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Holocaust-Gedenktag 2019: Auschwitz in 360 Grad

27. Januar 2019
Foto: Lange

Foto: Lange

Heute ist der Holocaust Gedenktag und bei einem Spaziergang dachte ich über dieses und andere Verbrechen der Nazis nach. Ich erinnerte mich an meinen Besuch in Auschwitz und welche Gefühle des Schreckens damals bei mir zu Tage kamen. Ich habe in der Schule und in meinem privaten Umfeld viel über Auschwitz und die Gräuel gehört, aber selbst an dem Ort des Verbrechens zu sein, ist noch einmal etwas anderes. Nie wieder, nie wieder darf sich so etwas wiederholen und nie dürfen wir vergessen. Gerade dem Erstarken des Nationalismus muss sich jeder Demokrat und jeder Mensch entschlossen entgegen stellen. 

Foto: Lange

Foto: Lange

Bei meinen Gedanken über Auschwitz kam mir ein Besuch der re:publica 2017 in den Sinn. Diese Social-Media-Messe re17 stand damals unter dem Motto Love out loud. Am letzten Messetag wanderte ich mit einer Freundin durch die Hallen und wir kamen zu einer Aktionsbühne, hörten uns auf Kissen Vorträge an und genossen den Tag. Im ersten Stock gab es zahlreiche VR-Vorführungen. Ich mag das Thema VR, drehe selbst 360 Grad Videos und es galt die coolen Sachen auszuprobieren. Dann kamen wir zum Stand des WDR. Dort war es mit dem Fun und der Coolness vorbei. Es gab die 360 Grad Version von Auschwitz. 

Zu sehen gab es die Doku Inside Auschwitz, die 2017 für den Grimme Preis normiert war. Der WDR zeigt mit seiner 360-Grad Dokumentation eine neue Sichtweise auf das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Ein Journalisten-Team besuchte den historischen Ort und erzählt die Geschichten von drei überlebenden Frauen.

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 veröffentlichte der WDR die weltweit erste 360°-Doku über das größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Der User kann seine eigene Perspektive wählen, um die Monstrosität des Lagers zu erfassen.

Ich habe es ausprobiert und war erschüttert. Die Gefühle von meinem Besuch in Auschwitz kamen wieder hoch und am heutigen Tag habe ich mir die zehnminütige Dokumentation nochmals angesehen. Niemals dürfen wir vergessen.

 

 

Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr ist tot

19. Juli 2014
Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr und seine Orion Mannschaft

Commander Cliff Allister McLane alias Dietmar Schönherr und seine Orion Mannschaft

Als meine Eltern Raumschiff Orion damals an unserem Grundig-Fernseher geschaut haben, hab ich mich an der Tür zum Wohnzimmer versteckt und hab mitgefiebert. Mit Commander Cliff Allister McLane begann meine Liebe zu Science Fiction, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Nun ist Commander McLane alias Dietmar Schönherr im stolzen Alter von 88 Jahren zu den Sternen abgeflogen und ich habe mir an seinem Todestag bei Amazon Instant Video alle phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion und der Raumpatrouille reingezogen. Irgendwie war Dietmar Schönherr eine Art deutscher Captain Kirk, der erst später bei uns über die Bildschirme flimmerte: Ein harter Hund, humorvoll und ein Herzensbrecher, aber mit Charakter – so müssen Piloten im Jahr 3000 sein. Schönherr hat noch viele Sachen gemacht, war TV-Talker und Friedensaktivist. Für mich war er immer Commander Cliff Allister McLane.

Die Bibel zur Orion.

Die Bibel zur Orion.

Und ich entdeckte in meinen Archiv die Bibel zur Raumpatrouille. Es handelt sich um das Buch Raumpatrouille aus dem Hause Schwarzkopf & Schwarzkopf, das ich mir bei Erscheinen als Fan sofort gekauft und verschlungen habe. So muss ein Filmbuch für Filmfreunde sein. Dieses Buch von Josef Hilger umfasst alles, und wenn ich schreibe alles, dann meine ich alles zum Thema Raumpatrouille. Josef Hilger ist ein Besessener und das meine ich mit allem Respekt. Er sammelte und archivierte alles zum Thema Raumschiff Orion und sein exzellentes Archiv legte die Basis für dieses Buch.

