Posts Tagged ‘Filmklassiker’

Über dem Jenseits (1980) – Matinee am 7. Juni im Scala Fürstenfeldbruck

6. Juni 2026

Es gibt Filme, die sieht man nicht einfach. Man betritt sie. Lucio Fulcis „Über dem Jenseits“, in Deutschland lange auch als „Geisterstadt der Zombies“ bekannt, ist so ein Film: ein fiebriger Albtraum aus verfallenen Hotels, okkulten Geheimnissen, untoten Körpern und einer Hölle, die nicht laut aufbricht, sondern langsam in die Wirklichkeit sickert. Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Über viele Jahre war der Film in Deutschland indiziert und sogar beschlagnahmt. Das allein macht ihn noch nicht bedeutend – aber es erzählt viel über seine Wirkung. Fulcis Werk galt als zu drastisch, zu verstörend, zu kompromisslos. Inzwischen ist die Beschlagnahmung aufgehoben, der Film kann neu betrachtet werden: nicht nur als berüchtigter Splatterklassiker, sondern als eigenwilliges, surreales Stück italienischer Horrorgeschichte.

„The Beyond“ ist kein Horrorfilm, der brav einer logischen Handlung folgt. Er funktioniert wie ein Alptraum: Bilder, Musik und Atmosphäre sind wichtiger als Erklärungen. Fabio Frizzis düsterer, fast sakraler Score legt sich wie ein Trauergesang über die Szenen. Die Kamera zeigt eine Welt, in der Augen nicht mehr sehen wollen, Körper zerfallen und Räume ihre eigene böse Erinnerung besitzen.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet dieser Film seine volle Kraft. Was im Heimkino vielleicht nur als blutiger Kultfilm erscheint, wird im Kinosaal zu einer Erfahrung: unheimlich, hypnotisch, abgründig und seltsam schön. Fulci führt sein Publikum nicht einfach durch eine Geschichte, sondern an einen Ort, an dem die Grenze zwischen Leben, Tod und Jenseits zusammenbricht.

In der Matinee wollen wir diesen besonderen Film gemeinsam neu entdecken: als umstrittenes Werk, als Beispiel für die Radikalität des italienischen Horrorkinos und als Film, der noch immer Fragen auslöst. Warum schockieren uns solche Bilder? Was macht ihren Reiz aus? Und weshalb übt ein Film, der lange als Skandal galt, bis heute eine solche Faszination aus?

Wer Horror nur als Schock versteht, wird überrascht sein. Wer Kino als Reise in dunkle, fremde Welten liebt, sollte diese Matinee nicht verpassen. „Geisterstadt der Zombies“ ist mehr als ein reißerischer deutscher Titel. Dahinter verbirgt sich ein verstörendes, bildgewaltiges und einzigartiges Kinoerlebnis – ein Blick über die Schwelle, dorthin, wo das Grauen beginnt.
Ich bespreche und zeige diesen Film am Sonntag, 7 Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Rückblick auf meine Matinee: Dressed to Kill (USA 1980)

30. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist kein Thriller, der sein Publikum einfach nur durch eine Geschichte führt. Er zieht es hinein in ein Spiel aus Blicken, Täuschungen, Verlangen und Angst. Von Beginn an entsteht eine Atmosphäre, in der Traum und Realität, Erotik und Bedrohung, Eleganz und Gewalt gefährlich nah beieinanderliegen. Ich besprach den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist Karten gibt es hier.

