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Jetzt Karten sichern für Richard Wagner im Kino Tannhäuser

24. Juli 2019
Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Richard Wagner im Kino? Was einst als Experiment begann, ist heute eine liebgewonnene Tradition. Besorgt euch im Kartenvorverkauf die Karten für Tannhäuser am 25. Juli. Und wer Angst vor Wagner hat, kann es ja mal ausprobieren und muss nicht gleich Karten für den Grünen Hügel in Bayreuth kaufen. Ich bin dieses Jahr nicht im Kino mit dabei – ich habe Premierekarten und flipp aus.

Bald ist es wieder so weit
Mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg beginnen am 25. Juli 2019 die 108. Bayreuther Festspiele. Die „Große romantische Oper in drei Akten“ wurde 1845 in Dresden uraufgeführt und 1891 zum ersten Mal in Bayreuth gezeigt. Nach Sebastian Baumgartens Tannhäuser-Interpretation im Jahr 2011 ist die nächstjährige Neuproduktion die neunte Inszenierung des Werks (das in der so genannten Dresdner Fassung aufgeführt werden wird) bei den Festspielen.
Die Musikalische Leitung hat Valery Gergiev, der erstmals in Bayreuth dirigieren wird. Als Regisseur konnte Tobias Kratzer gewonnen werden, Bühne und Kostüme stammen von Rainer Sellmaier.
Stephen Gould verkörpert die Titelpartie des Tannhäuser, den er zum ersten Mal 2004 in Bayreuth sang. Lise Davidsen wird als Elisabeth zu erleben sein, Stephen Milling als Landgraf Hermann. Wolfram von Eschenbach wird von Markus Eiche gesungen werden und die Partie der Venus von Ekaterina Gubanova. Daniel Behle als Walther von der Vogelweide, Kay Stiefermann als Biterolf, Jorge Rodríguez-Norton als Heinrich der Schreiber, Wilhelm Schwinghammer als Reinmar von Zweter und Katharina Konradi als Ein junger Hirt vervollständigen das Ensemble.

Der große Richard Wagner - auch im Kino.

Der große Richard Wagner – auch im Kino.

Tannhäuser live zeitversetzt
Ich freue mich auf die Neuinszenierung von Tannhäuser am 25. Juli 2019. Im Kino läuft das Werk ab 18:00 Uhr „live zeitversetzt“. Die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung wird auch in diesem Jahr wieder zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus stattfinden. Ich werde aus Bayreuth winken und vielleicht seht ihr mich im Kino.
Die Bayreuther Festspiele gehören zu den bekanntesten und renommiertesten Festspielen weltweit. Jahr für Jahr kommen rund 60.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Bayreuth, um die Aufführungen zu erleben, auch ich war einige Male mit dabei und ich muss euch sagen: Es ist großartig. Die Nachfrage nach Karten übersteigt seit Jahrzehnten das verfügbare Kartenangebot, weshalb sich teils mehrjährige Wartezeiten ergeben. Durch die Kinoübertragung ist es nun allen Wagnerbegeisterten möglich, in den Genuss einer Aufführung der Bayreuther Festspiele in herausragender technischer Qualität und mit einem kinoexklusiven Pausenprogramm zu kommen.

Bewährtes Format
Im Jahr der ersten Kinoauswertung 2012 startete die Familie Wagner mit 55 Kinos und viel Überzeugungsarbeit, mittlerweile sind über 190 Kinos die Bayreuther Festspiele erfolgreich spielen, Tendenz steigend. Auch mein Lielingskino Scala in Fürstenfeldbruck ist seit Jahren mit dabei und die Übertragung erfreut sich großer Beliebtheit.
Seit der Festspielsaison 2016 beginnt die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung um 18:00 Uhr und damit zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus. Durch die Übertragung zu einer späteren Tageszeit haben mehr Kinobesucher die Chance, an der Übertragung teilzuhaben, gleichzeitig verkürzen sich dadurch für die Kinobesucher die in Bayreuth einstündigen Pausen der Opernaufführung. Infolge der gestrafften Pausen nähert sich die Übertragung in zeitlicher Hinsicht dem tatsächlichen Bühnengeschehen in Bayreuth an und lässt die Übertragung damit quasi zum Live-Erlebnis werden. Dieses Übertragungsformat wurde so gut angenommen, dass die Familie in der Anzahl der Kinobesucher einen Anstieg von über 20% gegenüber dem vorherigen Übertragungsformat verzeichnen konnte.

