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Persönlicher Nachruf auf John Wetton

1. Februar 2017
John Wetton - live in Olching, LK Fürstenfeldbruck 1997. Foto: Lange

John Wetton – live in Olching, LK Fürstenfeldbruck 1997. Foto: Lange

Schon wieder Krebs, schon wieder dieser schreckliche Krebs. Gestern verstarb wieder ein musikalisches Idol. John Wetton ist tot. Für mich hat eine große Stimme des Prog Rock die Bühne für immer verlassen.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass John Wetton immer dabei war, wenn es um diese Art von Musik ging. Wenn mir eine Band aus der Prog Rock Ära gefallen hat, dann war der Name John Wetton direkt oder indirekt damit verbunden. Meine Lieblingsbands mit ihm waren eindeutig King Crimson, Asia und auch UK.
John Wetton hatte einen gewissen Hang zum Kommerz, aber so eine Art von Kommerz, die mir wirklich gefallen hat. Die eingängigste Phase von Wetton bei King Crimson, war sicherlich die Red-Phase. Wetton rang Robert Fripp eingängige Melodien ab und mit Wetton schlug KC eine kommerziellere Richtung ein ohne je kommerziell zu sein. Die Box The Road to Red zeigt die Entstehung des legendären Red-Albums anhand verschiedener Konzerte. Ich liebe diese Aufnahmen.

Bei der Hitze des Augenblicks schmolz ich hinweg
Ich erinnere mich noch an den Beginn der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich besuchte meinen örtlichen Schallplattenladen in Fürstenfeldbruck – den Sound in der Ledererstraße. Der Chef Rudi „Sound“ Hasmiller kannte meinen Geschmack und zeigte mir ein Album mit einer aggressiven Wasserschlange darauf. Die Band und das Album hießen schlicht Asia. Die Musik war der Hammer: The Heat of The Moment war der erste Hit von Asia und John Wetton war mit von der Partie. Jahr um Jahr kaufte ich mir die Asia-Platten, die allerdings ab dem dritten Album immer schwächer wurden.
Ich gebe Asia noch eine Chance. Im Februar 2017 erscheint ein Konzert von 2013, das zusammen mit einem bulgarischen Orchester aufgenommen wurde. Live in Bulgaria – Mein Gott, früher kamen Aufnahmen aus Budōkan, Madison Square Garden oder Royal Albert Hall – nun kommen eben Aufnahmen aus Bulgarien.

Keiner kannte UK
Und dann war noch UK. In einem Schallplattenladen in London fand ich Vinyl-Platten der Band, die ich nicht kannte. Dabei waren die Mitglieder von UK in der Szene berühmt: Wetton, Terry Buzzio (Zappa) und Eddie Jobson (Roxy Music). Ich kaufte die Alben und bereute es nicht. UK war allerdings bei uns nicht so bekannt, zumindest kannte ich kaum Leute, die die Band mochten. Meine Freunde standen zu der Zeit eher auf Punk und Electronic.

Mein gescheitertes Interview mit John Wetton
Einstmals hatte ich die Ehre, John Wetton in Person zu erleben und zu sprechen. Ich war damals Redakteur beim Münchner Merkur/Fürstenfeldbrucker Tagblatt und zusammen mit meinem Kollegen und absoluten Musikexperten Jörg Laumann besuchten wir das „Absolut-Festival“ in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck. Es war am 14. Juni 1997 und der Headliner des Tages waren BAP und die Spider Murphy Gang. John Wetton war auch mit von der Partie, spielte im Unterhemd seinen Bass und akustische Gitarre und widmete sich im Künstlerzelt einer jungen Dame und dem Alkohol. Für unsere Lokalzeitung hatte der britische Rocker kein großes Interesse und außer ein paar belanglosen Sätzen kam kein großes Interview heraus. Die junge, gut ausehende Dame habe ich übrigens Tage später am Geldautomat der örtlichen Sparkasse wieder getroffen. Sie erkannte mich und wir haben uns über John Wetton unterhalten. Die Infos sind privat. Ich staunte und schwieg. Ein Artikel über John Wetton im Merkur ist von mir nie erschienen.

Spider Murphy Gang im Lustspielhaus: Eben a bayrische Band

28. April 2011
Spider Murphy Gang 2011 im Lustspielhaus.

Spider Murphy Gang 2011 im Lustspielhaus.

Natürlich war es ein Heimspiel. Natürlich war das Lustspielhaus wieder mal ausverkauft und natürlich spielten die Spiders zahlreiche ihrer alten Hits. In ihrer Homebase in Schwabing hielten Günther Sigl und Barny „the red cap“ Murphy an Ostersonntag und -montag Hof und die getreuen Fans kamen in Scharen. Irgendwie war es ein Familientreffen. Über drei Fan-Generationen erschienen zum Konzert der einst „besten bayerischen Live-Band“. Die Spiders haben diesen Titel längst an jüngere Kollegen abgegeben und müssen sich nichts mehr beweisen, sondern können den fast schon intimen Konzertabend vor 260 Fans die meiste Zeit im Sitzen genießen. Ab und zu wird sich mal zum Solo erhoben, aber die Zeiten des wilden Rock´n Roll-Zirkus´ sind für die Gang vorbei.

Musiker und Fans erinnern sich an die gute alte Zeit als Chuck Berry, der dicke Fats, Elvis Presley und andere wilde Männer eine Musikrevolution auslösten. Mit den heutigen Spiders ist keine Musikrevolution mehr zu machen, aber das wollen die Fans auch gar nicht. Man traf sich gut gelaunt zum Rock´n Roll Rendezvous. Mit kleinen Geschichten aus der Welt der Spiders und des Rock´n Roll garnierte Günther Sigl die Instrumentenwechsel, kokettierte mit dem Alter der Musiker und gab weise Ratschläge zu einem zehnminütigen Spiel des E7-Gitarrengriffs. Ja Günther du hast recht, wenn du sagst, „damit kannste schon weit kommen.“ Gemeinsam erinnerte man sich wie der im Januar verstorbene BR-Moderator „Rolling Schorsch“ Georg Kostya den Spiders zum Durchbruch verhalf.

Das Publikum quittierte die Songs der bayerischen Band brav mit Applaus. Musikalische Experimente wollte hier keiner hören, obwohl die Spiders ein ungewöhnlich ruhiges und sehr inspirierendes „Johnny B. Goode“ darboten. Zu jeder Zeit hatten die Spiders die Stimmung im Griff, erinnerten immer wieder an ihre alten Helden, vergaßen aber leider den zu früh verstorbenen Roy Orbison, der am Karsamstag seinen 75. Ehrentag hatte. Die Musiker sind Könner ihrer Kunst, allen voran Barny Murphy und Boogie Woogie-Pianist Ludwig Seuss, der bayerische Schotte Willi Duncan und Saxophonist Otto Staniloi. Immer wieder war gemeinsames Mitsingen angesagt: „Pfüati Gott“, „Skandal im Sperrbezirk“, „Mir san a bayrische Band“, „Schickeria“, „Mit’n Frosch im Hois“ oder „Wo bist du?“. Während beim „Unter’m Kastanienbaum“ die Textsicherheit der Fans schwankte, war sie bei „Sommer in der Stadt“ wieder voll da. Liebe Spider Murphy Gang – bitte bleibt so und wir sehen uns wieder, versprochen!

Der Artikel erschien auch auf der Webseite Nachrichten München