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Buchtipp: Art of Atari von Tim Lapetino

2. März 2017
Als 8-Bit Fan liebe ich Atari.

Als 8-Bit Fan liebe ich Atari.

Kennt ihr das auch noch? Als Jugendlicher lag ich auf meinem Sofa und hatte das Cover einer Langspielplatte in der Hand, während sich die Vinylscheibe auf meinem Dual-Plattenspieler drehte. Ich vertiefte mich in das Cover, las die Texte, studierte die Mitwirkenden und versank in meine Gedankenwelt. Ähnlich ging es mir als Kind, als mir meine Eltern das Videospielsystem VCS Atari 2600 kauften.
Wenn der heimische Grundig-Fernseher von meinen Eltern für eine TV-Sendung wie das laufende Band oder der blaue Bock besetzt war, saß ich auf dem Sofa und schaute mir die Verpackungen der Videospiele an. Spielen konnte ich ja nicht, weil der Fernseher von meinen Eltern blockiert war. Ein eigenes TV-Gerät hatte ich nicht, das bekam ich erst später von meiner Großmutter geschenkt. Ich versank also in meine Traumwelt und malte mir Abenteuer aus. Die Inspiration lieferten mir die Cover der Atari-Spiele. Ich spielte Tennis, sprang über Dschungelgruben, eroberte den Weltraum, schlug Schlachten mit meinen Raumschiff oder wehrte feindliche Aliens an. Ich liebte Videogames aus der 8-Bit Ära und ich liebe sie heute noch.
So war es für mich eine Selbstverständlichkeit als Retro-Gamer, dass ich mir sofort nach Erscheinen das Buch Art of Atari anschaffte. Es war wie eine Reise in meine Jugend, als ich auf dem Sofa das schwere Buch durchblätterte. Im Vorwort von Ernest Cline lese ich, dass das Spielecover sich mit dem digitalen Spiel verbinden und er hat recht. Gefiel mir das Cover nicht, gefiel mir das Spiel in der Regel auch nicht. Aber auch ein gutes Cover kann ein schlechtes Spiel nicht retten – ET sei als Beispiel genannt.
Die Geschichte von Atari wird in diesem Buche zum wiederholten Male erzählt. Die Geburt ist bekannt, wichtig waren mir die alten Bilder. Pong-Werbung in der Frühzeit, alte Arcademaschinen mit Knöpfchen, Bushsnell hier und Bushnell dort. Die beiden Steve bei Atari (leider ohne neuem Bildmaterial) sind auch bekannt. Wenn ich ehrlich bin, interessiere ich mich nur für das 2600-Gerät. Das 5200 Supersystem war mir zu teuer und das Atari 7800 Prosystem kam für mich zu spät. Ich war bereits auf den C64 umgestiegen und holte meinen Atari 2600 erst Jahre später wieder aus dem Keller. Atari XE kannte ich nicht, dafür liebte ich meinen Atari Lynx-Handheld (der einen enormen Batterienverbrauch hatte) und trotz 64 Bit kam mir Jaguar nie ins Haus.
Für mich interessanter war der Blick in die Designabteilung. George Opperman war beispielsweise einer meiner Helden, die ich nie mit Namen kannte. Aber ich kannte seine Kunst – ich kannte das legendäre Atari-Logo. Noch heute liebe den Schriftzug mit den drei Streifen.

Natürlich darf die Geschichte von ET nicht fehlen.

Natürlich darf die Geschichte von ET nicht fehlen.

Und dann kommen wir endlich zu den Spielen. Eines meiner ersten Games war Air-Sea-Battle. Das Cover war Action pur. Düsenjäger greifen Kriegsschiffe an – Krieg. Raketen steigen auf, ein U-Boot taucht ab. Extreme Dynamik in einem Bild vereinigt. Das Bild wurde von Cliff Spohn gezeichnet und prägte sich in mein Gedächtnis ein.

Air-Sea-Battle

Air-Sea-Battle

Eine Zeitlang mochte ich Autorennen ganz gerne. Es waren im Grunde Striche, die sich innerhalb anderer Striche bewegten. Als Sound gab es Brummen. Das ganze Spiel spielte sich auch im Kopf ab. Schumacher hab es noch nicht, Nikki Lauda war mein Held.

