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Rückblick auf meine Matinee: Über dem Jenseits (1980)

25. September 2026

Lucio Fulcis Über dem Jenseits von 1981 ist kein Film, den man nach den üblichen Maßstäben von Handlung, Psychologie und dramaturgischer Logik bewerten sollte. Wer eine sauber erzählte Geistergeschichte erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen fiebrigen, morbiden, fast traumartigen Horrorfilm einlässt, bekommt eines der stärksten Werke des italienischen Genrefilms der frühen achtziger Jahre. Ich hatte den Film bei meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee ist am 4. Oktober der Film StarShip Tropfers. Karten gibt es hier.

Der Originaltitel lautet …E tu vivrai nel terrore! L’aldilà, international ist der Film als The Beyond bekannt. Fulci erzählt von Liza Merrill, gespielt von Catriona MacColl, die ein altes Hotel in Louisiana erbt. Dieses Hotel steht, wie sich bald zeigt, auf einem der sieben Tore zur Hölle. Unterstützt wird sie von Dr. John McCabe, gespielt von David Warbeck. Zum Ensemble gehören außerdem Cinzia Monreale, Antoine Saint-John und Veronica Lazar. Die Musik stammt von Fabio Frizzi, die Kamera führte Sergio Salvati. Der Film gilt als Teil von Fulcis loser „Gates of Hell“-Trilogie, zu der auch Ein Zombie hing am Glockenseil und Das Haus an der Friedhofsmauer gezählt werden. Hier ist mein Vortrag zum dem Film. 

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt: Eine Frau kommt in ein verfallenes Hotel, die Vergangenheit meldet sich zurück, Tote kehren wieder, Räume verändern ihre Bedeutung, und am Ende gibt es keinen Ausweg mehr. Aber diese Inhaltsangabe greift zu kurz. Über dem Jenseits funktioniert weniger als klassische Erzählung, sondern als Abstieg. Fulci baut keinen Spannungsbogen im Hollywood-Sinn, sondern eine Serie von Visionen, Warnungen, Todesbildern und surrealen Übergängen.

Genau darin liegt seine Stärke. Der Film wirkt wie ein Albtraum, in dem man zwar einzelne Zusammenhänge erkennt, aber nie vollständig begreift, nach welchen Regeln diese Welt funktioniert. Figuren handeln nicht immer logisch, Schauplätze scheinen sich zu verschieben, Ursache und Wirkung lösen sich zunehmend auf. Das kann man als Schwäche sehen. Man kann es aber auch als bewusste Ästhetik lesen: Die Hölle bricht nicht als klar erklärbares Ereignis in die Realität ein, sondern als langsame Auflösung jeder Ordnung.

Fulci war nie ein eleganter Regisseur im klassischen Sinn. Er war grob, direkt, manchmal schlampig, gelegentlich geschmacklos. Aber in Über dem Jenseits findet diese Grobheit eine erstaunliche Form. Der Film ist voller extremer Gewaltszenen: Augen werden zerstört, Körper zerfallen, Säure frisst sich durch Fleisch, Spinnen attackieren ein Gesicht, Zombies tauchen auf wie Boten aus einer verrottenden Zwischenwelt.

Das Entscheidende ist: Diese Szenen sind nicht einfach nur Schockeffekte. Sie sind Teil einer Bildwelt, in der der menschliche Körper seine Stabilität verliert. Bei Fulci ist der Körper kein geschützter Ort, sondern eine brüchige Hülle. Augen spielen dabei eine besondere Rolle. Immer wieder geht es um Sehen, Blindheit, Warnzeichen und das Unvermögen, das Grauen rechtzeitig zu erkennen. Die berühmten weißen Kontaktlinsen, die mehrere Figuren tragen, wurden laut Produktionsangaben aus Glas gefertigt und handbemalt. 

Fulcis Gewalt ist sicher nicht jedermanns Sache. Sie kann abstoßend wirken, manchmal auch überzogen. Aber sie besitzt hier eine eigene, makabre Poesie. Gerade die Kombination aus billigem Effektkino, katholisch aufgeladenem Jenseitsgrauen und verfallener Südstaaten-Gotik macht den Reiz des Films aus.

Ein großer Teil der Wirkung entsteht durch die Schauplätze. Gedreht wurde unter anderem in New Orleans, im Umland Louisianas und später auf italienischen Studiobühnen. Das historische Otis House bei Lake Pontchartrain diente als Hotel „Seven Doors“. Für den heruntergekommenen Look wurde das Gebäude künstlich gealtert. 

Das ist mehr als exotische Kulisse. Louisiana wird bei Fulci zu einer Art Zwischenreich: Sümpfe, Friedhöfe, verfallene Gebäude, leere Straßen, das Hotel als Schwelle zwischen Leben und Tod. Man spürt, dass der Film nicht an realistischer Ortsbeschreibung interessiert ist. Louisiana ist hier ein mythischer Raum, ein Ort des Stillstands, an dem die Vergangenheit nicht vergeht, sondern verwest.

Fabio Frizzis Musik ist ein wesentlicher Grund, warum Über dem Jenseits bis heute nachwirkt. Sein Score verbindet elektronische Elemente, Chöre, Mellotron, Bass und orchestrale Passagen. Frizzi wollte nach eigener Aussage verschiedene instrumentale Formen zusammenführen; das Ergebnis ist ein Thema, das zugleich feierlich, unheilvoll und hypnotisch wirkt. 

Die Musik verleiht dem Film Größe, wo die Inszenierung manchmal billig aussieht. Sie zieht die Bilder ins Mythische. Gerade das Hauptthema macht aus dem Geschehen keinen bloßen Splatterfilm, sondern eine Totenmesse. Man hat das Gefühl, der Film marschiere von Anfang an auf sein unausweichliches Ende zu.

Natürlich hat der Film Schwächen, gewaltige sogar. Die Dialoge sind oft hölzern. Die englischsprachige Synchronisation verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Manche Figuren wirken weniger wie Menschen als wie Markierungen in einem Albtraum. Auch die Handlung ist löchrig. Warum Figuren bestimmte Dinge tun, warum sie Warnungen ignorieren, warum Räume und Wege plötzlich anders funktionieren – vieles bleibt unklar.

Aber bei Über dem Jenseits stellt sich die Frage, ob diese Schwächen den Film tatsächlich beschädigen oder ob sie Teil seines Reizes sind. Fulci interessiert sich nicht für psychologische Plausibilität. Ihn interessieren Zustände: Angst, Verfall, Vorahnung, Ausweglosigkeit. In diesem Sinne ist der Film näher an einem düsteren Gemälde oder einem apokalyptischen Gedicht als an einem klassischen Horrorplot.

Das Finale gehört zu den stärksten Momenten in Fulcis Werk. Ohne zu viel zu erklären: Der Film endet nicht mit Auflösung, Rettung oder Bestrafung, sondern mit einer metaphysischen Sackgasse. Die Figuren erreichen einen Ort jenseits der bekannten Welt, eine graue, leere, endlose Landschaft. Dieser Schluss ist so einfach wie erschütternd. Er macht deutlich, dass das Grauen nicht besiegt werden kann. Es war immer schon da.

Gerade hier wird Über dem Jenseits größer als seine einzelnen Effekte. Fulci gelingt ein Bild absoluter Verlorenheit. Kein moralischer Trost, keine göttliche Ordnung, keine Rettung. Nur Staub, Leere und das Jenseits als ewige Gefangenschaft.