Chance nutzen und Wagner kennenlernen
Und gerade Operninteressierte sollten diese Chance nutzen. Manche Leute kennen Wagner aus dem Kino wie der Wallkürenritt aus Apocalypse Now oder den Einzug der Götter in Walhall aus Prometeus.
Wagner-Opern sind etwas Besonderes, etwas Würdevolles, etwas Feierliches. Karten für Bayreuth zu bekommen ist schwer und die Karten sind teuer. Daher ist es ideal, wenn man für vergleichsweise wenig Geld in den Genuss einer Wagner-Oper kommt. Alle Klassikinteressierten sollten diese Möglichkeit nutzen und sich an Wagner heranwagen. Natürlich lässt sich ein Kinobesuch nicht mit einem Besuch auf dem Grünen Hügel vergleichen: Dennoch sollte man es ausprobieren und sich mit der Musik von Richard Wagner vertraut machen. Wagner führte die Leitmotive in die Musik ein und wer die großen Filmmusikkomponisten wie John Williams, Jerry Goldsmith, John Barry und und und schätzt, weiß, wie wichtig Wagner für die Filmmusik ist. Und zudem ist Tannhäuser eine vergleichsweise leichte Oper von Richard Wagner, deren Leitmotive schnell ins Ohr gehen. Also nicht zögern und eine Karte fürs Kino besorgen.

Stühle im Festspielhaus oder Sessel im Kino
Ich bin zwar immer wieder fasziniert von dem 1974 Plätze fassenden Zuschauerraum des Festspielhauses in Bayreuth. Er ist schlicht eingerichtet und besteht aus gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Die Akustik in dem Konzertsaal aus Holz ist genial.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Die harten Holzklappstühle sollen eine Idee von Wagner selbst gewesen sein. Kein Zuschauer sollte einschlafen, denn bequem sind die Holzteile wirklich nicht und die Reihen sind eng, also ist mit Beine ausstrecken auch nicht viel her. Und Wagner-Opern können lang, sehr lang dauern, je nachdem wer dirigiert. Der Ring des Nibelungen erfordert Sitzfleisch. Tannhäuser ist da deutlich kürzer. Die Pausen in Bayreuth sind dringend nötig, um sich zu strecken und spazieren zu gehen.
Da ist eine Wagner-Oper im klimatisierten Kinosaal im Scala eine absolute Wohltat für den Hintern. Die Sessel sind weich, die Beine kann man ausstrecken. Wagner im Kino ist natürlich doch etwas anders als Wagner in Bayreuth. Im Kino geht es lockerer zu. Es ist möglich, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnehmen kann. In Bayreuth wird man dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft.

Technische Details der Übertragung
Natürlich geben sich die Macher alle Mühe, den Ton so gut als möglich ins Kino zu übertragen. Aber es muss auch klar sein: Der Sound wird niemals so genial klingen wie im Bayreuther Festspielhaus. Wer einmal eine Oper von Wagner dort erleben durfte, den hat der Klang umgehauen. Noch nie habe ich so einen hervorragenden Klang gehört. Allerdings braucht man dazu eine der seltenen Eintrittskarten auf den Grünen Hügel. Bei der Live-Übertragung im Kino wird man alles herausholen, was die Technik kann. Die Liveübertragung erfolgt auf höchstem technischen Niveau in HDTV 1080i und in Dolby 5.1 Sound. Das Signal wird für die Live-Übertragung in den Kinos über die beiden Satelliten Intelsat 10-02 und Eutelsat 5 West ausgestrahlt. Am Tag der Übertragung steht das Satellitensignal einige Stunden vor Beginn zur Verfügung. Untertitel von Tannhäuser auf Deutsch sind im Kino vorhanden, was günstig ist, um das Libretto zu verstehen.

