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Psychische Belastung im Job zu erkennen 

9. April 2026

Ich war lange Jahre Führungskraft in Organisationen und Verlagen. Doch auch als Selbstständiger habe ich mit Führung von Projektteams zu tun und ich merke, dass das eine oder andere Teammitglied unausgeglichen und gestresst ist. Fest steht für mich: Eine Kultur des Hinschauens beginnt immer mit einem einfachen Schritt: dem ehrlichen Interesse am Menschen.

Wenn dauerhafter Druck, Erschöpfung oder Schlafmangel den Alltag bestimmen, bleibt das selten ohne Folgen. Psychische Belastungen gehören heute zu den häufigsten Ursachen für längere Fehlzeiten – und doch werden sie oft erst bemerkt, wenn die Kräfte schon lange nachlassen. Denn Stress schleicht sich nicht an einem Tag ein; er wächst leise, oft unbemerkt, zwischen Terminen, Mails und Meetings.
Umso wichtiger ist es, Anzeichen frühzeitig wahrzunehmen – bei sich selbst ebenso wie bei anderen. Diese fünf Impulse helfen, aufmerksam zu bleiben und offen miteinander ins Gespräch zu kommen.

  1. Veränderungen wahrnehmen – und ernst nehmen
    Manchmal ist es nur ein leiser Wandel: die Kollegin, die sonst lacht, wirkt plötzlich gereizt; jemand zieht sich immer mehr zurück oder arbeitet ausdauernd bis spät am Abend. Solche Veränderungen sind oft ein stiller Hilferuf. Beobachte, was sich über Wochen verändert hat – im Verhalten, in der Stimmung, in der Energie. Achtsamkeit ist der erste Schritt, um zuzuhören, bevor echte Erschöpfung entsteht.
  2. Warnsignale im Zusammenhang sehen
    Dauerhafte Überstunden, Unruhe oder das ständige Übernehmen zusätzlicher Aufgaben – all das sind mögliche Hinweise auf Überforderung. Wichtig ist, nicht einzelne Momente zu bewerten, sondern das Gesamtbild zu erkennen. Wer permanent über seine Grenzen geht, braucht kein Urteil, sondern Verständnis und Unterstützung.
  3. Worte finden, die tragen
    Ein Gespräch über seelische Belastung braucht Mut – auf beiden Seiten. Sprich offen, aber respektvoll an, was dir auffällt: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit sehr still bist. Wie geht es dir?“ Solche einfachen Worte können Türen öffnen. Entscheidend ist, ehrlich und ohne Bewertung zuzuhören, statt zu deuten oder zu diagnostizieren.
  4. Da sein und einfach zuhören
    Nicht jede*r ist bereit, sofort über Belastungen zu sprechen. Doch echtes Zuhören zeigt: Du bist da. Ein ruhiges Gespräch, ein Moment ohne Druck, kann Vertrauen schaffen. Manchmal genügt dieses Signal, damit Hilfe überhaupt möglich wird.
  5. Unterstützung sichtbar machen – und sie annehmen
    Niemand muss Belastung allein tragen. Ob interne Gesundheitsangebote, psychologische Beratung oder digitale Plattformen – es gibt viele Wege, sich Unterstützung zu holen. Wichtig ist, dass sie bekannt sind, leicht zugänglich und angstfrei genutzt werden können. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

Gesundheit beginnt in der Haltung
Wer ein Team führt, trägt Verantwortung – nicht nur für Ergebnisse, sondern auch für Menschen. Veränderungen wahrzunehmen, Gespräche früh zu suchen und entlastende Strukturen zu fördern, schafft Vertrauen. Faire Aufgabenverteilung, realistische Ziele und Raum für Erholung sind keine Extras, sondern Grundlagen gesunder Arbeit.

Homophobie im Fußball – neue Studie von Motorola

28. Juli 2021

Ich halte es wie Friedrich II: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ und auch der alte Kant gibt immer die Richtung vor: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Und ich sehe, dass wir eine gesellschaftliche Bewegung gegen Homophobie haben und das begrüße ich. Nun hat das IT-Unternehmen Motorola eine Studie veröffentlicht, die Homophobie in sozialen Medien im Themenbereich Fußballbehandelt. Obwohl mich Fußball absolut null interessiert, Soziale Medien dafür um so mehr, habe ich einen Blick darauf geworfen und finde interessante Ergebnisse.