De Palma inszeniert in „Dressed to Kill“ ein Kino der Beobachtung. Figuren sehen einander an, verfolgen einander, deuten Zeichen und geraten dabei immer tiefer in Unsicherheit. Was ist wirklich? Was ist Fantasie? Wer blickt – und wer wird selbst zum Objekt eines fremden Blicks? Aus dieser Spannung entwickelt „Dressed to Kill“ seine besondere Kraft. Der Film ist weniger ein geradliniger Krimi als ein nervöser, hoch stilisierter Albtraum über Begehren, Schuldgefühle und die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Zu Beginn steht Kate Miller im Zentrum, eine Frau, die in einem geordneten, aber innerlich leeren Leben festzustecken scheint. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Leidenschaft, nach einem Ausbruch aus der Routine. Diese Sehnsucht führt sie in eine der berühmtesten Szenen des Films: eine fast stumme Begegnung in einem Museum. Ohne viele Worte erzählt De Palma hier von Anziehung, Unsicherheit, Verführung und Kontrollverlust. Die Kamera folgt Blicken und Bewegungen, lässt Räume zu Labyrinthen werden und verwandelt das Museum in einen Ort der Versuchung. Doch was zunächst wie ein Moment möglicher Befreiung wirkt, kippt plötzlich ins Grauen. Aus Verlangen wird Gefahr, aus Schönheit wird Schock, aus einem Spiel der Blicke eine Katastrophe.

Unübersehbar steht „Dressed to Kill“ in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. De Palma greift Motive auf, spiegelt sie, überhöht sie und treibt sie in ein bewusst künstliches, fast opernhaftes Kino. Der abrupte Perspektivwechsel, die Unsicherheit über Identität, der Psychiater als erklärende Instanz, die Verbindung von Sexualität und Gewalt – all das erinnert an Hitchcock. Doch De Palma macht daraus keinen bloßen Nachbau. Er formt ein eigenes Werk, das mit Split Screens, Spiegeln, langen Kamerafahrten und raffinierten Bildkompositionen arbeitet. Die Kamera wird zum Komplizen des Voyeurismus. Wir schauen hin, obwohl wir spüren, dass dieses Schauen selbst Teil des Problems ist.

Gerade deshalb bleibt der Film bis heute reizvoll und schwierig zugleich. „Dressed to Kill“ ist brillant fotografiert, elegant montiert und ungeheuer spannend. Gleichzeitig ist er ein Werk, das aus heutiger Sicht Fragen aufwirft. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt ist problematisch und fordert Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und irritiert, oft im selben Augenblick. Genau darin liegt seine Aktualität als Gesprächsanlass: Wie betrachten wir heute einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute anders gelesen wird? Wo liegt die Grenze zwischen stilistischer Meisterschaft und fragwürdiger Projektion? Warum entfalten diese Bilder trotz aller berechtigten Kritik noch immer eine solche Wirkung?

Die Matinee bietet die Möglichkeit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Klassiker zu erleben, sondern ihn auch gemeinsam einzuordnen. Es geht um die Macht des Kinos, Angst und Lust miteinander zu verknüpfen. Um Frauenbilder im Thriller. Um Masken, Identitäten und verdrängte Wünsche. Und natürlich um Brian De Palma, einen Regisseur, der sein Publikum selten beruhigt, sondern es gezielt verunsichert.

Auf der großen Leinwand entfaltet der Film eine besondere Wirkung. Die Musik, die Farben, die gleitenden Kamerabewegungen und die plötzlichen Schocks machen „Dressed to Kill“ zu einem körperlichen Kinoerlebnis. Das ist kein Film für nebenbei, sondern ein Werk, das im dunklen Kinosaal seine ganze suggestive Kraft entwickelt. Man glaubt, die Mechanismen zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, wie sehr man selbst in De Palmas Spiel aus Täuschung, Begierde und Angst verstrickt wird.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum. Er zeigt nicht nur Täter, Opfer und Abgründe, sondern auch unsere eigene Lust am Sehen. Darum lohnt sich diese Matinee: als Wiederentdeckung eines großen, umstrittenen und sinnlichen Thrillers, als Blick auf ein prägendes Stück Suspense-Kino und als Einladung zum Gespräch über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach endet, wenn das Licht wieder angeht. Er bleibt haften – in Bildern, Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg.
Die nächste Matinee am 7 Juni dreht sich um Über dem Jenseits von 1981, der auch unter dem Titel Die Geisterstadt der Zombies bekannt ist. Karten gibt es hier.