Der lange Weg zu Karten für die Bayreuther Festspiele

19. März 2018

Es war schon eine Geduldsprobe, die ich mir da zugemutet habe. Gestern stand der Online-Verkauf für die Bayreuther Festspiele auf meinem Nachmittagsprogramm. Und es hat auch wirklich den ganzen Nachmittag gedauert, bis ich zwei Karten für die beste Ehefrau und mich erstanden habe. Zufrieden bin ich aber dennoch nicht.
Um 14 Uhr war der Ticket-Shop am Grünen Hügel in Bayreuth geöffnet. Um 13:58 Uhr stand ich auf der Matte. Das iPad war online. Kundennummer und Kreditkarte sowie Kalender lagen bereit – also die magischen 3 K. Dieses Jahr steht eine Neuinszenierung von Lohengrin auf dem Programm und ich würde gerne die Inszenierung sehen. Anja Harteros soll die Elsa singen. Ich sag es gleich: Ich habe keine Karten für Lohengrin bekommen und bin deswegen enttäuscht. So muss ich mir wohl die Neuinszenierung wieder im Kino ansehen, wenn es übertragen werden sollte. So habe ich es in der Vergangenheit immer gemacht. Und Lohengrin war die erste Oper, die ich in Bayreuth jemals gesehen habe.

Der Ticket-Shop öffnet
Nun um 14 Uhr öffnete der Shop seine Pforten und ich reihte mich ein. Vergangenes Jahr habe ich so auch Karten für die wunderbaren Meistersinger erstanden und hoffte wieder auf mein Glück. Aber ich war wohl zu spät. Es waren einige Wagnerianer vor mir und das bedeutet dann stundenlanges Warten.
Nach 20 Minuten viel mir auf, dass die Veranstalter die Website geändert hatten. Im vergangenen Jahr waren es animierte Figuren, die sich Platz um Platz nach vorne schoben. Dieses Jahr gab es einen klassischen Ladebalken und der stand bei mir ganz weit links. Wie öde!

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Das Neuladen der Seite ist strengstens verboten und auch die Seite im Hintergrund laufen lassen, dass will die Familie Wagner nicht. Ob das stimmt, habe ich nicht ausprobiert, denn ich wollte meinen wertvollen Platz in der Ticketschlange nicht aufgeben. Links oben auf der Website gab es ein Ampelsystem, ob Karten für die jeweilige Oper noch verfügbar sind. Dieses Jahr gab es online Karten für Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Parsifal, Tristan und Wallküre. Nach 20 Minuten waren noch alle Ampeln auf Grün.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Ich hoffte also auf Lohengrin. Doch dann wechselte Lohengrin auf Gelb, die Karten wurden knapp und ich war noch ganz hinten in der Warteschlange.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Ich wurde nervös und nervte die Twittergemeinde mit meinen Bedanken. Das viele Jammern nutzte nichts. Nach einer Stunde war Lohengrin immer noch auf Gelb und ich hatte gerade mal ein Drittel des Ladebalkens geschafft. Und dann, um 15:06 Uhr sprang Lohengrin auf Rot um – alle Karten weg und mein Ärger war da. Über eine Stunde gewartet und keine Karten.

Und weg war Lohengrin.

Und weg war Lohengrin.

Nun, dann begann das Alternativprogramm. Ich hatte die Inszenierungen von Holländer, Meistersinger, Parsifal und Tristan in Bayreuth bereits genossen, also blieb nur noch die Wallküre übrig. Ich konzentrierte mich also auf die Wallküre. Sie ist die erste Oper des Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend, der aus dem Rheingold besteht. Es handelt sich um den Castorf-Ring, der 2017 auslief, aber 2018 noch in Einzelvorstellungen zu sehen ist. Ich habe Teile des Castorf-Rings gesehen und er hat mir nur teilweise gefallen. Aber Bayreuth ist eben Bayreuth und ich will auch 2018 wieder dabei sein und blöde daherreden.