Motorola will homo- und bisexuelle Spieler sowie Vereine und Verbände gleichermaßen dazu befähigen, ohne Angst vor Konsequenzen eine klare Position zum Thema Homophobie zu beziehen. Gerade Social Media, auf die per Smartphone rund um die Uhr zugegriffen werden kann, sind die richtige Plattform, um der Stigmatisierung entgegenzutreten. Hier geht der Smartphone-Hersteller den richtigen Weg. Ich hatte mal bis zum iPhone ein Timeport P7389, also schon eine zeitlang her.
Die Studie zeigt, dass Deutschland noch nicht tolerant genug ist, um einen geouteten Profifußballer zu akzeptieren. Das ist erschreckend und widerstrebt mir. Beispielsweise gehen 58% der Deutschen davon aus, dass ein Spieler nach seinem Coming-out mit Mobbing in den sozialen Medien rechnen muss. Nur 24% der Deutschen nehmen eine gegenteilige Position ein. 54% der Deutschen geben an, dass Vorurteile gegen Homosexuelle zu homophoben Äußerungen im Fußballkontext führen. Rund ein Drittel der Deutschen sehen außerdem Hassmentalität sowie die Anonymität im Internet als weitere Beweggründe. Mir unverständlich, denn es ist doch egal, wie ein Spieler tickt, wichtig ist doch, dass er ein guter Spieler ist – aber wie geschrieben, ich verstehe nichts von Fußball.

Während fast ein Fünftel der Deutschen zwar denkt, dass das Posten und Teilen von Regenbogenelementen in den sozialen Medien zu mehr Toleranz beiträgt, widersprechen 17% der Deutschen dem, indem sie sagen, dass es zu mehr Homophobie führt. Gravierender fällt ins Gewicht, dass die Hälfte der Deutschen der Meinung ist, dass Regenbogenelemente in Social Media keinen Einfluss auf das Meinungsbild bezüglich Toleranz und Homophobie haben.
Dazu meine Meinung: Soziale Netzwerke sind Verstärker und in den jeweiligen Filterblase schaukelt sich ein Thema hoch.
„Daraus resultiert, dass Symbolik im Kampf gegen Homophobie in den sozialen Medien alleine nicht ausreicht. Wir brauchen eine nachhaltige Kommunikation durch wiederkehrende Events und Bekundungen, die Homophobie als Problem der Fußballgemeinschaft adressieren. Ich denke nicht, dass das Outing eines Spielers alleine die aktuelle Situation verändern kann, sondern dass die Spieler, Verbände und Clubs sich gemeinsam stärker gegen Homophobie positionieren müssen, um mehr Toleranz zu fördern“, sagt Benjamin Näßler, amtierender Mr. Gay Germany und Aktivist gegen Homophobie im Fußball.

Seiner Einschätzung stimmen auch 54% der Deutschen zu. Sie vertreten allerdings die Ansicht, dass soziale Medien bei Themen wie Homophobie auch positive Effekte auf das Meinungsbild haben können, insbesondere bei klarer Positionierung von Vereinen, Verbänden und Spielern. Diese sollen laut 58% der Deutschen eindeutig Stellung zu Homophobie nehmen. Dabei finden nur 6 % der Deutschen, dass sich einzelne Vereine, Fanverbände und der DFB am stärksten in den sozialen Medien gegen Homophobie positionieren.
Ein Beispiel für den Einsatz für mehr Toleranz ist RB Leipzig. 2019 unterschrieb der Fußballclub etwa die Berliner Erklärung zur Selbstverpflichtung zum Engagement gegen Homophobie im Sport oder erklärte ein Jahr zuvor den homosexuellen Fanclub RainbowBULLS zum Official Fan Club der Roten Bullen. Seither tragen die Mitglieder der RainbowBULLS eigene Fan-Kleidung und deren Banner hängt für alle sichtbar im Stadion. Auch in den sozialen Medien ruft der Verein wiederholt mit der Initiative „Unser Ball ist bunt“ zum Abbau von Ressentiments auf. Mich würde dabei die Resonanz auf diese Post interessieren.

Motorola unterstützt diese Maßnahme. In einer Mitteilung heißt es: „Wir sind stolz darauf, mit RB Leipzig einen Partner gefunden zu haben, mit dem wir dieselben Werte teilen: Vielfalt, Offenheit, Menschenwürde und Toleranz. Es wird noch ein langer Weg sein, bis ein homosexueller Profispieler sich mit seinem Partner in der Öffentlichkeit zeigen kann, aber wir wollen jeden Menschen, der in Angst lebt, unterstützen“, sagt Chong-Won Lim, Head of Marketing von Motorola, Deutschland. „Motorola spricht sich deshalb klar gegen die Stigmatisierung von Minderheiten in sozialen Medien aus und will dazu ermutigen, sich selbst und andere zu akzeptieren. Smartphones, die rund um die Uhr den Zugang zu Social Media ermöglichen, sollen Menschen befähigen Geschichten zu erzählen, Grenzen zu überwinden und andere zu inspirieren und keine Phobien fördern. Deshalb setzen wir als Hersteller hier ein Zeichen.“