Rückblick auf meine Matinee: Die glorreichen Sieben (1960)

10. Mai 2026

Manche Filme altern. Und manche werden mit jedem Jahr, das vergeht, nur größer. Die glorreichen Sieben gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Ich habe diesen Film in meiner Matinee im Scala Kino besprochen. Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Am 23. Oktober 1960 feierte der Western von Regisseur John Sturges in den USA Premiere – und trat damit eine Lawine los, die bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Abenteuer im Wilden Westen wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als präzise destillierter Mythos über Würde, Opfer und die seltsame Melancholie des Heldentums. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.

Von Tokio nach Mexiko
Die Ursprünge des Films liegen in Japan. John Sturges adaptierte den Stoff von Akira Kurosawas berühmtem Film Die sieben Samurai für ein Western-Szenario – und ließ dabei aus einem Klassiker einen weiteren Klassiker entstehen. Kurosawa selbst war offenbar beeindruckt: Er soll John Sturges nach Erscheinen des Films ein zeremonielles Schwert als Geschenk geschickt haben. Eine schönere Würdigung lässt sich kaum vorstellen.

Die Handlung ist einfach und zugleich zeitlos: Ein armes mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande unter dem Anführer Calvera bedroht und ausgeraubt. Einige der Dorfbewohner machen sich auf, um Männer mit Gewehren zu engagieren – und finden in Chris einen Anführer, der es schafft, mit dem wenigen Geld der Bauern fünf weitere fähige Revolverhelden zu gewinnen.

Eine Besetzung wie ein Traum
Was den Film unsterblich gemacht hat, ist weniger die Handlung als das Ensemble, das Sturges vor die Kamera holte. In den Hauptrollen sind Yul Brynner, Eli Wallach, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, Robert Vaughn, Brad Dexter und James Coburn zu sehen. Jeder von ihnen bringt eine eigene Energie mit – und gemeinsam erzeugen sie ein Charisma, das die Leinwand regelrecht zum Glühen bringt. Man spürt hinter jeder ruhigen Geste, jedem kurzen Blick, dass hier nicht Figuren agieren, sondern Archetypen: Mut, Einsamkeit, Coolness und stille Melancholie, auf sieben Männer verteilt.

Musik, die größer ist als der Film
Kein Rückblick auf Die glorreichen Sieben wäre vollständig ohne die Musik. Elmer Bernsteins Filmmusik wurde 1961 für den Oscar nominiert. Das Titelthema gilt bis heute als eine der bekanntesten Western-Filmmusiken überhaupt – und wurde später unter anderem auch in der Werbung verwendet, am bekanntesten in der Version für die Zigarettenmarke Marlboro. Das heroische Thema ist mehr als Begleitung – es ist ein unsichtbarer Erzähler, der jede Szene adelt.

Ein Film, der Geschichte schrieb
Die glorreichen Sieben wurde 2013 in das National Film Registry aufgenommen – jene Sammlung, in der die Library of Congress Filme von herausragender kultureller, historischer oder ästhetischer Bedeutung bewahrt. Eine Auszeichnung, die kein Preisgeld kennt, aber vielleicht die ehrlichste von allen ist.

Der Film taucht seit über fünfzig Jahren als einer der besten Western überhaupt in unzähligen Lieblingslisten auf. Und das zurecht: Denn hinter dem Staub, den Revolverduellen und dem donnernden Bernstein-Thema verbirgt sich eine zutiefst menschliche Geschichte – über Menschen, die für andere kämpfen, nicht weil es sich lohnt, sondern weil es das Richtige ist. Diese Haltung macht Die glorreichen Sieben zeitlos. Und sie macht ihn, heute wie damals, zu einem der edelsten Abenteuer, die das Kino je hervorgebracht hat.

Die nächste Western-Matinee im Scala ist Little Big Man am Sonntag, 17. Mai. Karten gibt es hier.

Unternehmen Petticoat (USA 1959) – Matinee am 10. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

8. Mai 2026

Ein rosa U-Boot, zwei ungleiche Offiziere und eine Handvoll Krankenschwestern mitten im Pazifikkrieg – das klingt nach einem Rezept für Chaos. Und genau das ist es auch. Aber was Blake Edwards aus diesen Zutaten im Jahr 1959 gemacht hat, ist weit mehr als eine bloße Klamotte: Es ist eine der elegantesten Komödien, die Hollywood je produziert hat. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 10. Mai im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Cary Grant und Tony Curtis – zwei der charismatischsten Männer, die je vor einer Kamera standen – liefern sich ein Duell der Stile, das bis heute vergnügt. Grant, der unerschütterliche Kommandant mit trockenem Witz und makellosem Auftreten. Curtis, der schlaue Drückeberger und Organisationstalent, der keine Skrupel kennt, aber das Herz am rechten Fleck hat. Dass Curtis damals privat ein glühender Verehrer Grants war und ihn sogar in Manche mögen’s heiß parodiert hatte, macht ihre Leinwandchemie zu etwas ganz Besonderem – man spürt die gegenseitige Zuneigung hinter jedem Wortgefecht.

Was viele nicht wissen: Der Film steckt voller echter Geschichte. Das rosa U-Boot ist kein reiner Gag – tatsächlich kämpfte ein amerikanisches U-Boot im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit rotem Grundieranstrich, weil die Farbe knapp war. Der berühmte Brief des Kommandanten über den Mangel an Toilettenpapier geht auf ein reales Dokument zurück. Und für die Dreharbeiten stellte die US-Marine gleich drei echte U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung – eines davon ließ sie tatsächlich rosa streichen. So viel Realismus steckt in diesem vermeintlich leichten Schwank.

Blake Edwards, der kurz darauf mit Frühstück bei Tiffany und dem Rosaroten Panther Filmgeschichte schreiben sollte, zeigt hier schon sein ganzes Handwerk: die präzise Situationskomik, das sichere Gespür für Rhythmus, die Fähigkeit, aus Enge und Bedrängnis Heiterkeit zu destillieren. Unternehmen Petticoat wurde zum größten Kassenerfolg in der damals 50-jährigen Geschichte von Universal Studios – und zum profitabelsten Film in Cary Grants gesamter Karriere.

Wir zeigen den Film in der restaurierten Fassung dieses hinreißende Stück Kinogeschichte: Im Vortrag beantworten wir die Frage, warum manche Filme einfach nicht altern. Kommen Sie – es lohnt sich. Versprochen. Karten gibt es online und an der Kinokasse.

Dressed to Kill (USA 1980) – Matinee am 3. Mai im Scala Fürstenfeldbruck

1. Mai 2026

Brian De Palmas „Dressed to Kill“ ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern verführt, irritiert und verfolgt. Schon die ersten Minuten ziehen das Publikum in eine Welt, in der Begehren und Angst, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Es ist ein Kino der Blicke, der Spiegelungen und der geheimen Wünsche. Menschen beobachten einander, werden selbst beobachtet und verlieren dabei immer mehr die Kontrolle über das, was sie zu sehen glauben. Genau darin liegt die große Faszination dieses Thrillers: „Dressed to Kill“ ist weniger ein klassischer Kriminalfilm als ein fiebriger Albtraum über Sehnsucht, Schuld und die dunklen Räume der menschlichen Psyche.

Im Mittelpunkt steht zunächst Kate Miller, eine Frau, die in ihrem bürgerlichen Leben gefangen scheint. Ihre Einsamkeit, ihre unausgesprochenen Wünsche und ihre Suche nach einem letzten Moment von Leidenschaft führen sie in eine der berühmtesten Sequenzen des Films: eine fast wortlose Begegnung im Museum, inszeniert wie ein erotisches Ballett aus Blicken, Bewegungen und verpassten Momenten. De Palma zeigt hier seine ganze Meisterschaft. Ohne viele Dialoge entsteht Spannung, weil jeder Blick, jede Geste und jede Kamerabewegung Bedeutung bekommt. Das Museum wird zu einem Labyrinth der Versuchung, in dem sich Kate selbst verliert. Doch der Traum von Freiheit kippt in Entsetzen. Aus Begehren wird Bedrohung, aus Eleganz wird Gewalt, aus einem Moment der Selbstbestimmung eine Katastrophe.

