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Autokino in Fürstenfeldbruck

29. Mai 2020
Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Aufbau des Autokinos Fürstenfeldbruck.

Gleich vorweg: Ich liebe Kino. Ich mag diesen magischen Ort der Träume, der Sehnsüchte. Ich mag das Gefühl gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu fiebern oder erschreckt zu werden. Ich genieße die gesamte Atmosphäre, die Spannung auf den Film, wenn sich der Vorhang öffnet. Nun, durch Corona ist damit Schluss und wenn in Bayern die Kinos am 15. Juni wieder offiziell öffnen dürfen, wird es nicht dieselbe Atmosphäre sein – und es werden die Filme fehlen, weil Filme bundesweit bzw. weltweit starten und nicht auf Kinoöffnungen der einzelnen Bundesländer warten. Berlin öffnet seine Kinos am 2. Juni.
Ein Rettungsanker für die finanziell angeschlagene Branche sind Autokinos, die jetzt aus dem Boden gestampft werden. Ein gutgemeinter Akt der Verzweiflung in schlimmen Tagen. Das letzte Mal, dass ich mir im Autokino einen Film ansah, war die Deutschlandpremiere von Cars im September 2006. Regisseur John Lasseter und die Synchronsprecher wurden mit einem lauten Hupkonzert gefeiert. Das Konzept des Autokinos kommt aus den USA. 1933 lief der erste Film in einem Autokino in Camden, New Jersey. Die Hochphase des Autokinos war in den 50er und 60er Jahren.

Auch bei uns wird es wieder ein Autokino geben. In der Kreisstadt Fürstenfeldbruck wurde auf dem Volksfestplatz eine Leinwand aufgebaut und ab 29. Mai soll es losgehen. Das Autokino FFB läuft täglich bis 11. Juli. Karten gibt es aufgrund Corona nur online.


Der erste Teil des Programms bis 14. Juni wurde veröffentlicht. Das Problem ist: Der mangelnde Content.
Die gezeigten Filme sind bereits über die Leinwand geflimmert. Natürlich gibt es keine neuen Filme und so haben es die Programmmacher schwer, Filme zu finden, die publikumswirksam sind und den Volksfestplatz voll machen. 19 Euro pro Auto kostet der Eintritt für alten Content, den ich bereits gesehen habe. Eine echte Zwickmühle für alle Beteiligten. Ich hätte mich über Rennfilme wie LeMans, LeMan 66, Rush, Cars oder unbedingt American Graffiti gefreut – aber die sind bisher nicht vorgesehen.
Als Filmfan würde ich mir vielleicht the Big Lebowski von 1998 (!) ansehen, weil ich den Dude und den Film Noir gut finde. Aber nur, wenn ich mit meinem Auto weit vorne bin. Der Volksfestplatz in Fürstenfeldbruck ist keine Theresienwiese, aber wenn ich mit einem Auto hinten stehe, dann ist die imposante Leinwand doch gar klein. Dann kann ich mir den Film auch auf dem iPad ansehen. Immer wenn ich Papataxi bin und auf meine musikalischen Kinder warte, die beim Unterricht sind, habe ich meine spezielle Form von Autokino. Ich schau mir am iPad Pro einen Film an. Autokino mit klasse Bild und klasse Ton. Hab ich das wirklich beim realen Autokino auch, wenn ich den Sound über UKW empfange? Der Filmton wird direkt ins Radio des Autos übertragen. Die UKW-Frequenz lautet 90,4 MHz. Ich würde den Sound am Smartphone mit einer Radioapp empfangen und Blauzahn-Boxen mitnehmen, damit ich das Radio auslassen, Autobatterie sparen und guten Sound genießen kann. Laut Bundesnetzagentur gibt es derzeit so viele Anträge auf die Erteilung von Frequenzen für Autokinos wie noch nie. 39 allein für Bayern.
Interessant ist aber bei uns in Fürstenfeldbruck das Politikum, das sich bei der Vergabe für das Autokino abgespielt hat. Es gibt zwei Kinos am Ort, die sich beide für die Veranstaltung beworben haben. Ein Kino wird von München aus betrieben, ein zweites von einer lokalen Unternehmerin. Meiner Meinung nach wäre es die Aufgabe der Stadt gewesen, dem örtlichen Gewerbetreibenden und Gewerbesteuerzahler den Zuschlag zu erteilen. Am Kino hängen 40 Mitarbeiter dran, die in Kurzarbeit sind. Das ist nicht der Fall. Der Münchner Betreiber bekam den Zuschlag und der Verein, der dem Kino nahesteht, sucht jetzt freiwillige Helfer, die Platzanweiser machen oder plakatieren. Ich selbst bin bei diesem Verein Mitglied.

Aber was mich noch mehr beschäftigt: Die Stadt hat einen großen Etat für Volksfeste, Altstadtfeste usw., der aufgrund Corona nicht ausgeschöpft wird. Warum organisiert die Stadt nicht das Autokino als kulturelle Aufgabe für die Bevölkerung und beauftragt die beiden örtlichen Kinos mit der Durchführung? Das wäre Kulturförderung im wahrsten Sinne des Wortes. So muss in Corona-Zeiten bei leeren Kassen von privater Seite wieder investiert werden. Das ist aus meiner Sicht komplett verfehlte Kulturpolitik und ein Armutszeugnis für meine ehemalige Heimatstadt und die politisch Verantwortlichen.
Übrigens: Hupen im Autokino Fürstenfeldbruck verboten. Dennoch wünsche ich den Besuchern viel Spaß.