Um 15:20 Uhr wurden auch die Karten für die Meistersinger knapp. Die Ampel schaltete auf Gelb. Karten für die Wallküre scheint es noch zu geben und ich wartete bereite 1:20 Uhr vor dem iPad mit der Ticketseite online. Und nun der Schock: Um 15:29 Uhr schaltete auch die Wallküre auf Gelb. Sollte ich eineinhalb Stunden umsonst gewartet haben? Ich wurde nervös. In dem Ladebalken hatte ich das Opernhaus noch nicht mal erreicht und die Karten wurden eng. Minute um Minute schob ich mich vor. Ich war sogar soweit, dass ich den lächerlichen Figuren auf dem Display Namen gab und meinen Kindern immer verkündete, wenn ich Herrn Maier, Frau Müller und Frau Schmidt überholt habe. An der Spitze der Schlange stand übrigens Herr Theobald, so hab ich den Typen genannt, der hinter einer Straßenlaterne versteckt war. Es galt diesen Theobald zu überrunden, der vor mir stand. Ich entwickelte einen regelrechten Zorn auf diesen virtuellen Pixeltypen, der so unscheinbar da stand.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Ich näherte mich Herrn Theobald Meter für Meter. Um 15:46 Uhr war ich schon ganz nah dran. Um 15:49 Uhr war der Eintritt ins Opernhaus zum Greifen nahe und ich freute mich schon. Um 15:55 Uhr hatte ich Herrn Theobald überholt. So Theo jetzt hab ich dich und zeig dir, was eine Harke ist. Doch ich wurde abermals von Bayreuth enttäuscht. Obwohl ich der erste in der Reihe der Personen war und noch vor diesem Herrn Theobald, galt dies wohl nicht für den Ladebalken. Der Balken musste bis ganz rechts laufen um vollständig geladen zu sein. Was soll das? Bayreuth, ich fühle mich von dieser GUI betrogen.
Nun standen Lohengrin und Meistersinger auf Rot und Wallküre auf Gelb und es war 16:02 Uhr. Zwei Stunden in der Schlange gewartet und ich drohte zu scheitern.

16:02 Uhr - es wird verdammt eng.

16:02 Uhr – es wird verdammt eng.

Um 16:16 Uhr hatte ich Herrn Theobald und die ganze Schlange weit hinter mich gelassen und näherte mich dem Eingang des Festspielhauses. Im Original gehe ich dort immer wieder rein und finde eine Säule mit einer Inschrift von der damaligen Premiere des Rings wieder. Langsam bekam ich Schnappatmung. Meine Gattin meinte nur lakonisch „Ja mei“ und meinte wohl: Dann eben Bayreuth nicht. Für sie ist es kein großer Verzicht, denn sie kommt zum Grünen Hügel nur mir zuliebe mit. Sie selbst ist nicht eine Wagnerverehrerin und kommt aus Liebe mit mir mit – ein schöner Liebesbeweis sich vier Stunden den Hintern auf unbequemen Klappstühlen wund zu sitzen.

16:16 Uhr - ich fühle mich von der GUI betrogen.

16:16 Uhr – ich fühle mich von der GUI betrogen.

Aber ich wollte nicht klein beigeben. Um 16:35 Uhr – zwei Stunden und 35 Minuten nach Öffnung des Ticketshops durfte ich für 10 Minuten den Store betreten und meine Karten auswählen. Oh wie gnädig. Ich bekam noch Restkarten für Wallküre – leider nicht wie gewohnt vorne, sondern ziemlich weit hinten. Und wir bekamen auch keine zusammenhängenden Plätze. Das bedeutet, meine Frau und ich müssen die Oper getrennt verfolgen. 3:45 Stunden dauert die Wallküre mit zwei Pausen, die wir zum Spazieren gehen nutzen können. Ich werde in den Pausen quatschen und meine Frau die Umgebung des Festspielhauses genießen.
Karten wurden mit der Kreditkarte bezahlt. Über die Preise schweige ich mich aus. Dann machte ich mich auf die Hotel-Suche. Da machte ich es mir leicht. Wir sind immer in Heinersreuth im Hotel Opel. Ich mag dieses fränkische Landgasthaus mit der lustigen Besitzerin. Das Essen ist bodenständig und ich freue mich auf den Pressack und das Bier. Online ein Zimmer gebucht, es war Gott sei Dank noch etwas frei. Dann zurückgelehnt und dann vom Musikserver die Wallküre geladen. Im Keller habe ich noch eine DVD vom Jahrhundertring des Jahres 1976 von Pierre Boulez, damit werde ich meine Umgebung beglücken. Bis zur Festspielsaison habe ich noch ein wenig Zeit das Libretto zu studieren und mir schlaue Sprüche auszudenken. Ach Richard Wagner, ich mag einfach deine Musik.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Internationaler Flair mit regionalen Gerichten: Liebesbier in Bayreuth

8. März 2016
Liebesbier heißt die neue Event-Gastronomie in Bayreuth.

Liebesbier heißt die neue Event-Gastronomie in Bayreuth.