Es sind die vielen Details, die die Serie und damit das Buch so ausmachen. Krativität stand an erster Stelle und obwohl der WDR die Serie aufwendig inszenierte, wurde immer wieder improvisiert. Natürlich sind die Wasserhähne und Bügeleisen in den Raumschiffen als Steuergeräte heute jeden in Erinnerung. Aber auch die coole Kostüme und vor allem die Tänze in dem Starlight-Casino. Das hatte schon Stil und war vor allem stilprägend.

Gedreht wurde bei mir ganz in der Nähe bei der Bavaria Film in Geiselgasteig. Wer heute den Filmpark besucht, bekommt von der Orion allerdings nichts mehr zu sehen. Der muss auf jeden Fall zu dem Buch von Josef Hilger greifen, der umfangreiches Material von der Bavaria Film gesammelt hat. Neidisch bin ich unter anderem auf die Original-Presseaussendungen des Studios.

Soundtrack mit Autogramm.

Soundtrack mit Autogramm.

Geblieben sind auch die Kompositionen des Komponisten Peter Thomas. Sein Soundtrack Raumpatrouille Orion rundete die Serie ab. Meine Eltern hatten sogar die Titelmelodie als Single. Die Musik war wie die ganze Serie futuristisch, im so genannten New Astronautic Sound. 2003 wurde das Album mit Bonustracks auf CD veröffentlicht, die ich jedem Sammler zu kaufen rate. Irgendwo liegt im Archiv bei mir noch eine siginierte CD Raumpatrouille Orion herum, die auf 500 Exemplaren limiert war. Die Musik von Edgar Wallace- und Jerry Cotton-Mann Peter Thomas kommt heute bei mir vom Musikserver.

Und ich erinnere mich gerne an die Zeilen: Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.

 

Tolkiens Der Hobbit auf Vinyl

22. Oktober 2013

LP1

Das Thema Vinyl ist eigentlich bei mir durch. Bis auf ein paar Singles für die Juxebox kaufe ich keine Schallplatten mehr. Eigentlich. Aber es gibt Ausnahmen, denn ich habe ja noch drei vollfunktionstüchtige Schallplattenspieler, die ab und zu Futter brauchen. Mein neuester Kauf ist eine kleine Liebhaberei. Ich habe mir die limitierte Vinyl-Box vom Der Hobbit angeschafft.

Ursprünglich sollte die Box mit sechs 180 Gramm schweren LPs in einer Auflage von 500 Exemplaren herauskommen. Der Münchner Hörverlag war über die Resonanz wohl selbst überrascht und erhöhte die Auflage schnell mal auf 7000 Stück und die gehen weg wie warme Semmeln.

Da gilt es für den Sammler aus Mittelerde schnell zuzuschlagen. Natürlich gibt es nichts neues, denn die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1980 und wurde schon lange auf CD veröffentlicht. Es handelt sich um das Hörspiel des WDR, das die zuständige Redakteurin Ingeborg Oehme-Tröndle zusammen mit Hörspielregisseur Heinz Dieter Köhler produziert hat. Das Teil hat nun mehr fast 35 Jahre auf dem Rücken und wirkt ein wenig angestaubt. Heutige Hörspiele klingen flotter, voller, schneller und bombastischer. Aber es hat auch seine unvergleichlichen Höhepunkte. Ich liebe beispielsweise den Auftritt von Wolfgang Spier als Ballin und vor allem die Gollum-Interpretation des legendären Jürgen von Manger. Es ist eben ein Spiel der Stimmen und die musikalischen Einlagen sind dezent. Es ist eine gelungene Inszenierung der Stimmen. Es ist nicht Peter Jacksons VFX-Kracher als Hörspiel. Wer dies erwartet, der wird massiv enttäuscht. Es ist ein Kammerspiel, das seine Wirkung durch ausgebildete Sprecher erzielt. Und die zwingen den Zuhörer wirklich zum Zuhören und sich auf das Einlassen der Stimmen. Beim Hören sollte man schließlich immer bedenken: Das Teil wurde für das Radio produziert.

Für mich als Herr der Ringe-Fan der frühen Jahre verstärkt die Vinyl-Ausgabe Der Hobbit nochmals den Reiz vergangener Tage. Ich habe mir gerne das Hörspiel zweimal auf LP angehört und bin dann dazu übergegangen, dass Hörspiel auf CD für unterwegs als mp3 zu rippen.

LP2

Lemmi und die Schmöker setzte auf die Rohrpost

15. April 2009

Meine Frau und ich unterhielten uns vor kurzem über die Rohrpost. Als sie noch bei Lufthansa gearbeitet hatte, gab es so ein System und auch beim mir in meiner frühen Zeit beim Münchner Merkur hatten wir eine Rohrpost, die sich durchs Haus zog. Ich glaube in Berlin war das größte deutsche Rohrpostsystem gegen 1876.

