönlich und in der Familie. Wir bieten dann wieder einen Hausgottesdienst an, für manche sind auch die Fernsehgottesdienste gut geeignet. Wir werden auch ein Segensgebet für die Osterspeisen zur Verfügung stellen.
Jetzt kommt es, glaube ich, auf den persönlichen Glauben der Einzelnen an. Aber das sehe ich auch als Chance: Es kann im Notfall auch mal ohne Priester gehen. Die Gemeinden in Amazonien etwa kennen das nicht anders, wenn zu ihnen nur einmal im Jahr ein Priester zum Gottesdienst kommt, den Rest des Jahres versorgen sie sich selbstständig.

Im Landkreis gibt es zwei Tote durch Corona. Aber auch durch Krankheit und Schwäche gibt es weiterhin Todesfälle. Wie können wir unsere Toten beerdigen?
Thomas Bartl: Es gibt Beerdigungen im engsten Kreis, die Staatsregierung erlaubt bis zu 15 Angehörige. Ich hatte letzte Woche so eine Trauerfeier am Leichenhaus und dann die Beisetzung am Friedhof. Die Angehörigen dürfen natürlich nicht krank sein und müssen den 2m-Abstand einhalten. Wir müssen auch auf Weihwassersprenger und Erdschäufelchen verzichten wegen der Gefahr der Virusübertragung. Ein größerer Trauer-Gottesdienst kann leider erst später stattfinden, wenn das Versammlungsverbot wieder aufgehoben ist. Was mich besonders beeindruckt hat: Die Menschen im Dorf haben sich etwas Kreatives einfallen lassen, um ihre Anteilnahme irgendwie auszudrücken.

Fallen Bestattungen unter die bundesweite Allgemeinverfügung und sind demnach „grundsätzlich verboten“? Wie wird in der Gemeinde verfahren?
Thomas Bartl: Bestattungen sind grundsätzlich nur verboten, wenn mehr als 15 Angehörige teilnehmen. Zunächst gab es eine Verordnung der Staatsregierung, nach der die Bestatter jede einzelne Beerdigung im Landratsamt genehmigen mussten. Inzwischen ist das wieder zurückgenommen. Es müssen nur die Bedingungen eingehalten werden. Also wir können im kleinen Kreis beerdigen. Wer einen Todesfall hat, wendet sich ganz normal zuerst an ein Bestattungsunternehmen, und die vereinbaren dann einen Termin mit uns Seelsorgern für eine kleine Trauerfeier im engsten Kreis.

Corona-Virus: Tag 5 der Ausgangsbeschränkung – Feuerwehr Maisach voll einsatzbereit

26. März 2020

Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben in Maisach so gut wie lahmgelegt. Wie reagieren die Einsatz- und Rettungsorganisationen in meiner Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck am fünften Tag der Ausgangsbeschränkung auf das Virus? Ich wollte vom Maisacher Feuerwehrkommandant Andreas Müller wissen: Ist die notwendige Einsatzstärke sichergestellt? Und wie schützen sich Feuerwehrleute vor einer Ansteckung?
„Wir haben in unserer Truppe keine Verdachtsfälle und sind daher mit 49 aktiven Feuerwehrkameraden voll einsatzbereit“, beruhigte Müller. Das Wichtigste sei in so einer Krisensituation die Kommunikation untereinander. Der Digitalfunk der Feuerwehr funktioniert zwischen Fahrzeugen und Feuerwehrhaus. Untereinander kommuniziere man mit E-Mai, Messenger und es wird verstärkt telefoniert. „Ich habe einen gewaltigen Respekt vor meiner Mannschaft. Ich bin seit 26 Jahren bei der Feuerwehr dabei, aber so eine Krise habe ich noch nie erlebt. Der Zusammenhalt ist hervorragend,“ so der 41jährige Müller. Er ist seit März 2019 erster Kommandant der Maisacher Wehr und war seit 2013 Stellvertreter.