Denk ich an die fränkische Küche, dann denke ich erst einmal an Kloß mit Soß. Das ist zwar fein, Schäuffele und Karpfen mag ich auch, aber ich will auch eine Abwechslung auf dem Teller. Eine besondere kulinarische Abwechslung habe ich vor kurzem in Bayreuth erlebt. Dort gibt es auf dem Gelände der Brauerei Maisel die neue Eventgastronimie Liebesbier.
Als Münchner wartete ich vor dem Liebesbier auf Einlass. Um 17 Uhr öffnet das Restaurant und vergibt die freien Plätze. Eine Reservierung für später am Abend ist dringend erforderlich. Also stand ich vor dem Liebesbier und dachte mir: Die Säule mit Schale am Eingang kenn ich doch. Und richtig. Die Säule stand jahrelang vor der Münchner Nobel-Location P1. Jetzt steht das Teil in Bayreuth. Münchner Style in der Richard Wagner-Stadt Bayreuth.

Das P1 aus München grüßt.

Das P1 aus München grüßt.

Liebesbier bedeutet Erlebnisgastronomie pur und es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Brauer Jeff Maisel und den Gastronomen Thomas Wenk, Ute Wenk und Andrea Bauernfeind. Als ich zum Testessen kam, saß ich mit einer Gastronomie-Familie aus Bamberg am Tisch, die das Restaurant genau unter die Lupe nahmen und sich anerkennend äußerten. Die Gastronomiefläche vom Liebesbier hat knapp 280 Innenplätze und bei warmen Temperaturen kommen 300 Außenplätze hinzu. Der Biergarten wird gerade angelegt. Im Mittelpunkt des gastronomischen Konzepts stehen Bier und Handwerk. Der Ort ist historisch: In der alten Brauerei Maisel von 1887 gibt es neben einem Museum auch eine Showbrauerei. Es handelt sich um die funktionsfähige Brauerei ‚Maisel & Friends Brauwerkstatt‘ mit einem 25 hl Sudwerk.


Ich hab mich sofort wohlgefühlt im Liebesbier. Als ich auf mein Essen gewartet habe, probierte ich Waren der eigenen Bäckerei; Brot und Treberkekse. Die Getränkekarte fasziniert und überfordert zugleich. Schließlich steht das Thema Bier im Vordergrund. Neben 21 Bierhähnen gibt es bis 80 Flaschenbiere: Typisch fränkische, klassisch bayerische und moderne Edel- und Craftbiere aus der ganzen Welt. Als Wasser wird Brauwasser aus dem Fichtelgebirge verwendet. Das Konzept Craftbeer ist voll im Kommen und jetzt auch in Bierland Oberfranken angekommen. Craftbeer ist im Grunde nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier – und es wird mit den Zutaten experimentiert. Mehr und mehr Privatleute fangen an, Bier zu brauen. Der Trend schwappte von den USA zu uns herüber. Eigentlich peinlich, dass wir selbst als Braunation nicht auf die Marketingidee kamen, aber die Brauerei im Liebesbier haben im Jahr des Reinheitsgebot die Idee des Craftbeers perfekt aufgenommen und verfeinert. Aber Bier alleine kann es nicht sein. Feines Essen gehört zu gutem Bier dazu. Und hier kommt Küchenchef Michael Waigel in Spiel.


Sein Credo ist Regionalität und damit fährt er sehr gut. Es gibt hauptsächlich saisonale Produkte. Trotz Oberfranken gibt es keinen Kloß mit Soß. Die Küche ist fein, aber bodenständig. Ich startete mit einem Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken. Sehr feiner Geschmack.

Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken

Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken

Als Hauptgang wählte ich Grillinger Deluxe. Dahinter verbergen sich hausgemachte Trebern-Bier-Bratwürste und karamellisiertes Kohlgemüse und Brot. Lecker kann ich nur sagen.

Grillinger Deluxe

Grillinger Deluxe

Zudem gab es Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

„Aus unserer Lieblings-Küche kommen nur regionale Produkte. Wie bei unseren Bieren verlassen wir uns auch bei den Zutaten auf Lieferanten, die wir persönlich kennen, denen wir vertrauen und deren Produkte wir selbst probiert haben. Einige Leckereien stellen wir selbst her: Das Brot kommt frisch aus unserer Backstube, unser Brauwasser wird aus unserem Brunnen geschöpft und Fisch in unserem Ofen geräuchert“, so Küchenchef Michael Waigel.


