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Homophobie im Fußball – neue Studie von Motorola

28. Juli 2021

Ich halte es wie Friedrich II: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ und auch der alte Kant gibt immer die Richtung vor: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Und ich sehe, dass wir eine gesellschaftliche Bewegung gegen Homophobie haben und das begrüße ich. Nun hat das IT-Unternehmen Motorola eine Studie veröffentlicht, die Homophobie in sozialen Medien im Themenbereich Fußballbehandelt. Obwohl mich Fußball absolut null interessiert, Soziale Medien dafür um so mehr, habe ich einen Blick darauf geworfen und finde interessante Ergebnisse.

Motorola will homo- und bisexuelle Spieler sowie Vereine und Verbände gleichermaßen dazu befähigen, ohne Angst vor Konsequenzen eine klare Position zum Thema Homophobie zu beziehen. Gerade Social Media, auf die per Smartphone rund um die Uhr zugegriffen werden kann, sind die richtige Plattform, um der Stigmatisierung entgegenzutreten. Hier geht der Smartphone-Hersteller den richtigen Weg. Ich hatte mal bis zum iPhone ein Timeport P7389, also schon eine zeitlang her.
Die Studie zeigt, dass Deutschland noch nicht tolerant genug ist, um einen geouteten Profifußballer zu akzeptieren. Das ist erschreckend und widerstrebt mir. Beispielsweise gehen 58% der Deutschen davon aus, dass ein Spieler nach seinem Coming-out mit Mobbing in den sozialen Medien rechnen muss. Nur 24% der Deutschen nehmen eine gegenteilige Position ein. 54% der Deutschen geben an, dass Vorurteile gegen Homosexuelle zu homophoben Äußerungen im Fußballkontext führen. Rund ein Drittel der Deutschen sehen außerdem Hassmentalität sowie die Anonymität im Internet als weitere Beweggründe. Mir unverständlich, denn es ist doch egal, wie ein Spieler tickt, wichtig ist doch, dass er ein guter Spieler ist – aber wie geschrieben, ich verstehe nichts von Fußball.

Während fast ein Fünftel der Deutschen zwar denkt, dass das Posten und Teilen von Regenbogenelementen in den sozialen Medien zu mehr Toleranz beiträgt, widersprechen 17% der Deutschen dem, indem sie sagen, dass es zu mehr Homophobie führt. Gravierender fällt ins Gewicht, dass die Hälfte der Deutschen der Meinung ist, dass Regenbogenelemente in Social Media keinen Einfluss auf das Meinungsbild bezüglich Toleranz und Homophobie haben.
Dazu meine Meinung: Soziale Netzwerke sind Verstärker und in den jeweiligen Filterblase schaukelt sich ein Thema hoch.
„Daraus resultiert, dass Symbolik im Kampf gegen Homophobie in den sozialen Medien alleine nicht ausreicht. Wir brauchen eine nachhaltige Kommunikation durch wiederkehrende Events und Bekundungen, die Homophobie als Problem der Fußballgemeinschaft adressieren. Ich denke nicht, dass das Outing eines Spielers alleine die aktuelle Situation verändern kann, sondern dass die Spieler, Verbände und Clubs sich gemeinsam stärker gegen Homophobie positionieren müssen, um mehr Toleranz zu fördern“, sagt Benjamin Näßler, amtierender Mr. Gay Germany und Aktivist gegen Homophobie im Fußball.

Seiner Einschätzung stimmen auch 54% der Deutschen zu. Sie vertreten allerdings die Ansicht, dass soziale Medien bei Themen wie Homophobie auch positive Effekte auf das Meinungsbild haben können, insbesondere bei klarer Positionierung von Vereinen, Verbänden und Spielern. Diese sollen laut 58% der Deutschen eindeutig Stellung zu Homophobie nehmen. Dabei finden nur 6 % der Deutschen, dass sich einzelne Vereine, Fanverbände und der DFB am stärksten in den sozialen Medien gegen Homophobie positionieren.
Ein Beispiel für den Einsatz für mehr Toleranz ist RB Leipzig. 2019 unterschrieb der Fußballclub etwa die Berliner Erklärung zur Selbstverpflichtung zum Engagement gegen Homophobie im Sport oder erklärte ein Jahr zuvor den homosexuellen Fanclub RainbowBULLS zum Official Fan Club der Roten Bullen. Seither tragen die Mitglieder der RainbowBULLS eigene Fan-Kleidung und deren Banner hängt für alle sichtbar im Stadion. Auch in den sozialen Medien ruft der Verein wiederholt mit der Initiative „Unser Ball ist bunt“ zum Abbau von Ressentiments auf. Mich würde dabei die Resonanz auf diese Post interessieren.

