Manche journalistischen Karrieren lassen sich anhand von Jahreszahlen erzählen. Andere erzählen zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Bei Dietmar Schmidt ist beides kaum voneinander zu trennen. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München spricht Vorstandsmitglied Matthias J. Lange mit seinem Vorstandskollegen über ein langes Berufsleben zwischen Universität, Pressearbeit, Wissenschaftsjournalismus und PresseClub – und über eine journalistische Tugend, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Vertrauen.
Dietmar Schmidt wurde am 9. November 1939 in Mähren geboren. Seine ersten Erinnerungen sind geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. 1945 geriet die Familie in tschechische Gefangenschaft, seine Eltern mussten Zwangsarbeit leisten. 1946 kam die Familie nach Deutschland. Schmidt erinnert sich noch an die Grenze und an die weißen Armbinden, die dort abgelegt werden durften. Es sind Erinnerungen eines Kindes an eine Zeit, die sich tief eingeprägt hat. Hier der Podcast des PresseClubs.
Nach Stationen in Franken und im Rheinland kam Schmidt 1959 zum Studium nach München. Zunächst begann er mit Chemie, wechselte jedoch bald zu Geschichte, Politischer Wissenschaft und der damaligen Zeitungswissenschaft. Der Weg in die Kommunikation zeichnete sich ab – auch wenn er zunächst anders geplant war.
1968 begann schließlich ein Berufsleben, das eng mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden werden sollte. Sein Doktorvater empfahl ihm, sich auf die neu geschaffene Stelle eines Pressereferenten zu bewerben. Schmidt bekam den Job. Aus dem jungen Akademiker wurde einer jener Männer, die Hochschulkommunikation in Deutschland überhaupt erst als professionelles Arbeitsfeld etablierten.
Der Zeitpunkt hätte kaum spannender sein können. Die Studentenbewegung erreichte die Universität, Hörsäle wurden besetzt, Senatssitzungen gesprengt, politische Auseinandersetzungen bestimmten den Alltag. „Es waren wilde Jahre“, erinnert sich Schmidt. Und er stand mittendrin.
Damals war er gerade 28 Jahre alt. Bei studentischen Veranstaltungen geriet er sogar unter Verdacht, ein „Polizeispion“ zu sein, und wurde von Studenten eingekesselt. Gleichzeitig musste er versuchen, die Position der Universität gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu vermitteln.
„Es war zu Beginn ganz klar Pressearbeit“, sagt Schmidt. Dabei ging es ihm nicht nur darum, den Standpunkt der Universität zu verbreiten. Entscheidend war für ihn, Informationen einzuordnen und Sachverhalte richtigzustellen: „Da musste man natürlich schon schauen, dass man sozusagen das, was stimmt, versucht unter die Leute zu bringen.“
Die Bedingungen dieser frühen Hochschulkommunikation erscheinen aus heutiger Sicht beinahe abenteuerlich. Schmidt begann „mit einer halben Sekretärin in einem kleinen Kämmerchen“. Selbst eine elektrische Schreibmaschine war keine Selbstverständlichkeit.
Im Frühjahr 1969 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises der Hochschulpressestellen in Deutschland. Gerade einmal sieben hauptberufliche Pressereferenten deutscher Universitäten kamen damals zusammen. Für Schmidt zeigt diese Zahl eindrucksvoll, welchen Stellenwert Hochschulkommunikation zu jener Zeit besaß – und wie grundlegend sich das später verändern sollte.
Aus der klassischen Pressestelle entwickelte sich über Jahrzehnte eine professionelle Hochschulkommunikation. Interne Medien kamen hinzu, Wissenschaftskommunikation gewann an Bedeutung, neue Kanäle entstanden. Kommunikation wurde schließlich zur strategischen Aufgabe der Hochschulleitungen.
Doch Technik und Organisationsstrukturen waren für Schmidt nie das Entscheidende. Pressearbeit lebte für ihn vor allem von persönlichen Beziehungen.
Zu den Journalistinnen und Journalisten der Münchner Medienlandschaft pflegte er einen engen Kontakt. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, Rundfunk – man kannte sich. Und man wusste, was man voneinander erwarten konnte.
„Die wussten, dass ich sie nicht belüge“, beschreibt Schmidt dieses Verhältnis mit einem bemerkenswert einfachen Satz. Ebenso wichtig sei gewesen, den Journalisten Hilfestellung zu geben und manchmal einen Hinweis auf eine interessante Geschichte.
Vertrauen war die eigentliche Währung. Dabei konnte es durchaus turbulent werden. Die Universitätskliniken gehörten zeitweise ebenfalls zu seinem Verantwortungsbereich. Erste Herztransplantationen, Herz-Lungen-Transplantationen, prominente Patienten oder Mehrlingsgeburten sorgten für enormes Medieninteresse. Schmidt erzählt von Pressekonferenzen auf Parkplätzen, von Reportern, die sich mit Blumensträußen Zugang zu Patientenzimmern verschaffen wollten, und von Fotografen, die gegenüberliegende Dächer erklommen, um einen Blick durch Klinikfenster zu erhaschen.
Geschichten aus einer Medienwelt, die technisch weit von der heutigen entfernt scheint – und in manchen Mechanismen doch erstaunlich vertraut wirkt.
Eine zentrale Herausforderung war schon damals die Vermittlung komplizierter Wissenschaft. Wie erklärt man Forschung so, dass Journalisten und Öffentlichkeit sie verstehen können, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen?
Schmidt entwickelte dafür einen bemerkenswert pragmatischen Ansatz. Eine freie Mitarbeiterin wählte er einmal ganz bewusst aus, weil sie zuvor nichts mit Wissenschaft zu tun gehabt hatte und aus der Modebranche kam. Seine Überlegung: Wenn man ihr ein wissenschaftliches Thema verständlich erklären konnte, konnte sie es anschließend auch anderen verständlich machen.
Bei aller Kommunikation blieb Schmidt die Trennung zwischen Pressearbeit und PR wichtig. Er bestand darauf, dass seine Abteilung „Pressereferat“ hieß. Der Weg über unabhängige und durchaus kritische journalistische Multiplikatoren war für ihn entscheidend. PR beschreibt er zugespitzt mit den Worten: „Wir sind schön, wir sind gut und wir sind besonders toll.“
Sein Verständnis von Pressearbeit war ein anderes: informieren, erklären, vermitteln – und dabei aushalten, dass Journalisten ihre eigenen Fragen stellen.
Diese Haltung führte Schmidt auch zur TELI, der Technisch-Literarischen Gesellschaft. Die traditionsreiche Organisation für Wissenschafts- und Technikjournalismus entstand in einer Zeit, als Pressestellen noch „literarische Büros“ genannt wurden. Schmidt war lange Vorsitzender der Münchner Gruppe. Die TELI hatte einst mehrere hundert Mitglieder, organisierte regelmäßige Veranstaltungen und brachte Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus miteinander ins Gespräch.
Heute blickt Schmidt mit einer gewissen Wehmut auf diese Entwicklung. Viele Funktionen solcher Vereinigungen haben sich durch digitale Medien verändert. Vorträge und Fachinformationen sind jederzeit online verfügbar, Kommunikationswege haben sich vervielfacht. Dennoch hält er seriöse Wissenschaftskommunikation keineswegs für überholt. Im Gegenteil.
„Es kommt immer auf den Weg an, den eine Nachricht nimmt“, sagt Schmidt. Wissenschaft brauche weiterhin ausführliche Formen, aber ebenso kurze Formate für Menschen, die keine langen Fachtexte lesen. Print, Fernsehen, Blogs und soziale Medien können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Auch der PresseClub München ist für Schmidt seit Jahrzehnten ein solcher Ort der Kommunikation. Seit den frühen 1970er Jahren gehört er dem Club an, seit vielen Jahren engagiert er sich im Vorstand beziehungsweise Beirat.
Ursprünglich sei er in den PresseClub gegangen, um Menschen kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und sich beruflich auszutauschen. Der Netzwerkgedanke stand im Mittelpunkt.
Der PresseClub selbst hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war er nicht nur Veranstaltungsort, sondern Arbeitsstätte für Journalisten. Hier konnte man Texte schreiben und Nachrichten übermitteln. Bar und Sitzecken machten ihn zugleich zum Treffpunkt einer Branche.
Heute sitzt der PresseClub direkt am Marienplatz, gegenüber dem Münchner Rathaus. Die technische Funktion des Clubs ist weitgehend verschwunden – ein Smartphone reicht längst für viele Arbeiten aus. Umso wichtiger bleibt seine andere Funktion: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Ein Thema liegt Dietmar Schmidt dabei besonders am Herzen: der Herwig-Weber-Preis. Herwig Weber war Münchner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender des PresseClubs. Schmidt beschreibt ihn als Journalisten, der „sehr liebevoll, sehr sachkundig“ über München schrieb. Nach Webers frühem Tod entstand Anfang der 1970er Jahre die Idee, mit einem Journalistenpreis an ihn zu erinnern.
Bis heute soll der Preis journalistische Arbeiten würdigen, die München nicht nur als touristische Kulisse betrachten, sondern sich mit dem tatsächlichen Leben der Stadt beschäftigen – mit seinen schönen und schwierigen Seiten, seinen Menschen, Konflikten und Besonderheiten.
Das Spektrum ist bewusst weit. Reportage, Bericht, Audio, Video oder Online-Beitrag können berücksichtigt werden. Entscheidend ist etwas anderes.
„Wir achten vor allen Dingen auf Qualität“, sagt Schmidt. „Es muss journalistisch gut geschrieben sein, es muss eine saubere Recherche sein. Und man muss es mit Freuden lesen können.“
Und vor allem muss München wirklich eine Rolle spielen. Eine Geschichte, die genauso gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte, reicht nicht. „Es muss spezifisch München sein.“
Schmidt gehört seit vielen Jahren der Jury an. Das Verfahren ist gründlich: Beiträge werden auf mehrere Jurymitglieder verteilt, diskutiert, erneut gelesen und schrittweise ausgewählt. Gerade Nachwuchsjournalisten sollen dabei eine Chance erhalten. Volontäre und Journalistenschüler wurden in der Vergangenheit bewusst berücksichtigt.
Für Schmidt kann eine solche Auszeichnung gerade am Beginn einer Karriere wichtig sein. Ein Journalistenpreis im Lebenslauf kann Türen öffnen und Mut machen.
Doch die Zukunft des Herwig-Weber-Preises ist nicht selbstverständlich. Die Finanzierung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Für die kommende Preisvergabe konnte erstmals die FAZ-Stiftung als Unterstützer gewonnen werden. Schmidt macht zugleich deutlich, dass eine dauerhaftere finanzielle Basis notwendig ist, wenn der traditionsreiche Preis langfristig bestehen soll. 2027 soll er auf jeden Fall wieder verliehen werden.
Vielleicht liegt gerade darin eine Parallele zwischen dem Preis, dem PresseClub und dem Journalismus selbst. Alle drei müssen sich verändern, ohne ihren Kern aufzugeben.
Denn die Werkzeuge haben sich längst gewandelt. Auf Schreibmaschine und Fernschreiber folgten Computer, Smartphone, soziale Netzwerke und inzwischen Künstliche Intelligenz. Nachrichten verbreiten sich heute in Sekunden. Wissenschaftler können ihre Öffentlichkeit selbst erreichen. Journalisten konkurrieren mit Blogs, Plattformen, Influencern und Algorithmen.
Was aber bleibt? Am Ende des Gesprächs stellt Matthias J. Lange seinem Gast eine persönliche Frage. Dietmar Schmidt hat Herwig Weber selbst nie kennengelernt. Doch welchen Rat, so die hypothetische Frage, würde dieser erfahrene Journalist heute wohl einem jungen Kollegen geben?
Schmidt muss nicht lange über journalistische Werkzeuge, Plattformen oder Reichweiten sprechen. Seine Antwort besteht aus zwei Worten: „Verbessere dich.“
Es ist ein bemerkenswert schlichtes Schlusswort nach einem Berufsleben, das von Schreibmaschinen über Fernschreiber und Pressekonferenzen bis zur digitalen Kommunikation reicht.
Vielleicht steckt darin tatsächlich vieles von dem, was guten Journalismus ausmacht: neugierig bleiben, genau hinschauen, sauber recherchieren, verständlich schreiben, Kritik aushalten und niemals glauben, dass man schon alles kann. Die Technik verändert sich. Diese Haltung nicht.