Chefkoch Michael Waigel ist seit 2004 in der Bayreuther Schlossgaststätte Eremitage Küchenchef und Geschäftspartner. Hier kocht er fränkisch unter Verwendung bester und frischester Produkten aus der Region, auf Vorbestellung auch exquisite Menüs. Er ist aktiv bei der Gourmet-Veranstaltung „Gala der Köche“ in Bayreuth. Er war u.a. Küchenchef bei Steigenberger, auch im Festspielhaus; Küchendirektor in mehreren Maritim Hotels (5 Sterne Hotels), Küchenchef Europäischer Hof Baden Baden (5 Sterne). Zudem hat er in Michelin Sterne Restaurants gearbeitet: Quellenhof Aachen, Rosa Tschudi „Schweiz“, Marc Haeberlin Auberge de I’ll in Frankreich, in Belgien, Holland, Hamburg und in Düsseldorf. Im Liebesbier will Waigel ganz neue Wege gehen. Internationaler Flair mit regionalen Gerichten. Für mich eine klare Empfehlung und wer Gast in Bayreuth ist, unbedingt reinschauen und probieren.

Bayreuth: Mit Wagner das Ende der Pause einleiten

30. August 2014
Der grüne Hügel mit eingepacktem Festspielhaus  - eine Schande.

Der grüne Hügel mit eingepacktem Festspielhaus – eine Schande.

Die Wagner-Festspiele 2014 sind zu Ende. Es war ein turbulentes Wagner-Fan und die Kritiker schossen wieder scharf auf dem grünen Hügel. Ich habe mir dieses Jahr die Götterdämmerung anschaut – inszeniert hatte Frank Castorf. Das Bühnenbild war wunderbar – und ich habe schon ausführlich darüber geschrieben. Mehr werde ich über die Aufführung und Castorf nicht schreiben. Wagner-Fans wissen Bescheid, der Rest interessiert sich sowieso nicht. Und ich freu mich auf die Saison 2015 und hoffe wieder auf Karten.
Ich habe die wunderbare Musik genossen und auch wieder die Rituale auf dem grünen Hügel. Wie jedes Jahr wird der Zuschauer beim Betreten des Opernhauses darauf hingewiesen, keine Fotos zu machen. Also nicht nur von der Aufführung (klar), sondern auch nicht vom Inneren des Gebäudes selbst. Nett zu sehen, wie Wagner-Fans die Aufseher ablenken und eine andere Gruppe dann im Festspielhaus für Selfies posiert.

Ein verbotenes Foto vom Inneren des Festspielhauses.

Ein verbotenes Foto vom Inneren des Festspielhauses.

Und zu den Ritualen gehört, dass am Ende jeder Pause das Publikum mit Musik zurück in das Festspielhaus gebeten wird. Das läuft so ab: Kurz bevor der nächste Aufzug beginnt, treten Orchestermusiker auf den Balkon des Festspielhauses. Dort stimmen sie ein Thema der jeweiligen Oper an, die gespielt wird. Das passiert zweimal in jeder Pause – eine Kurzfassung des Stücks und eine längere Version des Themas.
Ich habe hier mal das Pausenläuten der Götterdämmerung mitgefilmt.

Und weil es so schön ist, hier die Klänge von Lohengrin aus dem Jahr 2012.

Die Götterdämmerung umfasst bei einer Spielzeit von über vier Stunden zwei Pausen. Wer nicht Bratwurst essen will, der flaniert über das Festspielgelände. Ach ja Bratwurst. Dieses Jahr gab es übrigens keine Hummerbratwurst mehr wie noch 2013.

Spezialität in diesem Jahr war für 7,50 Euro eine Trüffelbratwurst. Die Kugel Eis kostet übrigens 2,50 Euro. Wer mich beim Trüffelbratwurstessen ansehen will, kann dies hier tun:

Bayreuth 2013: gewaltiges Bühnenbild bei Wagners Ring

5. August 2013

Der neue Ring kommt musikalisch hervorragend an, die Neuinszenierung musste dagegen massiv Kritik einstecken. Regisseur Frank Castorf ist gnadenlos ausgebuht und ausgepfiffen worden. Er nahm es locker, forderte sogar die Zuschauer auf lauter zu buhen und zeigte dem Publikum einen Vogel.