Zur Transparenz: Ich bin Mitglied in der IG Lichtspielhaus und habe bis Juli 2019 den Blog des Scala-Kinos betrieben. Und dieses nette Bild Vom WDR wollte ich nicht vorenthalten:

 

Corona-Virus: Tag 13 der Ausgangsbeschränkung – Wie wichtig der Regenbogen für uns alle ist

3. April 2020

Wie wichtig Symbole sind, zeigt sich in der derzeitig Corona-Krise auch bei uns im Dorf Maisach im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck. Wer genau hinschaut und aufmerksam durchs Dorf läuft, sieht diese Symbole: Es sind kleine Regenbogenbilder mit dem Spruch „alles wird gut“.


Kinder malen diese Regenbogenbilder und hängen sie ans Fenster. Die Symbole machen uns und den Kindern Mut in diesen schwierigen Tagen der Ausgangsbeschränkung. Unter dem #RegenbogenGegenCorona teilen die Eltern die Werke auf Twitter, Instgram oder Facebook. Das passiert auch bei uns im Dorf und ich finde es ein schönes Symbol der Hoffnung und der Freude. Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute mitmachen und mir ihre Regenbogenfotos senden. Gerne veröffentliche ich sie in diesem Blog. Einfach mailen oder als Kommentar in soziale Netzwerke – bitte achtet aber das Persönlichkeitsrecht.


Ich habe von Mamas und Papas aus der Nachbarschaft gehört, dass auch einige Kindergärten Malvorlagen und Anregungen verschicken, damit die Aktion Fahrt aufnimmt. Ich finde es prima. Bei mir zu Hause hat ein Kind den Regenbogen am Grafiktablett gezeichnet – wir sind eher eine digitale Familie.


Die Regenbogen an den Fenstern zeigen selbst kleinen Kindern, dass auch in anderen Häusern Kinder wohnen, die wegen der Coronapandemie zuhause bleiben müssen.
Kinder in Italien und Spanien sollen die Ersten gewesen sein, die Regenbogen gegen Corona gemalt haben. Deutschland, Bayern und auch Maisach machen da mit – und das ist schön.

Und hier die ersten eingesandten Fotos – vielen Dank

 

 

Corona-Virus: Tag 7 der Ausgangsbeschränkung – Maisach hinter Plexiglas

28. März 2020

Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie zu Hause – vor allem wenn Sie zu den betroffenen Risikogruppen gehören, dann sollten Sie nicht zum Einkaufen gehen. Das dürfte doch nicht so schwer sein. Es gibt genügend hilfsbereite Mitmenschen in der Gemeinde Maisach, die Besorgungen machen.
Wer zum Einkaufen in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geht, stellt aber fest, dass sich Läden optisch verändert haben. Zum einen heißt es ganz klar Abstand halten. Zum anderen haben viele Geschäfte Plexiglasscheiben aufgebaut, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Ein bisschen Glaskäfig, aber egal. Plexiglas beim Edeka.

Beispielsweise hat Toni Leich vom Edeka in Maisach Plexiglaskästen für seine Kassenkräfte aufgebaut. Auf bei der Fleisch- und Wursttheke sind die freundlichen Mitarbeiter hinter Glas. Es sieht ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, dient aber zum Schutz. Zudem tragen die Kassenkräfte jetzt auch Handschuhe. Da ich in der Regel kontaktlos mit dem iPhone via ApplePay bezahle, sind mir die Änderungen beim bar kassieren erst einmal nicht aufgefallen. Das Geld wird nicht mehr direkt überreicht, sondern kommt in eine orange Schale. Das Wechselgeld kommt wieder in die Schale. So wird der körperliche Kontakt vermieden – gute Idee. Ich bitte alle Gewerbetreibenden im Dorf auf so eine Art von kontaktlosen Bezahlen umzustellen.

Ähnliche Plexiglas-Varianten habe ich in der Birken-Apotheke gesehen. Es dürfen nur noch wenige Leute in die Apotheke. Gerade in so sensiblen Bereichen wie Apotheken oder Arztpraxen begrüße ich solche Schutzvorrichtungen.

Bei einem Lungenarzt in Fürstenfeldbruck habe ich sogar eine Variante mit durchsichtiger Folie gesehen – sieht zwar nicht toll aus, funktioniert aber großartig. Die komplette Rezeption war in Folie verpackt. In Zeiten von Corona muss Design wohl in den Hintergrund treten.


Wir wissen ja, das es wichtig ist, Abstand zu halten. Und so gibt es vermehrt Aufkleber oder Markierungen am Boden, die den Abstand der Kunden einfordern. Im Supermarkt, beim Bäcker, bei Auto Walter  – eigentlich überall. Wenn mir persönlich jemand zu nah auf die Pelle rückt, dann erlaube ich mir freundlich aber entscheiden darauf hinzuweisen. Im großen und ganzen klappt das Einhalten des Abstands in den Geschäften sehr gut. 1,5 Meter sind Pflicht.

Ich war gespannt, wie es auf dem Maisacher Wochenmarkt funktioniert. Als ich nachmittags vorbeischaute, staunte ich über die Disziplin nicht schlecht. Vor den drei Ständen hatten sich Reihen mit großzügigen Abständen gebildet. Es gab kein Gedränge, kein Geschupse oder böse Worte der Hatz. Die Einkäufer brachten Geduld mit. Es entzerrt sich, alle haben Zeit bei der Ausgangsbeschränkung eingeplant. Alles läuft bei uns im Dorf entspannter ab – so soll es sein. Gemeinsam überstehen wir die Krise.

 

Corona-Virus: Tag 6 der Ausgangsbeschränkung – Maisacher Gastronom: Wir kämpfen ums Überleben

27. März 2020
Dampfnudeln vom Gasthof Heinzinger in Rottach. Immer Donnerstags.

Dampfnudeln vom Gasthof Heinzinger in Rottach. Immer Donnerstags.

Gerne bin ich mit meiner Familie oder meinen Foodblogger-Kollegen Thomas Gerlach in der Vergangenheit zum Essen gegangen. Aber in Zeiten von Corona gibt es für die Gastronomie klare Einschränkungen, die der Branche weh tun. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat Ministerpräsident Markus Söder grundlegende Ausgangsbeschränkungen verhängt. Zuvor wurde bereits der Katastrophenfall in Bayern ausgerufen. Seit Samstag, den 21.3., mussten deshalb alle Gastronomiebetriebe schließen, To-Go, Drive-In und Lieferungen sind aber weiterhin möglich.
Ich möchte meine lokalen Gastronomen in der Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck unterstützen – und zudem hab ich von gebunkerten Nudeln und Reis (das war ein Witz) genug.
Einige gastronomische Einrichtungen in Maisach haben ein Lieferangebot bzw. einen Abholservice während der Corona-Krise eingerichtet. Jetzt zeigt es sich, wer rechtzeitig auf die Digitalisierung seines Geschäftsbetriebes gesetzt hat. Die strengen Hygieneregeln in der Gastronomie sind nun wichtiger als je zuvor. Lebensmittel werden aktuell nicht als Überträger von Corona gesehen.
Andere Betriebe haben geschlossen und hoffen auf das Ende der Krise. Meine beiden Lieblingsgriechen, Aleco der Grieche und die liebe Sula von der Sportgaststätte Olympia, haben vorübergehend geschlossen. Auch Deniz Kebap-Haus, mein Döner-Dealer im Dorf, hat die Rollos erst einmal runterlassen.

Ich habe gesehen, dass das Triplico in Maisach eine spezielle Takeaway-Karte eingerichtet hat und Speisen zum Abholen anbietet. Zudem hat das Lokal von 11:30-15 Uhr geöffnet. Lebensmittel, Personal und Geräte können weiterhin sinnvoll genutzt werden. Und auch von vielen anderen Gastronomen höre ich, dass sie sich auf die Krise einstellen, wie die Pizzaria Salerno in Gernlinden (meine Pizzeria als in noch in Gerlinden wohnte) oder Essraum Gernlinden mit Takeaway. Und Alberto verkauft auch to go. Wie mir Klaus Stanke mitteilt, hat das Maisacher Restaurant Ristorante I‘Italiano auch geöffnet.

Mein Lieblingsrestaurant im Gemeindegebiet ist allerdings der Gasthof Heinzinger. Wenn ich anspruchsvolle Gäste habe, lade ich sie zu Denis Kleinknecht zum Steakessen ein. Bei den Steaks setzt er auf Nachhaltigkeit und er legt Wert auf Qualität. Das Roastbeef stammt von der Allgäuer Färse, das Filet vom Simmentaler Biorind, das Filet vom Galizischen Rind, Valles de Leon (21 Tage trocken gereift), das T-Bone vom irish Black Angus (21 Tage trocken gereift), das Tomahawk vom Emsrind (21 Tage trocken gereift).
Aber in Zeiten von Corona hängen die Steaks im Reifeschrank und die wirtschaftlichen Sorgen des Gastronoms sind enorm.
Daher macht Denis Kleinknecht aus der Not eine Tugend und bietet einen Lieferservice an. Zudem verkauft er vorbestellte Speisen vom Fenster in Rottbach aus. Das musste ich ausprobieren und bestellte am Mittwoch für Donnerstag die legendären Dampfnudeln für meine Familie vor. Donnerstag 12:15 Uhr holte ich sie zusammen mit meiner Frau ab. Denis Kleinknecht gab mir aus der Entfernung – Sicherheitsabstand muss sein – folgendes aufschlussreiches Videointerview.

Dabei spricht er über die Lage der Gastronomie, der Zusammenhalt in der Krise. „Wir kämpfen ums Überleben“, so Denis Kleinknecht sehr ernst. Nach Nächten voll Existenzängsten hat er einen Entschluss zum Lieferservice und Fensterverkauf gefasst und eine hochwertige Speisekarte zusammengestellt.

Denis Kleinknecht.

Denis Kleinknecht.

Er braucht wie seine Kollegen den Umsatz, um seine Mitarbeiter vor Kurzarbeit zu bewahren und laufende Kosten zu bedienen. Wie funktioniert es? Alle Sous-Vide-Gerichte (Vakuumbeutel) werden frisch auf Vorbestellung zubereitet und am nächsten Tag gekühlt zum Besteller nach Hause geliefert. Bestellungen können bis 22:00 Uhr angenommen werden. Die Kunden können dann die fertigen Gerichte samt Kochbeutel in einem Wasserbad erhitzen, Beutel aufschneiden und genießen. Haltbarkeit für alle Speisen vier Tage – alle Speisen sind ohne Zusatz- und Konservierungstoffe. Und Denis Kleinknecht berichtet, woher er die selten gewordene Hefe für seine Dampfnudeln bezieht.

Ich würde mich freuen, wenn wir in der Gemeinde an unsere Gastronomie denken und ab und zu mal etwas dort bestellen. Und sonst können wir ja weiter unsere gehamsterten Nudeln essen.

Lesung Jan Birkholz seines Buchs Die Vertriebenen

5. November 2019
Jan Birkholz (r.)

Jan Birkholz (r.)

Vor kurzem fand bei uns in der örtlichen Gemeindebücherei in Maisach im bayerischen Landkreis Fürstenfeld eine humorvolle Lesung statt. Ich mag solche Aktionen, um neue Literatur und neue Leute kennenzulernen. Autor Jan Birkholz hatte seinen Künstlerkumpel Stephan Groß dabei und lasen aus dem Buch „Die Vertriebenen“. Die beiden kennen sich vom Studium aus Berlin und treten immer wieder gemeinsam auf – auch als Musiker.
Das Buch „Die Vertriebenen“ ist noch nicht im Handel erhältlich – wir als Zuhörer waren also eine Art Betatester. Das neue Buch von Jan Birkholz „Der Obermieter“ wurde vergangenes Jahr in Maisach vorgestellt und ist rechtzeitig zur Buchmesse 2019 erschienen.


Ach ja Buchmesse. Ich rechne es dem Autor hoch an, dass er unsere kleine Gemeindebücherei Maisach der großen Frankfurter Buchmesse vorgezogen hat. Erst nach der Lesung in Maisach reiste das Duo nach Frankfurt weiter. Das stellte auch Büchereileiterin Beate Seyschab bei der Vorstellung heraus.

Zur Lesung nahm man mitten in der Bücherei Platz. Links gab es Bücher zur Heimatkunde Fürstenfeldbruck, rechts Literatur zur Pädagogik. Im Hintergrund standen Kochbücher über Saucen, 70 Saucen hatte ich die ganze Zeit im Blick.


Um richtig in Stimmung zu kommen, gab es auch allerhand inspirierende Getränke für die beiden Vortragenden: Eine Flasche Rotkäppchensekt, Augustiner aus dem Glas, mexikanisches Flaschenbier und eine Wasserkaraffe – also gut ausgerüstet für ne Party.

Die gemeinsame Lesung war eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Idee. Jan Birkholz las mit hochgeschobener Brille aus dem Tolino vor, während Stephan Groß vom Papier ablas. Die Geschichte ist ein humorvolles Drama aus dem Pott und durchaus unterhaltsam. Nein, keine große Literatur, aber ein unterhaltsamer Zeitvertreib. Und genau richtig für eine zweistündige Lesung in einer Gemeindebücherei.
Ich habe den Erstlingsroman von Jan Birkholz Deplatziert gelesen, eine wunderbare Studentengeschichte.
Nach der Lesung konnte man die aktuellen Bücher und CDs kaufen und signieren lassen. Ich habe mir vom Duo Jan Birkholz/Stephan Groß die Doppel-CD Das Leck Ferdydurke gekauft. Punk und Dada pur, so wie es sein muss. Hat wirklich Spaß gemacht. Ich habe folgenden Satz über das Werk gelesen, den ich allerdings nicht verstanden habe – klingt aber schon: „DAS LECK ist ein Oxymoron, nicht begreifbar, niemals vorhersehbar, daher unberechenbar und seltsam gefährlich im Sinne einer Rationalisierung des Kompositionsprozesses und der thematischen Verdichtung im Sinne einer Peripherisierung.“

Die nächste Lesung in der Gemeindebücherei Maisach findet am Mittwoch, 6. November 2019, statt. Zu Gast ist um 20 Uhr der Journalist Tim Pröse mit seinem Buch „Samstagabendhelden“. Wenn ich Zeit habe, schaue ich vorbei.

Afrikaladen in Fürstenfeldbruck eröffnet

14. September 2019
Zahlreiche Ehrengäste kamen zur Eröffnung des Afrikaladens in FFB.

Zahlreiche Ehrengäste kamen zur Eröffnung des Afrikaladens in FFB.

Fürstenfeldbruck ist um eine Attraktion reicher: Das Togohaus und Afrikaladen der Aktion PiT Togohilfe ist von Maisach in die Kreisstadt Fürstenfeldbruck umgezogen und stellt sich heute der Öffentlichkeit mit einem Tag der offenen Tür vor.

Ein paar Tage zuvor, gab es die offizielle Eröffnung mit einer Reihe von Ehrengästen, an der Spitze der Brucker Oberbürgermeister Erich Raff. Mit dabei waren unter anderem der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl (gefährlich auf Brucker Flur), der Brucker Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch, der ehemalige deutsche Botschafter in Togo Christoph Sahner sowie Etienne Baritsé, Partner der Aktion PiT Togohilfe im Norden von Togo. Zudem waren anwesend der Maisacher Altbürgermeister Gerhard Landgraf, der auch dem Togoverein angehört, die ehemalige Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner sowie zahlreiche Kreisräte. Auch zahlreiche Mitglieder des Vereins waren dabei. Der kirchliche Segen kam von Diakon Karl Schimmel.

Zum einen stand das neue Togohaus und Afrikaladen am Viehmarktplatz in Fürstenfeldbruck im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, zum anderen natürlich Margret Kopp. Sie ist der Kopf des Vereins, der sich zum größten Togoverein in Deutschland entwickelt hat. 2020 wird der Verein 40 Jahre alt. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Christian und ihrem Sohn Andy, der Togo-Contact leitet und die Reisen nach Togo organisiert sowie den Afrika-Laden betreibt. Andy Kopp beschreibt seine Funktion und den Afrika-Laden so:

„Eine Bereicherung für unseren Viehmarktplatz“ nannte OB Erich Raff das Togohaus.

Der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl erklärte, dass die Gemeinde den Verein „mit etwas Wehmut“ ziehen lassen habe. „Was du geleistet hast, ist phänomenal“, sagte er in Richtung Margret Kopp.

Es gibt Menschen, die mehr tun als sie überhaupt müssten und dazu gehörst du liebe Margret“, sagte der Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch. Es sei Entwicklungshilfe, die wirklich an der Basis ankommt.

Der ehemalige Botschafter in Togo Christoph Sander berichtete, dass Deutschland einen guten Ruf in Afrika habe. Die Togohilfe sei ein Teil der vielen Aktivitäten der Deutschen in der Region. „Das ist ein wichtiger Teil des Images unseres Landes“, so Sander.

Etienne Baritsé, Partner von Aktion PiT Togohilfe im Norden des Landes, dankte Margret Kopp für ihr Engagement.

Und hier noch ein paar Bilder vom Empfang. Wer Lust hat, am Samstag 14. September hat der Afrika Laden einen Tag der offenen Tür mit abwechslungsreichem Programm. Ich werd mal hinschauen und ihr?

Aktion Pit Togohilfe räumt Maisacher Bleibe und eröffnet in FFB

2. September 2019
Die Togohilfe sagt Servus zu Maisach und Hallo zu FFB.

Die Togohilfe sagt Servus zu Maisach und Hallo zu FFB.

Eine Institution sagt leise Servus. Zum 30. August 2019 hat die Aktion Pit Togohilfe ihre Geschäftsräume und Lager in Maisach geräumt. Vor kurzem fand die  Schlüsselübergabe an die Vermieter statt. Künftig ist die Togohilfe in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck am Viehmarktplatz zu finden. 

Über Jahre war die Togohilfe in dem ehemaligen Postgebäude im Zentrum von Maisach. Von hier aus starteten Lkws mit Spenden in das westafrikanische Land. Zudem wurde die Hilfsleistungen und Patenschaften koordiniert. Jetzt wurde das Gebäude besenrein an die Vermieter übergeben. 

Am 12. September 2019 gibt es in den neuen Geschäftsräumen am Viehmarktplatz in Fürstenfeldbruck einen Tag der offenen Tür. In den neuen Räumen lassen sich die Waren aus Togo gegenüber der Öffentlichkeit besser präsentieren. Ich selbst beziehe meinen Kaffee und Pfeffer aus Togo, aber es gibt noch viel viel mehr zu bieten.

Alles läuft wie bisher weiter, verspricht die Vereinsvorsitzende Margret Kopp. Allerdings müssen aufgrund eines fehlenden Lagers die regelmäßigen Container-Lieferungen erst einmal auf Eis gelegt werden. Im Moment werden verschiedene Lösungen diskutiert, die dann rechtzeitig bekannt gegeben werden. 

Ich durfte mich als Vereinsmitglied bereits schon in den neuen Räumen umsehen. Intern wurden schon Vereinsveranstaltungen durchgeführt. So konnten wir Dr. Etienne Baritsé begrüßen. Er ist Arzt und war früherer Vize-Parlamentspräsident von Togo. Heute ist er der Partner für Schulbauten und betreut eine Patenschaftsgruppe ganz im Norden von Togo. Ich interessierte mich vor allem für das chinesische Engagement in Togo. Der afrikanische Kontinent wird von den Chinesen als Teil der neuen Seidenstraße gebraucht. Die Chinesen haben klare wirtschaftliche Interessen und investieren eindeutig in Afrika. 