Bei Erscheinen wurde der Film von vielen Kritikern abgelehnt. In Italien warf man Fulci Geschmacklosigkeit und banale Inhalte vor; erst später wurde der Film von Genrefans und Fachpublikationen deutlich stärker gewürdigt. In Großbritannien hatte der Film erhebliche Probleme mit der Zensur und wurde im Umfeld der sogenannten „Video Nasties“ diskutiert; ungekürzt erschien er dort erst viel später auf Heimvideo. 

Heute gilt The Beyond vielfach als einer von Fulcis zentralen Filmen. Sogar moderne Horrorlisten heben ihn als besten Teil der „Gates of Hell“-Trilogie hervor und beschreiben ihn treffend als einen Film für ein Publikum, das Fulcis spezielle Mischung aus Surrealismus, Körperhorror und morbider Atmosphäre schätzt. 

Ich bespreche und zeige in meiner nächsten Matinee den Film Starship Tropfers am Sonntag 4. Oktober um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Tor 6 – Der Ort, an dem Maisach seine Zukunft verteidigte

26. Juli 2026

Wer heute an der Alten Brucker Straße vor Tor 6 des ehemaligen Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck steht, sieht zunächst nur zwei Informationstafeln. Doch dieser unscheinbare Ort erzählt eine der bedeutendsten kommunalpolitischen Geschichten der Region. Hier wurde über Jahre hinweg um Lebensqualität, Lärmschutz und die Zukunft einer ganzen Gemeinde gerungen. Tor 6 steht heute nicht für einen militärischen Flugplatz, sondern für den erfolgreichen Widerstand einer Bürgerschaft gegen die zivile Nutzung des Fliegerhorstes. Am 26. Juli 2010 wurde die fliegerische Nutzung von Fursty beendet. Eigentlich sollte das Gelände zivil genutzt werden, aber aufgrund russischer Aggression in der Ukraine entschloss sich der Bund das Gelände für die Grundausbildung junger Soldatinnen und Soldaten wieder zu verwenden.

Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck entstand ab 1934 als Militärflugplatz der damaligen Luftwaffe und wurde in den folgenden Jahren kontinuierlich ausgebaut. Die Start- und Landebahn erreichte schließlich eine Länge von rund 3.300 Metern bei einer Breite von 45 Metern. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten zunächst die amerikanischen Streitkräfte den Flugplatz. Ab 1956 wurde Fürstenfeldbruck zur Ausbildungsstätte der ersten deutschen Jetpiloten der neu gegründeten Bundesluftwaffe und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Luftwaffenstandorte Deutschlands. Auch das gescheiterte Befreiungsunternehmen während des Olympia-Attentats 1972 machte den Fliegerhorst weltweit bekannt.

Mit dem Ende des Kalten Krieges änderten sich jedoch die Perspektiven. Die militärische Nutzung nahm schrittweise ab. Gleichzeitig entstand Anfang der 1990er-Jahre eine neue Idee: Nach der Eröffnung des Flughafens München im Jahr 1992 sollte ein Teil der Allgemeinen Luftfahrt – also Geschäftsflugzeuge, Sport- und Privatmaschinen – auf den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck verlagert werden. Für die Gemeinden rund um den Flugplatz hätte dies tausende zusätzliche Flugbewegungen und eine erhebliche Lärmbelastung bedeutet.

Besonders in Maisach regte sich Widerstand. Die politischen Verantwortlichen erkannten früh, welches Entwicklungspotenzial die frei werdenden Flächen für die Gemeinde boten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine zivile Nachnutzung als Verkehrslandeplatz die Wohnqualität vieler Ortsteile dauerhaft beeinträchtigen würde. Vor allem Maisach, Gernlinden und Malching wären von zusätzlichem Fluglärm betroffen gewesen.

Zum Gesicht dieses Widerstandes wurde der damalige Erste Bürgermeister Gerhard Landgraf. Gemeinsam mit seinem Geschäftsleiter Peter Eberlein entwickelte die Gemeinde ein alternatives Nutzungskonzept, das den Bedürfnissen der Region deutlich besser entsprach. Unterstützt wurde die Gemeindeverwaltung vom gesamten Gemeinderat sowie von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei die neu gegründete Bürgerinitiative gegen Fluglärm unter Vorsitz von Norman Dombo. Sie organisierte Informationsveranstaltungen, mobilisierte die Bevölkerung und machte deutlich, dass der Widerstand gegen den geplanten Verkehrslandeplatz weit über die Gemeindegrenzen hinaus getragen wurde. Aus einem lokalen Protest entwickelte sich eine Bewegung, deren Argumente schließlich auch in der Landespolitik Gehör fanden.

Währenddessen liefen auf juristischer Ebene zahlreiche Verfahren. Bereits 1995 beantragte die eigens gegründete Flugplatz Fürstenfeldbruck Betriebsgesellschaft die Genehmigung einer zivilen Mitnutzung. 1997 erklärte die Regierung von Oberbayern den Standort im Rahmen der Landesplanung grundsätzlich für geeignet, Teile der Allgemeinen Luftfahrt aufzunehmen. Im Jahr 1998 genehmigte die Luftfahrtbehörde sogar eine zivile Mitbenutzung des Flugplatzes mit bis zu 20.000 Flugbewegungen pro Jahr. Doch Maisach gab nicht auf. In insgesamt 15 Gerichtsverfahren zwischen 1998 und 2003 gelang es der Gemeinde, die Pläne erfolgreich anzufechten und vor dem Verwaltungsgericht sowie dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof immer wieder abzuwehren.

Den politischen Durchbruch brachte schließlich ein Antrag des damaligen Landtagsabgeordneten Reinhold Bocklet, der 2007 die Änderung des Landesentwicklungsprogramms anstieß. Ziel war ein ausdrückliches Verbot der zivilfliegerischen Nutzung des ehemaligen Militärflugplatzes Fürstenfeldbruck. Der Bayerische Landtag stimmte zu. Mit Wirkung zum 1. Januar 2010 wurde die entsprechende Änderung rechtskräftig. Damit war die zivile Nutzung des Fliegerhorstes endgültig ausgeschlossen.

Parallel dazu endete auch die militärische Fliegerei. Nach der Einstellung des Flugbetriebs wurde das Gelände schrittweise freigemacht. 2010 klagte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gegen die Flugplatz Fürstenfeldbruck Betriebsgesellschaft auf Räumung. Am 26. Juli 2010 erfolgte schließlich die Räumung – die Geschichte der Fliegerei auf „Fursty“ war beendet.

Damit begann zugleich ein neues Kapitel. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben entwickelte Maisach ein Nachnutzungskonzept. Vorgesehen wurden unter anderem ein Fahrsicherheitszentrum, Einrichtungen der Bayerischen Polizei, die Verlagerung des Sportgeländes des SC Maisach sowie der Bau der Südtangente, die heute einen wichtigen Beitrag zur Verkehrsentlastung der Gemeinde leistet. Der erste Spatenstich erfolgte 2018, im Dezember desselben Jahres wurde die neue Straße für den Verkehr freigegeben.

