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Unheimliche Begegnung der dritten Art – immer noch ein Meisterwerk von Steven Spielberg

20. März 2019
Für mich immer noch ein Klassiker: Unheimliche Begegnung der dritten Art.

Für mich immer noch ein Klassiker: Unheimliche Begegnung der dritten Art.

Als Jugendlicher war ich angetan von kämpferischen Science-Fiction Filmen. Streifen wie Star Wars, Buck Rogers oder Kampfstern Galactica standen bei mir hoch im Kurs. Und dann sah ich im Jahre 1977 mit meinem Kumpel Thomas Schmelzer einen Film, der unsere Einstellung zum Science-Fiction Film veränderte: Unheimliche Begegnung der dritten Art.
Dieser Klassiker, von dem damals sehr jungen Steven Spielberg gedreht, vermittelt ein positives Bild von Außerirdischen. Keine waffenstarrenden Monster aus dem All, sondern der Vorläufer von ET und der Erkenntnis, dass es besser ist, miteinander zu reden als aufeinander zu schießen. Meine Gruppe von Freunden waren komplett begeistert, von der Handlung, von den Tricks, von den Schauspielern und von der Musik von John Williams. Später kam der Film noch mal in einer überarbeiteten Version in die Kinos und zeigte ein bisschen mehr von den Besuchern aus den Tiefen des Weltraums. Und die dritte überarbeitete Version merzte die Fehler der zweiten Fassung aus.
Auf einer Filmsammlerbörse erstand ich für viel Taschengeld einen Satz an Aushangfotos und hatte auch ein paar in meinem Kinderzimmer aufgehängt. Später besorgte ich mir den Soundtrack auf Vinyl, später auf CD und vor wenigen Wochen bekam ich die seltene Doppel-CD mit dem kompletten Score in die Hände. Was John Williams da abgeliefert hat, war wirklich eindrucksvoll. Das musikalische Leitmotiv kommt immer wieder in anderen Filmen vor.
Auch die Bluray Unheimliche Begegnung der Dritten Art mit den drei verschiedenen Filmversionen ist immer noch sehenswert. Interessant ist, wie Spielberg mit uns als Zuschauer spielt, wie er die Spannung aufbaut und über lange Zeit hält. Interessant ist aber auch, dass der Film einen Erzählrhythmus hat, der meinen Kindern zu langsam ist. Zum 40-jährigen Jubiläum des Films kam 2017 ein Making of-Buch heraus, das ich mir jetzt anschaffte, um in den alten Science Fiction-Zeiten zu schwelgen. Es waren die Zeiten als Special Effects noch handgemacht waren. Keine CGI-Bilder aus dem Computer, sondern Modellbau, Beleuchtung, Mattezeichnungen. Vielleicht waren die Tricks nicht so perfekt wie in heutigen Filmen, aber die perfekte Illusion entstand im Kopf. Spielberg verstand es auf der Klaviatur meiner Gefühle zu spielen.

Und diese Gefühle von Spannung, Forschergeist, Faszination kamen wieder hoch, als ich das Making-Of-Buch Close Encounters of the Third Kind: The Ultimate Visual Historydurchblätterte. Es ist eine Art Scrapbook, das heißt, es sind Notizen, Briefe, Skribbles nicht nur abgebildet, sondern eingeheftet. So bekomme ich als Leser ein noch besseres Gefühl für den Entstehungsprozess des Films. Und es ist ein Wiedersehen mit dem wunderbaren Francois Truffaut. Die französische Regielegende der Novelle Vogue spielt unter einem jungen Regisseur des neuen Hollywoods.


Auch sehr schön: Das Buch von Michael Klastorin beginnt mit einem Rückblick in die Jugendzeit von Spielberg. Es zeigt nicht Fotos aus dem Elternhaus, sondern es zeigt den begeisterten Filmenthuiasten Steven Spielberg beim Dreh. Seltene Schwarzweißaufnahmen von den Dreharbeiten von Spielbergs ersten Filmversuchen. Auf den Bildern ist ein stolzer Nachwuchsfilmemacher zu sehen, der seinen Weg als erfolgreichster Regisseur des neuen Hollywood gehen sollte. 500 US-Dollar kostete sein Super 8-Film Firelight, der das Geld wieder einspielte und Spielberg Mut machte, seinen Weg zu gehen.
Die erste Zeichnung zu Unheimliche Begegnung entstand in der Schnittphase des weißen Hais. Es zeigt den späteren Roy und Jillian, wie sie den UFO-Landesplatz entdecken und hinter ihnen UFOs am Himmel. Ich erinnere mich an die Zeit nur noch schemenhaft, aber ich weiß, dass die Massenmedien von UFO-Sichtungen begeistert waren. Der Spinner Erich von Däniken wurde mit Erinnerungen an die Zukunft zum Bestseller-Autor und der Quatsch seiner Ideen, einer frühe Form der Verschwörungstheorien, verbreitete sich. Ich habe das Buch in der Bücherei meiner Heimatstadt ausgeliehen und gelesen – vertane Zeit.

Stranger Things – zwei Staffeln an zwei Tagen und nun?

7. Januar 2019
Stranger Things hat der Familie Spaß bereitet. Jetzt warten auf die dritte Staffel.

Stranger Things hat der Familie Spaß bereitet. Jetzt warten auf die dritte Staffel.

Zwei Staffel, zwei Tage – und jetzt sind wir durch. Die Netflix-Serie Stranger Things hat die Familie vor die Sendegeräte gelockt und wir haben uns die Mystery-Serie angeschaut. Für meine Frau und mich war es eine Zeitreise in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 

Ich empfand diese Zeit damals als gräßliche Zeit, was mir durch Stranger Things wieder bewusst wurde, schließlich spielt die Netflix-Serie in der ersten Hälfte der achtziger Jahre. Meine Frau und ich sind in dieser Zeit sozialisiert worden, gingen zur Schule, machten unser Abi – wir sind quasi lebende Experten für diese Zeit. Und so sahen wir uns auch Stranger Things an: Wir suchten nach Anspielungen, Andeutungen, Andenken an diese Zeit unserer Jugend – und bei Stranger Things gibt es da sehr viel zu entdecken. Für meine Kinder war es einfach nur eine Unterhaltungsserie.