Aber in Zeiten von Corona gibt es besondere Vorkehrungen. Die Feuerwehr Maisach habe alle Treffen oder den gemeinsamen Sport abgesagt. Nur noch am Samstag findet von 10 bis 10.30 Uhr die Bewegungsfahrten in kleiner Besetzung statt, damit im Notfall die Fahrzeuge der Maisacher Wehr einsatzbereit sind.
Das Feuerwehrhaus ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Während früher Eltern mal mit ihren Kindern vorbeischauen und die Fahrzeuge bestaunen konnten, so bleibt die Öffentlichkeit jetzt komplett außen vor. Mögliche Paketlieferungen an die Feuerwehr kommen über die Gemeinde oder werden privat organisiert.
Zu Zeiten von Corona habe es bisher nur einen Einsatz gegeben und das war ein Ölschaden. Sollte es aber brennen und die Feuerwehr sei personell richtig gefordert, dann gilt auch hier: Abstand halten. Es gibt klare Bestimmungen des Gesundheitsamtes, die Müller seinen Leuten vermittelt und eingeübt hat.
Bei der Feuerwehr Maisach sind Atemschutzmasken FFP2 vorhanden. Nachschub sei unterwegs.
Atemschutzmasken schützen vor lungengängigem Staub, Rauch und Flüssigkeitsnebel (Aerosol), nicht aber vor Dampf und Gas. Das Klassifizierungssystem unterteilt sich in drei FFP Klassen, das Kürzel FFP steht dabei für „filtering face piece“. Eine Atemschutzmaske bedeckt Nase und Mund und setzt sich zusammen aus verschiedenen Filtermaterialien und der Maske selbst. Vorgeschrieben sind sie an Arbeitsplätzen, an denen der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) überschritten wird. Dies ist die maximal zulässige Konzentration von Stäuben, Rauch und Aerosolen in der Atemluft, die nicht zu gesundheitlichen Schäden führt. Wird sie überschritten, sind Atemschutzmasken verpflichtend. Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2 eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe in der Atemluft befinden. Sie müssen mindestens 94% der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 μm auffangen und dürfen eingesetzt werden, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert höchstens die 10-fache Konzentration erreicht.
Die Feuerwehr hat aber natürlich die Masken, welche für den Pressluftatmer benötigt werden, heißen Atemschutzmaske. Diese gibt es als Voll- oder Halbmaske.

Andreas Müller reinigt mit Flächendesinfektionsmittel regelmäßig Lenkräder, Schaltknüppel undWerkzeuge der Feuerwehr, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren.
Gleichzeitig steht er im Kontakt mit den anderen freiwilligen Feuerwehren im Gemeindegebiet und im Landkreis. „Wir sind einsatzbereit und stehen zur Verfügung, wenn man uns braucht“, so Feuerwehrkomandant Andreas Müller.

Corona-Virus: Tag 4 der Ausgangsbeschränkung – Bürgermeister Hans Seidl über den Zusammenhalt in Maisach

25. März 2020
Bürgermeister Hans Seidl von Maisach zur Situation in der Gemeinde Maisach. Bürgermeister Hans Seidl zur Situation in der Gemeinde Maisach.

Als ich mich am Dienstag, dem vierten Tag der Ausgangsbeschränkung, auf den Weg zum Maisacher Rathaus machte, musste ich erst einmal kräftig über mich selbst lachen. Die Straßen unseres Dorfes waren menschenleer. Kein Fußgänger, kein Radler, kein Auto waren auf der sonst vielbefahrenen Kreuzung Bahnhofstraße/Aufkirchner Straße unterwegs, aber ich wartete brav an der roten Ampel.
Den Kindern ein Vorbild drückte ich automatisch den Knopf der Ampel und wartete auf mein grünes Lichtzeichen für Fußgänger. Während ich wartete, kam kein Auto. Die Ampel sprang auf Grün um und ich ging über die Straße. Ja, ich kann aus meiner Haut nicht raus. Ich weiß, es ist einfach lächerlich.

Vor dem Maisacher Rathaus hatte ich mich mit Bürgermeister Hans Seidel zum Interview verabredet. Wir trafen uns vor dem Rathaus, nicht im Amtszimmer des vor kurzem wiedergewählten Rathauschefs. Grund: Corona. Die Begrüßung erfolgte ohne den üblichen Handschlag mit einem Abstand von mindestens zwei Meter.
Im Netz sehe ich Bundes- und Landespolitiker, aber ich wollte von dem gewählten Gemeindeoberhaupt meiner Gemeinde Maisach wissen, wie die Situation sich vor Ort darstellt.
Hier das komplette Videointerview. Der eiskalte Wind auf dem Vorplatz war ziemlich heftig, daher Ohren auf und Ton hochdrehen.

Wichtigste Aussage für mich: Nur im Zusammenhalt könne Maisach die Krise überstehen. Als Bürgermeister nehme er die Probleme der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst, wie die Diskussion um das Schließen der großen Wertstoffhöfe. Hier werde an einer Lösung gearbeitet. Wie die Lösung aussehen kann, erklärte Seidl nicht.
In Bezug auf Corona gebe es keine Zahlen aus der Gemeinde. Allerdings rechnet der Bürgermeister mit einer Dunkelziffer. Im Moment sei die Lage noch entspannt. Der Kontakt der Bürgermeister und der Verwaltungen im Landkreis funktioniere und man stehe auch im intensiven Kontakt mit dem Landratsamt. Wichtig für Hans Seidl: „In der Krise muss man Nähe zeigen“ – daher auch mein Dank an den Maisacher Bürgermeister für dieses Interview.

