Archive for August 2012

Futuristische Kühlung: Dyson Air Multiplier AM02

30. August 2012

Das erste Mal als ich dieses Wunderding erblickte war im Apple Store New York Store in der Grand Central Station. Es herrschte eine Bullenhitze und Kühlung war dringend notwendig. Beim Schlendern durch den beeindruckenden Apple Store entdeckte ich am Rande mehrerer dieser Turmventilatoren. Irgendwie passten diese Teile von Dyson in die schöne Welt von Apple. Sie sahen prima aus, sie machten, was es machen sollten – nämlich Wind und dies nahezu zu geräuschlos.

Zurück in Deutschland musste ich mir so ein Teil mit Namen Dyson AM02 Air Multiplier dringend anschaffen. Was gut für Apple ist, kann auch gut für mein Büro sein. Da die Temperaturen in meinem Dachbüro auf die 30 Grad Celsius zugingen, war ein bisschen Luft auch hier dringend notwendig. Bisher sorgte in meinem Arbeitszimmer ein Standventilator für das Umwälzenden der warmen Luft. Das Teil schepperte und quietsche, machte entweder richtig Wind oder gar keinen. Kurzum: ich fühlte mich unwohl und wollte Ersatz..

Herkömmliche Ventilatoren regulieren die Stärke des Luftstroms mit 3 oder 4 Stufen. Mein bisheriger Venti erzeugt einen stoßartigen, unregelmäßigen Luftstrom, weil er mit seinen Flügeln die Luft zerschneidet. Meine Papierstapel flogen bei dem Schwenken der Ventilatorenblätter vom Tisch, ich bekam durch den heftigen Windstoß Kopfweh und eigentlich war es Zeit für etwas neues. Die erste angenehme Eigenschaft des neuen: Beim Dyson AM02 Air Multiplier kann die Stärke des Luftstroms mithilfe eines Reglers stufenlos eingestellt werden. Die Dyson Ventilatortechnologie verstärkt den primären Luftstrahl und erzeugt einen gleichmäßigen Luftstrom – ohne Unterbrechungen. Das Papier bleibt seitdem auf dem Tisch liegen.

Vor allem ist das Ding eine Augenweide, denn so eine Technik habe ich noch nie zuvor gesehen gehabt. Es bekam 2011 auch den red dot Design Award. Wichtiger ist aber die Technik, die in den futuristischen Teil steckt. Die Luft wird durch einen schmalen Schlitz beschleunigt. So baut sich ein ringförmiger Luftstrahl auf. Dieser wird über eine Schräge geführt, um die Richtung des Luftstroms zu kanalisieren. Zusätzlich wird die umgebende Luft angesaugt und das 16fache verstärkt. Herkömmliche Ventilatoren wie mein bisheriges Klapperteil verfügen über schnell rotierende Flügel, die durch ein Gitter geschützt werden müssen. Der Dyson Air Multiplier hat kein schnell drehendes Ventilatorrad. Ich kann in den Venti fassen und nichts passiert. Da meine Kinder auch im Büro vorbei schauen, kann ich da auf der sicheren Seite sein.

Nachts verlegte ich meine Neuanschaffung ins Schlafzimmer. Die 65 Watt Leistung störten mich beim Schlaf nicht. Als ich dann doch mal wegen des Luftstroms aufwachte, griff ich einfach zur Fernbedienung und regelte die Leistung runter – locker vom Bett aus ohne aufzustehen. Vornehm geht die Welt zu Grunde.

Klarer Nachteil des Geräts ist sein Preis. 350 Euro kostet der Spaß, der alte Venti vom Baumarkt hat nur 69 Euro gekostet. Dennoch: ich bin mit dem Turmventilator AM02 von Dyson zufrieden. Der Turmventilator verfügt über eine schlanke und geradlinige Form, die nur wenig Platz in Anspruch nimmt. Der alte Venti wandert in den Keller und wenn er innerhalb eines halben Jahres nicht gebraucht wird, kann ihn gerne jemand haben.

