Posts Tagged ‘Johnny B. Goode’

Persönlicher Nachruf auf Chuck Berry

19. März 2017

Nun, 90. Jahre ist er alt geworden, der alte Mann des Rock’n Roll. Leider habe ich nie Chuck Berry live gesehen. Bei einem Konzert, das er in München mit dem großartigen Jerry Lee Lewis und Little Richards gegeben hatte, waren mir die Karten zu teuer und die Spielzeit der alten Herren zu kurz. So kannte ich Chuck Berry nur von Vinyl.
Mein Rock’n Roll begeisterter Onkel führte mich in die Szene ein. Elvis, Cash, Lewis und auch ein wenig Chuck Berry. Sein Johnny B. Goode ist der Klassiker für E-Gitarre und geht sofort ins Blut. Ich hatte ein paar Sampler, bei denen Berry mit den üblichen Stücken vertreten war: Maybellene, Roll Over Beethoven, Johnny B. Goode und das ganze Zeug. Jahre später kaufte ich mir das wichtige Chess-Sachen wie The London Chuck Berry Sessions oder St.Louis To Liverpool. Ich bin Bear Records dankbar, dass sie den kompletten Chuck Berry wunderbar editiert auf den Markt gebracht haben. Wer nicht alles braucht, aber den frühen Berry hören will, dem empfehle ich die preiswerte 5 Classic Albums-Alternative als Box. Chuck Berry hat die Musik geprägt: Ohne ihn hatte es die Beatles, Stones, Motörhead oder Clapton nie gegeben.
Für mich wurde Chuck Berry aber durch einen Kinoauftritt unsterblich, bei dem er gar nicht zu sehen war. Es war 1985 und ich schaute mir Zurück in die Zukunft / Back to the future an. Zeitreisender Michael J. Fox stieg in den 50ern bei einer Highschool-Party auf die Bühne, spielte Johnny B. Goode und flippte aus. „Eure Kinder werden es lieben“, lautete der coole Satz und im Film hielt Bruder von Chuck Berry das Telefon in den Sound und sagte: „Chuck, du suchst doch einen Song!“ Ich habe damals (und heute) wirklich gelacht und kann die Szene immer wieder gerne sehen. Humor, wie ich gerne habe.


Nun, heute höre ich den alten Mann wieder, der 1979 sein letztes Studioalbum aufgenommen hat, und seitdem mächtig unterwegs war. 2017 soll nun noch ein letztes Album mit Namen Chuck auf den Markt kommen. Ich bin gespannt. Berry war manches Mal ein schlimmer Finger, aber am Ende bleibt seine Leistung für den Rock’n Roll. Ohne ihn hätte es den Rock’n Roll, wie wir ihn kennen, nie gegeben. Und ich probiere heute seinen Duckwalk aus. Was der alte Mann konnte, muss ich doch auch können und duckwalke durch das Haus.

Spider Murphy Gang im Lustspielhaus: Eben a bayrische Band

28. April 2011
Spider Murphy Gang 2011 im Lustspielhaus.

Spider Murphy Gang 2011 im Lustspielhaus.

Natürlich war es ein Heimspiel. Natürlich war das Lustspielhaus wieder mal ausverkauft und natürlich spielten die Spiders zahlreiche ihrer alten Hits. In ihrer Homebase in Schwabing hielten Günther Sigl und Barny „the red cap“ Murphy an Ostersonntag und -montag Hof und die getreuen Fans kamen in Scharen. Irgendwie war es ein Familientreffen. Über drei Fan-Generationen erschienen zum Konzert der einst „besten bayerischen Live-Band“. Die Spiders haben diesen Titel längst an jüngere Kollegen abgegeben und müssen sich nichts mehr beweisen, sondern können den fast schon intimen Konzertabend vor 260 Fans die meiste Zeit im Sitzen genießen. Ab und zu wird sich mal zum Solo erhoben, aber die Zeiten des wilden Rock´n Roll-Zirkus´ sind für die Gang vorbei.

Musiker und Fans erinnern sich an die gute alte Zeit als Chuck Berry, der dicke Fats, Elvis Presley und andere wilde Männer eine Musikrevolution auslösten. Mit den heutigen Spiders ist keine Musikrevolution mehr zu machen, aber das wollen die Fans auch gar nicht. Man traf sich gut gelaunt zum Rock´n Roll Rendezvous. Mit kleinen Geschichten aus der Welt der Spiders und des Rock´n Roll garnierte Günther Sigl die Instrumentenwechsel, kokettierte mit dem Alter der Musiker und gab weise Ratschläge zu einem zehnminütigen Spiel des E7-Gitarrengriffs. Ja Günther du hast recht, wenn du sagst, „damit kannste schon weit kommen.“ Gemeinsam erinnerte man sich wie der im Januar verstorbene BR-Moderator „Rolling Schorsch“ Georg Kostya den Spiders zum Durchbruch verhalf.

Das Publikum quittierte die Songs der bayerischen Band brav mit Applaus. Musikalische Experimente wollte hier keiner hören, obwohl die Spiders ein ungewöhnlich ruhiges und sehr inspirierendes „Johnny B. Goode“ darboten. Zu jeder Zeit hatten die Spiders die Stimmung im Griff, erinnerten immer wieder an ihre alten Helden, vergaßen aber leider den zu früh verstorbenen Roy Orbison, der am Karsamstag seinen 75. Ehrentag hatte. Die Musiker sind Könner ihrer Kunst, allen voran Barny Murphy und Boogie Woogie-Pianist Ludwig Seuss, der bayerische Schotte Willi Duncan und Saxophonist Otto Staniloi. Immer wieder war gemeinsames Mitsingen angesagt: „Pfüati Gott“, „Skandal im Sperrbezirk“, „Mir san a bayrische Band“, „Schickeria“, „Mit’n Frosch im Hois“ oder „Wo bist du?“. Während beim „Unter’m Kastanienbaum“ die Textsicherheit der Fans schwankte, war sie bei „Sommer in der Stadt“ wieder voll da. Liebe Spider Murphy Gang – bitte bleibt so und wir sehen uns wieder, versprochen!

Der Artikel erschien auch auf der Webseite Nachrichten München