Die politischen Ränder gewinnen an Kraft, traditionelle Mehrheiten werden schwieriger und das Vertrauen in Parteien, Medien und Institutionen steht unter Druck. Im PresseClub München diskutierten Roman Deininger, Sigmund Gottlieb, Elisabeth Redler und Fred Langhammer über die Folgen der jüngsten Landtagswahlen, die Verantwortung der politischen Mitte und die Frage, wie sich eine demokratische Gesellschaft gegen Radikalisierung behaupten kann. Die Diskussion leitete Manfred Otzelberger vom PresseClub München.
„Die Mitte ist das Beste“ – mit diesem Wahlkampfslogan eröffnete Manfred Otzelberger eine Diskussion, die schnell deutlich machte, wie wenig selbstverständlich die politische Mitte inzwischen geworden ist. Wahlerfolge an den politischen Rändern, Frustration über Regierungspolitik, eine zunehmend polarisierte Öffentlichkeit und die Macht der sozialen Medien verändern die politische Landschaft. Hier die komplette Aufzeichnung der Diskussion.
Für Roman Deininger, stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, ist die Entwicklung auch eine Mahnung an die etablierten Parteien. „Die Mitte im Kampf gegen die Extreme, vor allem gegen die extreme Rechte, hat ein Stück weit versagt“, sagte er. Nicht aus bösem Willen, sondern aus „Trägheit“ und einer mangelnden Fähigkeit, flexibel auf die veränderten politischen Verhältnisse zu reagieren.
Bei seinen Reisen durch Wahlkampfgebiete habe er zugleich etwas anderes wahrgenommen: „Die Leute dürsten nach einer positiven Vision, die dürsten nach guter Laune.“ Genau hier sieht Deininger eine zentrale Aufgabe für die demokratischen Parteien. Politik müsse nicht nur Probleme beschreiben, sondern auch vermitteln, wofür sich Veränderungen lohnen.
Kompromisse sind kein Verrat Ein Kernproblem sieht Deininger darin, dass politische Kompromisse zunehmend als Schwäche wahrgenommen würden. In einem Parteiensystem, in dem einfache Mehrheiten schwieriger werden, müssten jedoch unterschiedliche politische Lager miteinander arbeiten.
„Schmerzhafte Kompromisse sind nötig“, sagte Deininger. „Diese Kompromisse sind kein Verrat an Prinzipien, sondern politische Praxis, gelebte Demokratie.“
Gleichzeitig warnte er davor, auf schlechte Wahlergebnisse mit einem sofortigen Rückzug von Reformvorhaben zu reagieren. Eine Regierung müsse bereit sein, notwendige Entscheidungen auch dann durchzuhalten, wenn diese kurzfristig unpopulär seien.
Deininger schilderte zudem seine Erfahrungen als Reporter auf AfD-Veranstaltungen. Journalisten würden dort teilweise angepöbelt oder als „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ beschimpft. Die Bedingungen für Berichterstattung seien mitunter bewusst schwierig. Zugleich betonte er, dass es auch Gegenbeispiele gebe und einzelne AfD-Vertreter durchaus den Kontakt zu Medien suchten.
Problematisch sei vor allem eine Entwicklung, bei der parteinahe oder alternative Medienangebote gerade deshalb als glaubwürdig angesehen würden, weil sie sich offen auf die Seite einer politischen Kraft stellten. „Das Bewusstsein fehlt, dass ein mittlerer Grund, auf dem wir uns alle treffen, auf dem wir zivilisiert reden müssen, inzwischen am Erodieren ist.“
Sigmund Gottlieb: Die Mitte ist massiv geschrumpft Deutlich besorgt zeigte sich auch Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens. Er erinnerte daran, wie breit die politische Mitte in früheren Jahrzehnten gewesen sei.
„Ich leide schon beträchtlich unter diesen Wahlergebnissen“, sagte Gottlieb. Die Mitte sei gegenüber den 1970er- und 1980er-Jahren „massiv geschrumpft“, wodurch Regierungsbildungen schwieriger würden.
Seine Kritik richtete Gottlieb sowohl gegen rechtsextreme als auch gegen linksextreme Entwicklungen, wobei er ausdrücklich zwischen den politischen Lagern und ihren jeweiligen demokratischen und extremistischen Strömungen unterschied. Besonders beunruhige ihn, dass radikale Positionen zunehmend als normal wahrgenommen würden.
Gleichzeitig warnte der frühere BR-Chefredakteur davor, Deutschland ausschließlich als Krisenfall zu beschreiben. Genau dagegen richte sich sein Buch „Cooles Land, trotz allem“.
Deutschland verfüge über eine starke Zivilgesellschaft, erfolgreiche Familienunternehmen, ein international anerkanntes duales Ausbildungssystem und eine lebendige Gründerszene. „27 Millionen Menschen sind hier in diesem Land im Ehrenamt tätig“, hob Gottlieb hervor. Deutschland sei eine „engagierte, starke Gesellschaft“.
Seine Kritik gilt deshalb auch der öffentlichen Wahrnehmung: „Wir haben über viele Jahre nur die eine Hälfte der Wahrheit, den Pessimismus, in den Vordergrund gestellt.“ Dauerndes Jammern und Schlechtreden könne politische Resignation verstärken.
Welche Verantwortung tragen die Medien? Damit war die Diskussion bei einer unbequemen Frage für einen PresseClub angekommen: Tragen Medien selbst zur politischen Polarisierung bei?
Gottlieb sieht durchaus eine Mitverantwortung. Konflikt, Krise und Zuspitzung gehörten zwar seit jeher zum Nachrichtengeschäft. Inzwischen habe sich die negative Erzählung jedoch teilweise zu einem Geschäftsmodell entwickelt.
Deininger widersprach dem nicht grundsätzlich, setzte aber einen anderen Schwerpunkt. Journalismus müsse dort hinschauen, „wo es knirscht“. Kritische Berichterstattung sei keine Fehlentwicklung, sondern eine wesentliche Aufgabe der Presse.
Entscheidend sei die Art, wie Journalisten damit umgehen. „Wir müssen uns um Nüchternheit bemühen“, sagte Deininger. Medien dürften die Komplexität gesellschaftlicher Entwicklungen nicht auf einfache Parolen reduzieren.
Als journalistisches Leitbild nannte er die Suche nach der „best obtainable version of the truth“ – der bestmöglichen erreichbaren Version der Wahrheit. Gerade darin liege die Stärke professionellen Journalismus: Er müsse Zweifel zulassen, recherchieren, differenzieren und sich der Wirklichkeit möglichst genau annähern.
„Mehr Empathie, mehr Verständnis, mehr Einfühlen, mehr Differenzierung – das ist der Beitrag, den wir leisten können.“
„Omas gegen Rechts“: Engagement für die Demokratie Eine andere Perspektive brachte Elisabeth Redler, Mitbegründerin der Münchner Ortsgruppe der „Omas gegen Rechts“, in die Runde. Sie schilderte, wie aus einer kleinen Gruppe von zunächst zwölf bis 15 Frauen eine deutlich größere Initiative entstand.
„Viele ältere Frauen wollen gar nicht alt genannt werden und auch nicht Omas“, sagte Redler mit einem Lächeln. „Wir sind fähig zur Selbstironie.“
Der Name sei inzwischen eine Marke. Dabei richte sich die Initiative nach Redlers Darstellung nicht gegen konservative oder bürgerliche Parteien. „Es geht uns um die Verteidigung der Demokratie, und das Grundgesetz gibt uns die Richtschnur.“
Mit „rechts“ meine die Initiative rechtsextreme, antidemokratische, menschenverachtende und autoritäre Positionen. Gleichzeitig positioniere man sich gegen Antisemitismus und politische Gewalt unabhängig davon, aus welchem politischen Lager sie kämen.
Besonders wichtig sei den Münchner „Omas gegen Rechts“ inzwischen die Arbeit mit jungen Menschen. „Die haben keine Zukunftserzählung, die irgendwie ermutigend ist“, sagte Redler. Junge Menschen hörten von Klimakrise, Wirtschaftskrise, Kriegen und politischen Konflikten – aber zu selten davon, was sie selbst gestalten könnten.
Deshalb suche die Gruppe verstärkt den Kontakt zu Schulen und Jugendzentren. „Wir fühlen uns als Lobby auch für die jungen Leute.“
Ein Parteiverbot als Mittel der wehrhaften Demokratie? Kontrovers wurde die Frage diskutiert, ob ein Verbotsverfahren gegen die AfD angestrebt werden sollte. Redler machte deutlich, dass sich die „Omas gegen Rechts“ an Demonstrationen beteiligen, die eine entsprechende Prüfung fordern.
„Es ist eine Möglichkeit, die für die wehrhafte Demokratie im Grundgesetz vorgesehen ist“, erklärte sie. Gleichzeitig kenne ihre Initiative die Gegenargumente und das Risiko, dass ein gescheitertes Verfahren die AfD politisch stärken könnte.
Auch Deininger sprach sich dafür aus, die rechtlichen Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen, warnte aber vor einem Parteiverbotsverfahren als Ersatz für politische Auseinandersetzung.
„Was nicht passieren darf, ist, dass ein Verbotsverfahren von politischen Kräften als Ersatz für eigene Politik kommt.“
Gottlieb äußerte ähnliche Vorbehalte. Eine juristische Prüfung könne sinnvoll sein, dürfe die Politik aber nicht davon entbinden, selbst Antworten auf gesellschaftliche Probleme zu entwickeln.
Die Brandmauer allein reicht nicht Fred Langhammer, Chairman Global Affairs von The Estée Lauder Companies und langjähriger Kenner der USA, brachte die internationale Perspektive ein. Er lebt seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten und sieht sowohl das amerikanische als auch das deutsche politische System kritisch.
Beim Umgang mit der AfD hält Langhammer die permanente Diskussion über eine „Brandmauer“ für unzureichend. Stattdessen müsse viel stärker erklärt werden, welche konkreten politischen und wirtschaftlichen Folgen die Umsetzung von AfD-Positionen hätte.
„Man muss erklären, was die AfD überhaupt vorhat und was die Konsequenzen sind“, forderte Langhammer.
Seine Kritik richtete sich dabei auch an Friedrich Merz, mit dem Langhammer nach eigener Aussage befreundet ist. Merz sei „ein sehr intelligenter Mann“, habe aber Schwierigkeiten, seine Politik so zu vermitteln, dass sie bei den Menschen ankomme.
Langhammer zog immer wieder Parallelen zu den USA und Donald Trump. Einige wirtschaftspolitische Entscheidungen Trumps bewertet er positiv, mit dessen politischem Stil geht er dagegen hart ins Gericht. Die Art seines Auftretens könne er „überhaupt nicht vertragen“. Seine abschließende Bewertung war unmissverständlich: „Aus meiner Sicht ist es eine Schande für Amerika.“
Radikalisierung im digitalen Raum Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf jungen Wählerinnen und Wählern. Dass jüngere Menschen besonders offen für Parteien an den politischen Rändern sein können, erklärte Deininger unter anderem mit der veränderten Mediennutzung.
Dabei seien politische Präferenzen junger Generationen keineswegs dauerhaft festgelegt. Noch vor wenigen Jahren hätten andere Parteien bei Erstwählern stark abgeschnitten. Das zeige, wie volatil diese Gruppe sei.
Entscheidend sei deshalb der digitale Raum. Desinformation, verkürzte Botschaften und emotionalisierte Inhalte hätten dort eine enorme Reichweite. „Wenn es darum geht, warum die Jungen so offen für die AfD sind, dann hat das natürlich schon mit dieser Dauerberieselung durch Lügen oder zumindest verzerrte Wahrheiten zu tun“, sagte Deininger.
Medienkompetenz, politische Bildung und die Fähigkeit, Quellen kritisch zu beurteilen, würden damit zu zentralen Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie.
Die Mitte braucht mehr als Abgrenzung Trotz unterschiedlicher politischer Ausgangspunkte zeigte sich in der Runde eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Abgrenzung allein wird die politische Mitte nicht stärken.
Gute Regierungsarbeit, nachvollziehbare Reformen, eine verständliche Kommunikation und ein ernsthafter Umgang mit den Sorgen der Bevölkerung wurden immer wieder als Voraussetzungen genannt. Deininger forderte dabei von den Parteien eine größere Bereitschaft zur Differenzierung. Bei der Migration etwa müsse die demokratische Mitte sowohl über die Notwendigkeit von Zuwanderung und Integration als auch über Steuerung und Begrenzung sprechen können.