Staffel 1 top, Staffel 2 ok und bald Staffel 3

Inhaltlich werde ich nichts verraten. Für Juli 2009 wird die dritte Staffel angekündigt, die 1984/85 spielen soll. Wir sind gespannt. Staffel 1 fand ich prima, die zweite war durch verschiedene Handlungsstränge etwas verfahren und hier machten die Duffer Brüder, die als Regisseure fungierten, den gleichen Fehler wie bei Alien und seinem Nachfolger Aliens. Gab es in Teil 1 von Alien nur ein Xenomorph, so waren es in Teil 2 bei Aliens ganz viele Monster. So auch bei Stranger Things. Für Teil 1 reichte ein laufender vierbeiniger Sandwurm als Monster über acht Folgen, für Teil 2 mussten viele Monster über neun Folgen herhalten – da verliert das Böse seine Wirkung. 

Details der Achtziger Jahre 

Kommen wir nochmals zurück auf die Anspielungen in der Serie. Während die Gattin ein Auge auf die Frisuren, die Klamotte, das Make-up sowie die Musik der Serie legte, schaute ich mir die Zitate aus Kinofilmen an und achtete auf Videogames und andere Details, wie den damaligen Wahlkampf Reagan/Bush gegen Mondale/Ferraro. Geraldine Ferraro Kennt heute bei uns keiner mehr. Und in den Details haben sich die Macher wirklich Mühe gegeben. Sogar das Periodensystem im Chemie-Unterricht der Highschool zeigt die chemischen Elemente, die in der der damaligen Zeit entdeckt wurden. Es macht also richtig Spaß sich auch unter diesem Aspekt Stranger Things anzusehen. Es gibt genügend Blogs, die zeigen, welche Filme in der Serie zitiert werden, die muss ich nicht erst aufzählen.

Erinnerungen an PSI-Filme

Mich erinnerte Stranger Things an einen Zweig des Horrorfilms, von dem ich eigentlich immer mehr sehen wollte. Es handelt sich um den Bereich von PSI, Telekinese und Telepathie. Ich fand diese Ideen, eine Mischung aus Wissenschaft und Paranormalen, immer reizvoll. Viele meiner Lieblingsfilme stammen aus diesem Genre und Elf als Stranger Things nimmt diese Ideen wieder auf: Experimente, Labor, PSI und dann das Freisetzen der Kräfte.

Es gibt zahlreiche Filme um die Fähigkeiten, mit dem Geist Materie zu verändern. Der schlimmste Beitrag in der Filmgeschichte war wohl der Streifen „Der Typ mit dem irren Blick“ von 1982, „Zapped“ hieß das filmische Verbrechen im Original. Es ist eine typische Highschool-Komödie, bei denen Mädchen per Telekinse ausgezogen, Basketballspiele und Glücksspiele in Las Vegas gewonnen werden. Vergessen wir lieber diesen Film. 

Klassiker des Genres

Für mich als Horrorfan war dagegen der Film „Der Schrecken der Medusa“ einschneidend. Im leisen Film von 1978 spielen Richard Burton und Lino Ventura göttlich nebeneinander. Nach einem Mordanschlag liegt der Schriftsteller Jack Morlar im Koma, doch die Ärzte entdecken, dass sein Gehirn immer noch auf Hochtouren arbeitet und Katastrophen ausführt. der Schrecken der Medusa Ist absolut sehenswert.

Wenn es um Telekinese geht, dann darf der Horrorautor Stephen King natürlich nicht fehlen. Er schuf mit Carrie, Feuerkind und Dead Zone Klassiker der Horrorliteratur. Bei deren Verfilmungen gibt es Licht und Schatten. Carrie, 1976 von Brian de Palma, ist ein echter Schocker, die Neuverfilmung von 2013 ist weniger gut. Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving und John Travolta in Carrie – Des Satans jüngste Tochter spielen famos und die übernatürlichen Kräfte von Carrie White können heute immer noch faszinieren. 

Feuerteufel – Wenn Gedanken zündeln

Kings Roman Feuerkind wurde als Feuerteufel von Mark L. Lester 1984 verfilmt – eine Produktion von Dino De Laurentiis und das sagt schon alles. Lester drehte einst „die Klasse von 1984“ und hatte damit seinen Ruf weg. Tolles Thema, aber langweilig als B-Ware umgesetzt. Die Darsteller David Keith, die ganz junge Drew Barrymore, mein Serienschwarm Heather Locklear,Martin Sheen, George C. Scott und die schlimmste Krankenpflegerin der Filmgeschichte Louise Fletcher können mehr. Die Bluray-Fassung Der Feuerteufel ist übrigens umgeschnitten, während die DVD schlecht abgetastet und verstümmelt ist. Es geht um ein Mädchen, dass mit Gedanken Feuer entzünden kann. 

Dead Zone mit dem zweiten Gesicht 

Ein absolut leiser Horrorfilm, der gewaltig nachhängt, ist für mich Dead Zone aus dem Jahre 1983. Regie führte der göttliche David Cronenberg mit einem noch göttlicherem Christopher Walken als Hauptdarsteller. Johnny hat das zweite Gesicht und sieht den Atomkrieg bei einem Präsidentschaftsbewerber voraus. Er beschließt ihn zu töten. Das Zusammenspiel von Christopher Walken, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom und Martin Sheen ist wunderbar. Es gibt von dem Film eine neuere Bluray-Fassung The Dead Zone . Ich werde später über Dead Zone noch ausführlicher bloggen, denn der Film ist wirklich bemerkenswert. 