Star Ship

Star Ship

1977 kam Star Wars – Krieg der Sterne in die Kinos und ich brauchte unbedingt ein Weltraumspiel. Empire strikes back kam erst Jahre später auf das Atari 2600 und so blieb mir für Weltraumschlachten das Spiel Star Ship. Zwischen Planeten lieferten sich Raumgleiter schwere Kämpfe – genau meine Welt und wieder lieferte Cliff Spohn das Cover. Da war es an der Zeit, endlich was über Cliff Spohn zu lesen. Der Mann, der die visuelle Games meiner Kindheit geprägt hatte. Der Illustrator machte mir damals Lust auf die Spiele, wobei ich die klassischen Sportspiele nicht mochte. Basketball ist zwar schön gezeichnet, reizt mich aber noch immer nicht zu spielen.

Basketball

Basketball

Das Buch zeigt auch die Version von Superman. Der Film mit Brando kam 1978 in die Kinos und ich wollte unbedingt als Kind die erste lizensierte Videospielversion eines Films haben, hatte es aber damals in keinen meiner Spieleläden bekommen. Amazon und Online-Handel hab es noch nicht. Vielleicht erfülle ich mir heute noch den Wunsch, den Stählernden, wie er damals hieß, als Videogame zu kaufen. Das Spielprinzip habe ich allerdings auch heute nicht verstanden, aber das Cover war cool.

Asteroids

Asteroids

Und so gab es viele Covers und damit Spiele, die ich liebte: Asteroids war der Hammer. Stundenlang, tagelang spielte ich das Dreieck und zerstörte digitale Felsbrocken. Das Cover des Spiels mit dem einsamen Raumschiff inmitten von Asteroiden war super spannend. Ich stellte mir vor, wie ich der Captain dieses Schiffs war und mir mit Laserwaffen den Weg bahnte.

Missile Command

Missile Command

Und dann war da noch in der Hochphase des Kalten Krieges das Spiel Missile Command. Von einem versteckten Bunker feuerte ein Soldat der Zukunft Atomwaffen auf Städte ab. Eine Frau schaut ihn dabei über die Schulter. Brutaler und kaltblütiger geht es wohl nicht. Die Aufgabe war es, die anfliegenden Atomraketen abzufangen. Jahre später war mit dem Raketenabwehrsystem Roland und den Raketen von Saddam Hussein aus dem Spiel Wirklichkeit geworden. Als Kind faszinierte mich das Cover, das im Buch auf einer Doppelseite abgebildet ist. George Oppermann schuf wiederum das Bild.

Kompletter Schrott: ET

Kompletter Schrott: ET

Als Kind wusste ich nicht, welchen Klassiker ich mit Vanguard in der Hand hielt. Es war ein Raumschiff, dass durch ein Tunnelsystem flog und gegen Welle um Welle von Fieslingen kämpfen musste. Das Design des Covers stammte von Ralph McQuarrie. Ohne diesen Mann hätte es Star Wars, Unheimliche Begegnung oder ET nicht gegeben. Ein absoluter Klassiker des Spieledesigns wurde hier geschaffen. Mein Wunsch ist es, ein Originalcover zu ersteigern. Nun, dem Buch liegt zumindest ein schöner Druck einer Collage von Cliff Spohn bei – und es gibt von Steam 100 Atari Spiele zum Download, der Code liegt ebenso dem Buch bei.
Wer das Buch Art of Atari von Tim Lapetino noch bekommt, sollte unbedingt zugreifen.

Hier das Unboxing-Video:

Leidenschaft: Retrogames – Videospiele aus der 8 Bit-Ära

2. April 2016

Was brachte mich ins digitale Zeitalter? Ich wurde angefixt durch Videospiele oder Telespiele, wie ich sie damals nannte. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts machte ich als Jugendlicher mit meinen Eltern Urlaub am Gardasee in Italien. Mich interessierte weniger Pizza oder Kultur, mich interessierte ein faszinierender, fast magischer Ort – eine Spielhölle. Spielhölle – so nannten meine Eltern zumindest diese kleine Spelunke in einer Seitenstraße, die mit allerlei Arkadeautomaten vollgestopft war. In Italien durfte ich anders als in Deutschland diesen magischen Ort betreten und an Videospielautomaten zocken. Während meine Eltern sich der Kultur hingaben, gab ich einer neuen Spielkultur hin, die ich bis dato nicht kannte. Videospiele

Ich bin ein Retrogamer - das ist eine meiner Leidenschaften.

Ich bin ein Retrogamer – das ist eine meiner Leidenschaften.