Die beiden Informationstafeln an Tor 6 erinnern heute an diesen außergewöhnlichen politischen Erfolg. Historische Fotos zeigen Verhandlungen vor Gericht, Bürgerproteste, den symbolischen Sieg der Bürgerinitiative sowie den Beginn der neuen Infrastruktur. Das ehemalige sogenannte Crash-Tor der Flughafenfeuerwehr wurde damit zu einem Erinnerungsort für demokratisches Engagement.

Die Geschichte erhielt in jüngster Zeit noch eine überraschende Wendung. Während lange Zeit von einer vollständigen Aufgabe des Bundeswehrstandorts ausgegangen wurde, entschied das Verteidigungsministerium 2026, den Standort Fürstenfeldbruck wegen der veränderten sicherheitspolitischen Lage weiterhin militärisch zu nutzen. Statt Flugbetrieb entsteht dort nun ein neues Ausbildungsbataillon der Luftwaffe. Flugzeuge werden jedoch nicht mehr stationiert – genau jenes Ziel, für das die Bürgerinitiative und die Gemeinde Maisach jahrzehntelang gekämpft hatten, bleibt damit bestehen.

Tor 6 ist deshalb weit mehr als ein ehemaliges Werkstor eines Militärflugplatzes. Es erinnert daran, dass kommunalpolitischer Einsatz, Bürgerengagement und langer Atem Geschichte schreiben können. Wo einst Flugzeuge starten sollten, stehen heute Erinnerungstafeln. Sie erzählen von Menschen, die überzeugt waren, dass sich Einsatz für die eigene Heimat lohnt – und die bewiesen haben, dass selbst gegen große politische und wirtschaftliche Interessen ein gemeinsames Handeln erfolgreich sein kann.

Meine Kino-Matineen im zweiten Halbjahr

17. Juli 2026

Ich liebe das Kino und ich freue mich sehr, das im Scala Fürstenfeldbruck meine Matineen für das zweite Halbjahr ankündigen darf. Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz und ich haben ziemlich gerungen ein ansprechendes cineastisches Programm auf die Beine zu stellen.

Wir starten jetzt auch eine Reihe von Science-Fiction-Filmen. Die Wunschliste ist lang und die groben Planungen für das erste Halbjahr 2027 laufen an. Es ist aber natürlich alles abhängig von der Resonanz des Publikums. Unsere Zuschauer entscheiden, ob die Wahl für das zweite Halbjahr ansprechend ist. Ich bin gespannt. Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.

Matinee: Der Herr der Ringe
Am Sonntag, 9. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

Der Zeichentrickfilm „Der Herr der Ringe“ von Ralph Bakshi aus dem Jahr 1978 ist eine eigenständige und bis heute interessante Umsetzung von J. R. R. Tolkiens Fantasy-Epos. Die Handlung folgt Frodo Beutlin, der den Einen Ring aus dem Auenland fortbringen muss, um ihn vor dem Zugriff Saurons zu schützen. Gemeinsam mit seinen Gefährten beginnt er eine gefährliche Reise durch Mittelerde.
Besonders sehenswert ist die besondere Bildsprache des Films, die klassische Animation mit real gefilmten Bewegungsabläufen verbindet. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche, stellenweise düstere Atmosphäre, die gut zur Bedrohung durch Mordor passt. Der Film zeigt zentrale Stationen der Geschichte – von Bruchtal über die Minen von Moria bis zu den Kämpfen gegen Sarumans Truppen – und bietet einen spannenden Zugang zu Tolkiens Welt. Für Fantasy-Fans und Liebhaber klassischer Animationsfilme ist diese Fassung eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Ferris macht blau
Am Sonntag, 30. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Ferris macht blau“ ist eine charmante und bis heute äußerst unterhaltsame Komödie aus den 1980er-Jahren. Im Mittelpunkt steht Ferris Bueller, ein einfallsreicher Schüler, der einen freien Tag vortäuscht und gemeinsam mit seinem besten Freund Cameron und seiner Freundin Sloane Chicago unsicher macht. Während der Schuldirektor alles daransetzt, Ferris zu überführen, entwickelt sich der Tag zu einem turbulenten Ausflug voller Witz, Tempo und überraschender Momente.
Der Film überzeugt durch seinen leichten Ton, pointierte Dialoge und eine Hauptfigur, die mit viel Charme und Selbstbewusstsein durch die Geschichte führt. Besonders gelungen ist die Mischung aus jugendlicher Rebellion, Slapstick und warmherziger Freundschaftsgeschichte. „Ferris macht blau“ ist damit ein echter Komödienklassiker, der auch heute noch frisch wirkt und beste Unterhaltung für alle bietet, die intelligente, gut gelaunte Filmkomödien schätzen.

Matthew Broderick, Mia Sara, and Alan Ruck publicity portrait for the film ‚Ferris Bueller’s Day Off‘, 1986. (Photo by Paramount/Getty Images)

Matinee: Erdbeben
Am Sonntag, 20. September von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Erdbeben“ ist ein packender Katastrophenfilm aus den 1970er-Jahren, der das Genre mit eindrucksvollen Bildern und großer Spannung prägt. Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem schweren Beben erschüttert wird. Der Film begleitet verschiedene Menschen, deren Wege sich vor und nach der Katastrophe kreuzen – darunter Architekten, Rettungskräfte und ganz normale Bürger, die plötzlich um ihr Überleben kämpfen müssen.
Besonders wirkungsvoll ist die Mischung aus persönlichem Drama, spektakulären Zerstörungsszenen und klassischer Spannungserzählung. „Erdbeben“ setzt auf große Schauwerte, ein prominentes Ensemble und die für seine Zeit beeindruckende Inszenierung der Naturgewalt. Dadurch entsteht ein intensiver Filmabend, der Fans klassischer Katastrophenfilme ebenso anspricht wie Zuschauer, die spannendes Unterhaltungskino mit nostalgischem Flair schätzen.

Matinee: Starship Troopers
Am Sonntag, 4. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Starship Troopers“ ist ein temporeicher Science-Fiction-Film, der actionreiches Unterhaltungskino mit satirischen Elementen verbindet. Im Mittelpunkt steht eine futuristische Gesellschaft, in der junge Menschen zum Militärdienst ermutigt werden, um gegen eine außerirdische Insektenrasse zu kämpfen. Der Film folgt Johnny Rico und seinen Freunden auf ihrem Weg von der Ausbildung bis zu brutalen Einsätzen auf fremden Planeten.
Besonders sehenswert ist die Mischung aus spektakulären Effekten, intensiven Kampfszenen und einer bewusst überzeichneten Darstellung von Militär, Propaganda und Heldentum. „Starship Troopers“ bietet nicht nur packende Science-Fiction-Action, sondern auch eine bissige Gesellschaftssatire, die dem Film bis heute seinen besonderen Reiz gibt. Für Fans von genrebewusstem, provokantem und visuell eindrucksvollem Kino ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Ein Fressen für die Geier
Am Sonntag, 11. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Ein Fressen für die Geier“ ist ein unterhaltsamer Western mit Abenteuercharakter, der klassische Genreelemente mit Humor und ungewöhnlichen Figuren verbindet. Im Mittelpunkt steht der Söldner Hogan, der in Mexiko auf eine vermeintliche Nonne trifft. Gemeinsam geraten sie in eine gefährliche Mission während der französischen Besatzung – mit überraschenden Wendungen, rauem Charme und pointierten Dialogen. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren Clint Eastwood und Shirley MacLaine, die sich zunächst misstrauisch begegnen, aber nach und nach zu einem schlagkräftigen Duo werden. „Ein Fressen für die Geier“ überzeugt durch seine Mischung aus Spannung, lakonischem Witz und klassischer Westernatmosphäre. Für Freunde des Genres ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung mit starken Darstellern und einem angenehm eigenständigen Ton.