Berlin war sicherlich wichtig, aber wir beide erinnerten uns ans das einschneidenste Rohrpostsystem unserer Kindheit. Das kam in der WDR-Serie „Lemmi und die Schmöker“ vor die von 1973 bis 1983 über die Bildschirme flimmerte. Wenn ich ehrlich bin, war das mein Zugang zur Kinder- und Jugendliteratur. Lemmi war eine launische Stricksocke, die Bücher kommentierte. Es wurde pro Sendung nur ein Buch mit Filmausschnitten vorgestellt. In einem schrecklichen Bluebox-Verfahren kletterten Schauspieler aus dem Buch und spielten Szenen des Buches nach. So erfuhren wir als junge Zuschauer, um was es in dem Buch ging und bekamen Lust auf mehr. Es war so eine Art literarische Quartett für Kinder und Jugendliche und Marcel Reich-Ranicki war die Socke Lemmi, auch immer gut für einen guten Spruch. Die Figur hatte übrigens ähnlich wie zu Guttenberg einige Vornamen: Balduin Percy Hannibal Lehmann. Lemmi wurde erfunden von Friedrich Arndt und gestrickt von seiner Ehefrau. Das sparte dem WDR-Produktionskosten. Später war Lemmi dann aus Schaumstoff und hatte eine Glatze.

Ich erinnere mich noch an Episoden über „Momo“ von Michael Ende und „Das Gespenst von Canterville“. Die „Momo“-Folgen entdeckte ich vor kurzem bei YouTube und habe sie genossen. Es stellte sich da übrigens heraus, dass die Rohrpost in Wahrheit gar keine Rohrpost war, sondern ein Telelift-System mit dem Bücher transportiert werden konnten. Ist aber egal, für mich bleibt es eine Rohrpost. 

Peter Scholl-Latour war Wegbereiter der „Sendung mit der Maus“

11. März 2009

Ein Sympathieträger ist er nicht gerade, aber kantig, schön kantig. Dieser Tage wurde ein journalistisches Urgestein 85. Jahre: Peter Scholl-Latour. Er feierte am 9. März Geburtstag. Ich gratuliere ganz herzlich dem Publizisten.

Scholl-Latours Bücher und auch die Filme haben mit gefesselt und sicherlich dazu beigetragen, dass ich den Journalistenberuf ergriff. Mein erstes Buch von ihm war „Der Tod im Reisfeld“ über den Krieg in Indochina, wie Vietnam früher hieß. Dann gab es Bücher und Filme wie „Schwert des Islam“, in dem er der westlichen Welt die östliche Denkweise beschrieb. Er hat bislang 29 Bücher geschrieben, die meisten davon habe ich zu Hause. Viele Ereignisse sieht er aus der französischen Brille.

Sein Werk war nie sonderlich optimistisch. Vielleicht liegt es daran, dass Scholl-Latour schon vieles, vielleicht zu viel gesehen hat. Er war kämpfender Soldat und kämpfte als Fallschirmjäger in der französischen Armee in Asien. Das war kein Zuckerlecken. Dann entschied er sich für den Journalistenberuf. Unbekannt ist den meisten, dass er auch auf der anderen Seite des Scheibtisches zu finden war. 1954 und 1955 war er Sprecher der Regierung des Saarlandes und gut, dass er nur zwei Jahre im öffentlichen Dienst blieb. Später als WDR-Fernsehdirektor führte Scholl-Latour dann die „Lach- und Sachgeschichten“ ein, die zur „Sendung mit der Maus“ wurden. Cool, der harte Knochen war Wegbereiter des Kinderfernsehens.

 Heute ist er ein scharfer Kritiker und immer gut für eine Talkshow, wenn es hart zur Sache geht. Er ist ein Mann des offenen Wortes. Und er ist nicht der klassische Schicki-Micki-Journalist, der auf Partys herumhängt und einem das Ohr abkaut. Dafür ist Scholl-Latour sich und uns zu schade. Allerdings zieht er manchmal kräftig vom Leder, wenn ein junger forscher Kollege eine These aufstellt und sie nicht ins Weltbild von Scholl-Latour passt. Dann gibt es die Hucke voll. Er gilt als klarer Konservativer, gab der rechtsaußen „Jungen Freiheit“ zahlreiche Interviews und bekam auch 2008 den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizisten.