Posts Tagged ‘Led Zeppelin’

Persönlicher Nachruf Ginger Baker

6. Oktober 2019
Ginger Baker und Cream auf Vinyl

Ginger Baker und Cream auf Vinyl

Mein Jugendkumpel Roland brachte mich ihm in Kontakt als er mir das Album Goodbye von The Cream vorspielte. Drei Musiker in silbernen Anzügen mit silbernen Zylindern und Stock. The Cream war die erste Supergroup der Rockgeschichte: Neben Jack Bruce und Gitarrengott Eric Clapton war Ginger Baker der unangefochtene Meister hinter der Schießbude. Jetzt starb Ginger Baker im Alter von 80. Jahren.
Baker war ein genialer Drummer, aber als Mensch wohl eher schwierig, wenn man es freundlich ausdrücken wollte. Experten nennen seinen Drumstil polyrhythmisch, er war immer einen Takt hinter Clapton und Bruce hinterher und erzeugte dadurch eine interessante Stimmung.

Für mich gab es immer vier Götter am Schlagzeug: Carl Palmer von ELP, Keith Moon von the Who, John Bonham von Led Zeppelin und eben Ginger Baker von The Cream. Moon, Bonham und Baker können jetzt im Himmel zum Drum-Battle gegeneinander antreten.
Ich kaufte mir als Jugendlicher alle Scheiben von The Cream, spielte aber meist die Live-Platten Live I und II sowie Goodbye. So toll Cream musikalisch waren, so schlecht waren ihre Tonaufnahmen, aber wenn man laut aufdrehte, dann ging es. Später kaufte ich auch die einzige offizielle Scheibe der Nachfolgeband Blind Faith. Ginger Baker’s Air Force gefiel mir nicht mehr so und von den Afrika-Experimenten Ginger Baker’s nahm ich nur noch am Rande Notiz und erfuhr erst mehr durch die hervorragende Doku „Beware of Mr. Baker“. Unter Polo-Spielern soll sich Baker einen Namen gemacht haben, aber auch das ging an mir vorbei.
Das letzte Mal als ich Ginger Baker zelebrierte war die kurze Wiedervereinigung von The Cream 2005. Ich wollte Karten für eines der vier Konzerte in der Londoner Royal Albert Hall, ging aber leer aus. So kaufte ich mir das Album Royal Albert Hall London und genoss die Streithälse auf der Bühne im musikalischen Kräftemesse. Und ich werde meine Cream-Alben von damals raussuchen und dem Musiker Ginger Baker gedenken.

Buchtipp: Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones

7. November 2016

Ich geb es gleich am Anfang zu: Ich bin kein besonderer Queen-Fan. Ich mochte die alten Queen-Scheiben, kann aber mit den neueren Alben nichts anfangen. Die Musik war nett, viele Ohrwürmer, aber so richtig überzeugte mich Queen eigentlich nicht. Und dennoch wollte ich die Biografie über den Queen-Sänger Freddie Mercury lesen, weil mich das Phänomen Queen und damit auch Freddie Mercury reizt.
Die Musik von Queen begleitet mich mein gesamtes musikalisches Leben und wer Queen nicht kennt, der hat noch nie Musik gehört. Keine Party in meiner Jugend ohne „We will rock you“, keine Siegerehrung bei meinen Friseuren im Landesinnungsverband ohne „We are the champions“, keine Fahrradtour, ohne dass einer „Bicycle Race“ (freilich ohne nackte Frauen) anstimmte und ich geb es zu, unter der Dusche stimme ich „Flash“ gerne an. Auch brauchen wir nicht diskutieren, ob Bohemian Rhapsody ein Klassiker ist oder nicht – er ist es ohne Zweifel und ein großartiger noch dazu.
Ich glaube, ich nahm Abstand zu Queen nach den Veröffentlichungen zu Works. Bis dahin war ich kein großer Queen-Fan, aber die Musik störte mich nicht. Mit The Works wurde die Musik zu Pop und Queen öffnete sich dem Kommerz. Radio Ga Ga mochte ich nicht, die Hommage an Metropolit fand ich schauderhaft. Die nachfolgenden Alben A Kind of Magic, The Miracle, Innuendo und Made in Heaven fand ich grausam.

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Ich erinnere mich gerne zurück, als ich mit meinem Kollegen Thomas Schmelzer, heute erfolgreicher Buchautor und Moderator, im Wohnzimmer seiner Eltern das Live Aid-Konzert ansahen. Es waren tolle Leute auf der Bühne, viele Leute nach meinem Geschmack, aber Queen rockte das Stadion und prägte sich mir ein. Ich hoffe auf geniale Auftritte von The Who und Led Zeppelin, aber Queen rockte die Hütte. Wir waren sprachlos auf dem Fernseher und muss sagen, der Freddie versteht sein Handwerk.