Kleine Geste mit großer Wirkung: Nikolaus kam ins Dorf

7. Dezember 2019

Ich mag kleine Gesten mit großer Wirkung. So auch gestern abend bei uns im Dorf Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Bürgermeister des Dorfes verkleidete sich als Nikolaus und bat die Kinder der Gemeinde vor Rathaus. Dort gab es Geschenke für die jüngsten Gemeindebewohner und Getränke (Glühwein und Bier) samt Bratwurst für die etwas größeren Gemeindebewohner.

Es ist gerade dunkel geworden. Die Kälte zieht auf. Das Holz in einer Feuerschale brennt lichterloh. Die Funken steigen in den sternenklaren Himmel. Der Christbaum vor dem Rathaus ist entzündet. Er stammt aus der Nachbargemeinde Egenhofen und die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs haben ihn aufgestellt. Viele Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde sind mit ihren Kindern erschienen. Die Stimmung ist gut. Die Kinder warten auf den versprochenen Nikolaus und vertreiben sich die Zeit. Als es richtig dunkel ist, ist der der richtige Zeitpunkt gekommen.

Erst erscheinen zwei Engel. Die haben Glöckchen in der Hand und ziehen einen Bollerwagen mit Säcken. Darin sind die Geschenke für die Kinder, die auch gleich nervös werden. Die Kinder haben keine Scheu und gehen auf die Engel zu.
Minuten später kommt der Nikolaus. Feierlich in Rot gekleidet, die Bischofmütze Mitra auf dem Kopf. Im Gesicht ist der weiße Rauschebart. Zwei Engel begleiten den Nikolaus durch die Menge, die sich für den Nikolaus teilt. Zunächst zieht das Trio über den Rathausplatz an den Ständen vorbei, bevor man sich auf den Stufen des Rathauses dem Publikum zuwendet. Die Kinder gruppieren sich um die Rathaustreppe und warten auf die Worte des Nikolauses. Bevor es soweit ist, sagen die beiden Engel ein Gedicht auf. Dann greift der Nikolaus zu seinem Goldenen Buch und verließt seine Ansprache.

Die Erwachsenen haben längst den Bürgermeister Hans Seidl erkannt, den Kindern ist es egal. Für sie ist es der Nikolaus.
Nach der Ansprache und den Grüßen geht es an die Geschenke. Die Engel holen aus den Säcken die Geschenke, reichen sie dem Nikolaus, der sie an die Kinder der Gemeinde mit den Worten „Schöne Weihnachten“ verteilt. Die Kinder umringen den Nikolaus. Manch kleiner Gemeindebewohner traut sich nur an der Hand von Mama und Papa zum Nikolaus. Ein paar Fotos fürs Familienalbum werden mit dem Smartphone gemacht und die Kinderaugen strahlen.

Während die Kinder die Geschenke auspacken, unterhalten sich die Mamas und Papas, Omas und Opas bei Glühwein und Bier. So soll es sein. Die Gemeinde kommt zusammen und feiert. Was gibt es Schöneres zu Weihnachten?

Lost Place: Hitlerbrücke im Landkreis Fürstenfeldbruck

19. November 2019

Ein Kennzeichen eines Lost Place ist, dass der Standort nicht verraten werden soll. Nun, dass ist bei der verlassenen Eisenbahnbrücke im Landkreis Fürstenfeldbruck (Bayern) nicht der Fall. Hier gibt es ein großes Bauwerk in der Nähe von Emmering, das als Hitlerbrücke in den Sprachgebrauch im Landkreis eingegangen ist. Die Bewohner in den Anwohnergemeinden sind von diesen braunen Namen nicht gerade begeistert. Die 1939 gebaute Brücke wurde lange Zeit bei Google Earth als Hitlerbrücke getaggt. Heute findet man die Brücke als Kletterbrücke.

Es gibt keinen klaren Weg zur Brücke. Wer sich durch das Gestrüpp gekämpft hat, stößt auf einen monumentalen Bau, der zum Teil im Boden versunken ist. Bäume und Sträucher wachsen darauf, die Natur holt sich den Zweckbau zurück. Es ist heute eine illegale Partylocation und einen Ort für Kletterer. Der Ort ist über und über mit Graffiti bedeckt: Witzige Motive, einfache Tags und langweilige Schmierereien. In einer Ecke sind zahlreiche Spraydosen als Müll zurückgelassen. Achtlos wurden die Dosen zu Boden geworfen und bleiben dort einfach liegen. Am Brückenbau finden sich zudem einige Kletterhaken. Immer wieder treffen sich Freizeit- und Profikletterer an der Brücke und üben das Abseilen. Hier zwei 360 Grad Videos – die Brücke von außen und von innen.