Zugleich dürfe der demokratische Diskurs nicht immer enger werden. „Mitte rechts und Mitte links ist immer noch, wie es ist“, sagte Deininger. Unterschiedliche politische Überzeugungen gehörten zur Demokratie.
Redler setzt dagegen vor allem auf gesellschaftliches Engagement. Menschen müssten wieder erfahren, dass Demokratie nicht nur etwas sei, das Regierungen, Parlamente und Parteien organisierten. Jeder Einzelne trage Verantwortung.
Und Gottlieb plädierte dafür, trotz aller Probleme nicht die Stärken des Landes aus dem Blick zu verlieren. Eine Gesellschaft, die sich permanent selbst ihren Niedergang erzähle, verliere irgendwann auch den Glauben daran, ihre Probleme lösen zu können.
Verantwortung endet nicht in der Wahlkabine Zum Schluss stellte Otzelberger eine bewusst provokante Frage: Haben die Wähler eigentlich immer recht?
Deiningers Antwort fiel eindeutig aus: „Das Volk hat nicht immer Recht.“ Auch Bürgerinnen und Bürger müssten Verantwortung dafür übernehmen, wem sie ihre Stimme geben und welche politischen Konsequenzen damit verbunden seien.
Damit schloss sich der Kreis der Diskussion. Denn die Frage, ob die politische Mitte „noch zu retten“ sei, wurde an diesem Abend nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet. Die Runde beschrieb vielmehr eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Medien und Zivilgesellschaft – und nicht zuletzt der Wählerinnen und Wähler selbst.
Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft des Abends im PresseClub München: Demokratie ist keine Dienstleistung, die man bei Parteien bestellt und bei Unzufriedenheit reklamiert. Sie lebt vom Streit, vom Kompromiss, von einer freien Presse, von politischer Bildung und vom Engagement der Bürger.
Oder, wie es Deininger formulierte: „Jeder an seinem Platz, jeder in seiner Rolle – dann kann es auch besser werden.“
Im Podcast „Hertlein und Lange“ des Landesinnungsverbands Friseure und Kosmetiker Bayern spricht Christian Hertlein, Berufsbildungsexperte des Landesinnungsverbands und des Zentralverbands, über die Nachwuchsprobleme im Friseurhandwerk und über die Frage, ob tatsächlich „das System“ daran schuld sei. Seine Antwort fällt differenziert aus: Ja, das System trage eine Mitschuld – allerdings nicht das System der dualen Berufsausbildung selbst, sondern vielmehr die Art und Weise, wie in vielen Betrieben ausgebildet und mit Nachwuchs umgegangen werde. Genau diese Unterscheidung sei entscheidend, werde in der öffentlichen Debatte aber oft nicht sauber getroffen.
Hertlein macht deutlich, dass das duale Ausbildungssystem mit seinem Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule den rechtlichen und fachlichen Rahmen vorgibt, während die konkrete Ausbildungsrealität in den Salons von den Betrieben gestaltet wird. Und genau dort liege häufig das Problem. Das Friseurhandwerk präsentiere sich nach außen als kreativ, modern, vielseitig und attraktiv – und das sei es grundsätzlich auch. Kaum ein anderes Handwerk biete eine solche Mischung aus Kreativität, handwerklicher Präzision, Kundennähe und persönlicher Entwicklung. Doch viele junge Menschen machten nach dem Einstieg in die Ausbildung sehr schnell die ernüchternde Erfahrung, dass der betriebliche Alltag mit diesen Versprechen nicht immer übereinstimme. Statt intensiver Begleitung, Förderung und individueller Entwicklung würden Auszubildende in manchen Betrieben eher nebenher im Tagesgeschäft mitlaufen. Viele erhielten nicht den Input, den sie erwarteten und brauchten, manche seien sogar unterfordert. Für Hertlein ist das ein zentraler Grund für die Nachwuchsprobleme und auch für die hohen Abbruchquoten.
Zugleich weist er darauf hin, dass gerade in der Branche oft pauschal „das System“ kritisiert werde, ohne zwischen gesetzlichen Rahmenbedingungen und betrieblicher Praxis zu unterscheiden. Diese Vereinfachung sei zwar populär, helfe aber in der Sache nicht weiter. Notwendig seien vielmehr vernünftige Lösungsansätze und ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe. Nach seiner Beobachtung melden sich in Diskussionen häufig gerade jene Betriebe besonders laut zu Wort, die selbst sehr gut ausbilden und mit berechtigter Kritik auf Schwachstellen hinweisen. An die Betriebe hingegen, in denen Ausbildung tatsächlich mangelhaft laufe und besonders viele Auszubildende abspringen, komme man oft nur schwer heran. Genau darin liege eine der großen Herausforderungen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Kommunikation. Häetlein betont, dass das Friseurhandwerk dringend eine bessere und klarere Kommunikation brauche. Viele Betriebe würden die Ausbildungsordnung und den Ausbildungsrahmenplan nicht richtig lesen oder missverstehen. Wenn dort etwa allgemein von „Haare schneiden“ oder „Haare farblich verändern“ die Rede sei, dann sei das keineswegs altmodisch oder unkonkret, sondern bewusst offen formuliert. Diese Begriffe umfassen sämtliche modernen Techniken und Methoden und geben den Betrieben größtmöglichen Gestaltungsspielraum. Die Ausbildungsordnung schränke also nicht ein, sondern ermögliche sehr viel mehr, als viele glaubten. Das Problem sei oft nicht der Rahmen, sondern dass seine Möglichkeiten zu wenig erkannt und genutzt würden.
Auch beim Thema Digitalisierung widerspricht Hertlein einfachen Heilsversprechen. Die Digitalisierung werde die Nachwuchsprobleme nicht allein lösen, könne aber eine wichtige Rolle spielen. Sie sei im Ausbildungsrahmenplan längst vorgesehen, nur werde sie vielerorts nicht konsequent umgesetzt. Digitale Tools könnten nicht nur im unternehmerischen Alltag eines Salons, etwa bei Kundenbindung, Mitarbeitergewinnung oder Kommunikation, eine wichtige Rolle spielen, sondern auch direkt in der Ausbildung. So könnten Auszubildende mit digitalen Werkzeugen arbeiten, sich mit KI Frisurenkonzepte erstellen lassen oder Schnittformen grafisch und dreidimensional darstellen. Solche Anwendungen seien kein Allheilmittel, gehörten aber selbstverständlich zu einer modernen Ausbildung.
Für Hertlein liegt die Aufgabe der Verbände deshalb vor allem darin, stärker aufzuklären, gute Beispiele sichtbar zu machen und erfolgreiche Ausbildungsbetriebe als Vorbilder herauszustellen. Best-Practice-Beispiele könnten zeigen, wie gute Ausbildung heute funktioniert. Zugleich müssten Betriebe, die Schwierigkeiten in der Ausbildung haben, ermutigt werden, sich Unterstützung zu suchen, Kooperationen einzugehen und ihre Ausbildungsstrukturen zu überdenken. Denn die Chancen, die das duale System und die bestehenden Regelungen bieten, seien groß – sie müssten nur konsequent genutzt werden.
Am Ende beschreibt Hertlein das Friseurhandwerk als eine sehr emotionale Branche, die dadurch besonders anfällig sei – sowohl für positive Hypes als auch für negative Stimmungen. Gerade in sozialen Medien würden einfache Schuldzuweisungen oft schneller verbreitet als differenzierte Erklärungen. Umso wichtiger sei es, sachlich zu bleiben, Potenziale sichtbar zu machen und den Blick stärker auf Lösungen statt auf Schuldfragen zu richten. Seine Botschaft ist klar: Nicht das duale Ausbildungssystem ist das eigentliche Problem, sondern die Art, wie Ausbildung in Teilen der Branche gelebt wird. Wer den Nachwuchs gewinnen und halten will, muss Ausbildung moderner, verbindlicher, intensiver und glaubwürdiger gestalten.
Die Studie „Social Media – Bildung – Integrität“ ist ein Gutachten des Aktionsrats Bildung, herausgegeben von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Ihr Kernbegriff ist „mediale Integrität“: Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen Social Media nicht nur technisch bedienen können, sondern verantwortungsvoll, werteorientiert, selbstreflektiert und sozial verträglich nutzen. Mein Gefühl nach der Veranstaltung und der Diskussion über Social Media und Ki: Es sprechen oftmals Blinde von der Farbe, aber das mit mahnenden Worten. 
Die Studie bewertet Social Media nicht pauschal als schlecht. Sie sieht Chancen für Kommunikation, Lernen, Kreativität, politische Teilhabe und Vernetzung. Zugleich warnt sie deutlich vor Risiken: Suchtverhalten, Cybermobbing, Desinformation, oberflächliche Informationsverarbeitung, sozialer Druck, problematische Körperbilder, Datenschutzprobleme, Manipulation durch Algorithmen und der Verlust von Empathie im digitalen Raum.
Der zentrale Gedanke lautet: Medienkompetenz reicht nicht mehr aus. Es geht nicht nur darum, Apps zu verstehen, sondern darum, im digitalen Raum integer zu handeln. Dazu gehören Respekt, Ehrlichkeit, Selbstkontrolle, Quellenkritik, Empathie und Verantwortung. Mein persönlicher Vorschlag: Schickt die Eltern und die Lehrer in die Schule. Oftmals wird über Sachen debattiert, die nicht nicht gelebte Realität der Vortragenden ist.
Empfehlungen Die Studie fordert gesetzliche Altersgrenzen für Social-Media-Plattformen, eine wirksame Altersverifikation und altersgerechte Schutzmechanismen. Anbieter sollen Minderjährige besser vor suchtfördernden Designs, Werbung, manipulativen Mechanismen und übermäßiger Nutzung schützen. Für Bildungseinrichtungen sollen klare Nutzungs- und Datenschutzregeln geschaffen werden. Digitale Bildungsplattformen der Länder sollen so erweitert werden, dass Unterricht über Social Media möglich ist, ohne auf externe Plattformen ausweichen zu müssen.
Für Schulen empfiehlt das Gutachten, Integrität im Umgang mit Social Media als Bildungsziel systematisch zu verankern. Lehrkräfte sollen besser medienpädagogisch ausgebildet werden. Außerdem fordert die Studie Konzepte gegen Cybermobbing und problematische Nutzung. Eltern sollen stärker einbezogen werden, weil Medienerziehung nicht allein Aufgabe der Schule sein kann. 
Nach Bildungsphasen In der frühen Bildung liegt der Schwerpunkt auf Familie, Kita und Kinderschutz. Besonders kritisch sieht die Studie hohe Bildschirmzeiten kleiner Kinder und das sogenannte Sharenting, also das Teilen von Kinderbildern durch Eltern. Hohe Bildschirmzeiten können laut Gutachten Entwicklungsprobleme verstärken und mit geringerem emotionalem Wohlbefinden zusammenhängen.
In der Primarstufe betont die Studie, dass Social Media bereits bei Grundschulkindern eine Rolle spielt, obwohl viele Angebote eigentlich erst ab 13 Jahren vorgesehen sind. Klare Familienregeln, feste Medienzeiten und Begleitung durch Eltern gelten als entscheidend. Grundschulen sollen Eltern beraten und Kinder auf einen späteren verantwortungsvollen Umgang vorbereiten. 
In der Sekundarstufe werden die Risiken besonders deutlich: FOMO, ständige Ablenkung, oberflächliche Informationsverarbeitung, sozialer Vergleich, Cybermobbing und psychische Belastungen. Die Studie hält fest, dass negative Auswirkungen besonders dann problematisch werden, wenn Social Media sehr früh, sehr intensiv und auf Kosten anderer Aktivitäten genutzt wird. 
In der beruflichen Bildung sieht das Gutachten Chancen für berufliche Orientierung, Netzwerke, Lerncommunities und digitale Kommunikation. Gleichzeitig entstehen neue Risiken: unprofessionelles Auftreten, Datenschutzprobleme, Vermischung von Privatem und Beruflichem sowie Unsicherheiten bei Betrieben und Berufsschulen.
In der Hochschule geht es um Social Media in Lehre, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Chancen liegen in Austausch, Sichtbarkeit und kollaborativem Lernen. Risiken bestehen in Qualitätsproblemen, Reputationsdruck, Datenschutz, Desinformation und fehlenden Standards.
In der Weiterbildung sieht die Studie große Potenziale für informelles Lernen, berufliche Netzwerke und niedrigschwellige Bildungsangebote. Gleichzeitig warnt sie vor Ungleichheiten: Wer wenig digitale Kompetenzen besitzt, kann von diesen Angeboten ausgeschlossen werden.