„Dressed to Kill“ steht deutlich in der Tradition Alfred Hitchcocks, besonders von „Psycho“. Doch De Palma kopiert nicht einfach, sondern steigert, überzeichnet und spiegelt die Motive seines Vorbilds. Die Duschszene, der abrupte Verlust einer scheinbaren Hauptfigur, der Psychiater, der am Ende eine Erklärung anbietet, die Unsicherheit über Identität und Schuld – all das verweist auf Hitchcock. Aber De Palma macht daraus ein eigenes, schillerndes, bewusst künstliches Kino. Seine Kamera gleitet, lauert, spaltet Bilder, zeigt Vorder- und Hintergrund zugleich und macht uns als Zuschauer zu Komplizen des Voyeurismus. Man schaut hin, obwohl man ahnt, dass man vielleicht lieber wegsehen sollte.

Gerade deshalb ist „Dressed to Kill“ bis heute ein Film, über den man sprechen muss. Er ist elegant, spannend und handwerklich brillant, aber auch problematisch, verstörend und moralisch ambivalent. Seine Darstellung von Geschlecht, Sexualität und Gewalt fordert aus heutiger Sicht Widerspruch heraus. Der Film fasziniert und stößt ab, oft im selben Moment. Das macht ihn zu einem idealen Werk für eine Matinee, die nicht nur zeigen, sondern auch einordnen will. Wie blicken wir heute auf einen Thriller von 1980, der damals provozierte und heute noch kontrovers diskutiert wird? Wo endet stilistische Brillanz, wo beginnt fragwürdige Projektion? Warum üben solche Bilder trotz aller Kritik weiterhin eine so starke Wirkung aus?

In der Matinee bietet sich die Gelegenheit, „Dressed to Kill“ nicht nur als spannenden Filmklassiker zu erleben, sondern gemeinsam über seine Mechanismen nachzudenken. Über die Macht des Kinos, Angst lustvoll zu inszenieren. Über Frauenbilder im Thriller. Über die Verbindung von Erotik und Gewalt. Über das Spiel mit Identitäten, Masken und verdrängten Sehnsüchten. Und natürlich über Brian De Palma als Regisseur, der das Publikum nie in Sicherheit wiegt, sondern es gezielt verunsichert.

Wer „Dressed to Kill“ auf der großen Leinwand sieht, erlebt ein Kino, das körperlich wirkt: die Musik, die Farben, die langsamen Kamerafahrten, die plötzlichen Schocks. Dieser Film ist kein beiläufiger Streaming-Titel, sondern ein Werk, das im Kinosaal seine volle Kraft entfaltet. In der Dunkelheit, gemeinsam mit anderen, wird spürbar, wie sehr De Palma mit unseren Erwartungen spielt. Man glaubt, die Geschichte zu durchschauen, und merkt doch immer wieder, dass man selbst Teil eines Spiels aus Täuschung, Begierde und Angst geworden ist.

„Dressed to Kill“ ist ein Film wie ein Spiegel in einem dunklen Raum: Er zeigt nicht nur Monster, Täter und Opfer, sondern auch unsere eigene Lust am Schauen. Gerade deshalb lohnt sich diese Matinee. Sie lädt dazu ein, einen großen, umstrittenen, sinnlichen und verstörenden Thriller neu zu entdecken – als Meisterstück des Suspense-Kinos, als Zeitdokument und als Gesprächsanlass über die Schattenseiten der Popkultur. Ein Film, der nicht einfach vergeht, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Er bleibt. In den Bildern, in den Fragen und vielleicht auch in einem leichten Schauder auf dem Heimweg. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 3. Mai um 10:45 Uhr in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964) – Rückblick auf die Matinee

28. März 2026

„Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ ist eine der schärfsten und zugleich unterhaltsamsten Satiren der Filmgeschichte. Stanley Kubricks Film aus dem Jahr 1964 erzählt von einem atomaren Wahnsinn, der durch menschliche Eitelkeit, politische Paranoia und militärische Logik ausgelöst wird. Ich zeigte und besprach diesen Film in meiner Matinee im Scala. Die nächste Matinee ist der Film WarGames von 1983 am Sonntag, 5. April. Karten gibt es hier.