Matinee: The Fog – Nebel des Grauens
Am Sonntag, 1. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„The Fog – Nebel des Grauens“ ist ein atmosphärischer Horrorklassiker von John Carpenter, der seine Spannung weniger aus grellen Schockeffekten als aus Stimmung, Andeutung und unheimlicher Erwartung bezieht. Im Mittelpunkt steht die Küstenstadt Antonio Bay, die kurz vor ihrem Jubiläum von einem geheimnisvollen Nebel heimgesucht wird. Mit ihm kehrt ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit zurück – und eine tödliche Bedrohung nähert sich der Stadt.
Besonders wirkungsvoll ist die dichte, maritime Atmosphäre des Films: Leuchtturm, Küste, nächtliche Straßen und der langsam heranziehende Nebel erzeugen eine stetig wachsende Spannung. „The Fog – Nebel des Grauens“ überzeugt durch seine klassische Inszenierung, den prägnanten Soundtrack und seine unheilvolle Stimmung. Für Freunde des gepflegten Gruselkinos ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung und ein starker Vertreter des atmosphärischen Horrors.

Matinee: Die Wildgänse kommen
Am Sonntag, 15. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Die Wildgänse kommen“ ist ein spannender Abenteuer- und Kriegsfilmklassiker, der mit einem starken Ensemble, klarer Dramaturgie und viel Spannung überzeugt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe erfahrener Söldner, die den Auftrag erhält, einen afrikanischen Politiker aus der Gefangenschaft zu befreien. Was zunächst als präzise geplante Mission beginnt, entwickelt sich bald zu einem gefährlichen Überlebenskampf.
Besonders sehenswert ist das Zusammenspiel der markanten Hauptdarsteller, darunter Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Hardy Krüger. „Die Wildgänse kommen“ verbindet klassische Action, militärische Spannung und persönliche Konflikte zu einem packenden Film mit rauem Ton und nostalgischem Abenteuerflair. Für Freunde großer Ensemblefilme und klassischer Spannungskinos ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Blade Runner
Am Sonntag, 29. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Blade Runner“ ist ein stilprägender Science-Fiction-Klassiker, der düstere Zukunftsvision, Kriminalfilm und philosophische Fragen eindrucksvoll verbindet. Im Mittelpunkt steht Rick Deckard, ein sogenannter Blade Runner, der in einem verregneten, neonhellen Los Angeles des Jahres 2019 künstlich erschaffene Menschen – sogenannte Replikanten – aufspüren soll. Doch seine Mission führt ihn zunehmend an die Grenzen zwischen Menschlichkeit, Erinnerung und künstlichem Leben.
Besonders sehenswert ist die einzigartige Bildsprache des Films: Großstadt, Schatten, Dauerregen, Werbetafeln und elektronische Musik schaffen eine dichte Atmosphäre, die bis heute viele Science-Fiction-Filme geprägt hat. „Blade Runner“ überzeugt durch seine starke Inszenierung, seine nachdenkliche Grundstimmung und die faszinierende Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Für Freunde anspruchsvoller Science-Fiction ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung und ein Meilenstein des Genres.

Matinee: Dark Star
Am Sonntag, 6. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Dark Star“ ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film, der Weltraumabenteuer, schwarzen Humor und philosophische Absurdität auf sehr eigenständige Weise verbindet. Im Mittelpunkt steht die Besatzung des Raumschiffs Dark Star, die seit Jahren durchs All reist, um instabile Planeten zu zerstören. Der Alltag an Bord ist geprägt von technischer Überforderung, Langeweile, skurrilen Zwischenfällen und zunehmender Erschöpfung.
Besonders sehenswert ist der lakonische Ton des Films, der klassische Science-Fiction-Motive bewusst gegen den Strich bürstet. „Dark Star“ überzeugt durch seinen trockenen Humor, seine originellen Ideen und den Charme einer frühen Low-Budget-Produktion von John Carpenter und Dan O’Bannon. Für Freunde schräger Science-Fiction und kultiger Genreklassiker ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.

Matinee: Auf dem Highway ist die Hölle los
Am Sonntag, 27. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck

„Auf dem Highway ist die Hölle los“ ist eine turbulente Actionkomödie mit hohem Tempo, viel Situationskomik und einem großen Staraufgebot. Im Mittelpunkt steht ein illegales Autorennen quer durch die USA, bei dem sehr unterschiedliche Teilnehmer mit allen Tricks versuchen, als Erste ins Ziel zu kommen. Dabei geraten sie in aberwitzige Verfolgungsjagden, Täuschungsmanöver und komische Zwischenfälle.


Besonders unterhaltsam ist die Mischung aus rasantem Roadmovie, Slapstick und lockerem Ensemblefilm. „Auf dem Highway ist die Hölle los“ lebt von seinem unbeschwerten Ton, den exzentrischen Figuren und dem nostalgischen Charme des Unterhaltungskinos der frühen 1980er-Jahre. Für Freunde klassischer Actionkomödien ist der Film eine vergnügliche Wiederentdeckung mit viel Tempo und guter Laune.

Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.

Warum gutes Brot wieder bewusst gekauft wird

16. Juli 2026

Gutes Brot ist mehr als eine Beilage. Es ist Handwerk, Geduld, Erfahrung – und für viele Kundinnen und Kunden längst wieder ein bewusst gewähltes Genussmittel. Darüber sprach Matthias Lange im Podcast der Bäckerei Konditorei Martin Reicherzer mit Bäckermeister Martin Reicherzer in der Backstube in Fürstenfeldbruck.

Für Reicherzer ist klar: Gutes Brot war eigentlich nie wirklich aus der Mode. Verändert habe sich vor allem die Haltung der Verbraucher. „Man merkt ganz einfach, dass Brot bewusster gegessen wird heutzutage“, sagt der Bäckermeister. Viele Menschen kauften heute nicht mehr Brot in Masse, sondern achteten stärker auf Qualität. Brot sei für viele nicht mehr bloß ein Grundnahrungsmittel, „sondern eigentlich ein Genussmittel“. Und wer Genuss wolle, so Reicherzer selbstbewusst, „der kann den kaufen bei uns“. Hier der Podcast.

Der Unterschied zwischen handwerklich gebackenem Brot und industriell hergestellter Ware beginnt für ihn bereits beim Teig. Industriebrot sei natürlich günstiger, räumt Reicherzer ein. Doch der Preis sage nicht alles. In der industriellen Produktion müsse der Teig vor allem „maschinengängig“ sein. Das bedeute: „Da wird der Teig an die Maschine angepasst.“ Im Handwerk sei es genau umgekehrt. Dort gehe es darum, mit dem Teig zu arbeiten, ihn zu verstehen und ihm die Zeit zu geben, die er brauche. Besonders hochwertige, weiche Teige könnten oft nur noch mit der Hand bearbeitet werden. Genau darin liege ein wesentlicher Unterschied.