Und genau mit Live Aid setzt das Buch Freddie Mercury: Die Biografie von Lesley-Ann Jones, einer britischen Rockjournalistin, ein. Ihr Buch Freddie Mercury wurde mir vom Piper Verlag kostenlos zu Rezensionszwecken überlassen. Lesley-Ann Jones berichtet von der Faszination von Live Aid und von der Faszination zur Person Freddie Mercury. Das Buch ist gut geschrieben, aber leider fehlt mir die kritische Distanz der Autorin zu Freddie Mercury. Die Biografie liest sich wunderbar schnell, ist aber zum Teil eine reine Heldenverehrung. Wer aber Bestätigung braucht, welch toller Sänger der Herr Mercury war, der bekommt bei der Lektüre des Buches Balsam auf die Seele. Es stimmt schon, Freddie Mercury hatte absolutes Talent, aber eine Biografie muss auch eine Einordnung und Bewertung für mich sein. Das ist das vorliegende Buch eher nicht.
Vielleicht braucht es dies auch nicht. Rechtzeitig zum 25. Todestag am 24. November 2016 ist dieses Buch erschienen und gibt einen Einblick in die gigantige Rock’n Roll-Party des charismatischen Freddie Mercury. Freddie hat in seinem Lebens nichts ausgelassen. In diesem Buch ergänzt Lesley-Ann Jones die Legenden und Mythen um Mercurys Person kenntnisreich und liefert ein sehr persönliches und intimes Portrait des Mannes, der einst erklärte: „I won’t be a rockstar. I will be a legend.“ Zwischen Genie und Wahnsinn liegen nur wenige Momente. Über die Arbeit mit Queen wird eher in Statistiken und Plattenverkäufen berichtet. Über den Prozess der Studioarbeit und des Schreiben von Songs geht die Autorin weniger ein. Es wird der Fokus auf Konzerte und Live-Acts gelegt. Queen waren zwar eine einzigartige Live-Band, aber sie schufen auch im Studio großes. Ich hätte mehr über Bohemian Rhapsody gelesen, die Bedeutung und den Hintergrund, den dieser Song einnimmt.
Einen Teil der Biografie nimmt die sexuelle Orientierung von Mercury ein. Freddie Mercury war schwul, hatte zahlreiche Liebhaber und starb an der HIV-Krankheit AIDS. Die Fans erfuhren erst sehr spät von der Erkrankung. Trotz Showman blieb die Erkrankung Privatsache. Spät informierte Mercury seine Band-Kollegen und sein Umfeld. Und hier muss ich die Autorin Lesley-Ann Jones zum großen Teil loben. Während sie über das Musikgeschäft fasziniert und aus der Sicht eines Fans sehr seicht schreibt, geht sie beim Privatleben von Mercury einen Schritt weiter und hat gut in Großbritannien recherchiert. Freunde und Kollegen, männliche und weibliche Liebhaber kommen zu Wort. Schließlich war Lesley-Ann Jones in den Achtzigerjahren Rock-Korrespondentin bei der britischen Tageszeitung Daily Mail. Das britische Umfeld des Stars kommt zu Wort.
Leider kommen mir dagegen die Münchner Geschichten zu kurz. Über sein Verhältnis mit Barbara Valentin, einstmals Ehefrau von Helmut Dietl, wird zwar berichtet, doch gibt es in München in der Schwulenszene so viele Geschichten von Freddie Mercury, die hätten erzählt werden können. München war damals ein Mekka der europäischen Szene und Freddie Mercuy war mitten im Auge des Hurrikans. Hier hätte die Klatsch-Reporterin zeigen können, was sie kann. Münchner Boulevardzeitungen wie die Abendzeitung haben eine tolles Archiv. Vielleicht lag es am mangelnden Deutsch der Autorin, dass solche Quellen nicht berücksichtigt wurden. Das ist schade und hier wurde eine Chance vertan, entscheidende Jahre von Mercury im Buch Freddie Mercury: Die Biografie aufzuarbeiten.
Nun, 25 Jahren ist es nun her, seitdem Freddy Mercury verstorben ist. Heute wäre Freddie Mercury 70. Jahre alt. Queen ist nicht mehr Queen und gerne höre ich die Aufnahmen vor Works zum Jubiläum an. Und die Show wird weitergehen.

Musiktipp: Prince from Another Planet von Elvis Presley

19. Dezember 2012

Elvis

Ich hatte nicht geglaubt, dass es noch solche Schätze gibt. Als Fan des King of Rock´n Roll war es ein Erlebnis, das neuveröffentlichte Doppelalbum Prince from Another Planet anzuhören. Es sind die erweiterten Aufnahmen der bekannten Madison Square Garden-Aufnahmen vom Juni 1972, aufgepeppt durch ein schönes Booklet und eine DVD mit interessanten Aufnahmen.