Im Zentrum steht ein US-General, der eigenmächtig einen Angriff auf die Sowjetunion befiehlt und damit eine Kettenreaktion in Gang setzt, die kaum noch aufzuhalten ist. Während im Pentagon Politiker, Militärs und Berater hektisch um Schadensbegrenzung ringen, zeigt Kubrick mit bitterem Humor, wie absurd die Mechanismen des Kalten Krieges tatsächlich waren. Gerade diese Verbindung aus existenzieller Bedrohung und grotesker Komik macht den Film bis heute so beeindruckend. Hier mein Vortrag als Aufzeichnung.

Besonders legendär ist Peter Sellers, der gleich mehrere Rollen spielt und dem Film damit eine ganz eigene Dynamik verleiht. Seine Darstellung des exzentrischen Wissenschaftlers Dr. Seltsam ist längst Filmgeschichte: halb genialer Stratege, halb Karikatur eines enthemmten Technokraten. Kubrick entlarvt in seinem Film die vermeintliche Rationalität nuklearer Abschreckung als beängstigende Farce. Hinter den pointierten Dialogen und den skurrilen Figuren steckt eine tief ernste Aussage: Wenn Macht, Technik und Ideologie außer Kontrolle geraten, kann die Menschheit an ihrer eigenen Logik scheitern. „Dr. Seltsam“ ist deshalb weit mehr als eine Komödie – er ist eine brillante, schwarze Satire über Angst, Größenwahn und die Absurdität politischer Macht.

Die nächste Matinee ist der Film WarGames von 1983 am Sonntag, 5. April. Karten gibt es hier.

Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964) – Matinee am 8. März im Scala Fürstenfeldbruck

7. März 2026

Ein Knopfdruck – und die Welt steht am Abgrund. Doch noch nie war der Untergang so bitterböse komisch wie in Stanley Kubricks Meisterwerk „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ aus dem Jahr 1964. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker am Sonntag, 8. März um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Mit messerscharfem Witz, ikonischen Bildern und grandiosen Schauspielern wie Peter Sellers in einer Dreifachtolle entlarvt diese rabenschwarze Satire die Absurdität des Kalten Krieges. Im Zentrum: ein außer Kontrolle geratener Atomschlag, ein fanatischer General, ein hilfloser US-Präsident – und der unvergessliche, exzentrische Wissenschaftler Dr. Seltsam.

Allen voran brilliert Peter Sellers in gleich mehreren Rollen und sorgt für ein Feuerwerk an Wortwitz, grotesker Komik und unvergesslichen Szenen. Die legendäre War-Room-Sequenz, das nervenaufreibende Telefonat mit Moskau oder der irrwitzige Ritt auf der Atombombe – Bilder, die Filmgeschichte geschrieben haben.

„Dr. Seltsam“ ist weit mehr als eine Komödie: Es ist eine zeitlose, erschreckend aktuelle Satire über Macht, Militärlogik und menschliche Hybris. Intelligent, provokant und schwarzhumorig bis zur letzten Explosion – ein Klassiker, den man gesehen haben muss. Ein Film, bei denen das Lachen im Halse stecken bleibt. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker am Sonntag, 8. März um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