Retro Gamer für alte Videospieler

29. August 2012

Als Freund von Retro Computern möchte ich heute die neue deutsche Ausgabe des Magazins Retro Gamer vorstellen. Das Magazin erschien vor kurzem in einem Unterverlag von Heise und wurde von einem alten Kollegen von mir verantwortet: Wolfgang Koser. Ein ehemaliger Grafiker-Kollege von mir, der großartige Clemens Strimmer, hat dieses Heft layoutet. Wer alte Computer oder Videospiele mag, der kommt beim Lesen voll auf seine Kosten. Trotz alter Materie bietet dieses Magazin viel neues. So hat die Redaktion ehemalige Spiele-Entwickler von damals aufgetrieben und interviewt. Zudem gibt es einen neuen Überblick über zahlreiche Maschinen, die bei dem ein oder anderen von uns im Kinderzimmer standen. Mit dabei sind unter anderem: Atari 7800, MXM, PSX, mein Liebling Apple III sowie ColocoVision. Ich hätte mir mehr Ausführungen über den ZX81 und den C64 sowie Atari 2600 erwartet, aber die standen wohl nicht auf dem Plan der Redaktion. Und natürlich geht es in dem Heft um Spiele. Es geht um Lara, es geht um Mario, wir erfahren endlich wie Asteroids entstanden ist und kleine und große Games von damals.

Die Macher um Wolfgang Koser bewiesen sehr viel Humor bei der Produktion dieses Magazins: Obwohl das Magazin 258 Seiten umfasst, ist auf dem Cover ganz groß 256 zu lesen. So ein Humor gefällt mir mir bei einem Retro Magazin. Und ich musste grinsen, als ich ganz entgegen der klassischen Heftverkaufe ein Alt statt einem Neu auf dem Titelbild erspähte – das wurde vom englischen Original übernommen.

Inzwischen scheint der Retro-Markt auch für größere Verlage interessant zu sein. Atari, bzw. deren Rechtsnachfolger machen schönes Geld mit der Veröffentlichung von alten Spielen. Und auch auf der Games Com  in Köln waren die Retro-Liebhaber wieder anzutreffen. Also warum nicht die Zeit für den Retro Gamer auf Deutsch. Mit 12,80 Euro bin ich dabei, klaro.

 

Einkaufsfrust: Webseitenfehler halten zwei Drittel der Internet-Käufer vom Kauf ab

11. August 2012

Es nervt total. Da hab ich schon einmal einen Einkaufsgutschein bekommen und ich finde auf der Website das Feld nicht, wo ich meinen Code eintragen muss. Die Folge: Ich bin stocksauer und kaufe eben auf dieser Seite nicht ein, nie wieder ein. Ich fühle mich über den Tisch gezogen, vielleicht weil ich zu doof war, aber vielleicht auch, weil es gar kein Feld zum Eintragen des Gutscheincodes gab.

Das es neben mir einigen anderen Leuten so geht, zeigten Untersuchungen von testCloud: Der Gutschein wird nicht korrekt angerechnet, der Warenkorb zeigt die falschen Waren an, die Kartenzahlung funktioniert nicht. Es gibt viele Fehlerquellen, die das Online-Shoppingvergnügen trüben können. Genau diese untersuchte der Softwaretesting-Experte testCloud mit einer Online-Umfrage. Im Rahmen der testCloud-Umfrage wurden im Juli 2012 150 Personen online zu ihrem Internet-Einkaufsverhalten befragt. Die Berliner Jungunternehmer stellten in ihrer Studie fest: Bereits 67 Prozent der onlineaffinen Käufer sind einem Fehler begegnet, der zum Abbruch ihres Einkaufs von Produkten wie Kleidung, Technik, Möbel oder Bücher geführt hat. Am meisten geht mir persönlich fehlerhafte Reseseiten auf den Geist: Habe ich alle Daten eingetragen, geht im Bestellprozess irgendein Button nicht, weil ich beispielsweise mit dem Mac-Browser Safari arbeite. Und zack bin ich weg und komm nicht wieder.

„Was tun die Käufer, wenn ihnen ein solcher Fehler begegnet?“ wollte testCloud wissen. Die Mehrzahl der Befragten (40 Prozent) versuchte, die Bestellung daraufhin erneut einzugeben, 21 Prozent brachen den Vorgang ab und gaben der Seite später noch eine Chance. Dazu gehöre ich nicht. Ich kaufe schlicht und einfach nicht mehr dort ein, denn das Internet ist groß und ich kann auch wo anders mein Geld loswerden.

Die Shopbetreiber sollten sich nicht darauf verlassen, dass ein solcher Fehler von den potenziellen Käufern selbst gemeldet wird: Nur sieben Prozent versuchen, in einem solchen Fall den Support zu erreichen. Hingegen wechseln aber 15 Prozent der Käufer direkt zu der Seite eines anderen Anbieters, um das gewünschte Produkt zu bestellen. Drei Prozent besuchen die fehlerhafte Seite sogar nie wieder. Dazu gehöre ich eindeutig.