Stolz ist Martin Reicherzer auf seine gesamte Brotauswahl. „Ich bin eigentlich auf alles Brot, was ich mache, stolz“, sagt er. Besonders hebt er saisonale Brote hervor, etwa leichte Weizenbrote mit langer Teigführung, die im Sommer auch als Grillbrote beliebt seien. Langzeitführung bedeutet, dass der Teig über Nacht im Kühlhaus ruht und reifen kann. „Da arbeiten die Enzyme“, erklärt Reicherzer. Dabei würden unerwünschte Bestandteile abgebaut und der Geschmack intensiviert. „Das Gute wird hervorgehoben“, fasst er zusammen.

Ein besonderer Klassiker der Bäckerei ist das Urkorn-36-Stunden-Brot. Die lange Reifezeit ist dabei nur ein Teil des Prozesses. Reicherzer beschreibt, wie aus Dinkelmehl zunächst ein Kochstück hergestellt wird – „wie ein Pudding machen sozusagen“. Dazu kommen ganze Körner, die mit Honig, Sauerteig, Salz und Wasser quellen dürfen. Über Nacht ruhen sie im ausgeschalteten Ofen. Das erinnere fast an Pumpernickel: Die Stärke werde abgebaut, das Korn entwickle eine leichte Süße, werde dunkel, groß und aromatisch. „Das bringt einfach Geschmack“, sagt Reicherzer. Diese Vorstufen seien zusätzliche Geschmacksgeber für das Brot.

Doch gutes Brot endet für den Bäckermeister nicht beim Backen. Es muss auch erklärt werden. Deshalb spielt die Beratung in den Filialen in Fürstenfeldbruck und Aubing eine wichtige Rolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf müssten wissen, was in den Broten steckt und worin sie sich unterscheiden. „Das macht vielleicht auch noch ein bisschen den Unterschied aus zwischen einem Industriebäcker und einem Fachhandwerker“, sagt Reicherzer. Wer Fragen zu Inhaltsstoffen, Dinkel, Weizen oder Unverträglichkeiten habe, solle eine qualifizierte Antwort bekommen.

Nicht selten wird der Chef selbst gerufen. „Das passiert bei uns häufig“, erzählt Reicherzer. Dann stehen er oder sein Sohn den Kundinnen und Kunden mit Fachwissen zur Seite. Manche Fragen seien so tiefgehend, dass sie nur aus der Backstube heraus beantwortet werden könnten. Den direkten Kontakt zum Kunden sieht Reicherzer nicht als Belastung, sondern als wichtigen Teil seines Berufs. „Mir ist es wichtig, dass ich den direkten Kontakt zum Kunden habe“, sagt er. Das gelte nicht nur für Lob, sondern gerade auch für Kritik: „Wenn es Kritik gibt, ist es für mich das beste Mittel, etwas zu ändern.“ Genau darin liege die Stärke des Handwerks: „Wir können ja was ändern, das kann die Industrie nicht.“

Auch neue Ideen entstehen laufend. Reicherzer experimentiert, beobachtet Entwicklungen und bringt Eindrücke aus Reisen und Urlauben mit in die Backstube. Konkretes verraten möchte er noch nicht, nur so viel: Es gehe derzeit eher in Richtung Dauergebäck. „Lass dich überraschen“, sagt er schmunzelnd. Ideen habe er „noch für 30 Jahre“. Gleichzeitig sei es wichtig, seinem Sohn einen guten Start zu geben und ihm zu zeigen, „wie funktioniert sowas“.

Dass handwerkliches Backen auch bei scheinbar einfachen Produkten einen Unterschied macht, zeigt Reicherzer am Beispiel Toastbrot. Viele Verbraucher hielten Toastbrot für ein austauschbares Industrieprodukt. Der Bäckermeister widerspricht entschieden: „Nein, ist es nicht.“ In der Bäckerei Reicherzer kämen keine Zusatzstoffe, Weichmacher oder Haltbarkeitsstoffe ins Brot. Beim Toastbrot brauche es lediglich eine leichte Anreicherung mit Fett für die feine Porung und etwas Zucker, damit es beim Toasten schön röste. „Das ist der ganze Trick eigentlich bei einem Toastbrot“, erklärt er.

Dass ein handwerkliches Toastbrot nach einigen Tagen schimmeln könne, sei völlig normal. Gerade wenn es in Plastik verpackt werde, dürfe das nach drei bis vier Tagen passieren. Skeptisch blickt Reicherzer dagegen auf Fabriktoast, der nach Wochen noch aussehe wie am ersten Tag. „Dass das nicht normal ist, das ist wohl jedem klar“, sagt er. Ein Brot, das ohne sichtbare Veränderung über lange Zeit haltbar bleibe, werfe Fragen auf.

In der Backstube selbst setzt Reicherzer auf breite Ausbildung und vielseitiges Können. Jeder im Team solle möglichst alles beherrschen – vom Mischen bis zum Ofen. Auch Auszubildende sollen am Ende die Grundlagen aller Stationen können. Das sorge für Abwechslung und helfe zugleich, besondere Talente zu entdecken. Der eine arbeite später vielleicht lieber in der Mischerei, der andere am Ofen. Entscheidend sei, dass alle das Handwerk von Grund auf verstehen.

Am Ende bleibt die Botschaft des Gesprächs einfach und klar: Gutes Brot braucht gute Rohstoffe, Zeit, Wissen, handwerkliche Erfahrung und Menschen, die erklären können, was sie tun. Für Martin Reicherzer ist Brot kein anonymes Massenprodukt, sondern ein Stück gelebtes Bäckerhandwerk – mit Geschmack, Haltung und direktem Kontakt zu den Menschen, die es kaufen.

Peer Gynt im Scala Kino: Wenn Klassik zum Kinoerlebnis wird

29. Juni 2026

Ein Starter Start in eine neue Form eines Kulturangebots im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Im Vorfeld der Kulturnacht verwandelte sich das Kino im Rahmen des Projekts „Klassik im Kino“ in eine Konzertbühne für das musikalische Märchen „Peer Gynt“.

Präsentiert wurde das Programm vom Duo Klaviolino mit Oleksandra Zabolotna (Geige) und Kateryna Byelousowa (Klavier). Grundlage des Abends ist die berühmte Schauspielmusik von Edvard Grieg nach Motiven des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Hier die Aufzeichnung der Veranstaltung.

Peer Gynt ist eine Geschichte voller Sehnsucht, Traum und Verlorenheit. Zwischen norwegischen Bergen, dunklen Wäldern und geheimnisvollen Gestalten sucht Peer nach dem großen Leben, nach Ruhm, Freiheit und sich selbst. Doch je weiter ihn seine Abenteuer tragen, desto deutlicher wird, dass der eigentliche Zauber nicht in der Ferne liegt, sondern in der Treue eines Herzens, das auf ihn wartet. Solveig wird dabei zur stillen, leuchtenden Kraft dieser Erzählung: Sie liebt nicht laut, nicht fordernd, sondern mit einer Geduld, die stärker ist als Zeit und Irrtum. In ihrer Liebe findet Peer am Ende das, was er sein Leben lang gesucht hat – Geborgenheit, Vergebung und die zarte Gewissheit, dass ein Mensch erst dort wirklich ankommt, wo er geliebt wird. Griegs Musik verleiht dieser romantischen Reise eine unvergleichliche Schönheit: mal hell wie ein Sonnenaufgang über den Fjorden, mal geheimnisvoll wie ein Märchen aus der Tiefe der Nacht, mal innig wie ein letzter Blick zurück auf ein versäumtes Glück.
Durch die Verbindung von Live-Musik und erzählter Handlung entstand ein atmosphärisches Konzerterlebnis, das klassische Musik auch für Menschen zugänglich machte, die bisher wenig Berührung mit diesem Genre hatten.