Die Studie ist stark, weil sie Social Media nicht kulturpessimistisch verdammt, sondern differenziert betrachtet. Besonders überzeugend ist der Begriff der medialen Integrität, weil er über reine Technikkompetenz hinausgeht. Die Studie macht klar: Es reicht nicht, Jugendlichen zu erklären, wie TikTok, Instagram oder YouTube funktionieren. Sie müssen lernen, was ihr Handeln dort mit anderen Menschen, mit Demokratie, Wahrheit, Selbstbild und sozialem Zusammenleben macht.
Kritisch ist allerdings, dass die Studie stark regulierend denkt. Altersgrenzen, Verbote und technische Schutzmechanismen spielen eine große Rolle. Das ist nachvollziehbar, birgt aber die Gefahr, dass pädagogische Arbeit zu sehr auf Kontrolle und Einschränkung verengt wird. Entscheidend wird sein, Schutz und Befähigung zusammenzubringen: Kinder und Jugendliche brauchen Grenzen, aber auch geschützte Räume, in denen sie digitale Verantwortung praktisch einüben können.
Das Gutachten versteht Social Media als eine der zentralen Bildungsfragen unserer Zeit. Es fordert eine neue Stufe der Medienbildung: weg von bloßer Bedienkompetenz, hin zu Verantwortung, Haltung und Integrität. Für Schulen, Eltern, Politik und Bildungsanbieter ist die Studie ein deutlicher Auftrag: Social Media darf nicht nebenbei behandelt werden. Es muss fester Bestandteil von Bildung werden – kritisch, praktisch, altersgerecht und werteorientiert. Die Studie gibt es hier zum Download. Dank an die vbw für die Organisation der Veranstaltung und den guten Willen auf diesem Feld Aufklärungsarbeit zu machen.
Vor kurzem lud der Historische Arbeitskreis der Gemeinde Maisach wieder zu einer Lesung in die Gemeindebücherei Maisach ein. Im Mittelpunkt standen ausgewählte Texte aus den Heften zur Gemeindegeschichte „Meisaha“, die seit Jahren wichtige Episoden, Entwicklungen und Erinnerungen aus Maisach und seinen Ortsteilen dokumentieren. Die Lesung versteht sich dabei nicht nur als Rückblick auf Vergangenes, sondern auch als lebendige Begegnung mit der eigenen Heimatgeschichte. Hier die einzelnen Lesungen aus den Meisaha-Heften. Die Hefte gibt u.a. es bei der Gemeinde Maisach zu kaufen.
Stefan Schader: Die Dampfmaschine der Brauerei Maisach Die Lesung von Stefan Schader zeichnet die Geschichte der Brauerei Maisach und ihrer Dampfmaschinen als bedeutendes Kapitel der Orts- und Technikgeschichte nach. Die Brauerei, eines der Wahrzeichen Maisachs, wurde bereits 1556 erstmals erwähnt und erlebte im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Besitzerwechsel. Eine wichtige Zäsur war das Jahr 1907, als Josef Sedlmeier den Betrieb übernahm. Nach dem Brand des Sudhauses in der Nacht zum Pfingstsonntag 1909 wurde die Brauerei neu aufgebaut und zugleich in moderne Technik investiert. Dazu gehörte auch der Erwerb von Geräten aus der stillgelegten Schlossbrauerei Hof Hegnenberg, darunter eine Dampfmaschine.
Schader erklärt, warum Dampfmaschinen für Brauereien damals so wichtig waren. Mit der Umstellung vom obergärigen auf das untergärige Brauverfahren im 19. Jahrhundert entstand ein wachsender Bedarf an verlässlicher Kühlung. Untergäriges Bier benötigte über Wochen hinweg niedrige und gleichbleibende Temperaturen, was zunächst nur mit Natureis möglich war. Dieses wurde im Winter gewonnen und in Kellern gelagert, weshalb traditionell nur in der kalten Jahreszeit gebraut werden konnte. In milden Wintern geriet dieses System jedoch an seine Grenzen. Erst die Entwicklung von Kältemaschinen, angestoßen durch Karl Linde in den 1870er Jahren, schuf Abhilfe. Angetrieben wurden diese frühen Kühlanlagen in der Regel von Dampfmaschinen, da die Elektrizitätsversorgung damals noch zu schwach ausgebaut war.
In der Brauerei Maisach kamen zwei solcher Maschinen zum Einsatz. Die ältere, kleinere Maschine stammte ursprünglich aus Hof Hegnenberg, war bereits 1892 gebaut worden und wurde 1909 nach Maisach gebracht. Sie war direkt mit einem Kompressor verbunden, der ebenfalls aus Augsburg stammte. Schader schildert dazu anschaulich auch Details aus den damaligen Bedien- und Wartungsanleitungen, die von den Maschinenführern Aufmerksamkeit, Ordnung, Reinlichkeit, Ruhe und Nüchternheit verlangten. Die zweite Dampfmaschine war eine deutlich stärkere Flottmann-Maschine aus dem Jahr 1928, die direkt nach Maisach geliefert wurde. Auch sie trieb einen Kompressor an, allerdings über ein Riemensystem. Beide Maschinen dienten jedoch nicht nur der Kälteerzeugung, sondern auch der Stromversorgung der Brauerei: Sie setzten Generatoren in Gang, die wiederum Pumpen, Rührwerke und Beleuchtung betrieben. Für Notfälle stand zusätzlich ein Dieselmotor bereit, der noch bis in die 1980er Jahre als Reserve genutzt wurde.
Der Betrieb der Dampfmaschinen endete 1974. Heute stehen die Maschinenräume mit den Dampfmaschinen ebenso wie das Sudhaus mit seinem Kamin unter Denkmalschutz. Damit sind in Maisach seltene technische Zeugnisse erhalten geblieben, die von der Entwicklung des Brauwesens und der Industrialisierung im ländlichen Raum erzählen. Auch wenn die Anlage noch immer so wirkt, als könne sie jederzeit wieder in Gang gesetzt werden, wird eine Wiederinbetriebnahme wohl Wunschdenken bleiben, da eine Restaurierung nach jahrzehntelangem Stillstand mit enormem finanziellem Aufwand verbunden wäre.
Charly Muth über die Schmidhammer-Chronik Die Lesung von Charly Muth über die Schmidhammer-Chronik gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Stimmung in Maisach während des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Schmidhammer, der in diesen Jahren in Maisach wirkte und die Kriegsereignisse von 1915 bis 1917 chronologisch festhielt. Seine Aufzeichnungen spiegeln nicht nur die großen politischen und militärischen Entwicklungen wider, sondern auch die Sicht eines oberbayerischen Landpfarrers, geprägt von deutschnationalem Denken, religiöser Überzeugung und der allgemeinen Stimmung seiner Zeit. Zugleich erinnert Muth daran, dass die Chronik nur deshalb heute lesbar ist, weil der inzwischen verstorbene Jörg Pluta sie mit großem Aufwand aus der schwer entzifferbaren Handschrift Schmidhammers übertragen hat.
Aus den zitierten Passagen wird deutlich, wie eng sich in Schmidhammers Wahrnehmung Weltpolitik, Kriegsgeschehen, Religion und dörflicher Alltag miteinander verbanden. Er kommentierte Frontverläufe, Siege und Niederlagen ebenso wie die Unterbringung russischer Kriegsgefangener in Maisach, die Beteiligung der Bevölkerung an Kriegsanleihen oder die wachsenden Versorgungsschwierigkeiten. Seine Einträge zeigen Hoffnung auf einen schnellen Sieg, großes Mitgefühl mit den eigenen Soldaten und zugleich eine scharfe, oft polemische Ablehnung der Kriegsgegner. Immer wieder deutet er die Ereignisse moralisch und religiös, beklagt den Verlust von Vernunft und Glauben und sieht im Krieg auch eine Folge von Materialismus, Pressehetze und fehlender sittlicher Orientierung.
Zugleich wird in der Chronik der Alltag an der Heimatfront greifbar. Fleischkarten, Lebensmittelknappheit, Sparappelle und die Ermahnung zu Verzicht prägen das Leben ebenso wie Eingriffe in das kirchliche und dörfliche Leben. So berichtet Schmidhammer etwa von der Abnahme von Orgelpfeifen und Kirchenglocken für Kriegszwecke. Die Chronik nennt außerdem die vielen Gefallenen aus Maisach und macht damit deutlich, wie tief der Krieg in das Dorf hineingriff. Zwischen patriotischer Deutung, Frömmigkeit und Entbehrung zeigt sich eine Gesellschaft, die den Krieg nicht nur an den Fronten, sondern auch im Alltag, in der Kirche und im Denken der Menschen erlebte.
Am Ende lockert Muth die Lesung mit einem satirischen „Kochrezept“ aus der Kriegszeit auf, in dem Lebensmittel- und Bezugskarten symbolisch zu einem Gericht verarbeitet werden. Gerade dieser humorvolle Schluss macht noch einmal deutlich, wie sehr Mangel, Bürokratie und Improvisation den Alltag bestimmten. So wird die Schmidhammer-Chronik in der Lesung nicht nur als historisches Dokument vorgestellt, sondern als eindrückliches Zeugnis dafür, wie der Erste Weltkrieg in einem oberbayerischen Dorf wahrgenommen, gedeutet und durchlitten wurde.
Stefan Pfannes erzählt die lange und beinahe kuriose Geschichte des Bierausschanks in Oberlappach Die Lesung von Stefan Pfannes erzählt die lange und beinahe kuriose Geschichte des Bierausschanks in Oberlappach. Ausgangspunkt ist die Frage, warum ein so kleiner Ort mit nur rund 100 bis 120 Einwohnern überhaupt ein Wirtshaus brauchte. Die Recherchen im Archiv zeigen jedoch, dass der Wunsch nach einer eigenen Gastwirtschaft in Oberlappach über Jahrzehnte hinweg erstaunlich groß war. Insgesamt wurde nach den Akten zehnmal versucht, eine Konzession für ein Wirtshaus zu erhalten. Allein 1913 und 1914 lagen sogar fünf gleichzeitige Gesuche vor. Der sogenannte „Bierdurst“ der Oberlappacher war also durchaus ausgeprägt.
Der erste Versuch geht auf das Jahr 1863 zurück, blieb aber zunächst erfolglos. Erst dem Schmiedmeister Anton Klotz gelang es, in seinem neu erbauten Haus in Oberlappach eine Gastwirtschaft einzurichten. Er durfte Bier, aber keinen Brandwein ausschenken, obwohl die Gemeinde Rottbach eigens argumentiert hatte, dass auch dafür ein gewisses Bedürfnis bestehe. Die Wirtschaft entwickelte sich zunächst offenbar ordentlich, doch 1878 kam es dort zu einer schweren Schlägerei, an der auch Klotz beteiligt war. In der Folge wurde ihm die Konzession entzogen. Trotz Fürsprache aus dem Ort erhielt er sie nicht zurück, und die Gaststätte musste schließen.
Damit war die Geschichte jedoch keineswegs beendet. Schon kurz darauf versuchten die Bewohner selbst, eine Konzession für die Gemeinde zu erhalten, was rechtlich nicht möglich war. Weitere Gesuche von Klotz, Josef Blum und Gregor Strixner scheiterten ebenfalls. Die Behörden vertraten die Auffassung, dass die umliegenden Wirtschaften in Rottbach, Maisach, Frauenberg oder Stephansberg den Bedarf ausreichend deckten. Zudem wollte man verhindern, dass in kleinen Orten ohne ausreichende wirtschaftliche Grundlage zahlreiche unbedeutende Gaststätten entstehen. Dennoch blieb der Wunsch nach einer Wirtschaft in Oberlappach bestehen, auch weil viele Einwohner als Kleinbegüterte kaum die Möglichkeit hatten, Bier auf Vorrat zu lagern oder weite Wege für den Einkauf in Kauf zu nehmen.
Im frühen 20. Jahrhundert verlagerte sich der Ausschank zunehmend auf den Flaschenbierhandel. Seit 1902 bestand in Oberlappach ein Flaschenbierhandel der Familie Heckmayer, dessen Bier bei Kontrollen sogar als sehr gut bewertet wurde. Offenbar war dies für manche dennoch kein Ersatz für ein richtiges Wirtshaus, denn zwischen 1913 und 1914 gab es erneut mehrere Bewerber für eine Gaststättenkonzession, darunter sogar der Maisacher Bräu Josef Sedlmayr. Doch auch diese Vorstöße scheiterten. 1925 unternahm Lorenz Puchner einen letzten Versuch. Er argumentierte, die Bewohner würden sich über billigeres Bier freuen, da Flaschenbier zu teuer sei. Sein Gesuch führte noch einmal zu Auseinandersetzungen bis hinauf in die Ministerien, blieb aber ebenfalls erfolglos. Die einzige Wirtin der Gemeinde, Sofie Treffler aus Rottbach, machte in ihrer Stellungnahme deutlich, dass sich schon ihre eigene Gastwirtschaft kaum rentiere und eine weitere Wirtschaft in Oberlappach wirtschaftlich kaum tragfähig wäre.