Teufelskreis Alpha und Scanners 

Da wir vorhin bei Brian de Palma waren, muss ich natürlich seinen PSI-Klassiker Teufelskreis Alpha von 1978 erinnern. Hier wird, bei einer göttlichen Musik von John Williams, das erste Mal mit der Idee gespielt mit Gedanken zu töten. Teufelskreis Alpha beeindruckt mit seiner leisen Erzählart. Diese Idee wird dann in dem Telekinse-Klassiker Scanners von David Cronenberg von 1981 wieder aufgegriffen und perfektioniert. Scanners ist ein absoluter Klassiker der Filmgeschichte – die folgenden Teile sind natürlich wieder Schrott. Es war der kommerzielle Durchbruch von Cronenberg und das Zerbresten von Köpfen gleich in den ersten Minuten des Films hat eindeutig Filmgeschichte geschrieben. All diese Filme und Ideen haben Eingang in Stranger Things genommen. Und jetzt gilt es die Zeit bis Juli 2019 zu überbrücken, wenn die dritte Staffel von Stranger Things läuft. Habt ihr Ideen, was ich ansehen soll?

Star Wars Imperium schlägt zurück live in Concert im Gasteig München 2019

5. Januar 2019
Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig - was will der Fan mehr?

Das Imperium schlägt zurück mit Live Musik im Gasteig – was will der Fan mehr?

Leider wird es mir wohl nicht mehr vergönnt sein, den großen John Williams live am Dirigentenpult zu erleben. Der große Filmkomponist ist inzwischen 86 Jahren alt und wird wohl nicht mehr in seinem hohen Alter auf Tournee gehen. Daher will ich wenigstens die Musik von John Williams genießen und war natürlich dabei als der Film Star Wars V Das Imperium schlägt zurück mit Livemusik im Münchner Gasteig aufgeführt wurde. Die Musik kam vom Pilsen Philharmonic Orchestra unter dem Dirigat von Christian Schumann. 

Aber das Erlebnis begann schon im Vorfeld. Wie schon ein Jahr zuvor liefen im Foyer kostümierte Star Wars Fans einher. Ich habe nur die böse Seite gesehen, also Imperium und Neue Ordnung. Das liegt nah, dass es sich um Mitglieder der 501st Legion handelte, obwohl ich kein Logo gesehen habe. Die 501st Legion „Vader’s Fist“ ist eine internationale Star-Wars-Fanvereinigung mit über 10000 Mitgliedern aus mehr als 40 Ländern und irgendwann möchte ich dem Verein beitreten. 

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Vor dem Konzert noch ein Fototermin vor der Bühne.

Also konnte man im Vorfeld mit Sturmtruppen, Darth Vader oder Kylo Ren für ein Foto posieren, was ich als Fan ausgiebig gemacht habe. Irgendwie hatte das Konzert einen Convention-Charakter und so was gefällt mir. Und das Thema Film plus Livemusik scheint ein finanzieller Renner zu sein, denn es wurde gleich Werbung für Abende mit James Bond, Ratatouille, Harry Potter gemacht und ich hab gleich Karten für Star Wars 2020 die Rückkehr der Jedi-Ritter online gekauft. 

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Die Akustik im Gasteig ist gewöhnungsbedürftig.

Platz genommen in der Philharmonie und zu Beginn zogen die kostümierten Fans vor die Bühne zum nächsten Fototermin. Später nahmen sie auf den Seitenrängen Platz und verfolgten das Konzert. Natürlich hatten auch Sturmtruppen ihr Smartphone dabei und schossen Erinnerungsfotos von dem Auftritt nach dem Motto: Auch eine Sturmtruppen braucht eine Erinnerung – aber waren das nicht Klone? 

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Auch Sturmtruppen brauchen Erinnerungsfotos.

Dann der Auftritt des Pilsen Philharmonic Orchestra und der Auftritt von Christian Schumann. Er ist in der Musikszene wahrlich kein Unbekannter. Christian Schumann, geboren in Freiburg i. Br., studierte Dirigieren sowie Komposition in Weimar und Zürich und assistierte bei Peter Eötvös, Esa-Pekka Salonen, David Stern und Frank Strobel und ist auch als Filmmusiker bekannt. Gerne würde ich mal mit mit ihm ein Interview mit ihm über John Williams führen.

Über den Film brauche ich nicht viel zu schreiben. Es ist für mich der beste Film der Reihe. Gezeigt wurde die digital überarbeitete Fassung, die ich als Purist nicht so gerne mag. Klar, Krieg der Sterne hat den Mythos erschaffen, aber Imperium ging für mich tiefer und machte Lust auf mehr. „Ich bin dein Vater“ und all die anderen Klassiker „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“, „Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl.“ Die Dialoge in dem Film konnte ich auswendig, musste ich auch, denn die Musik in der Aufführung war so laut, dass sie die meisten Dialoge übertönte. Das ist vielleicht die einzige Kritik an dem Abend: Nicht die Musik war zu laut, sondern der Ton war zu leise – und die Akustik des Gasteigs ist, naja, für solche Aufführungen wohl eher nicht geeignet. 

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Christian Schumann und seine Musiker haben den Applaus verdient.

Danke Christian Schumann und seinen tschechischem Musikern für den schönen Abend. Zum Abschluss gab es noch den Imperial March als Zugabe – was will ich mehr?

Gemeinsame Zukunftsmusik von Kraftwerk und Alexander Gerst

6. August 2018

Die beste deutsche Band für mich ist Kraftwerk. Das habe ich schon immer gesagt und werde es auch immer wieder sagen. Und die jüngste Aktion der Elektronikband hat mir wieder gezeigt, welchen Stellenwert Kraftwerk in der Musikszene hat. Bei einem Konzert in Stuttgart am 20. Juli 2018 gelang es mit Hilfe der ESA, der europäischen Weltraumorganisation, den deutschen Astronauten der ISS Alexander Gerst ins Konzert dazu zuschalten. Gemeinsam musizierten Kraftwerk und Gerst – für mich eine Sternstunde der Musik. 

Aufgrund von Arbeitsüberlastung habe ich das Video jetzt erst entdeckt und bin komplett begeistert. Ich habe Alexander Gerst vor Jahren auf einem Vortrag auf der re:publica gehört und bin seitdem ein Fan von ihm. Ich folge seinen Twitter-Account und denke, dass er – wie zuvor Chris Hadfield – die Funktionsweise und Wirkung von sozialen Netzwerken versteht. Beim Kraftwerk Konzert in Stuttgart stimmten die Musiker gerade ihr Lied Spacelab an, drehten sich dann um und blickten auf eine Leinwand. „Wir rufen Alexander Gerst auf der internationalen Raumstation ISS!“ Und es erschien Astronaut Gerst in Kolumbus-Labor voller Technik. Er hat ein weißes T-Shirt mit Captain Future an – schon alleine dafür gehört ihm mein Respekt und Verehrung. In den Händen hält er ein Pad mit dem er Musik macht. 