Motorola unterstützt diese Maßnahme. In einer Mitteilung heißt es: „Wir sind stolz darauf, mit RB Leipzig einen Partner gefunden zu haben, mit dem wir dieselben Werte teilen: Vielfalt, Offenheit, Menschenwürde und Toleranz. Es wird noch ein langer Weg sein, bis ein homosexueller Profispieler sich mit seinem Partner in der Öffentlichkeit zeigen kann, aber wir wollen jeden Menschen, der in Angst lebt, unterstützen“, sagt Chong-Won Lim, Head of Marketing von Motorola, Deutschland. „Motorola spricht sich deshalb klar gegen die Stigmatisierung von Minderheiten in sozialen Medien aus und will dazu ermutigen, sich selbst und andere zu akzeptieren. Smartphones, die rund um die Uhr den Zugang zu Social Media ermöglichen, sollen Menschen befähigen Geschichten zu erzählen, Grenzen zu überwinden und andere zu inspirieren und keine Phobien fördern. Deshalb setzen wir als Hersteller hier ein Zeichen.“

blauweiß weißblau – egal, Hauptsache Twitter

16. April 2017

Nachdem ich meinen jüngsten Beitrag für die IronBlogger-Parade zum Thema blauweiß/weißblau über unsere Wellensittiche Lilly und Sinatra geschrieben habe, liegt es nahe, dass ich beim Gezwitscher bleibe: Welches Vögelchen passt am besten in eine solche Parade? Klar, der Twitter-Vogel.


Ich bin ein überzeugter Twitterer und zwitschere unter @redaktion42 den lieben langen Tag. Mit meiner Frau @spinosa1967 sind wir wie andere auch als als twitterndes Ehepaar bekannt. Aber Twitter ist für mich mehr als ein bisschen Zeitvertreib. Es ist für mich eine Art Stammtisch, der 24 Stunden 365 Tage lang geöffnet hat. Ich finde hier Weisheiten, dumme Sprüche, aktuelle News, schlüpfrige Anmache, Kampagnen, Provokationen, Hilferufe und vieles mehr unter einem Dach. Ich nutze Twitter zur Unterhaltung, als Inspiration, als Newsquelle, als Recherchetool und und und.
In meinem Seminaren über Medienkompetenz an Schulen kommt Twitter leider nur am Rande vor. Twitter ist vielen Leuten einfach zu blöd. Die formale Begrenzung auf 140 Zeichen sorgt dafür, dass Jugendliche in meinem Umfeld nicht so stark vertreten sind. In 140 Zeichen muss man mit der deutschen Sprache umgehen können und bei Donaudampfschifffahrtsgesellschaft wird es in Twitter recht eng. Auch der Humor mutet für viele Seminarteilnehmer etwas seltsam an. #hach, #flausch, #ausgruenden geht ja gerade so – bei #mimi blicke in in meinem Seminaren in fragende Gesichter. Wer will denn schon mit Beaker vom Muppet Labor von Professor Bunsenbrenner identifiziert werden, dessen einziger Wortschatz eben das mimi ist?

Ich sag nur mimi

Ich sag nur mimi

Aber egal: Twitter ist für mich eine wunderbare Bereicherung. Leute glauben manches Mal, dass man Twitter komplett auslesen muss. Viel Spaß dabei. Ich habe durch Twitter den Satz eines US-Studenten begriffen: „Wenn die Nachricht wichtig für dich ist, wird sie einen Weg zu dir finden.“ Für mich ist Twitter ein wichtiger Bestandteil meiner Social Media-Kultur. Auch für meine politische Kundschaft gehört Twitter dazu: @RegSprecher habt es in Deutschland vorgemacht, der US-Präsident hat die absolute Macht von Twitter verstanden und publiziert an den Medien vorbei direkt zu seinen Anhängern und zu den Medien. Twitter ist ein geniales Massenmedium mit Rückkanal – einfach der Hammer. Ich muss nicht via in Facebook befreundet sein, sondern kann folgen wem ich will, ohne dass ich mit ihm befreundet sein muss. Und wenn einer glaubt, dass er nur senden will im Sinne von traditionellen Massenmedien, dann wird er auch bald wieder entfreundet – so einfach ist das. Liebe Politiker – nur senden ist so 20. Jahrhundert.