So blieb es letztlich beim Flaschenbierhandel. 1926 übernahm die Familie Heckmayer erneut die entsprechende Konzession, und erst 1958 wurde daraus noch eine sogenannte „Stopselwirtschaft“, in der Bier und kleine Brotzeiten in bäuerlicher Stube angeboten wurden. Damit fand der fast hundertjährige Kampf um eine eigene Gaststätte in Oberlappach doch noch einen kleinen Abschluss, wenn auch nicht in der Form eines klassischen Wirtshauses. Mitte der 1960er Jahre endete auch diese letzte Form des Bierausschanks, und seither mussten die Oberlappacher ihren Bierdurst anderswo stillen.
Torfbahn im Fußbergmoos von Hartwig Meis Die Lesung von Hartwig Meis über die Torfbahn im Fußbergmoos erzählt die Geschichte eines heute fast vergessenen Infrastrukturprojekts, das nur wenige Jahre Bestand hatte. Ausgangspunkt war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Ernährungslage schwierig war und in Bayern verschiedene Maßnahmen zur wirtschaftlichen Nutzung von Moorflächen angestoßen wurden. 1919 gründeten Bauern aus Kirchheim und Aschheim bei München die „Torfverwertungsgesellschaft Fußberg mbH“, die im Fußbergmoos Torf abbauen wollte. Zu diesem Zweck pachtete sie 1920 von Bauern in Thal größere Waldflächen, unter denen sich Torfvorkommen befanden. Um den Torf abtransportieren zu können, wurde gleichzeitig mit Unterstützung des neu geschaffenen Kulturbauamts München eine fast drei Kilometer lange Kleinbahn gebaut, die den gestochenen Torf aus dem Moor zum Bahnhof Gernlinden bringen sollte.
Wie Meis zeigt, war diese Bahn technisch durchaus bemerkenswert, organisatorisch aber erstaunlich schlecht abgesichert. Obwohl bereits eine Dampflokomotive eingesetzt wurde und die Bahn eigentlich genehmigt und abgenommen werden musste, stellte das Bezirksamt Fürstenfeldbruck erst 1921 fest, dass dort bereits ein Bahnbetrieb lief. In den folgenden Jahren schoben sich verschiedene Behörden gegenseitig die Zuständigkeit zu: Das Kulturbauamt fühlte sich nicht mehr verantwortlich, die Eisenbahndirektion verwies auf die fehlende direkte Verbindung zur Staatsbahn, und das Bezirksamt musste schließlich selbst tätig werden, obwohl ihm dafür die fachliche Kompetenz fehlte. Eine eigentliche Betriebsgenehmigung wurde jedoch nie erteilt. So blieb die Torfbahn letztlich ein ungenehmigtes Unternehmen, ein Schwarzbau, wie man heute sagen würde.
1925 kam das abrupte Ende. Der Betriebsleiter meldete der Gendarmerie, dass das Torffeld dauerhaft geschlossen werde. Für die Behörden war nun vor allem wichtig, was aus den Beschäftigten werden sollte. Als ein Jahr später erneut nachgesehen wurde, war die Bahn bereits vollständig abgebaut: Schienen und Anlagen waren entfernt, die Firma war praktisch verschwunden. Am 2. November 1926 meldete das Bezirksamt schließlich der Regierung von Oberbayern, dass das Unternehmen endgültig erloschen sei. Damit war das Projekt nach nur kurzer Zeit beendet, ohne je vollständig genehmigt oder technisch überprüft worden zu sein. Geprüft worden war lediglich der Lokführer, denn für das Führen einer Dampflokomotive galten damals strenge Vorschriften.
Besonders anschaulich wird die Lesung durch die von Meis ausgewerteten Akten und Pläne. Ein großformatiger, in Wasserfarbe und Tusche gezeichneter Bahnplan, den er mit erheblichem Aufwand restauriert und rekonstruiert hat, enthält nahezu alle technischen Einzelheiten der Strecke. Daraus geht hervor, dass es sich um eine Schmalspurbahn mit einer für Bayern ungewöhnlichen Spurweite von 75 Zentimetern handelte. Auch die Lokomotive ließ sich genauer identifizieren: Sie stammte nicht aus Bayern, sondern aus Schlesien von der Firma Linke-Hoffmann in Breslau. Meis konnte sogar ein Bild dieses Loktyps und ein historisches Foto der Bahn im Moor mit Lok, beladenen Torfwagen und der Bedienungsmannschaft finden. Auf diesem Foto sind drei Brüder namens Ott zu sehen, darunter der Lokführer Michael Ott, der als besonders wichtiger Mann des Betriebs galt.
Heute sind von der Torfbahn nur noch wenige Spuren erhalten. Die Moosalm war einst Wohnhaus des Betriebsleiters und zugleich eine Art Geschäftsstelle. Außerdem ist ein Teil der früheren Trasse noch im Verlauf einer heutigen Straße erkennbar. Andere Bereiche, vor allem am Bahnhof Gernlinden, sind durch spätere Baumaßnahmen vollständig überprägt worden. So bleibt die Torfbahn im Fußbergmoos ein Beispiel für ein mit großem Elan begonnenes, aber nur kurzlebiges Projekt, das rasch wieder verschwand und heute vor allem durch Akten, Pläne und wenige Fotografien nachvollziehbar ist.
Helga Rueskäfer über den Bau der Bahnunterführung in Maisach Die Lesung von Helga Rueskäfer schildert den Bau der Bahnunterführung in Maisach als eines der schwierigsten und nervenaufreibendsten Projekte in der Amtszeit von Bürgermeister Moser. Ausgangspunkt war die unhaltbare Verkehrssituation am Bahnhof Maisach, wo sich an den Bahnschranken immer wieder lange Rückstaus bildeten. Zudem gab es im Gemeindegebiet damals nur niveaugleiche Bahnübergänge. Schon Ende der 1950er Jahre wurde deshalb über eine Lösung diskutiert. Während die Bundesbahn zunächst nur einen eigenen Fußgängerübergang mit Drehkreuz und später eine Fußgängerunterführung vorschlug, bestand der Gemeinderat von Anfang an auf einer Unterführung für den Straßenverkehr.
In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus ein zäher Konflikt zwischen Gemeinde und Bahn. Immer wieder legte die Bahn neue Pläne vor, die aus Sicht der Maisacher nicht ausreichten. So wurde Mitte der 1960er Jahre eine Überführung bei der Gärtnerei Zick ins Gespräch gebracht, während am Bahnhof selbst nur an eine Lösung für Fußgänger und Radfahrer gedacht war. Der Gemeinderat lehnte diese Varianten jedoch ab, weil die Gemeinde die Unterführung direkt am Bahnhof wollte. Unterstützt wurde diese Haltung von der neu gegründeten Interessengemeinschaft Maisach-Süd, die als frühe Bürgerinitiative ebenfalls Druck machte. Die Zeit drängte zusätzlich, weil bis zur Einführung der S-Bahn 1972 eine tragfähige Lösung gefunden werden musste.
Erst 1970 gelang der Durchbruch. Die Bahn gab ihre Pläne für eine Überführung bei der Gärtnerei Zick schließlich auf, und die Gemeinde setzte sich mit ihrer Forderung nach einer Unterführung am Bahnhof durch. Der Gemeinderat beschloss den Bau einer Unterführung mit einer Höhe von 3,80 Metern. Parallel dazu wurden auch weitere Verkehrsprojekte vorangetrieben, darunter eine Bahnüberführung zwischen Maisach und Gernlinden sowie der Ausbau der Frauenstraße in Richtung Malching. Im März 1971 konnte schließlich der Finanzierungsplan beschlossen werden. Die Gesamtkosten für die Bahnhofsunterführung wurden mit 5,4 Millionen D-Mark veranschlagt, dazu kamen weitere Ausgaben für den Ausbau der angrenzenden Straßen. Die Gemeinde hoffte dabei auf erhebliche Zuschüsse von Bund und Land.
Rueskäfer macht in ihrer Lesung deutlich, dass dieses Projekt nur ein Beispiel für die Vielzahl an Aufgaben war, die Bürgermeister Moser in seiner Amtszeit zu bewältigen hatte. Als letzter ehrenamtlicher Bürgermeister Maisachs habe er die Modernisierung der Gemeinde entscheidend vorangetrieben, etwa mit Schulbauten, sozialem Wohnungsbau, zentraler Wasserversorgung und weiteren Infrastrukturmaßnahmen. Der Kampf um die Bahnunterführung gehört dabei zu seinen größten kommunalpolitischen Kraftakten. Die Einweihung der Unterführung, für die er so lange gestritten hatte, erlebte Moser schließlich nur noch als Ehrengast, denn zu diesem Zeitpunkt war bereits sein Nachfolger im Amt. Die Geschichte zeigt damit anschaulich, wie langwierig kommunale Großprojekte schon damals sein konnten und wie eng sie mit dem Engagement einzelner Persönlichkeiten verbunden waren.
Annemarie Karg über die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden Die Lesung von Annemarie Karg über die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden erzählt von der Entstehung eines besonderen Wohngebiets in der frühen Nachkriegszeit. Die Häuser in der Ringstraße wurden Anfang der 1960er Jahre nahezu gleichzeitig gebaut, einheitlich geplant und waren vor allem für Menschen bestimmt, die sozial wohnungsberechtigt waren. Dazu gehörten Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsbeschädigte und Familien, die nach den Entbehrungen des Krieges dringend Wohnraum suchten. Auch Kargs eigene Familie gehörte dazu: Ihr Vater war schwer kriegsbeschädigt und bei der Bundesbahn beschäftigt. Voraussetzung für den Erhalt eines Grundstücks war unter anderem, dass Kinder oder weitere Familienmitglieder vorhanden waren. Die Häuser waren größtenteils ähnlich groß und ähnlich gebaut, und zugleich war vorgesehen, dass in ihnen auch weiterer Wohnraum für bedürftige Mieter geschaffen wurde.
Exemplarisch schildert Karg die Geschichte der Familie Ruderer, die eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Christa Ruderer, geborene Lux, kam aus Oberschlesien und erlebte als Kind die Flucht im Winter 1944/45. Wie viele andere musste ihre Familie in großer Unsicherheit die Heimat verlassen, mit der Hoffnung auf eine Rückkehr, die sich jedoch nie erfüllte. Nach Stationen in Waldenfels und weiteren schweren Einschnitten, darunter der Tod ihres Bruders im Krieg, ging Christa als junge Frau nach München, um Arbeit zu finden. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Josef Ruderer kennen, der aus dem Bayerischen Wald stammte und ebenfalls auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen nach München gekommen war. Nach der Heirat lebte das Paar zunächst sehr beengt als Untermieter in Gernlinden. Erst als Josef Ruderer eine Stelle bei der Deutschen Bundesbahn erhielt, ergab sich für die Familie die Möglichkeit, in der Ringstraße ein eigenes Haus zu bauen.
Die Lesung macht deutlich, dass die Ringstraße nicht nur ein Bauprojekt war, sondern ein Ort des Neuanfangs für Menschen mit oft schwierigen Lebensgeschichten. Viele Bewohner kamen aus unterschiedlichen Regionen und hatten Krieg, Flucht, Verlust und Wohnungsnot erlebt. In Gernlinden fanden sie die Chance, sich mit viel Eigenleistung und unter oft bescheidenen Bedingungen ein eigenes Zuhause aufzubauen. Damit wird die Ringstraße zu einem Beispiel für den sozialen Wohnungsbau und den Wiederaufbau der Nachkriegszeit, aber auch für die Lebensleistung einer Generation, die sich nach den Zerstörungen des Krieges Schritt für Schritt eine neue Heimat schuf. Annemarie Karg versteht ihre Arbeit zugleich als Erinnerung an diese Menschen und kündigt an, das Thema weiterzuverfolgen, solange noch persönliche Erinnerungen, Fotos und Berichte der Nachkommen erhalten sind.