Es beginnt mit John Williams Motiv des Steven Spielbergs Film Unheimliche Begegnung. Die Klangfolge mit der Außerirdische begrüßt werden. Dann spricht Gerst: „Guten Abend Kraftwerk, guten Abend Stuttgart.“

Mir läuft es in diesem Moment kalt den Rücken herunter. Ton und Bild sind glasklar. Was für eine Leistung! Danke esa, tolle Aktion. Gerst ist von sechs Menschen, die auf dem Außenposten der Menschheit in 400 Kilometer Höhe ihren Dienst tun. Der Nachfolger des Spaclabs ist das Kolumbus-Labor und Gerst nannte es eine Mensch-Maschine. In seinem Grußwort appelliert er an die Gemeinschaft und Menschlichkeit und sagt dann: „Lasst uns zusammen Zukunftsmusik machen!“ Und dann spielen Kraftwerk und Alexander Gerst zusammen – ein intensives Erlebnis.

Ich erinnere mich an ein ähnliches Vorhaben, was dann aber tragischerweise nicht geklappt hat. Der französische Elektronikmusiker Jean-Michel Jarre wollte am 28. Januar 1986 ein ähnliches Experiment starten. An Bord des Space Shuttes Challenger befand sich der Ronald McNair. Der Astronaut spielte Saxophon und er sollte aus dem All bei einem Konzert des französischen Musikers Jean-Michel Jarre musizieren. Die Challenger explodierte beim Start und mit dem Tod von Ronald McNair zerplatze auch die Idee eines Stücks aus dem All. Jarre wollte das geplante Konzert zum 150jährigen Jubiläums der Stadt Houston und des 25jährigen Jubiläums des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA absagen, wurde aber von den Astronauten der NASA überzeugt.

Nach über 30 Jahren ist diese Musik aus dem Weltraum dank esa Wirklichkeit geworden. Ich danke Kraftwerk und ich danke Alexander Gerst sowie der esa für diese Aktion. Ich bin gespannt, was noch kommt. 

Musiktipp: Soundtrack The Post von John Williams

13. Juli 2018
Wieder mal hat John Williams mit dem Soundtrack The Post ein Meisterwerk abgeliefert.

Wieder mal hat John Williams mit dem Soundtrack The Post ein Meisterwerk abgeliefert.

44 Jahre arbeiten Regisseur Steven Spielberg und Komponist John Williams nun zusammen und jedes Mal jubiliere ich, wenn der nunmehr 86jährige Superstar der Filmmusik einen neuen Score veröffentlicht. So auch bei dem Werk The Post zum Film die Verlegerin, der unlängst auf Blu ray erschienen ist.
Es ist dieses Mal kein gewaltiger sinfonischer Score geworden, vielmehr ein musikalisches Kammerspiel. Die Musik ist sehr ruhig und atmosphärisch dicht. In dem Film werden zwar große Schlachten um die Pressefreiheit geschlagen, aber anders als die Musik zu Star Wars, Indiana Jones oder andere Meisterwerke von John Williams ist die Musik dezenter, weniger wuchtig und gewaltig.
Die Musik musste schnell komponiert werden und John Williams arbeitete unter enormen Zeitdruck und schuf wie immer ein geniales Werk. In der Regel spielt Williams seinem Regisseur Spielberg die Kompositionen auf Klavier vor. Dieses Mal war der Zeitdruck so groß, dass Williams gleich ins Studio ging und Spielberg die Musik dort abnahm. Das zeigt das enorme Vertrauensverhältnis der beiden Künstler.
Es ist die Zurückhaltung in der Musik zu spüren, setzt aber starke Akzente, wenn es dramaturgisch notwenig ist. Und genau diese Mischung macht es auch. Williams selbst gibt zu, dass er nie in einer Redaktion gearbeitet hatte, musste aber die laute Redaktionsarbeit musikalisch verarbeiten. Wir reden schließlich vom Zeitalter der Schreibmaschine. Und siehe da, das Orchester liefert den Rhythmus zum Film. Das zeigt sich in verschiedenen Szenen am besten: Das Zusammensetzen der Seite im Bleidruckverfahren. Das Ausschießen der Bleilettern und das Montieren der Zeitung – als einer der Höhepunkte des Films.
Intensiv ist auch die Szene der Entscheidung. Verlegerin Katharine „Kay“ Graham gibt das Okay zum Veröffentlichen und verteidigt die Pressefreiheit. Die Kamera fährt auf das Gesicht von Meryl Streep und die Musik schwillt an. „Wir drucken!“ – die Entscheidung ist gefallen. Ein perfekter Bild-Ton-Schnitt des Duos Spielberg Williams und ganz großes Schauspiel.
Musikalische Motive von Ekstase, Erleichterung und Empathie kommt es bei der Entscheidung des Obersten Gerichts: Jubel in der Redaktion und der Schreiten der Verlegerin durch eine Gruppe von jungen Frauen – ein tolles Bild der Emanzipation. Klare Empfehlung für The Post

Filmkritik Solo: A Star Wars Storyu

26. Mai 2018
Solo ist nicht schlecht, aber ein zweites Mal im Kino muss ich ihn nicht sehen. Solo ist nicht schlecht, aber ein zweites Mal im Kino muss ich ihn nicht sehen.

