Posts Tagged ‘Toleranz’

Was macht der Berliner Bär in lettischen Riga?

7. Januar 2020
Der Berliner Bär in Riga.

Der Berliner Bär in Riga.

Das Schwarzhäupterhaus auf dem Rathausplatz der lettischen Hauptstadt Riga wurde 1334 als das „Neue Haus der Großen Gilde“ erstmals urkundlich erwähnt. Aber das alte Haus bekommt Konkurrenz, zumindest wenn es um ein junges Publikum geht. Seit kurzem steht vor dem Haus eine weitere Attraktion: Ein Berliner Bär.


Die Deutsche Botschaft brachte die Berliner Bären nach Riga. Auf den Domplatz wurden insgesamt 149 „United Buddy Bears“ im August 2018 ausgestellt. Damit würdigte Deutschland das 100jährige Jubiläum der lettischen Staatsgründung. Gerade gegenüber den baltischen Staaten hat Deutschland eine besondere Verantwortung. Lange Zeit war Lettland deutsch und nach der Unabhängigkeit 1918 kam es später zum Hitler-Stalin-Pakt und die junge Nation wurde besetzt. Erst 1991 wurde Lettland wieder selbstständig. Die „United Buddy Bears“ setzten mit ihren Ausstellungen ein Zeichen für Toleranz und internationale Völkerverständigung. Bei der Abreise der Bären ist wohl ein 50 Kilogramm schwerer Bär in Riga geblieben. Er wurde von einer siebenjährigen lettischen Schülerin bemalt. Er zeigt am Bauch ein Herz auf dem der berühmte Hahn zu sehen ist, der auf dem Dom zu Riga angebracht ist. Der Berliner Bär steht jetzt vor dem Schwarzhäupterhaus.

Der Bär trägt den Hahn auf seiner Brust.

Der Bär trägt den Hahn auf seiner Brust.

Ich mag den Berliner Bären in Riga – und die Kinder mögen ihn auch – sowie Doris, die Betreiberin des Blogs über Hahnologie.

Besuch im Deutschen Freimaurermuseum in Bayreuth

6. September 2016

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Für mich ist die Welt der Freimaurer eine neue Welt. Daher wollte ich bei meinem Besuch in Bayreuth unbedingt das Deutsche Freimaurermuseum ansehen, um mehr über das Bündnis zu erfahren. Und was ich gesehen habe, war eine rationale, faszinierende Welt. Ich betrat eine Welt der Rituale, der Logen, der Verschwiegenheit und der Aufklärung.
Das Museum liegt hinter der Villa Wahnfried, dem Haus von Richard Wagner, und der Verein zum Museum wurde 1954 gegründet. Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung mit für mich sehr interessanten Exponaten zu sehen. 190 Einzelmitglieder und Logen gehören dem Verein Deutsches Freimaurermuseum e.V. an. Die Sammlungen der Fotos, Kupferstiche und Bilder beläuft sich nach Vereinsangaben auf 1600 Exemplare, der Bestand an Logenabzeichen (Bijoux) und Medaillen auf 1700, an sonstigen Exponaten aus Kristallen, Porzellan, Keramik und an Freimaurerbekleidungen auf über 1000. Freilich ist nur ein Bruchteil davon ausgestellt. Die Bibliothek, die ich mir nicht angeschaut habe, umfasst heute 16500 Bände. Es sind 20000 Mitgliederverzeichnisse aus vielen Logen vom Beginn der deutschen Freimaurerei im Jahr 1737 bis zur Jetztzeit vorhanden. Sie sind seit 2004 elektronisch erfasst und werden ständig ergänzt. Das Archiv mit Logendokumenten umfasst derzeit 2000 Nummern.


Das Museum selbst wurde 1902 gegründet und sammelt Materialien der Freimaurerei. Die Sammlung wuchs stattlich an, wurde aber durch die Nazis zerschlagen und wurde vernichtet. Mit rationalem Denken hatten die brauen Herren nichts am Hut. Verloren gegangen sind unter anderem durch die Dummheit der Nazis: 1000 Logenabzeichen „Bijoux“ genannt, über 700 Medaillen, 160 Freimaurerschurze, 20 Ritualteppiche und über 1000 Ölgemälde, Kupferstiche und Steindrucke, ebenso wie über 15.000 freimaurerische Siegel, Kristallgläser und Porzellane. Hinzu kam eine reichhaltige Sammlung an Bekleidungsstücken aller Logengrade, ebenso wie viele Urkunden, Originalbriefe und Logenpässe prominenter Freimaurer.
Ich verbrachte einen Nachmittag in dieser für mich fremden, aber durchaus inspirierenden Welt. Beim Betreten der Museumsräume war ich offen und legte alle Verschwörungstheorien, Fantastereien und Mythen um die Freimaurer ab. Ich ließ mich durch die Ausstellung treiben, las viele Texte und dachte nach.
Es gibt drei Grade bei den Freimaurern: Lehrling, Geselle und Meister – genau wie im klassischen Handwerk. Ich habe die Sprüche in einem Video gefilmt:

Die erste Stufe der Selbstfindung und der Selbsterkenntnis ist der erste Freimaurergrad: der Lehrlingsgrad. „Schau in dich, Strebe nach Vervollkommnung. In den freimaurerischen Tempelbau der Humanität passen Vielerlei Steine, Aber keine unbehauenen. Das Sinnbild des Lehrlings ist der raue Stein, sein symbolisches Werkzeug ist dir Spitzhammer, mit dem er seine Ecken und Kanten glätten soll.“
Selbstbeherrschung und Brüderlichkeit als Ziele prägen den zweiten Freimaurergrad: den Gesellengrad. „Schau um dich, erziehe dich zur Menschlichkeit. Das Sinnbild des Gesellen ist der kubische Stein, der sich in den Tempelbau fügt und ihn mitträgt, Die Winkelwaage als symbolisches Werkzeug ermahnt zur Begegnung auf der gleichen Ebene und zu Toleranz, einem Hauptwert der Freimaurer.“
Was sind die Voraussetzungen um Mitglied zu werden? Ein Suchender ist in der freimaurerischen Sprache, wer sich um die Aufnahme in den Bund bewirbt. „Er muss ein freier Mann von gutem Ruf sein, mit tadellosem Leumund, ohne Vorurteile, selbstbestimmt in Entscheidungen und Handlungen.“ Über die Aufnahme eines Suchenden entscheidet eine rituelle Versammlung der gesamten Loge, nachdem die Mitglieder und der Beitrittswillige einander über längere Zeit kennengelernt haben. Zuerst trägt ein Bürge seine Stellungnahme vor, dann erfolgt demokratisch und im Geheimen die Abstimmung mit einem speziellen Verfahren, die so genannte Kugelung. Die Aufnahme in den Bund gilt auf Lebenszeit.

CSU-Netzkongress setzt klare Zeichen

18. März 2012
Dorothee „Doro“ Bär und Prof.  Dr. Dirk Heckmann präsentieren das Positionspapier des CSU-Netzrates.

Dorothee „Doro“ Bär und Prof. Dr. Dirk Heckmann präsentieren das Positionspapier des CSU-Netzrates.

Der zweite Netzkongress der CSU war ein Erfolg – nach innen und nach außen. Das zweite Positionspapier des CSU-Netzrates wurde von der Bundestagsabgeordneten Dorothee „Doro“ Bär und Prof.  Dr. Dirk Heckmann nach außen dem Publikum und der Presse vorgestellt. Die Thesen dieses Papiers sind sehr interessant und verlocken zur Diskussion über Netzthemen. Sie regen an, fordern ein Bekenntnis zum Netz ein, sie wollen die digitale Spaltung in unserem Land überwinden.

So fordern die schwarzen Netzpolitiker einen Internet-Minister auf Bundesebene (erinnert mich irgendwie an den Atomminister FJS). Dieser Minister soll als Schnittstelle zwischen den verschiedenen politischen Ressorts fungieren, auf gut deutsch: Wahrscheinlich soll jedem reinreden, denn das Netz ist nicht ein eigenes Ressort, denn allgegenwärtig.

Aber die Initiatoren des CSU-Netzkongresses haben recht: Das Internet ist schon lange mitten in der Gesellschaft angekommen, auch wenn es Teile der analogen Gesellschaft nicht wahrhaben wollen. Ich kann es nicht mehr hören, wenn Leute sagen, sie gehen jetzt ins Internet – das klingt so, was würden sie einen virtuellen Raum betreten. Quatsch, das Netz ist Alltag.

Ich musste bei dem Kongress in den Räumen der Hanns-Seidel-Stiftung schon zweimal hinschauen. Steht da wirklich CSU außen auf dem Positionspapier? Viele der Forderungen müssen etablierte Parteialtvorderen ziemlich auf die Palme bringen: Gegen Netzsperren, gegen ACTA.

Gut besucht war die Veranstaltung in der Hanns-Seidel-Stiftung.

Gut besucht war die Veranstaltung in der Hanns-Seidel-Stiftung.

Dass die Veranstaltung ein Erfolg war, zeigte sich nach der großen Resonanz. Der Hastag #csunk2 war am Ende des Konferenztages Trending Topic bei Twitter. Darüber sorgten sicherlich nicht nur die zahlreichen CSU-Mitglieder und -Sympathisanten, sondern auch die zahlenmäßig gut angereisten Piraten.

Die Veranstaltung war aber vor allem ein Erfolg nach innen. Dafür sorgte Dorothee Bär und ihr Team mit einem genialen Schachzug. Es war ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl in die eigene Partei. Leute, wacht auf. Denn die Organisatoren des Netzkongresses hatten eine hervorragende Idee: Sie holten den ehemaligen CSU-Chef Dr. Edmund Stoiber auf die Bühne. Stoiber erreicht die Konservativen in der Partei und sogar die Betonköpfe und die Hardliner. Wenn ein Stoiber sagt, das Internet sei eine gute Sache, dann bewegt sich auch innerhalb der CSU etwas. Für meine Begriffe war die Stoiber-Rede viel zu lang, aber dennoch war es ein richtiges Zeichen. Obwohl ich es nicht mehr hören kann, welch Visionär dieser FJS war. Strauß ist seit 1988 tot und viele der Netzkongressbesucher waren noch nicht einmal geboren, als Strauß starb. Wäre FJS heute am Leben, würde er bei seinen Geschäften aus dem Amt getrieben. Die Zeiten ändern sich.

Ein wichtiges Zeichen: Ex-CSU-Chef Stoiber wirbt für das Netz.

Ein wichtiges Zeichen: Ex-CSU-Chef Stoiber wirbt für das Netz.

Aber Stoiber bekannte sich zum Netz, warb bei den Netzbefürwortern um mehr Toleranz – ggf sollte er auch bei seinen analogen Anhängern für mehr Toleranz werben. Aber es ist ein ganz wichtiges Zeichen für die CSU. Die Netzpolitiker werden nach dem Auftritt von Stoiber ernster genommen – nach innen und nach außen. Das war für mich das wichtigste Zeichen dieses zweiten CSU-Netzkongresses.