Was neben der Musik gut ankam, waren die Bühnenbilder der beiden ersten Ring-Teile. Diese stammten für Wagners Ring aus den Werkstätten von Studio Hamburg Media Consult International (MCI) GmbH. Zum ersten Mal vergaben die Bayreuther Festspiele die Bühnenbilder als komplette Auftragsarbeit. Die MCI baute die beiden Bühnenbilder in den Hamburger Werkstätten. Auf einer Drehscheibe im Durchmesser von 20,5 Metern und mit einer baulichen Gesamthöhe von bis zu 13 Metern ist das Ergebnis nicht nur in seinen Ausmaßen überzeugend: Bis zu 50 Mitarbeiter arbeiteten auf einer Vorbaufläche von 2.500 Quadratmetern auf dem Studio Hamburg-Gelände an der Realisierung. Das Ergebnis wurde schon im Frühjahr zu seinem Bestimmungsort auf den Grünen Hügel in Bayreuth transportiert. Dafür wurden die geteilten Bühnenelemente in den geeigneten Maßen auf 22 Trailer portioniert.

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Die Mannschaft der Hamburger Werkstätten fügte dann vor Ort auf der Bühne im Festspielhaus in fünf Wochen das angelieferte Bühnenbild-Puzzle zusammen: Auf die eigens von der Planungsabteilung konzipierten, riesigen Drehscheibensegmente wurde die Bühnendekoration aufgebracht und zum Ganzen verbunden. Da der Festspielalltag einen täglich wechselnden Auf- und Abbau des jeweiligen Bühnenbildes vorsieht, war diese reversible Konstruktion eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung.

Unter der Regie von Frank Castorf und nach dem Bühnenbildentwurf von Aleksandar Denic, wurden im „Siegfried“ vielfältige Motive realisiert, beispielsweise der Berliner Alexanderplatz mit einer funktionsfähigen, maßstabsgetreuen Nachbildung der Weltzeituhr oder die Darstellung eines kinetischen Fernsehturmfußes. Die Rückseite zeigt eine massive Felswand mit einer kommunistischen Karikatur des US-amerikanischen Mount Rushmore. In der „Götterdämmerung“ trifft als Szenerie das originalgetreue Portal der New Yorker Börse im Maßstab 1:3 auf eine Berliner Hinterhofwelt, sowie die 12 Meter hohe Neon-Reklamewand „Plaste und Elaste aus Schkopau“, ein Relikt aus DDR Zeiten.

In einer viermonatigen Konstruktionszeit und der effektiven Bauphase von zehn Wochen pro Bühnenbild ist es gelungen, ein beeindruckendes Resultat für die diesjährige Spielzeit im Wagner-Jubläumsjahr abzuliefern. Beide Produktionen werden in den kommenden vier Spielzeiten der Bayreuther Festspiele aufgeführt. Wer also dieses Mal keine Karten für Bayreuth bekommen hat, kann vielleicht 2014 die Inszenierung ausbuhen.

(c) der Fotos: Pressestelle Bayreuth Festspielhaus

Wagner im Kino? Der fliegende Holländer 2013

26. Juli 2013
Komische Idee - Wagner im Kino, aber doch gut.

Komische Idee – Wagner im Kino, aber doch gut.

Wagner im Kino – geht das überhaupt? Ich war sehr skeptisch, als ich den Anzug anzog und mich für die Premiere von Richard Wagners “Der fliegende Holländer” fertig machte. Ich hatte keine Karten für das Bayreuther Festspielhaus, sondern für das Scala-Kino in Fürstenfeldbruck. Die Premiere wurde in zahlreiche Kinos live auf die große Leinwand übertragen und mein Kino in Fürstenfeldbruck war auch mit dabei.

Aber da kam schon die erste Frage auf. Was zieht man für eine Festspielpremiere im Kino an? Normalerweise sind Jeans und T-Shirt die Bekleidung fürs Kino. Aber beim 200. Geburtstag des großen Richard Wagner gehen Jeans und T-Shirt gar nicht. Der Kompromiss war die Business-Klamotte mit Fliege und Einstecktuch. Die große Opernausstattung folgt dann, wenn ich in Bayreuth bin.

Viel Mühe haben sich die Mitarbeiter des Scala Kinos FFB gegeben.

Viel Mühe haben sich die Mitarbeiter des Scala Kinos FFB gegeben.