Die Automaten wurden mit Lire (die damalige Währungseinheit in Italien) gefüttert und ich versank in der 8 Bit-Welt. Diese Spielhöllen hatten einen bestimmten Sound und heute bin ich noch immer von diesem Sound fasziniert.
Wieder in Deutschland angekommen, stellte ich fest, dass das Spielen von Videogames an Automaten sehr teuer war. 1 Mark – da bekam ich in Italien fünf Spiele à 200 Lire dafür. Eine Arkademaschine stand bei uns im Kaufhaus X in Fürstenfeldbruck in der Spielwarenabteilung: Asteroids – ein dreieckiges Rauschiff musste sich gegen den Ansturm von digitalen Felsbrocken erwehren – und das alles in Schwarzweiß. Es war das leidenschaftliche Zentrum unserer Jugend. Meine Kumpels kamen zusammen und wir verzockten unser Taschengeld. Außerdem stellten wir fest, dass Münzen aus Griechenland, die Drachme, ein ähnliches Gewicht wie die D-Mark hatte, aber nur einen Bruchteil des Wertes der D-Mark hatte. Also tauschten wir bei allen griechischen Gastarbeiter in unserem Ort D-Mark gegen Drachme und konnten zu günstigem Kurs Asteroids zocken. Erwischt wurden wir nie.

Asteroids
Eines Tages waren meine Eltern beim Einkaufen und ich lümmelte mich auf dem Familiensofa herum. Aufgeregt rief mich meine Mutter über ein Münztelefon an – das war das Zeitalter lange vor Handy und Smartphone. In einem Einkaufszentrum hätte sie ein Telespiel entdeckt, das im Preis gesenkt war. Sie wüsste nicht genau, ob ich es wollte und ich sollte vorbeikommen. Also schnappte ich mein Fahrrad und radelte wie ein Besessener zu einem Café, wo meine Eltern auf mich warteten. Gemeinsam besichtigten wir das Telespiel.
Ich hatte Angst, dass es so eine simple Art von Videospiel war, das ein paar Spiele im Speicher hatte. Aber nein, meine Eltern führten mich zu dem Klassiker schlechthin – sie führten mich zum Atari 2600.
Ich verliebte mich in das schwarze Plastikdesign mit Holzimitat. So wurde das Atari 2600 meine erste Gameskonsole. Über den Antennenstecker schloss ich das Atari 2600 an meinen Schwarzweiß-Fernseher an, den ich im Kinderzimmer stehen hatte. Diesen Fernseher hatte mir meine Großmutter zu Weihnachten gekauft – Farbe war damals zu teuer. Und aus meinen Kinderzimmer wurde eine Spielhölle. Die Spiele waren auf Cartridge gespeichert, eine Art Steckmodul. Diese wurden in das Atari 2600 gesteckt, dann Neustart und dann zocken. Auf den Cartridges waren bunte Bildchen, die einen Spielspaß versprachen.
Und es sage noch einer, dass Videospiele einsam machen. Wir spielten, wenn es möglich war, immer in Gruppen. Freunde kamen zu mir und im Laufe der Zeit bekamen diese Freunde von ihren Eltern auch ein Atari 2600 und wir zogen dann um. Bei einem Kumpel durften wir sein Atari 2600 sogar an den Grundig-Farbfernseher im elterlichen Wohnzimmer anschließen – ein Antennenumschalter machte es möglich. Die 16 Grundfarben des Gerätes hauten mich vom Hocker und der 8 Bit-Sound aus den TV-Boxen zogen mich in die digitale Welt. Hammer.

Atari 2600 als Darth Vader-Edition in meinem Arbeitszimmer.

Atari 2600 als Darth Vader-Edition in meinem Arbeitszimmer.

Jeder von uns hatte seine Lieblingsspiele. Ich hatte zwei: Es handelte sich um Defender und später dann um Empire strikes back. Beide Spiele hatten das gleiche Prinzip. Ballern bis der Finger wehtat.


Heute, fast 35 Jahre später bin ich meiner alten Leidenschaft wieder erlegen. Trotz Next-Gen Konsolen wie Playstation 4 kaufte ich mit meinem Sohn ein altes Atari 2600 mit ein paar Spielen. Ich beobachte meinen Sohn beim Spielen – er hat die gleiche Leidenschaft wie ich in seinem Alter. Und was mich besonders freute, trotz grottiger Grafik und Sound des Atari 2600 verglichen mit der Playstation 4 hat mein Sohn das Retro-Spielprinzip verstanden und akzeptiert. So zocken wir an einem alten Röhrenfernseher, den ich bei meinen Eltern im Keller gefunden habe. Wir spielten zunächst Pac Man und im Laufe der Zeit kaufte ich die alten Cartridges nach. Auch Defender war dabei und meine alte Leidenschaft war wieder voll entbrannt.