Das Berliner Startup testCloud ist darauf spezialisiert, Webseiten, mobile Apps und Unternehmensanwendungen via Crowdsourcing zu testen. Mithilfe von erfahrenen Testern und passionierten Internetnutzern werden so etwaige Softwarefehler schnell, kostengünstig und umfassend gefunden. Namhafte Unternehmen verschiedenster Branchen, wie Zalando und Qype, nutzen die Dienste von testCloud bereits erfolgreich.

Buchtipp: The Art of the Film Prometheus von Mark Salisbury

10. August 2012

Prometheus hat mein Filmherz erobert und als Fan will ich mehr über diesen Film wissen, steht er doch in der Tradition von Alien, der mir 1979 richtig Angst eingejagt hat. Und voller Begeisterung blättere ich daher in dem Werk von Mark Salisbury: Prometheus: The Art of the Film

Wie bei der Reihe The Art of üblich, werden hier Skizzen und Zeichnungen aus allen Phasen des Films veröffentlicht und mal mehr, mal weniger kommentiert. Hinzu kommen dieses Mal fertige CGI-Renderings und Filmszenen sowie Produktionsfotos. Die Filmszenen hätte man sich sparen können, dafür gibt es andere Bücher. Und wer mehr über die VFX-Hintergründe lesen will, sollte den Blog von Trevor Hogg lesen.

Das Vorwort stammt übrigens von Regiestar Ridley Scott. Hier schreibt er, wie er nach Alien und Blade Runner wieder zu Science Fiction-Stoff zurückfand und dafür lieben wir ihn. Die Artists wie Produktionsdesigner Arthur Max kommen in dem Buch ausführlich zu Wort, aber das Wichtigste bleiben die gewaltigen Bilder eines gewaltigen Films. Konzept-Art wird hier groß geschrieben. Wir Leser erfahren viel über die außerirdischen Landschaften und Lebensformen, ohne viel von der Geschichte selbst zu verraten. Mir machte es Spaß in die Produktion einzutauchen, denn ich liebe Making ofs. Es ist ein wunderbare Produktionsbuch und stellt einzelne Produktionsphasen des Films vor: The Pyramid, The landing, the Jaggernaut, the pilot chamber and chair. – Gerade hier werden die Ideen von HR Giger wieder aufgenommen und neu interpretiert.

Fans von Prometheus werden dieses Buch kaufen, wenn sie mehr wissen wollen, als klassische Handlungen und bunte finale Bilder. Prometheus: The Art of the Film ist ein hochwertiges Buch für den Filmfreund des modernen Science Fiction-Films und Fans von Ridley Scott. Hier sind die 40 US-Dollar für die 190 Seiten hervorragend investiert.

Musiktipp: Prometheus von Marc Streitenfeld

9. August 2012

Lange auf ich auf diesen Film gewartet: Prometheus ist das Prequel zu Alien und wiederum führte Altmeister Ridley Scott Regie. Um den Film richtig zu genießen, nahm ich mir als erstes den Soundtrack Prometheus vor. Wenn ich den Score des Films kenne, dann kann ich den Film anschließend noch mehr genießen. Meine Gedanken zu den Alien-Soundtracks habe ich ja bereits in diesem Blog niedergelegt. Nun kam der Soundtrack von Marc Streitenfeld bei mir an und voller Erwartung spielte ich ihn ab.

Streitenfeld ist Münchner, fand mit 19 Jahren in LA seine neue Heimat. Dort absolvierte er ein Praktikum bei Hans Zimmer, wo er das Business kennenlernte. Ich bin wahrlich kein Zimmer-Fan, aber man lernt wohl unter Druck kommerziell zu komponieren. Bei der Arbeit zu Gladiator lernte er auch Ridley Scott kennen, denn die Zimmer-Kompositionsmaschinerie steuerte den Soundtrack bei. Irgendwann löste sich der Münchner von Hans Zimmer und ging seinen eigenen Weg weiter. Es kamen weitere Kooperationen mit Scott wie unter andere, bei American Gangster oder Robin Hood. Sehr gut Werke, die Spaß machen. Soundtrack um Soundtrack sicherte sich Marc Streitenfeld seinen Platz unter den Top-Hollywood-Komponisten.