Café Rieger in FFB – eine Institution meiner Jugend ist geschlossen

26. Februar 2019

Beim Durchblättern von Fotoalben meiner Kindheit entdeckte ich Faschingsfotos von mir. Meist ging ich als Cowboy. Ein paar Mal versuchte ich mich als Zorro, denn das schwarze Cape und der Degen beeindruckten mich. Leider war die Kombination Brille und Zorro-Maske für mich als Brillenträger etwas unglücklich. Ich war als Kind beim Kinderfasching beim Café Rieger in meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck anzutreffen. Der Kinderfasching hatte Tradition. 

Das Café Rieger in Fürstenfeldbruck bleibt wohl dauerhaft geschlossen.

Das Café Rieger in Fürstenfeldbruck bleibt wohl dauerhaft geschlossen.

Ein Zufall führte mich nach Fürstenfeldbruck und ich dachte mir: Der Fasching naht und ich möchte ein exzellentes Stück Torte essen. Also auf zum Café Rieger in die Heimstättenstraße. Und ich wollte mit dem Personal vom Rieger über die Kinderfaschinge vergangener Tage sprechen, die ich so genossen habe. Vielleicht gibt es diese Faschingsfeiern ja heute noch. 

Doch als ich beim Café Rieger eintraf, stand ich vor verschlossenen Türen. Das Café ist seit langem geschlossen. Die Schaufenster sind verhangen. Dort wo der Sichtschutz abgefallen ist, kann man noch in die verlassenen Räume blicken. Die braune Theke ist noch da. An die Decke der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kann ich mich noch erinnern. Scheinbar wandelte sich das Café Rieger von Café, Bäckerei und Konditorei auch zum Pilspub, aber das weiß ich nicht genau. Es war die einzige Bäckerei im Brucker Westen. Die Backwaren waren hervorragend, nicht so schnöde Teiglinge aus dem Backshop. 

An die Decke erinnere ich mich noch.

An die Decke erinnere ich mich noch.

Ich sprach einen Mann an, der wohl in der Nähe des Café Riegers wohnte. Viel wusste er nicht zu erzählen. Seit Dezember 2017 wurde das Geschäft aus Krankheitsgründen aufgegeben. Die Bäcker-Familie habe die Stadt verlassen und der gesamte Gebäudekomplex stehe nun zum Verkauf. Backwaren und Torten müsse man woanders kaufen. Das Café Rieger wird zum Lost Place. Fürstenfeldbruck hat eine Institution verloren. Wieder ein Teil meiner Jugend verloren. 

Tag des Denkmals mit blauem Engel im Lichtspielhaus und Ufa-Ausstellung

11. September 2018
Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Im Rahmen des Tag des offenen Denkmals fand im Landkreis Fürstenfeldbruck eine schöne Veranstaltung statt. Ein Stopp bei der Rundreise durch die Denkmäler des Landkreises war auch das alte Kino Lichtspielhaus. Ein Verein hat das Kino meiner Jugend gerettet, mit Hilfe staatlicher Gelder renoviert und wieder eröffnet. 

Das Kino meiner Jugend.

Das Kino meiner Jugend.

Als ich Kind war, gab es in FFB für mich vier Kinos: Das Capitol, das Amper-Lichtspiele, das Lichtspielhaus und ein Kino im Fliegerhorst – ich glaub es hieß Luxor, das ich nur in Begleitung eines Bundeswehrangehörigen besuchen durfte. Es gab noch mehr Kinos früher, aber das war vor meiner Zeit. Alle diese Kinos gehören der Vergangenheit an, bis auf das Lichtspielhaus. Der Verein, die Stadt, die Bürger haben das Kino gerettet und wieder hergerichtet. Adolf Voll war übrigens der Architekt des Kinos, das 1930 erbaut wurde Vielleicht sollte ich Mitglied des Vereins werden. Ich hab spontan einige Ideen, was ich dort einbringen könnte. 

Ein modernes Kino hat Fürstenfeldbruck mit dem Scala, das ich auch sehr gerne mag. Das Fürstenfeldbrucker Kino ist bereits 1930 als Tonfilmkino entstanden und wurde 2013 als Baudenkmal eingestuft. Durch die Zerstörungen des Krieges und Erneuerungswelle der Nachkriegszeit sind nur noch wenige Kinos aus dieser Zeit erhalten. Das Gebäude ist das älteste erhaltene Kino in Bayern „Durch den ungewöhnlich dicht erhaltenen historischen Baubestand ist das Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck ein ausgesprochen seltenes und wichtiges Zeugnis der Kinogeschichte“, so das Landesamt für Denkmalpflege. 

Der blaue Engel auf der großen Leinwand

Auf jeden Fall bekam vor kurzem das historische Kino eine neue Lounge. An am Tag des Denkmals wurde vom Verein auch ein Filmdenkmal gespielt: Der blaue Engel von Josef von Sternberg. Über diesen Ufa-Klassiker braucht man nichts mehr zu schreiben. Es war der Durchbruch für die junge Marlene Dietrich, die bei der Deutschlandpremiere bereits mit von Sternberg in die USA immigrierte. Der großartige Emil Jannings blieb in Deutschland und spielte unter den Nazis. Es war der Übergang von Stimm- zum Tonfilm und ich finde es prima, dass der Verein Lichtspielhaus diesen Klassiker aus dem Archiv der Murnau Stiftung gewählt hat, weil er eine Zeitwende für den Film und die deutsche Gesellschaft darstellt. Meine Gattin hatte zu ihrer Schulzeit das Buch Professor Unrat von Heinrich Mann als Facharbeit verarbeitet und ich muss sie noch näher befragen. 