Was Sony aus den alten Aufnahmen klangtechnisch herausgeholt hat, ist wirklich eindrucksvoll. Die beiden einstündigen Konzerte waren ein Medienereignis. Der alte Rocker zeigte noch einmal, was für ein Top Entertainer er ist. Nach all den durchschnittlichen und schlechten Filmen, den Las Vegas-Aufnahmen kam Elvis zurück auf die Bühne und wählte den Garden als Bühne. Es ist das zweite Mal, das Elvis in New York spielte. Presse und Publikum können in dieser Stadt tödlich sein. Aber Elvis versteht sein Geschäft und legte eine hervorragende Performance hin. Superstars des Rock-Zirkus ließen es sich nicht nehmen, seine Shows zu besuchen: Led Zeppelin, David Bowie, George Harrison, Elton John und auch Paul Simon. Die nun veröffentlichten CDs laufen als 40th Anniversary Edition und wurden von Michael Brauer (Coldplay) neu gemixt. Das Mastering besorgte Vic Anesini.

Im Netz kursieren immer wieder Kritiken, dass die beiden Shows nahezu identisch im Ablauf sind. Was soll denn das? Natürlich ist das Showprogramm einer Nachmittags- und einer Abendshow gleich. Und dennoch liegen die Unterschiede in der Performance. Elvis beweist einmal wieder, welch Wahnsinnigssänger er ist. Er trifft jeden Ton und gibt alles. Für mich ist Prince from Another Planet eine der wichtigsten Veröffentlichungen des Jahres

Die beiliegende DVD zeigt eine Pressekonferenz des Kings, der sich weigerte, politische Aussagen zu treffen. Schüchtern und dann doch voller Selbstbewusstsein gibt Elvis ausweichend Antworten. Und stolz präsentiert der King protzig seinen goldenen Gürtel. Schön zu sehen, sind Aufnahmen von Elvis Vater und legendär, der bärbeißige Colonel Tom Parker, der die Presse umher scheucht. Für mich komplett neu war eine verwackelte Konzertaufnahme auf Super 8 der Nachmittagsshow. Hier hatte ein Fan illegal Teile des Konzerts mitgefilmt. Sony veröffentlichte jetzt diese Aufnahmen, teilweise mit viel Schwarzbild. Wahrscheinlich wurde viel restauriert und das optimale aus dem Material herausgeholt. Dennoch bleiben es verwackelte Super 8-Aufnahmen, die zum Teil anstrengend zum Ansehen sind. Dennoch: Der Fan wird das Zeitdokument lieben. Im Netz kursieren auch weitere Fanaufnahmen der Konzerte. Hier hätte Sony in die Tasche greifen können und die Rechte an diesen illegalen Aufnahmen aufkaufen können. Dann wäre ein netter Fan-Konzertfilm herausgekommen. Aber wahrscheinlich war es zu teuer oder Elvis spielt für Sony nicht mehr genug ein, dass sich der Kauf gelohnt hat.

Hohner Electra E-Piano zu verschenken

16. Dezember 2012

Vintage-Musiker aufgepasst. Wir vergeben unser Hohner Electra E-Piano aus dem Jahr 1970 in treue Hände. Es ist ein Klassiker aus dem Hause Hohner, das ähnlich klingt wie eine Wurlitzer 200A oder Wurlitzer 207. Es ist ein reinstes E-Piano im typisch biederen Design von Hohner. Leider funktionieren einige Tasten nicht, aber wer sich mit der Elektronik der damaligen Zeit auskennt, der kann das Instrument wieder herrichten und voll einsetzen. Wir liebten das Hohner Electra wegen seines Klangs. Das Instrument – nicht dieses – wurde unter anderem von Led Zeppelin eingesetzt. Viel Technik gibt es nicht: Den An-/Ausschalter auf der rechten Seite und den Lautstärkeregler auf der linken Seite.

Die Tonerzeugung der Hohner Electra basiert auf einer gelungen Mixtur aus Wulitzer (Reeds) und Rhodes (elektromagnetische Abnahme). Das Signal wird dann einem eingebauten Verstärker mit vier im Gehäuseunterteil integrierten Lautsprechern ausgegeben. Der Klang ist sehr warm Die Tastatur arbeitet wie beim Rhodes. Das Spiel ähnelt aufgrund des hohen Gewichts der Hämmer dem eines Klaviers.

Wir verschenken unser Hohner Electra. Voraussetzung: Kein Weiterverkauf, sondern Einsatz als Musiker. Wer es haben möchte, setze sich mit mir in Verbindung, um einen Termin auszumachen. Bitte nur Selbstabholer. Das Klavier steht im Raum München.

Update 17.12.: so wie es aussieht, hat ein Musiker Interesse. Er will sich zwischen den Feiertagen das Instrument ansehen.

Update 09.02.: das Klavier ist wieder zu haben. Ein Interessent hat uns lange hingehalten und wollte es dann doch nicht – also neue Chance.

Update 04.09.: das Klavier ist vergeben