Die nächste Aufführung soll die Zauberflöte am 26./27 September sein. Hier mal ein Unboxing der klassischen Vinyl-Ausgabe.

Peer Gynt passt ideal in die Populäre Musik. Hier mal ein paar Beispiele, die mir eingefallen sind: Gerade „In der Halle des Bergkönigs“ so beliebt: Das Stück funktioniert wie ein perfektes Rockprinzip: ein einfaches Riff, ständige Wiederholung, wachsender Druck, steigendes Tempo, immer mehr Lautstärke. Genau das macht auch viele Rocksongs stark. Man kann es als musikalische Verfolgungsjagd hören – Peer gerät immer tiefer in die Welt der Trolle, und die Musik verliert Schritt für Schritt die Kontrolle.

Electric Light Orchestra – „In the Hall of the Mountain King“
ELO nahm Griegs Thema auf dem Album On the Third Day auf und machte daraus eine typische Siebziger-Jahre-Mischung aus Rockband, Streichern und klassischem Pathos. Besonders reizvoll: Das Stück wirkt bei ELO weniger wie reine Klassik, sondern wie ein düsterer Progressive-Rock-Ritt mit Orchesterdramaturgie.

Savatage – „Prelude to Madness“ / „Hall of the Mountain King“
Die US-Metal-Band Savatage veröffentlichte 1987 das Album Hall of the Mountain King. Das Instrumental „Prelude to Madness“ greift Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ direkt auf und führt in den Titelsong über. Hier wird Peer Gynt endgültig heavy: bedrohlich, theatralisch, mit Metal-Gitarren und dunkler Fantasy-Atmosphäre.

The Who – „Hall of the Mountain King“
Auch The Who spielten mit dem Grieg-Motiv. Ihre Version zeigt, wie gut das Thema in den Rock der Sechziger passt: ein klassisches Motiv, das durch Gitarren, Schlagzeug und Bandenergie plötzlich frecher und roher wirkt.

Rainbow / Ritchie Blackmore – klassische Anklänge
Ritchie Blackmore war immer stark von klassischer Musik beeinflusst. Auch wenn nicht jedes Zitat direkt Peer Gynt ist, passt die Ästhetik: dramatische Läufe, barocke Gesten, dunkle Märchenstimmung. Gerade im Hardrock und frühen Metal ist Griegs Bergkönig fast ein Urbild für das bedrohlich-phantastische Riff.

Trent Reznor & Atticus Ross – „In the Hall of the Mountain King“
Nicht Rock im klassischen Sinne, aber wichtig für die moderne Rock- und Industrial-Ästhetik: Für The Social Network gestalteten Trent Reznor und Atticus Ross das Stück als kalte, elektronische, bedrohliche Version. Das zeigt, wie wandelbar Griegs Motiv ist – vom Trollreich bis in die digitale Gegenwart.

Erasure – „In the Hall of the Mountain King“
Auch im Synthpop wurde das Thema aufgegriffen. Erasure zeigt eine andere Lesart: weniger Gitarrenwucht, mehr elektronische Verspieltheit. Trotzdem bleibt die Grundidee dieselbe: ein Motiv, das sich steigert, antreibt und fast zwanghaft nach vorne drängt.

Über dem Jenseits (1980) – Matinee am 7. Juni im Scala Fürstenfeldbruck

6. Juni 2026

Es gibt Filme, die sieht man nicht einfach. Man betritt sie. Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“, in Deutschland lange auch als „Geisterstadt der Zombies“ bekannt, ist so ein Film: ein fiebriger Albtraum aus verfallenen Hotels, okkulten Geheimnissen, untoten Körpern und einer Hölle, die nicht laut aufbricht, sondern langsam in die Wirklichkeit sickert. Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Über viele Jahre war der Film in Deutschland indiziert und sogar beschlagnahmt. Das allein macht ihn noch nicht bedeutend – aber es erzählt viel über seine Wirkung. Fulcis Werk galt als zu drastisch, zu verstörend, zu kompromisslos. Inzwischen ist die Beschlagnahmung aufgehoben, der Film kann neu betrachtet werden: nicht nur als berüchtigter Splatterklassiker, sondern als eigenwilliges, surreales Stück italienischer Horrorgeschichte.

„The Beyond“ ist kein Horrorfilm, der brav einer logischen Handlung folgt. Er funktioniert wie ein Alptraum: Bilder, Musik und Atmosphäre sind wichtiger als Erklärungen. Fabio Frizzis düsterer, fast sakraler Score legt sich wie ein Trauergesang über die Szenen. Die Kamera zeigt eine Welt, in der Augen nicht mehr sehen wollen, Körper zerfallen und Räume ihre eigene böse Erinnerung besitzen.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet dieser Film seine volle Kraft. Was im Heimkino vielleicht nur als blutiger Kultfilm erscheint, wird im Kinosaal zu einer Erfahrung: unheimlich, hypnotisch, abgründig und seltsam schön. Fulci führt sein Publikum nicht einfach durch eine Geschichte, sondern an einen Ort, an dem die Grenze zwischen Leben, Tod und Jenseits zusammenbricht.

In der Matinee wollen wir diesen besonderen Film gemeinsam neu entdecken: als umstrittenes Werk, als Beispiel für die Radikalität des italienischen Horrorkinos und als Film, der noch immer Fragen auslöst. Warum schockieren uns solche Bilder? Was macht ihren Reiz aus? Und weshalb übt ein Film, der lange als Skandal galt, bis heute eine solche Faszination aus?

Wer Horror nur als Schock versteht, wird überrascht sein. Wer Kino als Reise in dunkle, fremde Welten liebt, sollte diese Matinee nicht verpassen. „Geisterstadt der Zombies“ ist mehr als ein reißerischer deutscher Titel. Dahinter verbirgt sich ein verstörendes, bildgewaltiges und einzigartiges Kinoerlebnis – ein Blick über die Schwelle, dorthin, wo das Grauen beginnt.
Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Ein Nachmittag gegen die Einsamkeit: Warum das Seniorenkino im Scala so wichtig ist

25. Mai 2026

Das Seniorenkino im Scala in Fürstenfeldbruck ist weit mehr als nur ein zusätzliches Filmangebot für ältere Menschen. Mit seinen vier Vorstellungen im Jahr hat sich die Veranstaltungsreihe längst zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt entwickelt, der vielen Seniorinnen und Senioren Lebensqualität, Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit im Alter zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem wird, erfüllt das Seniorenkino eine Aufgabe, die weit über den eigentlichen Kinofilm hinausgeht.

Rund 200 Seniorinnen und Senioren kamen ins Scala Kino, um gemeinsam den Film Sole mio anzusehen. Die Veranstaltung des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck nutzte Oberbürgermeister Christian Götz zugleich, um sich vor Ort über die Arbeit des Gremiums, dessen Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger und die Arbeit des Scala-Kinos zu informieren.