Feierlich war das Ambiente im Scala Kino. Roter Teppich. Die Kino-Mitarbeiter haben sich in Abendkleid und Anzug gekleidet, es gab Sekt zur Begrüßung der rund 85 Wagner-Fans. Und ein kleines Menü für 7,50 Euro als Pausensnack hatte man vorbereitet. Nur dumm, dass es bei der Kurzoper Holländer keine Pause gibt. Aber egal, ich hab den Pausenimbiss einfach nachträglich gegessen.

Pausensnack - aber es gibt beim Holländer keine Pause.

Pausensnack – aber es gibt beim Holländer keine Pause.

Das Publikum war gemischt, meist ältere Herrschaften in siebziger Jahre Klamotte – nicht weil es Kult war, sondern weil man es noch im Schrank hatte. Und da waren sich auch, die Wagnerianer, die ihr Wissen um die Inszenierung zum Besten geben mussten. Leider benahmen sich einige Zuschauer auch so, als würden sie den neuen James Bond anschauen. Sie ratschten – und das bei Wagner. Frechheit! Da machte es eine ältere Dame besser, sie schlief beim ersten Aufzug gleich mal ein und wurde von ihrer Freundin aufgrund des Schnarchens wiederum geweckt. Ich muss auch zugeben, dass ich mir ein Bier mit in den Kinosaal nahm. In Bayreuth wäre ich des Festspielhauses verwiesen worden, aber in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck geht so ein Kulturbruch.

Glas Sekt zur Begrüßung.

Glas Sekt zur Begrüßung.

Dann begann die Übertragung mit einer Stunde Einführung. Musikjournalist Axel Brüggemann führte Interviews, verpasste die Ankunft von Horst Seehofer und Angela Merkel und wurde von Stardirigent Christian Thielemann zurechtgewiesen. Das Interview mit einem extrem lässigen Thielemann war super. Das iPhone auf dem Knie wies er den Schwätzer Brüggemann humorvoll zurecht.

Absolut cool:  Christian Thielemann mit iPhone im Interview.

Absolut cool: Christian Thielemann mit iPhone im Interview.

Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger war keine Neuinszenierung, sie wurde bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Der Holländer wurde von Samuel Yun wunderbar gesungen, der ja eigentlich vergangenes Jahr kurzfristig eingesprungen ist, nachdem der ursprüngliche Holländer-Bariton Evgeny Nikitin mit seinen Hackenkreuz-Tatoos für fetten Ärger sorgte und rausgeworfen wurde. Mir haben die Interpreten gefallen: Ricarda Merbeth als Senta, Tomislav Mužek als Erik, Benjamin Bruns als wunderbarer Steuermann und Franz-Josef Selig als Daland. Kritiker des Abends meinten, es sei zu wenig Kraftvolles dargeboten worden, ich fand es prima. In Bayreuth gab es Buh-Rufe für die Inszenierung von Gloger. Ich fand sie originell und humorvoll, die Kritiker fanden sie kindisch. Egal, mir hat es gefallen.

Nicht gefallen hat mir dagegen das Bild. Mehrere Bildausfälle in der Schaltung waren das eine, offene Kinotüren, weil sich Leute Pop Corn holen mussten, waren das andere. Wer aufs Klo muss, der bleibt draußen. So gilt es in Bayreuth und so sollte es auch im Kino gelten. Leute, geht vor der Vorstellung Wasser lassen und nicht während Wagner läuft. Banausen! Und ich tat mich anfangs schwer mit dem als Untertitel eingeblendeten Libretto. Ich brauchte einige Zeit, damit ich nicht lese, sondern höre. Aber für Wagner-Neulinge war es sicherlich eine Hilfe der Oper zu folgen.

Der Ton der Übertragung war nicht immer perfekt. In den stillen Parts hörte der Zuschauer Rauschen, die höhen Töne waren übersteuert. Die Akustik des Festpielhauses lässt sich eben doch nicht einfach ins Kino übertragen. Der Zauber von Bayreuth liegt in dem unsichtbaren Orchestergraben, in dem Thielemann seinen Job samt Festpielorchester wunderbar ableistet. Dafür waren die Kinokarten mit 30 Euro dann doch etwas billiger als die Karten in Bayreuth. Dort werde ich mir dieses Jahr den Tannhäuser anschauen, nachdem ich vergangenes Jahr Lohengrin genießen durfte.

Äh, äh. Edi Stoiber weiß nun wirklich nichts sinnvolles über Wagner zu sagen.

Äh, äh. Edi Stoiber weiß nun wirklich nichts sinnvolles über Wagner zu sagen.