Die Pizzaria Salerno von Conny Schader Die Lesung von Conny Schader über die Pizzeria Salerno erzählt die Geschichte eines Lokals, das seit 1979 italienische Esskultur nach Gernlinden bringt und zugleich eng mit der Lebensgeschichte der Familie Morena verbunden ist. Gründer Ferdinand Morena stammt aus der Provinz Salerno in Süditalien. Nach einer Ausbildung als Kellner und ersten Berufserfahrungen in der Tourismusregion um Sorrent führte ihn die Cholera-Epidemie von 1973, die dem Tourismus im Süden Italiens schwer schadete, nach Bayern. Dort fand er über seine in Fürstenfeldbruck lebende Schwester Arbeit, zunächst in München und später in Fürstenfeldbruck. Nach dem Militärdienst in Italien kehrte er zurück und erfuhr, dass in Gernlinden ein Lokal zu mieten war. Trotz hoher Ablösesumme und großer finanzieller Risiken gelang es ihm gemeinsam mit einem Verwandten, das ehemalige Lokal zu übernehmen und am 20. August 1979 die Pizzeria Salerno zu eröffnen.
Die Anfangszeit war keineswegs einfach. Zwar war das Lokal bei der Eröffnung gut besucht, doch zeigte sich schnell, dass nicht nur gutes Essen, sondern auch viel organisatorisches Geschick nötig war, um sich zu etablieren. Besonders schwierig war es, die Pizzeria als gepflegtes Speiselokal zu positionieren, weil ein Teil der bisherigen Stammgäste weiterhin eher eine traditionelle Gaststätte mit Bier und Kartenspiel erwartete. Ferdinand Morena musste sich deshalb in den ersten Jahren mit Konflikten auseinandersetzen und sogar Lokalverbote aussprechen. Zugleich entwickelte sich die Speisekarte weiter, blieb aber in vielen Bereichen ihrer Linie treu. Einige Gerichte aus der Anfangszeit sind bis heute geblieben, andere verschwanden. Auch die eigene Eisherstellung wurde irgendwann aufgegeben, weil der Betrieb mit dem kleinen Team im Sommer nicht mehr zu bewältigen war. Nachdem ein geschätzter Koch 1986 nach Italien zurückkehrte, übernahm Morena selbst die Küche und setzte damit seine Erfahrung und sein über Jahre erworbenes Wissen noch stärker ein.
Eine wichtige Rolle spielte später auch seine Frau Virginia Morena, die 1984 nach Gernlinden kam. Für sie waren die ersten Jahre besonders schwer, weil sie kaum Deutsch sprach und sich dadurch weitgehend isoliert fühlte. Erst nach der Geburt der Kinder und durch Kontakte im Kindergarten fand sie allmählich Anschluss und begann, Gernlinden als Heimat zu empfinden. Im Restaurant übernahm sie Aufgaben im Service und im Hintergrund, oft zusätzlich zur Familienarbeit. Gemeinsam entschloss sich das Ehepaar schließlich, das Lokal ganz zu übernehmen, was erneut ein großes finanzielles Risiko bedeutete, zugleich aber den Grundstein für die weitere Entwicklung legte. So wurde das Salerno nicht nur zu einem gastronomischen Betrieb, sondern zum Mittelpunkt des gesamten Familienlebens.
Die Lesung macht deutlich, dass die Geschichte der Pizzeria Salerno weit über die eines Restaurants hinausgeht. Sie erzählt von Migration, Neuanfang, harter Arbeit, Integration und davon, wie aus einem italienischen Familienbetrieb ein fester Bestandteil des Lebens in Gernlinden wurde. Symbolisch dafür steht auch, dass die Familie Morena zum 40-jährigen Bestehen des Lokals den Gernlindnern den Maibaum spendete. Damit wurde sichtbar, wie sehr sich italienische Herkunft und bayerische Heimat in diesem Ort miteinander verbunden haben.
Corona in Maisach von Matthias J. Lange Die Lesung von Matthias J. Lange zeichnet ein eindringliches Bild von Maisach in den ersten Wochen der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Grundlage ist ein Blog, den Lange ab dem 22. März 2020 über 45 Tage hinweg täglich führte und in dem er den Ausnahmezustand in der Gemeinde dokumentierte. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht große politische Entscheidungen, sondern der veränderte Alltag vor Ort: die ungewohnte Ruhe auf den Straßen, leere Parkplätze, geschlossene Cafés, abgesagte Veranstaltungen und die spürbare Verunsicherung der Menschen. Zugleich beschreibt Lange, wie sich die Bewohner rasch auf die neuen Regeln einstellten, Abstand hielten und ihren Alltag mit Vorsicht, aber auch mit Disziplin und gegenseitiger Rücksicht neu organisierten.
Besonders deutlich wird in seiner Schilderung, wie wichtig in dieser Zeit die Versorgung und die gegenseitige Hilfe im Ort waren. Supermärkte, Bäckereien und andere Lebensmittelgeschäfte blieben geöffnet, entwickelten schnell neue Routinen und sorgten trotz einzelner Engpässe dafür, dass die Grundversorgung gesichert war. Zugleich entstanden in sozialen Netzwerken lokale Hilfsangebote, über die Einkaufsdienste, Besorgungen oder Fahrdienste organisiert wurden. Auch in Maisach zeigte sich damit, dass die Krise nicht nur Unsicherheit auslöste, sondern auch neues bürgerschaftliches Engagement. Die sozialen Medien wurden zu einem zentralen Informations- und Austauschraum, weil viele Menschen zu Hause blieben und das Bedürfnis nach Orientierung und Kommunikation stark zunahm.
Ein weiterer Schwerpunkt der Lesung ist der Umgang von Kirche, Feuerwehr und Gastronomie mit der Ausnahmesituation. Gottesdienste fielen zunächst aus oder wurden digital übertragen, gleichzeitig suchten viele Menschen in der Krise nach Halt und religiöser Gemeinschaft. Die Feuerwehr blieb einsatzbereit, musste ihren Betrieb aber ebenfalls anpassen und den direkten Kontakt mit der Öffentlichkeit stark einschränken. Besonders hart trafen die Corona-Maßnahmen die Gastronomie, die von einem Tag auf den anderen ihr Geschäftsmodell umstellen musste. Während manche Betriebe vorübergehend schlossen, versuchten andere mit Abhol- und Lieferangeboten zu überleben. Hinter diesen Anpassungen standen oft große Existenzsorgen und die Angst um die wirtschaftliche Zukunft.
Insgesamt zeigt die Lesung Maisach als eine Gemeinde, die in der Pandemie zwar stiller und leerer wurde, aber nicht handlungsunfähig. Vielmehr entsteht das Bild eines Dorfes im Ausnahmezustand, das mit Ruhe, Improvisation und Zusammenhalt auf die Krise reagierte. Die leeren Straßen, die geschlossenen Kirchenbänke, die improvisierten Hilfsangebote und die neuen digitalen Formen des Kontakts stehen dabei sinnbildlich für einen tiefen Einschnitt in das Alltagsleben. Matthias J. Lange hält damit nicht nur eine lokale Chronik der ersten Corona-Wochen fest, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte, das zeigt, wie tief die Pandemie selbst in einer einzelnen Gemeinde das öffentliche und private Leben verändert hat.
Ein möglicher Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sieht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit spürbarer Skepsis. Beim Auftritt im Internationalen PresseClub München machte er am Montag, 16. März 2026 deutlich, dass er zwar grundsätzlich Verständnis für mehr Kinder- und Jugendschutz im Netz habe, pauschale Verbotsforderungen aber für zu einfach halte. Alles, was derzeit diskutiert werde, müsse zunächst technisch sauber umsetzbar und in seinen Folgen durchdacht sein. Ich stellte ihm die Frage nach einem möglichen Social Media Verbot.
Söder verwies darauf, dass es bereits heute Altersbeschränkungen auf vielen Plattformen gebe, diese in der Praxis aber nur schwer kontrollierbar seien. Die entscheidende Frage sei deshalb, wie ein Verbot oder eine strengere Altersgrenze tatsächlich durchgesetzt werden solle. Wenn dafür etwa Personalausweise vorgezeigt oder digitale Identitäten hinterlegt werden müssten, stelle sich sofort die nächste Frage: Was geschehe dann mit den Daten von Kindern und Jugendlichen? Für Söder ist das ein Hinweis darauf, dass die Debatte komplizierter ist, als es manche politische Forderung vermuten lassen.
Zugleich warnte er davor, vorschnell mit starren Altersgrenzen oder Totalverboten zu arbeiten. Die Diskussion wirke auf ihn bislang „unterkomplex“, weil viele, die besonders laut über Social-Media-Verbote redeten, aus seiner Sicht selbst kaum in dieser digitalen Welt verankert seien. Söder kündigte an, mögliche Vorschläge in Ruhe prüfen zu wollen, verwies dabei aber auch auf internationale Erfahrungen. In Australien etwa zeige sich bereits, dass solche Regeln leicht umgangen werden könnten. Das könne am Ende sogar zu einem noch problematischeren Zustand führen, weil Verbote zwar auf dem Papier stünden, in der Lebenswirklichkeit junger Menschen aber kaum wirksam seien.
Besonders wichtig war Söder in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die gesellschaftliche Funktion sozialer Medien. Sie seien längst nicht nur Freizeitplattformen, sondern auch Orte der Kommunikation, der Vernetzung und des Engagements. Gerade im Ehrenamt und bei der Nachwuchsgewinnung spielten sie eine wichtige Rolle. Deshalb dürfe man Social Media nicht allein als Problem betrachten, sondern müsse auch sehen, welche Bedeutung diese Kanäle heute für Vereine, Jugendliche und die gesellschaftliche Teilhabe hätten.
Insgesamt plädierte Söder für einen pragmatischen statt symbolischen Umgang mit dem Thema. Kinder- und Jugendschutz müsse ernst genommen werden, aber einfache Verbotsdebatten reichten nicht aus. Aus seiner Sicht braucht es Lösungen, die sowohl technisch realistisch als auch datenschutzrechtlich tragfähig sind und die digitale Lebenswirklichkeit junger Menschen nicht ignorieren.
In Minnesota ist das Smartphone zu einem zentralen Werkzeug des Widerstands gegen die zunehmende Gewalt der U.S.‑Behörde ICE geworden. Nachdem im Januar 2026 innerhalb weniger Wochen zwei Einwohner – Renee Good und der Krankenpfleger Alex Pretti – von Bundesbeamten erschossen wurden, entstanden überall im Land „ICE Observer“‑Gruppen.
Allein bei einem Online‑Training loggten sich laut Guardian fast 80 000 Personen ein, um zu lernen, wie man ICE‑Einsätze gewaltfrei dokumentiert; innerhalb von 24 Stunden schauten weitere 200 000 Menschen die Aufzeichnung. Teilnehmerschrieben in den Chat, dass sie „ICE aus ihren Gemeinden drängen“ wollten, und eine Einwohnerin betonte, dass man dank der Handy‑Videos „die Wahrheit darüber zeigen kann, was mit Renee und Alex passiert ist“.
Seit den Tötungen haben sich Tausende neuen Beobachtungsgruppen angeschlossen; die bloße Präsenz von Menschen mit Kameras hat laut dem Präsidenten des Stadtrates von Minneapolis mehrere Entführungsversuche verhindert.
Die juristische Grundlage für das Filmen ist das Erste Verfassungsamendment der USA. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation betont, dass jede Person – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – Polizei‑ und ICE‑Beamte bei ihrer Arbeit im öffentlichen Raum filmen darf. Videoaufnahmen seien essenziell, um Beamte zur Rechenschaft zu ziehen und Ungereimtheiten aufzudecken. In den Fällen Good und Pretti widerlegten Amateurvideos die behördlichen Darstellungen: Bei Pretti zeigte eine vom Guardian und Reuters verifizierte Aufnahme, dass er mit erhobener Hand ein Handy hielt und nicht, wie das Heimatschutzministerium behauptete, mit einer gezogenen Waffe auf die Beamten zuging; das Video beweist auch, dass Beamte seine Pistole erst entfernten, bevor sie auf ihn schossen. In Goods Fall zeigte die Handyaufnahme aus mehreren Perspektiven, dass ihr Auto sich von den Beamten wegdrehte, obwohl das Ministerium behauptete, sie habe es als „Waffe“ benutzt.