Am Rande der Veranstaltung tauschte sich der Oberbürgermeister mit Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz über die Bedeutung des Kinos als kulturellen Treffpunkt im Fürstenfeldbrucker Westen aus. Dabei dankte Götz dem Kinobetreiber ausdrücklich für dessen langjähriges Engagement und sicherte auch künftig Unterstützung für das Scala Kino zu. Erste Ideen wurden schon ausgetauscht. 

„Das Scala ist seit vielen Jahren weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein wichtiger kultureller und sozialer Treffpunkt für die Menschen im Westen der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Christian Götz.

Auch Markus Schmölz zeigte sich erfreut über den Besuch des Oberbürgermeisters und den Austausch mit dem Seniorenbeirat: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung und Unterstützung durch die Stadt. Das Scala steht immer für weitere Gespräche und Kooperationen offen – gerade wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Angebote für alle Generationen zu schaffen.“

Denn für viele Besucherinnen und Besucher ist der Nachmittag im Scala nicht einfach ein Kinobesuch. Er ist Anlass, das Haus zu verlassen, Bekannte zu treffen, gemeinsam zu lachen, Erinnerungen auszutauschen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das Kino wird so zu einem Ort der Begegnung. Besonders ältere Menschen, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, erleben solche Veranstaltungen oft als wertvolle Abwechslung im Alltag. Die vertraute Atmosphäre des Scala, die persönliche Ansprache und die bewusst ausgewählten Filme schaffen dabei ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung. Kino ist Erinnerung, Emotion und gemeinsames Erleben. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden mit dem Kino noch die große Zeit der Lichtspielhäuser, als ein Filmabend etwas Besonderes war. Das Seniorenkino knüpft genau an dieses Lebensgefühl an. Es bewahrt ein Stück Kinokultur, die heute vielerorts verloren gegangen ist. Während Streamingdienste Filme immer stärker zum individuellen Konsum auf dem heimischen Sofa machen, bietet das Scala weiterhin das gemeinschaftliche Erlebnis im dunklen Saal – mit gemeinsamem Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.

Die vier Vorstellungen im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch gerade ihre Regelmäßigkeit macht sie wichtig. Sie setzen feste kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben vielen Besucherinnen und Besuchern Orientierung und Vorfreude. Oft entstehen daraus Gespräche, Verabredungen und soziale Kontakte, die weit über den Kinonachmittag hinausreichen.

Nicht zuletzt zeigt das Seniorenkino auch, welche Rolle ein Programmkino heute für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck spielen kann. Das Scala ist eben nicht nur ein Ort für Blockbuster und Unterhaltung, sondern auch ein kultureller Raum mit gesellschaftlicher Verantwortung. Es schafft Angebote für Generationen, die im schnelllebigen Kulturbetrieb oft übersehen werden. Gerade deshalb ist das Seniorenkino ein wichtiges Zeichen für gelebte Teilhabe und Wertschätzung älterer Menschen.

In einer alternden Gesellschaft werden solche Angebote künftig noch bedeutender werden. Das Seniorenkino im Scala beweist schon heute, dass Kultur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und ein Stück Lebensfreude.

Little Big Man (USA 1970) – Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

15. Mai 2026

Little Big Man, der epische Western von Arthur Penn aus dem Jahr 1970, ist eines jener seltenen Meisterwerke des amerikanischen Kinos, das seinen Zuschauer von der ersten Minute an in einen Sog zieht, aus dem es kein Entkommen gibt – und aus dem man auch gar nicht entkommen möchte. Ich bespreche und zeige diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Der Film erzählt die Geschichte des 121-jährigen Jack Crabb, gespielt von Dustin Hoffman in einer seiner eindringlichsten Rollen, der als angeblich einziger weißer Überlebender der Schlacht am Little Bighorn seine unglaubliche Lebensgeschichte zu Protokoll gibt. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Western, sondern ein schillerndes, vielschichtiges Panorama amerikanischer Geschichte, das die Mythen des Wilden Westens mit schonungsloser Ironie demontiert und gleichzeitig ein zutiefst menschliches Portrait zeichnet.

Die eigentliche Faszination des Films beginnt mit seiner erzählerischen Kühnheit. Penn und Drehbuchautor Calder Willingham, der den gleichnamigen Roman von Thomas Berger adaptierte, wählen die Form der Rahmenerzählung – der greise Crabb erinnert sich, und mit ihm stürzen wir uns in ein Leben, das schier unglaublich erscheint. Jack war Adoptivkind der Cheyenne, Schützling eines frommen Betrügers, Kleinstadtladenbesitzer, Gewehrschütze, Trapper, Alkoholiker, Soldat unter General Custer und immer wieder Zeuge historischer Schlüsselmomente. Diese episodische Struktur könnte fragmentiert wirken, doch Penn beherrscht die Kunst, aus diesen disparaten Lebensabschnitten ein kohärentes, atembenehmendes Ganzes zu weben. Jede Episode besitzt ihr eigenes Gewicht, ihren eigenen Ton, ihre eigene emotionale Wahrheit.

Besonders revolutionär war der Film in seiner Darstellung der amerikanischen Ureinwohner. Während Hollywood jahrzehntelang die Indigenous Peoples als anonyme, bedrohliche Masse oder bestenfalls als edle Wilde inszeniert hatte, zeigt Little Big Man die Cheyenne als vollständige Menschen mit einer komplexen Gesellschaft, mit Humor, Trauer, Würde und individuellen Charakteren. Der Häuptling Kleines Pferd, gespielt vom unvergesslichen Chief Dan George, ist eine der liebevollsten und weisesten Figuren der Filmgeschichte – ein Mann von tiefer Spiritualität und trockenem Witz, dessen Lebensphilosophie den ganzen Film hindurch wie ein ruhender Pol wirkt. Die Szene, in der er sich feierlich zum Sterben begibt, dann aber feststellt, dass der Tod ihn offenbar noch nicht haben möchte, und sich kommentarlos wieder erhebt, gehört zu den schönsten und berührendsten Momenten des amerikanischen Kinos überhaupt.

Der Film ist auch ein Kind seiner Zeit, und das auf die bestmögliche Weise. Im Jahr 1970, inmitten des Vietnamkrieges und der gesellschaftlichen Erschütterungen der Bürgerrechtsbewegung, war Little Big Man eine unmissverständliche Allegorie. Das Massaker am Washita River, bei dem Custers Kavallerie ein schlafendes Cheyenne-Dorf niedermetzelt, ist nicht nur historische Rekonstruktion, sondern direkter Kommentar zum Massaker von My Lai, das ein Jahr zuvor publik geworden war. Penn zeigt das Gemetzel ohne Beschönigung – als sinnlose, bürokratische Vernichtung unschuldiger Menschen, angeordnet von einem narzisstischen, realitätsfernen Militärführer. Custers Darstellung durch Richard Mulligan ist dabei von bitterer satirischer Schärfe: ein eitel-wahnsinniger Despot, der seine eigene Legende für bedeutsamer hält als Menschenleben, ein Archetyp militärischer Hybris für alle Zeiten.