Der blaue Engel - ein Klassiker auf großer Leinwand.

Der blaue Engel – ein Klassiker auf großer Leinwand.

Es war schön in diesem alten Kino mit neuer Technik zu sitzen und den Film zu genießen. Neben der Leinwand steht ein altes Klavier, das früher im ersten Stock des Kinos stand. An der Decke des Raumes leuchtete die alte Lampe, die schon zu meiner Jugend dort hin. Also Film ab und los gehts.

Die Lampe hing schon damals.

Die Lampe hing schon damals.

Leider quatschten die ganze Zeit der Vorführung ältere Herrschaften und berichteten ihren Nachbarn, was sie auf der Kinoleinwand gerade sehen. Bei modernen Action-Kino ist das weniger ein Problem, weil die Soundkulisse im Kinosaal lauter ist, aber beim Übergang von Stumm- auf Tonfilm hört man jedes Gequatsche in diesem akustisch optimierten Raum: Blub Blub Blah Blah den ganzen Abend – das nervte kolossal.

Ufa-Ausstellung in München 

Auf jeden Fall machte der blaue Engel mir Lust auf die Ufa-Ausstellung, die derzeit im Münchner  Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung läuft.  Bis 16. September gibt es hier Die Ufa – Geschichte einer Marke zu sehen. Die Traumfabrik des deutschen Films Ufa (Universum Film Aktiengesellschaft) hat eine wechselvolle Geschichte, dargestellt in der Ausstellung in sieben Kapiteln. 

Im Ersten Weltkrieg als Propagandainstrument gegründet, hat sich das Unternehmen Ufa heute zum „Content-Produzenten” für verschiedene audiovisuelle Plattformen entwickelt. Die Geschichte der Ufa erzählt daher auch die Geschichte der audiovisuellen Medien.

Unbedingt noch ansehen

Unbedingt noch ansehen

Zu den Konstanten, die sich durch die Geschichte der Marke ziehen, gehören die Stars, vom Unternehmen oft als die „eigenen“ reklamiert. Populäre Unterhaltungsproduktionen zielen auf den internationalen Markt, der sich für die Refinanzierung prestigeträchtiger Produktionen als unabdingbar erweist. Großproduktionen, heute mit Blick auf den globalen Markt „High-End-Dramen“ genannt, sind nur auf Grundlage dieser Mischkalkulation möglich. Häufig geht es darin um Themen und Ereignisse aus der (deutschen) Geschichte – damals wie heute.

Trotz vieler Brüche und Zäsuren in der Firmengeschichte existiert die Marke „Ufa“ seit einhundert Jahren. Der zugkräftige Name hat sich über die Dekaden hinweg gehalten – nicht zuletzt, weil seine Strahlkraft diese Marke schon früh zu einem Asset machte und bis heute macht. 

Präsentiert wird zudem die ökonomische und ästhetische Strategie des Medienkonzerns. Anhand einer Vielzahl von Exponaten, die der Stummfilmzeit über das Aufkommen des Fernsehens bis hin zu aktuellen Innovationen der heutigen UFA reichen, lassen sich die Reaktionen des Unternehmens auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie die Marktmechanismen der jeweiligen Epoche nachvollziehen. Ich hab mir auch den Ausstellungskatalog Die Ufa – Geschichte einer Markegekauft, um in Ruhe die Geschichte nachzulesen. 

Lesenswerter Ausstellungskatalog

Lesenswerter Ausstellungskatalog

Wagner im Kino: Lohengrin

27. Juli 2018

Blau, das war die Farbe des Abends: Blau in verschiedenen Schattierungen. Als ich aus dem Kino ging, in dem Lohengrin aus Bayreuth übertragen wurde, war ich fast betrunken. Nicht wegen des Blaus der Inszenierung, sondern trunken von der Musik Richard Wagners. Wobei ich auch zugeben muss, Lohengrin gehört textlich und musikalisch eher zu den schwächeren Opern des Meisters. 

Meine Gattin und ich im Scala in Fürstenfeldbruck und lauschen Wagner.

Meine Gattin und ich im Scala in Fürstenfeldbruck und lauschen Wagner.

Bei meiner Gattin und mir ist es ein Ritual in Sachen Wagner. In Ermangelung von Premierekarten schauen wir uns die Neuinszenierung von Wagners Oper via Live-Übertragung bei uns im örtlichen Kino Scala Fürstenfeldbruck an und im August besuchen wir die Festspiele am Grünen Hügel dann live. Dieses Jahr wird es die gewöhnungsbedürftige Frank Castorfs Ring-Interpretation die Wallküre sein. Beim Bühnenbild mach ich einfach die Augen zu, darf aber Plácido Domingo als Dirigent hören.

Tinker Bell, Biene Maja oder dire drei von der Tankstelle - Dieser Lohengrin war so etwas eigen.