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Die Verbreitung solcher Videos hat die politische Debatte verändert. Der demokratische Generalstaatsanwalt Minnesotas, Keith Ellison, hielt bei einer Veranstaltung sein Handy hoch und sagte, dass alle diese Geräte nutzen müssten – sie seien „bemerkenswert hilfreich“. Seine Amtskolleginnen betonen, dass Handyaufnahmen ein mächtiges Gegengewicht zur offiziellen Darstellung darstellten, gerade weil Bundesbehörden staatlichen und lokalen Ermittlerinnen den Zugang zu Beweismitteln verweigern. Minnesota hat deshalb eine Online‑Plattform eingerichtet, auf der Bürger Handyvideos von ICE‑Übergriffen hochladen können; solche Aufnahmen werden vor Gericht genutzt, um gegen die Operation „Metro Surge“ des Bundes vorzugehen. Die breite Öffentlichkeit ist sensibilisiert: Auch konservative Amerikaner glauben laut Umfragen immer häufiger, dass die Tötungen nicht gerechtfertigt waren und die beteiligten Beamten strafrechtlich verfolgt werden sollten.
Handykameras sind jedoch nicht nur ein Instrument der Dokumentation, sondern auch Teil eines Propagandakriegs. Die sozialistische Zeitschrift Current Affairs beschreibt, wie ICE‑Beamte gewaltsam Telefone aus den Händen von Beobachterinnen reißen, Menschen zu Boden werfen oder mit Tränengas beschießen und anschließend behaupten, die Demonstrierenden seien die Aggressoren. Donald Trump und seine Verbündeten versuchen, das Filmen als illegal darzustellen und labeln Beobachter als „Terroristen“, obwohl Juristen klarstellen, dass das Gegenteil gilt.
Gleichzeitig setzt ICE auf aggressive PR: Sie schicken Kamerateams zu Razzien, inszenieren dramatische Festnahmen und stellen Migrantinnen als Kriminelle dar; diese Clips werden im Minutentakt in den sozialen Medien verbreitet. Die Behörde rekrutiert zudem rechte Influencer, die Proteste filmen, gezielt eskalieren und die Demonstrierenden als gewalttätige Randalierer darstellen. Recherchen des Magazins Vox zeigen, dass solche pro‑ICE‑Influencer nach der Tötung von Renee Good nach Minneapolis reisten, Proteste begleiteten und riesige Mengen an Inhalten produzierten, die ein trumpfreundliches Narrativ verbreiten. Diese Flut an Inhalten verschiebt den Diskurs; linke Aktivistien haben weniger Ressourcen und Reichweite.
Auch technisch wird aufgerüstet: Die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnt davor, dass ICE mit Apps wie „Mobile Fortify“ 200 Millionen behördliche Fotos durchsucht; Beamte können auf ihren Diensttelefonen Gesichter von Protestierenden scannen und mit Datenbanken abgleichen. Investigative Berichte zeigen, dass ICE mithilfe von Palantir‑Software und Social‑Media‑Monitoring persönliche Daten sammelt und Bewegungsprofile erstellt. Umgekehrt entstehen Apps wie „ICEBlock“, „Red Dot“ und „Eyes Up“, mit denen Bürger ICE‑Trupps lokalisieren oder Videos sicher speichern können. Big‑Tech‑Konzerne wie Apple und Google entfernten diese Anwendungen allerdings nach Druck der Regierung aus ihren Stores, sodass Aktivisten alternative Wege finden müssen.
Die Smartphone‑Bilder haben auch eine kulturelle Dimension: Sie führen zu viralen Memes, in denen Protestierende ICE‑Beamte mit Sandwiches bewerfen oder in Froschkostümen auftauchen – eine „lebhafte Verteidigungsstrategie“ in Zeiten, in denen traditioneller politischer Einfluss schwindet. Viele fühlen sich an die sozialen Bewegungen des Arabischen Frühlings oder der Black‑Lives‑Matter‑Proteste erinnert, als soziale Medien Transparenz ermöglichten. Gleichzeitig warnen Journalisten wie Kyle Chayka im New Yorker vor dem „Panoptikum“, denn die gleichen Kanäle, mit denen Aktivistinnen Missstände belegen, werden von der Gegenseite genutzt, um Ziele für Razzien zu identifizieren.
Insgesamt zeigt sich: In den aktuellen Auseinandersetzungen in Minnesota ist das Smartphone weit mehr als ein Kommunikationsgerät. Für Demonstrierende dient es als Auge und Gedächtnis der Bewegung, das Gewaltakte sichtbar macht, Lügen entlarvt und solidarische Netzwerke stärkt. Juristisch erzeugen die Videos Druck auf Ermittlerinnen und Gerichte, während der Staat versucht, das Filmen zu kriminalisieren. Gleichzeitig nutzen ICE und verbündete Influencer die gleichen Geräte, um eine gegenläufige Propaganda zu verbreiten und Protestierende zu überwachen. Die Demonstrationen in Minnesota verdeutlichen so, dass der Kampf um Wahrheit, Öffentlichkeit und Macht im digitalen Zeitalter zu einem Kampf um Bilder und Daten geworden ist – und dass die Kamera in der Hand einer gewöhnlichen Person oft mächtiger ist als die Waffe eines Bundesbeamten.
Ich halte es für wichtig, an einem Ort nicht nur zu wohnen, sondern sich auch aktiv am Ortsgeschehen zu beteiligen. Und wenn ich die Zeit neben Beruf und zahlreichen Ehrenämter habe, besuche ich gerne die eine oder andere Veranstaltung bei uns in der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. So auch gestern der Neujahrsempfang der CSU Maisach. Festrednerin war die Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner. Trotz Kommunalwahlkampf blieben Reden und Grußworte zumeist sachlich und motivierend. Zudem gab es Ehrenpreise der Partei für verdiente Akteure in der Gemeinde.
Im Mittelpunkt der Rede der Landtagspräsidentin Ilse Aigner stand ein eindringliches Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Aigner machte deutlich, dass diese Grundwerte keineswegs selbstverständlich seien, sondern täglich verteidigt, gepflegt und aktiv gelebt werden müssen. Demokratie sei nicht nur ein Geschenk, sondern eine dauerhafte Aufgabe für jede Bürgerin und jeden Bürger.
Besonders betonte sie die Bedeutung der freien Meinungsäußerung. In Deutschland dürfe jede und jeder seine Meinung äußern, ohne staatliche Repressionen befürchten zu müssen – ein hohes Gut, das sich klar von autoritären Systemen unterscheide. Gesellschaftliche Debatten, Widerspruch oder Kritik seien kein Zeichen mangelnder Freiheit, sondern Ausdruck einer lebendigen Demokratie. Aigner warnt zugleich vor gezielter Desinformation, Hass und Hetze, insbesondere in sozialen Medien, die das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben und Menschen verunsichern sollen. Medienfreiheit als „vierte Gewalt“ sei dabei unverzichtbar, auch wenn Berichterstattung nicht immer bequem sei.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Ehrenamt als Fundament der Demokratie. Aigner würdigte das breite bürgerschaftliche Engagement in Vereinen, sozialen Einrichtungen, Rettungsdiensten, Kirchen und insbesondere in der Kommunalpolitik. Dieses Engagement könne weder verordnet noch ersetzt werden und bilde das tragende Wurzelwerk des demokratischen Gemeinwesens – von den Ortsverbänden bis hin zu den kommunalen Gremien.
Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen unterstrich Aigner die Bedeutung freier, echter Wahlen als Kern demokratischer Ordnung. Die Möglichkeit, zwischen Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, Verantwortungsträger direkt anzusprechen und politische Entscheidungen vor Ort mitzugestalten, sei ein besonderer Schatz, der in vielen Ländern fehle. Sie rief dazu auf, dieses Recht bewusst wahrzunehmen und sich schützend vor engagierte Kommunalpolitikerinnen und -politiker zu stellen, wenn diese angegriffen werden.
Markus Libal: Verantwortung übernehmen Im Mittelpunkt der Begrüßungsrede des Maisacher CSU-Ortsvereinsvorsitzenden Markus Libal steht der Dank an die vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde. Libal betont, dass dieser Neujahrsempfang ausdrücklich ihnen gewidmet sei – all jenen, die Verantwortung übernehmen, oft im Verborgenen wirken und das gesellschaftliche Leben in Maisach tragen, sei es in Vereinen, bei Feuerwehr und Kirche, in der sozialen Arbeit oder im privaten Umfeld bei der Pflege von Angehörigen.
Er stellte einen bewussten Kontrast zwischen wachsender Anspruchshaltung und gleichzeitig großem Verantwortungsbewusstsein her. Während Kritik und Forderungen – etwa über soziale Medien – heute schnell an Gemeinde und Staat weitergereicht würden, zeige sich in Maisach tagtäglich ein starkes, positives Gegenbild: gelebtes Ehrenamt, Zusammenhalt und persönlicher Einsatz über alle Ortsteile hinweg. Dieses Engagement sei nicht selbstverständlich und verdiene Anerkennung und Dank.
Landrat Thomas Karmasin: Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung Im Zentrum des Grußwortes des Fürstenfeldbrucker Landrats Thomas Karmasin stand die herausragende Bedeutung des Ehrenamts. Karmasin betont, dass ehrenamtlich engagierte Menschen – in Vereinen, sozialen Einrichtungen, Kultur, Sport, Kirche oder auch in der Kommunalpolitik – maßgeblich dazu beitragen, aus einer reinen Einwohnerschaft eine lebendige Gemeinschaft zu formen. Dass dieser Neujahrsempfang bewusst offen gestaltet sei und Ehrenpreise für bürgerschaftliches Engagement verlieh, wertete er als wichtiges Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung.
Abschließend verwies Karmasin auf die schwierigen Rahmenbedingungen der kommenden Jahre – von der kommunalen Finanzlage über Krankenhausreformen bis hin zu tiefgreifenden Transformationsprozessen. Gerade in dieser Situation seien Erfahrung, Vernetzung und Zusammenarbeit entscheidend.
Bürgermeister Hans Seidl: Einladung Verantwortung zu übernehmen Im Mittelpunkt des Grußwortes von Maisachs Bürgermeister Hans Seidl stand der Appell an gemeinsames Gestalten, Wandel und Zusammenhalt. Seidl machte deutlich, dass das neue Jahr kein Selbstläufer ist, sondern eine Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Gemeinde aktiv mitzuprägen. Wohlstand, Lebensqualität und Sicherheit seien kein Naturgesetz, sondern Ergebnis von Bereitschaft zur Veränderung, Mut und gemeinsamer Anstrengung.
Der Bürgermeister ordnete seine Rede in eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und globaler Umbrüche ein. Wandel sei unausweichlich, zugleich aber auch Chance, sich weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen. Entscheidend sei dabei, offen für Veränderung zu bleiben, ohne die eigenen Werte und Traditionen zu verlieren. Diese seien das Fundament, das Halt und Orientierung gebe – gerade in unsicheren Zeiten.
Besonders hob Seidl die Stärke der Gemeinde Maisach mit ihren sechs Ortsteilen hervor. Deren gewachsene Identitäten, Vereine und das ausgeprägte Miteinander seien das tragende Wurzelgeflecht der Gemeinde und Quelle ihrer Vielfalt und Stabilität. Eine geeinte, starke Kommune sei Voraussetzung, um Herausforderungen wie Energieversorgung, Infrastruktur, soziale Aufgaben und nachhaltige Entwicklung erfolgreich zu bewältigen.
Seidl betonte die Bedeutung eines verantwortungsvollen Wachstums. Nur eine wirtschaftlich starke Gemeinde könne in Schulen, Kindergärten, Feuerwehr, Verkehr, Klima- und Artenschutz sowie die Energiewende investieren und damit langfristig Wohlstand sichern. Gleichzeitig mahnte er, soziale Grundwerte zu bewahren und Familien sowie Seniorinnen und Senioren besondere Wertschätzung entgegenzubringen.
Ehrenpreise an Irene Lilly Schmid und Alfons Strähuber Die Laudationes der Ehrenpreise der CSU Maisach machten deutlich, warum der Preis inzwischen in drei Kategorien vergeben wird: Das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde sei so vielfältig und stark, dass eine einzelne Auszeichnung dem Einsatz vieler Menschen nicht mehr gerecht würde. Mit den Ehrenpreisen sollen herausragende Leistungen sichtbar gemacht und gewürdigt werden.