Aber dann kam der Auftrag zu Prometheus und der steht in der Tradition von Alien. Die Erwartungshaltungen waren enorm. Marc Streitenfeld ist nicht Jerry Goldsmith und das ist gut so. Streitenfeld macht nicht den Fehler, den Soundtrack des Meisters zu kopieren, sondern er schafft sein eigenes Opus. Wunderbar, gewaltig, gefühlvoll. So soll ein Soundtrack in der Tradition von Alien sein. Mit einem Augenzwinkern wird das Goldsmith-Alien-Thema in dem Stück „Friend from the past“ aufgenommen und interpretiert. Solche Hommagen liebe ich. Die 25 Kompositionen der Soundtrack-CD lassen hervorragend mit dem Kopfhörer zu genießen. Aber ich musste zugeben, ich musste den Soundtrack mehrmals hören, um einen Zugang zu finden. Das Prometheus-Thema wird unterschiedlich variiert und interpretiert. Ich muss sagen ich hatte einen riesigen Bammel davor, dass dieser Soundtrack zu Prometheus in die Hose geht. Aber für mich steht fest: Prometheus ist nicht Alien, Streitenfeld ist nicht Goldsmith, aber Scott bleibt Scott. Ich habe die Musik genossen und werde den Film genießen. Und fest steht auch:  Mit Streitenfeld habe ich einen neuen Helden für mich entdeckt. Bravo.

Buchkritik: Industrial Light & Magic von Pamela Glintenkamp

2. August 2012

Über Jahre hinweg stand und steht die Effekteschmiede von George Lucas Industrial Light & Magic  oder kurz ILM für Innovation in der Filmwelt. Aufgrund eines kostspieligen Scheidungsverfahren musste Lucas eine Entscheidung treffen: Verkauft er Pixar oder ILM? Er entschied sich für den Verkauf von Pixar und Steve Jobs griff zu. Der Rest ist Filmgeschichte. Bei ILM setzte Lucas auf Nummer sicher. Die VFX-Bude gehört zu den Perlen des Lucas Imperium, die Millionen einbringt. Die Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet, haben immer wieder die Filmgeschichte verändert.

Das vorliegende Buch von Pamela Glintenkamp Industrial Light & Magic: The Art of Innovation beweist diese Innovationskraft und den enormen Einfluss der Fabrik eindrucksvoll. Auf 358 Seiten durchstreift der Leser die Filmgeschichte und erinnert sich gerne das ein oder andere Effekteabendteuer, auch wenn so mancher Film dahinter einfach nur grausam war. IFM wurde geschaffen, um das Unmögliche zu schaffen, so beschrieb es George Lucas einstmals.

Und er sollte recht behalten: Die Tricks von Jurassic Park hauten uns vom Hocker, Star Wars sorgte dafür, dass uns die Spucke wegblieb, Indy Jones nahm uns auf eine Reise durch das moderne Actionkino mit. Mir persönlich gefielen auch die atmosphärische Dichte von Poltergeist, die erste CGI-Figur in Young Sherlock Holmes, der Spaß von Roger Rabbit, der Wind in Twister oder die Wasserszenen von Abyss. Als ich als Jugendlicher die Morphing-Effekte von Terminator 2 im Kino sah, wusste ich, wie die VFX-Zukunft des Kinos aussah: Weg mit Modelle, her mit dem Rechner.

Bei meinen Gesprächen auf der Siggraph wurde mir bestätigt, dass ILM genau hinschaut, was die Mitbewerber so machen. Vor allem WETA und das deutsche Unternehmen Pixomondo stehen ganz oben auf der Beobachtungsliste, schließlich waren die Tricks von Thilo Kutter in Emmerichs 2012 Weltklasse und die Deutschen bekamen für Hugo sogar einen Oscar.

Bücher wie Industrial Light & Magic – The Art of Innovation liebe ich: Die ideale Mischung von Fantasie und Technik. Natürlich verrät Pamela Glintenkamp keine Geheimnisse von ILM, aber der Leser bekommt einen guten Eindruck, mit welchen Problemen die Artists zu kämpfen hatten. Und man bedenke: Sie hatten nicht die Rechenpower von heute zur Verfügung, sondern SGI war damals noch ein großer Name. PowerAnimator war im Grunde nur nach einem Physikstudium zu bedienen. Jeder heutige 3D-Artist wird die Tipps wie einen Schwamm aufsaugen, wie damals Herausforderungen gelöst wurden. Und die Lösung hieß eben nicht, dass man 50 Programmierer an ein Problem setzt und die Peitsche schwingt.

Der Wechsel von analogen zu digitalen Tricks werden in diesem Buch ausführlich beschrieben. Immer wieder wird gezeigt, was der lockere Spruch „Let´s fix it in the Post“ für die Artists bedeutet, nämlich modellieren, rendern auf Teufel komm raus.