Nein, Solo ist nicht schlecht. Er bietet nette Unterhaltung und ich bin ein wenig versöhnt nach dem Schrott von Star Wars The Last Jedi. Solo ist der zweite Spin off aus der Star Wars-Reihe. Nach einem hervorragenden Rogue One bietet der Film ein wenig Star Wars-Atmosphäre. Der nächste Film soll übrigens die Geschichte von Boba Fett werden.
Der Film zeigt die Geschichte unseres Helden Han Solo. Und leider geht der Film auf Nummer sicher und bleibt in den vorgegeben Rahmen und wagt keine Experimente. Es ist ein solider Science Fiction-Film mit soliden Special Effects, soliden Schauspielern, solider Regie (nach ewigem Auswechseln des Regisseurs) und solider Story, aber eben nicht mehr. Nachdem nach einer halben Stunden zum ersten Mal der Rasende Falke auftaucht, kam bei mir etwas wie ein Star Wars-Feeling auf. Bis dahin war es ein Action-Film für junge Leute. Und mein Problem ist: Harrison Ford ist mein Han Solo, da kann sich Alden Ehrenreich noch so bemühen. Er ist nicht Han Solo, auch wenn er den Namen trägt und ein schönes Schauspiel abgibt. Meine Kinder haben weniger das Problem, aber sie haben die klassische Trilogie nicht im Kino gesehen. Ich denke mir immer, was macht denn der junge Mann da.
Da wir gerade bei den Schauspielern sind: Für mich die besten Schauspieler sind Donald Glover als Lando Calrissian und Phoebe Waller-Bridge als Emanzen-Roboter L3-37. Doch absolut überragend ist Joonas Suotamo als Chewbacca. Der Wookie ist für mich die beste Darstellung im Film und hier der klare beste Charakter.
Die Drehbuchautoren Lawrence Kasdan und sein Sohn Jonathan Kasdan müssten eigentlich den Star Wars-Zauber können, arbeiteten Lawrence Kasdan doch an Rückkehr der Jedi und Rogue One mit. Zudem kennt Lawrence Kasdan die Materie gut als Drehbuchautor von Star Wars: Das Erwachen der Macht. Warum denn so zaghaft bei Solo? Natürlich haben wir ein verdammt schlechtes Gefühl und wir haben das Mentor-Schüler-Verhältnis, aber wir haben keine Jedi und keine Macht. Hallo, das ist Star Wars und nich Mad Max oder ein anderen düsterer SF-Film. Trotz Han, Lando und Chewbacca ist die beste Anknüpfung zur Star Wars-Serie die Kontaktaufnahme zu Darth Maul. Maul ist, wie wir Fans wissen, ein Sith und der Schüler von Darth Sidious.

Der Affe spielt besser. Der Affe spielt besser.

Für den Fan ist nett zu sehen, das ein imperialer Offizier Han seinen Nachnamen gibt, wie der Kesselflug ist 12 Parsecs zurückgelegt wird oder Lando den Falken verlor. Und ja: Han schoss zuerst. Mal sehen, wie lange Disney den Mord von Han an Tobias Beckett im Film lässt. Wir Fans wissen: Han hat auch in Star Wars IV zuerst geschossen. Gerne hätte ich Jabba the Hutt gesehen, zu dem sich Solo am Ende mit seinem Kumpel Chewbacca aufmacht.
Öde fand ich das Geheimnis von Enfys Nest. Klingeln wenig nach Peter Pan oder die Kinder im Mad Max III.
Mit John Powell arbeitet nach Michael Giacchino der zweite Komponist nach dem legendären John Williams an der einer Star Wars-Filmmusik. Kevin Kiner Musik für Star Wars: The Clone Wars zähle ich nicht dazu, weil es kein Realfilm ist. Die Musik zu SOLO: A Star Wars Story von John Powell finde ich sehr gut und mag vor allem sein How to Train Your Dragon. Ich werde den Score zu Solo: A Star Wars Story in einem separaten Blogpost besprechen.


Als ich aus dem Kino nach dem Film Solo: A Star Wars Story herausging, schluckte ich, denn mir wurde bewusst. Ich muss den Film nicht ein zweites Mal im Kino ansehen. Ich werde mir den Film irgendwann auf Blu Ray kaufen, aber ein zweites Mal im Kino lohnt sich nicht. Und das ist eigentlich das schlimmste Urteil über einen Star Wars-Film. Was meint ihr?

Star Wars in Concert – eine neue Hoffnung in München

2. April 2018
Die Leitmotive von John Williams sind einmalig.

Die Leitmotive von John Williams sind einmalig.

Mit dem Ertönen der 20th Century Fox-Fanfare begann die Zeitreise zurück in das Jahr 1977 als ich zum ersten Mal Krieg der Sterne im Kino gesehen hatte. Damals war ich Feuer und Flamme und genau dieses Gefühl kam wieder auf, als ich im Gasteig Star Wars – die neue Hoffnung mit Live Orchester genoss.
Es war das Weihnachtsgeschenk für K1 und wir hatten in der ersten Reihe direkt vor dem Dirigenten Ludwig Wickl und seinen Münchner Symphonikern Platz genommen, um die Show zu genießen. Immer wieder habe ich Krieg der Sterne – oder Star Wars IV wie er heute heißt – gesehen: Im Kino, auf Super 8, auf Video, auf DVD und auf Bluray, aber noch nie hatte ich den Streifen von George Lucas mit einem Live-Orchester gesehen. Es war ein Erlebnis für die Sinne. Und mir wurde bestätigt, was ich eigentlich schon wusste: John Williams ist ein Genie.

Für mich ist John Williams der wichtigste lebende Filmkomponist. Er war bereits vor Star Wars in den Olymp der Filmkomponisten eingezogen, aber durch die Musik aller regulären Star Wars-Filme I-VIII sicherte er sich einen Platz für die Ewigkeit. Williams ist ein Fan des großen Richard Wagner und dessen Leitmotive. Und als ich da auf meinem Klappsessel im Gasteig in der ersten Reihe saß, trafen mich diese bekannten Motive wieder mit voller Wucht. Es ist dann doch etwas anderes Musik von der Konserve zu hören oder live – noch dazu von so einen guten Orchester wie die Münchner Symphoniker. Die Hauptcharaktere erhalten ihr musikalisches Motiv und direkt vor dem Orchester wirkt alles nochmals intensiver und eindringlicher.