Ich bin seit 24. Oktober 2008 dabei.

Ich bin seit 24. Oktober 2008 dabei.

In Twitter habe ich neue Bekanntschaften, ja sogar Freundschaften geschlossen. Einige sind auch wieder zerbrochen. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ich habe durch Twitter Personen kennengelernt, die ich im realen Leben nie getroffen hätte. Ich wurde mit Meinungen konfrontiert, die niemals meine eigenen wären. Ich lernte durch Twitter mehr Toleranz, den anderen Blick auf eine Sache. Nicht so eine Filter Bubble wie in Facebook, in der ich nur in meiner eigenen Meinung bestätigt werde. Für mich bedeutet Twitter eine neue von Freiheit und Verantwortung zugleich. Der weiße Vogel auf blauem Hintergrund ist für mich ein Symbol der neuen Zeit geworden. Die Welt wäre ohne Twitter ärmer und es wäre schade, wenn dieses Tool verschwinden würde.
Twitter bedeutet Senisbilität. Ich habe Leute kennengelernt, die ohne dieses Tool noch einsamer wären als sie es ohnehin sind. Ich habe Selbstmordankündigungen erlebt und wie eine ganze Gemeinschaft zur Rettung eilte. Ich habe kollektive Trauer und Freude erlebt. Ich habe Trolle und Social Bots erlebt, die herumholzen. Und ich habe Aktionen wie Twittagessen oder Weihnachtstwicheln erlebt und ich bin im Mai 2014 zu den IronBlogger über Twitter gestoßen. Jeder hat seine Geschichte in Twitter und ich bin gespannt auf eure. Was bedeutet Twitter für dich?

So bekommst du die alte Timeline bei Twitter zurück – ohne Filterblase

25. März 2016

Nachdem wir alle brav 10 Jahre Twitter gefeiert haben und besonders glücklich waren, dass uns das Aufweichen der 140 Zeichen erspart blieb, schlich sich die Filterblase für mich heimlich in Twitter ein.
In der Standardeinstellung zeigt uns Twitter die Tweets von den Leuten, von denen Twitter meint, sie seien wichtig für uns und müssten daher prominenter angezeigt werden. Nein, nein liebes Twitter – ich mag nicht in deiner oder meiner Filterblase leben. Ich will in meinem Twitter-Account @redaktion42 überrascht werden von tiefsinnigen, blödsinnigen, geistreichen, liebevollen, intelligenten und schlüpfrigen Tweets aus dem Twitter-Universum und daher will ich meine gewohnte, bisherige Timeline zurück. Zum Glück ist das möglich.
Der Weg geht so: Also habe ich heute morgen meine Standardeinstellungen bei Twitter bearbeitet, um meine alte Timelinie wieder zu bekommen. Twitter gibt uns dazu die Möglichkeiten.
Bei der mobilen App auf den Account gehen und dann das Rädchen tippen, so dass Einstellungen erscheint. Dann seinen Twitter-Account auswählen (bei mehreren Account) und sich den Punkt Timeline – Timeline-Personalisierung aussuchen und drücken.

Unter Timeline-Personalisierung versteckt sich die Filterblase.

Unter Timeline-Personalisierung versteckt sich die Filterblase.

Dann den Punkt „Zeige mir die besten Tweets zuerst an“ auswählen und deaktivieren. Dahinter verirgt sich die Filterblase von Twitter, die ich nicht haben will.

Filterblase ausschalten: "Zeige mir die besten Tweets zuerst an" deaktivieren.

Filterblase ausschalten: „Zeige mir die besten Tweets zuerst an“ deaktivieren.

Und siehe da, ich habe meine alte Timeline zurück, bei der die Tweets historisch aufgelistet sind und nicht durch eine Filterblase auf- oder abgewertet werden. Mir sind alle meine Twitterfreunde gleich wichtig.