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Filmkritik: Der Hexentöter von Blackmoor

24. März 2022

Mit Jess Franco habe ich Zeit seines Lebens ein Problem gehabt. Die meisten seiner 160 Filme (oder waren es mehr) fand ich belangloses, schnell heruntergekurbeltes Zeug: Brutal, sexistisch, billig, aber immer wieder findet sich in der Flut von Franco-Filmen eine Perle. So wie ich einst Dr. Ortloff entdeckte oder den großartigen Nachts, wenn Dracula erwacht, so sehr hoffte ich auf eine Perle bei Der Hexentöter von Blackmoor, wobei der Titel extrem nach Edgar Wallace klingt.

Nun, es war nicht gerade ein Reinfall, aber eine Perle der Filmkunst war Der Hexentöter von Blackmoor sicherlich nicht. Nachdem ich bereits von Hexenjägerfilmen wie Hexen bis auf Blut gequält (1969) mir den Magen verdorben und die Abartigkeiten des menschlichen Geistes entdecken konnte, lag ich beim Hexentöter nicht weit daneben. Eine Zeitlang hatte der Film auch seine liebe Not mit der Zensur.

Koch Film hat eine exzellente Box vom Der Hexentöter von Blackmoor herausgebracht mit allen Versionen dieses blutigen Films, der nicht weiß, was er eigentlich sein wollte: Vielleicht ein Historiendrama, vielleicht ein Kostümfilm, sicherlich ein Softsexfilm, aber ganz gewissen ein sadistischer Folterfilm, eine Art Fortbildung für angehende Folterknechte. Den Voyeur gefällt die Szene, wie einer gequälten Seele das Blut vom wohlgeformten weiblichen Körper abgeleckt wird. Dabei entstand der Film schon 1970 und es spielten aufgrund des etwas größeren Budgets ein paar Stars mit, vor allem Christopher Lee und Maria Schell. Aber wahrscheinlich haben die Miemen nicht gewusst, dass noch schnell ein paar Sex-, SM- und Folterszenen in den Film geschnitten wurden, wenn man den Gerüchten glauben schenken darf.

Wer auf Jess Franco steht, wird von der Box Der Hexentöter von Blackmoor von Koch Film begeistert sein. Technisch ist die Abtastung hervorragend und auch die Super-8-Fassung ist dabei sowie Dokumentationen und weiteres Bonusmaterial. Was mich als Score-Fan besonders gefreut hat, dass auch der Soundtrack als extra CD dabei ist. Die Musik schrieb Bruno Nicolai, der viel für Franco gearbeitet hat. Er dirigierte übrigens nach 1974 alle Soundtracks von Ennio Morricone. Der Score gefällt mir genauso wie ein ausführliches Booklet von Oliver Nöding. Er versucht erst gar nicht mich von der Qualität von Jess Franco zu überzeugen. Was ich Franco aber zugute schreiben möchte: Er liebte den Film, er war ein Filmfanatiker und drehte und drehte und drehte. Er war dem Medium verfallen und das spricht eindeutig für den Spanier. Bei seinem brutalen Crash-Zooms drehte es mir aber den Magen um – so erzählt man keine Geschichten.

Dune – der Wüstenplanet – ultimative Edition

17. Februar 2022

Verschoben, verschoben und immer wieder verschoben, aber jetzt ist sie eingetroffen, die ultimative Sammlerbox von Dune – der Wüstenplanet. Ich spreche von der Version von 1984 unter der Regie von David Lynch.

Koch Film hat tief in den Archiven gegraben, neues Material produziert und liefert jetzt die 4K-UHD-Version samt fünf Blurays und einer CD bei den treuen Sammlern wie mir ab. Aufgrund von Produktionsproblemen wurde die Veröffentlichung der Box in Acryl-Glas immer wieder verschoben, aber nun wird sie an die Besteller abgeliefert.

Ich habe gleich mal ein Unboxing gedreht, als ich überraschend meine Box sogar einen Tag zu früh bekommen habe. Gleich vorweg: Mir hat der Lynch-Film genauso gefallen, wie die geniale Neuverfilmung und natürlich hätte ich gerne was vom Irren Alejandro Jodorowsky von 1974 gesehen. Nun zumindest die Scans vom Drehbuch sind aufgetaucht. Als Fan der Bücher von Frank Herbert habe ich die drei verschiedenen deutschen Übersetzungen verglichen und es wäre eine geniale Idee von Koch gewesen, die ursprüngliche komplette Übersetzung von Wulf H. Bergner beizulegen, die Heyne nur unvollständig veröffentlicht hat. Den Kontakt kann ich Koch Film bei einer Neuauflage der Box gerne herstellen.

Aber ich will nicht meckern und undankbar sein. Die ultimative Edition ist unglaublich vielseitig und macht Spaß in das Universum von Frank Herbert einzutauchen. Besonders habe ich mich gefreut über den gut gedruckten Fotoband mit Entwürfen und Setfotos von Ron Miller, dem Production Designer von DUNE, inkl. eines Interviews mit ihm + Booklettext von Paul Poet sowie über die Comicadaption von Bill Sienkiewicz und Ralph Macchio. Ich werde einen Vergleich mit der Dune: The Graphic Novel von Kevin J. Anderson und Frank Herberts Sohn Brian Herbert sowie den Illustratoren Raúl Allén, Bill Sienkiewicz, und Patricia Martín in den nächsten Wochen vergleichen.

Über die Verfilmung von Dune 1984 ist schon genug geschrieben worden. Sparfuchs Dino de Laurentis hätte David Lynch mehr freie Hand geben sollen, dann wäre der Film noch größer geworden. Aber so ist er, was er ist und daher unbedingt die längere TV-Fassung ansehen, die in der Box enthalten ist, dann wird vieles klarer. Ich mag die Schauspieler Kyle MacLachlan, der für Lynch später die Hauptrollen in BLUE VELVET und TWIN PEAKS spielte, sowie Francesca Annis, Jürgen Prochnow, Max von Sydow, Patrick Stewart und Sting.
Der Soundtrack mit 17 Track stammt von Toto und Brian Eno, der der Box auch beiliegt. Dune-Fans hatten ihn schon lange, aber immer wieder hörenswert. Ich erinnere mich, als ich Joseph Stanley Williams von Toto mal interviewte. Er wollte über das neue Album von Toto sprechen, ich über seinen Papa John Williams und den Soundtrack zu Dune. Im Konzert spielte die Band dann Dune.

Ich will jetzt nicht jedes einzelne Interview in Video und Audio besprechen. Ich kann nur sagen: Kauft euch die Edition im Shop von Koch Film, nehmt euch ein paar Tage Zeit und genießt die Zeit auf Arakis, dem Wüstenplaneten. Es lohnt sich, versprochen.