Es ist schon seltsam, wie sehr mich Star Wars die neue Hoffnung geprägt hat. Ich kann im Grunde die Dialoge des ganzen Films mitsprechen, was daran liegt, dass ich als Jugendlicher C 90-Audiokassetten mit einem illegalen Tonmitschnitt aus dem Kino von einem Freund hatte und diese Kassetten immer wieder abspielte, die die legendären Dialogen mir in Fleisch und Blut übergegangen sind. Allerdings geriet ich ins Stocken im Gasteig, denn es wurde nicht die Star Wars-Version von 1977 gezeigt, sondern die digital überarbeitete Version von 1997. Die Szenen mit Jabba the Hutt und Boba Fett vor dem Falken kamen ja erst später hinzu. Warum allerdings Greedo dort auftaucht, obwohl er Minuten vorher erschossen wurde, ist mir erst jetzt aufgefallen. Mit den meisten digitalen Effekte, die hinzu kamen, kann ich leben. Womit ich absolut nicht leben kann: Han Solo hat zuerst geschossen. Er hat Greedo gekillt und ich mag die weichgespülte neue Version von George Lucas nicht.

Und da ich gerade beim Meckern bin: Die Untertitel unter dem Film müssen nicht sein. Das lenkt nur vom Filmgenuss ab. In Star Wars gehen sowieso nur Fans und die kennen die Story um Luke und Leia. Was sollen also die bescheuerten Untertitel? Und wenn dann noch die Dialoge falsch übersetzt wurden, dann bekomm ich einen Anfall. Und wenn mal das Orchester lauter ist als die Dialoge – was soll’s? In das Konzert geht keiner hinein, der Star Wars noch nie gesehen hat. Es ist ja schließlich keine Kinovorführung, es ist eine Art Happening. Und genau so sehe ich das Event im Münchner Kulturtempel. Ich habe zig Personen in Star Wars T-Shirts gesehen. Die Kleidungsstücke stammen aus vielen Jahrzehnten und ihre Trägerinnen und Träger hüten sie wie Schätze. Auch K1 hat ein Star Wars T-Shirt mit dem Krümmelmonster-Aufdruck angezogen: „Come to the Dark Side – we have Cookies.“ Und so sah ich an diesem Abend Schriftzüge, Vaders, Jodas, Lichtschwerter, Logos – ich selbst trug dezent Manschettenknöpfe in Form des Rasenden Falken.

Das Happening wurde noch verstärkt als vor Beginn des Konzerts Darth Vader, Sturmtruppen und imperiale Offiziere aufgezogen sind. Es war Zeit für Selfies und freilich haben wir auch welche gemacht, wozu sitze ich denn in der ersten Reihe. Nach der Pause kamen die Herrschaften noch einmal für diejenigen, die es zu Beginn verschlafen hatten.
Sehr schön war auch der Aufzug der Truppe nach Abschluss des Konzerts. Als Zugabe spielte das Orchester nochmal den Main Titel und vor der Bühne postierten sich Vader und Co. Toller Humor und die Fans flippten aus. Genial wäre es noch gewesen, wenn Vader den Dirigenten Ludwig Wickl umarmt hätte, aber dazu kam es nicht. In der Pause konnte man vor einem großen Star Wars Banner im Foyer auch nochmals Fotos schießen und mit Glück Karten für den Konzert im Januar 2019 mit dem Imperium schlägt zurück gewinnen. Ich hatte leider versäumt mir den Hashtag zu notieren und daher haben K1 und ich uns in der Pause gleich Karten für 2019 gekauft, leider nicht mehr in der ersten sondern in der zehnten Reihe.

Fazit für mich: Es war ein besonderes Erlebnis und uns Fans hat es gefallen. Bitte mehr davon und im Januar 2019 bei Imperium schlägt zurück sind wir alle wieder mit von der Partie.

Oscar-Musiktipp: The Shape of Water von Alexandre Desplat

5. März 2018
Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Dieser wunderbare Soundtrack von Alexandre Desplat gewann einen Oscar: The Shape of Water

Die Musik fließt einfach so dahin und umschlingt den Zuhörer, hüllt ihn ein und trägt ihn davon – dies kam mir als erstes in den Sinn als ich den Soundtrack The Shape of Water von Alexandre Desplat hörte. Gestern nacht wurde der Score The Shape Of Water mit dem Oscar für beste Filmmusik ausgezeichnet und wer den Score hört, der weiß warum. Er ist wirklich wunderschön und eine Bereicherung.
Ich hatte mir das Album bei Erscheinen gekauft, weil ich die Karriere des Franzosen Alexandre Desplat seit Jahren verfolge. Ich hatte trotz des großen Umfangs seines Werks immer das Gefühl, dass Alexandre Desplat ein Geheimtipp war. Er hat viele, viele wirklich gute Soundtracks komponiert. Ich habe über Godzilla, Harry Potter und sein Ausscheiden bei Star Wars Rogue One bereits gebloggt. Nicht gefallen hat mir The Grand Budapest Hotel und dennoch hat seine Musik zu diesem Film gepasst.
Nun trifft also der der Filmverrückte Guillermo del Toro auf Alexandre Desplat – der frischgekürte Oscargewinner trifft auf den frischgekürten Oscargewinner und es passt einfach zusammen. Ich habe bisher nur die Trailer von The Shape of Water gesehen, aber bereits bei diesen kurzen Filmschnipsel war die Musik von Desplat eindrucksvoll und nachhaltig. Sie hat mich umschlungen und versetzt mich in den märchenhaften Zauber, den der Film wohl vermitteln will. Es ist die Liebe einer Putzfrau zu einem Fischwesen und Desplat vermittelt die Romantik und die daraus resultierenden Konflikte sehr gut mit seiner Musik. Auch die Einspielungen von Songs, ein Stilmittel das ich sonst nicht so mag, passen gut. Renée Fleming, Glenn Miller und die faszinierende Caterina Valente. Für mich ist der Soundtrack ein schönes Gesamtkunstwerk und einzelne Titel hervorzuheben, geht hier in dieser Kritik nicht. Die Musik hat den Oscar 2018 verdient und das sage ich mit allen Respekt gegenüber dem großen John Williams. Gebt der Musik eine Chance und auch wer den Film als moderne Version von Amélie nicht gesehen hat, wird an dem Soundtrack seine Freude haben.