Und doch wäre es ungerecht, den Film auf seine politische Dimension zu reduzieren. Was Little Big Man letztlich so unwiderstehlich macht, ist seine emotionale Breite, sein Mut zur Zärtlichkeit neben der Grausamkeit, zur Komödie neben der Tragödie. Jack Crabb ist eine zutiefst tragische Figur, ein Mann ohne feste Identität, der zwischen zwei Welten pendelt und in keiner wirklich Heimat findet. Hoffman spielt diese innere Zerrissenheit mit einer Natürlichkeit, die es dem Zuschauer unmöglich macht, Distanz zu wahren. Man leidet mit Jack, lacht mit ihm, schämt sich mit ihm. Das Alter-Make-up, das Hoffman zum greisen Erzähler transformiert, ist für die damalige Zeit erstaunlich überzeugend, doch es ist die Performance, die trägt – die Art, wie die Augen des jungen Mannes noch immer hinter dem faltenreichen Gesicht des Alten leuchten.

Die Kameraarbeit von Harry Stradling Jr. verdient ebenfalls besondere Erwähnung. Die Landschaft des amerikanischen Westens wird in ihrer ganzen Weite und Unwirtlichkeit eingefangen, doch Stradling weiß auch, die Kamera dicht heranzuführen, Gesichter zu lesen, Emotionen zu dokumentieren, ohne je in Sentimentalität zu verfallen. Die Schlachtszenen besitzen eine chaotische, fast dokumentarische Qualität, die dem Krieg jede Romantik raubt, während ruhigere Momente im Cheyenne-Lager von fast malerischer Schönheit sind.

Fünfundfünfzig Jahre nach seiner Entstehung hat Little Big Man nichts von seiner Kraft verloren. Im Gegenteil: In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte und den Mythen nationaler Identität dringlicher denn je erscheint, wirkt der Film erschreckend aktuell. Er ist eine Liebeserklärung an die Verlierer der Geschichte, an die Unsichtbaren und Vergessenen, an alle, die zwischen den Welten leben. Er ist ein Requiem für eine zerstörte Zivilisation und zugleich eine bitterkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Selbstbild. Und er ist, am Ende, schlicht und ergreifend großes Kino – das Werk eines Regisseurs auf dem Höhepunkt seines Könnens, das die Grenzen eines Genres sprengt und zu universeller Menschheitserzählung wird. Ich freue mich auf diesen Western in meiner Matinee am 17. Mai im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Podcast Seitensprung: Lesen in der Gegenwartsgesellschaft – Besuch in der Gemeindebücherei Maisach

11. Mai 2026

Auf kleinen Kinderstühlen, die Knie fast auf Ohrhöhe, sprach Büchereileiterin Beate Seyschab mit mir in der dritten Folge des Videopodcasts Seitensprung der Gemeindebücherei Maisach über eine Frage, die simpel klingt und es doch nicht ist: Wie bekommt man Kinder heute noch zum Lesen?

Beate Seyschab, die die Gemeindebücherei Maisach leitet, ist in dieser Sache tatsächlich auf einer Mission – auch wenn sie das Wort selbst mit einem Lächeln relativiert. Regelmäßig besucht sie Kindergärten, Kinderkrippen und Horte in der Umgebung, liest vor, zeigt Bücher, macht neugierig. Die Resonanz ist, nach eigener Aussage, erstaunlich herzlich. „Kannst du nicht jeden Tag kommen?“, fragen die Kinder. Was die Büchereifachfrau dabei immer wieder erlebt: Es gibt Kinder, die zu Hause schlicht keine Bücher haben. Kein Bilderbuch, keine Gutenachtgeschichte. Das sei keine Ausrede der Kinder, betont Seyschab – die Verantwortung liege bei den Erwachsenen, die sich irgendwann vom Buch verabschiedet hätten.

Ich merke an, was viele Eltern im Speckgürtel Münchens kennen: Beide Partner arbeiten, die Mieten sind hoch, abends ist man schlicht erschöpft. Bleibt da noch Kraft für eine Vorlesestunde? Seyschab lässt diese Erklärung nicht gelten – zumindest nicht als Entschuldigung. Sie selbst sei alleinerziehend gewesen, habe bis 19 Uhr in der Bücherei gearbeitet und sei trotzdem jeden Abend mit ihren Kindern zum Buch gekommen. „Man kommt dabei selbst runter“, sagt sie. Und es brauche keine epischen Lesestunden: Ein Bilderbuch, eine kurze Geschichte – eine Viertelstunde reiche völlig. Ihr erwachsener Sohn, inzwischen 23, verlangt bei jedem Weihnachtsfest noch immer, dass seine Mutter die Briefe vom Weihnachtsmann von Tolkien vorliest. Manches hält eben.

Ein weiteres Thema, das die beiden beschäftigt, ist die Integration. Die Mittelschule Maisach schickt regelmäßig ihre Deutschklasse in die Bücherei – eine Lehrerin, die seit zwei Jahren hartnäckig daran arbeitet, dass Kinder mit Migrationshintergrund über das gemeinsame Lesen die neue Sprache besser erschließen. Fremdsprachige Literatur bietet die Bücherei kaum an, Englisch ist die Ausnahme. Der Zugang sei schwierig, gibt Seyschab zu, aber gelegentlich finde ein Kind privat den Weg in die Bücherei – und das sei dann jedes Mal ein kleiner Erfolg.

Dass Bücher teuer geworden sind, ist ein weiterer Gesprächsfaden. Das einstige Taschenbuch als erschwingliches Volksbuch existiert praktisch nicht mehr – 20 Euro und aufwärts sind heute üblich. Seyschaб sieht die Bücherei hier als demokratisches Korrektiv: kostenlos ausleihen, ausprobieren, zurückgeben wenn’s nicht gefällt. Rund zwei Neuanmeldungen täglich sprechen dafür, dass das Modell ankommt – auch bei Erwachsenen, die jahrelang nicht mehr gelesen haben und nun durch die Onleihe wieder den Weg zurück finden.

Besonders lebendig wurde unser Gespräch beim Thema Leseberatung. Seit der stationäre Buchhandel im Landkreis weitgehend verschwunden ist – in Maisach gibt es keinen klassischen Buchladen mehr, auch Fürstenfeldbruck bietet wenig –, übernimmt die Bücherei zunehmend die Beratungsfunktion. Seyschab schildert, wie das in der Praxis aussieht: nachfragen, herantasten, mehrere Vorschläge mitgeben. Und manchmal rettet ein rechtzeitig gestelltes Nachfragen vor einer Fehlberatung – wie im Fall der Dame, die einen „richtig blutigen Krimi“ wollte und dabei an Volker Klöpfels vergleichsweise harmlosen Kommissar Kluftinger dachte. Ein Griff zu Karen Rose oder ähnlichen Autoren hätte sie, so Seyschab trocken, „wahrscheinlich nicht schlafen lassen“.

Zum Abschluss gibt Seyschab noch einen Ausblick auf das Programm: Am 12. Mai steht eine englische Vorlesestunde an, am 20. Mai liest die Autorin Thea Lehmann aus ihrem neuesten Sachsen-Krimi – einem Roman, in dem der Hauptkommissar aus Mammendorf stammt und in die sächsische Schweiz versetzt wird, was dem Gespräch noch einen lokalpatriotischen Schmunzler beschert. Wer sich für die Pfingstferien (25. Mai bis 8. Juni, Bücherei geschlossen) mit Lesestoff eindecken möchte, sollte vorher vorbeikommen.

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.