Die Hitlerbrücke war im Dritten Reich Teil des sogenannten Nordrings. Die Brücke wurde 1939 gebaut, als Überführung für die Straße über Gleise, die zum Münchner Nordring für den Güterverkehr gehörten. Hitler in seinem Wahn wollte bei der Friedenheimer Brücke in München einen Mega-Güterbahnhof auf einer 141 Meter hohen Kuppel schaffen. Daraus ist nichts geworden. Den Namen Hitlerbrücke gab es nie offiziell. Meines Wissens hatte die Brücke nie einen richtigen Namen.

Die Brücke wurde errichtet, um darüber die Straße nach Eichenau und Olching zu führen. Dazu kam es nicht. Die Gleise wurden kaum benutzt und nach dem Krieg demontiert. Zum Kriegsende soll ein Gefangenentransport an der Brücke gehalten haben. Laut Erzählungen soll die SS Gefange aus einem Wagon getrieben haben. Ob es sich KZ-Häftlinge handelte, ist unbekannt.
Die braune Zeit liegt lange zurück und sie darf nicht wiederkommen. Die Brücke verfällt. Ich habe mir das Bauwerk ausführlich angeschaut. Heute kommt es immer wieder zu illegalen Partys. Zuletzt im August 2019 als ein DJ großes Equipment mit Generator aufbaute und die Gegend mit Rave-Musik beschallte. Die Polizei schritt ein und der DJ erhielt eine Anzeige.

Weiße Nacht der langen Tafel in Maisach

18. August 2019
Die weiße Nacht der langen Tafel

Die weiße Nacht der langen Tafel

Zusammenkommen, sich unterhalten, ein bisschen feiern – das erlebte ich bei einer schönen Aktion bei uns im Dorf Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Es war zum ersten Mal eine weiße Nacht der lange Tafel – und es war ein großer Erfolg für das Dorf.

Das Konzept ist einfach umzusetzen und braucht nicht die große Logistik eines klassischen Bürgerfestes. Es wurden auf der Grünfläche vor dem Maisacher Rathaus Bierbänke und Biertische aufgestellt – die Tische mit Kabelbinder wegen der Standfestigkeit verbunden. Auf die Tische kamen weiße Tischdecken und ein wenig Dekomaterial – bei mir standen weiße Kakteen aus Porzellan, die nicht ganz typisch für ein Dorf in Oberbayern sind (egal, was soll’s). Fertig war die weiße Tafel. 

Wer an der Tafel Platz nehmen wollte, sollte in weiß gekleidet sein. Dabei reichte es, wenn ein Kleidungsstück weiß ist. Essen mussten die Gäste selbst mitbringen, Getränke kamen von der örtlichen Brauerei Maisach. Und die Gäste strömten in weiß zur langen Tafel. Pro Meter Tisch spendete der Veranstalter, der örtliche CSU-Ortsverein, drei Euro an eine soziale Organisation.

Als das Fest gegen 18:30 Uhr offiziell begann, waren viele Bänke bereits besetzt. Gegen 19 Uhr war die Tafel fast vollständig gefüllt. Und es begann das große Festessen.

Natürlich stand die Neugier im Vordergrund: Was hat mein Banknachbar zum Essen dabei? Wir hatten einen Picknickkorb im Einsatz, der seit 18 Jahren unbenutzt im Keller schlummerte und nun seinen Einsatz fand. Meine Frau und ich entschlossen uns erst am Mittag zur Teilnahme an der weißen Nacht der langen Tafel. Unsere Speisekarte sah so aus: Vorspeise Sushi, Hauptspeise Teriyaki und Döner-Spieße, Datteln im Speckmantel, Djuvec-Reis, dazu Salat und Champignons in Balsamico, Nachspeise Reisauflauf mit Beeren, ich hatte mir zudem eine Bentobox mit zweierlei Reis, Avocado, Karotten, Putenbruststreifen und Ei gemacht. Zum Knabbern gab es Salzstangen. 

So konnten wir den ganzen Abend schlemmen und was ganz wichtig ist: Wir kamen ins Gespräch mit Leuten aus dem Dorf. Einige Gesprächspartner kannten wir, andere lernten wir kennen. Ich bekam das Du angeboten und die Zeit verging im Fluge. Ab und zu tröpfelte es, aber das Wetter war stabil. Zur Not hatten wir zwei weiße Schirme mit dabei. Je später der Abend, desto besser kam die Beleuchtung des Rathauses und der Bäume zur Geltung. Schön, dass die Musik nicht zu laut war, denn der Austausch und das Miteinander standen im Vordergrund und nicht Musikbeschallung. Gegen Mitternacht brachen wir nach Hause auf. Persönliches Fazit: Die weiße Nacht der langen Tafel hat Spaß gemacht und wenn es wieder angeboten wird, dann kommen wir gerne wieder.