VFX können aufdringlich im Vordergrund stehen, wie bei den schrecklichen Transformers oder auch unbemerkt im Hintergrund eine Atmosphäre der Angst erzeugen, wie bei Saving Private Ryan, wo Regieas Spielberg eine fotorealistische Arbeit von seinem Freund Lucas forderte. Meine absolute Lieblingstricks sind aber in AI zu finden. Zu diesem Film habe ich eine eigene Buchbesprechung durchgeführt, auf die an dieser Stelle verwiesen sei.

Egal, um was es geht, ILM hat wohl eine Antwort darauf. Und daher ist allen Zeitgenossen dieses Buch empfohlen, wenn sie sich für Effekte im Kino interessieren. Einstmals begann ich meine Sammlung von Filmbüchern mit einem Sonderband des deutschen Kinomagazins Cinema „Die Tricks“. Die Tricks waren damals aufwendige Bastelarbeiten, Modelle, Matte-Zeichnungen. Wenn ich mir heute die Tricks aus dem Rechner in Welten bei Avatar anschaue, stelle ich fest, wie schnell die Zeit vergangenen ist und was ILM alles geschaffen hat. Respekt für so einen großen Anteil an der Filmgeschichte. Ich bin gespannt, was sich ILM als nächstes einfallen lässt. Pamela Glintenkamp wird es uns sicherlich berichten. In ihrer unaufdringlichen sachlichen Schreibe merkt an, dass die für das Stanley Kubrick Archiv in London gearbeitet hat. Ohne zu übertreiben, lässt sie die Künstler zu Wort kommen und hält sich selbst mit Superlativen zurück. In über 100 Interviews sammelte sie schönes Material von Casper bis Rango, was sie mit uns in Industrial Light & Magic: The Art of Innovation teilt. Unbedingt kaufen. Und wer mehr wissen will, sollte sich auch das Buch: Industrial Light & Magic: Into the Digital Realm antun. Hier meine Kritik:

Buchkritik: Bob Dylan – Forever young

1. August 2012

Time Life hat ein wunderbares Fotoarchiv und immer wieder werden Schätze aus diesem Archiv gehoben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So geschehen vor kurzem bei dem neuen Fotobuch Life in Pictures Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)).

Es sind viele bekannte und einige mir unbekannte Dylan-Fotos darin zu finden. Daneben gibt es eine gefällige Einführung von Robert Sullivan, dem Herausgeber der Life-Bücher. Natürlich hat man die sechziger Jahre erlebt, natürlich war man bei Rolling Thunder dabei, schöne Erinnerungen derjenigen, die noch immer am 60- und 70-Jahre-Tropf hängen. Vom neuen Dylan, gar vom Jesus-Dylan gibt es nicht viel zu lesen oder zu sehen. Die 60er und 70er Jahre sind hervorragend illustriert, doch es gibt nur ein paar Fotos aus den 80ern wie den interessanten Live Aid-Auftritt, ein wenig Papst und ein wenig Ehrungen und Auszeichnungen. Im Grunde ist es Standard-Agenturmaterial, das bekannt ist. Von der Neuzeit keine tieferen Analysen, obwohl das Buch 2012 erschienen ist und Dylan mit seinem Spätwerk ungeheuere kommerzielle und künstlerische Erfolge abliefert.

Kurz wird im Text auf seine zweite gescheiterte Ehe und seine Tochter aus der Beziehung eingegangen, aber nichts wirklich Neues. Nein, diesen Dylan wollen eine Fans von Life nicht sehen, sie wollen lieber die Protest- und elektrische Phase sehen und dokumentieren dies mit wunderbaren Fotos. Mir selbst gefällt die Doppelseite zum Bucheinstieg von Renaldo und Clara eigentlich am Besten. Dylan steht mit Joan Baez (in Hochzeitskleid) in einer Bar. Sam Shepard ordnet im Hintergrund Filmmaterial. Dylan und Baez schauen sich in die Augen – das alte Feuer ist da. Dylan Fans kennen den Dialog aus dem Buch von Sam Sharpard, der sich abspielte: „Warum haben wir nie geheiratet?“ fragte sie. „Ich habe die Frau geheiratet, die ich liebe“, antworte er. Die gescheiterte Liebe wird vor laufenden Kameras ausgetragen und wir sind Zeuge.

Insgesamt ist Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)) ein nettes Buch, kein Muss, aber ein paar neue Fotos vom Meister aus den guten alten Zeiten. Eine Offenbarung ist es nicht, aber solides Fanmaterial.