Buchkritik: Extraleben von Constantin Gillies

Gerne bin ich ein Vertreter der typischen C 64-Generation. Ich bin mit dem Commodore C 64 aufgewachsen und habe meine ersten IT-Schritte mit diesem Heimcomputer gemacht. Erst später wurde aus dem HC ein PC. Ich war in der Schule und die Diskussion drehte sich um die Frage: VC 20 oder C 64? Bevor ich diese Frage für mich entschieden habe, kam erst mal der ZX 81 von Sinclair an die Reihe. Das Ding hatte eine Gummitastatur. Dann überzeugte ich meine Eltern und bekam einen C 64 mit Datasette, weil das Diskettenlaufwerk zu teuer war. Später kam noch ein 4-Farb-Plotter dazu durch einen seltenen Zufall. Wir waren als Bayern in Urlaub an der Nordsee-Küste und ein Computerladen hatte den Plotter mit 99 DM falsch ausgezeichnet. Das Ding kostete sonst mehrere hundert Mark. Ich musste meine Hauspostille, das 64er Magazin kaufen und meinen Papa die hochpreisigen Plotter-Anzeigen zeigen, dann griffen wir zu.
Der Rechner, Datasette und Plotter stehen heute im Keller, eingemottet in einen Karton. Heute greife ich vielmehr zu einem netten Buch aus dem Jahr 2008. Extraleben. Ich habe die Taschenbuchausgabe aus dem vorbildlichen CSW-Verlag an einem Wochenende verschlungen, immer wieder herzhaft gelacht, mich selbst erkannt, den Kopf geschüttelt, mich verflucht, mich geärgert und alles mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Abenteuerroman für die „Generation Commodore 64“ heißt der Untertitel, also genau für mich. Autor Gilles spielt mit den Archetypen meiner Zeit. Und er ist ein guter Beobachter. Er stellt die Fragen, die ich mir einst auch gestellt habe. Darunter die brennende Frage meiner Zeit: „Gibt es wirklich einen E.T.-Friedhof?“ Ich Depp hatte mir auch das Spiel von Atari gekauft und es war der letzte Mist. Bis heute habe ich das Spiel nicht verstanden. So wie mir ging es auch anderen und es sprach sich rum: Das Spiel blieb wie Blei in den Regalen liegen und Atari bekam massive Probleme. Die Legende sagt, dass Tausende Kopien des Spiels irgendwo in den USA vergraben wurden. Diesen E.T.-Friedhof zu finden war eine Aufgabe in meiner IT-Jugend, ähnlich wie die Suche nach dem Heiligen Gral im Mittelalter.

Extraleben von Constantin Gillies

Und heute? Heute sind wir alte Säcke. Wir erzählen uns wie die beiden Akteure im Buch „Extraleben“ die Geschichten von früher in dem Bewusstsein, dass sich alle des Tatbestands bewusst sind, dass wir alle die Geschichten zum 1000x gehört haben. Das Buch ist für Fans von früher, für alle meine Freunde, die in den 80ern den Computer für sich entdeckt haben. Es ist ein Buch für alle, die Spaß an alten Geschichten haben, die den Charme eine Spielehalle erlegen sind und für die Asteroids und Defender Wahnsinnsspiele waren. Übrigens, auf der Website des Verlages, gibt es Leseproben als PDF und ein schönes Hörbuch mit einem Kapitel. Es liest Komponist Chris Huelsbeck.

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3 Antworten to “Buchkritik: Extraleben von Constantin Gillies”

  1. Smirne76 Says:

    C 64 – nur echt im Brotkasten-Gehäuse
    Die Frage VC 20 oder C 64 stellte sich mir nie. Zum Einen war ich noch zu jung (ich war 6 oder 7) zum Anderen war ich der „Resteverwerter“ von meinem größeren Bruder und so bekam ich den VC 20 als mein Bruder seinen C 64 bekam. Irgendwann gabs für mich dann auch den C 64. Das Ding steht heute am Speicher und hatte seinen letzten Einsatz irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er, als bei meinem Atari die Festplatte kaputt ging und ich doch unbedingt chatten wollte. Ja, chatten ging auch mit dem C 64, via Userport eine RS232-Schnittstelle ran und dann das Modem. Mann, waren das noch Zeiten.

  2. Buchkritik: Der Bug von Constantin Gillies « Redaktion42′s Weblog Says:

    […] dieses Buch ist Pflichtliteratur, genauso wie das Erstlingswerk von Gillies „Extraleben“. Eine Kritik zu Extraleben gibt es übrigens hier im […]

  3. Janko Says:

    Hi, mittlerweile ist der 4. Teil herausgekommen. Grund genug, um sich einmal alle vier Bücher vorzunehmen. „Gewöhnlich ist anders. Und „Extraleben“ ist zum Glück richtig anders. Mit den Bänden 1 bis 4 erzählt Constantin Gillies eine wunderschön abwechslungsreiche und spannende Geschichte über zwei Freunde und ihr Nerd-Leben…“.
    Viele Grüße
    J.

    PS: Meine komplette Buchbesprechung ist unter
    https://powerkonsolen.de/tests/buchvorstellung-extraleben-tetralogie/

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