MGP: Der Meister der Angst – Alfred Hitchcock und die Kunst, Gefühle zu lenken

4. März 2026

Alfred Hitchcock gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte und als Meister des Suspense. Ihm widmete ich meinen jüngsten Maisacher Gespräche zur Popkultur (MGP). Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Mit Filmen wie Psycho, Vertigo, Rear Window oder The Birds prägte Alfred Hitchcock über mehrere Jahrzehnte hinweg die Entwicklung des Thriller- und Suspense-Kinos. Sein Werk zeigt eindrucksvoll, wie gezielt filmische Mittel eingesetzt werden können, um beim Publikum starke Emotionen wie Angst, Spannung oder Beklemmung auszulösen. Hier mein kompletter Vortrags als Aufzeichnung:

Geboren wurde Alfred Hitchcock am 13. August 1899 in London. Seine Karriere begann er in der britischen Filmindustrie der 1920er-Jahre, zunächst als Grafiker und Titelgestalter für Stummfilme. Schon früh entwickelte er ein besonderes Interesse daran, wie Bilder, Kameraperspektiven und Schnittfolgen die Wahrnehmung der Zuschauer beeinflussen können. Mit Filmen wie The Lodger: A Story of the London Fog gelang ihm der Durchbruch im britischen Kino.

In den späten 1930er-Jahren zog Hitchcock in die Vereinigten Staaten, wo er in Hollywood eine internationale Karriere aufbaute. Dort entstanden viele seiner bekanntesten Werke. Charakteristisch für seine Filme ist die sorgfältige Inszenierung von Spannung. Hitchcock verstand es, alltägliche Situationen in bedrohliche Szenarien zu verwandeln. Häufig stehen scheinbar gewöhnliche Menschen im Mittelpunkt der Handlung, die plötzlich in außergewöhnliche und gefährliche Situationen geraten.

Ein zentrales Element seiner Filmkunst ist die gezielte Steuerung der Emotionen des Publikums. Hitchcock erklärte dies oft anhand des Unterschieds zwischen Überraschung und Suspense: Während eine plötzliche Explosion nur einen kurzen Schockmoment erzeugt, entsteht echte Spannung, wenn das Publikum weiß, dass eine Gefahr droht, die Figuren im Film jedoch nicht. Dieses Prinzip setzte er konsequent ein, etwa durch lange Spannungssequenzen, ungewöhnliche Kameraperspektiven oder den bewussten Einsatz von Musik.

Auch visuell entwickelte Hitchcock eine eigene Handschrift. Aufwendige Kamerafahrten, ungewöhnliche Bildkompositionen und symbolische Motive verstärken die emotionale Wirkung seiner Filme. Gleichzeitig arbeitete er häufig mit wiederkehrenden Themen wie Schuld, Identitätsverlust, Voyeurismus oder der Fragilität menschlicher Beziehungen.

Neben seiner Arbeit als Regisseur wurde Hitchcock auch selbst zu einer öffentlichen Figur. Seine kurzen Auftritte in vielen seiner Filme – sogenannte Cameos – sowie seine Fernsehserie Alfred Hitchcock Presents machten ihn auch einem breiten Publikum bekannt.

Alfred Hitchcock starb am 29. April 1980 in Los Angeles. Sein Einfluss auf das Kino wirkt bis heute fort. Viele Regisseure orientieren sich noch immer an seinen Techniken, wenn es darum geht, Spannung aufzubauen und Emotionen beim Publikum gezielt zu steuern. Damit bleibt Hitchcock ein zentraler Bezugspunkt der Filmgeschichte – ein Regisseur, der den Nervenkitzel zum zentralen Element seiner Kunst gemacht hat.

Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11 März um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach statt. Der Eintritt ist frei. Das Thema „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Warum wir Krimis so lieben.

Die glorreichen Sieben (1960) – Western-Matinee am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck

20. Februar 2026

Der Westernklassiker Die glorreichen Sieben ist pures Kinoabenteuer in seiner edelsten Form – ein Film, der schon nach wenigen Minuten das Gefühl vermittelt, man säße mitten in einer Legende. Ich präsentiere diesen Klassiker am am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck in meiner Western-Matinee. Karten gibt es hier.