Retrogaming_
In einem Laden entdeckte ich die Darth Vader-Edition des Atari 2600. Sie hieß so, weil sie ganz in Schwarz war. Gesehen, probiert und gekauft. Also nun steht dieser Klassiker im Arbeitszimmer und es darf gerne gezockt werden. Mein zweites Lieblingsspiel Empire strikes back war selten, aber ich machte ein gutes Geschäft und erwarb die Cartridge von Parker. Der Kampf Luke Skywalker gegen die ATAT auf Hooth – was gab es damals cooleres? Nichts! Das Spiel war der Hammer und heute erklären mir Erwachsene Spieletipps zu diesem Klassiker, ist das nicht stark? Ich hatte ein Foto bei Instagram gepostet und der Zuspruch war enorm. Leidenschaft pur.

Empire als Zifferblatt auf meiner Apple Watch.

Empire als Zifferblatt auf meiner Apple Watch.

Auf ZDFinfo kam im linearen Fernsehen ein Themenabend über Videogames, den ich mir zusammen mit meinen Kindern anschaute. Sie interessieren sich sehr für die Spiele meiner Jugend. Dort kam auch ein Spiel vor, dass eine tiefe Wunde in mein Spielerdasein riss. ET – der Außerirdische auf dem Atari 2600, basierend auf den Filmklassiker von Steven Spielberg. Meine Eltern wollten mir die Cartridge von ET damals zu Weihnachten nicht kaufen. Sie hatten schon etwas anders besorgt – einen schönen Pullover (OMG). Ich konnte ET nur bei Kumpels spielen. Und was soll ich sagen: Das Spiel war hundsmiserabel. ET fiel in Löcher und kam wieder heraus – das war es dann. Wir waren alle damals enttäuscht. Das Spiel war Müll und Atari hatte sich verzockt. Bei uns kamen auch langsam die ersten Home Computer und eine neue digitale Ära begann. Bei mir waren es der ZX81 und dann der Commodore 64. Atari hatte dem nichts entgegenzusetzen.
Atari verschrottete das ET-Spiel auf einer Deponie. Die Aktion wurde zum Mythos. Als Journalist dachte ich immer wieder daran, auf die Deponie zu fahren und den ET-Schatz zu heben. Andere Leute hatten wohl auch diesen Traum und vor ein paar Jahren wurden die Tausenden Cartridges des ET-Spiels wieder von der Mülldeponie ausgegraben und als schlechtestes Videospiel aller Zeiten verkauft. Ich habe mir auch endlich meine Version von ET gekauft und was muss ich sagen. Nach all den Jahren ist das ET-Spiel für das Atari 2600 nicht besser geworden. Es war damals Müll und es ist heute noch Müll. Aber mein Atari 2600 liebe ich noch immer.

Leidenschaft bei den IronBloggern München

Leidenschaften hab ich viele, ganz viele: Musik, Film, Kochen, Foto und vieles mehr. Dieser Blogpost ging über die Leidenschaft Atari 2600. Die IronBlogger München, eine Vereinigung von Bloggern, haben eine Blogparade zum Thema Leidenschaft ausgerufen und dies ist der erste Beitrag dieser Parade. Jeden Tag im April wird ein IronBlogger einen Blog über Leidenschaft erstellen – viel Spaß beim Lesen. Morgen ist Alexander an der Reihe in seinem Blog. Ich bin gespannt.

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Retro Gamer für alte Videospieler

29. August 2012

Als Freund von Retro Computern möchte ich heute die neue deutsche Ausgabe des Magazins Retro Gamer vorstellen. Das Magazin erschien vor kurzem in einem Unterverlag von Heise und wurde von einem alten Kollegen von mir verantwortet: Wolfgang Koser. Ein ehemaliger Grafiker-Kollege von mir, der großartige Clemens Strimmer, hat dieses Heft layoutet. Wer alte Computer oder Videospiele mag, der kommt beim Lesen voll auf seine Kosten. Trotz alter Materie bietet dieses Magazin viel neues. So hat die Redaktion ehemalige Spiele-Entwickler von damals aufgetrieben und interviewt. Zudem gibt es einen neuen Überblick über zahlreiche Maschinen, die bei dem ein oder anderen von uns im Kinderzimmer standen. Mit dabei sind unter anderem: Atari 7800, MXM, PSX, mein Liebling Apple III sowie ColocoVision. Ich hätte mir mehr Ausführungen über den ZX81 und den C64 sowie Atari 2600 erwartet, aber die standen wohl nicht auf dem Plan der Redaktion. Und natürlich geht es in dem Heft um Spiele. Es geht um Lara, es geht um Mario, wir erfahren endlich wie Asteroids entstanden ist und kleine und große Games von damals.