Tinker Bell, Biene Maja oder dire drei von der Tankstelle – Dieser Lohengrin war so etwas eigen.

Gerne wäre ich bei einer Premiere in Bayreuth dabei. Ich sehe Prominenz, die in Bayreuth erscheint, angeführt von Urlauberin Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer. Die Kanzlerin mag Wagner, versteht ihn auch. Doch so mancher Hanswurst in Bayreuth ist wohl weniger wegen der Musik als vielmehr wegen des Glamours da. Aber so war es wohl auch zu Richard Wagners Zeiten und so ist es auch zu Katharina Wagners Zeiten. Und dennoch: Ich stehe bereit für Premierenkarten – ich seht: Ich bin neidisch. 

Mit einem Glas Sekt wurden wir im Scala begrüßt. Vielen Dank.

Mit einem Glas Sekt wurden wir im Scala begrüßt. Vielen Dank.

Also nahm ich im klimatisierten Saal 4 im Scala Kino Platz, grinste ein wenig über die Temperaturen im Festspielhaus. Die Übertragung aus Bayreuth beginnt, doch es fehlt der Ton. Entweder gibt es beim Streaming Tonprobleme oder ein Profi im Kino hat den Ton abgedreht. Nach Protest der zumeist älteren Zuschauer war dann der Ton nach ein paar Minuten da – von der Musik haben wir nichts verpasst, allerdings vom Gerede von Katharina Wagner. Macht’s nichts, ich mag die Damen sowieso nicht, aber der Höflichkeit halber hätte ich gerne gehört, was sie sagt. 

Auf dem grünen Hügel gab es vereinzelt Buhs für ihn. Auch das gehört zu Bayreuth.

Auf dem grünen Hügel gab es vereinzelt Buhs für ihn. Auch das gehört zu Bayreuth.

Die Oper beginnt – mein erster Eindruck war Blau. Das Bühnenbild des Künstlerpaars Neo Rauch und Rosa Loy der neuen Leipziger Schule war blau und es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Inszeniert wurde das Ganze von Yuval Sharon. Nach der blauen Phase kam ich mir vor, in einem Universal-Horror-Film zu sein. Blitze und Transformatorenstationen als ob man das Labor von Victor Frankenstein betritt und die blaue Frisuren erinnerten an Frankensteins Braut. Die Darsteller haben Flügel umgeschnallt, stehen in ihren Rembrandt-Kostümen in einer Welt von Motten und Fliegen. Muss das Volk von Brabant einen Stromstoß bekommen? Ungewöhnlich, wahrlich ungewöhnlich – gefällt mir diese Biene Maja-Blaumann-Version von Lohengrin? Ich bin mir nicht sicher, ob ich Tinker Bell bei Wagner sehen will. 

Ich mag die Interpretation von Christian Thielemann, der jetzt Die Geschichte um Betrug und Fanatismus, von Hingabe und Idealismus vor dem Hintergrund der Macht des Gral lässt viele Interpretationen auf Wagners Zustand zu. 

Ich hab mich geärgert, dass ich mich nicht richtig auf diesen Abend vorbereitet habe. Dann hätte ich auch mitbekommen, dass Piotr Beczala die Titelpartie kurzfristig von Roberto Alagna übernommen hat, der abgesagt hat. Aber Lohengrin mit seinem Frage-Verbot nach seinem Namen und Herkunft, steht bei der Oper nicht im Vordergrund. Es ist Elsa und sie ist die interessante Person des Stücks mit seinen drei Aufzügen. Elsa von Brabant wird gesungen von Anja Harteros. Und die beste Szene für mich ist die Bindung von Elsa an Lohengrin, der zudem seine Herzensdame mit einem Seil an sich fesselt. Die Frage nach der Herkunft zerstört die Liebe. Beczala und Harteros sind hier einfach wunderbar und wenn Lohengrin dann in Trauer seinen Namen und Gralherkunft verrät ist es zum Dahinschmelzen. 

Ich habe noch Hans Neuenfels Lohengrin in Erinnerung. Damals saß ich bei den Ratten in der zweiten Reihe im Festspielhaus, bei Sharon saß ich im Kinosessel. So sehr ich mich Neuenfels empört habe, so sehr habe ich mich bei Sharon zeitweise gelangweilt. Das kam schon alles glatt daher. 

Sie kam zurück nach Bayreuth: Waltraut Meier.

Sie kam zurück nach Bayreuth: Waltraut Meier.

Ich freute mich auf Waltraud Meier, die nach der Isolde wieder nach 18 Jahren nach Bayreuth kam und für mich eine starke Interpretation der Ortrud ablieferte. Der verdiente Applaus in Bayreuth war sicherlich nicht nur wegen der Leistung in Lohengrin, sondern ein Dank für ihr Gesamtwerk.

Ein Dank zudem den Betreibern des Scala-Kinos in Fürstenfeldbruck. Ich finde es toll, dass ihr Wagner im Kino anbietet und so lange ich keine Premierenkarten bekomme, besuche ich euch bei Richard Wagner, auch wenn das Publikum eher übersichtlich blieb. Vielleicht sollten wir 2019 bei Tannhäuser mal zu einer PR-Aktion ansetzen.