Musiktipp: Star Wars – The Last Jedi von John Williams

21. Februar 2018
Der Soundtrack von Last Jedi ist hervorragend, aber ...

Der Soundtrack von Last Jedi ist hervorragend, aber …

Der Film Star Wars – The last Jedi hat mir nicht gefallen. Anfangs war ich noch angetan, aber zurückblickend war der Film lächerlich. Der Film passt nicht in mein persönliches Star Wars-Universum. Er ist mir zu oberflächlich und besitzt einen Kindergartenhumor, den diese Saga nicht verdient hat. So schlecht der Film ist, so gut ist dagegen der Soundtrack Star Wars: The Last Jedi von John Williams.
Der Altmeister hat wieder zugeschlagen und hat ein großartiges Werk abgeliefert. Es tut gut, die Klänge des Meisters zu hören. Bereits der Vorgänger, Star Wars: Episode VII – The Force Awakens konnte sich hören lassen. Die veröffentlichte Musik zu Last Jedi ist nochmals besser. Der alte Mann kann es einfach und lieferte einen großartigen Score ab. Williams ist ein Wagnerianer und beherrscht die leitmusikalischen Themen. Es tut so gut, sich mit dieser Art von Musik zu beschäftigen und kein pompösen Krach anhören zu müssen.

Schlampige Deluxe-Ausgabe
So gut die Musik ist, so schlampig und enttäuschend ist das Album auf CD. Es gibt die Standard- und die Deluxe-Version, wobei sie sich nur in einem nichtssagenden Booklet mit belanglosen Filmbildern (und einem unterschiedlichen Preis) unterscheiden. Die Musik ist identisch, so dass es fraglich ist, weshalb man sich die Deluxe-Version leisten soll. Ich hatte die Deluxe-Version bei Amazon vorbestellt. Im Nachhinein reicht vom musikalischen Standpunkt aus gesehen, die preiswertere Standard-Version.
Die Musik umfasst eine CD – und das ist ebenso wie bei The Force awakes eindeutig zu wenig. Da muss es doch mehr geben, oder? Wurden in früheren Jahren großzügige Alben mit dem kompletten Score aufgelegt, ist es heute nur ein Schatten früherer Zeiten. Scheinbar interessiert sich Disney für das Soundtrack-Geschäft nicht so und es ist nur eine lästige Pflicht, den Score für die paar Fans auf den Markt zu bringen. Da ist das Geschäft mit anderem Merch wohl erträglicher. Im Booklet keine Zeile vom Meister, kein Bild von den Aufnahmen – zumindest die Namen der Orchestermitglieder sind aufgeführt. Als Soundtrackfan ist diese Ausstattung eine pure Enttäuschung.
Und dennoch: Wer Soundtracks liebt, wer Star Wars liebt, der braucht die Musik Star Wars: The Last Jedi des großen John Williams. Er hat ja angekündigt, den nächsten Star Wars IX auch noch komponieren zu wollen. Ich würde es ihm gönnen. In wenigen Tagen erscheint sein Score zum Film Die Verlegerin und ich bin neugierig wie ein Flitzebogen. Ach ja, eines noch Mr. Williams. Per Zufall habe ich gesehen, dass Sie ein seltenes Konzert in der Royal Albert Hall in London geben. Innerhalb von Minuten waren die Karten ausverkauft, ich habe keine bekommen. Das nehme ich Ihnen übel.

Filmkritik: Star Wars Die letzten Jedi

15. Dezember 2017

Gleich vorweg: Der achte Teil der Star Wars-Reihe Die letzten Jedi ist ein Gewinn für die Saga um Luke und Leia. Nach Wiederaufnahme der Serie mit dem Erwachen der Macht läuft seit 14. Dezember der neue Teil „Die letzten Jedi“ in den deutschen Kinos.

Ich war heiß auf den neuen Film, die exklusive Pressevorführung hatte ich aus Witterungsgründen verpasst. Aber ich wollte den Film unbedingt sehen und hatte die Chance auf eine Sneak Preview von „Die letzten Jedi“ in der oberfränkischen Provinz. Spontan kam ich auf die irrwitzige Idee ins Kino zu gehen und fragte nach Karten. Uppsala, 31 Plätze waren noch frei in der neuen Filmbühne in Lichtenfels.

So viel freie Plätze? Also Schweinehund überwunden und um 23:45 Uhr ins Kino gegangen. Ein paar Kinobesucher kamen im Star Wars-Look: Kappen, Hoodie, einer kam sogar mit Umhang. Popcorn-Tüte und Becher waren im Star Wars-Logo (musste ich beide haben) und um 23:59 Uhr erschien das Lucas-Logo auf der Leinwand. Die Musik des göttlichen John Williams erklang und in mir stiegen Emotionen hoch.


Der innere Teil einer Trilogie ist immer schwierig. Beim neuen Star Wars standen die Chancen 50:50. Das Imperium schlägt zurück von 1980 war der Hammer, der Angriff der Klonkrieger von 2002 war Schrott. „Die letzten Jedi“ war wieder topp – Gott sei Dank. Der Film machte mir Spaß, nicht die ganzen 152 Minuten, aber er machte Spaß. Regisseur Rian Johnson versteht seinen Job und lieferte ein gutes Stück Unterhaltung für die Fans ab.