Regisseur John Sturges entfacht hier ein episches Feuerwerk aus Spannung, Charisma und Mythos, getragen von einer Besetzung, die wirkt, als sei sie direkt aus dem kollektiven Traum des Westernkinos entstanden. Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson und ihre Mitstreiter sind nicht einfach Figuren – sie sind Archetypen, die Mut, Coolness und stille Melancholie verkörpern.

Was diesen Film so unwiderstehlich macht, ist seine Mischung aus rauer Action und unerwarteter Wärme. Hinter den Revolverduellen und staubigen Landschaften verbirgt sich eine zutiefst menschliche Geschichte über Ehre, Opferbereitschaft und die Frage, was ein Leben wirklich wertvoll macht. Wenn die sieben Revolverhelden beschließen, ein schutzloses Dorf zu verteidigen, spürt man, dass es ihnen nicht um Geld geht, sondern um Würde – und genau diese Haltung verleiht dem Film seine emotionale Wucht. Vorbild waren der japanische Klassiker die sieben Samurai.

Unvergesslich ist auch die Musik von Elmer Bernstein, deren heroisches Thema sofort Bilder von galoppierenden Pferden, wehenden Mänteln und staubigen Horizonten heraufbeschwört. Sie trägt den Film wie ein unsichtbarer Erzähler und macht jede Szene größer, mutiger und bedeutungsvoller.

Die glorreichen Sieben ist deshalb mehr als ein Western – er ist ein Mythos über Freiheit, Freundschaft und den letzten Funken Idealismus in einer harten Welt. Wer ihn sieht, versteht sofort, warum er zu den zeitlosesten Abenteuern der Filmgeschichte zählt. Also wir sehen uns am 22. Februar im Scala Fürstenfeldbruck in meiner Western-Matinee. Karten gibt es hier.

Harold & Maude (1971) – Sonder-Matinee am 21. Februar im Scala Fürstenfeldbruck

19. Februar 2026

Der Film Harold & Maude ist kein gewöhnliches Kinoerlebnis – er ist ein poetischer Befreiungsschlag für Herz und Geist. Zum Tode von Bud Cort veranstaltete ich im Scala-Fürstenfeldbruck eine Sondermatinee am Samstag, 21. Februar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Regisseur Hal Ashby erschafft hier eine Welt, in der Morbidität und Lebenslust ein unwahrscheinliches, aber vollkommen harmonisches Paar bilden. Was zunächst wie eine schräge schwarze Komödie beginnt – die Geschichte eines todesfaszinierten jungen Mannes und einer lebenshungrigen 79-jährigen Frau – entfaltet sich schnell zu einer tief berührenden Feier des Daseins selbst.

Die Magie des Films liegt in seiner scheinbaren Leichtigkeit. Mit trockenem Humor, surrealen Einfällen und einer zärtlichen Menschenliebe erzählt er von Freiheit, Individualität und dem Mut, gegen gesellschaftliche Erwartungen zu leben. Ruth Gordon spielt Maude mit einer warmen, unbändigen Lebensenergie, die jede Szene zum Leuchten bringt, während Bud Cort als Harold eine wunderbar skurrile Mischung aus Melancholie und Staunen verkörpert. Ihre gemeinsame Chemie wirkt nicht konstruiert, sondern wie ein kleines Wunder – als hätte das Kino selbst beschlossen, zwei Seelen füreinander zu erfinden.

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Besonders bezaubernd ist die Atmosphäre: getragen von der Musik von Cat Stevens, durchzogen von leisen philosophischen Gedanken und gespickt mit Bildern, die zugleich absurd und zutiefst menschlich sind. Harold & Maude ist ein Film, der nicht nur unterhält, sondern verwandelt. Wer ihn sieht, verlässt ihn selten unverändert – meist mit einem Lächeln, einem Kloß im Hals und dem leisen Wunsch, das Leben ein bisschen mutiger, freier und liebevoller zu leben. Hier ein Nachruf von mir zum Tode von Burt Cox. Karten gibt es hier. Powered by filmreport.