Die Macher um Wolfgang Koser bewiesen sehr viel Humor bei der Produktion dieses Magazins: Obwohl das Magazin 258 Seiten umfasst, ist auf dem Cover ganz groß 256 zu lesen. So ein Humor gefällt mir mir bei einem Retro Magazin. Und ich musste grinsen, als ich ganz entgegen der klassischen Heftverkaufe ein Alt statt einem Neu auf dem Titelbild erspähte – das wurde vom englischen Original übernommen.

Inzwischen scheint der Retro-Markt auch für größere Verlage interessant zu sein. Atari, bzw. deren Rechtsnachfolger machen schönes Geld mit der Veröffentlichung von alten Spielen. Und auch auf der Games Com  in Köln waren die Retro-Liebhaber wieder anzutreffen. Also warum nicht die Zeit für den Retro Gamer auf Deutsch. Mit 12,80 Euro bin ich dabei, klaro.

 

Buchkritik: Extraleben von Constantin Gillies

17. Februar 2010

Gerne bin ich ein Vertreter der typischen C 64-Generation. Ich bin mit dem Commodore C 64 aufgewachsen und habe meine ersten IT-Schritte mit diesem Heimcomputer gemacht. Erst später wurde aus dem HC ein PC. Ich war in der Schule und die Diskussion drehte sich um die Frage: VC 20 oder C 64? Bevor ich diese Frage für mich entschieden habe, kam erst mal der ZX 81 von Sinclair an die Reihe. Das Ding hatte eine Gummitastatur. Dann überzeugte ich meine Eltern und bekam einen C 64 mit Datasette, weil das Diskettenlaufwerk zu teuer war. Später kam noch ein 4-Farb-Plotter dazu durch einen seltenen Zufall. Wir waren als Bayern in Urlaub an der Nordsee-Küste und ein Computerladen hatte den Plotter mit 99 DM falsch ausgezeichnet. Das Ding kostete sonst mehrere hundert Mark. Ich musste meine Hauspostille, das 64er Magazin kaufen und meinen Papa die hochpreisigen Plotter-Anzeigen zeigen, dann griffen wir zu.
Der Rechner, Datasette und Plotter stehen heute im Keller, eingemottet in einen Karton. Heute greife ich vielmehr zu einem netten Buch aus dem Jahr 2008. Extraleben. Ich habe die Taschenbuchausgabe aus dem vorbildlichen CSW-Verlag an einem Wochenende verschlungen, immer wieder herzhaft gelacht, mich selbst erkannt, den Kopf geschüttelt, mich verflucht, mich geärgert und alles mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Abenteuerroman für die „Generation Commodore 64“ heißt der Untertitel, also genau für mich. Autor Gilles spielt mit den Archetypen meiner Zeit. Und er ist ein guter Beobachter. Er stellt die Fragen, die ich mir einst auch gestellt habe. Darunter die brennende Frage meiner Zeit: „Gibt es wirklich einen E.T.-Friedhof?“ Ich Depp hatte mir auch das Spiel von Atari gekauft und es war der letzte Mist. Bis heute habe ich das Spiel nicht verstanden. So wie mir ging es auch anderen und es sprach sich rum: Das Spiel blieb wie Blei in den Regalen liegen und Atari bekam massive Probleme. Die Legende sagt, dass Tausende Kopien des Spiels irgendwo in den USA vergraben wurden. Diesen E.T.-Friedhof zu finden war eine Aufgabe in meiner IT-Jugend, ähnlich wie die Suche nach dem Heiligen Gral im Mittelalter.

Extraleben von Constantin Gillies

Und heute? Heute sind wir alte Säcke. Wir erzählen uns wie die beiden Akteure im Buch „Extraleben“ die Geschichten von früher in dem Bewusstsein, dass sich alle des Tatbestands bewusst sind, dass wir alle die Geschichten zum 1000x gehört haben. Das Buch ist für Fans von früher, für alle meine Freunde, die in den 80ern den Computer für sich entdeckt haben. Es ist ein Buch für alle, die Spaß an alten Geschichten haben, die den Charme eine Spielehalle erlegen sind und für die Asteroids und Defender Wahnsinnsspiele waren. Übrigens, auf der Website des Verlages, gibt es Leseproben als PDF und ein schönes Hörbuch mit einem Kapitel. Es liest Komponist Chris Huelsbeck.