Achtung Spoiler – Achtung Spoiler – Achtung Spoiler
Die Story von Erwachen der Jedi wird in dem neuen Film weitergesponnen. Er knüpft an der Story von Luke und Rey an. Ich war zunächst enttäuscht, dass Rian Johnson die Dramatik der ersten Begegnung zwischen Luke und Rey abgeschwächt hatte. Luke wirft das mitgebrachte Lichtschwert einfach weg. Mit Humor ist es so eine Sache, noch dazu bei so einer ernsthaften Sache wie Star Wars und der Macht. Ich hatte Angst vor dem Film, wenn er so lächerlich beginnt.
Rian Johnson schaffte nicht immer den Humorbogen. Schlechten Slapstick gab leider. Muss es wirklich sein, dass Finn nackt aus dem Bett fällt und durchs Raumschiff irrt und vor sich hin tropft? Was soll das? Die alte Hollywood-Regel, einen Cliffhanger mit Humor aufzulösen, wird angewandt auf lächerlichem Marvel-Humor. Das passt bei IronMan (vielleicht), aber nicht bei Star Wars. Wenn Luke die Augenbraue hochzieht und sich bei C3PO verabschiedet, dann ist das Mist. Und der größte Mist ist ein schwarzes Dampfbügeleisen in Raumschiffform zum Glätten von Uniformen.
Dieser Kindergartenhumor hätte sich in Grenzen halten können. Aber es gab auch intelligenten Witz für die wirklichen Fans. Diese Witze waren meist Anspielungen an die alten Zeiten: Star Wars-Fans freuen sich über Aussagen zur Falken-Schrottmühle oder über das ganz schlechte Gefühl des verstorbenen Han Solos.
Im Vorfeld ärgerte ich mich über die angekündigten Kuscheltiere Porgs. Ich befürchtete Jar-Jar-Binks oder Ewoks. Aber die Porgs sind nett – oder ich werde langsam altersmilde. Die Porgs sind für mich eine Kreuzung zwischen Eule und Angry Birds und wenn Chewie einen Porg verspeisen will, hatte ich ein Lächeln im Gesicht. Überall tauchen die Viecher auf, ganz so wie die Tribbles bei Raumschiff Enterprise von 1967 unter Captain Kirk. Vielleicht kaufe ich einen Porg für K1/2.

Zahlreiche Anspielungen auf Filmvorbilder
Überflüssig sind die Szenen im Spielcasino. Wir sind nicht bei James Bond im Casino Royale. Das Ganze erinnerte mich an Spielbergs Indiana Jones Teil 2, die Schlacht im Casino. Dann kam Spielbergs Jurassic Park wieder zum Vorschein, wenn die komischen Pferde bei ihrer Flucht auf die Autodächer bzw. Raumschiffdächer hüpfen. Ach ja, die Pferdchen sind wohl bei J.K. Rolling entsprungen. Nette Anspielungen an große Vorbilder.
Und dennoch versteht Rian Johnson sein Handwerk. Die Duelle mit dem Laserschwert sind japanisches Kino pur. Eine tiefe Verbeugung vor dem großen Akira Kurosawa. Das ist ganz großes Kino der Emotionen. Auch die Schlacht in der Salzwüste mit weiß und rot sind die Farben von Ran. Das sind gewaltige Bilder, das ist Kino pur. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass die Bombardierung zu Beginn des Films eine Anspielung auf Kubricks Dr. Seltsam ist.

Personen kommen und gehen
In „Die letzten Jedi“ wird mit Rose nur eine neue Person eingeführt, die im Teil 9 weiter leben darf. Eingeführte Charaktere aus dem siebten Teil müssen dagegen den Löffel abgeben. Der Tod von Oberster Anführer Snoke war gut gemacht, lässt mich aber ratlos zurück. Wer war eigentlich dieser Snoke? Im Vorfeld hatte ich so schon spekuliert, was das für ein Knabe ist. Nun wird er einfach getötet und ich erfahre überhaupt nichts über diesen bösen Charakter. Dabei sind die Bösen doch bei Star Wars immer faszinierender als die Guten. Ähnlich geht es mit der Frau in Alufolie. Captain Phasma stirbt nach einem Duell mit Finn indem die Frau aus Games of Thron ins Feuer stürzt. Wer war eigentlich diese kämpferische Dame? Egal, jetzt ist sie weg.
Neu im achten Teil eingeführte Personen wie die eindrucksvolle Amilyn Holdo dürfen auch nicht überleben, wären aber eine Bereicherung für die Serie gewesen. Etwas wehmütig war ich beim Anblick von Prinzessin Leia. Carrie Fisher ist ja verstorben und so war dies ihre letzte Rolle. Sie soll wohl nicht digital weiterleben in Teil 9. Liebe Carrie Fisher, ich mochte dich und vermisse dich schon jetzt. Ich bin gespannt, wie man ihren Tod im neunten Teil erklären wird.
Mark Hamill hatte nie großartige Rollen in seinem Leben und sein Schauspiel bei Star Wars war auch überschaubar. Jetzt bei „Last Jedi“ wächst er über sich hinaus und liefert ein eindrucksvolles Schauspiel ab. Es macht Spaß ihn bei seiner Qual zu beobachten. Luke trägt diesen Film und verschwindet dann. Yoda ist auch dabei und hat noch immer nicht gelernt einen klaren Satz zu sprechen.
Alte Freude, die jeden Teil der Saga einen Besuch abstatten, gibt es auch. C3PO hat mehr Raum, der freundliche R2D2 darf nur ein wenig mitspielen und die bekannte Projektion abspielen „Obi Wan, ihr seid meine letzte Hoffnung“. „Ein billiger Trick“, wie es auch Luke bemerkt.
Der orange BB-8 darf wieder durchs Bild rollen und wächst über sich hinaus. Erst steuert die Blechkugel einen X-Wing, dann ein großes Raumschiff und dann auch einen AT-ST Walker. Mir hat BB-8 am besten unter einem Mülleimer gefallen, wenn er im Sternenzerstörer gegen die Wände kracht. Da gehört die Kugel hin, in den Müll. Nun hat er einen eigenen Gegner bei der ersten Ordnung. BB-9E ist der böse Robi, aber er kommt nicht richtig zur Geltung. Vielleicht in Teil 9 im Jahre 2019.

Mein Fazit:
Ich werde mir „die letzten Jedi“ noch ein paar Mal im Kino ansehen. Meine Familie freut sich schon auf den Besuch. Es ist trotz meines Gemaules ein schöner Film geworden, der das Star Wars-Fieber am köcheln lässt. Als Mittelteil einer Trilogie ist er prima, jetzt freue ich mich auf das Ende, obwohl es ein Ende ohne Skywalker, ohne Solo, ohne Vader und ohne Leia sein wird. Meine Jugend wurde mit diesem Teil zu Grabe getragen und etwas neues beginnt. Ein Lob gibt es noch aus meinem Munde. Die Musik von John Williams ist grandios. Ich werde über diesen Score noch in Ruhe bloggen.