In der Kategorie Förderung von Angeboten für Kinder und Heranwachsende wurde Irene Lilly Schmid vom Verein Hühnerleiter Theater für Kinder e. V. aus Maisach ausgezeichnet. In der Laudatio von Evi Huttenloher wurde das Kindertheater als kulturelle Institution gewürdigt, die es seit Jahrzehnten schafft, schon die Jüngsten mit hoher künstlerischer Qualität zu begeistern. Seit den frühen 1990er-Jahren bringe die Hühnerleiter regelmäßig professionelles Kindertheater in die Gemeinde und leiste damit nachhaltige kulturelle Bildungsarbeit. Besonders hervorgehoben wurden die Leidenschaft, Kontinuität und das persönliche Engagement der Vorsitzenden Lilli Schmid und ihres Teams, die trotz geringer finanzieller Mittel ein anspruchsvolles Programm ermöglichen und damit Kultur „vor der Haustür“ schaffen.
Der Ehrenpreis in der Kategorie Förderung von Kultur und Sport ging an Alfons Strähuber. In seiner Laudatio würdigte Franz Kellerer ein außergewöhnliches Lebenswerk: Über mehr als sechs Jahrzehnte prägte Alfons Strähhuber als Chorleiter das kirchenmusikalische Leben in Germerswang und darüber hinaus. Sein Verdienst liege nicht nur in Konzerten, Festmessen und besonderen Veranstaltungen, sondern vor allem in der kontinuierlichen, oft unsichtbaren Arbeit mit Amateurmusikerinnen und -musikern. Mit Geduld, Motivation, musikalischem Anspruch und menschlicher Führung schuf er über Jahrzehnte eine lebendige, tragfähige Chorgemeinschaft und wurde zu einer prägenden kulturellen Persönlichkeit der Gemeinde und des Landkreises.
Ehrenpreise an Christine und Karlheinz Wenhart und Lorenz Schanderl Beim Neujahrsempfang 2026 der CSU Maisach wurde der Ehrenpreis in der Kategorie „Lebenswerk“ gleich zweimal vergeben. Damit würdigt die Jury bewusst das außergewöhnliche, jahrzehntelange Engagement von Persönlichkeiten, die das kulturelle und sportliche Leben der Gemeinde nachhaltig geprägt haben.
Der Ehrenpreis für das Lebenswerk im kulturellen Ortsleben ging an Christine und Karlheinz Wenhart. In der Laudatio von Gaby Rappenglitz wurde ihr gemeinsames Wirken als beispielhaftes Engagement für Gernlinden beschrieben. Seit ihrer Jugend seien beide tief im örtlichen Vereinsleben verwurzelt. Über mehr als fünf Jahrzehnte prägten sie insbesondere die Heimatbühne Gernlinden, den Fasching, die Kindergarde, das Kartell der Ortsvereine sowie zahlreiche Feste und Veranstaltungen. Christina Wenhart engagierte sich über Jahrzehnte als Schauspielerin, Regisseurin und Vorsitzende der Heimatbühne, während Karlheinz Wenhart mit Organisationstalent, handwerklichem Einsatz und technischer Kompetenz viele Projekte maßgeblich unterstützte – vom Bühnenbau bis zum Bau des Gerätehauses. Gemeinsam legten sie zudem den Grundstein für das heutige Dorffest in Gernlinden und weitere kulturelle Höhepunkte. Ihr Lebenswerk stehe für Gemeinschaftssinn, Gastfreundschaft und kulturelle Identität.
Der zweite Ehrenpreis in der Kategorie Lebenswerk – Bereich Sport wurde an Lorenz Schanderl verliehen. In der Laudatio von Alfred Hirsch wurde Schanderls außergewöhnliche Verbundenheit mit dem SC Maisach hervorgehoben, dem er seit 1965 angehört. Über 60 Jahre engagierte er sich in nahezu allen Funktionen des Vereins: als Spieler, Jugendtrainer, Abteilungsleiter, Kassierer, zweiter Vorstand und schließlich zwanzig Jahre lang als erster Vorstand. Unter seiner Verantwortung wurden sportliche Erfolge gefeiert, große Veranstaltungen organisiert, das Vereinsheim saniert, neue Sportanlagen geschaffen und das 100-jährige Vereinsjubiläum realisiert. 2025 wurde er zum Ehrenpräsidenten des SC Maisach ernannt. Besonders betont werden seine Führungsstärke, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und seine Fähigkeit, Menschen für den Verein zu begeistern.
Und natürlich musste ich fürs Ego auch ein Bild mit der Festrednerin haben:
Was zum Himmel stimmt mit manchen Menschen nicht?! Da steht sie – orangefarben, freundlich, übergroß und mit einem Lächeln, das seit über 50 Jahren Generationen von Kindern durch die Kindheit begleitet – die Maus. Und jemand zündet sie einfach an. Die Maus! Nicht ein Verkehrsschild, nicht eine Mülltonne, nicht ein Werbeplakat – die Maus. Ein Symbol für Bildung, Neugier, Freundlichkeit. Ein Wesen, das nie jemandem wehgetan hat. Und doch fällt sie einem feigen Akt von Vandalismus zum Opfer. Mir platzt der Kragen.
Wie abgestumpft muss man sein, um so etwas zu tun? Wer hat so wenig Respekt vor all dem, was die Maus verkörpert? Diese Figur steht für all das, was in dieser Welt noch gut ist – für kindliches Staunen, für Zusammenhalt, für Verständlichkeit in einer oft viel zu komplizierten Welt. Und nun steht da eine verkohlte Maus – weil jemand offenbar meinte, das sei ein passendes Ziel für Frust, Langeweile oder stumpfe Zerstörungswut.
Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist ein Anschlag auf unsere Kindheitserinnerungen, auf ein kulturelles Erbe. Man zündet kein Stück Herz an. Und das ist die Maus: Herz, Wärme, Verlässlichkeit. Für viele Kinder, auch für ich, war die Maus der erste Kontakt mit Wissenschaft, Technik, Sprache – liebevoll erklärt, nie von oben herab, immer mit Respekt für das kindliche Denken. Und jetzt steht da nur eine angebrannte Maus.
Es ist nicht einfach nur eine Statue. Es ist ein Ort, zu dem Kinder mit leuchtenden Augen kamen, wo Familien Fotos machten, wo Passanten kurz stehenblieben, lächelten, und sich an ihre eigene Kindheit erinnerten. Und ein Idiot hat beschlossen, das alles soll in Flammen aufgehen.
Nein, das dürfen wir nicht hinnehmen. Es reicht nicht, einfach nur betroffen zu sein. Wir sollten wütend sein. Wütend über die Respektlosigkeit, über diese Herzlosigkeit, über einen Angriff auf das, was uns alle als Gesellschaft miteinander verbindet: unsere gemeinsame Erinnerung an das Staunen und Lernen mit der Maus.
Was bleibt? Unsere Entschlossenheit. Die Maus wird zurückkommen. Bunter, schöner, stärker als je zuvor. Denn das, wofür sie steht, lässt sich nicht verbrennen. Aber vergessen dürfen wir diesen Angriff nicht. Es war mehr als Sachbeschädigung. Es war ein Schlag ins Herz unserer Kindheit. Ich hoffe, dass der oder die Täter gefasst werden.
Nach dem Brand der Maus-Figur vor dem WDR in der Kölner Innenstadt soll die Maus jetzt ganz schnell wieder gesund werden: „Viele Maus-Fans haben bereits Erste Hilfe geleistet und Pflaster geklebt. In den nächsten Tagen schicken wir sie dann in eine längere Kur, damit die Brandwunden gut versorgt werden können. Die Maus kommt auf jeden Fall so schnell wie möglich wieder“, verspricht Matthias Körnich, Leiter des Kinderprogramms.
Noch ist es ein trauriges Bild: Die beliebte Figur ist am rechten Arm und im Gesicht stark verkohlt. Nicht nur Pflaster symbolisieren die Anteilnahme, auch über die sozialen Medien erreichen die Maus viele liebe Genesungswünsche, darunter auch von der Seamstraße.
Egal ob Schule, Job oder soziale Kontakte: die zunehmend online verbrachte Zeit bringt Herausforderungen für Verbraucher mit sich – insbesondere was IT-Sicherheit und Datenschutz anbelangt. Gerade jetzt im Ukraine-Krieg ist Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation.
Mediennutzung haufenweise
Für diese Medienkompetenz gibt es einen bestimmten Tag Jetzt liegt der Safer Internet Day am 8. Februar hinter uns, aber mich ist jeder Vortrag ein Safer Internet Day, denn die Herausforderungen lauern jeden Tag in den Familien. Wie stark das Thema „Digitale Gewohnheiten“ den Alltag von Familien prägt, zeigen die Ergebnisse einer Studie aus 2021 von Kaspersky: Laut 39 Prozent der befragten Eltern in Europa erhalten Kinder das erste digitale Gerät bereits im Alter von sieben Jahren oder jünger. Sieben von zehn Kindern in Europa verbringen damit mehr als zwei Stunden pro Tag, etwa ein Fünftel sogar mehr als fünf Stunden.
Meine Online-Seminare zur Mediennutzung
Wie groß der Einfluss von Eltern auf Kinder hinsichtlich der Digitalnutzung ist, zeigt die Kaspersky-Studie: Kinder, deren Eltern beim Essen nicht auf Smartphone und Co. verzichten können, widmen sich elektronischen Geräten pro Tag 39 Minuten länger als Kinder, deren Eltern darauf verzichten. Wenn Eltern des Öfteren laute Telefonate in der Öffentlichkeit führen, ergibt das bei Kindern 53 Minuten mehr als bei Kindern, deren Eltern dies nicht tun. Während fast alle Eltern die Gerätenutzung ihres Nachwuchses regulieren möchten, bekennt dabei eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) der Befragten im Umgang mit digitalen Geräten selbst nicht immer vorbildlich zu sein und sich an die den eigenen Kindern gesetzten Regeln auch selbst zu halten. Da muss ich mich auch an die eigene Nase fassen. Zwar sind meine Kinder schon groß, aber ich ertappe mich selbst immer wieder mit starker Mediennutzung, erst in der Pandemie und nun als Informationsjunkie im Ukraine-Krieg. Kaspersky hat dazu auch einen sinnvollen Beitrag zur Mediennutzung ins Netz gestellt. Die Seite nennt sich shareaware-hub und ich verweise immer wieder gerne in meinen Vorträgen auf diese Materialien. „Angesichts steigender Online-Zeit und der hohen Relevanz von Social Media, vor allem in jüngeren Altersgruppen, möchten wir mit unserem Kaspersky #ShareAware Hub einen Ort im Netz bieten, an dem Familien sich gemeinsam und auf spielerische Weise mit dem Thema Cybersicherheit und Datenschutz auseinandersetzen können. So können beispielsweise über ein Quiz Einsichten in die eigenen Digital-Gewohnheiten gewonnen werden“, so Anne Mickler, Pressesprecherin bei Kaspersky. Die Frau hat recht. Also ruhig mal einen Blick riskieren und sein eigenes Verhalten überprüfen.
Hier ein paar Tipps Folgende Empfehlungen der Sicherheits-Experten von Kaspersky können erste Anhaltspunkte für Eltern sein, um für sich selbst und ihre Kinder eine effektivere Online-Sicherheit und einen höheren Datenschutz zu erreichen. Zudem gebe ich in meinem wöchentlichen Newsletter Hinweise. . Nachwuchs von Beginn an begleiten: Je früher Kinder online gehen, desto stärker müssen sie dabei von ihren Eltern begleitet werden. So lässt sich am besten rechtzeitig und beispielhaft erklären, wo im Internet überall Gefahren lauern, und warum man bestimmte Dinge wie persönliche Daten besser nicht preisgibt. . Soziale Medien mit Augenmaß nutzen: Für Eltern wie Kinder gilt die goldene Regel „Vor dem Posten Kopf einschalten“. Vor der Veröffentlichung also daran denken, wer alles Zugriff auf geteilte Information haben könnte und welcher Eindruck damit hinterlassen wird. . Grenzen setzen: Kinder brauchen Struktur. Dazu gehört auch das Setzen altersgerechter Grenzen für den Umgang mit digitalen Geräten, zeitlich wie auch inhaltlich. Die Installation einer Kindersicherungssoftware leistet hier wertvolle Unterstützung. . Selbst Vorbild sein: Regeln sind nur insoweit sinnvoll, wie sich alle daranhalten; das gilt auch für die erwachsenen Familienmitglieder. . Online ist nicht das ganze Leben: Wenn Fernunterricht oder Home-Office zur Daueranstrengung werden, ist es besonders wichtig, sich Offline-Pausen zu gönnen – ab Besten gemeinsam mit der Familie und mit Bewegung an der frischen Luft. Das macht den Kopf frei und sorgt für Entspannung.